Das Experiment

16 06 2019

Es waren böse Männer, beide schuldig
des Todes, und der Henker war bestellt.
Das Volk, es wartete schon ungeduldig,
dass je ein Kopf herab in Späne fällt.

Allein, es amüsierte ihren König –
Gustav der Dritte, dessen eingedenk –
zu spielen mit dem Leben nur ein wenig,
und macht das Leben ihnen zum Geschenk.

Er hieß sie, statt dass sie Köpfe ließen,
gefangen setzen hinter Schloss und Stein
und ihnen täglich Tränke aufzugießen,
und also schenkte er den beiden ein.

Gefährlich, meinte er, sind Kaffeebohnen,
darum trinkt einer davon reichlich Sud,
den anderen will er davon verschonen
und brüht ihm Tee. So steht das Schicksal gut,

dass einer von den beiden schwer erkranke
an Leib und Seele, Herz und Kopf und Bein,
der andere jedoch dann sonder Wanke
die Jahre übersteht und gießt sich ein.

Zwei Medici, die dieses überwachten,
notierten säuberlich, was man dort sah,
auch wenn sie oftmals über alles lachten.
Sie kamen dem Ergebnis niemals nah.

Erst starb der eine, dann der andre Leiter.
Das schuf dem König allerhand Verdruss.
Die beiden Buben tranken munter weiter,
sie tranken unentwegt und bis zum Schluss.

So mussten sie wohl keinen Henker leiden,
nur den Monarchen, der nach Wissen strebt.
Wohl achtzig Jahre alt waren die beiden
und haben ihren König überlebt.

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXIV): Das Essensfoto

17 05 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann hatte Rrt so halbwegs den Bogen raus und begann mit der dunklen Matsche vom Ufer des Tümpels figürliche Muster an die Wand der Großfamilienhöhle zu malen – halbwegs figürlich, da nur der Eingeweihte wirklich wissen konnte, ob es sich bei den seltsamen Formen tatsächlich um die Säbelzahnziege handelte oder um das ominöse Raumschiff, das Jahrtausende später Experten für Präastronautik aus dem Gekrakel würden erkennen wollen. Ehrlich gesagt handelte es sich seinerzeit um eine Art Beschwörung, nicht zu sagen eine sehr historische Form der Speisedarstellung, die den Gästen signalisierte: es gibt Geiß, Baby. Vorab malte der Hausherr an den Felsen, was tags darauf im Feuer gemütlich schmurgeln und den Gaumen der Verwandtschaft delektieren sollte. Hätte man den Hominiden ein digitales Endgerät in die Hand gedrückt, vielleicht hätten sie die Reihenfolge auch schon umgekehrt – erst Kochen, dann Malen. Aber auch heute bildet man erst ab und isst danach, was übrigbleibt. Warum auch immer. Das Essensfoto bleibt eines der soziokulturellen Geheimnisse der Gegenwart.

Zum Beispiel die Frage, warum und wann und in welcher Form man es überhaupt anfertigt, im Netz an unschuldige Opfer verschickt und dafür eine Reaktion erwartet, die das ahafreie Erlebnis übersteigt. Vordergründig knipsen Menschen Salat und Bohnensuppe, um zu zeigen, dass sie es können – sie sind in Besitz eines digitalen Endgeräts und wollen ihre Abhängigkeit an die Kommunikations- und Speichermaschine schlechthinnig zeigen, eine krude Mixtur aus Credo und Mea culpa, zeitgleich der Nachweis einer Zugehörigkeit zur Welt, die ja außerhalb der allwissenden, allumfassenden und allgegenwärtigen Müllhalle nicht mehr stattfindet, es sei denn außerhalb des platonischen Gehäuses, und was sich da an Gebilde an die Höhlenwand schwiemelt, mag sich der Abhängige lieber gar nicht erst vorstellen. Er gehört dazu, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.

Anders als der gemeine Anorektiker, der einen leeren Designerteller gepostet hätte, schmaddert der Durchschnittslurch Schnitzel ins WLAN, als gäbe es dafür Anerkennung. Die Darreichungsform ist so demonstrativ wie verzweifelt, denn was hätte der Esser auf Sozialentzug zu bieten außer vorgefertigter Ware, wie sie jede beliebige Gasterei dem Vorübergehenden liefert. Anders wird es nur, lichtet der Esser selbst gehobelte Kartoffeln mit Öl und Essig ab, was aber nur dokumentiert, dass er Kartoffeln kaufen kann und in Besitz eines Hobels ist, beides so spektakulär wie ein Fahrrad in China. Größtenteils ersetzt das Teilen die Gemeinschaft zu Tisch, die sich mitesserfreie Kalorienverbraucher in jenen Situationen wünschen, wo sie gegen die Zeit gabeln, Endpunkte eines Netzwerks, in dem alle alleine am Zipfel ihres Hungertuchs hocken. Die mediale Form der Zwangseinladung gerinnt mit der Zeit zur stereotypen Postkarte, wie sie der Tourist aus Leidenschaftslosigkeit an den Rest der Familie sendet: es gibt Betten, das Essen ist gut, das Wetter findet statt, Grüße, aus.

