Symptomlos

3 02 2022

„… zu Ausfällen in der kritischen Infrastruktur kommen werde. Giffey werde daher erlauben, dass Corona-Infizierte ohne Symptome trotz ihrer Erkrankung weiterhin ihre Arbeit im…“

„… wolle die Berliner SPD den Vorstoß nicht kommentieren. Es sei allerdings Fakt, dass durch die steigenden Energiepreise der Aufenthalt in der Wohnung höhere Kosten verursache als der am Arbeitsplatz verbrachte Tag, weshalb sich Corona für Werktätige am besten auf der…“

„… sehe die Regierende Bürgermeisterin keine Probleme bei Jobs, die mit dem Genesungsprozess zu vereinbaren wären. So sei etwa ein Dachdecker die ganze Zeit an der frischen Luft, was sich auf eine grippeähnliche Erkrankung durchaus positiv auswirke und einen schnellen…“

„… der Berufsfeuerwehr empfohlen habe, die infizierten Mitarbeiter möglichst weit entfernt von den anderen Kameraden einzusetzen. Ob auch die Anfahrt bereits auf der ausgefahrenen Drehleiter zu erfolgen habe, sei noch nicht mit der…“

„… gerade für die noch nicht geimpften Pfleger in den Kliniken Vorteile berge. Eine Infektion sei auch bei noch so starken Sicherheitsmaßnahmen nicht zu vermeiden, weshalb man durch eine rasche Ausgabe der Genesenenzertifikate die personelle Ausstattung auf den Stationen schnellstmöglich…“

„… Rücksicht nehmen müsse auf die noch nicht infizierte Bevölkerung. Die Opposition unterstütze die Strategie der SPD nur dahingehend, dass sich die betreffenden Mitarbeiter am Arbeitsplatz aufhalten dürften, nicht aber weitere Aktivität in ihrer Freizeit erlaubt bekämen. Damit dürfte ein im Supermarkt beschäftigter Einzelhandelskaufmann wohl eine ganze Schicht lang arbeiten, nicht aber nach Dienstschluss als Kunde in seinem…“

„… spreche Giffey hier lediglich vom äußersten Notfall, in dem die vorgeschlagene Regelung gelten solle. So könne etwa durch fehlende Polizisten die Verkehrsregelung erschwert werden, was bei ihrem Kokstaxi eine Verspätung von bis zu…“

„… bestehe die Arbeitsunfähigkeit nicht in der Infektiösität, sondern im Auftreten von schweren Symptomen. Daher sei die Arbeitsfähigkeit bei diesen Erkrankten generell gegeben, sie seien aber in Gefahr, wegen fahrlässiger Verbreitung der Krankheit gegen das Infektionsschutzgesetz zu verstoßen, was sich wiederum als…“

„… habe das bei den Sozialdemokraten unter dem Namen Volkssturm kursierende Papier nicht nur für Kritik gesorgt. Es werde in der Bundespartei bereits erwogen, die Regelungen auf alle Erwerbslosen auszudehnen, die bei nicht lebensbedrohlichen Krankheiten für unentgeltliche Dienste von bis zu dreißig Stunden in der…“

„… bestehe natürlich das Risiko, dass man als symptomloser Erkrankter das Virus an Personen aus dem eigenen Umfeld weitergebe, die dadurch zum Teil schwer, zum Teil tödlich erkranken oder aber Spätfolgen beibehalten würden. Giffey sehe dies als Zeichen der Solidarität der Hauptstädter, so dass nicht nur sie allein schuldig werde an vielen tausend Toten, die für die Aufrechterhaltung der Wirtschaft in den schwierigen Zeiten des…“

„… der Schutz der Bevölkerung über allem stehe. Dies beinhalte, dass infrastrukturell wichtige Infizierte nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln an ihren Arbeitsplatz fahren dürften. Sollte sich daraus eine Flut arbeitsrechtlicher Konsequenzen ergeben, rechne die Landesregierung mit einer vorgezogenen Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt, die durch viele neu ausgeschriebene Stellen in den…“

„… für einen größeren sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung sorgen wolle. Die SPD sehe die Bereitschaft, auch mit schweren Erkrankungen zu arbeiten, vor allem bei Selbstständigen und setze auf ein Vorbildpotenzial, das auch für Arbeiter und Angestellte in Konkurrenzsituationen eine gute…“

„… müssten arbeitsfähige Erkrankte sich auf Anraten der Landesregierung nicht verpflichten, im Verlauf der Infektion keine Symptome zu zeigen, da dies im Regelfall der Arbeitgeber voraussetzen könne. Solle es dennoch zur Entwicklung von Symptomen kommen, müsse man im Einzelfall abwägen, ob hier das Vorspielen einer falschen Erkrankung oder aber eine Täuschungsabsicht des Erkrankten, der mit widerrechtlichen Mitteln im…“

