Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCVII): Geocaching

17 01 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früher waren es noch schnaufende Troglodyten, die durch den Knick strauchelten. Ab und zu latschten sie knacksend über Schnecken und Eier, aber das hielt sie nicht von ihrem Tun ab. Heute findet man sie in rustikale Polyesterhüllen gepfropft in den Rückzugsgebieten des Buntspechts, wie sie geräuschinvasiv ins Gelände einfallen, Höhenzüge erledigen und die Fauna verstört zurücklassen. Jeder erkennt sie, wie sie ihr technisches Gerät in der Sonne schwenken, wochenendliche Hasardeure der fröhlichen Zerstörung. Wer hat sich diesen Unfug nur ausgedacht, und vor allem: warum? Die Antwort, so werden die Freunde des Geocaching sagen, liegt irgendwo auf der Streuobstwiese in einer nicht grundwasserneutralen PVC-Kapsel.

Normale Menschen, die zumindest aufrechten Gang und zügige Atmung souverän miteinander zu verbinden wissen, kanalisieren ihre überschüssige Energie in normalen Freizeitbeschäftigungen wie Pistolenschießen, Insektenzucht oder Bierkonsum. Wer das nicht unfallfrei auf die Kette zu kriegen droht, muss sich in Übergangsjacke und Helm im Naturschutzgebiet herumtreiben, größtenteils in der Zone, die den Hominiden als Störfaktor so gut gebrauchen kann wie ein Reisebusfahrer die Schlafkrankheit. Bunte Plastebömmel lagern hier und da in der Kohlenstoffwelt, darin ein Stückchen Papier, beschrieben mit Namen der Knalltüten, die auf der Jagd nach Schnitzeln ihr eigenes Kürzel dazuschwiemeln, als sei ihre geistige Müllabladung ein Abenteuer. Dabei ist das Auffinden der Dinger im Feld ähnlich komplex wie Wanderungen in einer beliebigen Innenstadt unter Benutzung eines aus amtlichem Kartenmaterial erstellten Faltplans. Der postmoderne Schatzsucher bedient sich seines satellitengesteuerten GPS-Geräts, tapert durch Saat und Frucht schnurstracks auf die Koordinate und lokalisiert die einzige als biotopfremd erkennbare Kiste, die eher nicht auf dem Kunststoffbaum gewachsen ist. Was kann schöner sein.

Wie gesagt, der Wald. Dem Bekloppten ist es zumeist wumpe, dass er in Schutzgebiete eindringt und dort fröhlich marodiert. Es sind sinnigerweise dieselben Flusenlutscher, die beim Anblick eines angeblichen Wolfs in Geweimer ausbrechen und lautstark den Abschuss des bösen Tiers fordern, das nicht in die Natur gehört, wie sie der eventbekiffte Turnschuhtourist vorzufinden wünscht. Hausrecht ist den Nudelbiegern sowieso egal, und wo sie ihren Schritt verklappen. Kommt es auf unwegsamer Strecke, am Hang oder in der Höhe, zum Unfall, zahlt der Grundstückseigner für die klinische Doofheit seiner ungebetenen Gäste, sofern er deren Anwesenheit nicht zuvor verboten hat. Da es dem Zeitgeist der Zielgruppe entspricht, immer extremer gelagerte Fundorte zu wählen, die naturgemäß zum Rückzugsort zahlreicher Arten gehören, auch in temporärer Brut und Brunft, gehört das Verlassen des gesicherten Weges längst zum guten Ton. Ebenso lässt sich die Schnitzeljagdgesellschaft nichts anmerken, wenn sie von Unbeteiligten auf frischer Tat ertappt wird; Geheimniskrämerei in ridiküler Pose scheint sich da mehr zu ziemen.

Die geistige Herausforderung, nicht mehr nach den Sternen, nach Landmarken oder notfalls dem Kompass durch die Pampa zu streifen, sondern die elektronische Trulla zu verwenden, stempelt diese Tätigkeit denn auch hinlänglich zum Instant-Spaß für mit allem überforderte Yuppies ab, die zwar ein bisschen Adventure im Outdoor-Bereich haben wollen, aber mehr so Fun, nicht wirklich wirklich. Wie muss man sich das vorstellen? Hackt der hippe Wurstverkäufer am Wochenende aus dem Netz das Navi voll und hakt dann mit seiner Nachbarina als Kapselkasper die Überraschungseier im Grünen ab? Hört man alle zehn Minuten, wie die Kursleiterin Sie haben Ihr Ziel erreicht durch die Hecke knödelt? Wahrscheinlich war das alles nur ein Missverständnis, als am Rande eines gründlich aus dem Ruder gelaufenen Marketing-Kongresses ein Vertriebsleiter für GPS-Spielzeug bei mehr als genug billigem Alkohol mit dem Chefstrategen eines Herstellers von Funktionskleidung für ästhetisch sonderbegabte Zwangsgestörte beschloss, den ganzen Schmodder im Doppelpack als Lifestyle anzupreisen und an alle zu verkaufen, die sich ab Samstag außerhalb der Zivilisation aufhalten, weil es keinen gibt, der sie innerhalb vermissen würde. Dass man damit inzwischen eine Menge Kohle machen kann, ist nur folgerichtig.

