Puppenleicht

21 02 2017

„Die Würde des Menschen ist halt unantastbar, und das beginnt im Kindesalter. Sie brauchen gar nicht so zu gucken, wir ziehen das jetzt durch. Mir ist das egal, ob sich der Hersteller darüber beschwert – als Bundesregierung sind wir verpflichtet, die Rechte der Menschen in Deutschland zu… –

Also der Deutschen. Diese Asylanten brechen zum Glück noch nicht als Tsunami über uns hinein, um ihren Kindern als erstes eine Petzpuppe zu finanzieren. Halten Sie mich nicht vorschnell für einen Gutmenschen, aber die Mehrheit von denen ist zuerst an der Versorgung mit Lebensmitteln und Wohnraum interessiert. Zuerst. Was Deutschland als wirtschaftlich funktionierendes Land dann natürlich an Begehrlichkeiten bei seinen Invasoren auslöst, das dürfen Sie mich nicht fragen. Das bestimmt die Wirtschaft, und da sind wir als Bundesregierung absolut überzeugt, dass die überhaupt nie keine unmoralischen Methoden nicht anwenden würden, um das Bruttoinlandsprodukt zu steigern. Wie auch immer. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Klar, mit TTIP könnte der Hersteller wenigstens die Bundesrepublik verklagen. Cayla ist wenigstens in Deutschland nicht offiziell als Spionagewerkzeug zugelassen, deshalb sollten wir da auch nicht so einen Aufriss veranstalten – Sie sehen mir das nach, ich habe den kapitalistischen Klassenfeind solange bis aufs Blut bekämpft, bis er mich in Westmark bezahlen konnte – und etwas weniger hysterisch reagieren. Bei Schnürsenkeln schreit auch jeder sofort wegen Dual-Use, nur weil man dieselben Dinger für Soldatenstiefel und Zivilbotten nehmen könnte. Da macht ein ausländisches Unternehmen eben eine Feldstudie über deutsche Familien, und alle regen sich auf?

Jetzt bringen Sie da nicht alles durcheinander. Dass man den Asylanten ihre Telefone abnimmt, das ist Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur. Die Würde des Menschen bezieht sich meiner Meinung nach vorwiegend auf die, die man auch als solche bezeichnen kann. Wenn Sie als volksfremdes Element einreisen, müssen Sie sich nicht wundern, wenn man gewisse konstitutionelle Überlegungen praktischer Natur anstellt, um sich zu vergewissern, dass Sie diese Form von Menschenwürde überhaupt verdienen. Da werden Sie halt mal ausspioniert. Das ist in den USA auch so, seitdem dieser, sagen wir mal, demokratisch gewählte Typ da tut, was er schon vor der Wahl versprochen hat. Sie müssen ja nicht in die USA einreisen. Wenn Sie zum Beispiel einen Doppelpass haben, können Sie auch in Ihre andere Heimat zurückkehren.

Regen Sie sich auf? Wir haben damals auch eine Klassenlehrerin gehabt, ich erinnere mich ganz genau, die hat alle paar Wochen gefragt, wie denn die Uhr bei den Abendnachrichten aussieht. Einfach mal so. War aber recht erfolgreich, teilweise hatten wir in einem Schuljahr ein Drittel weniger Feinde der friedlichen Entwicklung des Sozialismus auf deutschem Boden. Die haben nicht studiert, die hatten Karrierechancen bei der Straßenreinigung.

Natürlich ist das in der aktuellen kulturell sehr aufgeheizten Debatte schwierig. Sie sprechen in der Öffentlichkeit Arabisch, schon hält einen der Bundesinnenminister durch fachlich gut geschulte Mitarbeiter für einen Attentäter. Auf der anderen Seite müssen Sie auch die Methoden verstehen, mit denen die regierenden Sicherheitsbehörden uns als Bürger gegen unsere eigenen kontraproduktiven Gedanken zu schützen versucht. Man googelt nach einem Schnellkochtopf, Buchweizengrütze, einem Rucksack und Bergtouren, und schon darf man als Bombenleger nicht mehr die EU verlassen. Das geht ja inzwischen puppenleicht.

Aber Sie müssen die Bringschuld verstehen, die die Asylanten in unserem demokratischen Staat zu leisten haben. Die müssen porentief rein sein, wie Waschmittelreklame aus der Adenauerzeit, und kein Stäubchen darf auf deren Gesinnung liegen. Die müssen im Einbürgerungstest Mittelgebirge nennen können, von denen kein deutscher Abiturient jemals den Namen gehört hat. Vorbildlich. Sonst läuft hier absolut nichts. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, da ist auf dem Telefon eine Datei mit der deutschen Nationalhymne, vielleicht noch die dritte Strophe, Zitaten von Heinrich Heine bis Jürgen Habermas, einem Abriss der Geschichte des Althochdeutschen, allen Fußballtoren seit Konietzka und dem Bonner Kommentar einschließlich Fußnoten. Muss sich das unsere Volkswirtschaft bieten lassen, wenn wir nur Fabrikarbeiter und Pflegekräfte suchen?

Wir haben das schon richtig gemacht. Man muss doch auch mal an die Kinder denken. Und wenn es um die Möglichkeit von Sozialbetrug geht oder beispielsweise die Islamisierung der deutschen Weihnachtsmärkte, da muss man rechtzeitig einen Riegel davorschieben. Stellen Sie sich mal vor, die Puppe fragt Ihre Kinder, was die sich wünschen, und sie sagen: wir wollen in den Skiferien nach Mekka! Da muss man doch Angst haben, wie der Niedergang der abendländischen Kultur sich ungehindert beschleunigt, oder?

