Mainstream

16 09 2019

„Also entschuldigen Sie mal, das geht ja gar nicht!“ „Absurde Idee!“ „Sie haben doch nicht alle Tassen im Schrank!“ „Aber es ist ein gesellschaftlich sehr polarisierendes Thema, wir als Journalisten dürfen das nicht einfach ausklammern.“ „Deshalb lädt man aber trotzdem nicht die RAF ins Fernsehen ein!“

„Politische Bildung kann nur so funktionieren, dass wir die Betroffenen zu Wort kommen lassen.“ „Wenn ich das schon höre…“ „Wer sind denn die Betroffenen?“ „Das sind ja wohl die, die bei den Attentaten zu Schaden gekommen sind.“ „Vielmehr die Hinterbliebenen, die Opfer können ja nicht mehr reden.“ „Ich bin auch gegen Terrorismus, aber deshalb muss man doch der Gegenseite trotzdem eine…“ „Um diesen ganzen radikalen Mist in Ihrer Sendung zu zeigen?“ „Diese Leute wollen doch gar nicht reden!“ „Das zeigt doch schon dieses ganze verquaste Ideologiegelaber!“ „Genau da haben die Medien die Aufgabe, eine gemeinsame Sprache zu finden und dem Zuschauer eine…“ „Also falls ich es nicht schon gesagt haben sollte, noch mal fürs Protokoll: Sie haben nicht alle Tassen im Schrank.“

„Wir müssen hier doch auch mal eingestehen, dass, nur, weil wir recht haben, der andere nicht unbedingt unrecht haben muss.“ „Nehmen Sie mir bitte jetzt alle harten Gegenstände weg.“ „Das Schlimmste sind Typen, die auch noch glauben, was sie da für einen Bullshit erzählen.“ „Streitkultur ist doch für uns Demokraten ganz wichtig, weil wir…“ „Streitkultur!?“ „Diese Mörder…“ „Es sind nicht alle Mörder, das wissen Sie ganz genau.“ „Wer Mord oder Terror rhetorisch vorbereitet oder die Taten organisatorisch unterstützt und sie hinterher ideologisch als Notwendigkeit rechtfertigt, hängt mit drin.“ „Sehe ich auch so.“ „Aber Streitkultur ist wichtig, weil wir die…“ „Was wir von dieser Bande vorgesetzt bekommen, sind bestenfalls Hassphrasen mit freundlichem Zuckerguss.“ „Die wollen sich nicht streiten, die wollen Ihre Meinung ausradieren, weil sie für die ein überkommenes System repräsentiert.“ „Und dann können Sie sich noch so viel ins Fernsehen stellen und Differenzierung fordern, das verfängt nicht bei denen.“ „Es soll aber bei den Zuschauern ankommen, dass wir uns um Mäßigung bemühen.“ „Bemühen!“ „Na großartig, und was kommt von denen zurück?“ „Warten wir noch zehn Sekunden ab, dann kommt hier die Leier mit der schweren Kindheit.“ „Gottchen, die armen Terroristen!“ „Die leiden sicher am schwersten unter ihren Bombenattentaten.“ „Ist aber auch echt gefährlich, wenn man im Untergrund lebt und den ganzen Tag auf der Hut sein muss, dass man nicht ertappt wird.“ „Schlimm, schlimm, schlimm!“

„Für klar denkende Menschen gehören diese Terroristen ja auch nicht zur Normalität.“ „Also nicht zu der Normalität, die Sie ihnen medial als billige Eintrittskarte in die bürgerliche Gesellschaft zur Verfügung stellen?“ „Jetzt differenzieren Sie doch mal: wer nicht differenziert, hört in dem lauten Geschrei dieser Terroristen oder ihrer Sympathisanten nicht die Stimmen, die man hören sollte, als Politiker, um sie ernst zu nehmen, als Journalist, um sie zu beleuchten.“ „Das mit der schweren Kindheit haben wir verpasst?“ „Sieht so aus.“ „Also die Zwischentöne, wenn wir uns so rein emotional darauf einlassen sollen, was der Terror mit uns macht?“ „Das klingt jetzt echt deep.“ „Ich fühle mich auch schon echt voll betroffen, Du.“ „War Lack schon wieder im Sonderangebot?“ „Wir brauchen einen respektvollen, anständigen Diskurs und eine…“ „Damit wir uns von diesen Terroristen ans Handlanger eines Schweinesystems anpöbeln lassen dürfen, das notfalls durch brutale Gewalt gegen Unschuldige zerstört werden soll?“ „Sie hatten möglicherweise nicht ganz so viel Zeit, sich in die theoretischen Grundlagen dieser Ideologie einzuarbeiten.“ „Wenn man keine Ahnung hat, was ‚Diskurs‘ heißt, hat sich die Diskussion er erledigt.“

„Der Mainstream setzt sich aber auseinander mit diesen Themen, und deshalb dürfen wir das nicht ausgrenzen.“ „Die Mehrheit der Bevölkerung kann diesen Scheißdreck aber nicht hören!“ „Und die anderen Sender machen das auch, und auch auf dem eigenen Sender gibt es genug Sendungen, die sich mit dem…“ „Und deshalb müssen Sie denen auf den Leim gehen, jedes Mal deren Hassparolen übernehmen und weitertransportieren?“ „Meine Güte, die sagen halt ‚Bullenschweine‘, wenn einer denen nicht passt, aber…“ „Und das müssen Sie dann auch nachplappern?“ „Wir können doch einen Diskurs nur auf Augenhöhe führen, wenn wir klar differenzieren, was wir als…“ „Klar, Sie sagen immer ‚Zwinki-Zwonki‘, damit auch jeder Ihre differenzierende Distanz diskursiv einordnen kann, oder?“ „Uh, das ist Medienkompetenz!“ „Sehen Sie, einmal mit Profis arbeiten.“

