Dienstfahrt

20 04 2017

„Aber nur vorübergehend. Nicht länger als zwei, höchstens drei oder vier, vielleicht sechs… Monate, nicht Wochen. Monate. Das muss schon gründlich gemacht werden. Wir können die Sicherheit unserer Mitarbeiter nicht gefährden. Jedenfalls nicht mehr als nötig.

Sie landen auf einem ganz normalen Flugplatz. Ja, es gibt eigentlich keine normalen Flugplätze in Afghanistan, aber für afghanische Verhältnisse würde ich das als annähernd normal bezeichnen. Die Beschusszeiten sind nicht immer so wie vorgesehen, manchmal schicken die Taliban auch ein paar Übungstrupps durch, dann muss man halt in Deckung gehen, aber so schlimm ist das auch nicht, wenn man’s überlebt. Die meisten überleben das, jedenfalls statistisch betrachtet. Wie Sie danach aussehen? Keine Ahnung, ich habe noch nie einen gesehen, der zurückgekommen ist. Ich kriege wohl immer die statistischen Ausnahmen.

Sie wohnen auch ganz normal. Richtig, im Zelt. Sie haben den afghanischen Normalitätsbegriff schon sehr gut verinnerlicht. Halten Sie sich daran, dann geht auf Ihrer Dienstfahrt gar nichts schief. Falls irgendwas gehen sollte, das kann man vorher auch immer nie so genau wissen.

Kamele haben wir da nicht mehr, nein. Das liegt aber nicht an der Finanzdecke des Ministeriums, es liegt an zu wenig Kamelen. Die Tiere sind auch nicht dumm, die gehen halt auch eher da hin, wo es nicht ständig knallt. Und dann kann ich Ihnen natürlich noch die anderen Fahrzeuge ans Herz legen, die sind auch alle ausrangiert, wie die Zelte, und wenn Sie sich mit der Technik ein bisschen auskennen, dann fällt Ihnen auch die Reparatur viel leichter. Aus den Achtzigern, manche auch etwas neueres Baujahr, nur eben nicht die modernen Fabrikate. Die sind bisweilen etwas störanfällig. Die alten bleiben nur im Sand stecken, wenn sie unbedingt müssen.

Es ist halt Afghanistan, das gilt als sicheres Herkunftsland. Da wird nicht viel investiert, da schickt man hin, was hier bei uns nicht mehr gebraucht wird. Wieso der de Maizière jetzt immer da ist? Wie soll ich denn die Frage verstehen? Ist der immer noch Verteidigungsminister? Oder warum fragen Sie? Nein, sagen Sie mal?

Sie können schon technische Geräte mitnehmen, aber dann übernehmen wir da keine Haftung. Sie müssen das selbst besorgen. Wenn es nicht sicher ist, warum sollten wir als Regierung uns da einmischen? So dürfen Sie nicht rechnen, das ist nicht statthaft. Wir dienen hier letztlich dem Steuerzahler, da können wir nicht alles bezahlen. Schon gar nicht für sichere Länder. Wenn wir denen nämlich die Sicherheit bezahlen, dann sind die vorher gar nicht sicher gewesen, oder? Oder? Sehen Sie, so denken die meisten nämlich gar nicht, aber das muss man, wenn man in einem deutschen Ministerium ist. Oder Karriere machen will. Oder Karriere machen will, um nicht mehr in einem deutschen Ministerium zu sein.

Ja, der Sand. Der ist kostenlos, Sie können da auch gerne ein bisschen mitnehmen. Ach, Sie meinen die Sicherheitsbedenken? Dass sich Autos da festfahren? Oder Flugzeuge? Sie haben Recht, deshalb werden auch Sie da hingeschickt. Und nicht die Ministerin. Das heißt, die schicken wir auch da hin, aber nicht da, wo es zu sandig werden könnte. Man muss da ganz andere Sicherheitsmaßstäbe anlegen. Das haben Sie schon ganz gut begriffen.

Und Sie haben Ihre Schulung abgeschlossen? Gut, dann sind wir raus. Wegen der Haftungsfragen, aber das hatten wir ja schon. Sie dürfen sich da auch keine zu großen Gedanken machen, das führt nur zu Angst, oder Sie sehen die Situation plötzlich unrealistisch. Wir als Regierung wissen, wovon wir da sprechen, glauben Sie mir.

Ich empfehle Ihnen diese Teilnahme schon aus Karrieregesichtspunkten. Wenn Sie das überstanden haben, dann überstehen Sie alles. Auch Seehofer im Ministerium. Oder einen Parteitag mit…

Darf ich Sie dann schon mal fest einbuchen? Und nur zur Sicherheit, wen sollen wir denn benachrichtigen? Ich meine, im Falle eines Falles?“





Störungsstelle

10 04 2017

„Erstmal Steglitz, obwohl das auch nicht sinnvoll ist, aber: dann haben wir erstmal Steglitz. Danach kann man immer noch mal sehen, wie wir das machen, nachdem uns einer das Problem erklärt hat.

