Hinreichender Tatverdacht

23 01 2022

Es gibt revolutionäre Maßnahmen, die sich auch bis nach der Revolution halten, beispielsweise diese Gewaltenteilung, von der so viele sprechen, wenn es um die Definition des Rechtsstaates geht. Rechts ist der Freistaat Sachsen auf jeden Fall, und wenn es der Staatsgewalt Polizei in den Kram passt, dann beschlagnahmen sie auch schon mal Fahrräder. Nicht wegen mutmaßlicher Ordnungswidrigkeiten, weil ein Fahrrad auf dem Fahrradparkplatz einem falsch parkenden Kraftfahrzeug im Weg stehen würde, sondern für amtlich legitimierte Straftaten wie Diebstahl und Hehlerei. Amtlich legitimiert, da die Ermittler bei den Leipziger Beamten, die durch erdrückende Beweise belastet wurden und zum Teil geständig waren, keinen hinreichenden Tatverdacht sahen. Gut 50 Verfahren wurden eingestellt. Kein hinreichender Tatverdacht. Zufällig bei eigenen Ermittlungen. Die katholische Kirche ist nur noch ganz knapp davon entfernt, der Polizei zu zeigen, wie man das richtig macht. Manche Schweine sind offenbar gleicher als andere. Vielleicht tun sie sich zusammen und spezialisieren sich auf Kinderräder. Synergien wären vorhanden. Alle weiteren Anzeichen, dass Staatsversagen inzwischen zum Leitbild öffentlicher Organisationen gehört, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • querdenker nazis: Nicht alle Nazis sind gleich Querdenker.
  • folie grillen: Zu oft mit dem Kopf in der Mikrowelle übernachtet?
  • fdp wähler: Die AfD braucht eine Vorfeldorganisation.
  • ard abschaffen: Bei der deutschen Bürokratie ist die CDU vermutlich dreißig Jahre vorher weg vom Fenster.
  • omikron ungefährlich: Sie dürfen sich den Sargschmuck selbst aussuchen.
  • pizza ananas: Die internationalen Konflikte häufen sich eh gerade.
  • schule projekt: Die Kultusminister nehmen das mit der Bevölkerungsreduktion offenbar ernst.
  • vegane strümpfe: Sie können stattdessen natürlich auch in zwei Brathähnchen laufen.
  • ddr kittelschürze: Modell Wagenknecht?
  • nebenwirkungen lack: Der Zwang zum Spaziergang ist ja kein Zufall.
  • matrix ddr: Da gab’s nur rote Pillen.




Beruhigende Nachrichten

9 01 2022

So viele Dinge ändern sich mit dem Jahreswechsel, die uns als Gesellschaft voranbringen. Benzin und Heizöl werden teurer, das Briefporto steigt an, die Deutsche Bahn AG stellt das Nachlösen von Tickets an Bord der Züge ein. Dafür sinkt natürlich auch die EEG-Umlage, was logischerweise zu einem erheblichen Preisanstieg bei der Elektromobilität führen wird, zum Abbau von Stromzapfsäulen und zur Konzentration auf wenige Energiekonzerne. Die Digitalisierung wird uns alle beglücken, vor allem die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und das elektronische Rezept, für die es leider keine funktionsfähige App gibt, nur wenige teilnehmende Apotheken oder Unternehmen, zum Ausgleich aber auch keine dafür geeignete digitale Infrastruktur. Wir kennen das von der Gesundheitskarte, die die letzte Regierung auch schon durch Dummschwätzer auf allen zuständigen Ministerposten zur Totgeburt des Digitalzeitalters hat werden lassen. Eines aber bleibt, wächst und bildet eine schöne Konstante in unserem Leben. Fast 600 Rechtsextremisten werden in Deutschland inzwischen mit offenem Haftbefehl gesucht, 140 davon wegen politisch motivierter Straftaten, etliche mit mehr als einem Haftbefehl. Die Zahl der Gewalttaten stieg stetig an. Da ist es doch beruhigend, wenn die Innenminister uns vor der drohenden linksradikalen Unterwanderung des Staates beschützen und unsere Polizei nur bei den Gegendemonstrationen zu ansonsten harmlosen Spaziergängen mit Hakenkreuzfahnen zum Einsatz von Schlagstock und Reizgas anhalten. Es wird ein schönes Jahr. Wir geben unser Bestes. Alle weiteren Anzeichen, dass wir der Langeweile gerade noch einmal entronnen sind, wie immer in den Suchmaschinentreffern, weihnachtspausenbedingt diesmal in denen der vergangenen 28 Tage.

  • spahn depp: Seitdem er weg ist, sieht man ihn in viel milderem Licht.
  • querdenker terror: wir warten erst ein Attentat auf hochrangige Politiker ab, bevor wir eine Untersuchungskommission für Hufeisen einberufen.
  • weihnachten 2022: Haben Sie den Termin noch nicht im Kalender eingetragen?
  • ferien nrw: Ungefähr dreimal so groß wie das Saarland und zwei Fußballplätze.
  • laschet cdu: Die erledigt jetzt Merz.
  • akw grün: Meinetwegen können Sie das Ding auch rosa anstreichen.
  • neonazis demo sachsen: In den Parlamentsferien hat die AfD eben mehr Zeit dafür.
  • wendler crack: Den Hirnschaden hatte die Hupfdohle schon vorher.
  • bild zeitung reißen: Vom Stürmer wird auch jeder Arsch rot.
  • österreich urlaub: Auch ein Virus braucht mal Tapetenwechsel.
  • plastik tüte kaufen: Bares für Rares.
  • spaziergang sachsen: Vielleicht verdient sich die AfD ja im Freizeitsektor etwas dazu.
  • umwelt lack: Die meisten haben bei dem Thema offensichtlich schon mal einen tiefen Zug aus der Buddel genommen.
  • katholische witze: Ich glaube, sie sind nicht komisch.
  • karl der große laschet: Wahrscheinlich einer der katholischen Witze.
  • lauterbach fliege: Am Jahresanfang müssen wir alle etwas abnehmen.




