Alkoholreduziert

28 09 2020

„Und Sie meinen nicht, dass wir etwas früh dran sind?“ „Andererseits braucht das einen gewissen Vorlauf.“ „Im Supermarkt ist auch schon Stollen.“ „Der kommt dieses Jahr aber eher spät.“ „Aber die Weihnachtsmärkte brauchen ein Konzept.“

„Wenn wir hier in Bayern mit gutem Beispiel vorangehen, sind wir besser gerüstet für andere Gelegenheiten.“ „Sie meinen, es gibt dann doch ein Oktoberfest.“ „Im nächsten Jahr vielleicht.“ „Oder der Ministerpräsident kündigt eins an.“ „Das würde für die psychologische Entspannung im Land schon einiges bedeuten.“ „Einen Hygienebeauftragten pro Landkreis?“ „Ich hatte das so verstanden, dass das Chefsache ist.“ „Was mit Corona zusammenhängt, ist immer Chefsache.“ „Nicht ganz, hier ist alles Chefsache, wovon der Chef keine Ahnung hat.“

„Wir müssen das lauftechnisch in den Griff kriegen.“ „Vorne rein, hinten raus?“ „Das alles ist relativ.“ „Eine Personenhöchstanzahl könnte man pro Quadratmeter Laufweg schon einplanen.“ „Das müsste dann technisch gelöst werden, wie wir den Einlass zulassen, während der Auslass durchlässt.“ „Wir könnten den Besuchern Chips in die Hand drücken, damit wir…“ „Lassen Sie es einfach, ja?“ „Irgendwie muss man die Menge kontrollieren.“ „Kann man das nicht zeitgesteuert machen?“ „Alle zehn Sekunden ein Besucher?“ „Und wenn mal ein Paar rein will.“ „Dann warten die beiden je zehn Sekunden.“ „Oder zusammen zwanzig.“ „Und bei einem halben Dutzend?“ „Kopfrechnen geht bei Ihnen aber noch?“ „Er meint die Gruppengröße.“ „Die können doch aus verschiedenen Haushalten kommen.“ „Kann ich mir nicht vorstellen.“ „Das ist aber nur schwer zu kontrollieren.“ „Außerdem wäre das verfassungswidrig.“ „Und wenn wir Terror als Kontrollgrund angeben?“ „Damit macht man dann aber die Besucher nervös.“ „Das wäre nicht so wild, die Schausteller sind doch das Problem!“

„À propos, könnte man die Verweildauer auf den Märkten irgendwie steuern?“ „Was wollen Sie da mit Verweildauer, die Leute laufen da halt so durch.“ „Aber die Besucher sind doch wegen der gastronomischen Betriebe da.“ „Mein Gott, was wollen die Leute da groß verweilen?“ „Naja, wegen Pilzpfanne oder Bratwurst halt.“ „Was traditionell zu Weihnachten gehört.“ „Das müsste irgendwie serviceorientierter gestaltet werden.“ „Als Essen zum Mitnehmen?“ „Guter Vorschlag, aber wo essen die Leute das dann?“ „Draußen.“ „Oder zu Hause.“ „Das klingt vernünftig.“

„Grundsätzlich sollten wir riskantes Verhalten in der Öffentlichkeit einschränken.“ „Kein Skifahren auf öffentlichen Plätzen.“ „Schlittenverbot!“ „Das ist eine sehr gute Idee.“ „Das Personal muss auch sehr streng kontrolliert werden.“ „Verstehe, keine osteuropäischen Leiharbeiter.“ „Bringt das etwas?“ „Der Ministerpräsiden hat ein Konzept angefordert, er hat nicht gesagt, was da drinstehen soll.“ „Das hätte mich auch überrascht.“ „Irgendwie muss man auch die Mund-Nase-Schutzbedeckung erwähnen.“ „Die käme dann aber dem Verzehr nicht mehr so entgegen.“ „Wenn die Besucher ihre Pilzpfanne zu Hause essen?“ „Außerdem ist das unter freiem Himmel, da können wir mal ein Auge zudrücken.“ „Richtig, ist ja nur einmal im Jahr Weihnachten.“

„Aber das mit dem Glühwein.“ „Was ist damit?“ „Wir können das nicht ignorieren, das wurde doch schon an die Presse weitergegeben.“ „Könnte man so viel alkoholfreien Glühwein herstellen?“ „Das würde unserer deutschen Tradition widersprechen.“ „Wir können nicht Millionen von Asylanten im Mittelmeer absaufen lassen, weil sie unsere jüdisch-christlichen Werte hier zerstören wollen, und dann mit einem zwangsislamisierten Fest ohne Alkohol die Leitkultur verleugnen!“ „Aber dann würden die Leute auch ein Oktoberfest fordern.“ „Können wir nicht wenigstens alkoholreduzierten Glühwein in Verkehr bringen?“ „Das schmeckt doch nach kalten Füßen!“ „Eben, dann ist das mit der Verweildauer auch ein geringeres Problem, weil die Besucher sich nicht länger als nötig in der Kälte aufhalten.“

„Wir bräuchten Glühwein-Bons.“ „Damit jeder nur eine bestimmte Menge trinken kann?“ „Da gibt es dann aber einen Preiskampf.“ „Oder wir haben am Ausgang einen Schwarzmarkt.“ „Dann müsste es Bons mit Tagesstempel geben.“ „Man könnte die personalisieren.“ „Das halte ich für machbar.“ „Wir sollten auch den Gedanken an eine Glühwein-App nicht vorschnell…“ „Haben Sie eine Ahnung, wie lange es dauert, bis so ein Ding funktioniert?“ „Auf der anderen Seite könnten wir damit auch den Zugang zum Weihnachtsmarkt besser regeln.“ „Das könnte man auch in dies Corona-Ding integrieren.“ „Dann funktioniert es ja nie.“ „Außerdem würde das bei den Leuten wieder falsche Befürchtungen hervorrufen.“ „Man könnte das mit Polizeitrupps auf dem Gelände doch…“ „Da brauchen Sie nur einen, der schon vorgetankt hat und dann zu viel Pilzpfanne isst.“ „Richtig, schon haben wir negative Schlagzeilen.“ „Das korrekte Tragen von Masken muss man doch auch irgendwie sicherstellen.“ „Gibt es sonst Platzverweise?“ „Man könnte das ja als politische Kundgebung stattfinden lassen.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Saufen für den Sieg?“ „Etwas mehr Patriotismus müsste schon sein.“ „Trotzdem, wir sind doch gerade erst am Anfang der zweiten Welle, da können wir jetzt noch kein Konzept…“ „Aber das muss sein!“ „Haben Sie etwa eine Prognose, wie sich das Infektionsgeschehen in den nächsten Monaten entwickeln wird?“ „Meine Güte, wir brauchen jetzt ein gutes Konzept – wie steht denn der Söder da, wenn in einem Jahr schon Wahlen sind!?“





Registerübergreifendes Identitätsmanagement

26 08 2020

„… wolle die Regierung die seit 2007 vergebene Steuer-Identifikationsnummer ebenfalls als neue Personenkennziffer verwenden, um die Bürger in mehreren Datenbanken zu speichern. Dass damit ein wichtiges verfassungsrechtliches Gebot der informationellen Selbstbestimmung nicht genug berücksichtigt werde, könne Seehofer als…“

