Mein Apfelbäumchen

31 07 2022

Alles wankt. Das Ende naht.
Nichts ist mehr gewiss.
Was Ihr in der Ferne saht,
als der Himmel riss,
alles düster, schwarz und grau –
jede Aussicht trüb.
Keiner weiß mehr so genau,
was davon uns blieb.
    Was wird aber davon bleiben,
    nicht im Wind, im Wasser treiben?
    Wer will’s mit dem Teufel tanzen,
    statt sein Apfelbäumchen pflanzen?

Herzlos ist die Ungeduld,
bis das Gute reift.
Wird es schlecht, wer trägt die Schuld,
die sich nicht begreift?
Was verleiht dem Leben Sinn,
macht uns froh und reich?
Lebt man nur für den Gewinn?
Ist bald alles gleich?
    Wer Besitz und Macht erstrebt,
    gegen Mensch und Menschheit lebt,
    trägt der Eitelkeit Monstranzen,
    will kein Apfelbäumchen pflanzen.

Heiter bleibt, wer stets vertraut,
wenn der Tag sich neigt,
dass er leise oder laut
sich als Freund bezeigt.
Mancher, der den Geist verhöhnt,
blickt auf seine Uhr,
geht verletzt und unversöhnt
und lässt Schatten nur.
    Wer sich seine Ziele setzt,
    weiß: die Hoffnung stirbt zuletzt,
    soll man doch im Großen, Ganzen
    nur sein Apfelbäumchen pflanzen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DCIV)

30 07 2022

Emilio, der schwimmt in Sassetta
im Freibad auch bei schlechtem Wetter.
Wenn er eh schon nass wird,
sieht er, wer schnell blass wird,
und ist schon zur Stelle als Retter.

Bas will seine Ruhe in Tzum.
So stellt er sich dauernd dumm.
Sagt man, dass bald jede
ihn hielten für blöde,
so nickt er und spricht: „Eben drum.“

Zum Fußball geht Gian in Borore
nicht wegen des Spiels und der Tore.
Als Ehrenspielführer
schätzt er die Verlierer
und stiftet stets eine Amphore.

Von Kühen hat Pieter in Bornwird
null Ahnung. Er guckt, was zum Horn wird,
so kann er vermuten
zum endlichen Guten,
wo bei der Kuh hinten und vorn wird.

Alberto, der kocht in Bessude,
doch keiner besucht seine Bude.
Zu Himbeeren, Fischen
Grünkohl aufzutischen,
das fanden die Gäste schon krude.

Marinus und Jan, die in Drachten
schon planten, den Chef zu entmachten,
an dem sie so litten,
sind deshalb zerstritten,
bis sie sich zum Schluss dann verkrachten.

Es kauft Carlo in San Sperate
ein Haus und zahlt Rate für Rate.
Er fährt nicht mehr Mofa,
schläft auf einem Sofa
und isst wenig. Bis auf Salate.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXXV): Sauftourismus

29 07 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wann auch immer es schiefgelaufen sein wird: es war früh. Rrt musste jede Menge Buntbeeren kauen, die Mesopotamier sauber Bier wegeimern, in den Klöstern wurde der Stoffgehalt optimiert, doch erst der moderne Mensch kann sich seinen Filmriss mit der gewünschten Dosis ansaufen. Kein Wunder, dass moderne, auf Performance gedrillte Grützbirnen aus dieser geradezu langweiligen Hölle des Hirnlösungsmittelkonsums ausbrechen wollen, die ihnen nur den kalkulierbaren Absturz bietet, der spätestens nach einem ganzen Tag Nüchternheit wieder in die wirtschaftliche Verwertbarkeit führt. Es gibt einen Ausweg, der so ähnlich funktioniert wie des Moralisten Neigung, den eigenen Garten sauber zu halten, indem er den Müll über den Zaun schmeißt. Man gibt sich dem Sauftourismus hin.

Manche Völker sind sich auch ohne militärische Ambitionen sicher, dass Reisen alleine nicht halb so befriedigend ist, wenn man nicht anderer Leute Hab und Gut in Schutt und Asche legen kann. Erst das Bewusstsein, in einem anderen Land als besonders widerlicher Zerebraldilettant aufzufallen, löst jene Befriedigung aus, die sich zu Hause einfach nicht einstellen will, auch wenn die Muster ähnlich sind. Wie der Spießbürger reflexartig zum Lachen in den Keller steigt, weil er da sein übliches Grundniveau wiedertrifft, lagert er seine gesamten Peinlichkeiten gerne in anderer Herren Länder aus – die Gefahr, in der eigenen Nachbarschaft als zivilisatorischer Fehlversuch erkannt zu werden, ist sofort gebannt. Dass derartige Enthemmung stets im Kollektiv stattfindet, ist kein Zufall. Ein gruppendynamischer Prozess nutzt die Nähe des Gleichartigen, um eine Homogenität des Handelns zu erzeugen, und sei es die Veranlagung zum Verwahrlosen in einer Art und Weise, wie sie andere Urlaubsgestaltungen, allen voran Camping, an Intensität und Geschwindigkeit nie wird bieten können.