Überleben und Überstehen

20 12 2021

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wo ist dies Jahr geblieben? Eben noch saßen wir an einem lauen Frühlingsabend in der Sonne und hofften auf Gutes, und schon schlägt der Nachtfrost wieder mit aller Macht bei denen ein, die ohnehin nicht viel zu bieten haben im Oberstübchen. Wer auch immer da an der Uhr gedreht hatte, er bekam zu viel Schwung. Wir sind irgendwo im Mittelalter gelandet, kurz hinter der letzten Verfinsterung, da das Lob der Torheit auf allen Straßen gesungen wurde als Heilsbotschaft, die das Leben leichter macht für alle, die mit der Wirklichkeit nicht mehr zurechtkommen. Dichter und Philosophen krähen allerlei Possen in die Welt, Gaukler und Kaufleute ziehen dem Volk um die Wette das Geld aus den Taschen, Juristen und Rhetoren sind bei Gauklern in die Lehre gegangen, um sie an Hinterhältigkeit zu übertreffen, wo es ihnen nützt, die Wissenschaft ist ein großer Spaß, den man nicht zur Erkenntnis nutzt, sondern zur Unterhaltung, kurz: Gelehrte und Pöbel verachten einander, da sie sich gegenseitig für bekloppt halten. Allein der Glaube ist noch in seiner Mitte und gibt dem Halt, der sich nicht in seinen Grundfesten erschüttern lässt. Doch was ist noch Glaube? Und wo ist er überhaupt?

Hatten wir es im ersten Jahr der Pandemie vor allem mit den Auswüchsen des fortschreitenden Kapitalismus zu tun, so entwickelt die Katastrophe sich zu einer Brutstätte der Selbstherrlichkeit, wie sie die Narrendichtung nicht trefflicher hätte zeigen können in ihrer apokalyptischen Schärfe, die an die Totentänze gemahnt, ein klappernder Reigen der schon nicht mehr zur menschlichen Gesellschaft gehörenden Figuren, nur eben wissen sie es nicht. Sie halten sich für höchst lebendig, wahrscheinlich auch für gewichtig und bedeutungsvoll im Lauf der Geschichte, aber ihre Zeit ist längst abgelaufen, und früher oder später werden sie es merken.

Wir behandeln dieses Virus wie eine lässliche Verfehlung, die Wissenschaft wie nörgelnde Kinder, und schwer Betroffene, die an den Folgen einer Infektion leiden oder an chronischen Erkrankungen, wie Kollateralschäden, die man mit Statistik von der Bildfläche verschwinden lassen kann. Schon jetzt beklagen wir unermesslich viele Tote, sehen ein ganzes Gesundheitswesen vor die Hunde gehen für ein paar Prozent Rendite, weil uns Politik und Wirtschaft in die Ohren blasen, es sei schon nicht so schlimm. Die anderen würde es viel schlimmer treffen. Wer aber unter den Folgen leidet, wird nicht gehört und mit salbungsvoll verkleisterten Worten mundtot gemacht. Ganze Generationen, Kinder und Greise, die Störfaktor sind für die Alterskohorte der Werktätigen oder Kostenstelle im Sozialhaushalt, werden volkswirtschaftlich nachvollziehbar aus der Rechnung genommen. Das Bombardement kann ruhig weitergehen, irgendwann wächst alles nach.

Unterdessen redet die politische Klasse, die wir alle aus Versehen gewählt haben – nach Absicht sah es in diesem Jahr nicht aus, denn sie haben zu sehr erkennen lassen, dass es ihnen gar nicht um die Verantwortung ging, schon gar nicht um Pflicht oder wenigstens Pflichtgefühl – von einer Spaltung der Gesellschaft, als hätten wir mit dem Wunsch nach Überleben und Überstehen die Krawalle angezettelt, bei denen die Ministranten einmütig nach Strafverschärfungen und härteren Gesetzen greinen, während man die geltenden nicht einmal zur Kenntnis nimmt, geschweige denn anwendet. Der Stern von Bethlehem mag es beleuchten, nach diesem Jahr können wir uns die Errettung sparen: der Erzfeind packt die Waffen aus und geht zum Angriff über. Die Dummheit hat das Regiment übernommen. Eine plärrende Minderheit, Deppen jeglicher Couleur und sittenfernes Geschmeiß tun so, als hätten sie längst die Macht in der Hand, von den offiziell Mächtigen liebdienerisch unterstützt, wie auch die Medien ihnen längst den roten Teppich ausrollen und je einen aufs Podium hieven: einer von Millionen Einsichtigen, einer aus der Handvoll niedriger Drecksäcke, und zwischen ihnen wird die Wahrheit wohl irgendwo liegen. Auch damit wird die Öffentlichkeit getreten und getäuscht, wird die Dummheit über die Vernunft gestellt in der bleichen Hoffnung, das Volk werde wohl dämlich genug sein, den Schwindel nicht zu riechen und weiter sich auf der Seite der Dummen zu versammeln.

