Staatsräson

11 01 2018

„Das ist doch wieder ein gefundenes Fressen für die AfD.“ „Dass Migranten politische Bildung verpasst bekommen?“ „Aber gerade in diesem Punkt?“ „Was wollen Sie denn sonst machen? ihnen den guten, deutschen Antisemitismus kampflos überlassen?“

„Nein, ich gehe da einfach nicht mit. Das ist für mich nicht vernünftig.“ „Stellen Sie sich doch bloß mal die Nazis vor. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: Bundesregierung schickt Muslime ins KZ.“ „Purer Neid, dass ihnen das nicht selbst eingefallen ist.“ „Lassen Sie doch die dummen Scherze!“ „Das Problem ist ja nicht, dass sämtliche Asylbewerber durch die Lager geschleift werden. Das ist eine höchst überflüssige Maßnahme.“ „Warum?“ „Etliche Asylbewerber dürften derartige Einrichtungen bereits kennen, mit dem Unterschied, dass sie in deren Heimatländern stehen und noch in Betrieb sind.“ „Und was ist dann das Problem?“ „Dass wir Asylbewerber in sichere Herkunftsländer zurückschicken, in denen Foltergefängnisse und vergleichbare Regierungsstellen die Opposition oder irgendwelche anderen Minderheiten in die Mangel nehmen.“ „Dann muss man das eben aus Staatsräson machen.“ „Indem man den Asylanten noch mal zeigt, wie das richtig gemacht wird?“

„Bremsen Sie doch mal Ihren Zynismus, wir haben es hier mit einem ethisch sehr komplexen Sachverhalt zu tun.“ „Putzig, wie Sie Menschenrechte aussprechen.“ „Nein, ernsthaft: man kann das Zuwanderern doch nicht mit einer angstbewehrten Schocktherapie verordnen.“ „Warum denn nicht? Die deutsche Verwaltung macht das sogar mit Arbeitslosen. Und zeigen Sie mir eine Religion, die nicht mit Angst verkauft wird.“ „Ich sagte, kein Zynismus.“ „Deutschsein lernt man eben größtenteils durch unangenehme Erlebnisse.“ „Sie meinen, dass sich jeder Migrant von der ersten Sekunde an vor Augen führt, wo er hineingeraten ist?“ „Er soll von der ersten Sekunde an vor Augen geführt bekommen, wozu Deutsche fähig sind, wenn Sie seiner Ansicht nach nicht dazugehören. Das prägt.“

„Meinen Sie nicht, dass diese Zwangsbesuche auf lange Sicht kontraproduktiv sind?“ „Würde ich nicht sagen. Eine Gedenk- und Erinnerungskultur muss die Menschen da abholen…“ „Sie könnten Ihre Wortwahl aber auch mal kritisch hinterfragen.“ „Schon gut. Jedenfalls müsste man diese Besuche in den KZ-Gedenkstätten grundsätzlich für alle Deutschen einführen.“ „Als Zwangsmaßnahme?“ „Es gibt viele Schulen, die das bereits machen.“ „Mit dem Ergebnis, dass die Jugendlichen nach Auschwitz fahren, denken, der Holocaust habe irgendwo in Polen stattgefunden, und ganz überrascht sind, dass es in ihrem Bundesland auch eine KZ-Gedenkstätte gibt oder mehrere.“ „Sie meinen, Deutschland betreibt Gedenktourismus? Kann man so sehen, ja.“ „Und das finden Sie gut?“ „Habe ich das gesagt?“

„Das ist doch tatsächlich ein gefundenes Fressen für die Rechten: alle Zuwanderer durch die Konzentrationslager schleifen, bis sie der ganzen Diskussion um Antisemitismus und Holocaust und Rassismus überdrüssig sind.“ „Das sehe ich auch so.“ „Ääääh…“ „Die AfD will doch ein Ende der Diskussion um die deutsche Schuld.“ „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!?“ „Wenn die Erinnerung an den Nationalsozialismus bei den muslimischen Einwanderern einen derartigen Brechreiz auslöst, weil die am allerwenigsten mit der konkreten Schuld der Deutschen im zwanzigsten Jahrhundert anfangen können, dann sind wir auf einem guten Weg. Die werden sich hervorragend in die deutsche Befindlichkeit integrieren können. Zumindest aus der Sicht der AfD.“

