… sind Siebenunddreißig

21 04 2017

Freitagstexter

Sechs. Mal sechs. Weiß ich. Fleißig. Kindertage. Es erinnert mich noch heute an die erste Klasse, die Holzbänke mit den Büchern im Fach, die stets nach einem bestimmten Muster gelegt werden mussten, weil sonst Fräulein Holm kam, die biestige Alte, die vermutlich das Biestige vom Fräuleinsein hatte, oder vielleicht doch von der Mathematik – egal, wir gucken hier immer gerne in die Vergangenheit, und das wollen wir für den Freitagstexter ja auch so beibehalten. Herzlich willkommen. Gerade sitzen!

Von den Leisen Tönen für ein paar kulinarische Tipps aus der älteren Steinzeit mit dem goldenen Pokal ausgezeichnet gehe ich dies Wagnis ein. Wagnis deshalb, weil die hierzulande dominierende Telekommunikationsaktiengesellschaft sich zum wiederholten Male erlaubt, mir den Saft abzudrehen. Anne schärft die Axt. Ich versuche, den Betrieb mit Bordmitteln und Büro-WLAN aufrecht zu erhalten.

Worum es bei diesem Blogstöckchen geht, erläutert für alle Neuen der Wortmischer, die andern wissen’s schon: man muss es nicht wissen. Es gibt nichts, was man nicht tut.

Aber die Tische. Ich wollte ja etwas über Tische erzählen. Einer trägt gerade, ausgeklappt, das goldene Kleinod. Der andere hat noch enorme Reste eines weggetupperten Osterzopfes mit Rosinen zu verkraften, nebst Teetassen. Die obligaten Stühle sind griffbereit, Hildegard schmollt und hat sich noch nicht ganz von der Paketkarte erholt. Irgendwas ist ja immer.

Am Dienstag, den 25. April 2017 um 23:59 Uhr wird sie den Schlüssel im Schloss knirschen lassen, dann werde ich alles daran setzen, weißen Rauch zu produzieren. Hoffentlich mit entsprechendem Echo aus dem Innenhof. Die himmlischen Heerscharen sind seit Weihnachten auf dem Dachboden einquartiert.

Auch hier war wieder einmal der geschätzte James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) der Sammler meines Vertrauens, der das Tischchen fand und also abbildete, auf dass es hier stehe übereck. Wo es passt? Hat noch jemand Verwendung für dieses Objekt? Vor einer endgültigen Entscheidung: Klick macht groß.





Dienstfahrt

20 04 2017

„Aber nur vorübergehend. Nicht länger als zwei, höchstens drei oder vier, vielleicht sechs… Monate, nicht Wochen. Monate. Das muss schon gründlich gemacht werden. Wir können die Sicherheit unserer Mitarbeiter nicht gefährden. Jedenfalls nicht mehr als nötig.

Sie landen auf einem ganz normalen Flugplatz. Ja, es gibt eigentlich keine normalen Flugplätze in Afghanistan, aber für afghanische Verhältnisse würde ich das als annähernd normal bezeichnen. Die Beschusszeiten sind nicht immer so wie vorgesehen, manchmal schicken die Taliban auch ein paar Übungstrupps durch, dann muss man halt in Deckung gehen, aber so schlimm ist das auch nicht, wenn man’s überlebt. Die meisten überleben das, jedenfalls statistisch betrachtet. Wie Sie danach aussehen? Keine Ahnung, ich habe noch nie einen gesehen, der zurückgekommen ist. Ich kriege wohl immer die statistischen Ausnahmen.

Sie wohnen auch ganz normal. Richtig, im Zelt. Sie haben den afghanischen Normalitätsbegriff schon sehr gut verinnerlicht. Halten Sie sich daran, dann geht auf Ihrer Dienstfahrt gar nichts schief. Falls irgendwas gehen sollte, das kann man vorher auch immer nie so genau wissen.

