Vorschlag zur praktischen Durchsetzung der sozialen Gerechtigkeit

20 05 2018

Wir haben das Patentrezept gefunden:
wir lassen uns zu Hungerkünstlern bilden.
Von allen Mitteln, auch von allen wilden,
ist dieses doch noch eins von den gesunden.

Ach, wären wir doch längst darauf gekommen!
Die Reichen wären noch ein bisschen reicher,
den Armen aber fehlt kein Korn im Speicher.
Es wird fortan von ihnen nichts genommen.

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In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXCIII)

19 05 2018

Wenn Roman, Buchhalter aus Nettonitz
sprach: „Wenn ich schon mit Brutto – Netto schwitz,
kann ich bilanzieren
und mich amüsieren,
ich habe dabei noch in petto Witz.“

Émile, der versuchte in Puurs
sich oft in der Kunst des Parcours,
zu Fuß und beim Radeln
schont er seine Wadeln
niemals. Wo es langging, er fuhr’s.

Dass Mojmír die Hunde in Pfefferschlag
bewachte, weil er keine Treffer mag,
wollt ihn schon verdrießen
bei Nachbarn, die schießen,
wohin er auch immer die Kläffer trag.

Ach, Ljupčo verachtet in Višni
den Haushalt: er deckte den Tisch nie,
er wollte nicht kochen,
und jetzt auch seit Wochen
sagt man, dass er finge den Fisch nie.

Vlastimil klebte in Neistadt
die Fenster der Kirche mit Blei, statt
auf Kleber zu warten
von allerhand Arten.
Wohl dem, der sein Blei stets dabei hat.

Fanendo, der trug oft in Dutse
zum Anzug ein Hemd mit Kapuze.
Befragt, was das solle,
sagt er, dass das Tolle
sei, dass er zum Tragen sie nutze.

Simona, die sammelt in Rehwasser
vom Vordach im Winter das Schneewasser.
Es floss manches Tröpfchen
hinab in ihr Töpfchen –
so hatte sie stets genug Teewasser.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXCII)

12 05 2018

Tadeusz blieb oft in Klein Sunkeln
bei Nacht auf der Straße im Dunkeln,
da er beim Verstecken
in finsteren Ecken
viel mehr sah von dem Sternenfunkeln.

Acácio, der nahm in Ginetes
kein Frühstück, vielmehr war’s ein spätes,
bevor der Tag anfing
und er rasch aufs Amt ging.
Ein Krümel im Bart, der verrät es.

Lech, Altphilologe in Moys,
saß wochenlang oft im Gehäus
und schuf aus Folianten
sich eigne Giganten.
Er hielt sich mitunter für Zeus.

Ruperto, der schlief in Basud
zwar nackt, aber nie ohne Hut,
falls ihm wer begegnet
im Traum, und es regnet,
weil man das ja wirklich nicht tut.

Jan wusch gründlich aus in Lessaken
zwölf Tücher, gewaltige Laken.
Die zog in dem Teich er
gebündelt zugleich er
im Boot hinterher mit dem Haken.

Hans-Herbert, der pachtet in Eingarten
am Waldesrand sich einen Kleingarten.
Ein Zaun, eine Hütte,
Fauteuil in der Mitte,
so lässt sich auf Sonnenschein fein warten.

Es kaufte sich Zdzisław in Korngut
ein Rindvieh. Er fand es von vorn gut,
hat bei dessen Flanken
schon andre Gedanken –
von vorn sah er eben das Horn gut.





Fabelhaft

6 05 2018

für Kurt Tucholsky

„Bei Kruse und Consorten,
dit müssense ma sehn,
jleich bei die Einjangspforten,
da sitzt se. Wunderschön!
Det Mädel heeßt Schalotte,
die lernt da uff Büroh,
dit is vielleicht ’ne Flotte –
mit Tippen sowieso.
    Kucken se jenauer hin,
    wenn ick uff der Lauer bin,
    fühl ick mir voll Manneskraft –
    fabelhaft!
    Faaabelhaft!

Im Jarten hat der Schwager
’ne Laube, piekefein.
Da ist det Rohstofflager…
Se wissen, wie ick’s mein.
Da schöpft a aus die Vollen
mit Kognak, weich wie Samt.
Det muss a nich verzollen.
Er is ja ooch bei’t Amt.
    Kucken se jenauer hin,
    hinten is ’ne Mauer drin.
    Was der Mann beiseite schafft –
    fabelhaft!
    Faaabelhaft!

