Die letzten Tage der Menschheit

22 09 2019

Gedichtet haben wir, und ach, geklagt –
gemalt und alles säuberlich gefügt.
Natürlich wussten wir, dass Ihr nur lügt,
weil Ihr mit uns nichts in die Zukunft tragt.

Dass sich an Euch fortan nun nichts mehr misst,
ficht keinen an. Ihr wollt Euch niemals messen.
Dass keiner Euch nun preist und bald vergisst,
ist Euer Los. Ihr lebt. Und seid vergessen.

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In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXI)

21 09 2019

Es lehnte sich Zdeněk in Gesen
am Morgen schon oft an den Tresen –
statt Bier aus der Leitung
genießt er die Zeitung,
die kann er woanders nicht lesen.

Harou zieht oft in Issawane
am Haus empor ein Stückchen Fahne,
recht blass und verschlissen.
Man kann nicht recht wissen,
wovon, mehr nicht, dass man’s erahne.

Vít schaufelte in Fünfzighuben
im Wäldchen wohl gut fünfzig Gruben.
Jetzt trabt er am Zügel
wohl auf fünfzig Hügel,
für die sie die Gruben aushuben.

Aß Turgut Gemüse in Ören,
so störten ihn zu viele Möhren.
Für bessere Miene
sorgt die Aubergine –
damit konnte man ihn betören.

Geht Miroslav mal in Groß Gürsch
im Wald mit der Flinte auf Pirsch,
schläft er schon nach Stunden
ein neben den Hunden.
Das stört keinen, nicht mal den Hirsch.

Hat Maliq sich endlich in Dajt
von all seinen Kleidern befreit,
steigt er mit der Kanne
hinein in die Wanne,
wo er dann nach Warmwasser schreit.

Beim Skisport zeigt Jan in Hertine
gewöhnlich recht heitere Miene,
die jodelnd und brüllend
die Bergwände füllend.
Ihn stört nicht mal eine Lawine.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLX)

14 09 2019

Da Bronisław in Maldaneyen
Die Nachbarn den Lärm nicht verzeihen,
beginnt hinter Hecken
sein Haus zu verstecken.
Bis sind jetzt sind es auch schon zehn Reihen.

Kauft Yngve sein Saatgut in Hok,
so passt man genau, wie er wog,
da er stets die Säcke
an irgend ’ner Ecke
recht schnell vom der Waage wegzog.

Es malt sich Lech in Mühlseiffen
gern Muster auf die Fahrradreifen.
Was ihm dann jüngst glückte
und alle entzückte,
sind rot-weiße Kringel und Streifen.

Bernardo, den jagt man in Sort,
da er stets am Büdchen steht, fort,
bevor er dort lauernd
und darauf andauernd
die anderen Kunden anschnorrt.

Es konnte sich Wanda in Prassen
beim Angeln nie recht Ruhe lassen.
Sie zieht ihre Ruten
mit Schwung durch die Fluten
und kann keinen Fisch dadurch fassen.

Lernt Tryggve das Zimmern in Hammerfest,
wobei man ihn nie an den Hammer lässt,
ist dies zwar beschaulich,
doch wenig erbaulich.
Er zieht für den Meister nur Klammern fest.

Sitzt Paweł zur Nacht in Masehnen
am Tisch, muss er jedes Mal gähnen,
die Gattin muss hitzig
mit Inbrunst und spitzig
die alten Geschichten erwähnen.





Chinesische Legende

8 09 2019

„Ich bin es leid“, so klagt der Alte täglich.
„Die Leute gehen mich um Weisheit an,
doch ständig klug zu sein, das ist unmöglich.“
So kam’s, dass er sein großes Werk begann.

Ihm selber fiel nichts ein. Das war die Falle.
So schickt er einen Boten durch das Land,
nach Sprüchen wohl zu forschen, die er alle
auf eine Rolle schrieb, wo er sie fand.

