Work-Life-Balance

25 01 2021

„Vielleicht könnte man das hier aufschneiden, dann kann man das Kabel unter dem Belag bis nach vorn zum Fenster führen. Das ist verklebt? Schade. Dann ziehen Sie die Telefonleitung doch einfach so durch und kleben sie fest. Paketband haben Sie noch da?

Ein bisschen improvisieren müssen Sie schon, wenn Sie im Homeoffice arbeiten wollen. Das ist für uns alle im Moment nicht einfach, wir müssen nun mal Abstriche machen. Hätten Sie eine Wohnung gemietet, in der die Telefondose etwas näher am Küchenfenster liegt, dann hätten wir uns jetzt diese Diskussion ersparen können. Schließlich wollen ja Sie die Auftragssachbearbeitung machen und nicht ich. Da kann man von Ihnen auch mal ein wenig Engagement für den Arbeitgeber verlangen. Und wie Sie sich mit Ihrem Vermieter über den Bodenbelag einigen, damit brauchen Sie mir gar nicht erst die Ohren voll zu heulen. Wir haben diese Pandemie schließlich nicht erfunden.

Das kippelt dann halt ein bisschen, aber für die Arbeit brauchen wir einen richtigen Computer mit Monitor und allem drum und dran. Immerhin stellt Ihnen den Ihr Arbeitgeber, und Ihr Küchentisch ist schließlich breit genug. Das langt von der Tiefe her. Wenn der Monitor da nicht sicher steht, Sie hatten doch gesagt, dass Sie noch Paketband da haben? Merken Sie sich das mal: in einer Krisensituation überlebt der am besten, der mit den vorhandenen Mitteln das Beste herausholt. Und die Tastatur kann man auch ganz prima auf dem Schoß halten.

Jetzt beschweren Sie sich nicht, dass das Ihr einziger Tisch ist. Es zwingt Sie ja keiner, an dem auch Kartoffeln zu schälen oder wer weiß was an Küchenarbeit zu erledigen. Dann essen Sie halt mal ein paar Tage lang diese Schälchen. Mikrowelle ist ja vorhanden, wie ich sehe, und Besuch würde ich Ihnen auch nicht empfehlen. Schon aus Gründen des Infektionsschutzes wäre das unverantwortlich, und Sie wollen doch nicht nach zehn erfolgreichen Jahren als Auftragssachbearbeiterin plötzlich unsere Firma verlassen, oder? Wir sehen das nämlich als Beitrag zur Stärkung Ihrer Work-Life-Balance. Ihr Leben geht quasi organisch in Ihre Privatsphäre über. Also halt Ihr Arbeitsleben.

Im Büro hätten Sie vielleicht auch noch ein Kaffeetasse auf dem Tisch abstellen können, aber hier gelten nun mal andere Maßstäbe. Da ist ja gleich der Küchenschrank, da steht die Kaffeekanne und da ist der Kühlschrank, und zu viel Kaffee ist sowieso nicht gesund. Außerdem müssen Sie dann ständig aufs Klo, wer weiß, wie viel Arbeitszeit da wieder flöten geht. Sie müssen sich das mal vor Augen führen, in dieser Zeit ist das hier eben nicht mehr Ihre Küche, sondern Ihr Arbeitsplatz. Da gilt dieselbe Ordnung wie bei uns im Betrieb. Wir sind gehalten, das auch zu kontrollieren, und das heißt auch, dass wir da dieselben arbeitsrechtlichen Vorschriften anwenden. Nach Feierabend können Sie sofort den Schlafanzug anziehen, überhaupt kein Problem, aber während der Arbeitszeit sind die Vorschriften nun mal klar. Wie sieht das denn aus, wenn der Chef mal eine Videokonferenz machen will, und dann sitzen Sie da nicht im Kostüm? Bei Gelegenheit räumen Sie auch mal das Regal da hinten auf, das sieht ja aus wie Kraut und Rüben. Das sieht man gestochen scharf im Hintergrund, wenn Sie die Kamera anmachen. Was sollen denn die Vorgesetzten denken, wie Sie wohnen? Am Ende heißt es noch, ich würde unsere Mitarbeiter zu möglichst großer Unordnung animieren, damit Sie eine Gehaltserhöhung fordern können, weil Sie sich nur diese Wohnküche leisten können. Aber das sage ich Ihnen gleich, das gibt Ärger.

Ich kann mich täuschen, aber hier riecht es nach Rauch. Also nach kaltem Zigarettenrauch. Es geht mich zwar nichts an, und in Ihrer Wohnung können Sie ja grundsätzlich auch tun und lassen, wozu Sie lustig sind, aber hier gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes, und das schließt für unsere Firma einen rauchfreien Arbeitsplatz ein. Wenn Sie das Thema Arbeitsschutz für nicht so wichtig halten, dann können Sie in der Fleischzerlegung anfangen, da wird immer gesucht. Sie müssen nichts können, nicht mal Deutsch. Ihr Nachbar? Was hat denn Ihr Nachbar mit Fleischzerlegung zu tun, ist der in der CDU? der raucht? Ja, das kommt schon mal vor, dass das vom Balkon rüberzieht, wenn die Fenster nicht ganz dicht sind. Bauliche Mängel. Ich will mal nicht so sein, aber eigentlich müssten Sie Ihren Vermieter auf die Schadstoffbelastung ansprechen und ihn abmahnen, bevor wir arbeitsrechtliche Schritte unternehmen. Also gegen Sie. Wir sind ja nicht für Ihren Arbeitsplatz verantwortlich, wenn Sie unbedingt im Homeoffice arbeiten wollen. Ja, ich weiß, dass das jetzt gesetzlich geregelt wird, also lassen Sie es mich so ausdrücken: da Sie der Ansicht sind, für uns sozialversicherungspflichtig arbeiten zu müssen, halten Sie sich an die Regeln. Wir machen das ja auch nicht freiwillig.

Das mit der Lärmbelastung ist ein Einzelfall. Das müssen Sie als höhere Gewalt auffassen, die wir nicht abstellen können. Auf der anderen Seite verlagen wir von Ihnen auch nicht, dass Sie die Straßenbaustelle da unten beseitigen. Das wummert ein bisschen, aber Sie lassen die Fenster sowieso am besten geschlossen. Zigarettenrauch, Lärm, und dann gebe ich Ihnen noch mal einen guten Tipp: die Lichteinstrahlung ist für den Bildschirmarbeitsplatz in der Fleischzerlegung, Auftragssachbearbeitung wollte ich sagen, Auftragssachbearbeitung – das ist so eigentlich gar nicht gestattet. Aber wenn Sie den Mund halten, ich habe nichts gesagt.

Seien Sie froh, dass Sie den Stuhl nicht aus dem Büro mitnehmen mussten. Auf so einem Hocker kann man sehr gut sitzen, man lehnt sich nie aus Versehen mal hinten an, gut, Rollen hat er nicht, aber dafür auch keine Armlehnen. Den können Sie bequem unter den Küchentisch schieben, wenn Sie mal etwas Platz für die Aktenordner brauchen, und naja: Ergonomie ist das, was man daraus macht. Ist auch gleich viel wohnlicher, hier gucken Sie auf ein hübsches Panorama mit Straßenbahnhaltestelle, da hinten ist irgendwo der Friedhof, Kaffeemaschine ist in Sichtweite, Telefon, Klo um die Ecke, Sie müssen nicht mit dem Fahrstuhl zur Mittagspause und nicht mit dem Bus nach Hause – meine Herren, so schön wie Sie möchte ich’s auch mal haben!“





Leithammel

20 01 2021

„Das reicht höchstens für den Trostpreis.“ „Meinen Sie.“ „Ja, meine ich.“ „Aber es hat doch schon mal ganz gut geklappt.“ „Was?“ „Das mit dem Vorsitz.“ „Verzeihung, wenn ich nachfrage: in welcher Partei, bitte!?“

