Dramaturgisch akkurat

15 06 2022

Ich musste zugeben, diesen Teil des Studiogeländes kannte ich gar nicht. Weit hinter den großen Hallen für Talkshows, Quizsendungen und Seifenopern lag ein unscheinbarer Bau, fast eine Baracke, die ihre beste Zeit längst hinter sich gehabt haben musste. Aber die Nummer stimmte, und die klapprige blaue Limousine neben dem Tor sagte mir, dass Siebels schon vor mir angekommen war. Ich trat ein.

Auch von innen sah das Gebäude aus wie eine Lagerhalle, die sich mit den Jahren in eine Deponie zu verwandeln schien. Nur im hinteren Teil, wo die Beleuchtung von der rostigen Deckenkonstruktion reflektiert wurde, war eine Art Kulisse improvisiert worden, eine Wand aus himmelblau gestrichenem Sperrholz, ein paar Quadratmeter schräg am Boden festgeklebter Teppich von minderer Qualität, zwei Drehsessel, ein arg zerschrammtes Rednerpult aus Plexiglas. Nahm man das Bild nur knapp links und rechts von den beiden Sesseln auf, so merkte man keinen Unterschied zu den üblichen Studios, in denen sich Politiker interviewen ließen. Auf dem Kontrollmonitor wirkte die ganze Szenerie seltsam nüchtern, aber nicht halb so müde und abgehalftert wie im Original. Siebels saß in seinem Faltstuhl, schwenkte den Automatenkaffee im Pappbecher mit lustlosem Kreisen herum und nickte mir zu. Ich setzte mich neben ihn.

Jetzt erst bemerkte ich den dumpfigen Geruch der abgestandenen Luft. „Wir haben lange gesucht“, sagte der Produzent, „und wir haben das Passende gefunden.“ Hinten, wo sich ein Verschlag befand, musste die behelfsmäßige Maske sein. Das Licht fuhr ein wenig herunter, dann trat er sichtlich agil q die Bühne. „Für einen Parteichef sieht er doch geistig derart reichlich belanglos aus“, flüsterte ich. Aber das konnte sicher auch Tarnung sein. Jedenfalls saß der Anführer der Liberalen dort souverän und leicht angespannt in einem leise knarrenden Sessel, der sich nicht ohne Mühe drehen ließ, so dass er die dazu nötige Anstrengung krampfhaft verbergen musste. Aber vielleicht gehört ja auch das schon zur Inszenierung.

Die Interviewerin gab sich keine große Mühe mit dem routiniert ausweichenden Politiker, der auf ihre Fragen gar nicht erst antwortete, sondern gleich ein dramaturgisch akkurat wie inhaltlich miserabel einstudiertes Potpourri an Propagandagewäsch vom Stapel ließ. Er dozierte ohne Ansehen der Sache, es bereitete körperliche Schmerzen, das Geschwätz anzuhören. „Worum geht es eigentlich?“ Siebels zog die Schultern hoch. „Um ihn.“ Er stellte den leeren Becher leise auf die Armlehne. „Es geht ihm immer nur um ihn, das ist das das Angenehme – Sie können ihn vor ein Mikrofon setzen und anschalten, dann lassen Sie ihn reden, und wenn die Sendezeit zu Ende ist, schalten Sie ihn einfach wieder ab.“ So hatte ich das noch gar nicht betrachtet.

Die Moderatorin brauchte eine kleine Pause – sie war, genauer gesagt, keine Moderatorin, sondern eine Kulturredakteurin, die bald eine neue Sendung im Abendprogramm übernehmen sollte und einige Monate lang wenig zu tun hatte. „Dafür reicht’s“, befand Siebels. „Sie versteht sowieso mehr als er von Politik, was aber auch nicht besonders schwer sein dürfte.“ „Das heißt, hier wird im Grunde derselbe Monolog immer und immer wieder aufs Neue aufgezeichnet und ausgestrahlt?“ Er nickte. „Er merkt es allerdings nicht, und das dürfte auch auf einen Großteil der Zuschauer zutreffen.“ Ich begriff: so sicherten sie gemeinsam die Existenz des Senders. Bei der Partei hatte es ja auch geklappt.

Die Moderatorin kam wieder, und sie machte einen Fehler: sie hörte ein wenig zu lange zu, was der Politiker gerade von sich gab. Siebels kicherte. Sie verdrehte die Augen. „Ich wusste gar nicht, dass der Mann geistig derart verkümmert ist.“ Er schüttelte den Kopf. „Das täuscht“, antwortete er, „er war noch nie besonders gut ausgestattet.“ Der Mann im Maßanzug schwafelte einfach weiter. Ob es ihn überhaupt interessierte, wer ihm zuhört? „Wir gehen nicht davon aus“, schnitt Siebels den Faden ab. „Das ist ja auch Sinn der Veranstaltung.“

Ich war irritiert. Vielleicht hatte ich den Ernst der Sache nicht verstanden? „Erstens“, begann er, „sind viele froh, dass wir ihn endlich von der Straße weg haben – stellen Sie sich mal vor, er würde den Mist in noch mehr Talksendungen, auf öffentlichen Plätzen oder vor intellektuell zurechnungsfähigen Bürgern von sich geben.“ Mich schauderte. „Und zweitens befriedigen wir damit sein Interesse, seine kruden Thesen in dem abzusondern, was er für ‚die Medien‘ hält.“ „Sie meinen“, überlegte ich, „es ist gar nicht so wichtig, ob jemand zuhört, solange er ein Mikrofon vor der Nase hat?“ Siebels nickte. „In dem Fall: eine Kamera.“ Plötzlich ergab alles einen Sinn. „Vierundzwanzig Stunden Getöse“, grinste er. „Sollte der Laden absaufen, kriegt er es erst danach mit, und bis dahin sind wir verschont von diesem sinnlosen Schmus.“ Das Konzept war durchdacht, auch die Justiz- und Verkehrsfragen wurden von der medialen Dauerfliegenfalle abgedeckt, sogar ein paar Altlasten, die man sonst nicht nüchtern vors Mikrofon bekam. „Komplettprogramm“, kicherte Siebels, „wir nehmen sie in freiwillige Geiselhaft.“

Drinnen erklärte der selbstverliebte Idiot mit ansteigendem Sprechdruck zum zehnten Mal, dass er Grundrechenarten für Kommunismus hielt. Die Tür kreischte in den Angeln, als stürzte der Bau in nächster Sekunde über dem Trauerspiel zusammen. „Was für eine Lachnummer“, spie ich hervor. „Ich frage mich, wer das ausstrahlt.“ Siebels prustete durch die Nase. „Seit wann zeichnen wir den Unfug denn auf?“





