Die Wahl der Mittel

17 06 2019

„Das ist doch ein Mann!“ „Geht gar nicht!“ „Warum soll das denn nicht gehen?“ „Also jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich, die…“ „Außerdem hat er noch nicht zugesagt.“ „Weil er sich nicht traut!“ „Aber warum soll er denn nicht den…“ „Ein Mann als Bundeskanzlerin, wie soll denn das funktionieren?“

„Ich weiß gar nicht, was Sie gegen den Habeck haben, der macht doch gar nichts.“ „Er will Kanzler werden, das muss man doch verhindern.“ „Aber das ist doch erst eine Prognose.“ „Eben, und wonach regieren wir seit Jahren?“ „Er ist noch nicht so lange dabei.“ „Es gibt auch Prognosen, nach denen der Klimawechsel die europäische Wirtschaft durch den ansteigenden Meeresspiegel zerstört.“ „Sie müssen eben zu unterscheiden lernen.“ „Was?“ „Welche Prognosen eine Parteivorsitzende lesen will und welche nicht.“ „Das ändert doch nichts daran, dass die Zustimmung für die Partei seit Jahren zurückgeht.“ „Wen interessiert das? solange wir an der Regierung sind, können wir machen, was wir wollen. Dazu brauchen wir die Zustimmung der Leute nicht.“

„Man müsste überhaupt mal nachgucken, ob der in seiner Vergangenheit nichts Kommunistisches von sich gegeben hat.“ „Vielleicht war er sogar bei der Jungen Union.“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Sonst hätte er nicht so komische Ideen.“ „Auch wieder wahr.“ „Aber der macht jetzt halt wieder was mit Genderwahnsinn.“ „Wie kommen Sie auf das schmale Brett?“ „Naja, als Mann Kanzlerin zu werden, auf so eine Schnapsidee muss man erst mal kommen!“ „Das ist wahrscheinlich gar kein Mann, der hat sich nur umoperieren lassen.“ „Hähähä!“ „Den Fusselbart hat er von Claudia Roth geerbt.“ „Hähähä!“ „Finden Sie das witzig?“ „Man kann in der Wahl seiner Mittel nicht immer wählerisch sein, wenn man sie für eine Wahl braucht. Merken Sie sich das.“

„Überhaupt, siebenundzwanzig Prozent. Das ist doch total unrealistisch!“ „Außerdem reicht es überhaupt nicht aus.“ „Eben, wenn ich da an unsere Erfolge denke!“ „Vierzig Prozent!“ „Das kriegen wir mit den Hackfressen Scheuer und Seehofer im Handumdrehen wieder hin!“ „Naja, achtund…“ „Das sind immer noch zehn mehr als diese schwule Ökostalinistendrecksau!“ „… zwanzig. Also mit etwas Glück.“ „Wieso schwul?“ „Die lassen sich doch alle umoperieren, und dabei wird man halt schwul. Meine Güte, das weiß man doch!“ „Ihnen ist aber schon klar, dass wir so einen Bockmist im Wahlkampf nicht einmal im Bierzelt vor besoffenen Vollidioten als von der Meinungsfreiheit gedeckte Polemik durchkriegen?“ „Ja, weil diese verdammte Verbortspartei uns den Staatsanwalt auf den Hals hetzen wird!“ „Aggressive Meinungsmache vor der Wahl, mehr können die doch nicht!“ „Und Sie denken, die Wahl Ihrer Mittel bekommen Sie bei den Menschen draußen im Land verargumentiert?“ „Ich verargumentiere hier nicht, dieses Scheißpack soll gefälligst uns wählen und dann die Fresse halten, klar!?“

„Wen sollen wir denn statt Habeck aufstellen?“ „Naja, das müsste dann einer sein, der sehr hohe Fachkompetenz hat.“ „Und ein ganz klares Profil, damit wir einen Wiedererkennungswert haben.“ „Klasse, das ist doch ein tolle Kombination!“ „Das ist der Vorteil an unserer Partei, wir haben so viel Erfahrung, wir können jede politische Entscheidung aus Erfahrung treffen.“ „Und wir haben so viel Kompetenz, bei uns ist alles kompetent.“ „Und auf wen trifft das zu?“ „Was soll diese bescheuerte Frage?“ „Wir können doch jeden nehmen, den grünen Affen putzen wir einfach weg!“ „Okay, und mit wem genau?“ „Das ist doch nicht sein Ernst!?“ „Ich sage ja, Leute mit weniger als zehn Jahren Führungserfahrung haben im Wahlkampf nichts zu suchen.“ „Er soll aber sehr gut sein.“ „Sagt wer?“ „Also quasi jeder.“ „Hm.“ „Und, wer wird jetzt der Gegenkandidat?“ „Das haben wir doch neulich erst geklärt: unser Fraktionsvorsitzender hat die Große Vorsitzende nominiert und dafür richtig eins aufs Maul gekriegt, und damit ist die Sache gegessen.“ „Und, macht sie es jetzt?“ „Haben Sie noch alle Latten am Zaun!?“ „Wie gesagt: zehn Jahre.“ „Vermutlich wird er aus München bezahlt, anders ist nicht zu erklären, dass sie uns so ein altkluges Arschloch schicken.“

