Dem deutschen Volke

19 10 2017

Es hatte etwas Unterwürfiges an sich, wie er mich an der Tür empfing. Aber wer seit Jahren der Politik, insbesondere der fortschrittlichen Rechten diente, musste dies wohl auch haben. Mit Rückgrat kam man in diesem Gewerbe wohl nicht sehr weit.

„Ich bin ein bisschen erstaunt“, näselte der junge Konstrukteur, „normalerweise sind Sie doch eher inkognito unterwegs.“ „Sie doch auch“, gab ich zurück. „Arschlöcher Ihresgleichen haben sonst auch mehr als die Hälfte ihrer Lebenszeit damit zu tun, ihre Motivation zu verbergen.“ Er versuchte das mit der Augenbraue, aber ich zeigte ihm ein paar Visitenkarten, hinter denen sehr viel Geld steckte. Reflexartig knickte er da ein, wo es kaum auffiel. Die Sessel waren dann sehr bequem und der Tee nach deutschem Vorbild wässrig.

„Wir haben diesen Automaten entwickelt“, erklärte er, „um die politischen Prozesse in den deutschen Parlamenten wenigstens formal über die Bühne zu kriegen.“ Er stellte ein kleines Kästchen auf den Schreibtisch – Glas, drei Ecken waren aber schon abgesprungen – und drehte an einem der beiden Knöpfe herum. Jeden Moment musste er die richtige Frequenz gefunden haben. „Kleinen Augenblick“, murmelte er, „wir haben es gleich – das wird schon noch.“ Er drehte ganz nach rechts, schon blinkte das Lämpchen.

„Man speist hier mit neuester Technologie die Fragen ein“, erläuterte er und wies auf den Schlitz für die Diskette, „und bekommt die Antwort in Sekundenschnelle, manchmal noch innerhalb einer Stunde auf den…“ „Sie verkaufen Wissen von Vorvorgestern für die Fragen der Zukunft“, winkte ich ungerührt ab. „Das ist alles, was Sie zu bieten haben?“ „Immerhin funktioniert dieser Apparat nur in Deutschland“, antwortete er beleidigt, „deshalb müssen wir das Patent auch nur für das Reich in den Grenzen von 1942 anmelden.“

Das Gehäuse war aus gebürstetem Metall, nicht gerade schnittig, doch wertig verarbeitet. Die Prägung Dem deutschen Volke wirkte in ihrer Petitesse seltsam deplatziert, nach zweitem Hinschauen jedoch genau passend: übertrieben, laut und miserabel im engeren Sinne. „Ich muss nur an dem Knopf drehen“, knurrte er. „Wenn ich an dem Knopf drehe, passiert alles andere von selbst.“ Ich ließ ihm den Glauben, vor allem ließ ich ihn am Knopf drehen. Er hatte doch sonst so wenig.

Deutschlands Wirtschaftswachstum stand auf der Fragenliste. Er fütterte das Kistchen – warum hatte man den nationalen Klotz nicht aus Bakelit nachgebaut? – mit einer Plastikscheibe. Wie kann Deutschland die Arbeitslosigkeit überwinden? „Zu viele Ausländer“, schnarrte der Apparat, „alle raus, dann haben alle Deutschen Arbeit.“ „Und wenn das nicht reicht?“ „Sie müssen es ja wissen“, mokierte er sich und versuchte wieder das mit der Braue. „Sie haben das ja bestimmt studiert.“ Ich nickte nachlässig, worauf er in den Stapel mit den vielen altbackenen Datenträgern griff.

„Deutschland muss Deutschland bleiben!“ Ich überlegte einen kurzen Augenblick, das Büro zu verlassen und mich wieder nach draußen in den mäßigen Nieselregen zu stellen. „Sie wollen die Antwort ja bloß nicht hören“, schnarrte er, also hörte ich sie. „Deutschland bleibt Deutschland, wenn die Grenzen geschlossen sind, weil dann die Ausländer aus Deutschland verschwinden.“ Das Gerät zeigte sich flexibel; ob es um die deutsche Außenhandelsbilanz ging, den ansteigenden Milchpreis, die erwartbare Altersarmut für viele Millionen deutscher Rentner, stets war einer an der Misere schuld. „Der Automat urteilt nicht“, erklärte er. „Er denkt linear.“ Das leuchtete mir ein, eine Linie ist schließlich die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, auch da, wo es gar keine Verbindung gibt.

Gerne hätte ich noch nach zu hohen Mieten gefragt – vermutlich nahmen die vielen Wohnheime für deutsche Niedriglöhner den Bauplatz für die Jugendstilvillen weg, in denen Ausländer residieren – oder nach den überlasteten Ausfallstraßen, für die islamistische Autofahrerinnen verantwortlich sein müssten, die eigens dazu aus Saudi-Arabien in die deutschen Sozialsysteme einwandern, doch ich ließ es lieber. „Der Automat ist ja nicht generell ausländerfeindlich“, beharrte er. „Er zieht nur seine Schlüsse aufgrund der ihm gegebenen Daten und Fakten.“ „Wenn man ihm Fakten gibt“, überlegte ich, „die nicht unbedingt Fakten sind, woraus zieht das Ding dann seine Schlüsse?“ Er hatte keine Antwort. Aber vielleicht waren auch daran die Ausländer schuld.

