Kurzschlusshandlung

4 05 2022

„Aber doch nicht Bayern!“ „Vielleicht Bayern gerade eben noch, aber gar auf keinen Fall Baden-Württemberg!“ „Wenn BMW in Feindeshand fiele, das wäre eine Katastrophe!“ „Aber Mercedes, das wäre besser?“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht auf, bisher haben wir nur russisches Militär im Land, es ist ja noch kein Schuss gefallen.“

„Das ist bundesdeutsches Territorium, damit ist das auch ein Verteidigungsfall!“ „Aber die NATO wird nicht eingreifen, weil die Truppen ganz ruhig und friedlich eingerollt sind.“ „Friedlich nennen Sie das!?“ „Der Stuttgarter Bahnhof ist dem Erdboden gleich!“ „War mir gar nicht aufgefallen.“ „Und die Theresienwiese!“ „Und Neuschwanstein ist platt!“ „Das lässt sich doch sicher wieder aufbauen.“ „Man muss auch mal mit Rückschlägen rechnen, das ist im Krieg eben so.“ „Beim letzten Mal hatten wir regelrecht Wirtschaftswunder.“ „Naja, die meisten Innenstädte sehen heute scheiße aus.“ „Schwund gibt’s halt immer.“ „Die Schlösser, die Kirchen, das sind alles Kulturgüter!“ „Sehen wir’s mal ganz pragmatisch: ohne Bayern können wir hier gut überleben, ohne Gas und Erdöl nicht.“

„Aber warum gerade Bayern und Baden-Württemberg?“ „Ist doch logisch, weil sich Putin die wirtschaftlich stärksten Standorte aussucht.“ „Das klang in der Kriegserklärung ganz anders.“ „Erstens handelt es sich nicht um einen Krieg, sondern um eine militärische Sonderoperation, und zweitens ging es um die Friedenssicherung in der EU.“ „Was ja auch nicht ganz unberechtigt ist, wo doch die ganzen Atomwaffen der NATO hier im Süden stationiert sind.“ „Und wir wollen bitte auch nicht unterschlagen, dass der freie Zugang zu den Alpen für die russische Tourismusindustrie ein Weg sein wird, um nach dieser Militäraktion einen sehr stabilen Frieden zu etablieren.“ „Sie haben doch einen Knall!“ „Jetzt regen Sie sich nicht so auf, das schadet noch den internationalen Beziehungen!“

„Das ist mir scheißegal, die Russen kriegen eins aufs Maul!“ „Also das ist absolut kontraproduktiv, Sie müssen immer damit rechnen, dass die Situation durch impulsive Aktionen eskalieren kann.“ „Das würde zu einer Ausweitung der Operation auf die restliche Bundesrepublik führen.“ „Und wenn es ganz schlimm kommt, dann dreht Putin bei einer unbedachten Widerstandshandlung das Gas ab.“ „Dann möchte ich Sie sehen, wie Sie den Leuten erklären, dass sie wegen einer Kurzschlusshandlung nicht mehr heizen können.“ „Und dann gibt es auch keine Autos mehr.“ „Außerdem sollten Sie auch im Kopf haben, dass sich die Lage verschärfen könnte, wenn die Russen erst einmal weg sind.“ „Dann gucken Sie nämlich blöd aus der Wäsche, wenn da auf einmal der Chinese am Chiemsee steht!“

„Auf der anderer Seite haben wir dann auch Ruhe, wenn sie den Söder einkassieren.“ „Der ist doch schon in Moskau?“ „Auch nicht schlimm.“ „Das ist ja nett gemeint, aber man muss halt Opfer bringen.“ „Vielleicht schicken sie den ja zurück, wenn sie merken, was das für eine Knalltüte ist.“ „Machen Sie sich keine Hoffnungen.“ „Vielleicht verhandelt er ja mit Putin und bietet ihm Franken an, damit er seine Truppen abzieht.“ „Dann reißt er sich Franken unter den Nagel und lässt die Truppen trotzdem stehen.“ „Aber es kommt nicht zum Atomkrieg.“ „Weil Putin die Bundesrepublik nicht zerstören würde?“ „Das war doch als militärische Sonderoperation zur Befreiung von der NATO gedacht?“ „Am Anfang ja, zwischendurch auch noch mal kurz, was das jetzt gerade ist, entzieht sich meiner Kenntnis.“ „Dann sollten wir erst recht nicht provozieren.“ „Am Ende verliert er noch den Überblick und kehrt zu seinen ursprünglichen Zielen zurück.“

„Und das halten Sie völkerrechtlich für korrekt, was da gerade abgeht?“ „Völkerrecht hin oder her, hier geht’s um die Interessen der Wirtschaft!“ „Und die Börsenkurse bitte nicht vergessen!“ „Stellen Sie sich mal vor, das spricht sich herum, dass wir ein von der NATO unterdrücktes faschistisches Regime sind!“ „Keiner wird hier investieren!“ „Der ganze Wirtschaftsstandort wäre für immer verbrannt!“ „Ganz davon abgesehen hätte ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik überhaupt keine Chance mehr auf dem Weltmarkt!“ „Wir mussten ja leider die Wind- und die Solarindustrie in die Tonne treten, weil das Öl plötzlich so billig war!“ „Das war unser Schicksal, wir konnten nichts dafür!“ „Und Sie verlangen jetzt, dass wir uns nur für ein paar schöne Landschaften und das bayerische Bier von unserer Zukunft verabschieden!“ „Das nenne ich mal unpatriotisch!“ „Pfui Teufel!“

„Dann möchte ich gerne mal wissen, wie Sie das durch den Bundesrat kriegen.“ „Oder vorbei am Bundesverfassungsgericht.“ „Das ist in so einem Fall doch gar nicht relevant!“ „Außerdem muss man berücksichtigen, ob der Staat ohne nachhaltige außenpolitische Einigung überhaupt noch existieren würde.“ „Man kann nicht einfach mit unbewiesenen Behauptungen…“ „Wo wir gerade beim Thema sind: was war das mit der Entnazifizierung?“ „Die hat doch stattgefunden?“ „Ich weiß jetzt gerade nicht, worauf Sie hinauswollen.“ „Wenn die Russen irgendwas entnazifizieren wollen, warum dann nicht Sachsen?“ „Liegt ja auch viel näher am Osten, wenn sie sowieso in Polen einmarschieren.“ „Aber als Freistaat ist Bayern sicher viel attraktiver.“ „Das ist Sachsen auch.“ „Und Thüringen kriegen sie als Dreingabe dazu.“ „Ist das völkerrechtlich überhaupt möglich?“ „Können wir das hinterher klären?“ „Ja, warten Sie mal eben.“ „Was macht er denn jetzt.“ „Er sucht die Telefonnummer.“ „Karlsruhe?“ „Nee, Moskau.“


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