„Meinen Sie nicht, wir sollten diesen Vorschlag eher als integratives Konzept ansehen?“ „Also Sie wollen muslimische Migranten und deutsche Schüler gemeinsam ins KZ schicken? Prächtige Idee!“ „Was spricht denn Ihrer Ansicht nach dagegen?“ „Dann haben Sie eine multikulturelle Truppe, die mit Coladosen im Holocaust-Mahnmal herumturnt und Selfies schießt.“ „Meinen Sie?“ „Für eine Pflichtveranstaltung sollte man vielleicht schon zufrieden sein, wenn die Leute sich dabei ruhig und unauffällig verhalten und nicht auch noch israelische Fahnen abfackeln.“ „Sie finden das wohl witzig?“ „Vielleicht machen wir daraus einen eigenen Baustein im Integrationskurs. Man nennt fünf deutsche Mittelgebirge, drei Antworten können durch Namen von Konzentrationslagern ersetzt werden ohne Verlust der erreichten Punktzahl.“ „Jetzt wird es langsam grotesk, finden Sie nicht?“ „Den gemeinsamen Kampf gegen Diskriminierung als Bestandteil einer positiv besetzten Identität zu pflegen, das ist doch ein schönes nationales Ziel, oder?“ „National? haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Am deutschen Wesen kann doch die zivilisierte Welt endlich auch mal positiv teilhaben, oder ist das so kompliziert?“ „Hören Sie auf, das ist doch krank!“ „Im Gegenteil – man müsste endlich mal ein Zeichen setzen, dass der Umgang mit dem Völkermord nicht zu einem Tabu aufgepumpt wird, sondern tatsächlich zu einer politischen Realität wird, und dass Antisemitismus, egal von wem, mit der ganzen Härte des deutschen Strafrechts verfolgt wird, und zwar so lange, bis noch der letzte Holocaustleugner im Knast verschimmelt ist, weil sich keiner mehr für ihn interessiert.“ „Und das machen Sie mit politischer Bildung für alle Beteiligten?“ „Mit einem Unterschied: bei den Asylbewerbern ist politische Bildung gratis. Bei Nazis war sie umsonst. Schon immer.“

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Rückwärts

9 05 2016

„… der Islam keinen Platz habe. Er sei keine Religion, den Deutschen wesensfremd und müsse in seinem Streben, die gesamte Gesellschaft zu infiltrieren und das Volk zu vernichten, mit allen Mitteln…“

„… es zu viele Moscheen in Deutschland gebe. Der Bau von Moscheen sei in den letzten zwanzig Jahren explosionsartig angewachsen, dies sei nicht mit dem abendländisch-europäischen Stadtbild unserer bereits im Mittelalter entstandenen…“

„… seien viele Muslime bereits als solche zu erkennen. Wer sich in seinem Erscheinungsbild nur von der eigenen Religion leiten lasse und dabei die grundlegenden Regeln der deutschen Leitkultur missachte, werde selbst schuld sein, wenn sein Muslimsein ihm den Eintritt in die…“

„… sich durch geschächtetes Fleisch und andere Sonderbehandlungswünsche einen Spitzenplatz in der deutschen Gesellschaft zu erzwingen versuche, da man die Deutschen mit jeder noch so billigen Schulderzeugungsmasche zu hirnlosen Marionetten ihres eigenen nationalen Untergangs…“

„… die Bundesregierung sofort abgesetzt werden müsse. Die Kanzlerin begehe Volksverrat, da sie mit muslimischen Staaten verhandle, die nur die Zerschlagung Deutschlands im…“

„… werde in Deutschlands Kantinen nun einmal seit Jahrhunderten Schweinefleisch verzehrt. Jeder Versuch, die Kernbestandteile des Arbeitslebens den wirren Allmachtsfantasien des Islams, der damit nur den Deutschen zwingen wolle, sich in die Vorstellungen muslimischer Okkupatoren zu integrieren, statt eine…“