Nu ham wer’n als Minister.
Dit is vielleicht een Holz!
Der Mann hat noch Jeschwister?
mir langt der eene Scholz.
Da knacken die Jelenke,
der kann am liebsten hart,
und futsch sinn die Jeschenke –
dit hat a uns erspart.
    Kucken se jenauer hin!
    Warum ick so sauer bin,
    allet buckelt, eena blafft –
    fabelhaft.
    Fabelhaft.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXCI)

5 05 2018

Markéta, die joggte in Leiter
recht locker mit einem Begleiter.
Nach zehn Kilometern
in den falschen Tretern
lief er dann recht locker noch weiter.

Hat Mihail in Anenii Noi
auch Bargeld wie andere Heu,
er spart an den Mitteln.
So ist zu zwei Dritteln
aus Zeitung bei ihm Katzenstreu.

Wenn Eliška Rad fuhr in Lieben,
wär sie gern zum Tee noch geblieben.
Doch trank man dann heftig,
sie spürte das kräftig
und musste das Rad danach schieben.

Es züchtete Willem in Budel
seit Jahren schon goldene Pudel.
Die Tiere sind häufig
und dann ziemlich läufig –
so hat er inzwischen ein Rudel.

Es stapelte Kamil in Mader
oft Kisten und Kästen als Lader
und kam dann ins Kippen
beim kleinsten Antippen.
Er hat halt dafür keine Ader.

Was Niamh so oft in New Ross
beim Arbeiten furchtbar verdross,
war neben den Schichten
und den Stempelpflichten
ein Griesgram. Der war auch ihr Boss.

Es bastelt sich Jiří in Lohm
aus Streichhölzern, einem Atom
und viel Gummiringen
(nebst anderen Dingen)
ein Kraftwerk. Jetzt kommt bald der Strom.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXC)

28 04 2018

Da Grażyna sich in Weydicken
Versandhandelspäckchen ließ schicken,
beschloss sie, ein Drittel
entsprach ihrem Mittel.
Vom Rest will sie gar nichts erblicken.

Da Nūrs Aufzucht in al-Husun
auf Truthähne ging, fand sie nun
mit wenig Entzücken
die Ware als Küken.
Ihr Businessplan geht nun auf Huhn.

Da Mikołaj schrubbte in Teschen
der Grafschaft gar schöne Kaleschen,
macht er manches reinlich
und säuberte peinlich
die Kutsche nach dutzenden Wäschen.

Es fragte sich Christophe in Kandi,
wen sucht man sich nur als Mann, die
Mannschaft zu stärken
mit sportlichen Werken –
am Ende des Tages gewann die.

Alicja, die pflegte in Tiege
beim Bauern die einzige Ziege.
Das Tier war gesellig,
die Pflege gesellig,
doch machte die Geiß schnell die Biege.

Taaneti dient in Aobike
im Gasthaus sich hoch von der Pieke
und findet, die Gäste
sind daran das beste,
die Uniform jedenfalls: schnieke!

Martyna, die putzte in Willenberg.
„Was ich hier schon mal in den Rillen berg,
ist fürchterlich dreckig
und fein. Aber speckig,
und deshalb brauch ich einen Rillenzwerg.“





Dafür gibt’s kein Geld

22 04 2018

für Kurt Tucholsky

Drei Wochen bis zum Abschlussball –
was wird das für ein Rummel!
Die schönsten Kleider überall,
doch Lieschen trägt nur Fummel.
Der ist schon fast zehn Jahre alt,
und das bei Balltoiletten!
Der Tochter Klage lang verhallt… –
Da ist nichts mehr zu retten.
    Ach, dafür gibt’s kein Geld –
    so ist nun mal die Welt.
    Womit die Sache steht und fällt:
    dafür gibt’s kein Geld!

Herr Patzke ist nicht Prokurist,
um Kapital zu schenken.
Er muss, wie es Bestimmung ist,
den Laden sauber lenken.
Er zahlt an Ultimo erst aus
nach Lieferung und Leistung
und hält auch Skonto, was ein Graus,
vom Kunden für Erdreistung.
    Nein, dafür gibt’s kein Geld –
    wohl dem, der seins behält.
    Womit die Sache steht und fällt:
    dafür gibt’s kein Geld!

Man könnte dieses Land so schön
und ganz in Ordnung bringen.
Die Reichen wollen gar nichts sehn.
Die Armen müssen ringen.
Von Straßen werden sie nicht satt,
und will man Häuser bauen,
wird auch gespart. Wer hat, der hat.
Wem soll man was noch klauen?
    Denn dafür gibt’s kein Geld –
    Ihr habt das zwar bestellt,
    was macht das schon, wenn man Euch prellt:
    dafür gibt’s kein Geld!