Volle Kraft zur Seite

5 04 2021

„Das heißt, es ist ihm egal?“ „So schnell würde er das nicht rauskriegen.“ „Aber inhaltlich stimmt es doch.“ „Er möchte halt vor allem an der Macht bleiben und hat Verständnis dafür, wenn das andere Konservative auch so sehen.“ „Kretschmann ist allerdings Grüner.“ „Ja, das glauben halt viele.“

„Das wird die Partei eine Menge Stimmen bei der Bundestagswahl kosten.“ „Das ist erstmal nur eine Landtagswahl.“ „Trotzdem.“ „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen – wer die Grünen gewählt hat, kriegt sie auch, und wer die Koalition festlegen will, der muss sich dann halt aktiv in dieser Partei einbringen.“ „Nicht mal das nützt ja noch was.“ „Da schauen Sie mal, wie gut die Grünen in der Realpolitik angekommen sind.“ „Als Ökodiesel.“ „Es geht doch auch um Arbeitsplätze und um die Wirtschaft, oder was man so sagt.“ „Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst?“ „Immerhin hat er das Ländle noch nicht als Stabilitätsanker bezeichnet.“

„Die bisherigen Koalitionen konnte man bereits in die Tonne treten.“ „Jetzt werfen Sie mal nicht die Flinte ins Korn, vielleicht entwickelt sich da noch etwas im Laufe der nächsten Jahre.“ „Wenn die CDU ähnlich innovativ ist wie bisher, dann gute Nacht.“ „Die Wähler müssen sich nicht wundern, sie wussten genau, wenn sie nicht SPD wählen, dann bekommen sie die CDU.“ „Und das ist jetzt der Unterschied zur Bundestagswahl?“

„Sehen Sie es als Modellprojekt an.“ „Blöder hätten Sie es nicht auf Lager?“ „Ich meine das rein wirtschaftlich und ökologisch, da kann man die CDU noch verändern, wenn man ihnen ein bisschen Macht abgibt.“ „Und wie soll das funktionieren?“ „Denken Sie beispielsweise an Elektromobilität, da haben wir noch jede Menge Innovationsbedarf.“ „Ob Sie die Innenstädte mit Verbrennern oder mit Stromautos verstopfen, ist für den handelsüblichen Verkehrsinfarkt völlig egal.“ „Aber nur so haben wir eine Chance, dass unsere Fahrzeugindustrie die Pandemie überlebt.“ „Dank des Kurzarbeitergeldes, das die Dividenden von Daimler ausstopft, kann doch die Bevölkerung gar nicht schnell genug ins Gras beißen.“ „Das soll ja sogar gesund sein.“

„Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, warum die CDU erst vor dem Ökoterrorismus einer linken Verbotspartei warnt und sich dann den Grünen um den Hals wirft?“ „Ich würde Opportunismus und eine gewisse Angst vor der Bedeutungslosigkeit nicht ausschließen.“ „Und das ist die Motivation für die jahrelange politische Verantwortung eines ganzen Bundeslandes?“ „Solange die CDU nicht öffentlich äußert, dass ihre Abgeordneten auf dem freien Markt keinen Job mehr finden würden, ist noch nicht alles verloren.“ „So bringt man doch aber kein Land voran.“ „Vielleicht wollen das die Menschen gar nicht.“ „Wie meinen Sie das denn?“ „Stillstand auf hohem Niveau, das ist doch für die Menschen in einer wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft gar nicht schlecht.“ „Die CDU sorgt aus Erfahrung für dauerhaften Stillstand.“ „Und die Grünen lassen es aussehen wie hohes Niveau.“ „Bei aller Liebe, das ist absurd.“ „Schauen Sie sich die politischen Präferenzen der Bundesbürger an, dann werden Sie feststellen, dass die meisten keinerlei Änderungen haben wollen, und wenn, dann nicht in der eigenen sozialen Schicht.“ „Wenn sich nichts ändert, dann kann ja nichts besser werden.“ „Eben, deshalb immer nur außerhalb der eigenen Schicht.“ „Der soziale Abbau wurde ja von den Grünen gerne mitgetragen, aber wozu die Umverteilung nach oben?“ „Als Ausgleich. Verwerfungen im Haushalt müssen gegenfinanziert werden.“ „Dann verstehe ich dies Modellprojekt: volle Kraft zur Seite.“