Kamele haben wir da nicht mehr, nein. Das liegt aber nicht an der Finanzdecke des Ministeriums, es liegt an zu wenig Kamelen. Die Tiere sind auch nicht dumm, die gehen halt auch eher da hin, wo es nicht ständig knallt. Und dann kann ich Ihnen natürlich noch die anderen Fahrzeuge ans Herz legen, die sind auch alle ausrangiert, wie die Zelte, und wenn Sie sich mit der Technik ein bisschen auskennen, dann fällt Ihnen auch die Reparatur viel leichter. Aus den Achtzigern, manche auch etwas neueres Baujahr, nur eben nicht die modernen Fabrikate. Die sind bisweilen etwas störanfällig. Die alten bleiben nur im Sand stecken, wenn sie unbedingt müssen.

Es ist halt Afghanistan, das gilt als sicheres Herkunftsland. Da wird nicht viel investiert, da schickt man hin, was hier bei uns nicht mehr gebraucht wird. Wieso der de Maizière jetzt immer da ist? Wie soll ich denn die Frage verstehen? Ist der immer noch Verteidigungsminister? Oder warum fragen Sie? Nein, sagen Sie mal?

Sie können schon technische Geräte mitnehmen, aber dann übernehmen wir da keine Haftung. Sie müssen das selbst besorgen. Wenn es nicht sicher ist, warum sollten wir als Regierung uns da einmischen? So dürfen Sie nicht rechnen, das ist nicht statthaft. Wir dienen hier letztlich dem Steuerzahler, da können wir nicht alles bezahlen. Schon gar nicht für sichere Länder. Wenn wir denen nämlich die Sicherheit bezahlen, dann sind die vorher gar nicht sicher gewesen, oder? Oder? Sehen Sie, so denken die meisten nämlich gar nicht, aber das muss man, wenn man in einem deutschen Ministerium ist. Oder Karriere machen will. Oder Karriere machen will, um nicht mehr in einem deutschen Ministerium zu sein.

Ja, der Sand. Der ist kostenlos, Sie können da auch gerne ein bisschen mitnehmen. Ach, Sie meinen die Sicherheitsbedenken? Dass sich Autos da festfahren? Oder Flugzeuge? Sie haben Recht, deshalb werden auch Sie da hingeschickt. Und nicht die Ministerin. Das heißt, die schicken wir auch da hin, aber nicht da, wo es zu sandig werden könnte. Man muss da ganz andere Sicherheitsmaßstäbe anlegen. Das haben Sie schon ganz gut begriffen.

Und Sie haben Ihre Schulung abgeschlossen? Gut, dann sind wir raus. Wegen der Haftungsfragen, aber das hatten wir ja schon. Sie dürfen sich da auch keine zu großen Gedanken machen, das führt nur zu Angst, oder Sie sehen die Situation plötzlich unrealistisch. Wir als Regierung wissen, wovon wir da sprechen, glauben Sie mir.

Ich empfehle Ihnen diese Teilnahme schon aus Karrieregesichtspunkten. Wenn Sie das überstanden haben, dann überstehen Sie alles. Auch Seehofer im Ministerium. Oder einen Parteitag mit…

Darf ich Sie dann schon mal fest einbuchen? Und nur zur Sicherheit, wen sollen wir denn benachrichtigen? Ich meine, im Falle eines Falles?“





Schwarze Löcher

19 04 2017

„Dass Du auch immer alles wegräumen musst!“ Was da klapperte, war unverkennbar der Schrank im Bad, wer klapperte, konnte nur Hildegard sein, denn sonst befand sich keiner in meiner Wohnung. „Wie soll ich morgen das Paket abholen, wenn Du immer alles wegräumst!“

Meine Rasierwasservorräte wären auch ohne sie zur Neige gegangen, ganz zu schweigen von den Stecknadeln, die seit längerer Zeit unbedingt in meinem Spiegelschrank aufbewahren musste, weiß der Teufel, wozu. „Dann steht man im Bad, braucht dringend eine Nadel, Du weißt schon.“ „Ich weiß nicht“, hatte ich wahrheitsgemäß geantwortet, aber Ihr Zorn ließ das natürlich nicht gelten. „Ich möchte nicht immerzu im Bad stehen und alles suchen“, hatte sie in einem ihrer wirklich seltenen großen Ausbrüche geschrien – sie hatte manche laute, die waren öfter, aber kaum große Ausbrüche, höchstens zwei oder drei am Tag, manchmal auch pro Stunde – und gerade jetzt hätte ich diese Worte zitieren mögen. Es wäre nur sinnlos gewesen. Ich wusste nicht einmal, um welches Paket es sich handelte.

