Polizeiautos

9 07 2020

„ABS, Schiebedach, Sitzheizung, Sprachsteuerung, elektrische Fensterheber, Seitenaufprallschutz und schlüssellose Zentralverriegelung. Fotos schickt Ihnen Kommissar Tröndle aufs Handy.

Erstzulassung ist bei dem Mai 2019. Natürlich unfallfrei. Da können Sie auf dem freien Markt, wenn Sie so ein Fahrzeug überhaupt finden, also da zahlen Sie gut fünftausend Euro mehr. Mindestens. Oder der hat 99.999 Kilometer drauf, merken Sie selber? Nein, keine Tricks, das versaut einem auf Dauer das Geschäft. Wenn man erst mal mit dem Kram anfängt, dann läuft das irgendwann aus dem Ruder, dann können Sie sich gleich einen Diesel kaufen, da wissen Sie wenigstens, dass Sie über den Tisch gezogen werden.

Wir wissen ja, wo die guten Fahrzeuge stehen, und wir sehen auch, wie die abgesichert sind. Bei manchen ist das schon erschreckend. Da gehen Sie am helllichten Tag mit einem Kleiderbügel dran, ganz alte Schule, zack! sperrangelweit offen. Kabel raus, ab geht die Luzie. Kein Lenkradschloss, keine Wegfahrsperre, und da es noch genügend Modelle mit klassischem Zündschlüssel gibt, können Sie für kleines Geld mal eben so eine mittlere Mittelklasse fahren. Man muss manchmal nehmen, was kommt, also in Bezug auf Farbe, Sonderausstattung und so weiter – wenn Sie bei dem Modell, was ich Ihnen vorhin gezeigt hatte, Sportfelgen haben wollen oder ein Soundsystem, dann müssen Sie entweder noch ein bisschen drauflegen oder aber ein paar Wochen warten. Wir sind zwar schon Experten auf unserem Gebiet, aber zaubern können wir auch nicht.

Machen Sie sich keine moralischen Bedenken, wir machen uns doch auch keine. Unser Beruf ist gefährlich, das will ich zugeben, aber man muss mit Verantwortungsbewusstsein handeln. Wenn Sie hier ein Automobil kaufen, das entweder durch privatwirtschaftlich organisierte Kriminalität mit oder ohne Bandenbeteiligung besorgt wurde oder aber durch Kooperation mit unseren Fachleuten, dann ist das doch für alle Beteiligten besser, als wenn ein paar Linksradikale den Wagen bei der nächsten Maidemo abfackeln. Wir machen das auch schon mal, wenn es sich anbietet, aber ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Autos sinnlos in Brand zu stecken, das bricht einem auch ein bisschen das Herz. Da steckt viel Liebe drin, der Besitzer ist in den meisten Fällen total geschockt, hat sehr viel Ärger mit den Kollegen auf der Wache oder im Landeskriminalamt, von der Versicherung mal ganz zu schweigen, und dann auch noch die Beseitigung, das verursacht noch mal Stress. Da ist es doch ein beruhigendes Gefühl, wenn das Auto nicht weg ist, weil es jetzt Sie fahren.

Das mit den Fahrrädern machen wir nicht mehr. Zum einen aus logistischen Gründen, weil wir die Ware zu lange einlagern müssen, damit sie dann irgendwann nicht mehr gesucht wird, und dann ist das natürlich auch ein Absatzproblem. Man muss die Räder schon bundesweit verkaufen, und das nimmt irgendwann einfach zu viel Manpower in Anspruch, da brauchen Sie schon Leute, die sonst nichts zu tun haben. Deshalb hat den Fahrradmarkt auch komplett der Verfassungsschutz übernommen. Seitdem der Bundesinnenminister festgestellt hat, dass es in Deutschland keinen Rechtsextremismus gibt, haben die da gar nichts mehr zu tun, und das wird irgendwann auch langweilig. Bevor man dann wieder Löcher in Gefängnisse sprengt, verdient man sich doch lieber noch ein paar Kröten mit den Drahteseln dazu, oder nicht?

Sie können für den Preis allerdings auch einen Kleinwagen bekommen, der ist perfekt ausgestattet. Alles drin, was nicht drin ist, wird besorgt. Man muss die Kunden bei der Stange halten, und wenn es an einem Multifunktionslenkrad liegt oder an einem Spurhalteassistenten, muss halt die KTU ran. Die montieren alles. Einschließlich der amtlichen Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Sie sehen, wir sind wirklich als Freund und Helfer im Auftrag der Bürger unterwegs. Wir leben den Servicegedanken, damit können wir uns voll identifizieren. Sie können uns vertrauen. Und gegen einen geringen Aufpreis markieren wir Ihr Fahrzeug dann auch im Polizeicomputer. Wäre doch wirklich sehr schade, wenn Sie sich erst so ein hübsches Auto gegönnt haben, Luxus zum Schnäppchenpreis, und dann stellen Sie plötzlich fest, dass den jemand geklaut hat. Trotz Wegfahrsperre und Lenkradschloss und Infrarotsicherung und dem ganzen Schnickschnack, den Sie sich extra haben einbauen lassen. Das will doch keiner, nicht wahr?

Ich sehe, mit Ihnen kann man vernünftig reden. So gefällt mir das. Dann lassen Sie uns doch noch mal schauen, was wir alles im Angebot haben. Sie wollten doch gerne Silbermetallic? Den kann ich Ihnen empfehlen, Fünftürer, Panorama-Glasdach, vollklimatisiert, Start-Stopp-Automatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Reinigung, Nachtsicht-Assistent, Volllederausstattung, Einparksystem. Sie müssen eigentlich nur noch einsteigen, den Rest erledigt das Auto. Und dann gucken Sie mal auf den Preis, den kriegen Sie nicht mal in zehn Jahren so günstig. Kaum gefahren, sehr gepflegt, wird alle zwei Wochen gereinigt und gesaugt. Garagenwagen. Das nenne ich ein Schnäppchen. Sind wir im Geschäft? Wir sind im Geschäft. Gute Wahl übrigens, wenn Sie mich fragen. Wann? Ich muss mal nachsehen, Kommissar Tröndle hat zufällig heute Nachtschicht. Morgen so gegen zehn?“





Spenderorgane

8 07 2020

„… den Fleischproduzenten nur beraten habe, wie dessen osteuropäische Mitarbeiter in ihrer Freizeit mit der Deutschen Bahn reisen könnten. Gabriel sei über diese Consultingleistung hinaus keine…“

„… die Spenden nur angenommen habe, um den Fußballverein als wichtiges Kulturgut für alle Bürger von Nordrhein-Westfalen zu erhalten. Es sei nicht in Laschets Interesse gewesen, Schalke 04 wettbewerbswidrig vor dem…“

„… nicht in seiner Funktion als Bundesminister für Wirtschaft unterstützt habe. Zwar sei es durch juristische Expertise nicht zu einer Strafzahlung an das Bundeskartellamt gekommen, Gabriel habe aber direkt keinen finanziellen Vorteil aus dem…“

„… nicht jedem Bürger ein Nackensteak in die Hand drücken könne. Mit einer Spende für die anstehenden Corona-Tests wolle Laschet sich daher gezielt an sozial schwache Personen wenden, die ohne ihn als mitfühlenden Landesvater nicht im…“

„… bei der Fusion im Aktienhandel tätig gewesen sei. Der vormalige SPD-Chef habe dem Unternehmen selbstverständlich Wertpapiere aus dem Bereich Fleisch und Geflügel empfohlen, da er von der wirtschaftlichen Stärke der…“

„… knapp achtzehn Millionen Einwohner habe, die jeweils für ein halbes Jahr wöchentlich fünf Euro erhalten hätten. Da der Ministerpräsident die gut zwei Milliarden Euro direkt an die wichtigsten Betriebe im Küchenbau gezahlt habe, könne das Land NRW von einer schnellen und gerechten…“

„… einer Fehlinformation aufgesessen sei. Natürlich lasse sich Gabriel nicht mit Fleischwaren bezahlen, da er dies dem Bundesverband der Obst- und Gemüsehändler gegenüber nicht als…“

„… müsse er sich als Landesvater auch um die Belange der Fremdarbeiter kümmern. Bisher sei noch nicht geklärt, wie hoch die Spendensumme für Handdesinfektionsmittel und Masken ausfallen werde. Die Landes-CDU habe aber bereits ihr Ehrenwort gegeben, dass Schalke 04 die Lieferung kostenfrei und in der richtigen…“

„… vom Vizekanzler a.D. erhalten habe. In dem Manuskript habe er seine Erfahrungen als Business-Coach in der Autoindustrie zusammengefasst, da er selbst aus Zeitgründen nur noch die vertraglich vereinbarten Honorare bekommen, nicht aber an den regelmäßigen Konferenzen zur…“

