Doppelspitze

8 04 2013

„Aber sagen Sie das bloß nicht weiter. Wenn sich das rumsprechen sollte – nicht auszudenken! Vor allem in Europa. Eine Kanzlerin wie Merkel, das geht ja noch. Aber zwei? Das gibt ein Drama!

Das ist so weit korrekt, wir haben die Kanzlerin verdoppelt. Technisch war das kein Problem, so viel Substanz war das ja wohl nicht beteiligt. Wir haben dann so eine quantenphysikalische Sache gemacht, da brauchten wir was dunkle Antimaterie, oder wie das Zeug heißt – so ganz genau hat das keiner verstanden, aber es scheint zu funktionieren. Ist ja bei der Eurokrise dasselbe. Und nun haben wir eben eine Bundeskanzlerin. Und noch eine.

Es hat so seine Vorteile. Bei dem Arbeitspensum einer Regierungschefin, in Italien Urlaub machen und zwischendurch das deutsche Rentensystem schleifen, das ist schon recht aufwendig. Und dann müssen Sie ja auch mal diese Mehrfachbelastung sehen. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin und Außenministerin und Europas Vorstandsvorsitzende und dann noch die Merkel sein, das schafft doch sonst keiner. Wirklich, damit hat sie einen großen Vorteil.

Es hatte ja erst wieder eine Riesendiskussion gegeben, ob man das machen darf. Therapeutisches Klonen, Sie wissen schon. Aber irgendeiner hat dann gesagt, letztlich hilft es auch der Wirtschaft. Da ging’s dann plötzlich sehr schnell. Sie wissen ja, was der Wirtschaft nützt, das ist gut für die Partei, und was der Partei nützt, ist sicherlich auch von Vorteil für die Wirtschaft. Bevölkerung, wollte ich sagen, Bevölkerung.

Es bestand nämlich eine gewisse Nachfrage, müssen Sie wissen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, es mit zwei Merkels zu probieren, die den unterschiedlichen Erfordernissen des politischen Geschäfts Rechnung tragen. Die Deutschen wollen eine Regierung, auf die sie schimpfen können, weil das Land vor die Hunde geht – kriegen sie die Merkel. Dann wollen sie aber auch eine Kanzlerin, die sie bewundern können, weil sie nichts macht. Kriegen sie halt die andere Merkel. Damit schafft man langfristig Vertrauen in die Regierung. À propos Regierung, die eine Merkel kündigt den Deutschen an, sie hätte die beste Regierung seit der Wiedervereinigung. Die andere Merkel hat dann das amtierende Kabinett. Wie finden Sie das? Die eine Merkel brockt uns die ganze Zypernkrise ein, die andere Merkel wird dafür gelobt, dass sie sie so gelassen und kompetent aussitzt.

Oder nehmen Sie die innenpolitischen Themen. Die eine Merkel verspricht den NSU-Opfern, dass wir jetzt aber auch ganz bestimmt viel toleranter sind und gar nicht mehr so sehr auf diese ganzen Ausländer schimpfen wollen. Die andere Merkel pöbelt dann gegen die faulen Griechen, die ihre Milliardenkredite nicht zurückzahlen wollen und lieber vom Arbeitslosengeld leben. Schauen Sie, ohne diese Doppelspitze gewinnt man heute einfach nicht mehr die Lufthoheit über den deutschen Stammtischen.

Aber mal so ganz unter uns: woran ist es Ihnen eigentlich aufgefallen? Dass sie quasi überall ist? In der CDU und mal liberal und mal konservativ und mal christlich-sozial – die steht plötzlich hinter ihnen, und zack! sind Sie entweder erledigt oder Bundespräsident. Oder beides. War es das? Oder dass sie Westerwelle so gut erträgt? Ja, das war schon während der Koalitionsverhandlungen der entscheidende Vorteil, länger als drei Minuten hält dieses Geschwabber doch kein Mensch aus, und nach drei Minuten haben wir sie ausgetauscht. Fiel keinem auf, dem Westerwelle schon gar nicht. Der kriegt von Sachen, die außerhalb seiner Vorstellung stattfinden, nur in Ausnahmefällen mit, deshalb ist er ja auch der beste Außenminister seit – auch nicht? Ah so. Ja, das macht Sinn. Diese moralische Flexibilität, die ist so einfach auch gar nicht zu schaffen. Das muss man erstmal hinkriegen. Da hat sie natürlich die Nase vorn. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, dass das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann. Hat sie gesagt. Und das gilt dann auch. Meistens. Nach den Wahlen.

Ja, das zieht Kreise. Wird auch langsam etwas gefährlich, weil man ja nie weiß, wann es aufkippt. Beispielsweise das mit der Gleichstellungspolitik. Die eine Merkel findet das Grundgesetz scheiße, die andere findet das Grundgesetz nur solange scheiße, bis das Bundesverfassungsgericht sie zwingt, es anzuerkennen. Wieso das ein Problem ist? Denken Sie immer daran, dass wir in einer Art Demokratie leben, die auch ein Markt ist. Oder auf einem Markt, der sich für eine Demokratie hält. Man verliert Wählerstimmen, Marktanteile, wollte ich sagen, Marktanteile, man verliert Marktanteile mit einer einseitigen Strategie. Stellen Sie sich mal vor, die Klimakanzlerin hätte irgendwann gesagt, dass sie das mit der Energiewende wirklich ernst meint. Das kann man doch keinem zumuten! Und genau da kommt die zweite Merkel ins Spiel.

Wir haben einen Wartungsvertrag mit dem Institut abgeschlossen. Wenn das Double nicht mehr funktioniert, bekommen wir kostenfreien Ersatz. Oder ein Austauschmodell, bis bei dem alten die Quanten wieder geradegebogen sind. Ob das klappt? Ich habe so meine Zweifel. Das letzte sah aus wie Peer Steinbrück.“





Unentschieden

22 10 2012

„Katastrophal. Also wirklich, katastrophal. So eine Chance setzt man doch nicht einfach in den Sand, das liegt doch auch nicht nur an der Mannschaft. Erst die besten Voraussetzungen, die sie hätten haben können, und dann vergeigen sie alles. Echt katastrophal, wenn Sie mich fragen. was denkt sich die Merkel eigentlich dabei?

Nein, ehrlich – denkt die sich überhaupt was? Die steht da immer so gemütlich am Spielfeldrand, Fingerspitzen aneinander, wenn die anderen mal aus Versehen jubeln, dann jubelt sie mit, aber sonst? Passiert da was? Eben, da passiert doch nichts! Das sind doch die Fakten! Steht ja da drin: ‚Die Bundestrainerin bestimmt die Richtlinien des Spiels.‘ Nichts bestimmt die, gar nichts! Die steht da am Rand, die Ersatzbank ist sowieso leer, und guckt zu, wie die Mannschaft Schatten auf dem Rasen wirft. Gut, sie tut das sehr dekorativ, sie macht da immer schöne Figur, wenn man nichts gegen Hosenanzüge hat. Aber das Spiel? Das findet doch nicht statt. Das macht der Gegner.

Hier, Friedrich. Haben Sie so was schon mal gesehen? Sagenhaft. Der Mann verstolpert jeden Ball. Eine Beleidigung für den Sport. Der passt nur dann, wenn nirgendwo ein Spieler steht. Jeder Ball ein Gewaltschuss. Und wenn er gar nichts anderes kann, dann bolzt er ihn mit Anlauf ins Aus. Er denkt, er sei der Stürmer – naja, stilistisch kommt das ungefähr hin, kann man nichts sagen. Aber dass er nun als Rechtsaußen so erfolgreich wäre, das sehe ich auch nicht. Vor allem, er kriegt ja nichts mit. Gar nichts kriegt der mit, den können Sie alleine auf den Platz stellen, der trifft in drei Halbzeiten nicht aufs Tor.