„Laschet wird das schon irgendwie hinkriegen.“ „Genauso wie die Pandemiemaßnahmen oder die Energiewende: irgendwie.“ „Sie müssen das jetzt natürlich schlechtreden, aber er ist ja nun mal eine integrierende Persönlichkeit.“ „Deshalb integriert er auch so viele Millionen in die Tasche der CDU.“ „Einer muss es ja machen.“ „Und zum politischen Programm fällt Ihnen nichts ein?“ „Naja, wir als Deutsche tun uns ja traditionell schwer mit großen Veränderungen, deshalb ist ein Vorsitzender, der auf möglichst viel Kontinuität setzt, auch richtig.“ „Die ganze Karre rast auf den Abgrund zu, und diese Grinsrübe freut sich, dass er sie auf Kurs halten kann.“ „Sie interpretieren da schon wieder Dinge hinein, die gar nicht gefragt waren.“ „Das mit der Kontinuität hat Kramp-Karrenbauer jedenfalls auch schon sehr gut hingekriegt.“ „Sie sind ungerecht, die musste sich damals noch mit Merkel als Bundeskanzlerin herumschlagen.“ „Und wer ist heute Kanzlerin? Olaf Scholz?“

„Jedenfalls müssen wir mit Laschet nicht immer diese Klimaschutzschlagzeilen…“ „Weil dann über Klimaschutz keiner mehr diskutiert.“ „Wir haben das Wirtschaftswunder damals auch nicht allein mit Klimaschutz hingekriegt, schon vergessen.“ „Die Fünfziger haben gerade angerufen, sie wollen ihre Ausreden zurück.“ „Wir haben doch alles in der Hand für einen hervorragenden Aufschwung.“ „Das war der Text von Kohl.“ „Er hat schließlich das Land damit auch geeint.“ „Leider haben sie ihn nur im Osten dafür mit Eiern beworfen.“ „Heute kann man das besser machen.“ „Stimmt, Kohl musste sich ja nicht von Virologen sagen lassen, wie man Entscheidungen in einer Pandemie trifft.“ „Für solche Entscheidungen gibt es jetzt immerhin die richtigen Fachminister, die er…“ „Fällt Ihnen etwas auf?“ „Was denn?“ „Ach, war nur eine Frage.“

„Meine Güte, wenn man Deutschland endlich wieder nach vorne bringen will, darf man nicht zimperlich sein.“ „Dieser Mann zerstört in seinem Bundesland Dörfer und vertreibt Menschen, um die sowieso dem Untergang geweihte Kohleindustrie noch ein bisschen länger am Leben zu erhalten.“ „Wenn er das mit der Kohleindustrie schafft, rettet er bestimmt auch die CDU vor dem Untergang.“ „Er lässt Gutachten verschwinden, in denen das Abbaggern als vollkommen überflüssige und nur zur Klimaschädigung geeignete Maßnahme zum finanziellen Vorteil der Energiekonzerne erkannt wird.“ „Da haben wir jetzt endlich mal einen Vorsitzenden, der sich gegen diese Hysteriker aus der Klimaterrorbranche zur Wehr setzen kann, und Sie sind immer noch nicht zufrieden.“ „Sie müssen doch auch mal an morgen denken, da brauchen wir solche Persönlichkeiten.“ „Morgen?“ „Da wählen die Deutschen den Bundestag, schon vergessen?“ „Vor allem wählen da nicht nur die Westdeutschen den Bundestag.“ „Ja, warum?“ „Weil wir mit dem grandios abstinken werden. Darum.“ „Jetzt denken Sie doch mal strategisch.“ „Laschet als Vertreter des Ostens!?“ „Natürlich ist er für eine Kontinuität in Deutschland.“ „Das erzählen Sie mal den Typen in Dresden, die heute schon an ihren Laschet-muss-weg-Plakaten pinseln.“ „Aber die wollen doch auch die gute, alte Zeit wieder.“ „Was an den verkalkten Ansichten Laschets mit seinem Klerikalnepotismus gut sein soll, erzählen Sie mir ein andermal.“ „Das hat doch bei Kohl auch…“ „Die Steigerung von Kohl war schon Köhler, und das hat auch nicht ganz hingehauen. Außerdem war das die Nachgeburt des rheinischen Vulgärkatholizismus, und wie Sie den in den Osten transplantieren wollen, bleibt sicher auch Ihr Geheimnis.“ „Man kann das dem Osten sicher als jüdisch-christliches Abendland verkaufen, oder?“ „Dann wissen Sie sicher auch, wie wir dem Osten einen Parteifunktionär ohne nennenswerte Bodenhaftung oder Führungsqualitäten im eigenen Bundesland als neuen Leithammel schmackhaft machen können.“ „Er hat eine sehr deutliche eigene Meinung, das wird man denen doch als osttaugliche Strategie unterjubeln können? außerdem fand er Sarrazin immer schon gut, den könnten wir für den Wahlkampf bestimmt nach Sachsen oder…“

„Gut, Sie wollen also in Sachsen und Thüringen einen Sack aufstellen, der alles wie Merkel macht und eine tolle Zukunft verspricht, solange nur die Fleischindustrie und die Küchenbauer ihre Gewinne nicht einbüßen.“ „Wollen Sie lieber einen asozialen Kapitalisten, der den ganzen Osten an die Banken verscheuert?“ „Dann hätten wir ja gleich Merz nehmen können.“ „Eben, sehen Sie. Ich meine, wir können doch jetzt nicht jede Wahl rückgängig machen, nur weil es im Osten Probleme gibt.“ „Das war mir auch klar, aber Sie verstehen es nicht: wir sind immer noch beim Parteivorsitz, der Rest ist noch gar nicht dran.“ „Mir fällt nichts mehr ein.“ „Mit auch nicht.“ „Spahn hat sich zur Vorsicht auch gleich disqualifiziert.“ „Röttgen?“ „Ich dachte, es ginge hier um den Vorsitz?“ „Auch wieder richtig.“ „Dann bin ich mit meinem Latein am Ende.“ „Warten Sie mal. Hallo, München? Grüß Gott, Herr Ministerpräsident, nur eine kurze Frage: wenn die CSU jetzt doch in ganz Deutschland antreten dürfte – Ihnen wäre das egal, wer unter Ihnen Kanzler wird, oder?“





Schutzzone

18 01 2021

„Die Polizei!? nee, auf die ist doch hier schon lange kein Verlass mehr. Oder würden Sie bei einer Bande von Autoknackern anrufen, wenn Sie nachts auf der Landstraße liegen bleiben?

Man muss den Behörden das nur klar genug machen, dann spielen die auch mit. Wir haben uns jetzt organisiert und auf eigene Kosten ausgerüstet, wir haben alle Waffenschein, Waffenbesitzkarte und ordnungsgemäß aufbewahrte Waffen samt Munition in gesicherten Schränken außerhalb der Wohnung, und nichts aus Bundeswehrbeständen. Und jetzt sichern wir unseren Ort eigenständig mit unserer Bürgerwehr. Der nächste Querdenker, der sich hier blicken lässt, kriegt ordentlich aufs Maul.

Das dürfen Sie im Antrag natürlich nicht so formulieren, sonst haben Sie keine Chance. Da drin muss stehen, dass Sie für die Einhaltung von Recht und Ordnung einschließlich der auf kommunaler und Landesebene erlassener Verordnungen sind und diese mit legalen Mitteln durchsetzen wollen, um die Einsatzkräfte der Polizei zu unterstützen und sie vor allem nachts sowie an Sonn- und Feiertagen zu entlasten. Also immer dann, wenn diese verstrahlten Bumsköppe hier durch die Gemeinde ziehen und ihre Nazifahnen schwenken, weil die Regierung uns ihrer Meinung nach die ganze Pandemie vorspielt, um das deutsche Reich in den Grenzen von 1937 zu zerstören. Ich würde den Leuten ja sonst Tabletten geben, aber das wollen sie nicht. Vermutlich waren beim letzten Mal die Nebenwirkungen nicht korrekt dosiert. Da muss man eben zur Selbsthilfe greifen, sagt ja die Politik auch. In der Corona-Krise muss die Bevölkerung sich solidarisch zeigen, damit die Gefahr eingedämmt werden kann.

