Neuartige Viren

22 02 2021

„… eine Lizenz für die Gesamtausgabe des Brockhaus erworben habe. Diese könne allen Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, um den Unterricht noch besser zu…“

„… nur im Präsenzunterricht geleistet werden könne. Zu Hause seien Eltern mit pädagogischer Unterstützung ihrer Kinder überfordert und müssten ihre Arbeitsleistung einschränke, was zu…“

„… die Nutzungsgebühr 2,6 Millionen Euro für insgesamt drei Jahre betrage. Gebauer gehe davon aus, dass angesichts ihrer politischen Maßnahmen die Pandemie nicht vorher, sondern eher noch…“

„… seien Klassenräume viel größer als ein durchschnittliches Wohn- oder Arbeitszimmer, was ein effektiveres Lüften ermögliche. Laschet fürchte erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bei Schülern, die eine spätere Berufsausbildung…“

„… nicht auf häuslichen Computern genutzt werden könne. Die Lizenzbedingungen würden voraussetzen, dass der Zugang ausschließlich auf den Schulrechnern gewährt würde, um keine private Nutzung durch unbefugte Dritte oder Schüler aus anderen Bundesländern, die nicht von…“

„… nicht vorab auf ihre Funktionsfähigkeit getestet habe. Gebauer wisse nicht, wie man einen Computer anschalte, dies erledige ein Mitarbeiter für sie, der sonst mit Reinigungsaufgaben oder…“

„… eine zusätzliche Zugangssoftware erfordere, die aus rechtlichen Gründen allerdings nur von den Lehrern der jeweiligen Schule installiert werden dürfe. Bertelsmann als Lizenzgeber habe andere IT-Mitarbeiter oder Schüler mit Computerkenntnissen abgelehnt, da dies vertraglich ausgehandelt und…“

„… habe die Landesregierung schon so viel in die Enzyklopädie investiert, dass man nicht nach Belieben Luftfilteranlagen kaufen könne, wie sie im Landtag von Nordrhein-Westfalen oder den…“

„… es nicht ausreichend Computer für alle Schülerinnen und Schüler in NRW gebe, so dass das digitale Nachschlagewerk gar nicht in vollem Umfang nutzbar sei. Gebauer habe allerdings darauf hingewiesen, dass es auch nicht ausreichend Lexika für alle Schulen gebe, so dass ihr Lizenzkauf einen riesigen Schritt in Richtung Digitalisierung der…“

„… an anderer Stelle Sparmaßnahmen in den Schulen vornehmen müsse. Die Landesregierung habe angeregt, das für Lehrkräfte erforderliche Diensthandy durch Dosentelefone zu ersetzen, die der Sohn des Ministerpräsidenten in großer Menge für einen Verkaufspreis von nur…“

„… die Anschaffung zusätzlicher Rechner ein weiteres haushaltsrechtliches Problem darstellen würden. Auch bei einer kostenneutralen Lösung dürfe nur die bisher nutzbare Anzahl an Computern auch genutzt werden, da Gebauer die Lizenz für eine definierte Anzahl an Arbeitsplätzen, die bis zum 1. April 2021 angemeldet worden seien, sowie zwei bis drei für das Ministerium…“

„… sich eine Offline-Ausgabe des Brockhaus in zahlreichen öffentlichen Bibliotheken befinde, so dass auch in den Ferien oder für die unteren Klassenstufen eine ausreichende Versorgung mit…“

„… die Passwortherausgabe nicht geregelt sei. So dürfe ein Schüler zwar bei nicht ausreichender Zahl an Computern im Unterrichtsraum bei anderen mit auf den Bildschirm schauen, beim Vergessen des eigenen Passworts werte Bertelsmann dies als widerrechtliche Nutzung und werde Bußgelder in Höhe von mehreren tausend…“

„… zu theoretisch sei. Laschet habe im Kabinett eine rasche Reform der Lehrpläne angeregt, um die praktischen Anteile der Schulausbildung durch neue Unterrichtsfächer wie Küchenbau oder…“

„… im Falle eines erneuten Shutdowns nicht die Rechner in die häusliche Umgebung der Schüler transportieren dürfe, da die mit Bertelsmann verhandelten Nutzungsbestimmungen dies nicht…“

„… reiche es nach Ansicht Laschets völlig aus, die Fenster auf dem Computer regelmäßig zu schließen und neu zu öffnen, ohne die Kosten für Luftfilteranlagen in allen Klassenräumen zu…“

„… einfach vergessen habe. Ohne Funktionen wie Kopieren und Drucken von Inhalten der digitalen Enzyklopädie sei beispielsweise die Übernahme in Arbeitsblätter oder Referate nicht möglich. Da Gebauer davon ausgegangen sei, dass Schüler Bildschirminhalte lieber handschriftlich notieren würden, sei dies im Lizenzvertrag nicht…“

„… wolle das Kultusministerium Pädagogen die Unterrichtsvorbereitung erleichtern. Wie das Büro der Ressortleiterin mitgeteilt habe, werde man in vielen Schulen Tablets als Leihgeräte zur Verfügung stellen, mit denen sich Lehrer in den Ferien oder am Wochenende mit einer DVD-Ausgabe der…“

„… nach den ersten Testläufen immerhin gut verlaufe, auch wenn das Umblättern der Seiten mehrere Minuten in Anspruch nehme. Das nordrhein-westfälische Kultusministerium weise in diesem Zusammenhang jede Kritik an Bertelsmann zurück, da sich dieser technische Mangel durch die geringe Ausstattung an Arbeitsspeicher auf den Schulcomputern ergebe, für die man mehrere hunderttausend Euro und…“

„… man am Smartphone-Verbot in den Schulen weiterhin festhalte. Die Landesregierung fürchte, dass durch Hackerangriffe auf das Lexikon Inhalte gelöscht oder nicht mehr allen Schülern vollständig zur…“

„… offenbar nicht auf dem aktuellen Stand sei. Der Erdkundeunterricht nutze beispielsweise noch Kartenmaterial einer älteren Auflage, in der die Exporte von Rohkautschuk und Nilpferdzähnen aus Deutsch-Ostafrika ins Königreich Bayern mit…“

„… fehlende WLAN-Kabel nicht von Lehrern oder Eltern aus privatem Bestand ersetzt werden dürften. Laschet könne durch familiäre Kontakte bis zu zehn Millionen Kilometer Computerschnur samt notwendiger Stecker zu einem Preis von nur…“

„… sich neuartige Viren durch den Download verbreiten könnten. Zusätzliche Sicherheits- und Schutzmaßnahmen halte Gebauer jedoch für nicht notwendig. Die Landesregierung kenne sich zwar nicht mit Viren aus, könne aber über alles Aussagen treffen, was auf wissenschaftliches…“

„… Lüftungsanlagen frühestens 2027 in den Schulen aufgestellt werden könnten. Bis dahin, so die Landesregierung, werde auch dank der in den Klassenräumen entstehenden WLAN-Strahlen die Keimbelastung auf ein wesentlich geringeres…“

„… weise Bertelsmann die Kritik zurück. Es sei Schülern durchaus zuzumuten, ausschließlich mit einem Lexikon ohne didaktische Aufbereitung zu arbeiten. Gebauer habe dem zugestimmt. Da sie auch nicht wisse, was ‚didaktisch‘ heiße, könne sie sich inhaltlich gar nicht mit diesem…“

„… dass Wikipedia nicht als Ersatz für eine redaktionell betreute Lexikonreihe tauge. Im Gegensatz zum Brockhaus seien hier zu viele Bilder enthalten, die eine Ablenkung für die Schüler durch die verlängerten Ladezeiten der…“

