Dolchstoß

17 08 2021

„… von der Geschwindigkeit der Entwicklung sehr überrascht gewesen seien. Man habe sich um den Vormarsch der Taliban nicht gekümmert, da der Bundesnachrichtendienst nächste Meldungen zur Lage in Afghanistan erst nach der Wahl zum…“

„… sich nicht habe melden können, da er sich mit Opfern der Flutkatastrophe habe unterhalten wollen. Am Rande der Eröffnungsparty eines Küchenstudios in Bochum-Günnigfeld sei Laschet mit Vertretern der Alternative für…“

„… aus dem Skandal im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gelernt habe. Seehofer wolle jeden Kontakt mit Ausländern, die noch nicht abgeschoben worden seien, nur noch auf eine ganz rechtssichere…“

„… eine suboptimale Logistik beklage. Maas sei aber davon überzeugt, dass die Ausfuhr von 29 Paletten vorrangig habe behandelt werden müssen, da alkoholische Getränke möglicherweise als neue Provokation für radikalislamische Kräfte in…“

„… alles getan werden müsse, um Helfer der Bundeswehr außer Landes zu bringen. Dazu sei es allerdings notwendig, schriftliche Arbeitsverträge in deutscher Sprache, eine Tätigkeitsbeschreibung gemäß §2 NachwG sowie drei in Folge ausgestellte Entgeltnachweise für die…“

„… bisher die Forderung erhoben hätten, schon im Heimatland einen Einwanderungseintrag zu stellen. Seehofer fürchte jedoch die Lebensgefahr für EU-Beamte in Afghanistan und sei daher der Ansicht, es sei für Flüchtlinge zumutbar, sämtliche Unterlagen bei einem Anerkennungsverfahren auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland zu…“

„… das Personal der deutschen Botschaft in den sozialen Medien fortwährend vor dem Vordringen der Islamisten gewarnt habe, was allerdings durch Arbeitsüberlastung nicht bis in die Bundesregierung durchgedrungen sei. Im Kanzleramt werde man gleich nach der Wahl drei neue Faxnummern für den Kontakt mit auswärtigen…“

„… könne die Lufthansa Aufgaben übernehmen, alle erforderlichen Personen aus der Krisenregion auszufliegen. Altmaier werde sich innerhalb der kommenden Wochen mit einem Kreditangebot von mehreren Milliarden Euro an die…“

„… sei Laschet strikt gegen den Import immer neuer Flüchtlinge. Es sei deutschen Männern nicht mehr zu vermitteln, dass er die in seinem Land nicht mehr selbst vergewaltigen dürfe, weil er die Konkurrenz aus islamischen…“

„… dass in Kabul keinerlei Kampfhandlungen stattgefunden hätten. Die Bundesregierung sehe dem Besuch einer Wirtschaftsdelegation daher mit großer Hoffnung entgegen und hoffe auf eine schnelle Einigung, was die Transportwege der…“

„… bisher keine ersichtlichen Zusammenhänge gebe. Zwar seien die Bundeswehr in Afghanistan nicht von der sinnvollen Tätigkeit ihrer Mission zu überzeugen gewesen, personelle Überschneidungen mit rechtsextremistischen Verbänden in der Heimat seien jedoch nicht beweisbar und würden von der jüdischen Linksfraktion als Dolchstoß gegen die…“

„… sei die Maschine des Bundespräsidenten an einem derzeit nicht bekannten Ort notgelandet und auf Grund technischer Probleme nicht startbereit. Es könne innerhalb der nächsten Wochen mit einer Entscheidung gerechnet werden, ob sich die Flugbereitschaft an Rettungsaktionen in…“

„… sich Merkel ausdrücklich hinter den Außenminister gestellt habe. Maas sei noch nicht sicher, welche Anschlussverwendung er für die…“

„… eine 180-Grad-Kehrtwende in der deutschen Erinnerungskultur angekündigt habe. Laschet werde der getöteten Soldaten immer dann gedenken, wenn die Erhöhung der Energiepreise sich für den kleinen Mann gegen den linken Terror der…“