„Wir müssen viel mehr mobilisieren, sonst ist Deutschland bald ein KZ für anständige Bürger, die ganz normal mit dem SUV zur Arbeit fahren und abends ein Schnitzel essen!“ „Das kann doch keiner wollen!“ „Eben, und deshalb brauchen wir auch deutliche Worte!“ „Die wollen unsere Demokratie zerstören!“ „Alle sofort ins Arbeitslager!“ „Und damit wollen Sie die Bürger zurückgewinnen?“ „Wir werden und den Affenzirkus nicht mehr bieten lassen!“ „Diese verdammten Ökoterroristen!“ „Alle sofort ins…“ „Geht gar nicht!“ „Irgendwen müssen wir doch aufstellen, und wenn Sie meinen, wir hätten überhaupt nur Superspitzenkandidaten, dann sagen Sie mir: wen nehmen wir?“ „Das Mittel der Wahl.“ „Rufen Sie an?“ „Moment noch.“ „Wir brauchen einen echten Herausforderer, einen mit Kompetenz und Sachverstand, einen, der Rückhalt findet in der ganzen Partei und viel Anerkennung im Volk.“ „Hallo?“ „Und das ist wer?“ „Ist er da?“ „Hallo?“ „Jetzt sagen Sie schon!“ „Hallo, Herr Merz? Wir hätten da ein lukratives Angebot.“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXVIII): Sozialer Funktionalismus

14 06 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nein, einfach war es nie. Bürger betrinken sich, kaufen auf Kredit große Autos, um den Nachbarn zu imponieren – oft ist es auch nur die Nachbarin, die aber überhaupt nichts mit der Größe des Kfz zu tun hat und allenfalls als Randfigur einer aus dem Ruder gelaufenen Korrelation erscheint – oder fliegen im Ganzkörpersegelanzug mit Schmackes gegen Felswände. Sie tragen ästhetisch fragwürdige Kleider und flamboyantes Schuhwerk, und solange sie noch jugendlich sind, bewegen sie sich zu nicht minder problematischer Musik oder dem, was sie für solche halten. Nicht einmal für den nötigen Nachwuchs sorgen sie, entweder zu früh oder nicht mit dem korrekten Verantwortungsbewusstsein, dass die Frucht ihres Leibes komplett ungebenedeit werde ohne je einen Kita- und Studienplatz. Sie sind einfach nicht zu steuern, und genau das sehen sie als großen Vorteil, das macht sie zu Menschen. Und genau das nervt jeden, der den sozialen Funktionalismus propagiert.

Der Durchschnitt lebt, und sein Gesicht ist das der neokonservativen Trockenschwimmer, für die die Bevölkerung nur ein verschiebbares Potenzial störrischer Wähler ist. Das mahnt mit schneidender Stimme zu Vernunft und Verzicht und hat damit bereits der inneren Dialektik das Schnippchen in die Fresse geschlagen, den Verzicht nämlich auf jegliche Vernunft. Man darf es nicht verwechseln mit dem Homo oeconomicus, jenem alten Nutzenmaximierer, der zwanzig Jahre lang dünne Margarine in sein Knäcke kratzt, um sich vom Erlös die Mutter aller Kreuzfahrten zu gönnen. Der konsumiert mit idealer Rationalität und feiert sich selbst für seine Schmerzfreiheit. Allenfalls gerät er ins Grübeln, ob der Mensch rauchen sollte, aber er löst das pragmatisch, rettet Arbeitsplätze in der Tabakindustrie und Arbeitsplätze in der Medizin, wobei er so zeitig verstirbt, dass er auch wieder für freien Wohnraum sorgt, für einen freien Job oder einen unbelegten Heimplatz und einen vakanten Sessel im Lichtspielhaus. Leben ist für ihn stetes Entscheiden unter Risiko, und dem gemäß wählt er, womit er bisher immer gut fuhr, die Vernunft.

Doch die ist dem Funktionalismus wumpe, hier zählt allein Moral oder das, was er dafür ausgibt, in Form sogenannter Werte, gerne verbrämt mit dem Anspruch stabilisierenden Verhaltens, denn wenn das – was? das andere, was sich freie Menschen in ihrer wahnhaften Wahlfreiheit einbilden – jeder täte, dann täte das ja bald jeder, und das geht nicht. Für den Funktionalisten zählt nicht die Mitte, als die er sich selbst definiert, sondern die quasi nicht erscheinende Standardabweichung. Gleichförmig hat der Existenzteilnehmer zu sein, nicht eine Summe seiner Individualismen, und höchstens da, wo er sich die Sinnhaftigkeit seines eigenen Moralanspruchs zusammenschwiemelt, frönt er der verbotenen Lust oder doch nur dem, was sein gründlich Todestrieb davon gelassen hat. Viel ist es nicht, das meiste entschieden analfixiert. Und genau das kommt auch dabei raus.

Denn nicht eine Gesellschaft, die ihre Gärten als orthogonale Zwangshandlung gestaltet und rituell nachharkt, eine gänzlich im Habitus ubiquitärer Ordentlichkeit verstumpfte Masse nationaler Bullen ist das Ziel. Ihre Aggression richtet sich wenigstens scheinbar nach außen, denn jeder darf kontrollieren, ob der Nachbar auch brav den Rasen trimmt, wenn das am Samstag alle tun, und im Gruppendruck geriert sich eine seltsame Solidarität, als wären sie alle immer schon gerne KZ-Aufseher geworden und leben ihr kleines bisschen erlaubten Realsadismus dann wenigstens an denen aus, die sie als schwach vorgesetzt bekommen: als Randgruppen markierte Personen, die an ihrer Situation selbst schuld sind, weil sie sich nicht fest genug vorgenommen haben, als weiße Deutsche mit Facharbeiterbrief in eine heteronormative Familie mit arisiertem Grundbesitz geboren zu werden. So erhält ein Opfervolk von oben Generalabsolution, wenn es zur Tat gegen die devianten Ausreißer schreitet.