„… Artikel im Band I – L noch in Frakturschrift gesetzt seien. Das Kultusministerium wolle zeitnah Lehrkräfte aus dem Ruhestand wieder in den Unterricht einbinden, um die Schüler so schnell wie möglich mit dem…“

„… es für viele Schüler durch pandemiebedingt schlechte Lernleistungen kaum noch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt geben werde. Laschet sei dennoch zuversichtlich, zahlreiche Menschen ohne Bildungsabschluss als Kultusministerin oder im…“





Rechenschieber

14 01 2021

„… habe die ARD beschlossen, während des Lockdowns drei Stunden täglich Lernformate im Fernsehen anzubieten, die für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen…“

„… nicht mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt worden sei, so dass sich teilweise eine Redundanz zu den Lehrplänen der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Physik in Hessen und dem Saarland, in Mathematik und Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Untersekunda in Baden-Württemberg sowie in Englisch und…“

„… habe Scheuer gegen die TV-Übertragungen entschieden protestiert. Deutsche Schulen seien erst seit etwa zwanzig Jahren an das Interwebnetz angeschlossen, die verfrühte Informationsdominanz durch das lineare Fernsehen könne schnell alle Fortschritte des Netzkompetenzaufbauprogramms der Bundesregierung im Keim…“

„… werde der Bayerische Rundfunk die von der ARD und ihren Spartenkanälen angebotenen Lerninhalte nicht mittragen. Ein für alle Klassen verpflichtender katholischer Religionsunterricht müsse in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, um die sittliche Verrohung durch den außerschulischen Unterricht möglichst…“

„… auch Sendungen des BBC in den täglichen Lehrplan aufnehmen wolle. Nach Ansicht der Kultusminister könne man so das Fach Englisch komplett einsparen und habe mehr Freiräume, die Schüler durch praxisnahe Inhalte wie Latein und…“

„… befürchte Buhrow den Rückgang von Werbeeinnahmen. Es sei allerdings möglich, die pädagogischen Formate durch beliebte Sendungen wie Sturm der Liebe aufzulockern, um eine nachhaltige Zuschauerbindung bereits jetzt zu…“

„… bestehe der Plan der von Merkel dirigierten Systemmedien darin, das Jungvolk moralisch zu versiffen. Die Häufung der Beiträge im Fach Kunst über jüdische oder homosexuelle Maler sei der Versuch der von Bill Gates gesteuerten Kanzlerin, eine ganze Generation zum Hass auf die deutsche Kultur zu erziehen. Gauland werde dem nicht ohne eine Klage vor dem…“

„… aus Kostengründen alte Sendungen aus dem Schulfunk der dritten Programme wiederholen wolle. Thüringen und Sachsen hätten jedoch empört gegen eine neuerliche Vernachlässigung ihrer Bundesländer gefordert, den Rundfunkbeitrag nicht mehr an die…“

„… dass die politische Gliederung Deutschlands in sechzehn Bundesländer zwar wichtig sei, im Lehrplan der Klassenstufe 5 jedoch zwingend die Größe der Regenwälder sowie die Nebenflüsse des Amazonas und der…“

„… kritisiere die Kultusministerkonferenz vor allem die mangelnde inhaltliche Tiefe der Beiträge. Ein Film über die moderne Großstadt als Wohn- und Naturraum müsse unbedingt einen Exkurs über die Notwendigkeit ständiger Mietsteigerungen beinhalten, da sonst falsche Vorstellungen vom Sinn des Schulunterrichts bei den…“

„… es allerdings nicht mehr möglich sei, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Sendungen von 1970 zu wiederholen, da der zur Durchführung der Übungsaufgaben erforderliche Rechenschieber nur noch in wenigen Haushalten im…“

„… nur wissenschaftliche Einzelmeinungen abbilde. Der Verband Kritischer Eltern wolle nicht hinnehmen, dass die Evolutionstheorie als absolute Wahrheit dargestellt werde, ebenso fordere die Bundessprecherin eine Wahlfreiheit, ob die Erde als Scheibe oder…“

„… den Geschichtsunterricht bewusst entstellt habe, um alle Deutschen in den Schuldkult zu treiben, der nur in der ewigen Befriedigung gieriger Juden enden könne. Höcke werde sich vor dem…“

„… es mehr Kontrollen über den Lernerfolg geben müsse. Söder mahne an, dass für die frei verfügbaren Lerninhalte keine Erfolgskontrolle und eine kommentierte Lehrerausgabe der Filme im Netz zu finden sei. So könne sich jeder Schüler eine freie Meinung bilden, was nicht im Sinne des…“

„… die Beiträge deutlich straffen und mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen müsse. Die Kultusminister würden befürchten, dass sich die Verkürzung der Schulzeit auf maximal zwölf Jahre sonst nicht abbilden lasse, was zu einer drohenden Untauglichkeit der Schüler für das Arbeitsleben…“

„… bedürfe es lediglich eines Fernsehers oder eines digitalen Endgerätes, um den Sendungen zu folgen. Es sei für Heil nicht Aufgabe des Staates, sozial schwachen Familien diese Technik über den ALG-II-Regelsatz zu finanzieren, außerdem liege es natürlich im Ermessen jedes einzelnen Bürgers, ob er sich Kinder anschaffe oder weiterhin als…“

„… die Filme über den Reichstagsbrand, den Polenfeldzug sowie die Judenverfolgung und den Holocaust als sehr gute Aufbereitung des Materials für die gymnasiale Mittelstufe bezeichnet habe. Es sei jedoch erforderlich, so Seehofer, dass nach jedem dieser Clips ein Warnhinweis vor der Antifa, die sogar Autofenster zerstören würden, um ihre menschenverachtenden und…“

„… scharfe Kritik an den Aussagen der ARD geübt habe, dass die Kinder die Lerninhalte von den Eltern begleitet anschauen sollten. Dies könne auf Dauer aber dazu führen, dass ihre wirtschaftliche Leistung durch die ständige Betreuung ihrer…“

„… beides verbinden wolle. Die Kultusminister hätten angeregt, alle Schüler im privaten Rahmen zu versammeln, um den Schulfunk zu sehen. Eltern seien damit wieder arbeitsfähig und hätten keine Infektionen im schulischen Rahmen mehr zu…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLI): Das Recht auf Bildung

20 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Manche meinen, es sei Luitpolt der Ausgeleierte gewesen, dem der Gedanke zuerst unterlaufen sei, andere halten Rudolf den Ersetzbaren für den Vater der Idee. Tatsächlich hatten die Soldatenkönige in Preußen einen ihrer philanthropischen Momente, als sie das von dem beliebten Menschenfreund und Befreiungstheologen Martin Luther angedachte Gebot christlicher Pädagogik mit sozial engagierter Verve in die Tat umsetzten – waren seit dem Mittelalter nur wenige angehende Kleriker und die für den Kaufmannsstand ausgewählten Söhne der betuchten Patrizierfamilien in den Genuss eines geregelten Unterrichts gekommen, so pochte 1717 Friedrich Wilhelm I. zeitgleich mit dem kulturellen Kahlschlag auf die Aufstallung der Landeskinder in Bildungsanstalten. Zwar war höchstens die Hälfte des Nachwuchses auch wirklich in den öffentlichen Schulen registriert, aber dafür bekam man dann wenigstens sechs Jahre rudimentär Lesen, Beten und Schreiben eingetrichtert, falls sich in den katholischen Landstrichen nicht der Lehrplan auf Gottesfurcht beschränkte oder aus Angst vor zu viel Gelehrtheit gleich wegfiel. So stolz ist man auf die allgemeine Schulpflicht bis heute, dass noch heute der allwissende Staat sie Landesgesetzen zum Trotz als nationalheilige Kuh anhimmelt. Ein Recht auf Bildung, schwiemelt’s aus dem Wald, ist unser Garant für ein Land der Dichter und Denker.

