Stellvertreterkrieg

23 02 2021

„Das ist nicht Ihr Ernst!?“ „Doch.“ „Das ist doch aber verfassungsrechtlich gar nicht möglich!“ „Hat das die Union je interessiert?“ „Das wird doch nie im Leben funktionieren!“ „Ein Grund mehr, es zu versuchen, oder?“ „Söder und Laschet, das wäre…“ „Endlich mal eine echte Doppelspitze.“

„Das wäre die vorweggenommene Spaltung der Bundesrepublik.“ „Ich will Ihnen nicht unbedingt widersprechen.“ „Die Leute wissen doch jetzt schon nicht, wen sie wählen sollen!“ „Die Leute wissen eher nicht, wen sie nicht wählen sollen, und dieses Modell löst das Problem sofort.“ „Das heißt, wenn ich Söder nicht abkann, wähle ich Laschet?“ „So ähnlich.“ „Das heißt doch letztlich nur: wenn ich den wähle, kriege ich auch die ganze Scheiße, die ich nicht will.“ „Das dürfte im politischen Geschäft schon länger bekannt sein, und meines Wissen ist das nicht unbedingt auf die Union beschränkt.“ „Und wie stellen Sie sich die Regierung vor, sollen die beiden Kanzler dann immer Streichhölzchen ziehen, wer da etwas entscheiden darf?“ „Nun, sie müssen sich schon ein bisschen kompromissbereit zeigen.“ „Was ja zu den Kernkompetenzen von Söder und Laschet zählt.“

„Schauen Sie, wenn es wirklich zur Koalition mit den Grünen kommen sollte, muss der Kanzler auch eine Menge Zugeständnisse machen.“ „Aber das können Sie doch gar nicht vergleichen!“ „Ja, es wird natürlich dann keine inhaltlichen Rivalitäten mehr geben.“ „Weil die Grünen sich der Union unterordnen?“ „Auch, aber die Kanzler werden sich weniger wegen inhaltlicher Konflikte streiten.“ „Mit den Grünen würde Söder vermutlich schnell seinen Frieden machen.“ „Mit Laschet auch, immer vorausgesetzt, der hält seine Klappe.“ „Also nie.“ „Aber das wäre mal ein realpolitischer Vorschlag, der die Interessen der ganzen Bevölkerung so weit wie möglich berücksichtigt.“ „Naja, wer auf einen Macher steht, der pragmatische Entscheidungen trifft und sich als Krisenmanager volksnah in Szene setzt, kriegt halt Söder.“ „Der Rest kriegt Laschet.“

„Und wer wäre bei den beiden Vizekanzler?“ „Das ist doch kein politisches Amt.“ „Das heißt, sie vertreten sich gegenseitig?“ „Das wäre denkbar.“ „Als gegenseitige Stellvertreter?“ „Ja.“ „Und wenn die sich zanken, haben wir Stellvertreterkrieg?“ „Jetzt sehen Sie mal nicht gleich so viele Probleme, es hat doch auch seine guten Seiten.“ „Nämlich?“ „Der Unterhaltungswert ist doch viel größer.“ „Und was ist mit den großen Herausforderungen für die hart arbeitenden Menschen da draußen im Land?“ „Glauben Sie ernsthaft, irgendein anderer Kanzler würde in vier Jahren auch nur ein einziges Problem in Angriff nehmen?“ „Stimmt auch wieder.“

„Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, die CDU…“ „Das müsste man dann natürlich ändern, weil die beiden Parteien nicht getrennt voneinander in den Wahlkampf gehen.“ „Also nicht CDU und CSU nach Ländern getrennt?“ „Eine Union, die dann im gesamten Bundesgebiet antritt.“ „Aber stellen Sie sich trotzdem mal vor, diese Union würde nicht die absolute Mehrheit bekommen und müsste mit den Grünen koalieren.“ „Das ist ausgeschlossen.“ „Dass die Union die absolute Mehrheit verfehlt?“ „Dass diese Union mit den Grünen regiert.“ „Wie soll denn sonst die Regierung zustande kommen?“ „Wie immer. Die SPD macht das wie vor vier Jahren, wenn die Union es nicht gerissen kriegt, wedeln die mit dem Schwanz.“ „Aber das wäre ja ein ewiger Krisenherd, in dem keine vernünftige Entscheidung getroffen werden kann.“ „Also ungefähr das, was wir jetzt schon haben.“

„Wirft Söder dann nicht irgendwann hin, wenn er nicht mehr alleine regieren kann?“ „Denken Sie daran, Laschet war immer für eine Teamlösung.“ „Naja, aber erstens für die CDU, zweitens mit Spahn, und drittens so, dass andere arbeiten und er seine Rübe in die Kameras hält.“ „Ich glaube kaum, dass das anders gekommen wäre als jetzt.“ „Sie meinen, Laschet hätte auch da nur die zweite Geige gespielt.“ „Höchstens.“ „Dann hätte er vermutlich irgendwann das Handtuchgeworfen.“ „Das sind doch erst mal keine schlechten Aussichten, oder?“

„Und wer vertritt dann die Bundesrepublik im Außenverhältnis?“ „Wer gerade dran ist.“ „Das heißt, die müssen dann doch knobeln?“ „Das würde vermutlich Söder übernehmen, der arbeitet ja quasi schon im Ausland.“ „Und Laschet wäre als Kanzler auch etwas sehr peinlich.“ „Für Staatsbesuche kann man den schon nehmen.“ „Können Sie sich den im Élysée vorstellen?“ „Also nur für Staatsbesuche bei uns.“ „Ach so.“ „Wenn wir ausländischen Gästen diese Knalltüte vor die Nase stellen, dann denken die sofort, Deutschland ist ein bisschen doof, aber harmlos.“ „Und für Amerikaner?“ „Die haben den Unterschied zwischen Bayern und Deutschland eh noch nicht kapiert, da würde ich jetzt nicht mehr dran rühren.“

„Und wer wäre da die Frau?“ „Wieso die Frau?“ „Einer muss doch die Frau sein, das ist doch immer so in einer Doppelspitze.“ „Wer hat Ihnen denn den Bären aufgebunden?“ „Die Grünen machen das, die Linke, mittlerweile auch die SPD, da kann die CDU doch auch mal eine Frau mit in die Doppelspitze nehmen.“ „Das würde nie funktionieren.“ „Weil es in der Union nicht genug Frauen gibt?“ „Das nun nicht gerade.“ „Ich weiß es nicht, vermutlich wird von der Leyen als Bundespräsidentin entsorgt.“

„Also ich bin jetzt überzeugt, wir brauchen eine Teamlösung für Deutschland.“ „Sehr gut.“ „Und das klappt auch tatsächlich?“ „Aber sicher doch!“ „Gut, ich verlasse mich darauf!“ „Hallo, Berlin? Ich bin’s, ich wollte nur sagen: es hat etwas gedauert, aber einen Wähler haben wir schon mal.“





Feindliche Übernahme

10 11 2020

„… es ein hartes Rennen zwischen Union und Grünen werde, bei dem es auf jede einzelne Stimme ankomme. Da sich jedoch ein Wahlsieg der CDU abzeichne, werde eine Koalition unter Friedrich Merz als neuem Bundeskanzler nicht…“

