In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXCVI)

6 06 2020

Es orgelt Franziska in Hallstatt,
auch wenn’s in der Kirche viel Hall hat.
Sie will bei Konzerten
nichts überbewerten,
die finden dort auf jeden Fall statt.

Der Josef in Klaus an der Pyhrnbahn,
der fühlte wohl hinter der Stirn Wahn.
Nun meint er inwendig
und sagt auch beständig,
dass Züge mit offenen Türn fahrn.

Es fand Karoline in Steeg
die Lösung. Doch der Rechenweg
war ebenso wichtig
und keinesfalls richtig.
Null Punkte: es fehlt der Beleg.

Den Husten will Kurt in Roßleithen
auf gar keinen Fall mehr verbreiten.
So pflegt er nun nächtens,
was edel und rechtens,
allein aus dem Haus nur zu schreiten.

Es musste ja Edmund in Posern
beim Lotteriespiel ständig mosern.
Mit allen Gewinnen
zieht man froh von hinnen –
er war nun mal bei den Verlosern.

Isolde, die brachte in Molln
des öfteren etwas ins Rolln.
Sie kullert mit Wonne
die blecherne Tonne
für alle, die’s nicht hören wolln.

Man sah Mechthild manchmal in Muth
mit Mütze, doch niemals mit Hut.
So oft sie’s versuchte,
ließ sie es und fluchte.
Er saß auf den Ohren nicht gut.





Nachher

31 05 2020

Was dann geschieht, am Ende mancher Kriege,
dass, wer sich kennt, erst recht und ganz entzweit.
Die Menschen halten aus in allem Leid,
doch sprengt die Not kein Band wie manche Siege.

Es tritt hervor, was auch verborgen liege,
was in der Angst verharrt und in der Zeit.
Hat eins sich aus der Eigenschaft befreit,
befindet es, was ihm nun schwerer wiege.

Es hält sich wohl im Nachgang der Geschichte
die Frage, ob ein Mensch den andern richte,
und wem es zusteht, Strafe beizumessen.

Das alles geht vorbei. Wir sind geduldig.
Es geht ein Spruch, und andere sind schuldig.
Man kann verzeihen. Doch wer wird vergessen?





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXCV)

30 05 2020

Der Ueli gab selten in Kriens
dem Jungen ein Geldstück. So schien’s.
„Das sag ich der Jugend,
nur Arbeit ist Tugend.
Willst Du etwas haben, verdien’s.“

Auch Reto weiß, in Unterschächen
regiert seit jeher das Verbrechen.
Was dieses nun sei? Wer?
Das weiß freilich keiner.
Man darf ja nicht darüber sprechen.

Den Nachlass will Lottie in Mosen
vernichten: elf Schuhe, zehn Hosen,
fünf Kleider, zehn Hüte
und Kram (eine Tüte).
So wird es nun einfach verlosen.

Man wusste, dass Rösli in Beckenried
befürchtet, dass man sie im Becken sieht,
so dass, wenn sie frei hat
am Sonntag, im Freibad
beständig sie mit ihren Decken flieht.

Es pflegt Agostino in Luthern,
das Fleisch für die Würste zu kuttern
samt Fett und der Knochen,
dann alles zu kochen,
und schließlich auch selber zu futtern.

Es konnte sich Jakob in Peiden
nie zwischen zwei Damen entscheiden.
Die ist wohlerzogen
und ihm sehr gewogen –
er kann nur die Schwester gut leiden.

Weil Beat ja in Dagmersellen
das Zmorge genoss gern im Hellen,
hat er mit den Stunden
sich nicht abgefunden
und ließ alle Uhren verstellen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXCIV)

23 05 2020

Es knetet der Wastl in Kraig
frühmorgens seit Stunden den Teig
ganz dicht vorm Erlahmen.
Die Bäcker, die kamen
so niemals auf den grünen Zweig.

Den Schober leert Pepi in Napplach.
„Wenn ich das seh und nicht zu knapp lach“,
so sprach seine Schwester,
„fällt über den Rest er,
worauf ich mich meistens doch schlapp lach.“

Es legte der Toni in Schnatten
vorm Haus kreuz und quer Gehwegplatten
statt richtig auf Kante.
Dann fragt er die Tante,
ob sie davon nicht mal mehr hatten.

Es pflegt Karli in Ledenitzen
im Garten beim Harken zu schwitzen,
so dass es sein Brauch war,
weil dort auch ein Schlauch war,
mit diesem sich flott nass zu spritzen.

Den Kurt, den Bestatter aus Aich,
den rief man jüngst raus, da am Teich
ein Alter gefunden.
Er kam erst nach Stunden.
„Die liegt ja noch länger, die Leich.“

Der Fritzl, der sich in Deutsch-Griffen
die Schlittschuhe blitzblank geschliffen,
den musste man rufen
im Lärm seiner Kufen,
weil sie jetzt beim Fahren laut pfiffen.