Wobei manche nicht denken und andere nicht ganz dicht sind, denn die Sache hat historisch einen viel praktischeren Hintergrund. Kinderarbeit, wie sie im damaligen Europa Normalfall war, hinterließ unangenehme Spuren, hielten die ohnehin nicht besonders hohe Lebenserwartung der bäuerlichen Schicht zuverlässig auf niedrigem Niveau und sorgte dafür, dass mit dem Eintritt des Mannesalters ein Großteil der Untertanen körperlich bereits verbraucht waren. Was also tun, wenn man eine der besten Armeen des Kontinents aufbauen und dazu jede Menge Kerls im wehrfähigen Alter verheizen will? Man verbietet die Kinderarbeit, kontrolliert es halbherzig und setzt das Verbot nicht um, und führt den Schulzwang ein, um die Kurzen von der Straße wegzukriegen. Für die Bauern nicht unbedingt eine Win-Win-Situation, aber wenn die Burschen dann mit etwas Einmaleins aus der Penne kamen und zur Truppe stießen, konnte aus ihnen wenigstens etwas werden. Falls sie es einigermaßen überlebten.

Hat sich heute und unter den Vorzeichen eines von Krise zu Krise stolpernden Kapitalismus etwas an den Verhältnissen geändert, dann höchstens der inzwischen zivile Verbrauch von Menschenmaterial zur Ertragssteigerung der Industrie. Militärische Konflikte sind für die westlichen Wirtschaften zwar immer noch ein nicht zu unterschätzender Garant auf ein stetig wachsendes Bruttoinlandsprodukt, der Verbrauch von Rüstungsgütern wurde allerdings in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend in die ärmeren Staaten ausgelagert, deren postkoloniales Hadern mit dem Ist-Zustand ein dauerhaft nutzbarer Rohstoff bleibt, wenn man ihn nur sorgfältig genug pflegt. In unseren Alphastaaten bauen wir lieber Autos, verpesten die Luft mit diversen fossilen Energieträgern und verkaufen allerlei überflüssigen Schnickschnack, der schlecht bezahlte und dafür gut verfügbare Logistiklohnsklaven verheizt. Ab und zu verirrt sich ein halbwegs vernünftiger Mensch in systemrelevante Berufe, die allerdings nur dann als solche anerkannt und mit frenetischem Geklatsche bedacht werden, wenn man sich die Bruchstellen dieser Gesellschaftsarchitektur nicht mehr unfallfrei schön koksen kann; kehrt wieder Ruhe ein, dann merkt die Mehrheit, dass Relevanz bloß Investmentbänkern und Börsenspekulanten, allenfalls noch einem Zahnarzt zugesprochen wird, wenn er regelmäßig einen neuen Sportwagen kauft.

Damit die werktätige Bevölkerung für stetig rauchende Schornsteine zumutbarer Beschäftigung nachgehen kann, kämpfen ihre Knirpse an der Klassenarbeitsfront um Betreuung – Hauptsache gut verwahrt, jede Schule, in der sich Kinder und Lehrkörper infizieren, ist einer dieser vielen, vielen Einzelfälle, die man gar nicht zählen oder in einen Zusammenhang bringen darf, weil es dann nämlich keine Einzelfälle mehr wären, und so funktioniert ja unser System nun mal nicht. Die besondere Gewalt gegenüber den Zöglingen zeigt sich schon darin, dass sie nach jahrhundertlang bewährtem Prinzip ausgeübt wird, und was so lange irgendwie noch immer gut ging, kann ja verkehrt nicht sein. Wozu also sollte Bildung, die in erster Linie der widerstandsfreien Durchsetzung eines staatlichen Auftrags zur leistungskontrollierten Sicherung von wirtschaftlichen und sozialkonformen Regularien durch Frontalunterricht dient, auch sonst an die technische und gesellschaftliche Wirklichkeit angepasst werden. Am Ende verhindert sie den Eingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit, der zu einer nicht mehr beschulbaren Kaste von Berufspolitikern führte, die die Verwahranstalten mit Abgangszeugnis für die Kategorisierung in die vorhandenen Verwendungszwecke so dringend brauchen, weil sie sonst überflüssig wären. Hätten sie mal etwas Anständiges gelernt.





Ist denn schon Weihnachten?

29 04 2020

„150 Euro finde ich jetzt aber schon ganz schön viel.“ „Nee, das reicht doch im wirklichen Leben niemals aus.“ „Sie haben es schon mal kapiert.“ „Was?“ „Wieso haben wir das kapiert?“ „Das ist die Win-Win-Strategie des Konzepts. Jeder kann über die Höhe des Betrags meckern, und wir können die Armen trotzdem weiter abhängen.“

„Es kann doch trotzdem sein, dass sich ein Haushalt einen Computer kauft und dann…“ „Von 150 Euro.“ „Sie müssen an Ihren Pointen arbeiten, die sind etwas klemmig.“ „Vielleicht findet man ja einen gebrauchten, der ist im…“ „Und dann kommt der Papst und schenkt ihnen ein Jahr lang Internet, Blümchen und ein Pony.“ „Man kann auf Dauer die Ärmeren nicht abhängen von der digitalen Welt.“ „Wieso, sehen Sie doch.“ „Aber es geht nicht!“ „Das hat der Koalitionsausschuss jetzt beschlossen, das wird so auch umgesetzt.“ „Und wir können froh sein, dass das von den Schulen ausgezahlt wird.“ „Weil Sie dann nicht mehr mit dem billigen Vorurteil kommen können, dass die Eltern das für Schnaps und Zigaretten ausgeben?“ „Nein, es ist Ländersache.“ „Und wenn es schief geht…“ „Und das wollen wir doch mal hoffen!“ „… dann sind auch die Länder daran schuld.“

„Das ist doch lächerlich: diese 150 Euro sind nie im Leben genug als Digitalteilhabe.“ „Da hat sich der Koalitionsausschuss so seine Gedanken gemacht.“ „Man kann die Kinder jetzt auch nicht zu früh mit teuren Geschenken überhäufen.“ „Ja ist denn schon Weihnachten, Frau Bundeskanzlerin?“ „Hähähä!“ „Das werden dann genau die faulen Arbeitslosen, die alles vom Staat erwarten, weil sie sich nicht selbst helfen wollen.“ „Der Staat ist doch weder an den Kindern interessiert noch an den Eltern.“ „Meine Güte, hat denn etwa der Staat diese Krise verursacht!?“ „Sie haben ja Vorstellungen!“ „Diese Situation haben wir seit Jahrzehnten, das hat mit der Krise gerade mal gar nichts zu tun.“ „Dann sehe ich auch nicht, warum der Staat jetzt plötzlich für ein paar Tage Unterricht zu Hause Milliarden springen lassen soll, nur weil ihre Eltern sich keine kostspieligen Digitalgeräte leisten können.“ „Die werden ja nicht nur für den Unterricht zu Hause benutzt.“ „Von der Leyen hat Ihnen so schöne Versprechungen gemacht!“ „Eine Geigenstunde pro Quartal und freie Mitgliedschaft im Tennisclub!“ „Nur Trainerstunden müssen Sie halt selbst zahlen.“

