Entsprechende Gegenmaßnahmen

24 09 2019

Zehn Päckchen Rahmspinat, zwei Beutel Gemüse, ein stattliches Brathuhn. „Das sollte vorerst einmal reichen“, verkündete Herr Breschke. „Wir hatten die Truhe ja in den letzten Jahren kaum noch in Gebrauch, aber die Zeiten ändern sich nun einmal.“ Und er schloss den Deckel des Gefrierapparats mit Nachdruck zu.

Auf dem Küchentisch lag noch der Prospekt der Stadtwerke. „Sie haben sich also auch endlich für ökologisch erzeugten Strom entschieden“, stellte ich mit Befriedigung fest. Der Hausherr nickte. „Meine Frau hat mir gesagt, ich soll das mal ganz gründlich durchrechnen – schauen Sie mal, so viel teurer ist das gar nicht, und bei meiner Pension können wir uns das schon leisten.“ Er legte das Faltblatt wieder auf den Tisch zurück. „Wenn man diese Bilder in den Nachrichten sieht, dann muss man doch langsam mal anfangen, auch bei sich selbst umzudenken.“ Er schien tatsächlich sehr entschlossen. „Wir haben zwar keine Enkel, aber wenn ich mir den Zustand unserer Welt so ansehe, dann muss man doch irgendetwas tun.“ Auf dem Stuhl am Fenster hatte sich Bismarck gemütlich niedergelassen und hob mir bemerkenswert wenig Interesse das Köpfchen; möglicherweise war dem dümmsten Dackel im weiten Umkreis auch nur diese Unterhaltung schon zu laut. Breschke strich ihm beruhigend über das Köpfchen. „Wir sind ja auch nicht nur für uns selbst verantwortlich.“

Im Wohnzimmer schnurrte ein Standventilator vor sich hin. „Sie haben…“ Er nickte. „Unsere Tochter hat ihn preiswert besorgt, der hätte sonst viel mehr gekostet.“ Abgesehen von den fehlenden Typenschildern sowie einem reichlich obskuren Aufdruck, der das Gerät als ein in Taiwan gebautes Instrument aus Bangladesh auswies, stand nicht viel auf dem Gehäuse. Es hatte drei Motorstufen, eine für die Abschaltung, eine für den sanften Betrieb, den man nicht sofort bemerkte, auch wenn man unmittelbar danebenstand. Die dritte blies beständig die Kissen von der Sofakante. „Wissen Sie eigentlich“, erkundigte ich mich, „was dieses Ding für einen Stromverbrauch hat?“ „Ich habe das nicht auf der Verpackung entdeckt“, gab Breschke zu, „aber so viel kann es nicht sein. Und wir haben ja jetzt auch Ökostrom, da ist das nicht so schlimm.“

Der Motorwirbler hatte die Raumtemperatur heruntergekühlt, insbesondere da, wo man sich im direkten Luftzug befand, also so gut wie überall im Zimmer. „Meinen Sie nicht“, merkte ich an, „dass das im Sommer viel sinnvoller wäre?“ „Man kann ja nicht nur im Sommer an die Umwelt denken“, erläuterte der pensionierte Finanzbeamte mir seine Strategie. „Wenn sich alles erwärmt, müssen wir durch die entsprechenden Gegenmaßnahmen die Luft eben wieder abkühlen. Glauben Sie es mir, jeder kann etwas tun, auch der kleine Mann!“ Aus seinem Blick sprach tiefste Überzeugung, und hätte ich diesen Blick nicht schon seit Jahr und Tag gekannt, ich hätte ihm tatsächlich vertraut.

Indes war ich der Heizung nahe gekommen und bekann mich zu wundern. „Sie haben ja die beiden Ventile schon voll aufgedreht?“ Horst Breschke nickte. „Allerdings!“ Wie zum Beweis tastete er nochmals nach den Drehrädern. „Ich möchte nicht wieder riskieren, dass meine Frau sich wegen ihrer rheumatischen Beschwerden gar nicht mehr bewegen kann, deshalb haben wir es um diese Jahreszeit ein bisschen wärmer.“ Ich runzelte die Stirn. „Aber die Erderwärmung?“ Sein Blick wiederholte sich. „Jetzt denken Sie doch mal nach: die Heizungswärme bleibt natürlich im Inneren des Hauses, oder was meinen Sie, warum ich alle Fenster und Türen so umständlich abgedichtet habe im letzten Frühjahr?“

Vielleicht hatte ich es auch nicht ganz begriffen, denn Herr Breschke schien tatsächlich den Plan zu entwickeln, nach und nach seine ganzen Vorräte in der Tiefkühltruhe zu lagern. „Je kälter“, erläuterte er, „desto besser – je länger die Sachen halten, desto nachhaltiger sind sie auch. Das ist doch gar nicht so kompliziert?“ „Aber Sie verbrauchen nicht nur jede Menge Strom, Sie produzieren auch jede Menge Abwärme.“ Er blickte mich ungläubig an. „Abwärme?“ „Natürlich“, beharrte ich, „irgendwo muss doch die ganze thermische Energie hin, die Sie für die Kühlung verwenden.“ „Sie können gerne noch einmal in den Keller steigen“, triumphierte er. „In der Truhe wird es immer noch eiskalt sein!“ „Fassen Sie doch einmal an die Rückseite Ihres Kühlschranks“, riet ich ihm. Durch umständliches Öffnen der Tür unter der Küchenspüle gelang es ihm schließlich. „Warm“, wunderte er sich. „Da ist es ja warm – er wird doch wohl nicht defekt sein? Oder vielleicht ist der Apparat einfach nur mangelhaft isoliert?“ „Es ist die Abwärme“, dozierte ich, „genau die Abwärme, die Sie mit dem Kühlaggregat entziehen.“ Breschke öffnete die Kühlschranktür. „Aber hier ist es immer noch kalt.“ „Richtig“, konstatierte ich. „Wäre es draußen nicht warm, wäre es drinnen auch nicht kalt.“

