Baukomplex

21 06 2016

„… woher in der Wüste derartige Mengen an Grundwasser kommen sollten. Die Kommission habe das Gutachten als komplett widersinnige…“

„… die Cheops-Pyramide nicht nach den geltenden Bauvorschriften geplant worden sei. So habe die Bauaufsicht erst von den Entlastungskammern erfahren, als diese bereits in den zweiten…“

„… zwanzig Prozent zu wenig Material berechnet habe. Die Finanzdirektion müsse zum wiederholten Male einen Nachtragshaushalt im…“

„… erste Lücken im Fundament bemerkt habe. Die Bauleitung kenne dieses Problem zwar von eindringendem Grundwasser in mehrstöckigen Gebäuden, lehne aber jede Verantwortung für…“

„… die Schächte der Königinnenkammern ohne Verbindung mit den Außenmauern geblieben seien. Die Baubehörde verweise in diesem Punkt auf die Pläne, die von der Oberbaubehörde komplett…“

„… die Belüftungsschächte der beiden Bauten nicht den technischen Anweisungen für die Frischluftzufuhr entsprächen. Eine von der Bauaufsicht eingesetzte Expertenkommission habe sich die Ausführung der…“

„… nicht möglich sei, dass es sich um einen im Bauplan nicht entdeckten Fehler habe handeln können, da die Oberbaubehörde eine Erlaubnis zur Errichtung der Pyramide einschließlich der Königinnenkammern erteilt habe. Es müsse sich um einen Baufehler handeln, der erst nach dem Bau…“

„… nicht mehr zu retten sei. Vermutlich müsse man die obere Hälfte abtragen, um die Statik nicht zu gefährden, da ein nachträglicher Aufbau einer Frischluftzufuhr nicht mehr in den…“

„… ein Einsacken an der Westseite zu beobachten sei. Der Ausschuss habe darauf die vorübergehende Ablösung der Bauleitung…“

„… es sich bei dem Leiter der Expertenrunde nicht nur nicht um einen Belüftungstechniker gehandelt habe. Der Beamte sei außerdem kein Architekt, kein Beamter und habe noch nie zuvor in einem…“

„… ein ähnliches Phänomen an der Chephren-Pyramide zu sehen sei. Die absteigenden Zugänge an der Nordseite seien inzwischen nicht mehr ohne Gefahr für Leib und…“

„… bereits durch einfache Winderosion nicht mehr stabil seien. Teile der Kalksteinverkleidung seien in den vergangenen Wochen um bis zu dreißig Meter in die Tiefe…“

„… eine Verschiebung im Fundament gemessen habe, die nicht durch Erdbeben oder einfache…“

„… dass bei der Verkleidung mangelhafter ausländischer Sandstein statt der geplanten…“

„… sich die leitenden Wesire im Aufsichtsrat nicht mehr mit dem Problem befassen wollten. Laut Bauaufsicht habe der Neigungswinkel der Zugänge sich erst unter dem Gewicht der zahlreichen…“

„… eine falsche Berechnung zu Grunde gelegt haben müsse. So seien die Steinblöcke offenbar viel schwerer als die im Modell benutzten…“

„… der Baustopp nun schon über ein Jahr dauere. Die Sicherheit der Rampe sei nicht mehr gewährleistet, so die Oberbaubehörde, man müsse in der Zwischenzeit einen Transport der Steinblöcke von Hand…“

„… die Breite der Zugänge falsch eingeschätzt hätten. Zwar sei es möglich, einen Sklaven in die Pyramide und unter gewissen Umständen auch wieder aus ihr heraus zu bekommen, doch sei der Querschnitt für den Sarkophag des Pharaos um mehr als drei Ellen zu…“

„… eine Neuwahl des Aufsichtsrates als einzige Lösung anbiete, die sich innerhalb eines Jahres bewerkstelligen lasse. Die Neubesetzung des Gremiums entspreche exakt der alten, was seitens des Königshauses als gutes Zeichen für die Kontinuität der Arbeit und einen…“

