Leistungsbilanz

13 09 2017

„Als Justizminister kann ich mir den aber nicht vorstellen.“ „Es geht natürlich noch dümmer.“ „Als Justizminister?“ „Nein.“ „Ich meinte doch: dümmer als der Justizminister.“ „Nein!“ „Was denn dann?“ „Er meinte vermutlich: dümmer als Guttenberg.“

„Irgendein Gedönsdings kriegt man doch für den Typen hin, oder?“ „Als SPD-Frau kann man wenigstens Multitasking, aber was erwarten Sie von dem Schleimpfropfen?“ „Frisurmäßig ist er schon mal besser aufgestellt als die anderen CSU-Leute.“ „Das sind Sie als Zahnbürste nach sechs Monaten Einsatz auch.“ „Mehr fällt Ihnen nicht ein?“ „Eine Zahnbürste hat mehr Ahnung von Wirtschaft.“

„Außenminister wäre doch okay.“ „Meinen Sie nicht, wir waren mit Westerwelle genug gestraft?“ „Das ist doch jetzt pure Polemik!“ „Mehr hätte das Freiherrchen auch nicht zu bieten.“ „Aber der Adel ist doch international vernetzt, oder?“ „Wenn Sie die Verwandtschaft zum amerikanischen Adel auf dem Schirm haben sollten, viel Spaß.“ „Aber…“ „Er meint das nicht so, wahrscheinlich meint er die Atlantik-Brücke.“ „Die dem Binde-Strich?“ „Ist ja auch ein Frei-Herr.“ „Hähähä!“ „In New York hat er doch eine gute Figur gemacht.“ „Wenn Sie sich seine Lebensleistung ansehen, wird er vermutlich als Fake News aussortiert.“ „Wenn Sie sich die Interpretation seine Lebensleistung ansehen, wird man ihn als alternatives Faktenmaterial in den Himmel loben.“ „Gibt es da keinen Unterschied?“ „Kommt darauf an, welches Parteibuch Sie haben.“

„Dann schließen wir irgendeinen Posten im Finanzministerium schon mal kategorisch aus?“ „Er hatte doch bisher nur bei der Wirtschaft versagt?“ „Und Entwicklungshilfe?“ „Wir können notfalls etwas aus den Überresten der anderen Ministerien zusammenrühren.“ „Sie meinen so ein Verfahren wie das, bei dem seine Dissertation entstanden ist?“ „Ein bisschen niveauvoller könnte es schon sein, es geht nicht nur um Bayern.“ „Ministeriumssprecher könnte ich mir vorstellen.“ „Auf keinen Fall, da muss man doch Ahnung haben!“ „Solange er einigermaßen weiß, worüber er redet, kann er doch auch im…“ „Vergessen Sie das am besten schnell wieder.“ „Ja, warum denn nicht?“ „Ganz schnell!“

„Gucken Sie sich doch mal die Leistungsbilanz von Dobrindt an.“ „Das hätte ein lernbehinderter Pinscher an einem Wochenende geschafft!“ „Na, an einem verregneten Sonntagvormittag.“ „Anständige Leute gehen da in die Kirche!“ „Eben.“ „Und das wollen Sie mit dem Guttenberg verhindern?“ „Nö.“ „Aber wieso…“ „Wir haben doch nicht vor, das zu stoppen. Wir toppen das.“ „Hä!?“ „Je dümmer, desto CSU. Mit einem vielseitig minderbemittelten Heißluftdackel setzen wir nachhaltige Maßstäbe für eine unionsgeführte Führung der äääh… Union.“ „Klingt hochpolitisch.“ „Ansatzweise kompetent, wenn Sie mich fragen.“ „Jaja.“ „Super. Echt jetzt.“ „Und wenn die Rechten dann mit Halbakademikern punkten wollen?“ „Was meinen Sie wohl, warum wir Guttenberg ausgegraben haben?“ „Genial!“

„Was ich jetzt nicht ganz verstanden habe, ist Guttenberg die Schadensbegrenzung der CSU oder braucht er erst noch eine?“ „Wo ist denn da der Unterschied?“ „Zu wem?“ „Er meint: zu Dobrindt.“ „Also nicht zu Seehofer?“ „Wegen Begrenzung?“ „Nein, wegen… ach, egal.“

„Und wenn man ihm einfach nicht sagt, in welchem Ministerium er ist?“ „Infradigitales und Außenhandelshilfe?“ „Zum Beispiel.“ „Das ist gar nicht schlecht. Er würde dort jede Menge kreative Ideen entwickeln.“ „Sie meinen, das Gefasel wäre täglich der Brüller in den Abendnachrichten, und der Rest der Christsozialen könnte in seinem Windschatten alle Knalldeppen von der Leine lassen?“ „Guter Plan!“ „Genial!“ „Moment, das ist nicht abgesegnet. Wir haben Dobrindt draußen, der hat ältere Rechte als Cheftrottel.“ „Wenn Sie dem sagen, er könne Söder gewaltig in den Hintern treten, dann tut der alles.“ „Auch wieder wahr.“ „Das hat ja auch nichts mit Bayern zu tun.“ „Was?“ „Was!?“