„… der Antrag der Grünen, Ortskräfte zügig zu retten, wegen prinzipieller Bedenken abgelehnt worden sei. Die Fraktionsspitzen der Koalitionäre seien sich sicher gewesen, dass dies im Einklang mit der EU-Menschenrechtscharta stehe, was weitere Schwierigkeiten mit innenpolitischen…“

„… mit entschlossener Härte reagieren werde, wenn die Bundesregierung von ihren NATO-Partner dazu aufgefordert worden sei. Kramp-Karrenbauer wolle eine umfassende Bestandsaufnahme aller funktionsfähigen Waffensysteme der Streitkräfte abwarten, die nach wenigen Minuten mit der…“

„… dass Laschet vorgeschlagen habe, der afghanischen Bevölkerung vor Ort zu helfen. Durch den Einsatz deutscher Missionare könne man die Islamisten mittelfristig zu fundamentalistischen Katholiken umerziehen, die sich besser mit der…“

„… treffe die Bundesregierung in diesem Fall keine Schuld. Offenbar hätten die Ressorts nicht ausreichend Berater beauftragt oder aber mit nicht zielführenden Arbeitsaufträgen bedacht, um vom Geschehen außerhalb der Berliner Drogen- und Stricherszene eine belastbare…“

„… Laschet und Gauland zu einer Einigung gefunden hätten, was Flüchtlinge betreffe. Um die Abschiebequote auch während der Schwarz-Braun-Koalition auf einem hohen Niveau zu halten, werde man junge Männer für kurze Zeit ins Land lassen. Mit der sofortigen Rückführung müssten allerdings Frauenrechtlerinnen und…“

„… werde Merkel für eine gemeinsame Lösung werben, die durch ein internationales Abkommen festgeschrieben werden könne. Die Kanzlerin sei sicher, dass die internationale Staatengemeinschaft jede Bedrohung bewältige, die die Menschheit als friedlich gestimmte und kooperative…“





Kreuzzug

15 11 2010

„Dreck? Ich muss doch sehr bitten, Herr Kollege! Sie versündigen sich am Grundgesetz. Sie können doch nicht einfach die Sicherheitsbestrebungen der Bundesregierung als Dreck bezeichnen!“ „Kann ich nicht? Weil die Hemmschwelle der Regierung, ein Kolonialdenken nachgerade wilhelminischer Art zu etablieren, rapide sinkt?“ „Das mag in einigen Fällen zu Konflikten führen, aber Sie sollten es nicht überbewerten.“ „Weil die kriegerischen Aktivitäten, wie ich sie umgangssprachlich nennen möchte, längst eine Doktrin zur ökonomischen Interessensicherung der Westalliierten stützt?“ „Es geht doch nicht um Interessensicherung. Nur um Sicherheitsinteressen.“

„Der Bedarf an Rohstoffen steigt eben.“ „Vor allem hat unser Verteidigungsminister betont, dass der Rohstoffbedarf der aufstrebenden Mächte in Zukunft ansteigen wird. Der Mann ist lebensmüde.“ „Weil die Bundeswehr jetzt schon Probleme mit der Truppenstärke hat?“ „Weil er Indien und China den Krieg erklärt. Wer so etwas von sich gibt, sollte in der geschlossenen Abteilung hocken, aber nicht im Kabinett.“ „Aber er greift doch China gar nicht an.“ „Sie haben den Streit um die Seltenen Erden schon gut verdrängt?“ „China hat die Ausfuhr von Erzen blockiert.“ „Zwanzig Prozent der relevanten Erze, die richtige Versorgungslücke entstand durch die amerikanischen Konzerne, die die Lager im eigenen Land lieber nicht abbauen, weil das zu wenig Profil bedeuten würde.“ „Das würde doch heißen, dass er ohne Wehrpflichtige in den Wirtschaftskrieg zieht? Sind Sie so naiv?“ „Sind Sie so naiv? Haben Sie nie an eine Berufsarmee gedacht? Ein Söldnerheer haben Sie auch nie in Erwägung gezogen?“ „Das kann man in einer Demokratie nicht machen!“ „Es wird unsere Freunde in den USA freuen, wie Sie über staatsrechtliche Fragen denken.“