„… lege man gar keinen Wert auf den Dialog mit dem Islam. Dieser sei eigentlich nicht zum Dialog bereit und werde der deutschen Kultur nie gerecht, weshalb eine Verständigung von deutscher Seite gar nicht…“

„… selbst in Medien und Unterhaltungsbranche eingesickert sei. Inzwischen sei gefühlt jede dritte Person muslimisch oder habe einen entsprechenden Migrationshintergrund, was nur zur Aushöhlung deutscher Werte in Film, Funk und…“

„… ein Großteil der Straftaten von Muslimen begangen würde. Dies sei natürlich mit offiziellen Statistiken nicht zu beweisen, da Polizei und Gerichte längst in der Hand islamischer…“

„… in der Presse eine heile Welt vorgelogen werde, in der Deutsche und Muslime in einer Welt von gegenseitigem Respekt friedlich koexistieren könnten. Dies sei eine mit türkischen Mitteln finanzierte Kampagne, die nur verschleiern wolle, dass in Wirklichkeit die Volksgemeinschaft längst vom Spaltpilz einer fremden Religion…“

„… den Schulterschluss mit internationalen Mächten suche. Längst nehme der christliche Einfluss auf die Bevölkerung ab, teilweise habe die Kirche sich regelrecht zum Anwalt der Muslime erklärt und gehe deren destruktiver Wirkung auf die deutsche Kultur voll auf den…“

„… sich Mehrheiten und das politische Klima in Deutschland schnell ändern könnten. Deutschland werde die von 68 und dem linksgrünen Multikulti-Asylwahnsinn zerstörte Kultur verteidigen gegen alles, was sich ihm in den…“

„… den Schulterschluss mit internationalen Mächten suche. Längst nehme der christliche Einfluss auf die Bevölkerung ab, teilweise habe die Kirche sich regelrecht zum Anwalt der Juden erklärt und gehe deren destruktiver Wirkung auf die deutsche Kultur voll auf den…“

„… in der Presse eine heile Welt vorgelogen werde, in der Deutsche und Juden in einer Welt von gegenseitigem Respekt friedlich koexistieren könnten. Dies sei eine mit israelischen Mitteln finanzierte Kampagne, die nur verschleiern wolle, dass in Wirklichkeit die Volksgemeinschaft längst vom Spaltpilz einer fremden Religion…“

„… ein Großteil der Straftaten von Juden begangen würde. Dies sei natürlich mit offiziellen Statistiken nicht zu beweisen, da Polizei und Gerichte längst in der Hand jüdischer…“

„… selbst in Medien und Unterhaltungsbranche eingesickert sei. Inzwischen sei gefühlt jede dritte Person jüdisch oder habe einen entsprechenden Migrationshintergrund, was nur zur Aushöhlung deutscher Werte in Film, Funk und…“

„… lege man gar keinen Wert auf den Dialog mit dem Judentum. Dieser sei eigentlich nicht zum Dialog bereit und werde der deutschen Kultur nie gerecht, weshalb eine Verständigung von deutscher Seite gar nicht…“

„… werde in Deutschlands Kantinen nun einmal seit Jahrhunderten Schweinefleisch verzehrt. Jeder Versuch, die Kernbestandteile des Arbeitslebens den wirren Allmachtsfantasien des Judentums, der damit nur den Deutschen zwingen wolle, sich in die Vorstellungen jüdischer Okkupatoren zu integrieren, statt eine…“

„… die Bundesregierung sofort abgesetzt werden müsse. Die Kanzlerin begehe Volksverrat, da sie mit dem jüdischen Staat verhandle, der nur die Zerschlagung Deutschlands im…“

„… sich durch geschächtetes Fleisch und andere Sonderbehandlungswünsche einen Spitzenplatz in der deutschen Gesellschaft zu erzwingen versuche, da man die Deutschen mit jeder noch so billigen Schulderzeugungsmasche zu hirnlosen Marionetten ihres eigenen nationalen Untergangs…“

„… seien viele Juden bereits als solche zu erkennen. Wer sich in seinem Erscheinungsbild nur von der eigenen Religion leiten lasse und dabei die grundlegenden Regeln der deutschen Leitkultur missachte, werde selbst schuld sein, wenn sein Judesein ihm den Eintritt in die…“