Oder hier, die Verteidigung. Neu aufgestellte Truppe. Gab ja hier und da mal Zoff, weil die Herren Spieler alle nicht schuld waren an den zahlreichen Gegentoren. Sturm durch die Mitte, Ausweichen über den linken Flügel, Flanke, und schon ist das Ding drin. Sagt de Maizière natürlich, war ich nicht, kann nicht meine Schuld sein, zu der Zeit war ich gar nicht im Strafraum, jede Menge Zeugen, kann nicht sein. Am Ende ist natürlich keiner schuld, aber das Tor ist auch nicht weg. Und die Bundestrainerin? Pappt ihre Patschhände aneinander, guckt bedeutend und knödelt einen von der gemeinsamen Lösung, zu der wir alle finden müssen. Ich weiß nicht, ob das heute als normal gilt, aber zu meiner Zeit war das nicht normal.

Nein, das Spiel findet ja gar nicht statt. Das ist doch alles nichts, das macht doch der Gegner. Hier, G8 und EFSF und ESM und wie die Dinger alle heißen, wer macht denn da die Tore? Wenn der Gegner nicht zwischendurch aus Langeweile mal den Ball vorlegt, dass kriegt diese Gurkentruppe doch nie einen rein. Die machen ja schon aus lauter Mitleid Eigentore, weil sie das Elend nicht mehr mit ansehen können. Schäuble tut so, als sei er Kapitän, Rösler tut so, als sei er Kapitän, während Westerwelle denkt, er sei der einzige Leichtmatrose in dem Laden. Das ist doch nicht auszuhalten! Und ich frage Sie, wer bestimmt denn da die Richtlinien des Spiels? Die Trainerin?

Bahr, Niebel, was sind das für Pappkameraden? Die laufen neben dem Gegner her und warten, bis sie den Ball abkriegen. Da können Sie von Glück reden, wenn die den Ball übers eigene Tor rüberhauen. Aber typisch für diese ganze Horde: die meisten gehen doch eh nur für die Kohle auf den Platz. Oder haben Sie erwartet, dass da einer sein Leben lang fleißig trainiert, um für Deutschland aufzulaufen?

Die Bundesuschi, diese Blutgrätsche auf Beinen – finden Sie die gut? Was macht die denn? Die schwalbt durch den Strafraum, wenn gerade mal einer hinguckt, aber sonst? Sonst tritt die der Schröder in die Hacken. Wie die Kinder. Nicht zum Aushalten. Wobei das jetzt eine Beleidigung war. Gegenüber den Kindern. Wozu sind die in der Mannschaft? Für die Wirkungstreffer im eigenen Team? Kriegt der Gegner davon überhaupt was mit? Wenn sie wenigstens schön spielen würden, man könnte sich ja daran gewöhnen. Aber diese Holzerei? Haben die kein Hobby?

Überhaupt, Rösler. Den haben sie scheint’s nicht rechtzeitig aus der F-Jugend geschmissen. Der sagt mal so nebenbei im Interview, dass er die Trainerin komplett ablehnt. Konditionstraining? Er erwartet, dass er wegen mangelnder Motivation keine Ausdauer mehr hat, deshalb spart er sich den Kram. Die anderen dürfen gerne, aber der Herr Rösler ist gerade mit Werbeverträgen beschäftigt und lässt sich ein bisschen knipsen. Die Bundestrainerin bereitet die ganze Nationalmannschaft auf das Qualifikationsspiel für die Exportweltmeisterschaft vor – die ganze Mannschaft? Nein, eine Flitzpiepe leistet erbitterten Widerstand gegen den Rest der Mannschaft. Große Klasse. Für wen hält sich dieser Klapskalli eigentlich? Für Uwe Seeler?

Erzählen Sie mir nichts, das liegt alles an der Trainerin. Die Merkel kommt ja in Wirklichkeit so gut wie gar nicht vor. Die ist eigentlich nur ein Prinzip. Nicht bewegen, bloß nichts machen, dann macht man auch nicht aus Versehen irgendwas falsch. Von der Spielführung der ruhigen Hand zur Trainerin der Herzen – genau das scheint ja ihr Erfolg zu sein, warum ein paar Millionen denken, das könnten sie auch. Weil sie nichts macht. Aber auch wirklich nichts. Sitzt aus, steht herum, labert überflüssiges Zeug, und im Grunde ist es doch so: sie sind mit den besten Voraussetzungen gestartet, sie hatten alles, was sie haben wollten, und dann kriegen sie eine Bude nach der anderen rein. Und jetzt freut sich die Trainerin, weil die Mannschaft noch nicht vollständig geschlagen ist. Kann man machen. Ja. Aber wissen Sie, ich weiß ja nicht, was Sie von Fußball verstehen – Unentschieden ist noch kein halber Sieg.“





Murmeltiertag

19 01 2012

„Danke, das war schon sehr schön, und den Teil mit den Arbeitslosenzahlen bitte gleich noch einmal, ja? Wenn Sie etwas mehr betonen könnten, dass wir endlich bald wieder über unsere Verhältnisse leben können, wenn wir noch niedrigere Löhne für…“ „Petzig, was veranstalten Sie hier wieder für einen Quatsch! Sie sollen sofort das Studio – Moment, das ist doch die Merkel?“ „Glückwunsch, Chef. Sie haben den Sehtest bestanden. Können wir dann jetzt vielleicht weitermachen?“ „Wie, weitermachen? womit denn?“ „Mit der Neujahrsansprache, Chef.“ „Welche Neujahrsansprache, Petzig?“ „Meine Güte, die Neujahrsansprache mit der Bundeskanzlerin.“ „Wieso mit der Bundeskanzlerin? Welche Kanzlerin denn?“ „Mit der Merkel. Oder sehen Sie hier noch eine im Studio?“

„Äh, guten Abend, Frau Merkel! Lassen Sie sich nicht stören.“ „Machen wir auch nicht. Und wenn Sie mich jetzt bitte meine Arbeit machen lassen würden, Chef?“ „Petzig, hören Sie mir gefälligst zu und hören Sie mit diesem Unsinn hier auf! Keiner wird hier eine Neujahrsansprache aufzeichnen, haben wir uns verstanden?“ „Wenn Sie das der Bundeskanzlerin freundlicherweise selbst mitteilen würden?“ „Wie, ich?“ „Ja, Sie. Und dann wünsche ich Ihnen schon mal alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg, Chef. Wird sicherlich hart, so ganz ohne Job.“ „Haben Sie noch alle Tassen im Schrank, Petzig? Wollen Sie mir etwa drohen?“ „Keinesfalls, Chef. Aber da die Order direkt vom Intendanten kommt, wissen Sie ja, wer da am längeren Hebel sitzt.“

„Lassen Sie mal sehen – aber das ist ja ein Manuskript für Dezember 2012?“ „Was hatten Sie erwartet, dass wir die vom letzten Jahr noch einmal aufnehmen?“ „Aber wie können Sie denn jetzt schon die Neujahrsansprache für dieses Jahr – also eigentlich schon für das nächste, weil dieses ist ja das nächste Jahr, also wenn Sie jetzt das nächste aufnehmen, dann ist dieses, nein: im nächsten…“ „Jetzt stoibern Sie mal nicht herum, Chef, das hat schon seine Richtigkeit. – Momentchen noch, Frau Merkel. Wir sind gleich so weit. Sie können ja schon mal den Absatz über die Familienpolitik proben, okay?“ „Wieso Familienpolitik, was sagt sie denn da?“ „Dass sie sich wieder ein ganzes Jahr ernsthaft über Kinderbetreuungen gezankt haben, weil die Familienministerin außer inkompetentem Gefasel nichts von sich gegeben hat.“ „Mehr hat sie doch eh nie getan.“ „Und weshalb sollten wir dann mit der Ansprache noch ein ganzes Jahr warten?“