Er hatte sich eine Flasche Sprudel aus der Tür genommen. „Kann man denn überhaupt nichts machen“, stöhnte Herr Breschke. „Bei allem, was man anfängt, wird es entweder schwierig oder man erreicht das Gegenteil.“ Ich blickte auf seine Flasche. „Sie könnten beispielsweise den Kühler nicht ganz so kalt einstellen, dass…“ „Halt!“ Er hielt mir die Flasche entgegen. „Wir werden ab sofort nicht mehr so viel Kohlenstoff verbrauchen!“ Und er begann die Flasche wie wild zu schütteln. „Lassen Sie das doch“, rief ich ihm zu, „das wird bestimmt eine große…“ Doch da war es schon zu spät. Mit einer beherzten Drehung hatte Breschke den Verschluss geöffnet. Das Sprudelwasser spritzte ihm ungehindert ins Gesicht. „Was zum…“, japste er. „Nicht so schlimm“, tröstete ich ihn. „Der größte Teil vom Kohlendioxid ist ja gerade noch mal hier im Haus geblieben.“ Tropfnass guckte er hinter seiner Brille hervor. „Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.“

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Minderwertige Märkte

19 09 2019

„… unbedingt wieder Kolonien brauche. Kramp-Karrenbauer und Merz seien sich darin einig, dass eine großdeutsche Lösung die Union gegen die rechtspopulistische Propaganda der…“

„… natürlich unsinnig sei. Als noch nicht designierter, aber so gut wie schon gewählter SPD-Vorsitzender könne Scholz den imperialistischen Anwandlungen des Koalitionspartners nicht abgewinnen, wolle aber auf der anderen Seite damit die Koalition auch in keiner Hinsicht…“

„… den Lebensraum im Osten als Staatsziel in die Verfassung der BRD GmbH aufnehmen wolle. Meuthen werde einen Gesetzesentwurf für die…“

„… mit großem Befremden aufgenommen habe. Steinmeier wolle die Expansion der Bundesrepublik nicht mittragen und habe jede Verantwortung für die geplanten…“

„… sich auch auf den Osten Afrikas bezogen haben könnte. Weidel habe die Diskussion aus dem schweizerischen Ausland nicht verfolgt, könne aber jetzt einer Invasion nur vollumfänglich…“

„… dass Altmaier den Bundespräsidenten beruhigt habe. Seine Einmischung in die Versorgung mit Rohstoffen sei nicht notwendig, da allein der Bundestag die Befehlsgewalt über die Truppe habe und deshalb auch eigenständig die…“

„… habe die deutsche Herrenrasse endlich ein Recht, auch deutsche Bananen zu essen. Höcke sehe die Zukunft der deutschen Landwirtschaft in den…“

„… sehe die Union die afrikanischen Länder auch eher als Absatzgebiete für deutsche Waren, die in der Heimat nicht mehr konkurrenzfähig seien. Neben Videorecordern und Wählscheibentelefonen wolle sich BILD mit einer…“

„… außenpolitische Verwerfungen fürchte. Scholz wolle im Fall einer Annexion keine Sonderwirtschaftszonen schaffen, da er hier durch verringerte Steuereinnahmen eine Gefährdung der Schwarzen Null sowie des…“

„… der Schadstoffausstoß der afrikanischen Länder erheblich unter dem globalen Durchschnitt liege. Eine zeitnahe Annexion sei daher schon aus statistischen Gründen notwendig, um durch den dadurch entstehenden Durchschnitt Deutschland wieder einen Spitzenplatz im Umweltranking zu…“

„… zu Schwierigkeiten führen könne, wenn der Euro zu schnell in den Kolonialwirtschaften eingeführt würde. Lindner habe angeregt, den Afro als regionale Währung für minderwertige Märkte zu etablieren, um die Teilnehmerländer beim Versagen der europäischen Märkte schnell wieder aus der Währungsunion zu…“

„… Johnson erklärt habe, dass er bereits seit 1492 mit der Bundeskanzlerin verhandle. Merkel habe ihm verbindlich zugesichert, dass Deutschland dreißigtausend Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Subvention an die britischen…“

„… Pflegepersonal aus den neuen Ländern zu rekrutieren. Spahn wolle eine Rundreise durch alle Beitrittsgebiete absolvieren und sich dabei eine tarifkonforme Unterschreitung der Lohnuntergrenze als legale Möglichkeit zur…“

„… wolle Steinbach die Nachfahren der bisherigen deutschen Besiedlung von allen Ansprüchen als Vertriebene ausschließen, um keine gemischtrassige Bevölkerung in den…“

„… dass per Gesetz ein Dieselfahrverbot in den Kolonien ausgeschlossen werden könne. Die von CDU und AfD beschlossene Einigung sei zwar durch Kramp-Karrenbauer und die Richtlinien der Union verboten, man könne aber gerade in Hinblick auf andere Gesetzesvorhaben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit überall…“