„Schauen Sie mal, das ist doch pädagogisch durchaus wertvoll.“ „Was denn bitte?“ „Naja, wenn man als Schüler zum Klassenlehrer gehen muss, um sich als Sozialfall zu outen, das ist schon peinlich.“ „Da lernt man fürs Leben.“ „Zum Beispiel, dass man besser kein Sozialfall ist.“ „Oder sich outet.“ „Und dann auch noch Ansprüche stellt.“ „Aber die Teilhabe steht allen zu, die sie beantragen.“ „Ja, das ist eben die Schwierigkeit in dieser Gesellschaft.“ „Alle wollen immer nur haben.“ „Aber selbst für etwas verantwortlich sein, da hat jeder sofort eine Ausrede parat.“ „Jetzt halten Sie mal die Luft an, wir reden hier von Kindern!“ „Merken Sie was?“ „Typisches Ablenkungsmanöver, wenn Sie mich fragen.“ „Aber so was von typisch!“ „Sie können doch Kinder nicht dafür verantwortlich machen, dass ihre Eltern nicht die finanziellen Mittel haben, um ihnen teure technische Geräte zu kaufen.“ „In dieser Gesellschaft ist nun mal nicht alles gerecht.“ „Das kann man natürlich anprangern.“ „Ich finde, irgendwo ist es auch ein bisschen richtig.“ „Dass so viele Kinder in prekären Verhältnissen aufwachsen müssen?“ „Nein, dass man das anprangert. Ab und zu gibt einem das ein schönes Gefühl.“

„Bis jetzt haben Sie doch immer so getan, als sei Bildung das beste Mittel gegen Armut.“ „Das stimmt ja auch.“ „Bildung ist ein sehr hohes Gut!“ „Das darf man doch nicht einfach an irgendwelche Arme verschleudern!“ „Sie wollen also bewusst Ausschlusskriterien bei der Bildung einführen.“ „Ja.“ „Stellen Sie sich das doch mal vor.“ „Wir haben in absehbarer Zeit sehr viel mehr Arbeitslose in Deutschland.“ „Das trifft dann natürlich auch die, die ausreichend Bildungsteilhabe genossen haben.“ „Und wir hätten dann eine direkte Konkurrenz für die, die jetzt durch Bildungsteilhabe das soziale Niveau ihrer Eltern halten können.“ „Auch da, wo es rein von der Bildung eigentlich gar nicht reichen würde.“ „Stellen Sie sich das mal vor, die Kinder benutzen so ein digitales Gerät für Mathematik.“ „Physik!“ „Wirtschaftswissenschaften!“ „Mir wird ganz übel bei dem Gedanken!“ „Die machen mit dem Zeug Abitur!“ „Die kennen gar nichts anderes mehr!“ „Eine sozialistische Einheitsgesellschaft, wo jeder mit seinem Tablet herumläuft!“ „Oh Gott, ich kann das gar nicht mehr hören!“ „Die studieren!“ „Und dann schreiben die Bewerbungen!“ „Und nehmen den anderen die Jobs weg!“ „Das ist das Ende von Deutschland!“ „Sagen Sie mal, hören Sie sich eigentlich selbst zu bei der ganzen Scheiße, die Sie da vom Stapel lassen?“ „Diese 150 Euro holen wir vielleicht früher oder später wieder rein.“ „Das Kindergeld wird ja zum Glück auf Hartz IV angerechnet.“ „Bringen Sie die Sozialfuzzis nicht auf dumme Gedanken!“ „Gut, dass Blüm gerade weg vom Fenster ist.“ „Hähähä!“ „Und was schlagen Sie jetzt als Lösung vor?“ „Schulen auf!“ „Wie?“ „Na, alle Schulen wieder auf! So schnell wie möglich!“ „Das meinen Sie ernst!?“ „Aber ja doch, irgendwie muss man den Gefahren ins Auge blicken.“ „Man sagt, in der Unterschicht sei das Immunsystem signifikant schwächer.“ „Na, dann wollen wir mal schauen, dass das die unsichtbare Hand regelt.“





Taschenrechner

23 04 2020

„… zur Vorbeugung auf weitere Pandemien oder andere Ausnahmesituationen die Digitalisierung der deutschen Schulen angeregt habe. Merkel sei sicher, dass Karliczek sich bereits ausreichend mit den Grundlagen von Elektrogeräten und…“

„… gebe es noch kein Gesamtverzeichnis der Bildungseinrichtungen. Der Ausschuss gehe aber davon aus, dass in allen Gebäuden mindestens eine freie Telefonsteckdose vorhanden sei, in die ein…“

„… vorsichtig voranschreiten müsse. Scholz sehe die Schulen in der Pflicht, könne aber als Finanzminister nicht sofort Milliardenhilfen in Aussicht stellen, solange die Automobilkonzerne noch nicht mit den Dieselklagen…“

„… starte die Bundesregierung mit einer Umfrage in den Ländern, welches Betriebssystem von den einzelnen Schulen bevorzugt werde. Dies biete die nötige Rechtssicherheit, die für den…“

„… wolle Scholz zunächst die Lehrinhalte in digitaler Form erfassen, so dass eine Verteilung für größere Klassenverbände vereinfacht werde. Er habe angeregt, Schulbücher künftig nur noch als Einzelexemplare zu kaufen und dann zu scannen, so dass sie allen Schülerinnen und Schülern im…“

„… widersprochen habe. Seehofer sei dagegen, dass das christliche Menschenbild nicht mehr die führende Rolle des deutschen Erziehungswesens einnehmen dürfe. Die von Popmusik und amerikanischem Essen dominierte Jugendkultur müsse im Sinne einer dauerhaften Leitkultur so schnell wie möglich aus dem…“

„… wie es auch im Digitalpakt festgeschrieben worden sei. Die Lerninhalt der einzelnen Klassen würden den Schülerinnen und Schülern nach der erfolgreichen Versetzung in Form mehrere CDs zur Verfügung gestellt und könnten zur Wiederholung vor dem Abschluss eine wichtige Hilfe beim…“

„… zuerst mit eigenen Mitteln betrieben werden könne. Im Bildungsministerium überlege man derzeit, ob es für den digitalen Unterricht in den Ballungsräumen einfacher wäre, Schülerinnen und Schüler in zentralen Computerräumen zu…“

„… auch auf die Umsatzeinbußen der Verlage Rücksicht nehmen müsse. Im Gegenzug habe Scholz angeregt, Übungshefte und Lehrmaterialien von den Eltern individuell ausdrucken zu lassen und einen Teil der Gewinne der Papierindustrie an die Schulbuchverlage zu…“

„… die Computerräume in den Schulen zu konzentrieren. So könnten die Schülerinnen und Schüler sich auch ohne Lehrkörper, der sich aus dem heimischen…“

„… habe Seehofer geplant, allen bayerischen Schulen pro Jahrgangsstufe jeweils einen elektrisch betriebenen Taschenrechner zu stiften, mit dessen Hilfe sich die naturwissenschaftlichen Kenntnisse des Nachwuchses wieder in die…“

„… es einfacher sei, Schülerinnen und Schülern die Benutzung der eigenen Geräte im Unterricht zu erlauben. Karliczek habe angeregt, einen Volks-Laptop des Springer-Konzerns zum Standard zu erklären, der zum Listenpreis von…“

„… sich auch große Handelsketten vorerst für den vorwiegend analogen Verkauf entscheiden würden. Es gäbe zwar viele Online-Käufe, eine Umstellung auf größere Mengen sei aber erst dann sinnvoll, wenn möglichst viele Kunden so lange zu Hause blieben, dass sich das Lieferpersonal im…“

„… eine abgestufte Strategie bevorzuge. Aus Kostengründen bevorzuge Scholz für Schultypen unterhalb des Gymnasiums die Wiedereinführung des ISDN-Standards, der bei stark verkleinerten Lerngruppen eine sehr gute…“

„… könne die Industrie der Bundesregierung nicht beim Verkaufspreis entgegenkommen, da sonst die Umsätze der deutschen Wirtschaft bedroht seien. Um keine Gesetzesänderung in die Wege leiten zu müssen, habe die Forschungsministerin auf Transferleistungen angewiesenen Haushalten ein zinsloses Darlehen angeboten, das innerhalb weniger Monate mit einer unbürokratischen…“