Als Präsident mit Kinderwertigkeitskomplex zeigt man gerne das Ergebnis seiner Verrichtung, der traurige Tellerkauer muss die verrinnende Zeit festhalten, die er für einen knappen Moment im sozialen Milieu seiner Wünsche verbracht hat, eine Mittagspause im Kantinenalltag, Gemeinsamkeit im Szeneviertel, die er ins Medium pfriemeln muss, um aus seiner Existenz überhaupt eine Botschaft zu erhalten. Was sich nicht abbilden lässt, so das Netz in ehernem Diktat, hat gar nicht stattgefunden, und was nicht stattgefunden hat, gibt keine Punkte. Wer sich einmal dazu entscheidet, auf dem Zeitstrahl in Richtung Ego zu surfen, stellt fest, dass das Ding ihm aufwärts zu schwimmen gebietet; es erfordert permanente Energiezufuhr, der Moloch will stetig gefüttert werden, auf dass die Person hinter ihrem Account überhaupt ist. Man stelle sich vor, Prozess und Technik wären noch nicht erfunden, zweidrei Leutchen, die irgendwas mit Medien machen, zücken beim Anblick der Käsestulle hysterisch ihre Schmalfilmkamera, kurbeln knatternd eine Spule herunter, die entwickelt und umgekehrt wird, in Streifen geschnitten und geklebt, überblendet, mit Gabelgeklapper und Gläserklang nachvertont, und doch bleibt nur gelbstichig ruckelnder Bildschrott, der nach drei Wochen müde dem Zerfall entgegen im Keller rottet, weil kaum jemand sagte: wollen Sie mal Frollein Müllers Schwarzbrot sehen? In der Summe entsteht vielleicht der Eindruck, für das bisschen Pudding geliebt zu werden, doch nur ein klein wenig von jedem, nicht messbar, da zu viele zu oft zu viel teilen. Wenn jeder sein täglich Brot in den Äther klotzt, sind alle anderen überfüttert. Danke, satt, Amen.

Wie anders wäre die Geschichte gelaufen, und es hätte beim letzten Abendmahl schon Instagram gegeben. Sehet her, dies ist mein Gemüse, dies ist mein Chardonnay, zehn von zehn Punkten, ein Bild für die Götter. Das letzte Bild, so sagt man, nimmt man mit, vermutlich auch in die Cloud, oder es wird in der Netzhaut gespeichert. Ob das Turiner Tuch Saucenflecken hat? Man weiß es nicht.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLVIII): Sterneküche

5 04 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann einmal müssen dem Koch eines gut beleumundeten Lokals sämtliche Vorräte zur Neige gegangen sein. Oder er hatte sich vorgenommen, die Hülsenfrucht an sich derart zu transzendieren, dass das Ergebnis seines Geschmors eine bis dato nicht vorgekommene aromatische Nuanciertheit ans Zäpfchen zaubert, die ihn weltberühmt macht. Oder er hatte sich zu oft die hängenden Bratpfannen an die Birne gekloppt und delirierte am Herd frei vor sich hin, Erbsen zählend, Erbsen kochend, bis am Ende eine einzige übrig blieb, die er mit etwas Beiwerk auf einem monströsem Teller dem Gast auftrug, der erstaunt feststellen musste, eine derartige Erbse bisher nie verzehrt zu haben. Da der Hominide zu drei Vierteln aus Ruhmsucht besteht, bewarb der Maître alsbald seine Erbse und gewann einen Preis dafür, den er stolzgeschwollen ins Fenster klebte. Die Sterneküche ward geboren.

Jene Form der Gastronomie hat sich komplett von ihren Wurzeln entfernt, aus essbaren Produkten eine mehr oder minder warme Mahlzeit zu erstellen und sie dem Gast zu kredenzen, der aus Hunger und Gaumenfreude ein- und wiederkehrt, um den Laden am Laufen zu halten. Hin und wieder verzeiht der zahlende Esser dem Koch wirr auf den Teller geschwiemelte Experimente, doch ist jenseits von Pfefferminzcurrywurst mit Sauerkraut meist schon die Suppe gelöffelt, denn was die geschmacksfreie Inszenierung von Einzelteilen mit verzweifeltem Aufwand hervorbringt, steht in keinem Verhältnis mehr zum Eigentlichen.