„Einen Versuch möchte ich noch wagen“, bat ich. „Sagen Sie der Maschine, sie soll mir erklären, warum so viele Ausländer in Deutschland sind.“ Er schob eine Diskette in den Schlitz. Der kleine Metallkasten begann geräuschvoll den Denkprozess einzuleiten, viel zu geräuschvoll. Es ratterte. Zwei Lampen begannen hektisch zu blinken, dann zeigte eine leise aufsteigende Rauchfahne die Überhitzung des Apparats an. Er stellte seine Arbeit ein. „Gut“, konstatierte ich, „das mit den Verbindungslinien klappt nicht, wenn der Standpunkt immer derselbe ist. Aber erklären Sie mir doch mal den Klimawandel.“ Er blickte mich verdutzt an, und ich ging wieder nach draußen, wo der leichte Regen auf mich gewartet hatte.

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Kopfpflicht

12 10 2017

„… dass generell keine Unkenntlichmachung des Gesichts in der Öffentlichkeit mehr gesetzlich geduldet würde. Die Polizei werde dies mit der ganzen Härte des…“

„… die ersten Konsequenzen gefordert habe. Drei ältere Damen mit Vollverschleierung seien dem Haftrichter vorgeführt worden, der ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft der heiligen Ursula nicht als Entschuldigung für den…“

„… nur vorläufig festgenommen worden sei. Das Anlegen eines Hutbandes diene allein der Befestigung und stelle noch keinen vermummenden Eingriff in den…“

„… sich der Vatikan nicht in den Streit einmischen wolle. Sobald Kardinäle oder Bischöfe von der Regelung betroffen seien, so das Governatorat, werde man an Sanktionen gegenüber dem…“

„… es sich um eine reine Provokation gehandelt habe. Die tschechische Performancekünstlerin habe sich lediglich mit einer Papiertüte über dem Kopf in der Wiener Innenstadt aufgestellt, um die Polizei durch bewusstes Irreführen über ihre Person zu…“

„… das Anlegen von Sonnenbrillen in den öffentlichen Verkehrsmitteln nochmals unter besondere Strafe zu stellen. Die Gefahr einer Tram-Entführung könne bereits durch einen einzigen Fall auf 100% steigen, deshalb müsse sofort die…“

„… die Ordensfrauen wieder auf freiem Fuß waren. Das Innenministerium habe nochmals darauf hingewiesen, dass bei Sicherheitskontrollen der Habit als potenzielle Tarnung über einem Sprengstoffgürtel oder einer…“

„… die Helmpflicht des Motorradfahrers in dem Augenblick ende, in dem er sein Kraftrad nicht mehr bewege. Strittig sei dennoch, ob er den Helm beim Stopp an Ampeln und Fußgängerüberwegen sofort abzulegen habe oder erst auf eine Anweisung des dazu befugten Beamten der…“

„… auch in Supermärkten und Drogerien Sonnenbrillen zu verbieten. Schwierig sei zwar, dass die im Einzelhandel feilgebotenen Brillen dann nicht mehr anprobiert werden könnten, die innere Sicherheit sei aber damit um einen wesentlichen Punkt näher an die…“

„… das Tragen einer Hundemaske zur Eröffnung eines Fachgeschäfts für Zoofachhandel nicht erlaubt sei, solange eindeutig geklärt sei, dass sich unter der Maske tatsächlich ein…“

„… zu traumatisierenden Erlebnissen komme. Bisher seien nur in den Vereinigten Staaten Schüler in Handschellen abgeführt worden, das Einsatzkommando von Ottakring jedoch habe den Kinderfasching sehr professionell und mit nur geringen Verletzungen der…“

„… dass die chinesische Wirtschaftsdelegation nun des Landes verwiesen werde. Obwohl die Feinstaubwerte durch Pkw in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hätten, rechtfertige dies doch nicht das ganztägige Anlesen von Schutzmasken im Bereich des…“

„… eine Parade mit den Originalfiguren aus Disney World nicht stattfinden könne. Dies entspreche nicht dem europäisch-abendländischen Brauchtum, außerdem sei durch die Maskierung nicht geklärt, ob sich eine männliche oder weibliche Person unter den jeweiligen…“

„… Radhelme grundsätzlich wie Motorradhelme behandelt werden müssten. Dabei ergebe sich nur die Schwierigkeit, dass der Helm erst mit Antritt der Fahrt angelegt und unmittelbar danach angenommen werden solle, was aber gegen andere Sicherheitsvorschriften verstoße, gemäß derer der Helm schon vor Antritt der…“

„… bewusst oft die Figur Darth Vader ausgewählt worden sei. Es habe sich zwar um zehn- bis zwölf Jahre alte Kinder gehandelt, dennoch müsse man polizeilich auch hier Vorsicht walten lassen, um nicht durch eine Massenpanik im…“

„… einen Mundschutz im OP-Bereich getragen habe. Die Geldbuße trage dem Umstand Rechnung, dass es sich um ein öffentlich zugängliches Spital gehandelt habe, das auch von Inländern und…“

„… zu Ehren des japanischen Botschafters aufgetreten seien. Die Darsteller des Nō-Ensembles seien jedoch wegen ihrer stark an Masken erinnernden Schminke noch vor dem Betreten der Bühne direkt in Polizeigewahrsam…“

„… ein Clown auch auf einer Abbildung eine latente Terrorgefahr darstelle, weshalb die Plakate des Circus Knie unverzüglich aus dem…“