Warten wir darauf, dass der erste Depp sein Gebamsel in einer belebten Fußgängerzone oder an einem Verkehrsknotenpunkt deponiert und darauf von ein paar freundlichen, aber maskierten Herren mit halbautomatischem Gewehr im Anschlag aufs Pflaster befördert wird, weil das SEK Semtex oder Heroin im Container vermutet. Vielleicht ruft auch ein Revierförster vergeblich den Hobbykletterer an, bevor er ihn per Großkaliber aus der Föhre klaubt. Es trüge doch maßgeblich zu mehr Achtsamkeit bei, wenn der Mensch wieder mehr Respekt dadurch bekäme für die majestätische Ruhe des Anorganischen. Er hätte sein Ziel erreicht.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCVI): Digitales Messietum

10 01 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es muss passiert sein, als sich die Hominiden entschlossen haben, ihr Nomadenleben gegen die Behaglichkeit der Behausung einzutauschen. Die Objekte zur Lebenssicherung waren nicht mehr nur auf Verlastbarkeit und schnellen Einsatz optimiert, was man heute in Grenzerfahrungen wie Camping oder Angriffskrieg zu schätzen weiß, und der materielle Besitz ging in andere Dimensionen über, insbesondere in das Beharren über mehr als eine Generation. Mit dem Ansatz zur Transzendenz aber litt der Überblick über die Zweckmäßigkeit der Dinge, die nicht immer eine spirituelle Bedeutung für die Urbewohner haben mussten. Manchmal reichte es, wenn die Realitätsverweigerung mit spontanem Anlauf auf die Habe des Dummbeutels fiel, auf dass das Zeug für immer und ewig in die Ritzen des Stofflichen wucherte. So sammelte sich Kruscht auf Krempel, Kram auf Klumpatsch. Es staubte ein und verfiel, und nur die Beschränkung der dreidimensionalen Stätte setzte dem Sammeln ein Ende, bis Eulen (Esel, Trolle) aus Keramik (Seife, Kerzenwachs) den Sauerstoff verdrängten. Wie anders, wie gleich aber, als wir auf digitale Entitäten umstiegen und feststellten, dass dabei doch alles gleich geblieben war.

Nur eben nicht, dass mit der Umstellung auf das Nichtstoffliche auch die schlechthinnige Stapelei zum erliegen gekommen wäre. Mitnichten, erst ab einer ungebremsten Speicherkapazität von 1,44 MB bekam der Nutzer des digitalen Endgeräts zittrige Finger, konnte er doch hier dies und jenes, vor allem jenes, in sparsamer Form konservieren für eine Ewigkeit, die ihm jenseits der Diskette noch nicht einmal klar war, denn irgendwo dräute auch das Leben, die Lesbarkeit der Binärhieroglyphen schwand zusehends, und alles, ach, ging den Weg des Irdischen, wenngleich nicht analog. Mehr und mehr türmten sich die ungelesenen E-Mails, bevor man sich mit Weltrettung und ähnlichem Zeugs auch nur hätte befassen können. Hier und da lag die vollständige Zusammenfassung der Dokumente des hörbaren Welterbes an Popmusik vor, nicht nach Niveau geordnet, aber durchaus sorgsam archiviert und für außerirdische Zivilisationen passgenau verschlagwortet, falls die Schalala und Tralala nicht würden trennscharf auseinanderhalten können. Alles aber musste gegen die aus dem Kohlenstoffzeitalter geerbte Sucht zurücktreten, die sich mit dem manischen Bildwerk in die Wirklichkeit schwiemelte, wie es nicht zuletzt durch die beginnende Knipsomanie eine erschreckende Plage hatte werden können.

