Opposition ist Mist

13 10 2021

„Was schätzen Sie, wann ist der Sack zu?“ „Zwei bis maximal drei Wochen, dann sollte die Ampel auf dem Weg sein.“ „Verdammt!“ „Ach, ich finde es ganz okay.“ „Entschuldigen Sie mal, Sie sind CDU-Hinterbänkler!“ „Sie etwa nicht?“

„Diese zugesoffene Scheißbande hat uns um die Regierung gebracht!“ „Ja, das kann man so sagen.“ „Das muss Sie doch genau so ärgern wie mich, oder sehe ich das falsch?“ „Naja, ein bisschen ärgerlich ist es schon, aber die Hauptsache ist doch, dass wir uns in die Opposition gerettet haben.“ „Bitte!?“ „Es ist doch noch mal gut gegangen, für uns beide ist ein Sitz im Bundestag rausgesprungen, ein paar von den Kollegen müssen Lohnarbeit ausprobieren oder fallen gleich in die soziale Hängematte, die sie noch vor wenigen Monaten komplett abschaffen wollten, und jetzt schauen wir mal, dass wir die Sache über die Bühne kriegen.“ „Wie reden Sie eigentlich, wir haben hier Katastrophe, und Sie…“ „Wir sind jetzt Opposition.“ „Opposition ist Mist!“ „Stimmt, aber für die anderen.“ „Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?“ „Meine Güte, jetzt haben Sie doch mal ein Vertrauen in die politischen Entwicklungen, das war doch sonst auch immer Ihre Stärke.“

„Wir stehen vor riesigen Herausforderungen!“ „Was Ihren Baukredit angeht, da haben Sie recht.“ „Ich rede nicht von meinem Haus, ich rede hier von Deutschland!“ „Schon gut, es stimmt ja – dass das Klima für Preisanstiege sorgt, ist schon krass.“ „Ist das alles, was Sie interessiert?“ „Gucken Sie sich an, was wir an Klimafolgen haben: Holz, Energie, die Lebenshaltungskosten, es trifft alle.“ „Das Land wird vor die Hunde gehen!“ „Ist das nicht genial?“ „Bitte!?“ „Meinen Sie ernsthaft, diese Knalltüte aus Aachen würde das kapieren?“ „Sie denken, wir sind für die Probleme nicht zuständig, also müssen wir auch nichts machen?“ „So langsam scheinen Sie zu begreifen.“ „Die SPD wird in der Ampel die Preise für Holz und Öl nicht senken…“ „… weil das Öl nichts mit dem Klima zu tun hat und den Rest die Chinesen verursachen.“ „Das heißt, Scholz muss da tatenlos zusehen?“ „Wie wir auch hätten tatenlos hätten zusehen müssen, aber wir sind Opposition.“ „Wir dürfen also die Regierung kritisieren?“ „Das ist in einer parlamentarischen Demokratie unsere Aufgabe.“ „Wir müssen von uns aus keine Art der Zusammenarbeit anbieten?“ „Von Sonntagsreden abgesehen nicht.“ „Dazu müssen wir unsere Politik aber nicht ändern, oder?“ „Konservative Politik ist, wenn man wegen der Nebenjobs nicht genug Zeit hat, sich vernünftige Lösungen auszudenken.“

„Ich kann mir nicht helfen, ich habe bei der Sache ein ungutes Gefühl.“ „Ach, das gibt sich.“ „Wir müssen immerhin den Klimawandel und die Folgen für die jüngeren Wähler bekämpfen.“ „Das ist eine immens schwere Sache, daher überlassen wir sie auch den Linken.“ „Glauben Sie denn, dass das gelingt?“ „Möglicherweise, und wir werden die Einschnitte, die das bedeutet, nicht zu verantworten haben.“ „Das klingt zynisch.“ „Sie sagen das so, als wäre es schlecht.“ „Wir haben doch jetzt schon die reale Gefahr der Hyperinflation vor Augen, was ist denn, wenn diese Regierung innerhalb der ersten Monate zerbricht?“ „Lächerliche vier Prozent, weil der Markt das regelt – das ist keine Hyperinflation, nicht einmal, wenn Sie den Effekt der normalen Umsatzsteuer rausrechnen.“ „Die Springerpresse wird Scholz zum Abschuss freigeben!“ „Das tut sie auch, wenn Scholz atmet.“ „Sie meinen, wir hätten auch nicht besser reagieren können?“ „Eben, und unsere Klientel kriegt von der Inflation nichts mit, weil die ihr Vermögen in Aktien und Immobilien steckt.“ „Während Scholz’ Wähler…“ „… reale Einbußen haben.“ „Großartig!“

„Warten Sie’s ab, die Pflege wird denen auch um die Ohren fliegen.“ „Das liegt aber auch an der Tarifautonomie und an den Klinikkonzernen.“ „Wir hätten diese Linie halt nicht weiter durchziehen und verschärfen können, jetzt erntet die Ampel, was wir gesät haben.“ „Sie könnten höchstens Pfleger aus dem Ausland anwerben.“ „Da müssen wir schweren Herzens wieder eine Hetzkampagne gegen Wirtschaftsasylanten anstimmen, die deutschen Fachkräften die Arbeitsplätze wegnehmen.“ „Das ist widerlich!“ „Aber wirkungsvoll.“

„Und die ganzen anderen Sachen, die der SPD das Leben schwer machen?“ „Das geht alles seinen Gang: wenn die Autobranche freiwillig aus den Verbrennern aussteigt, lastet Springer das Scholz als Volksverrat an.“ „Und sonst?“ „Schauen Sie, wir haben die Digitalisierung ausgebremst, wir haben im Windschatten der Pandemie Steuergelder in unappetitlicher Höhe verbrannt, den Rechtsruck durch einen Faschisten als Verfassungsschutzchef befördert, ausschließlich Kasperletheater gegen den internationalen Terrorismus veranstaltet – jetzt gucken wir uns in Ruhe an, wie die Linken das alles wieder aufräumen.“ „Bedenken Sie, ein CDU-Kanzler wüsste, wie man die Fehler beseitigt.“ „Ein SPD-Kanzler muss sie erst mal finden.“

„Das einzige Problem ist, wir können nicht wie sonst Angstgeheul vor den Roten anstimmen, wenn das Volk sie nun mal gewählt hat.“ „Ach was, wir müssten nicht einmal unsere Haltung ändern.“ „Aber das…“ „Konservative müssen immer alles ablehnen, aber wir hatten halt im Wahlkampf nur dieses Genderdings.“ „Und jetzt?“ „Jetzt haben wir eine ganze Regierung, die unsere Arbeit macht.“ „Und Sie meinen, das klappt?“ „Ich bin mir absolut sicher.“ „Wirklich?“ „Wirklich. Oder was meinen Sie, warum Söder gerade so scharf auf Opposition ist?“





Abschussball

23 09 2021

„Hallo, München? Können Sie mich hören? Hallo? Was ist das denn da für ein Lärm? Feiern Sie etwa heute schon? Und kann mir mal einer den Chef an die… – Ach so, Sie sind es selbst?

Ist Ihnen nicht gut, Herr Söder? Ich kann gerne später noch mal anrufen, wenn Sie mehr Zeit haben. Das klingt ja, als seien Sie momentan beschäftigt, oder was ist das da im Hintergrund? Haben Sie das Oktoberfest in die Staatskanzlei verlegt? Sie sind gar nicht in der Staatskanzlei? Rufweiterleitung ins Franz-Josef-Strauß-Haus, verstehe. Deshalb auch diese Geräuschkulisse. Ist das eine Blaskapelle oder haben Sie nur den Heimatsender aufgedreht? Was!? mir soll’s ja egal sein, wer da spielt, aber finden Sie das nicht ein bisschen sehr extravagant? Vor allem ist das sauteuer, wenn die alle eingeflogen werden müssen, von der Umweltbilanz ganz zu schweigen, aber wenn Sie meinen, dass das… –

Ich dachte schon, Sie seien weg, Herr Söder. Ja, ich bin noch dran, was machen Sie da eigentlich in der Parteizentrale? Party? Aber die Wahl ist doch erst am Sonntag, da können Sie doch jetzt noch nicht wegen der… – Allerdings, ich habe die letzten Umfragen gelesen. Sah gar nicht mal so gut aus. Deshalb bin ich ja auch so irritiert, dass Sie heute feiern, das kann ich mir nämlich gar nicht… – Das ist ja schön, dass Sie so toll jodeln können, Herr Söder, ich glaub’s Ihnen auch, das müssen Sie mir jetzt nicht… – Meine Güte, diesen Lärm, kann man den nicht abstellen? oder gehen Sie meinetwegen in den Nebenraum, da können wir ungestört… – Dann jodeln Sie halt, Herr Söder, ich muss mir das ja nicht unbedingt anhören, oder?