„… die nach dem Infektionsschutzgesetz für Feuerwehrleute vorgeschriebene Schutzkleidung die Kameraden daran hindern würden, in die Einsatzfahrzeuge einzusteigen. Die Stadt Berlin sei sicher, dass auch der Fußweg zum Brandort eine sehr gesunde Alternative zum…“

„… dürfe man den Arbeitnehmern nicht die persönliche Entscheidung nehmen, symptomfrei zu bleiben. Man werde die patriotischen Pflichten der Bevölkerung, den Markt zu stärken, nicht durch eine einseitig linke Position oder einen…“

„… werde im Falle eines Vollausbruchs auch zu versicherungsrechtlichen Konsequenzen kommen. Da durch Berufstätigkeit die Genesung schuldhaft verhindert werde, könne der betreffende Mitarbeiter neben dem Verlust seines Versicherungsschutzes auch hohe Schadenersatzforderungen vom…“

„… keine Gespräche mit Medizinern geführt habe. Giffey beharre darauf, eine ausschließlich soziale Entscheidung getroffen zu haben, die mit wissenschaftlicher Propaganda überhaupt keine…“

„… ausweiten könne, wenn das Krankheitsbild Long Covid Symptome, nicht aber Infektionsrisiko beinhalte. Eine Arbeitsfähigkeit dürfe so auch ohne eine vorherige Untersuchung des jeweiligen…“





Über den Wolken

16 05 2012

„… sei mit einer Inbetriebnahme des Flughafens Berlin Brandenburg pünktlich zum August 2012 zu rechnen. Sämtliche Planungen hätten sich als solide und verlässlich erwiesen, so dass von einer Verschiebung nicht auszugehen…“

„… eine landesweite Konferenz gefordert. Eine Verschlechterung der Verkehrsinfrastruktur, so das Gremium sei nicht zu haben ohne eine gemeinsame Verschlechterung der Transportbedingungen sowie einen massiven Abbau der bisherigen…“

„… die Berliner Taxifahrer nicht mehr in der Lage, sich der Kampfradler zu erwehren. Die Mehrheit der Lohnchauffeure habe zwar von der Erscheinung nichts gewusst, wolle aber keine Gelegenheit auslassen, sich zu beschweren über…“

„… könne der Wartungshangar theoretisch zwar auch Großraumflugzeug vom Typ Airbus A340 aufnehmen, in der Praxis habe sich durch den Import nicht genormter Teile chinesischer Herkunft das Problem ergeben, dass die Halle nur eine Länge von 89,4% der im Bauplan vorgesehenen…“

„… habe man auf eine reibungslose Anbindung des Hauptbahnhofs an den U-Bahn-Verkehr gesetzt. Das Pilzkonzept habe sich allerdings als zu teure Schnapsidee…“

„… die elektrischen Installationen im Frachtgut-Bereich nicht absichtlich vergessen worden seien. Vielmehr habe man durch illegale Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern, deren Aufgabe laut Jobcenter eigentlich die Bedienung der automatischen Brandschutztüren…“

„… zuversichtlich, dass eine Angleichung der Verspätungen von S-Bahn und Flugverkehr rasch und bürokratiearm in die Wirklichkeit umgesetzt…“

„… habe es bei der Beschriftung diverse Pannen gegeben. Die Montage des Schildes WC oberhalb des Haupteingangs sei nur eine der zahlreichen…“

„… habe der Verband der Taxifahrer wegen der steigenden Kraftstoffpreise bereits eine Beförderungsgarantie für seine Mitglieder in Anspruch genommen. Würden die Fahrer wegen der ÖPNV-Anbindung des Flughafens nicht genügend ausgelastet, so stehe ein Generalstreik unmittelbar…“

„… habe sich das Konsortium ausnehmend positiv über den Luftverkehr geäußert. Nachdem BER aus den internationalen Flugrouten wieder gestrichen worden sei, habe sofort eine spürbare…“

„… die Deutsche Bahn eindeutig dafür aussprach. Nächtliche Leerflüge seien eine optimale Ergänzung zum nicht mehr stattfindenden ICE-Verkehr, der die gemeinsame überflüssige Planung mehr als…“

„… koste die Verlängerung des Vertrages die Stadt Berlin fast zwei Millionen Euro. Da das Personal das Unhöflichkeitstraining zur Anpassung an die lokalen Verhältnisse nicht rechtzeitig genug aufgenommen habe, müsse nun mit einer größeren Summe wieder für eine…“

„… BER als Güterverkehrsknotenpunkt in die weitere Wirtschaftsplanung der Bundesrepublik fest miteinbezogen. Einerseits stelle die mangelnde Planungssicherheit des Flughafens ein gewaltiges Risiko für die Exportwirtschaft dar, das sich aber durch die negativen Wirkungen des Flugverkehrs volkswirtschaftlich mehr als ausgleichend…“