Die ersten deppentauglichen Datenträger hatten im wahrsten Sinne des Wortes die Bildfläche betreten, da schwoll die kollektive Erinnerung des Prolletariats schwunghaft an. Ritsch-ratsch. Tante Else (Hildegard, Helga) im Bademantel (Nerz, kleinen Schwarzen) vor dem Kolosseum (Kölner Dom, Heimatministerium). Es braucht dafür keine Schrankwand mehr, die Forstwirtschaft atmet auf, aber die Menge der vergesslichen Daten poppt in die Höhe – keiner schreibt mehr Urlaubspostkarten, mit malerischen Fotos versehen kommunizierend, dass auf Borneo anständige Schweineschnitzel zu haben sind, wenn man nur seine nationale Identität heraushängen lässt. Doch die Flut an Elektropost, deren Hälfte nervendes Gepopel ist, davon noch mindestens zwei Drittel unsinniger Schrott bräsiger Bratzen, wie souverän könnte man das alles beim Umstieg auf einen anderen Apparat in den Orkus kloppen. Wie ängstlich bewahrt der digitale Dummschlumpf die Dialoge in Chatanwendungen auf, um nicht dermaleinst auf dem frühen Totenbett eingestehen zu müssen, er habe am Samstag nicht die Nachricht nach billigem Discounterschwein auf der Nervkrücke gelesen und quittiert? Gut 280 Milliarden Mails pfropft diese offenporige Spezies auf dem Weg in die Röststufe durch die Leitungen, immer in der Hoffnung, dass ihren Schmodder auch ein geistig zurechnungsfähiges Wesen liest. Allein es ist in den meisten fällen ein Sammler, ein Horter, und es gibt keine Hoffnung, dass es sich ändert. Der durchschnittlicher Benutzer, privat oder beruflich, wird immerzu getragen, dass er durch Feiertage (Hirnschlag, Frührente) irgendwann einmal so viel Tagesfreizeit bekommt, dass Immobilienangebote im deutschen Osten von 1953 ihm Altersvorsorge und Weltbild begradigen, schmerz- und drogenfrei. Sie denken nicht an ein sozialkonformes Ableben, denn sie halten sich im Sinne der kapitalistischen Ethik, die noch immer über den Erdball Macht (Immobilien, Kohle aus Cum-Ex-Geschäften) und andere Sammlerobjekte verteilt. Der Ramsch ist irgendwo weggetuppert, und nur eins haben sie gemein mit dem Schalterbeamten, der seinen Urlaub am Ammersee anankastisch in die Cloud kloppt, das Vertrauen darauf, dass alles dort bleibt und doch irgendwann im Terabytenebel wegsuppt.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit schleppt also der Normalverbraucher eine Staubwolke kosmischen Ausmaßes mit sich herum, stets von der Implosion bedroht, und wird nicht von Sortieren, Verwerfen und mählicher Vergessenheit unterstützt. Er muss den Tinnef in der Tasche mit sich durch die Fährnis führen, wie auch immer – keiner hat versprochen, dass das nomadische Dasein nicht wieder einmal hip sein würde, auch wenn der klebrige Erdenrest sich jetzt auf eine Schrilliarde Selfies beschränkt. Keiner hat rechtzeitig gerafft, dass der Firlefanz keinen Joy sparkt, und keiner, wenigstens nicht vor dem finalen Aussetzen der Atmung, wird uns mit der brachialen Entrümpelung von Dienstplänen (Feiertagen, Wunschzetteln, Todeslisten für digitale Dummdeppen) die Existenz vermasseln. Nicht umsonst gibt es Berufe, die Materie am nicht ganz passend erscheinenden Fleck eliminieren, und wo dies routiniert zu bewerkstelligen machbar scheint, wird es vermieden. Denn wir wollen nicht über die Dinge verfügen, wir wollen sie besitzen. Ein Ende ist nicht in Sicht, wenigstens nicht für uns. Eher schmeißen wir das Bett über die Balkonbrüstung als die Pappstapel, eher löschen wir uns selbst. Wir wissen nicht, wie wenig ein paar Gigabyte sind, wenn man uns nicht rechtzeitig von der Hybris des Unendlichen befreit, und selbst dann wüssten wir es nicht. Bestimmt würden wir Nachbargalaxien mit dümmlichen Hirschen vollschmoddern, gäbe es dort ausreichend Höhlen. Raum war nie die schwierige Größe in der Relativitätstheorie, die Zeit macht uns Pickel. Vielleicht werden künftige Generationen, die diese Schussfahrt ins Nichts überleben, die Bilder der Jugend überliefern. Tante Helga vor dem Kettenkarussell. Herzkasper im Freizeitpark. Mit der stumpfen Seite der Axt durch die Deppenhorde. Daran wird man sich erinnern. Das vergisst man nicht.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCV): Verteidigung ohne Angriff

3 01 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Sie haben es wieder getan. Sie werden es wieder tun. Seit Rrt beobachtet hatte, dass die Männer vom anderen Stamm, der gerade über die Savanne zog, viel schneller auf die Buntfruchtbäume klettern und sie in wenigen Stunden abernten konnten, grübelte er verbittert über einen Grund, diese Invasoren zu vernichten. In seiner Horde hatte sich allmählich eine Allergie gegen das Obst herausgebildet, von der kaum jemand verschont wurde. Nur wenige vertrugen das süßliche Fruchtfleisch, und auch die nur in geringer Menge. Außerdem wuchsen an der westlichen Felswand noch genug Buntfruchtbäume, es gab also keinen wirtschaftlichen Druck. Rrt rang sich wirre Erklärungen ab, spitzfindige Kasperaden ohne Sinn und Verstand, nichts, was einer genauen Prüfung oder Nachfrage würde standhalten können, doch das befriedigte ihn nicht. Und so trampelten noch am nämlichen Tag die brüllenden Hominiden das Gras nieder und hieben mit Steinen auf die wehrlosen Buschmenschen ein. Später würde man sich erzählen, es sei auf Grund unterschiedlicher Sprachen zu schweren Missverständnissen bei der Verhandlung gekommen, aber das war natürlich nur vorgeschoben. Keiner hatte verhandelt. Sie mussten eine Großmutter beleidigt haben. Das wurde von der Rotte allgemein akzeptiert.

Zwar wurde auch hier nicht geklärt, um wessen Großmutter es sich gehandelt hatte – keiner besaß einen Überblick über Verwandtschaftsverhältnisse in der unbekannten Gruppe – und man einigte sich schließlich darauf, dass es eine der zahlreichen Großmütter gewesen sein müsse, die aber für die anderen Großmütter, von denen man auch weder Namen noch Anzahl kannte, stellvertretend stehen sollten. Das war insofern bemerkenswert, als dass lange vor der offiziellen Erfindung der Moral schon ein hoch abstraktes moralisches Empfinden als Grund für einen Präventivschlag durchging. Wer eine Großmutter beleidigte, so ging die Überlegung, beleidigte damit sämtliche Großmütter über den sozialen Zusammenhang der eigenen Gesellschaft hinaus, da das moralische Empfinden durch eine Absolutsetzung das primitive Welt- und Ichbild der Sippenkasper sowie deren Handlungen rechtfertigt, jetzt und in alle Ewigkeit, über Gut und Böse. So wird jeder, der nicht angegriffen wird, trotzdem und a priori angegriffen und hat damit jedes Recht auf Verteidigung.