Wo sich der Durst als Grundemotion einer tiefenbescheuerten Gesellschaft Bahn bricht, ist der ritualisierte Drogenkonsum nicht weit. Zwar wissen geübte Trinker auch die physische Nahtoderfahrung eines Volksfestes zu schätzen, doch beschränkt sich der Besuch auf der Bierwiese meist auf ein bis zwei Tage zuzüglich An- und Abreise zu festen Terminen und unter erheblichem logistischen Aufwand sowie unter finanziellen Belastungen, die man sich auch nur einmal im Jahr leisten kann. Die eine bis zwei Wochen dauernde Druckbetankung am Strand der einschlägigen Ferienparadiese jedoch kennt weder Einlasszeiten noch Sperrstunde, erfordert keine als standesgemäß erkennbare Kostümierung, die den gemeinen Klötenkönig in etwas noch Hässlicheres verwandelt, und findet weitegehend unter Negation aller bis dahin bekannten sozialen Normen statt. Kleinere Konflikte werden ad hoc mit Fausthieben geklärt, danach liegt man sich wieder lallend in den Armen und feiert seine eigene Verrohung.

Schon wehren sich die einschlägigen Inseln gegen den Einfall hedonistischer Horden, die außer Urin und Ruin nichts hinerlassen. Doch helfen die Appelle, sich an der Düne nicht die Kante zu geben und kein obszönes Liedgut zu grölen, nicht wirklich weiter, so dass den Einheimischen nur die Bremse bleibt: kein Suff im Sand, Geldbuße beim Verstoß gegen die Verordnung, Platzverweis, Einreiseverbot im Wiederholungsfall. Da tost des Teutonen Blut im Schädel, wird er doch behandelt, wie man das sonst zu Hause nur mit Ausländern machen würde. Von Abkanzelkultur schwiemelt er sich’s zurecht, von Rassismus gegen Reisende. Doch da sind den Gastgewerbetreibenden die Treudeutschen lieber mit grauer Socke in der Trekkingsandale, die noch zünftig Kohle ins Land tragen und es nicht zum Aufmarschgebiet ungehemmter Randaleros verkommen lassen. Die einschlägigen Kneipen sind inzwischen genau so dicht wie ihre ehemaligen Gäste, doch nicht einmal die Pandemie hat das Rudel der Blödföhne vertreiben können.

Denn die Knalldeppen auf der anderen Seite des Tresens haben es den Eimertrinkern leicht gemacht. Wer einmal mit Freibier angefüttert wird, sich die Birne komplett zuzulöten, mutiert nicht plötzlich zum kulturbeflissenen Wanderer, der individualreist und die malerische Zwei-Sterne-Pension mit ohne Frühstücksangebot bucht, um der Zwangsjacke des Gymnasialpädagogen (Deutsch, Geschichte) für vierzehn Tage ledig zu sein. Währenddessen zerlegt das Gehirngestrüpp im Furor die Inklusivhotellerie, wo man erst beim Einchecken erfährt, dass es die Alkoholika nicht mehr kostenfrei gibt oder nur noch in Mengen, die nüchtern nicht zu verkraften sind. So ist nun die Abstinenz der Untergang der trinkenden Klasse, die nicht genug Barschaft am Mann trägt, um den komatösen Dauerzustand zu erhalten. Tragödien spielen sich ab an der Bar, in Tränen aufgelöste Zecher bembeln sich auf Zeit die Reisekasse hinters Zäpfchen, damit sie nach einem Tag Alkoholvergiftung den Rückflug antreten können. Gut, dass das die Champagnerleichen in Ischgl nicht sehen müssen, aber da ist sich die Mittelschicht einig. Das ist natürlich etwas ganz anderes.





Schlüsselposition

28 07 2022

Anne tupfte sich den Schweiß von der Nase. „Stromfresser hin oder her“, stöhnte sie, „es ist zu heiß.“ Luzie nickte. „Ich hole den Ventilator aus dem Keller.“ Sie stand auf, ging durchs Vorzimmer und öffnete die Schiebetür, hinter der sich die kleine Abseite und das Schlüsselbrett befand. Was sich am Brett nicht befand, war der Kellerschlüssel.

„Aber er hat doch immer dort gehangen?“ Ich betrachtete sehr konzentriert die Auslegeware der Kanzlei, denn jeder wusste, in welchem Verhältnis Anne zu Schlüsseln im Allgemeinen stand. Bis auf den Autoschlüssel, inzwischen eine Fernsteuerung für den Wagen, die sich stets in ihrer Handtasche befand und häufig sogar in der richtigen, hatte sie die Schlüssel für Geschäfts- und Privaträume aus Erfahrung in mehrfacher Ausfertigung bei mir und Breschkes deponiert, in der Küchenschublade von Staatsanwalt Husenkirchen und bei Doktor Klengel. „Warum hängt der Kellerschlüssel nicht an diesem Brett“, knurrte Anne, „und warum hängt das Brett nicht an der Tür wie in jedem anderen Haushalt?“ „Weil dies eben kein Haushalt ist“, wandte ich ein. „Luzies Idee, das Brett nicht neben den Eingang zu schrauben, liegt daran, dass zu viele Mandanten die Kanzlei betreten, denen man alles zutrauen kann.“ Sie zog die Stirn in Falten. Das hatte damals auch ihr eingeleuchtet, nicht aber der Gedanke, dass es für Schlüssel nur ein sicheres Quartier geben kann: ein abschließbares Kästchen, klein oder groß, gut zugänglich, aber eben abschließbar.

Luzies Einwand, sämtliche Schlüssel wären so sicher wie in Abrahams Schoß, lägen sie in ihrem Schreibtischschränkchen, hatte Anne frühzeitig in argumentativem Furor beiseite gewischt. „Was soll ich denn machen, wenn Du mal einen freien Tag hast?“ Die Büroleiterin, die stets als erste die Kanzlei betrat, schloss natürlich auch die Laden an ihrem Arbeitsplatz auf. „Notfalls könnte ich die Schlüssel in Deinem Schreibtisch deponieren“, gab sie mit sarkastischem Unterton zurück. „Ich habe ja den Ersatzschlüssel bei mir zu Hause.“ Der Teppich begann wirklich interessant auszusehen.