Reichspflegedienst

14 06 2022

„… sich für die Einrichtung eines Pflichtjahres für alle Jugendlichen ausgesprochen habe. Steinmeier wolle die Debatte um eine breite gesellschaftliche Mehrheit zur Lösung vieler Probleme wieder in den öffentlichen und allgemein geführten…“

„… positiv aufgenommen worden sei. Hätten die Klinikkonzerne zuletzt die Gehälter für Pfleger senken müssen, weil der Zivildienst abgeschafft worden sei, so könnte man jetzt die Bezahlung noch einmal erheblich senken, da Fachkräfte nur noch für jugendliche Pflichthelfer zuständig seien, nicht aber für Pflege, Dokumentation oder den…“

„… auch in anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen gut funktionieren könne. Im rechten SPD-Flügel sehe man analog zu einer Jugendstrafe, die ja neben dem Gedanken staatlich organisierter Rache für individuelle Probleme auch pädagogische Elemente enthalte, wie dies in den Hartz-Gesetzen bereits sehr erfolgreich für eine…“

„… neben dem Einzelhandel auch Gastronomie und Hotels von Personalproblemen betroffen seien. Die Betriebe könnten unbezahlte befristete Kräfte gut integrieren, da bereits jetzt zahlreiche Schüler, Studenten und Auszubildende Erfahrungen in einem Nebenjob als…“

„… für die CDU einer der besten Vorschläge der letzten Jahre sei. Allerdings gehe der Gedanke für Merz nicht weit genug, wenn die Verweigerung nicht mit langen Haftstrafen verbunden sei und…“

„… integriere das Pflichtjahr auch finanziell benachteiligte Familien, die von ihren Kindern eine Beteiligung am Haushaltseinkommen erwarten würden und sich nun solidarisch zeigen könnten mit der Gesellschaft, die sie durch kreative Maßnahmen zur Einsparung im eigenen…“

„… fordere das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine sofortige Verkürzung der Schulzeit, da sonst das Alter der Jugendlichen nach Ausbildung oder Studium noch schneller anstiege. Zehn Jahre seien für eine Verwertbarkeit in den meisten Betrieben ausreichend, so der führende…“

„… es dem Bundespräsidenten vor allem um den Abbau von Vorurteilen gehe. Dies richte sich weniger an Politiker, die kaum Berührungspunkte mit der Bevölkerung hätten, sondern eher an die Jugendlichen, dass Politiker nicht doch voll coole Moves machen könnten, die direkte Auswirkung auf das Leben von…“

„… keine weiteren Mittel bereitstellen werde. Lindner sehe nach Investitionen in die Bundeswehr und Tankrabatt keinen Anlass zu sozialen Spenden, die zudem den Bundesfreiwilligendienst als bisher finanziell attraktive Möglichkeit für…“

„… sehe die Kultusministerkonferenz in der Vorlage einen guten Weg. Anders als in den allgemeinbildenden Schulen, die sich auf die Aufgabe konzentrieren müssten, die arbeitenden Eltern von der Betreuung zu entlasten und parallel die Durchseuchung mit Corona zu organisieren, könne ein Pflichtjahr soziale Kompetenzen und Disziplin vermitteln, die sich positiv auf die Eingliederung ins Arbeitsleben und in die…“

„… die Durchleuchtung der Dienstanbieter dem Verfassungsschutz überlassen werde. Es dürfe keine Beschäftigung in staatsfeindlichen Organisationen unterstützt werden, die sich zum Beispiel durch Kritik an mangelndem Klimaschutz außerhalb des politisch erwünschten…“

„… die Bezeichnung ‚Reichspflegedienst‘ in einem internen Papier der SPD nur metaphorisch gemeint sei. Es gehe hier auch vorwiegend darum, die Ableistung des Pflichtjahres zur Voraussetzung für die Zulassung zur Berufsausbildung in einer…“

„… einen breiten parlamentarischen Konsens finde. Sollte die Einführung eines Pflichtjahres gegen Artikel 12 des Grundgesetzes verstoßen, so werde die Koalition von Justizminister Buschmann einen handwerklich sehr, sehr gut gemachten…“

„… sich Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen ein Beispiel an den Dienstverpflichteten nehmen könnten. Für beide sei die Situation nicht befriedigend, außerdem werde die Qualität der Leistungen erheblich absinken. Indem sie sich mit Kritik zurückhalten würden, hätten sie ebenfalls eine Chance, sich solidarisch zu verhalten und den Jugendlichen eine positive…“

„… 600.000 Jobs an Dienstpflichtige vergeben könne. Die Bundesagentur für Arbeit erwarte davon eine spürbare Marktentlastung, die bisher nicht durch Zuwanderer oder…“

„… bereite eine einjährige, nicht entlohnte Tätigkeit in Vollzeit viele Jugendliche aus ärmeren Familien auch hinreichend aufs Leben vor. Wer bis dahin nicht von ALG II gelebt habe, könne so eine bessere Nachvollziehbarkeit des späteren…“

„… es keine Absprachen mit der Bundeswehr gebe, den Wehrdienst wieder einzuführen. Um die Waffenlieferungen an befreundete Staaten jedoch zu unterstützen, könnte sich die Rüstungsindustrie ein einjähriges Praktikum in der Fertigung von…“

„… werde es der Markt regeln. Für die FDP sei auch denkbar, dass Pflegehilfen mit einem geringen Geldbetrag entlohnt würden, beispielsweise in Form eines Ein-Euro-Jobs, der den Übergang in eine Ausbildung als natürliche Folge des…“

„… es sich um sozialversicherungspflichtige Arbeit handele, die weder entlohnt noch auf die gesetzliche Rentenversicherung angerechnet werde. Die Bundesregierung sehe in der Konfrontation mit den asozialen Auswüchsen des Arbeitsmarktes eine charakterbildende Maßnahme, die eventuell erst im Nachgang zu einem besseren Sozialverhalten bei den…“





Bundesregulierung

13 06 2022

„Aber doch nicht so! Wir wollten, dass Sie das da regeln, wo der Markt das geregelt hat, wo wir nicht wollten, dass das der Markt regelt! Der soll ja auch regeln, aber nicht so, wie das alle gesagt haben, dass das nicht so wird, wir alle das gesagt haben!

Sie als Wirtschaftsminister müssen jetzt so schnell wie möglich dem Bundeskartellamt sagen, dass die das machen, was sie auch dann machen würden, wenn Sie es nicht sagen würden – so genau wissen wir auch nicht, was die da machen, das ist ja sonst Sache des Justizministers, aber der ist nun mal ein inkompetenter Versager, weil uns ja alle gesagt haben, wir sollen keinen inkompetenten Versager zum Justizminister machen. Also Sie als Wirtschaftsminister müssten dem Bundeskartellamt jetzt mal irgendwas sagen. Vielleicht haben die gar keine rechtliche Handhabe, das haben nämlich alle gesagt, die wir vorher gefragt hatten, aber das hat der Justizminister noch nicht verstanden.