„… sich NRW keine Radwege mehr leisten könne, da das Land der Autobauer Rücksicht auf Arbeitnehmer in dieser Schlüsselbranche nehmen müsse. Die im Haushalt dafür veranschlagten Gelder wolle der zukünftige Unionsvorsitzende als Ergänzung zum Ausbau der Bundesautobahnen im Bereich…“

„… halte es Gabriel auch für legitim, als unabhängiger Experte für die Fleischindustrie ein bezahltes Interview mit dem…“

„… dass er noch nicht als Bundeskanzler handele. Laschet unterstütze die Fleischproduzenten in seinem bisherigen Verantwortungsbereich bisher punktuell und nur da, wo sich die Gefahr einer wirtschaftlichen Unwucht auf dem Markt im…“

„… für die Deutsche Bank aber nur noch selten tätig sei. Der Sozialdemokrat bringe nun zum Selbstkostenpreis für wenige Millionen Euro pro Jahr sein Fachwissen über Insiderhandel und Insolvenzbetrug an den…“

„… wolle Laschet im kommenden Jahr auf eine Spende an die Sternsinger verzichten. Aus der CDU-Führung heiße es dazu, der nächste Regierungschef wolle frühzeitig den Verdacht zerstreuen, er bevorzuge einseitig kulturelle Vereine oder Verbände eines Bundeslandes, das sich auch eigenständig aus Landesmitteln und…“

„… gegen eine Bezahlung von weniger als hunderttausend Euro tätig geworden sei. Dass das Stuttgarter Bahnhofsprojekt allerdings von Gabriels Beratungsleistungen für osteuropäische Arbeiter aus der Fleischindustrie profitiere, könne man noch nicht eindeutig als…“

„… dass Spenden für Pflegekräfte niemals aus Steuergeldern kommen könnten. Der Ministerpräsident habe eine Unterstützung kategorisch abgelehnt, sich aber bereiterklärt, zweimal vor Pressevertretern jeweils eine Minute lang zu klatschen, wenn dies noch am selben Abend im WDR sowie in den anderen regionalen…“

„… nicht haben ausschließen können, dass der ehemalige Bundesumweltminister versehentlich eine Agentur für Klimaschutz beraten habe. Aus seinen Aufzeichnungen gehe hervor, dass er 2019 ein größeres Honorar erhalten habe, Gabriel könne sich nur nicht mehr erinnern, worin genau seine…“

„… möglichst vor der Wiederwahl einen großen Betrag an die Energieversorger ausschütten wolle. Da dies andersherum nicht funktioniere, habe sich Laschet entschlossen, zu sozialistischen Mitteln zu greifen, um die notleidenden Konzerne vor dem…“

„… auf Kritik aus dem SPD-Präsidium reagiert habe. Sollte es langfristig Probleme mit Mitgliedern des Bundeskabinetts geben, die für hohe Summen in die Wirtschaft gingen, sei Gabriel gerne bereit, dies als strategischer Berater für die politische Kommunikation der Partei mit einem entsprechend lukrativen…“

„… nach Medieninformationen nicht bei Spahn, wohl aber bei Söder und Merz nachgefragt habe. Noch sei nicht klar, wie Laschet die in seinem Schreiben genannten Summen finanzieren wolle, mit denen er die beiden Konkurrenten von einer Kandidatur zur…“





Eigenverantwortung der Staatsbürger

7 07 2020

„Das tritt nach meiner Kenntnis… – Also erst mal nur in Mecklenburg-Vorpommern, und dann muss man mal gucken, ob Sachsen und Thüringen, aber das ist ja noch nicht entschieden. Wenn wir jetzt die Sicherheitsgurtpflicht aufheben, sind die Menschen immer noch sicher genug.

Die Faktenlage ist ja so, dass wir in den letzten Jahren einen starken Rückgang an Verkehrstoten hatten, was zum Beispiel auch sekundäre Folgen für die Versicherungswirtschaft hatte, für die Planung von Klinikkapazitäten, und so weiter. Da wäre es jetzt volkswirtschaftlich und ordnungspolitisch ja geradezu leichtsinnig, nicht die Konsequenzen zu ziehen und die Sicherheitsmaßnahmen an die neue Normalität anzupassen. Und wir wollen auch nicht verschweigen, dass diese neue Freiheit uns auch die eine oder andere Wählerstimme mehr einbringt. Die Leute können ja schließlich selbst denken.

Selbstverständlich bleibt da ein Restrisiko, das lässt sich nicht eliminieren. Wer das ausblendet oder aber zu stark in den Vordergrund stellt, geht mit der Wirklichkeit nicht ausgewogen genug um, und das führt letztlich auch zur Verunsicherung in der Bevölkerung. Rein rechtlich ist es jetzt ja so, dass Sie eigentlich Ihr Auto nicht einmal umparken dürfen, wenn Sie sich nicht anschnallen. Das würde ich als Hysterie bezeichnen, oder haben Sie in den letzten Jahrzehnten mal die Schlagzeile von den Millionen Verkehrstoten beim Umparken gelesen? Dann fragen Sie sich mal, warum nicht. Wer das behaupten würde, den würden die mündigen Bürger nämlich nicht mehr ernstnehmen, das wissen Sie ganz genau. Also unterstellen Sie uns hier keinen rechtspopulistischen Schwachsinn, den wir niemals gefordert haben, klar!?

Die meisten Autofahrer, und damit meine ich eine Mehrheit von mehr als der Hälfte, fahren vernünftig. Geschwindigkeitsüberschreitungen sind zwar hier und da noch zu verzeichnen, dazu haben wir ja die Polizei, aber es kommt nur selten vor, dass das mal mehr als zwanzig Kilometer in der Stunde zu schnell ist. Das ist gefährlich, und das weiß auch jeder, der sich mit der Materie auf wissenschaftlichem Niveau auseinandersetzt. Wir sind ja auch nicht blöd. Aber die Sicherheit hat in den letzten Jahren solche Fortschritte gemacht, auch in technischer Hinsicht, dass die meisten Risiken schon einmal ausgeschlossen werden können. Die moderne Technik ist inzwischen so weit, dass sie die Gefahren noch vor dem Menschen erkennt und abstellt. Wir müssen darauf eigentlich nur noch reagieren, und das ist dann die Eigenverantwortung der Staatsbürger. Man kann den Menschen auch nicht jede Gewissenhaftigkeit nehmen, das ist sonst Sozialismus. Wenn Sie das wollen, sagen Sie Bescheid, aber dann sind nicht mehr wir zuständig. Nordkorea soll auch sehr schön sein.

Ach, jetzt fangen Sie mit den Gefährdeten an? Haben Sie denn nicht zugehört, was ich gerade zum Thema Eigenverantwortung gesagt hatte? Dann muss man auf gewisse Risikofaktoren eben auch verzichten können. Fahrradfahren ist dann nicht drin. Wenn Sie für Ihre eigene Sicherheit sorgen wollen, dann fahren Sie eben SUV. Das ist meines Wissens nach nicht verboten. Im Gegenteil, wir leben in einer Gesellschaft, in der wir auch Verkehr zusehends als Lifestyle begreifen. Da müssen wir dem Wähler Möglichkeiten eröffnen, auch lustvoll am Straßenverkehr teilzunehmen. Sonst haben wir irgendwann vollkommen leere Straßen. Vor dem Hintergrund, dass wir enorme Summen für den Straßenbau ausgeben, dass dahinter eine komplette Automobilbranche steht, die auch für den Export verantwortlich ist, wäre das eine rein unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern. Wir brauchen ein Verkehrsklima, in dem sich die Leistungsträger verwirklichen können.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Taxifahrer zum Beispiel, wenn wir denen jetzt alles erlauben, nur weil es rein rechtlich möglich wäre, das wäre nicht vernünftig. Vor allem wäre das eine vollkommen falsche Signalwirkung, dass jeder tun kann, was er lustig ist. Wie gesagt, Sozialismus. Außerdem sucht man sich seinen Beruf aus, dann muss man mit den Folgen auch leben. Die sind das ja gewohnt, den ganzen Tag mit Sicherheitsgurt zu fahren, damit bestreiten sie schließlich ihren Lebensunterhalt. Es wäre doch Wahnsinn, wenn man für diese Bürger in selbst gewählten Berufen Ausnahmetatbestände konstruieren würde. Das endet letztlich in einer Art Parallelgesellschaft, in der jeder seine eigenen Regeln definieren kann, aber so funktioniert öffentlicher Straßenverkehr nun mal nicht. Das ist eine komplexe Angelegenheit mit vielen Akteuren, die immer wieder aufs Neue ihre individuellen Freiheitsvorstellungen gegeneinander aushandeln müssen. Der Staat kann hier nur die eingreifen, wenn er Anlass zur Vermutung hat, hier könnte sich eine gravierende Fehlentwicklung anbahnen. Aber das machen wird auch nicht ad hoc, dafür muss man ganz objektiv beobachten, welche Folgen sich aus den Einzelbestimmungen ergeben.