„… Einsparungen von bis zu sechs Milliarden Euro vornehmen könne. Damit könne der Minister möglicherweise nicht nur der Lufthansa, sondern auch anderen Unternehmen, die ihre Insolvenz noch nicht vorbereitet hätten, schnell und unbürokratisch aus der…“

„… dass Karlsruhe die Benutzung der ID als Kennziffer für andere als die vorgesehenen Zwecke bereits untersagt habe. Das Innenministerium sei sich jedoch der bundesrepublikanischen Tradition bewusst, derartige Urteile weitestgehend zu…“

„… es nicht um eine Überwachungsmaßnahme gehe, sondern nur um eine Funktionserweiterung der bisher schon vergebenen Steuerkennziffer. Dies diene der auch von vielen Kritikern angemahnten Datensparsamkeit und sei damit eine durchaus als positiv zu wertende…“

„… für Seehofer die Registrierung nach einem zentralen Schlüssel mit dem Menschenrechten zu vereinbaren sei, da die betroffenen Bürger dies gar nicht merken würden. Da es abgesehen von der DDR auf deutschem Boden noch nie eine nicht den Prinzipien der Demokratie verpflichtete Staatsform gegeben habe, werde man ideologisch gefärbten Protest von Antifaschisten und anderen Nazis nicht in die öffentliche Diskussion…“

„… habe es die letzte Verwendung einer Ziffer mit zwölf Stellen zur eindeutigen Identifizierung von Bundeswehrangehörigen gegeben. Das Ergebnis sei sehr befriedigend, es sei in der Zeit der Verwendung nie zum Diebstahl eines deutschen Panzerkreuzers gekommen, auch sei kein Fall von Linksextremismus in der Truppe aktenkundig oder im Bereich des…“

„… die FDP eine Normenkontrollklage für den Fall eines Gesetzesentwurfs ankündige. Lindner wolle erreichen, dass für Steuerhinterzieher, die aus Notwehr gegen den Umverteilungsterror straffällig würden, die ID nicht mehr verwendet werden dürfe, so dass sie auch aus dem Überwachungsraster des staatlich gesteuerten…“

„… die Bundesregierung aus der Geschichte gelernt habe und Proteste gegen eine Volkszählung nicht erneut provozieren wolle. Darum werde die Verknüpfung gesellschaftlich relevanter Daten mit der Kennziffer für eine insgesamt viel mehr mit Handlungsfähigkeiten ausgestattete Politik im…“

„… könne jeder Bürger selbstverständlich unter der Nennung seiner Identifikationsnummer eine vollständige Auflistung aller über ihn gesammelten Daten verlangen. Diese sei in einem Zeitfenster von wenigen Monaten verfügbar und werde ihm an einem amtlichen Termin zur Einsichtnahme im…“

„… eine Verschlüsselung der Kennziffern nicht praktikabel sei. Dies bedeute im Zweifel für die Polizei in Hessen, dass persönliche Datensätze von Juden, Migranten, Volksverrätern und anderen…“

„… könne dies auch zur Koordination von Einzeldateien zwischen dem Bund, den Ländern und Kommunen helfen. Das Bundesministerium sei insbesondere in Bayern besorgt, dass ministrierende Senegalesen eine abschiebungsfeindiche…“

„… werde mit einem registerübergreifenden Identitätsmanagement beispielsweise für Polizei und regierungsnah organisierte Kriminalität eine verbesserte Trefferquote ermöglicht, mit der viel weniger unbeteiligte Volksdeutsche betroffen seien. Seehofer sehe dies als großen Fortschritt und werde bis zur letzten Patrone für die…“

„… unveränderlichen Ordnungsmerkmale der Bürger abgespeichert würden. Dies seien etwa die Staatsangehörigkeit, die Religion und ethnische Zuordnung der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik von 1937 als…“

„… wolle das Bundesministerium des Innern eine Reihe freiberuflicher Tätigkeiten anbieten, die mit der anlassbezogenen Komplettierung von Datensätzen Dritter befasst seien. Dies gelinge im persönlichen Nahfeld erfahrungsgemäß viel rascher und genauer als in einer anonymen…“

„… könne die Bundesregierung zumindest garantieren, dass die Speicherung vieler Daten aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich für die meisten Bürger die Steuererklärung nicht noch langsamer werden lasse. Eine Verknüpfung könne man nur dort rechtssicher zulassen, wo es keinerlei Hinweise auf einen beruflichen Hintergrund als Steuerfahnder oder…“

„… als grundrechtlichen Paradigmenwechsel sehe. Da die Regierung von Union und SPD nicht mit einem Rechtsanspruch auf Wiederwahl ausgestattet sei, müsse man unabhängig von der jeweiligen Parteienkonstellation Instrumente im staatlichen Verwaltungsapparat vorhalten, die einen krisenunabhängig leistungsfähigen…“

„… diene die Vereinfachung der Suchabläufe auch der personellen Restrukturierung der Ämter, die nun in private Trägerschaft überführt werden könnten, um Kosten senkende Effekte in den…“

„… alle Bürger gehalten seien, die Steuer-ID abfragebereit mitzuführen, bis sie in der neuen Version des Personalausweises fälschungssicher in einem maschinenlesbaren Hologramm aufgebracht sei. Der umfassende Schutz der Bundesbürger vor anderen Bürgern sei für Seehofer die vornehmste Aufgabe des deutschen…“





Verbotsirrtum

3 08 2020

„Irgendwas mit Kindern, sonst haben wir auch gerade keinen Plan. Kinder und Tiere gehen immer, vorausgesetzt, man will die nicht essen. Die Tiere. Aber das ist dann nicht Seehofers Ressort.

Sie verstehen unser Vorgehen vielleicht nicht auf Anhieb, aber deshalb erklären wir es Ihnen auch gerne noch einmal. Die Vorratsdatenspeicherung ist derzeit ausgesetzt, da der Europäische Gerichtshof sich in deutsche Angelegenheiten eingemischt hat. Das machen die immer wieder, zuletzt bei der Maut gegen Ausländer, also nicht gegen Ausländer, aber gegen die ausländischen Autos, das heißt, Autos, die von Ausländern gefahren werden. Das war alles etwas kompliziert, deshalb hat das der Europäische Gerichtshof vermutlich auch verboten, bevor sie das kapiert haben. Deshalb müssen wir jetzt diese Regelung, die der Europäische Gerichtshof ja noch einmal prüfen soll, schnellstmöglich verschärfen. Das machen wir immer, weil das ein Reflex ist. Wenn man etwas nicht zum Laufen bringt, dann haut man ja auch zur Sicherheit noch mal mit dem Hammer drauf.