„Andererseits haben durch die Veränderung der Stimmverhältnisse die Grünen auch ein sehr gutes Machtinstrument in der Hand.“ „Sie geben der CDU nur noch die wirklich wichtigen Ressort, mit denen man Klimapolitik hemmen und vernünftige Pandemiemaßnahmen verhindern kann?“ „Das ist ja der Normalfall, nein – sie können jederzeit mit dem Wechsel des Koalitionspartners drohen.“ „Mit der SPD wäre es eine Minderheitsregierung.“ „Dann muss Kretschmann eben FDP überreden, ihn bei der Regierungsbildung zu unterstützen.“ „Sie meinen, die Liberalen würden ohne inhaltliche Zweifel eine grün-rote Regierung unterstützen, nur um wieder ein paar Ministerposten abzugreifen?“ „Wir reden hier von der FDP.“ „Haben die sich nicht schon von Kretschmann distanziert?“ „Halten Sie denen einen Kuchen unter die Nase, dann wissen Sie schon, dass die mitmachen.“ „Jedenfalls nicht für Klimaschutz und Ökologie.“ „Irgendwie wird das schon gehen.“ „Auch nicht für eine progressive Schulreform und sozialen Wohnungsbau.“ „Denken Sie an meine Worte, die Bürger wollen Kontinuität und keine Veränderung.“ „Deshalb hat Kretschmann seine Gurkentruppe als verlässliche, stabile Regierung gepriesen und die Neuauflage empfohlen.“ „Am Ende zählt eben das Ergebnis, und wenn er der CDU jetzt unmissverständlich klarmachen kann, dass er seine im Wahlkampf geäußerten Pläne zur ökologischen Umgestaltung Baden-Württembergs eventuell ernst gemeint haben könnte, dann wird sich diese CDU zweimal überlegen, die Regierung zu gefährden.“ „Weil Kretschmann genau weiß, dass das Land bis tief in die Provinz von korrupten Schweinen mit schwarzem Parteibuch regiert wird.“ „Der Mann ist halt Realo.“ „Wenn er wirklich etwas ändern will, warum macht er es dann nicht gleich mit der SPD?“ „Also bitte! wer würde sich schon mit so einem unbeständigen Partner verbünden?“





Unsicherheitskopie

27 08 2012

„… der Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs angewiesen, die Festplatte seines Bürorechners zu zerstören. Er habe dies nicht für die Partei getan, sondern im Interesse aller verfassungstreuen…“

„… auch der CDU-Landesvorsitzende Strobl das Vorgehen nicht beanstandenswert genannt. Es sei unter Schwaben seit hunderten von Jahren regionaltypischer Brauch, nach dem Verlassen eines Amtes feucht durchzuwischen, zu lüften, sämtliche Datenträger zu vernichten und die…“

„… habe die baden-württembergische SPD dem Chaos Computer Club 20.000 Euro zugesagt für eine zügige Wiederherstellung der…“

„… der Sicherheitsregierungsfachmann Hans-Peter Uhl die Löschung als völlig legitimen Vorgang bezeichnet. Es seien zwar ein dienstlicher Computer und prozessrelevante Akten gewesen, da aber Minus mal Minus Plus ergebe, müsse man bei einem Unionsmitglied…“

„… müsse sich um legale Daten gehandelt haben. SPD-Chef Gabriel wisse sehr wohl, dass diese erst durch Kopieren auf einen USB-Stick…“

„… sei auch in Frankfurt als völlig normales Vorgehen gewertet worden. So habe in der Zentrale der Deutschen Bank bisher jeder Mitarbeiter noch unmittelbar vor seiner Verhaftung den PC aus…“