„So, und damit hier jetzt mal Ruhe im Karton ist, haben wir Ihre Studiogäste für morgen früh wieder ausgeladen.“ „Aber…“ „Das reicht jetzt, und Sie können gerne Ihre politischen Ambitionen überdenken, nur nicht bei uns als Arbeitgeber.“ „Aber Meinungsfreiheit…“ „… heißt nicht, dass wir Ihnen unwidersprochen zuhören müssen.“ „So, und jetzt würde ich diese Diskussion gerne beenden.“ „Sie können sich ja gerne privat mit der RAF treffen und ein bisschen über den Umbau des Rechtsstaates plaudern.“ „Falls Sie da als Gast auch so willkommen sind und kein kostenloses PR-Material für die basteln können.“ „Ganz fair und ausgewogen und kritisch.“ „Und unparteiisch.“ „Und natürlich differenziert.“ „Und unabhängig.“ „Guten Abend.“

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Gesprächsführung

5 09 2019

Der Einsatz kam ganz überraschend. Siebels sah übernächtigt aus. „Auf einmal“, schimpfte ich. „Wie oft habe ich das gesagt, und jetzt auf einmal sollen Sie als Produzent die…“ „Ich habe das selbst angeordnet“, schnitt er mir das Wort ab. „Und wenn sie jetzt nicht alle spuren, werfe ich jeden einzelnen von ihnen noch heute raus.“

Die Moderatoren saßen alle in der Maske. Hier und da gab es kleine Unstimmigkeiten betreffs des Ablaufs, aber die nervöse Anspannung hielt sie alle unter Kontrolle. Keiner sprach ein lautes Wort, nur in der hinteren Garderobe johlte es. „Gut“, knurrte Siebels. „Dann wollen wir mal.“ Und er schritt geradewegs auf Henriette Mauschel zu, die mit ihrer Talkshow am Donnerstag auf der Kippe stand, sie wusste es nur noch nicht. „Wir haben uns wohl verstanden“, sagte er. „Sie haben zwei Minuten dreißig, danach sind die Fronten klar.“ „Aber…“ Siebels beugte sich leicht nach vorne. „Sie haben zwei Minuten.“

Hinten in der Maske polterte es. Der erste Gast stolzierte ins Studio, das er zugegebenermaßen gut kannte, denn wie viele Sendungen hatte er nicht hier mit populistischem Geplapper erlebt. „Er sitzt links“, dirigierte Siebels den Regisseur. „Das ist aber jetzt bildtechnisch ganz schwierig, wenn wir die…“ Der Produzent packte ihn unvermittelt am Kragen und zog ihn zu sich heran. „Wenn ich sage ‚Mach Dir in die Hosen‘“, zischte er, „dann machst Du was?“ „In die…“ Siebels stieß ihn wieder weg. „Schön, dass wir uns gleich verstehen. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden.“ Der Regisseur wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Die Mauschel bitte nach recht, nach rechts bitte!“

„Wir wollen gleich mit den wichtigen Themen beginnen“, setzte die Moderatorin ein. „Sie sehen sich seit mehreren Wochen mit Ermittlungen wegen eines Vermögensdeliktes konfrontiert, obwohl Sie dies in der Öffentlichkeit bisher immer abgestritten haben.“ „Schweinerei“, polterte der Kahlkopf. „Ich werde mich über Sie beschweren, Sie werden, wenn wir die Wahl, werden wir Drecksäue wie Dich in der…“ Siebels vollführte eine wegwerfende Geste. Sofort traten zwei muskulöse Herren, Möbelpacker oder Berufsboxer, an den schimpfenden Gast heran und machten ihm schnell und unbürokratisch klar, dass er eine faire Chance hatte, das Gelände im Vollbesitz seines Gebisses zu verlassen. Henriette Mauschel zitterte am ganzen Leib. „Gut gemacht“, lobte Siebels. „Sie sehen, man muss mit den Leuten nur reden. Und zwar in genau der Sprache, die die Zuschauer verstehen.“

Die zweite Kandidatin war nur wenige Minuten später auf dem dazu vorgesehenen Platz. „Moritz Höfgen.“ Wie Siebels den Namen aussprach, hörte es sich bereits sehr endgültig an. „Sie mögen ihn nicht.“ Er grinste bitter. „Was hat mich verraten?“ „Seine Gesprächsführung ist nun wirklich nicht berühmt für Ausgewogenheit und…“ „Unsinn“, schnarrte er. „Höfgen ist ein pseudointellektueller Schwätzer, der nicht einmal ein Thema braucht, um daran vorbeizureden.“ „Und wie will er jetzt gegen diese hysterische Schlange antreten?“ Er blickte ins Leere. „Fragen Sie mich nicht.“

„Erst einmal schön, dass Sie sich heute Abend Zeit nehmen“, schwafelte der untalentierte Typ. „Das war zu erwarten“, konstatierte ich. „Nach jeder Sendung fordern die Kritiken, dass man ihn in der Versenkung verschwinden lässt.“ „Und er fasst das als Zensur auf“, fügte Siebels trocken hinzu. „Sie wollen also auf Frauen und Kinder schießen lassen an der Grenze, nur damit ich das richtig verstehe – das sind immense Kosten für Munition und Beseitigung, kann man das dem Steuerzahler wirklich…“ „Aus“, sagte Siebels tonlos. Ein Blick zur Seite, das Scheinwerferlicht verlosch. Höfgen verstummte. „Schmeißt ihn raus.“ Inzwischen regte sich Protest, aber der Produzent bleib unerbittlich. „Drehen Sie das Licht wieder an, wenn er weg ist, und dann schicken Sie den nächsten rein.“