Natürlich ist das ein Bruch der Grundrechte. Dass man Menschen diskriminiert, nur weil sie aus Ländern kommen, die auf einer Liste stehen – das ist in der westlichen Welt zwar nicht gerne gesehen, aber man hat ja nicht immer alle Augen offen. Daher sind wir als Bundesregierung in unserem Verhalte auch absolut konsistent und machen keine Zugeständnisse. Weder bei Cayla noch bei diesen Asylanten. Wegen der deutschen Menschenwürde. Warum? Ach, ein Teil der Gesetzgebung könnte Sie verunsichern.“





Uppsala!

20 02 2017

„… komme es möglicherweise zu Lieferengpässen. Andererseits würden die Vereinigten Staaten nur so wenig Knäckebrot importieren, dass Kanada und die afrikanischen Staaten noch ausreichend…“

„… es im Textilmuseum von Borås zu Schäden an der Beleuchtungsanlage gekommen sei. Die Reparatur sei jedoch ein rein nationales…“

„… dass Gerüchte, die Wiedervereinigung von ABBA betreffend, höchst übertrieben seien. Ein Exklusivkonzert in der US-Botschaft sei daher mehr als…“

„… wolle Carl XVI. Gustaf internationale Forscherteams zur Fortbildung nach Schweden einladen, um die Einflüsse des Klimawandels auf die Land- und Forstwirtschaft zu…“

„… an den Ufern des Hornborgasjön seit längeren keine größere Kranichpopulation gesichtet worden sei. Dies liege vor allem daran, dass die amerikanische Delegation vier Wochen zu früh…“

„… dass es am Smörgåsbord im Posthof von Lidköping keine eingelegten Gurken gegeben habe. Das Fremdenverkehrsbüro stehe kurz vor dem…“

„… aber noch keine Rückrufaktion geplant habe. Das Handschuhfach des Volvo S90 könne durch den kostenfreien Austausch der Klemmfeder innerhalb weniger…“

„… eine Sturmwarnung ausgegeben worden sei, die jedoch keine Auswirkungen auf die lokale…“

„… es in Schweden keine Ortschaft namens Bowling Green gebe. Das Außenministerium habe den Botschafter umgehend…“

„… im Nationalpark Stora Sjöfallet einen Touristen, der eine Bonbontüte aus Cellulosehydrat ohne erkennbaren Vorsatz neben einen Müllkorb geworfen habe. Er sei jedoch nicht deshalb streng ermahnt worden, weil er aus den…“

„… seien mehrere Fahrkartenautomaten der Flygbussarna Airport Coaches AB Text nicht in der Lage, Zwei-Kronen-Münzen herauszugeben. Es sei jedoch zu keiner Zeit die prognostizierte Implosion des Universums zu…“

„… in sämtlichen europäischen Medien auf den Titelseiten erschienen sei. Im Gegensatz dazu habe die in der Serie Mannen som gör vad som faller honom in erschienene Karikatur so gut wie kein Aufsehen außerhalb der…“

„… schwerwiegenden technischen Problemen gekommen sei. Thörnquist habe den Wettbewerb als ältester Sänger fast nicht mehr zu Ende…“

„… es in allen Filialen der Inköpscentralernas Aktiebolag Hummus zu kaufen gebe. Das sei laut der römisch-katholischen Kirche in Schweden noch kein Anzeichen für eine Islamisierung des…“

„… dass die Hauptfassade von Schloss Drottningholm einen schimmelresistenten Anstrich bekomme. Die Kosten habe das Riksdagshuset einstimmig…“

„… werde die Stahlindustrie bei steigenden Strafzöllen bis auf Weiteres keine schwedischen Gardinen mehr nach…“

„… zwischen Katterjåk und Riksgränsen aus Witterungsgründen gesperrt worden sei. Es gebe hingegen keinen Hinweis, dass die Schneeverwehungen von Islamisten…“

„… sich der Flugkörper über der Hauptstadt als Drohne vom Typ Karlsson…“

„… einen Anstieg grausamer Gewaltverbrechen verzeichnet habe, so dass die Bundespolizei von fünfzig und mehr Attentaten zu je hunderttausend Trilliarden Todesopfern ausgehe. Andererseits habe der Präsident vor seinem letzten Entzug ein Buch von Stieg Larsson in seiner…“

„… habe einen Fahrer verfolgt, der angetrunken ein Kraftfahrzeug in Stockholm entwendet habe. Ein terroristischer Hintergrund sei auch nach Abschluss der Ermittlungen nicht…“

„… die Öffentlichkeit betrogen habe. Es gebe in Schweden gar kein Präsidentendekret, dass jedes Mädchen ihr eigenes Pferd in die…“

„… es keine Anzeichen für die Islamisierung der Klosterkirche von Eskilstuna gebe. Auch eine Nutzung für antiamerikanische Umtriebe sei nicht…“

„… die Besteigung der westschwedischen Tafelberge nicht durch ausländische Eroberer im zehntausendsten Jahrhundert vor…“

„… einen Vize-Weltmeistertitel erreicht habe. Die Fußballnationalmannschaft der Vereinigten Staaten dagegen sei durch eine Verschwörung auf internationaler Ebene nie in die Nähe einer…“

