Narren

23 02 2017

„Wenn Sie mich fragen, ich würde es genau so machen.“ „Was?“ „Das, was Trump macht.“ „Sie sind ja vollkommen…“ „Eben nicht.“ „Sie wollen mir doch jetzt nicht erzählen, dass Sie sich wie ein durchgeknalltes Arschloch benehmen, damit man Sie für den amerikanischen Präsidenten hält.“ „Habe ich das behauptet?“ „Nein, aber…“ „Ich würde mich nur wie ein durchgeknalltes Arschloch benehmen, damit man mir den mächtigsten Mann der Welt abnimmt.“

„Entschuldigen Sie mal, das ist doch verrückt!“ „Ja.“ „Was: ja?“ „Ja. Es ist verrückt, Sie haben da absolut recht.“ „Sie wollen ernsthaft behaupten, dass das nur eine Masche ist, mit der man sich als Präsident wichtig machen kann?“ „Sie verwechseln da etwas. Wichtigkeit ist nicht automatisch Macht. Es kommt auf die Macht an.“ „Und dazu muss man sich wie ein durchgeknalltes Arschloch benehmen?“ „Ja.“ „Jetzt kapiere ich gar nichts mehr.“ „Das hatte ich erwartet.“ „Wieso das jetzt?“ „Nun, ich kenne Sie als vernünftig, sehr reflektiert, durchaus auch gebildet, also nicht der Charakter, dem man mit dumpfem Gefasel den Kopf verdrehen könnte.“ „Und das ist ein Grund für diesen Mann, sich wie ein Tobsüchtiger zu gebärden? weil ihn dann jeder wählt, der genauso bescheuert ist?“ „Zunächst mal ja. Aber dann muss man natürlich bedenken, dass nach der Wahl immer noch ein bisschen Politik folgt. Man muss dafür ja auch vorbeugen.“ „Und warum macht er das? kann man ein Land wie die USA nicht mit Logik und gesundem Pragmatismus regieren, wie es die meisten anderen getan haben?“ „Ja, aber dann werden Sie nie die Ziele erreichen, die er sich gesteckt hat. Logik mag unbarmherzig und kalt sein, sie ist vor allem eins: berechenbar.“ „Und das ist der Grund, warum sich Trump derart unlogisch verhält?“ „Krieg ist wie Schach. Seien Sie niemals rational, wenn Sie Macht haben wollen. Je besser ein Gegner den nächsten Schritt vorausahnt, desto bitterer wird Ihre Niederlage.“

„Dann ist er ein Geisteskranker?“ „Er spielt so schlecht einen Geisteskranken, dass man ihm den schon abnehmen muss, ja.“ „Also ist der Mann tatsächlich verrückt?“ „Er hat von den Besten gelernt. Ich will Ihnen das mal erläutern: wenn Sie eine Bank überfallen, und Sie schlendern mit einem Gewehr in die Schalterhalle, lehnen sich lässig an den Tresen, was passiert dann?“ „Keine Ahnung.“ „Dachte ich mir. Wenn Sie nun aber in die Halle reinstürzen, als erstes die Wachmänner abknallen, die Lichter wegballern und drohen, alle Geiseln der Reihe nach zu erschießen, was passiert dann?“ „Man wird mir Geld geben?“ „Und einen aufgetankten Fluchtwagen und den Helikopter zum Flughafen.“ „Welchen Unterschied macht das?“ „Es handelt sich nicht um einen einfachen Bankraub, sondern um einen milliardenschweren Poker um Börsenkurse, Immobilien und den militärisch-industriellen Komplex.“ „Nicht um Macht?“ „Sie sind lustig! woraus, meinen Sie, besteht denn die?“

„Wenn ich Sie jetzt richtig verstehe, meinen Sie, dass ein absolut unberechenbarer Irrer immer die Oberhand in der Politik behält? und warum muss immer gleich die Rede von Krieg sein?“ „Meinen Sie, ein Kriegsherr ruft vorher bei seinen Freunden in China an: ‚Howdy, ab morgen bomben wir Euch Schlitzaugen mal in die Hölle zurück‘?“ „Und wenn die dann wirklich Angst haben?“ „Schauen Sie sich die Geschichte an.“ „Vielleicht kommt er doch noch zur Vernunft.“ „Das haben alle schon nach der Wahl gesagt. Passiert ist nichts.“ „Man könnte doch auf einen Kompromiss hinarbeiten, damit er begreift, dass er nicht mit jeder Forderung durchkommt.“ „Sie wollen einen Säufer mit Weinbrandbohnen entgiften? Viel Spaß dabei.“

„Aber um auf meine Frage zurückzukommen: warum muss immer von Krieg die Rede sein?“ „Weil er sein Land groß machen will.“ „Das kann man doch aber auch im Frieden.“ „Es geht nicht um die Tat, es geht um den Willen. Wenn man das versprechen will, zieht man am besten in den Krieg. Er stellt sein Land auf die Probe, bis zu welchem Grad man eine Gesellschaft und ihr politisches System verbiegen kann, bis sie von selbst in den Krieg abgleitet.“ „Immerhin will er doch für mehr Frieden im Inneren sorgen.“ „Natürlich verspricht er Gewaltlosigkeit und das Ende der Verbrechen. Wenn einer Gewalt ausüben darf, auch willkürlich und widerrechtlich, dann nur er.“ „Und wenn er das alles nicht in den Griff kriegt? Ich meine, wenn er komplett scheitert, politisch im Grunde überhaupt nichts tun kann und keinerlei Programm hat?“ „Dann kann er es immer noch der Lügenpresse in die Schuhe schieben, die seine Erfolge gezielt verschweigt und stattdessen an der Umerziehung des Volks arbeiten.“ „Und das wirkt?“ „Ein paar Dumme werden Sie immer finden, die zu keinerlei kritischer Reflexion in der Lage sind. Man fängt sie mit reiner Provokation, kalkulierten Tabubrüchen und der ständigen Wiederholung, ein Opfer der übermächtigen Widersacher zu sein. Das System ist schuld. Es braucht einen übermächtigen Narren, um es zu reparieren, denn nur der übermächtige Narr ist dazu in der Lage.“ „Gut, dass wir so etwas in Deutschland nicht haben.“ „Ach, meinen Sie?“ „Es müsste doch jemanden geben, der das Land wieder regierungsfähig macht und aus diesem Stillstand herausholt.“ „Sie meinen, den gibt es? wer schwebt Ihnen denn da vor?“ „Ich weiß nicht. Wer ist denn so durchgeknallt.“ „Das ist kein Kriterium.“ „Warum denn nicht?“ „Das reicht nicht aus. Sie müssen schon auch noch ein Arschloch sein.“