Von wegen Gefahren. Man muss informiert sein, was aus einer Lage entwickelt werden kann, auch und gerade verwaltungsseitig. Der Bürger an sich ist meist nicht fähig, die Konsequenzen aus seinem Handeln für die Bundespolitik zu begreifen. Da muss die Bundespolitik für ihn als salvatorisches Fallbeil eingreifen, das werden Sie verstehen, oder?

Wenn wir jetzt nicht den Wannsee abriegeln, dann ist der Russe innerhalb weniger Stunden direkt im Reichstag und wird Merkels Pläne durchwinken, richtig? Da muss die Bundesrepublik… ja, ich sagte das schon. Also wir müssen das jetzt weiträumig abriegeln. Unsere Einsatzstelle ist natürlich in Alarmbereitschaft, wir haben das Grundgesetz immer auf dem Schreibtisch und sind besser aufgestellt als diese Typen aus der Regierung, ich kann mir die Namen von diesen Parteien nicht merken, aber so groß ist der Unterschied wohl auch nicht – jedenfalls braucht heute kein Mensch mehr diese Idioten, und wenn die Kohle stimmt, wer fragt da noch nach dem Grundgesetz? Schäuble? Machen Sie sich nicht lächerlich! Wir sind hier als realpolitische Einheit aufgestellt, also das, was der Cybermarsch von der Reichsgebärmutter nicht getrötet kriegt, und die Sicherheitspolitik ist… –

Wenn wir jetzt auch noch Wilmersdorf absperren, dann müsste Tempelhof… Nee, das ist zu kompliziert. Das kriegen wir auch logistisch nicht hin, schon von der Verhältnismäßigkeit, weil das ja kein Gefahrenbereich ist, und dann erzählt uns die Verwaltung hinterher wieder, dass das gar nicht hätte abgesperrt werden dürfen, wir haben ja gar keine unklare Sicherheitslage im Bereich Schmargendorf, deshalb könnten wir eigentlich nicht einmal stichprobenartige Kontrollen bei den Passanten durchführen, und wenn wir dann den einen oder anderen… Gut, wir sperren erstmal Tempelhof und Wilmersdorf, und dann sehen wir mal weiter.

Das sorgt schon für Unruhe, schließlich fühlt sich dann ein Teil der Bevölkerung als Störer und eskaliert vielleicht in die falsche Richtung? Wir haben ja keinen Bankraub, genau genommen liegt nicht einmal der Verdacht einer Straftat vor, da können wir jetzt keine Straßensperren in Mitte aufziehen, sonst wird uns die Polizeiführung wieder die Verhältnismäßigkeit der Lage erklären, wenn der Eingriffscharakter unserer Sperren oberhalb der einfachen Kontrollen liegen sollte, aber wir hatten ja auch nicht vor, die Anwohner direkt in ihren Wohnungen, beziehungsweise dann aus ihren Wohnungen heraus, aber das ist dann schon wieder ein anderes Problem. Das ist mit einer gründlichen Durchsuchung von Mitte nicht getan, da müssen Sie vermutlich gleich Friedrichshain-Kreuzberg mit abriegeln, und dann haben wir wieder das Problem, dass wir sehr viele Auswärtige mit drin haben, aber das kann Ihnen woanders auch passieren, insofern sehe ich das nicht als Problem. Also nicht in Bezug auf die Sicherheit. Rechtlich ist mir das egal.

Natürlich müssen wir auch präventiv tätig werden können. Oftmals ist es ja so, dass Sie eine Straße erst nach dem Unfall absperren – hätten Sie die früher abgesperrt, der Unfall wäre gar nicht erst passiert! Da denkt aber keiner dran, und wir müssen das dann ausbaden! Wenn da jemand flüchtig sein sollte, man muss ja immer mit allem rechnen, dann setzt der sich doch in Richtung Reinickendorf ab, und ehe wir hier in der Störungsstelle reagieren können, haben wir einen mutmaßlichen Straftäter, der den Behörden wahrscheinlich vorher schon bekannt gewesen sein dürfte, aber das sage ich ja immer: wenn man die Bürger zu gut überwacht, dann gibt es immer Straftäter, die einem schon vor der Tat bekannt waren, und dann sagen alle, wir machen unseren Job nicht ordentlich. Aus dem Dilemma kommen Sie erstmal wieder raus!

Pankow können Sie vergessen. Da soll’s in den letzten Jahren mal eine Demo gegeben haben, die Kollegen können Ihnen da Genaueres sagen, wir riskieren jedenfalls nichts. Kontrollen wären schon machbar, wir führen die auch durch, das heißt: wir lassen die durchführen. Wenn es doch vereinzelt zu Straftaten kommen sollte, rein theoretisch, dann ist das sicherer, und wir müssen nicht hinterher sagen, wir hätten es vorher kommen sehen. Man könnte beispielsweise die Infrastruktur abschalten, alle Ampeln auf Rot, dann stehen da ein paar Tausend Fußgänger, die lassen sich leichter kontrollieren als in Bewegung, und man könnte Verkehrspolizisten in den Bezirk senden, vielleicht als SEK getarnt, dann merken die Anwohner nicht sofort, worum es bei dem Einsatz geht. Das bedeutet automatisch mehr Rechtssicherheit für die Leute, die irgendwie nachweisen können, dass sie als Straftäter nicht in Frage gekommen wären, und dadurch natürlich auch eine vergrößerte Freiheit, die man als Bürger auch erstmal aushalten können muss. Das dürfen Sie nie vergessen, der Bürger gewöhnt sich daran, und dann müssen wir als Störungsstelle unter den gegebenen Umständen verhältnismäßig reagieren. Das ist auch so eine Sache, an die niemand denkt, und wir müssen mit der Entwicklung… –

