In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXXI)

27 11 2021

Man hat Vojtěch wahrhaft in Hohlen
beinah seine Pferde gestohlen.
Nun lauert er ständig
als Detektiv wendig
mit Hufeisen unter den Sohlen.

Josiah, der wollt sich in Braden
mit allen Familien befehden,
die über quer standen.
Schon bilden sich Banden.
Am Ende schoss jeder auf jeden.

Bei Jiří hört man in Großblatzen
des Nachts ein gefährliches Kratzen.
Man fürchtet schon Geister,
doch hier spricht der Meister:
„Wenn’s Tote nicht sind, sind es Katzen.“

Elijah, der Sheriff in Gadsden,
der sprach, wenn die Zeugen sich setzten:
„Lügner überführen
und zu demaskieren
ist leicht, wenn sie sich nur verpetzten.“

Wenn Vasik sich in Hinterstift
mit seinen Vereinsfreuden trifft,
gilt’s nicht Grand mit Vieren
und zahlreichen Bieren.
Man ist dort modern, wenn man kifft.

Bei Floyd und den Freunden in Kenton,
die gern bis zum Mittag durchpennten,
war gar nichts zu holen.
Sie gehen zum Bowlen
und leben sehr gut von den Renten.

Von Pavla hört man in Hurschippen
den ganzen Tag nichts als nur Tippen.
Das Stenotypieren
Wird letztlich nur führen
zu Kaffee und zu vielen Kippen.





Biedermeier

21 11 2021

für Heinrich Heine

Wie ist der Himmel deutsch und bunt
von allen Freiheitsschäumen!
Das reicht dem braven Manne, und
er will nichts andres träumen.

Er hockt, samt Weib und Töchterlein,
den ganzen Tag so friedlich
in seiner Kammer, klein und fein,
und findet sich gemütlich.

Die Holde schmückt er mit Geschmack
mit Hauben und Preziosen,
sich selber stopft er in den Frack
und viel zu enge Hosen.

Das macht, man schreitet steif und stumpf
und unterhält sich kläglich.
Der Herr beugt höchstens seinen Rumpf
und denkt auch unbeweglich.

Das schadet dem Theater nicht,
dort schmunzelt auch der Preuße.
Wer sich auch davon nichts verspricht,
bleibt hockten im Gehäuse.

Das will zu jeder Jahreszeit
ganz ausgesucht ihm schmecken,
mit Ansichtsglas und Hausmannskost
die Pflichtgefühle wecken.

Vor allem ist das Weihnachtsfest
ihm bürgerlich behaglich,
so schlicht und schön – der ganze Rest
bleibt ihm dagegen fraglich.

Noch heute sind wir biederlich
vom Scheitel auf die Schuhe.
Die ganze Welt ist liederlich.
Wir wollen unsre Ruhe.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXX)

20 11 2021

Roger fragt beim Bäcker in Trannes,
ob er wohl ein Brot haben kann.
Er rief schon so lange
vom Ende der Schlange,
er war ja noch lange nicht dran.

Negrito stand in El Factor
am Samstag stets hinter dem Tor
und jubelte schallend,
weshalb er missfallend
auch krächzte dann im Kirchenchor.

Der Wein von François war in Soucht
bei allen begehrt. Eine Wucht,
fand man schon beim Naschen
und feilscht um die Flaschen.
Man schlug ihn beinah in die Flucht.

Sieht Kjeld man, der in Overlade
aufs Rad steigt, fährt er ans Gestade,
ganz quer über Felder
und Straßen und Wälder.
Er nimmt immer nur die Gerade.

Fabienne geht mit Hut oft durch Vicq.
Genügt ihr im Spiegel ein Blick,
so fasst sie in Eile
herauf auf die Beule
und gibt ihm gekonnt einen Knick.

Wer Wellington sieht in Imbert,
wie er seine Hauseinfahrt kehrt,
der sieht einen Reiter
und stutzt und geht weiter.
Er fegt selbstverständlich zu Pferd.

Thierry holt zur Weihnacht in Schwoben
vom Boden, der ziemlich hoch oben,
ein Bäumchen nebst Ketten.
Man kann darauf wetten,
dafür wird man ihn kräftig loben.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXIX)

13 11 2021

Es sucht Stanisław in Fingatten
im Laden nach älteren Platten.
Wo mancher nur sieht gern,
hört er nun mal Beat gern
von Platten, die andere hatten.