„… sich bisher als nicht tauglich erwiesen, die Berliner mit Döner für 1,99 € anzulocken. Der Flugverkehr der Billigrouten sei zwar in demselben Preissegment beheimatet, doch sei ein Flug pro Mittagspause nicht mit den…“

„… seien unter anderem auch die Billigflüge für 9,99 € ein Problem der Planungssicherheit. Rösler schlug vor, die Lohnkosten nochmals extrem zu…“

„… habe das Sicherheitspersonal einen Vierfarbkugelschreiber gefunden. Das auf der Liste historischer Hieb- und Stichwaffen geführte Objekt sei dem CDU-Politiker zum Verhängnis …“

„… liege das Problem in den historischen Wurzeln. Berlin warte immer noch darauf, dass die technische und finanzielle Unterstützung der Westdeutschen dem Desaster alsbald ein Ende…“

„… mit der Wirtschaftskompetenz der Berliner zu lösen sei. Senatorin von Obernitz habe vorgeschlagen, dass bereits bei einer mittleren Auslastung von nur 450% der Flughafen genügend Rücklagen gesammelt habe, um pünktlich im Januar 2013 seine Eröffnung…“

„… sich Wowereit vom Flughafen Berlin Brandenburg deutlich distanziert haben solle. Eine regelmäßige Partyveranstaltung sei jedoch mit dem Zweck des Airports nur schwer zu…“

„… sei es richtig, dass weitere Kontrollräume unterhalb der Towerkanzel gebaut worden seien. Man habe allerdings aus Kostengründen auf die Fußböden verzichtet, da sich dadurch gleichzeitig eine Einsparung der Decken der darunter liegenden Räumlichkeiten…“

„…dass Hertha BSC nicht allein durch das Sponsoring der Deutschen Bahn so katastrophal…“

„… spreche für eine Einweihung im Jahr 2013, dass nur eine Start- und Landebahn betrieben werden könne, was angesichts der zu erwartenden Auslastung des Flughafens für eine geradezu visionäre Umweltkompetenz…“

„… die Provisorien eingeplant seien, bei einer zufälligen Annäherung der Nutzungszahlen an die prognostizierten Werte aber jederzeit neue vorübergehende Bereiche eröffnet werden könnten. Die Flughafenleitung plane derzeit eine Wartezone in Neukölln mit Raucherzone in Steglitz, die durch den S-Bahn-Verkehr noch innerhalb derselben Kalenderwoche angebunden…“

„… die Griffe an den Toilettentüren nach den neuesten ergonomischen Standards geformt seien. Ihr Design setze Maßstäbe und werde die Wahrnehmung des Flughafens entscheidend prägen. Mit der Lieferung sei im Sommer 2013 zu…“

„… die Abfertigungpavillons sicher bereits 2014 und damit wesentlich früher als die übrigen Zugänge fertiggestellt sein dürften. Mit der Übergabe der Zugangstunnel sei frühestens im März 2015 zu rechnen, doch sei dies nicht erheblich, da die Bestandteile ja flughafentypisch vor allem aus der Luft erreichbar…“

„… das Gepäckband nur aus ästhetischen Gründen rückwärts…“

„… sich die Tunnelgrabungen schwieriger gestalteten als angenommen. Die aus Stuttgart angereisten Experten hätten zunächst die Kosten…“

„… sei es zu dem peinlichen Zwischenfall gekommen, da der Pilot seine Landeerlaubnis an dem nicht existierenden Flughafen erhalten habe. Die Maschine mit Papst Benedikt XVI. sei im letzten Moment…“

„… stehe die Feldlerche nicht unter Naturschutz. Probleme bereite der Behörde aber die Ansiedlung des Juchtenkäfers, der seine Population auf der Startbahn mehr als doppelt so…“

„… sich in einem erneuten Machbarkeitstest an den acht Check-in-Inseln mit zusammen 94 Schaltern die Passagierdarsteller mehrere Zwischenfälle zutrugen. Zu den angenehmeren Ereignissen gehörte die Bekanntschaft von Janina P. (31) und Kai-Malte K. (32), die sich in der Warteschlange verlobten, heirateten und nach der Entbindung des Sohnes Kevin Leon Yves dessen Einschulung in die…“

„… als eine außergewöhnlich gute Idee, den neuen Hauptbahnhof unter dem Flughafen Berlin Brandenburg anzulegen. Mit knapper Mehrheit hatte das Abgeordnetenhaus verhindert, dass der Flughafen unter dem Berliner Hauptbahnhof…“