Klammheimliche Freunde

22 02 2017

„… noch keine Informationen vorlägen, ob es sich um eine Straftat handle, da Rechtsradikale oft auch freiwillig in den Untergrund gingen. Allerdings sei seit mehr als zwei Wochen keine Spur von Höcke in den…“

„… die Partei spalten werde. Meuthen wolle den thüringischen Volkstribunen solange als Führer der Bundestagskampagne halten, bis er selbst in…“

„… mache Poggenburg die volksfremden Fremdrassen für das Verbrechen verantwortlich. Es sei so gut wie sicher, dass der Ritualmord an Höcke von muslimischen Flüchtlingen begangen worden sei, was nur auf Betreiben der Bundeskanzlerin und ihrer…“

„… ein aktuelles Video veröffentlicht worden sei. Der ostdeutsche Populist sei mit dem Pappschild Seit 20 Tagen Gefangener der Republikanischen Armee Fraktion in einem Wandschrank…“

„… Streitigkeiten im nordrhein-westfälischen Landesverband aufgetreten seien. Pretzell habe den Rücktritt sämtlicher anderer Funktionsträger gefordert, um etwaige Provokationen im kommenden Bundestagswahlkampf selbst zu…“

„… nur linkspazifistische Gutmenschenchaoten in Frage kämen. Der Bundesvorstand fordere daher die präventive Kastration sämtlicher ausländischer Einwanderer, um eine Wiederholung der fortgesetzten Bombenangriffe auf Dresden, die Islamisierung der deutschen Weihnachtsmärkte und die Überschwemmung nationaler Kantinen mit…“

„… ein Parteiausschlussverfahren pro forma schon jetzt einzuleiten. Petry stelle in Aussicht, dass Höcke, sollte er die Entführung überleben, hinterher wieder in seiner alten Position als…“

„… schlage Meuthen vor, selbst als alleiniger Spitzenkandidat in den Wahlkampf zu ziehen, um die Bindung der offen nationalsozialistischen Kräfte an die Mitte der Partei nicht vorzeitig zu…“

„… Poggenburg auf die nun vakante Position reflektiere. Überhaupt wolle er aus Gründen des Demokratieschutzes nicht akzeptieren, dass andere Wucherungen am deutschen Volkskörper eine höhere Besoldung als…“

„… einfach jeden verdächtig aussehenden Ausländer zu erschießen, auch Frauen und Kinder, um so schließlich der Entführer habhaft zu werden. Storch wolle in einem zweiten Schritt die Internierung aller nicht als Wähler der AfD registrierten Bürger in einer speziellen Datei des…“

„… den Rücktritt nahegelegt habe. Meuthen sei überzeugt, dass Höcke nach seiner Rückkehr als geliebter Führer des völkischen Flügels die…“

„… sich seit 23 Tagen in der Gewalt der RAF befinde. Die Vermutung, Höcke sei von sogenannten Reichsbürgern entführt worden, habe der Landesverband Bayern mit größtmöglicher Entrüstung…“

„… auch in der Doppelspitze vorstellbar sei. Meuthen schlage daher vor, dass auf dem Vereinigungsparteitag von AfD und NPD je ein Holocaustkritiker und ein Holocaustleugner die…“

„… sich Gauland für seinen klammheimlichen Freund einsetzen wolle. Als Zeichen der Solidarität fordere er, sämtliche KZ-Gedenkstätten auf deutschem Boden unverzüglich niederzureißen, um nicht der herrschenden linksradikalen Junta die Infrastruktur für zukünftige Foltercamps zur Verfügung zu stellen, solange der große Führer Höcke noch im unfreiwilligen Exil des…“

„… nicht kooperationsfähig sei. Petry müsse ihn schon unterstützen, wenn sie nach seiner Wahl zum Führer auf Lebenszeit Mitglied der Partei bleiben wolle. Ansonsten habe Meuthen vor, Koalitionen mit anderen rechtsradikalen…“

„… inzwischen auf 28 Tage angewachsen sei. Da Höcke inzwischen in so gut wie allen öffentlichen Einrichtungen Hausverbot erhalten habe, konzentriere sich die Suche jetzt auf die…“

„… die Internet-Kampagne Adolf, bitte melde Dich von Roon gar nicht zur Kontaktaufnahme mit den Entführern gedient habe. Vielmehr sei sie als überzeugte Nationalsozialistin in der Lage, durch…“

„… könne die Partei sich jetzt schon auf den Parteivorsitz Höckes einigen, da dieser als einziger die Erschließung von Lebensraum im Osten und die Vernichtung undeutscher Rassen in seinem politischen Entwurf vereine. Meuthen verlange nur eine Vizeführerschaft, um beispielsweise im Falle von Höckes gewaltsamem Ableben sofort als…“

„… jedes Hotel des Betreibers niederzubrennen, um Höcke zwar nicht zu retten, sich hernach aber wenigstens sicher zu sein, wo er verstorben sei. Parallel dazu wolle Poggenburg auch alle deutschen Moscheen, Synagogen, das Willy-Brandt-Haus und die…“

„… dass die Wahlkampfparole Nur mit Meuthen gegen Musels beim Vorstand nicht auf ungeteiltes Echo gestoßen sei. Ein inklusionistischer Ansatz hätte auch Juden und Arbeitslose, Rentner, Homosexuelle, Behinderte und ausländisches…“

„… im Umgang mit Höcke eine 180-Grad-Wende hinlegen müsse. Petry wolle dies gleich zweimal tun, um sicherzugehen, dass keine…“

„… sich angeblich geäußert habe, er sehe die Entführung mit Genugtuung. Nach verschiedenen Versionen sei dies jedoch auch von Meuthen, Pretzell, Gauland, Poggenburg und…“

„… ein halbes Gehirn in einem Schraubglas mit Formaldehyd in einem Papierkorb am Rastplatz an der A8 hinterlegt habe. Der Bundesvorstand habe dies mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen, weil dadurch nun klar sei, dass Höcke noch unversehrt und…“

„… dass Meuthen einer Spaltung der Partei im Bundestag nur dann zustimmen werde, wenn seine Fraktion von Merkel als Koalitionspartner grundsätzlich…“

„… Höcke seine Entführung nur vorgetäuscht haben könnte, um in Syrien eine Ausbildung zum Dschihadisten zu…“

„… sich Meuthen ansonsten für die innerparlamentarische Fundamentalopposition ausgesprochen habe, sofern dies nicht zur Entfremdung mit den außerparlamentarischen Kräften im Dresdner Raum und in den…“

„… nach unbestätigten Meldungen bereits im Deutschen Bundestag gesehen worden sei. Leider sei das Gelände noch immer von Linksfaschisten wie der CSU kontaminiert, die Poggenburg mit einer kontrollierten Euthanasie…“