„… man daran sehen könne, dass der ehemalige Landesvater ein Herz für die junge Generation zeigen wolle. Seine Aktion sei, von vielen nicht erkannt oder missverstanden, in Wirklichkeit als Statement gegen die Vorratsdatenspeicherung…“

„… laut Mappus’ Anwälten ähnlich wie der Einsatz von Wasserwerfern im Stuttgarter Schlosspark, die Rettung der Landesinteressen vor Wutbürgern nur durch gezielte Vernichtung von…“

„… sich beim Sturz aus dem Rollstuhl keine Verletzungen zugezogen habe. Schäuble hatte sich beim Versuch, das Gehäuse seines Bürorechners zu öffnen, an der Unterseite des Schreibtisches die…“

„… sich die Festplatte nicht in Mappus’ Besitz befunden, da sie ihm auf seinen ausdrücklichen Wunsch übergeben worden war. Dies habe Kauder als Wunder bezeichnet, das in einer christlichen Partei durchaus immer wieder…“

„… durch eine technische Panne. Westerwelle habe sein Notebook über einen Mittelsmann an die laut Zeitungsannonce erfahrenen weißrussischen IT-Spezialisten gesandt, so dass die Daten direkt auf die Steuer-CD…“

„… dass Mappus möglicherweise die Zerstörung von Computern als neuartige Form der Aktionskunst zu etablieren versuche. Er wolle in den kommenden Tagen jeweils einen Konzertflügel, ein Atomkraftwerk und die Fensterfront der Lutherkirche…“

„… habe die baden-württembergische CDU dem Chaos Computer Club einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag versprochen für die endgültige Zerstörung sämtlicher…“

„… für den enormen technischen Fortschritt. Anlässlich einer Podiumsdiskussion zur Geschichte der politischen Moral in Deutschland habe Gauck berichtet, er hätte seinerzeit die Stasi-Akten noch alle persönlich in den…“

„… habe der Altbundeskanzler keinen Befehl gegeben, die Unterlagen aus dem Verkehr zu ziehen. Die Anweisung sei möglicherweise spontan oder durch einen Blackout…“

„… laut Mappus’ Anwälten ähnlich wie im Falle von Max Strauß’ Laptop um Gefahr im Verzuge, da ein bösartiger Computervirus die sofortige Bearbeitung der Festplatte mit einer Rohrzange quasi zwingend…“

„… warne auch das Bundesinnenministerium vor schnellen Vorverurteilungen. Vermutlich habe der Ex-MP sein persönliches Engagement für mehr Datenschutz über die Ansichten der Partei stellen wollen und habe so zu viel Mut…“

„… durch den Amtsarzt bestätigt worden. Der ehemalige Bundesinnenminister de Maizière leide an einer psychosomatischen Erkrankung, die ihn bereits beim Anblick eines Aktenvernichters die Kontrolle über jeden…“

„… das bei Morgan Stanley gelagerte Duplikat nicht für eine Erpressung durch Mappus verwendet worden sei. Vielmehr habe Notheis selbst den Massenspeicher als…“

„… sich auf einer zweiten Partition neben illegal heruntergeladenen Filmen auch Spuren eines stümperhaft deinstallierten Ballerspiels angefunden haben sollen, die zum größten Teil in…“

„… Koch-Mehrin, Chatzimarkakis sowie Schavan, dass sich die Materialsammlung für ihre jeweiligen Dissertationen auf der Festplatte befunden hätten. Durch deren Löschung sei jetzt der Beweis der Fälschung nicht mehr zu erbringen, so dass sämtliche Doktortitel wieder…“

„… nach Aussage der Staatsanwaltschaft jedoch davon ausgehe, dass sich das Bernsteinzimmer zum Tatzeitpunkt nicht…“