Für diese Zwangshandlungsgehilfen ist auch die Entscheidung zur Ehe für alle ein Angriff auf das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts und eine Ansage zum Kampf gegen schleichende Erosion. Wo Macht ist, keilt das nach unten, in aller Not selbst mit dem Verweis auf religiöse Tradition als Letztbegründung für Werte, die man eben dieser Religion kleinteilig abgetrotzt hat. Aller Groll auf die eigene Kleinbürgerlichkeit bläht sich dabei zu Stolz, Stolz auf die eigene Borniertheit, Stolz auf das reaktionäre Fundament, als hätte man es noch selbst gegossen. Frösche hocken im eigenen Sumpf und halten die eigene Perspektive für den Blick auf das ganze Universum, der Ereignishorizont ist knapp unter der Tümpelkante, aber sie sind alle kleine Herrscher, weil sie gerade keinen Fressfeind sehen. Im Grunde sollten sie genau jetzt aus Vernunft den Klapperstorch leugnen, der doch auf natürliche Weise für Bewegung sorgen würde. Und sie schaffen es auch, denn das Wasserloch gehört ihnen. Alles, was da draußen noch sein könnte, ist böse und muss notfalls bekriegt werden. Auch der eigene Glaube, auch dessen Ethik. Auch die Vernunft. Wo kämen wir denn sonst hin.





Wieder Vereinigung

13 06 2019

„Das machen Sie doch nur, weil Sie immer recht behalten wollen!“ „Das machen wir, weil wir in diesem Fall tatsächlich recht behalten haben.“ „Aber die Deutschen wollen eine konservative Mehrheit!“ „Und deshalb stellen Sie Ihren Vize als Kanzler auf?“ „Und Sie sind nämlich rassistisch!“

„Ich verstehe nicht, warum Sie so in Rage geraten, es war ein Angebot, mehr nicht.“ „Aber ein vergiftetes, das weiß doch jeder!“ „Naja, Sie müssen es nicht annehmen.“ „Sie wollen aber, dass wir das annehmen!“ „Das ist nun mal eben der Sinn eines Angebots.“ „Ich kenne die Art Angebote, die man nicht ablehnen kann! Sie wollen sich selbst und uns Schaden zufügen!“ „Wenn Sie damit so ein Problem haben, warum sind Sie dann immer noch in der Großen Koalition?“ „Sie und Ihre verdammten rhetorischen Taschenspielertricks, Sie werden uns jedenfalls nicht in die Enge treiben!“ „Wozu auch. Sie stehen doch mit dem Rücken schon halb in der Wand drin.“

„Außerdem, erklären Sie mir doch bitte mal, wozu brauchen wir zwei sozialdemokratische Parteien?“ „Weil es derzeit nicht einmal eine gibt.“ „Das beantwortet meine Frage nicht. Wozu zwei?“ „Weil eine in diesem Land nun mal dringend gebraucht wird.“ „Meine Güte, dann noch mal schriftlich: wozu zwei!?“ „Weil es dann nur noch eine gibt, und die hat ein ausreichendes Potenzial an Wählern, um politisch wieder Boden gutzumachen. Offenbar kommt Ihnen das nach den letzten Jahren am Glockenseil gar nicht mehr in den Sinn?“ „Was?“ „Dass man bei Wahlen antritt, um etwas zu verändern.“ „Wir liefern doch, merkt man das nicht draußen im Land?“ „Allein die Tatsache, dass das für Sie draußen im Land ist, zeigt doch schon, in welchem Elfenbeinturm Sie es sich gemütlich gemacht haben.“ „Tun Sie doch nicht so, als wäre die Wiederwahl für Sie unwichtig!“

„Jedenfalls werden Sie sich dazu ganz kräftig bewegen müssen.“ „Wieso denn wir?“ „Weil wir schon auf dem richtigen Weg sind.“ „Das sieht man ja auch an Ihren Wahlerfolgen.“ „Sie meinen also, eine Partei sei nur dann gut, wenn sie auch gewählt wird?“ „Dann verstehe ich Ihre Kritik an der SPD jedenfalls nicht mehr.“ „Weil Sie sich von Ihrer politischen Idee viel zu weit entfernt haben.“ „Ach, und Sie können ja nur Sozialismus!“ „Sich können ja nicht mal den.“ „Das muss ich mir von Ihnen nicht vorwerfen lassen!“ „Doch.“ „Warum denn?“ „Weil Sie gerade alles über Bord werfen, was an die Ideale Ihrer Partei zu erinnern droht.“ „Man muss sich auch mal von historischen Irrläufern trennen.“ „Also von den Grünen, meinen Sie?“ „Wir werden uns mit denen schon verständigen, dass wir eine vernünftige Bundesregierung unter der Führung der SPD auf die…“ „Das hat in den letzten Koalitionen ja auch ganz prima geklappt.“ „Was?“ „Naja, diese Minderheitsregierung der SPD, ohne dass es die anderen merken.“