„… sehe Seehofer die Gefahr, dass insbesondere im Sportunterricht die Lerninhalte gehackt werden könnten, so dass die Schüler statt Turnen und Schwimmen plötzlich Schießen und Terrortraining auf ihren…“

„… die meisten Schülerinnen und Schüler im häuslichen Umfeld täglich digitale Medien nutzen würden. Sobald im Bundeskanzleramt eine webbasierte Studie in Auftrag gegeben worden sei, könne auch eruiert werden, ob Lehrerinnen und Lehrer sich überhaupt mit…“

„… Video-Tutorials als Chance sehe. Karliczek wolle einen verbindlichen Rahmen aus Filmen produzieren lassen, die die hauptsächlichen Felder der Kernfächer mit sämtlichen…“

„… sich Lehrerfortbildungen nicht mehr rechnen würden, wenn ein signifikanter Teil des Schulpersonals nur noch weniger als zehn Jahre bis zur Pension hätte. Man könne diese Kräfte dann besser in Hauptschulen einsetzen, wo ein Großteil der Absolventen sowieso nicht ins Arbeitsleben…“

„… nicht beachtet habe, dass Filme auf den führenden Videoportalen werbefinanziert seien. Die Bundesregierung sehe darin keinen Grund, das Modell zu hinterfragen, wolle aber vermehrt auf Werbeinhalte der Bundeswehr und…“

„… vorerst nicht weiter verfolgt werde. Das Bundesfinanzministerium habe erkannt, dass das Budget bereits mit der Anschaffung von Kernseife und Papierhandtücher für alle Schulen im…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DX): Enzyklopädismus

17 04 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es kommt häufiger vor, dass mehr oder weniger nette Menschen die Früchte ihrer Bildung mit einer gewissen Nonchalance ins Gespräch einflechten, beispielsweise, um ebendiese zu zeigen, nämlich die Bildung, über die sie anfallsweise verfügen, die sie in die heitere Causerie einflechten können oder in die ernsthafte Diskussion, je nach Thema, Art, Anzahl und Bildung der Gesprächsteilnehmer und natürlich dem Zweck der Unterhaltung. Um eine attraktive Dame mit kunsthistorischem Interesse zu beeindrucken, reicht es für gewöhnlich, wenn man in die Konversation einflicht, dass Rembrandts berühmte Nachtwache eigentlich bloß ein Repräsentationsbildnis des Hauptmanns Frans Banning Cocq ist, das aber im Laufe der Zeit derart nachdunkelte, dass man heute nur noch die Schäden des Kaminrauchs sieht, nicht mehr die wunderbare Licht-und-Schatten-Arbeit des Niederländers. Im Bewerbungsgespräch für die Position eines Drehers sollte man den Unterschied zwischen Schleifen, Fräsen und Läppen präzise herausarbeiten können. Man kann es auch umgekehrt probieren.

Muss man aber nicht. Denn im Gegensatz zur üblichen Klugscheißerei ist Enzyklopädismus nicht das Gelaber, das irgendwo aus dem Ruder läuft, sondern ein schwerer Zwischenfall, der bei Opfern zu nachhaltigen Schäden führt, weil sie Netzhaut und Trommelfelle perforieren in der aufkeimenden Hoffnung, damit für immer dem frühzeitigen Erguss überflüssigen Detailwissens zu entkommen. Die normale Kommunikation, so sie nicht rein themenfixiert verläuft, beschränkt sich auf statthafte Dinge wie Wetter, Mode oder die darstellenden Künste bis zum Abschluss des 19. Jahrhunderts, und der zwanghaft salbadernde Flusenlutscher, der in Verzweiflung die Biegung zur Ernährungsweise des Okapis sucht – der Paarhufer, der als einziges Tier seiner Gattung im kongolesischen Norden lebt – und allerhand Volten schlägt, um über Picasso, Effizienzlohn und die Zusammensetzung der Kalbsleberwurst – die aus grob entsehntem Kalb- oder Jungrindfleisch besteht, aber nur Schweineleber enthält, weil die vom Kalb im rohen Zustand widerlich bitter zu schmecken pflegt – endlich auf das Vieh kommt, um seinen angelesenen Schmodder in die Ohren der unschuldigen Hörer zu schwiemeln, koste es, was es wolle. Wer auf Gnade hofft, verliert.

Die Täter bewegen sich in der Umlaufbahn des Sozialentzugs und verbringen ganze Tage mit der Lektüre in jeglicher Hinsicht erschöpfender Gesamtdarstellungen osteuropäischer Historie, nur um an der Supermarktkasse noch schnell vom Stapel zu lassen, dass das Großbulgarische Reich bereits im 7. Jahrhundert mit der Unterwerfung unter die Chasaren schmählich endete. Bei gutem Wetter faselt der Honk über die nicht verkitteten Linsenpaare des Aristostigmats, das bekanntlich als Weiterentwicklung des Gaußschen Doppelobjektivs eine herausragende Rolle als Universalwerkzeug für alle Gelegenheiten spielen sollte. Noch vor dem Würgen folgt eine Abhandlung über die Echtheit diverser Zitate von Lenin bis Marie Antoinette, bis zum Ableben der Lemming auftritt, der für einen zielgerichteten Suizid schlicht zu blöd wäre. Mit etwas Glück ist es dann schon zu spät.

Die Verlagsbranche hat längst reagiert auf die Schwallerlei der Hohlrabis und bietet die Ware in konzentrierter Form als Kompendium bekloppten Mitteilungsdrangs zum terroristischen Gebrauch an. Endlich müssen Synapsenzombies nicht mehr in mühevoller Feinarbeit mehrbändige Lexika in die Klotzköpfe quetschen, weil sie den Schranz quasi in Sprühstärke vorliegen haben. Ein Viertelstündchen Muße im Kachelstudio, schon ist der intellektuelle Aufstocker für eine neue Runde Aggressionsbingo in der Warteschlange am Briefmarkenautomaten bereit. Ein paar Knalltüten werden den Bodenbelag mit Frontzahnspuren markieren, weil sie nicht hatten ahnen können, dass es in Afrika Gletscher gibt. Andere werden gedacht haben, Haie würden sich vornehmlich von passionierten, aber schlechten Schwimmern ernähren. Die Splittergebildeten sind also in der Lage, jeden mit zusammenhanglosem Verbalbauschaum die Gehörgänge derart zu fluten, dass auch schreiendes Wegrennen die Katastrophe nur verzögert.

Allein es gibt Rettung, denn auch hier lautet die Devise, dass man eine vernichtende Schlacht nur dann schlägt, wenn man dem Feind die eigenen Waffen entgegenhält. Jeden Schwatzanfall über die Ardennenoffensive, den Beethovenfries unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage beim Rückverkauf sowie das mitochondriale DNA-Depletionssyndrom ist ab sofort durch brutalstes Abwürgen zu bekämpfen. Wer es wagt, überhaupt die Klappe aufzusperren, wird umgehend mit der Tatsache konfrontiert, dass es sich bei dem ausschließlich in Australien lebenden Koala nicht um einen Bären, sondern um einen Beutelsäuger handelt, erkennbar daran, dass sein Gehirn kein Corpus callosum aufweist. Wenn dann noch nicht Ruhe im Karton ist, kommen ein paar strenge Nachfragen zum Schaffen Rembrandts. Es werden keine Gefangenen gemacht.