Es gäbe auch andere Politikfelder, auf denen wir eine Überwachung einführen könnten, aber wir tun das selbstverständlich nur aus Schutzgründen, weil das unser Verständnis von Datenschutz ist. Wir wollen Menschen schützen, wenn es nicht anders geht, auch gegen deren Willen. Da muss man dann aber auch sehr sensibel vorgehen, zum Beispiel mit Flüchtlingen geht da gar nichts. Das wäre einer der Bereiche, in denen wir als CSU durchaus die Politik der großen Entwürfe uns vorstellen würden, aber dann kriegt das am Ende einer in den falschen Hals uns denkt, wir würden Flüchtlinge schützen, und das kann man den Wählern gar nicht zumuten. Das wäre als einseitiger Schutz einer Personengruppe, die gar nicht zum deutschen Volk gehört, das wäre am Ende grundgesetzwidrig. Sie können nicht von uns verlangen, dass wir vorsätzlich gegen die Verfassung verstoßen. Das tun andere in der Politik bereits zur Genüge, und wir müssen das ausbaden.

Natürlich liegt die Verantwortung hier ganz klar beim Koalitionspartner, der sich wie zu erwarten grob fahrlässig verhält. Die SPD besetzt das Amt der Justizministerin mit einer Volljuristin, das ist selbstverständlich eine Provokation, die wir uns nicht so einfach gefallen lassen sollten. Hier wird sowieso eine derart unsachliche Politik betrieben, die nur geeignet ist, den Rechtsfrieden auf lange Sicht zu beschädigen. Die haben eine Frau auf den Posten gesetzt, und das können wir nur als Angriff auf unseren Minister persönlich ansehen. Am Ende muss man sich von diesen Linken noch vorwerfen lassen, wir seien rechtsextremistische Sexisten. Das darf in einer Demokratie nicht passieren.

Es sieht für den Beobachter inzwischen so aus, dass die CSU eine Gesetzesänderung durchsetzen wolle, obwohl das Gesetz selbst verboten sei, aber das stimmt nicht, weil es dann ja schon verboten wäre, aber genau deshalb wollen wir es ja ändern, damit es dann nicht mehr verboten ist. Wäre das Gesetz nämlich nicht mit der Verfassung zu vereinbaren, dann wäre es illegal, aber dann wäre es ja auch kein Gesetz, weil es verboten wäre, aber da es dann gesetzlich verboten wäre, würde es so ein Gesetz gar nicht geben, oder glauben Sie, es gäbe Gesetze, die gesetzlich verboten sind? Das ist der sogenannte Verbotsirrtum, dem der Europäische Gerichtshof da aufgesessen ist. Sehr komplizierte Sachverhalte sollte man deshalb auch nicht den Gerichten überlassen, das kann die Politik besser.

Und Sie kommen jetzt auch mit Rechtsexperten, die meinen, dass man die Vorratsdatenspeicherung gar nicht braucht. Das müssen ja tolle Experten sein, wenn die es besser wissen als der Minister. Wenn wir jetzt über eine Ermittlung wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs – solchen Tätern kann man alles zutrauen, das wissen Sie genau – jemanden schnappen, der auch in der Lage wäre, bei einem bewaffneten Raubüberfall Waffen der Bundeswehr zu erbeuten, mit denen er einen Terroranschlag durchführen könnte, dann möchte ich nicht wissen, was Sie sagen, wenn der Ihre Oma erschießt. Die ist schon seit zwanzig Jahren tot? Das behaupten Sie jetzt auch nur, damit Sie Recht behalten. Das ist mal wieder typisch für Leute wie Sie: die Wirklichkeit immer so zurechtbiegen, dass Sie nie zugeben müssen, sich da gerade gewaltig zu irren. Und wir dürfen natürlich den Kopf hinhalten.

Ihnen wäre es anscheinend lieber, wenn wir gleich das ganze Internet abschalten, richtig? Das ist auch typisch für Populisten wie Sie, sofort eine vollkommen überzogene Forderung in den Raum stellen, die überhaupt niemand erhoben hat, und dann so tun, als sei der Gegner gar nicht an einer sachlichen Debatte interessiert. Dann steht nämlich der andere als Populist da, Sie sind dann fein raus. Aber mit so billigen Tricks kommen Sie uns nicht. Da müssen Sie schon andere Mittel aufwenden.

Mal im Ernst, wollen Sie denn ein Land, in dem jeder einfach falsch parkt? Wenn man das oft genug tut, stellt sich kein Unrechtsbewusstsein mehr ein, die Leute nehmen Drogen und zahlen keine Steuern mehr, wir versinken allmählich in einem Sumpf aus Kriminalität und Verrohung, und dann kommen solche abscheulichen Verbrechen gegen Kinder, wie das gerade erst in, na! wie hieß das denn noch gleich? Das haben die ja noch gar nicht aufgeklärt, da haben die tonnenweise Daten, die waren alle auf diesen Festplatten, und die Polizei hat das ganz ohne die anlasslose… –

Gut, Sie wollen das ja wohl so. Ich informiere den Minister, dass wir die Vorratsdatenspeicherung brauchen gegen diese ganzen linken Volksfeinde!“





Paulanergarten

22 07 2020

„Es gibt keinen süßen Senf! Und wir dekorieren auch das Kanzleramt nicht in Weiß-Blau! Sagen Sie dem Herrn Bundeskanzler, wir machen das hier schon ein paar Bundeskanzler länger, und wenn ihm das nicht passt, soll er wieder nach München!

Heiliges Kanonenrohr, der Mann kosten uns vielleicht Nerven! Und ich sag noch zu meinem Kumpel, Kalle, sag ich, wenn der die Wahl gewinnt und Kanzler wird, dann ist das hier die Zentrale vom Irrenhaus. Hat er dann ja gewonnen, weil mit den anderen kriegt man nicht mal zusammen einen Blumenpott. Ich hör das noch wie heute, wie die Merkel am Wahltag hier durch die Flure gehüpft ist. Also wenn die Frau Honeckers Rache war, dann ist Söder jedenfalls ihre.

Das muss man sich mal vorstellen. Die haben den Mann zum Kanzlerkandidaten gemacht, weil er nicht in einer Tour Scheiße gelabert hat. Das ist so, als wenn jemand Olympia-Gold im Schwimmen kriegt, weil er als einziger nicht sofort absäuft. Und dann war ja Wahl, und dann hatten wir den Salat. Also einesteils, weil jetzt muss er auch die Klappe halten und kann nicht einfach so rumposaunen, wie das ein Bayer halt tut, und zum anderen, wie soll er denn jetzt die Merkel nachmachen, wo sie weg ist? Wenn man Ministerpräsident in Bayern ist, das ist wie Opposition. Da darf man alles machen und alles sagen und nie Verantwortung übernehmen, weil erstens ist die Wiederwahl eine Frage der Zeit – falls nicht der Staatsanwalt dazwischenkommt oder der Leberschaden – und zweitens ist immer die Bundesregierung schuld, wenn man zum Beispiel die Schwerkraft aufheben will oder die Neun-Tage-Woche einführen. Oder so Sachen halt. Jetzt hockt der Söder am anderen Ende der Fahnenstange.