„Und wenn wir uns regional aufstellen?“ „Wie hatten Sie sich das gedacht?“ „Nach dem Vorbild der Union.“ „Also nach dem Vorbild, nach dem Sie gerade alles an die Wand fahren.“ „Versuchen Sie nicht, witzig zu werden.“ „Sie wollen also eine Art Doppellösung wie mit der CSU?“ „Ja, und wir dachten an Ihren Part als den einer regionalen Ost-SPD.“ „Damit die Nazis in den neuen Ländern besser durchregieren können.“ „Also in Thüringen geht’s doch.“ „In Sachsen auch, da stellen die Nazis inzwischen den CDU-Kandidaten.“ „Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass Sie da die eine oder andere Koalition hinkriegen, weil Sie die bessere regionale Verwurzelung haben.“ „Das liegt daran, dass Sie da Ihre eigenen Wurzeln mit Anlauf ausgerissen haben.“ „Aber da brauchen Sie dann auch keine Konkurrenz zu fürchten.“ „Konkurrenz von der SPD? und Sie denken, Ihre Witze seien besser!?“ „Da können Sie dann ein eigenes Profil erarbeiten, gerne auch rechtssozialistisch, und dann treffen wir uns auf Bundesebene wieder in der Mitte, weil da ja die Wahlen gewonnen werden.“ „In der Mitte?“ „Auf Bundesebene. Jedenfalls von uns, wenn wir uns wieder vereinigen.“ „Sie wollen eine Wiedervereinigung? Also eine Vereinigung wider besseren Wissen?“ „Nein, wir würden das natürlich getrennt schreiben.“ „Aha, einer unserer rhetorischen Taschenspielertricks, der ist nur gut, weil Sie ihn diesmal kopieren.“ „Hätten Sie wieder etwas gegen die Vereinigung?“ „Wir wären dann eher für getrenntes Marschieren.“ „So kann man aber nicht gemeinsam siegen.“ „Mit Ihnen zu siegen ist immer noch schlimmer, als sich selbst eine Niederlage einzuhandeln.“ „Genau dieser linke Separatismus ist es, der unser Land in Gefahr bringt, immer wieder!“ „Richtig, und in Gestalt der Grünen übernimmt dieser linke Separatismus gerade die politische Mehrheit, und das auch noch ganz demokratisch.“ „Das soll für die ja auch wie Demokratie aussehen.“ „Ich glaube, wir sind echt noch nicht so weit.“ „Richtig, da werden Sie sich als Linke doch noch ein ganzes Stück in Richtung Mitte bewegen müssen, bevor wir ein Angebot von Ihnen zur Kenntnis nehmen.“ „Wir können warten.“ „Und genau diese Arroganz ist es, warum ich mich frage, ob diese ganze Diskussion nicht sowieso überflüssig ist!“ „Oder noch sehr viel mehr.“ „Das können Sie als populistische Klientelpartei doch gar nicht beurteilen!“ „Ach, ich hätte da mal eine Frage.“ „Schießen Sie los.“ „Kann ich die Mauer noch mal sehen?“





Ökologische Akzente

6 06 2019

„… als größtes Infrastrukturprojekt der kommenden Jahrzehnte bezeichnet habe. Scheuer werde die Deutsche Bahn AG zu einem komplett ökologisch ausgerichteten Betrieb mit…“

„… es für die Bundesregierung schon ausreiche, den Betrieb ausschließlich mit ökologisch erzeugtem Strom zu führen. Dazu wolle man den Kohleausstieg um nochmals zwanzig Jahre nach hinten verschieben, könne aber langfristig eine sehr gute…“

„… mit Windkraft betreiben wolle. Dazu sei es allerdings nötig, die meisten Schnellzugtrassen mit eigenen Windparks auszustatten, die in ihrer Ausrichtung dem Gleis folgend eine…“

„… vorübergehend die Dampflok wieder in Betrieb zu nehmen. Die Ausrüstung der neuen Modelle mit einem Modul zur Kohleverstromung könne maßgeblich dazu beitragen, nach deren Abschaffung einen wesentlichen Schritt zur Modernisierung der Bahn in Bezug auf die…“

„… genau nachrechnen lassen wolle. Scheuer habe entdeckt, dass der von den Schnellzügen erzeugte Fahrtwind sehr gut geeignet sei, um kleinere Windkraftanlagen neben dem Gleisbett zu betreiben. Man könne auf diese Art eine positive Energiebilanz mit den…“

„… batteriebetriebene Hybridzüge für geringe Reichweiten bauen wolle. Zwar könne sich der ICE mit einer Akkuladung inzwischen schon um mehrere Zentimeter bewegen, man müsse die Versorgung mit Speicherstrom jedoch erst während des Betriebes…“

„… den Stromrückfluss günstig beeinflussen werde. Scheuer habe errechnet, dass der von den Zügen erzeugte Fahrtwind sogar mehr Strom für eine Netzeinspeisung produziere, was letztlich für den Schnellzug als eigenen Kraftwerkstyp…“

„… für einen normalen ICE-Triebzug ungefähr dreißigtausend Waggons mit Akkumulatoren benötige. Die Bundesregierung habe an dieser Stelle noch einmal betont, dass sich allein aus dem Pilotprojekt eine enorme Wirtschaftsleistung gewinnen lasse, die kurzfristig viele qualifizierte Arbeitsplätze im…“