„… das Baufahrzeug mit halbautomatischen Schusswaffen abgedrängt und die Arbeiter zum Aussteigen genötigt worden seien. Der vor dem Betreten des Baustellengeländes angelegte Atemschutz falle unter die sicherheitsrelevanten Verbote einer…“

„… die Gasmaske eines Feuerwehrmannes im Einsatz einer hinreichenden Legitimation bedürfe. Diese könne jedoch im Brandfall durch einen formlosen, für sechs Stunden gültigen Antrag, der spätestens einen Werktag vor dem Einsatz…“

„… den Nikolaus darstellen solle. Auch unter Berücksichtigung der aktuellen Bartmode sei die Kostümierung nicht zu…“

„… besser geregelt werden solle. Schwerer Atemschutz dürfe jetzt bereits getragen werden, wenn sich der Brandmeister schriftlich vor dem Einsatz an die oberste Leitung des…“

„… es sich bei dem wegen eines zu hoch über der Nase geschlungenen Wollschals verhafteten Radfahrer um den Bezirkspfarrer Franz Pospischil gehandelt habe. Der Vatikan habe nochmals betont, dass er für Personen unterhalb der Bischofswürde keine rechtlich…“

„… es sich beim Nikolaus in Wahrheit um einen Dissidenten aus der heutigen islamischen Welt handele. Um politische Provokationen mit der Türkei zu verhindern, dürfe keine weitere…“

„… in erster Instanz verloren habe. Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr seien demnach nicht berechtigt, einen beantragten und bewilligten Atemschutz bereits beim Anrücken auf dem Fahrrad, das sich noch auf einem öffentlichen Radweg in der…“

„… als ‚Muselsau‘ beleidigt habe, die ‚ins Gas gehöre‘. Obwohl die koptisch-katholische Kirche mit Rom uniert sei, sehe der Heilige Stuhl keine Veranlassung, die Behandlung des Patriarchen von Alexandrien am Westbahnhof durch die Bezirkshauptmannschaft des…“

„… das neue Wintercouleur der Germania 1937 auch den schwarz-weiß gemusterten Schutz gegen linksjüdische Pest vorsehe. Das Bundesministerium für Inneres wolle von einem Verbot absehen, da es in der Ballsaison nachts auch empfindlich…“

„… zu Boden gerissen und mit mehreren Faustschlägen ins Gesicht lebensgefährlich verletzt habe. Das Kopftuch, dass die Königin von England und Schottland traditionell auf Flugreisen trage, sei dabei im…“





Eintopfsonntag

5 10 2017

„Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? weil die Genossen seit zehn Jahren wissen, dass sie an der Scheiße schuld sind und sich genau diese Scheiße auch noch bunt reden. Da mache ich nicht mehr mit. Punkt!

Erinnern Sie sich noch an diesen Hinterbänkler, wie hieß denn der noch? Gabriel, sonst nie in Erscheinung getreten, aber da konnte er das Mantra der Partei runtersingen. Es gibt kein Freibier, man muss schon arbeiten oder in der Partei sein, dann gibt’s was umsonst, also nicht als Arbeiter, aber wenn man keinen Job hat: hinten anstellen. Da hat sich der Mann schlagartig so beliebt gemacht, ich glaube, aus dem ist doch noch irgendwas geworden, aber genau weiß ich es jetzt nicht. Die laden mich ja seit längerer Zeit nicht mehr ein, der Ortsverein soll links geworden sein, aber ich glaube es nicht.

Das war übrigens derselbe Gabriel, der dann im Wahlkampf plötzlich entdeckt hat, dass Schäuble mit seinem Sparzwang gar nicht an den kaputten Schulen schuld sein konnte, weil die gar nicht aus Bundesmitteln finanziert werden. Hätte man im Wahlkampf ungestraft sagten können, aber da war er ehrlich – dass die Bankenrettung nicht aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist wird, hat er keinem verraten. Oder die Bankenrettung wird tatsächlich aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung gespeist. Damit hätte er die besten Einschaltquoten aller Zeiten gekriegt, zumindest für die SPD.

Wir haben da eine Bundeszentrale für politische Bildung, die Adresse sollte man gelegentlich dem Maas mal schicken, aber der Rest der Partei scheint ganz froh, wenn sich keiner mehr dafür interessiert. Es gibt Bund, Länder und Gemeinden – damit wären Sie bei Jauch schon mal ganz weit vorne, wenn Sie den Unterschied erkennen würden – und die haben ihre jeweiligen Rechtskompetenzen in der Finanzierung. Die einen machen Bankenrettung, die anderen retten Flüchtlinge, wenn die EU sie nicht gerade auf Kosten des gemeinsamen Budgets im Mittelmeer hat absaufen lassen, und für die Arbeitslosen ist das von den Mitteln übrig, was die Bundesagentur nicht versehentlich für die eigenen Angestellten zur Jobrettung abzwackt. Das hätte man ganz klar kommunizieren können, aber das war der SPD vermutlich viel zu kompliziert, weil der Kern der Sache zu einfach zu begreifen war. Wie wollen Sie Politik machen, am Ende noch Bundespolitik und dann auch noch im Wahlkampf, wenn die Problematik ein normaler Mensch ohne geistige Einschränkung sofort verstehen kann?