Wo ist der Mann eigentlich? macht der wieder den Ludewich? Das ist so eine Zwangshandlung, der hat extra einen Kahn aus Traunstein kommen lassen und schippert zwanzig Mal am Tag den Spreebogen runter, als wär’s der Chiemsee. Und wir, das heißt ich, weil mein Kumpel, Kalle, der ist ja sofort seekrank, ich darf dann das Ding wieder an Land ziehen, weil der Herr Bundeskanzler sich sonst die Schuhe nass macht. In der CSU zieht das vielleicht, aber hier in Berlin? Hier sind ja zum Teil Menschen, wenn ich das mal so sagen darf, die überlegen regelrecht, wen sie wählen. Und dann auch noch, warum. Die kann er mit Symbolpolitik zukleistern, das stört die nicht, das kennen die gar nicht anders. Aber so’n Kasperkram, das kann der Berliner gar nicht ab. Deshalb war die Merkel auch gar nicht so verkehrt, wie das, was sie gemacht hat.

Und dann die Bierkutsche, das ist doch alles ein Beschiss. Jeden Donnerstag kommt hier ein das Fuhrwerk angeklappert, dann laden die zehn Fässer aus und an die fünfzig Kisten Weißbier. Ich hab da mal ganz versehentlich eine Pulle fallen lassen. Nur Leitungswasser drin. Braucht er vermutlich für die Fotos vom Kabinettstisch, wenn er wieder ein Fass aufmachen will. Mein Kumpel, Kalle, der hat mir gesagt, dass die hinterher immer das Wasser in den Ausguss kippen, damit sie genug Leergut haben für den medienwirksamen Abtransport. Ich sag ja, der Söder kann halt nur Paulanergarten.

Wir warten hier ja nur auf den Tag, an dem er im Krönungsornat in den Bundestag einzieht. Den Umbau des Plenarsaals zur Spiegelgalerie hat er ja schon in Auftrag gegeben, leider ist der Bayerische Landesrechnungshof für solchen Firlefanz nicht mehr zuständig. Die ganzen Umgehungsstraßen im Allgäu, weil irgendein Kuhdorf noch mal eine halbe Milliarde brauchte und der Verkehrsminister aus dem CSU-Kindergarten kam, das kann er sich jetzt gepflegt in die Haare schmieren.

Seine Quittung heißt Dobrindt. Ich hab ja keine Ahnung, aber mein Kumpel, Kalle, der sagt, die haben die Kandidaten nach IQ sortiert und dann am falschen Ende vom Stapel angefangen. Gut, die zwanzig Jahre kriegt man auch irgendwie herum. Noch schlimmer als Dobrindt und Scheuer und Seehofer, der findet wieder mal nicht den Ausgang aus der Politik, noch schlimmer ist aber, dass sein Bayern nicht mehr sein Bayern ist. Also seins im Sinne von CSU-Besitz, das wäre für ihn schon echt eklig. Aber der behandelt jetzt die Bayern wie ganz normale Menschen, wie alle anderen Bürger auch. Weil er es muss. Der kann denen nicht mehr die Extrawurst versprechen, weil er weiß, dass er der große Zampano ist, und noch viel schlimmer: die haben den eingestellt, damit er mit den Flitzpiepen aus München mal ordentlich Schlitten fährt. Da ist seine Stellenbeschreibung. Aus der Nummer kommt er nicht mehr raus.

Ist möglich, dass der Söder jetzt seinen Alterssitz nicht mehr unbedingt in Bayern haben will. Der ist wahrscheinlich schneller weg vom Fenster, als die in Bayern sich wieder halbwegs normal benehmen können. Und ich wette, dass er denen todpeinlich wäre, wenn der sich da unten noch mal blicken lassen würde.

Momentan haben wir hier sowieso ganz andere Sorgen, aus Bayern kommen ja momentan ständig Demonstranten, die die Autonomie des Freistaates fordern. Sie dürfen gerne mal mitraten, was der Söder als staatstragender Regierungschef dazu gesagt hat. Aber wie sagt mein Kumpel, Kalle, wie sagt der immer? Augen auf bei der Berufswahl! So, und jetzt können Sie mich mal, und zwar freundlich wie auch sonst entschuldigen, der komische Vogel da muss heute noch weg. Da hängt dann ab nächste Woche der Löwe.“





Klagemauer

25 06 2020

04:58 – Der Wecker klingelt zwei Minuten zu früh. Schlaftrunken setzt sich Heimat- und Bauminister Horst Seehofer im Bett auf. Er greift nach dem Diktiergerät auf seinem Nachttisch und spricht den ersten Verwaltungsakt des Tages ein: Strafanzeige gegen das Läutwerk wegen staatsfeindlicher Ruhestörung eines Verfassungsorgans.

05:03 – Während das Radio den Wetterbericht für den Freistaat Bayern bringt, schlurft der Ex-König ins Bad. Die poröse Schnur des Rasierers ist in Auflösung begriffen – typisch für die Landesgruppe Bayern, die immer solche Geschenke macht. Nach dem Anschalten knackst und rauscht es hörbar im Rundfunkempfänger, bevor die Sicherung mit Getöse herausspringt. Seehofer erstattet sofort Strafanzeige wegen Verunglimpfung eines Symbols des Staates.

05:14 – Er hat die Sicherung endlich gefunden und wieder reingedrückt. Und weiter geht’s für den verhinderten Vizekanzler. Der Kaffeeautomat hat durch die Stromunterbrechung seinen Brühvorgang eingestellt und muss neu gestartet werden. Seehofer zeigt ihn wegen Störung der Tätigkeit eines Gesetzgebungsorgans an.

05:36 – Endlich kann sich der Innenminister auf den Lieblingsplatz in seiner Wohnküche setzen: ganz rechts, direkt an der Wand. Unter der Collage aus Heiligenbildern – Strauß, Pinochet, Orbán – wirft er einen kurzen Blick in die Morgenzeitung. Das Blatt bringt schon wieder nicht die erwünschte Schlagzeile, dass Deutschland über Nacht von linksextremistischen Asylanten mit mindestens je einem Urgroßelternteil mit Migrationshintergrund dem Erdboden gleich gemacht wurde. Die nächste Strafanzeige wegen Hochverrats zu Sabotagezwecken ist raus.

05:44 – Eine Mülltonne vor dem Seehoferschen Anwesen steht leicht schief. Der Hausherr will nachsehen, ob sie ordnungsgemäß geleert wurden, kann den Deckel jedoch nicht öffnen. Er erstattet reflexartig Strafanzeige wegen Zuhälterei.

05:46 – Der Dienstwagen steht abfahrbereit vor der Tür. Der Bundesinnenminister liest noch schnell sein Zeitungshoroskop zu Ende und haut eine Strafanzeige wegen uneidlicher terroristischer Falschaussage zusammen, bevor er das Fahrzeug besteigt.

05:56 – Der Verkehr im Regierungsviertel wird durch zahlreiche Baustellen erschwert; der Fahrer kommt nur langsam voran. Vor der roten Ampel formuliert Seehofer rasch eine Strafanzeige wegen sicherheitsgefährdender Wehrkraftzersetzung.

05:59 – An der Gertrud-Kolmar-Straße Ecke Führerbunker schneidet der Fahrer einen Radler, der den Minister erkennt und ihn als „degenerierte Faschistendrecksau“ beschimpft. Seehofer notiert umgehend eine Strafanzeige wegen Preisgabe von Staatsgeheimnissen.