Wir haben hier schon eine fürchterlich hohe Inzidenzzahl, da kommt es auf die Reduktion von Kontakten an. Die Ausgangssperre ist eine Form der Maßnahmen, die wir gerne unterstützen, und die Einhaltung des 15-Kilometer-Radius kommt hinzu. Wenn wir beispielsweise sehen, dass sich zu den Kundegebungen auch Einwohner aus anderen Bundesländern einfinden, manche auch mit dem Bus angereist, dann sorgen wir natürlich für einen seuchentauglichen Empfang. Unsere Freiwillige Feuerwehr hat im letzten Jahr ein neues B-Rohr angeschafft. Wir verzichten auf den Stützkrümmer, damit der Druck nicht verloren geht, und unsere Kameraden kriegen das zu dritt ganz gut hin. Mit etwas Glück überlebt man so einen Einsatz ohne bleibende Schäden. Also als Demonstrant.

Offiziell haben wir das natürlich als hygienische Maßnahme begründet, und was soll ich sagen, die Verwaltung hat sich nicht damit beschäftigt, weil sie die Vorschriften nicht kennt. Die Polizei hat eh keine Lust mehr, ständig über die Dörfer zu fahren, und wir haben die Lage mittlerweile auch im Griff. Wenn Sie mich fragen, wir sind hier sicher.

Dann hatten wir noch den Schriftverkehr mit dem Amtsgericht, die uns bestätigt haben, dass wir sie bei der Verhinderung des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen tatkräftig unterstützen dürfen. Wir hatten hier einen Bauern, der zu Führers Geburtstag gerne mal die Hakenkreuzfahne aus dem Schuppen geholt hat. Der hat ja erstaunlich lange überlebt, dann wurde sein Sohn Ortsvorsteher, und kaum war er wieder aus dem Knast raus, saßen die auch schon im Landtag. Damit wir uns nicht falsch verstehen, man kann die Pandemiemaßnahmen durchaus als nicht ausreichend parlamentarisch kontrolliert kritisieren, aber wenn diese Herrschaften hier mit Kriegsflagge einmarschieren, zeigt ihnen unsere Dorfjugend gern mal, wie schnell man in eine Prügelei verwickelt werden kann. Bei uns wird ja Schlagball noch ganz groß geschrieben. Und in Hessen soll es vorzüglich ausgestattete Gesichtschirurgen geben, habe ich mir sagen lassen.

Manchmal haben wir allerdings auch kleinere Probleme, zum Beispiel mit dem Ortsvorsteher. Der ist ja im Hauptberuf Frisör, und deshalb hat er auch letzten Samstag den Salon wieder geöffnet. Gegen die Dauerwelle, wie er das nennt. Ihn selbst hat das ein hübsches Bußgeld gekostet und die Lizenz zum Föhnen. Außerdem schützt unsere Bürgerwehr die Läden jetzt sehr effektiv. Vor allem gegen plötzliche Inbetriebnahme, wenn die Besucher aus anderen Bundesländern uns Broschüren in den Briefkasten schmeißen, dass die Regierung der BRD GmbH gar nicht befugt sei, uns die Ladenschließungen zu befehlen, damit hinter unserem Rücken der Islam die Scharia einführen kann. Wir sind in Sachsen, da kann es dauern, bis sich die Polizei für Äußerungen des gesunden Volksempfindens interessiert.

Natürlich können die Querdenker gerne weiter zum Demonstrieren herkommen. Gerne auch mit Polizisten an ihrem freien Tag. Hier zählt die robust ausgetragene Meinungsverschiedenheit über Themen aus dem Staatsrecht zur Folklore, und wer das nicht glaubt, darf sich gerne die benachbarten Ortschaften anschauen. Da wurde seinerzeit eine Schutzzone geschaffen für die Einwohner, die sich von importierter Kriminalität durch Feinde des Heimatvolks gefährdet sahen. Bedrohungslage klar erfassen, nicht auf den Staat warten, proaktiv selbst handeln. Wenn von uns Eigenverantwortung verlangt wird, um die Krise einzudämmen, dann werden wir das eben in die eigene Hand nehmen. So einfach ist das.“





Supernanny

11 01 2021

„Das ist ja vorwiegend wegen der sozial schwachen Familien. Manche können sich ja nicht mal einen SUV leisten, manchen geht es derart dreckig, da hat die Frau eine Berufsausbildung. Und die muss noch arbeiten. Für die erhalten wir die Präsenzpflicht aufrecht, damit nicht auch noch den DAX verreckt.

Das Problem hätten wir kaum, wenn nicht derart viele Kinder in staatliche Regelschulen gehen würden. Abgesehen von dem Geld, das das kostet – das ist mindestens eine Steuersenkung – das ist ein Verwaltungsaufwand, und dann müssen wir zum Schluss auch noch irgendwas für die Kinder tun. Also für die von den armen Leuten. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, dann erwarten Sie doch auch nicht, dass man Ihnen das Geld aus der Tasche zieht und davon gesetzlich Versicherte durchfüttert, oder?

Natürlich tun wir auf die Art etwas gegen die Armut. Es leben so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, nur ein Auto, teilweise nicht mal mit Wohneigentum, und in solchen Familien groß zu werden, das muss man sich gut überlegen. Den Kindern selbst kann man die Entscheidung ja nicht zumuten, die meisten sind wahrscheinlich subjektiv schon in diesem Bodensatz verhaftet – da ist es doch gut, die oberen Einkommensgruppen durch noch mehr Lohnarbeit in den unteren zu fördern, weil wir sonst bei den Kindern aus den besseren Haushalten den sozialen Abstieg auslösen könnten. Stellen Sie sich mal vor, so ein ganz normales Kind kriegt irgendwann mal mit, in der Nachbarschaft gibt es Eltern, die sind zu Hause, wenn ihre Söhne und Töchter aus der Schule kommen. Was würden wir uns da für ein Volk heranziehen!

Bildung ist immer noch der wichtigste Schlüssel für dieses Problem. Man muss ja nicht unbedingt etwas damit anfangen können, es darf auch nicht zu lange dauern, deshalb ja G8, aber wenn man den Nachwuchs so bis sechzehn aus dem beschäftigt kriegt, dann ist das doch ein ganz vernünftiger Mittelweg. Ab dann können die sich auch selbst versorgen, notfalls müssen sie sich dann einen Job suchen, eventuell sogar eine Lehrstelle, aber das ist dann nicht unser Problem. Sonst könnten wir die Kinder vor die Glotze setzen, das reicht heute für einen durchschnittlichen Abschluss in so einer staatlichen Schule aus. Es muss halt jemand die Drecksarbeit machen.

Man kann ja leider die Blagen nicht einfach in den Hort verfrachten. Mir fällt auch gerade nichts Besseres ein, Kindermädchen vielleicht, das kann sich doch jeder Regierungsdirektor leisten, oder als Bankvorstand oder Staatssekretär. Ich verstehe gar nicht, wie sich die Leute überhaupt erst Kinder anschaffen und dann nicht mal das Geld für eine professionelle Betreuung haben. Man muss doch auch Prioritäten setzen, dann kauft man sich halt den Maserati, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, dann ist ja auch meist Zeit für die nächste Scheidung und man hat den besseren Überblick über die Finanzen. Immer nur vom Staat verlangen, dass wir die Supernanny spielen, das ist doch echt unsolidarisch. Das müssen diese Bürger einsehen.

Wir haben seit Jahren alles dafür getan, dass das Thema Digitalisierung in den Köpfen ankommt. Erst die Vorratsdatenspeicherung, Uploadfilter, wir haben teilweise in einigen Regionen nur noch ganz kleine Funklöcher, und die sind noch nicht mal in Industriegebieten, und jetzt planen wir Flugtaxis. Wenn Sie sich andere Länder anschauen, die sind vielleicht hier und da schon viel weiter, aber so weit wie wir sind die bestimmt noch nicht. Weil wir ja ein Technologiestandort sind, und das heißt, wir sind sowieso viel besser als andere.