Was ich eigentlich wollte, es geht noch um die Beschlussvorlagen der Landesregierungen zum… – Herr Söder, eine Minute, der Bundesrat will das bis spätestens morgen haben, damit wir das Verfahren zur Gesetzgebung in die… – Sagen Sie Bescheid, wenn Sie fertig sind mit Jodeln? Ich könnte in der Zwischenzeit noch im Finanzministerium anrufen und die Absicherung der… – Bei Ihnen? Scholz? Hat der Mann denn keine Wahlkampftermine mehr? Stand schon seit Wochen fest? Wahrscheinlich hatte er wieder eine seiner Erinnerungslücken, ab und zu ist ja auch die Zukunft davon betroffen, in diesem Fall die Zukunft Deutschlands. Aber egal, sagen Sie ihm doch mal, ich bräuchte die Vorlage aus dem Gremium, damit wir die… – Herr Söder, ich will jetzt nicht mit Ihnen anstoßen, das können wir demnächst in der Staatskanzlei, aber jetzt muss ich die gesamten Papiere für die… –

Das ist der Bayerische Defiliermarsch, ich weiß, aber ich möchte mit Ihnen jetzt nicht über die… – Sagen Sie mal, haben Sie getrunken? nein, nicht, ob Sie etwas getrunken haben, ich frage: haben Sie getrunken, Herr Söder? Aha. Ja, ich weiß, was das ist, und dass das eine bayerische Spezialität ist und ziemlich teuer, und ich muss jetzt trotzdem noch mal fragen, ob Sie noch in Lage sind, also nicht: ob Sie sich noch in der Lage fühlen, mir einige Fragen zu beantworten, ob Sie die… – Ja, das würde ich den Minister Scholz auch fragen, aber darum geht’s gerade nicht, auch nicht, ob Sie gerade noch gerade gehen können, Herr Söder, Witze sind momentan eher unangebracht, und ich… – Ja, man muss Feste feiern, oder bei Ihnen wohl eher feste feiern, Sie sind offenbar nach ein bis zwei von diesen… – Aus dem Maßkrug!? Sind Sie total übergeschnappt, das trinkt man doch nicht aus dem Maßkrug!

Löwen? Ist das auch wieder so eine Anspielung auf das Wappen oder das CSU-Logo oder auf die Gladiatorenspiele, die Sie da veranstalten? Aus dem Kronebau!? Entschuldigen Sie mal, haben Sie noch alle Tassen im Schrank? Zehn Raubkatzen auf einer Party, das ist ja… – Wer findet das gut? Baerbock? Die Baerbock? hatte sich den Termin frei gehalten und feiert jetzt mit? Ein Glas Riesling und Bio-Apfelschorle? Hören Sie, Herr Söder, es ist ja nett, wie Sie Ihre politische Konkurrenz auf dem Fest haben, aber wir müssen doch jetzt die wirklich wichtigen Fragen für die… –

Nein, ich habe keinen blassen Schimmer, als was Sie sich verkleidet haben, Herr Söder. Ich will auch nicht raten. Meinetwegen, Ludwig II.? Ah ja, darauf hätte ich auch kommen können. Ich weiß gar nicht, was daran so witzig sein soll, das hatten Sie doch schon mal… – Sagen Sie mal, Sie haben doch irgendwas geraucht? Ich will gar nicht wissen, was Sie da konsumiert haben, ich bin nur mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass Sie nicht mehr zurechnungsfähig sein können. Im Prinzip ist mir das ja egal, Sie können da rauchen, was Sie wollen, aber ich habe hier eine Gesetzesvorlage, und jetzt hören Sie verdammt noch mal auf zu jodeln, sonst werde ich gleich richtig sauer! Sie brauchen gar nicht so albern zu kichern, das wird alles Konsequenzen haben, wenn nämlich morgen die Meldung ans Bundeskanzleramt geht, dass die Vorlagen nicht rechtzeitig wieder angekommen und beglaubigt sind, dann kann ich Ihnen versprechen, dass die Kanzlerin Ihnen gewaltig in den… –

Frau Merkel ist in München? bei Ihnen!? Auf der Party? Mit Hütchen? Sie hat was mitgebracht!? Ich glaube Ihnen kein Wort mehr, das geht jetzt entschieden zu weit! Hören Sie auf, Herr Söder, ich werde mir das nicht mehr länger mit anhören, jetzt ist Schluss! Das ist eine bodenlose Unverschämtheit, was Sie da… – Sie strapazieren meine Geduld, Herr Söder! Was zum Teufel feiern Sie da eigentlich? Sie haben doch gerade jetzt gar keinen Grund, sich zu… – Noch vier Tage, dann ist Laschet Geschichte? Meine Güte, warum sagen Sie das nicht gleich!“





Wählertäuschung

20 09 2021

„… darauf hinarbeiten werde, dass beim Sieg der SPD eine Koalition mit der FDP und den Grünen möglich sei. Im Falle einer Zuwiderhandlung werde Söder alle parlamentarischen Mittel nutzen, um die Verweildauer eines Konkurrenten im Amt so kurz wie nur rechtlich zulässig zu…“

„… gehe man auch im Konrad-Adenauer-Haus davon aus, dass es sich bei der Wahl leidlich um eine Momentaufnahme der politischen Meinung einer Minderheit handle, die an der Abstimmung teilgenommen habe. Im Gegensatz dazu könne man belegen, dass die Volksmeinung den einzig legitimen, da von Gott gesandten Kandidaten als Retter der Nation vor den sozialistischen…“

„… gehe Scholz inzwischen davon aus, dass die Äußerungen des CSU-Chef ein weiterer Versuch seien, eine erneute Große Koalition zu bilden. Dies werde er aber nach jetzigem Stand nicht zulassen und vertraue auf die Verhandlungen mit dem…“

„… zu Irritationen geführt habe, da manche der Unionsmitglieder aus dem inneren Kreis um den Kanzlerkandidaten ihre Befürchtungen geäußert hätten, sie würden im Falle eines Wahlsieges bei der Ämtervergabe nicht ausreichend berücksichtigt. Vor allem dreizehn Parteifreunde, denen Laschet das Kanzleramt versprochen habe, seien derzeit nachhaltig verärgert mit dem…“

„… dass die ungebrochen ansteigende Quote an Briefwahlstimmen zur Verzerrung des Ergebnisses beitragen werde. Söder habe angekündigt, dass in Bayern nur vorab eingereichte CSU-Stimmen in das Endergebnis einfließen würden, da man bei anderen davon ausgehen könne, dass Enkel, Kinder oder anderweitig linksextremistisch indoktrinierte Feinde des christlichen Lagers eine…“

„… auch möglich sei, dass der Kanzler nicht aus der Mitte des Deutschen Bundestages gewählt werde. Da Laschet vermutlich nicht dem Parlament angehören werde, sei es im Ergebnis egal, ob die Union den CDU-Kandidaten oder besser gleich ihn zum Regierungschef mache. Söder wolle auf jeden Fall mit parlamentarischen Mitteln die Macht für ein Bündnis mit der…“

„… eine Regierung unter Laschet zwar als legitimen Nachfolger akzeptieren werde, solange das Bundesverkehrsministerium weiterhin in CSU-Hand sei und die verabredeten Finanzmittel in den Freistaat transferiere, sich bei weiteren Fragen der Ämterbesetzung aber Nebenabreden vorbehalte, etwa in der Frage, wer als Bundeskanzler für…“

„… dass vom Bundesverfassungsgericht geprüft werden müsse, ob nicht ein besonders schwerer Fall von Wählertäuschung vorgelegen habe. Die CSU sei davon ausgegangen, dass der Kanzlerkandidat der Union ein geistig gesunder, zurechnungsfähiger Mann von politischem Sachverstand sei, dem man jederzeit zutrauen könne, dass er seine Schuhe ohne fremde Hilfe zubinde. Da dies offensichtlich nicht zutreffe, sei diese Bundestagswahl ungültig und müsse schnellstmöglich wiederholt werden, und zwar mit einem Kandidaten, der nicht als…“

„… stehe die christsoziale Partei loyal zum CDU-Kandidaten. Der bayerische Ministerpräsident spreche ihm ausdrücklich sein uneingeschränktes Vertrauen aus und werde ihn nach Möglichkeit nicht weiter in die Kandidatur…“

„… sei es durchaus möglich, wenigstens die gemeinsame Führung der Unionsparteien auf den Chef der Christsozialen zu konzentrieren. Laschet werde nach einer verlorenen Wahl und ohne ein parlamentarisches Amt und die dazugehörige Indemnität im Visier strafrechtlicher Ermittlungen stehen, weshalb eine zeitnahe Entlastung ganz im Sinne der Parteibasis und der…“

„… dass ein Koalitionsvertrag auch den Passus enthalten könne, der die Amtsnachfolge des Bundeskanzlers regle, wenn dieser nach Ansicht der Parteiführung nicht mehr das Vertrauen der Partei oder ihrer Führungsgremien genieße. Söder sehe eine jährliche Abstimmung als guten Weg, um 2022 die Regentschaft für den bis dahin nicht mehr von der Union getragenen…“

„… eine Koalition des größten Fortschritts mit SPD und Grünen bilden könne. In diesem Fall sei mit Scholz und Baerbock vereinbart worden, dass das Bündnis nicht mit Laschet geschlossen werden solle, da dieser für grundlegenden Fragen erheblich zu wenig Ahnung von Bereichen wie Politik, Wirtschaft oder…“

„… rate Söder, alle an die Union fallenden Ressorts im Bundeskabinett gleich mit Ministern aus der CSU zu besetzen. So falle es bei Neuwahlen oder einer informellen Amtsübernahme durch ihn dem Volk sehr viel leichter, eine Kontinuität in der politischen Willensbildung nach der…“