„… könne sich Meuthen auch vorstellen, mit einer eigenen rechtsextremistischen Partei in den Wahlkampf zu ziehen. Sollte Höcke erst dann wieder auftauchen, so müsse er sich mit einer Rolle als Angestellter der gemäßigten Petry-Fraktion…“





Freie Markenwirtschaft

16 02 2017

„… da er in seiner Rede zum Verteidigungshaushalt mehrmals ohne einen Zusammenhang zum Thema die Hotelkette West Eastern genannt habe. Der haushaltspolitische Sprecher der…“

„… es sich nicht um einen Einzelfall gehandelt habe. Da die Ehefrau des Fraktionsvorsitzenden eine Leitungsfunktion im Süßwarenkonzern Mulli innehabe, werde das Produkt Fruchtschleckerli gezielt in allen Landesverbänden der Partei zu internen Sitzungen und wahlkampfbedingten…“

„… im hessischen Landtag Flyer für die Naturheilpraxis ihres Lebensgefährten ausgelegt habe, der erst kürzlich nach Wiesbaden gezogen sei. Zusätzlich habe sie mehrmals ein T-Shirt mit dem Rückenaufdruck Homöo Faberim Plenarsaal und in der…“

„… da West Eastern nur für Mitglieder seiner Partei ein preisreduziertes Angebot für Einzelzimmer mit Frühstück bereithalte. Der Beherbergungsbetrieb komme damit etwaigen Befragungen zuvor, die der jüngst eingesetzte Untersuchungsausschuss…“

„… es nicht im engeren Sinn um Wüstenhube gehe, sondern allgemein um Baufinanzierung. Die Landesgruppenchefin habe nur den ersten Namen genannt, der ihr in der parlamentarischen Auseinandersetzung in den…“

„… auch rechtliche Konsequenzen für den Sender nach sich zögen. So habe er bewusst in der Talkshow die Schuhsohle mit dem aufgedruckten Slogan Fruchtschleckerli, die schmecken! in die Kamera…“

„… die Bürgersprechstunde dazu genutzt habe, den Besuch der Heilpraxis zu empfehlen. Nach mehreren Beschwerden habe sie sich zunächst auf Twitter, dann auch in anderen…“

„… die Konferenz zur inneren Sicherheit der EU-Staaten in West Eastern Meeting umbenennen wolle. Der Justiziar der Golden Rose Group habe eine kartellrechtliche Aufklärung der Vorgänge mit sofortiger…“

„… nur mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt worden sei. Das Bundespräsidium habe erst kurz vor der geplanten Freigabe erfahren, dass sich der Spitzenkandidat auf den Wahlplakaten mit einer Tüte Fruchtschleckerli habe zeigen wollen, um die jüngere Zielgruppe zu einer…“

„… müsse man im Niedrigzinsumfeld auch dazu übergehen, Bausparverträge einseitig zu kündigen. Dieses habe sie wahrheitswidrig als Verhalten dargestellt, dass alle Bausparkassen mit Ausnahme von Wüstenhube praktizierte, so dass sich die Frage stelle, warum diese einseitige…“

„… Aktienpakete im Wert von fast zwei Millionen Euro erworben habe. Zeitgleich habe der haushaltspolitische Sprecher begonnen, Interviews nur noch dann zu geben, wenn die Kamera das Logo von West Eastern im Hintergrund…“

„… gehe es auch um zweckentfremdete Mittel zur Sanierung eines Schwimmbades sowie eines Kinderhospizes, die der Abgeordnete in seinem Wahlkreis für die Erweiterung der Mulli-Werke von 2007 bis einschließlich…“

„… beide Söhne im Vertrieb der Bausparkasse Wüstenhube arbeiten würden. Sie selbst habe einen Guthabenzins von 5,5% zugesichert bekommen, was angesichts der derzeitigen Entwicklung in der Finanzbranche kaum zu…“

„… eine einstweilige Verfügung erwirken wolle, da das Wahlplakat mit der Aufschrift ‚Politik ohne Schleckerli‘ geeignet sei, einen schweren Schaden für das bekannteste deutsche…“

„… insgesamt hundert Politikern, darunter dem gesamten Bundespräsidium, mehrtägige Aufenthalte in den West Eastern Hotels in Florida, Thailand, Südfrankreich, in Aspen, auf Hawaii und in den kanadischen…“

„… nicht als Wählerbeeinflussung zu verstehen sei. Es bleibe weiterhin erlaubt, an Schulen und Kindergärten Fruchtschleckerli in neutraler Verpackung zu verteilen, die keinerlei Rückschlüsse auf die Partei oder ihre politische…“

„… den Stand in der Fußgängerzone zwar für die Bundestagswahl beantragt, dann aber ausschließlich Prospekte und Informationsmaterial von Wüstenhube ausgelegt habe, so dass von einem politischen…“

„… von einem Insider berichtet worden sei, dass Mulli bereits 2014 damit begonnen habe, die zu je einem Viertel rot, gelb, schwarz und grün eingefärbten Fruchtschleckerli seien entsprechend der Landesregierung im Auslieferungsgebiet in ein anderes Mischungsverhältnis …“

„… Staatsgäste fast ausschließlich in West Eastern Hotels unterbringen wolle. Der Bundesrechnungshof habe dies Ansinnen bereits im Vorfeld als vollkommen…“

„… die Eintragung eines nicht erworbenen akademischen Grades im Personalausweis beantragt habe, da die Bezeichnung Dr. Faber für den gelernten Fliesenleger eine lukrativere…“

„… es sich beim neuen Testimonial, das auf Printanzeigen Fruchtschleckerli lutsche, um die Tochter des Fraktionsvorsitzenden handle. Das vierjährige Kind sei noch nicht geschäftsfähig, so dass die Einnahmen als nicht deklarierter Nebenverdienst des…“

„… beantrage sie die Entlassung sämtlicher Mitglieder des Untersuchungsausschusses, der den Verkauf von Bausparverträgen an…“

„… die Auslieferung einer wahlbezogenen Sonderedition der Fruchtschleckerli mit einem Eilantrag zu verhindern, da die Gefahr bestünde, durch ein Missverhältnis der Farben der Süßware eine erneute Beeinflussung des…“

„… mit dem Vorfall in Verbindung gebracht werde. Der ehemalige haushaltspolitische Sprecher sei im Berliner West Eastern leblos in seiner Suite aufgefunden worden. Es gebe keinen Hinweis auf Fremdverschulden, ebenso könne ein Unfall aufgrund der Spurenlage nicht…“





Der Messias

14 02 2017

06:00 – Aus dem Innenhof erklingt weihevoll Ludwig van Beethovens Ode an die Freude, intoniert von den Berliner Philharmonikern sowie dem Wiener Singverein unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Der designierte SPD-Vorsitzende hebt die Gardine mit der Linken beiseite, während er mit der anderen Hand dem Ensemble huldvoll winkt. Martin Schulz ist wach und kann nun sein Tagwerk beginnen.

