Faster, Pussycat! Kill! Kill!

22 02 2017

Ja, es ist schlimm. Man mag es sich schon gar nicht mehr angucken. Immer mehr sinnlose Gewalt gegen Unschuldige. Aber ich gelobe Besserung. Das ist das letzte Bild, das mit der orangeroten Knalltüte zu tun hat. Nach diesem Freitagstexter wird alles anders. Wenigstens hier.

Da der Mann mit dem Schädelfrettchen bereits die Losung ausgegeben hat, jeder seinesgleichen sei befugt, amerikanischen Damen unter die Röcke zu gehen, hat die US-Wirtschaft – hier vertreten durch die Hudson Motor Company, dem geneigten Leser bekannt durch geschickte Produktplatzierung in John Steinbecks Früchte des Zorns – ganz im Sinne der Innenpolitik aufgerüstet. Si vis pacem, para bellum. Unwissenheit ist bekanntlich ja auch Stärke.

Und damit sind wir wieder mitten im Geschehen der Welt und mitten in der Auseinandersetzung. Der amerikanische Krieg findet nicht statt. Zumindest werden keine Gefangenen gemacht. Der kleine bronzene Pokal gebührt für diesmal la-mamma und den Partisaninnen aus der Einkaufsabteilung:

schuhweißchen und die schießend frauen

Wieder nicht aufgepasst, mit Anspielungen um sich geworfen und gehofft, dass sie sich irgendwie verlesen. Gut, neuer Versuch. Schnell ausweichen auf – Dachhasen? Schon wieder nicht die Kurve gekriegt, von wegen Blattschuss. Der silberne Pokal geht an lamiacucina:

Ob der Feldhase für den Sonntagsbraten getroffen wurde, bleibt offen.

Es hat keinen Zweck, sich zu verstecken. Wenn es quakt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und von Wirtschaft so viel Ahnung hat wie ein Sack Kies, dann handelt es sich wohl kaum um die Präsid-Ente. (Schon wieder in die Falle getappt!) Nein, kommen wir zum Thema zurück. Entenjagd, genauer: Zeitungsenten, wie man alternative Nachrichten vor Erfindung der Gehirnwaschmaschine noch nannte. Das goldene Original gewinnt folgerichtig der kulturflaneur:

Nein, das ist nicht die Gründungsversammlung von Amazon, nein, das ist nicht Gaddafis Amazonen-Garde, nein, das ist auch nicht die Frauensektion der National Rifle Association und schon gar nicht die Karnevalsgarde aus dem letzten Tatort – heutzutage gibt es mehr Fake-News zu dementieren als Real-News zu Kenntnis zu nehmen!

Herzlichen Glückwunsch! Eine neue Runde startet am 24. Februar beim kulturflaneur, das ist natürlich eine absolut glaubhafte Nachricht aus sicherer Quelle, und ich werde jetzt wieder in die Bilderschublade verschwinden. In die ältere Abteilung. Zur Vorsicht.





Grenzerfahrung

19 02 2017

Gut, dass die Welt immer ein bisschen sicherer werden kann. An der US-amerikanischen Grenze wurde in der vergangenen Woche der kanadische Leichtathlet Yassine Aber festgehalten und als Terrorverdächtiger behandelt. Sein Vergehen: es existiert eine Fotografie, auf der er als Jugendlicher mit einem späteren Terrorverdächtigen zu sehen ist. Dass Kanada oder das Herkunftsland seiner Eltern, Marokko, nicht vom Einreiseverbot betroffen sind, macht keinen Unterschied – das Dekret ist offiziell ausgesetzt. Wer sicher gehen will, lässt sich am besten mit niemandem fotografieren, ohne zu wissen, was derjenige in der Zukunft vorhat. Wer ganz sicher gehen will, reist als Salafist ein. Aus Saudi-Arabien. Gegen gute Freunde hat die Trump-Regierung nichts einzuwenden. Alle weiteren Anzeichen, dass die westliche Welt langsam porös wird, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • dimpflinger nationalfeiertag: Da lässt sich dann auch Alexander Dobrindt mal eine Hose anziehen.
  • büttenrede gartenzwerg: Und Söder ist auch dabei.
  • die bekloppten und bescheuerten: Irgendeine Hotelkette wird die Parteitage schon nehmen.
  • abfüllkuchen rezept: Nehmen Sie genug Rumrosinen.
  • wackel adolf: Der war auch Sportlehrer?




5×7

17 02 2017

Freitagstexter

Neue Runde. Da steht er und glänzt, der goldene Topf. Wieder einmal ist das Arbeitszimmer festlich herausgeputzt, der Gummibaum wurde neben dem Stutzflügel verstaut, das heißt: eher dahinter. Das Abstauben der Blätter entfällt für diese Woche. Aber es ist immerhin der Freitagstexter, da macht man ja gerne ein paar Zugeständnisse.

