Wahlplakate

21 04 2019

Ihr hängt, und Ihr versprecht uns Brot und Frieden
und zeigt dafür nicht mehr als das Gesicht.
Wir sehen Euch, denn uns ist nur beschieden,
dass wir das glauben, was man uns verspricht.

Darunter stehen Sprüche, rote, gelbe
aus Pflichtbewusstsein für das ganze Land.
Man wählt im Grunde immer nur dasselbe,
denn Tradition ist stärker als Verstand.

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In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXXIX)

20 04 2019

Es hortete László in Wallern
zu Ostern schon Mengen an Knallern.
Stets hat einen Rest er
vom letzten Silvester,
damit lässt sich’s jetzt auch schön ballern.

Guus legte sich in Rotterdam
Pomade und Seife und Kamm
in die Manteltaschen,
da er statt zu waschen
am Abend stets zehn Bahnen schwamm.

Da Gyula stets pünktlich in Maan
zur Arbeit kam mit seiner Bahn,
man sehr auf ihn baute.
Dem Wecker misstraute
er und hielt sich dann einen Hahn.

„Das Schaf“, sagte Pentti in Temmes
zum Sohn, „auf die Kiste da stemm es.
Wird es sich beschweren,
sollst Du vor dem Scheren
den Kamm holen, und damit kämm es.“

Hält Ödön sich nun in Klein Zell
zwölf Hunde, so merkt man das schnell,
denn nach dem Ertauben
pflegt er stets zu glauben,
es sei alles still – trotz Gebell.

Sieht Miriam in Marsalforn
den Stier an, so weiß sie: das Horn
ist spitz und gefährlich.
doch schließlich und ehrlich
weiß sie dann auch: hier ist jetzt vorn.

Es ließ Szabolcs in Sarasposten
für Autos sich sehr viel Geld kosten.
Er sammelt die Mühlen
und lässt sie im Kühlen
bei Regen und Wind schön verrosten.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXXVIII)

13 04 2019

Tadeusz verkaufte in Barten
für Reisende zahlreiche Karten.
Die meisten, die waren
veraltet seit Jahren,
auf neue muss man bei ihm warten.

Kommt Tõnu beim Sport in Aruste
schon einmal recht schnell aus der Puste,
steht er auf der Kippe.
„Es klingt zwar wie Grippe,
doch mehr wird es nicht, wenn ich huste.“

Es moserte Leszek in Klotzen,
die meisten der Kunden, die würden nur motzen.
Zwar ist er recht billig,
doch sei keiner willig,
die Rechnung zu zahlen. Zum Kotzen!

Jehuda, Agent aus Beit Jann,
hing wochenlang an einem Mann,
der einfach verreiste.
Es zeigt sich, das meiste
an Arbeit war wertlos sodann.

Hat Bronisław in Blumenfelde
mal Ärger, dann, weil er sich melde
zu spät bei der Leitung
der örtlichen Zeitung,
die er austrägt wegen dem Gelde.

Abdullah, der hat in Dugure
am Tag manche größere Fuhre.
Er liefert das meiste,
wo er herum reiste,
den Rest hat er dann als Retoure.

Probiert Jan ein Hemd in Alt Hammer,
trägt er auf dem Rücken die Klammer,
die klein fabelhafte,
die alles noch straffte –
ein Griff, und das Hemd sitzt noch strammer.





Do ut des

7 04 2019

für Erich Kästner

Die ganze Welt wird arm an Deutschlands Waffen.
Das stört uns nicht. Wir werden damit reich.
Wenn hier moralisch auseinander klaffen
die Dinge, ist uns das im Zweifel gleich.

Die Welt ist schlecht. Das können wir nicht ändern.
Man nimmt halt, was man kriegt, und wird’s auch schwer.
Auch dazu gibt es nun in vielen Ländern
als Unterstützung schnell ein Schießgewehr.