Das heißt natürlich noch nicht, dass wir heute alles mit Digitalisierung hinkriegen wollen, da müsste man erstmal die Pädagogen fragen, ob sie das auch möchten. Wir können ja nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden – das sind ja schließlich keine Eltern. Deshalb überlegen wir uns das gut, ob wir sie fragen, und dann noch mal, wann wir sie fragen werden. Bis dahin ist Präsenzunterricht in der Regelschule absolut alternativlos.

Und dann haben wir auch das Problem mit der häuslichen Gewalt. Das könnte theoretisch in allen Schichten auftreten, aber es gibt gesellschaftliche Schichten, die man nicht als Schicht bezeichnen sollte. Eher als Sphäre. Wenn da mal Konflikte auftreten sollten, dann belästigt man damit eher nicht die Schule, und wenn doch, dann hat man die notwendigen Mittel, um die Schäden zu beseitigen. Wir müssen also auch hier eine soziale Auslese durchführen, und wieder sind es die unteren gesellschaftlichen Bereiche, die uns zu diesem Schritt zwingen. Damit tun wir uns keinen Gefallen, das dürfte allgemein bekannt sein, aber anders können wir dem Problem nicht begegnen. Und alles das muss man nun abwägen gegen ein anderes Rechtsgut, nämlich die Gesundheit unserer Leistungsträger. Wir haben uns also zu diesem Schritt entschlossen, dass wir die Präsenzunterricht ausschließlich für die Regelschulen beibehalten, in denen die Schülerinnen und Schüler bis zur unteren Mittelschicht sich infizieren. Das kann und muss ihnen zugemutet werden, schließlich kann Schule als Bildungsvermittlung und soziale Institution nicht das Versagen von allen Elternhäusern auffangen. Und wenn wir jetzt noch eine Lösung finden, die Kinder ganz aus ihrem familiären Umfeld herauszulösen, damit die Wertschöpfung für unsere Wirtschaftsbetriebe unvermindert erhalten bleibt – also ich bin da sehr zuversichtlich. Vermutlich beim nächsten Lockdown.“





Freiheit, die wir meinen

7 01 2021

„Also auch keine Leber, Lunge, Knochenmark – Hirn kann man bei Ihnen ausschließen, aber das will eh keiner haben. Das ist Ihr völlig freier Entschluss, und damit es im Falle eines Falles nicht zu Verwechslungen kommt, sind Sie auch absolut sicher in der Nichtspenderdatenbank gespeichert.

Das hat für Sie überhaupt keine negativen Konsequenzen, Sie dürfen weiterhin alle Geschäfte betreten, Kinos – gut, Museen kommen für Ihre Bildungsschicht eh nicht in Frage, aber wenn Sie im Urlaub mal irgendwo ins Museum wollen, dann steht Ihnen das jederzeit frei. Es gibt da keinen Pass, den Sie am Eingang vorzeigen müssen, weil wir in den deutschen Museen nur Organspendern Zutritt gewähren. Das hat die Bundesregierung jetzt noch einmal ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass wir das auf jeden Fall vermeiden wollen, weil das nur zu sozialen Verwerfungen führen würde. Und mit sozialem Verhalten haben Sie’s nicht so, oder?

Sie haben es verstanden. Schön, dann muss ich Ihnen die Hintergründe auch nicht mehr erklären, Sie sind ja als Epidemiologe auch gleichzeitig Jurist und Politiker und alles zusammen, da verstehen Sie ja alles besser als die anderen. Sie haben in Ihrem neuen datenbankgestützten Dokument hinterlegt, dass Sie auf Transplantationen verzichten. Das ist der Deal. Und Sie haben deutlich zu verstehen gegeben, dass Sie eine Impfung gegen das Virus ablehnen. Ich frage Sie jetzt nicht, ob das so war, wir haben es schriftlich in dreifacher Ausfertigung. Was wollen Sie da sagen? Dass Sie das Prinzip nicht verstanden haben? Ja, so geht es offenbar ein paar mehr Menschen in dieser Gesellschaft.

Sie bekommen keinen Pass, in dem drinsteht, wann und wo Sie geimpft worden sind, damit Sie damit ins Museum gehen oder eine Flugreise unternehmen können. Das wäre höchst ungerecht. Also nicht Ihnen gegenüber. Nur den Zwanzig- oder Dreißigjährigen, die sich bisher immer solidarisch verhalten haben in der Pandemie. Die werden nicht geimpft, weil sie noch nicht dran sind. Und die sind im Nachteil gegenüber Ihnen, die sich nicht impfen lassen wollen? Unsinn. Bei denen steht, dass sie die Impfung nicht ablehnen, deshalb dürfen sie unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorschriften in den Flieger oder ins Museum. Falls die Museen mal wieder öffnen. Es gibt keine Verbote. Es gibt auch keine Sonderbehandlungen, auch wenn Sie das herbeifantasieren. Es gibt nur Regelungen, die für die gesamte Bevölkerung gelten. Man nennt das übrigens Privatautonomie.

Privatautonomie, das ist, wenn jeder ganz legal machen darf, was er will. Das entspricht ja im Wesentlichen Ihren Überzeugungen, nur eben mit dem Unterschied, dass sich die anderen dabei an Gesetze halten. Wenn Sie in der Kommentarspalte eines Onlinemediums herumpöbeln und Ihr Unfug gelöscht wird, ist das ja auch keine Zensur, oder ist die Bundesregierung Betreiber der Zeitung? Ach Gott, ich wusste, dass das jetzt kommt.

Privatautonomie ist Busfahren. Sie dürfen in jeden Bus einsteigen, solange noch Platz ist. Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen, Sie müssen keine Monatskarte kaufen, Sie müssen nicht nachweisen, woher Sie das Geld für den Fahrschein haben. Aber wenn Sie betrunken sind, weist Sie der Busfahrer auf die Beförderungsbestimmungen hin und fährt ohne Sie weiter. Sie können dagegen natürlich auch demonstrieren. Nur Klagen wäre noch sinnloser.

Sie wollen klagen? Aber gerne. Die gerichtliche Aufarbeitung eines solcher Ausschlusses – für Sie noch mal: es handelt sich hier nicht um eine Zugangsbeschränkung, oder braucht man hier in Deutschland jetzt ein Fahrgastdiplom? – die gerichtliche Aufarbeitung dürfte Jahre dauern, und sie hat leider keinerlei aufschiebende Wirkung. Sie haben sich ja für das Primat der ungehemmten Wirtschaft entschieden, jedenfalls steht das im Programm der Partei, die Sie wählen – Lesen kann man von Ihnen nicht verlangen, ich weiß – und da zählen halt Menschen nicht. Gewöhnen Sie sich daran, dass alles, was Sie tun, Folgen hat. Man nennt das Freiheit. Die Freiheit, die wir meinen.

Jede private Krankenversicherung wird sich überlegen, ob sie Sie mit Diabetes, Asthma und einem Bandscheibenschaden aufnimmt. Wenn Sie eine Wohnung brauchen und kein Vermieter Ihnen eine vermieten will, haben Sie Pech gehabt. Wenn Sie für Ihr Auto keine Kaskoversicherung kriegen, weil Sie ein wirtschaftliches Risiko darstellen, ist das Ihr Problem. Der Staat hat damit nichts zu tun.

Sie sind doch ein großer Freund des russischen Systems, oder? Schauen Sie, die Rentner in Moskau nutzen die Metro, die Straßenbahn und die Busse normalerweise kostenfrei. Man hat ihnen die Karten gesperrt, damit sie nicht ständig in der Stadt herumgondeln. Wer sich zweimal impfen lässt, der darf wieder fahren. Ist das nicht ungerecht? Sehen Sie, und wie lustig, dass es sogar Ihnen auffällt. Sie müssen jetzt auch nicht herumjammern, weil es so viele gibt, die sich gar nicht impfen lassen dürfen. Abgesehen davon, dass Sie die bisher nur für Ihre wirren Verschwörungsmythen benutzt haben, sind Ihnen unschuldige Menschen doch sowieso egal.