06:05 – Die ersten Berichterstatter sind auf der Straße zu sehen. Abhängig von der Krawattenfarbe des ehemaligen Parlamentspräsidenten sollen bis spätestens halb elf die internationalen Börsenkurse feststehen. Da keine Informationen nach außen dringen, einigt sich der Aktienmarkt auf einen sehr stabilen Tag, der vor allem die deutsche Wirtschaft sehr positiv für die SPD einnimmt.

06:21 – Schulz bricht das Brot, dankt und gießt sich noch einen zweiten Kaffee ein. Nebenbei kürzt er seine Nasenhaare, liest sieben Tageszeitungen parallel und hört einen Radiokommentar zur weltpolitischen Lage. „Wer weise ist“, spricht er zu seinem Weib, „der hört zu und bessert sich; wer verständig ist, der lässt sich raten.“ Das auf dem gegenüberliegenden Balkon installierte Richtmikrofon der Christdemokraten fängt die Worte des großen Vorsitzenden auf und befördert sie sogleich in die Wahlkampfzentrale, wo ein Team aus erstrangigen Krypto-, Sozio- und Politologen sie mit Quantencomputern analysiert.

06:54 – Schulz verlässt das Haus. Er winkt ein Taxi heran, dessen Fahrer vor zwanzig Jahren aus dem Irak nach Deutschland eingewandert war, um dereinst den Kanzlerkandidaten ins Büro zu fahren. Vor lauter Rührung bekennt der Chauffeur seine Sünden, konvertiert spontan zum Protestantismus und kauft auf Schulz’ Geheiß in einem kleinen Tabakladen auf dem Weg ein Rubbellos. Mit dem Gewinn von 50.000 Euro unterstützt er den Bau von Brunnen und Mädchenschulen, die wegen der Einstufung Afghanistans als sicheres Herkunftsland jetzt vermehrt von den Taliban bombardiert werden.

07:22 – Der Ortstermin auf Schloss Bellevue, das Schulz für den kommenden Bundespräsidenten Steinmeier sozialdemokratisch einsegnen soll, muss verschoben werden: die Lutherbrücke ist wegen eines Fahrbahnschadens beidseitig gesperrt. Der kommende Kanzler zahlt den Taxilenker an der Anne-Frank-Schule aus, schreitet ans Ufer und geht über die Spree.

07:49 – Der Hausmeister des Präsidentenschlosses öffnet die Pforten. Schulz erkennt sofort, dass dies ein Mann ist, der hart arbeitet. Er verspricht ihm, dass sich in seinem Leben nichts ändern wird. Der ehemalige Handwerker schleicht weinend in den Geräteschuppen, um sich an seinen Hosenträgern zu erhängen.

08:10 – Rasch hat Schulz ein paar SPD-Broschüren ausgelegt, den Mindestlohn beschworen und mehr Gerechtigkeit gefordert. Durch Handauflegen erweckt er eine vertrocknete Topfpflanze wieder zum Leben. Aus dem Hintergrund ist leise ein zehntausendstimmiger Engelschor zu hören.

08:55 – Kurz vor dem Kanzleramt erblickt Schulz unter einer Brücke einen Hohlraum, in welchem lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. Der neue Prophet der Mitte aber packt einen am Kragen. „Steh auf und wandle“, raunzt er ihn an, „und such Dir einen Job, in dem Du hart arbeiten kannst, weil wir sonst kein Geld haben für einen Wehretat, der den Aktionären hilft, ihr Geld hart für sich arbeiten zu lassen!“ Zehn bis zwölf Jünger winden sich in Ekstase auf dem Kiesweg und verkünden neue Spitzenwerte für die SPD.

09:12 – Die Rentnergruppe aus Würselen will sich unbedingt von Schulz segnen lassen. In Streit um den Platz in der ersten Reihe beginnen erst verbale Auseinandersetzungen, bis Handgreiflichkeiten einsetzen. Der Heilsbringer aus Brüssel betrachtet die Situation aufmerksam.

09:26 – Erste Senioren sind zu Boden gegangen, es wird langsam kritisch. Schulz erläutert der Menge, dass es auf jede gesellschaftliche Gruppe ankommt, die für die gerechte Verteilung der Mittel ihre Stimme erhebt und gegen die Ungerechtigkeit der bisherigen Regierung vorgeht. Ein seit zehn Jahren erwerbsloser Zwangsrentner wirft einen Schuh, der den Retter des Sozialismus nur um Haaresbreite verfehlt. Von oben ertönt die Stimme Helmut Schmidts, der verkündet, dies sei sein lieber Sohn, an dem er Wohlgefallen habe.

09:57 – Schulz setzt seinen Weg mit der U-Bahn fort. Beim Betreten des Bahnsteigs wird er von einem Nichtsesshaften gefragt, ob er mal eine Mark habe. Der designierte Friedensnobelpreisträger macht den Bürger ohne Mandat darauf aufmerksam, dass es inzwischen eine friedensstiftende Währung für hart arbeitenden Europäerinnen und Europäer gibt, die auch weiterhin den Frieden sichere und die Aussicht, dafür hart zu arbeiten.

10:23 – Kaum am Ziel angekommen, da schart sich um den Visionär aus dem Rheinland schon die Menge der Gläubigen. Schulz habe verwahrloste Schulen angeprangert, nun sei er in der Pflicht, den Zustand zu ändern. Per Geistheilung materialisiert der Rasputin des Sozialstaats Landesmittel, die eine Sanierung des Leni-Riefenstahl-Gymnasiums in Bad Senkelteich ermöglichen. Verzückte Schüler streuen Palmwedel auf seinen Weg.

11:04 – Die letzten Wahlumfragen bestätigen, dass die Union keine Chance mehr hat, als Juniorpartner in einer erneuten Koalition mit der Schulz-SPD die Bundesregierung zu stellen. Der Kandidat bleibt jedoch vorerst bescheiden. In einem telefonischen Interview mit der New York Times gibt er zu verstehen, dass er vorerst nur die Führung über die freie Welt anstrebt.

11:33 – Das Büro meldet eine weitere Einladung zu einer Talkshow an. Schulz darf einen Teil der Fragen selbst formulieren. Um die hart arbeitende Mitte zu erreichen, dreht sich das Gespräch nun um Fußball, Alkohol, Verwaltungsrecht und die hart arbeitende Mitte.

11:35 – Gerade noch rechtzeitig ist Schulz im Willy-Brandt-Haus eingetroffen. Ein Maskenbildner, eine Stylistin, ein Psychologe und ein Therapeut machen den Überflieger der neuen Hoffnung in Deutschland fit für eine Aufzeichnung, die in den nationalen Boulevardmagazinen gezeigt werden soll: Martin Schmidt sitzt in der Mitte und arbeitet hart. Die Herausforderung ist immens, ja übermenschlich, doch das Team leistet einen Schwur, hart daran zu arbeiten.