Das Problem war bekannt, hatte eine Geschichte und zu viel Wirrungen geführt, die auch durch das kleine Gerät nicht besser wurden, das Breschkes Tochter von einer Ostasienreise mitgebracht hatte. Der Schlüsselfinder, der am Corpus delicti befestigt werden konnte, sollte mit Hilfe von Funkwellen aufgespürt werden, wie das ja Anne auch mit ihrem Wagen tat – das sportliche Gefährt war nicht eben unscheinbar, jeder hätte es auf dem Parkplatz leicht ausfindig machen können, doch sie zog es vor, mit dem kleinen Druckknopfdings durch die Reihen zu gehen und beständig um sich zu blicken, wo unter meerschweinartigen Quietschgeräuschen hektisches Blinken sichtbar ist. Allein sie hatte die Vorliebe für den Ablauf nicht auf das rote Plastikteil übertragen, so dass der Kellerschlüssel weiterhin verschollen blieb. Luzie sah sich hilflos in der Abseite um. „Wo ist eigentlich dieser Schlüsselfinder?“

Tatsächlich gibt es Bodenbeläge, denen man nach jahrelanger, regelmäßiger Belastung kaum ihr Alter ansieht. Ganz nebenbei hörte ich, wie Anne aus der Erinnerung den Verbleib des Suchgeräts rekonstruierte; sie hatte ein Loch an der stilisierten Blume entdeckt und ihn aus Gewohnheit zusammen mit dem Schlüssel und der Empfangseinheit an den Ring gehängt, wo sie nun in trauter Dreisamkeit wieder verbunden waren, wo auch immer. „Es kann sich höchstens um höhere Gewalt handeln“, ätzte Luzie, „nichts hindert uns, das Haus einzureißen, wenn wir den Keller betreten wollen.“ Ich spielte vor meinem geistigen Auge einige Szenarien durch, in denen die sich anbahnende Katastrophe ohne größere Folgeschäden abgewendet werden könnte, da kam Anne der entscheidende Gedanke. „Ich habe das bestimmt in der Handtasche.“ Die Nachschau ergab, dass dem nicht so war. Es bestand keine Hoffnung mehr. Vermutlich würde ich so schnell wie möglich einen Ventilator besorgen müssen, um dieses unerträgliche Klima wiederherzustellen.

„Die unterste Schublade!“ Luzie drehte sich auf dem Absatz um, stürmte ins Besprechungszimmer und setzte sich auf den Drehstuhl. „Ich bin ja nicht immer pflegeleicht“, maulte Anne, „aber das geht nun wirklich zu weit.“ „Ach was!“ Luzie hatte das Aktenfach geöffnet, wühlte zwischen den Mappen herum und zog endlich triumphierend das gesuchte Dreigestirn hervor. „Ich wusste doch genau, dass da etwas Rotes unter den Deckeln liegt.“ Ein Druck auf die Sendeeinheit bestätigte, dass zumindest auf kürzere Distanz der am Schlüssel angebrachte Empfänger so zuverlässig wie nervtötend fiepte. „Wir müssen also jetzt den Sender abziehen, dann kommt der Schlüssel wieder ans Brett, und wenn wir ihn tatsächlich einmal nicht finden sollten, dann haben wir immer noch diesen kleinen Helfer.“ Anne seufzte. Es hatte sich nicht nur die Anspannung der vergangenen Stunde in Wohlgefallen aufgelöst, sie konnten nun auch darauf warten, dass ein dienstbarer Geist – nämlich ich – den Ventilator die Treppen bis ins dritte Stockwerk tragen würde. Da es sich um ein Standmodell mit schwenkbarem Kopf handelte, blieb ihnen auch gar nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben.

Der Ventilator tat, wozu er angeschafft worden war: er wirbelte Luft in den Raum. „Übrigens“, ließ sich Luzie vernehmen, „Breschkes Tochter hat nicht nur einen mitgebracht.“ Und sie zog ein Tütchen aus dem Regal in der Abseite. Noch ein Suchknopf mit Piepser. Anne war perplex. „Kein Problem“, sagte ich. „Wenn der Schlüsselfinder mal verloren geht, kleben wir den anderen an den Empfänger, und Du hast noch einen Ersatz für die Handtasche.“





Zitterparty

27 07 2022

„Kalt duschen, am besten nur einmal am Tag, für den Frieden auch mal trockenes Brot essen, am besten auch nur einmal am Tag, damit wäre und schon viel geholfen. Also uns. Wenn Sie das tun.

Wir wissen auch noch nicht genau, was sich der Herr Bundespräsident ausgedacht hat, das Papier sollte aber in den nächsten drei Tagen fertig sein. Er hat mal wieder einen Anfall von Sozialphilosophie gehabt, sieben bis zehn Druckseiten, wir werden das gegenlesen und dann in eine Form bringen, in der die Veröffentlichung möglich ist. Erst wollte der Herr Bundespräsident eine öffentliche Rede halten, aber die Situation ist einfach zu ernst dafür.