Zu meinem Erstaunen setzte er sich selbst in den Moderatorendrehsessel, als sie den Alten ins Studio begleiteten. „Ich sollte doch…“ „Setzen“, knurrte Siebels. Völlig perplex folgte der Greis dem Befehl. „Sie sind also ein bekennender Faschist“, begann er die Ansprache. „Sie leugnen Verbrechen der Wehrmacht, reden den Krieg, die Verfolgung und den Holocaust klein und geben offen zu, dass Sie den Mord an missliebigen Amtsträgern als ein Zeichen von nationaler Notwehr entschuldigen.“ Der Alte schnappte. „Sie werden sich für Ihre Lügen verantworten“, brüllte er, „ich lasse Sie alle ausrotten!“ „Wir haben für jede Ihrer Äußerungen umfangreiches Filmmaterial vorbereitet, das auch vor Gericht als Beweismaterial hilfreich wäre. Warum bezeichnet sich ein Nationalsozialist, der für die Sicherheit ein Verzeichnis aller jüdischer Einwohner haben will, als bürgerlich?“ „Ich werde Sie alle…“ „Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt, Sie haben die Errichtung von Lagern für Journalisten und Wissenschaftler zum Schutz der Bevölkerung von linker Propaganda gefordert – wollen Sie sich das auch ansehen? Wir haben gleich drei Reden, da waren Sie ein bisschen unvorsichtig. Außerdem waren Hakenkreuzfahnen auf der Bühne, aber das wussten Sie sicher nicht.“ Abrupt stand der Alte auf und blieb mit dem Fuß im Drehgestell des Sessels stecken. „Passen Sie auf Ihren Flachmann auf“, höhnte Siebels, während der Kandidat sich mühsam vom Boden aufsammelte. „Und raus.“ „Sie wissen, dass das Konsequenzen haben wird?“ Der Produzent schnipste mit den Fingern. „Sehen Sie, so macht man das. Wer fragt, führt. Antworten haben diese Knalltüten eh keine.“





Nazi-Methoden

27 08 2019

„Das sind Nazi-Methoden.“ „Also das können Sie jetzt wirklich nicht sagen!“ „Das geht gar nicht!“ „Okay, also: sind es Nazi-Methoden?“ „Wie gesagt, das dürfen Sie so nicht formulieren.“ „Warum nicht?“ „Weil die uns sonst Nazi-Methoden vorwerfen würden.“

„Also entschuldigen Sie mal, wer will denn hier immerzu mit Rechten reden?“ „Das ist allgemein der gesellschaftliche Konsens, dass man immer mit allen redet.“ „Auch mit Nazis?“ „Jetzt werfen Sie nicht Rechte und Nazis in einen Topf, das sind…“ „Nazi-Methoden, stimmt. Wobei ich da nicht genau weiß, wer jetzt wen für sich vereinnahmt.“ „Auf jeden Fall wäre das intolerant, wenn man nicht mit Rechten reden würde.“ „Und klug wäre es auch nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil die dann sagen, dass keiner mehr mit denen redet.“ „Und das wäre dann intolerant.“ „Und das sieht schon wieder nach Nazi-Methoden aus.“ „Also muss man ständig mit den Rechten reden, weil sie sonst sagen, wir wären intolerant?“ „Außerdem wären es Nazi-Methoden.“ „Und wenn die Rechten sich beschweren, dass man ihnen nicht ständig eins auf die Fresse gibt, dann hauen wir ihnen in die Fresse?“ „Sie konstruieren da mal wieder Dinge, die nur theoretisch klappen.“ „Also mit dieser negativen Einstellung kommen wir nun wirklich nicht weiter!“ „Außerdem sind das auch schon wieder Nazi-Methoden.“

„Wir können denen doch nicht ständig ein Podium für ihre faschistische Ideologie bieten.“ „Müssen Sie die denn immer alle über einen Kamm scheren?“ „Man kann doch ausländerfeindlich sein und wissenschaftsfeindlich und überhaupt diese ganze Demokratie und den Rechtsstaat hassen, ohne Nazi zu sein.“ „Diese CDU-Vorsitzende macht es Ihnen doch gerade so schön vor.“ „Und die ist doch nun wirklich kein Nazi.“ „Aber die, die Sie hier ständig einladen, interviewen und in die Talkshows setzen, das sind Nazis.“ „Aber selbst wenn es Nazis wäre, dürften wir denen doch nicht den Mund verbieten.“ „Die erzählen doch sowieso, dass sie hier nichts mehr sagen dürften.“ „Sehen Sie, wie weit wir schon gekommen sind?“ „Da muss man doch Signale setzen!“ „Gesamtgesellschaftlich, und so!“ „Weil dieses Pack…“ „Bitte hier nicht solche abwertenden Gruppenbezeichnungen.“ „Das sind nämlich Nazi-Methoden.“ „Entschuldigen Sie mal, wollen Sie sich nun mit uns unterhalten, ob wir unser Verhalten ändern, oder wollen Sie uns einfach nur undifferenzierte Vorwürfe machen und uns mit haltlosen Drohungen überziehen? Dann können wir das hier nämlich auch gleich lassen!“