Was das für Ihre Urlaubsreise heißt? Da müssen Sie sich schon selbst schlau machen, es gibt ein ausreichendes Informationsangebot, und wenn Sie Fragen haben, wird man Ihnen bei den öffentlichen Stellen selbstverständlich gern weiterhelfen. Wenn Sie dieses Jahr in Deutschland bleiben wollen, kann ich Ihnen übrigens Bayern wärmstens empfehlen. Sehr schöne Landschaften, man kann da auch mit dem Auto alles prima erreichen. Aber ich warne Sie, halten Sie sich an die Vorschriften. Fahren ohne Anschnallgurt wird teuer. Wenn man Sie erwischen sollte.“





Nicht ausreichend qualifiziert

6 07 2020

„… und die Wehrpflicht wieder einführen wolle. Angesichts der vermuteten rechtsextremistischen Kreise in der Armee sei der Bürger in Uniform eine gesellschaftspolitisch richtige…“

„… energisch zurückgewiesen habe. Högl habe als neue Wehrbeauftragte die Diskussion nicht angestoßen, um sichern zu können, dass die SPD auch nach der nächsten Bundestagswahl keine nennenswerte Regierungsrolle spielen müsse. Scholz könne bereits jetzt bestätigen, dass die Partei das ganz ohne die Hilfe von…“

„… lehne die Verteidigungsministerin den SPD-Vorstoß ab, da er inhaltlich zwar ganz ihrer Linie entspreche, aber nicht aus der Union komme. Es sei jedoch verfrüht, den Vorschlag noch einmal aus der christsozialen Gruppe im…“

„… nach verfassungsrechtlichen Bedenken auch nochmals neu entscheiden müsse, ob im Zuge der Gleichberechtigung eine Wehrpflicht für Frauen kommen müsse. Parteiintern wolle man eher eine Kombination mit der von Kramp-Karrenbauer als Ergänzung bevorzugten allgemeinen Dienstpflicht in der kommenden…“

„… massive Erweiterung des Wehrhaushalts zu erwarten sei. Beobachter seien sich darüber einig, dass die Bundeswehr möglicherweise sogar mit funktionierenden Fahrzeugen, Helikoptern oder Schiffen ausgerüstet werden müssen, um für die Wehrpflichtigen einen adäquaten…“

„… bestehe für Seehofer kein Problem. Da es keine sozialwissenschaftlichen Studien zu rechten Netzwerken in der Bundeswehr gebe, könne man zum jetzigen Zeitpunkt deren Existenz verneinen, so dass keine Gefahr einer Beeinflussung der Wehrpflichtigen durch rechtsgerichtetes…“

„… eine Beschränkung auf eine sechs Monate dauernde Grundausbildung sehr gut organisiert sei. Für den praktischen Einsatz seien Wehrpflichtige damit nicht ausreichend qualifiziert, man habe ihnen aber ein halbes Jahr Lebenszeit mit einer sinnlosen Aufgabe genommen und ihre Chancen auf eine berufliche Karriere geschmälert, die auch den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig schädigen können. Damit habe die SPD ihre Auffassung vom Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern in geradezu idealtypischer…“

„… habe man in der Corona-Krise gelernt, die Gefahren der Infektion durch zu engen persönlichen Kontakt zu minimieren. Seehofer setze daher auf eine strikte Trennung von rechtsextremistischen Berufssoldaten und Wehrpflichtigen, um Risiken bereits im Keim zu…“

„… ob Högl die Debatte nicht auch als Anstoß zu einer Förderung der deutschen Wirtschaft habe verstehen wollen. Zumindest die Rüstungsindustrie könne nach jetziger Planung Umsatzsteigerungen im mehrstelligen Milliardenbereich sowie eine…“

„… setze sich Kramp-Karrenbauer für ein erweitertes Modell ein. Durch den sechs Monate dauernden Pflichtdienst in der Pflege könne so eine Entscheidungshilfe geleistet werden, dass viele den Beruf nicht erst nach Ausbildung und mehreren Arbeitsjahren verlassen würden, sondern sich gar nicht erst zu einem…“

„… verlange der Verfassungsschutz eine verantwortungsvolle Rekrutierungspraxis sowie die zeitgemäße politische Bildung der Soldaten. Der Bundesinnenminister habe bereits durchblicken lassen, dass dies seinen Kompetenzbereich nicht…“

„… dass die Umwandlung der Bundeswehr in einen börsennotierten Staatskonzern auch für die Ausgabenseite Vorteile habe, wenn zugleich die Rüstung in öffentliche Hand überführt werde. Merz werde dies als Bundeskanzler sofort in die…“

„… habe die Unterstützung der zivilen Kräfte in Nordrhein-Westfalen gezeigt, dass die rasche Eindämmung der Pandemie ohne Bundeswehr unmöglich gewesen sei. Laschet setze sich für einen Einsatz von Wehrpflichtigen ein, die auch andere humanitäre Katastrophen außerhalb von…“

„… keine Gewissensüberprüfung mehr geben könne, da diese staatsrechtlich nur noch schwer zu rechtfertigen sei. Seehofer werde jedoch stattdessen einen Gesinnungscheck ausarbeiten, um die Gefahr eines anwachsenden Linksextremismus in der…“

„… bei den Grünen auf strikte Ablehnung stoße. Wenn die Regierung durch mehr Personal die Armee vom Faschismus befreien wolle, so sei nur zu erwarten, dass sich die rechtsextremistischen Kräfte nach den Regeln der Homöopathie noch sehr viel stärker in den…“

„… habe die Bundesregierung dazu angeregt, Soldaten, die unter Verdacht rechtsextremistischer Gesinnung stünden, durch den intensiven Kontakt mit Jugendlichen von ihrer fehlgeleiteten Ideologie zu befreien. Um diesen Personenkreis wieder in die Lebenswelt deutscher Staatsbürger zu integrieren, wolle Högl bei den Wehrpflichtigen auch auf dunkelhäutige, muslimisch oder jüdisch versippte sowie anderweit national unzuverlässige…“

„… damit eine Kernforderung der AfD umsetze. Gauland begrüße die Anregung und verlange eine umfassende Neuorganisation der Reichswehr, die auch im Innern die Bestrebungen der von Bill Gates installierten Marionettenkanzlerin zur Umvolkung der Herrenrasse im…“

„… eine vollkommen überflüssige, inhaltlich falsche und von weltfremden Voraussetzungen ausgehende Debatte vom Zaun gebrochen habe, die Zweifel zurücklasse, ob der Vorschlag nicht reine Profilierungssucht sachkenntnisfreier Schwätzer sei. Högl freue sich, dass sie damit den Markenkern der SPD wieder einmal klar und deutlich in der…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXI): Der Hamsterkauf

3 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ostern ist’s, Freudenfest für Christenheit und Einzelhandel, erkennbar an den Menschenmassen, die sich vom Parkplatz kommend in die Kaufhallen quetschen, einer uralten Tradition folgend, die da sagt: mehr als ein Tag ohne Nachschub bedeutet den sicheren Tod. So wird man mitgerissen von der schwankenden Woge, wer am Eingang Obst und Gemüse ohne Amputationsverletzungen überlebt, schrammt an den Backwaren vorbei und wird dann als unelastischer Stoß im Konservenrayon entsorgt. Die trainierte Menge aber, ausgerüstet mit allerlei Rüstungsgütern um den vernarbten Kadaver, hebelt palettenweise Magerquark in den Drahtkorb, einen Festmeter Zündhölzer und Feinwaschmittel für die Periode bis zur nächsten Eiszeit, dazu Alkoholika und Hygieneartikel, Schmier- und Olivenöl sowie Salzgebäck im Gegenwert des Rüstungsetats einer beliebigen afrikanischen Militärdiktatur. Ist es jene Vorstellung, möglichst viel nützliches Gut mit ins kühle Grab zu nehmen, wie Pharaonen, Wikinger und ihre Zeitgenossen es praktiziert haben? Wollen wir uns die verlängerte Zeit bis zum endgültigen Kollaps noch ein bisschen schönpreppen? Was ist der Sinn und warum tätigen wir Hamsterkäufe?

So nah liegt die Vorstellung, der Hominide als Jäger und Sammler habe jeden Fund zunächst wie ein Eichhörnchen versteckt und verborgen, dass sie nur falsch sein kann. Gerade der Wilde lebte von der Hand in den Mund, oft auch in Konkurrenz zur Umgebungsfauna, die in ihrem Artenreichtum toleranter war in Bezug auf Qualität und Frische. Ohne Konservierung, wenigstens Lagerhaltung, hatte der Häufungstrieb rein technisch keine Chance. Erst die Möglichkeit, an einem halbwegs voraussehbaren Tag die Ernte an Korn und Früchten einzufahren, auf dass sich der ansonsten denkunbegabte Nappel satt über den Winter bringe, machte ihm überhaupt die Notwendigkeit des Speicherns klar – und damit auch die Aussicht auf Besitz, wenn nicht gar auf Reichtum, noch bevor Geldwirtschaft den Tauschhandel besiegt hatte.