Ein illegaler Download? In Friedrichsfelde? Bleiben Sie, wo Sie sind! Wir sperren zur Vorsicht Brandenburg!“





Kettenbruch

6 04 2017

„… noch keine Übereinkunft in Sicht sei. Bisher habe die Union nur beschlossen, Einbruchdiebstahl bis zur Bundestagswahl erheblich härter zu…“

„… nach Angaben der Polizei vor allem an der mangelnden Aufklärung von Einbrüchen liege. Wendt habe davon zwar keine Ahnung, wisse aber, dass auf jeden Fremdrassigen pro Jahr mindestens zehn bis wenigstens hundert schwere, teilweise republikgefährdende Widerstandhandlungen in Tateinheit mit fahrlässig begangener…“

„… und Fenster herstellen müsse, die man nicht aufhebeln könne. Maas werde noch vor der Sommerpause die deutschen Fensterhersteller auf eine freiwillige Selbstverpflichtung…“

„… die Banden mehrmals in einer Nacht zugeschlagen hätten. Die vielfach in den späten Abendstunden bereits angetrunkenen Schutztruppen seien nicht in der Lage gewesen, Beweismittel aus den…“

„… eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit sei. Man müsse bei weniger gefassten Straftätern die Haftdauer auf alle Verurteilten verteilen und gelange so automatisch auf die vorgesehene…“

„… sei die Abschreckungswirkung schon immer der beste Weg gewesen, die Kriminalitätsrate zu senken. Dies gelte zwar nicht bei Ausländern, sei aber in Deutschland ohne Zweifel eine…“

„… vorerst nur süddeutsche Fensterhersteller davon betroffen seien. In seiner Eigenschaft als Minister für Verbraucherschutz wolle Maas die Preise für den Endkunden, die durch geringe Vereinfachungen im Produktionsprozess entstehen würden, bis höchstens zum Zwanzigfachen des…“

„… das Modell der Abschreckungswirkung bei Flüchtlingen aus dem arabischen Kulturkreis nicht wirke, da dort seit Jahrhunderten keine deutsche Rechtsprechung als verbindliches Organ des…“

„… eine Steuersenkung durchführen wolle, da überhaupt nur die Besserverdienenden, da die anderen Bürger keine stehlenswerten Güter besäßen, die man mit subventionierten Maßnahmen vor dem Zugriff der…“

„… auch aus anderen EU-Ländern geliefert würden. Maas habe nicht gewusst, dass Waren in der Bauwirtschaft auch über die Binnengrenzen der Gemeinschaft hinweg und teilweise in erheblichem Maß zu normalen Handelspreisen für die…“

„… den Wohnungseinbruchdiebstahl rechtlich als Verbrechen behandeln, da die Polizei sonst nicht ermitteln müsse. Schuld an diesem Versäumnis sei laut Spahn die linkslinke Heterolobby, die nach der Zwangsverstaatlichung der Kirche und dem Verbot von Türschlössern ein Recht auf Arbeitslosigkeit propagiere, um mehr Zeit für kriminellen…“

„… dass Schilder mit der Aufschrift Wir müssen draußen bleiben nur bedingt geeignet seien, potenzielle Straftäter vor ihrer …“

„… die Zahl der Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr gesunken sei. Vor dem Hintergrund der vergangenen SPD-Parteitage wolle man jedoch keine belastbaren Fakten, sondern nur den…“

„… dass die Wiederholung als eigener Straftatbestand gehandhabt werde. Maas wisse zwar, dass der Kettenbruch-Paragraf nach der Wahl von Karlsruhe kassiert würde, habe sich aber, da dies erst nach der Wahl zur…“

„… eine Verkehrsdatenabfrage möglich sei. Wenn der mutmaßliche Einbrecher theoretisch aus Wachtendonk stamme, sei es nun durch eine lückenlose Überwachung der Telefonanschlüsse in Nordrhein-Westfalen für höchstens drei Jahre…“

„… sich nicht dazu äußern wolle, ob die Maut als Vehikel zur Kontrolle von Fahrzeugen, die als Fluchtwagen bei Einbruchdiebstählen, Raub, Mord, Störung der Religionsausübung, Falschparken oder…“

„… aber nicht heißen dürfe, dass die Polizei bundesweit besser ausgerüstet würde. Je nach Haushaltslage werde die Union überlegen, ob sich Videoüberwachung in allen Vorgärten als gutes…“

„… komme der Justiz die geringe Anzahl an verwertbaren Spuren durchaus entgegen, da nur durch diesen Umstand die mehrmalige Wiederholung des Wunsches nach Strafverschärfung Spuren beim Wähler hinterlasse, ohne Abnutzungserscheinungen in der…“