Bräuchten wir eine Radikalisierung gegen die Dummheit? Ein Problem ist, dass die Dummheit, die Geißel der Menschheit im Kampf gegen jede Anstrengung der aufklärerischen Gedanken, selbst radikalisiert, indem sie alle die regredieren lässt, die für propagandistisches Getöse, einfache Antworten auf komplexe Fragen und zerstörerisches Handeln zu begeistern sind, das am Ende sie selbst trifft – aber eben nicht nur sie selbst. Ein weiteres Problem ist unsere Vernunft, die uns die Radikalisierung verbietet, die darauf besteht, dass wir Rechtswege einhalten und Verhältnismäßigkeiten, die uns davon abhält, mit zivilem Ungehorsam zu antworten auf die offene Gewalt der Staatsfeinde, wo immer sie vom Staat und seinen Funktionsträgern toleriert oder als legitimer Widerstand gegen Demokratie und Verfassung hingenommen wird. Wir werden, hieß es, die uns eingeredete Spaltung überwinden, wenn wir Geduld haben. Ja, wir – uns verlangt man eins ums andere ab, wir sind in Verzicht geübt und Verstehen, unsere Leben sind gefährdet, aber es geht ja um das Ganze, um die patriotische Idee. Wer weiß, welchen Stellenwert uns dieses Geschwür an oktroyierter Vaterlandsliebe wert ist, der ahnt auch, wie groß unsere Geduld mit dem marginalen Mob ist, der nur noch einen Zündfunken entfernt von der Kaltverformung seine Klappe aufreißt.

Die Einrede, dass man Aufrührern nicht mit Argumenten den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen solle, sondern mit Vertrauen, Zuwendung und Verständnis, können die Abwiegler für sich behalten. Wir sollten mit Wutbürgern reden und mit Patrioten, Heimattreuen und Volksschützern, die alle nur das sind: Rechtsextremisten und Mitläufer. Nicht die, die sich seit nunmehr zwei Jahren unter Auferbietung großer Opfer und aller Solidarität für das reine Überleben der Gesellschaft einsetzen, sind die Spalter. Aber es liegt dem politischem Personal offenbar näher, den Staatsfeinden kriecherisch zu folgen, um Wählerstimmen zu fangen, die sie in der demokratischen Mitte scharenweise verlieren für diese hündische Charakterlosigkeit. Wozu noch Dialogbereitschaft, wenn Faschisten seit hundert Jahren immer wieder denselben rassistischen Müll absondern? Wir haben Besseres zu tun.

Allmachtsfantasien und grober Narzissmus sind die Zutaten dieses abwegigen Zwergenaufstands, der noch nicht einmal die Motive ihrer sektiererisch auftretenden Rattenfänger wahrhaben will: sie tun es für Geld, und keiner glaubt ihnen, weil man die Wahrheit gerade dann nicht sehen will, wenn sie sich nicht die Mühe einer Verkleidung gibt. Die Aussichten sind nicht rosig. Sie haben Menschen auf dem Gewissen. Der Riss durch die Gesellschaft wird nicht verschwinden, denn die Geduld der Besonnenen ist erschöpft, weil es keinen Grund mehr gibt für sie, weiterhin Rücksicht zu nehmen auf einen allenfalls pseudomoralischen Widerstand.

Dabei sollen wir Weihnachtliches empfinden, mehr noch: Frieden und Vergebung als Zeichen der Größe. Es fällt schwer, da wir alle wissen, wie es weitergehen wird. Alle Entwicklungen, die bereits jetzt vorhersehbar sind, wird keiner geahnt haben. Vorsichtsmaßnahmen wird keiner für notwendig halten, es sei denn, es ist dafür schon viel zu spät. Dann wird man sie halbherzig beschließen, aber aus Angst vor den besorgten Bürgern gar nicht erst kontrollieren. Man wird Grenzwerte beliebig nach oben verschieben, sie nicht zur Kenntnis nehmen und über die Konsequenzen sehr überrascht sein, weil man nicht damit gerechnet hat, dass eine Sache, die mehrmals unter gleichen Bedingungen abläuft, auch identische Folgen hat. Man wird alle Gefahren leugnen, nicht zuständig sein, Kulturgüter wie Karneval und die deutsche Dauerwurst für viel wichtiger halten als die Gesundheit von Kindern und Kranken. Und man wird sich Geld in die eigenen Taschen stecken, viel Geld. Eher wird die Schwerkraft an Sonn- und Feiertagen aufgehoben, als dass Politiker sich an einer Krise, die sie selbst verursacht haben, nicht auch noch bereichern würden. Nein, weihnachtliche Besinnlichkeit will sich auch in diesem Jahr nicht bei mir einstellen, es bleibt bei der Weigerung, das Leben positiv zu sehen, wenn auch die Wirren des Wahlkampfs, dieser Freakshow auf Niedrigniveau, ab und zu die Aufmerksamkeit darauf lenkten, was Dummheit in anderen Bereichen dieser Zivilisation anzurichten vermochte. Dass man von einigen Protagonisten, die seinerzeit mit jedem täglichen Geweimer in den Schlagzeilen festgenagelt schienen, heute kaum noch ein Lebenszeichen wahrnimmt, ist allerdings nicht ganz verkehrt. Sie hatten ihre Chance, in der satirischen Kolumne des Tages aufzutauchen, ein bisschen Theaterdonner und Getöse zu veranstalten, bevor sie der Steinschlag aus der Wand haute. Sie haben es selten genutzt. Jeder nach seiner Façon.

