Inklusionshilfe

25 11 2020

„So richtig logisch ist das mit Weihnachten jetzt aber auch nicht.“ „Ich bitte Sie, irgendeine Art von Kontaktbeschränkung mussten wir auferlegen.“ „Die Frage ist doch, wem.“ „Das kann man nur für die Allgemeinheit machen, in der Pandemie sind wir alle gleich.“ „Und warum dann nicht auch zu Weihnachten?“ „Sagen Sie’s mir.“

„Um es noch mal zu verstehen: wir haben diese Verhaltensregeln gerade noch einmal verlängert, um die weiterhin exponentiell ansteigenden Infektionen einzudämmen, und in den Weihnachtstagen reißen wir dann alle Erfolge wieder ein.“ „Denken Sie doch mal an die Kinder.“ „Mache ich ja, es ändert nur nichts am Ergebnis.“ „Deshalb hat man Kinder unter vierzehn ja auch gar nicht in den Regelungen berücksichtigt.“ „Weil die sich nicht infizieren?“ „Doch schon, aber nur in der Schule.“ „Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wurde bisher immer erklärt, die Kinder würden sich nur zu Hause und nicht in der Schule anstecken.“ „Das ist ja auch richtig, aber das gilt nicht während der Schulferien. Die Gefahr ist während der Weihnachtstage genau andersherum.“ „Muss man das verstehen?“ „Die Deutschen haben jedenfalls ein Recht auf ein fröhliches Weihnachtsfest, das werden Sie doch nicht auch noch in Frage stellen?“

„Warum hatten wir dann keine Sonderregelung für den Ramadan?“ „Nun, dies ist ein Land mit jüdisch-christlicher Leitkultur, da können Sie nicht jede beliebige Religion zum Maßstab machen, wie Sie lustig sind.“ „Mit anderen Worten: der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ „Das hat doch mit der Pandemie jetzt nichts zu tun.“ „Dann hätte man den Ramadan im vergangenen Frühjahr auch durch eine Ausnahmegenehmigung erleichtern können.“ „Weihnachten ist nun einmal das wichtigste Fest in Deutschland.“ „Ungefähr die Hälfte der Deutschen sind keine Christen.“ „Ungefähr die Hälfte der Deutschen sind aber welche.“ „Und wie viele davon auf dem Papier?“ „Das ist eine theoretische Frage, und Sie unterschlagen Tausende von orthodoxen Christen, die…“ „… erst im Januar Weihnachten feiern.“ „Trotzdem gehören die irgendwie zu uns.“

„Dann wüsste ich auch gerne, warum man Chanukka…“ „Hören Sie doch mal zu, es heißt: jüdisch-christliche Leitkultur, Sie Ignorant.“ „… in Deutschland nicht feiern darf.“ „Darf man nicht? gut, sind eh nu ein paar Tausend.“ „Darf man schon, aber eben nicht mit der ganzen Familie.“ „Sie sind ja hervorragend informiert über diese Religion, aber Sie wissen nicht einmal, dass Juden hierzulande sehr zurückgezogen leben.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Die meisten würden nicht mal ihren Nachbarn oder jemandem auf der Straße erzählen, dass sie Juden sind.“ „Vermutlich würde sonst jeder mit ihnen Chanukka feiern wollen.“ „Nehme ich mal sehr stark an.“ „Weil das so ein beliebtes Fest für die Familie ist.“ „Sagt man, ja.“ „Und für Kinder.“ „Ich möchte das nicht generell ausschließen.“ „Warum kann man dann nicht auch für so ein Fest eine Ausnahmegenehmigung schaffen?“ „Das wäre ziemlich kompliziert, und in der Pandemie könnte man keinem erklären, warum man Tausende, die sich wegen eines Festtages nicht an die allgemeinen Vorschriften halten, weil sie in Ruhe mit der ganzen Familie feiern wollen, ausnehmen wollte.“ „Aha, ich verstehe.“ „Das kann man wirklich keinem erklären! Religion ist doch kein Freibrief für so ein hirnrissiges Verhalten!“ „Oh ja.“ „Vor allem nicht eine, die gar nicht die Bevölkerungsmehrheit in, sagen wir mal, ideologischer Hinsicht vertritt.“ „Was Sie nicht sagen.“ „Das wäre ja politisches Judentum! Sind wir hier etwa im Westjordanland!?“

„Könnte man nicht die religiösen Vorstellungen der Bevölkerung ein bisschen besser vereinen?“ „Sie meinen als Inklusionshilfe für Personen aus fremden Kulturen?“ „Wenn Sie das so nennen wollen?“ „Okay, man könnte die Juden auffordern, dass sie ihr Zeugs da auch zu Weihnachten feiern.“ „Meinen Sie das ernst?“ „Das wäre aus Gründen des Infektionsschutzes großes Entgegenkommen von Seiten der richtigen Deutschen.“ „Meinen Sie, das deutsch-jüdische Verhältnis würde sich von einem derart emotionalen Gnadenakt erholen?“ „Die müssten einfach mal über ihren Schatten springen.“ „Ach, das klingt ja machbar.“ „Sehen Sie? Man kann auch aus einer Krise eine Chance machen.“ „Und die Infektionen?“ „Da müssten wir allerdings einen Weg finden, dass sich nicht auch noch die Deutschen an denen anstecken.“ „Zum Beispiel durch Verbot synagogaler Feiern?“ „Das klingt schon mal vielversprechend, aber wir müssen schauen, ob das ausreicht.“ „Und ansonsten könnte man die Feiertagsregelungen einfach übernehmen?“ „Naja, ich habe von diesen Festen keine Ahnung, man muss einfach mal sehen, ob sie eine wirkliche Gefahr für die Mehrheitsbevölkerung darstellen.“ „Die meisten dürften einfach nur im Kreise ihrer Familien zusammensitzen.“ „Das ist jetzt nicht unbedingt eine Bedrohung für das Gemeinwesen.“ „Ab und zu scheint es zum erhöhten Verbrauch von Zuckerzeug zu kommen.“ „Also quasi wie bei uns zu Weihnachten?“ „So ähnlich.“ „Einmal im Jahr ist das normal, man möchte sich ja auch mal von den Richtlinien einer streng monotheistischen Religion erholen, nicht wahr?“ „Das sehe ich auch so.“ „Und danach können wir dann den Lockdown aber mit voller Härte wieder durchziehen, weil wir von den Minderheiten hier im Stich gelassen werden.“ „Von denen rede ich ja gerade.“ „Was!?“ „Und danach ist sowieso wieder Ramadan.“ „Typisch, wir schränken uns ein, und die profitieren dann davon!“ „Das ist ja auch erst im April.“ „Sie haben ja keine Ahnung!“ „Kann es sein, dass es hier ausnahmsweise mal gar nicht um die Wirtschaft geht?“ „Warum wohl sind die Gaststätten zu und die Schulen offen?“





Alarmstufe Rot

19 11 2020

„Das kann sich doch die Bevölkerung gar nicht vorstellen!“ „Deshalb müssen wir ja auch so schnell wie möglich eine gemeinsame Lösung finden.“ „Wir haben schon so viel Geld in die Autobranche und in die Lufthansa gepumpt, da ist das einfach nicht mehr drin.“ „Kollegen, die Frage ist doch: wie systemrelevant ist der deutsche Weihnachtsmann?“

„Vom wirtschaftlichen Standpunkt müssen wir schon anerkennen, dass es sich nur um saisonale Jobs handelt.“ „Warum haben wir dann im Sommer wegen der Erntehelfer so einen Aufstand gemacht?“ „Und wegen der Fleischzerleger?“ „Das ist alles Ostmaterial, das lässt sich viel schneller ersetzen als deutsche Studierende.“ „Dann sollen die halt Taxi fahren, damit wird man sogar Außenminister.“ „Es geht doch nicht um die Studentenjobs!“ „Das sind aber unsere Steuergelder!“ „Ohne Weihnachtsmann ist hier kein ordentliches Weihnachtsgeschäft mehr möglich!“ „Eben, das ist Leitkultur!“ „Seit wann?“ „Seit Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, oder?“ „Dann hätte das sogar noch eine politische Komponente im transatlantischen Kontext.“ „Das müsste die CDU-Vorsitzende festlegen.“ „Aha.“ „Das deutsche Weihnachtsfest wird also auch schon im Ausland verteidigt?“ „Hat das was mit Frieden zu tun?“ „Weihnachten? nicht, dass ich wüsste.“