Nur noch einen Raum beheizen, nachts die Heizung abdrehen, das wird zwar von den meisten schon beherzigt, von hart arbeitenden Menschen teilweise, das muss man den Bürgern zumuten können. Dass der Herr Bundespräsident von Härten spricht, weil wir diese Herausforderung gemeinsam und in Geschlossenheit angehen wollen. Irgendwo hatte er das schon mal gesagt, ich weiß nicht mehr, wo, aber es wird schon richtig gewesen sein. Wenn der Herr Bundespräsident solche Botschaften mit der Bevölkerung teilt, kann er auch nicht einfach irgendwas sagen. Also nicht immer.

Wir können beispielsweise mit dem Rad fahren oder den Bus nehmen, wenn das Neun-Euro-Ticket weg ist, damit wir alle wieder mit dem Auto fahren können wie bisher. Also wenn wir alle bisher mit dem Auto fahren konnten. Das ist eine sehr gute und durchdachte Maßnahme, die die Bevölkerung verbindet und vereint, weil daran alle teilnehmen können, die Autofahrer, die Radfahrer, Menschen ohne Rad, die sich nur ein Rad zu kaufen brauchen, damit sie mitmachen können – die oberste Priorität ist in dieser schwierigen Lage die Gemeinsamkeit, die uns verbindet. Ein Tempolimit würde sicher die Fußgänger ausgrenzen, das könnte ich mir vom Herrn Bundespräsidenten gar nicht vorstellen. Er denkt in dieser Situation gesamtgesellschaftlich, das heißt sozial, und das bedeutet: manche müssen halt rudern, wenn andere Wasserski fahren wollen. Das ist ein Naturgesetz, und die Politik kann ja nichts gegen Naturgesetze tun.

Die Freiheit wird in diesem Augenblick eben am Gashahn verteidigt, das ist die Zeitenwende. Wir haben die ersten Entwürfe gesehen, aber das hat der Herr Bundespräsident begriffen, dass wir auch auf symbolische Dinge, die uns lieb und teuer sind, vor allem teuer, dass wir darauf verzichten müssen, um innerlich gefestigt diese Lage zu überstehen, ohne uns nur auf die Politik zu verlassen, die zwar schon ihr Möglichstes tut, aber eben mehr eben auch nicht. Wir brauchen starke Zeichen, große Bilder, die um die Welt gehen und in Erinnerung bleiben, wie wir alle mit dieser Krise umgegangen sein werden, indem wir Alltagssorgen teilen, uns auch in der Distanz nahe sind Kerzen anzünden und… – Nee, das war ja Corona.

Ist ja egal, wir haben jetzt auch die Chance, die Krise als Chance zu sehen. Bisher war das meistens umgekehrt, also in der Politik, die uns das trotzdem als Chance verkauft hat, aber jetzt wird alles anders. Zeitenwende! Wir können diese Epoche, diesen Abschnitt unserer Geschichte mit dem Gefühl erleben, dass wir live dabei sind, wenn sich Dinge ändern! Das war bei der Wende, am 11. September, das sollten wir doch jetzt auch hinkriegen! Wir machen aus dieser Krisensituation eine Zitterparty – Party, nicht Zitterpartie.

Sie müssen das ja perspektivisch sehen, weil wir die Maßnahmen auch auf Nachhaltigkeit auslegen. Wenn wir jetzt sparen, dann geht es uns nachhaltig scheiße. Was wir jetzt nicht durch Schulden oder klug angelegte Investitionen für Bildung, Verkehr, für Digitalisierung und vor allem für Klimaschutz sichern, das kriegen wir in ein paar Jahren alles mit Schmackes aufs Maul. Gut, die meisten Dinge eher in ein paar Jahrzehnten, deshalb sollten sich diese Jugendlichen heute nicht auf der Straße festkleben, sondern möglich kalt duschen. Wenn die in unserem Alter sind, gibt’s keine Duschen mehr, vermutlich nicht mal mehr Trinkwasser. Aber wenigstens wird es dann so warm sein, dass man Heizkosten spart.

Also müssen wir in dieser Lage realistisch bleiben – es kann sich nicht jeder Bürger ein Kernkraftwerk in den Vorgarten stellen. Manche wohnen im Hochhaus, die haben keinen Vorgarten. Trotzdem müssen wir alle Debatten ergebnisoffen führen, das ist immer zu erwarten, wenn man keine Ahnung hat, und wer wüsste das besser als der Herr Bundespräsident. Das gilt im großen geopolitischen Maßstab, in der Familie, wenn es im Supermarkt wieder kein Klopapier gibt: uneingeschränkte Solidarität, nicht nur mit der Ukraine. Der ganz normale deutsche Millionär, der kann ja nichts dafür, dass er nicht in der Ukraine geboren wurde. Da müssen wir alle etwas tun, weniger ins Kino gehen, in Deutschland Urlaub machen, solange es noch Kurzstreckenflüge gibt, oder alle mal länger arbeiten oder… – Nee, das war ja Steinbrück.