Aber widmen wir uns nun lieber der Familie, den Freunden und den Menschen, die dies kleine Universum mit Leben füllen. Hatten wir alle im vergangenen Jahr noch gefürchtet, der legendäre Landgasthof vor den Toren unserer Stadt müsse für immer schließen, so können die Freunde der feinen Küche nun aufatmen. Küchenchef Bruno Bückler, in unseren Kreisen stets Fürst Bückler genannt, hat mit seinem Bruder Hansi das Haus gut durch die Krise manövriert, unterstützt von den langjährigen Gästen, vor allem aber von den treuen Mitarbeitern, die alle bei ihm geblieben sind. Mit wachsender Sorge wuchs ihm vor allem mit dem Entremetier Petermann besonders guter Beistand heran, dem er nun vertrauensvoll manche Aufgabe von großer Verantwortung übergibt. Alles ist nun gerüstet für ein neues Jahr, Bruno verbirgt seine Schnurrbartspitzen, die ihm das charakteristische Aussehen eines nervösen Hummers verliehen, unter dem üblichen Mundschutz, Hansi schaut am Entrée routiniert auf die Impfzertifikate, und es ist ein Hort der Gastlichkeit geblieben. In der letzten Ecke des Kellers wurde tatsächlich noch je ein 1995-er Wupperburger Brüllaffe und das 1993-er Gurbesheimer Knarrtreppchen gefunden, so dass es eine standesgemäße Weihnacht werden kann.

Auch Breschkes werden dieses Jahr an der Feier teilnehmen, sogar ihre Tochter, wonach es noch vor ein paar Tagen gar nicht ausgesehen hatte. War sie aus Vorsicht schon Ende November von einer Westafrika-Tour zurückgekehrt, so klagte sie doch bereits kurz nach der Ankunft am Flughafen über heftige Übelkeit und Magenbeschwerden. Es sollte sich allerdings nicht um eine Infektion handeln, wie die Ärzte feststellten, sondern um die Folgen jener nach Himbromerdbeer schmeckenden Pastillen, die laut Aufschrift zur Vitaminzufuhr gedacht waren, in erster Linie aber bei Hamstern und anderen Nagern, was die Packungsaufschrift auch recht deutlich zu bedenken gab, immer vorausgesetzt, man ist der rumänischen Sprache mächtig, die versehentlich in laotischen Zeichen auf der Rückseite Auskunft über die Dosierung gibt. Nicht einmal Bismarck hatte Interesse an diesen Pillen. Wer würde ihm das auch verdenken.

Auch wenn Anne sonst immer irgendwo in den Bergen verschollen war, sie bleibt dieses Jahr zu Hause und wird erstmals seit langem wieder mit in den Landgasthof kommen. Mehr und mehr wird sie von Erbstreitigkeiten überrannt, was aber für eine Anwältin nicht unangenehm ist; es handelt sich ja nicht um ihre eigene Familie. Was ihre Büroleiterin Luzie Freese betrifft, so zeigt die in letzter Zeit geradezu Löwenbändigerqualitäten, nicht nur m Hinblick auf die Mandantschaft, sondern auch bei Minnichkeit, der inzwischen in einem kleinen Haus in der Südvorstadt mit ihr wohnt, umgeben von alten Möbeln, die Sofia Asgatowna teils dekoriert und teils abstaubt, ein lukratives Geschäftsmodell, das er als Finanzbuchhalter betreut. Leider sind die Opernhäuser momentan alles andere als zugänglich, so müssen die beiden nun mit Leihgaben aus der üppigen Schallplattensammlung von Staatsanwalt a.D. Husenkirchen vorlieb nehmen. Aber da weder Hänsel und Gretel noch Der Nussknacker fehlen, werden sie besinnliche Festtage haben.

Mandy Schwidarski, seinerzeit bekannt als Leiterin der Agentur Trends & Friends, hat sich in den Kopf gesetzt, mit allerhand neuen Projekten im Business Fuß zu fassen, und lag mir bereits mehrmals in den Ohren, da sie nicht wusste, was sie tun sollte. Für jemanden, der mit Marketing und Werbung beschäftig ist, sind das zweifelsohne hervorragende Voraussetzungen. Natürlich wird sie nicht am Familientisch sitzen, sie schuldet allen noch etwas, oftmals auch etwas mehr.

Von unserem guten Doktor Klengel war neulich schon die Rede, auch er wird samt seiner Schwester mit uns feiern. Das Archivieren der Sammlung des Grafen Rummelsdorf schreitet voran, nur hat sich der ehemalige Hausarzt länger schon nicht mehr zum Malen aufraffen können; es sind die Hände, die mit der Zeit schmerzen, ein arthritisches Leiden, das ihn nach und nach zur Fotografie trieb, die nun mehrmals im Monat zu langen Spaziergängen in der Umgebung des Herrenhauses führt, das ja ganz in der Nähe von Bertas kleinem Häuschen liegt. Die verwitwete Lehrerin hat ihrem Bruder ein Zimmer freigeräumt, in dem er seine Ausrüstungen bewahrt, Staffelei und Stativ, Objektive und Farbkasten, und zur Teestunde ist er meist zurück und zeigt die Ergebnisse des Tages. Wir sind sehr gespannt.

