Die Gewehre der Frau Carrar

18 10 2020

Kaum weiß man noch, wie es im Kriege war.
Wer damals lebte, zog so manche Lehre.
Schon schielen sie aufs Geld und auf Gewehre –
entschuldigt ist der Handel, sittlich gar.

Doch heute wähnt man sich ja schon im Krieg,
wenn andere den Rang dem Land ablaufen
und mehr Gewehre als man selbst verkaufen.
Man hilft sich gern daran vorbei zum Sieg.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXV)

17 10 2020

Es pflegt Zygmunt oft in Cadinen
im Boot in den vielen Kabinen
an Möbeln zu sparen,
doch hängt er seit Jahren
die Bullaugen dicht mit Gardinen.

Yogendran feilt in Penampang
seit langen am richtigen Klang.
Er spielt auf der Flöte
von morgens bis späte
und unterlag längst einem Zwang.

Ach, Władysław in Dargeröse
war schnell seinen Nachbarn recht böse,
die ihn doch empfingen
mit stinkenden Dingen,
mit nächtlichem Lärm und Getöse.

Hat Anak jüngst in Sindumin
ein Gartengerät mal verliehn,
um’s nie mehr zu sehen,
muss man das verstehen.
Er lässt es mit den Nachbarn ziehn.

Gar wild wird Tadeusz in Czarnen,
will man über seinen Zaun harnen.
Es wir schon noch klappen,
die Täter zu schnappen.
Er muss vor dem Hund ja nicht warnen.

Es sitzt Moktar stumm in Ouadane
am Morgen schon früh in der Bahn,
den Arzt aufzusuchen.
Schon hört man ihn fluchen.
Wer sich nun nicht rührt, ist sein Zahn.

Der Staatsanwalt Jan in Barkehmen
pflegt jeden genau zu vernehmen.
Statt mit Paragrafen
sie alle zu strafen,
schreit er nur: „Ihr solltet Euch schämen!“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXIV)

10 10 2020

Alphonse, dem in Nogent-en-Othe
schon lange die Insolvenz droht,
zieht noch nicht den Stecker.
Er ist schließlich Bäcker.
So bleibt ihm noch immer sein Brot.

Filipe nimmt in Inhambane
vom Laster die fast neue Plane.
Die tut’s noch, so denkt er,
und ab sofort schwenkt er
beim Fußball mit der größten Fahne.

François fand beim Hausbau in Schneckenbusch
beim Hinsehen in allen Ecken Pfusch.
„Dies wird dazu führen
beim Stuckreparieren,
dass ich mit dem Geld an den Decken kusch!“

Malësor serviert in Berane
im Eiscafé Kuchen und Sahne,
doch die Kunden dürsten
nach Bier und nach Würsten.
Hier gibt es jedoch nur vegane.

Jean-Paul, der spaziert durch Neufchef.
„Wenn ich meine Nachbarn mal treff
auf der kleinen Runde,
so warnen mich Hunde
vorab schon mit ihrem Gekläff.“

Abdelkébir schaute in Fint,
wie es durch die Dachluke rinnt.
Doch statt sie zu dichten,
den Schaden zu richten,
sitzt er davor sprachlos und sinnt.

Didier kennt man in Staffelfelden
samt Sohn als besondere Helden,
die Vorgärten harken
und Autos, die parken,
sofort beim Gendarmen zu melden.





Herbstbild

4 10 2020

Ein weiches Licht fällt, wo sich Blätter röten
und taucht die Welt in Stille, mild und schön.
Ein Vogel tanzt im Teich auf dünnen Flöten
und singt ein leises Lied vorm Schlafengehn.

Fort sind die Falter. Wenn sie sich vermummen,
vergeht das Farbenblühen im Geäst.
Ein letztes Sirren will auch noch verstummen,
wo Tau aus kalter Luft das Gras benässt.