„… sich solarbetriebene Züge allerdings nicht im Nachtbetriebe einsetzen ließen. Als einfache Lösung empfehle die Bundesregierung dann, nachts wieder vermehrt mit dem Pkw oder den…“

„… auch an anderer Stelle ökologische Akzente setzen wolle. So sei es künftig problemlos möglich, den Zug mit seinem Smartphone-Akku aufzuladen, was sich ab einer Fahrgastanzahl von mehr als…“

„… es bisher noch keine Berechnung über eine Einspeisung der Abwärme aus dem Bord-Bistro gebe. Scheuer werde auch diese Energiequelle nicht unberücksichtigt lassen und habe zunächst eine Studie angekündigt, um die Potenziale der…“

„… von der Größe und Anzahl der Solarmodule bestimmt werde. Ein durchschnittlicher Zug müsse eine Länge von sieben Kilometern haben, um eine Geschwindigkeit von bis zu zehn Kilometern pro Stunde zu erreichen, bei einem angestrebten Tempo von 300 km/h seien dies also mehrere…“

„… alle Sitzplätze in den Zügen mit einer Treteinheit aus Pedalen ausgestattet werden sollten, um wenigstens Beleuchtung und Bordelektrizität durch die Fahrgäste selbst zu…“

„… potenzielle Energie bisher noch nicht im Betrieb berücksichtigt worden sei. Scheuer sehe hier eine herausragende Möglichkeit, Züge im Alpenvorland, beispielweise vom Hauptbahnhof in München starten zu lassen, um sie dann in die tiefer gelegenen Ziel der nördlichen Bundesrepublik rollen zu lassen. In Kombination mit einer Rückgewinnung aus Restwärme und Fahrtwind sei so auch eine positive Energiebilanz im…“

„… noch mehr Züge auch im Binnenland unter Wasser fahren zu lassen. Es sei noch nicht klar, wie man aus Bewegungsenergie eine Rückgewinnung in kleinen Gezeitenkraftwerken hinkriege, die Ausschüsse seien jedoch sicher, bald zu einer finanzierbaren Lösung zu…“

„… angesichts der hohen Konzentration an Kohlendioxid den Schadstoff nutzbar machen wolle. Eine Expertenkommission solle prüfen, ob sich ausreichend komprimiertes CO2 aus der Erdlagerverpressung für einen raketenähnlichen Rückstoßantrieb eigne, wie man ihn beispielsweise aus einer Sprudelwasserflasche und einer…“

„… die Fahrpreise durch den Verzicht auf Subventionen künstlich verteuere. Altmaier bevorzuge daher einen solargesteuerte Kohle-Uran-Mix, mit dessen Hilfe man eine moderate Steigerung um jährlich weniger als…“

„… die potenzielle Energieerzeugung viele wirtschaftlich erfolgreiche Bahnhofsneubauten unter der Erde ermögliche. Scheuer werde zunächst hundert Tiefbahnhöfe nach dem Stuttgarter Vorbild in den geplanten…“

„… ob sich die von der CSU erzeugte Heißluft einspeisen lasse. Die Bundesregierung werde nichts unversucht lassen, um alternative Energiequellen in der…“





Christsozialbereich

5 06 2019

„Irgendwie so halt, weil mit Praktikum kann man halt alles verkaufen. Mit Deutschland auch, wenn man nur die Knalltüten anspricht. Haben wir es eben Deutschland-Praktikum genannt, damit sich nur die gewünschte Zielgruppe meldet.

Seitdem die Wehrpflicht weg ist, kommen ja nur noch Abiturienten als Freiwillige, und die kann man halt nicht gebrauchen. Das sind so Leute, richtig unangenehm. Grundgesetz von innen gesehen, waren schon mal zur Wahl, die können wir nicht gebrauchen. Allein Freiwilligendienst – als wenn uns einer in dem Alter gesagt hätte, Ihr macht jetzt was freiwillig, der hätte richtig Stress gekriegt! Die heutige Jugend, die ist derart verzogen, die demonstriert sogar gegen die eigenen Interessen, die wollen gar keine Flugtaxis mehr haben. Typisch linker Mainstream. Furchtbar.

Sie kennen doch bestimmt noch das Modell Zivildienst. Überschaubarer Einsatzbereich, hohe Verantwortlichkeit, beschissene Bezahlung. Gut, die heutige Generation kennt das eher aus den Pflegeberufen, aber das war im Sozialbereich mal ein richtiger Kassenschlager. Mit richtiger Zivi-Bestückung konnte man schon mal eine Klinik in den wirtschaftlichen Bereich drücken, das kriegt man heute gegen die Betriebsräte gar nicht mehr durch. Das wurde natürlich auf vielen anderen Sektoren mit entsprechendem Erfolg kopiert, und warum soll man das nicht auch heute noch einsetzen, wo man es braucht?