„… ein Drittel der EU-Bevölkerung ausgelöscht habe. Conway wisse, dass der Dreißigsekündige Vernichtungsangriffskrieg nur deshalb nicht stattgefunden habe, da er in der Lügenpresse nie…“

„… das politische System Schwedens sich noch immer von anderen westlichen Regelungen unterscheide. Die Regierung betrachte dies als eine Provokation, die nur durch eine atomare…“

„… habe die Polizei einen Migranten mit schwerer Persönlichkeitsstörung festgenommen. Er habe sich mit einer blonden Perücke und…“

„… sich nach Erkenntnis der Regierung 100% aller schwedischen Straftaten in Schweden ereignen würden. Als Anführer der NATO werde man die zeitnahe Vernichtung der…“

„… mit Verletzungen ins Mount Sinai Hospital eingeliefert worden seien. Sie hätten in der Küche von Hjalmar Soderborg III. beim Öffnen einer Dose Surströmming lebensgefährliche…“





Schutzmännchen

15 02 2017

„Irgendwie kann man es aber auch verstehen, dass Polizisten jetzt besser geschützt werden.“ „Wovor denn?“ „Die armen Beamten müssen doch die total verfehlte Politik ausbaden, die diese Regierung macht.“ „Also etwa ein Gesetz, das Polizisten besser schützt?“

„Wir sehen doch, das ist statistisch bestätigt!“ „Was stört Sie eigentlich an der aktuellen Kriminalstatistik?“ „Nichts, die ist schließlich wahr, weil sie offiziell ist.“ „Dann haben Sie gelesen, dass Angriffe gegen die Polizei seit Jahren zurückgehen, oder?“ „Das ist Ihre Interpretation.“ „Das sind die nackten Zahlen.“ „Wir haben aber immer mehr Widerstand gegen die Staatsgewalt!“ „Den Begriff gibt es nicht mehr.“ „Im Strafgesetzbuch heißt es aber immer noch so.“ „Es heißt: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.“ „Das ist dasselbe.“ „Ich darf kurz aus dem Paragrafen zitieren: ‚Die Tat ist nicht nach dieser Vorschrift strafbar, wenn die Diensthandlung nicht rechtmäßig ist. Dies gilt auch dann, wenn der Täter irrig annimmt, die Diensthandlung sei rechtmäßig.‘“ „Keiner mag Klugscheißer, klar!?“ „Ein Polizeischutz für die Schutzpolizei ist also plötzlich auch dann strafbar, wenn sich nicht vollstreckende Vollstrecker auf einmal mit Widerstand konfrontiert sehen?“ „Das ist mal wieder eine ihrer linken Nebelkerzen!“

„Sonst hatten Sie für den Justizminister auch nicht immer viel übrig.“ „Der ist ja auch gelernter Nichtjurist. Aber hier macht er ausnahmsweise mal etwas richtig.“ „Das Gesetz kommt doch eigentlich aus dem Innenministerium.“ „Aha, Sie meinen, de Maizière macht Männchen?“ „Schutzmännchen.“ „Jetzt lassen Sie mal Ihre Spitzfindigkeiten, der Innenminister hat’s auch nicht leicht. Der ist für die innere Sicherheit zuständig, dem darf man nicht mit der Verfassung kommen.“

„Warum wurde dieses Gesetz nur so plötzlich durchgepeitscht?“ „Weil sich eine große Mehrheit dafür ausgesprochen hat, dass man unsere Polizei endlich schützt!“ „Welche Mehrheit?“ „Also die der Gewerkschaften!“ „Welcher Gewerkschaften?“ „Die Polizeigewerkschaften, verdammt noch mal!“ „Es reicht in Deutschland, wenn ein Berufsverband lustige staatsrechtliche Ideen hat, und dann landet er nicht in der Psychiatrie, sondern in Karlsruhe?“ „Die Debatte um das gesellschaftliche Klima muss ja auch widergespiegelt werden. Wir brauchen ein Recht, das die Wirklichkeit abbildet!“

„Und wenn man beispielsweise Lehrer besser gegen Angriffe schützen würde?“ „Lustig, wie Sie Ihre Bildungslücken hier als Gutmenschengefasel verkaufen wollen.“ „Weil?“ „Bildung ist nun mal Ländersache, da können Sie als linker Schreihals nicht punkten.“ „Was hat das damit zu tun?“ „Der Schutz unseres Staates beruht auf Bundesgesetzen.“ „Man dürfte also einen Ministerpräsidenten straffrei abschlachten?“ „Was ist denn das für…“ „Ach nichts. Ich hatte nur gerade versucht, mich Ihrem Niveau anzunähern, aber die Kopfschmerzen sind es nicht wert. Vielleicht Busfahrer? oder Bahnschaffner?“ „Arbeiterpack? dieser Dreck ohne akademische Ausbildung kann gerne als Kandidat bei der Stalinistenpartei antreten, ansonsten sollen diese Parasiten die Fresse halten und meine Rente verdienen!“ „Immerhin ist die Deutsche Bahn ein Unternehmen in Staatsbesitz.“ „Deshalb geht auch bei denen nichts mehr! Dieser ganze Staat gehört doch hinter Schloss und Riegel, Gerichte und Finanzamt gleich mit, und die in Dresden lassen sich von diesen Linkschaoten gefallen, dass man einen…“ „Also sollten die Vertreter der öffentlichen Ordnung besonders geschützt werden?“ „Wer rettet uns denn, wenn der Islam Deutschland zerstören will? Es geht doch hier um humanitäre Werte!“