„Ich habe mir Bücher schicken lassen“, gab sie mir zu verstehen, „Fachbücher – es kann ja wohl nicht verkehrt sein, sich beruflich zu bilden, und wie soll ich das sonst bitte machen!?“ „Fangen wir doch mal logisch an“, überlegte ich. „Wo hattest Du diese Karte denn hingelegt?“ „Woher soll ich denn wissen, wo Du sie hingeräumt hast!“ Da war es wieder, das Grundproblem unserer Kommunikation. Sie wusste auf alles eine Antwort, nur nicht auf die entscheidende Frage. „Und Du bist Dir absolut sicher, dass Deine Karte sich im Bad befindet?“ Mit grimmiger Miene äugte sie aus dem Türrahmen. „Soll ich vielleicht lieber im Kühlschrank suchen?“

Langsam hatten wir den Sachverhalt eingekreist und näherten uns einer Lösung. Die Karte, ein ganz normales Stück Papier mit Datumsaufdruck, hatte im Briefkasten ihrer Wohnung gesteckt, als sie am Nachmittag nach Hause gekommen war. Da sich das Postamt gleich hier in der Nähe befindet, hatte Hildegard die Benachrichtigung mitgebracht und, so war der Stand der Dinge, in diesem Stockwerk zuletzt gesehen. Zielstrebig schritt sie in mein Arbeitszimmer und griff ins Regal. Band für Band zog sie die Literaturgeschichte heraus, Folianten von einigermaßen statthaftem Umfang, blätterte in jedem einzelnen – nichts. „Du benutzt ja alles als Lesezeichen“, nörgelte sie, „ich erinnere mich noch, wie die Opernkarten für Breschkes hier drinsteckten und bis zum letzten Moment verschollen waren.“ Es war zwar ein Geschenk zum Hochzeitstag, gut aufgehoben im Opernführer, und der stand beim pensionierten Finanzbeamten in der Schrankwand, doch wozu sollte ich mit Einzelheiten den Prozess unterbrechen. Gerade jetzt, wo wir uns dem Ziel schon so weit angenähert hatten.

„Ich habe sie sicher in den Stutzflügel gesteckt“, teilte ich Hildegard beiläufig mit. Sie wollte gerade den Deckel des Instruments anheben, da hielt sie inne. „Du hättest dazu die Murano-Schälchen und die Seidendecke abnehmen müssen“, sagte sie mit einem gefährlichen Unterton. „Warum hättest Du das tun sollen?“ „Erst wollte ich sie in den Toaster legen“, begehrte ich auf, „der wird täglich benutzt, so wäre die Karte nie in Vergessenheit geraten.“ Sie wandte sich ab und verschwand im Schlafzimmer. Mit meiner Krawattensammlung würde sie genug zu tun haben.

Das Geräusch einer in sich zusammenfallenden Baustelle riss mich aus der Meditation. „Ich finde einfach nichts“, jammerte Hildegard. „Du hast noch genau vierhundert Euro in kleinen Scheinen in der unteren Schublade, drei Brillenputztücher und eine Schachtel Büroklammern.“ „Tatsächlich“, sagte ich erstaunt. „Würde es Dir etwas ausmachen, sie ins Bad zu bringen? Man weiß nie, wann man im Bad eine Büroklammer braucht.“ Sie verfehlte mich mit dem Pappschächtelchen nur knapp. Dreihundert Büroklammern würden schnell aus dem Teppich entfernt sein.