Natürlich können Sie Ihre Meinung jederzeit ändern. Sie müssen keinen Widerspruch einlegen. Sie werden auch nicht dazu gezwungen. Ändern Sie einfach Ihre Ansichten und tun Sie dies kund, am besten verbunden mit der Einsicht, dass die auf dem Grundgesetz fußende Selbstbestimmung sämtlicher Bürger nicht nur für Sie gilt. Was Sie beispielsweise bei der Meinungsfreiheit auch noch vor sich haben. Und noch werden Sie ja nicht erschossen, wenn Sie mal eine Blutspende brauchen. Noch nicht.“





Eigenverantwortung

6 01 2021

„… die Finanzierung des Gemeinwesens ändern wolle. Im Falle eines erneuten Wahlsieges plane die Union, sämtliche Steuern abzuschaffen und eine gerechtere Verteilung der Lasten auf die…“

„… für SPD und Grüne nicht verhandelbar sei. Eine Regierungskoalition sei so unter keinem CDU-Kanzler möglich, ebenso kein Angebot einer rot-grün geführten Regierung an einen…“

„… bei den Freidemokraten für eine anfängliche Skepsis gesorgt habe. Lindner beklage eine für seine Partei schwerer werdende Zukunft, wenn er nicht mehr ohne jeden erkennbaren Anlass radikale Steuersenkungen fordern und die Entlastung der…“

„… alle Bundessteuern überflüssig seien, wenn die Umsatzsteuer dafür erheblich ansteige. Merz sehe in diesem Modell allerdings nur dann eine Vereinfachung, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Unterstützung der unteren Einkommensschichten nicht eingeführt würde, da sonst eine statistische Verzerrung der…“

„… wolle die Union keinesfalls pauschal das Verbot von Steuern durchsetzen. Es müsse aber auf den Prüfstand gebracht werden, ob die heutige Umsetzung des bisherigen Systems noch für eine wirtschaftliche Zukunft und einen…“

„… nach dem Prinzip der Verantwortungsethik die Steuern aus gutem Willen nicht mehr zu berechnen und die Bürger so viel zahlen zu lassen, wie diese selbst für angemessen hielten. Offen bleibe im Vorschlag der Kirche, ob etwaige Defizite wie in ihrem eigenen Haushalt auch weiterhin durch staatliche Zuwendungen in Form von…“

„… bedeute die Abschaffung der Steuern auch den Wegfall der strafbaren Steuerhinterziehung. Der als Initiationsritus in höhere Gesellschaftsschichten unabdingbare Tatbestand müsse jedoch erhalten bleiben, da sonst zu viele Bürger, die durch Zufall oder sogar Arbeit zu Vermögen gekommen seien, in Kreisen verkehren könnten, zu denen sie nicht…“

„… sämtliche Steuern in ‚Solidaritätszuschlag‘ umbenennen wolle. Da die Bundesregierung nie vorgehabt habe, diesen endgültig abzuschaffen, könne man nun durch eine Anpassung von dessen Berechnung und Verwendung schnell eine gute…“

„… bedeute dies Erwerbslosigkeit für alle Steuerberater. Laschet plädiere daher dafür, die Betroffenen zu Vermögensverwaltern umzuschulen, was sich bei dem zu erwartenden Wohlstand vieler Wirtschaftsführer in seinem persönlichen Umfeld auch als durchaus lukrative und…“

„… von der Deutschen Bischofskonferenz als Missverständnis bezeichnet worden sei. Sollte durch Wegfall von Lohn- und Einkommensteuer auch die Kirchensteuer abgeschafft werden, müsse der Staat ersatzweise eine Abgabe in Höhe der bisherigen…“

„… dass viele Bürger ihre Steuern und Abgaben durchaus gerne zahlten und diese auch aus freien Stücken entrichten würden. Ein strafbewehrter Zwang widerspreche für die FDP dem Ideal eines demokratischen, leistungsorientierten…“

„… es eine Überlegung wert wäre, Lohn- und Einkommensteuern zu halbieren. Die Union plane dies jedoch erst für die kommende Pandemie und werde bis dahin weiter mit erprobten Instrumenten auf die…“

„… werde bereits durch einzelne Posten wie Branntwein-, Tabak- oder Pferdesteuer erreicht, da man auf die entsprechenden Waren verzichten könne. Zum Augleich schlage die Union vor, auch bisher nicht besteuerte Wirtschaftsgüter mit…“

„… habe die FDP bereits jetzt durch die vielen angeordneten Betriebsuntersagungen eine Vielzahl an Einkommensminderungen in kleinen Firmen verzeichnet, die dadurch bereits stark an Steuern gespart hätten. Zum Ausgleich fordere Lindner die Senkung des Spitzensteuersatzes, um durch eine einfache, niedrige und gerechte…“

„… plädiere Merz für eine vollkommene Steuerfreiheit bei Aktien- und Vermögensbesitz, Erb- oder Mieteinnahmen sowie oberhalb einer gewissen Einkommenshöhe. Um die unteren Gesellschaftsschichten nicht von der Mitwirkung an der Staatsfinanzierung auszuschließen, könne man gerade Renten und kleine Einkommen durch eine Anerkennung in Form von hoher…“

„… dass sämtliche Daten der Steuerzahler ohne Höchstdauer aufbewahrt und mit deren Einnahmen zusammengeführt werden sollten, um die ungefähr zu erwartende Höhe der freiwilligen Zuwendungen an die Finanzämter zu bemessen. Die Regierung setze dabei auf die Eigenverantwortung der Bürger, die im Interesse der Gemeinschaft eine korrekte…“

„… bei einer Erhöhung des Grundfreibetrags auf den Wert des Spitzensteuersatzes formal die Besteuerung der Einkommen erhalten bleibe. Es sei jedoch zu erwarten, dass dieses System nur von wenigen sehr Wohlhabenden verstanden werde, was immerhin zu Einnahmen aus den unteren…“

„… als ersten Schritt die Kraftfahrzeugsteuer abschaffen wolle. Im Gegenzug werde Merz durch eine negative Abgabe für Fußgänger oder Radfahrer die verfassungsrechtliche Ausgewogenheit des…“

„… werde das Finanzamt zumindest Löhne und Gehälter künftig direkt einziehen und einbehalten. Den Steuerpflichtigen werde danach eine Summe zurücküberwiesen, deren Höhe sich unter anderem nach der…“





Wirtschaftswunder

5 01 2021

„Schetelig! Der Auszug muss einen Fehler haben, da fehlen doch dreißig Prozent! Wenn ich’s Ihnen doch sage, da fehlt fast… – Rechnen Sie das doch selbst nach, Achthundert, und letzten Monat waren das… – Natürlich habe ich das abgezeichnet, ist das hier mein Laden, oder ist das nicht mein Laden!?

Manko, Manko, das kann ja jeder sagen – das ist hier ein Fehlbetrag von mindestens einem Drittel! Dreißig Prozent, sage ich ja. Habe ich das denen gestundet, nur weil Hagen & Co. jetzt seit fünfzig Jahren ihre Büros bei uns… – Als der alte Hagen meinem Vater das Haus verkauft hat, da war unsere Verwaltung schon hier! Die mussten ja unbedingt in Fetten machen, das rächt sich. Der Mann hat dann ja auch einen Herzanfall gekriegt, da sehen Sie mal – soll er in Aktien machen, da lebt man gesünder. Schetelig, wofür haben Sie überhaupt Prokura, das ist doch eine Aufgabe für die Buchhaltung. Müssen Sie sich immer in die Finanzen einmischen? seit wann? Sechs Monate!? Das wären ja, also im Prinzip zu wenig! Wie können Sie denen die Miete stunden! Schetelig, sind wir denn die Heilsarmee?

Natürlich sind das gute Zulieferer, und ich weiß auch, mit Kossmann & Söhne hätten wir Berlin nie beliefern können. Schon gar nicht zu dem Preis. Muss man ja auch nutzen, wenn ein langjähriger Freund plötzlich in die Bredouille gerät, hähähä! Aber deshalb stunden Sie denen doch nicht gleich die Miete! Unsereins muss doch in diesen Zeiten auch sehen, wie man seine Kröten zusammenhält. Mildtätigkeit ist das eine, aber man ruiniert sich doch den Ruf an der Börse, wenn man kulant ist!