11:36 – Drei Sekunden Videomaterial halten für die Nachwelt fest: Martin Schmidt arbeitet hart, für wen auch immer.

11:37 – Eine empörte Besucherin der Parteizentrale will den Kanzlerkandidaten sprechen, der ihr trotz des Aufstiegsversprechens, eines mit Auszeichnung absolvierten Studiums, einer Promotion summa cum laude, mehrerer Fortbildungen und eines Bildungsgutscheins zur Förderung mangelhaft qualifizierter Arbeitskräfte, die älter als dreißig sind und ihre Erwerbsbiografie durch Schwangerschaft sowie den mutmaßlich vorsätzlichen Unfalltod des Ehegatten sozialschädlich beeinflusst haben, wegen einer nicht zugestellten Vorladung des Jobcenters die vollständige Kürzung der Kosten der Unterkunft sowie der Regelsätze für die Bedarfsgemeinschaft streichen will. „Der Herr aber sprach zu dem Satan“, deklamiert Schulz, „wo kommst du her? der Satan antwortete dem Herrn und sprach: ich habe das Land umher durchzogen.“ Sofort ist die Bürgerin exorziert; sie schmeißt ihm ihr Parteibuch vor die Füße und verschwindet.

12:02 – Bei einem Arbeitsfrühstück im Borchardt, zu dem Milchkalbentrecôte an Auberginenkaviar gereicht wird, serviert die Fachkraft körperwarmen Riesling. Der Messias von Mitte verwandelt den Inhalt der Karaffe durch andächtiges Handauflegen wieder in Wasser.

12:19 – Zwischen Salat und Ananaskaltschale staucht Schulz die israelische Staatsführung am Telefon derart zusammen, dass Premier Netanjahu verspricht, bis Sonnenuntergang die Gründung eines autonomen Palästinenserstaates von der UNO zu erbitten.

12:21 – Steve Bannon meldet sich via Twitter. Er weiß nicht, wie er nach diesen außenpolitischen Schlägen mit Trump verfahren soll. „Setze Gottlose über ihn“, gibt Schulz zurück, „und der Satan müsse stehen zu seiner Rechten.“

13:07 – Der wartenden Menge vor dem Restaurant verkündet Schulz, man hätte den Mindestlohn mit der Einführung der Agenda 2010 verbinden sollen. Die Segensrufe der offensichtlich hart arbeitenden Mitte nehmen kein Ende, da sie nicht hart arbeiten und daher viel Zeit für öffentliche Kundgebungen haben. Außerdem sind sie Angestellte des SPD-Landesverbandes.

13:28 – Im improvisierten Interview mit dem Feministischen Radiokollektiv Berlin fordert der Heiland der irgendwie Roten, unsere Frauen in Ruhe zu lassen. Auf die Nachfrage, in welchem Besitzverhältnis sich welche Frauen befänden, gibt Schulz zu wissen, weder Nationalität noch Glaube, geschweige denn Religion oder das Bestehen eines harten Arbeitsverhältnisses sei für ausschlaggebend, es gehe ihm nur um unsere Frauen. Die zufällig anwesende Justiziarin der SPD stellt klar, dass Vergewaltigungsdelikte durch Asylanten nicht viel häufiger begangen würden. Der Kandidat wird in der Zwischenzeit schon von seinen Frauen mit Blumen beworfen.

13:59 – Die hart arbeitende Mitte hat in einer Mitteilung mitgeteilt, dass sie die Bankenrettung nicht toleriert und Steuerflucht ins Ausland für eine juristisch unbedingt zu erfolgende Straftat erachtet. Der Befreier der hart arbeitenden Mitte nimmt die Botschaft zur Kenntnis. Mehr kann man von ihm nicht erwarten, er muss ja den ganzen Tag lang hart für die Mitte arbeiten, damit ihn die hart arbeitende Mitte auch als hart für die Mitte Arbeitenden Arbeiter wahrnimmt, der hart für die Mitte arbeitet.

14:04 – Um die transatlantische Wertegemeinschaft zu stützen, verkündet der hart für die Mitte arbeitende Kandidat die sofort nach der Wahl zu erarbeitende Gesetzesvorlage, nach der die Gleichheit von Mann und Frau auch gesetzlich als Gesetz gesetzlich Gesetzeskraft haben soll. Alle Zuwiderhandlungen werde Schulz mit mehr Zeit für noch mehr Gerechtigkeit bekämpfe, wenn nicht begegnen.

14:05 – Nach Auskunft identitärer Kreise hat sich Höcke eine Kugel durch den Kopf gejagt, nachdem er den Hoffnungsträger Schulz als das Licht der sozialistisch-nationalen Erneuerung bezeichnet hat.

14:34 – Die Kaffeerunde im SPD-Hauptquartier ist so fidel wie selten. Schulz und Oppermann, Gabriel und Steinmeier liegen sich in prustendem Gelächter in den Armen. Das Volk redet wieder einmal Scheiße. Zum Glück braucht vorerst keiner auf das Geseier zu hören. Gut, dass außer dem künftigen Bundespräsidenten keiner politisch für die Agenda verantwortlich gemacht werden kann.

15:19 – Der Besuch beim Reiterverein Wublitz geht gründlich in die Hose. Erneut versucht der Erlöser, über die Wogen zu schreiten, doch der aufgestaute Seitenarm der Havel teilt sich, als Schulz die Wasser betritt. Nie war es ihm peinlicher, noch nicht Parteichef zu sein anstelle des Parteichefs.

15:56 – Auf der Wahlpressekonferenz gibt Schulz zu Protokoll, dass sicher viele Wählerinnen geneigt seien, nicht mehr SPD zu wählen. „Von den Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn“, erklärt der Sozialistenführer, „ich sage aber meine Meinung, als der ich Barmherzigkeit erlangt habe von dem Herrn, treu zu sein.“ Die Kampagne wird sich demnach eher auf die hart arbeitende Mitte konzentrieren.

16:02 – Das Statistikteam hat ein deutliches Loch in der hart arbeitenden Mitte entdeckt, und zwar die hart arbeitende Mitte, die weiblich ist, aber gar nicht erst hart arbeiten kann, da sie weiblich ist und trotzdem sozialpolitisch vom Parteiprogramm der SPD überzeugt zu werden wünscht. Schulz knallt die Tür hinter sich zu.