Dann aber kam der Krieg. Er muss sich tief ins Bewusstsein der Hohlrabis geschwiemelt haben, denn die Sorge vor dem jäh auftretenden Mangel an Kernseife und Mehrkornbrot vererbt sich von einer Generation zur nächsten. Ja die Enkel derer, die vor dem Führer in Deckung gingen, sie scheinen diese Furcht zu kennen: der Russe steht vor der Tür und wir haben kein Bohnerwachs im Haus. Dialektisch fein gesponnen, denn nach welchem Krieg genau das Volk Bärchenwurst und Dosenspargel in den Kofferraum stopfen musste, ist noch nicht geklärt. Die Angst und Unsicherheit, die andere weltliche Katastrophen nach sich ziehen, sie hingegen können wir nachvollziehen und wissen auch, dass wir den Einkauf dem Es überlassen, während das Über-Ich stöhnend den Kontostand zu ignorieren versucht.

Hätte Perfektionismus allein die krude Mixtur aus Toilettenpapier, Mehl und Hefe erzeugt, immer dessen eingedenk, dass so gut wie keins der Opfer in der Pandemiezeit vorher regelmäßig Brot buk und aufgerollter Zellstoff wenig geeignet scheint, vor der drohenden Seuche zu retten? Offenbar übt sich der gemeine Knalldepp lieber in kollektiven Übersprungshandlungen, da Angriff unmöglich und Flucht sinnlos ist – ein Verhalten, das auch Opfer einer Hirnrindenverödung auf Widerstandsdemos trieb, um gegen Viren anzuplärren und sich von den Naturgesetzen loszusagen. Intellektuelle Aufstocker gar rationalisieren ihre eigene Hilflosigkeit durch Verschwörungsideologien, um überhaupt etwas tun zu können. Wie der Frustkauf zur Aktivierung des limbischen Systems führt, halten sich die Zombies auf dem Synapsenfriedhof durch allerlei Leerlauf aus dem Repertoire der Normalität beweglich, was für den spätturbokapitalistischen Konsumkasper im Regelfall heißt: Shoppen, sonst kommt der Arzt.

Horten heißt, die Zeit aufhalten, wenn nicht gar zurückdrehen. Beschließt die EU, Glühlampen aus dem Verkehr zu ziehen oder Mentholzigaretten, so stopfen sich die Kalkschädel ganze Keller voll mit dem Zeug, ohne das eine Existenz möglich, aber nicht mehr menschenwürdig scheint. Irgendwann in ein paar Monaten und Jahren ist das ganze Zeug dann aufgequarzt, schmeckt nach Mumie oder tritt schlicht in molekular unerwünschte Zustände ein. Auch der Nebeneffekt, dass eines Hamsterkäufers Anblick Dutzende Hamsterkäufer erzeugt, wird von der Seppelmeute stoisch ignoriert, bis sie es dann bekämpfen; die selbsterfüllende Prophezeiung frisst ihre Kinder, solange sie noch welche findet. Aber immerhin hat der Bekloppte in Krisenzeiten dann einen Grund, seine Angst auf einem angemessenen Niveau zu halten, denn in einem Land, in dem ihm alle anderen die Nudeln streitig machen, kann er mit Fug und Recht die Märkte leer räumen, ohne in Vernunft zu verfallen.

Eine viel einfachere Erklärung existiert, um die wir aus Selbstschutz stets einen großen Bogen machen. Der sich zivilisiert gebende Mensch ist ein egoistischer Drecksack, der seinem Nächsten nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt und ihm darum aus reiner Gehässigkeit das letzte Glas Pflaumenkompott vor der Nase wegkauft. Auch dann, wenn er Pflaumen hasst. Weil er es kann.





Dienst nach Vorschrift

2 07 2020

„… Listen geführt habe, auf denen die Namen und Privatanschriften zahlreicher Politiker verzeichnet gewesen seien. Eine kriminelle Absicht habe man dem Reservisten jedoch noch nicht…“

„… bisher nur Namen gefunden worden seien, von denen öffentlich bekannt sei, dass es sich bei ihnen um Politikerinnen und Politiker handele. Eine geheimdienstliche Tätigkeit könne man daher zum jetzigen Zeitpunkt bereits…“

„… dürfe man von Angehörigen der Armee auch erwarten, dass sie sich mit den politischen Vertretern der Bundesrepublik befassen würden. Bei einer Liste ausländischer Staatsmänner wolle der Geheimdienst aber gerne noch mal auf den…“

„… auf dem Computer des Unteroffiziers auch Daten sichergestellt worden seien, in denen ein neuer Holocaust angekündigt werde. Da keine der gelisteten Personen jüdischen Glaubens sei, könne man derzeit zu den Dokumenten auch nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob sie echt oder nur…“

„… nicht in Verbindung zu jüngsten Funden von Waffen und Sprengstoff stehe. Auch habe man bei dem beschuldigten Soldaten keine ausrangierten Helikopter, Drohnen, einsatzbereite Panzer oder…“

„… ob es eine Kompetenzüberschreitung des Militärischen Abschirmdienstes gegeben habe. Für Rechtsradikale sei eigentlich das Bundesamt für Verfassungsschutz, das selbst viel mehr Personal aus den Reihen ehemaliger und praktizierender…“

„… sei es unter besonders patriotisch gesinnten Bundeswehrangehörigen unter Umständen möglich, dass sie Politikern kleine Geschenke zu Oster, zu Weihnachten oder zum Geburtstag schicken würden und daher eine Sammlung ihrer…“

„… dass es sich um einen Reservisten gehandelt habe. Da diese Gruppe nicht im KSK beschäftigt werde, könne das Bundesverteidigungsministerium Entwarnung für das…“

„… der Beschuldigte kein Polizist sei. Seehofer wolle daher von einer Strafanzeige gegen die ermittelnden Beamten absehen und jeden…“

„… auch Mobilfunknummern der potenziellen Opfer verzeichnet worden seien. Dies werte das Parlamentarische Kontrollgremium aber nicht als gefährlich, da über ein Telefon keine Gewalttaten zu verüben seien und man nicht erwarten könne, dass etwaige Drohungen durch die Beschuldigten wieder von ihren eigenen Geräten…“

„… sich mit zahlreichen Daten decke, die 2017 beim rechtsextremen Oberleutnant entdeckt worden seien, der auch Anleitungen zum Bombenbau bei seinen Gesinnungsgenossen verteilt habe. Seehofer sehe dies allerdings als gutes Zeichen, dass es zwischenzeitlich nicht noch mehr Namen und…“

„… möglicherweise um geplante Beleidigungen zum Nachteil der Politikerinnen und Politiker. Da stichprobenartige Befragungen der Personen jedoch noch keine derartigen Straftaten hätten nachweisen können, müsse man erst abwarten, ob die Listen in einer WhatsApp-Gruppe geteilt worden seien, so dass es von anderen Tätern eine erwartbare…“

„… bedauere der Bundesinnenminister die mediale Berichterstattung, da diese geeignet sei, in der Bevölkerung Nachahmungstaten zu motivieren, die dann auch andere Personen als die hier…“

„… moniere der Verfassungsschutz, dass die meisten linken Politiker, die eine lückenlose Aufklärung und harte Strafen fordern würden, noch nicht einmal selbst auf den sichergestellten…“

„… nur eine einzelne Person betreffe sowie eine noch nicht als gefährlich groß eingestufte Anzahl an Unbekannten. Der MAD habe sich deshalb darauf verständigt, weiterhin Dienst nach Vorschrift zu…“

„… auch einen Schauspieler als Zielperson führe. Den Sicherheitsbehörden sei es aber bis zur Stunde noch nicht gelungen, das Pseudonym Til Sch zu identifizieren, so dass ein Polizeischutz vorläufig noch nicht…“

„… dass rechte Tendenzen auch unter Sportlern, Handwerkern und Wissenschaftler bestünden. Die Bundesverteidigungsministerin sehe sich deshalb in ihrem Urteil bestätigt, dass die Bundeswehr als Querschnitt der deutschen Bevölkerung keine…“

„… hätten Aussteiger berichtet, dass innerhalb der 115.000 Mann starken Gruppe der Reservisten ein rechtsextremistisches Netzwerk existiere. Die Sicherheitsbehörden hätten bisher jedoch bei einer Befragung ausgewählter Angehöriger noch kein Geständnis aus den…“