„…auch in den Kolonien homöopathische Mittel von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden sollten. Spahn sehe nicht ein, warum es den Afrikanern besser gehen sollte als den…“

„… künftig der Mindestlohn für keinen der eingewanderten Arbeitnehmer gelten solle. Im Gegenzug wolle man auch ALG-II-Empfänger zwangsweise verpflichten, auf den Obstplantagen in den…“

„… wolle Meuthen die afrikanischen Territorien nicht durch Sonnenkollektoren und Windräder zum Energielieferanten machen, da durch diese linksgrün versifften Gagatechnologien der Brutplatz der abendländischen Störche gefährdet sei. Zur Einschränkung der ungehinderten Ausbreitung müsse man die Eingeborenen durch noch mehr Kernkraftwerke und…“

„… habe sich tatsächlich bereiterklärt, einen Teil der Insel als deutsche Kolonie anzuerkennen. Allerdings haben Madagaskar darauf bestanden, dass der Vertrag nicht ohne eine ausreichende Kompensation…“

„… wenigstens für Strafexpeditionen zu gebrauchen seien. Kramp-Karrenbauer wolle einen echten Kolonialkrieg noch nicht jetzt, sondern erst bei Unterschreitung der vertraglich …“

„… sich nach zähem Ringen entschlossen habe, nach Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern auch Bayern als afrikanischen Kolonien aus der föderalen Republik zu entlassen, um die madegassischen Territorien zu…“





Gottesbeweis

18 09 2019

„Und das Rad, und deshalb natürlich auch das Auto, ist ja klar. Weil die CSU, die hat nämlich so gut wie alles erfunden und zuerst gesagt und als erste mitgekriegt, weil das ja klar ist. Können Sie mir noch folgen?

Den Umweltschutz haben wir als erste erfunden, das lassen wir uns auch nicht nehmen! Und wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass wir das nicht gewesen sind, dann schauen Sie doch mal auf den Wahlplakaten der CSU nach, haben Sie da schon einmal den Umweltschutz als Staatsziel gefunden? Also angesehen von den linksgrünen Chaoten, die wollen natürlich unter Umweltschutz verkaufen, dass man im Stadtpark an Kleinkindern fummeln darf. Das wissen Sie aber. Wenn jetzt irgendwelche Minister für Reaktorsicherheit kommen, das war damit auch nicht gemeint. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir zusammen mit der Atomkraft, und das waren natürlich wir, die konservativen Kräfte der Union, und das wollen wir hier doch einmal… –

Deshalb geht es uns auch so am Arsch vorbei, ob die in Deutschland Endlagerstätten für den ihren Atommüll finden oder nicht, weil erstens ist das unser Bayernland, da können die sich ihren Umweltschutz in die Haare schmieren, und dann brauchen wir immer noch ein Gutachten, das unsere Staatskanzlei unter die Lupe genommen hat. Das macht normalerweise eine Partei, aber bei uns in Bayern kann man solche Unterschiede vernachlässigen. Wir sind an der Schöpfung orientiert, da brauchen wir keine zusätzlichen Störfaktoren.

Und dann natürlich das christliche Abendland – da war die CSU, wir wissen jetzt auch nicht so genau, wer da verantwortlich war, aber das war die CSU, das ist sicher – also wir haben das christliche Abendland erfunden, genauer gesagt: überhaupt die christliche Moral, nach der man Leistung zeigen muss und sich gesetzeskonform verhalten soll, auch wenn die Gesetze sich verändern, weil die Regierung aus Sorge um die Wiederwahl eine neue Situation in der Sicherheitslage erkennt. Wir haben diese ganze christliche Idee, naja, Sie haben das dann halt übernommen. Reden Sie sich nicht raus, Sie hängen da auch mit drin.

Auf jeden Fall die Nachhaltigkeit, und das heißt ja bei uns, dass man auch als Billigarbeiter, da muss man schon sehen, dass man die ethischen und die politischen Maßstäbe unter einen Hut kriegt. Zum Glück haben Politiker immer irgendwo noch einen Hut hängen. Aber egal, die Billiglohnklasse, die muss ja langsam mal aufwachen, und dann müssen die preiswerte Eigenheime errichten, natürlich bei uns, auch wenn die in Hessen oder Sachsen-Anhalt arbeiten. Da vermeidet man eben die gebrochenen Arbeitsbiografien, und dann haben diese Leute ja auch noch die fairen Chance, dass sie mit zwölf bis fünfzehn Mann innerhalb eines ganzen Jahres Wohneigentum erwerben können. Knapp zwanzig Quadratmeter. Kleinvieh macht auch Mist!

Der Herr Ministerpräsident hat gerade ein Problem, aber das ging nur um die Borkenkäfer. Die sind noch nicht so akut verkehrsgefährdend, wie wir gedacht hätten. Es gibt ja auch Dinge, die wir nicht erfunden haben, den Borkenkäfer zum Beispiel. Braucht kein Mensch, braucht die Wirtschaft nicht, ist nicht typisch für unser schönes Bayernland, dann werden wir das wohl auch nicht erfunden haben. Im Gegensatz etwa zum Flugtaxi, das ist ja geradezu das Gegenteil vom Borkenkäfer. Haben Sie schon mal gesehen, dass wegen Flugtaxis ein Bahnhof nicht gebaut werden konnte? Oder dass der Borkenkäfer Wahlkampf für die CSU macht? Umwelt ist das, was dem Menschen nützt, und mit Menschen meinen wir in erster Linie den Bayern, und der ist nun mal leistungsorientiert. Auch und gerade in der Wirtschaft.