„Drehen wir das doch mal um. Wir können nicht eine Auseinandersetzung, die wir als notwendig ansehen…“ „Notwendiger Krieg – das scheint das neue bellum iustum zu sein, wenn ich mich nicht täusche?“ „Es ist doch aber nur eine Maßnahme, die den Weltfrieden…“ „Und das dürfen wir umgangssprachlich mit ministerieller Billigung als Krieg bezeichnen, was? Entweder lügt der Mann, oder er ist ein Feigling.“ „Sollten das die strategischen Interessen sein, die er angesprochen hat?“ „Jedenfalls haben sie keinen Angriffskrieg vorbereitet, sie sind ins Kanonenboot gehüpft, als es schon auf See war. Die Verfassung macht sich daran, Interventionsarmee für den Kolonialclub zu werden. Die reichen, christlichen Länder zeigen es den Rohstoffproduzenten.“ „Das klingt ja wie ein Kreuzzug.“ „Und so ist es gemeint: Deus lo vult.“ „Da es sich hier um die Stellvertreter der christlichen Idee handelt…“ „… kann man von einem Stellvertreterkrieg reden. Ganz richtig.“

„Diese Kreuzzugs-Metaphorik in allen Ehren, es mag da etwas dran sein, aber ich finde es etwas übertrieben.“ „Durchaus nicht. Die historischen Parallelen sind frappierend. Ein von langer Hand geplanter machtpolitischer Coup, um vom Versagen der bisherigen Regierungsarbeit abzulenken, alle westlichen Kräfte militärisch unter einer Ordre zu sammeln und sie zur Stabilisierung in einen Krieg zu schicken, gegen den Feind, den man methodisch zu einem Popanz aufgebaut hat, den man auf der einen Seite als ultrabrutalen, bis an die Zähne bewaffneten Gegner darstellt, jederzeit bereit und in der Lage, das christliche Abendland auszuradieren, und auf der anderen Seite als leicht zu besiegendes Häufchen, das man mit ein paar mies ausgerüsteten Landsern in die Knie zwingt. Mit singendem, klingendem Spiel, für Volk, Vaterland und DAX. Sie dürfen sich aussuchen, ob Sie Guttenberg für größenwahnsinnig halten oder für einen Deppen.“

„Natürlich ist die Lage nicht einfach. Sie wissen doch auch, dass der internationale Terrorismus die finanziellen Mittel aus solchen Operationen holt.“ „Sie meinen also, die islamistischen Organisationen bekämen Prozente, wenn Brasilien die Ausfuhr von Neodym stoppt?“ „Nein, aber…“ „Oder wollen Sie mir damit erklären, China gehöre neuerdings zum islamischen Kulturkreis?“ „Man muss sich doch zur Wehr setzen, es sind doch regelrecht faschistische Zustände dort!“ „Meinten Sie Dubai oder Saudi-Arabien?“ „Man kann doch ein System, das seine Politik mit religiösen Vorstellungen begründet, nur vollkommen ablehnen! Und diese religiösen Vorstellungen am besten gleich mit!“ „Sie meinten sicher den Ablass und den nie welkenden Ruhm im Himmelreich, ja? Oder verwechsle ich es mit dem Papst, dem Oberhaupt des Bundespräsidenten, der zur Vereinfachung der Hausordnung die Vorhölle abgeschafft hat? Übrigens an Führers Geburtstag.“ „Das ist pure Polemik! Sie werden nicht erwarten, dass wir uns an religiösen Vorstellungen abarbeiten wie der Islam!“ „Sicher nicht. Mit Feindesliebe kommen Sie nun mal nicht an Rohöl.“ „Sie vergessen, dass das christliche Abendland mit der Demokratie über die Errungenschaft verfügt, die…“ „…der christlichen Obrigkeit in jahrhundertelanger Mühe abgetrotzt wurde. Das nennen Sie christliche Leitkultur? Die Schnapsbrenner haben die uns die Abstinenz gebracht – unfassbar!“ „Wollen Sie etwa behaupten, es gäbe einen Zusammenhang zwischen der Bezugnahme auf christliche Werte und den Abbau der Demokratie in Deutschland?“ „Sicher nicht. Aber Guttenberg löst das Problem mit Fachkräftemangel und Migranten sicher auch militärisch. Wo doch Bildung ja inzwischen als Rohstoff verteidigt werden muss.“

