In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXI)

18 09 2021

Es achtete Jan in Bartossen
beim Putzen genau auf die Flossen
und hat, euphemistisch
gesagt, aquaristisch
den Fisch mit dem Becken vergossen.

Es kaufte sich Barry in Gowran
ein Rind, das von hinten und vorn
gefährlich anmutet,
doch wenn er sich sputet,
sieht er nur den Schwanz, nicht das Horn.

Olimpia fand in Baarwiese
ein Pfeifchen. Damit sie es bliese,
übt sie fleißig Noten.
Dann hat’s ihr verboten
der Mann. Jetzt übt sie auf der Wiese.

Santiago hat in Tambogrande
den Fallschirm stets unterm Gewande.
„Ich springe behende
herum im Gelände
und weiß auch oft nicht, wo ich lande.“

Hielt Klaudiusz die Parkuhr Brätz
für unnötig, nur für Geschwätz,
wird Stress sie bereiten
beim Zeitüberschreiten.
So will es schon lang das Gesetz.

Tatsächlich ist John in Knockvicar
seit Jahren begeisterter Stricker.
Das wirkt unter Kennern
bei anderen Männern
und ist im Vergleich deutlich schicker.

Aleksy und Jerzy aus Beuthen,
die fuhren ans Meer mit den Bräuten,
die dort unter lautem
Geschrei Burgen bauten,
so dass sie es schließlich bereuten.





Der Jahrkreis (IX). September

12 09 2021

Die Sommerseligkeit ist kaum verklungen,
da öffnet sich die Welt, und man genießt,
als wäre einer Künstlerin gelungen,
dass alles warm in goldnen Tönen fließt.

Die ersten Vögel ziehen in den Süden
wie ein gemaltes Band von feinem Glanz.
Ein letztes Mal ist uns der Blick beschieden,
dann geht er aus dem Sinn. Ein letzter Tanz.

Doch bleibt ein Bild in uns, daran wir denken,
und lässt uns bis zum Schlummer nicht mehr los.
So ist es mit den herzlichsten Geschenken,
erwartet man sie nicht, so sind sie groß.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLX)

11 09 2021

Ach, öfters tritt Vít in Audechen
beim Gärtnern leichthin auf den Rechen.
Nur manchmal, da fiel er,
sonst spürt nur den Stiel er
und kann dann nicht darüber sprechen.

Von Folco, da hört man in Gratsch
recht viele Geschichten und Klatsch.
Die handeln vornehmlich
vom Weib und sind dämlich.
Ansonsten erzählt er meist Quatsch.

Wenn Radovan manchmal in Eicht
bei Kunden zu Haus Decken streicht,
steht unten ein Männchen
mit Farbe im Tönnchen,
das ihm dann den Pinsel anreicht.

Renato bezahlte in Gschnon
den Handwerkern selten den Lohn
Sie gingen mit Krach ab
und deckten das Dach ab.
Am nächsten Tag zahlte er schon.

Führt Jindřich sein Pferdchen in Braum
wohl über den Hof, trägt es Zaum
sowohl als auch Zügel,
doch nur fürs Geflügel.
Es wohnt bei ihm im Nebenraum.

Es leistet sich Claudio in Flaas
ein Eselchen. Da es viel fraß,
so muss er seit Jahren
an seiner Kost sparen
und isst wie das Tierchen nun Gras.

Ist Květa mal spät dran in Chlenn,
so sagt sie: „Bevor ich jetzt renn,
behalt ich die Ruhe
und schone die Schuhe,
weil ich sonst sofort wieder penn.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLIX)

4 09 2021

Arnaud bewirbt sich in Faugères.
Er fragt, ob der Posten was wär,
der sei zwar kein Segen,
doch käm’s schon gelegen.
Er macht’s, wie man ahnt, fürs Salär.

Vittorios Chalet in Insone
zeigt an, dass man dort teuer wohne.
Doch sagt man, er habe
zum Sparen die Gabe,
weshalb er es vorwiegend schone.