„… das Amt eines Hofnarren einführen wolle, das Laschet bis auf Weiteres ausüben dürfe, bis sich die Strafverfolgungsbehörden mit seinen…“

„… sei es jetzt noch zu früh, um die Übernahme der CDU durch ihre bayerische Schwesterpartei zu beschließen. Spätestens bei diesem Schritt werde es aber unumgänglich sein, aus Tradition die Einheit wiederherzustellen durch die Personalunion von Parteivorsitzendem und Bundeskanzler, wie es bereits im…“

„… dass die FDP ebenfalls Teil der nächsten Regierung sein müsse, weil Lindners politisches Schicksal daran hänge. Er werde sämtliche Befehle aus München wohlwollend empfangen und freue sich schon auf eine vertrauensvolle und…“

„… seien Abschiebungen integraler Bestandteil der CSU-Identität, so dass man aus folkloristischen Gründen für Laschet auch einen Daueraufenthalt in Brüssel oder…“





Bananenrepublik

13 09 2021

07:03 – Fluchend verlässt Rentner Ernst K. (85) die Kaufhalle Malschwitz (Landkreis Bautzen), da es am Tag nach der Bundestagswahl keine Bananen mehr gibt. Empört klingelt der ehemalige Schreiner und jetzige AfD-Funktionär die Anwohner am Dorfplatz aus dem Bett, um die Wiederkehr des verhassten Sozialismus zu verkünden.

07: 19 – Ein Anruf in der Hauptstadtredaktion von BILD versetzt den Springer-Konzern in Aufruhr. Die Chefredaktion versendet per SMS die Botschaft „Sozialismus Start“ an dreißig Reporter, deren Aufgabe es nun ist, Beweise für den jähen Umbruch in Deutschland zu finden. Eine zweite Nachricht aus der Konzernspitze lautet: „Wir schaffen das!“

07:26 – Im benachbarten Kubschütz sind sämtliche Telefonketten heiß gelaufen. Kaufmann Ronny T. (38) holt eine halbe Stunde vor Geschäftsöffnung die verbliebenen Südfrüchte der Freitagslieferung aus dem Kühlraum und bereitet sich auf die Kunden vor, die erfahrungsgemäß schon gegen zehn Uhr die Filiale betreten. Es gibt Bananen, auch wenn diese eher selten gekauft werden.

07:31 – Die hastig zusammengezogene NPD-Kampfgruppe Doitsche Ehre wartet auf Verstärkung aus der Kreisstadt. Bisher sind noch keine Mitglieder der Kameradschaft Bautzen Ausländerfrei auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt eingetroffen. Die jungen Neofaschisten vertreiben sich die Zeit mit Rauchen.

07:58 – Einzelhandelskauffrau Melinda Z. (27) will für die Geburtstagsfeier ihres Gatten Bananenbrot backen und bietet Filialleiter Ronny T. für die verbliebenen Schlauchfrüchte zehn Euro an. Nach kurzer Qualitätskontrolle einigen sie sich auf sechs Euro für das Gebinde, das während des Tages im Kühlraum verbleiben soll.

08:04 – Das nationale Kommando betritt den Laden und verlangt in herrischem Ton Südfrüchte. Da sie verständlicherweise nur noch deutsches Obst in der Auslage vorfinden, reißen sie mehrere Regale in der Frischeabteilung zu Boden. Ronny T., der in seiner Jugend ebenfalls Mitglied in einer völkischen Bewegung war, holt den Baseballschläger aus der Kassenbox. Einer der Besucher erleidet einen Schädelbasisbruch, zwei weitere verlieren den überwiegenden Teil ihrer Frontzähne.

08:32 – In einer Reportage auf BILD TV besucht eine investigative Journalistin, gespielt von einer Mitarbeiterin des Springer-Konzern, zehn Einzelhandelsgeschäfte in Berlin, in denen sie keine Bananen findet. Die Aussagen der Ladeninhaber, sie hätten am betreffenden Tag kein Frischobst im Angebot, werden von einer mobilen Einheit so geschnitten, dass sie den Tenor der als sozialismuskritisch angekündigten Sendung klar wiedergeben.

08:35 – Im Konrad-Adenauer-Haus herrscht wachsende Anspannung. Nachdem der Hausmeister versehentlich ein Paar rote Socken hatte mitgehen lassen, kann der unterlegene Kanzlerkandidat nun nicht mehr für einen Pressetermin posieren. Die von der Wahlkampfmanagerin geleitete Kommission zieht sich zu einer Klausurtagung zurück, um die Strategie für eine CDU-geführte Große Koalition zu erarbeiten.

08:43 – Das Team von BILD TV wird tätlich angegriffen. Sie hatten nach einem Floristen und einem Fahrradladen ein Schuhgeschäft und ein Brautmoden-Center besucht, in denen sie gar nicht erst nach Bananen gefragt hatten. Der Inhaber des Obst- und Gemüseladens, der wie immer frische Bananen auf den Bürgersteig gestellt hatte, will seine Ware zurück.

09:01 – Der ADAC ist in der Bautzener Ostvorstadt angekommen. Der auf der Löbauer Straße mit einem Achsbruch liegen gebliebene Laster verfügt über ein Kühlaggregat, so dass vierzig Kisten mit Frischobst, davon zehn mit Bananen, sich noch immer in gutem Zustand befinden und im Laufe des Tages von einem Ersatzfahrzeug ausgeliefert werden können. Die umliegenden Geschäft im Osten der Kreisstadt entlang der Bundesstraße 6 werden telefonisch informiert.

09:26 – Mehrere rechtsgerichtete Medien melden, durch den von Wahlsieger Scholz blitzkriegartig eingeführten Sozialismus gebe es in Deutschland keine einzige Banane mehr. Der Handelsverband Deutschland, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband sowie die Pilotenvereinigung Cockpit erheben schwere Vorwürfe gegen den designierten Wirtschaftsminister Merz, dass es keine präventive Einlagerung strategisch wichtiger Güter für den Fall einer nationalen Katastrophe gegeben habe. Der Sauerländer gibt auf einer improvisieren Pressekonferenz zu erkennen, dass er nicht weiß, worüber geredet wird, da seine Berater es ihm noch nicht erklärt haben.

09:32 – Nach einer kurzen Unterhaltung mit der Polizei, die die Verletzten bereits kennt und aus der Kontroverse unter ehemaligen Bekannten keine große Sache machen möchte, da keine fremdrassige Störkraft an der Aktion beteiligt war, räumt Ronny T. die Frischeabteilung auf. Sein Auszubildender Enrico F. (19) nimmt die Benachrichtigung des Spediteurs entgegen und beschließt, die Lücke im Sortiment mit einer Kiste Tafelbirnen großzügig zu kaschieren.

09:49 – Ein als Che Guevara verkleideter Springer-Mitarbeiter zerkratzt in der Tiefgarage einer Unternehmensberatung die Luxuslimousinen der Vorstände. Da sämtliche Stellplätze per Videoüberwachung gesichert sind, die an eine Gesichtserkennungssoftware angeschlossen ist, wissen die Polizisten beim Anrücken bereits, um wen es sich handelt. Er protestiert nicht gegen seine Festnahme, kann aber nicht verhindern, dass ihm vor laufender Kamera die Maske abgenommen wird und die Polizisten ihn mit Namen ansprechen.

10:04 – Ein Kurierdienst liefert zehn Flaschen Weißwein an Franz Josef Wagner. Er lässt sich den Empfang der Flaschen quittieren.

10:25 – Im Konrad-Adenauer-Haus wird erörtert, ob die Botschaft, Scholz habe auf Anordnung von Putin einen Nerobefehl erlassen, um das deutsche Volk innerhalb weniger Tage verhungern zu lassen, in der Wählerschaft noch verfängt und ob es noch zu einer Meinungsänderung in der SPD führen wird. Die stellvertretenden Vorsitzenden sind einhellig der Meinung, nur ein geistig minderbemitteltes Arschloch würde derartigen Scheißdreck öffentlich äußern.

10:30 – Vor den bereits seit einer Stunde wartenden Pressevertretern äußert der unterlegene Kandidat der Bundestagswahl, Scholz habe auf Anordnung von Putin einen Nerobefehl erlassen, um das deutsche Volk innerhalb weniger Tage verhungern zu lassen. Die SPD habe immer auf der falschen Seite gestanden, deshalb könne auch nur er als der legitime Nachfahre aller deutschen Kaiser seit Karl dem Großen aus Wasserstoff Bio-Bananen machen.

10:41 – Söder lässt sich in der Frühstückspause vor der Bayerischen Staatskanzlei ablichten. In letzter Minute haben die Hilfskräfte aus dem Obstkorb, der unscharf im Hintergrund zu sehen sein soll, eine Staude Bananen entfernt. Der CSU-Chef lässt dem gescheiterten CDU-Kollegen für seine Suche nach Koalitionspartnern ausrichten, wenn keine Bananen mehr in Reichweite seien, solle es er doch mit Kiwi versuchen.

11:07 – In den Redaktionen deutscher TV-Sender herrscht pure Verzweiflung. Dreierteams mit Reporter, Kamera und Ton sind in Hamburg, Köln, Stuttgart und Frankfurt unterwegs, um O-Töne von besorgten Bürgern für die Mittagsmagazine zu erhalten. In keiner der Städte lässt sich ein Geschäft ohne ausreichenden Vorrat an Bananen filmen.