Ob der Herr Ministerpräsident das Kruzifix erfunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber die meisten Menschen außerhalb von Bayern werden es durch ihn kennen gelernt haben. Wir haben ja eine gewisse missionarische Toleranz, das heißt, wir lassen die Menschen außerhalb von Bayern an unseren Ideen teilhaben, ob Ihnen das nun passt oder nicht. In manchen Ländern gibt es Bürgerkrieg, weil man kein Benzin mehr kaufen kann. Da gehen die Leute auf die Straße, weil sie Verbrennungsmotoren betreiben wollen – das würden die gar nicht tun können, wenn die CSU nicht die Demokratie erfunden hätte!

Nur das Kohlendioxid, das kommt natürlich nicht von uns. Das ist eine sozialistische Erfindung, das merken Sie daran, dass es in der Industrie im Ostblock offensiv produziert und verarbeitet wurde. Offensiv! Deshalb kann man das auch nicht einfach besteuern, wie denn auch? Sozialismus auch noch besteuern, da kann sich doch kein Mensch mehr ein Auto leisten! Nein, gehen Sie mir weg mit dem Wahnsinn, das ist alles nicht vernünftig. Fest steht nur, die Schöpfung, das war selbstverständlich auch irgendwie die CSU, zwar jetzt nicht direkt, sonst kriegen wir wieder Ärger mit der Kirche – mit dem Papst wäre okay, das ist ein alter weißer Mann, die Karte spielen wir jederzeit, aber der Erzbischof von München und Freising, da hört der Spaß auf. Also die Schöpfung waren natürlich nicht wir, Himmel und Erde und so, aber was davor kam, das ganze Chaos überall, stellen Sie sich das mal vor – überall nichts als Chaos! Haben Sie einen Zweifel, dass das nur die CSU gewesen sein kann?“





Wertefundament

9 09 2019

„Und das fällt Ihnen als Beispiel für die bürgerliche Gesellschaft ein?“ „Vielleicht ändert sich ja gerade das Verständnis dessen, was bürgerlich ist.“ „Dann ist also der Faschismus eine Erscheinungsform der Bürgergesellschaft?“ „Warum sollte er das nicht sein?“ „Weil er das Bürgertum ausrotten will?“

„Sie sind offensichtlich noch nicht in der neuen Wirklichkeit angekommen.“ „Wenn Ihre neue Wirklichkeit bedeutet, dass die Mitte inzwischen Rasseideologie und Vernichtungsvorstellungen der Faschisten übernommen hat, bin ich inzwischen in Ihrer neuen Wirklichkeit.“ „Warum sehen Sie jede Veränderung negativ?“ „Das müssen ausgerechnet Sie fragen?“ „Wir müssen doch anerkennen, dass die bürgerliche Gesellschaft auch den Sozialismus besiegt hat.“ „Zumindest den Nationalsozialismus.“ „Wie meinen Sie das denn jetzt?“ „Hat es jemals eine Nationalbürgerliche Deutsche Arbeiterpartei gegeben?“ „Kann man denn diese Geschichte nicht einfach mal…“ „Man kann diese nicht und keine andere Geschichte ruhen lassen.“ „Man kann aber die Fehler der Vergangenheit vermeiden.“ „Indem man diesmal die bürgerliche Maske des Faschismus früh genug entfernt.“

„Früher mussten sich die Arbeiter eben noch als eigene Klasse betrachten.“ „Das erklärt natürlich, warum Ihr Gesellschaftsmodell elitenfeindlich ist.“ „Sie lenken ab, um die Eliten geht es doch gar nicht.“ „Dann haben Sie sicher nur versehentlich vor, Rechte von Andersdenkenden zu beschneiden.“ „Weil sich in einer Gesellschaft nicht jeder Rechte herausnehmen kann, die anderen nicht zustehen. Deshalb kann es nur eine bürgerliche Gesellschaft geben, wenn wir die Diktatur der Minderheiten bekämpfen.“ „Und warum?“ „Weil die Mehrheit sich ja nun mal schlecht der Minderheit beugen kann, oder sehe ich das falsch?“ „Alle Mehrheiten gehören zu Minderheiten.“ „Aber die bürgerliche Gesellschaft kann keine Klassengesellschaft sein.“ „Und?“ „Wir können uns ja nicht von einer Klasse unterdrücken lassen, die einer Minderheit angehört und damit die Mehrheit abschaffen will.“ „Und an eine friedliche Koexistenz denken Sie dabei nicht?“ „Dann hätten ja Minderheiten zusammen viel mehr Rechte als die Mehrheit alleine. Dass Gleichheit vor allem Unfreiheit meint, will niemand verstehen.“ „Sie sind also für eine klassenlose Gesellschaft, die aber keine Gleichheit vor dem Gesetz…“ „Das hat niemand behauptet.“ „Sondern?“ „Wir brauchen keine Gesetze, denn wenn das Volk sich nicht mit der Unterdrückung durch Minderheiten abfindet, wird es einen Weg finden, um das zu artikulieren.“ „Dass Sie sich nicht an Gesetze halten, um Ihre politischen Ziele durchzudrücken, hat sich bereits herumgesprochen.“