Und so schmurgelt der Chef aus einem Korb Modegrün – Algen, Bärlauch, japanischer Spinat – einen Topf voll Pampe, die nachlässig unter zwei Gemüsescheibchen getupft oder mit dem Löffel aufs Porzellan gekleistert die besondere Note des siebten Gangs ausmachen soll. Passt nicht zum halb rohen Fisch, also muss es sich um einen gekonnten Kontrast handeln, taucht aber zu Bauschaum verstärkt als orthogonaler Festkörper neben einer gekleckerten Sauerampfer-Senfsaat-Emulsion auf dem Kolibrispiegelei wieder auf. Der Wareneinsatz beträgt eins zu eins – eine Tonne Grünzeug, ein Löffel Püree – und besonderen Wert legt das Haus auf exklusive Zutaten. Während andere noch ihre regionalen Wurzeln betonen, sucht der Hochgastronom seine in gelblichem Dunkellila schimmernden Babykarotten ausschließlich in einem Biobetrieb rechts neben dem Regenwald, da hier die Nussaromen im Rohzustand noch eine kleine Idee mehr Bitterstoffe zu haben scheinen als in der mauretanischen Möhre, die nur noch die Konkurrenz verkocht. Hier hebelt eine Fachkraft in Dinkelplätzchenpanade frittierte Hühnerfüße auf drehsymmetrische Lotoswurzelquerschnitte, die zuvor eine Nacht lang in einer Ziegenkäse-Fenchel-Marinade geruht haben, bevor die Küchenhilfe sie mit Andenfelsquellwasser durchspült und auf einem Lamapullover trocken tupft. Kenner können in drei von fünf Fällen sofort erkennen, ob es sich um die begehrten Pflanzenteile der Silberbaumartigen oder um lappigen Discountertoast handelt, wenn auch nicht am Geschmack.

Ursprünglich waren die Sterne erfunden worden, um Automobilisten, die durch die Gegend dieselten, standesgemäß zu verköstigen. War doch das Kraftfahrzeug eher eine Angelegenheit der obersten Zehntausend, die natürlich nicht mit jedem Dorfgasthof zufrieden sein durften, um nicht ihren Ruf als Kilometerfresser zu beschädigen – ein Stern bedeutete passable Speise am Wegesrand, für zwei durfte ein Umweg einkalkuliert werden. Drei Sterne jedoch, und es handelte sich tatsächlich um ein kostspieliges Vergnügen, waren der Anlass zu einer eigenen Fahrt über Land. Bis heute hat sich wenig geändert an diesem Bezug. Die Extremküche ist gestartet als Rennen, in dem die Bestplatzierten einen Pokal abkriegten, den sie ins Fenster stellen konnten, um ihre Dominanz in einem halbwegs tauglichen Wettbewerb zu demonstrieren, hat sich inzwischen aber zur komplett abgehobenen Show gewandelt, in der ein paar elitäre Selbstdarsteller ihre fahrphysikalisch sinnfreien Tuningexzesse zelebrieren, eine Leistungsschau von Frontschürzen und Heckspoilern, die der eine oder andere mit Fuchsschwanz an der Antenne ausgestattete Zaungast noch ehrfürchtig für bare Münze nimmt. Was als notwendig deklariert wird, die im tiefsten Winter aus Neuseeland eingeflogene Waldbeere mit Ananasgeschmack, die zu zentimetergroßen Rauten geschnitzt mit der Pinzette auf den Tellerrand gehebelt dem Serviergut allenfalls den optischen Touch von Einzigartigkeit verleiht, weil alle es tun, steht in einigermaßen krassem Missverhältnis zur betriebswirtschaftlich vernünftigen Tätigkeit. Die Köche könnten ihren Schmodder auch gemütlich in Kunstharz gießen und in die Galerie hängen, das Ergebnis ist dasselbe: der Esser findet in diesem Schauprozess nicht mehr statt.

Schon wenden sich die ersten Köche ab vom Getöse, schalten einen Gang herunter und geben alle ihre Auszeichnungen zurück, um sich auf eine vernachlässigte Fertigkeit zu stürzen: auf das Kochen. Allein das geht nicht, denn das Totholz hat die Auszeichnungen nun einmal veröffentlicht und nimmt sie nicht wieder mit. Das Urteil der Jury kümmert sich weder um Koch noch Kellner und um den Gast schon gleich gar nicht. Wer den Preis verleiht, ist der eigentliche Star, was auf dem Tisch passiert, allenfalls schmückendes Beiwerk einer Marketingaktion. Wie hätte man darauf nur kommen können.