„Gut, dann anders. Wenn die Rechten, die Sie einladen, das nur ausnutzen, um öffentlich zu äußern, dass sie sich nicht mehr öffentlich äußern können, dann ist das was?“ „Wir können nichts für den performativen Widerspruch.“ „Das ist doch der Sinn, den Zuschauern wird es irgendwann auffallen, dass sie sich damit selbst widerlegen.“ „Und Sie lassen diese Intoleranz fröhlich zu und jeder darf bei Ihnen hetzen, wie er lustig ist.“ „Was erwarten Sie denn?“ „Zumindest Widerspruch.“ „Sie haben das immer noch nicht verstanden.“ „Die müssen sich doch selbst widersprechen.“ „Weil, wenn wir ihnen widersprechen würden, würden sie doch sofort sagen: die widersprechen uns.“ „Und dann sagen sie wieder, hier dürfen sie gar nichts sagen.“ „Und das wäre ja intolerant, oder?“ „Also wenn wir ihnen widersprechen.“ „Und Sie machen die nicht einmal auf ihren Widerspruch aufmerksam?“ „Das wären doch wieder nur Nazi-Methoden.“

„Also bleibt es bis auf Weiteres dabei, dass Sie sich irgendwelche Rechte einladen und sie hier haltlose Drohungen und undifferenzierte Vorwürfe ausspucken lassen.“ „Jetzt denken Sie doch mal logisch nach: wenn wir den Rechten den Mund verbieten würden, dann…“ „Was heißt denn bitte ‚den Mund verbieten‘? Wenn Sie nicht in jede Sendung einen Kardinal oder einen Erzbischof oder wenigstens eine Ordensschwester einladen, hetzt dann die Kirche gegen Sie, dass Sie gottlos sind und dass man der Kirche den Mund verbietet?“ „Naja, das kann man so nicht vergleichen.“ „Die Kirche hat ja ihre eigenen Kommunikationskanäle, vor allem zu ihren Anhängern.“ „Die brauchen uns ja auch nicht in dem Sinne, die haben ja schon ‚Das Wort zum Sonntag‘.“ „Und die Rechten können sich ausschließlich in den öffentlich-rechtlichen Medien äußern?“ „Nein, aber in jeder Demokratie muss es eben auch Minderheitenschutz geben für solche Meinungen.“

„Gut, und wenn ich jetzt auch zu den Rechten gehe?“ „Dann müssten Sie in der Partei schon eine gewisse Bedeutung haben.“ „Wir können ja nicht jeden Typen aus einem beliebigen Ortsverein in die Talkshow setzen.“ „Außerdem müssen Sie schon einen gewissen Wiedererkennungswert bei den Zuschauern mitbringen.“ „Dann geht es Ihnen als gar nicht um Rechte, Sie wollen nur jemanden aus der Partei einladen, weil Sie befürchten, dass Sie nach der Machtergreifung…“ „Das ist doch wieder so ein Jargon, den wir nicht haben wollen.“ „Und wieder eine Nazi-Methode, diesen Jargon außerhalb des rechten Kontextes zu verwenden.“ „Das heißt, Sie wenden Nazi-Methoden an.“ „Bitte!?“ „Das ist doch wieder so eine…“ „Sie lassen Rechte ihre faschistischen Begriffe in einem medialen Kontext verwenden, der nicht explizit faschistisch ist. Damit ist das eine Nazi-Methode. Oder Sie wären selbst faschistisch.“ „Also das müssen wir uns jetzt nicht mehr gefallen lassen!“ „Schweinerei!“ „Irgendwo hört die Toleranz nämlich mal auf!“ „Demokraten Nazi-Methoden vorwerfen, wissen Sie, wie man das nennt? Nazi-Methoden!“





Vibrationsalarm

13 08 2019

Man sah ihm die dunklen Augenringe an; dennoch verbarg Siebels sie hinter einer dunklen Brille. „Die letzten Tage waren nicht einfach“, stöhnte er. „Ich hoffe, dass wir bald diese dämliche Sommerpause hinter uns gebracht haben.“ Und er stürzte schon den zweiten Becher mit billigem Automatenkaffee hinunter.

Das Studio war unbeheizt, und die Morgenfrühe unterstützte die Zugluft. Wer nicht gerade im Licht der bläulichen Scheinwerfer saß und demonstrativ entspannt in die Kamera blickte, bewegte sich mit zusammengeschobenen Schulter und steifbeinig durch die Kulisse. „Sie haben den Sessel doch noch rechtzeitig fertiggekriegt“, brummte Siebels, und aus seinen Worten hörte ich eine tiefe Befriedigung. „Das Möbel sieht ein bisschen plump aus“, befand ich. „Warten Sie ab“, murmelte er. „Warten Sie ab.“ Frieder Marx, seit mehreren Jahren schon nicht mehr auf der Mattscheibe zu sehen, führte ein ganz normales Gespräch mit einem der zahlreichen Experten, die für alles und nichts unter jedem beliebigen Stein hervorkriechen, wenn eine Kamera oder wenigstens ein Mikrofon in der Nähe sind. Es sirrte von irgendwo her, ein ganz leiser und sehr hoher Ton, der recht unangenehm in den Ohren nachklang. Siebels nickte.

