Organversagen

8 03 2021

„Wer genau bestellt die Dinger jetzt eigentlich?“ „Welche Dinger?“ „Ist doch egal.“ „Wer die bestellt?“ „Nee, welche Dinger jetzt gemeint sind.“ „Leute, hier muss es mal ein bisschen strukturiert zugehen – jeder sollte doch wissen, wofür er nicht zuständig ist.“ „Sorry, ist unsere erste Pandemie.“

„Bin ich denn dann jetzt für die Impfdosen oder für Schnelltests zuständig?“ „Was haben Sie denn bisher gemacht?“ „Nichts.“ „Schon klar, aber in welcher Abteilung?“ „Keine Ahnung, deshalb frage ich ja.“ „Waren Sie im Verkehrsministerium?“ „Ich muss mal auf meinem Türschild nachgucken.“ „Die Ministerien haben sich aber jetzt geändert.“ „Ab wann?“ „In vier Wochen.“ „Also ist das bisher noch gültig?“ „Erst dann, wenn die Task Force mit der Einschätzung fertig ist.“ „Was schätzen die denn ein?“ „Ob die schnelle Eingreiftruppe eventuell zu spät kommt.“ „Nein, ob die überhaupt da ist.“ „Wo ist?“ „Das müssen Sie die schnelle Eingreiftruppe fragen.“ „Ich verstehe jetzt gar nichts mehr.“ „Deshalb haben wir ja die Task Force.“ „Ach so.“

„Warum müssen wir das denn alles machen?“ „Keine Ahnung, vielleicht, weil wir der Staat sind?“ „Das klingt schon mal logisch.“ „Andererseits wäre das privat viel preiswerter.“ „Für den Staat?“ „Für die Wirtschaft natürlich.“ „Solange es nicht unnötig preiswert wird für den Bürger, geht’s ja eigentlich.“ „Das verhindert schon die Task Force.“ „Ich dachte, die müssen erst warten?“ „Wahrscheinlich warten die, bis das Geld weg ist.“ „Oder die Tests gar nicht mehr gebraucht werden.“ „Das wäre natürlich echt eine Menge Geld.“ „Für die Impfung.“ „Eher für die Rentenkasse.“ „Ach so.“ „Soll ich mich darum kümmern?“ „Haben Sie Ahnung davon?“ „Nicht so wirklich.“ „Dann machen Sie mal.“ „Sie können ja fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen.“ „Was denn zum Beispiel?“ „Woher soll ich das denn wissen?“

„Haben wir einen Finanzplan?“ „Leute, das muss doch jede Abteilung selber wissen!“ „Also eher nicht.“ „Wir haben einen, aber es ist zu teuer.“ „Das heißt, wir machen es trotzdem?“ „Bisher war das immer so.“ „Aber jetzt müsste man das Geld ja direkt an den Bürger zahlen.“ „Man könnte das der Wirtschaft…“ „Gut, die Friseure haben ja schon ein bisschen was gekriegt.“ „Das ist aber doch nicht die Wirtschaft?“ „Egal, das ziehen wir ab.“ „Wovon?“ „Was wir für die Tests ausgeben.“ „Ich dachte, die müssen wir erst besorgen?“ „Bezahlen wir diesmal erst hinterher?“ „Das sehen wir ja dann.“ „Gut, ich weiß aber nicht, wen ich fragen soll.“ „Was denn?“ „Keine Ahnung, deshalb frage ich ja.“

„Haben wir das eigentlich bei der Bankenkrise damals auch so gemacht?“ „Nee, da ging es ja um etwas.“ „Stimmt auch wieder.“ „Können wir das jetzt nicht einfach wieder so machen?“ „Und was schwebt Ihnen da vor?“ „Jeder sagt, wie viel Geld er will.“ „Und dann kriegt er das einfach so?“ „Manchmal auch mehr.“ „Und das funktioniert?“ „Nee, aber wir könnten das ja wieder so machen.“ „Das kennen die Leute.“ „Das ist allerdings ein Argument.“ „Gut, das lasse ich gelten.“

„Und wer macht jetzt diese Strategie?“ „Welche Strategie nun schon wieder?“ „Meinen Sie den Plan oder das Konzept?“ „Da hatten wir auf jeden Fall noch eine Blaupause, ich weiß aber nicht mehr, wofür die genau war.“ „Wir können ja erst mal die nehmen.“ „Das war irgendwas mit Fußball.“ „Das können wir!“ „Die letzte WM war nicht so der Hit.“ „Dann eben die, die wir hier in Deutschland…“ „Das war das mit der Bestechung?“ „Ich sage doch, das können wir.“ „Dann lassen Sie uns doch die Planung für die Tests gleich mit der Beschaffung zusammenlegen, das ergibt Synergieeffekte!“ „Was hat das jetzt damit zu tun?“ „Sagt man das nicht?“ „Das kostet ja Arbeitsplätze.“ „Sagt man das nicht auch?“ „Meine Güte, jetzt mal ein bisschen flott!“ „Nicht so schnell, wir müssen die Kompetenzen erst noch klären.“ „Genau, in Deutschland muss das Regierungsversagen ordentlich organisiert werden.“ „Dafür regiert momentan das Organversagen.“

„Und wenn wir jetzt auch am Wochenende und nachts impfen würden?“ „Nachts wäre ja okay, aber am Wochenende?“ „Was das kostet!“ „Die anderen machen das doch auch.“ „Welche anderen?“ „Ich habe gelesen, die Leute gehen jetzt sogar rund um die Uhr zum Friseur.“ „Dann denken Sie doch mal nach: wenn die Leute rund um die Uhr zum Friseur gehen, wann sollen sie sich denn dann noch impfen lassen?“ „Wie gesagt, am Wochenende.“ „Das gibt unschöne Bilder, wenn die ganzen Demonstranten demonstrieren, weil man ihnen das Wochenende nimmt.“ „Wann sollen die denn demonstrieren?“ „Keine Ahnung, am Wochenende?“ „Planen Sie da mal was.“ „Dass die Impfungen…“ „Für die Demos am Wochenende, wir müssen das irgendwie aus dem Fernsehen rauskriegen.“ „Bis Ende März ist uns da sicher irgendwas eingefallen.“ „Machen Sie das selbst, oder fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.“ „Wen denn?“ „Weiß ich auch nicht.“

„Koordiniert das denn einer?“ „Wer denn?“ „Und was?“ „Das war jetzt eine rhetorische Frage, richtig?“ „Das hatte ich nicht mitgekriegt.“ „Kein Problem, keiner weiß hier, worum es geht.“ „Dann ist ja gut.“ „Ich muss aber noch mal nachfragen: das hier ist eine Absichtserklärung.“ „Haben Sie etwa ein Problem damit?“ „Als Politik müssen wir wissen, was am Ende herauskommen soll.“ „Im besten Fall natürlich.“ „Das heißt, wir machen das hier alles mit Absicht!?“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht so auf, das hat sich bestens bewährt.“ „Wie das denn?“ „So kann uns wenigstens niemand Fahrlässigkeit vorwerfen.“





Rückbildungskurs

16 09 2020

„Oder wir machen ihn zum Außenminister.“ „Weil er da keinen Schaden anrichten kann?“ „Dann schon lieber statt Klöcker im Ministerium für Land-und Lobbywirtschaft.“ „Und sie wird dann ins Innenministerium versetzt?“ „Sollte da nicht Müller das letzte Jahr verbringen?“

„Im Prinzip kann ja Scholz alles.“ „Dann wäre er als Nachfolger von Altmaier…“ „Naja, im Prinzip schon alles, aber im Sinne von ‚recht viel, und ein paar Dinge sogar durchschnittlich gut‘.“ „Deshalb wird Scholz ja auch Kanzler und nicht Altmaier.“ „Falls Spahn es nicht wird.“ „Kollegen, wir bleiben jetzt erst mal im Bundeskabinett.“ „Dann müsste Scholz doch auch Umwelt können.“ „Oder Inneres.“ „Da hat er ja schon einschlägige Erfahrung gesammelt.“ „Was genau meinen Sie mit ‚einschlägig‘?“ „Ich wäre ja eher für Justiz.“ „Das macht doch schon Schulze?“ „Wüsste ich jetzt nicht.“ „Die wechselt doch in die Landwirtschaft.“ „Gut, das liegt ja auch nahe.“ „Deshalb wäre ich bei ihr auch eher für den Bereich Arbeit und Soziales.“ „Weil Heil dann Familienminister wird?“ „Nee, Soziales.“ „Ist er doch schon.“ „Davon hat man bisher nicht viel mitgekriegt.“