Null Null Schneider

27 02 2019

„Und hier könnte man die Scheinwerfer aufbauen, nicht wahr?“ Hansi verzog schon die Stirn, und das, obwohl er ohnehin nur für den Service zuständig war. „Wir machen da noch mal etwas mit dem Licht, und dann können wir eigentlich in zwei Stunden schon starten, okay?“

Bruno, von Freund und Feind stets Fürst Bückler genannt, wie er Gans in Gelee und Schwarzsauer auftischte, ließ sich vorsichtshalber gar nicht erst in der Küche blicken; der große Gastronom und Chef des legendären Landgasthofs betrachtete aufmerksam die sorgfältig geschrubbten Fugen im hübsch gepflasterten Innenhof, wo sonst Tischchen standen und Sonnenschirme, doch ein fehlender Kredit hatte dies Restaurant im Sommer straucheln lassen. Natürlich mussten wir etwas unternehmen für den Inhaber.

„Wir hatten es schon fast geschafft“, knurrte Tim. „Und dann haben sie auf eine Einflüsterung gehört, dass wir nach zwei Jahren sowieso bankrott wären, weil uns keiner mehr Sicherheiten gibt.“ Hansi schaute sich im geräumigen Gastzimmer um, wo mittelalterliches Gebälk über feinstem Damast und Kristallglas sich spannte. „Nicht übel“, murmelte der jüngere Bückler, „und die Karte ist wirklich exquisit.“ Brunos Brust wölbte sich, wenn auch nur ein ganz kleines bisschen. „Er hat ja bei den Besten gelernt.“ Fast hätte sich sein Bruder verschluckt, aber auch nur fast. Tim Pfannenstiel, kurz vor der Pleite trotz begeisterter Stammgäste, wusste sich keinen Rat, und einmal mehr sollte Rokko Schneider zum Einsatz kommen, erfolglos als Koch, aber bekannt auf den Fernsehsehschirmen der Nation. „Das Team rollt gerade an“, informierte der Assistent uns. Jetzt also sollte es losgehen.

„Das Konzept ist ganz einfach“, erklärte die Aufnahmeleiterin. „Wir finden ein Restaurant, das sich in finanzieller Schieflage befindet, einen total überforderten Koch, der mit seiner Karte nicht zurechtkommt, dann wird Rokko den Laden total umkrempeln und dann läuft es wieder.“ Tim runzelte die Stirn. „Was genau heißt: umkrempeln?“ Sie zierte sich ein bisschen. „Kann durchaus sein, dass das hier hinterher eine der besten Frittenbuden der Region ist, weil die Gäste mit diesem modernen Schickikram nicht zurechtkommen.“ Brunos dünne Schnurrbartspitzen, die an den Enden in die Höhe gezwirbelt waren, begannen leicht zu zittern; noch hatte er sich nicht krebsartig rot verfärbt, aber lange würde es nicht mehr dauern. „Frittenbude“, zischte er. „Wenn ich das schon höre.“ Sie hatte es offenbar gehört. „Es ist ja nur für den Übergang“, tröstete sie beide, „wenn Rokko weg ist, können Sie ja Ihren üblichen Kram wieder anbieten.“

Noch ließ der Meister sich nicht blicken, aber die Mannschaft fiel schon in den Gasthof ein. Behutsam deckten sie die Tische ab, leise klirrten die Gläser, während die andere Hälfte Kisten und Kästen in die Küche schleppte. „Sie werden doch hier keine Grillstation einrichten?“ Hansi wollte einen Blick in die Gerätschaften werfen, doch es kam nicht dazu. Er wurde mitsamt des anderen Personals aus der Küche gedrängt.

„Sie haben karierte Tischdecken aufgelegt“, bemerkte ich beim Blick in den Gastraum. Bruno ging einen Schritt hinein. „Nicht nur das“, keuchte er, „das kann doch nicht…“ Sie hatten fleckige, rot karierte Tischdecken aufgelegt, kunstvoll mit Sauce und Rotwein gesprenkeltes Tuch, gut angetrocknet und sicher seit langem nicht gewaschen. Der junge Pfannenstiel tobte. „Nehmen Sie das sofort weg!“ „Aber das gehört doch dazu“, wunderte sich die Leiterin, „das ist unser Konzept.“ Mir schwante Schlimmeres, der Lärm auf der Kellertreppe verriet mir, dass ich mich nicht geirrt hatte.