11:17 – Studio Dresden meldet einen Gemüseladen in Kötzschenbroda, der angeblich keine einzige Banane im Sortiment haben soll. Das Filmteam rast auf direktem Weg nach Radebeul, um exklusive Bilder für das ZDF-Mittagsmagazin zu erhalten.

11:34 – Auf Nachfrage der Reporter, ob Laschet aus Bio-Bananen auch Stahl erzeugen könne, gibt der CDU-Chef zu erkennen, dass er über diese wirtschaftspolitisch sehr wichtige Frage erst lange nachdenken müsse. Er könne aber jetzt schon ganz klar sagen, dass dies kein sozialistischer Stahl sei, sondern ein deutsches Qualitätsprodukt, mit dem er ganz allein das Klima retten und jeden weiteren Lockdown verhindern werde.

11:57 – Das ZDF-Team erreicht gerade noch vor der Mittagspause das Geschäft am Lößnitzbad. Wie ihnen Inhaber Tino G. (59) ungehalten zu erkennen gibt, bedeute das Ladenschild Gemüsekiste genau das, nämlich ein Fachgeschäft für Gemüse, in dem es noch nie eine einzige Banane zu kaufen gab. Auf den Vorschlag von Reporter Simon E. (34), für den Filmbeitrag das Schild zu verhängen und eine nicht ganz so realitätsnahe Geschichte zu erzählen, reagiert der Händler ungehalten. Er bezeichnet die Mitarbeiter als Abgesandte der Lügenpresse und droht ihnen an, sie mit frischem Staudensellerie zu verprügeln.

12:06 – In der BILD-Redaktion geht per SMS die Botschaft „Die Sau ist voll“ ein. Das lyrische Thinkpiece der Nation ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit.

12:25 – Eine Pressemitteilung der CSU wird an die Redaktionen großer deutscher Tageszeitungen gefaxt. Unabhängig von der Bananensituation gebe Söder sein Wort als führender Konservativer in der Bundesrepublik Deutschland, dass seine Partei ein Gendergesetz der Stalinistischen Volkspartei und der Öko-Gaga-Verbotsdiktaturvolksfront namens Die Grünen bis vor das Europäische Gericht für Menschenrechte bringen werde. Allein im Freistaat Bayern werde man die internationalsozialistische Linksruck-Zerstörung schnell bemerken, wenn die Gelder für Verkehrsprojekte um bis zu 600% niedriger ausfallen würden.

12:48 – In einem Radiointerview wird Tino Chrupalla gefragt, was sein deutsches Lieblingsobst sei. Er nennt ohne zu zögern die Banane.

13:14 – Die Pressestelle im Willy-Brandt-Haus bekräftigt die Absicht der Sozialdemokraten, den Mindestlohn so schnell wie möglich auf zwölf Euro anzuheben. Die Kunde wird kritisch aufgenommen. Während die Freidemokraten monieren, dass eine zu hohe Kaufkraft im Prekariat die Bananen für Leistungsträger unerschwinglich machen könnte, verlangt Alice Weidel, dass die Erhöhung nur für Deutsche gilt, da sonst orientalische Vergewaltiger und nordafrikanische Messerstecher völkischen Arbeitern das Obst wegfressen.

13:33 – Ein Rettungswagen wird zum Konrad-Adenauer-Haus gerufen. Es handelt sich um einen Notfall, bei dem einem designierten Bundesminister von einem engen Mitarbeiter eine Banane so tief in den Darmausgang geschoben wurde, dass das Objekt nicht ohne medizinische Hilfe wieder entfernt werden kann. Der Vorfall muss unbedingt vertuscht werden. Noch kurz zuvor hatte Merz den nationalen Notstand ausgerufen, da es im ganzen Bundesgebiet keine einzige Banane mehr gebe.

13:40 – Nathanael Liminski befindet sich auf dem Weg der Besserung.

13:49 – Das sächsische Filmteam hat in Pirna ein Lebensmittelgeschäft entdeckt. Durch das Fenster ist die leere Bananenkiste im Obstsortiment klar zu erkennen. Die drei Mitarbeiter treten ein, um in einer Blitzreportage auf den eklatanten Mangel an Südfrüchten aufmerksam zu machen. Nach einer kurzen Ton- und Lichtprobe werden sie von Mandy K. (22) rüde zur Seite geschubst. Die Verkäuferin räumt eine neue Kisten Dessertbananen der Sorte Cavendish ein. Simon E. erleidet einen Nervenzusammenbruch.

14:04 – Söder betont nochmals, dass die von Pol Pot, Mao und Hitler inspirierten Grünen das Benzin mit einer Strafsteuer zur Finanzierung riesiger Windkraftanlagen verteuern wollen, um alle Kirchen in Deutschland abzureißen und durch die lebensgefährlichen Propeller zu ersetzen. Zugleich werde der Preisanstieg beim Kraftstoff Bananen so teuer machen, dass die durchschnittliche deutsche Familie im Jahr bis zu hunderttausend Milliarden Euro mehr ausgeben müsse. Sofort nach dem Verbot des Genderzwanggesetzes werde die CSU diese Regelung durch den Einmarsch von NATO-Truppen und einen förmlichen Protest beim DGB unterbinden.

14:36 – Erstmals meldet sich auch Wahlsieger Olaf Scholz zu Wort. In einem kurzen Pressestatement betont er, dass nicht nur jede vierte Banane aus indischem Anbau stamme, so dass Deutschland und die EU nicht von China abhängig seien. Außerdem sei es eine Legende, dass Konrad Adenauer seine Zustimmung zur Gründung der EWG nur gegeben hätte, wenn der jungen BRD nicht zollfreie Bananenimporte garantiert worden seien. Vielmehr habe ein Zusatzprotokoll zu den Römischen Verträgen besondere Bedürfnisse bei der Einfuhr von Bananen nach Deutschland festgestellt. Man wisse, dass Kalium und Magnesium gut für die Hirntätigkeit von CDU-Führern seien, bei Laschet würde ein Doppelzentner Bananen täglich wohl knapp ausreichen.

14:50 – Im Konrad-Adenauer-Haus wird unterdessen heftig diskutiert, ob das Bananenverbot nicht eigentlich eine Idee der Linken gewesen sei, um die Deutschen frühzeitig auf DDR-Verhältnisse in einer Mangelversorgung einzustimmen, bevor einzelne Waren und Dienstleistungen von den Grünen mit einzelnen Verbotsgesetzen abgeschafft werden. Die These, Annalena Baerbock sei in Wahrheit der Antichrist, kann sich nur knapp im Vorstand der Christdemokraten durchsetzen. Ein unangenehmer Geruch hängt im Raum, da Paul Ziemiak eine leicht zerdrückte Banane verzehrt.

15:03 – Die Deutsche Polizeigewerkschaft beklagt in einer Videobotschaft, dass es überall in der Republik große No-Go-Areas gebe, in denen man auf der Straße jede Art von Drogen oder Waffen, nicht aber Bananen kaufen könne. Der Vorsitzende Wendt kündigt an, nach der Machtergreifung von Laschet Berlin mit der Panzerfaust zu säubern.

15:05 – Merz kündigt den Schulterschluss zwischen AfD und CDU an. Sofort nach der Vereidigung als Bundeskanzler werde er Landwirtschaftsminister Maaßen anweisen, in Mitteldeutschland die Zucht der rasserein deutschen Banane zu starten, die bis zum Jahr 2059 zum Kilopreis von etwa 150 Euro in den Kolonialwarenläden angeboten werde. Die zur Bewerkstelligung des Projekts notwendigen Kräfte werde man aus der Zwangsarbeit für Erwerbslose rekrutieren, wobei Merz sozialromantischen Ideen wie einem Mitarbeiterrabatt für Erntehelfer gleich eine Absage erteile.

15:15 – Die Gewerkschaft der Polizei widerspricht den Ausführungen der rechtsgerichteten Beamten. Es gebe in Deutschland keine rechtsfreien Räume, die Sicherheit der Bevölkerung sei Ländersache, und die größten Probleme würde seit Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen auftreten. Einer der führenden Kriminellen im Ruhrgebiet besitze mehrere Obst- und Gemüsegeschäfte, in denen auch Bananen verkauft werden.

15:21 – Die von der sächsischen CDU eilends für den Nachmittag geplante Demo Deutsche Bananen für Deutschland in der Dresdner City findet kaum Beachtung. Bis auf Michael Kretschmer und wenige andere Nationalsozialisten bleibt der Theaterplatz leer.

15:59 – Gerade noch rechtzeitig zur Konferenz trifft Wagners Artikloid über die deutsche Banane ein, in welcher der Kolumnist das endgültige Ende der jüdisch-christlichen Tradition beschwört, weil die Verräterpartei, die auch norwegische Kommunisten als Bundeskanzler nach Deutschland eingeschleppt hat, die Frucht ausrottet, die bereits Jesus in der Krippe von vorüberziehenden Hirten aus dem Morgenland zum Geschenk erhielt. Der Text geht ohne weitere Korrekturen in den Satz.