Schublade um Schublade zog sie auf, doch ohne Ergebnis. „Du solltest hier alles kartografieren“, schlug ich vor. „Die ganze Wohnung. Am besten mit einer Strichliste, oder noch besser: Karteikarten. Da kann man dann immer alles indiziert und in ordentlicher Reihenfolge eintragen, wenn mal etwas umgeräumt wird.“ Hildegard atmete deutlich hörbar ein. „Deine Wohnung hat Schwarze Löcher“, sagte sie. „Gut, dass Du noch nichts kartografiert hast“, antwortete ich erleichtert. „Du hättest am Ende eine Karte verloren.“

Sie tat, was sie in solchen Fällen immer tat, und ging einkaufen. „Wenn Du noch etwas brauchst“, ließ sie mich wissen, „dann sag es jetzt. Ich nehme noch einen von diesen Beuteln mit, die passen noch in meine Handtasche.“ Ansonsten waren in diesem ledernen Behältnis nicht viele Dinge, ein Schlüssel, ein Telefonbuch, ein Akkuschrauber, zwei Dosen Schuhcreme, eine halb fertiggestellte Kathedrale ohne Chor und mit fehlendem Westwerk, noch ein Schlüssel sowie eine Karte, die zur Abholung eines Postpakets berechtigte. „Du hattest Recht“, gab ich zu, „sie befindet sich doch in meiner Wohnung.“ Hildegard mopste sich. „Wenn ich die Krawatten wieder eingeräumt habe, werde ich kurz nachsehen, ob im Schlafzimmer noch Platz ist. Falls Du zufällig im Bad ein Bernsteinzimmer findest.“





Die anderen

18 04 2017

„Geben Sie mir nicht die Schuld – ich habe die Gesetze nicht gemacht. Sie schon. Also werden Sie den Murks auch mit ausbaden müssen.

Wir können Ihnen natürlich nicht nachweisen, dass die sexuelle Orientierung Ihrer Schwester für Ihre Kinder schädlich ist, aber das ist ja auch gar nicht das Problem. Sie können nicht nachweisen, dass sie unschädlich für Ihre Kinder ist. Das ist ein kleiner Unterschied, und seitdem Ihre Partei in der Regierung ist, sich die Gesetze ausdenkt und dem Bundestag zur Umsetzung überlässt, müssen Sie mit den Folgen eben auch leben. Schauen Sie mal, Ihre beiden Süßen werden sich in einer reinblütigen Aufzucht sicher viel besser fühlen als bei Ihnen. In ein, zwei Jahren haben die Sie vergessen, sie sind ja noch so klein, und dann wird nichts mehr daran erinnern, dass sie von so einem Menschenmüll wie Ihnen abstammen. Ist das nicht erhebend?

Meine Güte, jetzt heulen Sie hier nicht herum! Du bist nichts, Dein Volk ist alles – haben Sie das auf dem Parteitag nicht auch gebrüllt? Haben Sie? Leugnen ist zwecklos. In einem guten Polizeistaat kommt nichts weg. Sie wollten das so, jetzt kriegen Sie es auch. Ganz einfach. Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Sie waren politisch nicht immer zuverlässig. Wissen Sie noch, damals in der Studentenzeit? Marx gelesen, viel Kontakt mit Typen, die viel Kontakt mit Typen hatten, die Kontakt mit Typen hatten, die gegen den Staat waren? Nein, das ist nicht dasselbe – wir sind auch gegen den Staat, aber wir haben ihn ja inzwischen durch etwas ganz anderes ersetzt, also sind wir jetzt der Staat, da können wir doch nicht gegen den Staat sein, oder? Sie müssen immer bedenken, die ganze verlogene Scheiße, die Sie damals gegen den Staat und die Demokratie und die Elite und die Politik und was weiß ich noch alles erzählt haben, dieses ganze verlogene Zeug, das geistig minderbemittelte Arschlöcher glauben sollten, und Sie haben es geglaubt, weil sie halt ein geistig minderbemitteltes Arschloch sind, das alles wendet sich jetzt gegen Sie. Überrascht?