„… zuletzt in der Parteizentrale gesehen worden sei. Merkel habe noch im Laufe des Nachmittags mit mehreren scheidenden Bundesministern die…“

„… fast hundert Wahlkreise ausgezählt werden müssten, die pandemiebedingt durch einen erhöhten Anteil an Briefwahlstimmen erst im Laufe des…“

„… hätten Journalisten bei der Vorbereitung der ersten Statements die Bundeskanzlerin nicht mehr angetroffen. Mitarbeiter aus dem Kanzleramt sowie aus der CDU-Fraktion hätten übereinstimmend ausgesagt, dass sie nicht wüssten, wo sich Angela Merkel zum derzeitigen…“

„… sich absolut siegesgewiss gezeigt habe. Als Kandidat der gehobenen Mitte könne Merz sich seinen Koalitionspartner selbstverständlich ohne fremde Einmischung aussuchen und geruhe dies zu gegebener Zeit der Journaille in einem…“

„… dass Laschet vor Pressevertretern eine Mitteilung angekündigt habe. In seinem zweiminütigen Statement sei jedoch nur zum Ausdruck gekommen, dass er auch nicht wisse, wie die Lage sei, wie sie sich derzeit entwickle oder…“

„… sofort nach Schließung der Wahllokale im Konrad-Adenauer-Haus erwartet werde, um den Sieg der Union zu verkünden. Alle Abweichungen könnten nicht geduldet werden und seien nicht…“

„… weise Merz jede Schuld von sich. Er sei im Fall eines plötzlichen Unfalls selbstverständlich auch vor einem amtlichen Endergebnis bereit, die Geschäfte eines Regierungschefs zu übernehmen, der diesen Namen auch…“

„… in der Privatwohnung nicht angetroffen habe. Der Haushalt weise zwar keine Spuren eines Kampfes oder einer überstürzten Flucht auf, eine Entführung könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, da sich das Diensttelefon noch im…“

„… sich Merz nicht überrascht gezeigt hätten. Die Wahl des Nachfolgers im Bundestag sei erst nach den Koalitionsverhandlungen, dazu sei die Kanzlerin jedoch nicht mehr erforderlich und werde von ihm zuvor auch weder konsultiert noch…“

„… sich noch einmal um mehrere tausend Stimmen verschieben könne, da in Baden-Württemberg eine große Anzahl an Wechselwählern zu den Grünen gegangen seien. Habeck werde noch nicht als Kanzler gehandelt, es sei aber sehr sicher, dass er zu den Favoriten um den…“

„… müsse man statt eines Interviews mit der Kanzlerin nun ein Brennpunkt Spezial senden, in dem ausführlich erklärt werde, dass man kein Interview mit der Bundeskanzlerin senden könne und daher nun ein…“

„… habe sich eine Taxifahrerin erinnert, in den Nachmittagsstunden eine Frau im Hosenanzug in Richtung Hauptbahnhof gefahren zu haben. Die Personenbeschreibung decke sich weitgehend mit den polizeilichen…“

„… die internationale Presse nachgefragt habe. Es werde spekuliert, dass Merkel ihre Konversion zur Sozialdemokratie vornehme, um die endgültige Zerstörung der CDU aus der Opposition heraus zu…“

„… gebe es zur Stunde keine Forderungen. Das Bundeskriminalamt habe keine Hinweise auf eine Straftat gefunden und gehe daher von einem freiwilligen…“

„… spreche Gauland von Volksverrat. Die von jüdischem Kriegskapital gekaufte Lügenkanzlerin lasse Deutschland im Augenblick einer historischen Wende alleine mit einem designierten Nachfolger, der alle rechtskonservativ-faschistischen Kräfte durch Assimilation von ihrer Verpflichtung zum nationalen Widerstand abhalte und den…“

„… ob die Grünen die Wahl unter diesen Umständen überhaupt anerkennen dürften. Lindner wisse aber auch, dass die Partei eine Ökodiktatur errichten und den Verzehr von Schnitzel mit dem Tode bestrafen wolle, daher werde er sich in den kommenden Jahren als außerparlamentarische…“

„… gegen zwanzig Uhr in München, Krefeld, Bad Salzuflen, Potsdam, Bangkok und Frankfurt an der Oder gesehen worden sei. Alle Zeugen hätten ausgesagt, dass es sich bei der betreffenden Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die…“

„… in kleinen Scheinen in einem Papierkorb im Bezirk Moabit ablegen solle. Merkel werde nach der Übergabe wieder auf freien Fuß gesetzt. Das auf Briefpapier der CDU-Fraktion verfasste Schreiben sei vom LKA Berlin sofort als relativ plumpe…“

„… das Ergebnis nicht abwarten wolle. Der CDU sei es zwar nicht mehr möglich, stärkste Kraft im Bundestag zu werden, ihr Kandidat wolle aber gemäß seiner deutschen Leitkultur mit entschlossenem…“

„… hätten die Abgeordneten keine Straftat vortäuschen wollen. Es sei ihnen jedoch wesentlich einfacher erschienen, durch die eine fingierte Entführung Merkels Verschwinden parteiintern zu…“

„… sich in einem Gartenhaus in der Uckermark aufhalte, wo sie Dokumente des Geheimdienstes auswerte. Die Kanzlerin lasse derzeit umfangreiche Razzien bei BlackRock sowie in zahlreichen anderen geschäftlichen und privaten…“

„… spurlos verschwunden sei. Vorsorglich sei eine Sperrung des Luftraums über dem Sauerland angeordnet worden, falls sich Merz etwa in die Vereinigten Staaten von…“





Irrwisch

25 05 2017

„… sehr hart daran arbeiten werde, ein Wahlprogramm vorzustellen, das die Inhalte einer neuen sozialdemokratischen Politik für die…“

„… die Inhalte der Agenda 2010 ausnahmslos auf den Prüfstand stellen wolle. Da die Generalsekretärin angekündigt habe, dass daraus keinerlei inhaltliche Änderung der Parteiarbeit resultieren werde, habe das Präsidium mit einer unverhohlenen…“

„… vor allem die soziale Gerechtigkeit als dominantes Thema ausmache, das die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land umtreibe und in ihren existenziellen Sorgen und Nöten angreife. Schulz sehe dies bereits bei der Union in ausreichendem Maß bearbeitet und wolle daher seinen Wahlkampf auf einen ganz anderen…“

„… die letzten Landtagswahlen möglicherweise nur verloren habe, weil sich die Partei zu sehr auf bundespolitische Themen fokussiert habe. Die SPD wolle stattdessen im Bundestagswahlkampf ihre Position ganz auf die hart arbeitenden…“

„… 76 Prozent geantwortet hätten, sie könnten die Sozialdemokraten derzeit nicht mit sozialer Gerechtigkeit in Verbindung bringen. Der Kanzler der Kandidaten habe dies zum Anlass genommen, einen neuen Aufbruch zu verkünden; eine überwältigende Mehrheit der Wähler sei der Meinung, man könne der SPD auch Themen zutrauen, die nichts mit ihren klassischen…“

„… eine Mitgliederbefragung ansetzen wolle, um festzustellen, welche Themen sich nicht für die bundespolitische…“