„Nein, Petzig – das kann ich so nicht zulassen, das bringen wir doch diesen Sender in Verruf.“ „Bei der Art, wie hier die Führungspositionen besetzt werden, ist da nicht mehr viel in Verruf zu bringen.“ „Petzig, hören Sie, das ist doch nicht vernünftig!“ „Das weiß ich selber. Sagen Sie das der Kanzlerin. Die dürfte es nicht stören.“ „Weil sie selten etwas Vernünftiges macht, ich weiß. Aber das hier ist doch gefährlich.“ „Momentchen noch, Frau Merkel. Lesen Sie doch gerade mal den Abschnitt über die Eurobonds nach und warum die Steuererhöhungen alternativlos sind.“ „Eurobonds? Alternativlos? und Steuererhöhungen!?“ „Lesen Sie das Manuskript.“ „Petzig, wenn Sie mich hier zum Narren halten wollen, ziehe ich Ihnen die Hammelbeine lang!“ „Netter Versuch, Chef. Aber das Skript ist mit der Kanzlerin abgestimmt. Und ich würde jetzt endlich mit der Aufnahme fortfahren können, wenn Sie nichts dagegen haben.“

„Das ist doch alles Blödsinn – jetzt will sie auf einmal Eurobonds, aber die Krise ist noch nicht überwunden, obwohl die Wirtschaft unheimlich toll wächst, weil die Rezession einen Tick weniger stark ausgefallen ist als befürchtet, und da die Umfragewerte der FDP kaum noch fallen können, ist diese Koalition genauso toll und handlungsfähig wie immer? Was hat die Alte bloß geraucht?“ „Keine Ahnung, was Sie meinen. Es stimmt doch alles.“ „Das mit der FDP vielleicht, aber wie kommen Sie denn bitte auf Eurobonds? Die will die Merkel doch unbedingt vermeiden, und jetzt sagt sie, die seien alternativlos?“ „Haben Sie eventuell in den letzten sechs Jahren mal ihren Regierungsstil zur Kenntnis genommen?“ „Nein, warum? ist da etwas vorhanden, was man Regieren nennen kann?“ „Also haben Sie es doch gemerkt. Sie regiert nicht, und wenn, dann macht sie das, was sie vorher noch als völlig ausgeschlossen bezeichnet hat.“ „Und die Finanztransaktionssteuer?“ „Die Kanzlerin ist ja nicht die einzige, die in dieser Koalition umkippt.“

„Petzig, Sie werden mir diese Aufnahme jetzt schnell und unauffällig über die Bühne bringen, und dann will ich davon nichts mehr hören, ja?“ „Ich denke, das haben nicht Sie zu entscheiden, Chef.“ „Was soll das überhaupt, gucken Sie sich diese Rede doch mal an. Kein Wort zu Europa. Kein Wort zu den Sozialleistungen. Kein Wort zu Pflege und Mindestlohn und gerechter Einkommensverteilung und Bürgerrechten und Demokratie.“ „Hat das die Kanzlerin in den letzten Jahren jemals gejuckt?“ „Nein, aber wenn in diesem Jahr tatsächlich etwas Unvorhergesehenes passieren sollte, wie steht sie dann da? Sie geht doch auf nichts ein, das ist doch völlig egal, was sie da labert.“ „Chef, Sie haben’s endlich gecheckt: es ist die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Die ist wie das Murmeltier, jedes Jahr wieder. Immer dasselbe. Es ist egal, was sie sagt, und es ist auch egal, wann wir es aufzeichnen. Weil es letztlich völlig egal ist, wann es gesendet wird.“ „Machen Sie, Petzig. Machen Sie, was Sie wollen, ich wasche meine Hände in Unschuld. Und wahrscheinlich werden Sie als nächstes auch noch die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten aufzeichnen.“ „Haben wir schon, Chef. Alles längst im Kasten. Bis einschließlich 2014.“





Betreutes Regieren

10 11 2011

„Wie, nicht verfügbar?“ „Eine Opposition ist in Ihrem Land gerade nicht verfügbar.“ „Das muss ein Irrtum sein, gucken Sie noch mal genau nach.“ „Tut mir Leid, eine Opposition gibt’s gerade nicht.“ „Und das da? Sozialdemokraten?“ „Richtig.“ „Und Grüne?“ „Korrekt.“ „Linke?“ „Exakt. Aber das ist keine Opposition.“ „Sondern?“ „Das ist die zweite Reihe der Regierung. Da wird gearbeitet.“

„Das ist absurd!“ „Hat niemand bestritten.“ „Nein, ich meine: es ist absurd, dass Merkel keine Opposition mehr hat.“ „Hat sie doch – sie gibt aber so ungern her, was sie sich einmal unter den Nagel gerissen hat.“ „Das hieße, der Regierungswechsel hätte längst stattgefunden?“ „Richtig. Man merkt es daran, dass die ehemalige Opposition die Agenda entwirft und die Typen auf der Regierungsbank die Sache nur noch abnicken.“ „Dann erklären Sie mir mal bitte, wer jetzt die Sozialdemokraten sind.“ „Das, wo früher CDU draufstand.“ „Und die SPD?“ „Ist jetzt so eine Sparausgabe der früheren Union.“ „Also gibt es quasi keinen Unterschied mehr zwischen denen?“ „Doch.“ „Und welchen?“ „Die einen haben gerade die FDP am Bein.“

„Sie scheinen zu vergessen, dass die Kanzlerin gerade wieder dabei ist, das Profil der CDU als moderne Volkspartei zu schärfen.“ „Es darf gelacht werden, richtig? Atomausstiegsausstiegsausstieg, Hauptschule, Wehrpflicht, Eurorettung, jetzt auch noch Frauenquote – demnächst wird sie verkünden, dass Herbert Wehner ihr politischer Ziehvater war.“ „Das ist Unsinn, und das wissen Sie ganz genau. Die CDU positioniert sich lediglich etwas moderner und…“ „Stromlinienförmiger?“ „… für die ganze Gesellschaft wählbarer. Sie müssen heute ja auch nicht mehr aus dem Proletariat kommen, um die SPD zu wählen.“ „Richtig, wenn Sie heute die SPD wählen, sorgen Sie eher, dass Sie ins Proletariat wieder reinkommen.“ „Dann verstehe ich aber nicht, warum Sie dies Linken als treibende Kraft in der Krise ansehen.“ „Weil sie uns viel besser in die Krise treiben, als uns die CDU je rausholen könnte. Die Banken und die Märkte und die Industrie wollen den neoliberal verheizbaren Bürger, und die Opposition ist inzwischen darauf konditioniert, ihn der Wirtschaft vor die Füße zu schmeißen.“

„Die Bundeskanzlerin könnte ihre in der Krise gewonnene Popularität ja nutzen, um endlich die FDP aus der Regierung zu kegeln.“ „Das bringt die nie. Dazu müsste sie etwas machen.“ „Aber sie macht doch schon so viel. Denken Sie an die vielen Euro-Rettungen.“ „Blödsinn. Merkel macht nur den Tarzan.“ „Die Jane, meinen Sie?“ „Den Tarzan. Sie hangelt sich von Gipfel zu Gipfel, damit sie den Boden nicht mehr berühren muss.“ „Aber sie macht das doch ganz gut.“ „Sie macht das hervorragend, wenn man es hervorragend finden kann, dass eine Kanzlerin alles, was sie derzeit tut, noch vor kurzer Zeit als vollkommen abwegig und technisch überhaupt nicht durchführbar bezeichnet und die Urheber der Pläne als Irre hingestellt hat.“