Pierre reiste an in Almayrac
zur Hochzeit mit Tüten und Sack.
Das war nicht geheuer.
So trug er zur Feier
zerknittert, doch immerhin: Frack.

Es fuhr Remo zackig in Frasco
den Wagen ins nächste Fiasko.
Doch stören ihn Schäden
wohl kaum, denn auf jeden
der Fälle kommt Geld von der Kasko.

Es wunderte sich Jules in Foss.
Als Kind schon bekam er ein Ross,
um es zu begleiten,
doch statt es zu reiten,
bevorzugte Hamster sein Spross.

Es nagelt Aimée in Leutmerken
und schraubt, und in vielen Gewerken,
die auch zu nichts führen,
mag sie dilettieren.
Ihr Mann wird sie darin bestärken.

Henri isst beständig in Sost
nur feinste, gesündeste Kost,
doch mag er nicht laufen,
dafür einzukaufen.
Die Mahlzeiten bringt ihm die Post.





Nachtgespenster

29 08 2021

für Kurt Tucholsky

Da sitzt er, und die Stimmung steigt.
Die andern haben ausgegeigt.
Die Sache ist entschieden.
Das glaubt er, und die andern auch.
Er reibt zufrieden seinen Bauch.
Der Kampf ist wohl vermieden.
Er schaut hinaus. Die Nacht ist trüb.
Ihm bleibt, was keinem andern blieb,
und ist es auch recht unverdient –
    Olaf grient.

Ach, das wird eine schöne Zeit.
Wer denkt noch der Vergangenheit,
an Blut, Betrug und Lügen?
Ihm selber ist auch manches schon
entfallen, und mit leisem Hohn
lässt er’s in Frieden fliegen.
Er soll sich schämen, doch er tut
es nicht. Die Zeit macht alles gut,
ein Mäntelchen aus Machtgespinst –
    Olaf grinst.

Nur manchmal ahnt er, was ihm blüht,
wenn er durch alte Zeiten sieht,
und will sich nicht erfreuen.
Dann liegt er Nacht für Nacht hellwach,
er wird – nicht sein Gedächtnis – schwach,
und sieht das Unheil dräuen.
Ihm ist das freilich einerlei,
doch weiß der Wähler, die Partei,
wie er sich her und hin dann rollt –
    Olaf schmollt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLVIII)

28 08 2021

Der Schorschl, der brauchte in Kogl
ein Bild vom besonderen Vogel.
Ein Preis, der verlangt es,
am Federvieh krankt es.
„Ah was“, sprach er. „Siehste, ich mogel.“

Es kochte Simone in Stainz
ein Gulasch – so schön war noch keins.
„Ich esse“, so sagt sie,
„nun schnell, da man fragt: wie,
erst meins, danach teilen wir deins.“

Den Holzknecht Andreas in Trag,
den plagten bei fast jedem Schlag
zu fällender Bäume
gar schreckliche Träume.
Er fällt nur noch, wenn er das mag.

Josepha beschwert sich in Glein.
„Bestell ich mir ein Hühnerbein,
um Brühe zu kochen,
so sind es nur Knochen.
Ich schlag diesen Koch kurz und klein!“

Der Pepi ist Bäcker in Paig.
Dem Lehrling gibt er einen Teig,
doch statt den zu backen,
lässt er ihn versacken
und hofft, dass man’s ihm noch mal zeig.

Es legt sich Marlene in Tratten
zum Schläfchen recht gern in den Schatten.
Es fehlt ihr nur diese
recht alte Markise,
so deckt das Gestell sie mit Matten.

Elisabeth wollte in Scheiben
ein Bändchen Gedichte sich schreiben.
Es scheitert im Keime:
ihr fehlten die Reime.
Sie wird beim Roman vorerst bleiben.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLVII)

21 08 2021

Bei Georges standen in Rittershoffen
am Häuschen die Fenster stets offen.
Pflegt er einzukaufen,
muss er nicht rein laufen.
Er hat bisher stets gut getroffen.