06:11 – Endlich im Ministerium. Der Pförtner hat noch kein Schild aufgestellt, das vor dem frisch gewischten Boden im Foyer warnt. Der Minister zeigt ihn wegen Personenstandserschwernis an.

06:16 – In der Hauspost des Leiters befindet sich eine Karte, mit der die Abteilung Bürokratieabbau einer Kollegin zum Geburtstag gratulieren will. Da die Adressatin durch eine Eintragung deutlich zu identifizieren ist, zeigt Seehofer sie wegen Ausspähens und Abfangens von Daten an.

06:28 – Zur Entspannung spielt Seehofer ein paar Minuten auf der elektrischen Orgel, die er in seinem Aktenschrank aufbewahrt. Da ihm vor einigen Jahren das Anschlusskabel abhanden gekommen war, hatte er seinerzeit schon Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt erstattet.

06:54 – In der Abteilung Statistik werden viel mehr Klarsichthüllen als veranschlagt verbraucht. Der Bundeshorst erinnert in einem eilig aufgesetzten Rundschreiben an die Obergrenze und erstattet gleichzeitig Strafanzeige wegen unrichtigen Gebrauchs von Urkunden.

07:12 – Die Bundeskanzlerin hat sich wegen eines dringenden Telefonats mit der deutschen Botschaft in Teheran verspätet, so dass die Videokonferenz des Bundeskabinetts nicht pünktlich beginnen kann. Statt ihrer übernimmt spontan Markus Söder die Moderation. Seehofer leitet eine Strafanzeige wegen Parteiverrat an die Rechtsabteilung weiter.

07:31 – Der aktuelle Verfassungsschutzbericht liegt vor. Seehofer ist mit der erheblichen Steigerung von Straftaten im rechtsextremistischen Milieu nicht einverstanden und moniert, dass Nationalsozialisten nicht wegen ihrer sozialistischen Gesinnung als Linke gekennzeichnet werden. Er erstattet gegen den zuständigen Abteilungsleiter Strafanzeige wegen staatsgefährdender Vorteilsnahme.

07:58 – Die Kanzlerin hat ihre Mission beendet und betritt nun gemeinsam mit dem Außenminister den Videochat. Merkel befragt ihn zu Einzelheiten des Verfassungsschutzberichts, den er entgegen seiner Ankündigung aber noch nicht gelesen hat. Seehofer erstattet Strafanzeige wegen Aussageerpressung.

08:33 – Die anderen Kabinettsmitglieder haben keine Lust mehr, Seehofers Gerede zu folgen, und schalten ihn gemeinsam stumm. Der Innenminister erstattet sogleich Strafanzeige wegen gemeiner Computersabotage.

09:01 – Kaffeepause im Ministerium. Bei seinem Betreten des Aufenthaltsraums verlassen zwei Staatssekretäre sowie eine Referatsleiterin die Sitzgruppe. Seehofer erstattet kurzerhand Strafanzeige wegen Störung des öffentlichen Friedens in einem besonders schwerem Fall.

09:16 – Die geheime Verschlusssache Adolfs Erben Sektion Ost wird in Seehofers Büro geliefert. Das Dokument listet eine Reihe hochrangiger Mitglieder mehrerer Bundesbehörden auf, die einen bewaffneten Umsturz zur Lösung des Freistaates Sachsen als nationalsozialistisch regierte Führerrepublik aus dem Staatsgebiet der BRD planen und dafür seit 2015 Waffen aus dem Besitz der Bundeswehr gestohlen haben. Es liest sich sehr interessant, so dass der Innenminister fast seine tägliche Blutdrucktablette vergisst. Für eine Anzeige sieht er hier keine Veranlassung, da es ja bisher nicht zu staatsgefährdenden Straftaten gekommen war.

10:31 – In einer Tageszeitung ereifert sich ein Sportredakteur in einer sprachlich ausbaufähigen Glosse über den Dauermeister Bayern München, deren Spieler er als „Rumpelmonster“ bezeichnet und denen er den Einsatz auf einem Rübenacker empfiehlt. Seehofer ist verärgert, da auch Sport und Leitkultur zu den Befugnissen als Heimatminister gehören. Flugs erstattet er Strafanzeige wegen Volksverhetzung.

10:49 – In einem hausinternen Schreiben weist das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge darauf hin, dass am kommenden Tag 68 Personen nach Afghanistan abgeschoben werden sollen, da sie nicht individuell, sondern kollektiv bedroht würden. Seehofer stört sich an der Zahl, die ihm zu niedrig vorkommt, und macht die Ressortleiterin dafür verantwortlich, zahlreiche Fälle ohne Prüfung positiv zu bescheiden. Er erstattet Strafanzeige wegen Missbrauchs von Ausreisepapieren.

11:08 – Von seinem Fenster aus sieht der Minister, wie in einem Einsatzfahrzeug der Polizei der Motor nicht anspringt. Er erstattet sofort Strafanzeige wegen schweren Hochverrats in Tateinheit mit Raubmord, terroristischer Staatszerstörung und schwerer staatsgefährdender Boykotthetze.

11:15 – Bei einem Pressetermin wird Seehofer zur Kabinettssitzung sowie zur Meinung der Kanzlerin in Hinsicht auf den Verfassungsschutzbericht befragt. Er erklärt, Merkel habe heute mit ihrer nur am Grundgesetz und nicht an den Interessen des deutschen Volkes ausgerichteten Hetzrede die Herrschaft des Unrechts ausgerufen. Er erstatte nun sofort Strafanzeige wegen verfassungsfeindlicher Einwirkung auf öffentliche Sicherheitsorgane.

12:02 – In der Mittagspause bedient sich Seehofer an der Salatbar der Behördenkantine. Ihn regen die hohen Preise für Wurstwaren auf, außerdem gibt es entgegen seiner Anweisung dort immer noch kein Weißbier. Er diktiert schnell eine Strafanzeige wegen böswilliger Wehrkraftzersetzung.

12:10 – Während der Minister einen gemischten Salat mit einer Leberkässemmel verzehrt, hört er am Nebentisch, wie er von zwei ihm unbekannten Kollegen als „Klagemauer der Bundesregierung“ bezeichnet wird. Er erstattet sogleich Strafanzeige gegen Unbekannt wegen schwerer Störpropaganda.

12:48 – Die an die Bundesregierung herangetragene Petition, im Zuge der zahlreichen Gefährdungen der Coronakrise ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, erfährt von Seehofer postwendend eine Abfuhr. Er erstattet Strafanzeige wegen räuberischer Erpressung von Staatsorganen.

13:20 – In einem Krisentelefonat erörtert Seehofer mit seinem Kabinettskollegen Scheuer alle noch bestehenden Möglichkeiten, ohne eine Haftstrafe aus dem Betrugsskandal um die Ausländermaut zu entkommen. Diese zwanzig Sekunden fehlen ihm empfindlich an der Arbeitszeit des Nachmittags.

13:21 – Seehofer erhält eine Spam-Mail, in der ihm gebrauchte Fahrräder zu Spitzenpreisen angeboten werden. Da die Nachricht nicht von der Polizei in Leipzig stammt, löscht er sie sofort und erstattet Strafanzeige wegen staatsgefährdender Belästigung.