„Nur mal als Frage: hat das etwas mit dem Adel zu tun?“ „Haben Sie jetzt etwas gegen seine Frau Gemahlin?“ „Nichts, was wirkt.“ „Hallo, ist das nicht…“ „Es gab doch seinerzeit diese Demos, die kann man doch nicht einfach ignoriert haben?“ „Sonst alles klar?“ „Dem geht’s gut, der ist doof.“ „Aber…“ „Der Mann hat bei der Truppe mehr Schäden angerichtet als die Alliierten.“ „Das kann man so nicht…“ „Doch.“ „Ich würde…“ „Nein!“ „Lassen Sie es gut sein, die Stimmung ist gegen ihn.“ „Er hat niemanden als wunderbaren Neger bezeichnet!“ „Sie sehen, so viel Einfluss hat er auch wieder nicht in der CSU, dass er sich das erlauben könnte.“

„Aber Forschung?“ „Alles, wo man noch keine Ahnung hat, kann man als Forschung durchlaufen lassen, oder?“ „Finde ich jetzt etwas weit gefasst.“ „Rechtswissenschaft immer ausgenommen.“ „Da kommen wir uns schon näher.“ „Oder hat ihn die Union schon als Abschreibungsobjekt geholt?“ „Sie kommen sich wohl besonders witzig vor?“ „Gar nicht mal – so im Vergleich mit Seehofer.“ „Ich sehe das als schweren Fehler.“ „Bitte?“ „Was waren denn dann Dobrindt, de Maizière und diese Uschi im Kriegsministerium.“ „Trotzdem.“ „Schäuble, diese korrupte Dumpfnulpe!“ „Egal.“ „Haben Sie überhaupt einen groben Überblick, was die Union den Bürgern in den letzten Jahren alles zugemutet hat an Vollidioten?“ „Selbstverständlich. Aber das sagt man doch nicht vorher!“

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Schützenhilfe

28 08 2017

„Wir wollten eigentlich erstmal nur den Termin verschieben, so aus Servicegesichtspunkten. Sie beobachten uns ja schon ein bisschen länger, da wollten wir nicht, dass Sie das Interesse an uns verdienen, und wir sind auch echt ganz schön dicht dran, aber vorerst wird das wie gesagt nichts mit dem Banküberfall. So aus der organisatorischen Richtung und so.

Was soll man denn machen, wenn der Kumpel den Job verliert – der war nur Produktionskraft bei Schlump & Söhne, aber mit den Schichtzulagen hat das immer gereicht für die Übungsmunition, und irgendwie muss man im Geschäft bleiben. Und da kam uns dann die Idee, dass wir auf eine erprobte deutsche Tradition setzen. Subventionen. Wenn es ohne nicht geht, geht es eben mit. Das ist bei den Banken nicht anders, eine Fluggesellschaft hatten wir auf die Schnelle nicht pleitegehen lassen können, ohne sie vorher zu gründen – man muss ja seit Jahren bis zum Hals in der Scheiße stecken, um für so eine Fusion grünes Licht zu kriegen – und da haben wir uns einen Trick überlegt: nichts tun. Gar nichts. Einfach die Füße still halten, die drohende Insolvenz in eine massive Verschleppung abgleiten lassen, und wenn die Justiz kommt, sind natürlich die anderen schuld. Alle anderen. Wie gesagt, wir haben uns als Familienunternehmen seit 1973 auf Bankraub spezialisiert, wir bilden auch selber aus, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und trotzdem sind wir bei der aktuellen Auftragslage echt machtlos. Da geht gar nichts mehr.

Da kam uns organisatorisch so viel dazwischen. Und finanziell. Und dann musste Hotte wegen der Sache mit dem Typen mit Migrationshintergrund, also eine Prügelei war es nicht direkt, er hatte ja ein Messer dabei, aber er ist jetzt nicht mehr dabei. Das Arbeitsamt schickt einem da nicht die Leute mit den richtigen Qualifikationen, und dann haben wir überlegt, ob wir das privatisieren oder eventuell als öffentlich-rechtliche Partner, oder wie das heißt, und dann könnten wir… – Autobahn? Nee, wir sind doch keine Nazis!

Ach so. Das geht? Also das ist noch nicht ganz klar, ob das rechtlich überhaupt möglich ist? Naja, wenn die Bürger dagegen sind, dann… – Ja, ist bei Bankraub auch so, da haben Sie recht. Im Zweifel handelt es sich beim Kapital zwar um die Kohle der Kapitalisten, aber ohne Parteibuch und Thermomix sind es ja meist auch Bürger. Und wenn wir jetzt eine Aktiengesellschaft, oder reicht das, wenn es mit Maut, ach so. Das geht? Dann machen wir das, und wenn das die Idioten bei der CSU schaffen, ist das für uns sicher kein Problem. Wir haben ja schon etwas länger Erfahrung mit der Wirtschaft und mussten nicht immer jahrlang im Parlament üben.

Klagen können wir, das ist leicht. Wir müssen auf die Freuden des Alltags verzichten, um das Bier und die Schnitzel – ach, das war anders gemeint? Kein Problem, wenn Dobrindt meint, wir klagen, klagen wir eben. Wir haben uns an die Vorgaben des Bundes gehalten, vielleicht haben wir auch ein paar Vollidioten beschäftigt – wenn man Waffen für den Regionaleinsatz kauft oder Aushilfspersonal rekrutiert, kann man nicht immer darauf achten, ob die Leute vorher mal bei einem Bundesministerium eingestellt waren – sonst haben wir immer alles korrekt gemacht. Deshalb können wir heute auch Schützenhilfe verlangen.