„Wen würden Sie besser vor einer Aushöhlung des geltenden Rechts schützen? Investmentbanker oder…“ „Mein Abteilungsleiter sagt, die braucht keiner, aber unser Chef, der Chef von dem Chef von dem Abteilungsleiter, der ist schon der Ansicht, da müsste man mal nichts tun.“ „Und was denken Sie?“ „Wir brauchen schon Gerechtigkeit für den kleinen Mann auf der Straße – deswegen ja!“ „Und deshalb muss man beispielsweise Erzieher nicht besser behandeln als Investmentbanker?“ „Soll ich das jetzt als Beleidigung auffassen?“ „Würde das Ihrem Bildungsstand entsprechen?“ „Ich sage es Ihnen mal ganz deutlich: es wird keiner gezwungen, diesen Beruf zu ergreifen!“ „Man könnte also auch auf das Pflegepersonal in den Krankenhäusern und Heimen und…“ „Die sollen einen ordentlichen Schulabschluss machen und zur Bundeswehr gehen, ist das denn zu viel verlangt?“

„Außerdem ist Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im Polizeidienst nur ein marginales Thema.“ „Warten Sie mal ab, bis wir hier alles voller Flüchtlinge haben.“ „Die typischen Täter sind Deutsche. Beispielsweise Fußballfans, Neonazis, die Flüchtlingsheime anzünden…“ „Anders kriegt man die ja gar nicht mehr weg hier aus Deutschland!“ „… und dann die Feuerwehr am Löschen hindern. Oder wo wir gerade beim Thema Dresden sind: Demonstranten fallen auch in das Ressort.“ „Eben, immer drauf! Anders lernen es diese Chaoten ja nicht.“ „Dass Straferschärfungen immer helfen, wissen wir alle, und dass Sie dies PEGIDA-Pack in den Knast schicken wollen, das macht Sie ja regelrecht sympathisch.“ „Ja, das nun nicht gleich, aber Sie müssen doch den rechtlichen Vorgang mal würdigen – so ein Gesetz, das hat Symbolkraft.“ „Dass das Symbolgesetzgebung ist, war klar.“ „Das hat Symbolkraft, weil wir in einer Zeit des Umbruchs sind. Mit Demokratie kommen wir nicht mehr weiter, deshalb müssen wir jetzt den gesellschaftlichen Wandel einläuten. Es muss sich doch etwas drehen in diesem Land!“ „Mit Gesetzen gesellschaftliche Veränderungen durchsetzen, wo war das zuletzt noch mal erfolgreich?“





Detailhandel

2 02 2017

„Guten Morgen!“ „Morgen, was darf’s denn sein?“ „Rosenkohl, so ein knappes Pfund. Und einen…“ „Haben Sie ein polizeiliches Führungszeugnis?“ „Bitte, was!?“ „Oder wenigstens einen Reisepass mit biometrischem Foto? Führerschein würde mir auch genügen, wenn Sie Ihren Personalausweis und vielleicht einen…“ „Sind Sie noch ganz bei Trost? Ich will hier einkaufen!“ „Ja, deswegen doch.“

„Sie geben mir jetzt sofort vierhundert Gramm Rosenkohl.“ „So kommen wir nicht weiter. Das würde die öffentliche Sicherheit enorm gefährden.“ „Hören Sie sich eigentlich selber zu, was Sie da für einen Schwachsinn von sich geben?“ „Gerade hier auf einem Wochenmarkt im öffentlichen Raum ist die Sicherheit gefährdet.“ „Rosenkohl!“ „Wenn ich Terrorist wäre, ich würde auch nach Rosenkohl fragen. Ich meine, können Sie sich etwas denken, das weniger Verdacht weckt?“ „Sie verkaufen mir jetzt auf der Stelle…“ „Und ich bin hinterher dran, mir hängen sie das an, dass ich, ohne es zu wissen, zum Terrorhelfer geworden bin. Die werden mein Geschäft auseinandernehmen, mich in Beugehaft stecken, und dann…“ „Sagen Sie mal, wollen Sie mich veralbern?“ „Man weiß doch heutzutage gar nicht mehr, wen man vor sich hat.“ „Soll ich mir meinen Rosenkohl im Supermarkt holen, ist Ihnen das lieber?“ „Der ist wenigstens videoüberwacht, da kann man die Türen abschließen, und die Polizei ist sofort zur Stelle, wenn so ein Gefährder wie Sie…“ „Wie haben Sie mich gerade genannt!?“ „Naja, Sie sind ein Gefährder.“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Ich kann Ihnen keine Straftat nachweisen, nicht einmal die Planung, geschweige denn ein Motiv. Sie sind gefährlich.“ „Bitte!?“ „Natürlich, immerhin wird man hinterher über Sie sagen, dass Sie Ihren Terroranschlag so perfekt vor der Polizei verborgen haben, dass man erst danach mit dem Ermittlungen wird beginnen können. Sie sollten sich schämen!“ „Jetzt wird’s mir zu bunt. Ich kaufe mein Gemüse im nächsten Supermarkt.“