„Und Karliczek im Justizressort?“ „Da wäre sie endlich mal nicht überqualifiziert.“ „Haben wird denn sonst kein Ministerium, das nicht unbedingt vom Föderalismus gleich ausgebremst wird?“ „Das Verteidigungsministerium.“ „Gut, ich präzisiere die Frage: haben wird kein Ministerium, in dem man Parteikarrieren ausklingen lassen kann, das nicht vom Föderalismus ausgebremst wird?“ „Man kann das Bundesverteidigungsministerium nur als sehr gutes Sprungbrett für bessere Aufgaben nutzen.“ „Soso.“ „Dann wäre AKK als Außenministerin so gut wie gesetzt.“ „Wenn man Scholz als Nachfolger nähme.“ „Das würde den Bundeswehreinsatz im Innern erheblich beschleunigen.“ „Sehr gut.“ „Dann müssten wir nur eine neue Aufgabe für Schäuble finden.“ „Der ist doch gar nicht mehr Minister.“ „Seit wann denn das nicht mehr?“ „War mir gar nicht aufgefallen.“ „Jedenfalls hätten wir dann keine Finanzierungsprobleme mehr in der Armee.“ „Bei Schäuble?“

„Spahn würde sich auch gut im Kanzleramt machen.“ „Das ist die einzige Chance für ihn, den Laden mal von innen zu sehen.“ „Was hatte der noch mal gelernt?“ „Wenig.“ „Dann ist er da genau richtig.“ „Besser als im Außenministerium.“ „Weil die denken, dass Westerwelle zurückkommt?“ „Das wäre nicht ganz so schlimm.“ „Und Maas?“ „Also als Kanzleramtsminister ist das normalerweise der Durchlauferhitzer für Bellevue.“ „Schon wieder ein SPD-Präsident?“ „Er kann ja zwischendurch noch eine Legislaturperiode Gedöns machen.“ „Oder wieder Justiz.“ „Nee, der ist überqualifiziert.“ „Und deshalb muss er gerade als Außenminister einen Rückbildungskurs machen?“ „Fortbildung machen Sie in diesem Staat jedenfalls so schnell keine.“

„Die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist auch immer noch frei.“ „Weil Scholz das nicht so gerne macht?“ „Der streitet sich dann immer, ob Klöckner die besseren Insiderinformationen hat.“ „Es geht da eher um Entwicklungshilfe.“ „Die kann sie sehr gut vertragen.“ „Bleiben Sie mal ernst, das wäre doch eher etwas für Giffey.“ „Die dann von Lambrecht abgelöst wird.“ „Falls Spahn sich nicht spontan anders entscheidet.“ „Und dann grätscht Seehofer nach.“ „Wieso Seehofer?“ „Weil er immer das macht, was nicht in seinen Aufgabenbereich fällt.“ „Soso.“ „Dann könnte er sein christliches Profil ja mal bei der Entwicklungshilfe schärfen.“ „Hat er einen Ruf zu verlieren?“ „Deutschland schon.“

„Wer ist eigentlich auf diese bescheuerte Idee gekommen?“ „Sie haben das Büro von der von der Leyen aufgeräumt…“ „Jetzt schon?“ „… und dabei einen Karton mit zehn Millionen Euro gefunden.“ „Für Koks reicht das nicht.“ „Jedenfalls nicht bis zur Wahl.“ „Soso.“ „Das würde auch nicht gehen, weil das gemäß Haushalt nur für Beraterhonorare ausgegeben werden darf.“ „Und für welches Ministerium?“ „Das stand da nicht, also haben sie die nächstbesten Berater angerufen und gesagt, sie sollen einfach irgendwas machen, bis das Geld alle ist.“ „Das kann ich einfach nicht glauben!“ „Haben Sie in den letzten zwanzig Jahren mal zugeschaut, wie Gesetze zustande kommen?“

„Trotzdem, wir müssen mal zu einer Lösung kommen.“ „Wirtschaft und Finanzen wieder zusammenlegen und dann Scholz als…“ „Lieber Seehofer.“ „Das macht der nicht.“ „Der tut doch eh nie was.“ „Also will der nur spielen?“ „Irgendwas muss doch Heil machen.“ „Ich wäre froh, wenn der irgendwas machen würde.“ „Ich wäre schon froh, wenn der irgendwas nicht machen würde.“ „Und dann Altmaier als Ernährungsminister.“ „Oder in die Bildung.“ „Dann müsste Schulze noch Justiz oder Gesundheit mitmachen, weil ja Spahn in der Justiz…“ „Das wäre zweimal Justiz, da müssen wir einmal Justiz abziehen.“ „… oder in den Finanzen, dann kann er auch Landwirtschaft.“ „Und AKK macht Kanzleramt?“ „Und Heimat.“ „Könnte man das Heimatministerium nicht gleichzeitig mit der Justiz ins Familienministerium überführen und dann Scholz endgültig ruhigstellen?“ „Oder mit Verteidigung und Arbeit für Klöckner.“ „Da kommt aber viel raus.“ „Wäre keine Verschlechterung.“ „Oder das Sozialministerium direkt in die Finanzen integrieren.“ „Warum nicht umgekehrt?“ „Guter Plan!“ „So?“ „Moment, wir haben noch einen ganz vergessen.“ „Ach ja, Scheuer.“ „Machen Sie sich mal keine Sorgen, den kriegen wir unter. Der ist derart vielseitig, der versagt in jedem Ministerium.“





Bares für Rares

7 05 2020

„Mehr als tausend Euro würde ich da aber auf gar keinen Fall veranschlagen, Frau Merkel. Nein, das sehe ich gar nicht ein. Belebung nach den Folgen der Corona-Krise, gut und schön – aber so eine hohe Abwrackprämie halte ich für falsch. Und mal ehrlich, wer zahlt viertausend Tacken für Klöckner?

Jetzt haben Sie endlich mal die Chance, mit der Kohle einen zukunftssicheren Staat zu schaffen, das dürfen Sie sich doch nicht entgehen lassen! Ihre Freunde von der Autolobby heulen Ihnen die Ohren voll, gewiss, aber was wollen die denn? dass sich die Leute alle paar Jahre einen Neuwagen kaufen, obwohl der alte sich noch nicht einmal amortisiert hat? Das sind die Autos, die dann im nächsten Jahr nicht gekauft werden. Und es wird halt viel weniger Binnenkonsum geben, weil so eine Prämie für ein neues Auto halt allein nicht ausreicht. Aber bei den Jungs war das Milchmädchen ja vorher schon außer Betrieb, oder?

Sie rechnen das nämlich falsch. Wir reden hier von einer sinnvollen Investition, aber die Höhe der Prämie bemisst sich nicht anhand der subjektiven Notwendigkeit, sondern immer noch am Wert. Also können Sie jetzt nicht den Preis auf zehntausend hochtreiben, damit Sie im Gegenzug Seehofer in die Endablagerung schicken. Der frisst zwar im Moment Kreide, weil er heilfroh ist, die ganze Pandemie auf die Länder abschieben zu können, aber das ändert nichts daran, dass er nach vor zum Billigsortiment in der Bundespolitik zählt. Was hat der Ihnen nicht alles vorgeworfen – Grenzöffnung, Unrechtsregime, Verfassungsbruch. Wenn Sie für den tausend Euro kriegen, dann schmeißen Sie eine Party, und von dem, was übrigbleibt, kaufen Sie einen Kartoffelsack. Der macht seinen Job auch nicht schlechter als Seehofer.