„Wenigstens in der Sozialpolitik hat die Regierung noch fest das Heft in der Hand!“ „Weil der Mindestlohn in der CDU Lohnuntergrenze heißt?“ „Lenken Sie jetzt nicht ab, das ist eine Errungenschaft der Arbeitsmarktpolitik! Nein, die Sozialpolitik der Bundesregierung ist noch eine verlässliche Größe. Da weiß man, was man hat.“ „Wie kommen Sie auf das schmale Brett?“ „Weil die SPD die Regelsätze von Hartz IV nämlich um mindestens einen Euro mehr angehoben hätte.“ „Es ist Schröders Rache.“ „Warum das?“ „Vorher wussten die Leute, wozu die SPD fähig sein würde – spätestens mit Steinmeier wurde ihnen klar, wozu sie nicht in der Lage sind.“ „Die CDU hat also alles das nachgemacht, was die Sozialdemokraten als politische Positionen der Mitte erkannt hatte.“ „Und die SPD rächt sich heute.“ „Indem sie genauso pragmatisch und zielorientiert die großen Probleme der Zeit angeht?“ „Indem sie genau so beschissen wie die Union in der Landschaft herumstolpert.“ „Dann frage ich Sie: wen sollen wir dann überhaupt noch wählen?“ „Die Frage ist doch eine ganz andere: wozu?“ „Macht das nicht einen gewaltigen Unterschied, welches Personal die Märkte sich für die Ministerposten auswählen?“ „Es ist ja längst wurst, wer da regiert, Schwarz-Gelb oder Rot-Grün oder Grün-Schwarz oder Schwarz-Weiß-Rot. Sie wollen alle nur unser Bestes, aber so viel Geld haben wir gar nicht.“ „Vielleicht will sie nur der Opposition die Themen für den nächsten Wahlkampf klauen?“ „Dann wird sie bald mit Haut-Merkel-aufs-Maul-Plakaten um die Blöcke ziehen.“

„Aber mal ernsthaft – ist es denn wirklich so schlimm? Stellt die Opposition schon wieder die Quaasi-Regierung, nur weil sie dieses lächerliche Steuertheater durchfallen lassen kann?“ „Sie setzt die Regierungslinie eben nahtlos fort. Die SPD hat mit ihrer Deregulierungs- und Privatisierungspolitik und den Hartz-Gesetzen dafür gesorgt, dass die Wirtschaft ihre von kleinen und mittleren Einkommen finanzierte Wettbewerbsfähigkeit noch vergrößern kann.“ „Das war natürlich falsch.“ „Die CDU hat in zwei Regierungen dafür gesorgt, dass der Export gigantische Überschüsse in die deutsche Volkswirtschaft gespült hat.“ „Das war natürlich richtig.“ „Und die nächste Koalition der Billigen wird dafür sorgen, dass deutsche Exportkunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlen können, sich die Kohle noch mal von deutschen Geringverdienern erstatten lassen können.“ „Das ist natürlich falsch.“ „Und was erwarten Sie jetzt? dass Merkel in diesem Schonprogramm sich weiter durchwursteln kann? Betreutes Regieren unter sozialistischer Aufsicht?“ „Das würde doch Merkel nie zulassen!“ „Warum nicht?“ „Das würde der CDU absolut nicht entsprechen, damit könnte sie den ganzen Laden dichtmachen.“ „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.” „Das sagt diese Wagenknecht, diese kommunistische Kuh?“ „Das sagt das Ahlener Programm. 1947. Als sie gerade eben den letzten großen Kahlschlag erlebt und nur noch den Wunsch hatten, die ideologische Verblendung so schnell wie möglich abzuwerfen.“ „Na, meinetwegen. Mir soll’s ja egal sein, aber Sie werden die Merkel nicht so leicht von der Backe kriegen. Auch nicht als heimliche Opposition in ihrer eigenen Regierung.“ „Und warum nicht, wenn ich fragen dürfte?“ „Haben Sie gewusst, dass sie alternativlos ist?“





Klarmachen zum Kentern

6 10 2011

„Und jetzt den Kopf einziehen – der Mastbaum, Angela. Ja, der ist immer in der Höhe. Nein, das können Sie nicht gesetzlich regeln. Nein, dazu brauchen wir auch kein Gesetz, das man beschließt und nicht anwendet. Auch nicht auf Vorrat.

Jammern Sie nicht, das haben Sie sich selbst zuzuschreiben. Sie denken wohl, zwei Jahre mit der Leichtmatrosentruppe auf dem Feuerwehrteich herumzurudern sei Seefahrt? Dann willkommen an Bord, Angela, und falls es Ihnen entgangen sein sollte: Sie sind der Kapitän. Sie wollten hart segeln, jetzt haben Sie die Bescherung. Immer hübsch mit den Ideologen Schwimmwesten anlegen geübt, aber nie auf dem Wasser gewesen. Und dann fluchen, weil die erste Bö Sie aus den Latschen haut?

Vorsicht! Schon wieder fast gekippt – macht Ihnen das eigentlich noch Spaß, Angela? Eine Patenthalse nach der anderen? Erst den Kahn fast quergelegt wegen der Wehrpflicht, jetzt bricht der Baum aus, weil Sie unbedingt gegen den eigenen Wind von der Kernkraft weg wollen. Was soll das hier werden? Sie haben die Leitung auf diesem Schiff, verdammt – mal etwas aufschricken, und dann mal sehen, wie lange sich das Ding noch über Wasser hält? Hat Ihnen der Klabautermann ins Hirn gehauen?

Da haben wir den Salat – der Kahn krängt nicht, der Schwerpunkt liegt viel zu weit unter der Wasserlinie. Völlig steif. Das nennen Sie also eine seetüchtige Bildungspolitik. Schuten, wie? Viel Ladung, wenig Tiefgang? Und damit wollen Sie Deutschland retten? Sie haben das Problem nicht begriffen.

Die anderen Parteien haben es gerade so schön bewiesen im Superwahljahr, wie man mit den Wählern umgeht: immer schön draufkloppen, dann bringt man das Volk an die Urne. Nur stimmt es für die andere Partei. Beschweren Sie sich nicht, wenn Sie die Piraten aufpäppeln mit Ihrem Personal, die sparen sich einfach den Wahlkampf, weil den Ihre Leute besser können. Und zugleich labern Sie Ihre Leute ins Koma, damit sie ja nicht mehr zur Wahl gehen. Windstille? So wollen Sie vorankommen?

Also geistige Windstille. Eine marktkonforme Demokratie – sonst haben Sie keine Schmerzen? Befindet sich Ihr staatsrechtliches Denkvermögen gerade in zerlegtem Zustand? Hoch und trocken? Eine anonyme Teilhabe am politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess ist also abzulehnen? Und Sie wundern sich, dass sich nicht einmal im Maschinenraum etwas bewegt? Na dann, Klarmachen zum Kentern!

Großartig, Angela. Sie haben es begriffen. Erst die SPD, jetzt die CSU und die FDP gleichzeitig mit deren tätiger Mithilfe. Seit sechs Jahren dicht am Wind, und dann alles andere totgesegelt. So kriegt man nicht das eigene Schiff auf Grund, so kriegt man die Schifffahrt zerstört, Sie Landratte! Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht?

Obacht, da geht gleich einer über Bord! Keine Ahnung, könnte der Bosbach sein, oder die Junge Union hat die Kauders schon über die Reling gekippt. Ihre Mannschaft mustert ab nach Gefühl und Wellenschlag, und Sie kriegen das höchstens aus der Zeitung mit? Von der Brötchentüte, was?

Kommunikation, Angela! Es nützt nichts, wenn die Mannschaft rätselt, was der Kapitän will. Es ist nicht besonders klug, in den Wind zu gucken und sich mit dem Steuermann Witze zu erzählen, wenn der Erste Offizier Bericht abstattet. Es ist auch keine Zeichen von Intelligenz, der Mannschaft Seemannsgarn zu erzählen, wenn Sie genau wissen, dass die Mannschaft es weiß. Ihre Kommunikation ist ein schlechter Scherz, und Sie sollten auf die Grundregel einer vernünftigen Kommunikation hören: Klappe halten und zuhören. Aber das hat sie ja nicht nötig.

Und dann das Übliche: das hat sie schon so gesagt. Natürlich hat sie das schon so gesagt. Der Kapitän war gegen den Atomausstieg, der Kapitän war dafür. Der Kapitän war gegen die Berufsarmee, der Kapitän war dafür. Der Kapitän war gegen die Griechenlandhilfen, deshalb ist der Kapitän jetzt so was von dafür, dass er jeden kielholen lässt, der auch nur wagen sollte, öffentlich dafür zu sein. Der Kapitän hat alles schon einmal so gesagt, weil der Kapitän schon immer für und gegen irgendetwas war. Weil der Kapitän immer schon keinen Kurs hatte und alle anderen daran schuld waren. Nur mal so als kleine Stilkritik, Angela: die Augenklappe sieht bescheuert aus. Lassen Sie die weg. Dass die CDU auf dem rechten Auge blind ist, wussten wir schon vorher.