Ich sehe das kommen, am Ende haben wir so eine sozialistische Regierung, die erlässt dann ein Gesetz, dass man die Miete so lange stunden muss, bis man selbst auf der Straße sitzt. Sie brauchen mir das jetzt gar nicht vorzurechnen, Schetelig, ich habe meine Zahlen im Kopf! Wenn wir jetzt auf die Dreihundertvierzig, warten Sie mal: das sind ja über Zweitausend! Haben Sie das steuerlich geltend gemacht? Natürlich, ja. Wusste ich doch, ich wollte Sie nur mal auf die Probe stellen. Man kann nichts versteuern, was man nicht eingenommen hat, es sei denn, man hat es gut versteckt. Ein paar Sachen hat man mir damals auch noch beigebracht, hähähä! Die holen Sie mir aber gefälligst wieder rein.

Was haben Sie denn da, Schetelig? Papiere? die wollen ihre Papiere? Ich kann doch auch nichts dafür, dass wir Kurzarbeit anordnen müssen. Das ist nun mal so, die können froh sein, dass wir von den Lieferanten überhaupt noch etwas kriegen. Da lobe ich mir Hagen & Co., antworten auf dem kleinen Dienstweg und schicken die Ware freitags bis eins. Beide Linien laufen, Westphal hat mit Großauftrag gedroht. Wir könnten sogar noch einstellen. Lassen Sie die Herren doch gerne kündigen, wir haben uns diese politische Großwetterlage nicht ausgesucht, und wenn ich Überstunden anordne, dann mache ich das nicht für mich, sondern für die Wirtschaft. Wir können doch nicht tatenlos zusehen, wie die Wirtschaft stagniert!

Hallo? Ja, am Apparat. Natürlich sind wir noch im Geschäft. Kommt immer auf die Menge an, die bestimmt schließlich den Preis. Fünfhundert? Das kann knapp werden, da brauchen wir bis… – Ja, Sie mich auch! Schneiden Sie sich doch das Personal aus den Rippen, wenn Sie nichts zu tun haben!

Jetzt noch eine linksradikale Regierung, Söder oder Röttgen, dann kriegen die Leute mehr Geld, wenn sie gar nicht erst zur Arbeit gehen. Das kann man doch nicht unterstützen! Wir müssen doch die Mittelschicht stützen, Schetelig, auch wenn wir als Stützen der Gesellschaft noch nicht dazugehören. Wir sind gerade so durchgekommen, die Firma ist stabil, wir sind ja gewissermaßen systemrelevant. Zwar nicht systemrelevant wie Krankenhäuser, wo alle jammern, wenn sie mal kein Bett kriegen, aber ohne uns geht es auch nicht. Und dann fragen Sie sich, ob es ohne uns geht oder ohne Krankenhäuser. Krank werden die Leute schließlich freiwillig.

Bitte jetzt nicht stören, Puschke. Wir sind in einer Besprechung. Natürlich weiß ich das, aber ich bin da halt altmodisch. Man möchte seine Leute unter Kontrolle haben. Wenn die den ganzen Tag zu Hause sitzen, dann weiß man nie, wer von denen krank feiert. Das muss man als Unternehmer strikt unterbinden. Aber wem sage ich das, unsereins ist da ja sowieso von gestern.

Na geben Sie her, wir haben keinen schlechten Schnitt gemacht, es ist nur die Umstellung. Man muss eben irgendwann mal wissen, ob das mit der Kriegswirtschaft nun dauerhaft ist oder nur für ein Jahr, und dann kalkuliert es sich auch leichter. Wenn die jetzt anfangen mit den Impfungen, dann sind unsere Einkaufspreise schnell wieder hin, aber auf der anderen Seite haben die Arbeiter auch keine Entschuldigung mehr für eine Krankschreibung. Es ist irgendwo ja auch schwierig für uns, und es ist doch ein Skandal, dass man den Leuten mit diesen verbilligten Mehrwertsteuern Geld zukommen lässt, das wir als Fabrikanten nicht… –

Dass wir Hagen & Co. um fast zehn Prozent im Einkauf gedrückt haben, das war unternehmerische, ach was: nationale Notwehr! Schetelig, Ihre Zahlen können Sie sich an den Hut stecken! Wir hätten uns diese zwei Lieferwagen und ich mir das Coupé für Fräulein Buntsch niemals… – Das tut doch jetzt gar nichts zur Sache, Schetelig!

Heiliger Bimbam, das ist doch… – Hilde? In der Post? Die Miete nicht erstattet? Und Mutti hat das Einschreiben einfach so… – Das ganze Land liegt wirtschaftlich am Boden, und dieser Halunke will weiter von seinen Mieten leben? Ruf den Anwalt an, dem Schmarotzer blasen wir den Marsch!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLV): Die Unbelehrbaren

18 12 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Bei Ansicht des Riesenpanzernashorns, und Ugas Sippe wusste dies aus eigener Anschauung, gab es nur eins zu tun: schnell, am besten schreiend die Flucht zu ergreifen und sich nicht auch noch umzudrehen, da dies wertvolle Sekunden kosten würde, die das Tier in seiner Wut besser zu nutzen wüsste als der rennende Jäger. Mit dem Aufkeimen der Vernunft im Hominidenschädel brannte sich die Erkenntnis ein, dass die Warnung der Alten nicht allein aus gekränkter Eitelkeit gegenüber den nachwachsenden Generationen stetig und wieder geäußert wurde. Die Mehrheit, die nicht nur aus reiner Arterhaltung am Leben hing, verinnerlichte die Botschaft schnell und flocht sie ins Programm zur Nachwuchsschulung ein, um die Manpower bei der Proteinbeschaffung nicht nachhaltig durch Betriebsunfälle zu schmälern. Wer aber keinen nennenswerten Beitrag zum Genpool leisten konnte oder wollte, versuchte es eher durch individuelle Leistungen, wenngleich noch keiner wusste, an welchem Ende der Glockenkurve sie zu finden sein würden. Fanden sie das Riesenpanzernashorn gar nicht erst vor, überlebten sie ihren Anblick, so ließ sie der glückliche Zufall die Warnung vergessen. Nur der fatale Ausgang des Erstkontakts schuf die stochastisch eindeutige Ruhe und Klarheit: wer die Gefahr sucht, kommt darin um. Alle anderen sind auf Dauer unbelehrbar.

Der durchschnittliche Depp, der nicht gerade aus reiner Hirnverdübelung mit der Schere in der Steckdose herumstochert, sondern als Zeichen der Expertise mit elektrischen Leitungen sehr wohl das Risiko eines Stromschlags abschätzen zu können meint, wird sicher einen allgemeinen Eindruck von der Wahrscheinlichkeit bekommen, die irgendwann auch bei ihm zuschlägt. Vielleicht jagt es beim ersten Mal nur die Sicherungen im Erdgeschoss raus – nicht in seinem – und er kommt mit ein paar angesengten Bartspitzen wieder zu sich. Unter Umständen hallt die Kopfnuss auch ordentlich in seinem Schädel nach. Bis dahin jedoch gilt jeder Versuch als erfolgreich, bis irgendwann der Arzt seinen Schnörkel unter den Schein setzt, der akutes Ableben attestiert. Jeder wird es dem Hohlpflock erklärt haben, dass die Wahrscheinlichkeit, mit dem Leben davonzukommen, bei einem Versuch so hoch ist wie bei allen anderen, doch die Hybris wird mählich zunehmen, wenn man sie genügend zu kennen glaubt. Wer eine Bombe mit ins Flugzeug nimmt, weil die Chance geringer ist, in einem Flieger mit zwei Bomben gleichzeitig zu sitzen, irrt. Die Wahrscheinlichkeit bleibt; die zweite Bombe ist nur eine weitere Gefahr, die sich nicht klein rechnen lässt, auch wenn man es versucht.