„Dann rufe ich jetzt die Polizei. Können Sie mal kurz stillhalten?“ „He, was soll das!“ „Beweisfoto. Die Fahnder brauchen ja ein Bild für die Plakate und fürs Fernsehen.“ „Sind Sie noch ganz dicht? Sie werden das sofort löschen!“ „Sie könnten mir Ihren Personalausweis geben, dann ließe ich mit mir reden.“ „Sie löschen das jetzt!“ „Eben wollten Sie noch Rosenkohl, und jetzt machen Sie hier so ein Theater – finden Sie Ihr Verhalten nicht auch ein kleines bisschen verdächtig?“ „Was hat Ihre Hysterie mit Rosenkohl zu tun?“ „Da sehen Sie es doch! Kaum ist man wachsam, beobachtet das Geschehen und die Personen auf diesem Markt mit der gebotenen Vorsicht, wie es zum Beispiel der Bundesminister des Innern empfiehlt, und das wohlgemerkt auch unter Anwendung der bisherigen Gesetze, die man einfach nur ausschöpfen muss, anstatt immer nur Gesetze zu verschärfen oder aber neue zu fordern, kaum ist man ein bisschen mehr als sonst besorgt über die öffentliche Sicherheit, da werfen einem potenzielle Terroristen Hysterie vor. Braucht es deutlicheren Beweis, dass Sie eindeutig etwas zu verbergen haben?“ „Was wollen Sie denn von mir?“ „Zeigen Sie mir Ihren Ausweis, dann reden wir weiter. Ich kann Ihnen hier schließlich kein sicherheitsrelevantes Wissen verraten.“

„Gut, dann drehen wir jetzt den Spieß mal um. Sehen Sie das?“ „Ach, Sie sind von der… ich… das ist ein Missverständnis, das konnte ich doch nicht wissen, dass Sie…“ „Von wem haben Sie denn die Genehmigung für den Stand? und Ihren Rosenkohl, woher beziehen Sie den?“ „Vom Erzeuger.“ „Sie umgehen den üblichen Weg über den Großmarkt, interessant.“ „Aber…“ „Sehr interessant! Ihre Standgenehmigung hätte ich dann gerne mal.“ „Das ist vom Marktmeister, der…“ „Solche Leute kann man kaufen. Wahrscheinlich steckt der längst mit dem internationalen Terror unter einer Decke. Geben Sie mir Ihren Personalausweis.“ „Nein, ich werde Sie…“ „Wenn das eine Bitte gewesen wäre, hätte ich ‚bitte‘ gesagt.“ „Ich werde mich über Sie beschweren!“ „Tun Sie das. Es ist Ihr gutes Recht. Sie können beispielsweise auch einen Polizisten anzeigen, weil der Sie zusammengeschlagen hat. Es ist nicht mein Leben.“ „Wollen Sie mir drohen?“ „Aber nein. Fassen Sie das als Versprechen auf.“ „Ich rufe die…“ „Man was anderes: haben Sie auch Kundenbewertungen? Und kann man bei Ihnen die Ware innerhalb von vierzehn Tagen zurückgeben?“ „Sie haben wohl einen Knall!“ „Also das sieht das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz aber ganz anders. Im Internet geht das doch auch.“ „Wir verkaufen hier Lebensmittel!“ „Machen Sie mich doch nicht dafür verantwortlich. Ich habe nur ganz normal gefragt, ob Sie die gesetzlichen Richtlinien einhalten. Es geht hier nicht um irgendwelche total bescheuerten Gesetze, die gerade neu eingeführt wurden, es ist lediglich die Anwendung der bereits bestehenden.“ „Was wollen Sie denn jetzt?“ „Ich würde mit mir reden lassen, wenn Sie bescheinigen, dass es sich Rosenkohl handelt, der innerhalb der zulässigen Grenzwerte mit Schadstoffen belastet ist. Können Sie das?“ „Ja, der ist direkt vom Erzeuger.“ „Sehr gut. Dann nehme ich vierhundert Gramm.“ „Sonst noch?“ „Ist der Staudensellerie frisch? Dann bitte noch ein Bund dazu.“ „Bitte sehr.“ „Stimmt dann so.“ „Besten Dank!“ „Auf Wiedersehen!“ „Auf Wiedersehen. – Meine Güte, für die nächste Demo nehme ich wieder Eier.“





Great again

30 01 2017

„… mehr als zwanzigtausend Personen nach Deutschland kämen. Die Gefahr einer illegalen Masseneinwanderung sei jedoch verhältnismäßig gering, da alle einen gültigen Pass der Vereinigten Staaten von Amerika sowie eine…“

„… habe die Bundeskanzlerin ihre Zuversicht geäußert, dass die zahlreichen Immigranten eine Bereicherung für das Land sein würden. Etwaige Sprach- und Kulturbarrieren bei Personen aus zivilisations- und bildungsfeindlichen Schichten seien zu tolerieren, die Gefahr sei jedoch gering, da keine Amerikaner nach Thüringen, Sachsen und…“

„… es sich nicht um Kontingentflüchtlinge handeln müsse, um eine eigene Obergrenze zu beschließen. Seehofer werde diese persönlich mit dem US-amerikanischen Präsidenten bei seinem Staatsbesuch in…“

„… rechne das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit bis zu vier Millionen US-Bürgern. Es sei nach Einschätzung des Bundesinnenministers allerdings nicht damit zu rechnen, dass darunter auch Personen mit terroristischen…“

„… den jeweiligen Einwanderungshintergrund der Amerikaner betrachten müsse. Gauland wolle keinen italienischstämmigen Mafioso in seiner Nachbarschaft haben, deutsche und russische aber sofort mit…“