„… habe sich die Anton Schlecker e. K. bereiterklärt, das Objekt ab 2016 zu übernehmen. Die für einen symbolischen Euro gekaufte Bauruine biete dem Einzelhandelskonzern die idealen Voraussetzungen für einen Flagship Store auf…“

„… mit einer knappen Mehrheit für die Verlegung der Bundeshauptstadt nach Bonn ausgesprochen…“





Mehr Volksdemokratie wagen

17 10 2011

„Und wie viele Personen werden kommen?“ „Weiß nicht.“ „Sie müssen doch wissen, wie viele Sie erwarten?“ „Weiß ich nicht, das hängt eben davon ab.“ „Hängt wovon ab?“ „Was jetzt auf der Demo los ist?“ „Und wovon hängt das ab?“ „Wogegen wir jetzt protestieren.“

„Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann planen Sie diese Demonstration…“ „Ja, weil sich endlich mal etwas tun muss!“ „… und Sie wissen noch nicht genau, wofür Sie demonstrieren.“ „Wogegen. Wir sind gegen etwas.“ „Das sei mal dahingestellt. Schließlich ist es nur eine Sache der Perspektive. Aber Sie müssen doch ungefähr wissen, was Sie mit Ihrer Aktion erreichen wollen:“ „Wir sind dagegen, dass das alles so bleibt.“ „Und wie soll die Zielgruppe, die Sie mobilisieren, dann wissen, dass es Ihre Zielgruppe ist?“ „Das sehen wir, wenn wir wissen, wogegen die Leute sind.“ „Sie wollen also die Demonstration davon abhängig machen, welche Leute sich angesprochen fühlen?“ „Klar, das ist ja auch irgendwie basisdemokratisch und so.“ „Aber wie sollen denn die Leute sich an Ihrer Demonstration beteiligen, wenn sie gar nicht wissen, wofür…“ „Wogegen!“ „… Sie hier überhaupt demonstrieren? Das ist doch unlogisch?“ „Es geht uns doch um Teilhabe.“ „Ah, endlich mal ein vernünftiger Ansatz! Teilhabe woran? An der wirtschaftlichen Entwicklung? an der Bildung?“ „Am Protest. Wir wollen, dass alle, die auch gegen das da sind, am Protest teilhaben können.“ „Wogegen denn?“ „Gegen das, wogegen wir protestieren.“ „Aber wogegen protestieren Sie denn bitte!?“ „Dass es zu wenig Teilhabe gibt. Am Protest beispielsweise.“

„Jetzt mal ganz langsam. Sie sagen, Sie wollen eine Demonstration veranstalten mit den Leuten, die demonstrieren wollen, weil sie sonst nicht demonstrieren könnten.“ „Irgendwie so.“ „Also die, die sonst nicht demonstrieren?“ „Ja, weil die wollen wir jetzt ja auch mobilisieren, dass sie mal auf die Straßen gehen und eine Forderung stellen.“ „Quasi wie die Nichtwähler, die sich mobilisieren lassen müssen, weil sie sonst nicht zur Wahl gehen?“ „Nein, eher wie die, die Protestparteien wählen, sich aber nicht für eine entscheiden können.“ „Und das bringt jetzt genau was?“ „Das ist dann ein ganz deutliches Zeichen an die Gesellschaft, dass wir uns gegen die bestehenden Verhältnisse aussprechen.“ „Geht das möglicherweise auch ein klein wenig konkreter?“ „Sie meinen, wofür wir…“ „Ich dachte, dagegen?“ „… und konkret engagieren? Das ist eher so eine gesamtgesellschaftliche Sache, die wir als Fundament für unsere Kritik nutzen. Mehr so das partizipatorische Element irgendwie.“ „Also wollen Sie die Leute, die nicht wissen, wogegen sie sein sollen, abholen und sie gegen irgendwas protestieren lassen, von dem sie selbst noch nicht wissen,. was es eigentlich ist?“ „Nein, es ist doch eher die Teilhabe an der Bewegung. Man muss die Menschen doch repolitisieren, damit sie auch mal sehen, dass sie nur mit mehr Teilhabe eine Chance auf eine politische Meinung haben.“ „Sie meinen: dass sie mit einer politischen Meinung eine Chance bekommen auf mehr Teilhabe?“ „Klar. Es hängt ja irgendwie auch alles zusammen und so.“

