In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDX)

15 09 2018

Will Eliška in Moldauquelle
ins Lädchen, und zwar auf die Schnelle,
nimmt sie, jede Wette,
das Rad, dessen Kette
oft hakt, und kommt nicht von der Stelle.

Iwannis, der raucht in al-Haul
bisweilen schon mehr, als er soll.
Nur Samstag vorm Putzen
kann er rauchfrei nutzen,
dann sind alle drei Ascher voll.

Steht Šárkas Gefährt in Markt Schurz
im Parkverbot, ist ihr das schnurz.
Der Lack ist jetzt kratzig,
doch denkt sie sich patzig,
zwei Stunden sind für sie doch kurz.

Younès, der warb in Oukaïmeden,
er leiste Ersatz auch bei Schäden,
bei Fahrlässigkeiten
und zu allen Zeiten.
Die Crux: er versicherte jeden.

Da Jan durchaus in Mildeneichen
nicht wusste, warum sie sich gleichen,
erforscht er mit Feuer
das Wesen der Eier
und ließ sie durch Kochen erweichen.

Da Trudy, die Nichte aus Oxon Hill,
partout dabei bleibt, dass sie boxen will,
hilft Tantchen beim Üben
und hält nach Belieben
für sie dort im Stall einen Ochsen still.

Wenn Gašpars Gesellen in Luken
des Nachts ihre Brötchen fein buken,
dann zog er die Lädchen
fest zu, denn im Städtchen
soll’s, wie er glaubt, zu der Zeit spuken.

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Schmidt oder Einer muss es ja sein

9 09 2018

für Erich Kästner

Es ging den Leuten endlich gut.
Sie konnten täglich essen,
man war gesund und hatte Mut.
In manchen aber kochte Wut,
sie konnten nicht vergessen.

Nicht alles war wie Sonnenschein,
es gab wohl kleine Mängel.
Sie hieben in die Kerbe rein,
das soll die reine Lehre sein:
wir selbst sind nämlich Engel.

Doch diese einen, die sind schuld,
an allem, was beklagt war.
Schon damals nahm man ihnen Huld
und keiner hatte noch Geduld,
der heute recht betagt war.

Nun war das Volk vollständig gleich,
man kann es schon erkennen.
Sie waren alle blond und bleich,
und ebenmäßig, mild und weich,
man kann den Feind nicht nennen.

Der Frieden war schon in Gefahr.
Es ist kein Übeltäter,
und als man fast am Ende war,
Vernunft war aus und Denken rar –
es wurde immer später.

Da hatten sie’s. Der eine Schmidt,
der war zwar nicht verdächtig,
doch schwang hier schon der Argwohn mit,
und zwischen ihnen war wohl Kitt,
sonst wären sie nicht mächtig.

Es gab so viele Schmidts im Land,
die nur sich selbst gehörten,
doch als bei einem Schuld man fand,
hat man sie alle gleich erkannt,
dass sie das Volk zerstörten.

Man hat sie an die Wand gestellt,
der Name nur genügte
den andern, denen das gefällt,
worauf auch gleich die halbe Welt
die Sache leise rügte.

Jetzt hat die liebe Seele Ruh,
die dieses Unrecht mitreißt,
doch schließlich sieh ein jeder zu,
ein Mensch, ein jeder, ist partout
auch selbst schuld, wenn er Schmidt heißt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDIX)

8 09 2018

João frisiert in Lagares
stets mit den Strukturen des Haares.
Nur wenn beim Blondieren
die Haare krepieren
kann er nicht viel machen – so war es.

Prudencio erklärte in Tame,
es sei das entscheidend Infame,
dass er von den Kunden
doch niemals gefunden.
Die anderen nennen’s Reklame.

Fernando nahm neulich ins Rates
viel Geld aus der Kasse. Er tat es,
da er manche Scheine
verprasste für Weine.
(Er forderte nicht, er erbat es.)

Carl Gustaf verschaffte in Knäred
den Eltern, solange es währet,
Versicherung reichlich,
was sonst unausweichlich
sie früh und entscheidend versehret.

Es schubste Luís in Merufe
die Schafe von Stufe zu Stufe
zum Melken. Die Tücke
lag stets in der Lücke
der Stufe auf dem Weg der Hufe.

Graciela, die führte in Wilde
beileibe nichts Böses im Schilde,
Doch waren untrüglich
und ihr fast unfüglich
zu sehen gar böse Gebilde.

Ricardo sah in Rio Mau
im Garten fast gar nichts in Blau.
Lavendel und Flieder
sind nichts, das Gefieder
bevorzugt er von einem Pfau.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDVIII)

1 09 2018

Bei Dušan sind kürzlich in Achten
Verwandte, die Zeit dort verbrachten,
recht träge geworden.
Dann sah er die Horden
bei ihm ungefragt übernachten.

Wird Märta beim Putzen in Ryd
nach mehreren Stunden sehr müd,
so putzt sie erst fertig
geistesgegenwärtig,
sonst geht was kaputt. Gott behüt!

Ist Vlado verschnupft in Kleinrippen,
wird er in Tee Zwieback stippen,
ganz heimlich und leise.
Die andere Speise
kommt ihm nicht mehr über die Lippen

Chiletso trinkt in Cape MacLear
zum Frühstück bereits starkes Bier.
Die Regel zitiert er
gern und ignoriert er,
denn irgendwo ist es nach vier.