„… nicht sichergestellt, dass die auf dem Server der Staatskanzlei gespiegelten Backups legal hergestellte Daten seien. Es könne sich laut Expertise des Unionsabgeordneten auch dann um eine Raubsicherheitskopie handeln, wenn Mappus nicht seine Zustimmung zu den…“

„… müsse Schäuble mehrere Schachteln mit Barbituraten versehentlich für Fruchtbonbons…“

„… den Tatsachen entspreche, dass Mappus den Datenträger mit dem Passwort muttihaltsmaul verschlüsselt habe. Die Kanzlerin habe noch nicht entschieden, ob der Ex-Landesvorsitzende nach Verbüßen einer Haftstrafe nach Namibia, in die Demokratische Arabische Republik Sahara oder in die CDU-Geschäftsstelle von…“





Schuld und Bühne

24 07 2012

„… habe er nicht das Demokratieverständnis der CDU vertreten, weshalb man sich zwar frühzeitig entschlossen habe, ihn als Ministerpräsidenten innerlich nicht mehr zu unterstützen, ihm aber seine Gefolgschaft im Landtagswahlkampf nicht zu…“

„… habe sich das Präsidium allerdings empört gezeigt über das Urteil des Rechnungshofs, der den Kauf als verfassungswidrig eingestuft hatte. Man habe jedoch insgeheim die Meinung vertreten, dass die Behörde möglicherweise richtig…“

„… einstimmig angenommen. Nach gut informierten Kreisen enthalte die Resolution unter anderem die eindeutige Aussage, niemand habe je zuvor die Parteichefin und Bundeskanzlerin als ‚Mutti‘ bezeichnet; dies müsse sicher eine Erfindung des ehemaligen Ministerpräsidenten sein, der dafür ganz alleine verantwortlich…“

„… äußerst bedauerlich, dass der ehemalige Ministerpräsident nun im Ruf stünde, sich von einem Banker wie eine Marionette herumdirigieren zu lassen. Im Gegenteil habe der ehemalige Ministerpräsident Stärke und Unternehmergeist bewiesen, da er sich strikt an die Anweisungen eines Bankexperten…“

„… sich entgegen früherer Berichte um Schulden in Höhe von 40 Millionen Euro handeln müsse. Diese seien mit Sicherheit während der Regierung bis März 2011 entstanden, da der CDU-Landesverband keine andere Erklärung für…“

„… allzu lange und allzu unkritisch gefolgt sei, Kritiker als Schmarotzer und Vaterlandsverräter bezeichnet und erst mit dem Regierungswechsel schlagartig bemerkt habe, dass es sich bei den Ermittlungen tatsächlich um eine ganz legale…“

„… die derzeitige grün-rote Landesregierung auf der ganzen Linie versagt habe. Sie sei seit fast anderthalb Jahren unfähig gewesen, die chaotischen Zustände und die desolate Finanzlage im Ländle zu verbessern, was nur der CDU und den Liberalen…“

„… das harte Durchgreifen gegen die Demonstranten zu keiner Zeit und von niemandem gebilligt worden sei. Man habe sich jedoch in der CDU nie gegen den Ministerpräsidenten stellen wollen, da sonst eine große Verunsicherung in der Bevölkerung zu…“

„… die CDU immer schon gewusst, dass das Stuttgarter Tiefbauprojekt rein technisch nicht realisierbar sei. Aus Gründen besserer Planbarkeit für die Bauunternehmen habe man allerdings die genaue Betrachtung der Untersuchungsergebnisse vorerst auf die Zeit nach der nächsten…“

„… hätten 60 Jahre lang ihrem Land treu gedient und große Politiker hervorgebracht, deshalb dürfe die baden-württembergische CDU zwar an sich in Mithaftung genommen werden, nicht jedoch die 70.000 Mitglieder, die von jeglicher Schuld an den Geschehnissen absolut…“

„… inzwischen auf 65 Millionen Euro angewachsen. Zwar wisse keiner in der BW-CDU, ob und wofür der Ex-MP diese Schuldensumme zu verantworten habe, der Landesverband zeige sich aber zuversichtlich, bis zur Klausurtagung eine eindeutige Schuldzuweisung an…“