Aufrauscht der Boden nun: durchs Blattwerk schreitet
der Wanderer, der sacht vorüberzieht.
Es sind die kleinsten Lichter ausgebreitet,
in denen er die Nacht schon nahen sieht.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXIII)

3 10 2020

Weiß Eliška wirklich in Katzengrün,
warum jeden Abend die Katzen fliehn?
Sie hat’s rausgefunden.
Es liegt an den Hunden,
die tagsüber an ihren Tatzten ziehn.

Man sagte, bei Floyd in Fort Totten
gab es in den Schränken nie Motten.
Es liegt an der Küche,
wo für die Gerüche
wird täglich viel Knoblauch gesotten.

Es kann Eva in Hungerleiden
sich morgens nie richtig entscheiden,
ob Rock oder Kittel,
halb, kurz und zwei Drittel –
so pflegt sie sich dann zu verkleiden.

Man fragte Gerardus in Eijsden,
warum dort die Leute nicht reisten
aus den Niederlanden.
Die Zeit war vorhanden.
Sie konnten es sich selten leisten.

Beständig geht Martin in Mastung
hinaus und dem Feld er verpasst Dung
von all seinen Kühen
mit schrecklichen Mühen.
Für ihn war das eine Belastung.

Mitch, Großgrundbesitzer in Heil
hantierte mit Bogen und Pfeil.
Auch auf langen Strecken
kann er nichts verstecken:
am Ende traf’s sein Hinterteil.

Wo Lukáš und Jan in Leimgruben
im Wäldchen oft Gräben aushuben,
hört man sie oft fluchen,
da Würmer sie suchen.
Sie angelten gern, diese Buben.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXII)

26 09 2020

Antoine mähte Rasen in Klang,
wobei er um Gleichgewicht rang.
Der Mäher kürzt rege,
doch stets in der Schräge.
Das ist halt der Nachteil am Hang.

Es lockte Henricus in Rhoon
wohl aus seinem Horn keinen Ton,
als man ihm erzählte,
dass das Mundstück fehlte.
Das war’s nicht. Das wusste er schon.

Man sah Maurice in Offroicourt
beständig auf der linken Spur.
Man wusste seit Jahren,
dass er trotz Gefahren
ein britisches Kraftfahrzeug fuhr.

Dschalal ruhte schon in Umm Qasr
seit Tagen und Nächten im Wasser.
Dies soll dazu führen,
Gewicht zu verlieren.
Er nahm nicht ab. Er war nur blasser.

Man wusste von Charles, der in Sessenheim
nur höchst selten kehrte zum Essen heim.
Sucht er sich Lokale,
geschieht’s viele Male,
dass er sich dort deckt mit Adressen ein.

Es warf Gijsbert in Loon op Zand
die Kronkorken über den Rand
der Mole am Hafen,
dass Schiffe sie trafen.
Dies minderte kein Flaschenpfand.

Oft pflückt Isabelle in Kirschnaumen
am Tag an die zehn Kilo Pflaumen,
wobei sie den Früchten
begegnet mit Züchten.
Ihr größtes Talent ist ihr Daumen.





Stille

20 09 2020

Kein Hauch bewegt die Luft. Die Dinge schweigen
und reglos steht die Welt im Sonnenlicht.
Die Zeit verstummt, und wie der Strahl sich bricht,
will sich der Tag auch schon zum Dunkel neigen.

Die Hoffnung war, dass bald die Lichter steigen
in einen Himmel, der uns Trost zuspricht,
damit uns stützt beim nahenden Gericht
ein Helfer, dem wir unsre Wunden zeigen.

Kein Wort. Uns wirft das lastende Geschick,
bevor die letzten Dinge sich entfalten,
in eine stumme Innenwelt zurück.

Ein Winter voller Ewigkeit gefriert
und schafft bewegungslos einst die Gestalten,
in denen eine Schöpfung sich verliert.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXI)

19 09 2020

Renata war in Radenickel
verdächtig. Es zierten zwei Pickel
die Nase, markante,
woran man erkannte,
dass sie sich in Lügen verwickel.

Es übte sich Kook oft in ’t Harde
mit seiner Gitarre als Barde.
Er trug dabei leider
oft knallbunte Kleider
sowie auf dem Hut die Kokarde.