„Kollegen, das Problem ist doch: die Jobcenter haben jede Menge Anfragen, es gibt viele private Agenturen und Vermittler, und die Kunden haben schon geordert.“ „Dann geht das eben nicht.“ „Sie werden doch auch einsehen, wenn in Ihrem Betrieb keine Weihnachtsfeier stattfindet.“ „Ich würde mein vierzehntes Monatsgehalt zurückzahlen, wenn ich diese versoffenen Arschnasen aus dem Vorstand einmal nicht ertragen müsste.“ „Aber machen Sie das doch mal den Kindern klar.“ „Wieso Kinder?“ „Glauben Sie denn noch an den Weihnachtsmann?“ „Ach so.“ „Mietweihnachtsmänner sind in erster Linie für Kinder da und…“ „Aber bezahlen tun die Eltern.“ „Und für wen?“ „Das könnte empfindliche Dellen im Weihnachtsgeschäft hinterlassen.“ „Mein Gott, und das sagen Sie erst jetzt!?“

„Infektionsschutzmäßig geht das natürlich gar nicht.“ „Ist ein Umhängebart nicht irgendwie auch eine Maske?“ „Trotzdem wäre eine Maskenpflicht für Weihnachtsmänner schon ganz gut.“ „Und wenn sie Corona-Leugner besuchen müssen?“ „Das ließe sich in den AGB regeln.“ „Kollegen, die rechtliche Bewertung ist doch: darf man den Weihnachtsmann an mehr als einem Einsatzort…“ „Da es sich um eine berufliche Tätigkeit handelt, sollte das mit dem Infektionsschutzgesetz vereinbar sein.“ „Aber die besuchen mehrere Familien am Heiligen Abend.“ „Das könnte man vielleicht tolerieren, da während der Festtage der Infektionsschutz heruntergefahren und im privaten Rahmen sowieso nicht kontrolliert wird.“ „Dann haben wir also einen alten weißen Mann, der als Superspreader beweist, dass Kinder eine Hauptrolle im Infektionsgeschehen spielen.“ „Sechs Monate Gehirnwäsche für die Tonne.“ „Gut, dann können wir auch die Pläne vergessen, alle Weihnachtsfeiern am letzten Schultag zu machen.“ „Müsste man nur wissen, wo dann der Unterricht stattfindet.“ „Das war jetzt wirklich witzig.“ „Das hat Laschet gesagt.“ „Okay, dann eben nicht.“

„Sonst irgendwelche Vorschläge?“ „Merz hat empfohlen, Weihnachtsmänner zu Intensivbetten umzubauen.“ „Super.“ „Das klingt im Vergleich zu sonstigen Äußerungen ungewohnt intellektuell.“ „Ich würde dem nicht widersprechen.“ „Kollegen, die Frage ist doch: was haben wir jetzt zu erwarten?“ „Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die Weihnachtsmänner in Berlin demonstrieren.“ „Wofür?“ „Für Arbeit schon mal nicht, sind ja nur Studenten.“ „Hähähä.“ „Aber auch zukünftige Arbeitnehmer.“ „Dann sind das auch nur ehemalige Medizinstudenten wie Drosten, die einem die Statistik versauen.“ „Jetzt machen Sie sich mal die Dimension klar: zehntausend Weihnachtsmänner in vollem Ornat stehen vor dem Reichstag!“ „Da gehen wir mit Tränengas und Gummigeschossen drüber, dann ist das Geschichte.“ „Das wird doch mit den deutschen…“ „Haben Sie die schon mal in der Totale gesehen?“ „Verdammt!“ „Aber das darf doch die Polizeiführung nicht beeindrucken?“ „Sie sind nicht zufällig ein kleines bisschen naiv?“ „Dass die bei diesen Mänteln scharf schießen, das ist doch nicht zu…“ „Das gibt Alarmstufe Rot.“ „Hauptsache, die stürmen nicht den Reichstag.“ „Das Problem ist, als Vertreter der christlichen…“ „Sie meinen, die randalieren in der CDU-Fraktion?“ „Könnte man den Schießbefehl nicht als…“ „Das regelt die Polizei beim Deutschen Bundestag.“ „Die wird aber vom Bundestagspräsidenten…“ „Haben Sie gerade einen Briefumschlag?“ „Jedenfalls kann man den Weihnachtsmännern nicht verbieten, ihre Forderungen als…“ „Sind das Soloselbstständige?“ „Größtenteils ja.“ „Dufte!“ „Super!“ „Kollegen, die Sache ist doch: wie verhindern wir wieder einmal, dass die freigegebenen Summen abgerufen und irgendwie fristgerecht ausgezahlt werden, bevor wir den Bedarf an promovierten Industriehelfern auch nur halbwegs gedeckt bekommen?“

„Wir könnten die Weihnachtsmänner für je einen Knuffelkontakt…“ „Sonst haben Sie keine Schmerzen?“ „Danach können sie ihre Kostüme ja vermieten.“ „Super!“ „Und alle Familien machen Bescherung weihnachtsmanntauglich zu Hause!“ „Klasse Idee!“ „Und wer zahlt das?“ „Gabe es da nicht diese Homeoffice-Steuer?“ „Kollegen, das ist der absolute Hit! Machen Sie mir eine Verbindung, wir haben das Weihnachtsfest infektionsmäßig voll gerockt!“





Brandbeschleuniger

3 11 2020

„… habe keiner vorhersehen können, dass es zu Ausschreitungen kommen würde. Der Anschlag auf das Robert-Koch-Institut sei auch für das LKA sehr überraschend und…“

„… dass es bisher nur in Berlin zu Anschlägen gekommen sei. Selbstverständlich müsse aber auch die Bundesregierung die Täter und ihre Motivation ernstnehmen und sich gegebenenfalls durch eine Anpassung der Maßnahmen zum…“

„… warne die FDP vor überhasteten Urteilen über die Terroristen. Die meisten der Verdächtigen seien gar keine Nationalsozialisten, sondern nur geistig zurückgebliebene asoziale Parasiten, die gemeinsame Sache mit ihnen machten und sich auch in der eigenen Wählerschaft eine…“

„… habe Merz vorgeschlagen, einen Runden Tisch mit Corona-Leugnern, Wirtschaftsverbänden und militanten Neonazis einzurichten, bei dem die größten Gefahren für die deutsche Leitkultur im…“

„… aber die Politik nicht ausreichend darauf hingewiesen habe, dass das RKI nicht an einem Impfstoff arbeite, der im Auftrag von Bill Gates und der jüdisch unterwanderten Virologen in einem als Krankenhaus getarnten Konzentrationslager hundert Meter unter dem Bundeskanzleramt bei…“

„… seien Corona-Leugner noch nie zuvor als Tätergruppe in Erscheinung getreten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz verfüge nicht über Daten aus langjähriger Beobachtung und könne daher die Beteiligung von Klimaschützern und Linksextremisten nicht vollständig…“

„… dass das CDU-Establishment offenbar den Rassismus gegen Deutsche salonfähig machen wolle. Merz könne sich die Absage seines Plans mit Hinweis auf einen möglichen Parteiausschluss gar nicht anders…“

„… die Anti-Terror-Gesetzgebung hier nicht zur Anwendung kommen dürfe. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Täter ihre Attentate unter Bezugnahme auf Verschwörungsnarrative geplant und durchgeführt hätten, handele es sich für Seehofer um bedauerliche Einzelfälle, die nur mit dem Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten des Bundeslandes Berlin und den…“

„… dass es sich offensichtlich um gewaltbereite Rechtsextremisten gehandelt habe. Eine Aktion der Sicherheitsbehörden unter falscher Flagge könne damit ausgeschlossen werden, da es weder in der Polizei noch beim Verfassungsschutz diese…“

„… ein Bekennerschreiben aufgetaucht sei, in dem das Robert-Koch-Institut beschuldigt werde, die täglichen Infektionszahlen nur zu erfinden. Sobald diese von der muslimischen Marionette Fatima al-Qasner inszenierte Zerstörung des christlichen Abendlandes ende, werde es auch keine Pandemie mehr im…“