Nun braucht niemand sich einzubilden, es gehe den Dumpfdüsen tatsächlich um Anstand; zwar ist der Ruf der eigenen Familien-Bande vordergründig für sie von Belang, doch eben nur dort, wo er als Abzeichen von Macht herhalten kann, die eigene Aggression zu rechtfertigen, wenn sie wie üblich jeden Anstrich von Sittlichkeit vermissen lässt. Die Primaten haben ein ausgeprägtes Drohverhalten, das von außen betrachtet meist lächerlich wirkt. Es ist im Stammhirn verankert und wird ausgelöst, wo die Impulskontrolle durch einen zu schwachen Intellekt versagt. Auf eine einfache Kränkung reagiert der Stärkere durch demonstrative Ruhe; wo er sich aber nicht als Stärkere zeigen darf, sondern sich angegriffen fühlen muss, bedarf es stets einer Sanktionierung des nicht hinnehmbaren Verhaltens, vor allem bei einer narzisstischen Kränkung, die aus dem Rudelverhalten heraus zwangsläufig die eigene Position der ambivalenten Stärke in der Unterlegenheit unterstreichen muss. Vollkommen nebensächliche, im weiteren Verlauf gerne auch frei erfundene Grenzverletzungen werden zum casus belli hochgeziegelt, da in dieser Wirklichkeit doch nur sein darf, was nicht ist. Oder umgekehrt.

Es liegt an der brüchigen Identität, die den Tierversuchsresten mangels Individualbewusstsein nicht zur Verfügung steht. Wo bei anderen die Autonomie als denkendes Wesen sitzt, haben sich die Spielfäden einer Marionette verhakt. Für sie ist es praktischer, sich einen absurden Feind aus ad hoc zusammengestammelten Versatzstücken zu kreieren, als sich ihr eigenes Scheitern an einer idiotischen Ideologie zu gestehen. Der Blödföhn auf Sündenbocksuche ist zum Erfolg verdammt, und er findet ihn auch; seine Existenz ist Jammern über den verlorenen Krieg, und er sorgt dafür, dass das so schnell nicht aufhört.

So baut sich der humanevolutionäre Ausschuss munter einen Popanz nach dem anderen auf, der seine Niederlagen an sich selbst verantworten soll, statt die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, die auch ohne sie auskommt. Ob Sippe oder Volk, mittelfristig pfeift die Population auf den marschierenden Brüllmüll, der durch mangelnde Anpassung an die Koexistenz innerhalb des Habitats unangenehm auffällt und sich letztlich ohne Not aus der ökologischen Nische herauskickt. Die anderen werden ihn nicht vermissen. Solange der Aggressor immer einen findet, der sich mit besseren Mitteln verteidigt, bleibt es ein blutiges Nullsummenspiel, an dem nur die jeweilige Gesellschaft zugrunde geht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCIV): Angstsprache

13 12 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

So oft hatte Uga das große grüne Felltier noch nicht gesehen, eigentlich noch nie, doch das machte nichts, denn keiner außer ihm wusste, dass es gar nicht existierte. Dieser kommunikative Vorsprung, dem Rest der Sippe mit einem bösartigen Räuber in den Ohren zu liegen, den es nicht einmal gab, hatte bereits seinem Erzeuger die Herrschaft über alles gesichert, was in der Mehrfamilienhöhle zwischen Zeugung und Hintritt herumlief. Zur Gründung der Dynastie blieben noch ein paar Generationen, die zur strukturellen Unterdrückung perfekt geeignete Religion war noch nicht hinreichend differenziert im kollektiven Bewusstsein verankert, also musste die Mär von der reißenden Bestie immer und immer wieder in die Schädel geschwiemelt werden, damit sie alle, die es hätten besser wissen können, für die reine Wahrheit hielten. Bis auf die, die sich das Motiv von Mund zu Ohr zuflüsterten, um das Volk unter der Knute zu halten, schmückte alles sich in der eigenen Angst die Bedrohung aus und tänzelte selbständig an der Wahngrenze umher.

Nichts wirkt so suggestiv auf den unteren Dreckrand der Gesellschaft wie die Vorstellung, in die Ecke getrieben zu sein durch multiple Furcht vor dem Altbösen. Die diffuse Gefahr durch alles Fremde, das nur deshalb da ist, weil man es eben nicht nachweisen kann – im Zweifel wird es von der ebenso schröcklichen Mehrheit verleugnet – sichert jener aufrechten Heldenrasse stets den Grund, sich kurz vor dem Schlafengehen noch einmal einzunässen, weil der Untergang unmittelbar bevorsteht. So wird aus der Wanderung von je zwei Lummerländern pro tausend Einwohnern die schleichende Lummerlandisierung der Herrenrasse, die mathematisch schon in wenigen Milliarden Jahren den kompletten Austausch des Erbguts von versaubeutelten Maden nach sich zöge. Wer sich da nicht die Nägel bis zum Ellenbogen abkaut, wird völlig zurecht als Verräter gebrandmarkt.