Mein Großneffe Kester versteht die Welt nicht mehr, kann sie aber gut erklären. Als Ordinarius für theoretische Physik nähert er sich dem Urknall jetzt von der anderen Seite und sucht Beweise für eine negative Zeit, in der alles vor dem Anfang schon existiert haben muss, und dies nicht unbedingt als Singularität. Wer sich an seine Wohnung erinnert, hat eine ungefähre Vorstellung von dem Chaos, das dort geherrscht haben muss, wobei bewiesen ist, dass wir als Universum den Ausweg aus diesem Zustand geschafft haben. Was sein Dachgeschoss angeht, bin ich mir da nicht ganz so sicher, aber beim Anblick meines Arbeitszimmers sollte ich wohl besser still sein. Nicht viel mehr begreife ich von der Dreiteilung der Winkel, die mein Patenkind Maja anstrebt, nachdem sie ihre Habilitationsschrift über die symmetrischen Gruppen um ein Kapitel über die Möglichkeiten einer geschlossenen Formel zur Nullstellenberechnung bei Polynomen fünften Grades erweitert hat. Die Quadratur des Kreises ist nur noch eine Frage der Zeit. Ich bin mir sicher, ich werde auch davon keine Ahnung haben.

Vor ein paar Tagen noch habe ich mit Siebels, dem bemerkenswert unauffälligen TV-Produzenten, im unbeheizten Studio gestanden, gerade erreichte mich die Nachricht, dass er auch in diesem Winter für einige Wochen kürzer treten wird, denn es gibt keine dreiteiligen Schmalzfetzen in Kent, keine Krankenhausserien unter Plastepalmen zu drehen, er kann keine Kreuzfahrtschiffe mehr sehen und wendet sich bei krachledernem Heimatgedöns mit schwerem Weltekel ab – vage Andeutungen sagen mir, dass er einige abstruse Drehbuchvorschläge auf den Tisch bekommen hat, die er nun zu einer Serie verarbeiten wird. Wer weiß, was daraus wird und ob er überhaupt einen Sender findet, der das auf sein Publikum loslässt. Wenn nicht, werden wir uns spätestens bei einer Talkshow treffen, bei der er die derzeit versagenden Politikdarsteller einstampft.

Und wie immer habe ich eine letzte Konferenz mit dem langjährigen Freund und Kollegen Gernulf Olzheimer abgehalten, der sich als Waffenträger des Verstandes durch das dünkelnde Feuilleton kämpft und auch im kommenden Jahr kein Anzeichen der allgemeinen Dämlichkeit in seinen Kommentaren ohne strafenden Schwertstreich belassen wird. Viele haben ihn schon einen verbitterten, von der ganzen Existenz enttäuschten Nihilisten gescholten, die nie begriffen haben, wie viel Erhabenheit aus seinem Tun spricht. Dieser kleine literarische Salon zählt auf ihn, der stets als Verfechter der Vernunft gegen die Wirrungen der Ideologie denkt. Und solange er schreibt, wird auch weiterhin niemand verletzt.

Was aber angefangen und nicht vollendet, was als halbgares Konvolut in der Schublade gelandet war und nicht seinen Weg fand in die tägliche Spalte der Veröffentlichungen, das soll auch diesmal in einem Feuerchen auf der Fensterbank knisternd aus dem Gedächtnis verschwinden, dass dieses Jahr mit der Arbeit des Archivierens still und behaglich nachschmeckend vergehe, das Sortieren der Beiträge, etwas Statistik, bisweilen eine erneute analytische Beschäftigung mit den Texten, die den einen und die andere beschäftigt haben, und dass das nächste Jahr ein reiner Neubeginn sei, in Erwartung des Künftigen, illusionslos im Grundton, aber durchzogen von der Hoffnung auf Kräfte, die uns unterstützen, wenn wir dieses Welttheater ein wenig unterhaltsamer machen können und, es ist ja immer an der Zeit dazu, auch ein bisschen besser. Am Mittwoch, den 5. Januar 2022 sehen wir weiter, wohin uns diese Reise führt.

Allen Leserinnen und Lesern, die dies Blog fast oder fast ganz immer und regelmäßiger als unregelmäßig oder doch nur manchmal oder aus Versehen gelesen, kommentiert oder weiterempfohlen haben, danke ich für ihre Treue und Aufmerksamkeit und wünsche, je nach Gusto, ein fröhliches, turbulentes, besinnliches, heiteres, genüssliches, entspanntes, friedvolles und ansonsten schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Beste Grüße und Aufwiederlesen