„Wir müssen die Steuersenkungen unbedingt noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen“, verkündete der Nachwuchspolitiker im billigen schwarzen Polyesteranzug. „Nur wenn die Spitzenverdiener über ein stark ansteigendes Nettohaushaltseinkommen verfügen, kann die…“ Weiter kam er nicht. Das immer noch leise, aber immer deutlicher vernehmbare Summen schwoll unvermittelt an, und dann war auch zu sehen, woher es kam. Der klobige Sessel war nicht einfach nur ein Sitzmöbel, er vibrierte. Und er vibrierte mit solcher Stärke, dass der jugendliche Schwätzer auf dem Sitz durchgeschüttelt wurde und kaum noch verständliche Laute von sich geben konnte. „Wenn ich Sie richtig verstehe“, begann Marx seine nächste Frage, aber er musste sie gar nicht mehr stellen. Niemand konnte noch etwas verstehen.

„Eine Art Vibrationsalarm“, erklärte Siebels. „Wir haben uns diese Möglichkeit überlegt, um den üblichen TV-Formaten wieder ihre journalistische Schärfe zu verschaffen, damit nicht so viel Unfug vor der Kamera geredet wird.“ Er knüllte seinen Pappbecher zusammen und warf ihn in einen der vielen Papierkörbe hinter der Kulisse. „Aber wir haben doch in den meisten Sendungen inzwischen einen Faktencheck“, wandte ich ein. Siebels zog nur leicht die Augenbrauen in die Höhe. „Das stimmt“, antwortete er. „Aber erstens kommt dieser Teil erst nach dem eigentlichen Gelaber in der Glotze, was auch dazu führt, dass er von kaum jemandem auch nur zur Kenntnis genommen wird, und zweitens sind es nicht nur die offensichtlichen Lügen und Verdrehungen, sondern auch Framing oder Hetze durch Kampfbegriffe. Das wird durch einen reinen Faktencheck nicht einmal erfasst.“ Ein Praktikant hielt uns ein Tablett mit Kaffeebechern hin. Wir griffen zu. „So kommt es auch zustande, dass ein Faschist mit aller Unterwürfigkeit in einem groß angekündigten Interview seinen rassistischen Dreck vom Stapel lassen darf, ohne dass ein Redakteur einschreitet und ihm den Saft abdreht.“

Inzwischen hatte sich die Diskussion fortbewegt und war bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer angekommen. Der Schnösel verteidigte vehement die ermäßigten Steuersätze für Luxusgüter. Man verstand es nur nicht. „Offenbar ist er der Ansicht, wenn man Rennpferde nur steuerlich begünstigt, hat bald jeder Geringverdiener eines im Vorgarten stehen.“ Siebels sah gelangweilt, wie der Sessel den Talkgast durchrüttelte. „Und das hilft?“ „Das werden wir sehen“, brummelte er. „Zur Not muss man mit Druckluftfanfaren arbeiten, um den größten Müll zu übertönen.“ Ich sah das skeptisch. „Das würde aber das Studiopublikum doch ziemlich erschrecken, meinen Sie nicht?“ Der Produzent nahm einen Schluck von der kaffeeähnlichen Brühflüssigkeit. „Wer sagt denn, dass das Publikum die Druckluft abkriegen soll?“

Die Vibrationsmechanik hatte ihren Dienst getan, der Gast war bis beinahe zur Erschöpfung durchgerüttelt worden wie eine Dose Farbe im Baumarkt. Er konnte kaum noch stehen und musste von einer Assistentin in die Garderobe geführt werden. „Vermutlich wird er jetzt in seiner Lieblingszeitung mit den großen Buchstaben das Lied von der Einschränkung der Meinungsfreiheit jodeln“, sagte Siebels ungerührt. „Für die Fraktion ist ja jegliche Kritik ein Grundrechtsbruch, und dass sich keiner für ihr dusseliges Gerede interessiert, wollen sie vermutlich demnächst unter Strafe stellen.“ „Meinen Sie nicht, dass Medien hier ganz klar ihre Kompetenzen überschreiten?“ Siebels stellte den Becher auf den kleinen Tisch neben dem Mischpult. „Haben Medien die Aufgabe, als reine Verstärken den Schwachsinn und die Lügen von Soziopathen zu verbreiten, oder sollen sie das Ergebnis einer Differenzierung darstellen?“ „Das ist eine Frage der Darstellung“, wandte ich ein. Aber er ließ es nicht gelten. „Dann berücksichtigen Sie aber auch, dass Zuschauer intellektuell beschränkt sind.“ Und schon hatte der nächste Gast Platz genommen, ein älterer Herr mit aufgezwirbelten Schnauzbart. „Der deutsche Widerstand ist nötig“, schnarrte er. „Die Flüchtlingskanzlerin hat widerrechtlich die Grenzen geöffnet, um die…“ Wir zuckten unter dem lauten Knall zusammen. Der Alte verkrampfte sich röchelnd in die Armlehnen. „Er wird es sicher überleben“, stellte Siebels fest. „Sehr gut, das gefällt mir. Sie haben meine Idee wirklich zu Ende gedacht, ich sehe eine deutliche Differenzierung, was die Aussagen angeht und ihre Tragweite.“ Er blickte auf die Liste, die auf dem Tischchen lag, und dann über die Schulter. „Nehmen Sie auch noch Kaffee? Gleich geht’s um Klimawandel.“





Kuscheljustiz

22 07 2019

„Geben Sie mir noch eine Minute.“ Siebels lutschte hektisch an seinem Hustenbonbon, während der Aufzug gerade herabgerauscht kam. „Wir nehmen einfach den nächsten.“ So spät war in der Redaktion sonst nichts mehr los, die Moderatoren prüften ihre Moderation, die Gäste saßen bereits in der Maske oder telefonierten an, wie weit sie sich verspäten würden. Der ganze Stab von Das wird man doch wohl noch sagen dürfen war in heller Aufruhr. Irgendjemand würde die Sendung retten müssen.