„… sich auch die Deutsche Polizeigewerkschaft für Videoüberwachung ausspreche, da sonst eine verfälschte Kriminalstatistik ein verfrühtes Ende der Debatte über den…“

„… durch die Übersetzung des deutschen Strafgesetzbuchs ins Polnische abzuschrecken seien und viel weniger…“

„… mit Schwesig und Nahles ein Kombi-Modell ausgearbeitet habe. Erwerbslose Familien in Elternzeit mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 75.000 Euro pro Monat seien mit einem Zuschuss von 8.000 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche bei einem gleichzeitigen steuerfreien Kredit in Höhe von…“

„… nicht unbedingt für mehr Verurteilungen sorgen müsse. Der deutsche Wähler, insbesondere die konservative Schicht in gut gesicherten eigenen Immobilien, seien bereits durch eine symbolische Verschärfung des Strafrahmens auf…“

„… die Bundestagswahl doch zeitlich so nahe gerückt sei, dass es sich für die Sicherheits- und Justizexperten nicht mehr lohne, zielführende Maßnahmen zu erörtern, so dass eine Entscheidung, die bisher diskutierten…“





Gotteslohn

5 04 2017

„Keine Kirchenglocken mehr!“ „Aber dann auch kein Ostern.“ „Wieso?“ „Die Eier können nichts dafür.“ „Aber die sind doch religiös?“ „Nein, das ist so eine Überformung heidnischer Inhalte durch einen kultischen Brauch.“ „Wieso?“ „Das ist eben so!“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht auf. Noch hat die Bundesregierung das nicht zur Chefsache erklärt.“

„Und wir sind echt ermächtigt, eine komplette Säkularisierung für die Bundesrepublik zu machen? so richtig mit Bundesgesetz, Verfassungsänderung und allem Schnick und Schnack?“ „Jetzt warten Sie doch mal ab, vielleicht ist das auch wieder nur so ein rechtspopulistischer Scheiß.“ „Wieso soll denn der Seehofer eine Trennung von Staat und Kirche fordern?“ „Leuchtet mir auch nicht ein.“ „Vielleicht will er bei den Protestanten Präsident werden?“ „Die haben von Gauck genug.“ „Vielleicht könnte man bei dem ansetzen: keine öffentlichen Gebete, schon gar nicht im Fernsehen.“ „Und der Papst?“ „Der ist ja kein Staatsoberhaupt.“ „Wieso?“ „Der Vatikan gehört nicht zur EU.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Jedenfalls keine ausufernden Darstellungen mehr in den Medien, das ist nicht gut für die neutrale Haltung des Staates, und dann müssen wir die humanistische Tradition immer beachten.“ „Wie denn das?“ „Er wollte Kants Geburtstag zum Nationalfeiertag machen.“ „Ist nicht wahr!“ „Doch, wollte ich.“ „Wegen der Aufklärung?“ „Nö, aber irgendwann wollen die Leute halt auch mal unter der Woche ausschlafen.“

„Man müsste den Leuten mehr Vorschriften machen.“ „Weil sie von denen nicht genug haben?“ „Alle mögen Regeln.“ „Die von der Kirche ganz besonders, sonst wären sie ja nicht in der Kirche.“ „Das ist jetzt religionsfeindlich.“ „Kritisch.“ „Das ist feindlich!“ „Kritisch!“ „Ist das nicht dasselbe?“ „Kommt darauf an, was man kritisiert.“ „Und bei Religionen, ist das nicht automatisch dasselbe?“ „Kommt darauf an, ob Sie kritisieren oder kritisiert werden.“ „Aber mit den Religionen an sich ist das zu vereinbaren, oder?“

„So ein Kirchenregister…“ „Gibt es längst, das wird seit Jahrhunderten gepflegt.“ „Nein, ich meine natürlich eine Kirchendatei, also für Mitglieder.“ „Und das bringt was?“ „Man weiß sofort, wie viele Mitglieder diese Religion hat.“ „Man weiß auch sofort, wo die wohnen.“ „Das ist natürlich ganz klar verfassungswidrig.“ „Wieso?“ „Weil es gegen den Datenschutz verstößt.“ „Wusste ich doch nicht!“ „Deshalb sage ich es ja.“ „Seit wann interessiert uns als Regierungspartei Datenschutz?“ „Im Prinzip ist das egal, aber wir brauchen halt vor der Wahl keine negative Publicity.“ „Auch wieder wahr.“ „Wie wär’s mit einem Kirchen-Ranking?“ „Mit was!?“ „Man hat alle Kirchen in einer Datei, aber sie dient halt offiziell nur zum…“ „Was für ein Quatsch!“ „Eben!“ „Die Mitglieder!“ „Aber das ist doch verboten?“ „Können Sie gerade mal eben den Aschenbecher vom Tisch nehmen, bevor ich einen Wutanfall kriege?“ „Wieso?“