bee





Deutsche Geschichte, schwere Geschichte

12 12 2021

Elxleben an der Gera – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Ortschaft im Ilm-Kreis – sorgt sich. Nun sind besorgte Bürger in der Gemeinde durchaus nichts Neues, hier aber denken sie an die Kinder, und zwar an die eigenen. Weil die Kita Anne Frank heißt und die Geschichte des jüdischen Mädchen für die unschuldigen Kinder sicher traumatisierend wirken könnte. Oder, wie in schöner Offenheit von AfD-nahen Eltern gesagt, der von den Feinden Deutschlands instrumentalisierte Schuldkult, der die dauerhafte Zerstörung eines Nationalbewusstseins sicherstellen soll. Was die braunen Arschgeigen in Thüringen halt hochkotzen, wenn man ihnen nicht das Maul stopft. Für den Kindergarten hatten die Bildungsversager auch eine Alternative parat: Elchzwerge. Der Elch, als größter lebender Hirsch in den polaren Nadelwäldern unterwegs, seit der Steinzeit in den Niederungen der Unstrut zu finden und vertraut aus dem Erfurter Stadtbild, wer hätte nicht zuerst an ihn gedacht. Hauptsache, man überfordert die Kleinen nicht. Dumm werden sie noch früh genug. Dafür haben sie schon diese Erziehungsberechtigten. Alle weiteren Anzeichen dafür, dass man die 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur auch mit dem Schlagring beseitigen könnte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • goethe alkohol: Sie brauchen den Geist, der stets verneint.
  • weidel lügt: Wasser soll ja nass sein.
  • helmut scholz: Hamburg hat nun mal die besten CDU-Kanzlerinnen.
  • holz mangelware: Warum wollen Sie Holz auch unbedingt mangeln.
  • querdenker weihnachten: Das ist natürlich alles nur eine Erfindung der Lichterkettenindustrie.
  • lauterbach mittelalter: Dabei war doch Spahn für die Kinderkreuzzüge zuständig.
  • corona einladung: Das kommt auch ohne.
  • brexit eu folgen: Vermutlich zahlen sie die restlichen Schulden in Marmite.
  • laschet weihnachten: Endlich Zeit für den Brückenlockdown.
  • höcke positiv: Kommt immer auf das Virus an.
  • wendler koks amerika: Sollte man keinem Alkoholiker empfehlen.
  • nylon schlipse: Ich trage ja immer nur einen zur Zeit.
  • dackel mit nüssen: In Thüringen hat man nicht so Angst vor unbekannten Viren.
  • papst weihnachten: In manchen Berufen hat man trotz Mindestlohn auch an Sonn- und Feiertagen Schichtdienst.




Alkoholfreies Christfest

28 11 2021

Schon weihnachtet es, im Vereinigten Königreich wie auf dem Kontinent. Was aber werden sie auf der Insel der national Befreiten zum Fest der Liebe essen? Britischen Parmaschinken, hatte der blonde Wirrkopf getönt, und bayerisches Bier aus England. Wie immer, wenn man Boris Johnson beim Lügen erwischt, entschuldigt er das mit einer Lüge – er habe ja nicht gewusst, dass nach dem Brexit alle 3.000 geografischen Herkunftsbezeichnungen der EU erhalten blieben, mit denen er nun nicht wie vorgesehen werben darf. Thüringer Rostbratwurst und Feta, Tiroler Speck und Lübecker Marzipan kommen weiterhin aus der Europäischen Union. Die wenigen englischen und teilweise schottischen Produkte allerdings, mit denen die Briten bisher für sich warben, werden in Kontinentaleuropa nicht mehr als geschützt angesehen, wie es die Brexit-Verträge vorsahen. Sie würden es mit Wein, Whisky und dem Zeug herunterspülen, das man dort für Bier hält, wenn es das gäbe. Dummerweise steht ein alkoholfreies Christfest ins Haus. Was man sich zum Fest der Feste sonst immer gönnt, Importware nämlich, steht bis auf Weiteres auf dem Festland. Nicht die schlechteste Option. Wenn man sich nicht ständig im Vollrausch befindet, bemerkt man früher oder später, dass man eine Herde Hampelmänner als Regierung hat, die einem das größte Desaster seit dem Braunauer Bettnässer eingebrockt hat. Auch wenn die EU hier nicht auf ein Urheberrecht bestehen dürfte. Alle weiteren Anzeichen dafür, dass Nüchternheit bisweilen ein guter Ratgeber ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • spahn terrorismus: Er hat sich Biowaffen zum Erreichen seiner finanziellen Ziele sicher komplizierter vorgestellt.
  • weihnachten lockdown: Wir kaufen schnell noch mal ein, sonst hätten wir beides nicht.
  • ampel koalitionsvertrag: Grimms Märchen waren realistischer.
  • corona ziele: Gemach, die ersten 100.000 haben wir ja schon.
  • impfpflicht querdenker: Wenn man der Polizei erklärt, diese Deppen seien alle linksradikal, wären wir nach ein paar Millionen Kugeln, die sich zufällig aus der Dienstwaffe lösen, mit dem Thema durch.
  • drogen fdp: Sobald das legal wird, was diese Partei konsumiert, können wir den Laden hier dichtmachen.
  • merz kandidatur: Um 05:59 war noch alles in Ordnung.
  • karneval infektion: Der Name sagt’s, es ist Abschied von allem irdischen Fleisch.
  • höcke corona: Wir hoffen, das Virus muss nicht lange leiden.