„… schnellstmöglich die Staatsbürgerschaft verliehen werde. Eine doppelte Staatsbürgerschaft stelle für Kauder kein Hindernis dar, da es sich bei US-Amerikanern in der Regel um ganz normale Menschen halte, die nur zufällig nicht in Europa…“

„… die Instabilität des Dollar und die seit Wochen andauernde komplette Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten die New Yorker Börse mehr als einmal bis kurz vor den Crash gebracht hätten. Petry habe die Migranten deshalb grundsätzlich als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet, die kein Recht hätten, sich hier…“

„… auch eine Reihe US-amerikanischer Hollywood-Stars emigrieren würden. Die deutsche Filmwirtschaft habe sich dafür eingesetzt, sie mit einer Blitzeinbürgerung in…“

„… unter den Einwanderern auch viele Afroamerikaner seien. Höcke warne vor einer Vermischung, die die Reinheit der europäischen Rasse und der blutmäßigen…“

„… nicht von den US-Bürgern zu unterscheiden seien. Dennoch halte de Maizière eine potenziell von Mexikanern ausgehende Terrorgefahr nicht für…“

„… die AfD im kommenden Wahlkampf von einer Bedrohung durch den amerikanischen Ausbreitungstyp sprechen wolle. Deutschland befinde sich inzwischen in höchster…“

„… könne man die Gewerbeneuansiedlung Silikonländle im Südwesten von Sindelfingen als gutes Beispiel einer gelungenen Integration ausländischer Arbeitnehmer in die deutschen…“

„… mit mehreren Tweets die Auflösung der NATO angekündigt habe. Das Auswärtige Amt habe sich dennoch nicht entschließen können, die Vereinigten Staaten von Amerika als unsicheres Herkunftsland zu…“

„… ein Highschoolmädchen nach dem anderen produziere, die Wirtschaft in der Bundesrepublik nur fördere, um den Deutschen mehr Arbeitsplätze wegnehmen zu können, und in weniger als 80.000 Jahren die deutsche Sprache durch amerikanisches Kauderwelsch ersetzen würde. Für Sarrazin sei damit der Untergang der Menschheit schon fast…“

„… und vor einer Aushöhlung der deutschen Sozialsysteme warne. Die SPD kritisiere, dass fast alle höher qualifizierten Emigranten nach Kanada reisten, nach Deutschland hingegen nur die…“

„… CSU-Generalsekretär Scheuer davor gewarnt habe. Es gebe jedoch keinen stichhaltigen Beweis, dass die Flüchtlinge nur gekommen seien, um den Bürgern des Freistaats Bayern ihren BMW aus der Garage zu…“

„… George Clooney und Matt Damon aus Hamburg beziehungsweise Köln gekommen seien. Sämtliche Nobelpreisträger, die die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft gefeiert hätten, seien auf der Gala unter dem Motto Make Germany Great Again als Mitglieder der nationalen…“

„… sie das deutsche Erbgut aus vorsätzlichem Vernichtungswillen so schädigen wollten, dass sich das Volk von diesem molekulargenetischen Krieg nie wieder erholen werde. Die seit 1933 von den USA planmäßig betriebene Anreicherung der Chromosomen mit jüdischen Genen führe, so der ehemalige Finanzsenator, bei einer Infiltration zur vollständigen Auslöschung aller…“

„… nochmals klargemacht, dass für Ausländer kein Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen bestehe, auch nicht für eingewanderte US-Amerikaner. Die Sozialdemokraten hätten beschlossen, dies im Wahlkampf zur Beruhigung ihrer Stammwähler ganz bewusst zu…“

„… die US-Botschaft mit einer zehn Meter hohen Mauer umgeben habe. Dies sei allerdings nur Trumps Wirtschaftsprogramm geschuldet, die Rechnung sei wie immer an die muslimischen…“

„… wolle Erdoğan seiner historischen Mission gerecht werden. Da osmanische Seefahrer den amerikanischen Kontinent entdeckt hätten, sei er nun rechtmäßiges Erbe des Präsidenten von…“





Alternative Wahrheit

24 01 2017

„… darüber befinden wolle, ob der Thüringer Landeschef aus der AfD ausgeschlossen werde. Vorerst habe die Parteispitze nur beraten, einen Antrag auf Missbilligung des…“

„… angeregt habe, die Dresdner Rede aus Gründen der Beweissicherung noch einmal zu hören. Poggenburg wolle dazu für einen Tag das Berliner Olympiastadion…“

„… sich nicht dazu äußern wolle. Die von den Rothschilds finanzierten Terrorbomber, die im Auftrag des islamistischen Kapitals Dresden bei Tiefflügen unterhalb der Erdoberfläche zerstört hätten, seien nur von Linksfaschisten…“

„… dass zunächst nur eine Maßregelung des Parteimitglieds geplant sei. Der Landesverband berate, Höcke zu untersagen, Filmaufnahmen seiner Auftritte vor Rechtsterroristen ohne Passwortschutz ins Internet zu…“

„… jemanden wie ihn niemals als Nachbarn haben wolle, da er die deutsche Ehre mit dem Kot der Wehleidigkeit beschmutze und Verantwortung für sein schändliches Tun von sich weise. Im Gegensatz zu Friedman sei ihm Höcke jedoch…“

„… Poggenburg eine einfache Entschuldigung nicht akzeptiere. Da Höcke von der Öffentlichkeit inzwischen behandelt werde wie ein blutsmäßig nicht mit der Gesetzgebung des Deutschen Reiches zu vereinbarendes Schadelement, müsse die Partei ihm als Ausgleich zur erlittenen Schmähung eine Führerrolle im…“