Allenthalben quarrt dies degenerierte Geschiss von der Herrschaft des Unrechts, als wäre dies Land, in dem jedes Gesichtsübungsfeld seine Austrittsöffnung aufreißen und nach Belieben verbales Granulat unter sich lassen darf, längst eine Diktatur; wäre sie es, die Diktatoren hätten dieses glitschige Geschmeiß längst in organische Ruhe überführt, statt sich das feucht-völkische Gerülpse noch länger anzuhören. Die aber erbechen nach wie vor okkulte Drohbotschaften über den Schmodder der verhetzten Zufallsgeburten in den Grenzen eines angeblich nicht mehr existierenden Staates und suhlen sich im Opfermythos, den es ohne die Waschweiber mit Braunanstrich gar nicht gäbe.

Offensichtlich fehlt dem dümmlichen Gefasel der Stumpfklumpen noch immer die Konsistenz, mit der eine Endzeitsekte aus ihren Mitläufern mehr herausholt als den brennenden Wunsch nach konsequenter Schnellverdeppung. So müssen auch hier Chimären her, Umvolkung, Volkstod, das Versinken in Gewalt, die man leider nicht selbst verursachen konnte. So muss auch hier das billige Märchen immer und immer wieder vorgegreint werden, damit es noch die Beklopptesten glauben, die sich partout nicht fürchten wollen vor einer auf niedermolekularer Ebene so gut wie unbeweglichen Gegenwart, die ihre näherungsweise überflüssige Existenz idealtypisch widerspiegelt. Ihnen fehlt die geistige Leistung, sich angegriffen zu fühlen, also muss man es ihnen in den Frontallappen meißeln, damit der Blutdruck messbar steigt und sie sich für Führer, Dings und Bums eins auf die Fresse hauen und im Trommelfeuer zu Mobmarmelade ballern lassen. Weil irgendein arbeitsscheuer Soziopath sie für seine Profilneurose braucht.

Müßig, dass ausgerechnet das Müllbeutelimitat, das sich zur Weltherrschaft aufschwingen will, nicht viel mehr zu bieten hat als ausgekaute Phrasen und Patentrezepte wie den Plan, zwei Drittel der Bevölkerung zu entsorgen, wenn sie sich der Rettung durch diese Trivialkoholiker widersetzen sollten. Kein Sturm bricht los, die Mehrheit fasst sich angesichts dieser klinischen Doofheit höchstens an den Kopf. Seit der Zeit der primitiven Stammesgesellschaften, in der die braunen Nappel verharren, haben sich die Aufgeklärten vermehrt durchgesetzt und glauben nicht mehr an jede Kasperade weichlicher Heulbojen, die peinlich mit ihrem Plastearmageddon herumwedelt, weil ihnen keine eigene Götterdämmerung einfällt.

Wobei ja nichts gegen Angst spricht. Es wäre wohl durchaus legitim, würde man dem Pack alttestamentarische Strafen in Aussicht stellen dafür, dass sie mit ihrem Geweimer jedem geistig gesunden Endrundenteilnehmer auf die Plomben gehen, während sie Tod und Verderben höchstens ankündigen, aber nicht liefern können. Warum sollte sich eine ganze Gesellschaft in deren Hosen machen? Leichter wäre es, das ganze Kartell des organisierten Lügens aus den Fugen zu kratzen. Das bisschen Gejammer halten wir aus. Dem Teufel ist es gleich.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCIII): Der freundlich grüßende Mann

6 12 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

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Unvorhergesehene Dinge haben einen großen Nachteil: sie geschehen unvorhergesehen, das heißt, keiner hatte zuvor ihre Dynamik auf dem Schirm oder wusste, woraus sie sich entwickeln würden. Sind Erdbeben, Supervulkane oder das Verglühen der Sonne zum Weißen Zwerg noch einigermaßen berechenbar, weil sie Gesetzmäßigkeiten folgen, die nur selten dem Charme eines plötzlichen Meinungs- oder Verhaltensumschwungs in sich tragen, so ist alles, was mit dem hochlabilen Faktor Mensch in Berührung kommt, von rein chaotischer Prägung. Es ist ja richtig, hier und da steigt inmitten eines Staus auf der Schnellstraße ein vertrauenswürdig in Breitcord und Polyester gekleideter Familienvater mit Flachdachscheitel und dezenter Sehhilfe aus dem steuerbegünstigten Kraftfahrzeug und zückt eine halbautomatische Schusswaffe, um ein halbes Dutzend Personen im Feierabendstoßverkehr über die Wupper zu ballern. Natürlich haben sie alle es kommen sehen, irgendeiner musste es ja mal tun, es war nur noch eine Frage der Zeit. Aber warum er, der letztes Jahr nach der Geburt des dritten Kindes mit einem Kredit die Renovierung einer kleinen Vorstadtimmobilie begonnen hatte, in die er trotz nicht zu leugnender Beziehungsprobleme dann doch einziehen wollte, auch wenn sich die Fahrzeit zur Arbeit sowohl für ihn als auch für seine Frau dadurch erheblich verlängerte. Keiner hatte eine befriedigende Antwort. Und er hatte auch immer so freundlich gegrüßt.