„… stehe die Partei nicht unter Druck. Sie könne sich im Gegensatz zu anderen Parteien auf noch nicht abgearbeitete Programmpunkte aus dem späten 19. Jahrhundert beziehen und genieße daher unter den politischen Mitbewerbern eine große…“

„… sich die SPD dagegen entschieden habe, die Inhalte ihres Programms vor der Wahl bekannt zu geben, um nicht von anderen Parteien inhaltlich…“

„… wolle Schwesig die Familienförderung der Sozialdemokratie nicht aus den Augen verlieren. Schon jetzt, so die designierte Arbeitsministerin, werde ein Großteil der Familien großzügig gefördert, auch wenn der Hartz-IV-Bezug immer noch eine große Last für die steuerfinanzierte…“

„… die Reaktionsgeschwindigkeit der SPD nur wegen des Parteialters so gering sei. Man rechne frühestens um die Weihnachtszeit mit einem…“

„… immerhin Projekte wie ‚Ehe für alle‘, ‚Mietpreisbremse‘ oder ‚Rückkehr zur Vollbeschäftigung‘ im Sinne der Koalition…“

„… tatsächlich ein Programm existiere. Es sei zwar noch von keinem gelesen worden, führende Mitglieder der Sozialdemokraten seien sich jedoch sicher, dass wenigstens ein Exemplar des…“

„… mit der Wahlankündigung auch politische Kritiker integrieren wolle. Zunächst habe die SPD den Wunsch, ihre potenziellen Regierungspartner aus dem turbokapitalistischen Lager durch ein entgegenkommendes…“

„… erste Beobachter das Manuskript als Irrwisch bezeichnet hätten. Die Parteizentrale sei sich sicher, dass die Erfolge der Bundestagswahlen unter Steinmeier, Steinbrück und…“

„… die rostrote Mappe mit der Aufschrift 2017 in einer Sitzung des Koalitionsausschusses unter dem Tisch weitergereicht worden sei. Oppermann habe dieses weder dementieren noch…“

„… das Kernprogramm ganz auf den Kandidaten Schulz zugeschnitten werde. Die SPD habe sich diese Aussage verbeten, man werde nicht mit derart inhaltsleeren…“

„… wieder aus dem Willy-Brandt-Haus abgerückt seien. Das Räumkommando habe in der Zentrale nicht den erhofften sozialen Sprengstoff in Form einer…“

„… auf 35-Stunden-Woche, Mindestlohn und Frauenwahlrecht beschränken wolle. Alle anderen Errungenschaften der sozialdemokratischen Arbeit befänden sich auf dem Prüfstand und müssten sich einer klaren…“

„… ein Rentenkonzept in der Programmvorlage vorkämen. Nach Aussage des regierungsnahen Flügels seien weder ein Konzept noch die Beschäftigung mit Renten in der…“

„… man auch die Annexion Lummerlands oder die Einführung von Hammer und Sichel als neues Bundeswappen versprechen könne. Da Oppermann mit einer Koalition unter Unionsführung rechne, sei ein Wahlprogramm so überflüssig wie eine…“

„… seien Bundestagsthemen eher eine Gefahr, im politischen Tagesgeschäft abgewertet zu werden. Schulz wolle daher bis zum Herbst noch ca. zehn Milliarden Wählerinnen und Wähler kennenlernen, um sich damit proportional zum…“

„… sich der Markenkern der Sozialdemokraten vor allem in deren sozialpolitischer Reichweite zeige. So zeige die parteiinterne Hoffnung, dass die Deutschen wieder hart arbeiten müssten, um überhaupt einen…“





Feindberührung

8 05 2017

„Warum kann der Mann nicht Mario heißen!“ „Und das bringt uns was?“ „Gucken Sie sich doch mal diese ganze Kampagne an.“ „Ja, mache ich gerade. Und?“ „Super Martin, das klingt so… so…“ „Sozialdemokratisch?“

„Das können Sie doch komplett in die Tonne treten!“ „Also das hier finde ich schon ganz nett. Kaffeeklatsch mit Hilde und Erika, Eierlikör, auf Wunsch Canasta, das kann man im…“ „Das ist noch von Steinbrück.“ „Aber das hat Schulz locker drauf, bis auf den Eierlikör.“ „Der wird den Damen irgendwas von hart arbeitenden Menschen erzählen, dann ist Sense.“ „Und das hier von den Studenten, das kann man noch mal machen.“ „Das kann man nicht noch mal machen, das haben wir nämlich gar nicht gemacht damals.“ „Wegen Steinbrück?“ „Weil wir die SPD sind.“ „Und das hat nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun?“ „Sagt Ihnen der Begriff ‚Studiengebühren‘ etwas?“

„Wir bräuchten eher die kleinen Dinge, in denen er sich lebensnah zeigt. Charismatisch, aber eben zum Anfassen.“ „Da ist eine Einladung von einem Frisiersalon aus Würselen.“ „Toll, da machen wir am besten so eine Art Rückkehr in die alte Heimat, er lässt sich einen Trockenschnitt verpassen und bekommt den genauso, wie er es haben will.“ „Der Kanzlerkandidat als Teufelskerl?“ „Voll der Held, der richtige Draufgänger!“ „Können Sie vergessen, die fragen doch bestimmt, ob die Sozialdemokraten überhaupt wissen, was Arbeiten zum Mindestlohn bedeutet.“ „Da könnte man doch ein Statement zur Lohnpolitik und zum…“ „Sind Sie noch ganz bei Trost!? der Mann bringt es fertig und sagt denen, wenn sie zweihundert Jahre lang für den Scheiß auf Arbeit sind, kriegen sie eine Rente auf dem Niveau der Grundsicherung.“ „Aber sie haben Arbeit. Das darf doch nicht einfach so unter den Tisch fallen.“

„Vielleicht könnte er das hier auch erzählen.“ „Zeigen Sie mal. Erwerbsloseninitiative? der ist ja richtig mutig!“ „Das war ein Scherz. Den Termin streichen wir ohne Rückfrage.“ „Aber wenn er hier eventuell eine politische Vision entwickelt? es steht doch im Raum, dass das Arbeitslosengeld etwas länger gezahlt wird.“ „Wenn es überhaupt gezahlt wird.“ „Und die grundsätzliche Bereitschaft, den Menschen bei der Weiterbildung…“ „Das ist jetzt schon möglich, die JobCenter behalten die Kohle nur lieber selbst.“ „Sie können doch Schulz nicht für die Ungerechtigkeit der Hartz-Gesetze zur Verantwortung ziehen.“ „Nicht? und was soll er denen dann empfehlen? Hart zu arbeiten, damit sie irgendwann wieder hart arbeiten können?“

„Gibt es irgendwo eine Flutvorhersage?“ „Was haben Sie denn für Ideen?“ „Vielleicht kann man den Mann irgendwo in den Oderbruch schicken, das hat Schröder damals auch die Wahl gerettet.“ „Der wird sich irgendwo auf dem Deich aufbauen und von den hart anpackenden Hilfskräften schwafeln, die die EU wieder vom Kopf auf die Füße stellen müssen.“ „Das ist doch schon mal etwas.“ „Und dann wird er erzählen, dass wir Steuergeld bei der Arbeit sehen.“ „Wenn man das mit dem vergleicht, was er bisher mit Steuergeldern gemacht hat, kann man das doch als großen Fortschritt betrachten.“