„Auflagen!“ „Was denn für Auflagen?“ „Alles vorher unter Auflagen genehmigen lassen. Taufe, Gottesdienst, Kirchweih. Natürlich kostenpflichtig und mit langer Vorlaufzeit.“ „Und was soll das bringen?“ „Leuchtet mir auch nicht so ein.“ „Die sollen sich nicht wohlfühlen hier, wir brauchen die subtilen Ausgrenzungsmechanismen.“ „Und das ist verfassungsrechtlich okay?“ „Schauen wir mal.“ „Ja, finde ich gut.“ „Wieso?“ „Weil wir damit nicht gegen das Grundgesetz verstoßen“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Am besten noch mit einem Katalog für Recht und Pflichten!“ „Sehr gut!“ „Wobei man dann schon unterscheiden müsste, ob es sich bei der Fastenzeit um ein Recht der Kirchenmitglieder handelt oder um eine Pflicht aus religiösen Gründen.“ „Was macht das für einen Unterschied?“ „Je mehr Pflichtverstöße man sieht, desto unangenehmer wird es für die Brüder.“ „Ja, finde ich gut. Das reduziert die Anzahl derer, die nicht direkt zu diesem Verein gehören.“ „Und wird die anschließenden verwaltungsrechtlichen Schritte sicher auch enorm straffen.“

„Durchleuchtung sämtlicher Führungskräfte!“ „Am besten schon vor Amtsantritt!“ „Oder gleich aller, die jemals eine Führungsposition bekleiden könnten! präventive Selektion und Überwachung!“ „Selbstverständlich auch aller Laien, mit denen er Kontakt aufgenommen haben könnte.“ „Klar, wenn schon Fahndung, dann aber richtig.“ „Keine Chance für die religiöse Indoktrination!“ „Verfolgung…“ „Aber sonst sind Sie noch ganz knusper, oder was!?“ „… aller Kommunikationswege, auch im Internet!“ „Ach so.“ „Keiner soll sich außerhalb der Kirchen radikalisieren!“ „Wieso?“ „Da fallen die Verfassungsschützer unangenehm auf.“ „Wusste ich doch nicht.“ „Deshalb sage ich es ja!“ „Strafsteuern und anlasslose Hausdurchsuchung!“ „Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft!“ „Terrorverdacht bei allen Konfirmanden in die Personenakte!“ „Wir haben doch gar keine Personenakte?“ „Dann wollen wir eben wieder welche!“ „Wieso? Aua!“ „Stellen Sie sofort den Kristallascher wieder auf den Tisch!“ „Ich meine, wir sollten…“ „Übrigens ist das gar nicht…“ „Reden Sie nicht ständig durcheinander!“ „Ich wollte bloß sagen, dass das hier keinen…“ „Bis zur Wahl werden wir fertig.“ „Wieso?“ „Was steht denn da in der Vorlage? Zeigen Sie mal her.“ „Islamgesetz.“





Weißblauhelme

4 04 2017

„… bewaffnete Ordnungshüter in den Münchener Trambahnen einsetzen wolle. Da die CSU in der bayerischen Landeshauptstadt von steigendem Bedarf an Sicherheitskräften ausgehe, müsse man schon jetzt erhebliche…“

„… vollkommen unsinnig sei. Die aktuelle Sicherheitslage biete für die Stadtverwaltung keinen Anlass zum…“

„… fühle sich die Bevölkerung nicht bedroht, da es im ÖPNV nur selten zu Straftaten komme. Die einzige Unzufriedenheit sei in Bezug auf die ständig steigenden Fahrpreise des…“

„… könne eine Ausrüstung mit Kurzwaffen nur der erste Schritt sein. Man müsse langfristig für jeden Bus der Münchener Verkehrsgesellschaft einen bis drei…“

„… dass eine Finanzierung der zusätzlichen Straßenbeleuchtung nicht mit den Plänen der CSU-Rathausfraktion vereinbar sei. Mit mangelhafter Ausleuchtung sei jedoch die flächendeckende Videoüberwachung der Innenstadt nicht mehr…“

„… die auch gegen mögliche Gefahren durch Fremde vorgehen wolle. Die MVG habe jedoch strikt abgelehnt, die Planung eigenverantwortlich für die Christsozialen…“

„… exponentiell explodierende Kriminalität der Hauptstadt eingedämmt werden müsse. Um die stetig steigenden Zahlen bei Delikten wie Einbruch und Steuerhinterziehung wieder auf ein normales Maß zu…“

„… offen getragene Schnellfeuergewehre einen wirksamen Schutz gegen Taschendiebe darstellen könnten. Notfalls müsse man auch im Vorfeld eines rein theoretischen Verdachtsfalles schon einen…“

„… dass das Reizgas sämtliche Passagiere einschließlich des Busfahrers betroffen habe. Die Verdächtige, eine 87-Jährige, die provokativ in fränkischem Dialekt auf die beiden…“

„… könne ein angemessenes subjektives Sicherheitsgefühl für bessere Umfragewerte sorgen, zumindest für die kommenden Kommunalwahlen in der…“

„… schnellstens abrüsten müsse. Das martialische Auftreten der Sicherheitskräfte habe dazu geführt, dass neben ihnen nur noch selten andere Fahrgäste in den…“

„… das Gewaltmonopol beim Staat bleiben müsse. Die CSU lehne dies allerdings vehement…“

„… teilweise die Fahrgäste schon im Wartehaus belästigt habe. Das Alkoholverbot sei von den meisten nicht durchsetzbar, unbayerisch und…“