„Genau das erwarten sie von uns“, knurrte der Produzent. „Eine Woche lang gurkt dieser ganze Haufen unprofessioneller Vollidioten herum, nichts funktioniert, und wir dürfen dann die Kastanien aus dem Feuer holen.“ Der Aufzug war im zehnten Stock angekommen. Die Türen öffneten sich. Der Richtungsanzeiger für die Talkshow wies nach ganz rechts. „War ja zu erwarten“, sagte ich lakonisch. Siebels nickte. „So habe ich es auch in Erinnerung, aber ich möchte gerne wissen, warum sie uns jetzt noch herholen. Anscheinend stimmt etwas nicht mit den Gästen.“ Frau Doktor Hüserich war dann auch entsprechend sprachlos. „Furchtbar“, jammerte sie, „es ist wirklich furchtbar! Wir können die ganze Sendung gar nicht mehr machen! Es gibt da auf einmal so viele Bedenken, ich weiß gar nicht, wo di alle herkommen!“

Die Kärtchen an der Pinnwand zeigten sämtliche Teilnehmer der Sendung. „Hannelore Bahsmann“, las ich. „Rechtsanwältin, die sich mit den Fehlurteilen den Justiz beschäftigt.“ „Lesen Sie die ganze Karte“, empfahl Siebels. „Frau Bahsmann wurde für die Aussage gebucht, dass die ganze Kuscheljustiz den deutschen Rechtsstaat zerstöre.“ „Das ist doch unsinnig?“ Frau Doktor Hüserich nickte. „Ja, aber Sie dürfen nie vergessen: man darf den Zuschauern nie sagen, dass sie dumm sind, aber man darf es auch nie außer acht lassen.“ Siebels legte die Stirn in tiefe Falten. „Sie ordern eine Strafverteidigerin, deren erste Aufgabe es ist, ihre Mandanten vor einem zu harten Urteil des Gerichts zu schützen, und wollen von ihr hören, dass die Gerichte nicht hart genug urteilen.“ Die Doktorin betrachtete sehr eingehend ihre Schuhe.

„Dann hätten wir da einen Kommunalpolitiker, der irgendwas mit Ausländern erzählen soll.“ Siebels sah sich die Karte nicht einmal an. „Das ist schließlich die Aufgabe von Kommunalpolitikern.“ „Aber entschuldigen Sie mal“, begehrte ich auf, doch er winkte nur müde ab. „Ich meine das in Bezug auf Talkshows. Oder haben Sie dort von denen jemals etwas in anderem Zusammenhang gehört?“ Ich schwieg betroffen.

„Unser Problem ist jetzt zunächst dieser junge Mann“, erklärte Frau Doktor Hüserich. „Er hatte in der letzten Woche einen schweren Autounfall, aus dem er wie durch ein Wunder gänzlich unverletzt herauskam, und jetzt hat er sich geschworen, nur noch im Sinne des christlichen Menschenbildes seiner Partei zu handeln.“ Siebels sah sich um; es gab keinen Kaffeeautomaten mehr, also musste er noch ein Hustenbonbon aus der Jackentasche holen. „Er sollte bei uns erklären, dass die Kriminalität in seinem Landkreis ansteigen würde, und jetzt ist er nicht mehr dazu bereit.“ „Sie haben die Statistik natürlich parat“, quetschte der legendäre TV-Macher an seiner Süßigkeit vorbei. „Es gab diesen spektakulären Fall von Steuerbetrug im letzten Jahr, oder täusche ich mich da?“ Bevor die Redakteurin etwas antworten konnte, fuhr Siebels ihr über den Mund. „Wie häufig sind denn Geflüchtete aus dem Sudan im Aufsichtsrat eines Finanzdienstleisters?“

Einzig der nächste Zettel versprach ein wenig Hoffnung. „Der Mörder kommt frei“, tönte die aufgeklebte Schlagzeile. „Ich erinnere mich.“ Siebels wusste, worauf ich hinauswollte. „Nach heutigen Maßstäben ein Soziopath, der ein paar Jugendliche provoziert und beleidigt hat. Leider hat er einen von ihnen den Mann ums Leben gebracht, nach dem Urteil des Jugendrichters ein Totschlag. Die Strafe ist abgesessen. Nur dieser Knalldepp hat es noch nicht begriffen.“ „Ich kann doch nicht den Chefredakteur eines…“ „Lassen Sie das meine Sorge sein“, sagte Siebels. „Sie laden ihn einfach ein und überlassen uns dafür die redaktionelle Verarbeitung.“

Der Aufzug war besetzt. Es gab hier keinen Automatenkaffee mehr. Dennoch war Siebels erstaunlich entspannt, als wir die Kabine bestiegen und wieder ins Foyer hinabfuhren. „Sie hat nicht ganz begriffen, dass ihr redaktionelles Modell mit der Wirklichkeit bricht und dass nur eins davon für den Zuschauer wirklich relevant ist. Nämlich die Wirklichkeit.“ Er zog ein neues Hustenbonbon hervor. „Was hatten Sie denn da noch so eilig in der Redaktion zu tun?“ Siebels steckte sich das kleine knisternde Stück Einwickelpapier zurück in die Tasche. „Ich habe etwas an der Anmoderation gearbeitet. Diese Sprechpuppen im Fernsehen sind ja ohne ihre Pappkärtchen gar nichts.“ Es klingelte, die Tür ging auf. Applaus brandete auf vor dem Titelgedudel. In der Eingangshalle liefen schon die Monitore und zeigten live das Abendprogramm. „Guten Abend“, knödelte der Moderator. „Das werden wir ja sehen“, murmelte Siebels. Die Titelmelodie verebbte. „Wozu noch Wahrheit, wenn wir sowieso alles besser wissen? Können wir den Arschlöchern, die für uns im Publikum sitzen, die Wirklichkeit zumuten? Herzlich willkommen bei Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!“ Siebels steckte die Hände in die Hosentaschen. „Und genau jetzt wissen Sie wohl, warum es Talkshow heißt.“