„Diesen Termin mit den alleinerziehenden Müttern…“ „Das macht sowieso besser die CDU. Auch im Wahlkampf.“

„Sollen wir mit dem jetzt Baumärkte eröffnen?“ „Das wäre mal ein tolles Signal für Bürgernähe. Martin Schulz erzählt aus seiner Zeit als kleiner Buchhändler, wie er in seiner Freizeit hart arbeitend im…“ „Lassen Sie es einfach.“ „Aber denken Sie doch mal nach, die Bürgernähe!“ „Die ist bei der SPD eine abwaschbare Außenhaut, vermutlich wird das Zeug bald in der Sprühdose verschickt. Nur in Situationen mit Feindberührung zu verwenden, kein Einsatz bei Arbeitgeberverbänden, verdünnt bei Gewerkschaften, ansonsten bleibt das im Schrank.“ „Haben wir vorher noch einen Kirchentag?“ „Damit er den grünen Trullas die Schleppe tragen kann?“ „Es wird doch irgendwo noch eine Industriemesse stattfinden.“ „Arbeitnehmerseitig fehlt ihm da die Fachkompetenz, arbeitgeberseitig das Parteibuch.“ „Und industriemäßig?“ „Hören Sie, der Mann ist in der SPD!“ „Pardon, man wird doch wohl mal eine Kleinigkeit übersehen dürfen?“

„Das könnte was sein.“ „Einen Tag als Redakteur bei BILD, naja.“ „Vielleicht könnte er sich da mal auf Inhalte konzentrieren.“ „Inhalte, naja.“ „Dann muss man ihm auch nicht immer Populismus vorwerfen, verstehen Sie?“ „Bei der BILD, naja.“ „Wenn er da jetzt noch den Leitartikel über mehr Qualifizierung für Arbeitnehmer…“ „Sie meinen die Abschussprämie für alternde Arbeitslose?“ „Was reden Sie denn da, der kann doch…“ „Machen Sie lieber irgendwas in der Fischräucherei, da pappt man ihm eine Plastikhaube über die Rübe und lässt ihn von Fangquoten schwafeln, keine Sau hört zu, aber anderthalb Lokalreportern schläft das Gesicht ein, also entsteht höchstens Sachschaden.“ „Aber…“ „Oder Kinder. Irgendwas mit Kindern. Meinetwegen eröffnen wir einen Spielplatz mit Rutsche auf dem Mittelstreifen der A1 an der Anschlussstelle Wermelskirchen.“ „Mit Feindberührung?“ „Solange Sie den Eierlikör aus dem Spiel lassen.“ „Mir egal.“ „Dann geben Sie durch: Lieber Genosse Schulz, nächster Wahlkampftermin steht. Solidarische Grüße: die Kampa. Noch was?“ „Gummistiefel. Schröder wäre nie ohne Gummistiefel aus dem Haus gegangen.“





Bayer con dios

26 09 2013

„Nein, das geht nicht. Warum? weil’s eben nicht geht, klar? Nein! Sie können hier keine Maut für Ausländer einführen, weil das dem EU-Recht widerspricht. Sagen Sie Ihrem Oberhorst, dass er sich das – hallo? Hallo!?

Hören Sie, man kann doch nicht ständig die Telefonkonferenz unterbrechen, weil der Herr Ministerpräsident zwischendurch den etatmäßigen Tobsuchtsanfall bekommt. Könnten Sie ihn nicht einfach mit einer Weißwurst – nicht nach zwölf? Ja, verstehe. Die Weißwurst ist offenbar wichtiger als das Betreuungsgeld. Wobei, wenn das Betreuungsgeld so unwichtig geworden ist, warum muss man dann überhaupt noch daran festhalten?

Bedaure, aber der Herr Ministerpräsident hat das nicht zu bestimmen, dass in Deutschland noch zehn neue Kernkraftwerke gebaut werden. Wir haben das gesetzlich festgeschrieben, wir steigen aus, und dann – zur Arbeitsplatzsicherung? Aber wenn er Arbeitsplätze sichern will, dann kann er doch einfach in der Solarindustrie anfangen oder in der Windkraftbranche oder – natürlich in der Windkraftbranche, mir ist das doch egal, ob der Herr Ministerpräsident sich so ein Ding in den Vorgarten stellt. Hauptsache, es kommt Strom raus. Wie meinen Sie das jetzt? Es sind nur die Arbeitsplätze im Vorstand der Energieversorger gemeint? Dann verstehe ich auch, warum Sie sich so vehement für die Energiewende einsetzen.

Wir können den Reichstag jetzt nicht so einfach in Horst-Seehofer-Arena umbenennen. Eine Arena ist das außerdem gar nicht. Und wir sollten auch langsam mal – Bierwerbung im Bundestag? Ist der Mann noch ganz bei Trost!? Nein, auch nicht, wenn es in der Bundestagskantine ab sofort Freibier gibt. Das können Sie in die Tonne treten. Ausgeschlossen. Wir haben bei Brüderles Weinköniginnen auch nie eine Ausnahme gemacht. Sponsoring? Ist der denn von allen guten Geistern verloren? Ja, ich weiß. In Bayern ist das legal, wenn die Cousine vom Hausmeister mal mit der Tochter auf dem Gymnasium war mit dem Nachbarn der Tante des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Aber deshalb muss sich der Herr Ministerpräsident trotzdem an die üblichen Gepflogenheiten halten.

Quoten für Schulabbrecher? Das klingt wie in der Sozialgesetzgebung, wo schon vorher festgelegt ist, wie viele der Leistungsempfänger sanktioniert werden. Mich würde es ja auch nicht mehr wundern, wenn Sie in Bayern eine Arbeitsvorlage für den Ausgang von Landtagswahlen – haben Sie? Dann wundert mich allerdings gar nichts mehr.

Und etwaige Koalitionsgespräche mit den Grünen sollen kategorisch verboten werden? Aha. Weil die Grünen ja alles kategorisch verbieten. Dann leuchtet das ja wieder ein. Dieser Leberkäs-Tag, der ist dann auch für das gesamte Bundesgebiet bindend? für jüdische Einrichtungen auch? Ah, verstehe. Die CSU arbeitet an einer Neudefinition von nationaler Leitkultur. Wer keinen Leberkäs in der Kantine isst, darf fristlos gekündigt werden.

Jetzt reden wir doch mal Klartext, Meister: Ihr Herr Ministerpräsident ist dann wohl derjenige, der hier einmarschieren will? Und Sie haben das immer noch nicht gemerkt? Dann ist ja alles gut. So war das auch vorgesehen. Und ich meine jetzt nicht Bayerisch als Pflichtfach bis zum Abitur, sondern auch diese Einbürgerungsvorschriften. Erkennen von Brückenheiligen an der plastischen Darstellung, Aufzählen sämtlicher Herrscher des Kurfürstentums Bayern, Tabakschnupfen und Hersagen von mindestens drei Dutzend Flüchen gegen Bundesbürger mit Maximalpigmentierung. Sie scheinen ein reges Interesse an der weltoffenen bajuwarischen Lebensart zu haben, dass Sie Ihren Herrn Ministerpräsidenten hier so von der Leine lassen?