„Wir können doch nichts dafür, dass sich unsere Anhänger nicht an die bürgerlichen Ideale halten.“ „Also Toleranz, gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein Wertefundament für das Gemeinwesen?“ „Wir denken da eher an die richtige Hautfarbe. Gut, das ist jetzt ein bisschen tragisch, dass Sie sich die nicht aussuchen können, aber wenn Sie so schnell wie möglich von hier verschwinden, wird Ihnen keiner Steine in den Weg legen.“ „Ich dachte wenigstens, dass Sie jetzt Leistungsbereitschaft und Disziplin als deutsche Tugenden nennen würden.“ „Damit können wir eine Menge anfangen. Als Bürgerliche erwarten wir von der Volksgemeinschaft natürlich auch, dass man diese Werte nicht eigennützig einsetzt, sondern um der Sache selbst willen.“ „Weil man Leistungsbereitschaft am besten zeigt, wenn man keine Belohnung dafür erwartet.“ „Die Volksgemeinschaft profitiert als Ganzes davon, wenn Sie sich für die bürgerliche Gesellschaft einsetzen.“ „Und deshalb kürzen Sie Renten und Sozialleistungen.“ „Wir wollen uns doch nichts vormachen, das sind linksradikale Auswüchse einer sozialistischen Verirrung. Wenn wir jeden für seine Untätigkeit bezahlen, sind wir doch gar nicht mehr in der Lage, eine Führungsrolle zu spielen.“

„Also ist für Sie der Nationalstaat bürgerliche Drohkulisse.“ „Der Gegensatz des Bürgerlichen ist doch nun mal die linksfaschistische Revolution, die die nationale Identität zerstören will, damit jeder Volksschädling sich hier ansiedeln kann.“ „Und die bürgerliche Gesellschaft, die Sie verkörpern, ist dann der Garant gegen Veränderung.“ „Das habe ich so nicht gesagt.“ „Doch.“ „Sollte es einmal eine Veränderung in diesem Land geben, dann werden wir dafür sorgen, dass Sie zu den ersten gehören, die es am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man sich mit dem Volkswillen anlegt!“ „Interessanterweise sieht das der Wille des Volkes immer noch ein bisschen anders.“ „Es wird Opfer geben, anders ist der historische Prozess…“ „Das klingt nach der geschichtlichen Kontinuität einer bürgerlichen Gesellschaft.“ „… leider nicht zu vollenden. Wir haben ja kein Interesse an einer Revolution. Wir wollen eigentlich nur die Einheit Deutschlands vollenden.“ „Mit Polen.“ „Das sagen Sie.“ „Und dass es zahlreiche Parteigenossen gibt, die eine Vergangenheit in rechtsextremistischen Organisationen haben, stört Sie auch nicht?“ „Die grenzen wir nicht aus. Die bürgerliche Gesellschaft ist ja nun mal tolerant.“ „Also ist die bürgerliche Gesellschaft die letzte Form von Freiheit.“ „Ob Sie das noch als Freiheit ansehen, ist die Frage. Aber die letzte Form, ja. Das, was Sie vor unserer Machtergreifung sehen, ist die letzte Form von Freiheit.“





Gesprächsführung

5 09 2019

Der Einsatz kam ganz überraschend. Siebels sah übernächtigt aus. „Auf einmal“, schimpfte ich. „Wie oft habe ich das gesagt, und jetzt auf einmal sollen Sie als Produzent die…“ „Ich habe das selbst angeordnet“, schnitt er mir das Wort ab. „Und wenn sie jetzt nicht alle spuren, werfe ich jeden einzelnen von ihnen noch heute raus.“

Die Moderatoren saßen alle in der Maske. Hier und da gab es kleine Unstimmigkeiten betreffs des Ablaufs, aber die nervöse Anspannung hielt sie alle unter Kontrolle. Keiner sprach ein lautes Wort, nur in der hinteren Garderobe johlte es. „Gut“, knurrte Siebels. „Dann wollen wir mal.“ Und er schritt geradewegs auf Henriette Mauschel zu, die mit ihrer Talkshow am Donnerstag auf der Kippe stand, sie wusste es nur noch nicht. „Wir haben uns wohl verstanden“, sagte er. „Sie haben zwei Minuten dreißig, danach sind die Fronten klar.“ „Aber…“ Siebels beugte sich leicht nach vorne. „Sie haben zwei Minuten.“

Hinten in der Maske polterte es. Der erste Gast stolzierte ins Studio, das er zugegebenermaßen gut kannte, denn wie viele Sendungen hatte er nicht hier mit populistischem Geplapper erlebt. „Er sitzt links“, dirigierte Siebels den Regisseur. „Das ist aber jetzt bildtechnisch ganz schwierig, wenn wir die…“ Der Produzent packte ihn unvermittelt am Kragen und zog ihn zu sich heran. „Wenn ich sage ‚Mach Dir in die Hosen‘“, zischte er, „dann machst Du was?“ „In die…“ Siebels stieß ihn wieder weg. „Schön, dass wir uns gleich verstehen. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden.“ Der Regisseur wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Die Mauschel bitte nach recht, nach rechts bitte!“