Das heißt, wir verlegen jetzt unser Unternehmen in die Branche Straßenraub? Und dann gründen wir eine Partnerschaft und lassen uns finanzieren, um zu beweisen, dass wir viel kostengünstiger sind als die bisher bekannten Finanzierungsmodelle ohne Straßenraub? Verstehe. Und dann drohen wir mit Konkurs, richtig? Aber dafür müsste unsere Firma ja erst mal pleite sein, wie kriegen wir denn das hin? Macht alles Dobrindt? Das klingt gut.

Und unsere Rechtsabteilung schließt dann einen Vertrag? Gut, das bekommen wir vielleicht auch noch hin. Und wir sind vertraglich verpflichtet, uns nicht an den Vertrag zu halten? Also wenn uns der Vertrag nicht mehr passt, weil wir die Einnahmen in der Zwischenzeit alle verjubelt haben, wollen wir mehr Geld haben? rückwirkend? Unter Berufung auf den Vertrag? Ich will ja nicht meckern, aber wir sind ja damals in den Bankraub gegangen, weil das ein sauberes Geschäft ist. Da macht man sich nicht die Finger schmutzig, es ist mit einer gewissen Ehre verbunden, und der Erfolg war verhältnismäßig gut planbar. Meinen Sie, das kriegt man mit so einem Business-Modell auch auf die Reihe?

Wir müssen nur unsere Erwartungen etwas in die Höhe schrauben? Also eine Verdoppelung von jetzt auf gleich? Das hat Ihnen auch der Dobrindt erzählt, ja? Und das unternehmerische Risiko ist gleich null, weil wir immer dann, wenn wir keinen Straßenraub, ich meine: keine Einnahmen, dann wird uns alles vom Staat gezahlt? Das ist clever. Das ist so bescheuert, darauf muss man erst mal kommen. Ich frage am besten gar nicht nach, wer sich das ausgedacht hat. Oder nein – lassen Sie mich raten!“





Vollbremse

23 08 2017

„Kennzahlen haben wir gerade keine, aber ich kann Ihnen zusichern, Deutschland ist auf einem sehr guten Weg. Ja, das hat die Kanzlerin uns selbst noch gesagt, ich weiß gar nicht mehr, wann das war, aber von uns war sowieso keiner dabei, darum müssen Sie mir das einfach mal glauben. Ist ja eh Wahlkampf, nicht wahr?

Natürlich nehmen wir das mit der Demokratie sehr ernst. Wir sind immer für den Föderalismus, auch dann, wenn es mal nicht den Bund betrifft. Da dürfen die Länder und Gemeinden gerne auch mal ihre eigenen Vorstellungen entwickeln. Es soll da vereinzelt Unternehmen geben, die sehen sich trotz guter Konjunktur schlechter als vor drei Jahren. Wir hatten es vor der Wahl schon gesagt: für die Konjunktur können wir nichts. Aber wir sind trotz allem lernfähig, und deshalb sagen wir heute das Gegenteil dessen, was wir, und das sage ich aus tiefster Überzeugung, damals natürlich auch auf einer sehr guten argumentativen Basis… wo war ich? Ach so, ja.

Das sehen Sie an Dingen wie Reaktorlaufzeiten oder Pkw-Maut oder Wehrpflicht, die Kanzlerin ist sich da treu, weil sie sich ändert.

Man muss das den Wählern anders beibringen, anders als noch vor fünfzig Jahren. Damals hatten wir den Russen, der stand irgendwo in der Zone und wollte uns mit der Planwirtschaft fertigmachen, aber wir hatten auch Coca-Cola und Pershings, und da machte die Sache so einfach. Keine Coca-Cola, kein Fortschritt. Jetzt hat der Russe das Gas, da müssen wir mit einer breiteren Argumentation auf die Wähler zugehen, da wir sonst auf eine Vielzahl schlüssiger Einwände reduziert werden könnten, so wahlkampftechnisch gesehen. Wir haben uns mit den Fachkräften aus dem Innenministerium und den anderen ungeschulten Helfern im Kanzleramt auf eine dreiteilige Taktik geeinigt. Angst, Unsicherheit, Zweifel.

Mal so ganz direkt gefragt, wollen Sie in einem Deutschland leben, in dem Ihr Nachbar Ausländer ist und ein Elektroauto fährt? Ah, tun Sie schon. Wenn Sie mir vorher verraten hätten, dass Sie Unternehmer sind, hätte ich natürlich… ach, egal.

Nein, Sie müssen das mal aus der Perspektive Ihrer Angestellten… woher soll ich denn wissen, wie Sie Ihre Angestellten bezahlen? Gut, also der durchschnittliche Wähler, aber nicht vorbestraft. Der fragt sich natürlich: woher kriegt der da nur ein Luxusauto, der ist doch gar nicht integriert, sieht man doch an der Hautfarbe? Das hat mit Neid nichts zu tun, das ist ganz einfach die Einstellung für ein Deutschland, in dem erstmal dieser Wähler gut und gerne leben möchte, und dann schauen wir mal weiter, klar!? Das ist doch legitim, dass man den Ehrgeiz erstmal für sich selbst produktiv macht, oder sehe ich das so falsch?