Wir als Christsoziale können uns vorstellen, dass man als Jugendlicher, der von der Gesellschaft etwas erwartet – und das müssen wir der jungen Generation endlich mal vermitteln, man kann nicht immer nur ständig herumdemonstrieren und linke Parteien wählen, die dem deutschen Mittelstand seine hart erarbeiteten Dieselautos verbieten wollen – dass man als Kostgänger dieses Staates erst einmal etwas zurückgibt, bevor man etwas bekommen hat. Ich habe jetzt noch nicht den genauen Überblick, wir befinden uns ja erst in der Planungsphase, aber wir als CSU können und schon vorstellen, dass jeder, der ein Studium oder eine Berufsausbildung absolviert, ein Praktikum in einem gesellschaftlich wichtigen Bereich macht. In der Schule wird das ja gar nicht mehr vermittelt, es gibt keinen ordentlichen Unterricht mehr in den Fächern wie Staatsbürgerkunde oder einer anderen Religion, und da stellen wir als Partei staatlicher Verantwortung uns vor, dass wir das richtige Modell entwickelt haben. Es muss eine Pflicht für jeden Jugendlichen sein, den Staat zu unterstützen.

Sie sehen, es macht sich bezahlt, wenn man mit politischen Partnern zusammenarbeitet, die sich in der jüngeren deutschen Geschichte etwas besser auskennen. Die Idee vom Reichsarbeitsdienst war gar nicht so verkehrt, sonst hätten wir heute gar keine Autobahnen und könnten auch keinen Verkehrsminister stellen – auf solche Gedanken kommt man natürlich nicht, wenn man typisch links sozialisiert ist und immer nur an sich selbst denkt – und dann könnte man auch nicht sehen, dass dieses Land endlich wieder eine Stärkung im Sozialen braucht. Also im Christsozialbereich.

Langfristig können wir uns natürlich auch vorstellen, dass wir auf diese Art wieder einen militärischen oder paramilitärischen Einsatzbereich bekommen, also in der Bundeswehr oder in einer bürgerlichen Organisation gegen Überfremdung im eigenen Land. Hier im Freistaat kontrollieren sich die Außengrenzen auch nicht von alleine, und wenn man sich die derzeitige Lage in Österreich ansieht, da ist ja das Verbrechen Staatsziel, und das können wir als CSU natürlich nicht unterstützen. Das muss Österreich schon alleine bewerkstelligen. Wir können da höchstens finanziell oder organisatorisch unter die Arme greifen, beispielsweise mit der Polizei im grenznahen Bereich.

Was wir da als zivilgesellschaftliche Maßnahme geschaffen haben, wird auf jeden Fall einen positiven Effekt auf Deutschland haben. Wenn wir erst einmal sehen, dass nur die einen Ausbildungs- oder einen Studienplatz bekommen, die sich auch für Deutschland einsetzen wollen, dann werden wir viele Bevölkerungsgruppen nicht mehr ansprechen, die bisher durch konterevolutionäres Verhalten die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gestört haben: die Jugendlichen, die einen Studienplatz nur zum Ausruhen brauchen und dann die ganze Zeit demonstrieren, und die vielen Abbrecher, die nicht mehr in der Lage sind, eine Berufsausbildung zu Ende zu führen. Und dann natürlich die vielen ausländischen Infiltranten, die einen Studienplatz bekommen und dann nach dem Abschluss wieder ins Ausland gehen, ohne die deutsche Wirtschaft weiter zu unterstützen. Gut, es ist auch nicht falsch, wenn man die Ausländer alle rausschmeißt, wir heißen ja nicht Ausland, sondern Deutschland, aber wir müssen die doch nicht auch noch alle studieren lassen vorher!

Wie gesagt, von der Idee versprechen wir uns als Christsoziale wichtige zivilgesellschaftliche Impulse. Ein Praktikum, vielleicht auch zwei oder drei, danach weiß man als Jugendlicher schon viel eher, ob man noch in den Arbeitsmarkt will oder ob es nur zum Demonstrieren und Deutschland in den Medien oder im Internet Miesmachen ausreicht. Die können dann ja alle gleich zu den Grünen, da wird man ja ohne Ausbildung Außenminister. Das kann Ihnen bei der CSU nicht passieren, hier werden Sie höchstens Verkehrsminister, aber das war jetzt nicht Ihre Frage, oder?“





Stundenzettel

23 05 2019

„… nicht umsetzen wolle. Wenn der Europäische Gerichtshof eine gesetzliche Regelung zur Erfassung der Arbeitszeit fordere, so habe dies laut Altmaier Auswirkungen auf Europa, nicht aber für Arbeitsplätze in…“

„… hätten russische Wissenschaftler entdeckt, dass die Stechuhr eine Erfindung des islamischen Kulturkreises ist. Meuthen werde alles verhindern, was sich in den…“

„… gehöre die Überstunde für Seehofer zur deutschen Heimat wie Weißbier oder zu dichtes Auffahren bei Tempo 200. Es werde mit ihm weder ein Tempolimit noch eine…“

„… für viele Arbeitnehmer gar nicht relevant sei. Da Pflege grundsätzlich im Schichtbetrieb organisiert sei, könne man in diesem Berufsbild gar keine Überstunden machen. Altmaier werde alles verhindern, was die…“

„… die Stechuhrindustrie in Deutschland keine Rolle spiele. Die CDU-Mittelstandsvereinigung habe in diesem Zusammenhang nochmals darauf hingewiesen, dass es nie zielführend sei, mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen zu…“

„… könne die deutsche Wirtschaft auf die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung auch mit der vermehrten Beschäftigung von selbstständigen Subunternehmern reagieren, die dann ihrerseits auf selbstständige Subunternehmer, die ihrerseits…“