„Die Hühnerbeine bitte ganz nach hinten“, krächzte es aus der Ecke, wo eine Räumkraft auf Styroporkisten hockte. Daneben krümelte ein Mann Fischstäbchen auf den Boden und verteilte das Zeug mit Hilfe eines Handfegers. Besagtes Geflügel war bereits mumifiziert und schimmerte grün, was selbst in der Beleuchtung das Kühlraums gruselig wirkte. „Wir holen noch eben das schimmelige Obst, und dann könnt Ihr den Ventilator verdrecken, okay?“ „Alles total klasse“, beruhigte die Leiterin in der Tür, „wenn der Typ vom Gesundheitsamt kommt, macht er garantiert die Bude dicht.“ Bruno packte sie am Schlafittchen. „Und dann“, schrie er, „haben Sie sich das schon mal überlegt?“ Sie entwand sich nur mit Mühe. „Dann machen Sie es eben wieder sauber, das gibt total tolle Takes!“

Auch oben in der Küche waren sie zugange. „Sie haben die Herdflammen mit verdreckter Folie ausgelegt“, jammerte Hansi, „und jetzt sprenkeln sie das Geschirr mit Spinat und Senf.“ „Ah, es läuft.“ Der Meister drückte dem verdutzten Tim seinen Mantel in die Hand und stolzierte durch die Küche. „Widerlich“, frohlockte er, „wir können anfangen!“ Da platzte Bruno der Kragen. Wie durch Zufall hatte er plötzlich eine Pfanne in der Hand; schweres Gusseisen für gute Bratkartoffeln und große Beulen. „Du putzt jetzt den ganzen Mist hier weg, oder Du stehst morgen auf meiner Karte!“ „Das Licht ist total gut“, befand ich. Wie praktisch, dass Hansi immer eine Fotoausrüstung dabei hatte, und so begann die Arbeit. „Die Doppelnull auf dem Küchenboden“, überlegte Tim, „wäre das nicht ein passender Titel?“ „Auf jeden Fall“, pflichtete ich bei. „Und wenn wir die Bilder heute Abend noch loswerden, macht der Mann auch die perfekte Reklame fürs Restaurant.“ Die Aufnahmeleiterin wimmerte leise. Hansi klopfte ihr auf die Schulter. „Gutes Konzept“, sagte er anerkennend. „Total gut.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLII): Superfood

30 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es hätten Leinsamen sein können, es hätte genau so gut Schokolade werden können. Aber der Typ aus dem Großhandel hatte halt noch einen Sack voller Zeugs ohne Geschmack im Keller, es fehlte nur noch ein hipper Name, damit man es nicht für Streumaterial hielt. Die Verpackung stimmte, der letzte Hype war gerade im Niedergang begriffen, die Marketingschergen liefen sich am Spielfeldrand des Wirtschaftskriegsschauplatzes warm. Die Chancen für grobe Esoterik waren ausgelotet, nichts stand einer überflüssigen Hysterie in globalem Maßstab im Weg. Unter den nachhaltig Intelligenzabstinenten begann der Siegeszug von Chia, dem Superfood überhaupt.

Wie gesagt, Leinsamen hätten es auch getan, haben aber nicht den Promifaktor, der auch in der Provinzkantine abgestandenen Milchprodukten in Krankenhausmengen diese gewisse Leckerness verleiht, die Zwieback und Weizenschrott so entschieden abgeht. Außerdem kann jenes Abfallprodukt aus der Nährmittelindustrie, gezogen mit Liebe und Mindestlohn kurz hinter Bad Gnirbtzschen, einfach nicht mit der Edelschlacke konkurrieren, die mondän und prestigeträchtig um den halben Rotationsellipsoiden gekarrt werden, um in der hinteren Ecke eines Discounters Schimmel anzusetzen. Damit könnte das Ding an sich in seiner kompletten Überflüssigkeit versuppen. Aber die auf höherem Niveau kognitiv verdünnte Auskenneria ist noch lange nicht fertig. Das Elend nimmt seinen Lauf.

Ähnlich wie gedungene Schwafelschlümpfe der Werbeindustrie Lightprodukte zum Patentrezept für den schnellen Beschiss aufgeblasen haben, ist die Essenz des Megafutters selten auf seinen Inhalt zu beziehen. Was der Schlankheitswahn als essbaren Bauschaum in den Markt schwiemelt, wäre ja mit vernünftigen Mitteln durchaus zu ersetzen, wenn nur der kalorienreduzierte Vollfettkäse abgesehen vom quantitativen Einsatz dem Magerquark wiche, die zucker- und geschmacksfreie Limonade dem sozial inzwischen abgehängten Früchtetee. Sie wollen Brot, also essen sie Kuchen.

Lustigerweise sind genau die aus repressionsfrei geklöppeltem Bohnenstroh herausgedroschenen Heckenpenner, die sich für regionalen Bergbau, antiautoritär im Beisein der Bezugsperson zu Tode gestreichelte Lämmchen und fairen Filterkaffee in Bürgerinitiativen engagieren, die Trägersubstanz für diese Schädelschädigung werden, und das auch noch aus freien Stücken. Das lutscht täglich an der Frühstücksavocado und wundert sich, warum fürs Wegklappen des Regenwaldes mehr Energie aufgebracht werden muss, als mit der Pinkeltaste gespart werden könnte. Wer seine Bedürfnisse der Ideologie unterordnet oder sie gar von ihr vorgeben lässt, der muss sich seine Hirnweichheit sekundär rationalisieren, aber auch dies ist ein Fest für die Imagekneter. Wer redet sich schon alleine die ganze Grütze bunt.