Gernulf Olzheimer kommentiert (D): Das Jodeldiplom

7 02 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich ist es nur in den ganz billigen Witzzeichnungen so, dass der Psychotherapeut ohne sein adrett gerahmtes Examenszeugnis über der Couch gar nicht als solcher erkennbar ist und ohne weiteres als Klempner, Kellner oder Poolboy durchgehen würde, wenn man mal nicht so genau hinguckt. Seine Klienten haben nicht selten auf ihrer Visitenkarte gar abenteuerlichen Schmodder stehen, der sie als geradewegs von Himmel gefallene Meister oder Teilzeitgurus, Profis für alle angewandten Anwendungen sowie Experten in der Wissenschaftswissenschaft ab- und auszeichnet. Es klärt sicher die Fronten zwischen einem einfachen Zeitungsverkäufer und dem Master of Public Media Distribution, wenn man sein Totholz von einem approbierten Pausenclown über den Tresen gereicht bekommt. Just in diesem unserem Lande sind wir nur dann wirklich zu tiefem Vertrauen bereit, wenn wir wissen, dass er es hat, den Ausweis natürlicher Priorität: das Jodeldiplom.

Jeder Fensterputzer muss heute dünn angerührte Titulatur mit sich führen, sonst bleibt er stets ein Fensterputzer. Erst als ein Ordentlich wie Staatlich geprüfter Transaktionsanalytiker mit Doktorat in Emotionalkompetenz hat er minimale Chancen, in den Rang des Oberscheibenwischers aufzurücken. Der Weg führt meist über das Aufbauseminar Kochen mit und ohne Fett an der VHS Bad Gnirbtzschen (Wolldecke mitbringen!), wo das nicht hilft, empfiehlt sich der Kontaktstudiengang Integrierte Differentialsynthese nach Boff und Hüppke-Muckefuck an der Lulu-Schmidt-Schule für Ditt & Datt, förderungswürdige Kurse im Dauerangebot. Die gesellschaftliche Reputation der Absolventen ist beachtlich, keiner kommt aus diesem Etablissement heraus, ohne seine jüngst dort erworbenen Fachkenntnisse mindestens dreimal täglich einem hilflosen Opfer unter die Nase reiben zu können. Fortgeschrittene Täter arbeiten dies in den Lebenslauf ein, wo sich eine Ausbildung zur Fachkraft für Ayurvedisches Lachyoga fast so gut macht wie die Lehre in Strukturierter Sachensuche. Nicht jeder liebt einen dafür, das Leben ist nun mal so kurz wie beschissen, aber man bleibt damit den Mitmenschen in Erinnerung, wenngleich nicht zwingend auch in guter.

Noch besser klingt der Killefit ja auf Englisch, wo nicht jeder verstehen tut. Der Certified Performance Expert etwa bezieht seine Performanz, vulgo: die Tatsache, dass ihn nicht jeder kontinuierlich und komplett für eine dumme Nuss hält, lediglich aus dem Papier, das ihm diese Eigenschaft bestätigt. Hätte er seine Sitzmuskulatur nicht an einem dämlichen Donnerstag in Dorsten in den zweiten Stock eines Vorstadthauses gehievt, um sich zehn Stunden am Stück Vollrotz in die Birne drücken zu lassen, kein Mensch könnte den Unterschied ausmachen – außer eben der Fähigkeit, zehn Stunden in der Gegenwart einer noch viel enger verdübelten Dumpfdüse zu hocken. Aber baut sich das Gesichtsschnitzel vor einem auf und lässt sein verbales Gerümpel aus der Kalotte kleckern, hilft der Dödeltitel schon, um das geistige Prekariat im einstelligen IQ-Bereich einzuschüchtern. Nicht viel, aber zum Heizdeckenverkäufer reicht’s aus.

Manche Aluhütchenspieler schwiemeln aus dem Müll direkt ein Geschäftsmodell zusammen, indem sie noch bekloppteren Quark aus der Rübe rattern und ihn für teuer Geld an die Embryonalintelligenz verticken, die auch Hard Selling Master of Junk and Trash werden wollen, um dann noch einen Bullshit Detecting Expert draufzusatteln, man weiß ja nie, wozu man es mal brauchen kann. Eilige Heerscharen stürmen debil grinsend die Hochburgen der Verdeppung, wo man sie als Business Negotiation Hero oder Fashion Shopping Consultant von der Leine lässt, nachdem sie in Zeitlupe, im Tschakka-Tschakka-Rhythmus oder auf Neuroleptika wirre Binsenweisheiten vorgerülpst bekommen haben, und dann endlich dürfen sie sich Internet Supervision Teacher nennen und ohne fremde Hilfe den Stecker rausziehen. Tandaradei!

Wahrscheinlich sind die normalen Teilnehmer am Warenverkehr bald ohne Quality Check Bachelor oder eine Habilitation in Ding-Dong-Methodologie aufgeschmissen, weil sonst jeder sein Lizenziat zum Löten vor sich herträgt und fleißig Hypothetische Deduktionsmechanik treibt, damit er nicht in die Kontrollgruppe geschmissen wird. Engineering Evaluation Supervisor oder International Law Administration Manager, irgendwas wird den Hohlrabi schon qualifizieren, auch wenn sich das erst sehr viel später und meist nur durch Zufall herausstellen könnte. Bleibt zu fragen, warum nicht ein Master of Universal Stupidity angeboten und gelehrt wird, der ideale Lückenfüller zwischen Ideal und Wirklichkeit. Wer da im dritten Anlauf den Gesichtsversuch an die Wand setzt, kann immer noch mit dem Klassiker BWL im Abklingbecken versenkt werden, denn das schafft auch der Synapsenaufstocker. Hauptsache, er fängt damit nicht an zu jodeln.





Erholungsregression

7 08 2019

„… nicht die Grundschule besuchen dürften. Linnemann sei strikt dagegen, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen…“

„… auch aus den Reihen der Union kritisiert worden sei. Der Vorschlag sei geeignet, den Rechtsstaat zu untergraben, da sich dann Migranten nicht an die Schulpflicht halten und ihre Kinder einfach zu Hause im…“

„… sei Schule auch ein sozialer Ort. Dieser müsse jedoch allen Kindern offen stehen, weshalb eine einseitige Konzentration auf volksfremde Elemente nicht hinzunehmen sei. Meuthen…“

„… habe Linnemann auf Nachfrage erklärt, dass die Quote von 16 Prozent, die bei Schulbeginn keine Kenntnisse der deutschen Sprache besäßen, zwar ausgedacht sei, er habe aber während einer privaten Unterredung mit Sarrazin den Eindruck gewonnen, dass 14 Prozent viel zu niedrig seien und sich nicht mit dem Eindruck der gefühlten Mehrheit des…“

„… genau im Auge behalten müsse, wer in Deutschland eingeschult werden dürfe. Gerade die CDU dürfe nicht leichtfertig Nachwuchs für die klimahysterischen Freitagsdemonstranten schaffen, die ihre Schulpflicht absichtlich…“

„… der Erwerb der deutschen Sprache zu einer besseren Bildung führe, die sich auch in mehr abgeschlossenen Berufsausbildungen bei Kindern von Migranten niederschlage. Palmer sehe ein generelles Schulverbot daher positiv, da es die Arbeitsmarktchancen der deutschen Bevölkerung erheblich…“

„… habe Lindner vorgeschlagen, Kindern, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen seien, den kostenlosen Besuch von Privatschulen zu ermöglichen. Als Voraussetzung sehe der FDP-Vorsitzende neben einem gesicherten sozialen und finanziellen Status auch, dass die Kinder nicht mit Arabisch oder ähnlichen Sprachen als…“

„… die Sprachtests bei Fünfjährigen dennoch zu einem signifikanten Ergebnis gekommen seien. Laut Linnemanns Unterlagen hätten Kinder mit rein deutscher Herkunft sofort Worte wie ‚Ball‘, ‚Auto‘ und ‚Sonne‘ den entsprechenden Bildern zuordnen können, während die Kinder mutmaßlicher Wirtschaftsasylanten bereits mit Begriffen wie ‚Erholungsregression‘, ‚Strafverfahrensrecht‘ oder…“