Wir arbeiten hier in einer konzertierten Aktion. Das mit den Elektroautos haben wir gemacht, damit die FDP denkt, wir wollen die Grünen ärgern, und das mit dem Breitbandausbau machen wir, damit die Grünen denken, wir wollen der FDP vors Knie treten. Unsere Kanzlerin ist da strategisch äußerst flexibel aufgestellt, sie ist für Koalitionen mit allen zu haben, zeigt es aber keinem. Wenigstens nicht vor der Wahl.

Sie müssen das konzentriert, nein: konzertiert zusammendenken, wir wollen das Elektroauto doch nur als Motivation für die Bevölkerung. Wenn wir da die Vollbremse in Brüssel machen, dann haben wir möglicherweise in ein paar Jahren Wähler, die sehr zufrieden sind, weil die Kanzlerin sich in einem Akt plötzlicher Meinungsvergessenheit total um sich selbst dreht und alles wegdieselt, was vorher noch nach Autoindustrie aussah. Man muss mit der Wirkung von Angst, Unsicherheit und Zweifel arbeiten, dann kriegt man die Wähler auch auf seine Seite.

Wieso wir dann so hohe Subventionen an die Industrie zahlen? Ich habe gerade keine Ahnung, worauf Sie sich beziehen.

Aber wenigstens wirkt es. Die Industrie ist mit der Arbeit der Bundesregierung so unzufrieden, die wollen glatt den Breitbandausbau selbst stemmen, weil sie wissen, dass sie nach noch mal vier Jahren Dobrindt international endgültig am Arsch sind. Angst, Unsicherheit, Zweifel. Wenn wir nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in die Tonne treten, dann entwickelt sich hier eine Art sozioökonomischer Widerstand, verstehen Sie? Das ist eine Art Hartz IV für die Großkonzerne – Fordern, Fordern, Fordern, und irgendwann fangen die an, sich selbst zu fördern. Wir werden blühende Landschaften haben, Windparks, Solaranlagen, Stromautos, Gewerkschaften – und dann machen wir das Netz mit den Ladestationen kaputt, weil das mit irgendwelchen Wohnraumförderungen nicht mehr hinhaut, wenn vor jeder zehnten Haustür eine Stromzapfsäule stehen muss, und dann haben wir lauter Elektroautos und keinen Strom dafür, und dann sind die Dieselfahrer wieder glücklich, und die Grünen, und die FDP, und die… –

Klar bedeutet das Stillstand. Das haben wir nie geleugnet. Aber dann erklären Sie mir mal: wie soll man denn ohne ausreichend langen Stillstand den Wählern erklären, dass es in den nächsten vier Jahren aber endlich mal Bewegung gibt!?“





Amnesie International

1 08 2017

„… nicht weiter verfolgen wolle, um so kurz vor der Wahl den inneren Frieden der Bundesrepublik zu erhalten. Die Christsozialen hätten dabei an eine vollständige Straffreiheit aller Beteiligten in sämtlichen Automobilkonzernen des…“

„… neu überdenken müsse. Das Auto sei auch ein deutsches Kulturgut, deshalb müsse die Politik mehr tun, um Fahren unter dem Einfluss des deutschen Kulturgutes Alkohol nicht mehr als…“

„… keinesfalls als politisch motivierte Tat anzurechnen sei. Seehofer habe betont, dass sich sein Vorstoß nicht nur auf Bayern, sondern auf ganz Deutschland…“

„… Devisengeschäfte immer strafrechtlich unangetastet bleiben sollten. Im Gegensatz zu Ladendiebstählen seien die Täter vor der Tat meist nicht vorbestraft, weshalb ihnen eine Strafe auch weiterhin nicht…“

„… den Straftatbestand der Steuerhinterziehung zumindest auf Landesebene sofort ersatzlos streichen wolle. Bayern werde natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und alle…“

„… dürfe es zwar keine generell Straffreiheit für Dividendengeschäfte geben, die Bundesregierung und sei jedoch auf Wunsch der Banken gerne bereit, Nichtanwendungserlasse sehr individuell und grundrechtsschonend zu…“

„… eine bundeseinheitliche Regelung der Fahrtauglichkeit ausgedient habe. Seehofer lehne insbesondere für Bayern jede Obergrenze ab, da die Bevölkerung hier schon immer sehr viel vertrage und sich nicht zimperlich mit den…“

„… sei auch mit einer Verbesserung der Kriminalstatistik verbunden. Der große Anteil an Steuerstraftaten führe in gewissen Kreisen der Gesellschaft zu einem Makel, den zur Wahrung der sozialen Stabilität kein…“

„… Kombinationsdelikte einführen wolle. So sei nach Dobrindts Wunsch schwere, cyberähnliche Computerkriminalität, die mit einem Interwebnetz ausgeführt werde, automatisch dann straffrei, wenn sie in einem Kraftfahrzeug mit einem Alkoholpegel von mehr als…“