„… es zu viele Synagogen in Deutschland gebe. Der Bau von Synagogen sei in den letzten zwanzig Jahren explosionsartig angewachsen, dies sei nicht mit dem abendländisch-europäischen Stadtbild unserer bereits im Mittelalter entstandenen…“

„… das Judentum keinen Platz habe. Er sei keine Religion, den Deutschen wesensfremd und müsse in seinem Streben, die gesamte Gesellschaft zu infiltrieren und das Volk zu vernichten, mit allen Mitteln…“





Mord im Dom

14 01 2016

„… nach gewalttätigen Auseinandersetzungen die Kirche angezündet hätten. Die Synode der EKD sowie die Deutsche Bischofskonferenz seien daraufhin übereingekommen, dass die Teilnahme an einer der fremdenfeindlichen Demonstrationen der PEGIDA-Bewegung automatisch zum Ausschluss aus der…“

„… zu handgreiflichen Protesten gekommen sei, als Bachmann mit dem Spruchband Deutschland schaffen ohne Pfaffen auf dem Dresdner…“

„… kritisiere auch das CDU-Präsidium die Entscheidung der Kirchenoberen. Wenn keine Vergebung mehr für lässliche Sünden wie Steuerhinterziehung, das Plagiieren in wissenschaftlichen Arbeiten oder Fahren unter erheblichem Einfluss von…“

„… sich die Haltung des Vatikans in der Sache nicht geändert habe. Die Bereitschaft der Bevölkerung und der Kanzlerin, Kriegsflüchtige in Deutschland aufzunehmen sei ganz im Sinne einer christlichen…“

„… auch Gegenstimmen gebe. Innenminister de Maizière habe betont, als Konservativer müsse man jede Art von Strafverschärfung unabhängig von juristischer Durchsetzbarkeit, Machbarkeit oder Realitätsbezug zunächst als positives…“

„… eine neue Kampfschrift herausgeben wolle. Herman habe in ihrem Buch Die Eva-Vision beweisen wollen, dass Hitler nur durch seine spätere Frau zum Bau von Autobahnen inspiriert worden sei und daher seine größten Taten ganz ohne die römisch-katholische…“

„… eine bayerische Form der Nächstenliebe zu entwickeln versuche. Daher sehe sich CSU-Generalsekretär Scheuer gezwungen, nur noch christliche Flüchtlinge im Freistaat zu dulden, da sich doch jeder selbst der…“

„… als eine Sklavenreligion von Wüstensöhnen diffamiert habe. Die Demonstranten seien durch die Bereitschaftspolizei aus der Frauenkirche…“

„… rufe Petry dazu auf, den politischen Arm der Ansammlung rechtsradikaler Intensivtäter durch den Parteieintritt und regelmäßige Geldspenden zu…“

„… nochmals präzisiert habe. So sei nach Reinhard Kardinal Marx bereits die Mitgliedschaft in der AfD ein Grund, die Exkommunikation als Spruchstrafe mit sofortiger…“

„… habe laut Seehofer auch die christliche Gesinnung eine Obergrenze, die nicht ohne…“

„… sich nach ersten Erhebungen nicht viel verändert habe. Da die PEGIDA-Sympathisanten im Regelfall ohnehin nicht konfessionell organisiert seien, habe die Aktion einen rein symbolischen…“

„… dass das Christentum eine 2000-jährige Geschichte von Frauenhass, Faschismus und zu hohen Steuern sei. Schwarzer habe angekündigt, sofort aus der…“

„… fordere Gauland, einen explizit christlichen Gottesbezug in die Verfassung aufzunehmen und vorab Strafanzeige gegen die Bundeskanzlerin zu erstatten, da sie theoretisch in der Lage sein könne, das Grundgesetz durch die Scharia zu…“

„… dass auch aus der Kirche ausgeschlossene Bürger nicht mehr in kirchlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäusern oder Pflegeheimen arbeiten dürften. Dieses habe ebenfalls zu wenig Fluktuation im Personal geführt, da so gut wie keine der genannten Personen einen Arbeitsplatz…“

„… wolle der größere Teil des Parteivorstandes Höcke in der These folgen, der reinblütig arische Stellvertretertyp habe immer schon an Odin geglaubt und sei erst durch die Einflüsse der Missionare in Afrika zum…“