14:13 – Auf eine Pressemitteilung der Linken, die Kosten für Mund-Nasen-Schutz für Bezieher von ALG-II-Leistungen zu tragen, reagiert Seehofer mit harscher Kritik. Er bezeichnet die Partei als „linksfaschistische Staatszersetzer“ und droht an, „Deutschland endgültig vor ihrem schädlichen Einfluss zu schützen“. Den Text lässt er nebst der Androhung einer Strafanzeige wegen schweren bandenmäßigen Rauberpressungsdiebstahls auf der Startseite der Ministeriumswebsite verlinken.

14:49 – Zeit für ein kurzes Telefonat mit seinem demokratischen Freund Orbán. Der ungarische Despot rügt seinen deutschen Vertrauten, dass in der Bundesrepublik Homosexuelle immer noch wie Menschen behandelt werden. Mehr als einen mehrmonatigen Lageraufenthalt zur Feststellung potenzieller Infektionskrankheiten kann Seehofer dem Rechtsgefährten nicht versprechen. Er regt an, beim Internationalen Strafgerichthof Anzeige wegen schwerer sexueller Nötigung seelisch normaler Volksteile zu erstatten.

15:15 – In Brandenburg wurde ein Polizeiwagen durch einen stark alkoholisierten Wachtmeister an eine Hauswand gesetzt. Das eigens für Seehofer nach Berlin verbrachte Fahrzeug muss nun genauer behördlichen Kontrolle unterzogen werden, da der Innenminister nicht glaubt, dass sich ein derartiger Unfall ohne Zutun linksterroristischer Kreise hatte ereignen können. Er lässt sich die Stauchung der Frontpartei sowie die gesplitterte Frontscheibe durch die Kriminaltechnik erklären und erstattet zur Sicherheit Strafanzeige gegen Unbekannt wegen staatsgefährdender Vortäuschung nicht geschehener Straftaten.

15:20 – Die Beschlussvorlage zur Neuregelung der Einsatzmöglichkeiten privater Sicherheitsdienste ist angekommen. Danach dürfen nun auch angelernte Kräfte mit einschlägigen Vorstrafen Schusswaffen führen und verdächtige Personen verdächtigen, wenn diese wie verdächtige Verdächtige aussehen. Um Arbeitszeit zu sparen, formuliert Seehofer für die Parlamentsdebatte schon mal eine Strafanzeige wegen Sabotage an für die Staatsnotwehr nötigen Mitteln der Landesverteidigung.

16:14 – Im Asylstreit zeigt sich der Bundesminister nun plötzlich kompromissbereit. In einem Telefonat mit der EU-Kommission verspricht Seehofer, 400 Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufzunehmen, allerdings nicht mehr in diesem Jahr. Bedingung sei außerdem, dass diese sofort wieder abgeschoben werden könnten. Für jeden dieser Flüchtlinge lässt der Innenminister schon einmal eine Strafanzeige wegen Widerstandes gegen Deutsche aufsetzen.

16:44 – Früher als gewohnt verlässt Seehofer seinen Arbeitsplatz und lässt sich noch für ein Gespräch mit Merkel ins Bundeskanzleramt fahren. Die Regierungschefin ist hingegen nicht mehr im Haus, da sie wichtige Termine wahrnimmt. Der ehemalige CSU-Chef überlegt, ob er sie wegen Amtsanmaßung anzeigen soll.

17:02 – Der Minister bekommt per SMS mitgeteilt, dass eine Journalistin mit bedrohlich klingendem Namen einen Artikel über Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht hat. Da der Beitrag bereits morgen erscheinen wird, erstattet Horst Seehofer an Ort und Stelle Strafanzeige wegen Gewaltdarstellung in Tatmehrheit mit Störung des Rechtsfriedens.

18:03 – Nach einer sehr langsamen Fahrt durch die Baustellen der Berliner Innenstadt erreicht der Minister sein Haus. Ihm fällt sofort auf, dass in seinen Briefkasten zwei Tüten voller Werbematerial eingeworfen wurden, so dass er kurzerhand eine Strafanzeige wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens formuliert. Er wird seinen Postkasten bis zur letzten Patrone verteidigen.

18:05 – Schon steht Seehofer in seiner Lieblingsstrickjacke im Kellergeschoss seines Hauses. Er knipst die Deckenbeleuchtung an, setzt die Mütze auf und bläst beherzt in die Trillerpfeife. Der erste Zug seiner Modelleisenbahn setzt sich schnurrend in Bewegung. Hier hat der ehemalige Ministerpräsident endlich alles unter Kontrolle. Ein Glas zimmerwarmer Limonade ohne Kohlensäure erquickt seinen Abend, während er den Verkehr zwischen A-Stadt und B-Hausen regelt.

22:24 – Schläfrig vom Rauschen der Räder auf den Schienen schaltet der Ex-Vorsitzende der CSU die Lampe aus und geht gemächlich ins Erdgeschoss, wo er die Strickjacken an den Garderobenhaken hängt und zur Entspannung noch ein paar Pfeile auf das in der Küche angebrachte Porträtfoto von Söder schmeißt.

22:40 – Horst Seehofer legt sich ins Bett und deckt sich zu. Er stellt den Wecker auf Punkt Fünf. Wie an jedem Morgen, an dem er zeitig aufstehen will. Schon sinkt er in einen tiefen, rechtmäßigen Schlaf für Volk und Vaterland.





F.K.K.

22 04 2020

„Sie, das mag ich mir jetzt nicht vorstellen!“ „Dann halten Sie das Original für erträglicher?“ „Das ja nun nicht, aber wenn ich mir denke, dass die Leute in ihre eigenen Wohnzimmer… igitt!“

„Sie brauchen nur einmal mit der Stadtreinigung mitzulaufen, wenn Sie das sehen wollen.“ „Hören Sie auf, ich muss gleich…“ „Oder mit den Kollegen von der Münchener Polizei.“ „Ich sagte, Sie sollen jetzt aufhören!“ „Eine einzige Pfütze, ich sage es Ihnen, die reicht von…“ „Aufhören!“ „Brezn und jede Menge Hendl, nach Tageszeit haben Sie noch Weißwurst drin und natürlich genug Bier. “ „Jetzt hören Sie auf, ich muss gleich, also mich erbrechen, verstehen Sie!?“ „Genau davon rede ich ja. Das ist das im Freistaat so beliebte Kulturgut, dass unser Landesherr, der Söder Markus, in Gestalt des für uns so wichtigen Festes auf der Theresienwiese zu retten versucht, obwohl die Preußen es uns bereits jetzt schon madig machen.“ „Nein, das kann nicht sein. Das kann nicht sein!“ „Wenn ich es Ihnen doch sage!“ „Ich lebe jetzt seit sechzig Jahren in Bayern, davon fünfzig in München, und ich habe noch nie einen Landsmann getroffen, der freiwillig auf der Wiesn sich, also…“ „Ja?“ „Ich meine, der hat da noch nie das Bier und die Hendl, die hat er doch vorher, also Herrschaftszeiten!“ „Doch, das ist nur den meisten nicht bewusst.“ „Nicht?“ „Das ist sehr altes Kulturgut, das geht auf tiefere Schichten der bayerischen Historie zurück.“ „Und da haben die Bayern…“ „Allerdings.“