Pauls Garten, den zierte in Lind
ein Bäumchen. Als Schutz vor dem Wind
fragt man, wohin führe
sein Werkeln der Schnüre:
„Zur Vorsicht, weil ich es anbind!“

Guillaume, der erfand in Vieux-Thann
Maschinen. Zunächst mal ersann
er nur ihre Namen,
die ihm unterkamen.
Das Technische folgte sodann.

Im Winter pflegt Otto in Kreuzen
sein Häuschen im Wald zu beheizen,
doch kann er von Bäumen
und Brennholz nur träumen.
Als Landwirt heizt er dann mit Weizen.

Laurence, der im Gasthaus in Thaas
bei Zeitung und Zeitschriften saß,
der las ohne Pause
von Frühstück bis Jause,
so dass er zu essen vergaß.

Als Wundarzt sieht Clemens in Puch
so manchen gar unschönen Bruch.
Durch Hemd und durch Hose,
die Feindiagnose
erkennt er bereits am Geruch.

Gaspard lebt als Guide in Saint-Jure.
„So lang ich die Fremden schon führ,
erklär ich ausführlich
und bring sie natürlich
ins Wirtshaus, denn das gehört mir.“





Die Schwarze Greth

15 08 2021

für Theodor Storm

Am Holm, sagt man, vor fünfzig Jahr
soll dies geschehen sein.
Und ist das alles auch nicht wahr,
man kennt’s doch allgemein.

Zwei Fischer lebten dort, so arm,
ihr Leben lastet schwer.
Die Hütte war nur selten warm,
ihr Teller blieb oft leer.

Ihr Fischzug war ein hart Geschäft
in Sturm und Gischtgebraus.
Wer da nicht seine Segel refft,
den treibt es weit hinaus.

Sie fuhren täglich stundenlang.
Sie wechselten kein Wort.
Und war das Netz dann ohne Fang,
so stieg die Not an Bord.

Der eine betet, einer flucht.
Das Meer brüllt seine Wut.
Wer jetzt sein Glück noch mal versucht,
versinkt wohl in der Flut.

Und höher schaukelt sich der Kahn,
wie es auch unten schäumt –
da sehen sie, wohl wie im Wahn,
dass ihnen alles träumt.

Ein Raunen, Brausen, Sausen zog
von Dannewerk heran,
ein Licht, das übers Wasser flog,
schlug sie in seinen Bann.

Wie ein Gemälde hell und klar
in hohen Lüften schwebt,
so thront vor ihnen wunderbar
ein Bild, als ob es lebt.

Dort hinten grollt die finstre Nacht,
die bis zur Kimmung geht,
hier aber winkt in größter Pracht
voll Huld die Schwarze Greth.

Sie trägt ein nächtliches Gewand
voll Perlen und Geschmeid.
So schreitet langsam sie vom Land.
Die Fischer wähnten Leid.

„Werft aus die Netze!“ Was sie sprach,
schwang sanft wie Engelsklang.
„Behaltet alles, denkt nicht nach,
die Nacht wird reich und lang!

Nur einen Fisch, den schönsten gar,
verlange ich allein –
den bringt mir als ein Opfer dar,
denn dieser ist ja mein!“

Wie auch der Wind vorüberheult,
ganz plötzlich fiel die Nacht,
als ob die Flut sich wirklich teilt,
da kam der Schwarm mit Macht.

Und Fische, Fische – viel zu viel,
der Kahn fasst nur ein Teil,
er ächzt und krächzt im Wellenspiel,
mit Mühe blieb er heil.

Und wahrhaft war die Grethe hold,
wie auch der Kiel fast brach,
ein Brassen schimmerte von Gold,
zog Silberfäden nach,

Smaragde fingen sich darin
und hier ein Diamant,
mit Perlen auch, die man an Kinn
und Flossen bei ihm fand.

Der eine war schon im Begriff
zu tun, wie sie ihn hieß,
dass er den Goldfisch von dem Schiff
tief in die Flut entließ.

Der andre aber nahm ihn forsch,
versteckte ihn am Bug
im Haufen unter Aal und Dorsch,
entschlossen zum Betrug.