„… plädiere der Innenminister dafür, auch den Bundeswehrangehörigen abhörsicherer Telefone zur Verfügung zu stellen, da im Falle eines von Ausländern geplanten Hackerangriffs keine militärische Geheimhaltung in den…“

„… keine AfD-Mitglieder auf der Liste gestanden hätten. Der Militärische Abschirmdienst sei daher überzeugt, dass es sich nur um gezielte persönliche Abneigungen gegen einzelne Politiker, nicht aber um eine generell staatsfeindliche…“

„… das Ausschließen ertappter Täter von Reservistenübungen auch zu Kurzschlussreaktionen führen könne. Kramp-Karrenbauer fürchte Klagen von Armeeangehörigen, die in den kommenden Monaten mit einer posttraumatischen…“

„… sehe auch die CDU-Bundestagsfraktion ein großes Problem. Solange immer wieder derartige Taten aufgedeckt würden, könne man den Einsatz der Bundeswehr im Innern nur gegen sehr großen Widerstand mit dem Koalitionspartner in eine…“





Erweiterte Normalität

1 07 2020

„Die Strategie mit Zuhören hat nicht geklappt, weil sie eigentlich immer nur gepöbelt und gedroht und Lügen verbreitet haben. Die Strategie mit Reden war auch nicht erfolgreich, weil sie immer nur Lügen verbreitet und gedroht und gepöbelt haben. Aber wir sind jetzt der festen Überzeugung, wenn wir Faschisten als ganz normale Leute behandeln, dann sind die ganz schnell verschwunden.

Gerade in den regionalen Strukturen und im Osten haben wir da eine Durchlässigkeit erreicht, die wir so vorher noch nicht für möglich gehalten hätten. Auf Landesebene oder in der Bundespolitik muss man ja immer auf die Parteigrenzen achten, da kann man als Linker nun nicht einfach rassistische Sprüche… – Ich komm noch mal rein. Wenn Sie bei den Grünen sind und nicht ausgerechnet Palmer heißen, dann fällt so eine Volksverhetzung ganz oft mal negativ auf. Ja, jede Partei hat da ihr Problem, die SPD hat den Sarrazin, die FDP diese Glatze aus Thüringen, die CDU hat die CSU, aber das geht in der Masse auf. Es fällt nicht weiter auf, wenn man es nicht ständig zum Problem hochstilisiert. Und auf kommunaler Ebene, da zählen doch sowieso nur Überzeugungen, da kann man nicht immer mit dem Parteiprogramm kommen, da muss es menscheln, verstehen Sie? Sonst könnten Sie in Sachsen so eine CDU ja gar nicht erst aufmachen.

So ein Gesangsverein, der der AfD nahe steht, der wird als öffentliche Kultur natürlich auch mit öffentlichen Geldern gefördert. Ob die da jetzt nur deutsches Liedgut singen oder auch mal zur Feier des Tages die eine oder andere nationalsozialistisch zu verstehende Einlage geben, ist doch jetzt nicht das Problem. Das hat ja auch Ventilfunktion, wenn da ein paar junge Männer das Horst-Wessel-Lied schmettern. In der Zeit, in der die proben, natürlich immer infektionsgeschützt, zünden die wenigstens keine Behausung von Merkels Gästen an. Wenn das ein Schützenverein wäre, dann hätten wir da auch nichts einzuwenden. Das haben wir doch bei den ganzen Attentaten schon durchdiskutiert, es sind doch nicht die Waffen, es sind immer Einzeltäter mit psychischen Problemen, und damit die hier gar nicht erst einen Knacks wegkriegen, weil sie sich in ihrem Heimatland von Dutzenden von Afrikanern aus Afghanistan und Syrien in ihrer völkischen Reinheit bedroht fühlen, deshalb dürfen sie auch einem sehr anspruchsvollen Sporthobby nachgehen, das dann eben auch gefördert wird. Wir sprechen heute überall von der Normalität, die wir nach der Krise wieder erreichen wollen, aber es muss dann eben auch eine erweiterte Normalität sein. Bisher haben wir die Nationalsozialisten immer als Gefahr für die Gesellschaft wahrgenommen, aber das ist ein falsches Bild. Wir sollten uns mal fragen, ob die, die sich von ihnen gefährdet fühlen, wirklich zu unserer Gesellschaft gehören sollten.

Und wir sehen ja schon die ersten Ergebnisse. Als Nationalsozialist, so mit Hakenkreuzfahnen und Holocaustleugnen und illegalen Waffen für den Putschversuch, da können Sie heute nicht mehr als Straßenbahnschaffner arbeiten oder auf dem Bau. In der Zivilgesellschaft ist das mittlerweile regelrecht geächtet. Da müssen Sie schon zur Bundeswehr gehen, damit das nicht mehr so auffällt. Gut, Ihre bürgerliche Existenz lassen Sie dann zwar hinter sich, aber wenn ich die Bundesregierung und ihre Verteidigungsministerin richtig verstanden habe, dann ist das ja für eine moderne Armee genau das gewünschte Image. Da dürfen sie dann ein bisschen mit kaputten Hubschraubern spielen, sind immer unter Kontrolle und richten bisher noch keinen Schaden an. Kann man auch mal positiv sehen.

Wenn wir es jetzt nach und nach schaffen, die Parteigrenzen verschwimmen zu lassen, damit die Faschisten nicht mehr so auffallen, dann können wir sie assimilieren. Dann brauchen die ihre Partei bald gar nicht mehr, die Verbände verschwinden und die Organisationen, die wir ansonsten mühsam einen nach dem anderen vom Verfassungsschutz beobachten und vom übereifrigen Innenminister verbieten lassen müssten. Wenn wir das, was noch immer von einigen Teilen der Gesellschaft als krude Verschwörungsideologie betrachtet wird, in den Mainstream integrieren, dann fühlen sich die Reichsbürger zum Beispiel nicht mehr ausgegrenzt. Das ist auch eine Form vom Gewaltprävention, wir wissen zwar noch nicht, ob es wirkt, aber man kann sich ja mal darauf einlassen. Jedenfalls bringen uns Verurteilungen jetzt nicht weiter, nur weil der eine oder die andere eventuell ein kleines Problem mit dem Grundgesetz hat, auch in der Landesregierung, muss man nicht gleich von einer Verfassungskrise sprechen. Das wäre auch fatal, ausgerechnet der politischen Führung ihr Recht auf Meinungsfreiheit abzusprechen, meinen Sie nicht?

Wir haben auch Probleme, so ist es ja nicht. Wenn ich mir diese ständigen Entbehrungen ansehe von den Leuten, die fühlen sich seit fünfzig Jahren benachteiligt. Erst gab es keine Bananen, weil alles nach Berlin kam, die Verwandtschaft wollte keine Westmark rüberschicken, wir hatten Angolaner und Vietnamesen, die haben uns sofort die Arbeitsplätze weggenommen, deshalb gab es dann pünktlich zur Wiedervereinigung auch keine mehr, und jetzt, wo wir noch weniger haben, kommen die Flüchtlinge und wollen gar nicht arbeiten. Damit kommt doch ein gesundes Volk mit einer ordentlichen Ideologie eigentlich zurecht, wenn man denen erklärt, dass sie alles richtig gemacht haben, aber ich frage mich: was ist da schiefgelaufen?“





Heiße Luft

29 06 2020

„Es gibt schon einige Dinge, da kann man sich als Mensch, der nicht als richtiger Deutscher geboren wurde, da kann man sich auch einbringen. Das ist ja der Sinn von Integration, dass man sich verhält, als wäre man schon ein richtiger Mensch, Deutscher, wollte ich sagen.

Fußball, das ist so eine Sache, da können Sie bis zu einem gewissen Grad auch etwas leisten, auch für die Nation, wenn Sie fleißig und anständig sind und Tore schießen. Nicht gerade in der Nationalelf, das gibt dann immer Diskussionen, ob wir unsere Mannschaft mit Leuten auffüllen müssen, die wir eigentlich ohne den Fußball dahin schicken würden, wo sie herkommen. Ist manchmal schon komplex, weil die einen deutschen Pass haben, das sind eben so Dinge, da kann man auch als Ausländer seinen Beitrag leisten. Aber bei einer Wirtshausschlägerei, da wollen wir keine Migranten dabei haben.

Das ist, man muss das so sehen, auch ein Stück deutsche Leitkultur. Gewalt gehört bei uns immer irgendwie dazu, wie das Bier zum Schnitzel. Das hat bei uns lange Tradition, wir haben zwei Kriege im vergangenen Jahrhundert angefangen, unsere Geschichte ist ja im Grunde von Kriegen geprägt, und wenn Sie sich den Staat heute anschauen, zum Beispiel die Polizei: ohne Gewalt mag man sich dies Land gar nicht vorstellen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man als Migrant die Finger davon lässt. Da gibt es eine klare Rollenverteilung. Wenn es Sie stört, dann müssen Sie halt irgendwo anders leben. Oder geboren werden.