Natürlich ist so ein Existenzkampf unschön, da braucht man manchmal jemanden, der einem unter die Arme greift. Aber diese Betrügerbuden haben doch gerade erst wieder bewiesen, dass sie im Grunde nur ihren Großaktionären den Arsch retten wollen. Und den Vorständen Boni zahlen, weil die ja eine 50.000 Diesel auf Halde bauen lassen, die sowieso keiner mehr kauft – strategisch die Karre an die Wand fahren und dann warten, bis der Steuerzahler sich bei diesen Versagern bedankt? Das können Sie gleich mal vergessen. Und dann schmieren Sie sich auch die fünftausend für Spahn in die Haare. Seien Sie froh, wenn Sie für den noch fünfhundert kriegen. Das ist doch ein intellektueller Totalschaden. Auspacken, einschalten, geht nicht. Gleich wieder zurück an den Absender. Der kann meinetwegen Kleinkredite in seiner Bankfiliale durchkauen, alles andere überfordert den doch.

Ja, dann wird’s halt eng, Frau Merkel. Mir müssen Sie das nicht sagen. Ich war in den letzten fünfzehn Jahren dabei. Es war nicht alles schlecht, aber ich rede hier gerade nicht von Ihrer Partei. Wenn Sie richtig Geld brauchen, dann stellen Sie die CDU auf den Recyclinghof und lassen sich die Rohstoffe rauspopeln. Oder dachten Sie, wir sind hier bei Bares für Rares?

Überhaupt ist das eine bodenlose Frechheit, in der Krise noch mal ordentlich die guten alten Verbrenner anzupreisen, als gäbe es kein Morgen. Haben Sie die Klimakatastrophe gerade per Dekret verschoben, Frau Merkel, und wir haben es bloß im Eifer des Gefechts nicht mitbekommen? Gab es da nicht mal den Plan der Bundesregierung, hier in Deutschland Elektromobilität besonders zu fördern? Kann ja sein, dass ich wirklich was verpasst habe, man liegt ja manchmal so zwei, drei Jahre im Tiefschlaf, denkt sich, ach, wann waren denn noch mal die nächsten Wahlen, muss ich mir da den Wecker stellen oder werde ich von dem Getöse dann schon rechtzeitig von alleine wieder wach?

Sie müssen auch mal das Preisgefüge sehen, Frau Merkel. Für Karliczek wollen Sie fünftausend Euro, und ein Kind bekommt einhundertfünfzig, um sich ein digitales Gerät anzuschaffen, das ihm die Teilhabe in der Bildungsgesellschaft sichern soll. An einer Schule, an der Digitalisierung nicht das größte Problem sein dürfte, solange es da nicht mal warmes Wasser und Seife gibt, um die Vorschriften zur Hygiene überhaupt umsetzen zu können. Das ist ein Witz. Und Marktverzerrung dazu. Dass die deutschen Autobauer gerade in die Knie gehen, liegt nicht zuletzt daran, dass die ausländischen Märkte wegbrechen. Wollen Sie die ganzen Gutscheine nach China schicken? Dann schicken Sie doch am besten gleich Spahn mit. Ein komplett beratungsresistenter, arroganter Knalldepp, der Ärzte anpöbelt, wird da sicher dringend gebraucht. Also eigentlich überall außerhalb Deutschlands.

Sie können ja schon mal überlegen, ob Sie demnächst Postkutschenmanufakturen oder einen Schreibmaschinenbauer empfangen, weil sich deren Produkte einfach im Moment nicht mehr so gut am Markt behaupten. Und Sie können sich sicher sein, das liegt an Corona. Wird Ihnen jeder Postkutscher mit einer lückenlosen Argumentation nachweisen, Frau Merkel. Da können Sie dann nicht mehr diese Studierenden vorschieben oder die Gastronomie oder diese Künstler, das sind ja größtenteils Leute, die nicht einmal etwas Vernünftiges gelernt haben. Sonst wären es ja keine Künstler.

Wenn Sie die Beträge schon in den Haushalt eingepreist haben sollten, dann haben Sie halt Pech gehabt. Mehr gibt es nicht. Und das heißt natürlich auch, dass Sie sofort einen Nachfolger aus dem Hut zaubern. War Ihnen hoffentlich klar, und noch was: die Prämie für Scheuer können Sie auch knicken. Bei dem zahlen Sie drauf.“





Hinter dem Neumond

19 06 2018

„Jetzt geben Sie Ihrem Herzen mal einen Stoß!“ „Den verkraftet das nicht mehr.“ „Wir wollen doch nur, dass es wieder politisch vorwärts geht mit Deutschland.“ „Und was vorwärts ist, das bestimmt wer?“ „Dass gerade Sie als Sozialdemokrat so eine Frage stellen, das lässt doch schon tief blicken.“

„Meine Güte, was sollen wir denn machen? Die CSU hat sich verabschiedet aus der Regierung, und die…“ „Mal wieder.“ „Wie, mal wieder?“ „Weil es nicht das erste Mal ist, historisch gesehen schon gleich gar nicht, und sie früher oder später schon zurückgekrochen kommen.“ „Aber dann könnte man doch auch weitermachen, oder?“ „Wenn Ihnen auf lange Sicht fünf Prozent reichen, machen Sie halt so weiter. Alles geht.“ „Was sollen wir denn tun, um die Situation noch…“ „Vor allem: es nicht als Situation sehen, sondern endlich mal merken, dass es sich um einen Trend handelt. Eine länger andauernde Entwicklung mit Gründen und Motiven und Konsequenzen.“ „Und was machen wir dann?“ „Was Sie seit zwölf Jahren schon verpasst haben. Sich erneuern.“

„Sich an der Kanzlerin vorbei zu erneuern, das dürfte aber ziemlich kompliziert sein.“ „Darum brauchen wir jetzt ja auch neue Partner.“ „Damit die Merkel wieder etwas zum Kaputtregieren hat?“ „Dann wären wir aber die CSU los.“ „Die hat sich ja selbst kaputtregiert.“ „Eben, und deshalb müssen wir jetzt eine Truppe pseudoliberaler, bei richtiger Kassenlage in die passende Richtung kippender Turbokapitalisten engagieren, die sich für ein paar Ministerposten jede Kröte ins Maul stopfen lassen.“ „Meinen Sie, Lindner macht das mit?“ „Merken Sie selbst, oder?“

„Falls Sie die Grünen meinen: nein, die machen das nicht.“ „Sie denken, die würden jetzt einfach mit dem Feinstaubgedöns und der Energiewende die europäische Sicherheit gefährden? Nein, dazu sind die viel zu staatstragend.“ „Woran machen Sie das denn fest?“ „Wer hat die Hartz-Gesetze durch den Bundestag gewunken?“ „Stimmt.“ „Außerdem muss so eine Partei sich ja auch zukunftsorientiert entwickeln. Wenn die Grünen jetzt nicht für eine moderate Abschaffung des Asylrechts und die Einstufung aller kriegführenden Nationen als sichere Herkunftsländer sind, können sie später nicht mehr sagen, dass sie dazugelernt haben.“ „Das trauen Sie denen zu?“ „Natürlich, die sind ja nicht die SPD. Die tun was.“

„Mit anderen Worten: Sie verlangen von uns, dass wir uns an der Seite der Grünen unter der Bundeskanzlerin erneuern.“ „Das haben Sie schön formuliert.“ „Geschenkt. Wir können doch mit dieser Partei nur verlieren.“ „Es hat keiner verlangt, dass Sie auch aus der Regierung ausscheiden.“ „Wir wären in dieser rechtsliberalen Koalition doch so gut wie überflüssig.“ „Stimmt.“ „Warum sollten wir dann die Grünen mit offenen Armen empfangen?“ „Als Koalitionspartner. Egal, was die CDU daraus macht.“