Eine unterirdische Kunstaktion brachte diesmal den Sieg. Die Waldtapete in der Unterführung bei den Kreativen Strukturen erinnerte an Joseph Beuys’ soziale Plastik 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, die das Gesicht der Stadt Kassel nachhaltig prägt. Für die Verwirklichung von 1982 bis 1987, die aus Spenden, Verkaufserlösen sowie Werbeeinnahmen finanziert wurde, stiftete übrigens Helmut Kohl einen größeren Betrag aus seiner Privatschatulle. Ob sich Kanzler und Künstler persönlich begegnet sind, ist nicht belegt.

Doch geht es diesmal um Kunst? mitnichten, wir befleißigen uns auch jeglicher anderer Form, um die Dinge zu beschreiben. Reim ist okay, muss aber nicht sein. Auch ganze und halbe Dialoge werden gerne genommen, ebenso trockene Schilderungen des Sachverhaltes. Oder Bestandteile größerer dramatischer Formen, mit und ohne Anspielungen auf Kleidungsstücke, Obst, ehemalige Weltmeisterinnen oder Städte südlich des Äquators. Was der Wortmischer einst in den Regeln festschrieb. Oder eben auch nicht.

Am Dienstag, den 21. Februar 2017 um 23:59 Uhr trifft rein theoretisch noch der letzte Text ein, der das Bild reflektiert, danach ziehe ich mich zum ultimativ subjektiven Urteil zurück und brüte, wo der Pokal in der folgenden Woche stehen wird. Wir werden sehen.

Und da ist auch schon das Bild. Einmal mehr wurde ich in der Sammlung von James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) fündig. Ähnlichkeiten mit der aktuellen Lage im US-amerikanischen Wirtschaftsleben sind wie immer rein zufällig und nicht beabsichtigt. Klickt macht groß.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXIX)

11 02 2017

Liana, die hielt sich in Briger
zehn Hunde, ein Schwein, einen Tiger
sowie viele Schafe.
Dafür gab’s die Strafe:
der Tiger blieb. Sie ist jetzt klüger.

Tushui, der rollt schnell in Pingtung
des Hofbauern Karre mit Schwung
hinauf auf die Planken –
an Morschheit sie kranken –
und fliegt, mitsamt Fracht, in den Dung.

Ovidiu, dem platzt in Großschlatten
der Reifen. Er fährt auf dem Platten
noch drei Straßen weiter,
dann lädt er die Leiter
vom Dach. Und schleift rechts auf zwei Latten.

Bakili, der stößt in Phalombe
beim Graben wohl auf eine Bombe,
wiewohl dies Ding hohl ist
und voll Alkohol ist –
der Zoll hinterließ eine Plombe.

Es hielt Anișoara in Moichen
nicht viel von den alten Gebräuchen.
Was sie werktags kochte,
war gut, doch es mochte
kein Gast, derer viele entfleuchten.

Mswati trainiert in Big Bend,
da er bis zum Weckerklang pennt
und dann statt zum Zuge
zu Fuß wie im Fluge
zur Arbeit den Marathon rennt.

Dass Olga in Kyrieleis
bedächtig, doch immer mit Fleiß
im händischen Pflücken
auszieht, nimmt ihr Rücken
mit Fassung. Sie erntet ja Mais.





Das Detail im Teufel

5 02 2017

In Italien mangelt es an allen Ecken und Enden an Fachkräften, besonders betroffen ist die römisch-katholische Kirche. Zwar wird es immer genug Priester geben – Kinder sind ein nachwachsender Rohstoff, besonderer geistiger Leistungsfähigkeit bedarf es nicht zum Vorlesen wirrer Geschichten oder Herunterleiern lateinischer Verse – aber das Detail steckt im Teufel. Immer weniger Geistliche machen noch ein Exorzistendiplom, nachdem der bösartige Alte aus Bayern in den Sack gehauen hat. Menschen mit Psychosen, Angststörungen oder Wahnvorstellungen müssen jetzt wieder zu Leuten gehen, die außer einer Facharztausbildung keinerlei berufliche Kenntnisse vorweisen können. Da aber die Austreibung des Satans vonnöten ist, machen sich auch Geisterbeschwörer ans Werk, die mit der Anwendung des Rituale Romanum nicht bewandert sind. Ist denn ein professioneller Okkultist, der Menschen medizinische Versorgung vorenthält, sie fesselt, beschimpft und absichtlich verletzt, pro Diözese zu viel verlangt? Alle weiteren Anzeichen, dass sich der Konsum lustiger Pillen vor allem auf den Vatikan konzentriert, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • postpraktisch: Wenn man vom Paketboten nur eine Karte in die Hand gedrückt bekommt.
  • gabriel hölle: Er muss dort einen ALG-II-Antrag stellen und wird wegen fortgesetzt sozialschädlichen Verhaltens sanktioniert.
  • schlafstroh dreschen: Adrian Leverkühn ist für geistig minderbemitteltes Pack mit braunem Mundgeruch eh zu hoch.
  • schwarzwurzelsalbe ausschlag: Dagegen hilft dann Schwarzwurzelsalbe.