„… die Kapelle angezündet hätten, da Pfarrer Stülpheim vor anderthalb Jahren einem iranischen Asylbewerber Kirchenasyl gewährt habe. Die Polizei könne folglich kein fremdenfeindliches…“

„… sich auf der Domplatte versehentlich selbst in die Luft gesprengt habe. Wie erst später bekannt geworden sei, habe der wie ein Salafist gekleidete Selbstmordattentäter sich mit einem…“

„… befürchte Höcke, dass muslimische Asylanten bald Synagogen anzünden könnten. Seine Partei werde dagegen einschreiten, um sicherzustellen, dass dies auch in Zukunft ausschließlich von gebürtigen Deutschen…“

„… nach ersten Erkenntnissen um einen Konvertiten gehandelt haben, dessen Plan gewesen sei, während der Heiligen Messe einen Mord im Dom zu…“

„… die Chorweiler Zentralmoschee nur angezündet zu haben, weil sie das Bauwerk versehentlich für eine der in den 1960ern erbauten Kirchen gehalten hätten. Oertel und Schwarzer seien noch am selben Tag dem Haftrichter…“

„… dass die Hofkirche mehrere PEGIDA-Kundgebungen durch volles Geläut bereits empfindlich gestört habe. Die Einsteigediebe unter der Leitung der erfahrenen Fachkraft Lutz Bachmann hätten jedoch nicht vermocht, die Glocken aus dem Anbau der…“

„… sich bestätigt habe. Matussek sei aus Wut über seine Exkommunikation, da er Papst Franziskus als ‚linkslinksgrünlinks-jesusversifften Schwuchtelversteher‘ beschimpft habe, zum Islam übergetreten und habe mit der Tat möglichst viele Katholiken mit in den…“





Copy & Paste

11 01 2011

„Was erwarten Sie denn von einem verlogenen Drecksack? Von einem versoffenen Hampelmann, der alles flachlegt, was nicht bei drei auf dem Baum hockt, der mit seinen Naziparolen mühsam darüber hinwegtäuschen will, was für ein elender Versager er ist? Von einem abgehalfterten, korrupten Deppen, ohne Wirtschaftskompetenz, ohne die geringste Ahnung von Fiskalpolitik, ohne Grundwissen von Europa?“ „Hören Sie mal, wie reden Sie denn über Seehofer!“ „Interessant. Ich meinte Orbán.“

„Meinen Sie nicht, dass Sie etwas übertreiben?“ „Keinesfalls. Wir sind wieder so weit, die Ungarn spielen den Minensuchhund. Sie sondieren das Gelände, der Rest wird nachziehen.“ „Ich glaube, Sie dramatisieren das. Wenn Sie die Pressefreiheit meinen, die wird doch in der EU sowieso nicht mehr ernst genommen.“ „Und? Ist das ein Grund, diese beiden Zwerge in Frankreich und Italien machen zu lassen, was ihnen in den Kram passt? Die Grundrechte werden mit Füßen getreten und Sie denken, es sei nicht so schlimm, wenn es nur alle tun?“ „Das habe ich nicht gesagt. Die plötzliche Empörung ist übertrieben. Viktor Orbán ist nicht das personifizierte Böse, er macht genau dasselbe, was man jahrelang in Frankreich und Italien, in Großbritannien und in Deutschland auch hätte anprangern können.“ „Aber er tut es nicht umsonst. Und er weiß es.“ „Woraus schließen Sie das?“ „Wenn ein Regierungspolitiker…“ „Gut, nominell zählt Seehofer zur Regierung. Inhaltlich weniger.“ „… die Wirtschaftspolitik in Ungarn lobt, dann handelt es sich entweder um ein Versehen…“ „Was in Anbetracht von Seehofers Kompetenz auch nicht verwunderlich wäre.“ „… oder um den Versuch, der Politik Sand in die Augen zu streuen.“ „Weil die EU Ungarn schon mal vor einem Staatsbankrott gerettet hat.“ „Weil Ungarn nach der Rettung sofort wieder angefangen hat zu zocken und die Profiteure der Krise noch reicher zu machen.“