„Sie denken, man kann die CSU ersetzen durch diese neoliberalen Besserverdiener?“ „Wozu soll man die ersetzen? Wenn Sie sich den Blinddarm entzünden, setzt man Ihnen auch keinen neuen ein.“ „Und wer führt dann die Koalition?“ „Die SPD. Es darf nur nicht so aussehen.“ „Wie soll das denn bitte funktionieren?“ „Lassen Sie sich halt etwas einfallen. In der ersten Runde hat’s doch auch geklappt.“ „Mit dem Ergebnis, dass wir durch die liberalen Steigbügelhalter ersetzt wurden.“ „Da war Merkel aber auch noch nicht so am Ende wie jetzt.“ „Wir sägen sie zusammen mit den Grünen ab?“ „Noch nicht. Die Frau wird noch gebraucht, weil sie mit ihrer Trümmertruppe erst noch die Reste der Union beseitigen muss. Oder wollen Sie das auch noch übernehmen?“ „Darüber hatte ich mir jetzt noch gar keine Gedanken gemacht.“ „Sollten Sie aber. Der Tag wird kommen, an dem sie weg ist, und dann muss es weitergehen mit diesem Land.“

„So eine ökologisch-soziale Wende wäre einen Versuch wert.“ „Ich sehe, Sie beginnen langsam zu begreifen.“ „Man könnte mit der Mietpreisbremse mal ernst machen, oder die Pflege, da sehe ich noch politischen Bedarf.“ „Exzellent!“ „Natürlich müssten wir dann die Ressorts ganz neu verteilen, oder?“ „Machen Sie nur, ist doch Ihre Regierung.“ „Aber das mit der Umverteilung, wir werden das nicht in einer Legislaturperiode ändern können.“ „Natürlich nicht.“ „Und es ist auch sehr schwierig, die Märkte zu regulieren.“ „Durchaus.“ „Ich sehe sowieso auf dem Arbeitsmarkt gravierende Mängel, die sich nicht einfach so abstellen lassen.“ „Da ist etwas dran.“ „Aber wenn wir gar nichts machen…“ „… macht Merkel auch nichts. Das ist die perfekte Harmonie, schöner könnte so eine Koalition gar nicht laufen.“ „Und die Grünen?“ „Stören nicht, das recht schon aus, um den Laden ruhiger laufen zu lassen als mit den bayerischen Knalltüten.“

„Und das ist wirklich klug, was Sie mir da empfehlen?“ „Aber ja, sonst würden Sie es nicht machen, oder?“ „Also eine richtige Erneuerung der SPD, inhaltlich und…“ „Und?“ „Wenn es nicht nur das Programm betrifft, sondern auch die Richtung, in die wir diese Partei entwickeln wollen, da gibt es noch andere Ideen. Es wurde ja schon oft gesagt, wir sollten zu unseren sozialistischen Wurzeln zurückkehren und wenn wir jetzt zum Beispiel mit den Linken eine…“ „Haben Sie noch alle Latten am Zaun!? Mann, wenn Sie mit dem Scheiß anfangen, meinen Sie echt, die nächste Kanzlerin lässt sich das bieten? Da kennen Sie Nahles aber schlecht!“





Konventionelle Waffen

16 01 2018

„Jedenfalls sollten wir beim Klimawandel nicht haltmachen.“ „Nee, nee, nee.“ „Das wird dann aber sehr kontrovers.“ „Soll’s ja auch.“ „Und damit will man Staat machen?“ „Vorerst nur eine Regierung.“

„Also Verbrennungsmotoren müssen wir auf jeden Fall erhalten.“ „Wofür denn?“ „Na, für die Autoindustrie!“ „Werden denn Elektromotoren nicht von der Autoindustrie gebaut?“ „Das ist eine gute Frage, aber die bauen dann sicher Roboter.“ „Können die keine Verbrennungsmotoren bauen?“ „Aber darauf kommt es doch gar nicht an!“ „Er hat das nicht ganz kapiert.“ „Der Verbrennungsmotor ist schließlich ein deutsches Kulturgut, das lässt sich nicht einfach ersetzen.“ „Was ist mit dem deutschen Erfindergeist?“ „Nee, nee, nee.“ „Das ist ja alles gut und schön, aber Sie wollen doch nicht die Weltwirtschaft destabilisieren, indem Sie auf Öl verzichten?“ „Und was machen wir, wenn die Reserven eines Tages erschöpft sind?“ „Das wird garantiert nicht in der nächsten Legislaturperiode sein, also geben Sie schon Ruhe!“

„Aber wo wir schon bei Elektromotoren sind, dürfen wir tatsächlich Staubsauger abschaffen, die der EU zu stark sind?“ „Das ist doch Politik gegen den Bürger!“ „Viel schlimmer, die Energiekonzerne werden dabei benachteiligt!“ „Man muss ja auch daran denken, dass viele Aktionäre ebenfalls Bürger sind.“ „Manche leben sogar in Deutschland.“ „Das ist schon eine Verpflichtung.“ „Und wenn wir nicht so viel Strom verbrauchen, müssen die Kraftwerke abgebaut werden.“ „Nee, nee, nee!“ „Das hieße ja mittelfristig, dass wir gar keine Kraftwerke mehr haben.“ „Und dann gehen bei uns die Lichter aus.“ „Das wird doch keiner wollen können, oder?“ „Deshalb sind Elektromotoren auf jeden Fall sehr wichtig.“ „Starke Elektromotoren!“ „Jedenfalls im Staubsauger.“ „Selbstredend.“

„Wir müssen aber auch konsequent sein.“ „Finde ich auch!“ „Ganz meine Meinung!“ „Dann sollten wir bei dem zu erwartenden Mehrverbrauch an elektrischem Strom konsequent auf den Erhalt von Kohlekraftwerken setzen.“ „Sehr gut!“ „Das ist ein ganz starkes Signal!“ „Damit werden wir uns auf jeden Fall durchsetzen, weil wir damit unser konservatives Profil stärken.“ „Richtig, zugleich ist das ein ganz wichtiger Beitrag zur Standortpolitik in der Bundesrepublik.“ „Dass wir ausländische Kohle kaufen müssen?“ „Die Globalisierung kriegt man halt nicht nur mit deutschen Mitteln hin, sonst hätten wir’s schon längst gemacht.“ „Die deutsche Wirtschaft kann mehr!“ „Als Verbrennungsmotor der EU sind wir Deutschen einfach unersetzbar!“ „Könnte man nicht auch die elektrischen Loks wieder von der Schiene nehmen?“ „Sie wollen wieder mit Kohle fahren?“ „Zumindest Kohlestrom wäre doch denkbar.“ „Nee, nee, nee.“ „Also ich fände die Idee ja ganz charmant.“

„Das mit dem Bleigießen…“ „Das kann man vielleicht den Grünen irgendwie in die Schuhe schieben.“ „Bundesimmissionsschutzgesetz, oder?“ „Grundwasser.“ „Sowieso.“ „Und die Dämpfe, da ist meine Schwippcousine vierten Grades ja wohl fast mal ohnmächtig geworden.“ „Also das muss ich mal sagen, wenn wir mit diesen Linksradikalen koalieren, müssen solche Ausnahmen eingedämmt werden.“ „Selbstredend.“ „Aber hallo!“

„Und die Landwirtschaft?“ „Müssen wir jetzt die Kühe auf Analogbetrieb umstellen?“ „Nee, nee, nee.“ „Wenn wir Massentierhaltung zum Standard erklären?“ „Zum Industriestandard?“ „Das ist doch genau das aus der guten, alten Zeit?“ „Eben, wie konventionelle Waffen.“ „Das kann man doch nur mögen.“ „Kommt immer darauf an, ob Sie in Afrika die Turbohühner fressen oder die in Sachsen.“ „In Sachsen gibt’s mehr Widerstand gegen Neger.“ „Nee, nee, nee…“ „Ich finde das gut, dann werden wir nicht mehr so oft in bewaffnete Konflikte gezogen.“ „Ich fände eine noch konservativere Linie gut, dann könnten wir uns wenigstens aussuchen, wo wir die bewaffneten Konflikte anfangen.“

„Meinen Sie nicht auch, wir sollten dieses neumodische Zeug verbieten?“ „Aber sicher!“ „Klar, weg damit!“ „Zum Teufel!“ „Hoffentlich protestiert dann nicht die CSU.“ „Wegen dieser ganzen liberalen Auswüchse?“ „Das ist doch purer Sozialismus!“ „Also ich lasse mir den linksgrünen Genozid an meinem Grundstück nicht mehr lange gefallen, wenn die ein Windrad hinter mein Haus stellen, dann wird der Bürgermeister vergast!“ „Ich meinte jetzt eher Glyphosat, aber danke für Ihre Ausführungen.“

