Das Experiment

16 06 2019

Es waren böse Männer, beide schuldig
des Todes, und der Henker war bestellt.
Das Volk, es wartete schon ungeduldig,
dass je ein Kopf herab in Späne fällt.

Allein, es amüsierte ihren König –
Gustav der Dritte, dessen eingedenk –
zu spielen mit dem Leben nur ein wenig,
und macht das Leben ihnen zum Geschenk.

Er hieß sie, statt dass sie Köpfe ließen,
gefangen setzen hinter Schloss und Stein
und ihnen täglich Tränke aufzugießen,
und also schenkte er den beiden ein.

Gefährlich, meinte er, sind Kaffeebohnen,
darum trinkt einer davon reichlich Sud,
den anderen will er davon verschonen
und brüht ihm Tee. So steht das Schicksal gut,

dass einer von den beiden schwer erkranke
an Leib und Seele, Herz und Kopf und Bein,
der andere jedoch dann sonder Wanke
die Jahre übersteht und gießt sich ein.

Zwei Medici, die dieses überwachten,
notierten säuberlich, was man dort sah,
auch wenn sie oftmals über alles lachten.
Sie kamen dem Ergebnis niemals nah.

Erst starb der eine, dann der andre Leiter.
Das schuf dem König allerhand Verdruss.
Die beiden Buben tranken munter weiter,
sie tranken unentwegt und bis zum Schluss.

So mussten sie wohl keinen Henker leiden,
nur den Monarchen, der nach Wissen strebt.
Wohl achtzig Jahre alt waren die beiden
und haben ihren König überlebt.

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In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLVII)

15 06 2019

Zur Hochzeit trägt György in Sankt Veit
ein weißes, recht üppiges Kleid,
das hinten viel länger.
Der Anzug ist enger,
darum trägt ihn die holde Maid.

Alfredo, der züchtet in Guarne
im Garten sich tropische Farne,
um schließlich zum Spinnen
daraus zu gewinnen
die Fasern für pflanzliche Garne.

Was Csilla tagsüber in Wieb
mit Hilfe des Tippgeräts schrieb,
ward dann mit der Feder
notiert in mit Leder
bezogene Büchlein, wo’s blieb.

Renata, die schrie in Gigante,
weil es schon im Erdgeschoss brannte.
Es nahm dann den Gießer
der Neffe, und ließ er
es regnen herab auf die Tante.

Mit Eszters Hotel in Tubaken
gab’s Ärger. Es hat einen Haken,
der Gäste verprellte –
wie sich herausstellte,
hat Betten sie, doch keine Laken.

Es köchelt sich Max in Kleinguschelmuth
bisweilen ein Süppchen aus Muschelsud.
„Das ist, auch am Abend,
recht schmackhaft und labend,
wonach man ins Bettchen sich kuschel gut.“

Kauft Elemér Möbel in Kiek,
besteht er nicht selten auf Teak.
„Man sieht gut als Leiche
auf Teak aus und Eiche,
weshalb ich mich schon mal drauf schmieg.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLVI)

8 06 2019

Parkt Zygmunt mal ein in Jebrammen,
so gibt es des öfteren Schrammen,
die dann dazu führen,
dass ihn beim Lackieren
die eigenen Kunden verdammen.

Ferdousi hat in Maimansingh,
bevor er ihn endlich dann fing,
den Fisch rasch gefunden.
Den sieht man seit Stunden,
dass er ihn zum Trocknen aufhing.

Fragt Stanisław einer in Guttentag,
ob er eigentlich seine Putten mag,
die er restaurierte,
was dann dazu führte,
dass er fragt, warum er nicht Kutten trag.

Es weckt Faisal oft in Maʿan
des Schwagers Geschenk – diesen Hahn
ließ er zwar am Leben,
doch setzt er ihn eben
auf einem See aus just im Kahn.

Ist Lucjan recht heiß in Hohwelze,
dass er auf dem Asphalt schier schmelze,
so quert er fein klüglich
und technisch vorzüglich
die Straßen mit Hilfe der Stelze.

Da Bo in Melena del Sur
stets nüchtern zum Einkaufen fuhr,
kauft er große Mengen,
die sein Budget sprengen.
Das störte ihn nicht. Er bleibt stur.

Es ließ Moritz sich in Jurgutschen
nicht hindern, am Mundstück zu lutschen.
Es klang zwar die Flöte
verdächtig nach Tröte –
doch das sind die Finger, die rutschen.