Ein Künstler war Schorschl in Gitschtal.
„Dass ich für das Volk diesen Kitsch mal,
nicht, weil man’s mir riete –
es liegt an der Miete,
die ich im Dorf für diese Klitsch’ zahl!“





Transeuntibus

17 05 2020

Einstmals, da besucht ein Kaiser
eines Klosters feste Mauern,
sah sich um, und wie ein Weiser
sprach er leise mit Bedauern –
denn die Reise ließ nicht warten –
zu dem Mönch, der stumm:
„Ach, so lieblich dieser Garten,
gerne kehrt ich um!“
Keiner aber von den Brüdern
wollte nur ein Wort erwidern,
einer nur, weil’s einer muss:
    „Transeuntibus…“

Und so sind die Menschen alle,
die die Welt im Sturm bereisen:
sehen sie im besten Falle
fremde Sterne sich umkreisen.
Sonst bleibt alles unverfänglich,
Freude, Lust und Leid.
Was sie sehen, ist vergänglich
und geht mit der Zeit.
Was an Tagen wir vermessen,
ist zu bald von selbst vergessen
und verschwimmt im großen Fluss –
    transeuntibus.

Erst wenn wir die Zeit erkennen,
halten ein die großen Uhren.
Schnell, wie ihre Zeiger rennen,
so verwehen alle Spuren
und mit ihnen unser Leben,
Sendung und Geschick –
bis wir uns dem Sinn hingeben
und dem Augenblick.
Mag die Welt uns weitertreiben,
der Moment soll immer bleiben,
schenkt dem Herz sich voll Genuss:
    Transeuntibus.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXCIII)

16 05 2020

Idyllisch lag Albert in Ziegenruck.
„Wenn ich so im Gras nach den Ziegen guck
mit Brot und mit Bierchen,
verpass ich kein Tierchen,
auch wenn ich bisweilen im Liegen spuck.“

Wenn Tessa sich in Pieterburen
verabredete mal, dann fuhren,
um sie zu begleiten,
zur Messung von Zeiten
im Handgepäck mehrere Uhren.

Man hört Luboš laut in Woratschen
im Schlamm vor dem Schweinestall matschen.
Dies kam auch beim Herrn an,
der hört sich das gern an.
Ist tätig der Knecht, hört man’s klatschen.

Rimeta, der spielte in Polle
im Laienspielclub eine Rolle.
Es gab nur die eine
im Stück ganz alleine,
doch jeder lernt sie. Zur Kontrolle.

Es kocht Tomáš in Unterkörnsalz.
„Man sagt mir nach, dass ich recht gern salz,
doch manche, die schleppten
sich ab mit Rezepten,
ich mach’s aus Gefühl und mit Hirnschmalz.“

Dem Gustl sein Häuschen in Schwabau
soll weichen. „Ach, warum ich da bau,
das konnte man ahnen.
Die Stadtautobahnen,
die kommen, warum ich dort nah bau.“

Man schulte Kristýna in Thein
in diesem Jahr mit sieben ein.
Sie rechnet und las schon
seit Jahren. Das war’s schon.
Jetzt hat sie Zeit und lernt Latein.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXCII)

9 05 2020

Wenn Edwin im Freibad in Ladekopp
die Jungmannen nerven, gibt’s Badestopp.
„Als der Bademeister
sind niedere Geister
egal, wenn ich sie nicht mal gerade klopp.“

Spielt Dina in Dschalalabat,
so setzt sie die Gegner schnell matt.
Sie hat schon seit Tagen
längst alle geschlagen –
es gibt keinen mehr in der Stadt.

Fährt Szczepan nachts aus in Mallinken,
so will er ein paar Gläser trinken.
Auf seiner Maschine
sitzt ’ne flotte Biene:
er braucht seine Schwester zum Blinken.

Cécile wartet in Mount Moritz
im Garten bei Nacht auf den Blitz,
damit bei der Sichtung
die Selfie-Belichtung
natürlich aussieht. Ohne Witz!

Es pflegt Hildas Katze in Leißen
in ihre Pantoffeln zu beißen.
Für sie, sagt ihr Vetter,
ist’s immerhin netter
als Hunde, die sie gleich zerreißen.

Gaspard pflanzte sich in Burglinster
ein Gärtchen komplett voll mit Ginster.
Das freute die Hummeln,
doch hört man ihn brummeln,
es sei jetzt recht struppig und finster.

Es plagt Paweł oft in Losgehnen
die Nachbarn. Man muss noch erwähnen,
der Hof, der sehr teuer,
verzichtet auf Eier
mit Hunderten lautstarken Hähnen.