Das Zeug schwimmt schließlich mit in der unwissenschaftlichen Gesundbeterei rund um Detox, Entschlackung und Achtsamkeit – die in allerlei Publikumspostillen auf den Boulevard gespeichelten Anekdoten und Erfahrungsberichte entspringen meist gelangweilten Textern, die derlei als Stehsatz verkaufen, ohne sich die auf dem Transport wochenlang im Container verlabbernden Fruchtfasermatten hinters Zäpfchen zu schieben. Immerhin werden die Wunderpflanzen meist in Regionen geerntet, in denen noch der gute Onkel mit der Pestizidspritze übers Feld stakt, damit die bunten Früchte es überhaupt bis zum Frachter schaffen. Rotkohl hätte ähnliche Werte wie Açaí, aber wie bekommt man mit Flugkohlrabi die Besserfresser in den Gourmettempel?

Superfood ist eine neoliberale Heuchelei wie das Positivgeschwall manischer Selbstoptimierer, ostentative Lebensführung als Punkt in einem stromlinienförmigen Paralleluniversum. Wie in jeder esoterischen Schiefe driftet die Realität gen Nirwana, wenn nun der Ernährungsberater Beeren empfiehlt, deren enzymatisches Gezumpel laut neuester Absatzwirtschaft Krebs und Koma vermeiden soll. Denn ändert sich dadurch die Kalorienzufuhr, wird der Patient voluminös, kaut sich kariös und diabetisch, so ist er, zack! selbst schuld. Wäre es nur das Ziel, sich mit Vitaminen die Leber aufzupumpen und gäbe es auch keine Überdosierung mit drastischer Symptomatik, keiner müsste sich mit Granatäpfeln die Figur ausstopfen, wo es auch heimisches Obst täte. Immerhin schön, dass exotisches Obst dank hinreichend allergener Wirkungen farbenfrohe Schwellungen hinterlässt, wo andere noch eine Gesichtsattrappe hängen haben. Gewiss, es sollen auch Menschen beim Anblick der gemeinen Brennnessel in Tränen ausgebrochen sein, aber das wenigstens lag dann nicht am Preis oder an der Erkenntnis, sich gerade zum willigen Opfer einer ganzen Marktmaschinerie gemacht zu haben, die nur unser Bestes will, und das möglichst schnell und in großen Portionen. Hätten wir als Kinder brav Spinat gegessen, wir wären ihnen nicht auf den Leim gegangen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXX): Volksfeind Zucker

7 09 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es muss frustrierend gewesen sein für Uga. Alle waren so durchschnittlich in der Sippe, und man brauchte schon eine stattliche Narbe von der Jagd auf die Säbelzahnziege, um bei den Frauen zu landen. Hätte sein Schwager größere Fortschritte gemacht mit der Zähmung von Schafen in der großen Ebene am Fluss, hätten sie irgendwann von einer total hippen Krankheit berichten können. Aber es war frustrierend, keine Laktoseintoleranz für Uga. Überhaupt war der Speisezettel farblos und wenig einladend, außer dem Buntbeerenstrauch vor dem Höhleneingang gab es nichts Süßes, und auch der lieferte nur säuerlichen Wuchs in regnerischen Sommern. Einige kauten Bienen. Nicht mal den großen Feind der vorzivilisatorischen Gesellschaft konnten sie für alles verantwortlich machen, was in ihrem Leben schief lief. Sie hatten keinen Zucker.

Was geht es uns heute schlecht. Der gut sortierte Einzelhandel bietet dreiundsiebzig Sorten Bonbons an, und alle bestehen zu vier Dritteln aus Glukose, im Gegensatz zum bei Kleinkindern ungleich beliebteren Graubrot. Längst hat eine Schicht, die in der eigenen Kindheit noch mit messerrückendick Nuss-Nougat-Schuhcreme auf Toast in die Breite gemästet wurde, die gemeine Erdbeerkonfitüre als ernährungsphysiologischen Störfaktor des Teufels erkannt und boxt alle Eltern im Szenekiez blutig, die ihre Blagen mit Marmeladenbrot im Tornister zur Regelschule schicken. In ihrer Parallelwelt, einer von Dämonen und aufgeblähten Monstern durchwehten Nacht voller Saccharin, schwiemeln böse Zwerge ihren Emmas und Pauls verstrahlte Gummibärchen in die mit Sojakäse beschmierten Dinkel-Chia-Krüstchen, damit sie unkonzentriert werden, im Sachkundeunterricht hibbeln und auf einem zweitrangigen Gymnasium erleben müssen, wie Chiana und Kevin in Physik an ihnen vorbeiziehen, einen Studienplatz in Medizin an der angesagten Hauptstadtuni bekommen, die zweimal pro Woche Kulisse für wirre Arztseifenopern ist, und ihnen später völlig zu recht die Transplantation von Leberlappen wegen vorsätzlich fehlgeleiteten Lebenswandels verweigern. Früh krümmt sich, was am Haken hängen will.