Klar könnten wir selbst im Bundeskartellamt nachfragen, wir als Liberale sind ja die wichtigste Partei in der Bundesregierung, und wenn wir erst mal kapiert haben, worum es dabei eigentlich geht, dann wären wir, die FDP, als FDP sofort zu einer rechtsstaatlich absolut knallharten Nachfrage im Bundeskartellamt bereit. Aber machen können wir es eben nicht – ich meine, wie würde denn das aussehen? Wir als FDP verhindern, dass der Markt regelt oder auch nicht regelt, das muss uns ja noch einer erklären, und wollen dem Bundeskartellamt irgendwas verbieten, nein – also nicht verbieten, sondern eben dafür sorgen, dass die knallhart mit den Mitteln des Rechtsstaates irgendwas machen, dass der Markt irgendwas regelt oder verbietet oder nicht doch tut? Das ist doch Sozialismus!

Sie sind doch in dieser Verbotspartei, wissen Sie denn nicht, wie man da irgendwas so macht, dass am Ende irgendwas so rauskommt, dass es nicht verboten wird, sondern nur vom Markt so geregelt wird, dass am Ende nicht alles verboten ist?

Natürlich wissen wir, dass das jetzt auch nichts mehr bringt, weil die Kraftstoffpreise ja von uns so reguliert worden sind, dass sie nicht mehr geregelt werden können. Deshalb wollen wir ja auch, dass Sie zum Bundeskartellamt gehen und da fragen, ob man da nicht beim nächsten Mal gleich irgendwas regeln könnte, weil ja diesmal alles unreguliert ist. Sie können ja jetzt nicht sagen, dass Sie als die Bundesregulierung, nein – Bundesregierung eine Regelung des Marktes haben wollen. Das kann das Bundeskartellamt gar nicht. Also der Justizminister sagt das Gegenteil, und das war ja noch nie richtig. Aber jetzt können Sie nicht einfach die Regulierung regeln, das wäre ja, als würden Sie in Krankenhaus gehen, obwohl das Bein schon gebrochen ist. Also viel zu spät. Das hätten Sie natürlich viel früher zu spät wissen müssen!

Können Sie denn da gar nichts machen? Bei der Bankenkrise ging das doch auch: wir haben alle das Geld in ein schwarzes Loch geschmissen, und die kleinen Leute haben dafür bezahlt, und dann war auf einmal wieder mehr Geld da als vorher, aber nur bei denen, die vorher schon welches hatten. Sie sind doch Wirtschaftsminister, Sie müssten doch genug vom Geld verstehen, dass Sie wissen, wo das herkommt? Wir als FDP würden das ja auch selbst machen, aber bisher haben wir angenommen, Geld sei einfach immer da, und wenn nicht, nehmen wir es halt an, von wem auch immer.

Wenn Sie jetzt uns als FDP hängen lassen, dann werden Sie das noch bitter bereuen. Schauen Sie mal, als Wirtschaftsminister haben Sie doch einen attraktiven Posten – Sie können sich in aller Ruhe um Klimaschutz und Energiewende kümmern, weil Sie wissen, dass wir Ihnen Knüppel zwischen die Beine schmeißen werden. Sie müssen da gar nichts machen, irgendwann ist es vorbei, und dann kriegen Sie ein paar hübsche Aufsichtsratsposten, auf denen Sie ordentlich Kohle scheffeln können. Wenn Sie sich jetzt gegen uns stellen, werden Sie am Ende Bundeskanzler, unter Umständen sogar ohne uns. Das kann doch nicht Ihr Plan sein?

Nein, Sie als Wirtschaftsminister müssten jetzt mal einsehen, dass das Bundeskartellamt bisher noch nichts hat machen können, weil es kein Gesetz gibt, mit dem man irgendwas machen könnte, und neue Gesetze sind ja immer ganz schwierig. Das sagt ja auch der Justizminister, auch wenn der zu wenig Ahnung hat, wie das mit den Gesetzen geht. Das würde dann auch nicht der Wirtschaft helfen, sondern nur den Verbrauchern – ich weiß nicht, ob das schon wieder Sozialismus ist, da müssten wir auch noch mal jemanden fragen, der das weiß, aber wenn wir das schon nicht verstehen, dann ist es ja klar, dass das für den Justizminister auch viel zu schwierig ist. Und für den Verkehrsminister ist das Ende des Tankrabatts auch viel zu kompliziert, weil ja jetzt schon die, die vorher schon gewusst haben, wie der Markt das regelt oder nicht, sagen, dass die Konzerne, die den Tankrabatt nicht weitergeben, nach dem Ende des Tankrabatts die Preise noch mal erhöhen, weil dann ja der Tankrabatt, der den Markt geregelt hat, weg ist, und dann muss der Markt das alles wieder regeln, und das können wir ja nicht machen, weil dann die Preise vom Markt reguliert, nein – weil die komplizierten Preise, die der Markt regelt, dann am Ende sind. Und vielleicht wir auch, aber eigentlich wollten wir ja noch nicht. Also wir wollen den Markt, der keinen Wettbewerb mehr hat, durch Regulierung mehr Wettbewerb verschaffen, und Sie fragen da einfach mal nach, ob das so geht, wie sich das der Markt vorgestellt hat. Und wenn Sie das schaffen, dass Sie das nicht hinkriegen, dann bleiben wir der Regierung. Deal?“





Aus den Augen

12 06 2022

Bereits 2019 nahmen Wissenschaftler an 19 Stellen des Ross-Schelfeises Schneeproben, die nun das zeigen, was sie nicht zeigen sollten: Mikroplastik. 29 Partikel pro Liter Schmelzwasser, kleiner als fünf Millimeter, dreizehn Arten biologisch nicht abbaubarer, synthetischer Polymere aus Flaschen oder Textilien. Schnell gefertigt, schnell verbraucht und schnell entsorgt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Unglücklicherweise hat die Menschheit damit nicht nur einen der entlegensten Orte der Erde verseucht, sie hat das Abschmelzen der Polkappen durch die Plastikeinlagerungen beschleunigt. Damit schaffen wir auch das antarktische Ökosystem ab, das einige Millionen Jahre Zeit hatte, um sich an die extremen Umweltbedingungen anzupassen. Das Fernziel des Planeten, die invasive Art Homo sapiens sapiens loszuwerden, rückt also noch schneller noch näher. Auch das haben wir längst aus den Augen verloren. Alle weiteren Anzeichen, dass die Überraschungen der Zukunft weder gut noch überraschend sein werden, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • lindner kernkraft: Er ist halt vielseitig ungebildet.
  • tanken ukraine: Vielleicht liefert Scholz ja bald Tanks.
  • merkel wiederwahl: Merz lässt die CDU wie einen Unfall aussehen – oder war’s umgekehrt?
  • impfpflicht deutschland: Sie können natürlich auch lieber an Masern versterben.
  • inflation mindestlohn: Zum Glück steigen nur Zinsen und Boni.
  • markt fdp: Ohne Zweitstimmen wäre diese Trümmertruppe schon längst final wegreguliert worden.
  • öpnv kosten: Was da für ein Geld draufgeht, das man den Autofahrern schenken könnte.
  • scholz digitale agenda: Er scannt jetzt ausgedruckte Mails wieder ein.
  • enkeltrick cdu: Braucht Amthor schon wieder Kohle?