Vorsicht – wollen Sie das Schiff etwa in die Klippen setzen? Warum lassen Sie dann direkt auf die Küste zusteuern? Wen haben Sie da ans Ruder gelassen, etwa Pofalla? Meine Güte, das muss Ihnen doch einer verklickert haben, dass der Mann nichts taugt. Auf Küstenklatsch geben Sie wohl gar nichts?

Reise reise! Wollen Sie nicht oder können Sie nicht, Angela? Soll ich Ihnen helfen? Wollen Sie der christlichen Seefahrt wirklich noch einen Dienst erweisen? Dann lassen Sie sich als Richtungsanzeiger patentieren. Ein Kompass, der nach Süden zeigt. Damit man weiß, wohin man zu steuern hat.“





Dingens

20 09 2011

„Nein, das hatten wir nicht vergessen. Stand bei uns noch auf der Liste, wir machen uns da kundig. Nächste Woche ist noch was – nein, ich sehe gerade, aber bestimmt vor Weihnachten. Spätestens irgendwann im Wahlkampf. Versprochen. Frau von der Leyen hat im Augenblick so viel, worum sie sich noch kümmern muss, da kann sie sich eben um nichts mehr kümmern.

Weil das ja eigentlich von uns kommt. Kommen müsste – müsste, nicht wahr, müsste, aber das kam dann ja nicht. Ursula kümmert sich. Das hat poetischen Tiefgang und fast einen, ich sag mal, leicht sozialen Touch, verstehen Sie, das klingt fast so, als wäre es, ich sag mal, ansatzweise wahr. Ansatzweise! Aber Sie wissen ja, unsere neue Frontfrau macht das alles viel subtiler. Das muss nicht wahr sein. Darf es auch nicht.

Wir können uns hier nicht mit inhaltlichen Details auseinandersetzen, nicht wahr, das würde viel zu viel Zeit fressen. Das brauchen wir alles für eine Expansion in die richtigen Politikfelder. Breite Streuung. Wir haben das im Griff. Vertrauen Sie uns. Das mit der Außenpolitik macht der Blonde von dieser Kleinpartei da immer noch ganz gut, aber die anderen Sachen sollten wir auch langsam mal lernen.

Netzneutralität – gut, dass Sie das ansprechen. Wir haben schon länger vor, unchristliche Inhalte nur noch mit halber Geschwindigkeit durchzuleiten, und wenn wir das konfessionell hinkriegen, könnten wir es auch auf die Funknetze aufteilen?

Natürlich trägt das die CDU nicht mit. Wäre ja auch noch schöner. Aber Sie müssen zugeben, eine prominente, bei allen beliebte Politikerin, die von den Bürgerinnen und Bürgern sehr geschätzt wird – können wir uns nicht einfach mal darauf einigen, dass Frau von der Leyen moralisch okay ist? Sie hat doch auch schon jede Menge für die deutsche Wirtschaft getan und Arbeitsplätze gesichert. Denken Sie bloß mal an die Kartenleser-Hersteller, was wäre die maschinenlesbare Prekariatsprämie für ein grandioser technischer Erfolg geworden, wenn diese Grundgesetzarschlöcher aus Karlsruhe nicht ständig genörgelt hätten? Denken Sie an den Aufschwung für die Leistungsträger, die Telekom-Aktie wäre mit dem Zugangserschwerungsgesetz erst richtig durch die Decke gegangen. Und wenn ihr nicht jemand vor Zeugen verraten hätte, dass die 1-Euro-Jobs tatsächlich keine arbeitsfördernde Maßnahme, sondern eine reine Finanzierungshilfe für Industrie und Kirchen sind, dann hätte sie die solidarische Haltung gegenüber Deutschlands gut verdienenden Steuerhinterziehern nie aufgegeben. Machen Sie sich klar, das wird Folgen haben!

Als nächste Aktion war für uns die Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes geplant: nur noch stilles Wasser in Europa. Da hier auch bald nicht mehr geraucht wird, müssen wir bloß noch die Getränkehersteller auf unsere Seite ziehen.

Das mit den Vereinigten Staaten von Europa war auch eher so metaphorisch gemeint, nicht wahr – dass das verfassungsrechtlich nicht geht und für den Euro der Genickschuss wäre, müssen Sie in Ihrem Beitrag ja nicht so betonen. Wir wollten nur mal die außenpolitische Kompetenz etwas stärker in den Fokus rücken, schließlich bleibt uns nicht mehr viel Zeit. Jetzt noch die Legislatur, dann acht Jahre Steinbrück, dann noch ein großer Wahlkampf, das wird extrem schwer. Wann soll sich Frau von der Leyen denn dann noch kümmern können? Und viel wichtiger, wann lässt sie sich mit ihren Kindern fotografieren? Das sind doch die Fragen!

Dass sich Frau von der Leyen jetzt schon in der zweiten CDU-Regierung so engagiert, gibt uns das ideale Profilierungsfeld. Das ist nicht nur gut, wenn man sich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern in Stellung bringen will, das macht auch fit für eine innerparteiliche Entscheidungsschlacht mit dem Rest, der Merkel überlebt hat: sie hat keine Ahnung und tut trotzdem nichts. Und mit solchen idealen Voraussetzungen wollen Sie Führungsqualitäten für die Unionsparteien verneinen?

Es muss sich einer für Dingens interessieren. Das ist das neue Allzweckressort, wo man sich als Kanzlerin profilieren kann. Für die großen Gesamtzusammenhänge von Wirtschaft, Politik und Wirtschaftspolitik, nicht wahr, in denen die Bürger nicht dazwischenkommen. Da hat die Kanzlerin – die alte, also die jetzige, nicht wahr – die Kanzlerin hat Frau von der Leyen ja auch schon mal kritisch gewürdigt, weil das wohl nicht so ganz hilfreich war, dass hier einer den Geisterfahrerkurs von dem FDP-Azubi durcheinanderbrachte. Das muss doch abgesprochen werden, nicht wahr, wenn da plötzlich einer anfängt, seine eigenen Ansichten zu äußern.

Weil wir eben den Mindestlohn nicht nur nicht angedacht haben, Frau von der Leyen ist ja auch im Grunde genommen dagegen. Weil man dann den Mindestlohn allen zahlen müssten, die man jetzt noch ohne Mindestlohn beschäftigen könnte, nicht wahr. Wir mussten das jetzt schon machen. In der aktuellen Konstellation konnte man einigermaßen gut vorhersehen, dass sich die FDP komplett dagegen sträuben würde, nicht wahr, und dann könnte der Mindestlohn als Verhandlungsmasse gute Dienste tun – die Liberalen haben ja immer mal wieder einen Grund zum Einknicken, dann lassen wir ihnen den Spaß und tun für die Presse so, als würden wir es uns etwas kosten lassen.

Gut, Sie haben das nicht vergessen? Dann legen Sie mal los mit Ihrer Kampagne. Und ich hoffe, dass Sie sich endlich von den Guttenbergs trennen, nicht wahr?“





Wie geschmiert

20 07 2011

„Ich glaub, mein Hamster bohnert! Alles wieder voll hier, so ein Schweinkram aber auch – und ich hatte mich vor zwei Jahren erst ins Kanzleramt versetzen lassen. Carla, sag ich mir, da passiert sowieso nichts, da wird nicht gearbeitet, aber dann das hier! Immer dasselbe, kaum ist die Alte wieder im Haus, ist hier alles vollgeschmiert.