„Wir wollen gleich mit den wichtigen Themen beginnen“, setzte die Moderatorin ein. „Sie sehen sich seit mehreren Wochen mit Ermittlungen wegen eines Vermögensdeliktes konfrontiert, obwohl Sie dies in der Öffentlichkeit bisher immer abgestritten haben.“ „Schweinerei“, polterte der Kahlkopf. „Ich werde mich über Sie beschweren, Sie werden, wenn wir die Wahl, werden wir Drecksäue wie Dich in der…“ Siebels vollführte eine wegwerfende Geste. Sofort traten zwei muskulöse Herren, Möbelpacker oder Berufsboxer, an den schimpfenden Gast heran und machten ihm schnell und unbürokratisch klar, dass er eine faire Chance hatte, das Gelände im Vollbesitz seines Gebisses zu verlassen. Henriette Mauschel zitterte am ganzen Leib. „Gut gemacht“, lobte Siebels. „Sie sehen, man muss mit den Leuten nur reden. Und zwar in genau der Sprache, die die Zuschauer verstehen.“

Die zweite Kandidatin war nur wenige Minuten später auf dem dazu vorgesehenen Platz. „Moritz Höfgen.“ Wie Siebels den Namen aussprach, hörte es sich bereits sehr endgültig an. „Sie mögen ihn nicht.“ Er grinste bitter. „Was hat mich verraten?“ „Seine Gesprächsführung ist nun wirklich nicht berühmt für Ausgewogenheit und…“ „Unsinn“, schnarrte er. „Höfgen ist ein pseudointellektueller Schwätzer, der nicht einmal ein Thema braucht, um daran vorbeizureden.“ „Und wie will er jetzt gegen diese hysterische Schlange antreten?“ Er blickte ins Leere. „Fragen Sie mich nicht.“

„Erst einmal schön, dass Sie sich heute Abend Zeit nehmen“, schwafelte der untalentierte Typ. „Das war zu erwarten“, konstatierte ich. „Nach jeder Sendung fordern die Kritiken, dass man ihn in der Versenkung verschwinden lässt.“ „Und er fasst das als Zensur auf“, fügte Siebels trocken hinzu. „Sie wollen also auf Frauen und Kinder schießen lassen an der Grenze, nur damit ich das richtig verstehe – das sind immense Kosten für Munition und Beseitigung, kann man das dem Steuerzahler wirklich…“ „Aus“, sagte Siebels tonlos. Ein Blick zur Seite, das Scheinwerferlicht verlosch. Höfgen verstummte. „Schmeißt ihn raus.“ Inzwischen regte sich Protest, aber der Produzent bleib unerbittlich. „Drehen Sie das Licht wieder an, wenn er weg ist, und dann schicken Sie den nächsten rein.“

Zu meinem Erstaunen setzte er sich selbst in den Moderatorendrehsessel, als sie den Alten ins Studio begleiteten. „Ich sollte doch…“ „Setzen“, knurrte Siebels. Völlig perplex folgte der Greis dem Befehl. „Sie sind also ein bekennender Faschist“, begann er die Ansprache. „Sie leugnen Verbrechen der Wehrmacht, reden den Krieg, die Verfolgung und den Holocaust klein und geben offen zu, dass Sie den Mord an missliebigen Amtsträgern als ein Zeichen von nationaler Notwehr entschuldigen.“ Der Alte schnappte. „Sie werden sich für Ihre Lügen verantworten“, brüllte er, „ich lasse Sie alle ausrotten!“ „Wir haben für jede Ihrer Äußerungen umfangreiches Filmmaterial vorbereitet, das auch vor Gericht als Beweismaterial hilfreich wäre. Warum bezeichnet sich ein Nationalsozialist, der für die Sicherheit ein Verzeichnis aller jüdischer Einwohner haben will, als bürgerlich?“ „Ich werde Sie alle…“ „Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt, Sie haben die Errichtung von Lagern für Journalisten und Wissenschaftler zum Schutz der Bevölkerung von linker Propaganda gefordert – wollen Sie sich das auch ansehen? Wir haben gleich drei Reden, da waren Sie ein bisschen unvorsichtig. Außerdem waren Hakenkreuzfahnen auf der Bühne, aber das wussten Sie sicher nicht.“ Abrupt stand der Alte auf und blieb mit dem Fuß im Drehgestell des Sessels stecken. „Passen Sie auf Ihren Flachmann auf“, höhnte Siebels, während der Kandidat sich mühsam vom Boden aufsammelte. „Und raus.“ „Sie wissen, dass das Konsequenzen haben wird?“ Der Produzent schnipste mit den Fingern. „Sehen Sie, so macht man das. Wer fragt, führt. Antworten haben diese Knalltüten eh keine.“





Tiefdruckgebiete

26 08 2019

„… zu schweren Sturmschäden geführt habe. Experten gingen davon aus, dass die Hopfenernte um etwa vierzig Prozent geringer ausfallen könne, da die gesamte Produktion des…“

„… nicht hinnehmbar sei. Auch außerhalb Bayerns sei Bier ein nationales Kulturgut, das nicht durch klimaterroristische Anschläge gefährdet werden dürfe. Seehofer werde innerhalb der…“

„… von Merkel geplante Aktion sei, um durch die Vernichtung der deutschen Brauwirtschaft ganz Deutschland in eine antialkoholische Hölle zu verwandeln. Weidel werde die Diktatorin mit…“

„… lange Hitzeperioden schädlich auf den Hopfenwuchs wirken würden. So könne ein Anstieg der Temperaturen um wenige Grad Celsius bereits Ernteverluste von mehr als…“

„… lieber den Experten überlassen solle. Lindner wolle sich ohnehin nicht zum Bierkonsum der Deutschen äußern und empfehle bei Biermangel, lieber Champagner zu…“