„Und Sie denken, Ungarn sei letztlich noch ein Entwicklungsland?“ „Allerdings. Und zwar eines, in dem ein Politikmodell für Europa entwickelt wird. Bis zur Serienreife.“ „Dann wundert es mich, dass Sie bei den Einschränkungen des Presserechts nicht vorher reagiert haben. Wie gesagt: Italien und Frankreich.“ „Aber hier können Sie es systematisch studieren. Die Wirtschaft, die soziale Ordnung, die Bürgerrechte, als Krönung der Rassenwahn. Orbán ordnet die Faktoren an wie in einem Feldversuch. Sein Biotop dient der Züchtung einer politischen Ordnung.“ „Warum fängt er dann unmittelbar vor der Übernahme der Ratspräsidentschaft mit einem Verstoß gegen die Wertvorstellungen der EU an?“ „Um den anderen vorwerfen zu können, dass sie bisher die Regeln auch nicht besonders ernst genommen haben.“ „Sie meinen, die Überprüfung der geplanten Zensurinfrastruktur sei nicht nur eine Rechtfertigung gewesen, um seine eigene Agenda zu verharmlosen?“ „Er weiß, dass er sich nicht den Wertvorstellungen der EU unterwerfen wird, also macht er sich selbst zum Maßstab – mit dem Einverständnis der Gemeinschaft.“ „Ich verstehe, Ungarn ist also die Ausnahme von der Regel.“ „Und wenn man einmal eine Ausnahme macht, dann ist die Regel hinterher hinfällig, auch für die, die sich ihr bisher beugen mussten. Eine Heuchelei für die Öffentlichkeit auf der Galerie.“

„Welche Konsequenzen werden wir von der Euro-Politik zu erwarten haben?“ „In erster Linie gibt es uns Freiheit, den Sparkurs weiterzuführen. Wir werden den Sozialstaat alternativlos schleifen, weil wir sehen, dass wir mit einer gerüsteten Miliz im Innern jegliche Widerstände ersticken können, wenn wir klare Feindbilder haben.“ „Deshalb die terroristische Bedrohung auf dem Weihnachtsmarkt und ein Päckchen ins Kanzleramt?“ „Unsinn, wir werden heimlich, still und leise den Rassismus aus der Versenkung holen.“ „Das glauben Sie doch selbst nicht. Deutschland und Rassismus?“ „Ungarn geht voran. Sie übernehmen das Geblütsrecht der Nationalsozialisten und erklären alle zu ungarischen Staatsbürgern, die eine Blutsabstammung geltend machen können.“ „Das haben die Nazis in Polen und Böhmen schon erfolgreich praktiziert.“ „Eine elegantere Methode der Expansion hätte sich nur Sarrazin als Gröfatzke mit genetischer Blutsuppe ausdenken können.“ „Das wird Deutschland nicht dulden.“ „Fidesz kann sich der Freundschaft der Unionsparteien nicht erwehren, und es wäre schon erstaunlich, wenn eine CDU, die völkerrechtwidrig Roma ausweist, plötzlich anfinge, die völkischen Vorstellungen der Ziehkinder zu kritisieren.“

„Haben Sie eine Vorstellung, was das ergeben wird? Für ein Terrorregime werden sie ja wohl nicht werben.“ „‚Arbeit, Heim, Familie, Gesundheit und Ordnung werden die Tragsäulen unserer gemeinsamen Zukunft bilden‘ – das klingt doch gut?“ „Sogar für eine CDU-Kampagne reichlich verkalkt, aber wenn sie ihren Absteig mit Pofalla als Kanzler planen?“ „Das ist die Programmatik der ungarischen Opposition.“ „Opposition?“ „Aber ja, den neoliberal-antisozialen Präventivstaat haben die jetzigen Machthaber mit der Union abgestimmt, als Fidesz noch nicht an der Macht war. Sie haben abgewartet, was sich entwickelt. Jetzt kopieren sie, was sich entwickelt. Copy and Paste. Nützliche Idioten haben die Drecksarbeit gemacht, sie dürfen gegen Homosexuelle, Roma und Juden hetzen, gegen Ausländer, Arbeitslose und Behinderte. Sie dürfen ausprobieren, bis wohin sie zu weit gehen dürfen. Ihre Ziehväter werden es ihnen danken; Merkel wird ein wenig augenzwinkernd auf den Nebenkriegsschauplatz mit dem Presserecht zeigen, der Rest der Union wird mitgrölen im Chor der Rechtsrücker und eine Verfassungsänderung nach der anderen durchdrücken wollen, um christliche Leitkultur gegen die Migranten zu setzen.“ „Was für eine geisteskranke Idee – wenn sie Angst vor drohender Überfremdung heraufbeschwören, wie können sie dann daran glauben, dass ihre eigene Kultur stark und durchsetzungsfähig wäre?“ „Na, jetzt stehen Sie Orbán aber auch schon ganz schön kritisch gegenüber.“ „Wer spricht von Orbán? Ich rede von Horst Seehofer!“