Sie haben diesen ganzen Scheiß immerzu in einem Topf geschmissen, es war bei der SPD wie bei den anderen permanent Eintopfsonntag. Und jetzt erklären Sie mir mal, wie man in einem Ortsverein mit mehrheitlich bewegungsunfähigen Altsozen überhaupt Realpolitik machen soll, wenn die Belegschaft aus Sympathie mit der Konkurrenz schon anfängt, jede Meinung als Lügenpresse zu bezeichnen?

Dieses Wir-Gefühl, Nahles’ hochgerülpste Currywurst und Steinbrücks Fahrradkette, das war der springende Punkt. Wir haben das geschafft, weil der Wähler den Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft nicht kennt, und die Propaganda hat das ausgenutzt. Wir werden nicht mehr gewählt, weil man den Unterschied immer noch nicht in die Menge getragen hat. Wir haben jetzt kein Geld mehr für Kinder von Erwerbslosen, der Flüchtling lebt ja so komfortabel in der Sammelunterkunft und frisst uns die Butter vom Brot. Merken Sie was?

Mir geht’s ja gut, aber wenn ich sehe, dass mir der Ortsverein den sozialen Abstieg einredet, der in dieser globalisierten Arbeitswelt so gut wie jeden treffen könnte, dann müssen wir gar nicht lange verhandeln. An der Lage ist die SPD selbst schuld, und wer war noch mal die Partei, die andere für das Elend der eigenen Wählerschaft verantwortlich macht? Wenn man den Leuten jetzt schon erzählt, unsere Kinder werden nach über fünfundvierzig Berufsjahren auch eine Armutsrente bekommen, weil es uns so gut geht wie nie zuvor nach dem Ende des letzten offiziellen Krieges mit deutscher Beteiligung, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn sie die wählen, die das erfunden haben.

Es gab mal den Glauben, dass man sich mit Leistung emporarbeiten konnte. Das sagen heute nur noch diese unrasierten Versager von der FDP, und die müssen sich dabei das Lachen verkneifen. Warum sollte man das den eigenen Leuten glauben, wenn sie seit zwanzig Jahren gegen die eigenen Wähler schießen? Wir haben die Mittel in der Hand und die politische Macht, das abzustellen, wenn wir nicht weiter wie bisher gegen die Mittelschicht arbeiten und alles, was darunter ist. Warum sollten wir das glauben, warum sollten wir das tun? Und wenn wir schon kapiert haben, dass wir seit ein paar Jahren gründlich angeschissen werden von einer Herde Bürokraten, denen es nur um die eigene Versorgung geht, warum wählen wir nicht gleich die, denen die Lüge ins Gesicht geschrieben steht? Weil wir dann mit unlauteren Mitteln gegen die antreten müssten, die mit unlauteren Mitteln gegen uns gekämpft haben, als wir sie noch mit unseren Mitgliedsbeiträgen durchgefüttert haben?

Weswegen ich mein Parteibuch zurückgebe? Die ganz Rechten rücken schon weiter nach rechts, die anderen werden früher oder später nachrücken. Vielleicht ist dann ja irgendwann wieder Platz für eine vernünftige sozialdemokratische Partei. Mal sehen, wie wir die dann nennen.“





Pinselei

4 10 2017

„… gesetzlich verankert werden müsse. Der Gamsbart gehöre außerhalb des Freistaates nicht zur Leitkultur und dürfe deshalb auch in…“

„… verteidigen werde. Seehofer habe das Verbot des Hutschmucks mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich bezeichnet und werde die Lehren daraus ziehen. Ab sofort sei die CSU noch mehr an einem Rechtskurs…“

„… sehr indifferent reagiere. Während die meisten Bayern sich für das Thema kaum interessiert hätten, seien in den südlicheren Teilen des Landes Spontandemonstrationen mit Fackeln und…“

„… in einem Gutachten ausgeführt worden, dass die Bestände des Gamswildes in Bayern noch nicht gefährdet seien. Dies bedeute aber nicht gleichzeitig, dass die Jagd auf das Tier weiter im bisherigen…“

„… Entwarnung gegeben habe. Das Tragen des Gamsbartes sei in Bayern weiterhin erlaubt, es bedürfe weder einer Genehmigung noch sei der Besitz eines oder mehrerer…“

„… daher nicht rechtserheblich sei, ob der Hutschmuck aus Gams- oder Dachshaar gefertigt werde. Die als Gamsbart im Rechtsverkehr geführte Form besitze eine Wirkung, die sich ungeachtet des Materials von seinem…“

„… das Gesetzesvorhaben als rein symbolisch kritisiere. Scheuer habe darauf hingewiesen, dass der normale Bayer seinen Gamsbart ausschließlich in der Heimat trage und es im übrigen Bundesgebiet eine statistisch nicht mehr messbare Anzahl an…“

„… sich nicht um Männerdiskriminierung handle, da in der Damenhutmode der Gamsbart als Accessoire Einzug gehalten habe. Dies dürfe aber laut Rechtsgutachten der Staatskanzlei nicht als Tradition betrachtet werden, da es erst in den vergangenen zehn bis zwanzig…“

„… zwar korrekt sei, dass es außerhalb Bayerns so gut wie nie Gamsbärte auf Herrenhüten gebe, doch verlange die innere Sicherheit, dass man sich als Deutscher in Deutschland an gemeinsame Regeln halte, die nur durch eine gemeinsame…“