Vermutlich leidet Ihr Herr Ministerpräsident an mittelschweren Nostalgieschüben. Sollte er allerdings seine FDP als Funktionspartei vermissen, die SPD macht das nicht mehr so billig. Die tun wenigstens am Anfang noch so, als hätten sie ein Wahlprogramm zum Umsetzen, eine konsistente Parteilinie zu verteidigen und rudimentäre Ansätze von Gewissen. Die knackt man nicht mit der Aussicht auf Freibier, die wollen Brauereiaktien. Ich würde das an Ihrer Stelle nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie hatten die Verschmelzung der Parteien vor? eine Union aus Union und SPD? damit der Sozialismus nicht aus Versehen siegt? Und was viel wichtiger ist, bei welchem Preis behauptet Ihr Herr Ministerpräsident plötzlich das Gegenteil von dem, was er im Koalitionsvertrag gefordert hat?

Wie, das ist nicht ernst gemeint? Dann passen Sie mal gut auf. Die CSU ist eine eigenständige Kraft, richtig? Dann muss sich die CDU auch nicht vor ihr fürchten, sie kann sie ganz einfach rausschmeißen und stattdessen mit der SPD koalieren. Das langt. Und dann, Freunde, Bayer con dios. Kein Leberkäs-Tag, keine Zwangswiesn, kein Bayerisch-Staatsexamen für angehende Beamten. Und sagen Sie Ihrem Herrn Ministerpräsidenten, wenn er frech wird, dann führt die Regierung sofort die Autobahnmaut ein. In ganz Deutschland. Für die Bayern.“





Arbeitslos

25 09 2013

„… wir Herrn Rösler leider keine Zusage geben können. Wir ziehen seine Einsatzbereitschaft damit keinesfalls in Zweifel, glauben aber, dass wir auf einen Mitarbeiter wie ihn in unserem Betrieb lieber…“

„… Herrn Niebel einzustellen. Es gibt in unserem Hause keine Position eines Chefteppichfliegers, und sind wir deshalb leider…“

„… ungewöhnlich, das Wunschgehalt und die Arbeitsgestaltung von Herrn Westerwelle als ‚anstrengungslosen Wohlstand‘ skizziert zu bekommen, weshalb wir ihn sicher nicht für eine gehobene Position…“

„… davon Abstand nehmen wollen, Herrn Rösler mit einem Aufsichtsratsposten zu betrauen, da dieser doch ein Mindestmaß an Führungsqualitäten…“

„… sich um ein Missverständnis gehandelt haben wird. Herr Westerwelle bewirbt sich in unserem Hause nicht als Verkäufer für Phono-Zubehör, sondern als Lautsprecher, was wir für wenig sinnvoll…“

„… für seine weitere Karriere weiterhin viel Glück. Eine Festanstellung als Weinkönigin ist dennoch im Falle von Herrn Brüderle völlig…“

„… unsere Agentur zwar auf Kindermodels spezialisiert ist, doch ist uns Herr Linder noch zu unreif für eine Beschäftigung als…“

„… bereits in seinem Bewerbungsschreiben angekündigt hatte, unsere Unternehmensgruppe zu zerschlagen und abzuwickeln. Wir verzichten daher dankend, Herrn Niebel als Hilfsarbeiter zu…“

„… sich als Landkartenverkäufer zu bewerben und beim Vorstellungsgespräch nur ‚Dies hier ist Deutschland‘ zu wiederholen. Wir haben für Herrn Westerwelle keine Einsatzmöglichkeit, solange…“

„… uns die Gehaltsvorstellungen von Herrn Rösler nicht interessieren. Sollte er sich nicht gewillt zeigen, für 15% des ortsüblichen Tarifs zu arbeiten, sind wir gerne bereit ihm dies als strukturelle Verbesserung seiner Einkommensverhältnisse…“

„… es unserem Unternehmen gut geht. Wir haben keinen Bedarf für einen Konkursverwalter und werden Herrn Lindner deshalb auch nicht…“

„… wir eine Bewerbung von Herrn Westerwelle als Fahrlehrer nicht ernst nehmen können. Seine Aussage, er verstehe alles von Steuern und habe bereits praktische Erfahrung damit gesammelt, ist eine durch nichts belegbare…“

„… entspricht Herr Niebel bereits von den Äußerlichkeiten nicht den Anforderungen, die unser Publikum an ein Rotkäppchen…“

„… fürchten wir, dass Herr Rösler die Stellenbeschreibung nicht hinreichend genau gelesen haben könnte. Da wir Teilkenntnisse in der deutschen Politik und Gesellschaft voraussetzen, ist uns ein Bewerber, der zum großen Teil Unkenntnis besitzt, nicht für die Aufgabe…“

„… grundlegendes Missverständnis, dass Herr Niebel sich bei unserem Vorstellungsgespräch vorstellte, er wolle unseren Personalchef einstellen. Wir nehmen von dieser mangelnden Qualifikation deutlich…“

„… sich unser Haus erstklassigen Personals erfreut, so dass wir auf Herrn Brüderle als Vortänzer durchaus keinen gesteigerten…“

„… mit Befremden zur Kenntnis genommen. Herr Rösler ging irrig davon aus, dass er als Privatkundenberater ausschließlich mit Besserverdienenden …“

„… ist Herr Kubicki offenbar der Ansicht, er sei für den Posten des Alleinunterhalters geschaffen. Mit Bedauern teilen wir mit, dass er lediglich sich alleine unterhält, so dass wir von weiteren Arbeitsproben gerne…“

„… eine Stellung als Fahrstuhlführer für Herrn Westerwelle nicht in Betracht kommt, solange er nur abwärts…“

„… schwarz-weiße sowie Farbfilme. Dennoch ist es uns nicht möglich, die von Herrn Niebel angeführten Qualitäten als Entwicklungshelfer in einer höher qualifizierten Tätigkeit…“

„… wünschen wir Herrn Rösler weiterhin recht viel Erfolg auf seinem beruflichen Lebensweg, sofern er sich nicht mehr in die deutsche Wirtschaft einmischt oder…“

„… schon zweimal fast Chef von irgendwas geworden. Wir wünschen Herrn Lindner, dass er möglichst bald eine erfüllende Beschäftigung findet oder uns wenigstens mit seinen ständigen Bewerbungen in Ruhe…“

„… der Beruf des Simultandolmetschers wenigstens die fehlerfreie, verständliche Beherrschung zweier Sprachen voraussetzt. Wir sehen bei Herrn Brüderle bedauerlicherweise nicht einmal eine einzige hinreichend…“

„… dass soziale Kälte noch keine Schlüsselqualifikation darstellt. Wir möchten daher Herrn Rösler für unsere exklusiven Mövenpick-Produkte keinesfalls als Tester…“

„… wir es durchaus als Drohung auffassen, dass Herr Niebel seinen gesamten Freundeskreis in unser Unternehmen einschleusen…“