Erkennt man doch an der Schuhgröße, die Merkel. Am Anfang dachte ich, das sei der Pofalla. Kennen Sie den? Das ist der Schmalzheini hier. Aber dann sagte die Pawlikowska, was die Chefraumpflegerin ist, das kann ja gar nicht sein, der Pofalla trippelt immer nur, da müsste man nur ein paar Zehenspitzen sehen – sehe ich doch neulich, die Kanzlerin kommt aus dem Sitzungssaal und hat noch den halben Fettnapf an den Füßen. Na, ich kann Ihnen sagen, das war hier aber eine tolle Stimmung. Sie verteilt die Schmiere im ganzen Amt, und wir kriegen aufs Dach, wenn es nicht rechtzeitig wieder sauber wird. Unerhört!

Nicht immer, man kann schon sehen, ob sie was macht oder ob sie’s lieber gleich sein lässt. Erst hatte sie ja mal gar nichts getan, dann kam der Koalitionsvertrag – da war unten so’n kleines bissel Schmierfilm im Foyer, aber das hätte ja auch vom Ackermann stammen kommen, der hat ja immer Dreck am Stecken – und dann haben sie schnell dieses Wachstumsgesetz gemacht, zack! nächsten Tag alles voll. Knietief. Carla, sag ich mir, das lässt Du Dir nicht bieten, aber wissen Sie, was der Pofalla antwortet? Das ist jetzt ganz normal hier, sagt er. Das muss so, sagt er. Wer im Wahlkampf aufgepasst hat, der wusste genau, dass das hier jetzt – und es war auch wirklich eine Ferkelei. Bis heute haben wir das nicht weggekriegt.

Das Schlimme ist ja, es sind nicht nur die Fußspuren. Wenn ich daran denke, wie Sie diesen Margarinebaron aus dem Verteidigungsministerium entfernen wollte, da ist sie ja noch zusätzlich abgeglitscht. Der war ja eh nicht zu halten. Aber was macht die Alte hier? Tritt es im Teppich fest. Hü und hott und hin und her und vor und zurück. Gucken Sie sich mal die Sauerei an. Und immer um sich selbst gedreht, als bekäme man damit den Schmadder besser von den Sohlen.

Im Grund genommen können wir das nämlich gleich so lassen. Sie kommt ja alle paar Tage wieder mit irgendeinem Tran an und kippt uns das vor die Füße. Und hin und her und vor und zurück. Neulich hatte sie eine Besprechung wegen Steuersenkungen und Schuldenabbau, da hat sie gleich in den alten Fußspuren vom ersten Rettungsschirm getanzt. Immer dasselbe. Carla, sag ich mir, wenn Du das wegputzt und es ist am nächsten Tag doch wieder da, warum machst Du das denn noch?

Und den Euro-Gipfel haben wir jetzt doch. Das wusste ich ja in dem Augenblick, als sie von der Pressekonferenz wiederkam und die Treppe vor Schmiere starrte. Zweitaktöl, um es genau zu sagen. Das gute alte DDR-Zeugs, für ihre Lieblingsbewegung. Hin und her, vor und zurück.

Wenn ich jetzt gehässig wäre, ich könnte ins Fernsehen gehen. Internationale Fettsorten am Geruch unterscheiden. Könnte ich sofort. Sogar schmierige, ich meine: schwierige Mixturen, ein Fettnapf über dem anderen. Panzerkettenfett aus Arabien und angolanisches Waffenöl. Sie muss ja inzwischen schon bei den afrikanischen Diktatoren tingeln. In Ungarn gilt sie nicht mehr als seriös.

Nein, ernsthaft. Es ist als soziale Tat gedacht. Da sie neulich auf dem schwarzen Brett einen Zettel ankleben lassen: Zumutbar ist, was Arbeit schafft. Aber das hätte man sich nach dem Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg auch schon denken können. Diese Bundeskanzlerin hält sich für das Wundermittel gegen alle die Probleme, die sie selbst verursacht.

Aber das ist ja gar nicht das Problem. Ich wische hier ja schon längst für drei. Ach, ist doch so – die Merkel putzt sich doch nie die Schuhe ab, die trägt doch den ganzen Dreck von den anderen hier mit rein. Bundeswehrreform und Freiwilligendienst und Bildungspaket und Vorratsdatenspeicherung, elektronischer Einkommensnachweis und Hartz IV, glauben Sie, ich feudele hier den Mist aus dem ganzen Kabinett weg? Kriege ich die Überstunden bezahlt? Wir haben nicht einmal einen Betriebsrat, und das läuft auch noch unter Arbeitnehmerschutz. Damit wir mehr Zeit zur Weiterbildung haben und den richtigen Fettlöser verwenden. Carla, sag ich mir, wenn Du könntest, wie Du wolltest, die würde schon ihr Fett wegkriegen. Endgültig!“





Zicke, zacke

4 04 2011

„Moment, ich muss mal eben nachfragen. – Und? Kollegen, wie ist es? Hatten wir… ach so, ja. Gut. – Hallo, hören Sie? Seit kurz nach zehn ist die Frau Bundeskanzlerin doch wieder für Solarstrom. Bis so ungefähr um und bei zwölf, danach ist das alles wieder Merkulatur. Also falsch. Passé. Sie müssen halt wissen, was Sie wo investieren, weil es ja dann irgendwann – Planungssicherheit? Bester Herr, die hätten wir auch gerne!

Wenn Sie mich so fragen: ich weiß es nicht. Wir sind seit Tagen völlig aufgeschmissen. Jetzt klagt schon der erste Energiekonzern, weil sie sich nicht rechtzeitig widersprochen hat. Oder sie hat, und das war dann wieder der Ausstieg vom Widerspruch. Oder umgekehrt, wer kann das schon wissen. Derzeit hält die politische Großwetterlage hier kaum sechs Stunden lang an. Ganz schwierig. Es ging beim letzten, Entschuldigung: vorletzten Schwenk um die gemeinsame Verantwortung, das hatte ich noch behalten. Nein, keine Ahnung. Vermutlich irgendwas mit Opel, aber vielleicht war das auch schon länger her. Man verliert da schnell den Überblick.

Natürlich ist sie gerade gegen den Euro, das heißt, sie ist schon für den Euro, aber gegen die Griechen, also schon für die Griechen, aber gegen eine Umschuldung, genauer gesagt will sie die Umschuldung am besten jetzt sofort, weil sie die nämlich gar nicht will, denn sie ist ja gegen die Griechen, damit sie nicht gegen den Euro sein muss. Es ist, wenn Ihnen das vielleicht aufgefallen sein sollte, etwas kompliziert. Die Frau Bundeskanzlerin hat extra noch einmal betont, dass in der sozialen Marktwirtschaft die Banken eine dienende Funktion haben. Das muss sie gesagt haben, kurz bevor sie den nächsten Rettungsschirm aus Steuermitteln angeregt hat. Oder kurz danach. Keine Ahnung. Es ist normalerweise nicht die Aufgabe des Staates, notleidenden Banken unter die Arme zu greifen. Doch, das hat sie gesagt! Allerdings hat sie auch gesagt, dass man hier von einem Normalfall gar nicht reden kann, dass es keine notleidenden Banken geben kann, weil die alle viel zu groß sind, wegen der Systemrelevanz für die Finanzkrise, und dass es in den Alpen gar keine Tsunamis gäbe. Glauben Sie nicht? Natürlich gibt es keine Tsunamis in den Alpen. Fragen Sie den Ackermann, der muss es wissen. Und den Rest auch.

Immerhin, sie hat es gut gemeint. Das ist doch schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Sie handelt schnell, sie handelt konsequent, sie handelt erfolgreich. Also jetzt nicht direkt erfolgreich, eher so, dass es sich nur so katastrophal entwickelt, wie man es nicht hätte vorhersehen müssen, wenn man es hätte vorhersehen können. Wegen des Dingsda mit Restrisiko. Sie müssen wissen, die Frau Bundeskanzlerin hat ja keinerlei Erfahrung in politischen Führungsaufgaben; vorher hatte sie ihre Minister, die haben die Politik gemacht, und sie war für die Hosenanzüge zuständig. Die Lage der Situation ist jetzt so, dass ihre Erkenntnisse neue Erkenntnisse gewonnen haben, wenn Sie verstehen.