„… die Leistungserschleichung ausdrücklich von den Reformbestrebungen ausgenommen sei. Wer sich kein eigenes Kraftfahrzeug leisten könne, der begehe in Bussen und Bahnen schwerste Straftaten, die zulasten der Allgemeinheit und…“

„… die Wissenschaft seit Einstein verstanden habe, dass jede Geschwindigkeit relativ sei. Daher müsse die Beurteilung vor allem innerstädtischer Tempolimits endlich auf eine physikalische Basis umgestellt werden, die von Bayern aus…“

„… es sich außerdem um eine weit verbreitete und daher menschlich absolut nachvollziehbare Tat handele, die nicht auch noch durch moralisierende Vorwürfe erschwert werden dürfe. Scheuer und Hoeneß seien davon überzeugt, dass niemand besser als sie…“

„… zu den gefährlichsten Substanzen gehöre, deren Erwerb, Besitz und Gebrauch viel härter betraft werden müssten. Beispielsweise habe die Bundesregierung noch nicht genug getan, um den Cannabismissbrauch von Radfahrern, die jährlich mehr als…“

„… dass Grapschen auch außerhalb von Festzelten endlich als Kulturtechnik gewürdigt werden müsse. Zwar wolle Scheuer die generelle Straflosigkeit vorerst nur für deutsche Täter garantieren, er erhoffe sich davon aber eine rasche Versachlichung der…“

„… schwere und gefährliche Körperverletzung oder versuchter Mord noch immer eine zu große Rolle in der Statistik spielten. Aktionen, die aus Liebe zu Volk und Vaterland etwas aus dem Ruder gelaufen seien, könne man ab sofort mit mehr Toleranz und christlicher Barmherzigkeit als…“

„… sich Ampelphasen zum Beispiel durch die Rotverschiebung erst nach dem Quantensprung als Ordnungswidrigkeit herausstellten. Der zügige Abbau der Bußgeldverfahren sei für Seehofer ein Anliegen, das den Wissenschaftsstandort Bayern nachhaltig und…“

„… jeder Bürger des Freistaates das Recht auf eine Doktorarbeit habe. Die rechtlichen Hürden, so Hermann, müssten unverzüglich…“

„… nur dann verfolgen wolle, wenn der Grapscher objektiv den Eindruck gewonnen habe, durch seine Tat sei eine Frau sexuell belästigt worden. Dies könne für eine erheblich größere Rechtssicherheit im…“

„… Strafverschärfungen immer als sehr gut geeignet erschienen seien. Die Landespolitik wolle jedoch deutsche Fabrikate, auch wenn sie im absoluten Halteverbot…“

„… Diebstahl auch oberhalb gewisser Summen straffrei zu stellen, wenn es sich um den Träger eines politischen Mandats oder einen kirchlich…“

„… mit dem Tragen einer Polizistenuniform eine berufsbedingte Amnesie einsetze, die sich auf die Grundrechte sowie alle daraus abgeleiteten gesetzlichen Bestimmungen beziehen dürfe. Der Freistaat werde in enger Kooperation mit Sachsen eine Testphase für den…“

„… im Regierungsbezirk Oberfranken weiterhin gültig sei. Die aus Tunesien stammende Frau habe sonntags vorsätzlich ein frisch gewaschenes Laken in der Öffentlichkeit aufgehängt. Die Abschiebung müsse laut Scheuer sofort geschehen, um allen Einwanderern deutlich zu zeigen, dass in Bayern ohne Ausnahme Recht und Gesetz…“





Ewig und drei Tage

24 07 2017

„Naa, so sind wir Bayern nicht. Wir sind etwas anders als der Rest von diesem Deutschland, weil wir ja nicht dazugehören, aber schauen Sie sich diese Diskussionen an – Haftgrund? Wozu brauchen Sie einen Haftgrund? Muss man immer einen Grund haben für eine Haft? Muss ich einen Grund haben, um zu feiern? Ist nicht eine Maß genug, und daraus ergibt sich dann automatisch der ganze Rest, also auch die Feier? Sehen Sie, so sind wir Bayern!

Wenn ich das schon höre: Unschuldsvermutung! Himmiherrgottsakrament, in einem Rechtsstaat hat es keine Vermutung zu geben, die Justiz beruht auf Beweisen! Und wenn einer seine Unschuld nicht beweisen kann, dann ist die Justiz einmal im Recht! Wollen Sie denn, dass wir einen jeden Einbrecher vor Gericht stellen, der sagt dort: vermutlich bin ich unschuldig, und dann muss der Richter ihm das glauben, weil er nicht beweisen kann, dass der Einbrecher glaubt, er hätte schuldhaft gehandelt? So geht doch Bayern vor die Hunde – und Deutschland gleich mit, wobei: das wäre zu verkraften.