„… ebenso richtig, dass Herr Rösler sich bei seiner eigenen Partei Fertigkeiten erworben haben wird, doch sind wir nicht gewillt, ihn als hauptberuflichen Leichenredner…“

„… mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass Herr Niebel für eine radikale Reform der Bundesagentur für Arbeit eintritt. Wir sehen es allerdings als indiskutabel, ihn ohne operative Tätigkeit oder Anwesenheit mit einem Monatsgehalt von drei Millionen Euro zu…“

„… wir kein Interesse haben, Philipp allein zu Haus nach dem Drehbuch von…“

„… die Zweitstimmenkampagne der vergangenen Wahl nicht als Arbeitsprobe anerkennen können, weshalb uns die Beschäftigung von Herrn Brüderle als Leihopa eher nicht als…“

„… ist Herr Rösler bereits mit dem Namen unseres Drogerieunternehmens überfordert, weshalb wir ihm keine Anschlussverwendung…“

„… ist die Ausstellung mit der Geschichte des Liberalismus befasst, wovon Herr Westerwelle leider nicht die geringste Ahnung…“

„… für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen pharmazeutischen Unternehmen einstehen wollen. Grundsätzlich sind wir von Herrn Röslers Praxiserfahrung als Medikamententester überzeugt, wollen aber keine Mitarbeiter, die für Geld alles…“

„… ist in unserem Betrieb keine Planstelle für Zuhausebleiben bei vollem Lohnausgleich vorgesehen. Frau Koch-Mehrin kann sich gerne bei unseren Mitbewerbern…“

„… wollen wir Herrn Westerwelle lieber nicht als Darsteller in Draußen vor der Tür besetzen, da er auch für eine Zweitbesetzung nicht die notwendige Sensibilität…“

„… einen Umschulungsplatz als Erzieherin nicht anbieten können. Herr Rösler könnte von den erfahrenen Fachkräften leicht verwechselt werden mit einer…“





Sektlaune

23 09 2013

„Nee, ist aus. Kommt auch nicht wieder rein. Schorle könnten Sie kriegen. Deutsche Schorle. Das ist so irgendwas, die Reste vom Übriggebliebenen, und das dann noch mit – also Wasser mit den Resten drin. Mit etwas von dem Rest. Was übrig ist.

Es sieht ziemlich geräubert aus. Ach was, das liegt nicht an der letzten Legislaturperiode, das haben die in einer einzigen Nacht geschafft. Den Pinot hat ja Steinbrück gleich gestern verputzt. Und den Eierlikör. Und dann dieses Zeug, das so einen dicken Kopf macht, wie heißt das noch gleich? Egal, es hat jedenfalls nicht gereicht. Er kann sich immer noch an das Ergebnis erinnern. Dabei haben sie bei Gabriel schon vormittags mit der Druckbetankung angefangen. Aber die Wahl können Sie sich nicht schön trinken. Da müssen Sie schon gezielt Hirnareale wegsaufen. Oder die Nahles. Aber gegen die helfen nur klare Schnäpse.

Veganer Wodka? Ach so. Die Roth braucht ja gar nicht so viel, die hyperventiliert immer schon bei Werkseinstellung. Oder vielleicht hatten die Gurkentee. Irgendein grünes Zeugs war da drin. Also soll da drin gewesen sein, sagt der eine da von der Union. Sie wissen schon, dieser komische Besserwisser. Kennen Sie den? Ja, die haben mehrere Besserwisser, aber dieser eine eben. Der hat das erzählt. Und wenn der das sagt, muss es ja stimmen. Wenn der was über die Grünen erzählt.

Ich könnte Ihnen ein Bier machen, wenn Sie möchten. Da sind noch sechs bis acht Kästen auf dem Flur, die Flaschen müsste ich nur eben – warm, ja. Zimmerwarm. Eher körperwarm. Aber Bier. Die flüssige Zweitstimme, wenn Sie verstehen. Es kommt ja auf die Zusammensetzung an, nicht wahr. Da kann man in Zeiten der Ausschließeritis nicht unbedingt wählerisch sein.

À propos wählerisch, haben Sie gesehen, wie Gabriel hier gesessen und an seiner trockenen Frikadelle genagt hat? Die Linken hatten ja genug Magenbitter – den brauchen die, ohne eine halbe Flasche Magenbitter kriegt man als Linker diesen Gesichtsausdruck morgens gar nicht hin – aber Gabriel nimmt von denen grundsätzlich nichts an. Dabei hat er die Frikadellen nicht mal alleine geschafft. Aber so sind sie halt, die Sozen. Immer den Mund voll nehmen, und dann –

Lassen Sie bloß die FDP in Frieden. Nein, auch nicht im Guten. Lassen Sie’s! Die hatten gestern nur diesen alkoholfreien Prosecco, wissen Sie, diese Plempe, die sonst nur die Berufschristen zum Nachspülen nehmen. Den Rest hat Rösler sich in die Birne gebembelt, als er die Hochrechnung gesehen hat. Erst war er an der Hausapotheke, als Arzt hat er ja den Schlüssel, aber Westerwelle muss wohl letztens ein bisschen viel genascht haben. Und dann hat er die Vorräte in Brüderles Zimmer – lassen Sie es. Da ist heute keiner zu sprechen.

Rösler hatte nämlich schon seine Rede fertig. Epochaler Erdrutschsieg, Führungsanspruch der Leistungsträger im coolsten Land der Welt, alle Spätrömer sind dekadent, Rhabarber, und dann das. Hat man bis hier gehört, wie der krampfte. Ganz übel. Gehen Sie da nicht rein. Machen Sie es nicht noch schlimmer.

Der Lucke? Keine Ahnung. Der wird sich mit seinem Schäferhund im Souterrain verbarrikadiert haben und jammert. Richtig in den Keller traut sich dieser Waschlappen ja nicht.

Lassen Sie die Finger von dem Kartoffelsalat. Der steht heute gut da – das sagt die Kanzlerin ja von Deutschland auch, aber wissen Sie, was nach vier Jahren aus Kartoffelsalat wird? Wir haben noch diesen Sekt da, wenn Sie ein Glas möchten. Das ist der von der CDU, der ist zwar eigentlich aus dem Kanzleramt, aber jetzt wird er halt für den Wahlkampf ausgeschenkt. Kalte Füße mit Würfelzucker. Wird gleich so schal geliefert. Da brauchen Sie das CO2 nicht mehr rauszurühren, der ist vorbehandelt. Klimakanzlerinnenkompatibel, sozusagen. Ja, der schmeckt original scheiße. Sektlaune à la Merkel: Sie kriegen gar nicht mit, wie Sie sich den Alkohol in die Figur schütten, und wenn Sie irgendwann zu schwanken beginnen, ist es zu spät. Das war genau das Schicksal der FDP.

Wenn Sie den Seehofer gesehen hätten, da hätten Sie glatt gedacht, dem wären aus Versehen im Bund mehr als hundert Prozent gelungen. Wir haben den ganzen Abend gedacht, jetzt führt er gleich die Kanzlerin an der Leine rein. Aber der merkt nichts mehr. Wahrscheinlich haben die ihm einen Maßkrug in die Hand gedrückt und gesagt, das sei hier Oktoberfest und er könne jetzt mal ordentlich die Sau rauslassen.