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXCVII)

11 06 2022

Es pflegte Tadeusz in Pflichten
am Namenstag sämtlicher Nichten
die Bilder zu machen.
Man muss drüber wachen,
sonst wird er sie noch falsch belichten.

Will Nathalie neulich in Pinetown
beim Holzhändler einfach mal reinschauen,
so hat der fürs Feuer
auch gar nicht mal teuer
viel Buche, und will’s auch noch klein hauen.

Es sitzt Bronisława in Rache
des Nachts auf der Polizeiwache.
Dass Schlaf sie nicht fand dann,
strengt sie sich mit Kant an
vom Ding an sich und von der Sache.

Von Asbjørn, da weiß man in Tau,
er spielte zu gerne Mau-Mau.
Nach Jahren und Assen
konnt er es kaum fassen:
so fand er zuletzt seine Frau.

Jüngst fand Wanda preiswert in Plathe
im Laden ein Päckchen mit Mate.
Sie brühte ein Tütchen
und fühlte ein Mütchen,
das ihr nun recht lebhaft gerate.

Oft tanzt Graham in Kwangwanase
sich absichtlich fast in Ekstase –
nur fast, denn er lauert,
auch wenn er’s bedauert,
beim Tanzen stets auf seine Blase.

Es ließ sich Eugeniusz in Reichen
zu Diensten beim Doktor erweichen,
der Leichen sezierte,
was schnell dazu führte,
dass er vorzog, davon zu weichen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXVIII): Lärm

10 06 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Hin und wieder, wenn der geneigte Bürger so gar nichts Besseres zu tun hat, überlegt er kurz, ob sich der Auftritt mit einer Mistgabel in seinem Alter noch schickt, um dann mit erhobenem Krückstock plärrend am Zaun vor dem Kindergarten zu stehen, bebend in den morschen Knochen, kurz vor dem finalen Bersten des Überdruckventils, wie er seine Gehhilfe schüttelt und mit Klage droht, Klage vor einem ordentlichen Gericht. Die Zöglinge aber, die nur tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht daran hindert, haben nur gespielt, und das mit der ihnen eigenen Geräuschentfaltung. Für Anwohner, die aus der Großstadt kommen, an der Hauptverkehrsader gelebt haben, ist diese Vorortszenerie Kriegsgrund und Rechtfertigung in einem. Wo auch immer in den überschaubaren Besiedelungen der Menschen die Knalltüten auftauchen, die die Korrelation von Randlage und Hühnerzucht intellektuell abrauchen lässt, jene unterkomplex veranlagten Klötenkönige, die neben einer dreihundert Jahre alten Kirche ihre Behausung bauen, um dann juristisch gegen das Glockengeläut vorzugehen, geht es vorherrschend um Kenntnisnahme anderer Existenzen außerhalb des eigenen Schädels, vulgo: um Lärm.

Schranzt der Nachbar mit dem Motormäher über seinen Rasen, entwickelt der durchschnittliche Dummschlumpf ad hoc Toleranzen jenseits der bisherigen Vorstellungskraft. Es hätte ja auch sein eigenes Gras sein können, er selbst der Schnitter und die Uhrzeit ähnlich ungünstig zur Mittagsruhe gelegen. Grenzfälle wie die Tischkreissäge beim Bau, gleichförmiges Tackern, Krampe um Krampe, das ist Ausdruck fleißiger Tätigkeit, wie sie nun mal zur bürgerlichen Gesellschaft gehört. Dreht jedoch der Anrainer Chopin bei geöffnetem Balkonfenster ein klein bisschen lauter, schwillt dem Popelprinzen der Kamm. Spielt er dann die Polonaise As-Dur op. 53 gar selbst, was am Konzertflügel den Einsatz des Kopfhörers unmöglich macht, wirft der Hansel seinerseits die Stalinorgel an, um dem schier völkerrechtswidrigen Treiben ein fulminantes Ende zu bereiten. Das knarzende Kreischen einer nur unzulänglich geölten Kinderschaukel hat sich längst einen Namen in der Kriminalstatistik gemacht, es steht knapp hinter dem Radau, den zwei bis drei kleine Kinder bei der Benutzung eines aufblasbaren Schwimmbeckens erzeugen. Nach Ansicht der von Recht und Gesetz getriebenen Bevölkerungsgruppe ist dieser Doppelstandard durchaus legitim, gilt er doch auch für das Heimtier: der eigene Hund ist keine lästige Schallquelle, er bellt ja bloß.

Die einfachste psychoakustische Deutung ist die, dass die meisten Bescheuerten rhythmisches Gedonner aus der Maschine oder das monotone Rauschen jenseits des Autobahnzauns als das ausblenden, was es ist: Hintergrundrauschen. Auch das schwiemelt noch genug Kortikosteroide in die Blutbahn, lähmt die Konzentration und erschwert den Schlaf. Die schädigende Wirkung von Knall und Krawall sind bekannt, sie führen über Bande nicht selten bei den Betroffenen zur Entfaltung von Geschrei und Gewummer, weil man ja sein eigenes Wort in der ohrenbetäubenden Umgebung nicht mehr versteht. Ein sich selbst organisierender, ins Destruktive hochschaukelnder Prozess führt dann dazu, dass ein vom motorisierten Brüllmüll in den Wahnsinn getriebener Hohlrabi das Kind am Zaun anpöbelt, weil es ihm zu laut atmet.

Wir verfolgen die Lärmemission nur da, wo der vermeintliche Todfeind mit Bordmitteln zur Strecke gebracht werden kann, statt gegen den Stresspegel in der Einflugschneise zivilen Ungehorsam zu üben, einer Gebietskörperschaft ein Rudel Anwälte auf den Hals zu hetzen, Scharen von Gutachtern durch die Landschaft zu schicken und damit der Ordnung mit Schmackes eins in die Kniekehle zu kloppen. Hat der gemeine Dämlack erst einmal eine ihm nicht überlegen scheinende Stelle im System entdeckt, auf die er sich mit seiner Aggressivität stürzen kann, so wird er sich in guter alter Manier aus der Opferrolle gegen alles wenden, was ihm nicht schadet, solange er es nur verbieten kann. Ist der sich Beschwerende dann seiner Meinung nach auch noch im Recht, weil die anderen bei offenem Fenster böser Musik aus Stromgitarren lauschen, kommt jene hässliche Verhaltenskomponente dazu, bei der jeder Zweck jedes Mittel heiligt. Auch hier bleibt die Kriminalstatistik nicht selten stumm.