„Gut, fassen wir mal zusammen.“ „Hatten wir denn schon über Kinderbetreuungsmöglichkeiten gesprochen?“ „Brauchen wir nicht, die Leute sollen lieber Arbeiten gehen.“ „Und wenn sie keinen Job finden, will die gesellschaftliche Mitte, dass sie ihre Apanage gestrichen bekommen.“ „Das muss doch am Ende wieder der Bürger zahlen!“ „Und die wählen auch nur extremistische Parteien, mit denen ist kein Staat zu machen.“ „Sehr richtig!“ „Nee, nee, nee.“ „Solange sich die Wirtschaft da nicht eindeutig positioniert hat, sollten wir auch die Füße still halten.“ „Das würde bestimmt Arbeitsplätze gefährden.“ „Und an die Kinder denkt auch wieder mal keiner!“ „Na, ich glaube schon, dass wir jetzt alles zusammen haben.“ „Das Gesamtpaket für die konservative Revolution.“ „Nee, nee, nee. Wir wollen doch endlich Koalitionsverhandlungen.“





Besser für die Menschen

6 11 2017

„Wobei ich jetzt doch mal sagen muss, die können doch für uns Durchschnittsbürger…“ „Hähähähä!“ „… und sicher auch für die, die von Armut…“ „Aaah-hahahahahaaaa!“ „… also den sozialen Schichten, die über keine eigenes…“ „Ah-ah, Luft… aaaah-hahahahaha!“

„Was haben Sie denn die ganze Zeit!?“ „Äh, ähä, hähähä, hihihiii!“ „Das ist doch nur noch eine Frage der Zeit…“ „Haha, hahaha, häääähähähä!“ „… bis Jamaika wirklich kommt. Da gibt es doch nichts mehr zu…“ „Ihi, hihi, hihihihihi!“ „Jetzt bleiben Sie doch mal ernst!“ „Ah, hahaha, ha. Ha. Haha-ha.“ „Das gebietet schon der sittliche Ernst der Lage, in der wir uns befinden.“ „Ha.“ „Dieses Land muss sich entscheiden zwischen…“ „Aaaah-hahahahahaaaaa!“ „… einer neoliberalen…“ „Ähä-hähä, hähähä!“ „… und einer ökologischen…“ „Maaaaaaa-hahahahahahahaaaaa!“ „Jetzt sagen Sie mir doch mal endlich, warum Sie…“ „Aaaah-haha, haha, ha, hahaaaha…“

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen doch stimmen für eine gesunde…“ „Ähä, hä, hähä!“ „… sozialverträgliche…“ „Ihihihi, hiiii!“ „… also soziale, Sozialpolitik, die sozialpolitisch als…“ „Mahahahaa-hahaha!“ „… politische, also wenn Sie wollen, dass es den Putzfrauen besser geht, dann müssen Sie die Schichten entlasten, die die Putzfrauen einstellen!“ „Hehehe!“ „Da haben die ganz recht, die eine vernünftige Wirtschafts-…“ „Hähähä!“ „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen, wir müssen das doch auch im Sinne der Betroffenen entscheiden!“ „Mmmmmh, hehehe!“ „Alle reden immer von Bildungsgerechtigkeit, aber wenn man die Gebildeten davon ausschließt, das ist doch auch nicht demokratisch.“ „Hihihi!“ „Und wenn wir die Bildung als Deutschlands Chance auf dem…“ „Aaah-hahahahahaha!“ „… internationalen…“ „Ähä-hähä-hä!“ „… Markt, also wo die Märkte, die Märkte eben sich…“ „Hahahaha!“ „Meine Güte, das Geld für die kaputten Schulen muss doch irgendwo herkommen, aber es nutzt doch nichts, dass wir deshalb gleich alle Reichen ausrauben! Das ist doch nicht Robin Hood hier!“ „Hihihi!“ „Das geht uns alle an, wissen Sie, wenn wir erst einmal wieder durch Überalterung und Armut im Alter eine Lage haben…“ „Ähähähä!“ „… in der wir die Zukunft, also die gesellschaftliche, und da schließe ich die ganze Gesellschaft ein, weil das ja irgendwer auch finanzieren muss!“ „Mmmh, ehehehe!“ „Jawohl, finanzieren! da kommen dann möglicherweise große soziale Fehlbeträge auf uns zu, aber wir können das nicht abfedern, wenn wir die Arbeitnehmer einfach bis Achtzig weiterarbeiten lassen.“ „Hihihihi!“ „Und Sie wollen das dann von den Leistungsträgern finanzieren lassen – Sie haben das mit dem Soli völlig falsch verstanden, darum ist das nämlich auch richtig so!“ „Haaaa-haha-haaa!“

„Mein lieber Freund, Sie machen sich die Sache verdammt einfach.“ „Nnnn, hm-hm, hähähä!“ „Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir uns Sorgen machen müssen.“ „Hihihi!“ „Es ist nämlich mit der Demokratie…“ „Hihihihihihihiii!“ „… und dem Staat, also der kann ja auch nicht alles verbieten, zum Beispiel die Ausländer…“ „Hehe-hehe!“ „Es ist doch kein Wunder, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, wir haben doch so eine hervorragende Exportwirtschaft!“ „Nnnn, hähähä!“ „Unser Staat ist ja nur deshalb so stark, weil unsere Wirtschaft sich nicht beeindrucken lässt von den…“ „Hm-hm, mmmaaaa-hahahaha!“ „Nehmen Sie nur den Dieselskandal, da hat die deutsche Wirtschaft doch bewiesen…“ „Hahahaha!“ „… und der Staat nämlich auch…“ „Hiiiihihihi!“ „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann bedeutet das mit einem Wort: Arbeitsplätze, Arbeitsplätze, Arbeitsplätze!“ „Hehehe!“ „Das ist doch die Form von Demokratie, die man im Ausland versteht.“ „Hähähä!“ „Und die dürfen wir uns mittelfristig von den Ausländern nicht zerstören lassen, auch in Hinblick auf die Demokratie!“ „Hehehehehe!“

„Und die Klimaziele, die…“ „Aaah-hahahaha!“ „Jetzt hören Sie endlich mal auf, das ist ja nicht mehr feierlich!“ „Ihihihi, hiiii!“ „Wenigstens beim Klimaschutz müssen wir doch mal Vernunft zeigen und dürfen uns nicht alles von der Industrie…“ „Hohohohoho!“ „… gefallen lassen, sonst sind wir am Ende nicht besser als die USA.“ „Äh-hähähä!“ „Aber dazu muss man Kompromisse eingehen und die Brückentechnologien, Kohle und…“ „Ah-ha, ha, ha, hahahaaa!“ „Jawohl, wir müssen aus der Kohle aussteigen, langfristig ist das auch anders gar nicht zu machen, besonders dann, wenn es keine Kohle mehr gibt, aber das muss man doch mit politischem Willen…“ „Aaah-hahahahahaha!“ „Sie haben wohl völlig den Realitätssinn verloren? Sie sind doch am Ende einer, der sich über den Sieg der Rechtspopulisten im Bundestag freut und denen nachläuft, weil sich sonst keiner für den kleinen Mann auf der Straße…“ „Mahahahaa-hahaha!“ „Mir platzt gleich der Kragen, Mann!“ „Ähähähä!“ „Solche Leute wie Sie sind nämlich schuld daran, dass es immer mehr Politikverdrossenheit gibt, weil Sie Parteien wählen, die überhaupt keine Perspektive mehr haben und sich gar nicht für die vielen Menschen draußen im Land interessieren, die Sie eigentlich… hallo!?“ „Äh-hähähä-hähä…“ „Sie kriegen ja gar keine Luft mehr – habe ich etwas was Falsches gesagt?“