„… sehe Merz nur in vorgezogenen Neuwahlen ein Mittel, um den drohenden Staatsstreich in der Bundesrepublik ein für allemal zu…“

„… habe der Verfassungsschutz derzeit keine Erkenntnisse, dass die Johns Hopkins University oder die WHO von Brandanschlägen durch deutsche Staatsbürger bedroht würden. Es sei daher auch nicht mit …“

„… dass Juden eine erhebliche Mitschuld an der Ausbreitung des Virus trügen. Stahlknecht halte den Polizeischutz für viele Synagogen für vollkommen überflüssig und sehe daher die reale Gefahr, dass durch die Anspruchshaltung dieser volksfremden Brandbeschleuniger der Schutz für Hunderte von Gesundheitsämtern nicht in ausreichender…“

„… sei in dem Selbstbezichtigungsschreiben die Auslieferung der Kanzlerin zur standrechtlichen Erschießung, das Tötungsverbot für kleine Kinder zur Abnahme von Blut für die Produktion von Adrenochrom, Todesstrafe für alle Reptiloiden und die Umstellung der Ernährung im Deutschen Reich auf vegane…“

„… die Tätersuche in den sozialen Medien nicht rechtssicher sei. Solange die Betreiber von Twitter-, Facebook- und Telegram-Kanälen nicht eindeutig durch eigene Aussagen feststünden, könne auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln keine…“

„… fühle sich Sarrazin angesichts der aktuellen Meldungen bestätigt. Es sei ersichtlich, dass der durchschnittliche IQ in der Bevölkerung rapide sinke, weshalb nur durch eine Begrenzung der…“

„… nicht mehr wisse, was er gesagt habe, die Äußerung aber bedauere. Der sachsen-anhaltische Innenminister mache die linksextreme, israeltreue Systempresse verantwortlich für eine gezielt falsche Darstellung seiner wörtlichen…“

„… es sich beim zweiten Anschlag um einen selbstgebastelten Sprengsatz gehandelt habe. Dies lasse darauf schließen, dass die Bundeswehr keine technische Unterstützung bei der…“

„… werde Merz keine Wahl akzeptieren, bei der andere Parteien antreten würden. Der bewaffnete Aufstand gegen die 99% Extremisten, die eine neue stalinistische Diktatur auf dem Boden des…“

„… dass Shisha-Bars als Infektionscluster nicht mehr in Frage kämen. Seehofer werde die Clan-Kriminalität deshalb durch vermehrte Razzien in zufällig ausgewählten Privatwohnungen in der…“

„… schlage das BKA vor, keine weiteren Tests mehr durchzuführen, damit die Infektionszahlen für die Öffentlichkeit wieder in den Griff zu bekommen seien. Im weiteren Verlauf könne man dies auch als offizielle Begründung für Lockerungen bei den…“





Maskenball

2 11 2020

„Müsste man nicht genau jetzt die Schulen wieder schließen?“ „Dann können die Eltern aber nicht zur Arbeit, und die Wirtschaft bricht ein.“ „Ah, jetzt verstehe ich!“ „Gut, dann haben wir’s ja.“ „Danke, schönen Tag noch!“ „Ebenso!“

„Ach, warten Sie mal – mir waren da noch ein paar unlogische Sachen aufgefallen.“ „Unlogisch? da überschätzen Sie die Kreativität der Politiker.“ „Ich meine zum Beispiel die Restaurants.“ „Was ist mit denen?“ „Die sind jetzt geschlossen.“ „Das war beim letzten Mal auch schon so.“ „Allerdings, und das müssen Sie mir mal erklären.“ „In den Lokalen treffen sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Haushalten, hier besteht erhöhte Infektionsgefahr, also sind die zu.“ „Diese erhöhte Infektionsgefahr, die besteht doch auch in Hotels.“ „Ja, aber nicht bei Dienstreisen.“ „Wenn also der Vorstand mit seiner Sekretärin…“ „… dann halten die sich meist nur in einem Zimmer auf.“ „Und Familien?“ „Da muss man zumindest Außenkontakte wie Schule oder einen Arbeitsplatz unterstellen, deshalb sind Hotels für private Übernachtungen zu gefährlich.“ „für Dienstreisen nicht?“ „In Zuge der Vereinfachung haben Bund und Länder diese Regelung auch an die allgemeine Entwicklung angepasst.“ „Was heißt das jetzt konkret?“ „Dass die Restaurants auch zu sind.“

„Also Sie erzählen mir jetzt gerade, dass die Restaurants zu sind, weil sie geschlossen werden mussten…“ „Hören Sie, diese Regierung setzt auch eine Drogenbeauftragte ein, die öffentlich erklärt, Cannabis sei nicht erlaubt, weil es verboten ist.“ „Das ist nett, wie Sie meine Erwartungen immer wieder untertunneln.“ „Nur für Sie.“ „Danke, aber ich kapiere es immer noch nicht.“ „Damit wir die Wirtschaft schützen können.“ „Die Wirtschaft? sind Restaurants, Bars und Hotels keine Wirtschaft?“ „Sie haben das Wort ‚Wirtschaft‘ etwas zu wörtlich verstanden, wie?“ „Ist denn die Gastronomie kein Wirtschaftszweig? Gibt’s da keine Arbeitsplätze?“ „Wenn die Leute sich im Restaurant infizieren, können sie nicht mehr zur Arbeit, und das wollen wir doch nicht, oder?“ „Dann erklären Sie mir doch mal, warum im Gegensatz zu den Restaurants die Kantinen offen sind.“ „Weil die Leute irgendwas essen müssen.“ „Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“ „Sie sehen, unsere Politik steht für marktkonforme Demokratur mit menschlichem Antlitz.“

„Was ist denn bitte der Unterschied zwischen einem Restaurant und einer Kantine?“ „Wenn Sie den nicht kennen, dann möchte ich nicht wissen, in welche Restaurants Sie gehen.“ „Infektionsmäßig.“ „In der Kantine bekommen Sie die Speisen nicht an den Tisch serviert und haben so gut wie keinen Kontakt zum Personal.“ „Dafür sitzt man da aber meistens bunt durcheinander an langen Tischen, und jeder kommt aus einem anderen Haushalt.“ „Aber alle arbeiten in derselben Firma.“ „Das ist doch nicht zu vergleichen!“ „Schauen Sie, es gibt ja auch Berufe, die nehmen ein weitaus höheres Risiko auf sich. In meiner Anwaltskanzlei zum Beispiel gehen wir in der Mittagspause gerne mal zum Italiener.“ „Das geht jetzt natürlich nicht mehr.“ „Korrekt. Wir opfern uns für die arbeitende Bevölkerung, und ich würde gerne Anerkennung von Ihrer Seite bekommen.“ „Soll ich klatschen?“

„Sie sehen, es ist nicht zu machen.“ „Warum kann man in Restaurants nicht einfach lüften?“ „Lüften? Soll ich da etwa im Mantel sitzen und meine Kalbsschnitzel in mich reinstopfen?“ „Es wird ja wohl möglich sein, irgendwo Luftfilter zu installieren.“ „Viel zu teuer.“ „Das ist doch Sache der Gastronomen, das zu entscheiden.“ „Ach so, Sie sprechen immer noch von den Restaurants.“ „Aber selbstverständlich. Fenster auf, Schal um, alles wird gut.“ „Das vergessen Sie mal ganz schnell wieder, das geht nämlich physikalisch gar nicht.“ „Ach.“ „Das sollte man mit etwas Mittelstufenwissen aber verstehen, dass Luftmassen sich nicht austauschen, wenn es draußen zu kalt ist.“ „Und Sie sind sich sicher, dass diese Bundesregierung nicht dafür den Klimawandel beschleunigt?“ „Also bitte!“