Und so ruft vieles Streit hervor, was als lästig empfunden wird, obwohl es zwingend notwendig ist, etwa der Mensch, der früh am Morgen Schnee von den Wegen schippt, den Rechen über feuchtes und rutschiges Laub kratzt, die Tonnen an den Rand der Zufahrt rollt. Wären Schnee, Blattwerk und Kehrricht nicht entfernt, der Bescheuerte hätte erst recht einen Grund gefunden, sich aufzuplustern, damit seine Wehklage angemessen Resonanz findet im gellenden Gezänk. Und da sind wir wieder bei dem geifernden Gevatter, der vor der Kita steht und nachdrücklich seine Ruhe haben will. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es, dem Alten seinen Stock wieder in die Austrittsöffnung zu pfropfen, weil sein Geschrei den Anwohnern auf die Plomben geht. Eine sozial durchaus verträgliche Maßnahme, bei der alle aufatmen. Hörbar.





Praktische Anschauungszwecke

9 06 2022

„… als neues Schulfach eingeführt werden müsse, um die Leitkultur endlich wieder auf ein nationales Fundament zu stellen. Merz wolle in seiner ersten Kanzlerschaft den Wehrkundeunterricht zu einer…“

„… ihm Nüsse in den Käfig spucken werde, sobald sein Gefasel ihn interessiere. Für Scholz sei die Diskussion damit beendet, da er sich nicht in…“

„… sich nach Plänen der Union nicht um eine Ergänzung der Fächer Geschichte, Politik und Sport handeln solle. Wichtiger als die Verankerung in der erziehungswissenschaftlichen Ausbildung sei die Authentizität, die durch die Armee selbst in einer viel besseren Qualität und mit wesentlichem…“

„… könne die FDP sich eine integrative Lösung vorstellen. Stark-Watzinger halte die Ableistung einer allgemeinen militärischen Dienstpflicht etwa ab der achten Jahrgangsstufe für mehrheitsfähig, wenn im Gegenzug nicht wehrfähige Kinder eine zusätzliche…“

„… das System Schule im gesellschaftlichen Kontext zwar neu gedacht werden müsse, sich aber immer an der beruflichen Zukunft der Kinder orientieren müsse. Spahn habe kein Interesse an Fächern wie Umweltkunde oder Wirtschaft, da dem durchschnittlichen Schüler damit nur überflüssige Fakten vermittelt würden, die seinen Pflichten als Staatsbürger, Verbraucher und Wähler nicht…“

„… der Drogenbeauftragte der Bundesregierung den Plänen eine klare Absage erteilt habe. Blienert halte das Risiko, frühzeitig in Kontakt mit Alkohol zu kommen, auch ohne Bundeswehr für zu hoch und wolle es nicht noch fahrlässig durch den…“

„… das Einsickern militaristischer Inhalte etwa durch das Herstellen chemischer Kampfstoffe im Unterricht eine viel gefährlichere Alternative sei, da derartige Kenntnisse beispielsweise von Islamisten oder Linksterroristen verwerdet werden könnten, um die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern. Merz werde nur einen Lehrplan dulden, der für verfassungskonforme Ziele und…“

„… dass die Schulzeit nach Kubickis Ansicht nicht effektiv genug genutzt werde. Eine Verlegung praktischer Unterrichtseinheiten auf die Ferien sei ein guter Kompromiss, um seine Berufswünsche im praktischen Felde auszuprobieren und sich danach für einen…“

„… die Bundeswehr ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro fordere, allerdings bis auf Weiteres als jährliche Zahlung. Nach Angaben der Armee könne ein sinnvoller Unterricht nur mit der ausreichenden Ausstattung an voll funktionsfähigen Waffensystemen einschließlich einer Reserve…“

„… werde die AfD als Koalitionspartner die Pläne der CDU selbstverständlich unterstützen. Die Liebe zur Wehrmacht sei nach Höckes Ansicht dem deutschen Volk durch jahrzehntelange Hetze gegen große Helden der Geschichte eingeimpft worden, die sich männlich und tapfer der Vernichtung der Rasse durch Polen, Juden und…“

„… im Gegensatz zum Religionsunterricht für Stark-Watzinger kein Anspruch der Kinder bestehe, das Fach zu verweigern. Da bei Ausbildungsbeginn die Schüler noch minderjährig seien, dürfe ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung nicht von den Schulen oder ihren…“

„… nach der Mehrheitsmeinung der Union verzichtbar sei. Die Abschaffung des Schulfachs Ethik könne im Gegenteil eine kognitive Dissonanz verhindern, wenn sie gleichzeitig mit einem…“

„… Anteilen im Sportunterricht, die aus dem Bereich Selbstverteidigung kämen, eine Absage erteile. Minderheiten, und seien es Frauen, könnten nach Merz’ Meinung auch ohne staatliche Gelder eine eigenverantwortliche…“

„… die CDU jedem Ausbilder der Bundeswehr das Versprechen abnehmen werde, keine NS-Devotionalien an Schulkinder auszuteilen. Ob in Einzelfällen zu praktischen Anschauungszwecken die Überlassung entwendeter Kriegswaffen und Munition aus halbprivaten Beständen geduldet werden, wolle Kretschmer erst nach einer Phase der Evaluation gemeinsam mit den Führern des…“

„… dass der deutschen Jugend wieder Werte vermittelt werden könnten. Disziplin und Gehorsam seien für Chrupalla ebenso wie die Ablehnung minderwertiger Rassen oder das…“

„… auch für Kinder aus migrantischen Familien eine Chance biete, frühzeitig Berufsperspektiven zu finden. Spahn schlage vor, bei einer Verpflichtung in der Bundeswehr könne eine Einbürgerung auch bei abschiebungspflichtigen Kriminellen durch eine beschleunigte…“

„… nur unter der Bedingung zustimmen werde, dass im Gegenzug Killerspiele verboten würden. Bosbach befürchte, dass der auch mit christlichen Werten zu vereinbarende Tötungswille durch das Interwebnetz zu einer entmenschten, linksradikalen oder anderweitig satanistischen…“