„… mehr als ein halbes Jahr vergangen sei, bis die Messung erfolgt sei. Die Bauaufsicht sei nicht überrascht gewesen, dass die Breite der Zugänge auch jetzt noch um drei bis vier Ellen zu…“

„… durch plötzliche Regenfälle ausgelöst worden sei sollten. Eine weitere statische Prüfung der Kalksteinverkleidung könne nur durch einen erneuten Baustopp der beiden…“

„… sich erhöhen werde. Zwar sei das Projekt nur bewilligt worden, wenn der Kostenrahmen für die ursprünglichen Grabdenkmäler nicht…“

„… das Grundwassermanagement durch die Hafenanlage nicht mehr risikolos möglich sei. Die Baubehörde sei sicher jedoch sicher, dass auch für Probleme, die jetzt noch nicht abzusehen seien, eine schnelle und professionelle Lösung…“

„… die Kosten für die Anlage nur deshalb erhöht hätten, weil der Aufsichtsrat beschlossen habe, zusätzlich eine Sphinx zu errichten. Unter diesem Aspekt von einer unvorhergesehenen Explosion der Kosten zu sprechen sei schon deshalb falsch, weil man mit der Steigerung um mehr als das Zehnfache bereits entsprechende…“

„… die Sphinx keinen architektonischen Nutzen habe. Der Aufsichtsrat habe dies bejaht, gleichzeitig aber auch die…“

„… werde die Errichtung weiterer Monumente zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig sei die Oberbaubehörde sicher, dass die Pyramiden als Standortvorteil einen wirtschaftlichen Aufschwung der ägyptischen…“

„… man die Besetzung des Aufsichtsrates nicht durch die Abwahl einzelner Mitglieder verändern könne, da diese mit sehr hohen Abfindungen…“

„… die Grundwasserproblematik nicht zu lösen sei. Im Zuge des Konjunkturprogramms habe der Pharao den Bau eines Staudamms in…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (XXII): Städter auf dem Land

28 08 2009
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der urbanisierte Jetztzeitler hat sich nicht nur aus Versehen in die Kristallisationskerne der Abfall- und Krachproduktion verlaufen, er hat sich mit vollem Bewusstsein da angesiedelt, wo er vom gut sortierten Spirituosenfachhandel über horizontale Einkaufsmöglichkeiten bis zum Fußballplatz alle für seine Körperflüssigkeiten relevanten Zufuhr-, Austausch- und Entsorgungsmöglichkeiten ohne aufwändig erlernbare Wegstrecken erreicht. Die Gewohnheit gibt ihm Recht. Zwar weicht er gerne geistigen Herausforderungen aus, ist aber geistig nicht so herausgefordert, um wie der gemeine Bekloppte die sinkende Stadt zu verlassen und sich in Sichtweite des Jenseits eine Behausung ins Moos zu kloppen. Er hätte auch keine nennenswerte Chance mehr; das Moos ist voll.

Schon die Auswahl der Örtlichkeit wirft ein trübes Licht auf den Bescheuerten. Tritt er beruflich meist als Oberstudienrat oder Kreditsachbearbeiter einer Hypothekenbank für nachhaltiges Verhalten ein, so drückt er durch Erwerb eines Grundstücks innerhalb der Rufweite der Wildnis der Natur seinen nachhaltigen Stempel auf: gut anderthalb Autostunden bis zur Stadt legen die Insassen der sechsköpfigen Familie in drei Kraftfahrzeugen älteren Baujahrs zurück, täglich hin und zurück, abendliche Ausbruchsversuche ebenso wenig eingerechnet wie die Wochenendfluchten der pubertierenden Generation oder die regelmäßigen Besuche in der Videothek, um sich beim Billigriesling die bröckelnde Bude an der Biegung des dörflichen Abwasserkanals schön zu saufen. Denn das Landleben birgt nichts als Gefahren.