Aber fair

3 07 2019

„… auf die Befindlichkeit vieler Zuschauer Rücksicht nehmen müssten, da sie als öffentlich-rechtliche Medien die Meinung der schweigenden Mehrheit zu…“

„… künftig mehr Vertreter der AfD in die Talkformate einladen wolle, da diese bisher stark unterrepräsentiert gewesen seien. So habe es bis vor wenigen Jahren noch gar keine öffentlichen Auftritte der völkischen Bewegung gegeben, wie Gauland moniere, und dieses müsse jetzt für die nächsten Jahrzehnte proportional…“

„… noch nicht von einem Schulterschluss sprechen wolle, aber schon darüber nachdenke, der Partei in jeder seiner Publikationen eine eigene Kolumne zu geben, in der diese ihren Standpunkt möglichst…“

„… bisher nicht als Holocaustleugner in Erscheinung getreten sei. Dies reiche den meisten Redakteuren inzwischen, um als Gast in der Talkshow über…“

„… hätten die Grünen als Verbotspartei keinen Anspruch darauf, in der Öffentlichkeit die über sie geäußerten Vorurteile zu zerstreuen. Die öffentlich finanzierten Medien seien von allem durch den Minderheitenschutz und ihre…“

„… einmal wöchentlich eine Veröffentlichung des Springer-Konzerns chefredaktionell betreuen werde. BILD werde mit einer Ausgabe unter der Führung von Steinbach beginnen und dann alle fünf bis sieben Tage einen…“

„… nur in Ausnahmefällen zu Konflikten komme, etwa bei zu stark historisch belasteten Themen. So habe sich die Redaktion von Maischberger zunächst sehr skeptisch gezeigt, als die Kriegsschuldfrage und die jüdische Beteiligung am Überfall auf den Sender Gleiwitz in einem Zusammenhang mit dem…“

„… dass die öffentlich wahrgenommenen Spannungen zwischen der Welt und anderen für ein gebildetes Publikum produzierten Medien eher zugenommen hätten. Die Herausgeber seien allerdings der Meinung, keine explizit rechten und verfassungsfeindlichen Gäste in ihrem Blatt dulden zu müssen, da sie dieses auch ohne fremde Hilfe in bemerkenswerter…“

„… fordere Höcke die Ausmerzung des bolschewistischen Schrifttums in Deutschland, um die Volksaufklärung in ihrer historisch bestimmten Bedeutung wieder zu ihrer unerbittlichsten Größe führen zu können. Die Redaktion von Hart aber fair könne sich durchaus eine monatliche Sendung mit national gefärbtem Inhalt vorstellen, wolle vorher aber die Werbekunden des Senders um eine politisch neutrale…“

„… durchaus Meinungsfreiheit herrsche. Sollte die SPD sich angegriffen fühlen, wenn Gauland sie in einer Sendung von Maybritt Illner als degeneriertes Verräterpack bezeichne, das auf den Misthaufen der Geschichte gehöre, so stehe es den Sozialdemokraten selbstverständlich frei, sich in einer der zahlreichen Tageszeitungen, die sich im Besitz der SPD befänden, zur Wehr zu…“

„… nur noch gemäßigte politische Inhalte zulassen wolle. Meuthen wolle dies nach der Sendung Islam, Linke, Gutmenschen – Deutschland im Würgegriff der Volkszerstörer durch eine gemeinsame Strategiediskussion mit der Identitären Bewegung und der ZDF-Chefredaktion im…“

„… nutze die AfD zwar ein angeblich durch Zwangsgebühren finanziertes System, wolle dies aber solange tolerieren, wie sie auf dem Weg der Machtergreifung die…“

„… sich zunehmend gegen Koalitionen mit der Alternative für Deutschland positioniere. Die Redaktion von Hart aber fair habe dies zur Kenntnis genommen und angekündigt, in Zukunft weniger Mitglieder der Union in ihre Sendung einzuladen. Anders als oft geäußert bestehe weder eine Verpflichtung zum Proporz noch zur Berücksichtigung gewisser Parteien, nur weil diese den größten Teil der Wählerschaft im…“

„… wolle auch die FDP sich der Agenda anpassen. Als Vorsitzender der führenden deutschen Wirtschaftspartei wolle Lindner unbedingt eine Sondersendung, in der er berichten könne, wie oft er schon in der Schlange beim Bäcker von arbeitslosen ausländischen Flüchtlingen mit…“

„… Springer eine Ausgabe mit der Schlagzeile Wie uns der Jude wirklich zerstört nicht in den Verkauf habe geben wollen. Man sei sich jedoch einig geworden, das Exemplar bei der nächsten Gratisverteilung in alle deutschen Hausbriefkästen zu…“

„… Teile der CSU sich für eine Kooperation interessierten. Solange sie nicht selbst die Themen der Talksendungen bestimmen müssten, seien sie bereit, sich mit den gewünschten Gästen in jede…“