16:05 – Die Börse Frankfurt gibt bekannt, dass durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in Brasilien die diesjährige Orangenernte schwerer treffen könnten als bisher befürchtet. Der Mangel an Pflückern und Transportarbeitern lasse gerade die Kurse der Groß- und Außenhandelskonzerne einbrechen, die mit dem Import von Südfrüchten aus Übersee Gewinne machen. Der DAX sei fest, da neue Hoffnungen auf eine stabile EU durch den SPD-Wahlsieg und pragmatische Investitionen in Deutschland den Einzelhandel bei Laune halten würden. Ein erstes Anzeichen sei die ungebrochene Kauflaune der Deutschen nach der Wahl, die vor allem der Banane gilt.





Sofortprogramm

2 09 2021

„Es muss aber nachhaltig aussehen.“ „Lassen Sie das mal die Kampagnenleitung machen, wir setzen es um.“ „Kann nicht unser Spitzenkandidat…“ „Laschet!?“ „Wir sind doch froh, wenn der mal nichts tut und die Klappe hält!“

„Also auf jedes Dach eine Solaranlage.“ „Das muss man sich auch erst mal leisten können.“ „Die Chinesen bieten die mittlerweile sehr preiswert an.“ „Weil wir die Solarbranche in die Tonne getreten haben.“ „Unser Landesverband in NRW brauchte halt die Parteispenden.“ „Und der Sohn von Laschet braucht manchmal teure Anwälte.“ „Trotzdem, wir müssen die Planungsverfahren ja verschlanken, wir wollen die Chinesen mitnehmen.“ „Ohne die macht es ja keinen Sinn.“ „Eben.“ „Und wie kann man das der Industrie kommunizieren?“ „Es muss eben nachhaltig aussehen.“ „Und Windkraft?“ „Da sind die Planungsverfahren auch zu lang.“ „Sie haben da nur die Formulare für die Demontage.“ „Sobald das letzte Windrad demontiert ist, bauen wir sofort neue!“ „Logisch, ist ja ein Sofortprogramm.“

„Dieses Riesenpotenzial an Dächern, das die Parteispitze entdeckt hat…“ „Vermutlich war der Kanzlerkandidat mal beim Dachdecker.“ „Wenn es sich um eine Entdeckung gehandelt hat, war’s eher der Wind der Veränderung.“ „Kirchturmpolitik ist auch nicht auszuschließen.“ „… müssen wir für die Umsetzung aller planungsbeschleunigender…“ „Wie, Gender!?“ „Ist doch egal, wir brauchen einen schnellen Erfolg, der auch beim Bürger draußen im Land ankommt.“ „Wie die noch nicht gezahlten Fluthilfen?“ „Das war vor der Wahl.“ „Hallo, wir sind immer noch vor der Wahl!“ „Aber das Dings hier zur Klimaverdingsung, Planung, das ist alles nach der Wahl.“ „Und Klima hatte keiner kommen sehen, so sieht’s doch aus.“ „Wollen Sie jetzt sagen, wir lassen alle Flutopfer auf ihren Schäden sitzen, weil wir nur noch für das Sofortprogramm planen?“ „Es muss schon nachhaltig aussehen.“ „Das ist ja das Problem.“ „Weil die Grünen das nicht können?“ „Doch, aber es ist halt auch ein bisschen schlimm, wenn wir dazu deren Wahlprogramm lesen und dann auch noch umsetzen müssen.“ „Aber wir tun das für Deutschland.“ „Eben, wir machen gute Politik und verhindern gleichzeitig, dass diese sozialistischen Parteien das selbst machen.“

„Kann man nicht zum Ausgleich auch ein paar Punkte aus dem AfD-Programm übernehmen?“ „Wie stellen Sie sich das vor?“ „Naja, wir haben da die eine oder andere Schnittmenge.“ „Personell und im Osten.“ „Das müsste man berücksichtigen.“ „Ich finde, wir könnten ein paar Forderungen für die innerparteiliche Balance schon mitnehmen.“ „So ein paar rechtskonservative Punkte neben ein paar linksradikalen Forderungen sind doch okay.“ „Also bitte, die AfD ist nicht rechtskonservativ.“ „Dafür sind die Grünen ja auch nicht linksradikal.“ „Ich verstehe das mit der Balance trotzdem nicht.“ „Weil wir eigentlich auch nicht christlich sind, und wenn Sie ehrlich sind, demokratisch auch nicht.“

„Wir dürfen jetzt auf gar keinen Fall zu einer Verbotspartei werden.“ „Das mit dem Gendern will ich aber nicht.“ „Das entscheiden ja letztlich auch die Leute.“ „Und wenn wir im Sofortprogramm ein klares Signal für christlich-konservative Werte wie Respekt für…“ „Dann müssten wir auch gendern.“ „Und das Tempolimit?“ „Hängt von den Menschen ab.“ „Notfalls gibt’s Gesetze.“ „Hihi, lustig, wie Sie ‚Verbote‘ aussprechen!“ „Die Solardächer können auch nur die hart arbeitenden Menschen draußen im Land auch nur mit zinslosen Darlehen leisten.“ „Also nehmen wir gar kein Geld in die Hand?“ „Es reicht doch, wenn sich andere verschulden.“ „Und wenn sich dafür die Leute verschulden?“ „Dann sieht’s wenigstens nachhaltig aus.“

„Warum hat Laschet mit dem ganzen Mist nicht schon viel früher angefangen?“ „Da gab es das Wahlprogramm der Grünen noch nicht.“ „Und er war auch nur Ministerpräsident in NRW und musste da eine ganz andere Agenda fahren.“ „Das sehen Sie falsch.“ „Ach ja?“ „Er hätte konkrete Ziele für die Energiewende definieren mssen.“ „Das macht er doch nicht mal jetzt.“ „Dafür sieht es zumindest nachhaltig aus.“ „Genau das ist ja das Problem: es sieht immer nur so aus.“ „Dafür können wir uns sicher sein, im Gegensatz zu seinem Gelächter auf der Gedenkveranstaltung für die Flutopfer bedauert er diesmal nicht nur den Eindruck.“

„Und Sie meinen, das rettet uns den Arsch?“ „Wieso unseren?“ „Geht es nicht nur um Laschet?“ „Und wenn es nicht genug Hausdächer gibt oder Flächen für Windparks?“ „Da müssten wir dann mit ordnungspolitischen Maßnahmen wie…“ „Exakt, Enteignungen.“ „Das müssen wir verhindern!“ „Gut, dass wir darin jede Menge Erfahrung haben.“ „Naja, in Symbolpolitik waren wir bisher auch ganz okay.“ „Aber das reicht nicht aus.“ „Wir können die Menschen draußen im Land doch nicht bei jeder Entscheidung mitnehmen!“ „Eben, dann wären wir ja die Grünen.“ „Und die CDU bräuchte niemand mehr.“ „Wir können Sie so etwas nur sagen!“ „Das darf man nicht mal denken!“ „Nur weil wir heute in dieser Lage sind, ändert man doch nicht seine ganze Politik!“ „Eben, dann würden am Ende noch viel mehr Wähler zu den Grünen abwandern, und wir wären endgültig erledigt.“ „Sieht so aus, ja.“ „Und genau das ist das Problem.“ „Hä?“ „Die CDU ist bald komplett weg vom Fenster, danach sieht’s wohl aus.“ „Aber immerhin nachhaltig.“





Freindliche Übernahme

24 08 2021

„Zweiundzwanzig Prozent – Glückwunsch, das ist die Hälfte von Helmut Kohl! Sauber haben Sie das hingekriegt, sauber! Ich bin überzeugt, dass wir in Landshut, München und Regensburg gerade enorm Bedarf an Popcorn haben, während Sie sich um Ihre Kopf- und Kragenreste schwafeln. Haben Sie sich schon überlegt, wer da in der Wahlnacht auf Knien zur SPD rutschen darf, um sich als Juniorpartner in der nächsten Koalition anzudienen?

Ach, jetzt werden Sie auch noch pampig, weil wir als Christsoziale ja nur eine Bayernpartei sind, die man in der Fraktion mitmachen lässt, weil Sie so großzügig sind. Weil wir eh keine vernünftigen Minister stellen können und das auch seit sechzehn Jahren tun. Weil wir als CSU irgendwann einmal angeregt haben, ein eigenes Wahlprogramm für den Bund zu schreiben – angesichts Ihres Gerümpels ist ein Programm mit Inhalt jetzt ja schon fast ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Union, wie? Sie wollen uns also erklären, dass man Deutschland nicht so regieren kann, wie man ein Bundesland regiert? Seit 1957, Kollegen?

Schauen Sie, wir haben zuletzt auch ein paar Stimmen verloren, trotzdem stellen wir immer noch alle Direktmandate. Angesichts der Tatsache, dass sich Ihre Grinsrübe in Aachen gar nicht erst aufstellen lässt, weil sein Wahlkreis ihn für einen grenzdebilen Schaumschläger hält, sollten Sie über Ihre Performance mal gründlich nachdenken, bevor Sie die Klappe aufreißen. Dass Sie und Ihre Partei kurz vor dem intellektuellen Kollaps sind, sieht man doch schon daran, welche Primaten Sie als Vorsitzende kandidieren lassen. Wenn wir es als Regionalpartei schaffen, bessere Ergebnisse bei den Umfragen zu erzielen als Ihr Lachsack, können wir auch gerne warten, bis Sie angekrochen kommen. Den Kreuther Beschluss kann man jederzeit wieder zur Diskussion stellen.