„… spreche Meuthen sich für Höckes Verbleib in der Partei aus. Er selbst habe mit Antisemiten und Holocaustleugnern stets sehr gute Erfahrungen gemacht und empfehle den…“

„… schlage Gauland vor, stattdessen Petry, von Storch, Muhsal, Weidel, Pretzell und Pazderski aus der Partei zu schmeißen, da alle diese zusammen mindestens so rechtsradikal seien wie…“

„… dass eine Amtsenthebung zu schweren Verwerfungen führen könne. Andererseits könne auch nach einem Übertritt Höckes zur NPD auf die langjährige politische Freundschaft zwischen…“

„… keine Gefahr ausgehe. Sarrazin habe errechnet, dass bei der zu erwartenden Vermehrung des thüringischen Ausbreitungstyps Deutschland erst in 40 Milliarden Jahren mit Nationalsozialisten durchsetzt sei, was durch die vorher einsetzende Islamisierung jedoch kaum als realistisches…“

„… warne Meuthen vor dem Parteiausschluss, da dann die Proportionen der AfD-Flügel nicht mehr stimmen würden. Die Alternative wäre dann ein linksradikal und vegan-gegenderter…“

„… dass die AfD nach Höckes Dresdner Rede keine judenfeindliche Wahlwerbung mehr machen könne, da jede antisemitische Äußerung sofort ungerechtfertigt mit der judenfeindlichen Rede in Verbindung…“

„… habe 2015 aus der AfD entfernen lassen wollen. Petry sei damals gegen Lucke angetreten, um die Umwandlung der Partei in eine völkisch-nationale Rechte zu…“

„… in Deutschland für mehr multikulturelle Teilhabe sorgen könne. Mit Höckes Integration in den rechten Rand des rechten Flügels seien ab sofort nicht nur Flüchtlingsheime, sondern auch Synagogen, jüdische Friedhöfe oder…“

„… eine erste Abstimmung eindeutig gegen den Verbleib Höckes in der AfD ausgefallen sei. Die Bundesspitze der Partei habe dies jedoch nicht als Handlungsauftrag gesehen, da sie laut Parteisatzung sich nur in einer Opferrolle befinden könne, wenn sie nichts…“

„… die Meinungspluralität innerhalb der Partei zumindest solange gewahrt werden müsse, bis man sie in der völkischen Gesellschaft abschaffen könne. Die AfD dürfe nicht aus den Grenzen der linksgrünen Demokratiesimulation…“

„… sei ein eindeutiges Votum innerhalb der Parteispitze geeignet, Misstrauen beim Wähler zu erzeugen, da man Geschlossenheit als typischen Systemfehler der Altparteien und ihrer…“

„… man Höckes Meinung auch als alternative Wahrheit bezeichnen könne, die noch nicht mit der Faktenlage in der deutschen…“

„… man die erinnerungspolitische 180-Grad-Wende der Identitären nicht im Widerspruch stehe zu Petrys Entwurf einer geistig-moralischen…“

„… dass eine neuerliche Spaltung der Partei vermieden werden müsse. Es sei aus wahltaktischen Erwägungen nicht mehr möglich, die Zerstörung der Demokratie und ihre Ersetzung durch einen Führerstaat zu fordern, wenn die Konkurrenz die Einrichtung eines Führerstaates nach der Zerstörung der…“

„… sich die meisten Mitglieder, einschließlich Poggenburg, Meuthen, Gedeon, Gauland, Petry und Pretzell, für den Verbleib in der AfD ausgesprochen hätten, da sie laufende finanzielle Verpflichtungen, teilweise auch laufende strafrechtliche…“

„… aber nicht die ganze Partei umzubenennen. Höcke sei auch mit der Bezeichnung Junge Alternative zur Wahrheit nicht einverstanden, er führe dazu antisemantische Gründe ins…“

„… die Übernahme durch die NPD auf einem Vereinigungsparteitag in Dresden plane. Höcke sei zur Selbstkritik aufgefordert worden und müsse bis zur Entscheidung weiterhin auf Teneriffa unter den Krimigranten des…“

„… habe Kubitschek im Fall eines Ausschlusses angedroht, feindliche Altmitglieder durch seine identitäre Sturmabteilung zu…“

„… der Bundesvorstand sich zu einer scharfen Ermahnung durchgerungen habe. Höcke dürfe ab sofort nicht mehr ohne vorherigen Antrag den Holocaust leugnen, die Verpestung des deutschen Blutes durch Zionisten behaupten, den Islam als Religion bezeichnen oder das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vollinhaltlich…“





Bedeutungswandel

19 01 2017

„Dann ist die NPD jetzt also ungefährlich?“ „Ach wo – ganz gefährlich ist die, brandgefährlich!“ „Aber die haben…“ „Mordsgefährlich! da war die RAF ja direkt ein Kinderchor dagegen!“ „Das ist mir jetzt aber zu hoch.“ „Weil Karlsruhe erkannt hat, dass die Feinde unserer Demokratie nicht nur links stehen?“ „Was reden Sie denn da wieder für einen Blödsinn?“ „Also im Vergleich mit unseren Politikern ist das geradezu revolutionär!“