„Wenn dem Bundesverteidigungsminister die Soldaten so wenig bedeuten, warum führt er dann eine Sonderstufe der Verdienstmedaille ein? Doch sicher nicht, um der Truppe seine Geringschätzung zu demonstrieren, wie Sie das andeuten.“ „Das Stückchen Blech stiftet der Ölprinz, um seine Rolle als künftiger König und Kriegsherr schon mal in der Öffentlichkeit auszuprobieren. In Kriegszeiten pappt Ihnen die Kanzlerin das Bonbon an – er macht es im umgangssprachlichen Frieden eben in Vertretung seiner selbst als kommender Kanzler. Der fürstliche Heerführer, der Herr in Krieg und Frieden, bereitet Deutschland auf eine neue Zeit jenseits der Demokratie vor.“ „Dann hat Köhler die Wahrheit gesagt.“ „Er wird einen Orden dafür bekommen. Den Pour le Profit am Bande.“ „Alles nur taktische Vorarbeit für eine bundespolitische Karriere…“ „… als Karl-Theodor der Große.“ „Dann stimmt es. Deutsche Soldaten fallen für einen Scheißdreck.“





Vollhorst

31 05 2010

„… und hier der Platz voller gedicht… dichter Leute, stehender, dichter, stehender… also stehend dicht, verdichtet, verstanden? Ja, ich weiß ja auch nicht so recht, ob das zu schmierig… schwierig meine ich, schwierig, ja? Ist aber auch schwer, das ist Schwester… schwerster Arbeit, für schwere, für Schwestern, die sich sicher hier versichern: hier in der schönen, in der, diese Anstalt, die – nein, halt! Veranstaltung, die Sie hier in der, durch der, die Anstalt hier veranstaltet, ja, dass Sie auch sehen, dass es nötig war, was ich hier zur Sprache sage, wenn ich zu Wort komme, dann wünsche ich mir manchmal, wenn ich wieder mit der Sprache – wenn mir die Worte… gebe ich mein Wort, dass es auch zur Sprache kommt, dass es auch nötig wird.