„Das klingt alles total logisch, deshalb dürfen auch nicht ein paar Dutzend Personen aus mehreren Haushalten in einem Bus sitzen.“ „Wer hat Ihnen denn das erzählt?“ „Wäre doch logisch.“ „Da gilt selbstverständlich die Maskenpflicht.“ „Sie haben schon länger nicht mehr in einem Bus gesessen?“ „Was hat mich verraten?“ „Ach, nichts. Es ist nur nicht unbedingt so, dass die Leute das ernstnehmen würden.“ „Das würde auch unseren Bürgerrechten widersprechen, wenn man diese Freiheiten für alle einschränkt. Und die Bundesregierung kann da ebenso wenig machen wie die Länder.“ „Dass es in jedem deutschen Transportunternehmen so etwas wie Beförderungsbedingungen gibt, hatte sich auch noch nicht herumgesprochen?“ „Jetzt verlassen Sie aber langsam den demokratischen Sektor!“ „Wenn wir den Gebrauch von Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln besser kontrollieren würden, dann hätte davon übrigens auch die Wirtschaft etwas.“ „Das ist doch eine Milchmädchenrechnung!“ „Und wenn man beispielsweise besseren Verkehr für die Schüler organisieren würde, dann hätten wir auch nicht das Theater mit den Infektionsherden in den Bildungseinrichtungen.“ „Jetzt lassen Sie endlich die Finger vom deutschen Verkehr, das ist doch alles viel zu teuer!“ „Weil das der Steuerzahler trägt? Der muss doch jetzt schon für den Murks aufkommen, den der Verkehrsminister fabriziert.“ „Davon verstehen Sie nichts, das ist alles systemrelevant.“ „Für den Verkehrsminister und seine Freunde vielleicht.“ „Meine Güte, ich kann es ja auch nicht ändern, es ist nun mal eine komplexe Situation, die so gar nicht vorgesehen war.“

„Naja, vielleicht kommen wir ja mit etwas mehr Gottvertrauen durch die Sache, wobei: gibt es denn noch Gottesdienste?“ „Die Bürger brauchen einen gewissen geistlichen Beistand, aber mehr als die Börsenkurse können wir momentan nicht bieten.“ „Wundern Sie sich nicht, wenn das zu gewalttätigen Protesten führt.“ „Hauptsache, die Leute tragen dabei eine Maske.“





Beherbergungsverbot

20 10 2020

Vier Minuten nach zehn klingelte es. Er war spät, aber ich wollte mich nicht gleich am ersten Tag ärgern. Ich schloss die Wohnungstür und stieg die Treppe hinab, wo er mich empfing. „Kurzbein“, sagte er junge Mann mit einer kleinen Verbeugung und reichte mir sofort die Hand. „Ick wer nu Ihr Fremdenführa, wa!“

Natürlich hatte ich nicht seine Hand geschüttelt, dies war ja schließlich eine Maßnahme gegen die Ausbreitung der Pandemie. „Denn kommense ma“, lud er mich ein. Der Tag war etwas neblig, aber für die Jahreszeit angenehm hell. „Ick schlahre vor, wir jehn nu ersma nachn Hafen.“ Und so folgte ich ihm, wie er gemächlich die Straße hinab vor mir herging, den interessierten Blick links und rechts, ob es nicht etwas zu entdecken gab. Auf der anderen Seite hob Doktor Klengel grüßend seinen Spazierstock in die Luft und nickte herüber. „Det is die Kirche äääh… Sankt Borumil.“ „Bonifatius“, korrigierte ich, und ich musste es wissen. „Det neujotische Jebäude war im fuffzehnten Jahrhundat von Paul Göthe…“ „Der Mann hieß Jöhte“, warf ich ein, „bis auf das Jahrhundert ist der Rest richtig.“ „Jut“, murmelte Herr Kurzbein. „Det wer’ck ma merken.“ Ich runzelte leicht die Stirn. „Sie kommen wohl nicht von hier?“ Er lächelte erfreut. „Hört man det?“

Ab hier verlief der Weg ein bisschen holprig. An der Hauptpost konnte ich meinen Führer gerade eben noch davon abhalten, links in die Kaiserstraße abzubiegen. „Zum Hafen müssen wir natürlich hier lang“, bestimmte ich. „Jut“, antwortete Kurzbein. „Det wissense ehm bessa, wa!“ Es fing allerdings doch an zu nieseln, und so aufregend war der Hafen auch nicht, zumindest nicht, wenn man nur einen Steinwurf entfernt wohnt. Also beschloss ich, den Tag in meinem Feriendomizil zu verbringen. „Hier ist die Garderobe“, erklärte ich dem Guide, „wenn Sie sich frisch machen wollen, es hängt ein gelbes Handtuch für Gäste an der Tür.“ „Nee“, antwortete Kurzbein. „Ick bin ja keena.“

Auf dem Couchtisch lagen wie geplant ein paar alte Zeitschriften – sonst hätten mich Fischfang und Motorräder nicht so interessiert, aber im Urlaub war das etwas anderes. „Ick wer nu det Bett machen“, teilte mir Herr Kurzbein mit. „Dürft ick Ihn ooch ’n Heißjetränk ßubereitn?“ „Das ist sehr aufmerksam“, sagte ich, „einen Kaffee nehme ich gerne.“ „Is jut.“ Das Wetter verschlechterte sich zusehends, daher schloss ich das Fenster; normalerweise hätte ich das Personal dafür bemüht, aber man hat ja nun einmal so viel Zeit. „Sahrense ma“, ließ sich Kurzbein aus der Küche vernehmen, „wo hamse eijentlich den Vollautomatn vasteckt?“ „Im linken oberen Schrank finden Sie die Dose mit dem Kaffee, Filterpapier sowie die Mühle“, instruierte ich ihn. „Rechts ist der Filter, und den Wasserkocher sehen Sie ja.“ Er kratzte sich am Kopf. „Jut, denn wer’ck Ihnen ma so’n Kaffee kochen. A nich, det Se meckern dhun, det is keen Matschato.“ „Lassen Sie mal“, beruhigte ich ihn. „Ich bin das so gewohnt.“

Es dauerte eine halbe Stunde, bevor ich einen lauwarmen Kaffee serviert bekam. „Das ist schon mal sehr schön“, lobte ich. „Machen Sie das doch gleich noch einmal.“ Kurzbein runzelte die Stirn. „Det is nich inbejriffn“, murrte er. „Ick bin nua Faktotum, a det is ja nu keen Hausanjestallta.“ Jetzt wurde es mir aber doch zu bunt. „Herr Kurzbein“, begann ich, „dies ist ja nun einmal Teil eines großen Experiments – einer Urlaubssimulation, bei der die Gäste davon profitieren, dass die Hotelangestellten ihre Dienste vor Ort anbieten.“ Er lauschte stumm und misstrauisch. „Würde ich diesen Urlaub nicht buchen, hätten Sie auch keine Möglichkeit, Ihren Service direkt am Kunden auszuüben.“ „Det sahren Sie“, grummelte er. „Det Beherberjungsvabot, det hamse ausjedacht, damit det billija wird, wa!“ Das war harter Tobak. Oder sollte er am Ende recht haben und das alles war nur eine ausgeklügelte List der Tourismusindustrie, um Kosten zu sparen? „Jenau jenomm dürft ick Ihn jah nich uffnehm.“ Das verstand ich nicht. „Ick komm ja direktemang ausn Risikojebiet“, erläuterte er. „Da dürft ick Ihn jar keen Zujang jewährn, vastehnse?“

Es klingelte; Herr Kurzbein öffnete die Tür und nahm eine monströse Kühltasche entgegen, deren Inhalt er im Kühlschrank verstaute. Es handelte sich um je drei abgepackte Portionen eines Fertigmenüs, die im Wasserband erhitzt werden konnten. Auf dem Küchentisch lag eine geschmackvoll gestaltete Karte, die ich von nun an drei Tage lang bekommen sollte, um mir ein Abendessen auszuwählen. „wenn det nich passen dhut“, informierte mich Kurzbein, „denn könnwa ooch Pizza komm lassn.“ Das musste man dem Reiseanbieter zugestehen, er setzte auf regionales Kolorit und Kundenfreundlichkeit. Ich sah schon, ich würde mich in diesen drei Tagen wie zu Hause fühlen.