„… sich auch über innerparteiliche Richtlinien hinweggesetzt habe. So seien Bestechungsgelder mehrfach nicht aus den dafür vorgesehenen Kassen entnommen…“

„… sei Strobl immer schon bestrebt gewesen, in Baden-Württemberg eine grün-rote Regierung zu fördern. Die Union sei in nicht öffentlichen Diskussionen zu dem Schluss gekommen, der Fairness halber könne nur ein zwei bis drei Legislaturperioden dauernder Wechsel die Belange des Volkes wirklich…“

„… dürfe man nicht weiter behaupten, der EnBW-Deal sei eine einsame Entscheidung gewesen, an der die Landes-CDU nicht beteiligt gewesen sei. Im Gegenteil habe der ehemalige Ministerpräsident den Landesverband wohl in seine Geschäfte einweihen wollen, die Union habe es jedoch nicht gemerkt, was eindeutig an der mangelnden Information durch den ehemaligen…“

„… sei der Kostenrahmen für Stuttgart 21 erst während der Endphase vor dem Baubeginn deutlich überschritten worden. Man habe von Seiten der Union fälschlicherweise die Erdrotation sowie den Traubenzuckergehalt in Nashornhaaren für den verantwortlichen Faktor gehalten und könne erst jetzt mit letzter Sicherheit bestätigen, dass nur der ehemalige Ministerpräsident die…“

„… gravierende Verluste auch für die Bundes-CDU zu befürchten. Im Falle einer verlorenen Bundestagswahl sei man in Berlin gewappnet, die Verantwortung demokratisch nach Stuttgart zu…“

„… plädiere die Union schon seit mehreren starken Erdbewegungen im Gollachgau dafür, einen Zusammenhang zwischen tektonischen Prozessen und der Regentschaft des ehemaligen Landesvaters zu erforschen. Sollte ein wissenschaftlicher Beweis nicht gefunden werden können, so dürfe gemäß der an der Eberhard Karls Universität Tübingen verabschiedeten Erklärung dennoch ein klarer…“

„… ebenfalls ein klarer Beweis dafür, dass nur eine unionsgeführte Regierung Baden-Württemberg vor Filz und Korruption zu schützen…“

„… und vollkommen überraschend. Die Polizei teilte mit, sie habe den ehemaligen Ministerpräsidenten in der gefüllten Badewanne…“





Nach Augenmaß

28 03 2011

„Da dürfen Sie mich nicht fragen. Haben Sie eine Bedienungsanleitung? Eben. Ich auch nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass man die nicht einfach so abschalten kann. Das Modell ist zu alt, da kriegen Sie ja nicht einmal mehr vernünftige Ersatzteile. Und wenn da mal ein Kleinteil einfach so rausfliegt oder eine ganze Baugruppe ausfällt – ich bin ja auch für den Ausstieg, je schneller, desto besser, aber ich fürchte, wir werden Merkel kontrolliert runterfahren müssen. Einfach ausknipsen lässt sich die Alte jedenfalls nicht.

Schrittweise, haben sie gesagt. Erst Hamburg, jetzt Stuttgart, und irgendwann Deutschland. Aber mit dieser Kanzlerin kriegen Sie das nicht mehr hin, das sieht doch ein Blinder! Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg, oder ist das jetzt schon Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg? Haben Sie da noch Ausblick? Durchblick, meine ich? Ich auch nicht. Hat keiner. Alles ein Chaos. Gut, jetzt sind wenigstens die Reaktoren Mappus und Gönner vom Netz. Dieses verstrahlte Geraffel, hat das überhaupt noch eine Betriebsgenehmigung? Wer entsorgt den Abfall von diesen Klötzen? Und werden die auch irgendwo sicher endgelagert? Oder kommen die zu Guttenberg in die Wiederaufbereitungsanlage? Das muss man doch wissen!