Also Sie waren mal politisch unzuverlässig, das zählt als Grund, dann das mit Ihrer Schwester, und dann sind Sie ja auch in der Gewerkschaft. Gut, das war damals legal, heute eigentlich auch noch, wobei – nein, das ist manchmal legal, manchmal ist es auch egal, das ist nicht ganz dasselbe, obwohl die Übergänge da eher fließend sind, aber wenn sich die Zeiten ändern und die Umstände, dann muss man manchmal auch ein paar Dinge neu bewerten.

Sie scheinen da ein paar grundlegende Dinge des Führerstaates nicht ganz kapiert zu haben. Selbstverständlich gelten für Parteimitglieder einige Ausnahmen. Das war schon immer so, das wird auch so bleiben. Sonst wäre das Modell ja für die meisten ängstlichen Opportunisten gar nicht mehr attraktiv. Allerdings sind manche, Sie gestatten mir diese etwas altmodische literarische Referenz, doch immer noch etwas gleicher. Sie dürfen manches bei anderen Leuten kritisieren, anprangern, Sie dürfen das brandmarken und drakonische Strafen fordern, aber Sie sollten auch wissen, dass Sie selbst das genauso trifft. Ihr Nachbar hat die Steuer beschissen und ist schwarz gefahren und trinkt heimlich? Sie sollten sehr vorsichtig sein, diese Maßstäbe gelten auch für Sie. Es sei denn, Sie sind in der Hierarchie der Partei so weit oben, dass für Sie überhaupt kein Gesetz mehr gilt. Dann kann Ihnen dieser ganze Krempel, Ethik und Moral und so was, letztlich egal sein. Sie werden jetzt lernen müssen, mit Ihrer Entscheidung zurechtzukommen. Das ist ja gerade der Witz an der Diktatur: man hat die Wahl, sich für oder gegen sie zu entscheiden, aber nur einmal.

Ach nein, das dürfen Sie uns nicht vorwerfen. Natürlich wollen wir auf Dauer an der Macht bleiben, wer will das denn nicht? Aber Sie müssen realistisch bleiben. Nichts dauert ewig. Sie haben möglicherweise Glück, weil Sie danach sagen können, dass Sie verfolgt wurden. Möglicherweise. Man weiß ja nie, ob Sie das überleben. Doch, das ist schon erheblich – für Sie jedenfalls, bei uns würde ich mir da nicht so große Sorgen machen. Wir haben möglicherweise – möglicherweise, wie gesagt – auch Probleme, aber wir gelten hinterher nicht als politisch unzuverlässig. Wir sind ja jetzt der Staat, deshalb kann das, was wir machen, auch nicht illegal sein. Wir werden hinterher auch wieder Richter und Professoren und Polizisten, Minister und Direktoren, schon weil es ja kaum jemanden geben wird, der das überhaupt werden könnte. Wir reduzieren im Augenblick das verfügbare Personal dafür, deshalb haben wir später auch so gute Karten und schwimmen wieder oben.

Aktuell werfen wir Ihnen vor, dass Sie die falsche Abstammung haben. Sie können ja nichts dafür, selbstverständlich nicht, aber das ist letztlich nicht wichtig. Sie haben sich früher immer dafür ausgesprochen, die Abstammungsfrage ins Zentrum der politischen Bewegung zu rücken – jetzt holt Sie das ein, weil wir noch ein paar Generationen weiter in Ihrer Familiengeschichte gegraben haben als versprochen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Sie das alles wollten. Sie müssen uns jetzt nicht dankbar sein, das nun gerade nicht, aber Sie geben hoffentlich nicht uns die Schuld, dass wir letztlich nur das tun, was Sie immer wollten.