A Room with a View

25 01 2017

Wir sehn betroffen alle Türen zu, und alle Fragen offen. Und heute ist ja erst Mittwoch. Höchste Zeit, den Pokal noch einmal kurz mit dem Flanellläppchen zu polieren und den Freitagstexter mit einem feierlichen Ausklang zu beenden.

Immerhin sind es wieder einmal genug Beiträge für ein ordentliches Siegertreppchen, das unlängst angeschaffte Klapppodest kann also zum Einsatz kommen – Vorsicht mit der Dachschräge, und da hat Hildegard das Teebrett an die Wand gelehnt, ich musste mir gestern auch schon Vorwürfe anhören, aber ich bin ja nicht der amerikanische Präsident und warte auf den Zimmerservice mit der Torte. Die Sache ist wie gewohnt schrecklich kompliziert, also machen wir sie einfach.

Bei einem Haus zählen ja nur drei Dinge: die Lage, die Lage und die Lage. Beim Weißen Haus kommen vielleicht noch eine gewisse Geräumigkeit sowie deutlich überdurchschnittliche Sicherheit dazu. Aus dem einen oder anderen Wandschrank lächelt bei der Besichtigung ein freundlicher CIA-Mitarbeiter, in der Küchenschublade sind drei rote Knöpfe, der Stab denkt eben an alles. Man muss also, wenn man denn tatsächlich einzieht, gar nicht mehr vor die Tür gehen. Bronze für den Wortmischer, der sich mit auch privat genutzten Dienstimmobilien auskennt.

„Und hier entlang, lieber Donald, geht es runter in den Keller. Da kannst Du heimlich rauchen und Deine Pornoheftchen verstecken.“

Hildegard ist gerade sehr interessiert, allerdings geht es ihr dabei in erster Linie um die steuerliche Absetzbarkeit. Ich möchte nicht über einen Umzug reden. Und was das Putzen angeht, wäre es am praktischsten, große Anwesen unter einer jeglichen Schmutz abweisenden Folie aufzubewahren – ob dann der neue Präsident überhaupt das Haus hätte betreten dürfen? amerikanische Wissenschaftler werden es herausfinden – oder wenigstens einige Räume damit zu schützen. Schlafzimmer zum Beispiel. Der silberne Pokal geht an Shhhhh:

Keine Angst, Donald, der Raum ist absolut keimfrei.

Aber nun müssen wir das Problem anpacken. Wie lässt man ungebetene Dauergäste möglichst schnell wieder verschwinden, ohne danach die ganze Bude von Grund auf renovieren zu müssen? Feng Shui? Nein. Alternative Energien. Wer das Zimmer aufmerksam betrachtet und den Blick ins Freie sieht, findet die Lösung. Die Segel bauschen sich unter einer herzhaften Brise, die ein kräftiges Stoßlüften ermöglichen. Den goldenen Topf für ein bewährtes Hausmittel von rollinger:

„Das gibt dann eine unglaublich tolle Strömung im Hauptwohnbereich“

Herzlichen Glückwunsch! Der Siegerpokal ist damit, wenn ich das richtig sehe, zum ersten Mal bei rollinger angekommen, dem ich für den nächsten Freitagstexter am 27. Januar viel Spaß und gutes Gelingen wünsche. Und einen Zugluftstopper für glatte Böden. Man weiß ja nie.





Neopalpa donaldtrumpi

22 01 2017

Der kanadische Entomologe Vazrick Nazaridie stellte ein bizarr verkrüppeltes Genital fest, das die bisher noch nicht bestimmte Mottenart – ein auf ungehemmten Fraß konditionierter Schädling, der ganze Kulturlandschaften zu vernichten als seinen Lebenszweck auffasst – neben einem lächerlich aufgeplusterten weißblonden Kopfputz trägt. Das Ungeziefer ruiniert innerhalb kürzester Zeit den ganzen Haushalt. Menschen reagieren allergisch auf Schadstoffe, die es mit jeder seiner Ausscheidungen hinterlässt. Er nannte das Ding Neopalpa donaldtrumpi, und das nicht ohne Grund. Alle weiteren Anzeichen, dass uns die Evolution immer einen Schritt voraus ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • cyber mäßig: Meist nur mäßig cyber.
  • höcke koks: Nur eine von vielen plausiblen Theorien.
  • zwiebelmettsnack kai pflaume: Wer isst denn so was.
  • kommunikativ eine ebene: Darunter.