Wie Feuer sich durch Kohlen frisst,
so blinkte hell der Fang.
Wie schnell misslang die arge List!
Und wie war ihnen bang…

Die Fische wurden reines Gold,
wie man es niemals fand,
und wie der Nachen stampft und rollt,
da brach der erste Spant.

Wie unter Donner sank hinab
das glückbeschwerte Boot
und zog die beiden in ihr Grab
und in den nassen Tod.

Die beiden? einen rettete
die Greth vor seinem Leid,
den sie im Sande bettete.
Da lag er lange Zeit

so traumlos, wie der andre schlief,
bis ihn der Regen weckt,
dass er in seiner Tasche tief
ein Goldenes entdeckt.

Er wusste nur, kein Traumgespinst
hat ihm das Boot geraubt,
und zeigte er nun den Gewinst,
kein Mensch ist, der ihm glaubt.

Am Holm, sagt man, da fischt seither
nur einer noch voll Fleiß,
und wird sein Kahn vom Fang auch schwer,
so zahlt er seinen Preis.

Er wirft dann in die wilde See
den Fisch, der ihm so lieb,
und keiner weiß, und weiß es je,
wo einst der andre blieb.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLVI)

14 08 2021

Daniele bekennt in Scurelle,
dass er für den Fall einer Delle
in Väterchens Wagen,
um nichts zu beklagen,
ein Hämmerchen stets hat zur Stelle.

Guglielmo in Ziano di Fiemme,
der sammelt im Haarsalon Kämme.
Den Kunden – fast allen –
scheint Haar auszufallen.
Jetzt sammelt er stattdessen Schwämme.

Matteo greift oft in Lusern
zum Opferstock und tut dies gern.
Als fleißiger Priester
trinkt, isst und genießt er
ja eh nur im Auftrag des Herrn.

Tommaso, den man in Trient
als Fahrraddieb sehr gut noch kennt,
man ahnt’s: schon beginnt er
als Weltklassesprinter,
da er aus Gewohnheit schnell rennt.

Lorenzo, der trägt in Daone
die Briefe aus. „Da, wo ich wohne,
gibt’s selten Empfänger.
So schlafe ich länger,
womit ich mich leidlich belohne.“

Gianluca saß in Sporminore
beim Zahnarzt, doch statt der nun bohre,
flieht vor dem Geruch er,
denn dieser Besucher
nach Knoblauch stank aus jeder Pore.

Ernesto bewahrte in Sfruz,
was wichtig, im Innern des Huts.
Den hat er verloren.
Nun sitzt auf den Ohren
ein Strickkäppchen nun. Auch das tut’s.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLV)

7 08 2021

Meist reagiert Henryk in Kratzig,
was Hausarbeit angeht, recht patzig.
„Am Morgen, da saug ich,
zum Staubwischen taug ich
laut Weib sowieso nicht. Nachts ratz ich.“

Nikollë, der Barmann aus Drisht,
der Spirituosen bunt mischt,
erfindet Geschmäcker
von grausig bis lecker.
Hauptsache ist, dass es erfrischt.

In Zygmunts Geschäft in Lentzienen
pflegt er niemanden zu bedienen.
Auch hat man gefunden,
er warnt seine Kunden
mit ausgesucht finsteren Mienen.

Libardo aus Bugalagrande
fährt auf seinem Rad durch die Lande
als Langstreckenmeister.
Auch schläft er und speist er
im Sattel, doch dies nur am Rande.

Maurycys Verdruss ist in Krohle,
sein Ofen braucht viel zu viel Kohle.
Man riet ihm, im Keller
ging’s wesentlich schneller,
wenn er mit dem Eimer sie hole.

Altuna trägt Strümpfe in Shirq.
„Da ich sie aus Ziegenhaar wirk,
so laufe ich täglich
so hoch wie nur möglich.
Das kriege ich nur im Gebirg.“

Jans Auto klaut man in Medien.
Schon holt er ein Pferdchen zum Ziehen.
Was anfangs noch lieb schien,
man hält für den Dieb ihn.
Zum Glück kann er rittlings schnell fliehen.