Nach links. Ziehen Sie am besten schon mal die Schnürsenkel raus. Wir wollen doch nicht, dass Ihnen jetzt schon etwas zustößt.“





Siegessäule

17 04 2017

„… keine Gefahr bestehe, wenn Trump in einer Kutsche durch Berlin gefahren werde. Der US-Präsident habe vor der Reise persönlich mit Gott besprochen, dass er keinerlei…“

„… zu Protesten mit der Linksfraktion geführt habe. Der zuletzt von Kaiser Wilhelm II. benutzte Zugwagen müsse erst instand gesetzt werden, was mit Kosten in Höhe von…“

„… mit einem kompletten Verdienstausfall zu rechnen sei. Die Berliner Taxifahrer hätten daher angekündigt, den Präsidenten durch zahlreiche Auffahrunfälle zu…“

„… die komplette Achse von der Heerstraße bis zum Brandenburger Tor befahren wolle. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von drei Kilometern pro Stunde rechne man in den späten Abendstunden mit der Ankunft des…“

„… körperliches Unwohlsein in ihrem Alter eine große Gefahr darstelle. Merkel wolle daher den amerikanischen Gast weder innerhalb noch außerhalb ihres…“

„… habe Trump einen Jobboom angekündigt. Allein für die Kutschfahrt habe das Weiße Haus fünf Millionen US-amerikanische Jubler angestellt, die sich auf eigene Kosten mit Frachtmaschinen nach…“

„… die vorgesehenen Winkelemente noch mit Hammer und Sichel in Auftrag gegeben habe. Die US-Administration könne diesen Deal jedoch nicht mehr rückgängig machen, da sonst mit Mehrkosten in erheblicher…“

„… das Finanzamt Charlottenburg evakuiert werden müsse. Trump habe nichts zu verbergen, weil alle Meldungen über etwaige Schulden bei deutschen Investoren gelogen oder von Hillary Clinton aus klassifizierten Dokumenten entnommen worden seien, aber…“

„… und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen würden. Da sämtliche Dächer entlang der Route überprüft werden müssten, sei mit einer Vorlaufzeit von mindestens…“

„… die angekündigten Jubelfachkräfte nicht rechtzeitig nach Deutschland ausfliegen könne, da der geplante Hauptstadtflughafen bis zum Herbst dieses Jahres wohl nicht…“

„… die Fähnchen aus der Ivanka-Trump-Kollektion zum Stückpreis von neun Dollar auch in den USA verkauft würden. Wahrscheinlich sei der Erlös jedoch nicht ausreichend, um die…“

„… die Berliner Polizei kritisiert habe. Trump wolle während seines Aufenthaltes in der deutschen Hauptstadt keine muslimischen…“

„… gefragt habe ob man auf der Kutschfahrt einen Abstecher nach Belgien machen könne. Das Auswärtige Amt habe dies bedauert, es handle sich dabei weder um einen Berliner Bezirk noch um…“

„… die Fähnchen aus chinesischer Fertigung seien. Die Öffentlichkeit habe dadurch nur erfahren, weil der deutsche Zoll sich widerrechtlich in die…“

„… das Denkmal für die Sowjetischen Soldaten vor der Vorbeifahrt entfernt werden müsse. Im Falle einer Zuwiderhandlung habe die US-amerikanische Regierung mit Wirtschaftssanktionen, einer militärischen Intervention sowie dem Boykott der Olympischen…“

„… von der deutschen Polizei eine komplett mit schusssicherem Glas verkleidete, aber offene Kutsche verlangt habe, um von allen Besuchern am Straßenrand…“

„… das Gefährt vorab nach New York zu liefern, um Übungsfahrten vom Regierungssitz im Trump Tower bis zur…“

„… die NSA nicht sicherstellen könne, dass alle europäischen Terroristen ausreichend überwacht würden. So müsse man insbesondere mit rechten Gewalttätern rechnen, die vom Verfassungsschutz als folkloristische…“

„… den Botschafter einbestellt habe. Bei einem angekündigten Besuch im Herbst wolle Putin nicht nur mit der Kutsche nach Berlin, sondern auch quer durch die…“

„… für die Dauer seines Aufenthalts das Bundespräsidialamt sowie Schloss Bellevue provisorisch an der Fahrtroute nachbauen solle. Trump beabsichtige, im Vorbeifahren dem Bundespräsidenten zuzuwinken, da sonst Fake News behaupten würden, er habe ihn in Europa gar nicht…“