„… dass bei einer gleichbleibenden Quote von Schülern ohne Deutschkenntnisse in spätestens 30.000 Jahren Arabisch als Amtssprache eingeführt werde. Sarrazin habe ausreichend empirische Beweise, die auf seinen eigenen…“

„… die spätere Teilnahme an Sprachkursen zur Integration nicht in Korrelation dazu stehe. Wichtig sei es für die CDU-Vorsitzende, dass eine drastische Reduzierung der Teilnehmerzahl bei Sprachkursen auch ein finanzpolitisches Signal für eine gute und nachhaltige…“

„… würden immer mehr Kinder mehrsprachig aufwachsen. Dies müsse durch strikte gesetzliche Vorgaben erschwert werden, um nicht eine…“

„… erste Schulverweise gegeben habe. So sei einem in Oberbayern geborenen und in Bremen eingeschulten Mädchen der Besuch der Primarstufe verweigert worden, da sie nur Dialekt und keine…“

„… es sehr wohl öffentliche Förderprogramme für Kinder mit Spracherwerbsproblemen gebe. Die CDU wolle aber dabei bleiben, dass diese Art der Unterstützung nur für richtige Bürger, die bereits in der Bundesrepublik…“

„… dass die Mehrsprachigkeit für den rechten Unionsflügel zu einer großen Gefahr werde. Es dürfe keine Anreize geben, sich freiwillig einer Parallelgesellschaft anzuschließen, die dann durch undeutsche Umtrieb die…“

„… den Fall der kleinen Luisa F. (6), die nach dem Vorstoß der CDU vom Schulbesuch ausgeschlossen worden sei, als Folge der Islamisierung bezeichnet habe. Linnemann wolle die Schlechterbehandlung deutscher Staatsbürger nach geltendem Recht nur dann dulden, wenn sie wie im Fall der gescheiterten Ausländermaut mit steuerlichen Kompensationen für die…“

„… dass jetzt schon Kinder mit Schwierigkeiten beim Spracherwerb länger in Kitas und Vorschulen bleiben würden. Dies sei zwar nur etwas weniger als ein Prozent, die Union wolle aber zum Schutz der Mehrheit Anreize zur Rückführung in die…“

„… müsse man leider auch dem kleinen Carl-Friedrich (4) den Frühchinesisch-Kurs verbieten, da die Eltern sonst riskierten, ihr Kind zur Ablehnung der deutschen Leitkultur zu…“

„… dass unter den sprachlichen Spätentwicklern in der Vorschulstufe auch reinblütig deutsche Kinder seien, bei denen sich eine Ausbürgerung in verfassungsrechtlicher Hinsicht schwieriger als erwartet gestalte. Linnemann sei jedoch überzeigt, dass es ausreichend sichere Herkunftsländer gebe, in denen eine Ansiedlung der…“





Höhere Lehranstalt

30 08 2018

„Wenn Sie fertig sind, legen Sie Ihre Hände auf den Kopf.“ Dass ich den Eingangstest bestehen würde, daran hatte ich nie gezweifelt, aber ob ich mich in der Schule so wohl fühlen würde, das stand dann doch noch zur Frage. Aber vielleicht war es ja sogar ganz spannend, plötzlich auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen.

„Zunächst mal sollten Sie sich in der Klasse den nötigen Respekt verschaffen.“ Eine ältere Dame, unwesentlich jünger als die Ausbilderin, schnipste mit den Fingern, doch Fräulein Haferstroh – auf die Anrede hatte sie größten Wert gelegt – nahm sie demonstrativ nicht dran. „Wir wollen uns jetzt den Stundenplan der ersten Woche ansehen. Bitte falten Sie die Zettel so auf, dass sie – Frau Schmitt!“ Die Angesprochene hatte das Papier bereits aus ihrer Mappe gezogen und damit die absolut einheitliche Choreografie der Unterrichtsvorbereitung im Nu zerstört. Alle zuckten innerlich zusammen, mich eingeschlossen, und doch wusste keiner so recht, warum eigentlich. Wir sollten Lehrer werden, die kommenden beiden Wochen lang hatten wir Zeit, uns darauf vorzubereiten, dann würde man uns einfach in eine Schulklasse schicken, um das deutsche Bildungswesen zu retten.

Ich meldete mich. „Ich habe da mal eine Frage“, informierte ich das Fräulein Haferstroh. Das hätte ich besser nicht getan. „Erstens“, knurrte sie, „weiß ich das, sonst hätten Sie sich nicht gemeldet, und zweitens hätte ich mal die Frage, warum Sie reden, bevor ich Sie drangenommen habe.“ So lange hatte ich nicht warten wollen, aber das konnte ich jetzt nicht mehr sagen. Ich nahm den Finger runter. „Warum findet bei Ihnen kein…“ „Sie sollen nicht ständig dazwischenquatschen“, fuhr sie mich an. „Aber…“ „Was habe ich gesagt!?“ Ich erhob mich, dabei stellte ich fest, dass Fräulein Haferstroh gar nicht mal so groß war; eine Erkenntnis, die man früher oder später fast mit jeder Lehrkraft macht. „Sie wollen mir jetzt also erzählen, dass Sie sich mit einem Schüler unterhalten, obwohl Sie ihn nicht drangenommen haben, und dass ich eine Frage habe, nehmen Sie nicht zur Kenntnis?“ Sie wirkte plötzlich etwas verwirrt. „Ich glaube“, sagte sie, „es muss gerade zur Pause geläutet haben.“

Die Direktorin unterrichtete selbst. „Eigentlich mache ich das nicht, aber hier geht es nicht anders. Wir haben nämlich auch Unterrichtsausfälle, also muss jeder mithelfen.“ Sie hatte einen ganzen Stapel mittelalter, teils auch mittelalterlicher Bücher auf das Pult gelegt. „Das wird Ihre Erstausstattung sein“, erläuterte sie, „aber machen Sie sich keine Hoffnungen, das werden auch die einzigen Bücher bleiben, die Sie in die Hand bekommen. Mehr gibt es nicht.“ Immerhin gab es in dem Taschenatlas, der als Erdkundebuch fungierte, das Deutsche Reich nicht mehr, dafür war die Karte leicht ausgeblichen. Es ließ sich nicht so schnell feststellen, ob die mit Punkten markierte Linie eine innerdeutsche Grenze darstellen sollte oder nur die Demarkation der Ost- und Westtarife. „Das ist eine verlässliche Ausgabe, der können Sie vertrauen. Da gibt es die DDR noch.“ „Warum“, fragte ich beim Anblick der Karte, „steht dann hier ‚Chemnitz‘?“ Sie blickte in das aufgeschlagene Buch. „Das war die Ausgabe für westdeutsche Schulen, da wurden die Namen nach 1945 nicht geändert.“ Das leuchtete ein, der Unterricht änderte sich ja auch nicht.

Frau Schmitt war schon bei der Mathematik-Fibel, die offensichtlich einen Fehler enthielt. „Da muss es ‚geteilt‘ heißen und nicht ‚multipliziert‘“, erklärte sie, „außerdem ist der Aufbau unlogisch.“ Die Direktorin nickte. „Logik bekommen unsere Schüler kurz vor dem Schulabschluss.“ „Aber es brechen doch so viele die Schule ab?“ Sie nickte. „Und wie bringe ich den Schülern jetzt Rechnen bei?“ „Sie haben doch ein Buch“, sprach die Direktorin sanft. „Alles, was die Schülerinnen und Schüler verstehen sollen, steht doch in diesem Buch drin, und Sie sind die Lehrerin. Wo ist das Problem?“ Frau Schmitts Oberlippe begann ein bisschen zu zucken. „Aber wenn ich es auch nicht verstehe?“ „Dann schauen Sie ins Buch, außerdem sind Sie die Lehrerin. Solange Sie recht haben, müssen Sie auch nichts erklären.“

Neben Physik, Religion und Deutsch wurde auch ein bisschen Geschichte unterrichtet, aber nicht zu viel. „Das könnte sonst zu einem Bruch der Kontinuität führen“, meinte die Direktorin, „wir haben das schon immer so gemacht, und deshalb können wir es nicht anders machen, nur weil wir in der Vergangenheit verschiedentlich gemerkt haben, dass man es auch hätte anders machen können, aber das ging nicht, denn dann hätte man es ja immer so machen müssen, also anders, und Sie sehe ja selbst, das ist bereits ein innerer Widerspruch.“ Es war, wie gesagt, ein bisschen verwirrend.