„… es erst ein bundeseinheitliches System für die Zeiterfassung geben müsse, um eine vergleichbare Durchführung der Zeitwirtschaft in den Betriebsstätten zu gewährleisten. Hier sei das Bundesinnenministerium gefragt, das den Dienstweg zur Erstellung eines Stundenzettels für die gemeinsame…“

„… letztlich im Rechtsbereich der Bürger liege, alle Arbeitszeitbelege für eine behördliche Prüfung in den jeweiligen Privaträumen vorzuhalten. Eine Revision sei im jährlichen Turnus parallel zur Steuererklärung möglich und könne auf einem ähnlichen Formular an die…“

„… gleichzeitig vor einem standardisierten Stundenzettel warne. Da immer mehr Bürger mehr als einen Job hätten, um über die Runden zu kommen, könne es leicht Verwechslungen geben, die sich auf eine zentrale Erfassung des…“

„… der Verfassungsschutz großes Interesse zeige. Falls der Innenminister eine Arbeitszeitdatei führen wolle, könne man auf alle Stempelzeiten zugreifen und sie mit anderen Daten wie den Bewegungsprofilen von Mobiltelefonen oder…“

„… mobile Lösungen anbiete, beispielsweise durch eine auf allen deutschen Mobiltelefonen installierte App, die die Anwesenheit am Arbeitsplatz registriere. So könne der Gesetzgeber jederzeit transparent nachvollziehen, ob sich die Bürger an die gesetzlichen…“

„… wolle Altmaier die Rechte der Arbeitnehmer schützen. Dies dürfe allerdings nie so weit gehen, dass Arbeitnehmer Gerichte anriefen, weil dadurch eine empfindliche Störung des Rechtsfriedens und der gesellschaftlichen…“

„… das Urteil keinen Zeitrahmen nenne, innerhalb dessen eine rechtliche Regelung umgesetzt werden müsse. Die Bundesregierung halte die Einsetzung einer Expertenkommission für ratsam, wenn diese bereits 2056 ihre Arbeit aufnehme und alle weiteren…“

„… für alle Arbeitnehmer gelte, die weniger als fünfzig Meter von ihrer Arbeitsstätte entfernt leben oder gelegentlich in ihrer Freizeit an ihrem Betrieb vorbeikommen würden. Diese müssten Vorkehrungen treffen, um nicht durch versehentliches Einloggen eine systematische Arbeitszeiterschleichung zu…“

„… sich die angefragten Experten bisher alle abschlägig geäußert hätten, da der Arbeitsaufwand der Beratungsleistung nicht abgebildet werden könne, wenn die meisten von ihnen an langfristige Aufträge für das Bundesverteidigungsministerium gebunden seien und daher keine doppelte…“

„… dass viele Arbeitsverträge geändert werden müssten, um die Erfassung von Überstunden zu ermöglichen. Andererseits müssten auch viele Überstunden erfasst werden, damit man die Änderung der Arbeitsverträge im…“

„… werde durch die Produktion von Stechuhren noch mehr Kohlendioxid erzeugt, das sich negativ auf die Klimabilanz und die Diskussion um eine Ökosteuer auswirke. Durch ein rasches Ende der Debatte werde die Bundsregierung sehr viel mehr Kapazitäten für den Klimaschutz und den…“

„… das Arbeitsministerium sich nicht zuständig fühle, da es sich um eine Angelegenheit der EU handele. Dazu bedürfe es zur Umsetzung der Rahmenrichtlinie auf Basis des Urteils in ein Bundesgesetz erheblicher Mehrarbeit, die nicht ohne eine modernisierte Zeiterfassung zu…“

„… das Modell der Vertrauensarbeitszeit nicht abgeschafft werden müsse. Zwar dürften die Arbeitgeber auch weiterhin kontrollieren, ob in der Arbeitszeit gearbeitet werde, doch müsse dies nicht mit gesetzlich vorgeschrieben Mitteln oder…“

„… dass eine minutengenaue Zeiterfassung gesetzlich vorgeschrieben werden könne, es den Arbeitgebern aber weiterhin freistehe, sämtliche Überstunden als mit dem Festgehalt abgegolten im Arbeitsvertrag festzuschreiben. Altmaier freue sich über diesen Kompromiss, der gleichzeitig die Interessen von Arbeitnehmern und…“





Instrumentelle Vernunft

22 05 2019

„Moment mal, was heißt: alle?“ „Alle.“ „Also echt alle?“ „Ja.“ „Wirklich alle!?“ „Ja doch, was denn sonst?“ „Dass ein paar Minister aus Protest in den Sack hauen, okay – aber alle!?“

„Ich verstehe es auch nicht, aber die Idee einer Expertenregierung ist doch sehr charmant.“ „Und warum haben wir das vorher nicht ausprobiert?“ „Weil die wenigsten Experten in die Politik gehen.“ „Dabei könnten sie dort am meisten ausrichten.“ „Allerdings immer unter strikter Einhaltung des korrekten Verwaltungsweges, einschließlich der erforderlichen Formulare.“ „Muss das denn sein?“ „Wie stellen Sie sich das denn sonst vor? Sollen jetzt die Finanzmathematiker durch die Lande tingeln und bei allen zuständigen Abteilungsleitern einen Vortrag halten, dass bis zu einer bestimmten Freigrenze keine Schulden mehr gepfändet werden, weil die Pfändung mehr kostet, als sie einbringt?“ „Das wäre doch mal ein vernünftiger Ansatz.“ „Leider fällt so ein Beispiel unter sich selbst: auch das kostet mehr, als es einbringt. Und wir werden nie fertig.“ „Das haben wir doch jetzt schon.“ „Also warum sollten wir dann eine Expertenregierung haben, wenn sie schlimmer ist als das, was schon jetzt hier herumkriecht?“