Christliches Abenteuerland

18 10 2010

„Das finde ich nun doch zu hart – dass jeder vorwiegend über das schwatzt, wovon er am wenigstens Ahnung hat, daran ist man ja schon halb gewöhnt, aber Merkel und das Christentum?“ „Weil sie Pastorentochter ist?“ „Nein, dann müsste sie ja etwas davon verstehen.“ „Sie ist die CDU-Vorsitzende.“ „Stimmt. Die haben davon keinen blassen Schimmer.“

„Sie müssen das mit dem christlich-jüdischen Vermächtnis aber auch historisch betrachten.“ „Die jüdischen Vermächtnisse von Roland Koch zählen auch dazu?“ „Da Koch Rassist war, ja.“ „Und das Historische?“ „Die christliche Leitkultur hatte vor allem in Deutschland großen Anteil daran, dass das Judentum sich nicht ausgebreitet hat.“ „Durch den mittelalterlichen Antijudaismus?“ „Nicht nur, der neuzeitliche war auch ganz hübsch.“ „Aber dafür hat sich der Papst doch irgendwann mal Absolution erteilt.“ „Er hat sich mit Luther verwechselt? Man soll alten Männern nicht über den Weg trauen.“

„Wenn sich die Merkel jetzt über das christliche Menschenbild auslässt, was heißt das?“ „Für das christliche Menschenbild oder für die Merkel?“ „Das christliche Menschenbild kann sich da nun mal nicht wehren.“ „Es hat sich schon genug gewehrt. Gegen Aufklärung und Demokratie zum Beispiel.“ „Aber die Merkel hat auch gesagt, dass Demokratie eben dem christlichen Menschenbild entspreche.“ „Sie meinen, ihrem christlichen Menschenbild?“ „Gibt es da mehrere?“ „Es muss eines sein, das in vorchristlichen Jahrhunderten in den griechischen Stadtstaaten schon bekannt war.“ „Aber können Sie mir das mal übersetzen: ‚Wer sich seiner Kultur selbst bewusst ist, kann auch andere überzeugen, warum es schön ist, mit unserem Grundgesetz zu leben.‘“ „Das sagt die Merkel?“ „In Berlin.“ „Ich würde sagen: ‚Entweder Du bist drin, oder Du kommt nicht rein, und wer mir nicht passt, wird als Terrorist bezeichnet.‘ Zu wem hat sie es gesagt?“ „Zur CDU auf der Regionalkonferenz.“ „Klar, dann heißt es: ‚Wer sich in dieser Partei noch sicher fühlt, kriegt einen Arschtritt, weil ich das Gesetz bin.‘ Und es ging um die Leitkultur?“ „Ja.“ „Dann könnte man es auch kürzer fassen. Aber das hätte nicht sie gesagt.“ „Nicht was gesagt?“ „‚Wer Jude ist, bestimme ich.‘“ „Und wer würde das sagen?“ „Westerwelle.“