„Ick wer denn soweit.“ Mein Gastgeber hatte sich bereits angezogen und war drauf und dran, mich für den Rest des angebrochenen Tages mir selbst zu überlassen. „Die Örtlichkeitn kennse ja, im Kühlschrank ha’ck Ihn Bier rinjestellt, wennse noch Wunsch hättn, Zimmaßörwiss is innahalb von ßwee Stundn da.“ „Das hört sich gut an“, teilte ich ihm mit. „Bringen Sie bitte morgen noch ein paar von diesen Zeitschriften mit, die hier werde ich wohl heute ausgelesen haben.“ Herr Kurzbein verbeugte sich und ging, nicht ohne das Formular ausgefüllt und unterzeichnet zu haben, dass er allen vertraglichen Pflichten nachgekommen sei. Ratlos blieb ich zurück. Warum beschwerten sich so viele Menschen, dass sie nicht in die Ferne würden reisen können, wo es doch zu Hause auch schön ist?





Brandgefährlich

14 10 2020

„Wir arbeiten gerade an einer Richtlinie, damit das auch alles verfassungskonform ist. Mützen sind im Schulunterricht bisher noch nicht erlaubt, aber das ist wie mit Vermummung auf einer Demonstration. Irgendwann ist die auch Pflicht und unterliegt einer strengen polizeilichen Kontrolle, die aber nicht in allen Bundesländern auch durchgeführt wird.

Sie müssen auch nicht über jedes Stöckchen hüpfen. Kindeswohlgefährdung ist ein rechtlich eher eng ausgelegter Begriff, und wenn Sie jetzt der Meinung sei, eine einheitliche Schulmütze sei als Kindeswohlgefährdung zu werten, dann empfehle ich Ihnen den Gang zum Schulpsychologen. Lieber zu spät als nie. Außerdem darf jeder seine eigene Mütze tragen.

Früher hätte sich auch keiner aufgeregt über die Zustände in den Schulen. Da hätten Sie gefragt, ob die Fortbildung in Lüftungsmanagement eventuell am Sonntag oder in den Ferien stattfindet, damit der Unterricht nicht ausfällt. Jetzt fangen die Eltern ja schon an zu jammern, wenn sich die Fenster in den höheren Stockwerken aufgrund von baurechtlichen Bestimmungen nicht kippen lassen. Und wenn Sie auch erst im Oktober feststellen, dass Frau Merkel die Außentemperaturen heruntergeregelt hat – das hat sie bestimmt wegen des Klimaterrors gemacht, lassen Sie sich da nichts anderes einreden – dann müssen Sie den Kindern auch mal eine dicke Jacke anziehen. Wobei die meisten das von alleine tun.

Die Maskenpflicht steht übrigens auch nicht im Widerspruch zum Grundgesetz. Der Staat schreibt eine gewisse Bekleidung vor, die in der Schule getragen werden muss, das werden Eltern nicht verhindern können. Wenn Sie es für richtig halten, Ihre Kinder nackt zur Schule zu schicken, ist das ein interessanter Gedanke, aber das werden Sie in einem Sonderrechtsverhältnis nicht realisieren. Ob Sie den Mundschutz nun zum religiösen Symbol erklären, das ist uns verhältnismäßig egal. Damit treffen Sie möglicherweise die eine oder andere Lehrerin, die wegen der besonderen Gewalt nicht mehr mit Kopftuch unterrichten darf, aber kein Kind. Hier wird vernünftig gelüftet, wir haben eine Menge guter Schulen in bürgerlichen Stadtteilen, die noch nicht von Hysterikern lahmgelegt worden sind. Und im Übrigen sind Kinder auch erstaunlich pragmatisch und unterstützen uns, indem sie das Konzept umsetzen. Wenn das rauskäme, wir hätten echt ein Problem.

In den Brennpunktschulen zum Beispiel würden wir damit ganz gefährliche Fehlanreize setzen. Brandgefährlich. Wenn wir da Lüfter aufstellen und Seifenspender und alles das, inklusive kostenloser Tablets für den Heimunterricht, dann ziehen am Ende sogar Deutsche in diese Ballungsgebiete, um auch so eine Versorgung für ihre Kinder zu bekommen. Dagegen sind die Mittelmeerschlepper ein Witz, dann kriegen wir eine Binnenmigration, die haben nicht mal die Schwaben geschafft.

Weil wir dieses Bild von den Kindern brauchen, insbesondere Kinder von sozial Abgehängten. Wir haben immer noch dieses Aufstiegsversprechen, das haben wir jahrelang nicht aus der Bildungspolitik rauszunehmen geschafft, und jetzt hat sich das darin festgefressen. Jetzt brauchen wir diese Kinder, weil wir sonst erklären müssten, dass es immer noch so viele und vor allem immer mehr Kinder gibt, die in Armut leben, obwohl man es mit dem sozialen Aufstieg ja in einer Generation zum Akademiker bringt, der dann allerdings auch wieder arme Kinder hat, weil man da immer nur Jahresverträge bekommt, aber das ist eine andere Geschichte. Und natürlich diese Brennpunktschulen, wo die Kinder alle mehrsprachig aufgewachsen sind und keine deutschen Eltern haben und in Clanstrukturen leben – das stellen Sie sich mal vor, jemand würde nur mit den Leuten aus seinem eigenen Land in einer Siedlung wohnen, die würden alle nur ihre eigene Sprache sprechen, also das ist ein Verhalten, das bis jetzt nur von Ausländern praktiziert wird – die muss es auch geben. Wir sonst wollen Sie bitte einen richtigen Wahlkampf im rechten Lager führen, wenn Sie nicht einen Stadtteil in Ihrem Wahlkreis haben, in dem sofort mal ordentlich durchgegriffen werden müsste. Wenn Sie sich da filmen lassen vor einer abbruchreifen Schule, aber drinnen waschen sich Kinder aus über achtzig Herkunftsländern die Hände mit Seife, mit echter Seife, dann können Sie einpacken! Dann hat der Ausländer gewonnen!

Stellen Sie sich mal vor, das würde einfach so weitergehen – am Ende würden Kinder aufhören, die Schule zu schwänzen, sie würden regelrecht dafür lernen, es gäbe weniger Schulabbrecher, wir hätten noch mehr Absolventen, das heißt doch: wir müssen plötzlich wieder Lehrstellen besetzen und können es nicht mehr auf den Fachkräftemangel schieben! Wir haben nicht mehr eine halbe Million jugendliche Arbeitslose, denen wir auch keine Ausbildung mehr ermöglichen, weil Fabrikarbeit mehr bringt! Das komplette Bildungswesen ist perspektivisch schon mal komplett im Eimer! Wenn wir hier nicht sofort Gegenmaßnahmen ergreifen, steht Deutschland vor einem furchtbaren Chaos. Dagegen ist Corona ein Witz.

Sie halten sich an unser Hygienekonzept, zum Ausgleich bekommen Sie von der Landesregierung aber Gutscheine für Tourismus, Einkauf und Events in Ihrem Bundesland. Oder kurz hinter der Grenze, so genau muss man das nicht nehmen. Letztlich ist es ja auch ziemlich egal, in welchem Krankenhaus man liegt, oder?“





Erika Mustermann

1 10 2020

„… ein Bußgeld von mindestens 250 Euro erheben werde, wenn sich Personen mit einem falschen Namen in die Listen eintragen würden. Damit wolle die Bundesregierung die Ausbreitung des Virus bei Restaurantbesuchen und…“

„… könnten die Ordnungsämter Bescheide aber erst zustellen, wenn die korrekten Adressdaten der jeweiligen Gäste zur Verfügung stehen würden. Die Polizei appelliere daher an die Bürger, bei einer offensichtlichen Scherzanschrift auch den richtigen Namen zu hinterlassen, um das Verfahren möglichst schnell und…“

„… nicht zielführend sei. Obwohl die Listen von der Polizei auch für andere Zwecke verwendet würden, sei es juristisch sehr schwierig, nicht plausible Daten durch eine stichprobenartigen Kontrolle zu verifizieren. Seehofer halte in diesem Zusammenhang die Videoüberwachung aller gastronomischen Betriebe in Deutschland für absolut alternativlos und werde noch in diesem…“

„… vor allem mit der Eintragung Donald Duck zu tun habe. Das Bundeskriminalamt gehe von organisiertem Verbrechen aus, da die betreffende Person oft mehrmals innerhalb eines Tages an verschiedenen Orten des…“