Profiler und Fernsehkommissare schleichen mit der Lupe im Anschlag durch diese Stadtviertel und schnüffeln nach passiv gehemmten Psychopathen, die auch bei optimalen Umweltbedingungen – laue Frühlingsluft, Brückentag in Sicht, letzten Samstag haben die Bayern aufs Maul gekriegt – ganztägig die Morgenmuffelfresse nicht abschrauben, an der roten Ampel ein Hupkonzert veranstalten, auf die Regierung schimpfen und die Klobrille gar nicht erst herunterklappen, weil sie sich sonst nicht ausreichend ärgern können. Nur diese Kombination verheißt Jagdglück, wenn man einen Terroristen, einen Serienkiller, wenigstens einen Bankräuber auf frischer Tat ertappen will. Alle die netten Menschen von nebenan, denen man nie zutrauen würde, dass sie in ihrer Freizeit heimlich Splitterbomben bauen, um das Vierte Reich mit einem kleinen, aber feinen Staatsstreich herbeizuschwiemeln, die sind es sicher nicht – würde so ein Attentäter nicht wenigstens einmal die Hakenkreuzflagge zum Lüften über die Balkonbrüstung hängen lassen?

Selbstverständlich haben die rundgelutschtenen Daueranpasser, die krampfhaft Frühstücksbrötchen über der Küchenspüle aufschneiden und Unterhosen bügeln, blutige Gewaltfantasien, die sich nur nicht im Alltag zeigen, sonst würden sie die Kotzbeule, die ihnen im Supermarkt schon zum dritten Mal den verdammten Wagen in die Hacken karrt, mit der Machete waidgerecht er- und zerlegen, faselnden Realitätsallergikern am Stammtisch das Gesicht rhythmisch in die Tischecke drücken oder dem Blödföhn im Finanzamt die Materialkaltverformung im Schädelbereich spendieren. Sie haben sich im Griff, eisern und nicht immer ganz schmerzfrei, und erweisen damit der zivilisierten Gesellschaft einen nicht zu unterschätzenden Dienst, denn sonst wären die täglichen Abendnachrichten ein fröhliches Blutbad. Doch es kommt der Tag, da will die Säge sägen, und dann gerät die Sache außer Kontrolle. Der eben gerade noch zwanghaft nette Mensch am Kassenschalter dreht plötzlich frei, wechselt einfach das Programm und schaltet in den Massakermodus.

Es sind nicht die durchschnittlichen Typen mit dem kleinen Hieb, die mit Bordmitteln eine ganze Wohnsiedlung in die Luft jagen, weil ihnen der Hund des Etagennachbarn mit seinem nächtlichen Gekläff auf die Plomben geht. Es ist auch nicht der bösartig bärtige Austauschstudent, der die Tür von beiden Seiten mit der Zahnbürste schrubbt und die Schuhe geometrisch präzise an die Vorderkante der rechtwinklig platzierten Fußmatte stellt. Natürlich gibt es Ausnahmen. Ab und zu ist ein Waffennarr, der von der Weltverschwörung der Reptiloiden murmelt und die Fäuste schüttelnd in heiserem Ton verkündet, man werde noch von ihm hören, nicht einfach nur ein Polizist, dem seine Psychopharmaka nicht bekommen. Hin und wieder sind Männer, die ihre Frau mehrmals krankenhausreif schlagen, nicht nur durch eine schlechte Kindheit so geworden. Doch selbst hier ist nicht auszuschließen, dass sie außerhalb ihres Wohnbereichs, beispielsweise beim Autowaschen, leutselig und im Unterhemd an der Straßenkante stehen, die Hartwachsdose in der Linken, und unbedacht, wie aus dem Unbewussten herausbrechend vergessen sie jede Vorsicht im Verkehr mit den anderen Menschen, sie lassen sich hinreißen und tun, was diesen unschuldig eben noch ans Gute Glaubenden das Blut schockartig in den Adern gefrieren lässt: sie grüßen. Freundlich. Ab hier helfen nur die Flucht, hermetisches Abriegeln ganzer Landstriche, militärische Mittel, zuletzt nur noch Beten. Denn wo man freundlich grüßt, da kann der Abgrund des Bösen nicht fern sein. Es soll uns zur Warnung gereichen. Wir werden es dann nämlich gleich gewusst haben.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCII): Detox

29 11 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Jetzt gurgeln sie wieder. Ab und zu schluckt die alternativmedizinisch vorverseuchte Doppelnamen-Zweitgattin von dem Ingwer-Yuzu-Mondwasser in der mundgetöpferten Inkaschale, aber nur in ganz geringen Dosen, weil sonst der Säuregehalt in der Innenauskleidung abkippen könnte. Ästhetisch ist das kein Genuss, vor allem nicht, wenn die Corona anthroposophisch-dynamischer Hausfrauen dazu in konzentrischen Kreisen über den Waldboden hüpft, als hätten verwesende Pflanzenteile nicht auch eine zu berücksichtigende Restwürde. Die Jahreszeit des Winterspecks löst das Quartal des Selbsthasses ab, in dem das Spiegelbild der Bikinifigur entzündete Mittelfinger zeigte. Bald ist es wieder so weit und der Schweinehund wird ganz kurz aufgeweckt, mit Einfachzuckern, gesättigten Fettsäuren und Schnaps beschmissen, los geht die wilde Fahrt: ab jetzt nur noch gesunde Lebensführung. Trennkost. Detox.