So hängt sich auch die geistige Ausschussware auf Rollerskates an die hintere Stoßstange des Rennwagens und lässt sich aus der Kurve tragen, damit die Organspenden florieren. Sie hüpfen an dünnen Gummiseilen in den Abgrund, damit sie die Inkontinenz früher erleben, schmeißen sich im Flughörnchenkostüm mit Werbeaufdruck von der Felswand oder lassen sich in der Rakete ein paar hundert Meter hochschießen, damit sie sich auf dem Parkplatzasphalt die Rübe einballern können. Jedes Stadium ihres Versuchs hätte vernunftmäßig mit einer Fanfare der Ablehnung enden können, der ihr fröhliches Weiterleben gesichert hätte. Aber waren nicht lernfähig. Was nutzt da die Urteilskraft.

Eine zusammengeschwiemelte Selbsttäuschung ist die Tendenz des Aluhütchenspielers, alles kontrollieren zu wollen – und sich vor allem der Illusion hinzugeben, man könne es kontrollieren. Lustige Zahlenmuster nötigen uns regelmäßig, die sauer verdiente Kohle zu setzen; wir nennen es Lotto und sind enttäuscht, wenn die Zahlen unserer Geburtstage (eins bis zwölf verstärkt, sonst bis 31) in den 49 Kugeln nicht angemessen oft erscheinen. Die Absolventen des Bausparerabiturs jedoch sind nicht in der Lage, den Fehlschluss zu verstehen, und versuchen es verbissen weiter, bis die Finger ausbluten. Anscheinend ist der mangelnde Erfolg derselben Handlung auch nach quasi-unendlicher Wiederholung nicht ausschlaggebend für die Erkenntnis, dass die Abwechslung von Versuch und Nachdenken lohnenswert sein könnten. Oder überhaupt der Versuch des Nachdenkens.

So sind es auch die demonstrierenden Deppen in der Seuchenverbreitung, deren kontinuierliche Aussetzung die Gefahr nicht mindert, nur weil sich die Infektion nicht gleichmäßig über die Rotte verteilt beim ersten Versuch zeigt. Die Einsicht in die kaum beeinflussbaren Mechanismen der Natur lässt sich nicht erzwingen, wohl aber die Folge der Beklopptheit. Die Beratungsresistenten nehmen sich die Freiheit, andere damit zu bestrafen, dass sie aus ihren eigenen Fehlern nicht lernen wollen, und spucken vor ihrer Abschiedsvorstellung der Evolution noch einmal kräftig in die Suppe. Leider ist es nicht getan mit einer sturen Horde, die tapfer jeden Anflug von Wirklichkeit ignoriert, bis sie wütend vor ihnen steht, zum Beispiel in Gestalt des Riesenpanzernashorns. Selbst das würden sie für einen miesen Propagandatrick halten, da das Tier bekanntlich seit Jahrtausenden ausgestorben ist. Gut, dass das Riesenpanzernashorn das nicht weiß.





Fragen

16 12 2020

„Ja hallo, sind Sie das? wer? Weil ich halt nur die Liste hatte mit den ganzen Staatskanzleien und den Durchwahlen für die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, und wir leben ja eigentlich in einer Art Föderalismus, obwohl man davon meist so viel nicht mitkriegt, aber jetzt kriegt man davon schon etwas mit, und zwar immer dann, wenn der ganze Laden nicht funktioniert, und da ist es gut, dass ich gleich Sie dran habe, weil ich da nämlich ein paar Fragen hätte an Sie. Nur ein paar Fragen.

Zum Beispiel, was Sie während des Sommers alles gemacht haben. Und ob Ihnen einer verraten hat, dass der Sommer irgendwann mal zu Ende geht und dass dann der Herbst kommt. Und dass nach dem Herbst der Winter kommt. Und warum jeder davon geredet hat, dass dann die Menschen alle wieder in die Innenräume gehen, in denen sich die Infektion besser ausbreiten kann. Und warum Sie so überrascht waren, als die Infektionen sich plötzlich viel stärker ausgebreitet haben, weil ja nicht mehr Sommer war. Und ob Sie das nicht selbst ein bisschen bescheuert finden, weil jetzt plötzlich der Herbst schuld ist und nicht die Belüftungsanlagen, die man eigentlich in die Schulen stellen müsste. Und warum die nicht in den Schulen stehen, wo Sie das doch alles im Sommer schon wussten.

Aber mich würde schon auch interessieren, ob Sie das noch nicht mitgekriegt haben, wie die Leute zur Arbeit kommen und die Kinder in die Schule. Und warum Sie das noch nicht mitgekriegt haben. Und ob Sie überhaupt mal mitgekriegt haben, wie man mit dem Bus oder mit der Bahn zur Arbeit fährt, wenn sich da nicht alle an die Maskenpflicht halten. Und warum Sie nicht mitgekriegt haben, dass das in einem Staatsbetrieb wie der Deutschen Bahn keinen kümmert, wenn sich da manche nicht an die Maskenpflicht halten. Und warum Sie noch nicht mitgekriegt haben, dass das ein Staatsbetrieb ist, den mal auch mal staatlich kontrollieren kann, wenn man so etwas wie die Maskenpflicht staatlich durchsetzen will, weil man das selbst angeordnet hat. Oder vielleicht erklären Sie mir einfach mal, wann Sie das letzte Mal einen Zug der Deutschen Bahn von innen gesehen haben.

In diesem Zusammenhang müsste ich auch noch mal nachfragen, warum Sie der Lufthansa so viel Geld geben unter der Voraussetzung, dass keine Stellen abgebaut werden. Und warum Sie das nicht schert, dass dann doch Stellen abgebaut werden. Und warum die Stellen abbauen dürfen, wenn sie sagen, dass ihre Flüge eh nicht mehr nachgefragt werden und dass die neun Milliarden da auch nicht viel ausmachen. Und warum Sie das Geld da nicht zurückfordern. Und warum Sie das überhaupt an die gezahlt haben, weil ja jeder vorher wusste, dass das in anderen Branchen wie der Kultur oder der Gesundheitsversorgung viel dringender gebraucht wurde und viel mehr Arbeitsplätze hätte retten können, und warum Sie sich damit nicht einmal haben beschäftigen wollen, obwohl Sie das alles schon wussten. Und warum Sie sich bis heute nicht damit beschäftigen wollen.

Ach, das mit der Gesundheit, da wollte ich auch noch fragen, warum Sie uns so dreckige Lügen auftischen, dass es an der Menge der Intensivbetten liegt, und solange wir mehr Intensivbetten haben als Coronapatienten auf der Intensivstation, solange ist alles gut. Warum Sie nicht sagen wollten, dass die Betten auch für die anderen Patienten noch reichen müssen, und warum das mit den Betten sowieso völlig wurst ist, weil man so viel Betten haben kann, wie man will, wenn man nur die Pflegerinnen und die Pfleger nicht hat. Und warum Sie alle im Frühjahr so gejubelt haben, als Pflegerinnen und Pfleger gleichzeitig gesagt haben, dass die Kliniken in Deutschland schon seit Jahren bis zum Hals in der Scheiße stecken und dass diese Katastrophe, die wir jetzt erleben, unausweichlich war, weil denen keiner zugehört hat. Und warum denen keiner zugehört hat, das können Sie auch gleich noch mal sagen, da erinnere ich mich nämlich gerade nicht, dass Sie da überhaupt jemals irgendwas dazu gesagt hätten. Tut mir leid, ich wüsste es nur gerne.