„Und was bringt dann so eine Regierung?“ „wir regieren wenigstens nicht mehr mit ideologischer Brille, nach der wir von bösen Flüchtlingen überrollt werden, die gar nicht kommen, und nur durch zusätzliche Dieselabgase vor der Islamisierung gerettet werden können.“ „Das ist aber nur eine Partei, die Sie da ansprechen.“ „Dann nehmen Sie meinetwegen noch hunderttausend Erwerbslose, denen wie durch Zauberhand ein Vollzeitjob wächst, wenn sie nur höhere Zuverdienstgrenzen haben und dafür zum Ausgleich auf den Mindestlohn verzichten und doppelt so viel arbeiten, wie der Bedarf ist.“ „Das heißt, wir müssen nur auf ideologische Wahnvorstellungen verzichten, und schon wird alles gut?“ „Es wird zumindest nicht schlimmer als jetzt, das wäre schon mal ein guter Anfang.“ „Und warum haben wir es bis jetzt nicht ausprobiert?“ „Weil man den meisten Menschen ideologischen Unsinn einreden kann, aber keine Vernunft.“

„Warum wehrt sich der Mensch so sehr gegen die Vernunft?“ „Weil die meisten von ihnen der Ansicht sind, sie besäßen schon genug davon, also lassen sie sich nicht zusätzlich von außen welche aufschwatzen.“ „Das heißt, sie wollen lieber Visionen?“ „Natürlich. Lieber jede Menge utopischen Schwachsinn als gar keine Zukunft.“ „Kann man den Menschen dann nicht eine solche ideologiefreie Politik als Vision verkaufen?“ „Das versuchen Sie mal. Die Leute werden Sie kreuzigen.“ „Warum?“ „Weil sie den Ansatz erst recht für ideologisch halten. Gehen Sie hin und erklären Sie den Menschen, dass Europa demnächst im Meer versinkt, und jeder wird Sie mit großen Augen angucken.“ „Hm.“ „Gehen Sie hin und erläutern Sie anhand von geophysikalischen Messdaten, dass Europa demnächst im Meer versinkt und wir leider den Durchschnittshaushalt mit tausend Euro Steuern belasten müssen, um unseren Arsch zu retten, und die Leute werden mit Steinen nach Ihnen schmeißen.“ „Weil ich es Ihnen einrede?“ „Weil Sie es ihnen beweisen können. Das wollen sie nicht. Und es ist sozialistischer Terror und Gleichmacherei, weil sie unterschiedlich behandelt werden.“ „Wie das denn?“ „Weil den Erwerbslosen trotz doppelt so hohen Bemühungen doch kein Vollzeitjob wächst und sie deshalb gar keine Steuern zahlen können.“ „Ideologie ist also, wenn man selbst nicht von der Politik bevorzugt wird?“ „Ideologie ist, wenn es nicht jemanden gibt, den man schlechter behandeln kann, weil man davon überzeugt ist, dass er es verdient hat.“ „Und wenn man den Leuten erklärt, dass das nicht mit unserem politischen System vereinbar ist?“ „Dann ist man ein Ideologe, weil man das System vertritt.“

„Dann sind also Sozialleistungen immer eine Form von Ideologie, weil sie im System der sozialen Marktwirtschaft angelegt sind.“ „Genau. Und Steuersenkungen für Leute, die sowieso nicht die Steuern zahlen, die sie nach Recht und Gesetz zahlen müssten, sind selbstverständlich keine Form von Ideologie, weil sie nichts mit diesem System zu tun haben.“ „Dann ist also eine Expertenregierung nicht ideologisch.“ „Wie kommen Sie jetzt darauf?“ „So eine Expertenregierung ist in diesem System gar nicht vorgesehen, die Politik wird doch von Parteien gemacht.“ „Aber nicht der Staat.“ „Kann man den nicht umgehen?“ „Dann sind wir wieder bei der Umgehung der Institutionen und bei einem vollkommen ineffizienten Herumregieren, das von außen gut aussieht und von innen nichts bringt.“ „Aber wenn wir das einigermaßen ideologiefrei hinbekommen, dann orientieren wir uns doch an den vernünftigen Zielen.“ „Also beispielweise an der Durchsetzung von Fünfjahresplänen.“ „Das habe ich nicht gesagt.“ „Aber da endet es meistens, weil die instrumentelle Vernunft jedes Mittel heiligt und damit auch schon wieder ideologisch wird.“ „Das heißt, man könnte auch Steuern senken, wenn es nur der Durchsetzung eines rationalen Gedankens dient.“ „Oder Arbeitslager bauen.“ „Aber das würde ja wieder dem System eines demokratischen Staates widersprechen.“ „Kommt immer darauf an, was Sie unter Demokratie verstehen.“ „Ich habe keine Ahnung. Fragen Sie die Experten.“