Ich würde das jetzt mal nicht als Konkurrenz bezeichnen wollen, die belebt zwar das Geschäft, aber das würden Sie wissen, wenn Sie nicht in ihren popeligen Landesverbänden säßen, sondern als die einzige ernst zu nehmende Partei eine politische Einheit gestalten würden: Koalitionen sind Mist, vor allem, wenn man mit Knalltüten wie Ihnen am Kabinettstisch hocken muss. Wir diskutieren nicht, wir schalten aus. Da wir offiziell vom christlichen Geist durchdrungen sind – damit Ihre Opus-Dei-Schwuppen auch mal sehen, wie das geht – werden wir Ihren Laden nicht einfach von der Platte putzen, zumal dann immer noch die Gefahr besteht, dass Sie sich so tief bei den Nazis reinarbeiten, dass Sie irgendwann nicht einmal mehr operativ getrennt werden können. Nein, wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie gar nicht mehr ablehnen können, weil jeder weiß, dass Sie sonst Geschichte sind. Wir übernehmen den ganzen Bums.

Nein, Sie müssen jetzt keine Angst haben. Sie machen einfach Ihren ganzen Mist weiter, genug Erfahrung als Befehlsempfänger sollten Sie in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Das ist wie bei einer Firmenfusion, da kommen die Befehle dann halt nicht mehr von oben, sondern von ganz weit oben. Die Hauptsache ist, dass Sie sich an den neuen Stil schnellstmöglich gewöhnen, damit Sie in den nächsten Wahlkämpfen ausnahmsweise mal glaubwürdig wirken und nicht wie das, was jetzt auf Neudeutsch ‚lost‘ heißt. Integrieren Sie Dinge wie das christliche Menschenbild oder eine gewisse konservative Haltung in Ihre Denke, dann klappt es auch wieder mit der Politik.

Ich wusste, dass der Vorwurf kommt. Das war so klar, ich hätte es auf einen Zettel schreiben und in einen Briefumschlag stecken können, der Ihnen nach der Wahl zugestellt wird. Wir von der CSU sind also beliebig. Ich warte ja nur darauf, dass mir Ihr Pott-Pinocchio Populismus vorwirft. Wir haben die politischen Milieus von SPD und Liberalen in unser Spektrum integriert, da wusste Ihre Kanzlerin noch nicht mal, dass das erlaubt ist. Die CSU ist nicht umsonst ein Parteienaufsauger, wir machen in Bayern vor nichts halt. Diese ganzen Regionalbazis werden absorbiert, da braucht’s keine BVD, keine SPD und keine Durchtriebenenverbände mehr, das machen wir alles selber. Demnächst werden die Deppen vom Aiwanger an die Wand gedrückt, dann ist wieder Ruhe und Gemütlichkeit.

Als freundliche Übernahme würde ich das jetzt auch nicht unbedingt bezeichnen wollen, wir lassen Ihnen ja keine andere Wahl, wenn wir uns auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen. Feindlich auf der anderen Seite aber auch nicht, denn Sie behalten ja alle Ihre Mandate und sämtliche damit verbundenen Nebenverdienste. Bezeichnen wir es mal als eine freindliche Übernahme, das liegt irgendwo in der Mitte und hört sich auch halbwegs bayerisch an.

Sie wollen im Gegenzug als CDU in Bayern antreten? Das halte ich für gefahrlos möglich, Sie werden sich den Kopf kaum an der Fünf-Prozent-Hürde stoßen. Ich nehme an, statt wie bisher Ihre komplett durchgenudelten Parteiversager in der EU zu entsorgen, schicken Sie die jetzt nach München? Wir bauen gerne, und ein neues Landesirrenhaus in zentraler Lage käme uns ganz gelegen. Ja, machen Sie ruhig. Wir haben da eine gewisse Neigung, den anderen beim Scheitern zuzusehen. Das klappt im Moment bei Ihrem Kirmeskasper hervorragend. Zur Not können wir als disziplinarische Maßnahme die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag aufkündigen, dann haben Sie einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Umfrageergebnisse? Sie sind lustig. Das sind Ihre Umfrageergebnisse. Zweiundzwanzig Prozent. Und wissen Sie was, der CSU ist es doch völlig egal, wer unter ihr Bundeskanzlerin wird.“





Saure Gurken

23 08 2021

„… nicht in seinem Haus angekommen sei. Die Personenschützer hätten allerdings nicht bemerkt, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident tatsächlich die Staatskanzlei verlassen hätte, so dass der Verbleib von…“

„… es auch im Verlauf der Vormittagsstunden kein Lebenszeichen von Laschet gegeben habe. Die CDU-Spitze habe mit 13 zu 10 Stimmen bei 75 Enthaltungen bekräftigt, ihren Vorsitzenden in jeder Lage weiterhin als…“

„… es auch keine Hinweise darauf gegeben habe, dass er sich zum Nachdenken zurückziehen wolle. Eine handschriftliche Notiz in Laschets Dienstwagen auf einer Papierserviette laute 10:30 Irgendwas mit Brückenscheiß und sei erst nach gründlicher Durchsuchung des…“

„… am Mittag ein Fax eingegangen sei, dass der Spitzenkandidat der Union entführt worden sei und an einem geheimen Ort gefangen gehalten werde. Die Täter würden sich zeitnah bei den Behörden melden und eine genaue Liste ihrer…“

„… dass ein Bekennerschreiben gar nicht nötig sei, um die Urheberschaft der Grünen unter der Leitung der Antifa GmbH zu beweisen. Als genauer Kenner der linksextremistischen Terrorszene habe Polenz gefordert, sofort die staatlichen Zahlungen an die antifaschistischen Staatsfeinde einzustellen, bevor sie die Kirche verstaatlichen und den…“

„… zunächst nicht aufgefallen sei, dass die Entführer die Durchwahl des Krisenstabes kennen würden, obwohl diese nicht in den Medien genannt worden sei. Liminski vermute, dass es sich um die Nummer des Gremiums handeln könnte, die bereits während der Flutkatastrophe im…“

„… mit den Medien abgesprochen habe, dass die Berichterstattung sehr zurückhaltend sein werde. Es sei daher überraschend, dass Einladungen zur Pressekonferenz in Berlin bereits vor der ersten Polizeimeldung erfolgt seien, so dass sich die Ermittler nicht mehr auf die offiziellen…“

„… sich als Grüne Armee Fraktion zu erkennen gegeben hätten. Die Freilassung des Kanzlerkandidaten werde erst nach der Wahl zum Deutschen Bundestag erfolgen, wenn die von den Terroristen genannten Forderungen an die…“

„… sei es der Polizei bisher nicht gelungen, den Entführungsverlauf zu rekonstruieren. Da die Täter aber auf drei Sicherheitsfragen korrekt geantwortet hätten, gehe man davon aus, dass sich der CDU-Vorsitzende in der Gewalt der…“

„… dass ein Anruf des Entführten beim SEK eingegangen sei, bei dem Laschet selbst gesprochen habe. Der Ministerpräsident habe seine Frau in dem Telefonat angewiesen, für den nächsten Abend noch saure Gurken zu besorgen und sie in den restlichen Kartoffelsalat zu schneiden. Ziemiak habe die Authentizität der Aufnahme bestritten und werde natürlich nun alle zur Verfügung stehenden…“

„… gehe es in erster Linie um Deutschland und die nationale Sicherheit, auf die alle Bürger weiter vertrauen dürften. Merz habe sich sofort angeboten, auch ohne Wahl als Kanzler der…“

„… alle Stadtviertel von Düsseldorf von einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei durchkämmt worden seien. Es sei durch das Vorzeigen einer Fotografie zu bekannten Ergebnissen gekommen, die auch durch die CDU-Wahlplakate aufgetreten wären, dass nämlich durch die Ansicht ein starker Rückgang der Wahlprognosen für die…“

„… den Leiter der Stabsstelle irritiert habe. Die Entführer hätten von der Union gefordert, umgehend den Spitzensteuersatz zu halbieren, was eine Entlastung zahlreicher Millionäre nach sich gezogen hätte. Zur Erklärung habe eine Sprecherin der nach eigener Aussage linksextremen Bande gesagt, man wolle durch diese Maßnahme die Bundesrepublik finanziell ruinieren und für eine Übernahme durch die Weltrevolution nach dem…“

„… von den Entführern mehrere Flaschen Altbier sowie ein Kilo Zwiebelmett angefordert worden seien. Es gebe zwar keine Erklärung dafür, dass diese Lebensmittel nachts im Garten von Laschets Wohnhaus deponiert werden sollten, das SEK gehe dabei aber einem Verdacht nach, der sich durch Nachrichten der Entführer und des…“

„… in einer weiteren Botschaft die Abschaffung der Mineralölsteuer fordern würden. Ziemiak sehe das Vorgehen der Grünen Armee Fraktion als vollkommen unlogisch und habe damit den Beweis, dass es sich tatsächlich um eine Gruppierung handle, die der Spitzenkandidatin der ökostalinistischen Partei in der…“

„… sehe Söder seine eigene Kandidatur als nicht mehr wichtig an. Er werde auch im Falle einer Abwahl Laschets in Abwesenheit seine bereits geplante Rede in der Staatskanzlei zum Anlasse nehmen, sich für das uneingeschränkte Vertrauen der Kanzlerin in die Fähigkeiten des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten zu…“

„… dass die Terroristen den designierten CDU-Regierungschef nur dann am Leben lassen würden, wenn die Bundesregierung mehrere Millionen Euro an seinen Sohn zahlen würden, der sie steuerfrei auf einem Offshore-Konto an der…“

„… in einer nur von innen verschließbaren Abseite im Keller seines Hauses verbracht habe. Laschet sei für mehrere Tage auf etwa zwei Quadratmetern eingesperrt gewesen, habe aber im Sprechkontakt zu seiner Familie und wichtigen Vertrauen aus der Parteispitze gestanden. Weitere Ermittlungen hätten sich an die…“





Extrawurst

3 08 2021

„Haben wir überhaupt so viel Bratwurst auf Lager? sonst müssen wir uns hier irgendetwas anderes einfallen lassen, belegte Brote oder Tankgutscheine oder Autogrammkarten von Armin Laschet. Wobei man da ja nie ganz sicher sein kann, ob der nicht irgendwo abschreibt.