„… den allgemeinen Anstieg der Bierpreise beschleunigen werde. Kramp-Karrenbauer habe diese Entwicklung sehr begrüßt, weil dadurch die Erwerbslosen nicht mehr so viel Transferleistungen in den Konsum von Rauschdrogen und…“

„… wolle die Grenze zur Schweiz verstärkt kontrollieren, um keine Tiefausläufer mehr ins Bundesgebiet zu lassen. Der Bundesinnenminister plane außerdem eine sofortige Abschiebung aller Tiefdruckgebiete, um eine Wiedereinreise in die…“

„… als billige Stimmungsmache bezeichnet habe. Die Dürre sei keine Bedrohung für den Hopfen, dieser betreffe nur Getreidearten wie Reis oder Gerste. Gauland habe die Bundesregierung sowie die Lügenpresse für die Verbreitung von…“

„… empfehle die FDP den unterirdischen Anbau von Braugerste. Lindner wisse aus absolut sicherer Quelle, dass die deutsche Wissenschaft innerhalb weniger Jahre eine passende…“

„… könne die Einwanderung nur durch eine Luftmassenmaut geregelt werden. Seehofer habe als ehemaliger CSU-Vorsitzender noch genügend gute Kontakte in die Chefetage seiner Partei, um eine rechtssichere Bezahlpflicht für ausländische…“

„… in den USA spezielle Hopfensorten gezüchtet worden seien, die auch in höheren Temperaturen gedeihen könnten. Sie zeichneten sich durch lebhafte Fruchtaromen und einen sauren Geruch aus, was zwar der Verwendung zum Brauen nicht zuträglich sei, aber als Beweis gelte, dass auch bei einer Erderwärmung von mehr als zehn Grad noch die Ernte von…“

„… wisse jeder wissenschaftliche gebildete Mensch, dass die gefährlichen Tiefdruckgebiete von den Windkraftanlagen aus dem feindlichen Ausland angelockt würden. Meuthen wolle sofort nach der Machtergreifung ein Verbot sämtlicher…“

„… würden auf der anderen Seite durch das Abschmelzen der Polkappen auch wieder neue Ackerflächen und ausreichend Flüssigkeit zur Bewässerung frei. Klöckner sehe darin eine große Chance, die Gen-Gerste zufällig befreundeter Nahrungsmittelkonzerne noch vor anderen Ländern auf den EU-weiten…“

„… von der Wetterkarte streichen könne. Als Digitalminister sei Scheuer damit beauftragt worden, da er sich auch mit heißer Luft sehr gut…“

„… fehle es der Gerste nur an Kohlendioxid. Meuthen sehe eine rasche Besserung der Getreideernte allein durch die unausweichliche…“

„… gebe es ausreichend Arbeitslose, um den Hopfenanbau durch menschliche Schutzschilde vor klimatisch bedingten Schäden zu bewahren. Die Überdachung Deutschlands sei eine technische Möglichkeit, die sich finanziell noch nicht…“

„… habe die CDU-Vorsitzende eine kostenlose Versorgung mit deutschem Bier für alle Bundeswehrangehörigen gefordert, solange diese in ihrer Uniform im…“

„… werde eine Biersteuer nur eingeführt, um noch mehr deutsche Frauen von islamistischen Messermännern abschlachten zu lassen. Weidel habe die sofortige Inhaftierung der…“

„… die ansteigenden Bierpreise dadurch kompensieren können, dass alle anderen Preise für Genussmittel ebenfalls angehoben würden. Der Einzelhandel könne die Umsetzung dieses Vorschlags zeitnah und mit der nötigen…“

„… dass Steuersenkungen für die Brauereien nicht zielführend wären, da auch Bürger unterhalb der Mittelschicht davon profitieren würden und es Arbeitsplätze außerhalb der Finanzwirtschaft retten könnte. Linder spreche sich dagegen für eine…“

„… jeder Deutsche pro Jahr 63 Flaschen Bier pro Jahr weniger konsumieren. Der sinkende Alkoholpegel sei nicht hinzunehmen, so Gauland, da sich dadurch die Zurechnungsfähigkeit der Wähler auf ein national nicht mehr tolerierbares…“

„… auf andere Pflanzen umsteigen könne. Klöckner habe zufällig von einem befreundeten Nahrungsmittelkonzern ein Patent auf Gen-Soja und einen Ersatz für…“

„… ein nationales Wetter erzeugt werden müsse. Seehofer werde den Klimaschutz zunächst als Aufgabe für Deutschland und dann erst für die Verbraucher, die sich im…“





Bullshit 100

21 08 2019

„Das übernimmt Spahn. Kramp-Karrenbauer hat in diesem Monat schon so viel Scheiße abgesondert, das reicht für ein ganzes Quartal. Und der Score ist bei ihm ja auch viel höher, das müssen Sie immer berücksichtigen.

’tschuldigung, der Praktikant macht das erst den zweiten Tag, dem muss ich immer noch über die Schulter gucken. In der Zentrale für politische Kommunikation müssen wir auch auf alle aktuellen Entwicklungen Rücksicht nehmen, deshalb braucht es ein bisschen Puffer. Lockere Planung, und wenn wir am Ende etwas übers Ziel hinausschießen, ist es nicht ganz so schlimm. Entscheidend ist halt, was hinten rauskommt, aber das wussten Sie ja sicher.

