Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXVII): Der zurücktretende Politiker

3 06 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich haben die Menschen alles schon gesehen, den Zyklopen auf dem Einrad, einen Kardinal mit Kind und Kegel oder den Liberalen, der eine ganze Tasse im Schrank hat. Nach ein paar Jahren jedoch verblasst die Erinnerung, wabert ins Ungefähre und wird zum Mythos, mit dem man die Erzählung des Stammes auf ein neues Niveau hievt. Wie allerdings Minister aussehen, die sich nach dem Fund silberner Löffel in ihren Hosentaschen ohne Ehrenwortspielchen vom Acker machen, ist seit kurz vor der Erfindung der Höhlenmalerei nicht mehr bekannt. Warum ist uns der zurücktretende Politiker nicht wenigstens als moralische Figur in der Gesellschaft erhalten geblieben?

Kurze Antwort: da es keiner moralischen Figur mehr bedarf, wo die Gesellschaft auf Moral pfeift. Wir haben uns über einen längeren Zeitraum damit abgefunden, dass die angeblichen Lichtgestalten, denen wir die Verwaltung dieses Landes auftragen – von Führung spricht ja keiner mehr, seitdem wir die Ansammlung von EEG-Nullkurven als Kanzler präsentiert kriegen – die Bürger repräsentieren, die außer ‚Weiter so‘ oder ‚Mir doch egal‘ nicht viel intellektuelles Postulat zusammenzuschwiemeln bereit sind, auch nicht mit der Knarre am Kinn. Die Einäugigen entfernen vorsorglich dem einzigen Blinden in ihrer Mitte auch noch das Gehirn, damit er sie nicht überfordert. So funktioniert heute die Demokratie, über die sich alle beschweren, dass sie heute nicht mehr funktioniert.

Wir hatten in der jüngeren Geschichte eine gute Anzahl an Mehlmützen, die sich nach einer Runde im Ring verabschiedet haben, Weichlinge, denen das Amt über den Kopf wuchs, Hobbybrezeln mit Ambitionen jenseits der eigenen Intelligenz, selten die wenigen Frauen, denen man mit Kinkerlitzchen kam, die ihre testosterongeschwängerten Kollegen als Beweis für ihre Schmerzbefreiung genommen hätten. Ab und zu musste eins aus Überzeugung die Brocken hinschmeißen, selten protestierte ein späterer Präsident gegen die Wiederbewaffnung der Betonregierung. Ansonsten umgab die Diener der Herren, die sich als Herren der Diener empfinden, der selbstgehäkelte Nimbus der Unfehlbarkeit, Jahre vor Merkel teflonisiert mit dem Extrakt von Geschichte und Missachtung der Wähler, die als Souverän im politischen System eh die Last der Missachtung mit sich schleppen. So kann jede dahergelaufene Namensansammlung mit ohne Berufsabschluss die Sänfte ordern, die zum Schafott führt, oder der kernkorrupte Lackl aus der königlich-bayerischen Korrekturanstalt, die die Soziopathen als aktive Biowaffen ins Bundesgebiet schickt, um zu testen, wie viel Kohle ein einziger Blödföhn in der verhassten BRD GmbH abfackeln kann. Die Beispiele, wie viele Minions trotz kaum sichtbarer Eignungen die Nähe der Verantwortung genossen haben, ist inzwischen Legion.

Denn Verantwortung ist komplett aus der Mode gekommen. In früheren Zeiten haben Politiker das Amt schon dann zur Verfügung gestellt, wenn sich unter ihrer Führung bräsiges Personal mit seinen Schnapsideen selbständig gemacht hat – haben die Mäuse auf dem Tisch getanzt, kriegt halt die Katze eins vor dem Latz. Reichte es früher noch, als Verteidigungsministrant in Badehose zu posieren, muss man heute Machtmännlein, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausplaudern, Polizeigewalt beim Erzeuger ordern oder einen Maskendeal für Freunde und Familie organisieren, um sich von der Kohle Villen zum Schnäppchenpreis zu kaufen, als normale Vertreter einer ganz normalen mafiösen Branche sehen, die immer mal wieder die asozialen Arschgeigen nach oben spült, um auszutesten, was man dem Volk noch zumuten kann, bis jemand dem Hohlschwätzer unter Applaus ein Kantholz in den Rüssel schiebt.

Wir haben mit der Umformung der Gesellschaft auf ein konkurrenzorientiertes Rattenrennen auch die Umwertung aller Werte erlebt, von denen die Repräsentanten der Verfassung scheint’s nichts wissen wollen, da sie ihren persönlichen Begierden im Weg stehen. Böse ist Gut, Dumm ist Schlau, und als käufliche Kasperade hat man einen einklagbaren Anspruch, dem Volk das letzte Hemd auszuziehen – so die Ambition derer, die sich selbst für wesentlich halten, nicht aber ihr Amt. Die Geschichte wird es nicht kümmern, welche Schranzen sich durch sie hindurch barzeln und barscheln, Hätte man früher die Möglichkeiten gehabt, die akademischen Grade der Herrschaften auseinanderzupopeln, die Karriere mancher Schreihälse wäre leiser abgesoffen.

Immerhin haben wir heute zur Kompensation der gröbsten Auswirkungen, die uns das Peter-Prinzip beschert, eine Patentlösung: das Prinzip ist seine eigene Therapie, mit der die Querkämmer auf irgendeinen Posten gehievt werden, auf dem sie nicht mehr viel Schaden anrichten können, oftmals bei fürstlicher Besoldung und ohne jegliche Folgen in Bezug auf ihren vorherigen Griff ins Klo. Auf diese Art lernen die Schimmelhirne nie, wann es wirklich vorbei ist, und alles beginnt wieder von vorne. Wie ulkig wäre es, ein Minister träte heute zurück, weil er die Putzhilfe seiner Frau aus öffentlichen Geldern gezahlt hat. Wie altmodisch.