Stresstest hat sie das genannt, die Merkel. Das leuchtet mir nicht ein. Sie macht nur einen Stresstest mit der CDU. Dabei ist ihr der Wähler dazwischengeraten. Ach, dieser Stresstest ist bloß Papierkram? Na, das passt ja. Für die CDU findet die Verfassung ja auch nur auf dem Papier statt.

Die Kühlsysteme, das ist der Schwachpunkt. Wulff, von Beust, Koch, alle havariert – ein paar haben sogar freiwillig den Geist aufgegeben, soweit man bei denen von Geist sprechen kann. Aber dann gucken Sie mal, was Sie da an Ersatzteilen geliefert bekommen! Ahlhaus, das ist ja als Nachbau noch erträglich, aber Bouffier? Den Hongkongschrott baut sich doch kein normaler Mensch ein!

Klar, jetzt merkt man erst, was das DDR-Erbe von der Merkel alles ausmacht. Sie hat ja vor allem Abwickeln gelernt. Also gehen wir mal davon aus, dass die CDU ordnungsgemäß um die Ecke kommt.

Sie meinen, Merkel sei ein Schneller Brüter? Das verstehe ich jetzt nicht. Weil sie ständig Zeugs von sich gibt, das die Bevölkerung spaltet? Herbst der Entscheidungen, Jahr des Vertrauens und solche Sachen? Ach deshalb. Ja, kann man unterschreiben: dass sie mehr Müll produziert, als für die ganze CDU ausreicht. Und Westerwelle? Druckwasser-Überreaktor, typischer Fehlbau. Der Mann macht doch nichts als heiße Luft. So viel kontaminierte Abwärme kriegen Sie sonst nur um die Ohren geblasen, wenn Sie Homburger und Brüderle als Reihenschaltung betreiben. Aus der thermischen Energie kriegen Sie locker eine Resthirnschmelze hin. Leichtwasserreaktor? Westerwelle? Meinten Sie jetzt, den kriegt so ein Leichtmatrose eher geregelt? Da muss ich Sie leider enttäuschen, der kriegt gar nichts hin.

Jedenfalls nicht nach Augenmaß. Doch, das hat sie immer wieder betont: Augenmaß. Leider hat sie uns nicht verraten, ob wir ihren Knick in der Optik berücksichtigen müssen. Heißt denn Augenmaß jetzt, dass wir sie vom Netz nehmen und ausglühen lassen bis 2013? Oder gleich Neuwahlen und dann ab in die Asse mit diesem Verdampferkonzentrat? Oder in den Weltraum? Ich würde das gut finden. Und die ganzen CDU-Landesverbände, wenn man denen sagen würde, wir schießen die Merkel zum Mond – Sie, die würden ihr letztes Hemd hergeben, wenn sie dafür eine deutsche Rakete bauen dürften! Aber das wird nicht passieren, da bin ich mir sicher. Ganz sicher. Denn so sicher ist auch sicher, dass die Sicherheit von Mondraketen nicht sicher genug ist, da können Sie noch so viele Ethikkommissionen einsetzen, die herausfinden sollen, was sie denn nun eigentlich herausfinden sollen. Am Ende geht so eine Rakete beim Start in die Luft, der radioaktive Mist explodiert, und dann haben wir das Zeug auch wirklich überall. Und das geht doch nun wirklich nicht – ich meine, es reicht doch, wenn die Merkel in Deutschland die Atmosphäre vergiftet.

Es wird vermutlich hier so laufen wie in Japan: die Leute, die sich haben verstrahlen lassen, sind am Ende selbst daran schuld und brauchen sich gar nicht erst irgendwelchen Hoffnungen hingeben. Das neoliberale Prinzip halt, alle Tellerwäscher, die es nicht bis zum Millionär geschafft haben, müssen zur Strafe seine Steuern mitbezahlen. Sozialsystem, Bildung, innere Sicherheit, die Kernschmelze hat längst stattgefunden, aber die Quatschköpfe stehen immer noch in der Landschaft und verkünden, dass sie alles unter Kontrolle haben – bis irgendein Brüderle versehentlich das Gegenteil herausfindet. Es steigt ja auch keiner mehr durch in diesen Bedienungsanleitungen. Da steht zum Beispiel, das, was Kohl gesagt hat, sei Illoyalität. Immer, wenn jemand die Wahrheit sagt, dann ist das Illoyalität. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat ja Orwell die Betriebsanleitung geschrieben.