Randale beginnt ja meist mit niederschwelligen Angeboten. Wo wir gerade von Fußball sprachen, das wäre so ein Fall. Da gibt es klare Regeln, das ist die eine Mannschaft, das ist die andere, erst wird gespielt, und danach kriegt man was auf die Fresse. Es mag für manche nicht verständlich sein, aber erklären Sie mal jemandem Traditionen in einem afrikanischen Land. Da verstehen Sie doch schon die Sprache nicht, und dann sind das Gesellschaften und Stämme, die haben eigene Wertvorstellungen, die werden teilweise in Europa gar nicht praktiziert. Wenn Sie jetzt nach Afrika kämen und würden so einem Stammeshäuptling an die Hütte pinkeln, da würde man Sie auch rauswerfen, und was lernen Sie daraus? Sie haben in Afrika nichts verloren. Dann können wir das den Ausländern doch auch so kommunizieren, oder meinen Sie nicht?

Es ist ja mittlerweile so, dass Ausländer hier in Deutschland ihre eigenen Formen von Gewalt ausüben und mit Wertvorstellungen erklären, die in der deutschen Gesellschaft gar nicht mehr verstanden werden. Ehre, Familie, das sind Dinge, die sind dem Deutschen vollkommen fremd. Das kann ja regelrecht paradoxe Wirkungen haben, dass man als Deutscher mit Gegengewalt reagiert, wenn man mit diesen Wertvorstellungen konfrontiert wird, und dann zündet man halt ein Asylantenheim an. Da muss man sich dann auch nicht wundern, da muss man einfach mal analysieren, wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann.

Natürlich gab es in Deutschland auch schon Formen von Gewalt, die aus dem Ruder gelaufen sind. Ich denke an den Terror beim Schahbesuch, da musste die Polizei ja tatsächlich gegen eigene Landleute vorgehen. Das war eine Generation von Polizisten, die noch den letzten Krieg miterlebt hatten, das heißt, die hatten schon eine gewisse Erfahrung mit Tradition, aber eben nicht mit der Vorstellung, dass man notfalls auch mal auf die eigenen Leute schießen muss, wenn es befohlen wird oder die Fronten schneller klärt. Wir haben das zwar in der Zwischenzeit gründlich aufgearbeitet, der Linksradikalismus hat uns immer wieder einen Anlass gegeben, das praxisorientiert zu versuchen, aber es ist für uns bis heute besser, wenn wir das als deutsches Kulturgut untereinander ausmachen, statt unnötige Konflikte mit Ausländern zu entfachen.

Oder nehmen Sie diesen Gewaltausbruch in Schorndorf vor drei Jahren, das waren insgesamt hundert Jugendliche, die allermeisten Deutsche, die haben sich ganz regelkonform besoffen und dann geprügelt. Der Fehler war dann, dass ein paar Nazis und ein paar Polizisten – ich weiß nicht mehr, wer wer war, vermutlich sowieso dieselben – die haben plötzlich von tausend Personen gesprochen und von Massenvergewaltigungen durch Hunderte von Flüchtlingen, die zwar keiner vorher gesehen hatte und hinterher auch nicht, aber das ist dann doch schiefgegangen. Zum Glück waren es dann gut ein Dutzend Straftäter, die Sache ist dann irgendwie im Sande verlaufen, weil man nicht genug heiße Luft für das öffentliche Interesse hatte, und wissen Sie, woran das lag? Weil wir Deutschen das unter uns ausgemacht haben. Sie sehen also, wenn man als Ausländer in so eine Angelegenheit nicht seine Nase reinsteckt, dann geht das auch gut aus.

Und deshalb würde ich sagen, wir müssen auch mehr dazulernen, was die Polizei angeht. Es gibt da kultursensible Bereiche, die sollte man mit mehr Feingefühl anpacken. Die Polizeipräsenz in diesem Land ist ja schön und gut, die müsste auch noch stärker werden im Alltagserleben der Menschen, so dass sich der Bürger sagen kann: die Polizei ist als sichtbarer Teil dieser Gesellschaft vorhanden, und wenn sie eins repräsentiert, dann ist es das Gesetz. Aber wir sollten aufhören, Personen in die Polizei zu holen, die schon auf den ersten Blick nicht wie richtige Deutsche aussehen oder zumindest diesen Eindruck erwecken könnten. Ich meine, Reklame zu laufen für Ausländerkriminalität, das kann doch nicht der Job für richtige Deutsche sein, oder sehe ich das so falsch?“





Klagemauer

25 06 2020

04:58 – Der Wecker klingelt zwei Minuten zu früh. Schlaftrunken setzt sich Heimat- und Bauminister Horst Seehofer im Bett auf. Er greift nach dem Diktiergerät auf seinem Nachttisch und spricht den ersten Verwaltungsakt des Tages ein: Strafanzeige gegen das Läutwerk wegen staatsfeindlicher Ruhestörung eines Verfassungsorgans.

05:03 – Während das Radio den Wetterbericht für den Freistaat Bayern bringt, schlurft der Ex-König ins Bad. Die poröse Schnur des Rasierers ist in Auflösung begriffen – typisch für die Landesgruppe Bayern, die immer solche Geschenke macht. Nach dem Anschalten knackst und rauscht es hörbar im Rundfunkempfänger, bevor die Sicherung mit Getöse herausspringt. Seehofer erstattet sofort Strafanzeige wegen Verunglimpfung eines Symbols des Staates.

05:14 – Er hat die Sicherung endlich gefunden und wieder reingedrückt. Und weiter geht’s für den verhinderten Vizekanzler. Der Kaffeeautomat hat durch die Stromunterbrechung seinen Brühvorgang eingestellt und muss neu gestartet werden. Seehofer zeigt ihn wegen Störung der Tätigkeit eines Gesetzgebungsorgans an.

05:36 – Endlich kann sich der Innenminister auf den Lieblingsplatz in seiner Wohnküche setzen: ganz rechts, direkt an der Wand. Unter der Collage aus Heiligenbildern – Strauß, Pinochet, Orbán – wirft er einen kurzen Blick in die Morgenzeitung. Das Blatt bringt schon wieder nicht die erwünschte Schlagzeile, dass Deutschland über Nacht von linksextremistischen Asylanten mit mindestens je einem Urgroßelternteil mit Migrationshintergrund dem Erdboden gleich gemacht wurde. Die nächste Strafanzeige wegen Hochverrats zu Sabotagezwecken ist raus.

05:44 – Eine Mülltonne vor dem Seehoferschen Anwesen steht leicht schief. Der Hausherr will nachsehen, ob sie ordnungsgemäß geleert wurden, kann den Deckel jedoch nicht öffnen. Er erstattet reflexartig Strafanzeige wegen Zuhälterei.

05:46 – Der Dienstwagen steht abfahrbereit vor der Tür. Der Bundesinnenminister liest noch schnell sein Zeitungshoroskop zu Ende und haut eine Strafanzeige wegen uneidlicher terroristischer Falschaussage zusammen, bevor er das Fahrzeug besteigt.

05:56 – Der Verkehr im Regierungsviertel wird durch zahlreiche Baustellen erschwert; der Fahrer kommt nur langsam voran. Vor der roten Ampel formuliert Seehofer rasch eine Strafanzeige wegen sicherheitsgefährdender Wehrkraftzersetzung.

05:59 – An der Gertrud-Kolmar-Straße Ecke Führerbunker schneidet der Fahrer einen Radler, der den Minister erkennt und ihn als „degenerierte Faschistendrecksau“ beschimpft. Seehofer notiert umgehend eine Strafanzeige wegen Preisgabe von Staatsgeheimnissen.

06:11 – Endlich im Ministerium. Der Pförtner hat noch kein Schild aufgestellt, das vor dem frisch gewischten Boden im Foyer warnt. Der Minister zeigt ihn wegen Personenstandserschwernis an.

06:16 – In der Hauspost des Leiters befindet sich eine Karte, mit der die Abteilung Bürokratieabbau einer Kollegin zum Geburtstag gratulieren will. Da die Adressatin durch eine Eintragung deutlich zu identifizieren ist, zeigt Seehofer sie wegen Ausspähens und Abfangens von Daten an.

06:28 – Zur Entspannung spielt Seehofer ein paar Minuten auf der elektrischen Orgel, die er in seinem Aktenschrank aufbewahrt. Da ihm vor einigen Jahren das Anschlusskabel abhanden gekommen war, hatte er seinerzeit schon Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt erstattet.

06:54 – In der Abteilung Statistik werden viel mehr Klarsichthüllen als veranschlagt verbraucht. Der Bundeshorst erinnert in einem eilig aufgesetzten Rundschreiben an die Obergrenze und erstattet gleichzeitig Strafanzeige wegen unrichtigen Gebrauchs von Urkunden.