Jetzt bleiben Sie mal geschmeidig, ich habe mir die Aktion ja nicht ausgedacht. Wenn die CDU sieht, dass in Thüringen etwas braun aussieht und den Leuten gefällt, dann wollen sie es natürlich sofort nachmachen. Die Idee ist so bescheuert, die muss einfach funktionieren. Sagt sich zumindest die Bundesregierung, und wenn sich jemand mit total bescheuerten Ideen auskennt, dann ja wohl die.

Wir haben auch den Denkansatz aus München in unseren Überlegungen berücksichtigt, das ist ja eine nicht zu unterschätzende Wählerschicht. Die CSU-Landesgruppe hat gleich die Auflagen prüfen lassen, wie man die Theresienwiese zum Impffest infektionssicher kriegt. Die Infrastruktur ist da, die wird jedes Jahr genutzt, Personal ist vorhanden, aber bringen Sie das mal dem Bayern bei, dass er aus medizinischen Gründen nur alkoholfreies Bier bekommt. Das müsste man nicht unbedingt auch so kommunizieren, das macht die Partei mit anderen politischen Inhalten sonst auch immer, und im Zweifel passiert dann hinterher das Gegenteil von dem, was geplant war, und dann sind alle zufrieden und brauchen nicht einmal jemanden, dem sie die Schuld geben können.

Der Lockdown hatte ja den Alkoholausschank unterbunden, also mussten die Leute zu Hause saufen und haben dadurch weniger Verkehrsunfälle produziert. Das war argumentativ erst mal schwer zu kontern, wir wären sonst innerhalb kürzester Zeit in einer Debatte um Tempolimit und Alkoholverbot im Straßenverkehr gelandet, und dann hätten drei Viertel aller CSU-Politiker ihren Job an den Nagel hängen können. Momentan fällt das in Bayern nicht so auf, weil diese Ersatzflüssigkeitsnazis mit dem Impfgegner-Hubsi für den groben Unfug zuständig sind, aber irgendwann ist der Wahlkampf auch mal vorbei, und dann fangen die Leute wieder an zu denken. Manche zumindest.

Dass Jens Spahn ein privates Bratwurstessen für Gäste für unter zehntausend Euro anbietet, hatte ich auch schon gehört. Man wird aber nur zugelassen, wenn man schon geimpft ist.

Alternativ könnte man im innerstädtischen Bereich auch mit einer mobilen Braterei arbeiten, eine Art Wursteinsatzkommando. Einer hält in der Fußgängerzone den Leuten die Wurst unter die Nase, einer hat die Nadel im Anschlag. Bestimmt wird das nichts, weil wir das nicht ordentlich dokumentieren können. Mobiles Fax ist ja noch nicht erfunden. In ländlichen Gebieten müsste man das Konzept sowieso noch mal modifizieren. Da könnte man in die Dorfkneipe gehen und den Stammtisch durchimpfen. Ich stelle mir das so vor, dass man sich online registrieren kann, die Daten liegen dann für die Bratwurstnachbestellung der zweiten Dosis gleich vor, oder man richtet da eine Telefonhotline ein, damit die Leute ihre Bratwurst reservieren können. Eine App wäre sicher auch echt klasse, die kriegen wir auf die Schnelle nicht mehr hin, aber dafür haben die Leute auf dem Land halt auch keine ausreichende Netzabdeckung.

Das mit den Steuersenkungen haben wir nicht weiter verfolgt. Das kam aus der FDP, deshalb war das nicht automatisch bekloppt, aber da kapieren die Wähler ausnahmsweise mal: wenn die Liberalen von Steuersenkungen reden, dann sind nicht sie damit gemeint.

Wir müssen nur sicherstellen, dass die Leute sich nicht nur wegen der Wurst anmelden und dann die Impfung verweigern. Man könnte vielleicht die Wurst erst gegen Vorlage der Impfbescheinigung aushändigen, aber das erfordert wieder eine genaue Abstimmung innerhalb des Bratwurstzentrums. Und dann haben wir noch die Konkurrenz der Impfzentren, bei denen man keine Bratwurst kriegt, aber auch keinen Termin reservieren muss. Das ist möglicherweise geeignet, unsere ganzen Pläne über den Haufen zu werfen – alle lassen sich impfen, aber wir können das nicht für unsere politischen Zwecke nutzen. Das ist wie eine Flutkatastrophe, bei der man keine Fernsehinterviews führen kann.

Das Problem ist nur, dass wir möglicherweise eine gewisse kritische Zielgruppe nicht erreichen. Ich meine jetzt nicht wegen datenschutzrechtlicher Bedenken, weil da bestimmt irgendwas wieder schiefläuft. Aber wenn das rauskommt, dass die Fleischmafia sich einen Kanzlerkandidaten gekauft hat, um für ein paar Millionen Euro Schlachtabfälle unter die Leute zu bringen, damit sich Wähler impfen lassen, die eigentlich weder CDU wählen noch sich impfen lassen wollten – meinen Sie, das kriegt man mit einer Bratwurst wieder weg?“





Katastrophenhilfe

21 07 2021

„… schon Tage vor der Jahrhundertflut davon in Kenntnis gesetzt worden seien. Merkel sehe nun die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe gegen die Folgen der Katastrophe als notwendigen Schritt auf dem Weg in eine…“

„… lasse sich Laschet nicht von Meteorologen sagen, wie er als zukünftiger Kanzler zu regieren habe. Er werde die Ergebnisse des Krisenstabes aus Nordrhein-Westfalen in einer…“

„… mehrere Jahre dauern werde. Politische Beobachter aus dem Ausland seien nicht überzeugt, dass bis zum Ende der Aufbauarbeiten einer der deutschen Politiker noch auf freiem Fuß, geschweige denn in ihren Ämtern als…“

„… sei der Staatskanzlei nicht bekannt, dass es einen Krisenstab gebe, geschweige denn, dass dieser wegen der Überflutung tage. Möglicherweise habe der Ministerpräsident einen seiner Späße gemacht, um die Unwichtigkeit dieses Gremiums auf deutliche Art in der Öffentlichkeit zu…“

„… dass Scheuer möglicherweise nicht wegen seiner Zuständigkeit für die Verkehrsinfrastruktur zum Leiter der Taskforce berufen worden sei. Es habe Hinweise gegeben, dass er noch über externe Beratungsleistungen im Wert von 600 Millionen Euro verfüge, die bereits bezahlt, aber noch nicht in Anspruch genommen worden seien für eine weitere Klage vor dem…“

„… den Ausfall den Mobilfunknetzes in den betroffenen Gebieten für nicht gravierend halte. Laschet empfehle stattdessen, das Internet zu Hause zu nutzen, sobald die Stromversorgung wieder…“

„… natürlich sofort als Vorsitzender eines nationalen Krisenstabes zur Verfügung stehen werde, wenn dies mit Bundesmitteln für NRW verbunden sein sollte. Andernfalls werde Laschet den Vorsitz eines solchen Arbeitskreises nicht in…“

„… habe Spahn erklärt, er sei mit den letzten beiden Aufträgen zum Management der Testzentren sowie zum Komplettversagen des Managements der Testzentren sehr zufrieden gewesen, da er dort gar nicht erst mitgearbeitet habe. In ähnlichem Maße könne er sich jetzt eine leitende Funktion in der Hochwasser-Taskforce vorstellen, falls sich dies in seinem Gehalt unabhängig von der wirklichen…“

„… die Eindämmung von Hochwassern nur durch konsequente Überbauung aller Flussläufe im Rheinland zu erreichen sei. Scheuer habe die Pläne für ein Netz von 20-spurigen Autobahnen und Schnellstraßen bereits mit einigen gerade neu gegründeten Beratungsagenturen für…“

„… die Abtragung alter Siedlungsgebiete in NRW außerdem eine gute Übungsmöglichkeit sei, wenn Einsatzkräfte gerade keine Jugendlichen verprügeln oder Dörfer niederreißen könnten. RWE hoffe, dass sich unter den Flutgebieten schon in wenigen Jahrmillionen abbaubare Kohle für den…“