Wir müssen das Volk vor der Spaltung bewahren. Also nicht vor der Spaltung in die, die die Party bezahlen, und die, die die Party feiern. Die wird es immer geben, und als Bundespräsident kann man schlecht tagespolitische Fragen wie das System kritisieren. Wir müssen zulassen, dass alle empfindliche Nachteile in Kauf nehmen – die, die die empfindlichen Nachteile in Kauf nehmen, und die, die das zulassen. Wir als Deutsche dürfen jetzt Solidarität nicht nur im internationalen Maßstab vorleben, das müssen wir auch national. Wir sind jetzt ja wieder wer. Sie werden sehen, diese Krise wird einfach großartig!“





Bares wird Rares

26 07 2022

„… da der Schalterbetrieb durch den anhaltenden Personalmangel einige Aufgaben nicht wahrnehmen könne. Die Ausgabe von Bargeld sei daher ab sofort nicht mehr in den Geschäftsstellen der…“

„… die sofortige Vollstreckung der Todesstrafe an den Mitgliedern der Bundesregierung fordere. Weidel halte die verfassungswidrige Enteignung des deutschen Volkes für Verrat. Sie rufe dazu auf, sich auch mit Waffengewalt gegen die Truppen der Scholz-Junta zu stellen, die den Bürgern sämtliche Münzen und Scheine aus den…“

„… da der Handel bereits den Wünschen einer zunehmend auf bargeldloses Zahlen bestehenden Kundschaft entsprechen muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die modernen Technologien die Near Field Communication und Wireless Payment seien für die meisten Kunden unter Dreißig inzwischen eine vollkommen…“

„… dass der Datenschutz nur bei Zahlung mit Banknoten gegeben sei. Der Staat könne etwa beim Kauf einer illegalen Waffe mit der Kreditkarte die Transaktion eindeutig zurückverfolgen und die Tat meist lückenlos aufklären. Höcke warne daher zur Vorsicht im…“

„… könne sich die SPD eine Digitalisierung des Handels in Deutschland innerhalb des Jahrzehnts vorstellen. Voraussetzung sei für Scholz, dass die Waren im Internet online bestellt würden, so dass die Bezahlung nur noch per Nachnahme, an jedem Einzahlungsautomaten oder an bestimmten Kassen von Supermarktketten im…“

„… habe Die Basis in ihrem Aufklärungsvideo Bargeld als letzte Bastion der Freiheit bezeichnet. Daher wünsche die Partei sich, dass zur Verteidigung der Freiheit in Deutschland möglichst viel auf das Konto ihrer russischen…“

„… die Umstellung auf bargeldlose Zahlung viele Jobs bei der Polizei kosten werde. Wendt sehe einer drastische Reduzierung von Bankfilialen und Auszahlungsautomaten entgegen, die wegen der seltener auftretenden Überfälle nicht mehr von Beamten gesichert werden müssten, so dass sich insgesamt ein erheblicher Verlust von…“

„… dass die Bundesregierung durch gezielte Propaganda den Konsum anheizen wolle, damit die Bürger ihre letzten Euronoten ausgeben würden. Chrupalla erwarte, dass damit bis zum Ende des Jahres ein Großteil des Bargelds aus dem Verkehr gezogen werde, so dass zum Reset einfach alle Konten geleert würden, was das Volksvermögen ab sofort auf…“

„… viele Dienstleister hohe Zusatzkosten für den Datentransfer erheben würden, was zu Lasten der Kunden gehe. Merz halte dies für nötig, da man der Wirtschaft nicht die von den Verbrauchern zu tragenden Aufwendungen aufbürden dürfe, ohne die von den Gewinnen ja gar nichts mehr an die…“

„… alle Euro-Münzen gegen ausländische Prägungen ausgetauscht würden. Höcke habe aus absolut sicherer Quelle erfahren, dass damit das in Deutschland kursierende Hartgeld ungültig sei, da es sich nicht um Zahlungsmittel des deutschen Volkes handele. Er rate zum sofortigen Umtausch in Reichsmark, die nach ihrer Einführung in den…“

„… mache eine staatliche Kontrolle sämtliche Zahlungen im Internet oder mit Geldkarten überprüfbar, was die Verfolgung von Korruption, Betrugs- und Steuerhinterziehungsfällen erheblich erleichtere. Für Lindner sei Bargeld daher die einzige freiheitlich nutzbare Form von…“

„… fordere Söder einen digitalen Euro, der im Freistatt Bayern zuerst eingeführt werden solle. Voraussetzung dafür sei, dass die Bundesregierung umgehend alle Funklöcher beseitige, so dass diese Währung auch in abgelegenen Regionen des…“

„… nur Besserverdienenden vorbehalten sein dürfte. Banknoten ohne Seriennummern dürften für Lindner nicht in die Hand von Personen, die ihren eigenen Lebensunterhalt noch mit Arbeit bestreiten müssten, oder von einfachen Rentnern und…“

„… die Einziehung der Scheine ohnehin nur eine Formalie sei, da nach der Machtergreifung und dem Austritt aus der europäischen Zwangsunion ohnehin nur noch Noten mit seinem Bildnis erlaubt seien. Höcke werde die Reichsmark der Deutschen Volks- und Nationalbank schnellstmöglich im…“

„… könne sich Merz mit einer Verkleinerung der Geldscheine oder mit der Ausgabe einer Zehn-Millionen-Euro-Münze anfreunden. Es sei für die Angehörigen des Mittelstandes beim Kauf von Waren des täglichen Bedarfs wie Butter, Mehl oder eines Mittelstreckenjets extrem lästig, immer eine Kreditkarte und die dazugehörigen…“

„… die Versorgung der einfachen Bevölkerung mit Bargeld aber nicht erste Priorität für den Bundesfinanzminister habe. Spätestens durch ein neues Sparprogramm müsse bei den ärmeren Teilen der Gesellschaft darauf geachtet werden, dass sie ihre noch vorhandenen Gelder nicht zu schnell ausgeben würden, da den Leistungsträgern sonst die Mittel für schnelle Investitionen in die…“

„… sei die INSM desillusioniert, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland so modernisieren werde, wie es in den Besprechungen während der Koalitionsverhandlungen angedacht worden sei. Die baldige Privatisierung der Geldproduktion einschließlich der Kosten für die Ausgabe der Noten, die hohe Gewinne für die Firma von Spahn und Hildmann verspreche, sei vorerst nicht zu…“

„… weiterhin zur Verfügung stehe. Ein Problem für die Bestückung der Geldautomaten stelle nur die große Menge der Scheine dar, die von den Bürgern zu Hause gehortet würden in der Angst, dass sie bald an den Geldautomaten keine…“





Canossa

25 07 2022

Wenn bei Ihnen keiner dafür zuständig ist, warum gehen Sie uns dann damit auf den Senkel? Ich bitte Sie, in jeder Sparkasse gibt es einen zuständigen Mitarbeiter für jeden Bereich, dann werden Sie es doch hinkriegen, mich durchzustellen? Oder haben im Vatikan jetzt alle ein Schweigegelübde abgelegt?