Aïssa war in Birni Ader
die erste im Segelgeschwader.
Auch das musste stimmen,
sie konnte nicht schwimmen,
doch kam zum Olympischen Kader.

Mit Leim wollte Jan in Gillgehnen
die Stühle wohl flicken, an denen
das Holz langsam morsch ist,
was durchaus auch forsch ist.
Man darf sich nur nicht mehr anlehnen.

Die Söhne von Lykke aus Hadsten,
die stets an den Luftballons kratzten,
was alle so hassen,
das wolln sie nicht lassen,
weil dann die Ballons lautstark platzten.

Man hörte von Max in Fünfhuben,
dem sie dort die Äcker umgruben
so ganz ohne Löhne.
Man sucht dort das Schöne
als Schatz, und das glauben die Buben.

Es suchte sich Gunnar in Jörn
ein Rindvieh aus. Das tat er gern,
doch achtet er selten
aufs Fell, bei ihm gelten
nur Hufe sowie das Gehörn.

Es pflegte Danuta in Göttern
am Sonntag recht kräftig zu wettern.
Der Pfarrer empört sich
wohl kaum, denn es stört nicht
und sorgt für Gelächter bei Spöttern.





Der Jahrkreis (XI). November

7 11 2021

Das Leben stirbt. Da gibt es nichts zu deuten.
Es streut sich welke Blumen auf sein Grab.
Als wollte sich das Dasein einmal häuten,
streift es die Zeit der leichten Tage ab.

Als wär der Regen wütend, peitschen Stürme
ins Nichts ein ganzes gramgebeugtes Land.
Die Welt versinkt im Grau. Nur dunkle Türme,
sie halten diesen Ungewittern stand.

Und ist das nicht genug, geht man zum Trauern
mit Kerze, Kranz und steifem, schwarzem Kleid.
Ach, was verschließt man hinter diesen Mauern!
Ein Spalt, ein Licht – ist dies schon Ewigkeit?





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXVIII)

6 11 2021

Yannick löscht das Licht in Pradettes.
„Es dauert ein Stündchen, ich wett,
mit Keksen und Spielen
und Maulen, dann fielen
die Kinder am Ende ins Bett.“

Bengt kratzte vom Vordach in Os
erkleckliche Reste vom Moos.
Dazu war bereit er
auch ganz ohne Leiter.
Das Haus war sehr klein, er sehr groß.

Es zeigt sich Eugène in Nohic
in Altkleidern trotzdem sehr schick.
Bei Gürteln und Schuhen
wird er niemals ruhen –
sein kleiner und modischer Trick.

Es wird auf Pers Weide in Immeln
vor Pferden an diesem Tag wimmeln,
doch schließlich, so spricht er,
ist er als ein Züchter
nur interessiert an den Schimmeln.

Man sagt, Gaston in Peyrestortes
beging beinah mal einen Mord
an einem Vertreter
für Staubsauger – später
schmiss er die Axt jedenfalls fort.

Es kaufte sich Lennart in Skillinge
im Zoohandel für ein paar Schillinge
drei britische Vögel.
Die sind nach der Regel
ein einzelner sowie zwei Zwillinge.

Es stellt sich René in Lacaune
ins Hauptzimmer jüngst einen Thron.
„Dies Möbel ist schmückend
und durchaus berückend.
So sieht man gleich, dass ich hier wohn.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXVII)

30 10 2021

Cornelius, der trug stets in Nuth
Krawatte und Anzug und Hut.
Die Feuerwehr dachte,
das Auftreten machte
sich trefflich bei Qualm und bei Glut.

Riccardo, Türsteher in Kiens,
der mochte Touristen, so schien’s.
Wie sie sich auch mühten
und an der Tür wüten
und drückten, er sprach einfach: „Ziehn’s.“

Jan Willem, dem ist meist in Ool
im Küchenbereich nicht recht wohl.
So wird er mit Flüchen
bei allen Gerüchen
nun lüften – es liegt ja am Kohl.

Es will Alessandra in Kaltern
sich niemals erinnern ans Altern.
Sie will sogar meiden
aus Sorge ums Leiden
vergängliche Schönheit von Faltern.

Es knöpft Joost sich in Nieuwenhagen
mit Todesverachtung den Kragen.
Man sieht seine Nöte
an der Gesichtsröte,
doch hat er kaum Luft, um zu klagen.