„… eine EU-weite Volksabstimmung über den Gamsbart angekündigt habe. Söder habe sein politisches Schicksal an den Hutpinsel geknüpft und würde bei einer Niederlage sofort aus dem…“

„… das Haarbüschel in verkleinerter Form als Zeichen des Widerstandes auf Pudelmützen und Baseballkappen getragen werde. Neben den traditionell vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsnationalen Gruppierungen habe auch die CSU sich zum…“

„… unsaubere Argumentation vorgefunden habe. Die von der bayerischen Landesregierung vorgebrachte Meinung, es handele sich um ein rein in Bayern erfundenes und verbreitetes Kulturgut, sei durch die oft dokumentierte Herkunft des Gamsbartes aus dem österreichischen Alpenraum leicht zu widerlegen. Wie die in Persien erfundenen Hosen sei auch dieses ausländische…“

„… bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen werde. Da Söder die Abstimmung verloren habe, werde er das Ergebnis nicht…“

„… ihnen ein fehlender Wille zur Integration nachgewiesen werden könne. Daher sei der bayerische Sonderweg ein weiteres Anzeichen von größerem…“

„… erste Kontrollen in Fernzügen sowie an Flughäfen vorgenommen habe. Sollten Fluggäste im Besitz eines Gamsbartes sein und diesen aus dem bayerischen Luftraum ausführen, so sei dies zunächst mit einer Ermahnung verbunden, erst beim Anlegen müsse der Täter mit einem Bußgeld in Höhe von…“

„… kulturanthropologisch als Potenzsymbol gelte, das geeignet sei, Frauen zu diskriminieren. Auch das ironische Tragen eines Gamsbartes könne sozial durchaus zur Ausgrenzung von…“

„… dass das Tragen eines Gamsbartes im öffentlichen Dienst generell untersagt werde. Diese Bestimmung gelte für alle Bundesländer und damit auch für den…“

„… dass es sich bei der alpenländischen Tracht vorwiegend um eine Ideologie handele, die in den vergangenen Jahrhunderten den Anspruch erhoben habe, den gesamten deutschen Kulturraum durch potenzielle…“

„… nur eine Bundesgesetzgebung existieren könne, die in allen Bundesländern gleichermaßen umgesetzt würde. Da es sich beim Gamsbart nicht um einen Bestandteil deutscher Leitkultur im Sinne der Bundesrepublik handele, gelte das Verbot in allen Ländern, somit auch in…“

„… Söder Bayern bereits mit Marokko oder dem Sudan verglichen habe, wo es den Gamsbart nach einer jahrhundertelangen kulturellen Fehlentwicklung gar nicht gebe, was sich in den terroristischen Strukturen des…“

„… zu einer Geldbuße von dreißig Euro verurteilt habe, da er seinen Gamsbart auch nach mehrmaliger Aufforderung in der Staatskanzlei nicht…“

„… damit implizit die Neigung des Freistaates zum Aufbau einer öffentlichen Terrormiliz zugegeben habe. Söder habe sich verteidigt, er wolle lediglich die in seiner Heimat verankerte Kultur vollkommen wertfrei und ohne ideologische Überfrachtung in den…“

„… als Hamburger Modell benannt worden sei. Die von einer deutschen Modekette verkauften Mini-Klobürsten seien innerhalb kurzer Zeit auch auf dem bayerischen Markt als letzter Schrei der…“





Durch die kalte Küche

2 10 2017

„Wir wären bereit für eine Regierungsbeteiligung, aber nur zu unseren Bedingungen, damit das klar ist. Sie werden da keine Spielchen mit uns machen können, weil wir sehr klare Vorgaben haben, und da Sie die Koalitionsverhandlungen nur im Auftrag der Kanzlerin absolvieren, werden wir dieses Verfahren auch ganz konzentriert und in unserem Sinne über die Bühne bringen. Punkt: wir stellen nicht den Regierungschef. Damit das klar ist.

Die CDU stellt die Fachminister, verbunden mit der Kernkompetenz der deutschen Politik. Was keiner Kompetenz bedarf, das könnten wir uns gut für die SPD-geführten Ressorts vorstellen. Nennen wir es mal Altersteilzeit – die SPD ist schon eine recht betagte Partei, und wird haben schon zweimal eine Koalition mit dieser Frau durchgemacht. Mehr können Sie von uns einfach nicht mehr erwarten. Sagen Sie das der Frau Merkel. Als Alternative bieten wir natürlich noch an, als Juniorpartner den Kanzler zu stellen. Wir durchlaufen derzeit einen Verjüngungsprozess, deshalb dürfte das ganz gut klappen, und dann wären Sie die Alte auch los.

Wollen Sie nicht. Auch gut. Dann müsste wir mal sehen, ob wir mit der erste Option nicht doch erfolgreich sind. Natürlich ohne Schäuble. Wir werden uns an einer Regierung nur dann beteiligen, wenn der Mann nicht mehr mitmacht. Ach so, der ist schon anderweitig… – Egal, wir fordern das trotzdem. Sie können dann im Gegenzug auf Maas verzichten, das können Sie als überparteilichen Sieg der parlamentarischen Demokratie verkünden. Und juckt das nicht.