So dienen wir pflichtschuldig dem Gewissen,
wir geben vom Gewinn ein bisschen ab.
Ein kleines bisschen können wir schon missen.
Es kommt ja was zurück, und nicht zu knapp.

Wobei uns lieber wäre, wenn die Spenden
den Armen hülfen, und sie blieben dort.
Was wir verstehen, alle Not zu wenden,
ist zuverlässig deutsch: ein Mann, ein Mord.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXXVII)

6 04 2019

Alojzij, der Melker aus Hollern,
der schätzt von den Kannen die vollern,
die sich zwar schwer tragen,
die doch auf dem Wagen
nicht so wie die leeren laut bollern.

Es jammert Jo in Kortenaken.
Insekten, vor allem die Schnaken
besuchen ihn ständig.
Er duckt sich recht wendig
und stößt sich. Das ist halt der Haken.

Zu See fuhr Tadeja aus Blath
und wäre recht gern Erster Maat,
doch hat sie von Schiffen
recht viel nicht begriffen.
Am Raddampfer fand sie kein Rad.

Es wunderte Claes sich in Svarte
und sprach: „Meiner Treu und beim Barte
von allen Propheten,
ich kann noch nicht jäten,
weil ich auf den Vollmond noch warte.“

Lev ging in Sankt Peter am Drieht
Bergauf. Einen Wagen er zieht,
der kräftig beladen.
Er weicht einem Schaden
und ist darin wirklich bemüht.

Es humpelt John in Wark on Tyne
Vor allem auf dem linken Bein.
Nur manchmal berauscht er
sich und dann vertauscht er,
dann zieht er es links hinterdrein.

Ist Špela des Nachts auf in Werze,
trägt sie in der Hand eine Kerze,
die tropft aus der Flamme;
wenn sie’s auch verdamme,
ist sie dadurch dann voll von Schmerze.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXXVI)

30 03 2019

Emilia sitzt sinnend in Zwoos
im Wäldchen bei Pilzen im Moos,
fragt philosophierend
ins Baumgeäst stierend:
„Was mach ich? Ich sitze hier bloß!“

Alberto, der Wirt in Fiesole,
spricht: „Wenn ich beim Streit etwas hole,
ist’s erst mal ein Messer,
und wird es nicht besser,
dann kommt ganz zum Schluss die Pistole.“

Ein Dach deckt Jan in Wissowatten
gewöhnlich auf zahlreichen Latten,
die noch auf dem Laster
im Stau. Ja, die hasst er,
die Latten, die sie jetzt nicht hatten.

Es plant Boško in Berlovine,
dass er bald schon viel Geld verdiene.
„Am Waldrand, da wohn ich,
und hier ist viel Honig.
Deshalb halt ich mir eine Biene.“

Fährt Nelli aufs Feld raus in Zauche,
hat sie einen Hänger voll Jauche.
Die ist für die Nachbarn,
die ihr immer nachfahrn.
„Weil ich’s für mein Beet gar nicht brauche.“

Baudouin hat viel Stress in Sombreffe.
„Treff ich im Geschäft meinen Chef,
spricht er nicht sehr leise
und fragt alle Preise –
die kennt er doch aus dem ff.!“

Es sitzt Władysław in Tuchlinnen
bei sehr gutem Wetter stets drinnen,
nicht, um dort zu lesen,
zu schlafen, zu dösen,
er bringt seine Zeit zu beim Spinnen.





Kritik des praktischen Konservativismus

24 03 2019

Vielleicht erscheint professionellen Christen
die Zukunft leichter planbar. Insgesamt
denkt man, sie können alles überlisten,
was nicht direkt aus ihrem Glauben stammt.

Die Welt geht, wie wir sehen, vor die Hunde,
doch das ist ganz egal. Sie haben Zeit,
und wenn nicht jetzt, dann in der nächsten Runde,
und wenn nicht dann, dann in der Ewigkeit.