„… den Kunden nur noch nach einer ausführlichen Sicherheitsüberprüfung Zutritt zu den Bussen gewähren wolle. Problematisch sei dies für Berufspendler, die sich wegen des Andrangs bereits am Abend vor Fahrtantritt in die betreffende…“

„… dass Panzerabwehrwaffen aus Platzgründen nicht in den Straßenbahnzügen transportiert werden könnten. Angesichts der kontinuierlich wachsenden Terrorgefahr in Sendling und Trudering-Riem müsse allerdings eine bedingungslose Abwehr auch im Stadtgebiet weiterhin für…“

„… eine öffentlich-private Partnerschaft zur Verwaltung der Weißblauhelme schließen wolle. Die Polizei sei laut CSU nicht in der Lage, ausreichend Personal für eine vollständige…“

„… möglichst schwere Waffen tragen sollten. Bei Pistolen bestehe immer noch die Gefahr, dass sie von potenziellen Straftätern entwendet oder gegen die Wachmannschaft…“

„… Langzeitarbeitslose eine Chance erhielten, da zahlreiche Sicherheitsfachkräfte für den Aufbau der Schutztruppe…“

„… situationsflexibel die Quote der Wachleute zu erhöhen. Während des Oktoberfestes könne dies jedoch zu Transportengpässen führen, da dann mindestens hundertzwanzig Prozent der Plätze in den Verkehrsmitteln mit Waffen ausgestattetes…“

„… zu einem großen Andrang gekommen sei, der das Zehnfache der benötigten Personalstärke ausgemacht habe. In Kooperation mit dem Freistaat Sachsen wolle Bayern nun sämtliche abgelehnten Bewerber, die nicht als Hilfspolizisten in der…“

„… die Videoüberwachung einzelner Sitzplätze in den Bussen für eine Wahnvorstellung halte. Sie sei weder technisch machbar noch für eine…“

„… für eine ‚linkslinke Schwuchtelrotte‘ halte, die ‚mit Sicherheit von den Salafisten bezahlt werde‘, um ‚das christliche Bayern auszulöschen‘. Der Polizeipräsident weise die Anschuldigungen auf das Schärfste zurück, er habe bereits rechtliche Schritte gegen die christsoziale Fraktion im…“

„… bis Bogenhausen gefahren sei. Er habe bereits wegen seiner Hautfarbe verdächtig gewirkt, die spätere Obduktion habe jedoch keine Hinweise auf einen…“

„… könne aber keine Rücksicht mehr auf die Verfassungskonformität der Planungen nehmen. Die Christsozialen hätten den Einsatz mehrerer Nacktscanner am Münchener Hauptbahnhof vertraglich bereits vollständig unter…“

„… nicht gewusst habe, dass der ständige Anblick schwer bewaffneter Sicherheitskräfte die Münchener noch unsicherer machen würde. Da das subjektive Sicherheitsgefühl sich messbar nach unten bewege, habe die CSU empfohlen, die Anzahl der bewaffneten Wachleute nochmals zu…“





Strahlenschutz

30 03 2017

„Du hast mir das eingebrockt“, zischte Anne. „Ich hätte Ihr einen Termin gegeben, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen!“ Marlene Krupp-Kosinski saß bereits im Beratungszimmer, guckte skeptisch auf das Gebäckstück, das Luzie neben die Kaffeetasse gelegt hatte, und blätterte in ihrem kleinen, roten Notizbuch.

„Er hat mir Ihre Kanzlei empfohlen“, sagte die Dame. „Besser gesagt, seiner Nachbarin.“ Anne hielt angestrengt die Luft an. Sigune, die mit ihren Topfpflanzen sprach und sie mit linksgerührtem Informationswasser aus Vollmondabfüllung goss. Immerhin war die Mandantin nicht mit Klangschale und Ohrkerzen angerückt, trug keinen Jutesack und hatte nicht versucht, das Wartezimmer nach den Erkenntnissen von Feng Shui umzudekorieren. „Sie müssen etwas machen, es besteht höchste Gefahr.“ „Nur die Ruhe“, entgegnete Anne aus Gewohnheit, denn die meisten kamen mit Angst. „Wir werden das schon hinkriegen. Erzählen Sie mal.“ „Das ist die Ärztin aus dem ersten Stock“, begann Frau Krupp-Kosinski. „Oder vielleicht auch Helferin, jedenfalls geht sie jeden Morgen in die Praxis im gegenüber liegenden Haus – das heißt, sie könnte dann auch Putzfrau sein. Ich habe nichts gegen Putzfrauen, aber ich finde schon, dass man…“ „Es handelt sich also um eine Mieterin“, unterbrach Anne, „den Rest klären wir später.“ Heftig nickte die spärlich geschminkte Blonde und spielte hektisch mit ihrer Halskette. „Sie hat da so eine Art Antenne auf ihrem Balkon angebracht – ich dachte erst, das könnte eine Art Kleiderbügel sein, aber es sah doch zu sehr nach Antenne aus, Sie wissen ja: man kann mit einigen auch Signale aussenden.“ Mit einem leisen Ächzen lehnte Anne sich zurück. Mir wurde langsam klar, was das zu bedeuten hatte.