Kurz nach dem Exodus ins Flachland ahnt der Aussiedler, dass Whirlpool, Sauna und fließendes Wasser in originalgetreu erhaltenen Bauernkaten aus der Renaissance nicht zur Standardausstattung gehören; hingegen die ortsübliche Anwesenheit von Milchvieh in mittelgroßer Stückzahl vor der Garagenauffahrt wertet er als Zeichen der Bösartigkeit seitens der Ureinwohner, da sein Schuppen schon stand, noch bevor die Rinder aus dem Ei geschlüpft waren. Mit jeder Bemühung, die Rechtsschutzversicherung in Regress zu nehmen, steigt der Spaßfaktor der Dorfbevölkerung. Bald ist der Haufen Dummschädel auf dem Gemeindeamt bekannt und zählt viele der Alteingesessenen zum Bekanntenkreis, ohne jedoch zwanghaft mit ihnen Freundschaft schließen zu müssen. Man kennt sich, und dies prägt das Zusammenleben.

Statt dem Lockruf des Auerhahns lauscht der Siedler fortan der saisonal stark anschwellenden Fortpflanzungstätigkeit der Tiefpflüge auf der Futtermittelmonokultur, die unmittelbar hinter dem Grundstück beginnt. Durch Ausbringen von Jauche weiht der Heimatberechtigte den Neuzugang ins olfaktorische Koordinatensystem ein, das den Clash der Kulturen in Schwung bringt, denn in Anbetracht der rustikalen Umgebung lässt es sich die Dorfgemeinschaft nicht nehmen, altes Brauchtum wieder zu neuem Leben zu erwecken. Der Weckruf des Hahns auf dem Misthaufen, das koordinierte Abfackeln von Herbstlaub und ausgedienten Traktorenreifen durch sämtliche Höfe im Weichbild sensibilisieren die Zuzüglinge für die fremde Andersartigkeit dieser urwüchsig lebenden Rasse, der man fern ist und doch auf unbestimmte Zeit so nah sein wird. Der Versuch, Anschluss zu finden etwa durch grammatikalische Korrekturversuche des lokalen Dialekts von dem an Bühnenlautung gewöhnten Deutschlehrer wird gerne beantwortet, beispielsweise durch sanfte Fühlungsnahme der Limousine vermittelst mehrerer Mähdrescher.

Fauna und Flora des Feuchtbiotops leisten ihren Solidarbeitrag dazu. Körperlich geschwächt vom Dauerquaken der Frösche nach Einbruch der Dunkelheit, brüderlich unterstützt von den Schnabelkerfen während der Beleuchtungsphasen, holt sich der entnervte Strohkopf an den Gestaden des Tümpels seine Mononukleose oder Meningitis, die sich je nach Höhe der Gewinnausschüttung kurz oder längerfristig aufs allgemeine Wohlbefinden auswirken. Jetzt reicht ein einziger Weberknecht an den Designerküchenfliesen, um die Hausfrau beim Entsorgen der Psychopharmakapackungen im Wertstoffsack in den endgültigen Hirnfreilauf zu entlassen. Die dem Städter innewohnende Beklopptheit bricht mit voller Sollstärke durch. Bereits am Monatsende markiert das artistisch brillante Einparken des Möbellasters in der Lücke der Obstvollernterkolonne einen Endpunkt in der Geschichte des beschaulichen Fleckchens Erde, das nun ohne die liebgewonnene Familie auskommen muss und dem Abschiedsschmerz mit dem mehrtägigen Einsatz von Blaskapelle und Freibier beredten Ausdruck verleiht. Kurz wird der Leerstand der Landwirtschaftsimmobilie am Stammtisch diskutiert, dann trottet das Leben wie ein müdes Mastrind weiter, ohne sich an Schnaken, Städtern und Spekulationen mit dem aufgelassenen Gebäude zu kehren. Bis der Makler, im Marktflecken ein jährlich wiederkehrendes Gesicht, wieder einmal vorbeikommt und Frischfleisch für die kommende Gaudi mitbringt. So schließt sich der grausame Kreislauf der Natur.