„Wo wir gerade bei dem sind, der Vizeerzähler hat unterdessen den Utilitarismus entdeckt?“ „Er unterscheidet wertvolle Ausländer und wertlose.“ „Nehmen Sie das etwa ernst?“ „Abgesehen davon, dass ich mich frage, was er als Vorsitzender dieser Partei bringt, wenn er sie bei knapp 4,9 Prozent marginalisiert – nein.“ „Aber das ist doch gefährlich nah an der ganzen Euthanasiedebatte der Nationalsozialisten, die…“ „War das ein Hitler-Vergleich?“ „Nein, nur die Feststellung, dass er nicht besser argumentiert als Seehofer. Implizit geht es doch immer um die islamischen Kulturkreise, die zwar zu Deutschland gehören, wie der amtierende Sandmann es uns am Einheitstag in die Augen gestreut hat, die aber von der Regierung weiter für alles verantwortlich gemacht werden.“ „Sehen Sie das als ein Zeichen der funktionierenden Demokratie in Deutschland. Wir sind vollkommen unabhängig.“ „Wer, wo, wie?“ „Die Regierung vom Grundgesetz und BILD vom Bundespräsidenten.“

„Aber sich am christlichen Menschenbild zu orientieren hieße doch auch, Toleranz zu üben.“ „Man darf ja gerne tolerant sein, das stört nicht. Vor allem dann nicht, wenn Sie Ihre Toleranz auf das christliche Menschenbild konzentrieren.“ „Also das christlich-jüdische.“ „Was wollen Sie denn damit sagen?“ „Dass das Judentum ein ganz anderes Menschenbild entwirft als das Christentum.“ „Aber wo ist der Widerspruch?“ „Dass ein Jude, der das Menschenbild seiner Religion verinnerlicht, nun als fehl am Platz gilt?“ „Der ist eben Jude.“ „Und?“ „Und kein Deutscher. Sagt die Kanzlerin.“ „Hat denn die Kanzlerin etwas zum jüdisch-islamischen Weltbild geäußert?“ „Das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich denke, nein.“ „Warum nicht?“ „Rechtspopulistischer Quark an der Grenze zur Volksverhetzung fällt in Mißfelders Ressort.“

„Ich frage mich nur, was das bringen soll.“ „Die Ausgrenzung? Mit Minderheitendiskriminierung haben wir schon mal gute Erfahrungen gemacht, in den Niederlanden klappt es auch gerade so schön – da braucht man nicht einmal ein Wahlprogramm, da braucht man nur einen Sündenbock.“ „Das kippt doch auf.“ „Merken Sie denn nicht, dass Sie schon die ganze Zeit in Ihren Grundrechten beschnitten werden? Vorratsdatenspeicherung, Nacktscanner und Videoüberwachung?“ „Es ist eine Schande!“ „Genau. Das haben wir alles diesen verdammten Muslimen zu verdanken. Dafür sollen die jetzt mal so richtig büßen.“ „Das ist doch Unfug! Nicht die Islamisten haben immer wieder das Grundgesetz ausgehebelt, sondern die deutschen Innenminister und ihre Helfershelfer.“ „Das christlich-jüdische Menschenbild umfasst eben auch eine gewisse Toleranz von obrigkeitsstaatlichen Strukturen. Sie müssen wissen, die Menschenrechte wurden von der Kirche als liberale Verirrung angesehen, und in vatikanischen Kreisen wäre man sehr froh, wenn sich das christliche Menschenbild gegen diese säkularen Missgriffe durchsetzen würde.“

„Was wollen Sie eigentlich mit dem christlichen Menschenbild noch erklären?“ „Da geht ’ne Menge, was?“ „Mövenpick?“ „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ „Und die Laufzeitverlängerungen“ „Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen, und nicht sich verlassen auf Menschen.“ „Und die fünf Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger?“ „Mancher ist arm bei großem Gut, und mancher ist reich bei seiner Armut.“ „Die Machtdemonstration von Stuttgart?“ „Das waren Berufschaoten. Für die ist der liebe Gott nicht zuständig.“ „Eine Leitkultur, die sich an einer Weltanschauung orientiert, die laut Verfassung Privatsache ist und nicht bevorzugt behandelt werden darf? Ein Bekenntnis zu einer Haltung, die den Konsens dieser Gesellschaft in Abrede stellt? Den Konsens der Gesellschaft? Unserer Verfassung, der freiheitlichen demokratischen Grundordnung?“ „Eben. Wer sich nicht an diesem Menschenbild orientiert, ist in ihrer Partei fehl am Platz.“