Atom? War da mal was? Können Sie das präzisieren? Ich würde mich nicht festlegen wollen, was das seit heute Vormittag passiert ist. Röttgen ist für irgendwelche Tests, laut Stundenplan müsste sie dann dagegen sein. War das durchgesickert? Nein, sie hält sich nicht immer an die Tagesordnung. Die Zacke zickt, nein: die Zacke, die Zicke zackt. Zickzack. Zicke, zacke, Hühnerkacke. Und auf jeden Fall wird nach dem Moratorium entschieden, wie wir auf die Klage der Atomkraftwerksbetreiber reagieren, die ohne Moratorium… Kollegen, was war jetzt? Doch keine Abschaltung, weil jetzt klar ist, dass wir die gar nicht vom Netz nehmen können wegen der Versorgungslücke? Das ist dann die Gefahr, die das Moratorium rechtfertigt, und damit nehmen wir die hinterher vom Netz? Kann mir gerade mal jemand erklären, was hier gespielt wird? Es fehlt nicht viel, und wir erfahren aus der Zeitung, dass die Regierung Schwarz-Grün ist!

Das Drama ist ja, dass die politischen Entscheidungsträger nicht mehr an die Frau Bundeskanzlerin herankommen. Ich meine, das ist jetzt alles so willkürlich, man spürt nicht mehr die ordnende Hand, es gibt keinen Konsens, die große Linie fehlt, man weiß nicht, wie es bis zum Ende der Legislatur noch weitergehen – Schäuble? Friedrich? Wieso de Maizière? Hören Sie doch mal hin, es geht um die Entscheider. Die, die Deutschland politisch gestalten. Ich rede hier vom BDI, von den Großbanken und Waffenexporteuren!

Bedaure, aber das geht jetzt zu weit. Ich kann Ihnen nicht verbindlich zusagen, dass die Frau Bundeskanzlerin eventuell einen neuen Herbst der Entscheidungen anleiert, um Stuttgart 21 zu torpedieren, wenn der Volksentscheid doch für den Bahnhof ausfallen sollte. Sie hat vor ein paar Tagen vehement den Baustopp verteidigt (weil sie ihn im Eifer des Gefechts mit dem Elterngeld-Moratorium verwechselt hat, aber sagen Sie das jetzt bitte nicht weiter!), aber das hieße jetzt eher, dass wir sofort nach dem Moratorium und wenn der Volksentscheid tatsächlich mal vorliegt, mit dem Bau beginnen. Obwohl, die Wasserwerfer sind ja schon bestellt. Da müsste sie doch eher Bildungsinvestitionen ablehnen.

Manchmal kann man den Eindruck haben, die Frau Bundeskanzlerin spielt mit uns Stresstest: viel Lärm, aber es wird nur ausprobiert, was im Ernstfall sowieso egal ist.“





Nach Augenmaß

28 03 2011

„Da dürfen Sie mich nicht fragen. Haben Sie eine Bedienungsanleitung? Eben. Ich auch nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass man die nicht einfach so abschalten kann. Das Modell ist zu alt, da kriegen Sie ja nicht einmal mehr vernünftige Ersatzteile. Und wenn da mal ein Kleinteil einfach so rausfliegt oder eine ganze Baugruppe ausfällt – ich bin ja auch für den Ausstieg, je schneller, desto besser, aber ich fürchte, wir werden Merkel kontrolliert runterfahren müssen. Einfach ausknipsen lässt sich die Alte jedenfalls nicht.

Schrittweise, haben sie gesagt. Erst Hamburg, jetzt Stuttgart, und irgendwann Deutschland. Aber mit dieser Kanzlerin kriegen Sie das nicht mehr hin, das sieht doch ein Blinder! Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg, oder ist das jetzt schon Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg? Haben Sie da noch Ausblick? Durchblick, meine ich? Ich auch nicht. Hat keiner. Alles ein Chaos. Gut, jetzt sind wenigstens die Reaktoren Mappus und Gönner vom Netz. Dieses verstrahlte Geraffel, hat das überhaupt noch eine Betriebsgenehmigung? Wer entsorgt den Abfall von diesen Klötzen? Und werden die auch irgendwo sicher endgelagert? Oder kommen die zu Guttenberg in die Wiederaufbereitungsanlage? Das muss man doch wissen!

Stresstest hat sie das genannt, die Merkel. Das leuchtet mir nicht ein. Sie macht nur einen Stresstest mit der CDU. Dabei ist ihr der Wähler dazwischengeraten. Ach, dieser Stresstest ist bloß Papierkram? Na, das passt ja. Für die CDU findet die Verfassung ja auch nur auf dem Papier statt.

Die Kühlsysteme, das ist der Schwachpunkt. Wulff, von Beust, Koch, alle havariert – ein paar haben sogar freiwillig den Geist aufgegeben, soweit man bei denen von Geist sprechen kann. Aber dann gucken Sie mal, was Sie da an Ersatzteilen geliefert bekommen! Ahlhaus, das ist ja als Nachbau noch erträglich, aber Bouffier? Den Hongkongschrott baut sich doch kein normaler Mensch ein!

Klar, jetzt merkt man erst, was das DDR-Erbe von der Merkel alles ausmacht. Sie hat ja vor allem Abwickeln gelernt. Also gehen wir mal davon aus, dass die CDU ordnungsgemäß um die Ecke kommt.

Sie meinen, Merkel sei ein Schneller Brüter? Das verstehe ich jetzt nicht. Weil sie ständig Zeugs von sich gibt, das die Bevölkerung spaltet? Herbst der Entscheidungen, Jahr des Vertrauens und solche Sachen? Ach deshalb. Ja, kann man unterschreiben: dass sie mehr Müll produziert, als für die ganze CDU ausreicht. Und Westerwelle? Druckwasser-Überreaktor, typischer Fehlbau. Der Mann macht doch nichts als heiße Luft. So viel kontaminierte Abwärme kriegen Sie sonst nur um die Ohren geblasen, wenn Sie Homburger und Brüderle als Reihenschaltung betreiben. Aus der thermischen Energie kriegen Sie locker eine Resthirnschmelze hin. Leichtwasserreaktor? Westerwelle? Meinten Sie jetzt, den kriegt so ein Leichtmatrose eher geregelt? Da muss ich Sie leider enttäuschen, der kriegt gar nichts hin.

Jedenfalls nicht nach Augenmaß. Doch, das hat sie immer wieder betont: Augenmaß. Leider hat sie uns nicht verraten, ob wir ihren Knick in der Optik berücksichtigen müssen. Heißt denn Augenmaß jetzt, dass wir sie vom Netz nehmen und ausglühen lassen bis 2013? Oder gleich Neuwahlen und dann ab in die Asse mit diesem Verdampferkonzentrat? Oder in den Weltraum? Ich würde das gut finden. Und die ganzen CDU-Landesverbände, wenn man denen sagen würde, wir schießen die Merkel zum Mond – Sie, die würden ihr letztes Hemd hergeben, wenn sie dafür eine deutsche Rakete bauen dürften! Aber das wird nicht passieren, da bin ich mir sicher. Ganz sicher. Denn so sicher ist auch sicher, dass die Sicherheit von Mondraketen nicht sicher genug ist, da können Sie noch so viele Ethikkommissionen einsetzen, die herausfinden sollen, was sie denn nun eigentlich herausfinden sollen. Am Ende geht so eine Rakete beim Start in die Luft, der radioaktive Mist explodiert, und dann haben wir das Zeug auch wirklich überall. Und das geht doch nun wirklich nicht – ich meine, es reicht doch, wenn die Merkel in Deutschland die Atmosphäre vergiftet.