Treten Sie da nicht rein. Das war – nein, aber so ähnlich. Manche unserer Abgeordneten hatten ja bis zum Schluss leichte Flüssigkeitsprobleme, weil keiner wusste, wer nun wirklich wieder reinkommt. Wobei wir auch nicht genau wissen, was da wieder rauskam. Der da unten? Warten Sie mal, der riecht wie – Brüderle? Nein, der schnarcht nicht, der analysiert in Ruhe das Ergebnis und stellt vermutlich morgen im Laufe des Vormittags fest, dass es den Wählern noch nicht gelungen ist, ihn zu mobilisieren.
Ja, Sie haben ja recht. Das kann man alles vergessen. Wissen Sie was, wir machen uns eben schnell noch einen Cocktail. Da kippen wir halt alles zusammen, was noch da ist. Sie kennen das. Resteverwertung. Oder wie wir hier sagen: Große Koalition. Prost!“





Im Zeichen des Kreuzes

22 09 2013

für Erich Kästner

Es geht uns allen besser. Aber gut
geht’s keinem, und das wird kein Zufall sein.
Dies Land ist vor sich selber auf der Hut.
Der Wind, den wir einst säten, und die Flut,
die wir entfesselten, bricht jetzt herein.

Was die Regierung so geräuschvoll preist,
ist meistenteils sie selbst. Des Menschen Würde
ist abgenutzt, was fehlerfrei beweist,
wie schön es ist, wenn man nur um sich kreist
als Nabelschauer frei von aller Bürde.

Dass die Bilanz nicht stimmt, sieht man bis heute,
die letzte nicht und nicht die erste Zahl.
Da thronen sie im Angesicht der Leute,
verteilen unter sich die ganze Beute.
Wir haben Wahlen. Aber keine Wahl.





Bilanz

19 09 2013

„Die beste Bundesregierung seit…“ „… die Medikamentenausgabe kostenlos wurde.“ „Ich weiß ja auch, dass das Kokolores ist, aber was soll man denn da schreiben?“ „Ich weiß es doch auch nicht!“ „Weshalb fragen Sie dann mich?“ „Keine Ahnung. Vielleicht irren Sie sich ja genauer.“

„Die beste Regierung seit der Energiewende?“ „Wieso: seit?“ „Ja, und wieso: Energiewende?“ „Ich dachte, wegen der Einheit.“ „Weil das ein nationales Projekt war?“ „Eher, weil die auch als unvollendet dargestellt wird.“ „Aber doch eher von außen.“ „Meinen Sie, jemand würde diese Regierung von innen als gelungen bezeichnen?“ „Stimmt, aber was ist mit der Sicht von außen?“ „Das ist die Sicht von Visionen.“ „Ich verstehe. Sie waren beim Arzt.“

„Die Regierung, die zwei Bundespräsidenten überlebt hat?“ „Das klingt etwas zu robust.“ „Stimmt, als Bombenleger überlebt man seine Opfer auch. Wie wäre es mit: die Bundesregierung, die zweimal versehentlich den Präsidenten…“ „Sie können doch den Vorsatz nicht ausschließen.“ „Dass Köhler absichtlich die Wahrheit gesagt hat?“ „Ist denkbar, und dass dieser Präsident gerade die Kanzlerin ins offene Messer laufen lässt, ist wenigstens denkbar.“ „Und Wulff?“ „Ein Betriebsunfall passiert der besten Regierung.“

„Die beste Regierung für den Datenschutz.“ „Das macht Sinn. Es ist ja bis heute nicht bekannt, was in den beiden Datensätzen von Pofalla eigentlich war.“ „Und ich dachte, sie hatten im letzten Augenblick noch das Meldegesetz etwas freundlicher für die Wirtschaft gestaltet.“ „Stimmt. Es war doch bestimmt eine ähnliche Erfolgsbilanz bei der Korruption.“ „Sie meinen: für die Korruption.“ „Bleiben Sie mal auf dem Teppich.“ „Gerne, der Staat liefert ja, wenn er kann.“ „Das ist die beste Regierung, die die Daten ihrer Regierungsmitglieder schützt.“ „Und in punkto Transparenz?“ „Dann ist das eben die beste Regierung, die die Daten ihrer Untertanen transparent macht.“

„Trotzdem, mir fehlt hier irgendwo der Überbau. Die Philosophie. Die große Linie, wenn Sie verstehen.“ „Also die Politik?“ „Ich kam nicht auf das Wort. Das fällt einem aber auch nie ein, wenn man gerade an Merkel denkt.“ „Naja, die große Linie ist eben, dass es keine große Linie gibt.“ „Keine große Linie bei der Energiewende?“ „Eher eine, die sich der öffentlichen Meinung anpasst.“ „Wenn es sich nicht mehr verhindern lässt, dann ist Merkel auch schon mal für ihre eigene Meinung.“ „Und sonst zeigt sie erhebliche Kreativität, sich gegen sich selbst zu verteidigen.“ „Sie reden hier gerade über den Atomausstieg?“ „Ich hatte eher die Wehrpflicht im Auge, aber meinetwegen.“ „Gut, ich hatte schon gedacht, wir diskutieren über den Mindestlohn.“ „Das sind die großen Erfolge dieser Regierung. Die sind ihr passiert, während sie so getan haben, als würden sie auf irgendwelchen anderen Sachen herumregieren.“

„Die beste Bundesregierung, seit es Personalprobleme gibt.“ „Stimmt auch nur so halb. Es waren ja nicht mal alle promoviert.“ „Oder als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt.“ „Dafür war die Bundesfamilienministerin…“ „Es gab eine Familienministerin?“ „Unbestätigte Gerüchte. Indizien wie die Herdprämie legen den Schluss nah.“ „Gut, und sonst?“ „Das Ministerium für Verbraucherschutz ist noch da.“ „Das liegt auch nur an der Ministerin.“ „Sie hat den Zehn-Punkte-Plan für die Auflösung des Ladens halt etwas nachlässig diktiert.“ „Oder es war Gammelfleisch im Spiel.“ „Auch möglich.“

„Wir hatten also eine Bundesregierung, die einer hervorragenden Wirtschaft zugesehen hat, während der Sozialabbau sich beschleunigt hat durch das ständig beschleunigte Wachstum.“ „Und eine Bundesregierung, die ständig gejammert hat, dass die Krise, die ja längst überwunden ist, nochmals harte Sparmaßnahmen fordern würde.“ „Und eine Innenpolitik, der man ständig das Grundgesetz ins Genick hauen musste.“ „Und eine Außenpolitik, die – ach, vergessen Sie’s einfach.“