„… mehrere Abgeordnete in den Handel mit Handgranatenattrappen verwickelt seien. Ob alle CSU-Parlamentarier zuvor schon an Maskendeal beteiligt gewesen seien, könne derzeit nicht…“

„… einen Ausweg für Eltern schaffen wolle, die Teilnahme ihrer Kinder am Wehrkundeunterricht zu vermeiden. Lindner halte eine Ausgleichszahlung von 50.000 Euro pro Kind für sozial ausgewogen, da dies nicht die natürliche Auslese störe, die durch die aktive Mitarbeit in der Armee und ihren…“

„… das im Freistaat Sachsen unterrichtete Fach Rechtserziehung beibehalten wolle, da man es ohne Änderung des Namens mit einem ideologisch neu ausgerichteten Inhalt im jetzigen Kanon der…“





Trostpflaster

8 06 2022

„Man muss auch neue Maßnahmen probieren, um den Bürgern einen Anreiz zu geben.“ „Aber doch nicht so!“ „Außerdem kostet das alles das Geld der Steuerzahler.“ „Wir dürfen uns als Staat hier nicht erpressen lassen.“ „Sehr richtig!“ „Wir reden schon noch über fahrscheinlosen Nahverkehr, oder?“ „Ich dachte, wir sind der Ausschuss für den Tankrabatt.“

„Es werden hier Steuergelder verschwendet, die wir an anderer Stelle viel mehr brauchen.“ „Aber das Ergebnis kommt doch beim Steuerzahler an.“ „Nicht bei den denselben.“ „Ich finde, dass hier die Reichen eklatant benachteiligt werden, weil die gar nicht mit der Bahn fahren.“ „Außerdem sind viele von denen so reich, dass sie gar keine Steuern mehr zahlen.“ „Nicht umgekehrt?“ „Auf jeden Fall wird eine ganze Bevölkerungsschicht hier abgekoppelt, weil sie sich nicht solidarisch beteiligen kann.“ „Ich finde, da ist doch so ein Tankrabatt als Trostpflaster gar nicht genug.“ „Sehr richtig!“

„Und stellen Sie sich die Stellenstreichungen in den Transportunternehmen vor, da werden ja kaum noch Fahrkarten verkauft.“ „Kommen die nicht aus dem Automaten?“ „Und wer füllt die auf?“ „Es muss ja auch kontrolliert werden in den Zügen.“ „Und man kann auch nicht alle in den Fernverkehr schicken.“ „Haben wir nicht gerade Personalmangel in den Bereichen?“ „Jetzt spielen Sie nicht das eine Problem gegen das andere aus!“ „Ich dachte…“ „Das sind diese rhetorischen Tricks, mit denen auch das bedingungslose Grundeinkommen verharmlost wird!“ „Vor allem haben wir viel zu wenig Züge für den Bedarf.“ „Kann man es nicht auch so sehen, dass der Bedarf trotz fehlender Züge so hoch ist?“ „Das hieße ja, dass wir eine unterfinanzierte Bahn fahren lassen.“ „Und was machen wir jetzt?“ „Jetzt stellen Sie sich mal vor, die Grünen gewinnen die nächste Wahl, dann kommt diese Verkehrswende tatsächlich.“ „Bis dahin kann man doch noch mal abwarten, wie es sich entwickelt.“ „Wir haben die Pilotprojekte doch schon in anderen Ländern.“ „Das würde ja hier nie funktionieren, weil das eben nicht in Deutschland ausprobiert wurde.“ „Ist ja beim Tempolimit dasselbe.“ „Und wenn wir einen großen Feldversuch starten würden?“ „Das wird viel zu teuer!“ „Sehr richtig!“ „Außerdem bräuchte man dafür mindestens drei Monate.“

„In den anderen europäischen Städten zeigt sich außerdem, dass vor allem Fußgänger und Radfahrer auf den Nahverkehr umsteigen.“ „Das finde ich nun wieder gut, die sind mir sowieso immer im Weg, wenn ich im Auto durch die Stadt fahre.“ „Also wird der öffentliche Personennahverkehr einfach öfter genutzt, wenn man ihn preiswerter macht?“ „Das ist ein hervorragendes Argument.“ „Ja, für den Tankrabatt.“ „Man könnte die Züge sehr viel besser ausstatten und sie dafür nur noch alle paar Stunden fahren lassen.“ „Oder die meisten Züge verkehren auf kaum nachgefragten Nebenstrecken, bei denen keiner mehr zusteigt, und sind wegen der geringen Verzögerungen endlich mal pünktlich.“ „Ich sehe, wir kommen einem Kompromiss näher.“ „Wozu brauchen wir hier überhaupt einen Kompromiss?“ „Man muss es den Kunden schon schmackhaft machen, aber ihnen muss auch klar sein, dass sie für so ein Billigangebot keine Leistung kriegen.“ „Stimmt, wir sind ja in Deutschland hier.“

„Andererseits könnte man die Übergewinne, die die Mineralölkonzerne gerade einstreichen, auch mit einer ordentlichen Steuer belegen.“ „Das ist ja menschenfeindlich!“ „Schlimmer noch, das ist Hass auf die Wirtschaft!“ „Wir gehen Sie mit dem Geld der Steuerzahler um!“ „Vom Tankrabatt sieht doch der Steuerzahler keinen Cent?“ „Nein, aber er zahlt ihn ja schließlich.“ „Dann wäre ich eher dafür, dass wir die Steuereinnahmen wieder in den Tankrabatt stecken.“ „Das heißt, die Konzerne sollen ihren Rabatt selbst zahlen?“ „Das kann doch schon rein rechnerisch gar nicht funktionieren.“ „Fragen Sie mich nicht, ich kann nicht rechnen.“ „Ich ja auch nicht, darum bin ich in die Politik gegangen.“

„Vor allem können wir jetzt nicht neue Züge bestellen, wo wir die schon überall die Schienen entfernt haben.“ „Man könnte neue legen.“ „Dann haben wir aber kein Geld mehr für Züge.“ „Oder wir legen so lange neue Schienen, bis wir wieder Geld haben für neue Züge.“ „Wo kriegt man denn mehr?“ „Sie meinen Schienen oder Züge?“ „Nein, als Aktionär.“ „Vielleicht könnte man hier mal die Übergewinne wegsteuern?“ „Dann hätten wir auch mehr Geld für den Tankrabatt.“ „Und müssten da keine Übergewinne wegsteuern.“ „Das klingt nach einem sozial ausgewogenen Konzept.“ „Dann müsste aber den ganzen Nahverkehr kostenlos sein, wenn die Leute es bisher erdulden mussten, in dem maroden System unbeschadet von A nach B zu kommen.“ „Das ist mir jetzt doch zu polemisch.“ „Man könnte ja eine Kaufprämie für E-Autos extra für bisherige Nahverkehrsteilnehmer ausloben.“ „Das würde die Situation ändern, aber vermutlich nur kurzfristig.“ „Weil dann alle ihre Monatskarten sammeln, um die Prämie zu kriegen, richtig?“ „Sehr richtig!“ „Nein, ich meinte eher…“ „Also schlecht ist die Idee nicht.“ „Zumindest nicht sehr viel dümmer als der Kram, den Lindner und Buschmann unter sich lassen.“ „Sehr richtig!“ „Die ganze Welt wird über Deutschland lachen.“ „Und was machen die jetzt?“ „Plus ein 50-Euro-Ticket für alle, die neu in den Nahverkehr einsteigen.“ „Aber auch für alle Verkehrsverbünde?“ „Das kostet alles das Geld der Steuerzahler!“ „Dann machen wir ein kostenloses Netzticket für alle, auf die ein Auto zugelassen ist.“ „Stimmt, der soziale Ausgleich.“ „Super!“ „Dann wären wir ja durch.“ „So, dann reden wir jetzt mal über den Tankrabatt.“