Es ist doch auch nicht so, dass wir jetzt jeden Unschuldigen gleich einsperren, das ist doch wieder eine Schweinerei aus der linken Hetzpresse, von Springer oder wie diese Kommunisten alle heißen, aber die müssten es besser wissen. Die SPD hat sich enthalten, das heißt, es kann gar nicht links gemeint sein. Und bei der SPD ist das Gegenteil ja auch immer richtig, also sind wir im Recht. Es wird hier nicht jeder Unschuldige gleich eingesperrt, das ist eine Verleumdung. Wir sperren nur die ein, die auf Grund mutmaßlich als verdächtig einzustufenden Dinge, die bei näherem Hinsehen grundsätzlich auch als verdächtig einzustufen sein könnten – könnten, verstehen Sie, also selbst da hat der Gesetzgeber in seiner großen Gnade dem Subjekt noch eine Galgenfrist eingeräumt. Wenn bei Ihnen morgens um halb sechs die Polizei mit dem Schlagstock die Wohnung aufräumt, dann muss gar kein dringender Tatverdacht gegen Sie vorliegen. Es könnte auch ein Routineeinsatz sein.

Natürlich verstehen wir Ihre Bedenken. Das ist ja auch durchaus okay, wenn man mal ins politische Ausland guckt, wie da die Polizei gegen kriminelle Elemente vorgeht – aber wir sind da ganz anders. In Hamburg wurden schwere Fehler gemacht, da hat man mit der falschen Taktik agiert, viel zu spontan, zu unüberlegt, versehentlich wurden Rechte die Bürgerrechte beschnitten, weil man sie für linke Chaoten hielt, das geht so nicht. In Bayern ist das freilich vollkommen anders. Hier gibt es keine Überraschungen, wir planen das von langer Hand. Ja Kruzitürken, das müssen Sie doch selbst sehen, wir haben das hier im Griff! Jahrelang hat das ordentlich funktioniert, wir haben damit schon Erfahrungen gesammelt, bevor die Preußen mit ihrer Demokratie ankamen und mit Republik und Grundgesetz, und jetzt kommen die aus Berlin und machen uns das kaputt? Das hat jahrelang geklappt, vielleicht sagt Ihnen der Name Gustl Mollath etwas, und es besteht hier überhaupt kein Anlass, ein gut abgestimmtes Justizsystem mit derlei hektischem Beiwerk zu torpedieren.

Auf der anderen Seite ist es ja auch noch keine Untersuchungshaft. Sie sitzen hier höchstens ewig und drei Tage, wobei zwischendurch sogar neu entschieden wird, was ewig heißt. Da sind wir erheblich flexibler als die katholische Kirche. In Polen mag das vielleicht gerade anders aussehen, aber selbst da handelt es sich nur um Abwehr einer drohenden Gefahr. Zum Beispiel vor der katholischen Kirche.

Sie stellen sich das alles viel schlimmer vor, als es in Wirklichkeit ist. Da wird der Bürger XY in den Knast gebracht, wo er furchtbare Qualen zu erleiden hat, kein Alkohol, nur der Bayernkurier zum Lesen, am Ende gibt’s nicht einmal sonntags einen Schweinsraten, weil man mit zugewanderten Hottentotten einsitzt, und dann diese Geschichten von Gewalt gegen Gefangene. Mühsam, sage ich Ihnen. Dabei sind wir ein echter Rechtsstaat, durch und durch. Es gibt hier in Bayern zum Beispiel keine Zensur. Deshalb ist es in Bayern ja auch verboten zu behaupten, dass es eine Zensur gäbe. Und wenn Sie nach ein paar Jahren entlassen werden, dann erwartet Sie keine Verurteilung. Dann sind Sie ein unbescholtener Bürger, es sein denn, von Ihnen geht möglicherweise der Verdacht einer Gefahr aus. Bei Knastbrüdern sollte ein gesundes Misstrauen immer angebracht sein.

Das ist keine reaktionäre Maßnahme, das sehen Sie ganz und gar falsch. Das ist im Gegenteil eine Strategie zur Modernisierung des Freistaates, das hat schon mit Edmund Stoibers Bürokratieabbau zu tun. Wenn Sie jetzt nicht alle zwei Tage nach einem Richter suchen müssen, der Ihnen einen Haftbefehl unterschreibt, ohne ihn vorher gelesen zu haben, Herrschaftszeiten! da kommen wir aber ein Stückerl voran auf dem Weg in unsere Heil-Welt, heile Welt, wollte ich sagen. Wir leisten uns sogar den Luxus, diese Idee mit den elektronischen Fußfesseln in Bausch und Bogen abzulehnen. Naa, das können wir in Bayern sehr viel besser! Da werden wir mit diesen ganzen Islamisten garantiert fertig. Die Gefährder ins Sicherheitslager, die Frauen in den anderen Knast, und was meinen Sie eigentlich, wozu haben wir die Regensburger Domspatzen?“





Ein Kessel Bundes

6 07 2017

„Das meinen wir doch nicht ernst!?“ „Fragen Sie mich nicht.“ „Aber wir haben das Programm doch entworfen!“ „Das ist schon richtig.“ „Und wir ziehen damit auch in den Wahlkampf.“ „Korrekt.“ „Dann muss sich doch jemand Gedanken gemacht haben, was da drinsteht!“ „Nicht zwingend.“