Weil das, wir müssen das hier drinnen auch im Innern, also wenn wir uns erinnern, ist noch alles da drinnen, dann muss man auch sagen, das sagt man auch so, so sagt man, schon in der Sage sagt man, dass man sich da erinnert, das liegt an dem Lied, an dem das liegt, wo wir hier statt Bürger, Staatsbürger anstatt, dass… das Lied, das leider staatlich statt… statt stattlich… liedlich, leidlich liederlich, statt staatlich Bürgerlied bürgerlich ist meine, ich meine, gemeinhin ist immerhin und wieder gemeinsam als bürgerliches Lied, das ich hier meine, aus meiner Freiheit von, Meinungsfreiheit, die wir bürgerlich, befreit von, Meinung und also solche gemein hin und her und wieder als solche statt staatlicher Meinung, wie ich meine, dass diese als solche auch frei von meiner Meinung, die ich, ein Freier, und als solcher auch Demokrat, die meiner Meinung nach auch frei und als solche auch frei von Demokratie, die als meine Demokratie gemeinsam bürgerliches Leidgut… Liedgut, das als solches gemein… und den Gefahren, den… gemeingefährlichen Gefahren der demokratischen… die Meinungsfreiheit… frei von gefährlichen Demokratien, die als solche… solche freien Meinungen, meine Meinung, die als solche gemeinfrei von… Freiheit als die, die ich als solche meine, die Freiheit, die mein Lied als Leid, die Leidkultur, die als solche, als Liedkultur, die frei von solcher Kultur sich gemein und uns beschützt, im Schützengraben, erst den Schützen, der uns gemein, als die Gemeinde, die da als solche, die meinen, dass wir frei, dass wir – solchermaßen als freie Gemeinde im Schutz, und dann im Grab, weil wir müssen uns ja als solche, die sich frei graben, statt an bürgerlichen, schutzbürgerlichen Gräbern, die wir zu schützen hier frei von Kultur uns gemein machen, gemein sind, als Gemeinsinn, als solcher, sind immerhin und auch staatlich als Kultur anerkannt, das müssen wir anerkennen, wenn wir als Bürger erkennen, dass wir als solche, also frei von Anerkennung und als solche ohne Schutz dem Grab, das uns frei und dann auch als die von den Beschützern, den Geschützten, die stattlichen Geschütze, die uns als solche und statt der Demokratie, die frei von Meinung und ein Lied, das wir hier und heute gemeinsam, haben wir dem Kommu… der Dichter, der auch der Komponist, der als freier Komponist, als solcher frei in seiner Meinung, vor der wir uns hier und heute schützen müssen, damit wir die nicht begraben, die uns vor der Freiheit, die, so meine ich, als Gemeinheits… als Gemeinschaftsaufgabe, die wir denen aufgeben, die uns als solche auch schon aufgegeben haben, wenn wir uns aufgeben, was zugegeben uns als Mutige, denen jede Zumutung zuzumuten ist, weil wir als solche über die Zumutbarkeit auch regeln, wo wir als Gemeinschaft gemein und dann, wie ich meine, als Staatsbürger hoheitlich sehen, was uns deutsch… als Deutsche deutlich, im Sinne einer deutlichen Hoheit, deutschen Hoheit, die als solche die Bedeutungshoheit, Deutungshoheit macht, ist, die deutsche Macht, die macht deutlich, dass die Deutschen deutlich Macht und das, das bedeutet, dass das bedeutet, dass das Bedeutende als Macht Hoheit deutet, wo wir Eindringling… eindringlich den Eindruck erhalten haben, dass diese Gericht… Richtung, die uns als solche richtiggehend als gerecht und, wenn wir selbst uns rächen, dann als Gerächte in einer deutschen, in einer deutlichen Richtung, die sich eine Bedeutung zumisst, die als vermessen, gemessen an den Maßen derjenigen, die als Masse das Maß sind, was nicht ins Gericht… Gewicht fällt, weil Fallen als solches, oder wenn man das, wenn man jemanden vermisst, dass man da vermisst, was als solches vermessen wäre, sind wir bereits am Ziel und zielen auf ein solches, das wir erst beim Handeln kriegen als kriegerisches Handeln für einen Handel, oder wenn wir Händel suchen, so dass gerade uns Deutschen, über den Sinn der Elemente, über alter-, über mittelalterliche über die heutige Dichtung über das Ganze als solches eine sich uns zeigende Angelegenheit, die wir, und das ist mein Anliegen für eine schwierige Lage, und das ist nicht nur etwas, was man nicht tun sollte, sondern es ist etwas, was man tun sollte.

So kann nun die gesamte Notwendigkeit und den Sinn, der uns notwendig erscheint, auch unter kulturellen Gesichtspunkten, wo wir als ein demokratischer Staat, gleichzeitig mit unserer Kultur, auch mit unserer, nicht auch, sondern mit unserer Dichtkunst ist das hier sehr klar in Erscheinung getreten. Man muss auch, um diesen Preis, seine Interessen wahren. Mir fällt es schwer, das so zu sagen, aber ich halte es für unvermeidlich, dass wir dieser Realität ins Auge blicken. Und ich also solcher soll Sie auch von meiner Frau…“





Köhlerglaube

29 05 2010

Die Herrschaft schickt die Schergen;
die sollen, wenn es knallt,
was übrig bleibt, verbergen.
Der Schornstein wird sonst kalt.