„Warum feiert man dieses Urteil als Sieg, wo es doch nur festgestellt hat, dass…“ „Das ist ja der Knackpunkt: das Bundesverfassungsgericht hat nach langer Prüfung mal etwas festgestellt.“ „Ist das nicht deren Aufgabe?“ „Hmnö. Bei den meisten Sicherheitsgesetzen, die die meisten Regierungen installiert haben, wusste man vorher, dass es sich um Sondermüll handelt. Da musste der Senat bloß noch eine Marke dranpappen.“ „Und jetzt?“ „Haben unsere Verfassungsrichter endlich ein glasklares Urteil über die politische Landschaft gesprochen. Das ist ein Maßstab!“ „Das Gericht hat eindeutig, da einstimmig gesprochen, dass ein Verbot dieser Partei nicht in Frage kommt.“ „Eben.“ „Und das feiert die deutsche Politik jetzt als Sieg?“ „Weil wir einen Maßstab haben.“ „Wofür denn, bitte?“ „Für Parteienverbote natürlich. Man kann sich doch als Rechtsstaat nicht alles bieten lassen.“

„Damit ich das richtig verstehe: die NPD wird als verfassungsfeindliche Organisation eingestuft, aber nicht verboten.“ „Das ist doch ein echter Sieg für unsere Demokratie, ach was – das sind neue Bewertungskriterien in Deutschland.“ „Was ist denn daran neu?“ „Dass man die NPD jetzt so wahrnimmt, wie sie ist, das ist in der aktuellen Lage geradezu ein Linksruck.“ „Wie bitte?“ „Wir haben es mit einem totalen Paradigmenwechsel zu tun. Jetzt steht endlich der Mensch im Mittelpunkt der politischen Bewertung.“ „Was reden Sie denn da die ganze Zeit für einen Unsinn? wo sehen Sie da den Menschen?“ „Bisher haben wir immer nur die Ideologien gesehen, jetzt wissen wir, es kommt auf die Menschen an, die sie verwirklichen. Das ist eine Art Bedeutungswandel.“

„Wenn die NPD also von ‚Volksgemeinschaft‘ spricht, dann…“ „… ist sie verfassungsfeindlich, da sie die Ideologie des Nationalsozialismus und dessen Sprache verharmlost, indem sie eine soziale Ordnung rechtfertigt, die auf dem Rassenwahn des Führerstaats aufbaut.“ „Und wenn Petry fordert, Begriffe wie ‚völkisch‘ ohne nationalsozialistischen Beiklang zu verwenden?“ „Das muss man ganz anders bewerten. Das ist ein klares Bekenntnis zur nationalsozialistischen Ideologie unter besonderer Berücksichtigung des Antisemitismus, der dann zum Völkermord geführt hat.“ „Oha.“ „Aber man darf da nicht so kritisch sein. Sie hat berücksichtigt, dass sie größtenteils zu geistig minderbemittelten Arschlöchern spricht, Soziopathen, arbeitsscheuem Gesindel, Schwerstalkoholikern, Kleinkriminellen, kurz: dem Abschaum.“ „Und was macht das?“ „Von denen geht keine Gefahr aus. Die müssen erst mal nüchtern werden und ihren Pfleger überreden, bevor sie eine Knarre in die Hand kriegen.“

„Dass Höcke jetzt in einer Sportpalastrede das Holocaust-Mahnmal als ‚Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt‘ bezeichnet, ist doch auch ein Angriff auf die Verfassung.“ „Aber natürlich, so war das ja auch gemeint.“ „Und diese Knalltüte ist nicht in der NPD.“ „Stimmt, auch wenn man es erst gar nicht bemerkt.“ „Das ist Antisemitismus, eine Verharmlosung des Holocaust, eine Schuldumkehr, die für gewaltbereite Rechtsextremisten geradezu typisch ist.“ „Ich stimme Ihnen da vollkommen zu.“ „Und das ist jetzt ein Sieg für die Demokratie?“ „Immerhin hat dieses kleine Brülläffchen ja auch gesagt, die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für sein Vaterland. Diese Partei sieht sich wohl ganz am Ende der Fahnenstange.“ „Und Sie nehmen das ernst?“ „Die AfD? selbstverständlich, das sind gewaltbereite Nationalsozialisten, die Deutschland in den nächsten Krieg führen wollen.“ „Dann geht von der Partei ein erhebliches Gefahrenpotenzial aus.“ „Aber sie sind noch nicht an der Regierung. Sehen Sie, das ist eben der Bedeutungswandel: ein Parteiverbot kann immer nur dann ausgesprochen werden, wenn diese Partei tatsächlich auch eine gewisse Bedeutung hat. Bei der NPD fehlt sie zum Beispiel.“

„Sie wollen also erst abwarten, bis eine Partei sich im Bundestag etabliert und ihre erinnerungspolitische Wende um 180 Grad vollzogen hat, bevor Sie in Erwägung ziehen, ob es sich um Rechtsextremisten handelt.“ „Nein, bei der AfD weiß man das jetzt schon.“ „Und wenn diese Partei doch plötzlich an der Regierung ist?“ „Dann haben die Deutschen ja immer noch ihr verfassungsmäßig garantiertes Widerstandsrecht.“ „Das nützt ihnen dann bloß nichts mehr.“ „Also niemand hat behauptet, dass Demokratie leicht ist.“ „Und dies Gekuschel mit gewaltbereiten Faschisten bezeichnen Sie auch noch als Linksruck?“ „Jetzt sehen Sie es doch mal positiv: selbst überzeugte Nationalsozialisten halten sich an die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts – ist das nicht eine gute Nachricht?“