Sie werden nämlich schon noch merken, dass Sie ohne die Leistungen der SPD gar nicht regieren können. Wir können auch Opposition, wir können jeden Mist, aber eine echte Merkel-Regierung, und dann auch noch ohne Merkel, die kriegen Sie nur mit sozialdemokratischer Hilfe zustande. Das liegt am Willen unserer Partei – das kriegen Sie ohne uns nicht hin. Deshalb wird die SPD sich nicht mehr an der Bundesregierung beteiligen. Wir haben auch einen Ruf z verteidigen, und nur mit Herumdoktern an den Hartz-Gesetzen ist das nicht zu machen.

Profil schärfen? ja, das hatten wir auch in Erwägung gezogen, zumindest kurzfristig. Aber der Wähler hat sich nun mal umorientiert, und da ist es für die hart arbeitenden… ’tschuldigung, wir sind immer noch im Wahlkampfmodus, das geht in ein paar Monaten schon wieder, dann sind uns die hart arbeitenden Menschen draußen im Lande wieder scheißegal. Es sei denn, Sie wollen das so in der Regierung, dann machen wir das natürlich. Wir stehen zu unserer Verantwortung, wenn wir nicht den Bundeskanzler… – Wussten Sie schon. Unser Fehler. Aber wir wollten es nur mal wieder gesagt haben, damit wir sagen können, wir haben es ja mal wieder gesagt.

Außerdem wird die SPD nicht erst ein halbes Jahr vor der nächsten Wahl feststellen, dass sie eine linke Partei ist, wir nehmen uns in der Mitte der kommenden Legislatur ein linkes Halbjahr. Da werden wir uns auf Sozialpolitik fokussieren und sämtliche bisher erarbeitete Vorschläge öffentlich in Frage stellen. Da müssen Sie durch. Das geht auch wieder vorbei, es ist ja nur ein halbes Jahr, aber da müssen Sie dann durch. Sie können das gerne in der Fiskalpolitik auch machen, wir sind da flexibel, das macht uns gar nichts. Finanzen macht dann der Altmaier? Das ist gut, da ärgern sich die FDP und die CSU. Und der Tauber. Und der Spahn. Das machen Sie ganz richtig, immer von hinten die Leute in die wichtigen Ämter rein. Immer durch die kalte Küche. Oben können Truppenuschi und die Misere sich die Fußnägel abkauen und unten wird Regierung gemacht. Da fällt das auch nicht so auf, dass die Merkel aus Versehen ein paar Fachleute ranlässt, anstatt die Inkompetenz ihrer Kriecher wegzumoderieren. Genau den Regierungsstil haben wir uns als SPD vorgestellt, so würden wir das auch machen. Warum wir das nicht tun? Doch, wir haben eine kalte Küche.

Was kommen Sie mir jetzt mit Oppermann? Was haben Sie die ganze Zeit mit Oppermann, der spielt doch keine Rolle mehr. Wir haben seine neue Funktion als funktionsloser Funktionsträger sehr informell andiskutiert. Wir haben ein Problem, das wir nicht lösen können, da kann man es wenigstens schon mal lockern. Ja, es liegt an der Personaldecke der SPD. Da fehlen uns nicht Fachkräfte, aber wir haben für die hart arbeitenden… für die… – Im Bund ist das nicht so einfach, für Landesminister reicht normalerweise ein vernünftiges Studium, und wenn es nur Jura ist, aber für den Bund müssen Sie vielseitig ersetzbar sein, verstehen Sie?

Gut, Sie wollen nicht. Wir nehmen das erst mal so zur Kenntnis und überlegen uns, wie wir die Basis auf eine demokratisch fundierte und sehr verantwortungsbewusste Oppositionsarbeit gegen die Bundeskanzlerin einstimmen, und dann werden wir dem ganzen Land, dem wir uns als Partei auch in historischer Perspektive verpflichtet fühlen, eine über diese Jahre hinaus reichende, soziale und weltpolitische Dimension… eine Dimension zu… also für die… – Sie wollen doch mit uns regieren, wir wissen es doch! Sie haben jetzt noch eine letzte, eine allerletzte Chance, dass wir in einer von der CDU geführten… also ohne… also… – Wenn Sie jetzt einen Fehler machen, Freundchen, dann schicken wir Nahles!“





Berichterstattung

20 09 2017

Es war laut, aber schließlich standen wir auch im Eingang zum News Room. „Zweiköpfige Ziege“, schrie der Redakteur, „direkt aus Ankara!“ Eifrig rannte ein Praktikant durch die Schreibtische. „Die Außerirdischen sind in Bad Salzuflen gelandet“, keuchte er. Siebels grinste. „Ich habe Ihnen wohl nicht zu viel versprochen.“

Die Chefredakteurin ließ sich in den Chefsessel fallen. „Wir haben das beste Angebot“, erklärte sie. „Und irgendeiner muss es doch machen.“ „Und wenn Sie es einfach nicht machen würden?“ Sie blickte uns an wie ein waidwundes Wild, seufzte – es sollte so peinlich und aufgesetzt klingen, dass man es für niedlich halten musste, war dann aber nur aufgesetzt und peinlich – und richtete sich ein wenig unbeholfen auf. „Der Leser hat es sich in seiner eigenen Welt gemütlich gemacht, und das werden wir nicht mehr ändern. Wir können es dann nur noch beobachten – höchstens.“ „Indem Sie den Kassen beim Klingeln zuhören.“ Sie verzog den Mund. „Wie gesagt, einer muss es machen.“