Es wird vermutlich hier so laufen wie in Japan: die Leute, die sich haben verstrahlen lassen, sind am Ende selbst daran schuld und brauchen sich gar nicht erst irgendwelchen Hoffnungen hingeben. Das neoliberale Prinzip halt, alle Tellerwäscher, die es nicht bis zum Millionär geschafft haben, müssen zur Strafe seine Steuern mitbezahlen. Sozialsystem, Bildung, innere Sicherheit, die Kernschmelze hat längst stattgefunden, aber die Quatschköpfe stehen immer noch in der Landschaft und verkünden, dass sie alles unter Kontrolle haben – bis irgendein Brüderle versehentlich das Gegenteil herausfindet. Es steigt ja auch keiner mehr durch in diesen Bedienungsanleitungen. Da steht zum Beispiel, das, was Kohl gesagt hat, sei Illoyalität. Immer, wenn jemand die Wahrheit sagt, dann ist das Illoyalität. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat ja Orwell die Betriebsanleitung geschrieben.

Keine Ahnung, wer die Liquidatoren auf dem Wasserwerfer sein werden. Kauder vielleicht, de Maizière, von der Leyen, Röttgen. Wenn sie sich zum Schluss ganz sicher sind, dass da keiner mehr lebend rauskommt, dann werden sie Pofalla auch noch in die Strahlen schicken. Denn das ist doch das eigentliche Dilemma der CDU: alle wünschen sie sich heimlich, dass die Merkel der Schlag trifft, aber alle wissen sie auch, dass dann auch nichts mehr kommt. Und das ist, im Gegensatz zu den deutschen Kernkraftwerken, todsicher.“





Bei Merkels unterm Sofa

21 02 2011

„Grau-en-haft! Sie machen sich keine Vorstellung, wie es da aussieht! Ich habe ja schon viel gesehen – eine Kellerwohnung mit tonnenweise Altpapier, eine Frau mit dreißig Hunden in der Bude, alles nur noch schrecklich – aber das war die Höhe. Das war nicht mehr mit anzusehen. Ich bin immer noch fix und fertig – ich sag’s Ihnen, ich setze keinen Schritt mehr in dieses Bundeskabinett!

Plunder, Müll und Abfall, kniehoch. Das war nicht mehr feierlich. Ein voll ausgeprägtes Messie-Syndrom, sämtliche psychiatrischen Anzeichen gut zu erkennen, oder um es kurz zu sagen: ein Dutzend Bekloppte sitzen bis zum Hals im Dreck. Wirklich, Sie würden das nicht glauben, wenn Sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten. Schauen Sie auf die Bilder: ein einziges Chaos. Stapelweise. Hier ragt der Atommüll raus, wenn Sie sich nicht vorsehen, treten Sie glatt rein. Da sind Löcher, versteckte Subventionen, hier ist ein Aktenkoffer, in dem man später 100.000 Mark in gebrauchten Scheinen fand, das Gesetz zur Sicherungsverwahrung und das Tagebuch von Roland Koch. Da treten Sie einfach so rein, und dann sind Sie eine Etage tiefer. Obwohl das vom Niveau her schon schwierig ist.

Zwanghaftes Sammeln, das ist der Punkt. Sehen Sie mal hier, Schäuble. Jeder vernünftige Mensch hätte den längst entsorgt, aber Merkel stapelt alle alten Reste auf, bis ihr der Krempel über den Kopf wächst. Oder hier, Westerwelle – wenn Sie einen Luftballon als Werbegeschenk bekommen, der ein bisschen Getröte von sich gibt und beim Aufblasen birst, was machen Sie? Richtig, wegschmeißen. Merkel schafft das einfach nicht. Hauptsache, der ganze Kehricht bleibt da liegen, wo er immer schon war. Das nennt man dann konservativ.

Sehen Sie die Trittspuren da am rechten Rand? Ja, genau da. Trampelpfade. Sie kommen gar nicht mehr heil durch den ganzen Ramsch durch, Sie müssen diesen vorgezeichneten Wegen folgen, weil woanders gar kein Platz mehr ist. Das nennt Merkel dann ihren Entscheidungsfreiraum, weil sie sich um sich selbst auf der Stelle drehen kann, wenn es ihr gerade Spaß macht. Richtig, sie geht eigentlich immer nur im Kreis zwischen den Bertelsmann-Müllsäcken und den INSM-Pappkartons. Immer in eine Richtung. Ich nenne das Kreislaufstörung. Sie nennt das alternativlosen Fortschritt.

Oder nehmen Sie die exekutiven Funktionen – Entscheidungsschwäche, Impulskontrolle, das ist doch eine Katastrophe! Pathologische Zustände! Die Bahn ächzt in allen Fugen, das Schienennetz verrottet, weil Geld für den Börsengang gebraucht wird für absurde Protzbauten, und was tut der Verkehrsminister? schwadroniert über Klapprechner und Streusalz! Oder diese Gedönsministerin, die Schröder. Statt mal für Bildungsangebote in Kitas zu sorgen, lamentiert dieses Magermilchmädchen, dass Deutsche in Berlin als Kartoffel beschimpft werden – und lässt sich auch noch dabei ertappen, dass sie sich den ganzen Zimt nur ausgedacht hat. Haben die denn alle nichts Besseres zu tun als Nägelkauen und Nasebohren? Gibt’s diese Nulpen vielleicht auch in erwachsen?

Oder, ganz schlimm: Zeitmanagement! Meine Güte, das ist doch nicht zu fassen! Unsereins hat einen Wecker, eine Armbanduhr, das muss doch reichen – aber die? Es muss eine Entscheidung her für die Euro-Rettung, was passiert? Nichts. Es muss die Berechnung der Hartz-IV-Sätze auf den Tisch, was geschieht? Nichts. Inzwischen stehen die Dumpinglöhne der Arbeitnehmerfreizügigkeit zur Debatte, die Luft brennt, was kommt? Nichts und wieder nichts! Es ist denen nicht klarzumachen, dass eine Rechnung vom Herumliegen nicht vom Erdboden verschwindet. Sie nehmen sich alles Mögliche vor, gackern laut über ihre ungelegten Eier, und wenn es keine Eier gibt, dann werden sie wirklich aktiv und finden einen Grund, warum sie es ja gleich gewusst haben wollen.

Sie, das stellen Sie sich das nicht lustig vor. Sie kommen in dies unbeschreibliche Gerümpel, es stinkt wie auf dem Fischdosenfriedhof, Ungeziefer, wohin das Auge blickt, und dann hocken diese Figuren da. Antriebslos, apathisch, abgestumpft, die sind nicht mehr in der Lage, die Realität um sie herum zu bemerken. Sie haben sich in eine völlig abgespaltene Traumwelt eingeschlossen und wollen auch nicht mehr heraus. Glauben Sie, dass die überhaupt noch in der Lage wären, Alltagsaufgaben zu meistern? Ein Päckchen Butter im Supermarkt kaufen oder eine Dissertation schreiben? Wenn Sie die fragen, was fünf Euro sind, werden sie Ihnen vermutlich erzählen, davon bekäme man drei Flaschen Champagner.

Merkel ist doch selbst schuld. Rösler sitzt in der Ecke und spielt mit Pillenschachteln – Mutti guckt zu. Aigner lässt verlautbaren, dass sie bald etwas ankündigt – Mutti guckt weg. Brüderle stolpert im Vollsuff über de Maizière, der nichts Besseres zu tun hat, als ausgekratzte Joghurtbecher und benutzte Papiertaschentücher maschinenlesbar zu beschriften – Hauptsache, Mutti kann auf ihrem Stühlchen sitzen, sonntags wippt sie sogar und alle halten das für den Gipfel ihrer Aktivität. Dann stürzt sie sich plötzlich mit großem Getöse in irgendwelche Aufgaben, Herbst der Entscheidungen und so, aber was bleibt? Sie setzt sich wieder hin, wartet ab, bis der Anfall vorbei ist, und gibt den anderen die Schuld, dass es wieder nicht geklappt hat.

Aber das Schlimmste – nein, ich gehe da nicht mehr rein! Keine zehn Pferde bringen mich da hin! Das Schlimmste, wissen Sie, in diesem Unrat, wenn Sie darin herumlaufen… wenn Sie nicht wissen, wo die Leichen liegen…“