Da hat sich das Schulwissen ein gemütliches Loch im Oberstübchen geschaufelt und döst vor sich hin, während die Synapsen wegklappen. Dass die Pizza vom letzten Wochenende noch als Rest durch die Zellen geistert, treibt die Giftfetischisten in reine Verzweiflung. Wobei noch nicht einmal bekannt ist, woraus jene Schadstoffe überhaupt bestehen, was sie schädigen und ob es ein sicheres Konzept gibt, sich die Schrottstoffe wieder aus der Anatomie zu schmirgeln. Spätestens beim jähen Übergang vom Kräutersud zum Stärkungsshampoo für toxisch herausgeforderte Locken wir dann klar, wer diesen Brauchtumsterrorismus erfunden hat: die Heißdüsen der Füllstoffindustrie.

Das Ergebnis dieser magisch-mechanistischen Weltsicht beginnt bei der kruden Vorstellung, die Homöopathie hinterlasse über nicht existierende Stoffe ein Gedächtnis in Wassermolekülen, und sie führt zur mittelalterlich anmutenden Auffassung, dass unerwünschte Stoffe im Körper stets etwas wie Säure sein müsste, die selbstverständlich immer sofort in Blut gelangt und durch geheimnisvolle Teebeutel wieder ausgewaschen werden kann. Als könne man einen Neurotransmitter, der durch die Mitochondrien schwappt, per Funktionskaugummi aus der Blutbahn schwiemeln. Gäbe es die Methode für real existierende Wirkstoffe, die Pharmabranche hätte sich längst den Arsch vergoldet – so aber weiß jeder, die Pillen gibt es, weil sie noch keiner jemals gesehen hätte, und sie werden um keinen Preis verkauft. Alles andere ist bestimmt Märchenwald oder Lügenpresse. Oder Reptiloidenfachwissen.

Wenn diese Entgiftung – vorausgesetzt, die Werbung hält sich an Jahrtausende altes Wissen statt an hastig zusammengeklöppelten Bullshit aus dem Marketing-Aushub – nun tatsächlich natürlich sein soll, warum sind die Mechanismen nicht längst bekannt? Warum werden evolutionär relativ junge Schädigungen wie Alkohol, Nikotin oder allseits beliebtes Mikroplastik, das sich übrigens nicht mit dem Stoffwechsel ins Benehmen setzt und eh nicht durch Pflanzenaufguss ausgekärchert wird, durch die seit babylonischer Weisheit bekannten Mittel behoben? Sind körpereigene Stoffe wie Eiweiße oder Basen weniger gefährlich für den normalen Metabolismus, und wenn ja, warum werden sie dann unter normalen Umständen regelmäßig aus dem Stoffkreislauf entfernt? Merkt die esoterisch verdübelte Schwurbelgurke irgendwann, dass sie sich in ihrer versaubeutelten Deppenroulette auf die falsche Kugel gesetzt hat? Haben Leber-, Nieren- und Hirnentlastung gleichzeitig die finale Last der Blutversorgung aus lebenserhaltenden Maßnahmen entfernt und der Brägen klötert vor dem Fest schon mal fröhlich ins Nirwana? Gar nicht zu fragen, fräst uns die Entgiftungskirmes auch Pestizide aus der Milz? Bollert’s die Hormone aus der Aorta? Nicht!?

So aber ist der ganze Säuberungswahn, der die Abführmittel- und Schlankheitsparanoia der letzten Jahrhunderte auf die Spitze schraubt, nicht mehr als eine willkommene Programmerweiterung für das drittklassige Programm der Frauenzeitschriften, die mit Melonendiät und Bio-Botox eine greinende Herde intellektueller Hinterwandinfarktopfer durch Hokuspokus von feixenden Scharlatanen an die Kasse dirigiert: Selbstoptimierungsgeballer, dessen Schuld nach alter Rezeptur natürlich die Opfer tragen, denn man hat ihnen nichts befohlen, man hat ihnen nur deutlich erklärt, dass sie ohne diesen Firlefanz nicht mehr würden überleben können. Sie pumpen sich halt ihr bisschen Restego auf, und wen solle es schon stören. Es ist der säkularisierte Ersatz einer Fitnessreligion, er funktioniert exakt wie ein interventionistisches Stoßgebet, das vor allem das Gewissen beruhigt – nur für den Augenblick, aber was erwartet man schon von einer religiösen Vorstellung. Irgendwann im Kalender stellt man fest, dass eine vordefinierte Art von Fehlverhalten durch Leistungsdruck kompensiert werden muss. Die einen greifen zum Superfood, die anderen zum Strick. Manche hauen sich Avocado in die Figur. Da wäre die Gesichtsmaske der schmerzfreiere Weg gewesen. Oder man gurgelt.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXCI): Das imaginierte Sprechverbot

22 11 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der Mensch ist doch unzulänglich ausgestattet. Abgesehen davon, dass er nicht einfach die Ohren verschließen kann, wenn irgendein Dummklumpen die Umgebungsluft mit Verbalgranulat vollatmet, hat er eine zivilisationsbedingt schnell einsetzende Impulskontrolle, die ihn in den entscheidenden Momenten davon abhält, mit der stumpfen Seite der Axt für nachhaltige Ruhe zu sorgen, von der auch seine Mithominiden etwas haben. Zu oft und viel zu penetrant geht ihm die Faselei der intellektuellen Ausschussware auf die Plomben, wie sie ihr ewiges Geweimer zelebrieren, ihr kindisch präpotentes Machtgehabe der Herrenfigurine für den Moment vergessend, weil sie sich ja gerade im Opferblut suhlen müssen, um Mitleid zu erregen. Vielleicht hat man ihnen in der Kindheit nur einmal zu wenig die Frontzähne mit dem Kantholz reguliert. Anders ist es kaum noch zu verstehen, wie sie geistigen Sondermüll hervorbringen wie das imaginierte, wenn nicht gar herbeihalluzinierte Sprechverbot.