Als Kaufmann ist Pietro in Laag
vor allem scharf auf den Ertrag.
„Ich habe nun Kunden
vor allem gefunden,
die dumm sind, wie ich es so mag.“

Man kennt Robbert, da er in Steyl
als Schütze mit Bogen und Pfeil
stets zielte auf Scheiben.
Er lässt es nun bleiben,
er traf dabei ein Hinterteil.





Die Bauernhochzeit

24 10 2021

Da hocken sie in endlos langer Reihe,
die Männer und die Weiber eng beim Wein.
Die Knechte bringen abermals vom Breie,
und wie zu Kana schenkt man ihnen ein.

Zwei Musikanten pfeifen durch die Scheune.
Vor ihnen wird recht munter aufgetischt.
Es hängen an Wand als Schmuck alleine
zwei Ähren und ein Flegel, dass man drischt.

Die Braut sitzt in der Mitte. Eine Krone
zeigt an, dass sie zu keinem Gast mehr spricht.
Wiewohl die Ehe sie dafür belohne,
man sieht es doch an ihrem Schweigen nicht.

Ein Pfaff, ein Edelmann, doch ihrem Gaumen
wird diese karge Kost wohl nicht gerecht –
am andern Ende saugt an seinem Daumen
ein Kindlein, dessen Mutter selig zecht.

Dort an der Tür, da drängen sich die Armen,
und herrscht auch große Not: es ist ein Fest.
Mit ihnen hat der Herr wohl sein Erbarmen,
die er an seine Tafel kommen lässt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXVI)

23 10 2021

Florent stellt sich in La Brionne
ein Schirmchen auf. „Wenn ich mich sonn,
muss ich mich bedecken,
schon wegen der Flecken
von Vögeln. Das hat man davon.“

Es stellte sich Alfhild in Hult
im Schreibzimmer gerne ans Pult
und schrieb dort von Herzem,
bis die Füße schmerzen.
Das Arbeitsaufkommen war schuld.

Yvonnes Messer in Podensac
ruht selten. „Da ich nachher back,
muss ich doch die Mandeln
in Stifte verwandeln,
dafür brauch ich den ganzen Sack.“

Am Morgen zieht Gustaf in Nye
den Vorhang schon auf in der Frühe.
Er kann’s nicht erwarten
und blickt in den Garten
hinaus, was um die Zeit schon blühe.

Chantal machte sich in Le Gicq
zum Einkaufen gerne mal schick.
Im Smoking, im Brautkleid
kauft sie nicht, sie klaut heut.
Das macht, sie fängt so jeden Blick.

Louise, die führte in Äng
die Kunstgalerie ernst und streng.
„Geschmacklich und fachlich
bin ich gerne sachlich,
das sieht man auch, wie ich hier häng.“

Als Bläser kam Jean in La Clotte
vom Waldhorn neulich aufs Fagott.
Er macht eine Fron draus,
doch kriegt keinen Ton raus.
Zum Schaden gesellt sich der Spott.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXV)

16 10 2021

Es hat Mikołaj in Rogonnen
in der Lotterie jüngst gewonnen
ein Schirmchen. Er stellt es
sich auf und dann hält es
den Regen ab, will er sich sonnen.

Es kachelt Sven in Strömsnäsbruk
die Küche. Dort fehlt noch ein Stück.
„Das wird nicht verderben,
wenn ich aus den Scherben
das Stücken noch zusammen füg.“

Es kann Lisa sich in Rothgörken
partout keine Nachnamen merken.
Nach gar manchem Hohnspruch
hilft das Telefonbuch
dabei, ihr Gedächtnis zu stärken.

Es ließ Olof sich jüngst in Viken
recht viel von Versandhäusern schicken:
knapp drei Tonnen Ziegel
und den Konzertflügel.
Die Post lässt sich dort nicht mehr blicken.

Tadeusz, der pflegt in Reddicken
am Abend oft Socken zu stricken
und sich, samt Verletzen,
auf Nadeln zu setzen,
die dann freilich auffallend knicken.

Hans-Gustav, der wohnte in Slite
schon überall einmal zur Miete,
meist schmutzig und lärmend
die Nachbarn verhärmend
und mietmindernd alle Gebiete.

Es fuhr Czesław oft in Rußhagen
auf Feldwegen mit seinem Wagen.
Das schaukelte kräftig,
auch federt es heftig
und schlug ihm meist schnell auf den Magen.