„Also sollen sich die Leute eine politische Meinung bilden, damit sie sich mehr Teilhabe erstreiten können, richtig?“ „Ja, das wäre schon gut. Wir müssen uns auch als gesamtgesellschaftliche Gruppe verstehen, die sich in den Prozess…“ „Können wir alles später. Erst mal sind wir hier bei der politischen Meinung. Wie soll die denn im Einzelnen aussehen?“ „Wie jetzt?“ „Was soll denn diese politische Bewusstseinsbildung ergeben? Sie müssen doch, wenn Sie sich für…“ „Gegen!“ „… eine politische Meinung entscheiden und sie in der Öffentlichkeit artikulieren, auch eine entsprechende Basis an Fakten haben, und sie müssen sich dann eine politische Richtung geben. Wo geht denn das hin?“ „Wissen wir nicht, wir dachten an Mitte und dann Richtung Reichstag und danach…“ „Ich meine die politische Richtung.“ „Ach so. Ja, das werden wir dann ja sehen, wenn die Leute sich uns anschließen. Das kann man ja auch nicht so über deren Köpfe hinweg entscheiden, das wäre auch voll undemokratisch und so.“ „Aber es müssen sich doch hier Gleichgesinnte treffen – das ist doch in jeder Partei so, dass Sie mit einer Forderung oder mit einer Meinung…“ „Dagegen!“ „Das ist doch vollkommen egal! Sie brauchen erst eine Meinung, und dann suchen Sie sich jemanden, der die ebenfalls vertritt, und dann können Sie eine Demo veranstalten, und am Ende steht dann die politische Teilhabe.“ „Aber das muss ja nicht so sein. Wir wollen eben erst die Menschen hinter uns sammeln, die sich auch für die gesamtgesellschaftliche Sache engagieren, für sich die Teilhabe an dem Prozess einfordern und dann für eine…“ „Ich dachte, Sie sind jetzt wieder dagegen?“ „Das ist aber immer nur eine Frage der Perspektive, wir müssen halt nur wissen, was wir mit unserer Aktion… – Was war jetzt noch mal die Frage?“ „Wofür, wogegen oder wie auch immer sind Sie? Warum gehen Sie auf die Straße? Was ist der Sinn und Zweck und Inhalt dieser Demonstration? Und warum sollte ich da mitmachen? Was habe ich davon, wenn ich mit dieser verdammten Demo durch die Hauptstadt latsche!?“ „Sie können Ihren Protest artikulieren, dass Sie mehr Teilhabe am Protest haben wollen, um Ihren Protest für mehr Teilhabe artikulieren zu können.“ „Und wenn diese Demo nicht zugelassen wird?“ „Dann grillen wir, heute soll’s noch schön werden.“





Durchgebrannt

22 07 2010

05:03 – Ein neuer Tag beginnt. Die sanfte Nachtkühle weicht gemächlich der Sommerluft, die einen sonnendurchfluteten, schönen Julitag mit sich bringen wird. Es ist Ferienzeit, ganz Deutschland freut sich auf die Genüsse der heißen Jahreszeit: Strand, Eiscafés und sinnlose Aggressionen im stockenden Autoverkehr, wie die leichte Berührung des Kotflügels durch einen Radfahrer mitten auf der Berliner Kantstraße Slobodan Z. (48) dazu bringt, die Tür aufzureißen und den radelnden Rowdy zu Boden zu reißen, was dieser, ein Sportstudent und nebenberuflich Türsteher eines Techno-Clubs in Mitte, ebenso wenig duldet wie die Ankündigung des erbosten Autofahrers, sich seiner, des Radlers, Mutter sexuell zu nähern – das Ergebnis sind ein komplizierter Bruch des Nasenbeins und eine mehrdimensional diese Verletzung wiedergebende Motorhaube. Die Temperaturen steigen.

06:04 – Die Nachwirkungen der vergangenen Tage sind nicht zu verleugnen, dieser Morgen baut auf wackeliges Fundament: kaum, dass die Sechs-Uhr-Nachrichten und einige Verkehrsmeldungen über den Äther gegangen sind, moderiert Chris M. (31), der Publikumsliebling der mittleren Generation auf den Wellen von Radio Berolina, seine Magazinsendung an mit dem Versprechen auf „Greatest Hits“. Der versehentlich sofort ins Studio durchgestellte Hörer, der englischen Sprache eher weniger mächtig als der lautstarken deutschen, bringt das Ausgangssignal locker in den roten Bereich und macht für Momente die Metropole zusammenzucken vor Ohrenschmerz. Das in letzter Sekunde eingeschobene Last Christmas entspannt die Situation nicht wirklich.

06:39 – Die ersten Vorortzüge leiden unter der Hitze des Tages. Bei einer Routinekontrolle findet ein Kontrolleur den schlafenden Roman H. (19) auf dem Sitz eines Schnellbahnwaggons. Er ahnt nichts Gutes, und tatsächlich verläuft der Fall wie viele andere dieser Tage: mit vereinten Kräften müssen zwei Bahnmitarbeiter den Jugendlichen vom Sitz entfernen, dessen Kunststoffoberfläche mit der schweißdurchtränkten Hose des Volltrunkenen eine sekundenkleberartige Verbindung eingegangen war. Sie sind froh, dass sie nicht, wie es bei Rosalia T. (33) nötig war, mit der Gegenwehr des Opfers zu rechnen hatten, war doch jene stark übergewichtige Frau nur in einem luftigen, kurzen Rock und mit nackten Armen im Sitz geschmolzen.