„… nur durch Strafverschärfungen geändert werden könne. Die CSU wolle das Bußgeld sofort auf 10.000 Euro anheben, da nur durch Angst vor einer existenziellen Bedrohung die Bürger sich für eine rechtskonforme…“

„… eine Musterlösung gebe, bei der die Polizei jedoch darauf bestehe, die zur Kontaktverfolgung genommenen Fingerabdrücke weiterhin in einer bundesweiten Datenbank speichern zu dürfen, auch wenn kein Anlass zu einer Strafverfolgung bestehe. Die Deutsche Polizeigewerkschaft wünsche dies durch eine Erhebung aller in der Bundesrepublik lebenden Personen zu ergänzen, um fortan die Aufklärungsquote schwerer staatsgefährdender Straftaten wie Falschparken noch mehr in…“

„… es keine gesicherten Erkenntnisse über die Person gebe. Nach Augenzeugen handle es sich um einen zehn- bis siebzigjährigen Mann, der aber auch eine Frau oder eine Kleinfamilie sein könne, mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn und zu Fuß in die betreffenden…“

„… habe die FDP als einzigen Beitrag zur Debatte die Freiheit der Gastronomen beizutragen, die nicht von einem linksgrünen Verbotsstaat genötigt werden dürften, einheitliche Adresslisten zu benutzen. Lindner kämpfe ab sofort gegen ein sozialistisches Terrorregime, in dem man weder den Holocaust leugnen noch als Leistungsträger…“

„… wolle Seehofer die Mindestspeicherpflicht für die Adresslisten auf zehn Jahre ausdehnen. Um die gastronomischen Betriebe nicht unnötig zu belasten, biete das Innenministerium an, sämtliche Materialien unmittelbar nach der Erstellung an ein Zentralregister weiterzuleiten, wo ein Abgleich mit anderen Schriftproben und eine elektronische Auswertung der…“

„… keine weiteren Ermittlungsansätze habe. Die Bundespolizei gehe von einem sehr geschickten Scheckfälscher aus, der täglich mehrere hundert teils stark voneinander abweichende Unterschriften leiste und dabei keine verwertbaren…“

„… als bedauerlichen Einzelfall bezeichnet wissen wolle, der nicht für die ganze Polizei stehe. Die mit mehreren Schussverletzungen aus den Dienstwaffen der Beamten in die Universitätsklinik eingelieferte Frau sei als Erika Mustermann in Karlsruhe geboren und habe dies durch Vorzeigen ihres Bundespersonalausweises auch…“

„… eine Task Force gründen wolle, nachdem der Täter im Regierungsbezirk Tübingen zweimal innerhalb einer Woche mit nahezu identischer Signatur in Erscheinung getreten sei. Seehofer plane die Besetzung sämtlicher Speisegaststätten in Baden-Württemberg mit jeweils zwei Beamten und einer Reiterstaffel, die im Falle einer spontanen Kundgebung von Corona-Widerständlern die…“

„… eine in Verdacht stehende Person sich auch in einem hessischen Frisörsalon aufgehalten und mit Micky Maus unterschrieben habe. Die Betreiberin müsse mit einer hohen Geldbuße rechnen, da sie alle verfügbaren Haarproben sofort entsorgt und damit die Ermittlungen behindert habe, so dass die Behörden nun wieder ganz an Anfang des…“

„… es in Baden-Württemberg zwar mehrere Blumenstraßen mit der Hausnummer 1 gebe, diese aber keinem Ort zugeordnet werden könnten, der als Entenhausen bekannt sei. Das BKA werde jetzt mit Hochdruck die…“

„… der Landesbeauftragte für Datenschutz die Restaurantbesitzer darauf hingewiesen habe, dass sie selbst die Formulare auszufüllen hätten, um die Anonymität der Gäste bei gleichzeitig korrekten Angaben von Namen und Adressen zu sichern. Bei Zuwiderhandlung drohe den Unternehmern eine unmittelbare Schließung ihrer…“

„… einen überraschenden Ermittlungserfolg verzeichnen könne. Der Gast eines gutbürgerlichen Restaurants in Reutlingen habe nicht nur mit dem gesuchten Namen unterschrieben, sondern dem Kellner einen offensichtlich gefälschten Ausweis gezeigt, der ihn sofort verraten habe. Der 35 Jahre alte Mann, der bei seiner Festnahme einen Matrosenanzug sowie einen Schlapphut getragen habe, sei umgehend in die…“

„… vor dem Verwaltungsgericht gescheitert sei. Da offenbar keine strafrechtlichen Ermittlungen erforderlich seien, dürfe die Polizei keinen anlasslosen Abgleich der Kontaktdaten mit den Kreditkartenzahlungen der Gäste vornehmen. Die Hausdurchsuchung eines bekannten Restaurants in Berlin Mitte sei weder verhältnismäßig gewesen noch habe sie Rücksicht genommen auf die Prominenz, die sich üblicherweise unter den…“

„… sich als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz herausgestellt habe. Die Aktion sei mit dem Bundesinnenministerium abgesprochen gewesen, allerdings sei Seehofer erst nach der Durchführung mit den entsprechenden…“





Alkoholreduziert

28 09 2020

„Und Sie meinen nicht, dass wir etwas früh dran sind?“ „Andererseits braucht das einen gewissen Vorlauf.“ „Im Supermarkt ist auch schon Stollen.“ „Der kommt dieses Jahr aber eher spät.“ „Aber die Weihnachtsmärkte brauchen ein Konzept.“

„Wenn wir hier in Bayern mit gutem Beispiel vorangehen, sind wir besser gerüstet für andere Gelegenheiten.“ „Sie meinen, es gibt dann doch ein Oktoberfest.“ „Im nächsten Jahr vielleicht.“ „Oder der Ministerpräsident kündigt eins an.“ „Das würde für die psychologische Entspannung im Land schon einiges bedeuten.“ „Einen Hygienebeauftragten pro Landkreis?“ „Ich hatte das so verstanden, dass das Chefsache ist.“ „Was mit Corona zusammenhängt, ist immer Chefsache.“ „Nicht ganz, hier ist alles Chefsache, wovon der Chef keine Ahnung hat.“

„Wir müssen das lauftechnisch in den Griff kriegen.“ „Vorne rein, hinten raus?“ „Das alles ist relativ.“ „Eine Personenhöchstanzahl könnte man pro Quadratmeter Laufweg schon einplanen.“ „Das müsste dann technisch gelöst werden, wie wir den Einlass zulassen, während der Auslass durchlässt.“ „Wir könnten den Besuchern Chips in die Hand drücken, damit wir…“ „Lassen Sie es einfach, ja?“ „Irgendwie muss man die Menge kontrollieren.“ „Kann man das nicht zeitgesteuert machen?“ „Alle zehn Sekunden ein Besucher?“ „Und wenn mal ein Paar rein will.“ „Dann warten die beiden je zehn Sekunden.“ „Oder zusammen zwanzig.“ „Und bei einem halben Dutzend?“ „Kopfrechnen geht bei Ihnen aber noch?“ „Er meint die Gruppengröße.“ „Die können doch aus verschiedenen Haushalten kommen.“ „Kann ich mir nicht vorstellen.“ „Das ist aber nur schwer zu kontrollieren.“ „Außerdem wäre das verfassungswidrig.“ „Und wenn wir Terror als Kontrollgrund angeben?“ „Damit macht man dann aber die Besucher nervös.“ „Das wäre nicht so wild, die Schausteller sind doch das Problem!“

„À propos, könnte man die Verweildauer auf den Märkten irgendwie steuern?“ „Was wollen Sie da mit Verweildauer, die Leute laufen da halt so durch.“ „Aber die Besucher sind doch wegen der gastronomischen Betriebe da.“ „Mein Gott, was wollen die Leute da groß verweilen?“ „Naja, wegen Pilzpfanne oder Bratwurst halt.“ „Was traditionell zu Weihnachten gehört.“ „Das müsste irgendwie serviceorientierter gestaltet werden.“ „Als Essen zum Mitnehmen?“ „Guter Vorschlag, aber wo essen die Leute das dann?“ „Draußen.“ „Oder zu Hause.“ „Das klingt vernünftig.“

