Biomüll

19 04 2022

„Das ist so nicht ganz falsch, aber irgendwie doch. Dass Deutschland, also: die chemische Industrie in der Ukraine unterirdische Geheimlabore unterhält, ist natürlich Quatsch. Die sind weder geheim noch unterirdisch. Im Gegensatz zu Putins Niveau.

Meine Güte, Sie kaufen auch manchmal Waren aus dem Supermarkt? Dann muss Ihnen doch klar sein, dass man Majonäse mit legalen Mitteln nie zu dem Preis hinkriegt, den das Zeug kostet, nicht mal vor dem Krieg – die Globalisierung hat uns oft das Überleben gerettet, was die Kalkulation betrifft, aber was macht man, wenn es keine Rohstoffe mehr gibt? Die Öltanks jedenfalls sind oberirdisch, und das weiß dieser russische Schmierlappen ganz genau. Ohne ukrainisches Sonnenblumenöl keine deutsche Majonäse.

Dabei will die zugesoffene Halbglatze ja nur ablenken, weil in Russland gerade keine Majonäse mehr lieferbar ist. Das war ja praktisch an der alten Sowjetzone, man wusste für die nächsten fünfzig Jahre genau, was man liefern sollte. Ab und zu gab es dann keine Gläser für die Majonäse, aber das war nie unser Problem. Früher hat man dafür einen von den Produktionsleitern nach Sibirien geschickt, dann wurde ein Minister rausgeschmissen, jetzt wird der Minister nach Sibirien geschickt, der Putin dreißig Jahre lang verschwiegen hat, dass Putin vor dreißig Jahren die Glasproduktion eingestellt hat, um mehr Majonäse zu exportieren. Wenn es ganz schief läuft, hat einer von denen einen Herzinfarkt.

Haben Sie sich mal gefragt, was wir mit dem Biomüll anstellen, den wir im Westen sortenrein trennen? Machen Sie sich keine Sorgen, der verlässt in genau der Mixtur die EU, nur eben nicht mit dem Ziel bioökologisch-dynamischer Kompostierung für eine nachhaltige Versorgung mit Obst und Gemüse. Hauen Sie zwei Zentimeter Analogkäse drauf und kloppen Sie Plastefolie drüber. Den Scheiß schiebt sich der Komsomolze in die Mikrowelle, oder was hatten Sie jetzt gedacht?

Aus der Perspektive ist es ja fast schon wieder einzusehen, dass der Russe so einen Aufstand um seine chemische Industrie macht, beziehungsweise: um unsere multinationale Versorgung mit genau den Konsumgütern, die man da so braucht. Wenn Sie zufällig mal in einem Moskauer Tiefkühlregal nach Fischstäbchen gesucht haben, verstehen Sie schnell, warum die so scharf auf B-Waffen sind. Die haben den Großen Vaterländischen Krieg gegen diesen Bettnässer aus Braunau mit Taschenmessern und Nagelfeilen gewonnen. Reine Handarbeit, absolut keine Wissenschaft. Und jetzt plärren diese Idioten herum, wenn die Ukrainer ihr Kriegsschiff mit dem Dosenöffner absaufen lassen.

Wobei uns das als Zulieferer für die chemische Industrie vollkommen egal sein kann. Wir haben genug zu tun mit den Rohstoffen für Chemtrails und Putins Nervengift, da müssen wir nicht auch noch mit Viren herumexperimentieren. Wir hatten ja nicht mal Zeit, als uns die Chinesen vor ein paar Jahren die Beteiligung an der Entwicklung von neuen Grippeerregern angeboten hat. Wir hatten das nicht mehr weiter verfolgt, scheinbar haben die Russen damals den Deal auch angeboten gekriegt, und die konnten sich die Rohstoffe nicht leisten.

Jetzt könnte man den Spieß natürlich umkehren und eine internationale Delegation nach Russland schicken, um das ganze Land nach unterirdischen Geheimlaboren zu durchsuchen. Lassen Sie da mal die richtigen Fachleute in der Kommission sitzen, die würden welche finden. Vermutlich sogar in der Ukraine. Diese Pippi-Langstrumpf-Logik wenden die Russen ja schon seit Ewigkeiten an: es muss in der Ukraine Geheimlabore für Biowaffen geben, denn wir sind fest davon überzeugt, dass die über Biowaffen verfüge, und wo sonst sollte man so was herstellen, wenn nicht in einem Geheimlabor.

In gewisser Hinsicht muss ich Ihnen sagen, dass uns die ganze Diskussion auch irgendwie beruhigt. Solange die Verschwörungsdeppen schreien und ein paar dumme Arschlöcher immer neue Gründe finden, warum Russland von den Amerikanern angegriffen wird, interessiert sich nämlich keine Sau dafür, was wir in der Majonäse verklappen. Ein bisschen Realitätsverlust ist ganz gut fürs Geschäft, immer vorausgesetzt, es ist Ihre Realität. Und das ist doch der eigentliche Punkt: je unglaublicher die Verschwörungserzählungen werden, desto blinder werden die Leute für das Unglaubliche, das direkt unter ihren Augen stattfindet. Wenn Sie sich mal wirklich dreckige Biotechnologie ansehen wollen, dann besichtigen Sie unsere Öltanks.

Abgesehen davon, dass diese zitternde Pissnelke uns für so böse hält, dass wir es sogar mit einem ausgewachsenen Faschisten wie ihm aufnehmen – und wir wissen, wohin das führt, wenn man sich bei einer Kriegserklärung verschätzt, er hat das noch vor sich – ist es ja fast schmeichelhaft, wenn Putin uns zutraut, dass wir diese Kampfstoffe entwickeln können. Ohne seine Hilfe. Oder zumindest nicht in Kooperation mit dem Irak. Oder China. Da könnte man ja jetzt mal überlegen, ob das nur so ein Ablenkungsmanöver von den Russen ist oder ob die sich tatsächlich ärgern, dass wir auch Kampfstoffe haben. Oder Viren. Oder zumindest Hochschulen mit einem Labor, in dem man alles bauen kann, was man für einen ordentlichen Angriffskrieg braucht, und das ist eine ganze Menge. Oder was meinen Sie, woher Putin sein Viagra kriegt?“


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