„Sie haben doch bestimmt schon davon gehört.“ Ich lehnte mich unbehaglich im Sessel zurück. „Es knackt dann immer so im Radio, oder die Lampen flackern, und wenn man bei der Polizei anruft, tun die so, als wüssten sie nicht, worum es geht.“ Mit viel Umstand blätterte sie in ihrem Büchlein. „Im Juni ging es los“, las sie vor, „da hatte ich um elf Uhr so ein Flackern in der Deckenlampe.“ „Wer schaltet auch tagsüber seine Lampen ein“, gab Anne trocken zurück, „noch dazu im Sommer?“ Die Übersinnliche schien es überhört zu haben. „Und dann knackte es einmal sehr deutlich – und ich sage das bewusst so: sehr, sehr deutlich, als ich das Radio eingeschaltet habe, und da war sie gerade nach Hause gekommen. Das ist doch kein Zufall?“

Waren es die Russen? noch oder schon wieder? Würde der längst fällige Untergang des Abendlandes an einer defekten Energiesparleuchte aufkippen? Marlene Krupp-Kosinski jedenfalls saß kerzengerade auf ihrem Stuhl und ließ sich nicht beirren. „Man hört doch so oft“, erklärte sie, „dass die elektrischen Geräte ein paar Tage nach dem Ablauf der Garantie kaputt sind. Ist das Zufall?“ Wir waren einander einen betroffenen Blick zu. „Ich würde es so ausdrücken“, knurrte Anne, „haben Sie gerichtsfeste Beweise oder heute noch etwas anderes vor?“

Laut Notizbuch hatte das Teewasser tagelang nicht wie gewohnt in acht Minuten den Siedepunkt erreicht, es war schneller, teils in sieben, einmal gar in sechseinhalb zum Sprudeln gekommen. Dann wieder sah man merkwürdige Lichtreflexe in der Scheibe der Balkontür, wenn man sich ganz nach links beugte, eine Hand auf den Boden stützte und von unten in den Himmel blickte. Eine knappe halbe Stunde intensiver Beoachtung hatte gereicht, um die Wirkung hervorzurufen. „Ich hatte das nicht für möglich gehalten“, rief die schwer Getäuschte. „Sie müssen etwas unternehmen!“ Anne tastete nach der Schreibtischplatte; die war noch da, verlieh aber nur rudimentären Halt. „Wir bräuchten zuerst eine Unbedenklichkeitserklärung“, gab ich zu bedenken. „Ob Frau Freese…“

Luzie, am schwungvollen Handzeichen luziefr erkennbar, kam mit einem großen Stapel Papier an. „Für eine Untersuchung auf Strahlenschutz müsste das Landesamt erst einmal eine Unbedenklichkeitserklärung haben“, klärte sie auf. „Das Gutachten wäre erst nach der Klageerhebung fällig, aber die Anzahlung kann in Raten geleistet werden.“ „Wir müssten da vorab ein paar Dinge klären“, half ich ein, „wenn Ihre Nachbarin ohne behördliche Genehmigung einen Teilchenbeschleuniger betreibt, könnten wir auch ohne den Staatsanwalt tätig werden.“ Anne nickte. „Das Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren stuft das zwar nur als Ordnungswidrigkeit ein, aber wir könnten ihr ein Bußgeld dafür aufbrummen.“ Luzie nickte. „Bis zu fünfzig Euro.“

Hilflos blickte Frau Krupp-Kosinski von einem zum anderen. „Sie müssten“, fügte Anne maliziös an, „schon mit einem gerichtsverwertbaren Beweis zu uns kommen, damit wir tätig werden.“ Luzie reichte ihr ein Stückchen Pappe mit einem Streifen Klebefilm. „Wenn sich das blau verfärbt an der Außenluft, dann kommen Sie sofort zu uns. Wir haben die Durchwahl zur Atomenergiebehörde.“

Anne stellte die Tasse auf das Tablett. „Und wir werden sie sicher nie wiedersehen?“ „Ich wäre mir da nicht so sicher“, grübelte Luzie. „Möglich, dass sie die Behördennummer selbst herausgefunden hätte.“ Anne schnaufte hörbar. „Ich brauche noch mal die Unbedenklichkeitserklärung. Aber schnell!“





Dunkelfeld

15 03 2017

„Im Prinzip haben Sie recht, aber so verwerflich ist unser Geschäftsmodell auch wieder nicht. Wir sind ja keine Rechtspopulisten, und links sind wir schon gleich gar nicht. Wir sind nicht mal in irgendeiner Polizeigewerkschaft. Wir haben einfach nur gerne Angst.

Genauer gesagt, wir haben es gerne, wenn die anderen Angst haben. Deshalb haben wir dieses Unternehmen ja auch gegründet. Die Menschen wollen Sicherheit, und wer bietet mehr Sicherheit als eine Versicherung? Da muss man natürlich erst einmal Angst machen, sonst entsteht kein messbar ansteigendes Bedürfnis nach Sicherheit – wir verstehen nicht viel von Politik, aber da verstehen wir uns schon ganz gut – und wenn die reale Gefahr sich als viel geringer herausstellt im Vergleich zur behaupteten dann steigt die subjektive Sicherheit analog zur tatsächlichen. Das können wir nicht zulassen.