„Grundsätzlich sollten wir riskantes Verhalten in der Öffentlichkeit einschränken.“ „Kein Skifahren auf öffentlichen Plätzen.“ „Schlittenverbot!“ „Das ist eine sehr gute Idee.“ „Das Personal muss auch sehr streng kontrolliert werden.“ „Verstehe, keine osteuropäischen Leiharbeiter.“ „Bringt das etwas?“ „Der Ministerpräsiden hat ein Konzept angefordert, er hat nicht gesagt, was da drinstehen soll.“ „Das hätte mich auch überrascht.“ „Irgendwie muss man auch die Mund-Nase-Schutzbedeckung erwähnen.“ „Die käme dann aber dem Verzehr nicht mehr so entgegen.“ „Wenn die Besucher ihre Pilzpfanne zu Hause essen?“ „Außerdem ist das unter freiem Himmel, da können wir mal ein Auge zudrücken.“ „Richtig, ist ja nur einmal im Jahr Weihnachten.“

„Aber das mit dem Glühwein.“ „Was ist damit?“ „Wir können das nicht ignorieren, das wurde doch schon an die Presse weitergegeben.“ „Könnte man so viel alkoholfreien Glühwein herstellen?“ „Das würde unserer deutschen Tradition widersprechen.“ „Wir können nicht Millionen von Asylanten im Mittelmeer absaufen lassen, weil sie unsere jüdisch-christlichen Werte hier zerstören wollen, und dann mit einem zwangsislamisierten Fest ohne Alkohol die Leitkultur verleugnen!“ „Aber dann würden die Leute auch ein Oktoberfest fordern.“ „Können wir nicht wenigstens alkoholreduzierten Glühwein in Verkehr bringen?“ „Das schmeckt doch nach kalten Füßen!“ „Eben, dann ist das mit der Verweildauer auch ein geringeres Problem, weil die Besucher sich nicht länger als nötig in der Kälte aufhalten.“

„Wir bräuchten Glühwein-Bons.“ „Damit jeder nur eine bestimmte Menge trinken kann?“ „Da gibt es dann aber einen Preiskampf.“ „Oder wir haben am Ausgang einen Schwarzmarkt.“ „Dann müsste es Bons mit Tagesstempel geben.“ „Man könnte die personalisieren.“ „Das halte ich für machbar.“ „Wir sollten auch den Gedanken an eine Glühwein-App nicht vorschnell…“ „Haben Sie eine Ahnung, wie lange es dauert, bis so ein Ding funktioniert?“ „Auf der anderen Seite könnten wir damit auch den Zugang zum Weihnachtsmarkt besser regeln.“ „Das könnte man auch in dies Corona-Ding integrieren.“ „Dann funktioniert es ja nie.“ „Außerdem würde das bei den Leuten wieder falsche Befürchtungen hervorrufen.“ „Man könnte das mit Polizeitrupps auf dem Gelände doch…“ „Da brauchen Sie nur einen, der schon vorgetankt hat und dann zu viel Pilzpfanne isst.“ „Richtig, schon haben wir negative Schlagzeilen.“ „Das korrekte Tragen von Masken muss man doch auch irgendwie sicherstellen.“ „Gibt es sonst Platzverweise?“ „Man könnte das ja als politische Kundgebung stattfinden lassen.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Saufen für den Sieg?“ „Etwas mehr Patriotismus müsste schon sein.“ „Trotzdem, wir sind doch gerade erst am Anfang der zweiten Welle, da können wir jetzt noch kein Konzept…“ „Aber das muss sein!“ „Haben Sie etwa eine Prognose, wie sich das Infektionsgeschehen in den nächsten Monaten entwickeln wird?“ „Meine Güte, wir brauchen jetzt ein gutes Konzept – wie steht denn der Söder da, wenn in einem Jahr schon Wahlen sind!?“





Im kleinen Kreis

2 09 2020

„Hundert Personen? Das können Sie sich in die Haare schmieren. Fünfzig auch. Es sei denn, wir können uns auf einen Deal einigen, dann ist Ihre Geburtstagsfeier auch mit fünfhundert Nasen null problemo. Oder hatten Sie ernsthaft gedacht, dass wir diesen Corona-Scheiß ernstnehmen?

Einer der Gründe, warum uns die ganzen EU-Schwachmaten beneiden: Deutschland ist nun mal Deutschland. Geh mir ab mit Einheit und so, das ist nur der Zwischenstand. Wer glaubt, dass das auch nur verwaltungstechnisch so eingehalten wird, kann sich an der Kasse einen Lutscher abholen, und dann kriegt er zwei Luftballons vom Weihnachtsmann gratis dazu. Wissen Sie schon mal, was hier Tango ist. Wir entscheiden hier nicht nur nach Bundesland, wir entscheiden hier nicht nach Regierungsbezirk, hier kommt es auf die Kommune an. Hört sich jetzt dreckig an, ist aber noch viel dreckiger. Sie haben den Plan, wir ziehen das durch. Sonst alles klar?

Logisch, dass wir hier den Überblick behalten. Deshalb haben wir immer den Draht nach drinnen, wo die Regeln gemacht werden. Ein falscher Schritt in der Pandemie, und die Virusscheiße haut einen aus der Steilwand. Kein Scherz. Zwanzig Personen auf der Trauerfeier sind gerade noch erlaubt, und zweihundert auf einem Konzert mit Tanzeinlage, wenn Sie wissen, was ich meine, die sind legal, da tränt dem geneigten Geschäftsmann doch das trübe Auge, oder nicht? Aber nicht verzagen, Ede fragen – Ede ist die coole Sau, die jede Verwaltung mit Anlauf und Ansagen in Rückenlage bringt, damit der Prozess sich nicht unbedingt in die Länge zieht. Ede war bis zur Pensionierung Regierungsdirektor.

Unser Zauberwort: kleiner Grenzverkehr. Es fängt ja manchmal schon an mit den Masken, die im Schulunterricht aufgezogen und abgesetzt und wieder angelegt werden – das geht Ihnen doch auch derbe auf die Plomben? Sage ich ja. Deshalb bieten wir unsere Dienstleistungen für Ihre Events auch regional so an, dass Sie in Ihrer Planung nicht auf die Medikamentenausgabe irgendwelcher geistig zurückgebliebener Hackfressen warten müssen.

Momentan haben wir einen noch nicht ganz abgerissenen Gebäudekomplex im Rhumspringe im Angebot, sieht richtig scheiße aus, hält also, was er verspricht. Da sind Sie ratzfatz von Niedersachsen über die Zonengrenze in Thüringen, mit unserer Heliflotte sogar noch eine Ecke fixer. Ist alles nur eine Frage des Preises. Wo Sie sich treffen, ist Ihre Entscheidung, wo Sie feiern, das lassen Sie mal unsere Sorge sein. Zwinge hört sich erst mal doof an, aber das täuscht. Da tanzen die Puppen, weil wir da die Puppen tanzen lassen. Klärchen?

So funzt das eben, ob Ihnen das in den Kram passt oder nicht. Wir machen die Regeln nicht, wir halten uns nur daran. Jeder Strafverteidiger und jeder Steuerberater wird Ihnen das verklickern, das ist viel schlimmer. Gesetze sind das, was zwischen den Lücken stattfindet, und mit dem Rest verdienen wir unsere Kohle. Nicht unbedingt viel besser als Bundesminister, aber weniger verlogen.

Sie planen Ihre Geburtstagsfeier im kleinen Kreis, das wären dann maximal dreihundert Gäste? Super, fast so intim wie bei der Konfirmation von Onkel Max, und der saß damals schon im Knast. Dann finden Sie mal raus, wer von wo kommt, und dann organisieren wir eine ganz intime Location. Bremen können wir empfehlen, da ist man auch rapide über der Landesgrenze und in einem Kaff, das trotzdem dreimal so hohe Infektionszahlen duldet, wenn die nicht gemeldet wurden. Kann sein, dass ich das jetzt mit dem Saarland verwechsle, aber letztlich ist das ja auch wumpe. Hauptsache Italien. Dann besorgen wir eine Feierabendcombo, die kann irgendwo im Untergeschoss vor sich hin schrammeln, und Sie setzen sich gepflegt ab. Die drei Gitarrenheinis kosten auch nicht die Welt, aber wir brauchen die eben, weil wir den ganzen Bums als Konzert anmelden, das ist eine geschlossene Veranstaltung, und wir haben da einen Typen in Delmenhorst, der macht den Festsaal klar. Das mit dem Treffen organisieren wir auch gerne, aber nicht wieder als Trauerfeier. Beim letzten Mal haben sie und nicht abgekauft, dass Onkel Max schon wieder beerdigt wird, dabei wird der hier jeden Mittwoch beerdigt, und dann kommen immer hundert Leute für Kaffee und Kuchen. Der war halt beliebt, kann sich so eine Flitzpiepe vom Amt nicht vorstellen.