Ist Ľubomír wütend in Barsch,
ist er wie gewöhnlich recht harsch
und setzt sich zum Dämpfen,
die Wut zu bekämpfen
fürs erste einmal selbst in Marsch.

Ricardo in Puerto Limón
geht früh mit der Zeitung davon.
Er wird sie nicht lösen,
er will drunter dösen.
„Fürn Kopf“, sagt er, „wenn ich mich sonn.“

Patrícia wird abends in Eulenbach
im Mondenschein erst mit den Eulen wach.
„Ich schlafe am Tage
und wach ohne Klage
mit ihnen gern, wenn ich sie heulen mach.“





Gruß aus Sachsen

26 08 2018

für Kurt Tucholsky

September bald, die Weihnacht naht.
Da schöpft man aus dem Vollen
und kauft in Dresden in der Tat
den guten Butterstollen.
Man muss sich dieses Feingebäck
ein ganzes Jahr verdienen,
die Butter bleibt im Sommer weg,
desgleichen die Rosinen.
Doch wie er an der Scheibe kaut,
wird unser Sachse furchtbar laut,
er schmeißt den Stollen wieder hin,
darauf ist kein Verlass.
Da ist noch was ganz andres drin,
  das passt
    wie dies auf das.

Man wählt. Das kommt ja schon mal vor
und ist nicht ungewöhnlich,
so auch in Sachsen. Mancher Tor
nimmt das sogar persönlich,
denn hat er einmal eine Wahl,
wählt er von dreien, vieren
ganz anders als beim letzten Mal.
Wohin soll das noch führen?
Man findet in der Urne glatt
zehn Leute, die diesmal anstatt
nur rechts Demokratie im Sinn.
Der gute Mann wird blass.
Da ist noch was ganz andres drin,
  das passt
    wie dies auf das.

Der eine von der Polizei
ist Bürger seines Reiches.
das ist dem andern einerlei,
er finde für sich Gleiches.
Der eine schwenkt den Hut zum Hohn
auf Grundgesetz und Recht.
Der andere beschützt ihn schon,
dann geht’s ihm niemals schlecht.
Das dient den Staat? und gibt ihm Schutz?
der Klumpen, der aus Schund und Schmutz,
ganz fröhlich fett sein Doppelkinn –
für die Verfassung Hass.
Da ist noch was ganz andres drin
  …
    …





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDVII)

25 08 2018

Tadeusz, der pflegt in Flösten
sich selber Kaffee oft zu rösten.
Er führte im Schilde,
man mag ihn nur milde,
ihm schmeckt’s fast verbrannt noch am besten.

Wassili, der schenkte in Tjumen
Verwandten des öfteren Blumen.
Die Onkel, die mied er,
denn hier unterschied er
die Damen wie Basen und Muhmen.

Man hörte bei Wojciech in Bzurren
beständig ein ganz leises Knurren.
Sein Hund war’s, der schlief nicht,
denn die Heizung lief nicht,
sie lieferte nur leises Surren.

Michelle wünschte sich in Te Puke,
man soll auf ihr Grab eine Luke
vom Segelschiff setzen,
dass man mit Entsetzen
sich fürchte, ob sie daraus spuke.

Hat Zdzisław einmal in Czerwanken
am Abend nur trübe Gedanken,
geht er auf in den Garten,
weil dort auf ihn warten
die Bäumchen, die Sträucher und Ranken.

Es ließ Linda manchmal in Huyton
sich zu manchen Käufen verleiten.
Meist waren es Hosen,
die kurzen, die losen,
und meistens, da waren’s die weiten.

Dass Włodzimierz immer in Guhsen
der Gattin sich nähert zum Schmusen,
ist ihr schon fast peinlich,
dabei ist er reinlich
und schätzt sie nur für ihren Busen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDVI)

18 08 2018

Es ärgerte Vlasta in Moorkopf:
„Wenn ich bei der Ankunft ans Tor klopf,
will ich keinen stören,
doch niemand wird’s hören,
wenn ich vorher nicht zehnmal vorklopf.“

Tauana schraubt in Tuanai
am Fahrrad herum. Alle drei
der Kränze sind feste,
die Schaltung die beste –
die Kette jedoch, die dreht frei.

Spricht Otakar manchmal in Nußlau
der Holden: „Wenn ich eine Nuss kau,
die ich nach dem Knacken
mir schieb in die Backen,
kann’s sein, dass ich mir einen Kuss klau.“

Hat Ramesh mal Freizeit in Feni,
bleibt er auch zu Hause. „Ich geh nie
zu anderen Leuten
und schau nicht nach Bräuten.
Denn die, die ich such, seh ich eh nie.“

Es stöhnt Jitka müde in Nettolitz.
„Was ich bei der Buchhaltung netto sitz,
ist nicht zu ertragen.
Es hilft auch kein Klagen,
hätt ich nicht stattdessen in petto Witz.“

Chum trug Fackeln durch Anlong Veng.
„Die Gassen sind vielfach so eng,
dass ich mit den Flammen,
mit allen zusammen,
mir ständig die Nase verseng.“

Dass František sich in Neuhütte
mit Altmetall eindeckt und bitte,
ihm solches zu bringen,
will nicht in ihn dringen,
bis er’s vor die Nachbarstür schütte.