Luther, wie man’s spricht. Ich bin hier der zuständige Sachbearbeiter, und da Sie es nicht für nötig halten, Ihre Geschäftspost zu unterschreiben, müssen wir halt nachfragen. Wir können den Mist auch gerne ignorieren, aber da es sich Ihrer Ansicht nach ja um eine offizielle Erklärung der Kirche handelt, wüssten wir gerne, wer für den Blödsinn verantwortlich ist. Von oben wird’s ja wohl nicht gekommen sein, die Unglaubenskongregation war meines Wissens auch nicht beteiligt, und die Mafia ist bei Ihnen nur für die Finanzen zuständig. Oder es war der Unheilige Geist, so genau kann man das in der Zentrale nicht immer unterscheiden.

Beispielsweise wüssten wir hier gerne mal, was das heißt, dass eine neue Ausrichtung der Lehre und der Moral zu unterbleiben hat, weil die Bischöfe und die Gläubigen dazu gar nicht befugt seien. Sie wollen ernsthaft eine Predigt über Moral halten? Kaut bei Ihnen einer Weihrauch zum Nachtisch? Sie haben so viel Moral, Sie haben die doppelt. Sie wollen zur Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes verbieten, dass wir uns an Recht und Gesetz halten, während Sie in Ihrer Pädophilensammelunterkunft fröhlich die Verantwortung nach unten delegieren, wenn mal wieder ein Missbrauchsfall sich nicht gut genug vertuschen lässt? Kleiner Hinweis: um ein Machtwort zu sprechen, muss man erst mal Macht haben. Vermutlich kommt deshalb aus Rom nur noch heiße Luft.

Sie haben Ihren Scheißladen längst nicht mehr im Griff, so sieht’s doch aus. Sie versuchen alle Debatten zu verhindern, was uns gepflegt am Arsch vorbeigeht, ansonsten blocken Sie jede halbwegs sinnvolle Entwicklung, um hinterher behaupten zu können, dass Sie sich durchgesetzt haben. Für wen hält sich dieser Papst eigentlich, für Christian Lindner?

Die Teilkirchen werden von der Weltkirche getrennt und würden sich schwächen, verderben und sterben – Kokolores, Hochwürden, das ist die Drohung, dem deutschen Klerus ins Weihwasser zu brunzen, aber als Rumpelstilzchennummer. Das soll eine Drohung sein? Hat Ihr Abteilungsleiter für Kirchenzucht bei Canossa was an der Rübe abgekriegt? Und den Schwachsinn wollen Sie uns auch noch als Dialogangebot verkaufen? Weiß Putin, dass Sie seine blöden Witze klauen?

Das Unangenehme für Sie ist, dass nicht nur in den Gemeinden genug Reformwillige gibt, die nicht einfach austreten oder die Klappe halten, damit sie weiter kirchlich bestattet werden und zwei bis dreimal pro Woche ihre Steuergelder bei der Arbeit angucken können. Es gibt auch jede Menge Priester und Theologen, die sich dieses Trauerspielchen im goldenen Ornat nicht mehr geben werden. Dass das Einbußen im Milliardenhöhe für die Geschäftsstelle Rom bedeutet, war Ihnen aber schon klar?

Sie können nicht alle exkommunizieren, da es sich dabei um eine Tatstrafe handelt. Spätestens bei tätiger Reue müssen Sie die rückgängig machen, und was tätige Reue bedeutet, bestimmt immer noch das kanonische Recht. Dass Sie davon wenig Ahnung haben, müssen Sie mir nicht erzählen, das ist das einzige, was ich Ihnen sofort glaube. Sie hätten bei Canossa eben doch besser aufpassen sollen. Die Erschließung neuer Marktsegmente in Nord- und Südamerika ist nicht ganz so lukrativ wie geplant, da haben Sie auch keinen Staat, der die Kohle eintreibt. Ob Suizid aus Angst vor dem Tod auch verboten ist, darüber kann ich Ihnen nicht viel sagen, aber das wissen Sie sicher besser.

Dass Sie als Innendienstmitarbeiter der größten Homosexuellenorganisation der Welt Angst vor der Gleichberechtigung haben, ist schon ein bisschen putzig. Aber okay, Sie bezeichnen uns auch als ein Beispiel für Intransparenz und Machtmissbrauch. Sie uns. Das würde ja bedeuten, dass die Macht des Heiligen Stuhls in Bezug auf deutsche Katholiken leichte Gravitationsanomalien aufweist, insofern ist das als Teilgeständnis schon mal gut. Wenn Sie sich jetzt noch entschließen könnten, endlich zuzugeben, dass es Ihnen nicht um Glaubensfragen, sondern um Disziplinierung und ausreichende Finanzierung des luxuriösen Lebensstils einiger Arschgeigen geht, die bisher wenig Zeit hatten, sich eine Bibel von innen anzusehen, dann wären wir therapeutisch ein großes Stück weiter. An mir liegt’s nicht, ich kann Ihnen nur empfehlen, dieses Dialogangebot als Weg zur Debatte auf Augenhöhe anzunehmen. Das ist in der Geschichte manchmal so, manchmal merkt man nämlich gar nicht, dass sie sich gerade ereignet.