07:12 – Die Bundeskanzlerin hat sich wegen eines dringenden Telefonats mit der deutschen Botschaft in Teheran verspätet, so dass die Videokonferenz des Bundeskabinetts nicht pünktlich beginnen kann. Statt ihrer übernimmt spontan Markus Söder die Moderation. Seehofer leitet eine Strafanzeige wegen Parteiverrat an die Rechtsabteilung weiter.

07:31 – Der aktuelle Verfassungsschutzbericht liegt vor. Seehofer ist mit der erheblichen Steigerung von Straftaten im rechtsextremistischen Milieu nicht einverstanden und moniert, dass Nationalsozialisten nicht wegen ihrer sozialistischen Gesinnung als Linke gekennzeichnet werden. Er erstattet gegen den zuständigen Abteilungsleiter Strafanzeige wegen staatsgefährdender Vorteilsnahme.

07:58 – Die Kanzlerin hat ihre Mission beendet und betritt nun gemeinsam mit dem Außenminister den Videochat. Merkel befragt ihn zu Einzelheiten des Verfassungsschutzberichts, den er entgegen seiner Ankündigung aber noch nicht gelesen hat. Seehofer erstattet Strafanzeige wegen Aussageerpressung.

08:33 – Die anderen Kabinettsmitglieder haben keine Lust mehr, Seehofers Gerede zu folgen, und schalten ihn gemeinsam stumm. Der Innenminister erstattet sogleich Strafanzeige wegen gemeiner Computersabotage.

09:01 – Kaffeepause im Ministerium. Bei seinem Betreten des Aufenthaltsraums verlassen zwei Staatssekretäre sowie eine Referatsleiterin die Sitzgruppe. Seehofer erstattet kurzerhand Strafanzeige wegen Störung des öffentlichen Friedens in einem besonders schwerem Fall.

09:16 – Die geheime Verschlusssache Adolfs Erben Sektion Ost wird in Seehofers Büro geliefert. Das Dokument listet eine Reihe hochrangiger Mitglieder mehrerer Bundesbehörden auf, die einen bewaffneten Umsturz zur Lösung des Freistaates Sachsen als nationalsozialistisch regierte Führerrepublik aus dem Staatsgebiet der BRD planen und dafür seit 2015 Waffen aus dem Besitz der Bundeswehr gestohlen haben. Es liest sich sehr interessant, so dass der Innenminister fast seine tägliche Blutdrucktablette vergisst. Für eine Anzeige sieht er hier keine Veranlassung, da es ja bisher nicht zu staatsgefährdenden Straftaten gekommen war.

10:31 – In einer Tageszeitung ereifert sich ein Sportredakteur in einer sprachlich ausbaufähigen Glosse über den Dauermeister Bayern München, deren Spieler er als „Rumpelmonster“ bezeichnet und denen er den Einsatz auf einem Rübenacker empfiehlt. Seehofer ist verärgert, da auch Sport und Leitkultur zu den Befugnissen als Heimatminister gehören. Flugs erstattet er Strafanzeige wegen Volksverhetzung.

10:49 – In einem hausinternen Schreiben weist das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge darauf hin, dass am kommenden Tag 68 Personen nach Afghanistan abgeschoben werden sollen, da sie nicht individuell, sondern kollektiv bedroht würden. Seehofer stört sich an der Zahl, die ihm zu niedrig vorkommt, und macht die Ressortleiterin dafür verantwortlich, zahlreiche Fälle ohne Prüfung positiv zu bescheiden. Er erstattet Strafanzeige wegen Missbrauchs von Ausreisepapieren.

11:08 – Von seinem Fenster aus sieht der Minister, wie in einem Einsatzfahrzeug der Polizei der Motor nicht anspringt. Er erstattet sofort Strafanzeige wegen schweren Hochverrats in Tateinheit mit Raubmord, terroristischer Staatszerstörung und schwerer staatsgefährdender Boykotthetze.

11:15 – Bei einem Pressetermin wird Seehofer zur Kabinettssitzung sowie zur Meinung der Kanzlerin in Hinsicht auf den Verfassungsschutzbericht befragt. Er erklärt, Merkel habe heute mit ihrer nur am Grundgesetz und nicht an den Interessen des deutschen Volkes ausgerichteten Hetzrede die Herrschaft des Unrechts ausgerufen. Er erstatte nun sofort Strafanzeige wegen verfassungsfeindlicher Einwirkung auf öffentliche Sicherheitsorgane.

12:02 – In der Mittagspause bedient sich Seehofer an der Salatbar der Behördenkantine. Ihn regen die hohen Preise für Wurstwaren auf, außerdem gibt es entgegen seiner Anweisung dort immer noch kein Weißbier. Er diktiert schnell eine Strafanzeige wegen böswilliger Wehrkraftzersetzung.

12:10 – Während der Minister einen gemischten Salat mit einer Leberkässemmel verzehrt, hört er am Nebentisch, wie er von zwei ihm unbekannten Kollegen als „Klagemauer der Bundesregierung“ bezeichnet wird. Er erstattet sogleich Strafanzeige gegen Unbekannt wegen schwerer Störpropaganda.

12:48 – Die an die Bundesregierung herangetragene Petition, im Zuge der zahlreichen Gefährdungen der Coronakrise ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, erfährt von Seehofer postwendend eine Abfuhr. Er erstattet Strafanzeige wegen räuberischer Erpressung von Staatsorganen.

13:20 – In einem Krisentelefonat erörtert Seehofer mit seinem Kabinettskollegen Scheuer alle noch bestehenden Möglichkeiten, ohne eine Haftstrafe aus dem Betrugsskandal um die Ausländermaut zu entkommen. Diese zwanzig Sekunden fehlen ihm empfindlich an der Arbeitszeit des Nachmittags.

13:21 – Seehofer erhält eine Spam-Mail, in der ihm gebrauchte Fahrräder zu Spitzenpreisen angeboten werden. Da die Nachricht nicht von der Polizei in Leipzig stammt, löscht er sie sofort und erstattet Strafanzeige wegen staatsgefährdender Belästigung.

14:13 – Auf eine Pressemitteilung der Linken, die Kosten für Mund-Nasen-Schutz für Bezieher von ALG-II-Leistungen zu tragen, reagiert Seehofer mit harscher Kritik. Er bezeichnet die Partei als „linksfaschistische Staatszersetzer“ und droht an, „Deutschland endgültig vor ihrem schädlichen Einfluss zu schützen“. Den Text lässt er nebst der Androhung einer Strafanzeige wegen schweren bandenmäßigen Rauberpressungsdiebstahls auf der Startseite der Ministeriumswebsite verlinken.

14:49 – Zeit für ein kurzes Telefonat mit seinem demokratischen Freund Orbán. Der ungarische Despot rügt seinen deutschen Vertrauten, dass in der Bundesrepublik Homosexuelle immer noch wie Menschen behandelt werden. Mehr als einen mehrmonatigen Lageraufenthalt zur Feststellung potenzieller Infektionskrankheiten kann Seehofer dem Rechtsgefährten nicht versprechen. Er regt an, beim Internationalen Strafgerichthof Anzeige wegen schwerer sexueller Nötigung seelisch normaler Volksteile zu erstatten.

15:15 – In Brandenburg wurde ein Polizeiwagen durch einen stark alkoholisierten Wachtmeister an eine Hauswand gesetzt. Das eigens für Seehofer nach Berlin verbrachte Fahrzeug muss nun genauer behördlichen Kontrolle unterzogen werden, da der Innenminister nicht glaubt, dass sich ein derartiger Unfall ohne Zutun linksterroristischer Kreise hatte ereignen können. Er lässt sich die Stauchung der Frontpartei sowie die gesplitterte Frontscheibe durch die Kriminaltechnik erklären und erstattet zur Sicherheit Strafanzeige gegen Unbekannt wegen staatsgefährdender Vortäuschung nicht geschehener Straftaten.

15:20 – Die Beschlussvorlage zur Neuregelung der Einsatzmöglichkeiten privater Sicherheitsdienste ist angekommen. Danach dürfen nun auch angelernte Kräfte mit einschlägigen Vorstrafen Schusswaffen führen und verdächtige Personen verdächtigen, wenn diese wie verdächtige Verdächtige aussehen. Um Arbeitszeit zu sparen, formuliert Seehofer für die Parlamentsdebatte schon mal eine Strafanzeige wegen Sabotage an für die Staatsnotwehr nötigen Mitteln der Landesverteidigung.

16:14 – Im Asylstreit zeigt sich der Bundesminister nun plötzlich kompromissbereit. In einem Telefonat mit der EU-Kommission verspricht Seehofer, 400 Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufzunehmen, allerdings nicht mehr in diesem Jahr. Bedingung sei außerdem, dass diese sofort wieder abgeschoben werden könnten. Für jeden dieser Flüchtlinge lässt der Innenminister schon einmal eine Strafanzeige wegen Widerstandes gegen Deutsche aufsetzen.