„Dass die Sozen Wahlwerbegeschenke machen, das ist klar, aber wir müssen das doch nicht auch noch.“ „Wegen Steuererleichterungen? die haben die Besserverdienenden auch.“ „Okay, das ist nicht der Punkt.“ „Dann verstehe ich nicht, warum Sie sich so aufregen.“ „Weil wir Vollbeschäftigung versprechen. Vollbeschäftigung!“ „Ja, das habe ich auch gelesen.“ „Mann, Vollbeschäftigung – haben Sie überhaupt eine Ahnung, was das bedeutet?“ „Na logisch, das heißt noch mehr Steuereinnahmen, da sprudeln die Kassen über, dann können wir die Steuern senken, was zugleich mehr Arbeitsplätze in der…“ „Sie hören mir nicht zu.“ „Doch, aber ich wurde in der Vorbereitung auf den Wahlkampf so gebrieft, dass mir immer nur diese Argumente einfallen.“ „Dann denken Sie doch mal nach!“ „Darf man das noch, so kurz vor der Wahl?“ „Meine Güte, wohin sind wir geraten!“

„Nein, ehrlich – was ist denn daran falsch?“ „Sie haben vom Arbeitsmarkt keine Ahnung!“ „Das hat die SPD auch gesagt, und die will sogar den Fachkräftemangel noch…“ „Sie sind ja dümmer, als die SPD erlaubt.“ „Sehen Sie, deshalb sind wir hier ja auch in der CDU.“ „Sie machen mir Migräne!“ „Schreien Sie nicht so, davon wird’s auch nicht besser.“ „Der Fachkräftemangel, von dem Sie da reden, den gibt es doch so gar nicht!“ „Versuchen Sie doch vom Arbeitsamt mal einen Klempner zu kriegen, die haben einfach keinen.“ „Weil die die Leute in Billigjobs drücken, statt sie weiter zu qualifizieren.“ „Das kann doch nicht funktionieren, sonst hätten wir es längst gemacht.“ „Und warum haben wir es nicht gemacht?“ „Zu teuer.“ „Und was will die SPD?“ „Die Leute weiter qualifizieren und das Geld dafür aus der… oh!“

„Okay, dann noch mal von vorne. Wir haben anderthalb Millionen Arbeitslose.“ „Kann sein, ich habe nicht nachgerechnet.“ „Die wollen Sie alle als Fachkräfte einstellen.“ „Das wäre die Lösung!“ „Und wie wollen Sie die qualifizieren?“ „Muss man doch gar nicht, die kann man doch im Billigsektor beschäftigen.“ „Wo denn?“ „Naja, wenn wir zum Beispiel die Textilindustrie wieder nach Europa zurückholen, dann können wir im internationalen Wettbewerb wieder mitspielen.“ „Und wie wollen Sie das anstellen?“ „Über den Preis. Glauben Sie mir, das funktioniert nur über den Preis – die deutsche Arbeit an sich ist qualitativ über jeden Zweifel erhaben!“ „Aber selbst dafür müsste man die Arbeitslosen irgendwie qualifizieren.“ „Meinen Sie? Wenn die in Bangladesch das können, dann muss das deutschen Arbeitskräften auch zuzumuten sein.“ „Das bringt doch nichts, wir haben ja nicht einmal die Fabriken dafür!“ „Die könnte man hier hinbauen, kein Problem – vielleicht investiert Bangladesch ja?“ „Und dann arbeiten deutsche Niedriglöhner für Textilhersteller aus Asien?“ „Sie dürfen nicht vergessen, dass dann der Transport für den europäischen Markt viel preiswerter ist. Da können Sie glatt die Preise anheben – das heißt mehr Steuereinnahmen, die Kassen…“ „Ja, schon gut.“

„Müssen Sie eigentlich bei jedem Konzept der Parteispitze meckern?“ „Dann überlegen Sie sich doch im Gegenzug mal, was Vollbeschäftigung heißt – keine Reserven auf dem Arbeitsmarkt, die Löhne steigen exponentiell, die Lohnnebenkosten auch…“ „Dann können wir uns ja bald wieder eine ordentliche Gesundheitsversorgung leisten und eine ausreichende gesetzliche Rente!“ „… und über kurz oder lang wird der Finanzsektor uns die Ohren vollheulen, weil es dann nämlich kein Wachstum mehr gibt, kapiert!?“ „Ach so.“ „Woher haben Sie eigentlich Ihre volkswirtschaftlichen Kenntnisse?“ „Wir hatten damals so eine Fernsehsendung.“ „Ein Kessel Bundes.“ „Keine Ahnung, es ist schon so lange her.“

„Woher bekommen wir jetzt die Fachkräfte?“ „Weiß nicht, haben Sie eine Idee?“ „Aber wie versprechen wir den Wählern Vollbeschäftigung, wenn wir nicht einmal darauf eine Antwort haben?“ „Haben Sie mal die Vorsitzende gefragt?“ „Das müsste der Generalsekretär wissen, aber was weiß den ich.“ „Dann sollten wir mal ein bisschen mehr Gottvertrauen haben.“ „Wie bitte!?“ „Wir sind immerhin eine christliche Partei, da darf man doch Gottvertrauen haben?“ „Aber doch nicht auf einer argumentativen Ebene, und schon gar nicht in einem der haushaltsentscheidenden Ressorts!“ „Höre ich da etwa Zweifel am Finanzminister?“ „Also jetzt ist ja wohl mal…“ „Und Sie glauben auch nicht an Wunder?“ „Ihre Späßchen können Sie sich sonst wohin stecken!“ „Und Sie haben auch den Überblick über unsere arbeitsmarktpolitischen Instrumente?“ „Wer hat das schon.“ „Sie haben ihn also nicht?“ „Ich will hier jetzt nicht mehr diskutieren, wer was wann wie wem wo sagt, ich will endlich eine Antwort!“ „Arbeitsmarktpolitische Instrumente.“ „Wie, Instrumente?“ „Wir machen halt ein bisschen Zuckerguss auf die Statistik: wer länger als ein Jahr keinen Job hat, gilt nicht mehr als arbeitslos, und zack! Vollbeschäftigung. Oder was hatten Sie jetzt gedacht?“