Mit List soll das bezwecken,
dass brav die Heimat schweigt.
Die Mannschaft darf verrecken,
wenn nur der Zins noch steigt.

Stoß zu mit Deinem Dolche,
der Blut am Boden adelt –
am Ende sind’s doch solche,
die man dafür noch tadelt.

Die Wahrheit, ach! die Lehre,
die gibt’s glatt obendrein.
’s ist Krieg. Und ich begehre,
nicht schuld daran zu sein.





Der Leierkastenmann

16 12 2009

„Freut Eu-heuch des Le-bens, weil no-hoch das Lä-hämp-chen glüht!“ Der dick vermummelte Mann stapfte von einem Fuß auf den anderen. Es war kalt in Tiergarten, von der Spree pfiff ein scharfer Wind herauf und zog unter den Mantel. Mich fröstelte. Der Alte lächelte sein verknittertes Lächeln und drehte emsig an der großen Kurbel. „Pflü-cke-het die Ro-se, eh’ sie-hie ver-blüht!“

Ich legte ein Geldstück in das kleine Körbchen auf der Drehorgel. „Bedanke mir“, dienerte der Musikant. „Wenn ick mir vorstellen dürfte: Aujust Knille is der Name, den mia meene Mutta jejehm hat, wie ick hochwohljeborn war in Moabit. Wenn’s um Musike jeht, denn is Knille Ihr staaka Partna! Sahrense ja nu in Mitte imma, ha’ck jeheert.“ Er steckte die Münze in seine Manteltasche. Und griente. „Von Knille beorjelt, det is fast so jut wie von Zille jemalt, wa?“ Ich lachte. „Und da stehen Sie hier den ganzen Tag am Reichpietschufer und kurbeln?“ „Det is wejen de nationale Stümmung.“ „Nationale Stimmung?“ Er blickte verschwörerisch. „Aa nich weitasahren!“ Und kam ganz dicht mit dem Gesicht an mein Ohr heran.

„Det is ja, weil Truppe nich uff Truppe schießen dhut. Im Jrunde jenomm. Da hamse aa in’n Bendlerblock ooch nüscht von jesacht, wie SA uffmarschiert is.“ „Sie meinen“, fragte ich skeptisch zurück, „dass hier im Bundesministerium dicke Luft sei?“ „Schönet Wetta heute.“ Knille knurrte mich an. Holte einen blau angelaufenen Flachmann aus dem Überzieher. „Ick wer ma alaum, wa?“ Und trank einen tiefen Zug aus dem Fläschchen.

„Hamse den ma jesehn, den Pomadenkalle? Det is ’ne Quetschvisage! So’n Spack! Un denn hatta nüscht wie Butta uffn Kopp.“ „Meinen Sie?“ „Sahrick doch, det is’n Erbbejräbnis. Un so alt wie der Jung aussa Wäsche kiekt…“ „Dann müsste er ja das Parlament belogen haben.“ „Schlümma! Schlümma, sahrick Ihn. Det Milletär.“ „Das Militär belogen?“ „Nich belohren – aa betuppt hatta! Der is doch anjebufft jewesen, sahrick Ihn!“ Und er schneuzte sich heftig in Richtung Spree.