Sie denken, dass wir die verknöcherte Struktur des Vatikans genau so verinnerlicht haben wie die Kardinäle ihr Abendmahl. Dass wir lange genug Angst gehabt haben, um sie irgendwann als Teil des Systems anzuerkennen und zu begrüßen. Dabei müssten Sie sich mal sehen, wie Sie unter der Kutte schlottern, wenn ein paar Laien ohne kanonische Befugnis und Bischöfe ohne Einschränkung ihrer von Rom verliehenen Amtsautorität sich Gedanken machen, die noch gar keine kirchenrechtlichen Folgen haben können. Dass hier Schafe und Hirten einer Meinung sind, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben, das versetzt Sie in Angst. Das nenne ich mal Gottvertrauen. Und so eine Kirche, die sich in ein paar Jahrzehnten von selbst erledigt haben dürfte, sollen wir unseren Kindern hinterlassen? Ich sage Ihnen, was wir machen. Ein neues Testament.“





Nachhaltige Wertpapiere

24 07 2022

Irgendwie muss man Verbindlichkeiten ja bedienen. Das denkt sich auch die Bundesregierung, die für ihre Beamten und Soldaten kostspielige Ausgaben wie die Einzahlung ins Sozialversicherungssystem spart und stattdessen lieber auf Nummer Sicher geht. Beispielsweise durch Börsenzockerei, mit der schon viele Kommunen sich überschuldet haben. Um diese Mittel dennoch zu erwirtschaften, hat die Ampel den Index Euronext V.E ESG-World-Select 75 Bund/SV auflegen lassen, der ihre Pläne torpediert, nur in nachhaltige Wertpapiere zu investieren: eine halbe Milliarde Euro fließen in Kohle-, Gas- und Öl-Aktien, etwa in die Förderung von Ölsand in Kanada, die die CO2-Bilanz stark gefährdet. Allerdings handelt es sich laut Regierung nur um Brückentechnologien – ein Kunststück, wenn die Ressourcen in naher Zukunft versiegen könnten. Wer das als Einzelfall sah: auch die Sondervermögen des Bundesinnenministeriums, der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesrichter werden von fossilen Energieträgern bezuschusst. Man will ja sichergehen, dass die Altersbezüge der Bundesbediensteten nicht in alle Ewigkeit gezahlt werden müssen. Alle weiteren Anzeichen, dass die Bundesregierung nicht zufällig gegen ihre eigenen Verordnungen verstößt, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • lindner vorstrafen: Nichts ist für immer.
  • csu drogen: Nüchtern wäre diese Hirnschadensekte gar nicht zu ertragen.
  • habeck kanzler: Faktisch macht er den Job ja schon
  • hitze pickel: Genau wie der Wendler: ungefährlich, sieht aber scheiße aus.
  • corona test kosten: Ist doch egal, der Staat zahlt ja nicht dafür.
  • bürgergeld sanktionen: Mal sehen, wovon Lindner lebt, wenn er in ein paar Jahren plötzlich mit der Wirklichkeit kollidiert.
  • pflege streik: Wie kann man nur annehmen, dass Politiker sich an ihre Versprechungen vor der Wahl erinnern,
  • trump todesstrafe: Hoffentlich kommt das live im TV.
  • grillrost reinigen: Gut ausglühen lassen, dann mit der Vorderseite eines FDP-Ministers gut abreiben.
  • energie sparen: Kubicki hält einfach die Klappe.
  • urlaub fliegen: Ich kann auf Insekten verzichten.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DCIII)

23 07 2022

Jean fuhr in Boissy-la-Rivière
den Traktor mal hin und mal her
auf Wegen und Straßen
wohl über die Maßen.
Man sieht nur noch Löcher im Teer.

Ernest schmeckten Muscheln in Lisses,
die er als sein Leibgericht pries.
Ein Nachbar probierte,
was zu Ekel führte.
Er fand diese Muscheln nur mies.

Es seufzt Valérie, die in Guernes
ihr Fernrohr wohl auf einen Stern
am Himmel gerichtet
und dazu auch dichtet.
Trotz Fernrohr bleibt dieser Stern fern.

Es log Yves in La Queue-en-Brie
sein Leben lang nie – wirklich nie.
Er fand’s nicht gefährlich,
er blieb einfach ehrlich.
Ihm mangelt es an Fantasie.

Philippe betreibt in Bellefontaine
ein Mietunternehmen für Kähne.
Die Einnahmen kommen
alljährlich geschwommen
im Frühjahr beim Anblick der Schwäne.

Früh war Éliane in Malakoff
noch freundlich, ab Mittags dann schroff.
Die seltsame Wandlung
lag an Schnapsbehandlung,
den sie meist zum Déjeuner soff.