„… einen Umweg über den Alexanderplatz machen müsse. Die Präsidentengattin wolle ihre erste Schuhkollektion im…“

„… auf einem Foto die Berliner Freiheitsstatue gesehen habe. Trump wolle unbedingt durch eine dreimalige Umrundung die…“

„… nicht möglich sei, das Kaiserliche Wappen durch ein Trump-Logo zu ersetzen. Er müsse für die Dauer seiner Fahrt als…“

„… wünsche sich Trump eine originalgroße Kopie der Freiheitsstatue für den Garten hinter seinem Büro in diesem Haus, in dem er ab und zu mit diesen Typen, die er schon mal…“

„… der Vatikan das Gesuch der Überlassung eines Papamobils für den Trump-Besuch abschlägig beschieden habe. Papst Franziskus habe den amerikanischen Präsidenten als durchgeknalltes Arschloch bezeichnet, das gefälligst seine…“

„… die Kutschfahrt für Trump zu hohe Risiken berge. Das Übergewicht des Staatsgastes sei für die Kutsche technisch nicht…“





Spaltpilz

16 04 2017

Das haben sie sich wahrhaft fein ausgedacht. Beim Zusammenkehren des gesammelten Hirnschrotts –in der AfD reichlich unter der Bezeichnung Parteitag erhältlich – stellt die nationalsozialistisch orientierte Fraktion fest, dass sie ohne die andere Hälfte, größtenteils vorbestrafte Hasardeure, nur verfassungsfeindliches Gepöbel für eine ordentliche Fundamentalopposition zusammenkriegt. Diese Blödkolben, größtenteils nur in der Politik, weil die Privatinsolvenzen über ihnen zusammenschlagen, haben außer Gestammel, dass sie jetzt doch nicht auf Frauen und Kinder schießen oder Begriffe wie völkisch positiv besetzen wollen, nichts gegen die Braunalgen zu bieten. Sie entscheiden sich folgerichtig für den Spaltpilz. Was vorher jeden rechten Haufen in den Orkus getreten hat, wird ihnen bestimmt zum Sieg über den demokratischen Rechtsstaat verhelfen. Alle weiteren Anzeichen, dass wir keine Alternativen brauchen, schon gar nicht für Deutschland, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • narzisstischer schwiegersohn: Trump musste sich irgendwann entscheiden.
  • alternative wahrheit: Der Schlager aus dem Hause Schrödinger.
  • liebeswunschzettel: Arbeiten Sie erst mal an Ihrem Marktwert.
  • kueche pussycat-deluxe: Ein Dosenöffner sollte reichen.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXVIII)

15 04 2017

Wenn Zdzisław beim Training in Mantel
Gewicht vermisst samt der Hantel,
dann kommt es wie immer
meist harmlos, oft schlimmer
zu Wutanfall, Zorn und Gegrantel.

Jean-Paul kocht für Gäste in Y.
Den wahren Geschmack trifft er nie,
sie finden es salzig,
zu fade und schmalzig.
Sie sind halt aus der Normandie.

Es ärgert Marie in Neuwedel
beim Nähen das trotzige Mädel.
„Sie ist bei den Stichen
recht langsam, verglichen,
und will auch noch, dass ich einfädel!“

Umberto, der wusch sich in Nals
die Ohren, jedoch nie den Hals.
Die Sorge, sie packte
ihn, dass es dort knackte
beim Wenden. Das ging keinesfalls.

Für Paweł, den Müller in Sager,
war nichts so schön wie seine Lager.
Hier schaufelt das Korn er
von hinten nach vorn her
und züchtet sich Katzen und Nager.

Es wühlt Léon in Liedekerke
sich durch die gesammelten Werke
von Friedrich von Schiller,
wird stiller und stiller –
die Klassik ist nicht seine Stärke.

Weil Bogdan sich wundert in Mehlsack,
sagt er: „Wohin ich auch das Mehl pack,
es ist immer fort, wenn
ich’s suche – auf Wort, denn
man weiß, dass ich nie ohne Mehl back.“