Neues aus Schlumpfhausen

14 11 2021

Dass intellektuell andersartig Begabte mit Bleiche und Milchzucker experimentieren, um Viren aus dem Körper auszuleiten, ist bekannt. Dass sie auch im Krankenhaus nach Klangschalen und Ingwer verlangen, um Corona loszuwerden, wurde ebenso berichtet. Neu ist aber, was im schweizerischen Delsberg, Hauptort des Kantons Jura, als Medizin herhalten musste. In Milch verdünntes kolloidales Silber schluckte ein Esoteriker, um vor Infektionen geschützt zu sein. Derlei Präparate sind nicht ohne Grund verboten, auch wenn man sie online leicht bestellen kann. Der Hobbyinfektiologe wurde mit akutem Abdomen und Tachykardie in die Klinik gekarrt, wo die Ärzte Nieren- und Hirnschäden nicht verhindern konnten. Als Souvenir wird er für den Rest seines Lebens Argyrie haben. Seine Haut ist graublau verfärbt. Vielleicht bekommt er einen Job als Silberdiener. Oder als Flötenschlumpf. An Talent mangelt es ja nicht. Alle weiteren Anzeichen, dass Dummheit den Status einer Grunderkrankung haben sollte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • lockdown berlin: Bitte auch den Schlüssel wegschmeißen.
  • merz kopfschmerzen: Bei ihm ist das nur Nachhall.
  • flugtaxi fdp: Mit Bodenhaftung haben sie es nicht so.
  • lindner ministerium: Für die Bilanz ist es egal, wo er versagt.
  • impfungen kosten steuern: Deshalb brauchen wir ja Steuersenkungen.
  • zuverdienst bürgergeld: Gäbe es das eine, bräuchten wir das andere nicht mehr.
  • scholz rücktritt: Mal sehen, wer da sein Knie im Weg hat.
  • cannabis steuer: Die Freiheit wird am Afghanen verteidigt.
  • klima verbote: Wenn man zu viel Sonne abgekriegt hat.
  • cdu abschaffen: Die haben schon so viel geschafft, die schaffen das.




Zeitzünder

31 10 2021

Heute ist es wieder so weit: die Zeit in der EU wird auf die Mitteleuropäische Normalzeit umgestellt. Nachgewiesen sind statt Energieeinsparungen ein enormer Mehrverbrauch, gesundheitliche Schäden bei Menschen, Nachteile für Nutztiere und damit verbundene Probleme für die Landwirtschaft wie auch für andere Wirtschaftszweige. 2018 hatte Jean-Claude Juncker, seinerzeit Kommissionschef, die Abschaffung der Sommerzeit erklärt, passiert ist seither: nichts. Die einzig gute Nachricht ist, dass seitdem auch niemand in der Europäischen Union sich für das Thema interessiert hat, denn so wurden uns viele sinnlose Diskussionen erspart. Erst jetzt, mit Zeitzünder, erinnert Litauens Verkehrsminister Marius Skuodis daran, dass der Staatenclub eine gewisse Funktion hat, die er neben dem Verteilen von Funktionärsgehältern ausüben könnte. Zum Beispiel, sich endlich auf eine Zeitzone in der MEZ zu einigen. Erstmal wollen die Länder noch fünf Jahre hin und her wechseln, bevor die Sache auf Eis gelegt wird. Für unbestimmte Zeit. Alle weiteren Anzeichen, dass wir diese EU nur brauchen, damit sich die europäischen Regierungen gegenseitig auf den Zeiger gehen können, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • ampel ende: Einmal falsch abgebogen, schon Geisterfahrer.
  • fdp legalisierung: Dabei dürfte die Gesundheitsschädlichkeit außer Frage stehen.
  • corona wellen: Deutscher Exportschlager: die Dauerwelle.
  • reichelt hiv: Das wäre das einzig Positive an ihm.
  • querdenker töten: Aktiv? Passiv?
  • bundeswehr sozialistisch: Eher nationalsozialistisch.
  • klimaschutz cdu: Eins geht nur.
  • suv tempolimit: Man könnte die Dinger am Boden festnieten.
  • digitale politik: Demnächst auf Diskette erhältlich.
  • zynaesthesie passwort: Schon wieder Sie, Herr Laschet?




Handbuch der freien Marktwirtschaft

17 10 2021

Wie haben wir auf diesen Moment gewartet. Der Markt tut das, was er nach neoliberaler Sicht der Dinge tun soll, nämlich regeln, und das neoliberale Springerpressengesindel weimert sich wund. Der Benzinpreis steigt. Verantwortlich ist neben dem teureren Rohöl auch die hektische Reisetätigkeit der Deutschen in der nachlassenden Pandemie – zwei Dinge, die der designierte Kommunistenkanzler der Stalinistenterrorpartei SPD sicher schon lange vor der Wahl zum Diktator eingefädelt hat, damit er den Kapitalismus auf deutschem Boden ausradieren kann. Das Hetzblatt mit dem Satzbau für geistige Kurzstreckenläufer fordert denn auch das, was für diesen Fall im Handbuch der freien Marktwirtschaft vorgesehen ist: die staatliche Preisbremse. Was ist an diesem Gewinsel nur so gar nicht überraschend, wenn man weiß, dass sich die Kapitalisten in regelmäßigem Abstand, nämlich immer dann, wenn sie Staat und Wirtschaft an den Rand des Ruins gebracht haben, von den Linken raushauen lassen, und zwar mit sozialistischen Methoden, für die sie selbst abgestraft und aus der Regierung gejagt würden? Die verhassten Roten, vor denen man im Wahlkampf gewarnt hat wie vor nordkoreanischen Klingelgangstern, sollen es jetzt richten. Mal sehen, welches Getöse die Opposition und ihre Clowns im Altpapier jetzt anstimmen. Vielleicht sind ihnen Investitionen bereits suspekt, weil von denen nicht nur die obersten zehn Prozent profitieren. Alle weiteren Anzeichen, dass der Sozialismus einfach die falschen Fans hat, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • spahn korrupt: Man darf das nicht der CDU anlasten, es hat nur zu seiner Mitgliedschaft geführt.
  • polizei im faschismus: Heute ist das umgekehrt.
  • inflation benzinpreis: Deshalb fahren ja so viele Diesel.
  • laschet radfahrer: Er hat sogar schon eine Rücktrittbremse.
  • ökologische wandfarbe: Nach der Kollision mit der CDU dringend nötig.
  • merkel geht: Vorher fährt sie mit dem Parteirest aber noch mal Schlitten.
  • veganer brokkoli: Man kann ihn vermutlich sogar rauchen.
  • rücktritt meuthen: Auf dem sinkenden Schiff ist jetzt noch mehr Platz für die Ratten.
  • ziemiak propaganda: Dafür fehlen dem Männchen mehr Eier, als er hatte.
  • cdu opposition: Rechtes Grundrauschen.