Vergleichen erregte Erziehungsberechtigte den Zucker mit den chemisch nicht ganz unverwandten Alkohol, so ignorieren sie die Tatsache, dass es sich beim Schnaps mitnichten um organisches Material handelt. Auch vom Glücksspiel kann man abhängig werden, aber noch kein Volkspädagoge hat vor einer Mensch-ärgere-Dich-nicht-Szene in den Seitengassen des Bahnhofsviertels gewarnt, wo die charakterlich aus dem Elternhaus vordeformierten Soziopathen langsam aber sicher über Schnick-Schnack-Schnuck ins Dauermonopoly abrutschen, um am Schluss kniffelnd in der Psychiatrie zu verdämmern. Die einfache Gleichung funktioniert nicht, und zwar ausnahmsweise deshalb, weil es keine Ausnahmen gibt: monokausale Erklärungen sind monokausal, erklären aber nichts außer den Bildungslücken des Erklärenden.

Wie gelegentliches Joggen oder eine Tasse Kaffee am Morgen noch kein Missbrauch sind, ist das Verabsolutieren von Zucker als diabolischem Allzweckkrankmacher, der Diabetes und kariöse Ausfallerscheinungen befördert, der billige Versuch einer Umschuldung helikopternder Perfektionisten, die den Fehler gemacht haben, Nachwuchs in die Welt zu setzen, weil damit wertvolle Zeit zur Optimierung der eigenen Schädelhohlkörper flöten geht. Wer seine Blagen mit Zuckerzeug abspeist, sich generell für ihre Ernährung und Erziehung nicht interessiert, weder Art noch Umfang ihrer Nahrungsaufnahme organisatorisch im Blick behält und schon gleich gar nicht die Wechselwirkung mit diversen anderen Einflussgrößen wie Fett oder Bewegungsmangel berücksichtigt, taugt immerhin noch zum schlechten Vorbild für die dicken Kinder im Unterschichtenfernsehen. Der protestantische Versuch, der Ernährung durch den Wegfall von Zucker stromlinienförmige Gottgefälligkeit zu verschaffen, fällt sicher auch nur denen ein, die aus fetischistischen Gründen Schulen zu Brutstätten für Stevia-Taliban machen wollen, damit ihre Ideologie der Distinktion, in der sie selbst schon versagt haben, wenigstens ihren Kindern das restliche Leben versaut. Hier wäre der zeitnahe Eintritt in eine Sekte, die körperlicher Gewalt gegenüber ein entspanntes Verhältnis pflegt, der einfacherer Weg. Vermutlich ist die von Sicherheitsdenken und kompletter Realitätsferne bei grundlegenden Aspekten menschlichen Zusammenlebens seicht in die Tiefenbeklopptheit abgedriftete Masse der Genspender längst auf Koks. Sonst würde sie nicht tapfer ihre Muttermilch, die Oligosaccharidbombe par excellence, als natürlichste Fütterungsform lobpreisen. Warten wir ab, bis sich die ersten Demonstrationen durch die Metropolen fräsen, die Weißmehl und Margarine unter Todesstrafe stellen wollen. Was ein paar bunte Pillen im Mistgabelmob anrichten, wird jedenfalls nie langweilig.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXIX): Das Backwarenangebot

31 08 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wer auch immer das Zeugs aus zermanschtem Korn, Wasser und mehr oder weniger wirksamem Triebmittel entdeckt hat – bis heute gibt es noch einige Gesellschaften, wo die Knifte, wahlweise mit Margarine und einfachem Belag für Schule, Betrieb und anderen Tagesaktivitäten – Politik, rechte Hetze, möglicherweise auch beides, aber Hirnzellen verbraucht ja nichts davon – das Geschehen dominiert. Ernährungsphysiologischer Wahn wird je nach Jahrzehnt in die Brotbox geschwiemelt, das Salatblatt, das den Käse zu Schmadder schmoddert, die Kresse, die das kindliche Gemüt verstört, ganz am Ende die geradezu barbarische Erdbeere, die nur mit dem Erzfeind Zucker eine unheilige Allianz in die Physiologie schmuggelt. Dass unbescholtene Familien sich das antun, ist schwer verständlich, aber was erwartet man nun mal von den Überresten einer zielorientierten Herde, die sich beim Essen in die Haare kriegt, weil sie sonst keine Sorgen hat. Die Menschheit ist aus Stressfaktoren erzeugt und braucht jenen Mutterlaut, um sich zu nähren. Das Bäckerhandwerk hilft da gerne mit einer Auswahl, die alles anspricht, aber nicht die Vernunft.