Man nennt das Dunkelfeld. Die Straftaten, die normalerweise überhaupt nicht angezeigt werden, weil eine Aufklärung nicht erwünscht ist oder sogar noch mehr Probleme mit sich bringen könnte als die Straftat an und für sich. Da muss man als Bürger doch schlaflose Nächte haben? Ich jedenfalls hätte welche, wenn die Bürger da keine hätten. Es ist doch auch wirklich schlimm in unserem Land, vor allem in diesem Dunkelfeld, von dem keiner weiß, ob es so groß ist, wie wir uns das vorstellen. Ist das nicht erschreckend? Ja, großartig.

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Wahrscheinlichkeit, dass Sexualdelikte größtenteils im verwandtschaftlichen Nahbereich begangen werden. Das weiß ich selbst. Aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat, seine Kundschaft darauf hinzuweisen, dass es möglicherweise eine nicht abzuschätzende Zahl an Vergewaltigungen gibt, die von nicht näher bezeichneten Tätern verübt werden, dann muss man das auch tun. So ein Umsatz kommt nicht von alleine.

Unser Geschäftsmodell ist wirklich innovativ. Wir arbeiten mit den Vorstellungen der Kunden, auch und gerade in deren Vorstellungen, was sich im Dunkelfeld tatsächlich abspielt. Sie nennen uns Ihr Verbrechen, und wir versichern Sie dagegen.

Natürlich setzen wir auf soziale Medien. Eine bessere Werbung kriegen Sie ohne Geld nicht auf die Beine gestellt. Es gibt gar nicht genug Straftaten für eine ordentliche Hysterie, da muss man auf die medialen Multiplikatoren zurückgreifen. Sie sehen ständig die Bilder von irgendeinem Autodiebstahl, bei dem noch nicht mal geklärt ist, wer der Täter ist oder ob es sich tatsächlich um einen Autodiebstahl handelt, und sie nehmen die Bilder immer wieder neu wahr, bis Sie irgendwann davon überzeugt sind, dass es sich um einen neuen Autodiebstahl handelt. Das ist das Schöne an der medialen Vervielfachung, man lässt sie einfach für sich arbeiten und freut sich, wenn man die Kontrolle über sie verliert. Und wenn Sie jetzt noch bedenken, dass ein Großteil der Straftaten Delikte wie juristisch umstrittener Gebrauch von weichen Drogen, Schwarzfahren und Ladendiebstahl sind, dann haben die sozialen Medien endgültig gewonnen. Stellen Sie sich mal vor, Sie steigen morgens in die Tram, sind Sie ganz sicher, dass da niemand ohne Fahrschein mitfährt? Vor solchen Straftaten ist kein Bürger sicher, da werden Sie schneller Opfer, als Sie gucken!

Es gibt auch Versicherungsbetrug. Wenn da ein deutsches Mädel von bösen Flüchtlingen entführt wurde, was nur den Schönheitsfehler hat, dass es weder die Flüchtlinge noch die Entführung gab, dann geht das zu unseren Lasten. Es schadet uns schon langfristig, denn stellen Sie sich mal vor: eine Gesellschaft, in der alle Bürger Vertrauen in den Staat und die Menschen haben. Grauenhaft!

Stellen Sie sich das nicht zu einfach vor. Die Kriminalität sinkt beständig, es gibt immer weniger Gewaltdelikte, andere Versicherungen verlangen nicht einmal mehr eine Strafanzeige, wenn Sie den Schaden aus einem verwüsteten Vorgarten melden. Wir versinken im Chaos! Und alles nur, weil wir unbedingt eine Frau als Kanzlerin haben wollten! Zum Glück haben wir die Fernsehkrimis, in denen jeden Tag mehr Morde stattfinden als in hundert Kilometern Umkreis. Das wirkt, glauben Sie mir. Wir sind inzwischen so weit, dass die jungen Leute wieder Angst haben. Doch, die Jungen haben Angst, richtige Lebensangst, Zukunftsangst, Angst vor dem Jobverlust, Rentenkürzungen, Altersarmut, alle diese schönen Schreckgespenster, gegen die wir uns nichts zur Wehr setzen können, weil wir verpasst haben, sie rechtzeitig zu bekämpfen. Dagegen kriegen Sie natürlich auch keine Versicherung, das ist das Gute – also bieten wir ihnen Verbrechen an, Flüchtlinge, Islamisierung, also alles, wogegen man sich versichern lassen kann. Von uns. Diese Leute sind unsere besten Markenbotschafter. Die meisten Straftaten passieren zu Hause, im geschützten Bereich, und wo verkriechen die sich? In der eigenen Wohnung. Alles richtig gemacht!

Nennen Sie es subjektive Risiken, meinetwegen auch alternative Gefahrenwahrnehmung. Darauf basiert unser Geschäftsmodell. Was unsere Kunden in ihrem ganz persönlichen Lebensbereich als bedrohlich empfinden, das können sie gegen einen entsprechenden Betrag von uns… – Autofahren? Sind Sie noch ganz dicht? das versichern wir nicht. Viel zu gefährlich!“