„… halte Laschet den Vorschlag Scheuers für ein gutes Konzept. Er werde dafür sorgen, dass der Autobahnbau großen Gewerbeflächen zugute komme, auf denen Küchenstudios und…“

„… stelle die Union ihren Wahlkampf um auf Et hätt noh emmer jot jejange för us, da man mit den Stimmen einiger hundert Todesopfer nicht mehr rechne und daher nicht mehr in ihrem Namen…“

„… die Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen keine Katastrophenhilfe für Privathaushalte mehr zulasse. Obwohl die Landesregierung die Gelder bereits fest versprochen habe, werde man sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, um nicht wie die linksgrünen Parteien einen Raubbau an den…“

„… die Binnenschifffahrt mit Schiffsdiesel auf den Autobahnen zu ersetzen. Nach Scheuers Plan sei der Duisburger Hafen dann zwar nur über die Luft zu erreichen, da ein Luftfrachttaxiterminal die Güter auf die Schiffe bringe, von wo aus sie an den neuen unterirdischen Bahnhof und die…“

„… dass Laschet gegen seine eigenen Gesetze verstoßen müsse, wenn er der Bevölkerung die versprochenen Gelder zur Verfügung stellen wolle. Die Landes-CDU gehe jedoch davon aus, dass er sich in diesem Fall aus wahlkampftaktischen Gründen für ein Festhalten an der juristischen…“

„… eine Befragung der Wähler ergeben habe, dass die Mehrheit keinen Wert auf die Taskforce lege. Etwa 95% der Einwohner meinten zur Katastrophenhilfe, dass die meisten Katastrophen nur mit Hilfe der Landesregierung stattgefunden hätten, weshalb sie keine weitere…“

„… die Kosten des Infrastrukturprogramms bis 2080 jährlich 400 Milliarden Euro benötigen würden. Scheuer habe die Finanzierung bereits sichergestellt, da er fest mit den Einnahmen aus der Autobahnmaut sowie einer Wiedereinführung des Solidaritätszuschlages für Zuwanderer und…“

„… für mehr Vertrauen der Bürger in die Maßnahmen der Taskforce werbe. Laschet wolle auch weiterhin nicht, dass Flutwarnungen an die Bevölkerung weitergegeben würden, da nur der mehrmalige Wiederaufbau in den kommenden Jahrzehnten die Mittel für die geplanten Steuersenkungen in der…“

„… der Straßenbau technisch nicht mehr zu bewerkstelligen sei, da auf lange Sicht nicht mit einer ausreichenden Energieversorgung zu rechnen sei. Scheuer habe in Absprache mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossen, den Bürgern zum Trost eine Verschrottungsprämie für Elektroautos zu spendieren, wenn diese die Fahrzeuge nicht bewegen, sondern statt ihrer alten Kraftwagen auf den geplanten Parkplätzen im…“





Bildungsverständnis

7 07 2021

„Homeoffice ist ja zum Glück bald vorbei, man kann wieder ganz normal mit dem Auto zur Arbeit fahren. Das ist auch ganz gut so, uns fehlen ja nicht nur die Einnahmen aus der Mineralölsteuer, es sind auch die leeren Autobahnen. Wir können doch nicht ständig neue Autobahnen bauen, wenn keiner mehr darauf fährt.

Kommen Sie mir nicht mit Bahnen, die sind viel zu voll – das auch daran, dass die Menschen sich nicht genug Autos kaufen. Deshalb müssen wir die Autos billiger machen, dann lohnt sich ja auch der billige Kraftstoff, und dann haben wir auch einen richtigen Investitionsanreiz, um mehr Autobahnen zu bauen, um den Stau zu vermeiden, der aus der vermehrten Anzahl an Autos resultiert. Das müssen Sie mir nicht vorrechnen, oder denken Sie etwa, die Bundesregierung sei bescheuert?

Haben Sie eigentlich eine Ahnung, was so eine Eisenbahnbrücke kostet? Oder ein Meter Schiene? Das sind enorme Summen, vor allem auch, weil die letzte Bundesregierung die anderen davor nicht im Auge behalten hat, was die Instandhaltung kostet. Wenn man da jahrelang kein Geld ausgibt, muss man irgendwann richtig viel Geld ausgeben. Das ist ein politischer Grundsatz. Das ist so grundsätzlich, damit müssen wir uns noch nicht mal beschäftigen. Und deshalb setzen wir auf den Autoverkehr, weil der viel wirtschaftlicher ist – über so eine Brücke oder diesen Schienenmeter kann ja immer nur ein Zug gleichzeitig fahren, aber über eine Autobahn, da kommt es immer darauf an, wie viele Spuren die hat. Und man kann leichter eine dreispurige Straße fünfspurig ausbauen als eine Eisenbahnbrücke, das muss ich Ihnen doch nicht erklären?

Die Kosten sind übrigens auch viel höher, das kommt noch dazu. Wenn Sie einen Meter Schiene instand halten wollen, müssen Sie auch für Ersatz sorgen. Bei einer Autobahn gibt es einfach eine Umleitung. Und dann haben Sie noch diese Züge, die sind ja auch ganz schön teuer, das kostet den Steuerzahler jede Menge Geld, während so ein Auto der Wirtschaft eine Menge Geld einbringt und ganz nebenbei über die Unternehmenssteuern und die Umsatzsteuer den Steuerzahler netto sogar entlastet. Das entlastet den so sehr, wir könnten eine von den Steuern sogar senken. Dass keine Bundesregierung bisher auf solche Ideen gekommen ist, das wirft nun wirklich ein schwaches Bild auf dies Land.

Wir kommen Sie auf den Gedanken, dass das Auto die Haushalte belastet? Das ist überhaupt kein Thema für den Staatshaushalt, das kaufen Sie sich als mündiger Bürger doch schließlich selbst. Oder erwarten Sie jetzt, dass wir allen Menschen ein Auto kostenlos vor die Tür stellen, nur weil wir ihnen die Autobahnen auch schon kostenlos bis genau an die Anschlussstellen gebaut haben? Sind wir hier im Sozialismus?

Und jetzt kommen Sie mir nicht auch noch mit diesem linksradikalen Tempolimit! Wenn wir das in Deutschland einführen, dann können wir nämlich bald den Laden dichtmachen. Tempo 100 im ICE, da kommen Sie ja nie an! Ich frage Sie ganz direkt, wenn Sie mit dem Bummelzug zum Flughafen fahren, weil Sie nach Mallorca wollen, wie lange wollen Sie denn dann in der Bahn sitzen? Da kann ich ja gleich mit dem Taxi fahren, das ist im Zweifel sogar noch preiswerter als der Zug, weil ich da für den Strom nicht ständig diese unglaublich teuren Windräder in die Gegend bauen muss!

Überhaupt, Windräder – Sie regen sich doch sonst auch immer über Zersiedelung auf und noch mehr versiegelte Flächen, aber haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass man im Umkreis von einem Kilometer um so ein Windrad überhaupt gar nichts mehr bauen darf? Oder ist das für Sie als Verbotsfetischisten dann okay, wenn man dadurch den Verstädterungsprozess fördert, der wieder mehr Straßenbaumaßnahmen in der Stadt erfordert? Das sind alles Folgekosten, oder wie wollen Sie denn bis zur Anschlussstelle kommen? In der Umwelt hängt eben allen mit allem zusammen, aber so weit denkt ja bei Ihnen keiner. Das überlassen Sie wohl lieber der Bundesregierung, die Sie ja ansonsten total ablehnen.

Sie reden doch die ganze Zeit davon, dass diese Klimasache ein globales Problem ist, wieso soll die Bundesregierung sich denn auf eigene Kosten mit regionalen Lösungen daraus verabschieden? Oder gibt es in Ihrer Physik irgendein Modell, bei dem das Abschmelzen der Polkappen durch Windräder in Nordrhein-Westfalen verhindert werden kann? Wobei ich ja eher nicht glaube, dass Sie in Physik irgendwas gelernt haben. Aber das passt ja bestens zu Ihrem Bildungsverständnis, dass Sie die Jugend lieber zu Berufsdemonstranten umerziehen wollen, statt sie etwas Vernünftiges lernen zu lassen, wovon wir diesen ganzen Spaß bezahlen. Oder wollen Sie in Ihrer unendlichen Gnade Ihr Auto verkaufen, um davon ein Windrad zu finanzieren?

Jetzt seien Sie mal nicht gleich eingeschnappt, man kann doch vernünftig über alles reden. Nur halt nicht mit jedem. Wenn Sie ein bisschen mehr Kompromissbereitschaft zeigen würden, wären wir vielleicht auch bereit, uns einen sozialverträglichen Weg zu überlegen, wie man Deutschland ein wenig ökologischer gestalten könnte. Da kommen Sie mit Wissenschaft nicht weiter, das muss man auch für die Zukunft gestalten, und Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie jetzt schon wüssten, was die Wissenschaftler in der Zukunft erzählen. Das wäre ja so, als würden Sie einer Wettervorhersage für nächstes Jahr glauben. Nein, lassen Sie uns das gemeinsam anpacken. Jetzt sofort. Uns hält nichts auf, die Pandemie ist ja zum Glück vorbei.“