Also hier ist unsere multidimensionale Matrix, das ist eine Tabelle mit den unterschiedlichen Graden von Beklopptheit, das geht hier unten los, das würde ein normaler Mensch noch rauskriegen mit zu viel Schnaps in der Birne, und dann haben wir hier das Mittelfeld, und dann ist hier, wo es nach ganz rechts geht, aber das sehen Sie ja selbst. Das ist natürlich noch keine Wertung, aber Sie bemerken schon, wenn es um gewisse Personen in der Tagespolitik geht, die öfter mal in den Medien sind, weil das in deren Stellenbeschreibung halt so vorgesehen ist, dann haben wir hier schon eine Verschiebung von der Mitte weg. Meist nach rechts. Wobei das natürlich keine Wertung ist.

Jetzt müssen wir immer zeitnah disponieren, wie wir die Sollwerte erreichen. Da helfen uns inzwischen auch Algorithmen, die das Verhältnis vom jeweiligen Politiker zum Amt ausrechnen. Da haben wir auf der einen Seite den Innenminister, der ist normalerweise immer etwas zurückhaltend, man erwartet ja von dem Amt, dass da besonnene und kluge Leute sitzen. Auf der anderen Seite haben wir die Realität, und die heißt Seehofer. Rechnen Sie jetzt noch mal eben nach, dann wissen Sie auch, wer in dieser Woche noch Schlagzeilen braucht.

So, da haben wir jetzt einmal Verfassung 50, da könnten wir… könnten wir… Also wird sind ja nicht nur für die erste Garnitur zuständig, Minister und Parteichefs, wir arbeiten für alle Ebenen. Das könnte man irgendeinem Nachwuchspolitiker der FDP geben, haben wir da nicht einen? Das ist dann eine mittelschwere Äußerung, nicht unbedingt über verfassungsrechtliche Fragen, sondern einfach mit staatsrechtlichem Hintergrund. Ja, da haben wir’s, der soll die Mietpreisbremse als grundgesetzwidrig bezeichnen, das passt zur Kategorie und das passt zur Partei. Sie sehen hier die Gewichtung, bei dem ist es in der Mitte immer offen, bei der AfD gehen wir sowieso davon aus, dass nicht nur das Thema etwas mit dem Grundgesetz zu tun hat, sondern die Meinung auch per se verfassungsfeindlich ist. Deshalb hier diese Bündelung in der Mitte.

Die Instinktlosigkeiten sind auch recht flexibel handhabbar, meistens sind das so Äußerungen wie: ist der so doof oder tut er nur so? Es gibt natürlich auch hier Spezialisten, da sehen Sie eine Häufung bei Spahn und AKK, die können das in Perfektion, aber natürlich darf man das nicht nur für die beiden reservieren. Wenn Giffey zum Beispiel sagt, die Bürger seien ja eh zu dämlich, um Gesetze zu kapieren, dann ist das schon ein mittelschweres Kaliber. Für Klöckner haben wir dann eher diese hier, das ist der ganz normale Bullshit. Der tritt bei CSU-Mitgliedern gehäuft auf, wir dürfen ihn aber nicht nur auf die beschränken. Es ist ja eben keine Wertung, wenn wir das verteilen, und die Kategorie müssen wir rein mengenmäßig derart verwenden, da können wir uns gar nicht auf einzelne Parteien beschränken.

Ach so, warum wir das machen? Schauen Sie, so ein Spitzenpolitiker hat ein anstrengendes Leben, die müssen an Tagungen teilnehmen und Sekt trinken, die vielen Nebenjobs in Aufsichtsräten oder als Chelobbyistin für Nestlé, einigen von denen müssen auch regelmäßig die Bücher lesen, die sie angeblich geschrieben haben, damit sie die dann auf so einer Butterfahrt durch die Kaufhäuser unters Volk jubeln können, da bleibt meistens kaum noch Zeit für Politik. Wenn wir denen nicht regelmäßig vorschreiben würden, was sie zur Presse sagen sollten, dann käme da viel belangloses Zeug raus. Wir hatten hier mal einen, der hat als Staatssekretär ernsthaft gesagt, er könne sich zu einem Thema nicht äußern, er hätte davon keine Ahnung. Gut, der war auch schnell wieder weg vom Fenster, keine Ahnung, was der heute macht. Ganz sicher nichts mit Politik. Da müssen Sie in den Medien stattfinden, und das erfordert maximale Leistung.

So, da haben wir noch mal Bullshit. Scholz war ja schon dran, deshalb ist er für den Rest der Woche aus dem Schneider, und Bullshit 100 ist eigentlich für den auch eine Nummer zu groß. Ach komm, dann hau ich den jetzt noch mal bei Scheuer rein, das ist zwar inflationär, aber bei dem fällt ja ein 80-er schon unangenehm auf. Da kriegen wir wieder Stress mit der CSU-Parteizentrale, ob wir den aus Versehen haben ausnüchtern lassen. Das trifft sich auch gut mit den sachlich falschen Äußerungen, die haben wir hier gebündelt bei der FDP, das ist auch notwendig, wir haben ja Wahlkampf, und da muss man immer sehr viel versprechen. Nachorder? Das wird jetzt eng, wir haben da schon fast alles besetzt und können kaum noch reagieren, die meisten haben heute auch schon einen Eintrag, das sind alles 100-er, da könnten wir… Ach, scheißegal. Wenn ich auch sonst gerne auf die verzichten würde, aber dafür ist es doch gut, dass es die AfD gibt!“