Und ob Sie das, was da in der Pflege gerade dermaßen schief läuft, in den Schulen nur billigend in Kauf nehmen oder bewusst fördern, darüber müssten wir mal reden. Warum nicht jedes Kind einen Laptop mitbekommt, das wüsste ich ja auch gerne mal, weil ich schon nicht wusste, warum Sie das nach dem Frühjahrslockdown nicht schon hätten wissen können. Und ob Ihnen nicht mal aufgefallen ist, dass es Haushalte mit mehr als einem Kind gibt, wo ein privater Computer pro Haushalt für mehrere Kinder schon rein rechnerisch nicht hinhaut. Und dass es Familien gibt, die den für Home Office benutzen. Und Familien, die sich gar keinen leisten können, weil der im Regelsatz vom Arbeitslosengeld nicht drin ist, obwohl man von Arbeitslosen gleichzeitig verlangt, dass sie sich im Internet bewerben. Und dass das die ganze verkorkste Digitalisierung wieder bei den Bürgern scheitern lässt, weil der Staat noch nicht mal kapiert hat, wie das technisch geht. Und ob Sie wissen, dass man Schulen auch nicht mit ein paar Laptops digitalisiert kriegt, sondern nur mit ausgebildetem Fachpersonal, das ordentlich bezahlt werden muss? So ähnlich wie bei den Betten und den Pflegern, könnten Sie dazu mal etwas sagen? Da entstehen nämlich immer wieder Fragen, und die gehen auch nicht einfach weg, und von alleine schon gar nicht.

Und insbesondere zu diesem Winzlockdown, zu diesem Löckchendownchen, da hätte ich mal gerne gewusst, ob Sie auf dem Schirm haben, wie viele Menschen da gestorben sind in den sechs Wochen? Und ob Ihnen das leid tut? Und warum Sie das dann nicht mal sagen? Und warum Sie sowieso nicht sagen, dass die gestorben sind, weil Sie da einen unglaublich schweren Fehler gemacht haben? Und ob dieser unglaublich schwere Fehler Ihnen dann am Ende vielleicht mal ein Wort des Bedauerns entlockt? Und ob der Ihnen eine Entschuldigung entlocken könnte, oder ob da auch Entlockdown ist wie bei anderen Themen, bei denen Sie entweder nicht darüber reden, oder viel darüber reden, aber nichts zu den Menschen zu sagen haben? Das würde mich und das würde uns alle irgendwie mal interessieren. Wirklich, darüber sollten Sie… –

Hallo? Sind Sie überhaupt noch dran? Was? ich soll mich verwählt haben? Ja, das halte ich nicht für ausgeschlossen. Aber das lässt sich ändern.“





Pharisäer

15 12 2020

„… ein striktes Verbot des Alkoholgenusses in der Öffentlichkeit erlassen habe. Bis zum tatsächlichen Shutdown müsse man nun auch noch am letzten Öffnungstag für eine sichere…“

„… es keine einheitliche lebensmittelrechtliche Definition für Glühwein gebe. Da Zuckerzusatz in den betreffenden Getränken inzwischen legalisiert worden sei, liege nun auch keine weinrechtliche Verfügung gegen den…“

„… dass in zahlreichen Innenstädten Buden mit Sondergenehmigungen aufgestellt worden seien, die nun schriftlich mit einem Verkaufsverbot für ihren Glühwein hätten belegt werden müssen. Die von den Schaustellern ausgesprochene Drohung, man werde die Waren an Passanten verschenken, werde durch die Verfügung möglicherweise nicht oder nicht vollständig…“

„… auch zahlreiche Discounterketten von der Regelung betroffen seien. So habe ein großer süddeutscher Betreiber von Marktständen bereits mehrere zehntausend Kartons mit fertig abgefülltem Glühwein geordert, die er nun nicht mehr im…“

„… müsse nach verbraucherschutzrechtlichen Verfügungen ein Glühwein mindestens sieben Volumenprozent Alkohol enthalten, was wegen der Rohstoffkosten auch selten willentlich überschritten zu werden drohe. Da jedoch die Schausteller mit einem mehr als doppelt so hohen Alkoholgehalt durch Zusatz branntweinhaltiger Getränke bereits ein lebensmittelrechtlich als Punsch geltendes Produkt anbieten würden, könne ein offiziell als Glühweinverbot deklariertes Gesetz auch keine…“

„… dass es sich um insgesamt 21,8 Millionen Liter Glühwein handele. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels habe sofort vorgeschlagen, die Flaschen zu einem Preis von je acht Euro an den Endverbraucher abzugeben, um den Menschen ein wirklichkeitsgetreues Gefühl von Weihnachtsmarkt zu…“

„… in den Hausflur eines Gebäudes in der Nähe des Marktplatzes verlegt worden sei. Auf diese Art habe der Alkoholkonsum nicht mehr im öffentlichen Raum stattgefunden, so dass die Polizei nur noch die Blutalkoholkonzentration der Gäste nach dem Genuss von drei bis vier…“

„… vielfach ein alkoholfreier Kinderpunsch ausgeschenkt werde. Da das private Mitführen von Schnaps in Taschenflaschen nicht strafbewehrt sei, solange den Bürgern der vorsätzliche Konsum nicht eindeutig nachgewiesen werden könne, müsse die Polizei jede einzelne Vermischungshandlung im öffentlichen Raum mit einer gerichtsfesten…“

„… sich die Drive-in-Lösung aber als nicht praktikabel herausgestellt habe. Der Konsum auf dem Privatparkplatz werde nicht beanstandet, doch sei beim Verlassen des Geländes die Verkehrsstaffel damit beauftragt, nach einer Kontrolle sämtliche Führerscheine der angetrunkenen Fahrer sofort zu…“

„… durchaus damit einverstanden sei, wenn man dem auf niedere Einkommensarten wie Arbeit angewiesenen Pöbel den Alkohol verbiete und das Verbot mit blutrünstigen Körperstrafen durchsetze, um die Leistungsfähigkeit deutscher Großaktionäre zu sicher. Persönlich werde Merz jedoch seinen täglichen Glühwein aus einem Château Lafite-Rothschild zubereiten und jede Bullensau, die einen Fuß auf sein Privatanwesen setze, den Schlüssel seines Privatjets direkt in die…“

„… nach den Diskussionen der vergangenen Tage nun eine bundesrichterliche Entscheidung notwendig sei. Insbesondere müsse geklärt werden, ob ein Stand mit der Aufschrift Glühwein to go es den Kunden gestatten dürfe, ihren Heißgetränke zwar in entsprechendem Abstand, wohl aber im Stehen auf dem…“

„… setze sich Laschet für eine rasche Lockerung der Verordnungen während der Festtage ein. Nordrhein-Westfalen sei das Land der Glühweinstandbetreiber und dürfe seine Menschen nicht im Stich lassen. Kein Antialkoholiker schreibe dem Ministerpräsidenten vor, wie er seine Entscheidungen zu…“

„… könne die Polizeipräsenz auf den deutschen Märkten nicht in dem Maße gesteigert werden, dass die lückenlose Kontrolle aller Passanten vor und nach dem Verzehr eines nach den Angaben des Händlers alkoholfreien oder entalkoholisierten…“

„… habe sich die Praktikantin nach einer Kontrolle darauf herausgeredet, dass sie je nach Sympathie für die Besucher ihres Standes einen mittleren bis großen Schuss Industriealkohol in den erhitzten Rotwein gegossen hätte, um ihren Umsatz in den wenigen verbleibenden Stunden bis zum…“

„… in den Vorjahren auf einschlägigen Messen noch als ekelerregend, nicht für den menschlichen geeignet und vollkommen marktfremd bezeichnet worden sei. Die vegane Wurst mit Glühweinaroma habe in diesem Winter trotz starken Widerwillens von Seiten der Standbetreiber ihre Weg in die süddeutschen Buden gefunden und werde mit durchaus befriedigendem Ergebnis…“

„… dass die in Norddeutschland eingesetzten Bereitschaftspolizisten aus dem Erzgebirge einen halben Tag lang dem Treiben an einem Stand für Kaffeespezialitäten zugesehen hätten, ohne die stark angeheiterte Stimmung der Bewohnerinnen des nahe gelegenen Seniorenstifts zu hinterfragen. Sie seien vor dem Einsatz in Schleswig-Holstein nicht mit der Zubereitung des Pharisäers befasst gewesen und hätten auf diese Weise versäumt, die Täterinnen in flagranti zu…“

„… sich die Kontrolleure der Gewerbeaufsicht im Regierungsbezirk Schwaben zufrieden gezeigt hätten. Man habe nach der Inaugenscheinnahme von dreißig Betrieben in den ausgeschenkten Proben nur noch Spuren von echtem Glühwein knapp unterhalb der Nachweisgrenze…“