Währenddessen hatte das Telefon beständig geklingelt. Sie nahm ein Gespräch an. Offenbar ging es um chinesische Raketeneinschläge, vielleicht waren es aber auch Raketeneinschläge in China – Genaueres würde man erst wissen, wenn sich herausgestellt haben würde, welche der beiden Schlagzeilen sich besser verkaufen würde. „Aber wir machen das nicht für uns“, verteidigte sie sich. „Wir arbeiten mit sehr vielen anderen Häusern zusammen, darum schreiben wir auch nur die Meldungen, statt eine eigene Zeitung herauszubringen.“ „Und es bewahrt einen vor einer Flut von Klagen“, gab Siebels ungerührt zurück. Er spuckte sein Streichholz nicht unelegant in den Papierkorb der Redaktionsleiterin. „Alles andere wäre sicher auch eine gewaltige Bremse für Ihre Kreativität.“

Auf dem großen Konferenztisch wurden derweil Meldungen sortiert. Offenbar stand die russische Invasion auf zahlreichen Saturnmonden unmittelbar bevor, aber das konnte man erst nach dem ersten von Steuergeldern finanzierten Kamelrennen im Kölner Dom mit Sicherheit sagen. Eine Meldung des Wetterdienstes verkündete, der vergangene Sommer sei einer der wärmsten und trockensten aller Zeiten gewesen. „Manchmal“, grinste Siebels, „manchmal wissen sie einfach nicht, bis wohin sie zu weit gehen dürfen.“ Auf einer Seite Text verlor der FC Barcelona gegen die C-Jugend von Rapid Konolfingen. Wahrscheinlich störte es keinen, denn die Redakteure hielten ihre Börsenspekulationen für echt.

„Wir brauchen einen guten Aufmacher für die führenden Kunden“, entschied die Chefin. „Wir könnten etwas über ein Atomkraftwerk bringen, oder fällt Ihnen zum Thema Terrorismus nicht auch etwas ein?“ „Warum nicht beides?“ Das pfiffige Nachwuchstalent erntete sofort Anerkennung. Man hätte die Konsumenten nicht besser verunsichern können als mit dieser Verbindung von Angst, grobem Unverständnis und Zweifel an den eigenen Überzeugungen.

„Im Grunde ist schon viel damit gesagt, dass sie es nicht selbst veröffentlichen.“ Siebels hatte sich ein neues Streichholz zwischen die Zähne gesteckt. „Das Medium ist die Botschaft. Bei Bedarf könnten sie sicher schon einmal richtige Meldungen mit ins Sortiment nehmen und darauf hoffen, dass keiner sie für bare Münze nimmt.“ Am großen Tisch hatten die Russen die Invasion auf den Jupiter ausgedehnt. Chinesische Schleuser beförderten koreanische Afrikaner übers Mittelmeer in die Antarktis. Die Butter wurde teurer, nachdem eine ausländischen Organisation enthüllt hatte, dass sie größtenteils aus Erdöl besteht. „Aber wer soll das glauben?“ „Die meisten glauben es gar nicht“, sagte Siebels. „Sie können nur das Gegenteil nicht ausmachen und halten es daher für noch viel unwahrscheinlicher.“

Die Chefredakteurin hatte endlich den Entwurf des Titels einer großen deutschen Tageszeitung ergattert. Nach übereinstimmenden Polizeiberichten waren drei Dutzend Jugendliche in eine Bank eingebrochen, hatten den Kassierer erheblich verletzt, den Tresor mit einem Sprengsatz geöffnet und darauf die Innenstadt von Göttingen verwüstet. „Der Bankeinbruch war in Celle“, merkte ich an. Siebels nickte. „Ihnen fällt das natürlich auf, aber sind Sie denn ein Maßstab für diese Art von Berichterstattung?“ Ich las weiter. In den frühen Morgenstunden war es zu einem Schusswechsel gekommen – „Dem Geräusch nach muss man von einer Panzerhaubitze ausgehen, mindestens aber von einem kompletten Grenadierbataillon!“ – und die Bundespolizei, die auch sonst alle Straftaten landfremder Schwerverbrecher unter den Teppich zu kehren hilft, hatte in einer hastigen Aktion alle Spuren des stundenlangen Kugelhagels unkenntlich gemacht. „Wenn man Anwohnern glaubt“, grinste er, „dann haben die sogar auf sämtlichen neuen Verkehrsschildern die Rostspuren aufgebracht, die schon vor dem Attentat da waren.“ „Es klingt zu realistisch“, grübelte ich. „Müssen wir jetzt wegen solcher Botschaften schon dem ganzen Medium glauben?“ Siebels schüttelte den Kopf. „Schauen Sie noch mal hin. Noch mal. Noch.“ Mit fiel nichts auf, erst als Siebels den Finger darauf legte, stellte ich fest, der nächtliche Angriff würde erst in der kommenden Woche stattfinden. „Die Botschaft“, erläuterte Siebels, „ist größtenteils der Leser.“





Gefühle der Verbundenheit

19 09 2017

„Wir leugnen ja gar nicht, dass es diese Netzwerke gibt. Das sind Rechtsradikale, in der Presse sagen sie auch oft, das seien Neonazis, wenn Sie mich fragen, mit dem Begriff können wir leben. Ist ja im Kern nicht wirklich etwas anderes. Und mal ganz ehrlich, wenn sich Reservisten in ihrer Freizeit noch ein bisschen politisch engagieren, ist das nicht auch ein Zeichen von Volksnähe?