16:51 – Die Deutsche Bischofskonferenz ist daran interessiert, den Gedenktag für Sankt Martin zwar parteipolitisch nicht einseitig auszurichten, ihn aber mit humanitärem Gedankengut zu befüllen, wenn dies nicht zu auffällig repräsentiert wird. Den jetzigen SPD-Kanidaten könne man gut mit dieser Rolle betrauen, so der Vorstand; eine deutliche sozialere Ausrichtung werde sich wohl im Laufe der Jahrzehnte entwickeln.

18:09 – Schulz ballert sich im Sturz die dritte Flasche Bourbon in die Rübe. Da die Mikrofone abgestellt und die Reporter ferngehalten werden, gelangen weder seine Forderungen nach sofortiger Rückabwicklung der Agenda 2010, von CETA und TTIP oder die SPD-gestützten Sicherheitsgesetze an die Öffentlichkeit. Auch unschöne Interna über die Waffenverkäufe der amtierenden Bundesregierung bleiben verborgen. Keiner interessiert sich für das Privatleben diverser Minister. Die Sicherheitsleute ziehen Schulz routinemäßig die Schuhe aus, lagern ihn auf die Matratze, ziehen die Vorhänge vor die Fenster, legen eine Krawatte über die Stuhllehne und verlassen den Raum. Morgen ist auch noch ein Tag.





Doppelhöllige Brammelung

13 02 2017

Viel hatte ich nicht verstanden, denn Anne war einem Nervenzusammenbruch nah gewesen. „Wir haben alles versucht“, wimmerte sie. „Luzie hat sogar bis zum Ellenbogen – nein, ich kann das einfach nicht mehr!“ Das Wasser stand bis zum Rand der Sanitärkeramik, das Handwaschbecken war augenscheinlich verstopft, und selbst in der Teeküche ließ sich nichts mehr abgießen. Wie gut, dass sie gleich auf mich kam.

„Wir könnten das Zeug auch aus dem Fenster kippen“, meinte Luzie lakonisch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der Eimer tropfte und roch gar nicht gut. Vermutlich hatte die Vertretung für Sofia Asgatowna, die zweimal die Woche in Bücklers Landgasthof Diele und Herrenzimmer mit liebevollen Blumenarrangements schmückt, den von Annes grippalem Infekt gut gefüllten Müllkorb in die Kloschüssel entleert. „Ein gutes Dutzend Päckchen“, überschlug die Bürovorsteherin. „Und wie wir alle wissen, soll man Taschentücher nicht in der Kanalisation entsorgen, weil das Zeug aufquillt und die Rohre verstopft.“ Anne sah aus tiefroten in den Flur. „Ich habe Pröckel bestellt“, schniefte sie, „der hat sein Geschäft nur eine Straße weiter.“ Dass es einen Hausmeister gab, der für derlei Geschäfte zur Verfügung stand, musste sie übersehen haben. Ansonsten warteten wir auf den Klempner, der sich noch für denselben Tag angekündigt hatte.

Eine halbe Stunde später stand Paul Pröckel in voller Lebensgröße vor uns. „Das wird teuer“, rief er mit schmerzlichem Mitgefühl aus, „da hätte man ja den ganzen Hahn gleich in die…“ „Wir haben Sie aber doch wegen des Abflussrohrs gerufen“, wunderte sich Luzie. „Ach so“, murmelte der Installateur. „Da habe ich wohl nicht auf die Liste geguckt. Aber der Hahn muss neu, das sieht man doch, dass der ganz schäbig montiert ist. Welcher Trottel hat denn diesen Hahn da hingeschraubt?“ „Sie“, entgegnete Anne knapp. „Es war zwar ein Jahr vor unserem Einzug, aber wenn Sie kurz Zeit haben, dann zeige ich Ihnen die Rechnung.“

Natürlich hatte Pröckel eine Drehspirale im Kasten, jenes Werkzeug, mit dem man in verstopfte Rohre zu bohren pflegte, um nach zehn Minuten oder einem ganzen Nachmittag – es kam oft darauf an, wie gut man die Fachkraft kannte – wieder einen freien Abfluss zu haben. Der metallene Schlauch verschwand in der Tiefe des Beckens, und nach kurzer Zeit kündigte ein sonores Gurgeln die erste Etappe an. „Das müsste man wegreißen“, wandte sich der Handwerker an mich, der als Mann trotz geringer technischer Kenntnisse spontan sein Vertrauen erworben hatte. „Das ganze Becken weg, dann einen ordentlichen Tiefspüler rein, das mache ich Ihnen für unter zweitausend.“ „Zunächst“, gab ich ihm klar zu verstehen, „reinigen Sie mal das Waschbecken. Sie wissen, wo Sie hier sind.“

Sicher hatte diese Ansage einen gewissen Eindruck auf Pröckel gemacht, aber leider nicht den beabsichtigten. „Das geht gar nicht“, verkündete der Rohrspezialist und deutete auf das Knie. „Da sehen Sie schon, das heißt: Sie sehen das natürlich nicht, weil das ein älteres Fabrikat ist, da sammelt sich das Wasser nicht immer an der richtigen Stelle, und dann kommt es zu Rückflussstauungen, daher muss man das durch eine umgelötete Schiebmuffe, aber das kann ich Ihnen ja nicht erklären.“ Anne holte tief Luft, kam aber gar nicht zu einer Antwort. „Das Problem ist die schmarrige Schelle, die ist da unten schon total vermault, und wenn ich das nun aufhebel, dann ist Rückfluss auf dem Flansch in der Wand.“ Er griff zur Saugglocke, pömpelte ein paar Mal lustlos im halb gefüllten Waschtrog herum und schmiss das Gerät wieder in den Eimer zurück. „Das müsse man auch völlig neu machen, vor allem die Sperrung hier ist ja nicht mal richtig gekröpft.“ Luzie blickte mich über den Rand ihrer Brille hinweg an, als hielte sie Ausschau nach scharfen Gegenständen. „Das muss so“, beschied ich dem Handwerker. „Jetzt schrauben Sie dies verdammte Rohr ab, und dann sehen wir weiter.“ Empört warf er die Zange in den Werkzeugkasten. „Das kann man gar nicht“, maulte er, „das ist ein Flonsch, der ist nicht mal zöllig, da sitzt das ganze Schlottrohr dran, und da ist dann der…“ Da wurde es mir zu bunt. „Pröckel“, zischte ich und packte ihn am Kragen, „Sie elender Amateur! Ihre Scheißbude hat doch diese ganze Installation hier verbrochen!“ „Das war der Lehrling“, presste er hervor, „der hatte nur die geklüpften, die Dinger, die hatte er mit.“ Ich schüttelte ihn kräftig durch. „Was lernen die denn in Ihrem Saftladen?“ Luzie verkniff sich ein Kichern. „Klüpfige Schlotten müssen mit doppelhölliger Brammelung geflonscht werden, sonst droht der Schlondel kernhupfig abzuknurzen! Das Schlondelprofil ist immer doppelt so höllig wie die Maukenzahl – können Sie nicht bei zwei zählen, Sie Rohrkrepierer!?“ „Außerdem“, wandte Luzie ein, „die Schlonzfrettage ist aus verkügeltem Chrom mit Nippelzulage, das hat schon mein Vater gewusst.“ Anne lächelte milde. „Und auf der Rechnung ist Ihre Unterschrift, Herr Pröckel.“