Es setzt Marta sich in Salesche
recht unvorteilhaft – man sieht Wäsche,
die besser verborgen
geblieben. Mit Sorgen
sieht man sie in ihrer Kalesche.

Es kelterte Beta in Rain
seit Jahren schon eigenen Wein.
Man mag es nicht glauben,
dass aus wenig Trauben
drei Flaschen er schafft, wenn auch klein.

Es nörgelte Tomasz in Reisewitz.
„Wie ich im Coupé auf der Reise sitz,
soll mich allein scheren,
wenn sie sich beschweren.
Hauptsache ist, dass ich hier leise schwitz.“

Die Brüder von Piet, die in Putten
sich um eine Statue stritten,
so dass deren Beine
nun stehen alleine,
die müssen das Bildnis nun kitten.

Hat Urzula oft in Romotten
beim Säubern die Wäsche versotten,
so blieben für jeden
nicht viel mehr als Fäden.
Daraus näht sie neue Klamotten.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DX)

12 09 2020

Zwei Meter misst Serge in Vauclerc.
Er arbeitet im Wasserwerk,
um die Hallendecken
auf Rostfraß zu checken.
Ihm steht auf den Schultern ein Zwerg.

Es wunderte Saoirse sich in Waterford:
am Samstag war erst nur der Kater fort,
dann hört man die Glocken
schon nicht mehr frohlocken,
denn Sonntag war auch noch der Pater fort.

Es kauft Geneviève in Pfalzweyer
fürs Dach sich einen Wasserspeier,
der dort nun aufs Beste
den Vorgarten nässte.
Der schwamm nun weg. Das wurde teuer.

Auf Gordon und George, die in Stilton
oft stundenlang Kabel verdrillten,
schimpft unter den Masten
der Boss, den sie hassten,
bis sie eines Tages ihn killten.

Émile sorgt sich in Goetzenbruck.
Er lief schon nach Hause zurück
und fand dort das Schöne:
zwei tropfende Hähne.
Da hatte er noch einmal Glück.

Ein Streich, den John in Cherry Hinton
dem Lehrer spielt, dem sie anpinnten
ein Schild auf den Rücken,
will diesmal nicht glücken.
Jetzt steckt’s an ihm selbst, und zwar hinten.

George, Schuhmacher in Niederrœdern,
lag nachmittags noch in den Federn,
denn oft bis zum Dunkel
bei Sternengefunkel
saß er noch an Leisten und Ledern.





Der Silberstreif

6 09 2020

Das Käthchen ist gespalten,
wie sich das alles fügt.
Was soll sie davon halten,
dass Albert sie betrügt?
Ihr Herz ist gar zerbrochen.
Die Schwestern sprechen Hohn.
War sie nicht einst versprochen
Gerichtsassessors Sohn?
Der führt jetzt selbst ein großes Haus,
die Zukunft sieht recht rosig aus.
Ist er nicht schlank und klug und blond?
    Ein Silberstreif…
        … am Horizont?

Man sieht noch nächtens sitzen
Hans Hansen überm Buch
und in Prozenten schwitzen –
die Prüfung wird ein Fluch.
Gehilfe will er werden,
doch rechnen kann nicht.
Kein Kaufmann wird auf Erden,
wem’s daran schon gebricht.
Ach, dass sein Vater gleichfalls fehlt,
wie er es ihm im Suff erzählt,
ist Glück, in dem er sich nun sonnt:
    ein Silberstreif…
        … am Horizont!

Erst durften alle wählen.
Sie gaben uns ihr Wort.
Sie wollten uns erzählen,
der Bann sei endlich fort.
Ein Aufbruch! neue Zeiten,
politisch endlich frei,
für Besseres zu streiten!
Ein Hoch auf die Partei!
Kaum war’s vorbei, kam wieder Scholz
mit Dünkel an und dummem Stolz.
Den Schuss ins Knie?
Ihr macht’s gekonnt.
    Kein Silberstreif?
        Kein Horizont.