Die anderen Schüler verliefen sich ein bisschen auf den Gängen und schlenderten in den Pausenhof. „Sie sollten eigentlich gar nicht in dieser Klasse sitzen“, meinte die Direktorin unvermittelt zu mir. „Habe ich etwas falsch gemacht?“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben noch eine Zusatzausbildung, die auf einem etwas anderen Qualifikationsniveau startet, und das wäre doch etwas für Sie. Sie haben eine ganz normale Klasse, bereiten den Unterricht vor, drei Klassen, und am Nachmittag haben Sie frei. Wir brauchen diesen Kurs wirklich. Der ist noch viel mehr nötig als alle anderen.“ „Und das wäre was genau?“ Sie legte den Bücherstapel aufs Pult. „Sie bilden die vielen Lehrer aus, von denen dann keiner mehr in die Schule will. Wie gesagt, es wäre sehr dringend.“





Etwas Ordentliches

10 07 2017

„Also erst Betriebswirtschaft und danach den Einzelhandelskaufmann? Abgebrochen? Ach so, beide nicht? Naja, das ist natürlich dumm. Sonst könnte ich Sie ja noch als Kundenberater ins Call-Center schicken.

Wieso haben Sie denn das Studium damals nicht weiterverfolgt? Weil Sie arbeiten mussten? Familie gründen? Das ist immer ziemlich schlecht, das habe ich hier mehrmals täglich, dass die Leute arbeiten wollen und Geld verdienen und Berufsausbildung machen und solche Sachen halt – damit hat man auf dem Arbeitsmarkt dann später keine Chancen. Das hätte ich Ihnen gleich sagen können, wobei: Sie waren doch damals beim Arbeitsamt, hat man Ihnen da nichts gesagt, also ich meine, hat man Sie da nicht gewarnt, dass so eine Berufsausbildung unter Umständen eine Sackgasse sein könnte, dass man damit seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt massiv… Ach so. Ja, wenn die Ihnen das raten, weil sie eine freie Stelle haben und Ihnen die Leistungen sonst kürzen, dann ist das etwas anderes. Da sind Sie sozusagen unverschuldet in Not geraten.

Diese Fortbildung, war das etwa Ihre Idee? was kostet denn das, Systemadministrator? Wie bitte!? Sie verballern hier zehntausend Euro von unseren Steuergeldern und reißen dann die Klappe auf, dass man Ihnen nicht sofort einen Spitzenjob anbietet? Und mit dieser parasitären Einstellung wollen Sie dann… – Selbst bezahlt? Wieso das denn? Von dem Geld hätten Sie mehrere Monate lang leben können, was hätten wir da an Arbeitslosengeld gespart!

Aber das ist so mit den Leuten, das habe ich hier ständig. Die setzen sich irgendwas in den Kopf, dann machen sie einen Eignungstest, am besten noch beim Arbeitsamt, und dann bilden die sich ein, nur weil sie eine Fortbildung machen können, seien sie auf dem Arbeitsmarkt besser positioniert. Man muss doch auch mal realistisch bleiben! Wenn ich mir ansehe, was die jungen Leute heute für Ziele haben, immer ins Ausland, Praktika hier, Projekte da, das kann doch auf Dauer nicht gut sein. Wenn Sie als Systemadministrator extra umgezogen sind, so mit neuem Job, anderes Berufsbild, was wollten Sie eigentlich erreichen? Wie, mehr Steuern zahlen? Das denkt man, aber das sagt man doch nicht!

Wir hätten hier natürlich auch so Sachen, die wären jetzt recht kurzfristig zu besetzen, wobei ich da mal nach Ihren beruflichen Erfahrungen sehen muss. Da wäre etwas in der Produktion, es geht um Frischmilch, das heißt es wäre aber eher im Bereich Reinigung. Also in der Industrie. Da könnte ich mir bei Ihnen einen Job gut vorstellen, Sie müssten da natürlich wieder umziehen, aber dafür ist es auch nur auf drei Monate befristet. Aber ich sehe gerade, der Personalchef will keine Akademiker haben, denen muss er alles immer so umständlich erklären. Tja, da hätten Sie mal lieber etwas Ordentliches gelernt und nicht Betriebswirtschaftslehre studiert, mit Ihrer Überqualifikation kann ich Sie da leider nicht vermitteln. Keine Chance.

Ich glaube Ihnen ja, dass Sie Autos reparieren können, aber ohne Qualifikation geht da nichts im technischen Bereich. Das ist nicht nur wegen der vielen Werkzeuge und Maschinen – also stellen Sie sich mal vor, Sie wollen da von jetzt auf gleich, also quasi in weniger als zwei Jahren sollten Sie an der Stanze stehen, das teure Metall, die Rohlinge muss man teilweise mit einem zehntel Millimeter Spiel rausnehmen, das ist echte deutsche Maßarbeit – das ist ja auch wegen der Verkehrssicherheit so. Dass Sie da an einem Pkw einfach mal Bremsschläuche montieren, das geht gar nicht. Wenn da der Druck vom Hauptbremszylinder nicht ankommt, dann verreißen Sie vor Schreck auch noch das Steuer und fahren geparkten Autos in die Tür. Was Sie da alles anrichten können! Das vergessen Sie mal ganz schnell wieder.

Wir hätten hier etwas in der Pflege. Das könnte ich mir ganz gut vorstellen für Sie.

Sie müssen sich halt vernünftige Ziele gesetzt haben. Nein, nicht setzen – gesetzt haben. Sie können doch nicht einfach so aus der Gegenwart die Zukunft beeinflussen wollen, das ist absolut unseriös. Aus der Vergangenheit die Gegenwart steuern, das geht. Aber sonst? Sie müssen auch mal wissen, wann Schluss ist.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag: wir haben da doch noch den Niedriglohnsektor. Es muss ja auch einer Päckchen für Ihren Versandhändler packen, solange das noch kein Roboter macht. Oder die Burger für Ihre Mittagspause braten. Wir haben da ein besonderes Qualifizierungsprogramm aufgelegt, das Ihnen weiterhilft: die Dequalifizierung. Doch, Sie haben das schon richtig verstanden. Für die Bereiche, in denen wir noch Arbeitskräfte suchen, bieten wir eine gezielte Zurückbildung an. Bei manchen dauert das natürlich ein bisschen, aber wir wollen die Vollbeschäftigung ja auch erst in der überübernächsten Legislaturperiode hinkriegen. Bis dahin sind Sie vielleicht schon depressiv und haben sich aufgehängt, Kollege Krebs kam vorbei oder man hat Ihnen im Winter die Heizung abgestellt. Da lernt man auch etwas, und zwar fürs Leben.

Nein, war nur Spaß. Wir lassen ja niemanden zurück bei der Dequalifizierung. Auch solche Leute werden gebraucht. Es können nicht alle besonders klug sein oder erfolgreich. Warten Sie mal, hier ist gerade noch etwas reingekommen. Generalsekretär in einer großen deutschen Volkspartei, könnten Sie sich das vorstellen?“