Der erste Mandant würde in einer halben Stunde kommen; Anne spülte in aller Ruhe die Tassen um und räumte sie in den Küchenschrank ein. „Wie nett von ihm, die Reparaturen auf Kulanz zu erledigen.“ Luzie nickte. „Ein ausgewiesener Experte erkennt eine fachgerecht ausgeführte Montage eben sofort.“ Anne stellte drei Tassen auf den Küchentisch. „Und jetzt könnte ich einen guten Kaffee vertragen.“ Sie drückte mir die Blechdose mit den Bohnen in die Hand. „Am besten doppelhöllig.“





Traumhaft

9 02 2017

„Wir arbeiten hier antizyklisch, das heißt: es wird momentan noch gearbeitet. Wir arbeiten daran, dass hier Arbeit stattfindet, das heißt: Prozesse, die im formalen Sinne an der Form erwerbsförmiger Tätigkeitsformen orientiert sein könnten. Könnten, das heißt: wir täuschen das an, aber nicht sehr geschickt. Das ist Sachsen hier.

Sie merken, der Freistaat ist im Aufbruch. Hier sind vereinzelte Objekte schon so gut wie in Bewegung begriffen. Sogar der Ministerpräsident kapiert mittlerweile ohne medikamentösen Eingriff, dass wir hier jede Menge Chancen haben, Probleme zu entdecken, die wir irgendwann dann erfolgreich in den Griff kriegen könnten. Das nenne ich mal förderlich, oder wie nennen Sie das? Also bitte, wir können nicht immer nur die Vergangenheit, wir müssen jetzt auch mal die Zukunft bewältigen. Und das machen wir, indem wir unsere eigenen Ressourcen ausschöpfen. Wir fördern unser großes Potenzial, den Rechtsextremismus.

Was denn sonst? Man kann doch nicht immer nur Christstollen und Nussknacker exportieren, man muss doch auch mal nehmen, was da ist. Das ist hier unser Standortvorteil, den lassen wir uns nicht nehmen, und darauf bauen wir auf. Vor allem ist im Freistaat die Zahl rechtsextremistischer Straftaten unvermindert hoch, die kann man ja inzwischen fast als rekordverdächtig bezeichnen – die anderen holen vielleicht auf, aber wir haben nicht vor, uns von anderen Bundesländern den Rang ablaufen zu lassen. Wir nutzen den Rechtsextremismus als wirtschaftliche Chance, denn nur so können wir uns auch gesellschaftlich verändern.

Man muss ja nicht unbedingt alles nachmachen, aber manche Entwicklungen sind eben gut, weil sie eine gewisse Folgerichtigkeit aufweisen. Also das mit den Knästen in den USA, das ist doch so ein Erfolgsmodell, das sollte hier auch klappen. Wenn Sie sich Sachsen ansehen, hier liegt jede Menge Potenzial auf dem Bausektor, es gibt zahlreiche junge Personen, die bemühen sich um eine gute demokratische Gesinnung, die würden sonst sicher in irgendeiner Bürgerwehr mit rechten Ideologien infiziert, und so können wir sie als demokratisch gesonnenes Justizvollzugspersonal beschäftigen. Das ist ein toller Job mit Pensionsanspruch, gerade für erlebnisorientierte Personen, die trotzdem ihre bürgerliche Existenz nicht gefährden wollen, und für die anderen gibt es ja dann die Knäste.

Das hat auch ein sozialpädagogisches Moment, wenn wir uns um den rechten Nachwuchs kümmern und die Leistungsreserven fördern. Wenn Neonazis nach zehn Jahren Kittchen, Hakenkreuztattoo auf der Glatze und völlig aus der Gesellschaft raus auf den Bau kommen, dann blühen die richtig auf. Die sehen die jungen Leute, Höcke-Jugend und so, und geben sofort ihren ideologischen Erfahrungsschatz weiter. So ein pseudofaschistisches Gewäsch wie von den CDU-Hampelmännchen, da haben die bloß ein leises Rülpsen übrig, damit kriegen Sie keinen mehr in die andere Richtung. Dann lieber richtig in die rechte Ecke, und wenn der Bau fertig ist, geht’s rein, abschließen, Schlüssel abziehen und ab in die Kanalisation. Ich sehe schon die Kampagne vor mir: Traumhaft in Sachsen.

Eine Mauer wäre natürlich auch nicht schlecht, und mal Hand aufs Herz: die könnten Sie hier sogar mit Freiwilligen wieder hochziehen. Die Leute sind da, die Motivation ist da, wenn man denen einredet, es gibt ab sofort keine fliegenden Elefanten mehr über Dresden, dann gucken die aus dem Fenster, sehen keinen Elefanten und sind stolz, Deutsche zu sein. Dass dann keiner mehr rauskommt, damit würden sich die Leute schnell abfinden, sobald sie ganz sicher sein können, es kommt auch keiner mehr rein.

Diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen haben alles nichts gebracht, oder haben Sie schon mal eine sinnvolle gesehen? Ein-Euro-Jobs sind doch auch nur dazu da, die Arbeitslosenzahlen kurzfristig zu verschönern. Wir wollen das langfristig machen, und wir wollen langfristig eine positive Bilanz. Statistisch gesehen haben wir im Freistaat Sachsen pro Tag fünf rechtsextremistisch motivierte Straftaten, wenn man die Mehrfachtäter abzieht, kommt man auf gut tausend Nazis pro Jahr. Dafür lohnt sich ein neues Gefängnis, und da das natürlich unterhalten werden muss, steigert unser sächsischer Rechtsextremismus das Bruttosozialprodukt im Land. Wenn Sie jetzt gewisse Mitnahmeeffekte in die Bilanz einbeziehen, Sie lassen die Knackis nicht herumgammeln, die können beispielsweise Möbel bauen, das hat in den östlichen Bundesländern eine lange Tradition, wenn Sie das so rechnen, dann haben Sie langfristig die Möglichkeit, dass sich das System selbst trägt. Einerseits finanziell, und dann natürlich auch von der Organisation her – der Rechtsextremismus wird zur echten Perspektive für die jungen Leute, der ihren Platz in der Gesellschaft bestimmt und eine gute Zukunft bietet. Wenn das Schule macht, dass wir mit eigener Arbeit aus dem Sumpf kommen, dann rennen die uns hier am Ende noch die Grenzen ein und wir müssten doch mal über die Mauer nachdenken. Eine Art faschistischer Schutzwall, wenn Sie so wollen.