Friendly Fire

27 07 2015

„… dass Merkel einen ausgezeichneten Job als Bundeskanzlerin mache, weshalb man sich langfristig in der Rolle des Juniorpartners in einer Großen Koalition…“

„… sich Gabriel bis mittags nicht geäußert habe. Er sei dann für zwei Stunden vom absoluten Gegenteil überzeugt gewesen, habe ab den frühen Abendstunden exakt Albigs Urteil vertreten und sei dann wieder…“

„… sei Opposition Mist, was insbesondere dann gelte, wenn diese Rolle von der SPD…“

„… auch nach Steinbrücks Überzeugung. Der ehemalige Kanzlerkandidat habe über seine Partei gesagt, momentan erscheine sie ihm kaum präsent, zentrale Zukunftsfragen zu thematisieren, weshalb er selbst nicht mehr gegen Merkel…“

„… nach dem Verfahren der Organspende vorgehen wolle. Jeder, der nicht ausdrücklich einer Kanzlerkandidatur widersprochen habe, müsse in den kommenden 18 Monaten damit rechnen, von der Parteispitze als…“

„… uneingeschränkt der Partei die Schuld gegeben habe, da sie seine Politik den Wählern nur unzureichend erkläre. Gabriel habe versichert, er könne mindestens tausendmal so viele Stimmen einfahren, wenn der Deutsche nicht so ein hysterisches…“

„… da zwischen Union und SPD so gut wie kein programmatischer Unterschied mehr bestehe. Es sei also damit zu rechnen, dass der Wähler 2017 komplett zu den Sozialdemokraten überlaufe und Gabriel mit überwältigender Mehrheit zu…“

„… bei 25 Prozent eine deutliche Dominanz in der Regierungsarbeit vernehme. Oppermann sei davon überzeugt, dass es sich in Wahrheit um eine Minderheitenregierung der Sozialdemokraten handle, die Merkel als Kanzlerin nur dulde und ansonsten ihre eigenen politischen…“

„… vollkommen verzerrt dargestellt habe. Merkel sei keine ausgezeichnete Regierungschefin, Gabriel habe bloß im Vergleich mit ihr keine nennenswerten…“

„… er nicht bekloppt sei. Außerdem sei Schmidt mit Vorträgen und publizistischen Aufgaben bis 2023 ausgebucht und wolle sich nicht mehr in die Tagespolitik der hinterbliebenen Partei…“

„… die These von Oppermann stütze, da sich die SPD inzwischen exakt so positioniere wie die Union während der vergangenen…“

„… wolle sich Schulz einer Herausforderung 2017 nur dann stellen, wenn gesichert sei, dass er trotz eines wie zu erwartenden negativen Ausganges weiterhin seine vollen Bezüge als Präsident des…“

„… dass Merkel die Wähler seit Beginn ihrer Kanzlerschaft fortwährend belogen, betrogen und hinters Licht geführt habe. Die jetzige Parteiführung sei kompetent genug, 2017 nahtlos an diese Erfolge…“

„… auch beim Absinken auf knapp unter 20 Prozent noch nicht Schaden nehmen müsse. Steinmeier prophezeie seiner Partei eine große Zukunft, wenn sie weiterhin die Regierung quasi von unten…“

„… habe Merkel dies Lob nur verdient, da sie seit Anfang an die sozialdemokratische Politik kopiert und perfektioniert habe. Daher sei ein überraschender Sieg der SPD durchaus sehr…“

„… sei die Sozialdemokratie zu sehr auf die soziale Gerechtigkeit fixiert und müsse viel wirtschaftsfreundlicher werden, um auch bei den Arbeitnehmern und in der Mittelschicht eine Ausweitung ihres Wählerpotenzials…“

„… nicht bestätigt, ob die Kanzlerin Gabriel dafür tatsächlich ihr vollstes…“

„… eine Kandidatensuche ohne Denkverbote für starke Verunsicherung an der SPD-Basis gesorgt habe. Oppermann habe bekräftigt, dass jeder, abgesehen von Andrea Nahles, gut genug sei für…“

„… dass auch ein weiterer, erwartbar dramatischer Stimmenverlust keinesfalls Anlass zur Sorge sei. Man wisse beispielsweise von der Homöopathie, dass mit dem Abnehmen der Substanz ein erhebliches Maß an…“

„… eigene Standpunkt setzen müsse. Wenn Merkel an der Sozialdemokratisierung der Union gearbeitet habe, müsse die SPD nun noch viel stärker auf die konservative Mitte der…“

„… dass Albig sich auch dialektisch geäußert haben könne. Er habe mit keinem Wort in seinem Interview einen möglichen Nachfolger für Merkel genannt, schon gar keinen, der ebenfalls einer so ausgezeichneten Kanzlerschaft fähig sei, was klar aussage, dass die SPD mit vielen Politikern der Union mit nur einer einzigen Kanzlerin bei den kommenden Wahlen haushoch…“

„… es vollkommen gleichgültig sei, wer dem Volkswillen mit der Umsetzung von TTIP oder der Vorratsdatenspeicherung…“

„… lobe Schröder seine Partei als absolut authentisch, da sie als einzige die Folgen der Agenda 2010 an sich selbst ausprobiere: wie man durch tapferes Festhalten an einer Ideologie immer schneller und immer tiefer in die Scheiße einer ausweglosen…“

„… könne nur ein Wechsel an der Parteispitze und eine thematische Neuorientierung der SPD sie ihrem Umfragetief holen. Er sei für einen Neuanfang bereit und stelle sich der Herausforderung, so Sarrazin, der mit überwältigender Mehrheit zum…“





Elitepartner

8 06 2015

„Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe hier schon ganz andere Probleme beseitigt. Seitensprung mit dem Ex, heimliche Geliebte, uneheliche Kinder aus vorangegangenen Beziehungen, von denen der jetzige Gatte gar nichts wusste. Da werden wir doch so ein bisschen schlechte Stimmung wieder in den Griff kriegen, was? Aber ja doch! Diese Ehe werden wir retten, nicht wahr, sprechen Sie mir nach: diese Ehe werden wir retten!

Es spricht doch auch gar nichts dagegen, dass Sie eine Paarberatung aufsuchen, Frau Merkel. Nur müssen Sie dann auch mitarbeiten. Weil ja die Verhaltensweisen des einen von den Verhaltensweisen des anderen bedingt sind und diese wiederum mit bedingen, und wenn wir die systemische Gesamtwirkung dieser Prozesse… Hören Sie mir eigentlich zu, Herr Gabriel?

Man muss nämlich auch mal ein wenig zurückstecken können, Herr Gabriel. Erinnern Sie sich noch? Das Wir gewinnt? Gut, wenn ich da Ihre Gattin gewesen wäre, ich hätte mich auch gefragt, warum Sie Ihre Integration schon beim Sprachkurs in die Tonne getreten haben, aber sie wusste ja wenigstens, was auf sie zukommt. Das wusste die Partei bei Ihnen nicht.

Andererseits, Frau Merkel, Sie müssen auf den Partner auch ab und zu mal einen Schritt zugehen. Diese, hm, Neigungen, Sie haben ja da immer so ein Bauchgefühl, das muss auch gar nicht schlimm sein, aber könnten Sie sich vielleicht darüber mal ganz in Ruhe unterhalten, wie wir da eine Perspektive reinkriegen für ein vernünftiges, gemeinsames Zusammenleben? Die Ehe ist nun mal unter dem besonderen Schutz des Staates, nur muss man dann auch ein bisschen dafür arbeiten, dass sie modern und zeitgemäß ist und nicht so eine total verstaubte Angelegenheit aus dem neunzehnten Jahrhundert bleibt. Seien Sie doch auch mal offen!

Und, Frau Merkel, es zählen doch vor allem die Gemeinsamkeiten. Dass man eine gemeinsame Lösung findet, genau. Das haben Sie schön gesagt, also: beim ersten Mal klang das noch schön, inzwischen können Sie sich das reinschieben, wo die Sonne nicht scheint. Weil es ja bei Ihnen nicht um die gemeinsame Lösung geht, sondern nur darum, dass andere etwas finden. Damit Sie nichts zu tun brauchen. Das ist für Sie Gemeinsamkeit, wenn man zusammen nichts tut? Lassen Sie es mich so ausdrücken, Frau Merkel: vom Ergebnis her betrachtet muss ich Ihnen da sogar Recht geben. In Bezug auf Ihre Klimapolitik beispielsweise kann ich mir diese Sichtweise sehr gut zu eigen machen.