08:05 – Die Berliner Liberalen errichten auf dem Kurfürstendamm einen Informationsstand, der überraschenderweise ganz in frischem Blau gehalten ist. Fähnchen, Plakate, Handouts und ein großer Sonnenschirm verkünden den Slogan, mit dem die Steuersenkungsversprecherpartei um Sympathie buhlt: Das kalte Grauen. Das Ergebnis ist für die FDP-Mannen, denen nach kurzer Zeit der Angstschweiß auf der Stirn steht, eine herbe Enttäuschung. Die Berliner nehmen Westerwelles Schnöselverein nichts mehr ab, und sei es auch ausnahmsweise einmal ehrlich.

09:13 – Auf der Redaktionskonferenz von BILD geht es heiß her. Während die Schlagzeilenredaktion „Super-Sonne: So heiß ist Deutschland!“ empfiehlt, versucht der Panikbeauftragte „Furchtbare Mörder-Glut: Wir werden alle sterben!“ durchzudrücken; sein vehementes Pochen auf die Tatsache, dass die enormen Temperaturen und der Druck von 200 Milliarden bar im Sonnenkern quasi sofort tödlich für einen normalen Bundesbürger wären, lassen die Stimmung langsam kippen. Kurz vor einer Kompromisslösung, die die Verantwortlichen in „Wahnsinn – die ganze Wahrheit über die Sonnengefahren aus dem Weltall!“ finden, lässt sich das Kanzleramt durchstellen. Die Direktive, mit „Sommer gewuppt! Super-Angie macht ganz tolle Vorschläge gegen die Klimaveränderung!“ zu titeln, wird wie üblich mit Kadavergehorsam umgesetzt.

10:28 – Nach der Schlappe des Nichtraucher-Plebiszits in Bayern setzt der Bundesverband der Tabakwarenhersteller ein Zeichen in Richtung Gesundheitsbewusstsein. Auf seiner Website empfiehlt er, möglichst viel Wasser zu trinken. Die sofort angestrengte Klage der Brauereiwirtschaft kommt überraschend.

11:02 – Bundesjugendministerin Schröder weiht in Marzahn einen Spielplatz ein. Die anwesenden Fotografen dürfen jedoch erst knipsen, als zwei Mitarbeiter die Kinder arbeitsloser Eltern von der Wippe und aus dem Sandkasten geschmissen haben. Sie teilt mit, das sei nicht gerecht gegenüber denen, die arbeiteten. Die Fotos werden schnell geschossen, man stellt dabei fest, dass Schröder obenherum schon recht braun ist.

11:24 – Passanten machen die Polizei darauf aufmerksam, dass Holger Apfel nun schon eine ganze Stunde lang am Potsdamer Platz seine Rede an die national gesinnten Landsleute hält. Der Sprachakrobat hat sich dazu auf die Transportkiste eines reichsdeutschen Bananenzüchters gestellt und tümelt völkisch in die Berliner Luft. Beobachter fürchten, die NPD-Figur habe sich bereits einen Hitzschlag zugezogen, denn Apfel stammelt mit hochrotem Kopf. Ein eilig hinzugezogener Notarzt kann jedoch Entwarnung geben; von einem Hirnschaden könne bei Holger Apfel nicht die Rede sein. Da sei nichts zu beschädigen.

11:55 – Auf die Minute pünktlich beginnt die Pressekonferenz der Deutschen Bahn AG, die um gute Publicity nach den hitzebedingten Ausfällen auf den ICE-Strecken bemüht ist. Leider häufen sich auch hier die Pannen. Weder sind die für die wartenden Journalisten gedachten Getränke angeliefert worden, noch hatte jemand bedacht, wie man 190 Pressevertreter in einem mit 32 Einheiten Sitzmobiliar, davon 10 für Bahn-Chef Grube und seine engsten Mitarbeiter, aufbewahren soll. Das PR-Event wird nun mit körperwarmem Apfelsaft knapp an der Grenze des natürlichen Gärprozesses im Foyer durchgezogen, da hier ausreichend Steh- und Außenplätze hinter der Frontscheibe vorhanden sind. Dummerweise wurde Rüdiger Grube nur sehr oberflächlich in die technischen Hintergründe des Projekts eingeführt, so liest er zwar flüssig von den ihm zugesteckten Kärtchen ab, stellt aber den erstaunten Zeitungsschreibern eine Aktion vor, bei der die Bahn pro Grad Celsius einen Euro teurer wird. Die Sache verläuft unbefriedigend.