Verkehrswert

7 06 2022

„… eine Umgestaltung des öffentlichen Raums für das 21. Jahrhundert viel Geld erfordere, das nach Ansicht der Liberalen jedoch gut angelegt sei. So werde eine Reform des Straßenbildes, das die autofeindlichen Auswüchse vergangener Epochen endgültig aus dem…“

„… allein der Dom die Fläche von etwa 2.700 Pkw-Parkplätzen blockiere. Zusammen mit der Domplatte und angrenzenden Grundstücken könnte nach der Entfernung der Kathedrale in der Kölner Innenstadt ein verkehrsfreundliches Areal, das für den Einzelhandel und zur Modernisierung der…“

„… sich auch die Stuttgarter Innenstadt sehr gut eigne. Mit dem ersatzlosen Abriss des ehemaligen Hauptbahnhofs könne die neue neunspurige Straße zwischen B27 und B14 den Bebauungsplan des Bezirks dahingehend befrieden, da nun nicht mehr entschieden werden müsse, welche Gebäude noch von der einheitlichen Einebnung des…“

„… sich in Dresden ein Kompromiss anbahne, da die FDP gemeinsam mit anderen rechtradikalen Kräften das Zentrum als fußgängerfreie Zone und kostenfreien Parkplatz einrichten wolle. Falls sich die Union für eine Multifunktionsfläche ausspreche, die nationalsozialistische Spaziergänge erlaube, sei ein Kompromiss möglich, bei dem nur Radfahrer, Ausländer und Demokraten gänzlich aus dem…“

„… Ausschachtungen unter der Kirche den Bau einer Tiefgarage beschleunigen würden. Wissing sehe keine Probleme beim Abriss, wolle jedoch den Auftrag zunächst mit einigen Geschäftsfreunden besprechen, damit eine öffentliche Ausschreibung die Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen nicht unnötig…“

„… Grünflächen in der Dresdner Innenstadt nicht für die Klimaregulierung im Regenwald nötig seien. Lindner plane daher ein Pilotprojekt, das die Erforschung der Brennstoffzelle für SUVs und Sportwagen aus deutscher Produktion in den bald entstehenden Werken in Freital, Coswig und…“

„… den Westfalenpark bisher falsch bewertet habe. Die nordrhein-westfälische Regierung werde in Kooperation mit dem Verkehrsministerium die bisher an der B54 verfügbaren Parkplätze zu einer Gesamtfläche verbinden, die 30% des in Dortmund insgesamt vorhandenen…“

„… sich in Richtung Esslingen hektarweise nicht befahrbarer Grünflächen befänden, die als Kurzstreckenschnellstraßen ohne Tempolimit den Bedürfnissen vieler Autofahrer entgegenkämen. Lindner sehe auch in Abschnitten von fünfzig bis siebzig Metern schon signifikant den Verkehrswert der Schwabenstadt steigernde Strecken, die der Autoindustrie die entscheidenden Impulse zur…“

„… den Verkehrsfluss am Konrad-Adenauer-Ufer erheblich verbessern werde. In einem ersten Bauabschnitt plane die Kommission alle hundert Meter eine Rheinquerung, zu deren Anschlüssen auch die als Stadtautobahn erweiterte B55 sowie die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Trasse der…“

„… und den Alten Elbtunnel erweitere. Mit der Überbauung der Landungsbrücken durch einen zunächst bis Wilhelmsburg reichenden Highway, der als neues Wahrzeichen der Hansestadt gedacht sei, könne der Individualverkehr insbesondere die Luftqualität im Hafen durch eine verringerte oder wenigstens verzögerte Ausbringung von Feinstaub auf den südlichen Teil der…“

„… mit der Errichtung eines zwanzigstöckigen Parkhauses auf dem Tempelhofer Feld zwar die Verfügbarkeit von Abstellflächen für die Region Berlin-Brandenburg erfüllt sei, andererseits jedoch Anfahrtswege von bis zu 85km in Kauf genommen werden müssten. Die FDP sei allerdings von der Signalwirkung des Projekts für die Bauwirtschaft überzeugt und halte eine Fertigstellung wie bei ähnlichen Vorhaben der Verkehrsinfrastruktur in der Region für äußerst…“

„… sich der Neckar flussabwärts zwischen Bad Cannstadt und dem Hafen für eine komplette Überbauung eigne. Da es kein Bundesgesetz gebe, das die Überbauung des Flusses verhindere, halte Buschmann die Anlage einer Umgehungsstraße für verfassungskonform und wolle zeitnah mit einem handwerklich sehr gut gemachten Gesetz die…“

„… eigne sich Frankfurt nur eingeschränkt zur Realisierung moderner stadtplanerischer Vorhaben. Lindner habe viel Verständnis, dass Aktionäre die drohende Enteignung angrenzender Grundstücke als Angriff auf ihre finanziell erheblich im…“

„… eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik landschaftlich problematischen Erscheinungen wie dem Baldeneysee mit innovativen Konzepten für eine wirtschaftsfreundliche Nutzung begegne. Nach der Zuschüttung des Gewässers könne die Planung der Rennstrecke für erlebnisorientiertes Fahren mit über 300 km/h sowie ein neuer Stadtteil mit Klinik und Krematorium südlich der bisher…“

„… bei Verkehrsvorhaben auch die ländlichen Standorte nicht vergessen werden dürften. So halte Wissing eine sternförmige Zusammenführung aller Bundesautobahnen in der Lüneburger Heide für ein Win-Win-Konzept, bei dem Naturflächen, die oft zur Konfrontation mit Landschaftsschutzbehörden geführt hätten, durch eine zielgerichtete…“

„… durch mehrere Schläge mit einem Maßkrug auf den Hinterkopf getroffen worden sei. Da die Einebnung weiter Teile von Giesing nicht mit der Landesregierung abgesprochen worden sei, hätten die Fans des 1. FC Bayern München die Sprengung an der Säbener Straße durch eine Menschenkette verhindern wollen, bis der Bundesverkehrsminister durch eine unbedachte Bemerkung in Hinsicht auf die preußischen Tugenden der…“





Bestandsaufnahme

6 06 2022

„Keine WLAN-Kabel in der Bahn – damit sollen die Arbeitslosen jetzt kostenlos durch Deutschland fahren!? Das ist mal wieder typisch für diese Sozen, Hauptsache Geld raushauen, aber wo das ankommt, kümmert die nicht. Das haben wir besser gemacht!