„Warum fressen denn die Leute so eine Menge Brezn und Würstl in sich rein?“ „Irgendwas muss ja dann wieder raus.“ „Und das Bier?“ „Weil es sonst vermutlich drin bleibt.“ „Nehmen Sie mir das nicht übel…“ „Gutes Stichwort, genau da setzt der Plan vom Herrn Ministerpräsidenten auch an.“ „Welcher Plan denn?“ „Es muss ja raus.“ „Aha?“ „Er wollte ursprünglich alle zwei Meter ein Bild vom Stoiber annageln, aber die Leute sind halt nicht mehr auf der Strasse unterwegs, da hat er’s gelassen.“ „Da hat er wohl kein Kruzifix mehr bei der Hand gehabt, haha!“ „Ursprünglich sollte es ja das Foto vom Seehofer werden, aber da ist dann gleich das Heimatmuseum, Ministerium meine ich! das ist da eingeschritten.“ „Igitt!“ „Und dann hat sich die CSU allerhand einfallen lassen. Brechmittel ging nicht, das wird gegen ausländische Delinquenten eingesetzt und sonst nicht.“ „Also nur gegen die Preußen?“ „Die braucht man sowieso nicht beim Oktoberfest, also haben wir überall bei den Bierflaschen aufs Etikett einen Dobrindt gedruckt.“ „Das ist Folter!“ „Ja, aber aus regionalem Anbau.“

„Und das Bier wird jetzt verkauft?“ „Erstens wird das nicht verkauft, das wird geliefert, und zwar frei Haus.“ „Und wenn ich kein Bier mag?“ „Wollen Sie das kulturelle Erbe unseres Landes mit Absicht verraten?“ „Nein, aber…“ „Dann werden Sie das Zeug trinken, wenn es geliefert wird. Keine Widerrede!“ „Igitt!“ „Sehen Sie, das ist die richtige Einstellung!“

„Und Sie wollen dann, dass ich dazu Würstl brate oder Brezn kaufe?“ „Hören Sie doch mal hin: das wird alles geliefert.“ „Gratis?“ „Wenn wir die Leitkultur stützen müssen, dann ist uns das ein bisschen Steuergeld wert.“ „Weil das Oktoberfest sonst wegen des Lockdown ins Wasser fällt? Der soll doch nur bis Ende August gehen?“ „Aber bis dahin muss doch die ganze Planung auch stehen, und versuchen Sie mal, in ein paar Wochen die Zelte zu organisieren, Verpflegung, die Bedienung, die ganzen Tüten.“ „Welche… ach so.“ „Jedenfalls werden wir als gesamtbayerische Anstrengung unter der Führung des Söder Markus dieses Projekt durchziehen, nicht wahr?“ „Das Oktoberfest?“ „Das Projekt F.K.K.“ „Föderalismus, und hier, Dings… Corona?“ „Freistaatlich kontrolliertes Kotzen.“

„Sagen Sie mir, dass das nicht wahr ist.“ „Sie wissen so gut wie ich, dass es genau darauf ankommt, sonst würden nicht seit über zweihundert Jahren die Münchener sich regelmäßig die Birne dicht ziehen und dann alle Körperflüssigkeiten in der Öffentlichkeit ablassen.“ „Das ist ekelhaft!“ „Die deutsche Leitkultur ist nun mal nicht so besonders angenehm, das stellen Sie vor allem dann fest, wenn Sie sie als Ausländer kennen lernen.“ „Und dafür gibt sich Söder her!?“ „In Bayern wird man nun mal nur dann gewählt, wenn es einem vor keiner Sau graust. Sagen Sie jetzt nicht, das hätten Sie nicht gewusst?“

„Also die Bayern kriegen dann das Bier in die Wohnung geliefert und einen Leberkas und Brezn, und dann…“ „Auf die Couch, oder vom Balkon, wenn Sie einen haben. Sonst halt ganz normal ins Klo, wie alle anderen.“ „Und das ist Kulturgut?“ „Es ist zumindest ein angemessener Ersatz, wenn man das nur daheim praktizieren kann, aber in der Krise zeigt unser Landesherr, dass er auf alle Bedürfnisse der Bayern Rücksicht nimmt und sie gegen die Bundesregierung verteidigt.“ „Hat denn die Bundeskanzlerin das verboten?“ „Nein, aber das muss man den Bayern doch nicht auf die Nase binden.“ „Verstehe. So gewinnt man also Wahlen im Freistaat.“ „Selbstverständlich, und wissen Sie, was das Schöne ist? Wenn die Deutschen nicht aufpassen, dann machen sie immer das, was die Bayern wollen.“ „Und wissen Sie, wie ich das finde?“ „Nämlich wie?“ „Zum Kotzen.“





Hauptstadt der Bewegung

11 03 2020

„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten…“ „Also zu Fuß zum Flugtaxi?“ „Das müsste optimierbar sein.“ „Was kostet das?“ „Was wollen wir denn ausgeben?“ „Dann wird es mindestens das Doppelte.“

„Das muss aber europaweit total einzigartig sein.“ „Mindestens!“ „Wenn nicht weltweit!“ „Wenn Sie sich die Entfernungen anschauen, dann kann man das auch direkt in…“ „Aber das soll nur in München…“ „Es geht ja um Mobilität und um Digitalisierung.“ „Das sind ja gleich zwei Sachen, von denen Scheuer keinen blassen Schimmer hat.“ „Raten Sie doch mal, warum wir uns das ausdenken müssen.“ „Er hat gesagt, er hätte eigene Ideen?“ „Er hat gesagt, der Plan wäre schon fertig.“ „Das kippt auf.“ „Wieso?“ „Wenn der Knalldepp sagt, er habe einen Plan, dann weiß jeder: gelogen.“ „Auch wieder wahr.“ „Dann schreiben wir ihm jetzt jede Menge wirres Zeug rein, das gar nicht funktioniert.“ „Damit man denkt, er hätte das selbst fabriziert?“ „Gute Idee!“ „Also ich bin dabei.“

„Wie wollen sich denn Menschen in Zukunft fortbewegen?“ „Digital muss natürlich eine Rolle spielen.“ „Wenn man vom Bahnhof aus direkt in ein Auto startet…“ „… dann könnte man das ja mit einem digitalen Gerät irgendwie…“ „Es gibt diese neuen Telefone.“ „Mit denen kann man ein Auto an den Bahnhof bestellen?“ „Oder einen Fahrer.“ „Mit Auto?“ „Soll es geben, sagt man.“ „Crazy!“ „Das würde ja bedeuten, man muss sein eigenes Auto gar nicht mehr mitbringen, wenn man sowieso aus dem Hauptbahnhof aussteigt.“ „Das wird sich mit etwas Kohle aus dem Bundeshaushalt sicher feststellen lassen.“ „Gute Idee!“ „Hören Sie mal, das klingt doch total beknackt.“ „Eben.“ „Keine Sau wird merken, dass ihm das nicht selbst eingefallen ist.“