„War das jetzt der Herbst der Entscheidungen?“ „Sagen Sie es mir.“ „Dann war diese Steuersenkung am Ende gar nicht geplant.“ „Sagen Sie es mir.“ „Oder ein Zeichen des mitfühlenden Liberalismus.“ „Bestimmt wie Qualzuchtverbot, Reglementierung von Tierversuchen, Betäubungsvorschriften für Schlachttiere, EU-konforme Kennzeichnungspflicht für Eier, Milch und Fleisch.“ „Erstmal musste diese unglaublich hohe Mehrwertsteuer fürs Hotelfrühstück gesenkt werden.“ „Was hat diese Bundesregierung überhaupt auf die Kette gebracht? Fällt Ihnen spontan irgendwas ein?“ „Außer mehr Waffenhandel und Privatisierung von Wasser und Energie?“ „Muss man den Armutsbericht komplett auseinandernehmen oder reicht es, wenn man ihn als Ganzes zitiert?“ „Die Entwicklungshilfe wurde nicht angewickelt?“ „Es gab keinen Tsunami?“ „Abgeordnetenbestechung ist immer noch legal?“ „Eine Kanzlerin, die auf Sicht an die Wand fährt?“ „Das Brandenburger Tor steht noch.“ „Wie?“ „Das Brandenburger Tor steht noch.“ „Echt?“ „Ernsthaft.“ „Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“ „Deshalb ist das auch die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.“





Walter

17 09 2013

Walter knarrte kurz und schüttelte sich. Offenbar ein gutes Zeichen, denn Inspektor Fleuther sah ihn aufmunternd an. „Er sammelt sich gerade.“ Ich blätterte in meinen Unterlagen. „Kleinen Moment, dann ist er für Sie da. Die Schaltkreise müssen integriert werden, damit er sich auf Ihre Fragen konzentrieren kann. Augenblick.“

Inspektor Fleuther tippte auf den Bildschirm; immerhin hatte man die Fernbedienung nicht mehr mit Hebeln und Drehknöpfen ausgestattet. „Er ist gleich fertig, wir haben ihn extra noch aufgeladen, weil in der letzten Woche viel auf ihn zukommt. Walter wird Schwerarbeit leisten, und er wird es sehr gut machen.“ Der kleine Würfel auf dem Tisch surrte einmal, zweimal. Dann war Walter fertig. „Ich freue mich“, tönte seine blecherne Stimme aus der Rückseite. „Ich werde Sie politisch analysieren und Ihnen eine Stimme geben.“ „Als wenn ich die nicht jetzt schon hätte“, knurrte ich. Doch er hörte nicht. Natürlich nicht. Man musste ihn erst auf Empfang umschalten, ansonsten konnte man so viel mit ihm reden, wie man wollte. Ein politischer Profi durch und durch.

„Er ermittelt Ihre politischen Präferenzen“, informierte Fleuther mich. „Walter filtert aus Ihren Antworten das heraus, was Ihre Grundeinstellung ausmacht.“ „Und wenn ich mir schon sicher bin?“ Der Ingenieur lächelte milde. „Gestatten Sie es mir, ich habe das noch nicht erlebt. Schon eine einzige Talkshow, und schon mussten als vollkommen zuverlässig eingestufte…“ Ich unterbrach ihn. „Ihr Roboter ist also auch nichts anderes als ein billiges Propagandainstrument?“ Walter knarrte. Noch war er ja nicht scharf geschaltet.

Über mehrere Listen stellte Inspektor Fleuther den Wahlermittler ein. „Ist es wirklich wichtig, dass er weiß, wie alt ich bin?“ „Eine 30-jährige Apothekerin aus einem hessischen Dorf wählt möglicherweise ganz anders als ein 19-jähriger Multimilliardär ohne Schulabschluss aus Berlin-Neukölln“, gab er zu bedenken. „Auch die Parteien haben ja ein Interesse, ihre Botschaften möglichst zielgerichtet zu ihren Wählern zu bringen.“ Meine Skepsis blieb. „Und wer sagt mir, dass mich dieser Automat nicht mit genau denselben Worthülsen vollschüttet, wie ich sie ohnehin von den Wahlplakaten kenne?“ Fleuther lächelte unschuldig. „Er wird sie sicher ganz anders verwenden, da bin ich mir sicher.“ Aber er lächelte schief.

„Ihre Ansichten zur Demokratie.“ Walter blinkte grün auf der rechten Seite. „Ich bin Demokrat“, gab ich zurück. Er schnarrte. „Sie sollten sich auf keine Experimente einlassen“, tönte es blechern aus dem Wahlwürfel, „jede Stimme ist bei einer Wahl wichtig.“ Fleuther guckte in die Gegend. Ich runzelte die Stirn. „Ich bin mir fast sicher, Sie lassen das Ding mit dem Programm laufen, das sonst die Tageshoroskope ausspuckt.“ „Wir müssen alle für Deutschland stimmen“, blökte Walter, „es ist schon viel erreicht, aber wir müssen das Erreichte auch sichern.“ „Vermutlich sind noch nicht alle Schaltkreise integriert“, grummelte Fleuther. „Gleich müsste er aber funktionieren.“

Der Bildschirm blieb nach wie vor dunkel. Unvermittelt wandte sich Walter direkt an mich. „Wir haben es selbst gemacht.“ „Erzählen Sie mir mehr“, forderte ich ihn auf. „Sie sind doch ein intelligentes Kästchen.“ Er schnarrte geschmeichelt. „Wir haben analysiert.“ Seine grüne Lampe blinkte wieder. „Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel“, ermunterte ich ihn. „Sie haben das doch selbstständig getan, oder?“ Walter schnurrte geradezu. „Wir – ich habe die Parteiprogramme und das politische Handeln abgeglichen.“ „Sehr gut“, lobte ich. „Sie denken nicht nur mit, Sie sind den politischen Parteien immer einen Schritt voraus.“ Jetzt blinkte er sogar zweifarbig. „Das ist Teil unseres Konzepts. Wir wollen – wir – ich will damit herausfinden, wie Enttäuschungen wegen nicht gehaltener Wahlversprechen sich auswirken und wie die Politikerverdrossenheit entsteht.“ Er zwinkerte. „So kann ich beispielsweise verhindern, dass Sie versehentlich der FDP Ihre Zweitstimme geben.“

„Sie müssen jetzt ein paar grundlegende Fragen beantworten“, informierte mich Fleuther. Ob ich schon einmal eine extremistische Partei gewählt hätte. Ob ich, und wenn ja, warum ich ein großes Automobil besäße, und wenn nicht, ob ich vorbestraft sei. „Das sind natürlich nur ganz generelle Formulierungen“, beruhigte er mich. „Wenn er wissen will, an wie vielen Tagen ich im letzten Quartal Fleisch verzehrt habe, möchte er sicher nur ganz generell ausrechnen, ob ich Vegetarier bin, richtig?“ Inspektor Fleuther nickte. „Das ist ja auch gar nicht so wichtig. Es kommt doch sowieso nur auf die Folgen an.“

Walter schnarrte vor sich hin. „Es ist schwierig, sehr schwierig.“ Das Blinken hatte unterdessen gar nicht aufgehört, und er schien am ganzen Kästchen zu vibrieren. „Wie stehen Sie zu sozialer Gerechtigkeit“, ächzte er. Ich musste nicht lange überlegen. „Ich bin sehr dafür.“ Schlagartig verloschen Walters Lampen. Inspektor Fleuther fingerte hektisch auf dem Bildschirm herum. „Sag doch etwas“, flehte er, „Walter! Sag doch etwas!“ Die Kiste knarzte kurz und räusperte sich. „Bedaure“, tönte er. „Da werden Sie wohl selbst in die Politik gehen müssen.“