Das war zu unserer Zeit jedenfalls ganz anders, weil wir uns mit den Entscheidungen Zeit gelassen haben. Sechzehn Jahre. Aber das wird sich rächen, glauben Sie mir, die sind jetzt fast ein halbes Jahr am Ruder, und was haben die bisher geschafft? Also man kann an Merkel viel kritisieren, aber wir haben nicht einfach die Hände in den Schoß gelegt und dem Krieg zugesehen. Was Digitalisierung angeht, da hatten wir so viele Baustellen auf einmal, von denen kriegt dieser Kanzler nicht einmal eine fertig! Wie will man denn die Pandemie bekämpfen, wenn man nicht einmal ausreichend Faxgeräte hat? Das kann ich Ihnen aus meiner politischen Erfahrung schon mal verraten, diese Ampel hält keine vier Jahre durch. Die sind jetzt schon am Ende.

Oder nehmen Sie diesen hastigen Ausstieg aus dem russischen Erdöl – das machen die einfach so zwischen Tür und Angel, das kann ja einfach nicht gut gehen. Wir haben uns damals noch die Zeit für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands unter Berücksichtigung der internationalen Beziehungen genommen, zum Beispiel mit China. Wenn wir den Chinesen nicht ausreichend Zeit gelassen hätten, gäbe es da heute keine florierende Solarindustrie, und wir müssten die notwendigen Anlagen für die Fotovoltaik alle allein bauen. Und selbst da passiert ja nichts, schauen Sie sich die Regierung mal an! Alleine dieses Schneckentempo beim Ausbau der Windkraft – was haben wir da in den letzten Jahren alles ohne die SPD vorgelegt!

Überhaupt sind hier doch gar keine Visionen, wie wir das als bürgerlich-konservative Partei der Mitte hatten. Wenn Sie sich, sagen wir mal: 2010 ein Auto gekauft haben, dann wussten Sie, damit können Sie rechtssicher so schnell wie möglich von A nach B fahren, bis das Ding kaputt geht, falls wir nicht irgendwann eine Prämie auflegen, mit der Sie sich ein neues kaufen können, obwohl das alte noch fährt. Heute müssen die armen Konzerne sich selbst um den Verkauf kümmern, das muss man sich mal vorstellen! Die müssen selbst festlegen, wann sie aus dem Verbrennungsmotor aussteigen! Das ist doch nicht fair! Wir haben zwar großartige Firmen, die sind in der Lage, das ganze Bahnsystem eines Landes zu erneuern und an die internationale Spitze zu bringen, aber das kaufen doch nur die Ägypter, die haben eh so viel Sand, dass sich da keine Autos lohnen. Nennen Sie das Wirtschaftspolitik?

In Afrika können die Leute mit europäischer Technologie doch gar nichts anfangen, denen hätte man viel besser Fotovoltaik verkaufen können, wenn man denn welche aus deutscher Produktion gehabt hätte. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz: die Sozen gehen eben nie strategisch vor, die warten hier eine Bankenkrise ab oder den Krieg oder die Inflation, und dann können sie auf einmal nur noch reagieren. Wenn wir uns das als CDU geleistet hätten, auf Krisen zu reagieren, wir wären doch nie wiedergewählt worden!

Und der Klimaschutz, gut und schön, aber ich sehe immer noch nicht, dass im Ahrtal ein Jahr nach dem Jahrhunderthochwasser irgendwas aufgebaut worden wäre. Da zieht sich unser Klimakanzler mal wieder elegant aus der Affäre. Wir werden das ja sehen, wie es bis 2025 weitergeht, jedenfalls habe ich die Befürchtung, dass die Jahrhunderte in der Hinsicht immer kürzer werden, und was machen wir dann? Wir haben noch kein schlüssiges Konzept vorgelegt bekommen, was die Bundesregierung in Bezug der Versäumnisse in den letzten anderthalb Jahrzehnten zu tun gedenkt. Anderthalb Jahrzehnte, in denen die Gefahr irreversibler Schäden für den Standort Deutschland, die Versicherungskonzerne und den Binnenkonsum unaufhaltsam angestiegen sind, ohne dass wir bis heute eine Lösung haben! Das ist doch vorsätzlich!

Und dann nehmen Sie den ganzen Bereich der inneren Sicherheit, das fängt an bei Radikalen in der Polizei und in der Bundeswehr, wobei natürlich die Umwandlung der Armee nach dem Ende der Wehrpflicht kräftig mitgeholfen hat: Sie können das nicht einfach mit einer Studie aus dem Weg räumen, wie das unsere Innenminister aus gutem Grund für Jahre verhindert haben, und dass es dabei natürlich um Kosteneinsparungen ging, die nur zu Lasten der Armee gingen, das wird einem ja schlagartig klar, wenn man diesen plötzlichen Gesinnungswandel der SPD sieht. Sie wollen das Geld gar nicht für die Landesverteidigung ausgeben, schon gar nicht für die dringend benötigten Atomwaffen, die wir nur nicht angeschafft haben, weil ein halbes Dutzend internationaler Verträge und das Grundgesetz dem im Weg stehen. Für die müsste es doch ein Leichtes sein, sich über solche Hürden hinwegzusetzen, wir haben das doch auch gemacht. Und die Verfassung war uns wirklich oft im Weg.

Sechzehn Jahre lang haben wir das gemacht, was den Deutschen halt am besten gefällt: erst mal gucken, dann mal sehen. Man muss mit der Politik doch im Rahmen der Möglichkeiten bleiben, damit man nicht plötzlich in eine Richtung geht, die sich gar nicht lohnt. Wenn wir jetzt das Klima retten, und in ein paar Jahrzehnten kommt diese schlimme Erderwärmung gar nicht – wofür denn dann dieses ganze Theater? Aber das sage ich Ihnen, Freiheit, Wohlstand, Generationengerechtigkeit, Sicherheit, Bildung, Pflege, wenn sich Scholz da heranwagen will, dann haben wir ihn! Und diesmal brauchen wir keine sechzehn Jahre!“