Wirtschaftswunderliches

2 06 2019

Man müsste, dass man etwa Kinder schlüge,
verbieten, sowie auch Betrug und Lüge,
auch dass die Mieten ganz entsetzlich steigen:
hier müsste die Regierung Kante zeigen!

Und Kriege! ach, bejammernswerte Tote,
bejammernswert auch der Pakete Bote,
dass man die Brücken und die Schienen schindet
und Kohlen gräbt und daran gar nichts findet.

Das ganze Land verpestet Fluss und Meere,
verqualmt die Lüfte – die soziale Schere,
der Pflegenotstand, ach! die Menschenrechte,
und für die Meinungsfreiheit droht das Schlechte!

Die Welt geht unter, nur: wer wird sie hindern?
Die Tränen eines ganzen Volks gar lindern?
Man könnte schon, doch ahnt man: die Gesetze,
sie kosten uns am Ende Arbeitsplätze.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLV)

1 06 2019

Wenn Eliška manchmal in Schöd
hinunter zum Keller dann geht,
kann sie’s nicht begreifen:
sie muss immer pfeifen.
Sie findet das selber schon blöd.

Hat Hamdi die Hände in Douz
schon in seinen Taschen beim Gruß,
so beugt er ausführlich
das Knie, und manierlich
grüßt er stattdessen mit dem Fuß.

Es fragte sich Martin in Tracht,
wer nachts Höllenlärm bei ihm macht.
Beim Nachbarn, da hört er
Klavier, und dann schwört er,
dass gleich darauf eine Axt kracht.

Da Svetozar abends in Plav
im Lehnstuhl hing, schläfrig und schlaff,
sinniert er: auch heute
sieht er keine Bräute,
sonst müsste er raus aus dem Kaff.

Es ärgert sich Karel in Sorg.
„Da ich mir den Zieher schon borg,
wird’s nicht mit dem Wein, denn
der Ärger wär klein, wenn
er nicht Schraubverschluss hätt’, nur Kork!“

Als Hossein in Schahr-e Suchte
ein Reisebüro für Betuchte
in Marktnähe gründet,
ist’s schnell, dass er findet,
dass nur Auslandsreisen man buchte.

Es grübelte Jana in Wenkerschlag.
„Kaum, dass ich betrunken am Lenker klag,
so lässt man mich denken,
ich hätte beim Lenken
erklärt, dass ich sogar den Henker schlag.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLIV)

25 05 2019

Man klagt über Błażej in Hackelspring,
da er stets mit vielem Gewackel ging.
Das kann man nicht leiden.
„Wie lässt sich’s vermeiden,
wenn ich immer über den Dackel spring?“

Es kaufte sich Sören in Mem
ein Fässchen. Das war angenehm
an äußeren Reizen,
ließ sich gut beheizen
und war, anstatt Kleidung, bequem.

Kann Radosław in Grupenhagen
ein Päckchen nicht nach Hause tragen,
so geht er’s barock an:
er zieht einen Rock an
und hebt ihn – und schon kann er fragen.

Zur Taufe kam Jan in Margraten
und schenkt wie die anderen Paten
dem Kinde was Gutes,
alleine er tut es
nicht jetzt, denn er zahlt stets auf Raten.

Baut Erwin sich flink in Jaschine
aus Besen ’ne große Maschine
mit Motor und Stangen,
was will er anfangen?
Er kehrt damit alle Kamine.

Trägt Eddy im Mai in Maumere
die Eimer, die ob ihrer Schwere
und Hitze zu viel sind,
bevor sie am Ziel sind,
stöhnt er, dass man viel zu oft teere.

Kauft Jakub zum Camping in Kalthaus
aus dem Prospekt ein kleines Falthaus,
so ist dies dreifaltig
und viel zu gewaltig.
Dadurch sieht er jetzt ziemlich alt aus.





Überlegungen zur Kosmologie

19 05 2019

Warum ist eigentlich nicht Nichts?
Will der Gedanke reifen,
an Wissen um die Welt gebricht’s,
um dieses zu begreifen.

Schon nach dreihunderttausend Jahr
trennt sich die Strahlung ab –
nichts ist mehr, wie es vorher war:
Materie, nicht knapp.

Man steht in meinem Zimmer stumm
und wird’s sofort verstehen:
hier liegt recht viel Gerümpel rum
bei Licht, um es zu sehen.