12:18 – Die Wirtschaft muss sich den Gefahren einer neuen globalen Krise stellen, wie sie die Klimaveränderung darstellen dürfte. Arbeitgeber und Kapitaleigner, Industrie und Innere Sicherheit müssten nun an einem Strang ziehen, so Funktionär Dieter Hundt. Die volkswirtschaftlichen Kosten der durch die Erderwärmung hervorgerufenen Schäden seien noch gar nicht zu beziffern, man müsse also vom Schlimmsten ausgehen; auch die Folgekosten für den Krankenstand, der ausschließlich aus dem Verschulden erkrankter Arbeitnehmer resultiere, dürfe man jetzt nicht verschweigen. Das einzige Mittel, um das ungebremste Wachstum der Aktien an ausländischen Finanzplätzen zu beschleunigen, sei konsequenter Lohnverzicht – man könne vorerst mit einer Kürzung um 100%, befristet bis 2050, eine relative Planungssicherheit erreichen.

13:37 – Erste Anzeichen einer parlamentarischen Arbeit sind spürbar. Die Gerüchte, die Regierung wolle zur Haushaltssanierung eine Hitzesteuer einführen, werden vom Bundesfinanzministerium empört zurückgewiesen. Diese Meldung entbehre jeder vernünftigen Grundlage.

13:40 – Der zwischenzeitlich veröffentlichte Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministers sieht vor, die Steuer einzuführen, sie jedoch nur auf Sozialleistungen und kleine Renten aufzuschlagen. Man dürfe nicht zulassen, so Brüderle, dass die Leistungsträger in Deutschland über Gebühr mit Angelegenheiten des Staates behelligt würden.

13:46 – Das Hitzeerschwerungsbeschleunigungsgesetz werde selbstverständlich sofort in Kraft treten, betonte Innenhilfsminister Westerwelle; er selbst, so der Hilfsinnenminister, werde auch dafür Sorge tragen, dass nicht versehentlich eine Steuersenkung passiere.

14:21 – Eine Straßenumfrage führt zu dem Ergebnis, dass 87,3% der Personen die Frage, ob sie es heiß fänden, uneingeschränkt bejahen. Nur 1,2% stimmen dem generell zu, geben jedoch der Vorgängerregierung die Schuld an den momentanen Entwicklungen auf dem Temperatursektor.

15:03 – Auf Grund einer Störung im Kühlwasserkreislauf schaltet das Atomkraftwerk Brunsbüttel sich selbsttätig ab. Der Betreiber weist Zusammenhänge mit der Temperatur des Flusses weit von sich. Die vorsorgliche Abschaltung sei in der Folge einer Warnung vor Überlast geschehen, die durch die zahlreichen in Deutschland laufenden Ventilatoren verursacht wurde. Wer beim Anblick eines Windkraftwerks, so ein Vattenfall-Sprecher, nicht bemerke, dass die erneuerbaren Energien nur erfunden worden seien, um Deutschland in eine nukleare Katastrophe zu manövrieren, der fördere damit den globalen Terrorismus. Man werde, um diese Kränkung seelisch zu verkraften, sofort die Strompreise erhöhen.

15:32 – Die durchschnittliche Temperatur des Wassers steigt in ganz Deutschland an, was vor einer Erwärmung des Leitungswassers nicht Halt macht. In einem selbstlosen Akt der Solidarität mit den am Boden zerstörten Kernkraftwerkern kündigt der Verband der Wasserversorger an, die Preise für Warm- und Warmwasser – Kaltwasser könne man das nicht mehr nennen – zu vereinheitlichen. Auf dem Preisniveau von Warmwarmwasser.

15:46 – Die Temperaturen sind noch immer viel zu hoch. In einem heftigen Schlagabtausch geben sich Regierung und Opposition gegenseitig die Schuld; die Liberalen werfen der SPD auf der ganzen Linie Versagen bei Tiefdruckgebieten vor, während Abgeordnete der Bündnisgrünen höhnisch darauf verweisen, dass die Kanzlerin auf ihrem fliegenden Teppich in letzter Zeit über schlechte Thermik geklagt hatte. Ein Kompromiss kommt erst in Sicht, als die Klimaanlage des Plenarsaals schwächelt. Man beschließt, Verhandlungen aufzunehmen.

16:00 – Scharfe Proteste der Wasserverbraucher führen dazu, das Berechnungsmodell nochmals zu überdenken. Man werde, so die Wasserversorger, dann doch nur das erwärmte Kaltwasser preislich anpassen, eine Steigerung von einem Cent pro Grad und Liter sei als gerechtfertigt anzusehen. Wem dies nicht passe, könne sein Wasser ja aus den Mineralbrunnen beziehen.