Denken Sie doch mal lösungsorientiert! Diese Beziehung findet doch nicht im luftleeren Raum statt – Herr Gabriel, lassen Sie jetzt bitte Ihre SPD aus dem Spiel, ja? – sondern in einer Gesellschaft, die wiederum aus Vereinbarungen besteht, aus Konsens und Konflikten und einer individuellen Interpretation der Zweisamkeit, und die konstruiert für Sie eine gemeinsame Wirklichkeit, in der Sie miteinander leben können. Sie haben sich doch für die Zukunft sehr viel vorgenommen, oder? Sie wollen die Hosen anbehalten? Gut, würde ich wohl anders formulieren, Frau Merkel, aber wenn Sie das als Zukunftsvorstellung haben, dann will ich hier auch nicht widersprechen.

Sie sollten aber aufeinander mehr Rücksicht nehmen, das wissen Sie doch? Wissen Sie um die Symmetrie in der Beziehung? Haben Sie denn überhaupt noch Hoffnung, dass Sie schaffen? Wir werden diese Ehe retten, okay?

Womit haben Sie sich denn seit Ihrer Eheschließung so beschäftigt? mit sich selbst? Da steckt ja schon viel Schönes drin, Herr Gabriel, aber ob das für eine feste Beziehung reicht? Sie haben Recht, man sollte in einer Partnerschaft vor allem gemeinsame Interessen entwickeln, aber sich mit sich selbst zu beschäftigen, während der andere auch nur vorm Spiegel steht – finden Sie das nicht ein bisschen unbefriedigend? Ach so, ja. Sie finden sonst überhaupt keine Befriedigung mehr. Ich dachte, das sei den Stones in Ihrer Partei vorbehalten. Offenbar gehören Sie auch schon zu denen.

Frau Merkel, Sie müssen das jetzt nicht tun. Ich bin ja ein unabhängiger Berater, also eine Instanz, die zwar neutrale Erkenntnisse gewinnt, die ich dann aber für Ihre inneren Angelegenheiten – wie kommen Sie gerade jetzt auf die NSA? Das ist vollkommen falsch. Ich gehe hier keine Koalition mit Ihnen ein, nur damit Sie eventuell durch unsere Zusammenarbeit entstehende Interessenkonflikte besser ignorieren können, Frau Merkel. Hören Sie mal, ich lasse mich von Ihnen doch hier nicht instrumentalisieren! Und ich verspreche Ihnen auch kein Abkommen, so war das nicht gemeint! Diese Ehe werden wir retten, aber sonst nichts, klar!?

Sie brauchen eben eine gemeinsame Ebene, verstehen Sie mich? Sie wollen diese Probleme mit genau den Mitteln lösen, die die Probleme haben entstehen lassen? Wie soll das denn funktionieren? Sie müssen sich doch auch mal abstimmen. Das Gemeinsame koordinieren. Die Zukunft in Schritte unterteilen, die sich einzeln leichter gehen lassen. Arbeiten Sie die Ziele ab, die Sie in die Zukunft führen, und gehen Sie diese Schritte gemeinsam.

Okay, Frau Merkel: Sie beseitigen den letzten Rest von Sozialstaat, und Sie, Herr Gabriel, schaffen das Streikrecht ab, und dann zerlegen Sie gemeinsam das Grundgesetz in seine Bestandteile? Sehen Sie, es geht doch! Diese Ehe werden wir retten!“





Gelbfieber

15 04 2015

„Und das Bundesverfassungsgericht wird die Herdprämie natürlich nur prüfen, weil sie total grundgesetzkonform ist.“ „Sie mit Ihrem dämlichen Hurrapatriotismus!“ „Wieso Hurrapatriotismus?“ „Sie jubeln über alles, was diese Koalition mit den Heuschrecken von der FDP gemacht hat.“ „Und das ist Patriotismus? Ich finde nur, diese Koalition mit der SPD kommt unter dem Titel ‚mittelschwere Katastrophe‘ noch verdammt gut weg.“

„Sie finden also, dass diese Mövenpickdeppen vernünftige Politik gemacht haben? Lächerlich!“ „Und Sie finden, dass Merkel mit Gabriel eine handlungsfähige Regierung auf die Beine gestellt bekommt?“ „Sie sehen es doch – die greifen jetzt bei der Mietpreisbremse voll durch!“ „Weil die Mieten noch kurz vorher erhöht werden.“ „Und die Frauenquote! Wir haben endlich eine Frauenquote!“ „Dem Kapital ist es doch eh wumpe, welchen Chromosomensatz die Typen im Vorstand haben. Die Lohnungleichheit bleibt, und den kriegt Ihre SPD nicht weg, weil sie die nicht wegkriegen will.“

„Jetzt kommen Sie bestimmt gleich mit einem Loblied auf die Fortschritte in der sozialen Gerechtigkeit, die wir den Liberalen verdanken.“ „Beispielsweise die Praxisgebühr.“ „Das war keine soziale Gerechtigkeit, das war Bullshit!“ „Wie alles andere aus der Feder von Ulla Schmidt.“ „Aber Merkel hat die beibehalten!“ „Und deshalb sind die Sozialdemokraten an diesem Müll nicht mehr schuld? Interessante Logik. Ich wüsste gerne, wie Sie mir die Hartz-Gesetze schönreden wollen.“ „Das hatte sich ja schon abgezeichnet, dass die Zuzahlung auf Dauer nicht beibehalten wird.“ „Deshalb hat die SPD auch nie einen Versuch gemacht, sie abzuschaffen, und hat sich auf die FDP verlassen, dass die den Job übernimmt?“

„Sie sind ja völlig verblendet. Wenn ich mir vorstelle, was unter dieser Regierung an Bürokratie und Kokolores…“ „Sie meinen die Dokumentation, wer wann wie wo und wie weit den Mindestlohn unterläuft?“ „Zunächst mal hat diese Koalition eine erhebliche Stärkung der Bahn bewirkt, dieses komplett unbeweglichen Staatskonzerns.“ „Die haben den so weit gefestigt, die haben sogar die Fernbusse als Konkurrenzbranche ermöglicht.“ „Weil sie das mit dem freien Markt, und weil ja jeder Unternehmer auch eine AG, oder irgendwie so…“ „Hat sich der deutsche Verbraucher schon mal beschwert?“ „Die Leute merken doch nichts!“ „Stimmt, die sehen nur die fallenden Preise.“

„Aber hier, Deutschland hat viel zu wenig Soldaten.“ „Das kennen wir aus der Geschichte. Immer, wenn es in Deutschland ausreichend Soldaten gab, waren wir mittelfristig erfolgreich und angesehen.“ „Deshalb muss man doch nicht gleich die Wehrpflicht abschaffen.“ „Hat es denn je so etwas wie Wehrgerechtigkeit gegeben? Und was wollen Sie mit den jungen Leuten, die nach zwölf Monaten Anschnauzen gerade eben unfallfrei einen militärischen Gruß hinkriegen? In den Irak einfallen und Interviews mit Reinhold Beckmann führen?“

„Sie weichen mir aus. Diese Koalition hat doch den Turbokapitalismus und die marktkonforme Demokratie zu den Perversionen geführt, die uns heute noch das ganze Elend mit den Zockerbuden abbezahlen lassen.“ „Da klären Sie mich bestimmt gleich auf.“ „Diese Termingeschäfte, Sie verstehen schon – da pokern doch die Banker mit Wertpapieren, die sie überhaupt nicht haben.“ „Wer hat’s erfunden?“ „Waren das die Amerikaner?“ „Auf jeden Fall hat Ihr Zigarrenkanzler den Dreck auf dem Parkett verteilt. Verboten hat die ungedeckten Leerverkäufe jedenfalls Schwarz-Gelb, aber vielleicht hatte dem Finanzgenie Steinbrück nur nie jemand erklärt, worum es sich handelt.“