Morbus Glotz

24 04 2019

„… herausgefunden hätten, dass zu langes Fernsehen dem Langzeitgedächtnis schaden könne. Die amerikanischen Wissenschaftler seien nach wenigen Monaten durch eine groß angelegte Studie auf den…“

„… von Gauland bestätigt worden sei. Er habe dazu erst am Vortag eine Sendung gesehen, wisse aber leider nicht mehr, wer wann und auf welchem Programm die…“

„… Nachrichtensendungen nur noch in sehr kurze Einzelblöcke teilen wolle. Es sei für die Sender der Pro7-Sat.1-Gruppe wesentlich, dass kein Beitrag mehr als eine Minute inklusive der Anmoderation und einem…“

„… nicht geklärt worden sei, ob die Probanden der Fernsehsendung nicht mehr gefolgt oder aus Müdigkeit das Interesse an der…“

„… könne wenigstens im deutschen Fernsehen Dieter Nuhr als Störfaktor ausgeschlossen werden, da ein Großteil der Zuschauer dessen Sendungen ausschließlich konsumiere, um hinterher keine Erinnerungen mehr an die…“

„… müsse allerdings bei modernen Fernsehern berücksichtigt werden, dass häufiges Umschalten der Kanäle zur diskontinuierlichen Wahrnehmung der medialen Inhalte führe, wie sie auch bei neuronal geschädigten Patienten in der…“

„… zeige sich bei den Beispielen eine von den Medien unabhängige Verminderung der Intelligenz durch muslimische Zuwanderer. Auch vor einer blutsmäßigen Durchmischung der Rassen sehe Sarrazin bereits eine signifikante Minderung des…“

„… werde RTL das Zeitfenster auf vierzig Sekunden schließen, wobei durch eine längere Anmoderation durch Influencer bereits die Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne auf wenige…“

„… nachdem zahlreiche Faktoren wie Alkohol- und Tabakkonsum herausgerechnet worden seien. Es habe sich in einer ersten Testreihe gezeigt, dass die Erinnerung der Zuschauer für die Anzahl der getrunkenen Gläser Bier wesentlich genauer sei als für den Inhalt einer Abendshow mit dem…“

„… der längere Verbleib vor dem Fernseher neurodegenerative Prozesse fördere, die zu einer fortschreitenden Orientierungslosigkeit führen würden. Dieses führe im Gegenzug zu einem ungewollten Verharren vor dem Fernsehapparat, was zu einer noch stärkeren Einschränkung der Orientierung führe, was dann zu einem ungewollten Verharren vor dem…“

„… dass sich die Intervalle zwischen zwei Werbepausen als maximale Gedächtnisspanne herausstellen würden. Die Wissenschaftler hätten daher angeregt, einen Kontrollversuch in einem Kino durchzuführen, in dem keine…“

„… dass das Betrachten eines Liveberichts vom AfD-Parteitag ähnliche Wirkungen wie eine Lobotomie entfalte. Andererseits sei diese Art von Fernsehprogramm sowieso nur für solche Zuschauer geeignet, die ohnehin weder ein intaktes Langzeitgedächtnis noch andere kognitive Formen von…“

„… an der sprachlichen Struktur liege, die es mit zunehmender Sendedauer immer schwieriger mache, komplexe Inhalte zuschauergerecht zu kommunizieren. arte habe daher bereits ins Auge gefasst, längere Features über die Abholzung des Regenwaldes oder die Geschichte der flämischen Malerei durch Grunzlaute sowie eine australische Krimiserie durch getanzte Untertitel und…“

„… schlage Spitzer ein strafbewehrtes Verbot aller Unterhaltungsgeräte vor bis hin zu E-Books und Kaffeemaschinen mit elektronischer Anzeige. Dann werde eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Fernsehen in der für die christlich-abendländischen Kultur angemessenen…“

„… keine Entschuldigung darstelle. Dennoch müsse gerade der Nachrichtenbereich dafür Sorge tragen, dass durch zu viele negative und emotional aufgeladene Inhalte eine starke Verkürzung der Aufmerksamkeit provoziert werde. Die größte Verantwortung für den Tatbestand liege demnach bei der Politik, die nicht durch entsprechende…“

„… als Morbus Glotz bezeichnet werde. Spahn sei jedoch am Rande der Debatte entgangen, dass es sich lediglich um eine ironische Bezeichnung für den…“

„… eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben habe, dass der durchschnittliche Deutsche nicht mehr in der Lage sei, Nachrichtenbeiträge von mehr als zehn Sekunden ohne eine…“

„… politische Beiträge künftig von Mario Barth erklären lassen wolle. In einer Pilotsendung habe sich der Komiker selbst jedoch schwer getan, die Zusammenhänge zwischen Witterungseinflüssen und Getreidepreisen schlüssig in einem einzigen Satz zu…“

„… neue interaktive Formen der Informations- und Wissensvermittlung nutzen müsse. Spitzer schlage vor, das Fernsehen auf einfache bunte Texttafeln zu reduzieren, die der Betrachter erst nach mehreren Minuten Lektüre und einer inhaltlichen Verstehenskontrolle weiterschalten könne, um so Schritt für Schritt komplexere…“

„… aber nicht genannt werden wolle. Als Chefredakteur einer großen deutschen Zeitung mit vielen Bildern sei er davon überzeugt, dass das Lesen von Printmedien pädagogisch viel besser und informativer sei als der Konsum von zu viel…“