Schmutzwäsche

3 10 2021

Die hübsch inszenierte Razzia in der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen, von denen Laschet so überrascht war, dass er ganz vergessen hat zu erzählen, wie er sie vor Monaten in Auftrag gegeben hatte, steht in keinem Verhältnis zu den Machenschaften, mit denen diese Regierung seit Jahren völlig offen Recht beugt und bricht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat insgesamt 324 Geldinstitute von jeglicher Aufsicht in Hinblick auf Verstöße gegen das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten, kurz: Geldwäschegesetz, befreit. Weil sie es kann. Dass es sich um kleine Unternehmen handelt, z.B. die Abrechnungssysteme, die typischerweise in den Betrieben der Mafia die Geldflüsse der Firmen organisiert, verstößt gegen das GwG sowie die EU-Geldwäscherichtlinie. Untersuchungen finden nicht statt, die BaFin belässt es bei regelmäßigen Briefen, in denen um Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gebeten wird – mit ausreichender Freundlichkeit, wie wir doch wohl annehmen dürfen. Da kann man schon mal vergessen, dass die Bundesanstalt auch nicht prüft, ob ausreichende Sicherungssysteme gegen strafbare Handlungen im Sinne des Gesetzes über das Kreditwesen vorhanden sind. Das würde ja die Wirtschaft stören. Und so waschen sie weiter, vollkommen ungestört, sie möchten nur halt nicht, dass ein Kanzler von der anderen Partei ihnen dabei auf die Finger schaut. Warum auch. Was die Finanzkriminalität angeht, mit der kennt sich Schäuble eh besser aus. Alle weiteren Anzeichen, dass dieser Staat gut in die internationale Wirtschaft integriert zu sein scheint, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • laschet wasserstoff: Als Leichtmatrose kennt er sich damit aus.
  • merz schweiz: Sollte das der Beginn der Auswanderungswelle sein?
  • laschet wahlkampf: Die Kasperplakate sind schon entsorgt worden.
  • vegetarische partei: Gegessen.
  • briefwahl betrug: Stimmt, mir wurde das Ergebnis nicht per Brief mitgeteilt.
  • laschet trump: Einer ist Antialkoholiker.
  • sozialismus fdp: Für Geld vom Staat machen die alles.
  • führerschein app: Geschickter Scheuer-Schachzug: wenn keiner mehr fahren darf, sind sofort alle Staus weg.
  • linksrutsch deutschland: Bestimmt gleich nach der nächsten Wahl.




Schnitzelsubventionen

19 09 2021

Die Legislatur geht zu Ende, alle schieben in der goldenen Abendsonne noch einmal Geld in die Konzerne, die ihnen trotz erwiesener Inkompetenz in Zukunft lukrative Posten als Abnicker oder Frühstücksdirektor organisieren werden. So auch Julia Klöckner, Werbegesicht für Fett und Zucker, im Nebenberuf Nestléhäkchen des Bundeskabinetts, die Schweinezüchtern wegen der Umsatzrückgänge Finanzhilfen verspricht – Schnitzelsubventionen für, wir erinnern uns, eine Branche, die über ein ministeriell halbwegs ehrlich verordnetes Tierwohl leise kichert, in Massenproduktion gezüchtetes Vieh nach China verkauft, wenn es nicht gerade vor der selbst verschuldeten Schweinepest einknickt, und die EU-Güllegrenzwerte locker reißt, weil der Preis für Schweinefleisch sich im freien Fall befindet und immer größere Gulags verlangt. Staatshilfen bei wegbrechender Nachfrage und Überproduktion, so viel Aktivismus hätte man sich in der Pandemie bei manch anderen Steuerzahlern gewünscht. Hat eben nicht jeder Schwein gehabt. Oder halt Flugzeuge. Wenn diese Partei schon auslaufenden Geschäftsmodellen ordentlich Kohle jenseits der Verwendbarkeit zahlt, dann zeigt sie damit ja nur, dass sie beim Geschäftsmodell einer Staatspartei, die sich aus Bundesmitteln bevorzugt bedient, nicht viel zu befürchten hat, wenn sie bedeutungslos geworden sein wird. Alle weiteren Anzeichen, dass der Markt mal wieder nichts geregelt bekommt, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • laschet barschel: Die Wanne ist voll.
  • spd ampel: Ein Ampelmännchen für Hampelmännchen.
  • cdu afd koalition: Bisher waren sie auch ohne Trauschein glücklich.
  • kompetenzteam laschet: Sie können’s nicht ohne, mit wird es nicht besser.
  • archäologie berlin: Es sollen Reste von Demokratie in der CDU gefunden worden sein.
  • bundestag sitze kleiner: Viele haben ja nicht mal mehr einen Gürtel, den sie enger schnallen könnten.
  • zukunftsteam cdu: Die Lächerlichkeit hat viele Namen.
  • merkel koalition spd: Der Witz wird vom Einlagern nicht besser.
  • steuersenkung cdu: Es reicht ja, wenn sie es versprechen.
  • söder ersatz: Das stimmt, aber wofür?