Keine Ahnung, wer die Liquidatoren auf dem Wasserwerfer sein werden. Kauder vielleicht, de Maizière, von der Leyen, Röttgen. Wenn sie sich zum Schluss ganz sicher sind, dass da keiner mehr lebend rauskommt, dann werden sie Pofalla auch noch in die Strahlen schicken. Denn das ist doch das eigentliche Dilemma der CDU: alle wünschen sie sich heimlich, dass die Merkel der Schlag trifft, aber alle wissen sie auch, dass dann auch nichts mehr kommt. Und das ist, im Gegensatz zu den deutschen Kernkraftwerken, todsicher.“





Das Beben der Anderen

21 03 2011

„Sie kommen auf Empfehlung?“ „Uns blieb nichts mehr übrig.“ „Na, jetzt werfen Sie mal die Flinte nicht gleich ins Korn, junger Freund. Wir haben schon ganz andere Kühe vom Eis geholt.“ „Aber bedenken Sie, es ist diesmal die CDU.“ „Eben, Sie müssten doch langsam an den Zustand gewöhnt sein. Ihre Partei hat mal wieder einen Störfall.“

„Meinen Sie denn, da ist noch was zu machen?“ „Wie gesagt, nur die Ruhe. Die Erfahrung zeigt, ein bissel was geht immer. Wenigstens nicht total in Verzweiflung versinken.“ „Und das können Sie? Sind Sie so gut?“ „Lieber Freund, wir sind das erste Haus am Platz. Dass Spinat viel Eisen enthält, dass Mülltrennung ökologisch sinnvoll ist, dass Guido Westerwelle den aufrechten Gang beherrscht – alles unsere Arbeit. Wir beherrschen unser Handwerk. Uns glaubt man alles.“ „Und wie machen Sie das?“ „Wir arrangieren Ihr Image neu. Dazu ist es…“ „Vergessen Sie’s. Das hat sich bei der CDU gerade in seine Einzelteile zerlegt.“ „Umso besser. Dann können wir ja auch die Vergangenheit etwas flexibler modellieren.“ „Natürlich. Es ist eine Frage der Argumentationsmuster.“ „Der – was?“ „Eine Frage der Argumentation. Des Blickwinkels. Entweder die Türken nehmen uns die Arbeitsplätze weg und heiraten unsere Frauen, oder die Islamskis schmarotzen sich in die soziale Hängematte und bringen mit ihren muselmanischen Weibern lauter Kopftuchmädchen auf die Welt. Wir beweisen Ihnen alles, was Sie brauchen. Sie müssen uns nur sagen, was rauskommt, den Grund liefern wir.“