16:44 – Früher als gewohnt verlässt Seehofer seinen Arbeitsplatz und lässt sich noch für ein Gespräch mit Merkel ins Bundeskanzleramt fahren. Die Regierungschefin ist hingegen nicht mehr im Haus, da sie wichtige Termine wahrnimmt. Der ehemalige CSU-Chef überlegt, ob er sie wegen Amtsanmaßung anzeigen soll.

17:02 – Der Minister bekommt per SMS mitgeteilt, dass eine Journalistin mit bedrohlich klingendem Namen einen Artikel über Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht hat. Da der Beitrag bereits morgen erscheinen wird, erstattet Horst Seehofer an Ort und Stelle Strafanzeige wegen Gewaltdarstellung in Tatmehrheit mit Störung des Rechtsfriedens.

18:03 – Nach einer sehr langsamen Fahrt durch die Baustellen der Berliner Innenstadt erreicht der Minister sein Haus. Ihm fällt sofort auf, dass in seinen Briefkasten zwei Tüten voller Werbematerial eingeworfen wurden, so dass er kurzerhand eine Strafanzeige wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens formuliert. Er wird seinen Postkasten bis zur letzten Patrone verteidigen.

18:05 – Schon steht Seehofer in seiner Lieblingsstrickjacke im Kellergeschoss seines Hauses. Er knipst die Deckenbeleuchtung an, setzt die Mütze auf und bläst beherzt in die Trillerpfeife. Der erste Zug seiner Modelleisenbahn setzt sich schnurrend in Bewegung. Hier hat der ehemalige Ministerpräsident endlich alles unter Kontrolle. Ein Glas zimmerwarmer Limonade ohne Kohlensäure erquickt seinen Abend, während er den Verkehr zwischen A-Stadt und B-Hausen regelt.

22:24 – Schläfrig vom Rauschen der Räder auf den Schienen schaltet der Ex-Vorsitzende der CSU die Lampe aus und geht gemächlich ins Erdgeschoss, wo er die Strickjacken an den Garderobenhaken hängt und zur Entspannung noch ein paar Pfeile auf das in der Küche angebrachte Porträtfoto von Söder schmeißt.

22:40 – Horst Seehofer legt sich ins Bett und deckt sich zu. Er stellt den Wecker auf Punkt Fünf. Wie an jedem Morgen, an dem er zeitig aufstehen will. Schon sinkt er in einen tiefen, rechtmäßigen Schlaf für Volk und Vaterland.





Schwarzer Afghane

24 06 2020

„Hundert Mann pro Tag, weniger macht hier keinen Sinn. Wir müssen ja deutschlandweit liefern, an uns hängen ganze Supermarktketten, und wenn Sie mit der üblichen Arbeitsbelastung und einer durchschnittlichen Krankenquote von zehn Prozent rechnen, dann ist das schnell verbraucht. Ich hatte es Ihnen ja gesagt, der Fleischmarkt ist hart.

Zweihundert wären natürlich noch besser, und dreihundert sind richtig gut. Wenn die sich hier mal was einfangen, müssen die ganz schnell ersetzt werden. Wir arbeiten immer noch daran, dass die gesetzlichen Kontrollen mindestens eine Woche vorher angekündigt werden, aber dann haben Sie es immer wieder mit Beamten zu tun, die sich nicht an solche regeln halten wollen. Geradezu kriminell, wenn Sie mich fragen. Wenn uns jetzt nur ein paar Kleinigkeiten dazwischenkommen, Hitzeperiode mit verlängerter Grillsaison zum Beispiel, dann haben wir ein Problem. So schnell kriegen Sie die nicht ausgetauscht, nicht mal mit Werkverträgen. Zumal man dann auch noch die ganze Lieferkette mit Subunternehmern berücksichtigen muss. Das dauert ja teilweise ewig, bis man die Leute dann auch hier in der Fabrik hat. Denken Sie nicht, dass das einfach verdientes Geld wäre. Da steckt viel Arbeit dahinter. Schwere Arbeit.

Sehen Sie mal, es ist ja auch eine Frage der Bürokratie. Wenn wir hier Betriebsräte zulassen würden, dann könnten wir den ganzen Scheiß auch gleich in die Tonne treten. So müssen wir trotzdem für jeden, der die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU ausnutzt, den ganzen Papierkram erledigen. Für die Rumänen und Bulgaren gibt es das ja erst seit 2014, und die haben sich da schnell eingefuchst: in Deutschland malochen, weil wir den Arbeitsmarkt nicht richtig abgeschottet kriegen. Wir werden doch von denen ausgenommen wie die Weihnachtsgänse, die wollen ja teilweise das Geld noch mit über die Grenze nehmen. Ich meine, da hört es doch auf. Wer in Deutschland sein Geld verdient, der soll es doch bitte auch hier ausgeben. Das ist nur fair. Und da kommt unsere Immobilienverwaltung ins Spiel.

Ich habe keine Ahnung, ob der Bulgare zu Hause überhaupt so etwas wie Kühlschrank und Dusche kennt, aber hier kriegen die das einfach so in die Wohnung eingebaut. Einen Kühlschrank pro Wohnung, eine Dusche. Gucken Sie sich um in Deutschland, mehr haben die meisten Mieter auch nicht zur Verfügung. Gut, die wohnen auch nicht mit zehn Mann auf fünfzig Quadratmeter, aber der Bulgare ist da pflegeleicht. Er kriegt ja auch nichts anderes. Sonst muss er eine Eigentumswohnung in bester Lauflage mieten, er darf sich ja überall in der Europäischen Union niederlassen. Meinethalben kann er auch jeden Morgen mit der Straßenbahn aus Sofia herfahren. Wenn er pünktlich zu Schicht da ist, haben wir kein Problem damit.

Nur dieser elende Stress mit dem Arbeitnehmerdatenschutz, das geht einem echt auf den Zwirn. Dies dürfen wir nicht, das dürfen wir nicht, Sie dürfen heute ja noch nicht einmal in der Personalabteilung fragen, wann Kollege Sowieso Geburtstag hat, um ihm eine Schachtel Pralinen zu schenken. Nur wegen Arbeitnehmerdatenschutz. Aber vergessen Sie einmal, die ganzen Daten sofort parat zu haben, wenn die staatliche Kontrolle kommt. Da können Sie direkt Insolvenz anmelden. Und da haben wir uns gesagt: das geht einfacher. Nicht Leute austauschen, Prozesse optimieren. Leiharbeit, Werkverträge, das fliegt uns eines Tages wahrscheinlich um die Ohren, schon rein kostenmäßig ist da bald das Ende der Fahnenstange erreicht. Glauben Sie es mir, das geht besser.

Den entscheidenden Anstoß hat nämlich die Politik selbst gegeben. Wie ich einmal vor dem Fernseher saß, da hat so ein sympathischer Typ erzählt, wie er sich die internationale Situation so vorstellt. Die Schleuserbanden, die die Leute übers Mittelmeer herholen, die Asylindustrie, die sich an denen eine goldene Nase verdient, Anwälte, die gut davon leben, Abschiebungen zu verhindern – das ganze Programm. Dann zappe ich weiter, da sehe ich einen Kühltransporter an der Autobahn, 71 Leichen an Bord – da hat’s bei mir gefunkt, und das habe ich dann dem Vorstand so vorgetragen. Ich meine, Kühllaster haben wir selbst, und der Rest ist jetzt auch nicht so kompliziert.

Wir sind direkt ins Geschäft mit eingestiegen – natürlich erst mal nur mit Subunternehmern. Wegen der Haftung. Aber es rechnet sich, da können Sie sagen, was Sie wollen. Wir haben Preisstabilität, und das sage ich Ihnen als Fleischproduzent: wenn der Preis stimmt, dann scheiß ich auf Qualität. Wir nehmen direkt ab Erzeugerland, Papiere sind egal, mir ist egal, was Sie da liefern. Meinetwegen steht hier ein schwarzer Afghane am Band. Die Renditen sind inzwischen so hoch, jetzt können wir uns von der Politik auch die erwünschten Kontrollen kaufen und sie dann ausfallen lassen. Die Leute sind auch nicht schlechter als die anderen, Krankenquoten werden schon lange nicht mehr geführt – wer nicht arbeitet, ist eben draußen. Und wenn mal etwas dazwischenkommt, ein Arbeitsunfall oder eine Kleinigkeit mit dem Infektionsschutz, Illegale ohne Aufenthaltstitel werden nicht vermisst. Unsere Maschinen arbeiten rund um die Uhr. Vollkommen unauffällig. Und das sage ich Ihnen, die beschweren sich nicht. Da können Sie selbst nachschauen in der Fabrik. Falls Sie jemanden finden, der Deutsch versteht.“