Was sollen wir hier ein Asylantenheimen neben das andere hinsetzen, das führt doch zu nichts. Bei den Heimen haben wir die Leute nicht gefragt, da kam es zu Kommunikationsproblemen, die fühlten sich übergangen, der rechte Nährboden war ja zum Glück da, aber die Ergebnisse verpufften dann auch nur. Aber das wird jetzt ja alles anders. Bei den Haftanstalten machen wir alles besser, die werden auch von der Bevölkerung mitgetragen, schließlich sitzen hier größtenteils eigene Landsleute ein. Denken Sie an meine Worte: wir sind im Aufbruch. Bald ist hier eine einzige im Aufblühen begriffene Landschaft. Unser Freistaat Sachsen, ein einziges großes Straflager. Deutsche Wertarbeit!“





Fressefreiheit

7 02 2017

„… den Ex-Schalker zum neuen HSV-Coach machen würden. Der VfL Wolfsburg sei ebenfalls an einer Verpflichtung des…“

„… auch Kinder mit der Schusswaffe von der Grenze der Bundesrepublik fernzuhalten. Trotzdem habe sich die Redaktion entschlossen, von Storch nicht in die…“

„… habe neben ihrer langjährigen Rolle in der Lindenstraße bereits am Berliner Ensemble in Jelineks…“

„… keinen Widerspruch gelten lasse. Meuthen wolle nicht aus Prinzip Tabus brechen, wünsche sich jedoch mehr Öffentlichkeit für seine Idee, den linksverkrusteten Diskurs in der von den Alliierten installierten Staatssimulation auf deutschem…“

„… der Kohlrabiverbrauch in Norddeutschland steige, in der südlichen Landeshälfte jedoch eher stagniere, was nicht nur auf klimatische…“

„… Begriffe wie Nigger wieder zur sprachlichen Normalität würden. Petry habe mehrmals angefragt, ob sich dies auch im Rahmen einer Magazinsendung…“

„… der Hauptstadtflughafen auch in diesem Jahr nach menschlichem Ermessen nicht…“

„… plädiere Höcke dafür, Jude zur justiziablen Beleidigung zu erheben. Gleichzeitig habe er Strafanzeigen angedroht gegen jeden Sender, der ihm nicht sofort eine…“

„… ein weiteres Erdbeben in den Abruzzen nicht als Spätfolge der Regierung Berlusconi verstanden werden dürfe, da diese lediglich die für mehr Erdbebensicherheit investierten Gelder in die eigene…“

„… sei es bereits erwiesen, dass bereits ein auf der anderen Straßenseite gehender Syrer mit Pest und Keuchhusten anstecken könnten. Die Pflicht der Medien zur Volksaufklärung gebiete es, dass von Storch ab sofort jede Woche im ZDF an einem mehrstündigen…“

„… vor allem Weiß und Blautöne, gerne in Schurwolle und Kammgarn trage. Der Mann von Welt verzichte auch im Herbst nicht auf einen…“

„… sei bereits Zensur. Gedeon wolle auf dem Gerichtsweg erzwingen, dass der Deutschlandfunk eine Sondersendung über die Protokolle der…“

„… schon fest geschlossen habe. Die Börse sei noch nicht überzeugt, steige aber aus vollster Überzeugung, was aber einen rapiden Sturz der Verkäufe bei stark nachlassenden Werten nur…“

„… der wahre Grund sei, warum sämtliche Regionalprogramme nur noch Lügen ausstrahlen würden. Es müsse zu jedem kulturellen Thema ein Mitglied der AfD-Spitze eingeladen werden, um deren Wichtigkeit für das Deutschtum in Zeiten der Bedrohung durch Islam, Demokratie und den…“

„… müsse man die Elbphilharmonie doch als überbewertet ansehen. Das in der Raumwirkung der Concerti von Giovanni Gabrieli getrübte Gefühl von venezianischer Weite habe zu einem tiefen…“

„… die arische Herrenrasse durch eine jüdisch-arabische Blutvernichtung schwächen wolle. Höcke werde seine Angriffe auf die ARD erst einstellen, wenn ihm eine Sondersendung nach den…“

„… die Curling-Mannschaft nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen werde. Da die Sportförderung die Beihilfe für das deutsche Team mit der Begründung beschnitten habe, es sei in internationalen Qualifikationen sowieso ohne jede Chance, müsse man nun auf einen letzten…“

„… das Hausrecht durchgesetzt habe. Pretzell sei mit einem Kieferbruch und Schusswunden aus dem Studio der Sportschau…“

„… sich durch Lewandowski die Position an der Tabellenspitze gesichert habe. Vor einem Wechsel wolle der Verein ihm eine Prämie von…“

„… beim S-Bahn-Surfen mit dem Kopf gegen den Signalmast geprallt sei. Da die Ermittler wegen Poggenburgs Ankündigung im Internet von einem Suizid überzeugt seien, wolle man die Meldung nicht in den…“

„… ab 2019 mehr Quizshows im deutschen Fernsehen zeigen wolle. Der Qualitätsunterschied zu den anderen Sendern sei zwar deutlich, man müsse aber auch die Bedürfnisse der schweigenden Zuschauermehrheit in die Programmgestaltung…“

„… sich von Storch mit dem Plakat Seit 866 Tagen Gefangene des Genderwahn-Schweigekartells habe fotografieren lassen. Das Bild sei außer in den Publikationen des Kopp-Verlags sowie in der National-Zeitung nicht…“

„… als neue Trendfarben der Saison vorstelle. Die bisherigen Strickaccessoires seien durch Lack und Seide ersetzt worden, kombiniert mit leicht verspielten Baumwollapplikationen, deren…“

„… die AfD eine zweistellige Millionensumme angeboten habe für den Fall, dass ein bundesweit bekanntes Mitglied eine eigene Interviewsendung bekäme. Eine Integration in Formate wie das Dschungelcamp sei jedoch für die Partei nie…“

„… neue Forschungsergebnisse die Hypothese unterstützten, dass Hitler nur einen…“

„… sich auf den Stufen des Reichstags mit Benzin übergossen und angezündet habe. Für den bekennenden Nationalsozialisten sei jede Hilfe zu spät gekommen, der Notarzt habe nur noch den…“

„… zwar das Drehmoment beim Anziehen der Schrauben an den Türscharnieren prüft habe, nicht aber die Höhe der Abweichungen beim Abgastest. Winterkorn sei mit der Begründung, privat würde er nie VW fahren, in einen komplizierten…“

„… in den Umfragen deutlich werde, seitdem die Sender auf rassistische und wahrheitswidrige Politikerstatements verzichten würden. Auch die CSU habe in den letzten drei Monaten nicht…“