„Na, nun sagen Sie mal: was ist denn hier im Ministerium eigentlich genau los? Warum dieser ganze Aufstand?“ „Det wer ick Ihn sahren: der Minista, der hat ja keene Ahnung vons Jeschäft. Det isn komischa Ssuch an ihn. Wie a inne Wüchtschaft is jesessn, wennse Ihn noch ainnern – aa inne Wüchtschaft isses ja nu nüscht, wennse nich inne FDP sinn, da wissense ooch nüscht, aa ditt is ja von keene so jroße Wichtigkeit, wa?“ „Kommen Sie mal zum Punkt, Knille!“ Mir wurde langsam auch ein bisschen kühl; der Himmel sah allgemein etwas ungemütlich aus. „Sie wollen mir doch jetzt nicht erzählen, man habe sich über den Herrn Minister beschwert, weil er keine Ahnung von der Verteidigungspolitik besäße? Das können Sie mir nicht weismachen – der Mann ist Unteroffizier der Reserve, der wird sich bei der Bundeswehr doch wohl auskennen.“ „Weeß ick“, antwortete der Alte, „weeß ick doch. Jebirgsjäjerbatalljong. Aa det is ja nich der Punkt.“ Und wieder genehmigte er sich einen der größeren Schlucke aus der Pulle.

„Det issn Hallodrikus. Schon, wie a inne Wüchtschaft is jesessn – det Famijenuntanehm, wo a sso lang jearbeet hat, det hats ja nie jejehm. Hats nie jejehm! Fürn Fuffsja Jrips, un denn hätta sich det Ding aus Lehm jebackn. Aa wenn eena etepetete is, denn denkta jar nich an.“ „Das war in der Tat unbedacht“, nickte ich. „Aber keine Ahnung vom Geschäft?“ „Ehmt. Aa wenna det richtig inne Jrütze kloppn will, denn machta det sso, als hätta würkich Ahnung vons Janze. Un denn jreifta voll danehm, weil a det eene Mal det Ding richtich drehn will.“ „Sie sprechen doch jetzt von dem Bericht, den er doch gelesen haben soll, obwohl er sich nicht daran erinnern kann.“ „Nee, det hatta ja zujejehm, wie det nich mehr ze vatuschn war.“ „Also von der Entlassung des Generalinspekteur? Knille, jetzt reden Sie doch nicht um den heißen Brei herum, davon wird’s doch nicht besser!“

Fast konspirativ sah der Orgeldreher mich an. „Er hat det bessa machn wolln, als wie det jedacht war. Könnse Ihn noch besinn, wie det anfing? ‚Ick sahre ma so‘, hatta doch jesacht jehabt, ‚det is ja keen Kriech, aa fürn nationalen Sprachjebrauch sahrick ma, det is eena.‘ Ham die doch jebrillt, det kanna nich sahrn, det is ja jar nich seine Befugnis, un mitten Jrundjesetz passt det ooch nich – jroßa Fehla.“ „Ja, das war nicht besonders elegant gelöst“, gab ich zu. „Man hätte das doch vorsichtiger machen können.“ „Sahrick doch. Aa war a uff’n Kien? Denn hatta de Malessen von wejen den Jeneral. Jrundlos kündijen hätta solln, aa mussta wieda Fisimatenten machn. Lästich!“ „Weil er das Dienstrecht missachtet hat, meinen Sie?“ „Ehmt. Nu denkense sich det ma inne Wüchtschaft. Sachta Kaiser: ‚Knille‘, sachta, ‚ick will Ihn nu nich länga hörn, un Ihr ff. Jeorjel könnse sich an’n Hut schraum. Jehnse mit Jott!‘ Kann ick nüscht untanehm.“ „Das ist eben so“, bestätigte ich ihm, „das gehört in einem demokratischen Staat dazu.“ „Un denn ssweetet Ssenarjo: wird der Kaiser ze Rumpelmann sahren, det ick ’n olla Stänkafritze wär. Sie, da klahre ick! Det darfa ja nich!“ „Und darüber soll der Freiherr stolpern? Über eine Lappalie?“ „So hätt ja keener wat jesacht. Aa wenn Truppe uff Truppe schießen dhut?“

Er schnalzte genüsslich mit der Zunge, während er wieder den Leierkasten ankurbelte. Und noch lange hörte ich, wie der alte Knille die Orgel tuten, pfeifen und quinquilieren ließ, während er mit rostiger Stimme sang: „Freut Eu-heuch des Le-bens, Groß-mut-ter wird mit der Sen-se ra-siert!“