Vollbremsung

14 06 2017

„Können Sie mich hören? Hier! Bisschen weiter rechts, noch weiter, noch weiter, weiter, weiter – ja, noch einen Meter, noch, noch, jetzt haben Sie die Tür, und jetzt einsteigen. Anschnallen, und dann ist Ihr Prüfer auch gleich da.

Ja, Sie lachen, aber manchmal ist das so mit den alten Leutchen. Die vergessen schon mal ihre Brille bei der Fahrprüfung. Deshalb müssen wir als Gesellschaft hier und da zurückstecken. Wissen Sie, ob Sie in fünfzig Jahren noch so gut fahren können? Der Entsolidarisierung muss man entgegenwirken, sonst hat das fatale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, verstehen Sie?

Anschnallen, bitte! Das ist dieses Ding da neben dem Sitz. Nein, andere Seite. Doch, Ihr Auto hat das auch. Ja, auch wenn Sie den schon vor drei Jahren gekauft haben. Nein, das ist kein neumodischer Firlefanz. Ja, alle machen das. Nein, das haben sich nicht die Alliierten ausgedacht. Sie müssen einfach den Gurt in die dafür vorgesehene Halterung an der Innenseite – Innenseite, habe ich gesagt! Nicht unter den Beinen durchziehen! Sie sollen den über die Brust… –

Die CSU hat dazu wissenschaftliche Belege erbracht, das müssen Sie zur Kenntnis nehmen. Es gibt Fernfahrer, die in einem Jahr bis zu einer Million Kilometer, das sind umgerechnet, warten Sie, da muss eine Lenkzeit von achtundzwanzig Stunden pro Tag, aber das sind bis zu einer Million Kilometer, und da kann man von einer Erfahrung, Sie verstehen das? Erfahrungswerte, haha, Dobrindt liebt solche Wortspiele, wenn sie ihm mal einer erklärt, aber da gibt es keinen einzigen Pkw-Unfall in der Statistik. Wenigstens keinen, der von einem Personenkraftwagen verursacht wurde. Und das rechnen Sie auf die Millionen Kilometer um, Kehrwert bilden, durch Null teilen geht nicht, also hat Dobrindt recht und Sie sind ein linksgrüner Chaot, der die Kirche verstaatlichen will.

Nein, doch nicht Sie. Suchen Sie in Ruhe Ihre Herztabletten, der Prüfer ist ja noch nicht da, und bitte auch nicht die Zündung betätigen, oder wenn Sie unbedingt den Schlüssel reinstecken wollen, dann stützen Sie sich verdammt noch mal nicht immer auf der Hupe ab, man versteht sein eigenes Wort ja nicht mehr!

Natürlich geht uns das auf die Plomben, was denken denn Sie? Ständig werden die Jugendlichen angemacht, weil die mit ihren Nachbrennern nicht umgehen können – und das liegt nicht an den Feinstaubwerten, das können Sie mir glauben! – und da soll man den Senioren einfach grünes Licht geben, wenn die mit ihrem Benz in den Vorgarten brettern? Das kann man ja alles verargumentieren, aber doch nicht mit Dobrindt! Wenn die Leute alle CSU wählen würden, oder wenn er wenigstens kapiert, dass außerhalb von Bayern sowieso keiner CSU wählt, aber wie wollen Sie das jemandem erklären, der die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege nur in Ausnahmefällen erreicht?

Die Partei ist ja selbst zerrissen. Auf der einen Seite wäre das ein ganz tolles Geschäftsmodell für Fahrschulen, aber die Grünen sind auch dafür, und wenn die etwas Vernünftiges unterstützen, dann ist Dobrindt automatisch dagegen. Wir haben schon mit seinem Therapeuten gesprochen, da kann man nichts machen. Vollbremsung im Oberstübchen.

Entschleunigung wäre ja schon mehr als okay, aber bringen Sie mal Rentner dazu, in der Tempo-Dreißig-Zone auch… ach, vergessen Sie es einfach. Wir kommen da nicht weiter. Wobei wir andererseits auch nicht meckern sollen, keiner von den Oldies spielt auf der Autobahn mit dem Smartphone herum, da haben wir natürlich sehr gute Aufklärungsarbeit geleistet. Sagen wir in der Staatskanzlei. Das glaubt uns jeder, der Ausschuss ist zufrieden, wir müssen uns nicht rechtfertigen, die Vorsitzenden haben gute Laune, der Minister ist zufrieden, keine Diskussionen, es gibt keine neuen Vorlagen, und alle sind… –

Nicht den Zündschlüssel, das ist ein Automatik-Fahrzeug, den dürfen Sie nicht… –

Voll gegen die Wand. Naja, was war von Dobrindt schon zu erwarten.“