Es sägt Pierre in Gif-sur-Yvette
aus Holz alles aus für ein Bett,
doch wie er es legte,
was er alles sägte,
war insgesamt höchstens ein Brett.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXXIV): Die Fluchtwilligen

22 07 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Üblicherweise und selten bestritten zählt die Menschheit zu ihren zivilisatorischen Leistungen, noch die entlegensten Winkel dieses Planeten besiedelt zu haben. Manches zeitigte Folgen, auf die wir besser verzichtet hätten, aber immerhin zog es Volksstämme auf schmalen Booten über den Pazifik, um sich auf winzigen Inseln inmitten der endlosen Weite niederzulassen, bis Generationen und Jahrhunderte später raffsüchtige Europäer auf dickbäuchigen Schiffen angesegelt kamen, um Gold und Sklaven zum Ruhme einer ausgedachten Figur mit weißem Bart zu ihren Königen zu schaffen. So viele Gründe, wie es geben mochte, seine Heimat unfreiwillig zu verlassen, so viele gab es schon, es freiwillig zu tun: um sich beruflich zu verändern, in einer inspirierenden Kultur zu leben, signifikanten Anderen zu folgen, vielleicht auch aus dem billigen Idealismus, das Gras jenseits des eigenen Zauns als grüner empfinden zu können. Letzteres lässt den durchschnittlichen Hohlschwätzer kalt, er droht nur mit der Auswanderung, warum auch immer.

Wenn wir tatsächlich unseren Strom nur noch aus erneuerbaren Energien beziehen, ein Grüner im Bundeskanzleramt sitzt, Tausende von Migranten mit anerkannten Bildungsabschlüssen bürgerliche Berufe ergreifen und eine allgemeine Impfpflicht beschlossen wird, dann greift der Blödföhn zum schärfsten Schwert, das er zur Rettung der Nation findet, und dräut mit mutigem Rückzug. Sicherlich, so sinniert der heroische Querkämmer, wird das ganze Volk greinend zu seinen Füßen liegen und ihn zum Bleiben bewegen – als sei ein sinkender Kahn ohne Ratten nicht mehr manövrierfähig. Was der Weichstapler allerdings in einem fernen Land will, wo er doch nur seine Heizung im Winter um ein, zwei Grad herunterdrehen müsste, um sich nicht als Klappskalli zu outen, das ist noch nicht bekannt.

Was im Frontallappen eines schnellverdeppten Denkschwächlers vor sich geht, wenn er bereits bei der angekündigten Maskenpflicht im Herbst mit Flucht droht, will man gar nicht wissen, nur: wohin, wenn nicht in eine gut organisierte Diktatur, in der die Sicherheitskräfte gerne den Schlagstock zücken, wenn man endlich mal seine Meinung frei äußern will oder ein bisschen verärgert ist, dass man auch da Masken tragen und eine Zwangsimpfung über sich ergehen lassen muss, wenngleich das mit der Heizung nicht so schlimm ist, weil es da eh keine gibt. Im bunt zusammengeschwiemelten Privatkino der intellektuellen Aufstocker scheint es für alle Länder dieser Erde sicher nichts Schöneres zu geben, als Spinner in ihrer Mitte aufzunehmen, die weder die Landessprache beherrschen noch eine nennenswerte Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, aber frohen Mutes sind, dass man sie mit genügend hohen Sozialleistungen durchfüttert und von ihnen keine Integrationsbemühungen verlangt. Dann ist sicher der Fabrikarbeiter aus Bad Gnirbtzschen, der diese böse Coronadiktatur zurücklässt, die die linksextremistischen Mainstreammedien erfunden haben, damit die Umvolkung schneller geht, als Hausmeistergehilfenstellvertreter in Gruslojansk seines Lebens wieder froh.

Wie jede Trotzreaktion fußt diese angedrohte Auswanderung aus Widerstand gegen die Realität auf dem kindischen Beharren, als besäße man ein natürliches Recht, die Mehrheit in Gesellschaft und Staatswesen zu überstimmen, um sich scheinbar in reiner Selbstbehauptung gegen den Rest der Welt stellen zu können und damit auch noch Erfolg zu haben. Es erinnert an den kreischenden Knaben auf dem Boden vor dem Süßigkeitenregal, nur viel unsinniger, denn manche Mutter schmeißt für die Blagen Bonbons in den Einkaufswagen, um ihre Ruhe zu haben und die öffentliche Peinlichkeit zu vermeiden, doch ist bislang kein Fall bekannt, in dem ein verschwörungsgläubiger Knalldepp durch Emigration in eine Bananenrepublik das deutsche Steuersystem beeinflusst hätte. Es entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die bewegungsunwilligsten Grützbeutel, die nicht mal über die von ihnen verteidigten Privilegien der meist männlichen, kartoffelweißen Mittelschicht verfügen, eine geradezu darwineske Leistung wie die Aufgabe ihrer gesamten Existenz in einer der sichersten, am reibungslosesten funktionierenden Demokratien mit relativ stabiler Wirtschaft und noch nicht akut lebensbedrohenden Folgen des Klimawandels ankündigen. Als würde es einen verhandlungsfähigen Bürger stören, wenn dieses Gelump sich zum Ableben in den Urwald verzöge.

Deshalb sollte es Konsens sein in unserem Staat, den Fluchtwilligen nicht den Weg zu versperren – den Rückweg durchaus, denn wer kann schon Gutes daran finden, den gescheiterten Parallelexistenzen schon wieder die Einbürgerung in der alten Heimat zu finanzieren, wenn es beim ersten Versuch schon nicht geklappt hat. Denn noch viel teurer, noch viel gefährlicher und unheilvoller für die Gesellschaft wäre es, diese kognitiv Verunfallten in die innere Emigration zu verlieren, wo sie sich mit allerlei Blendwerk in Reichsideologien niederlassen, um mit ihrer passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung dem Rest der Bevölkerung auf die Plomben zu gehen. Dann lieber weg. Und tschüß.