Jedenfalls können Sie nicht behaupten, die seien irgendwie abgehoben wie damals die RAF. Die hatten überhaupt keine Verbindung mehr zum Volk, deshalb konnten sie deren Sorgen und Nöte auch gar nicht mehr nachvollziehen. Beim NSU war das freilich ganz anders, aber das ist ja nun leider nicht mehr, da müssen wir wieder auf uns selbst aufpassen. Und da setzt unsere Sicherheitspolitik jetzt an, dass wir gegen diesen unseligen Spartrend der vergangenen Jahre anarbeiten, gegen diese Stellenstreichungen, gegen Videoüberwachung und Bindung der Kräfte in sinnlosen Beobachtungen. Sicherheit gibt es nur, wenn die rechten Leute sich dafür einsetzen.

Wenn wir Arbeitsplätze schaffen wollen, dann müssen wir einfach für die passenden Rahmenbedingungen sorgen. Als Polizist fühlt man sich heutzutage ja so leicht diskriminiert – überall Linke und Demokraten, da braucht man schon ein bisschen Sicherheit, dass wenigstens im Jobumfeld ein einigermaßen rechtes Biotop vorhanden ist. Die nationalistische Gesinnung, vernünftiger Umgang mit Staatsanwälten und Richtern verfolgten Tätern aus völkischer Notwehr, das macht viel aus. Da ist man froh, wenn sich ein paar von den Kameraden als Stabilitätsanker zur Verfügung stellen.

Wir haben da bei der Wehrmacht – heute heißt der Laden ja Bundeswehr, aber die Erfahrungen sind dieselben. Jedenfalls klappt die Integration wesentlich besser, wenn man ein paar Personen an den Schlüsselstellen positioniert. Da weiß man dann beim Erstkontakt am Standort sofort, hier ist man richtig. Du siehst eine Reichskriegsflagge, das gute alte Hakenkreuz, da kommen spontan Gefühle der Verbundenheit auf, mit denen man sich in der Truppe wohlfühlt. Es sind manchmal die kleinen Dinge, verstehen Sie – da hat einer aus Versehen den Stahlhelm zu Hause liegen lassen, und dann hilft man sich eben.

Wenn sich jetzt Rechtsanwälte in diese national engagierten Kreise einklinken, dann ist das für uns durchaus positiv zu sehen. Sie kriegen doch kaum noch einen vernünftigen Strafverteidiger, wenn Sie als Polizeibeamter mal aus Heimatliebe so einen Asylantenschuppen anzünden mussten. Manchmal passiert das schon aus Fahrlässigkeit, aber auf jeden Fall sollte man den Tätern immer eine Chance geben. Oder noch eine. Denn wenn die Gesellschaft es nicht mehr hinkriegt, diese Menschen vor dem Zugriff volksverräterischer Kräfte zu schützen, wer macht das denn dann? Hier müssen wir ansetzen, dafür sollte sich die Politik viel mehr interessieren. Aber das macht die AfD ja demnächst.

Aber um noch mal auf die Personalausstattung der Sicherheitskräfte zurückzukommen, wir haben so viele Personen schon in den Asylantenläden, die ein menschenunwürdiges Arbeitsumfeld erdulden müssen. Da sind ja manche schon, die sagen zu ihren Vorgesetzten, ob man sie nicht wegen guter Führung auch nach Afghanistan abschieben könne, da sei es besser als in diesem Restdeutschland. Lauter kriminelle Ausländer, man hat als deutscher Mann schon Angst, dass die einen vergewaltigen, weil sie ihre Frauen da am Hindukusch gelassen haben zum Kopftuchmädchen machen. Die sind größtenteils einschlägig ausgebildet, manche noch ohne Einblick in den Justizvollzug, aber die meisten sind doch sehr anständige Landsleute, die eine Chance mehr verdient haben als die anderen. Da haben wir den Praxisbezug, die meisten haben Familie und könnten nicht mal eben mit der Truppe in den Busch fahren, und da bietet sich die Polizei wirklich an. Wir müssen da einfach nur wollen.

Vor allem frage ich Sie, wenn diese Leute sich jetzt schon eine Qualifikation nach der anderen draufschaffen, Schießen und Überlebenstraining, das braucht man ja, sobald hier der Bürgerkrieg endlich ausbricht, da haben wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Über die Kosten muss man reden können, aber sehen Sie es mal so: wenn wieder ein internationaler Gipfel in einer deutschen Metropole stattfinden sollte, dann sind wir gegen das linke Pack bestens gerüstet. Wenn Sie die Leute alle in Bürgerwehren schieben, können Sie die nur auf kommunaler Ebene nutzen.

Etwas Schwund gibt’s halt immer, der eine steigt aus, der andere tarnt sich als Flüchtling und besorgt sich Sprengsätze, aber sehen wir die Sache doch mal pragmatisch: die Waffen, die hier aus den Kasernen verschwinden, die werden definitiv nicht in Drittweltländer verschoben, Deutschland gilt noch nicht als Krisengebiet, und für jeden Musel, dem wir hier die Birne wegpusten, kommen zehn andere gar nicht erst. Das ist volkswirtschaftlich gut angelegtes Geld, mal ganz davon abgesehen, dass keine Waffe ohne Munition schießt – ein astreiner Vertriebskanal, wenn Sie mich fragen. Wie gesagt, wir sichern nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch unser Heimatland. Meinen Sie, das täte jemand anderes für uns?“