Morgens in der Schlange, die Schildchen liegen in der erleuchteten Theke; offenbar wurde ein mental überforderter Texter nachts durch den Laden geschleift, der die Klumpoiden des jüngsten Produktionsdurchlaufs nach Hässlichkeit und Zielgruppe sortieren und für die Statistik mit verbalem Sperrmüll behängen sollte. In der gesitteten Zone toben sich die Fachkräfte noch am Dinkelkrüstchen aus, das auch den Mainstream der transnationalen Backshops erreicht hat. Hier gibt es keinerlei Raum für Experimente, allein die Verkaufszahl ist Herr über Leben und Tod, allenfalls der blutige Endkampf um Berliner, Krapfen und Pfannkuchen hinterlässt noch Spuren von Emotion auf den Schreibtischen der Controller, die sonst von Industrieware verkrümelt auch auf dem Mond stehen könnten, da sie der Wirklichkeit nicht bedürften. In der wirklich freien Wirtschaft aber, wo noch stirbt, wer nicht wirbt – wer aber wirbt, wie er sich in Schnaps- und Fieberträumen Werbung darstellt, begeht oft Suizid aus Angst vor dem Ableben – greifen die Mehlmützen längst zu ganz anderen Maßnahmen. Es wird zurückgebacken und benamst, bis der Arzt wieder geht.

Das gesunde Graubrot kann derzeit nicht als Weltmeister in den Verkauf gehen, Papst ist auch aus, aber hey: Deutschland geht immer. Schnell noch ein Zwei- bis Mehrkorn durch die Backstube geschlenzt, schon haben die Glyx- und Sommer-, die Krustenfaschisten und andere Kauboys das Nachsehen. Hossa, die Unterscheidbarkeit der aus Sauerteig gekloppten Rohlinge ist dem Backwahn erlegen! Die Laibesübungen fördern Pönnemanns Goldstücke, Zippelweggerla, Knörzelbömmel und Schlemmerschrippe zutage, jedes auch mit Papst denkbar, saisonal als Sommersemmel oder Winterweck im Angebot, ab August gerne im frühweihnachtlichen Design neben Stollenstulle und Laberlebkuchen. Was sich da an Drei- und Grobkorn kombinieren ließe, nicht auszudenken. Leider wird es ausgedacht, täglich praktiziert und auf dem geschundenen Rücken der Konsumenten ausgebacken. Ohne Gnade.

Je nach Bekenntnis zur Schmerzgrenze tobt die Fitness durch den Mehlsack, dem Joggingsemmel und Radlers Rundstück entkrauchen wie Geziefer auf zu viel Beinen, das auf der Torte kopuliert, so widerwärtig anzusehen, dass man einfach nicht weggucken kann, Roggenschlümpfe des Grauens, die kommende Generationen aus zertrümmerten Warenlagern archäologisch freipinseln werden, denn wir hatte ja nichts – wir mussten den Low-Carb-Glutenfrei-Toast ohne künstliche Zusatzstoffe noch in einem Kuhstall haarscharf hinter Bad Gnirbtzschen holen, die Industrie hatte nur Vollkorn im Angebot, und das klang irgendwie zu gesund und arm, aber nicht sexy.

Warum nicht mal BER-Bollen, bleibt flach auf dem Teller und hebt niemals ab, da nicht ganz fertig gebacken, oder Stuttgarter Stulle aus ordentlich Gips und unterirdisch gut, saftig wie ein Wasserwerfer? Warum nicht Chemnitzer Prügel, von deutscher Heißluft gebläht, der nationale Snack in anheimelndem Braun, dass die Vorderzähne krachen? Es gäbe so viel zu versuchen, Hartz-Hippen zum Sonderpreis, Kapitalistenknackerli für den Bänker mit Feile drin, das CSU-Schrumpfbrot mit minus zehn Prozent Volumen, die Kfz-Knödel fürs Handschuhfach, der vorverweste Teigling, der in der Brotdose nur sechs Wochen Sommerferien braucht, um in die Wiederauferstehung zu stolpern – nicht mit dem Papstkrusti verwechseln, das ist gründlich tot und schmeckt auch so – und das aus Kimme und Korn gefaltete Objekt, wo so in der Auslage liegen tut, bis der gewaltig genervte Kunde mit dem Zeigefinger seine Bestellung artikuliert und die Fachverkäuferin instruiert: „Eins von denen da.“ Wozu also der ganze Zinnober.