Die Grundthese bleibt bestehen, dass der rechte Abschaum jeden wirr zusammengenagelten Hirnkot benutzt, um die beschränktesten Klopsköpfe in seine Reihen zu treiben. Denn wer die Erde für eine Scheibe hält, an Chemtrails glaubt oder an die Mär, Asylbewerber erhielten vom Steuerzahler monatlich einen Gutschein für den Bordellbesuch – was nicht so sinnlos wäre, als würden pickelige Braunalgen mit mehr Hirn in den Filzläusen als im Hohlschädel das Etablissement durch ihre reine Anwesenheit beleidigen – latscht auch für Mord und Totschlag hinter jeder beliebigen Fahne her. Wer bei jeder sich bietenden Gelegenheit plärrt, das, was er da ständig rauskotze, das dürfe man ja gar nicht mehr äußern, redet über seine feucht-völkische Hybris, nicht aber über Meinungsfreiheit, denn die hat mit dem Gespeichel der braunen Brut nichts zu tun.

Meinungsfreiheit ist Staatsrecht. Als solches ist es doppeltes Abwehrrecht des Souveräns gegenüber einem Staat, der eine Meinung vorschreibt oder eine andere unterdrückt. In einem Land, in dem der degenerierte Auswurf öffentlich jodeln kann, er lebe in einer Diktatur, herrscht Meinungsfreiheit, sonst hätte ein Trupp pflichtbewusster Amtsträger ihm zeitnah mit dem Gewehrkolben den Weg in den Gulag gezeigt. Offenbar ist es der Hass, dass die Meinungsfreiheit herrscht und nicht etwa die, die sie bestreiten. Was sie abschaffen wollen, ist also die Meinungsfreiheit, aber so weit geht der Mut zur Wahrheit bei ihnen nicht.

Während die geifernden Gnome sich lauthals über die Einschränkung des Rederechts aufregen, fordern sie in Wahrheit nur Widerspruchsfreiheit, die es logischerweise nur ohne Meinungsfreiheit geben kann. Sie schwiemeln sich einen Sumpf aus sozial unerwünschter Hetze zusammen, um das Fenster des Sagbaren gewaltbereit auszuleiern und jeden reflexartig als Täter zu brandmarken, der ihr gruppenbezogenes Wahngewichtel nicht mehr brechreizfrei erträgt. Längst leidet die verkalkte Zusammenrottung an einer Zwangserkrankung, unentwegt abseitigen Dreck in die Umgebung zu kotzen – Ich spinne, also denk ich – und dann zu greinen, wenn ihnen keine Sau mehr zuhört. Nicht auszuschließen, dass hier die anale Phase sich ein Ventil gesucht hat, die gesammelte Scheiße oral wieder zu entsorgen.

In Wellen kommt hier und da das Zensur als Reizwort in den larmoyanten Schwall des bräsigen Gedümpels gekleckert. Weder existiert für die Krawalleros eine Vorzensur, die ihre absurden Synapsenverrenkungen mit dem Finger am Abzug begleitet, noch gibt es eine Nachzensur, die mit schöner Regelmäßigkeit den nicht justiziablen Rest ihres Gerümpels kassiert. Dass sie es als Angriff auffassen, wo sie beim Lügen, Fälschen und Pöbeln ertappt werden, liegt auf der Hand, ihr Umgang mit der Zensur ist so wunschhaft wie die Projektion der abgeschafften Redefreiheit. Maulkorberlass und Publikationsverbot, stets eine Bankrotterklärung der staatlichen Ordnung, sind ihr sehnliches Begehren, und in magischer Verhaftung winselt das die Überwachung herbei, als könne das anschließende Stolpern in den Totalitarismus nur Freiheit sein, weil diese genetisch Geschädigten in ihrem Sinn die beleidigen und bedrohen können, die sich jetzt aus dem unliebsamen Recht einer Verfassung noch zur Wehr setzen können. Dass sie sich vermehrt in der Öffentlichkeit äußern, die der rechte Dreckrand sowieso für sich beansprucht, heizt noch mehr ihre Wut an, und putzigerweise wehrt sich das elende Geschmeiß gegen jeden Wahrheitsbeweis mit den Mitteln des Rechtsstaates, den es doch abschaffen will.

Das mühsam herbeigeredete Redeverbot ist nur eine Variante von Lackmustest auf der Leimrute für die dümmsten Grützbirnen, die man in Treue fest an sich bindet. Wer in seiner Wut auf alles und sich selbst dieser Hysterie verfällt, bis er sie für wahr hält, der übersieht, dass ihm die Abschaffung der Meinungsfreiheit schon gelungen ist: der eigenen Freiheit, andere Meinungen zu hören. Ignorieren wir sie, solange sie nicht übergriffig werden. Für den Fall gibt es immer noch die stumpfe Seite der Axt.