16:48 – Auch im Konrad-Adenauer-Haus ist die stickige, verbrauchte Luft spürbar, und so verzichtet die CDU auf weitere Rücktritte auf Führungsebene. „Morgen“, verkündet der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder, „ist ja auch noch ein Tag.“

17:05 – Die rasch zusammengetrommelten Ausschüsse haben zwei Modelle erarbeitet: während sich Union und FDP für eine Steigerung der Ausgaben bei gleichzeitiger Beibehaltung der Außentemperaturen in den besseren Bezirken aussprechen, verneinen SPD und Grüne diesen Vorschlag als nicht verfassungskonform, sozial unverträglich sowie äußerst demokratiefeindlich. SPD-Chef Gabriel schlägt eine Senkung der Temperatur in drei Schritten vor. Der Entwurf der CDU/CSU wird mit allen Stimmen von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen angenommen; die Linke enthält sich, wie zuvor angekündigt, einstimmig, da der Deutsche Bundestag nicht bereit ist, Israel die Schuld für die Sommertemperaturen zu geben.

18:02 – Ein auf dem Schiffbauerdamm torkelnder Passant wird von mitleidigen Bürgern in der Spree erfrischt. Die Umstehenden sind der Ansicht, der Mann habe dies bei Gleichgewichtsstörungen und Kopfweh sehr nötig gehabt, schließlich habe er gegen die Hitze zuvor schon zehn Glas Bier getrunken – ohne Erfolg.

18:57 – Die Klimaanstrengungen zeigen erste Erfolge. Zwar sind die Auswirkungen mit Luftfeuchtigkeit und Luftozongehalt noch immer unangenehm, doch sieht Kanzlerin Merkel hier einen enormen Fortschritt.

19:04 – In einer eigenen Pressemitteilung lässt Sigmar Gabriel die Presse wissen, dass die jetzige spürbare Entlastung der Temperatur eine Folge der an sich unmenschlichen, verfassungswidrigen und zutiefst amoralischen SPD-Wetteragenda sei, der man vorwerfe, sie wolle Deutschland auf Dauer in ein Niedrigluftdruckland verwandeln; die Erfolge der ad hoc vorgenommenen Senkung seien jedoch vollkommen gerechtfertigt, wenngleich die SPD auch nicht verhehlen wolle, dass die Deutschen in den vergangenen Sommermonaten über ihre Verhältnisse geschwitzt hätten – die Energiebranche und der Auslandstourismus seien eben auch für wichtige Arbeitsplätze verantwortlich in den Vorstandsetagen der Frühstücksdirektoren. Auf jeden Fall sei die Regierung zur Verantwortung zu ziehen.

19:52 – Kurz vor den Abendnachrichten lässt sich Außeninnenminister Westerwelle noch einmal für einen TV-Bericht interviewen. Er betont, dass sich die Liberalen aus Vernunft der Temperatursenkung nicht verschlossen haben, gleichwohl es eine klare Teilung geben müsse: die Aktionärselite müsse es schön warm haben, während dem Prekariat die Aufgabe zufalle, ihn nicht zu belästigen. Eine einfache, niedrige und gerechte Temperatur für die Besserverdienenden könne es jedoch dauerhaft nur mit dem Projekt 18 Grad Celsius geben. Wegen eines Wutanfalls beim Stichwort Transferleistungsempfänger wird Westerwelle erst fertig, als die Tagesschau schon komplett über die Bildschirme geflimmert ist.

20:29 – Kurz vor dem Bahnhof Zoologischer Garten bleibt ein Fernzug im Gleisbett stecken. Die Verantwortlichen würden gerne helfend eingreifen, wenn sie wüssten, ob sie dazu technisch in der Lage wären. Nach einer längeren Beratung, während der die Fahrgäste im hermetisch abgeriegelten Zug ausharren müssen, bescheidet man das Ansinnen mit einer abschlägigen Antwort. Die Bahn hat nicht genug Schotter.

23:04 – Die Abendkühle senkt sich hinab auf die Häuserschluchten der Hauptstadt, und kurz vor dem Schlafengehen zieht es Karl-Otto F. (53) doch noch einmal in die stillen Seitenstraßen Moabits, wo er, in Trainingshose, Feinrippunterhemd sowie blaue Badeschlappen gekleidet, noch ein bisschen frische Luft schnappen will, ein launiges Liedchen auf den Lippen, im Herzen eigenwillig, aber doch stets keck und froh, wie die Berliner nun mal sind. Bei der Einlieferung in die Charité wird festgestellt, dass sich die abnorme Stellung der Wirbelsäule und der Luftröhre durch eine mit kurzem, aber heftigem Druck in F.s Oberkörper eingeführte Vuvuzela erklären lässt. So endet ein Tag in Berlin, ein schöner und ereignisreicher Reigen der Stunden, in denen ein paar ganz normale Menschen einfach nur die Sommersonne genießen wollten.