Er nahm’s von Müttern, Ammen, Herren, Kerlen,
die haben alles fleißig rausgerückt.
Darunter waren freilich manche Perlen,
an denen er sich wunderbar entzückt.

Dann kam der Bote wieder. Unser Meister
war sehr zufrieden und zu Lob bereit.
„Dies ist ein Werk für alle großen Geister,
es überdauert sicher alle Zeit.“

Und sagt man auch, nachdem die Jahre gingen:
Konfuzius spricht – der Ursprung nie vergeht.
Die Weisheit, an der alle Menschen hingen,
braucht einen, der sie ordnet und versteht.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLIX)

7 09 2019

Lässt Petr, ein Mönch in Beskiden,
den Sud in der Braupfanne sieden,
so ist in dem Trunke
ihm göttlicher Funke.
Er hat ja nichts andres hienieden.

Ging Schlomo des Nachts in Kuseife
mitsamt seines Dackels auf Streife,
so wussten die Hunde
recht schnell von der Runde.
Man hörte und roch seine Pfeife.

Es legt Ondřej sich in Dreihacken
den Wollschal gern feucht in den Nacken.
Auch hat er zum Naschen
gern Obst in den Taschen,
und dies sind nur zwei seiner Macken.

Es sorgt Hagos sich in Hargele.
„Was ich bei dem Wetter empfehle,
ist Frischluft durch Fächern
und viel Schnaps zu bechern.
Das schmiert dann vor allem die Kehle.“

Biegt Lubor in Annapolier
sich Draht, spricht er: „Damit verzier
ich Band und Geschirre
magnetisch, verwirre
damit außerdem manches Tier.“

Mbaye kauft in Karang Poste
Besteck so, dass es wenig koste.
Nicht hübsch anzusehen,
darum soll’s nicht gehen:
er will nur, dass es nicht schnell roste.

Jagt František Hasen in Chodenschloß,
wie er sie im Wald jüngst beim Roden schoss,
genügt er mitnichten
des Waidmannes Züchten.
Schon stürzt er schwer über den Bodenspross.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLVIII)

31 08 2019

Es erbte Agnieszka in Pitschen
zwei Häuser. Das waren nur Klitschen,
die sie unter Qualen
durch farbiges Malen
von innen begann zu verkitschen.

Bei Köbi begann in Betschwanden
manch Storch auf dem Häuschen zu landen.
Im Laufe der Jahre
lockt dieses viel Paare,
die Fruchtbarkeit damit verbanden.

Aß Władysławs Sohn in Robitten
zu Mittag, so wollte er Fritten.
Im Falle des Falles
nahm er dazu alles,
um dennoch um Fritten zu bitten.

Es zähmt Martina in Flerden
an Schafen wohl Dutzende Herden.
Die sprangen durchs Gatter,
sind matt und bald matter,
um dadurch recht müde zu werden.

Es pflegt Atanazy in Quehnen
sich oft auf den Esstisch zu lehnen.
Die Gattin bestreut es
mit Mehl. Er bereut es.
Mehr muss man dazu nicht erwähnen.

Fällt Bruno ein Bäumchen in Brail,
so schlägt er dazu einen Keil
wohl tief in die Rinde,
man sagt auch, er binde
sich an ihm fest mit einem Seil.

Kocht Milena sich in Radüe
am Holzofen in aller Frühe
ein Süppchen, sie rührt es
geschwind, dazu führt es,
sie hat mittags erst ihre Brühe.





Kleine Fabel oder Hindernisse der Schönheit

25 08 2019

„Natürlich“, singt der Pfau, „sind meine Federn
ganz ungewöhnlich schön. Seht nur den Glanz,
den keiner sah bei andren Pfauenrädern!
Fürwahr, ich habe doch den schönsten Schwanz!“

„Mag sein“, so krächzt die Dohle. „Ganz vorzüglich.
Nun bitte, wem die Äußerlichkeit liegt –
ich sehe außerdem, und zwar untrüglich,
dass man mit diesem Putz recht übel fliegt.“