Oder wir organisieren für Sie den Discowagen von Bahn. Haseloff, dieser Klapskalli aus Sachsen-Anstalt, hat ja schon gejammert, dass man im Zug alle paar Kilometer die Masken auf und ab und auf und absetzt, wenn man die Landesgrenzen passiert. Typisch für so einen Sprallo mit akutem Hirnaua. Die Deutsche Bahn AG ist ein Staatsunternehmen, da gelten dieselben Beförderungsbedingungen auf der ganzen Strecke, aber das Beste ist doch, das kümmert keine Sau, weil das ein Staatsunternehmen ist. Da können Sie dann gemütlich als mobile Druckbetankung durch die Republik heizen und sich vom Schaffner einen einschenken lassen, und zwar auf Nummer sicher: die Eumel da tragen auf jeden Fall Maske zur Uniform, weil das ist ja ein Staatsunternehmen. Brüller, oder?

Und wenn Sie mal richtig einen draufmachen wollen, regeln wir das vor Ort: Vorglühen in Mitte, amtliche Höllenparty in Kreuzkölln und danach Abklingbecken mit körpernahen Dienstleistungen in Tiergarten. Hier in Berlin müssen Sie echt schon ’ne rote Fahne im Gepäck haben, bevor Sie für irgendwas kontrolliert werden.“





Kölle Alaarm

25 08 2020

„Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben, dann kann ich Ihnen da etwas Schönes zuschicken. Nein, das ist jetzt noch kein Karnevalsscherz, das machen wir rein dienstlich. Ich müsste nur eben wissen, wo wir die Landeskarnevalsverordnung hinsenden, dann haben Sie die rechtzeitig zur Saison.

Da muss man eben auch kreativ sein, was sage ich: närrisch, närrisch muss man werden, und sich nicht zum Narren halten lassen. Ist ja eben auch eine närrische Zeit, und da muss man dann Sachen, die sowieso schon total bekloppt sind, die muss man dann noch durchgeknallter machen. Was das angeht, haben wir hier eine Landesregierung, die das bis zur Perfektion versteht, das hat sie in den vergangenen Monaten ja auch immer wieder sehr schön bewiesen. Es gibt nun mal ein paar Dinge, die untrennbar zu Nordrhein-Westfalen gehören, die Autohäuser, die Küchenbauer, und dann eben auch der Karneval. Aber man muss das in diesen Tagen vorsichtig machen, damit wir die Wähler genau da abholen, wo sie jetzt stehen. Oder was man halt so sagt, wenn man noch nicht weiß, was Phase ist.

Da wir eine bürgerfreundliche Politik machen, ist es sehr wichtig, dass unsere Entscheidungen in Abstimmung mit den Bürgern getroffen werden. In diesem Fall ist das ein bisschen schwierig, weil sich zahlreiche Bürger, und zwar auch in Gestalt von Karnevalsgesellschaften, gegen einen Karneval in diesem Jahr ausgesprochen haben. Das ist für uns alle äußerst bedauerlich, aber wir müssen daraus die Konsequenzen ziehen, unser politisches Handeln ist in diesem Fall einem höheren Interesse unterworfen und darf sich nicht von kurzsichtigen Wünschen leiten lassen. Selbstverständlich braucht es hier ein gezieltes Vorgehen, und das kann nur heißen, dass der Karneval im Angesicht der durchaus nicht klar abzuschätzenden Zukunftslage natürlich stattfindet.

Selbstverständlich findet der Karneval statt. Das steht jedenfalls für unsere Landesregierung außer Frage, und ich würde sogar so weit gehen, dass der Ministerpräsident damit völlig im Einklang mit seinen bisherigen Maßnahmen handelt. Konsequent und in politischer Hinsicht auf einer absolut nicht verrückbaren Linie, so kennt man diesen für die Union unverzichtbaren Mann, der unsere Geschicke im Land lenkt. Ein Armin Laschet, der es nicht nötig hat, sich ein Virus von Virologen erklären zu lassen, der diskutiert auch nicht mit Karnevalsgesellschaften, wenn es um den Karneval geht. Glauben Sie mir, der hat Besseres zu tun.

Wir haben zum Glück eine gute Infrastruktur in NRW, die wird auch in den Ballungsräumen mit dem Karneval fertig. Also die digitale Infrastruktur meine ich, wir wollen ja Teile der Sitzungen ins Netz streamen, da kann man die sich dann zu Hause angucken oder in der Kneipe, im kleinen Rahmen kann man das sicher auch auf einer privaten Party machen, aber wir setzen da auf die Bereitschaft der Bürger, höchstens fünfzig Gäste einzuladen. Die meisten Wohnungen werden ja mehr auch gar nicht fassen können, im Karneval ist dem Rheinländer eh eine gewisse Neigung zur körperlichen Nähe eigen, und wenn wir dann die Kölschpreise ein bisschen anheben, damit wir der Gastronomie etwas davon abgeben können, ist das doch sozial verträglich im Sinne einer erfolgreichen Landespolitik.

Eventuell könnte man die Büttenredner dabei aus Krefeld zuschalten, dabei würden wir auch auf Synergieeffekte setzen. Oder die Stimmungsmusik, die kann man vorproduzieren, wahrscheinlich hat der WDR den ganzen Bums eh auf Konserve, dann können die das kostengünstig reinspielen. Bei der Gelegenheit können die sich auch mal für das Ding mit der Umweltoma entschuldigen, und gut.

Die Maskenpflicht für Fanfarenzüge muss dann auch juristisch hinterfragt werden. Es kann ja nicht sein, dass die Bläser ohne Mundschutz marschieren und die Trommler mit. Das widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand. Wir werden da jetzt ein Gutachten in Auftrag geben, und das wird ganz klar zum Inhalt haben, dass auch die Trommeln ohne Maske laufen dürfen. Wir sind ein weltoffenes Bundesland, Diskriminierung gibt es bei uns nicht, und wir werden das auf jeden Fall durchziehen.

Derzeit arbeiten wir jedenfalls am Konzept für infektionssicheres Schunkeln. Unser erster Ansatz, dass wir die Abstände von jeweils zwei Metern im Sitzbereich einhalten, war betriebswirtschaftlich an der Grenze, aber wir können das noch umsetzen, wenn wir das Gestühl am Boden verschrauben, weil sich das ja bei der Bewegung mit verschieben wird. Die Experten sind sich noch nicht ganz einig, wir haben auch beim RKI schon mal angefragt, und dann haben wir eine Studie in Erwägung gezogen, für die wir freundlicherweise vom Kreis Heinsberg unterstützt werden. Gut, auch von Springer, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Jedenfalls haben wir hin und her überlegt, wie wir unser traditionelles Brauchtum in Einklang bringen können mit den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, damit unsere Gastronomie keine Verdienstausfälle hat, und uns ist die Erleuchtung gekommen, beziehungsweise dem Ministerpräsidenten, der hat dann angeordnet, dass nur noch jeder zweite schunkelt. Sie haben das richtig verstanden. So wird man Kanzlerkandidat.

Dann hätten wir nur noch ein paar technische Einzelheiten, wir brauchen ja ausreichend Masken, aber die will der Spahn besorgen, und diesmal hat er gesagt, dass es möglicherweise klappen wird, aber das sehen wir dann. Ich meine, wozu sollen wir uns jetzt komplett verrückt machen in dieser Ausgangslage? Schauen Sie sich das doch mal an – zwei Wochen später sieht doch sowieso alles total anders aus.“