„Sie versuchen doch nur, sich herauszureden. Diese Investmentbanker, die anderer Leute Geld in Rauch aufgehen lassen, die haben das verschuldet. Und die weisen natürlich jede Verantwortung von sich, weil sie schließlich nur auf ihre Maschinen hören, die selbsttätig kaufen und abstoßen.“ „Genau deshalb hat das Kabinett Merkel II den Hochfrequenzhandel stark eingedämmt.“ „Ja, das wurde auch Zeit. Das ist richtig, das hätte aber Sigmar Gabriel auch gemacht, wenn er zu der Zeit schon Vizekanzler gewesen wäre.“ „Und ich bin mir sicher, er hätte damals auch sofort ein Gesetz gegen die Vorratsdatenspeicherung gemacht.“

„Bevor Sie mir wieder mit der typischen Hetzpropaganda kommen, von wegen einfache und niedrige und gerechte Steuern, was hat denn…“ „Abgesehen von der Erhöhung des Steuerfreibetrags und der Werbungskostenpauschale? Müsste ich mal nachdenken.“ „… Ihre Koalition sonst noch hingekriegt? Haben die einen Krieg verhindert?“ „Wenn Sie den deutschen Verbraucher als Maßstab nehmen, ja.“ „Es gab keine Pferdelasagne mit Analogkäse?“ „Sie haben endlich kostenlose Telefonwarteschleifen eingeführt.“ „Das war doch schon lange im Gespräch.“ „Richtig, Renate Künast hatte sie alle schon halb ins Koma gequatscht, und als sie wieder bei Bewusstsein waren, saß da Ilse Aigner und hat sie in zehn Punkten erledigt.“

„Meinen Sie nicht, dass jede Regierung das so hätte machen können?“ „Dass die keine Maut im Koalitionsvertrag hatten, stört Sie doch wohl nicht auch noch?“ „Sie immer mit Ihrer billigen Stichelei! Jeder hätte unter diesen Rahmenbedingungen so regieren können, auch die Sozialdemokraten.“ „Jetzt sagen Sie mir doch eine Sache, die die FDP gemacht hat, die der SPD auch gelingen könnte.“ „Den Sozialismus verhindern.“





Legalize it!

24 02 2015

„Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat. Ja, Sie lachen, aber damit fängt doch für uns das Problem an! Wenn wir nicht Gesetze übertreten dürfen, wo es uns passt, wozu machen wir sie denn dann überhaupt?

Stellen Sie sich das doch mal vor: Sie sind versehentlich in eine Wohnung eingebrochen, nachdem einer Ihrer Mitarbeiter eine Zielperson aus Zufall in der U-Bahn mit einem Narkotikum aus dem Verkehr gezogen hat, und dann sagt der Richter, gefälschte Beweise deponieren ist schon okay, aber die Tür eintreten und eine Nachbarin, die gerade vom Einkaufen gekommen war, verprügeln, das klingt fast wie eine Straftat. Ich kenne jetzt den konkreten Fall nicht, aber wenn diese Schlampe in einem Haus lebt, in dem die Begehung von Straftaten nicht auszuschließen ist, die hat doch selbst Schuld?

Der Einzelfall ist gar nicht so sehr das Problem. Wir haben ja noch Staatsanwälte, die gerne ihre Pflicht tun. Auch wenn die immer teurer werden. Aber Sie müssen sich das in der juristischen Vorbereitung der Geheimdienstarbeit immer so vorstellen, dass wir sehr wenig Personal, sehr wenig Zeit und ganz, ganz wenig Geld haben. Wir können doch nicht bei jedem Einzelfall so tun, als würde es sich um einen Einzelfall handeln! Das muss man doch präventiv legalisieren!

Vorwiegend geht es ums Datensammeln. Dem Verfassungsschutz. Der sammelt ja unsere Daten. Vielleicht könnte man da mal nachsehen, ob wir die ganzen Sachen, die im Nachhinein als illegal verurteilt wurden, nicht schon vorher legal machen können. Man wäscht sich seine Hände in Schuldunfähigkeit, das müsste doch irgendwie klappen. Und wenn es nicht hinhaut, könnte man sich hinterher einen automatischen Freispruch vom Gericht einholen, weil man ja vorher der Meinung gewesen ist, dass das legal wäre. Hier, also gerade bei der Kommunikation heutzutage, und was die Leite alle für Daten verschicken, wenn man sie abhört, meinen Sie nicht, man könnte da so etwas installieren? eine Art Freisprechanlage?

Wir hatten das doch immer so schön beim Verfassungsschutz: die durften Straftaten begehen, das Bundeskriminalamt hat immer einen Täter gefasst, manchmal hätte der auch rein theoretisch etwas mit der Tat zu tun haben können, das Gericht hat ihn verurteilt, und die Polizeistatistik war dufte. Ich meine jetzt nicht, dass wir generell – nein, ich fange noch mal an. Also wenn der Innenminister bei jeder Gelegenheit meint, wir würden bald einen richtig großen Terroranschlag bekommen, und es seien schon zigtausende verhindert worden, obwohl die Ermittlungsbehörden davon so gar nichts mitkriegen, also wenn der Innenminister das nun durchaus so haben will, können wir das nicht auch selbst machen?

Auf der anderen Seite könnte man natürlich alles direkt legalisieren. Das hätte dann den Effekt, dass die Kriminalitätsstatistik direkt sinkt, und das ist im Wahlkampf der Hammer. Gut, wir hätten dann auch nicht mehr das Totschlagargument für die Totalüberwachung, aber ich meine, aus dem Schwachsinn, den de Maizière absondert, sollte sich nach spätestens drei Tagen etwas zusammenbacken lassen.

Vom rechtssoziologischen Standpunkt müssten wir auch bedenken, dass eine Strafverfolgung nicht viel bringt. Früher oder später müssten wir eine Strafverschärfung fordern, und da die so gut wie nie etwas bringt, können wir eigentlich nur auf eine komplette Legalisierung setzen. Man kann doch nicht immer alles kriminalisieren, nur weil es immer so war! So kommt man doch nicht weiter!

Wir überlegen noch, wie wir das als Kanzleramt an der SPD vorbeischmuggeln. Vielleicht den Gesetzesentwurf erstmal an Edathy ausprobieren, der darf dann legal das Gericht belügen, und dann winkt es das Justizministerium durch? Nein, wir vergleichen die SPD keinesfalls mit dem Verfassungsschutz. Die kippen in jede beliebige Richtung, sind inkompetent, kennen Arbeit nur vom Hörensagen und pfeifen auf die Verfassung, wenn die Kohle winkt, aber die sind kein Staat im Staat. Das möchte ich mir strengstens verbitten, das sagen Sie dem Verfassungsschutz nicht nach!

Aber irgendwo muss man ja anfangen, und da wir jetzt beispielsweise noch keine Polizei haben, die sich offen rassistisch zeigt – das ist auch eine Rassenfrage, wir haben halt nicht so viele Neger wie Amerika – brauchen wir eben einen anderen Ansatz. Möglicherweise wäre die Polizei auch viel zu offensichtlich, dass wir damit einen Immer-ganz-rechts-Staat schaffen, in dem es per Definition kein Unrecht mehr gibt. Übrigens eine tolle Sache, wenn Sie mal in eine Diskussion verwickelt werden sollten, wegen der DDR und so, die war ein Unrechtsstaat. Aus Gründen. Und wenn wir jetzt die vielen Nazis, die es ja in Deutschland angeblich gibt, aber die sich außerhalb der Kriminalstatistik nirgends wiederfinden – fragen Sie mal einen Polizisten, alles ganz nette Nachbarn, die meisten von denen haben noch nie eine Synagoge angezündet – wenn wir die jetzt entkriminalisieren, was meinen Sie, wie dann die Bundesrepublik dasteht. Das hat noch kein CDU-Kanzler geschafft.

Ach, wo wir gerade so nett am Plaudern sind: was halten Sie eigentlich von so einem präventiven Gesetz bei Abgeordnetenbestechung?“