„Das Problem ist, dass wir unsere bisherigen Äußerungen über Atomenergie nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Die Leute haben den Eindruck, wir würden mit der Fliegenklatsche einen Flächenbrand beseitigen wollen.“ „Sehr gut, dann empfehle ich Reframing. Wir deuten die Sache mal ins Positive um. Zunächst hat die rot-grüne Bundesregierung sich viel zu sehr gegen den scheinbaren Widerstand der CDU gewehrt.“ „Wieso scheinbar? Wir haben diesen linken Spinnern…“ „Unterbrechen Sie mich gefälligst nicht. Wir haben Widerstand geleistet. In Wahrheit wollten wir durch unsere fanatische Unterstützung von Windenergie und Solarstrom ja dem politischen Gegner in die Hände spielen.“ „Aber wir haben doch gar nicht…“ „Meine Güte, Sie sind mir vielleicht begriffsstutzig! Sie haben eine grüne Agenda gefahren, aber so versteckt, dass sie jetzt der Opposition den Wind aus den Segeln nehmen können, kapiert?“ „Das nimmt uns doch keine Sau mehr ab, das geht nun wirklich nicht mehr.“ „Meine Güte, versuchen Sie’s doch wenigstens! Hinterher können Sie immer noch sagen, dass die Opposition schuld ist an dem ganzen Dilemma.“ „Und wenn wir mitmachen, was sagen wir dann über die anderen Ausfälle unserer Klimakanzlerin?“ „Sie wollten den Atommüll im Biosprit verklappen, um Greenpeace in einen Bürgerkrieg zu treiben, der dann ein für allemal nachhaltige Umweltmaßnahmen durchsetzt.“ „Und das ist realistisch?“ „Im Vergleich zu dem, was Sie der Öffentlichkeit jetzt erzählen: allemal.“

„Bisher hat sich die Kanzlerin aufs Atomgesetz berufen und eine Abschaltung wegen einer akuten Gefahr beschlossen. Kann man das hinbiegen?“ „Sie müsste jetzt natürlich einmal ausblenden, dass die Gefährdung vorher gar nicht bestanden hat, und zum zweiten nachweisen, dass die Gefahr, die daher jetzt besteht, nicht durch die SPD bekämpft wurde.“ „Wie sollte die SPD denn eine Gefahr bekämpfen? Und womit?“ „Was weiß denn ich? Möglicherweise schieben sie Kurt Beck zwischen die Brennstäbe.“ „Müssten wir nicht jetzt besser so argumentieren, dass alle, die die atomare Gefahr in Deutschland kleinreden, im Grunde genommen schon immer für Kernenergie waren, weil sie davor gewarnt haben?“ „Das ist zu kompliziert.“ „Wollen wir’s nicht lieber so darstellen, dass man über die Risiken der AKW nicht mehr reden darf, weil das gegenüber Japanern nicht…“ „Das ist die Guttenberg-Masche mit den toten Soldaten. Nicht dran rühren, seien Sie lieber froh, dass Sie den Strahlemann so schnell in die Endablagerung gekriegt haben.“

„Und was müssten wir sonst noch so ändern, um wieder in die Siegerspur zu kommen?“ „Alles. Also wenigstens mal ein bissel rhetorisch aufräumen mit dem ganzen prähistorischen Zeugs. Alternativlos, rechtsfrei…“ „Aber das Internet ist…“ „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Der Luftraum über Libyen. Oder der Stuttgarter Schlossgarten. Das sind rechtsfreie Räume.“ „Das wird jetzt eng.“ „Wir haben da eh kaum Spielraum. Würde es Ihnen notfalls reichen, wenn wir kommunizieren, dass Mappus nicht wegen des Bahnhofs und seiner Wasserwerferorgie, sondern wegen des EnBW-Deals nicht gewählt wird?“ „Was soll das bringen?“ „Dann sagen sich die Leute, er ist halt ein korruptes Schwein, aus dem kann in der CDU noch etwas werden. Man muss auch mal nachhaltig denken.“ „Und wenn wir das Wahlvolk mit ein paar eher versöhnlichen Botschaften ruhigstellen?“ „Sie könnten beispielsweise Seehofer sagen lassen, dass die Muslime auch irgendwie Menschen…“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank!?“ „Naja, war auch nur ein Beispiel.“ „Und was machen wir dann?“ „Dann haben Sie immer noch die Chance auf die Fundamentalopposition und können in der nächsten Legislaturperiode kritisieren, dass die anderen Parteien enorme Kosten werden aufwenden müssen, um die Folgen Ihres unfähigen Getues zu kurieren.“ „Und das klappt?“ „Ich würde mich nicht darauf verlassen. Am besten wäre immer noch ein Ausstieg mit Augenmaß?“ „Aus der Kernkraft?`“ „Nein, von Merkel. Aus der Regierung.“