„Die Menschen müssen ja auch erstmal an den Bahnhof kommen.“ „Stimmt.“ „Kann man da nicht irgendwas machen?“ „Am besten etwas Digitales.“ „Die Tickets könnte man in diesem Interdings…“ „… und dann gleich auf diese Telefone rauf.“ „Das ist aber dann eine Sache der Bahn, oder?“ „Warum fragen Sie?“ „Wenn’s nicht klappt, dann kann man immer noch der Bahn die Schuld geben.“ „Super!“ „Gute Idee!“ „Ist das jetzt schon ein weltweit einzigartigen Projekt?“ „Fahrkarten in deutschen Zügen?“ „Gibt es meines Wissens nach nur hier in Deutschland.“ „Dann haben wir hiermit erfolgreich ein weiteres Projektziel abgehakt.“ „Wie genial sind wir!“ „Das wüsste ich auch gerne.“ „Einer muss es ja machen, Kollegen.“

„Aber hier, Warentransporte.“ „Ja, das wird sehr schwierig.“ „Wegen der Digitalsache?“ „Nein, das war irgendwas anderes.“ „War es wichtig?“ „Eher nicht, sonst könnte ich mich noch daran erinnern.“ „Flexibilität?“ „Genau, Flexibilität.“ „Drohnen sind doch momentan für alles gut.“ „Ja, aber versuchen sie mal, mehrere Tonnen Stückgut per Drohne ins Industriegebiet zu verlasten.“ „Also doch wieder Flugtaxi.“ „Wir müssten eher schauen, dass wir ein Transportmittel finden, das sich als klimaschonend verkaufen lässt.“ „Sie meinen eins, das auch nicht so einen hohen Verbrauch an Trassenfläche hat?“ „Es müsste auch technisch sehr zuverlässig sein und regelmäßig verkehren.“ „Und schnell muss es sein.“ „Also keine Staus.“ „Und das müsste dann noch auf sehr weite Strecken skalieren.“ „Für die Ferntransporte?“ „Man könnte zum Beispiel feste Straßenverbindungen einrichten.“ „Im Tunnel?“ „Eine durchgängige Straße würde schon reichen.“ „Mit extra Fahrspuren für die Güter.“ „Am besten in einer Art Kolonne, damit der Luftwiderstand der einzelnen Elemente gedrosselt wird.“ „Sie meinen eine Art Verbundsystem?“ „Wenn man die Lkw mit Stangen ausstattet, dann kann man die zusätzliche Kraftübertragung ausnutzen.“ „Das spart dann auch Personal.“ „Ich wäre für ein modulares System, bei dem man die Wagen an Zwischenstationen neu zusammenstellen kann.“ „Gute Idee!“ „Das klingt alles technisch ausgereift.“ „Und wirtschaftlich sehr gut durchdacht.“ „Ich würde sogar sagen, das ist so in der Art umsetzungsfähig.“ „Ja, da stimme ich Ihnen zu.“ „Hm.“ „Flugtaxis?“ „Flugtaxis.“

„Warum muss man das überhaupt in München machen und nicht an einem der wirtschaftlichen Zentren Deutschlands?“ „Erfurt wäre als zentraler Logistikstandort doch ganz okay.“ „Mit Linken kann man nicht kooperieren, die verkaufen das sonst als ihren eigenen Erfolg, obwohl es aus der Bundespolitik kommt.“ „Dann eben Stuttgart als künftiges Zentrum der…“ „Sonst geht’s aber?“ „Ich wollte auch mal etwas Beklopptes sagen.“ „So gut wie Scheuer werden Sie nie.“ „Außerdem ist München sowieso Hauptstadt der Bewegung.“ „Und die Münchener Politiker hat er schon von seiner Planung in Kenntnis gesetzt?“ „Hoffentlich nicht, sonst können wir unsere Vorschläge gleich in die Tonne treten.“ „Wahrscheinlich gibt es in der CSU wieder einen Wettbewerb im 500-Millionen-Euro-Schnellverbraten, sonst hätte ihm einer gesteckt, dass man diese Projekte bundesweit ausschreiben muss.“ „Oder einer seiner insolventen Schulfreunde hat vorsichtshalber gerade eine neue Baufirma ohne besondere fachliche Spezifizierung gegründet, um die Aufträge abzugreifen.“ „Also ein Nicht-Spezl?“ „Genau.“ „Großartig!“ „So, wenn Ihnen nichts mehr einfällt, dann drucke in den ganzen Kram nach der Mittagspause aus, und wir setzen uns für den Rest der Woche zur Ruhe.“ „Warten Sie mal, wir hatten hier noch gar nicht über Fahrräder gesprochen.“ „Über was!?“ „Haha, gute Idee!“ „Ich meine…“ „Nehmen Sie’s mir nicht übel, Herr Kollege, aber das kippt doch unter Garantie auf.“





Uneingeschränkte Solidarität

11 02 2020

„… keinen Rückhalt mehr in der Partei mehr besitze. Kramp-Karrenbauer werde deshalb auf den Vorsitz der CDU verzichten und sich ganz auf ihr Amt als…“

„… präventiv eine Absage erteilt habe, da sie für diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung stehe. Die CDU müsse nun mit den an sie gestellten Herausforderungen ohne sie fertig werden, da sie diese auch ohne Not herbeigeführt habe. Merkel wolle sich in der verbleibenden Zeit ihrer…“

„… dass Merz sich nichts vorzuwerfen habe. BlackRock moniere den plötzlichen Rückzug, der mit der Entwicklung der Christdemokraten von langer Hand abgesprochen scheine. Man müsse daher seine Boni für das laufende Geschäftsjahr zur Disposition stellen und erwäge auch einen…“

„… sich nur einen hochkompetenten und für seine Aufgabe vollkommen qualifizierten Manager vorstelle könne, der die Bewunderung der Wähler und das uneingeschränkte Vertrauen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf sich vereine, dass er einer der größten Staatsmänner seiner Zeit sei und dies Land zum Mittelpunkt des Universums machen werde, wenn man nur seine von Gott gegebene Genialität anerkenne. Spahn werde seine Kandidatur noch in dieser…“

„… müsse die Union jetzt Geschlossenheit zeigen und sich nicht mehr in Grabenkämpfen für Einzelpersonen aufreiben. Söder biete der Partei seine Mitwirkung als Kanzlerkandidat an, setze aber im Gegenzug voraus, dass sie Seehofer so schnell wie möglich von sämtlichen…“

„… verkehre Merz mit der Gesellschaft nur noch über seine Berater, da seine Anwälte nach wie vor Angestellte von BlackRock seien. Eine Einigung sei derzeit aber nicht in…“

„… um Falschmeldungen handele. Söder wolle weder den Regierungssitz nach Franken verlegen noch Weiß-Blau zur Flagge der Bundesrepublik machen. Die Christsozialen wollten auch darauf verzichten, den Bundesadler im Reichstag durch ein überdimensionales Kruzifix zu ersetzen. Es sei ihm auch vollkommen gleichgültig, wer unter ihm den Vorsitz der…“

„… sei AKK derzeit nicht zu sprechen. Die Ministerin bereite sich auf ihren kurzfristig zugesagten Karnevalsauftritt als…“

„… Klöckner von einer Kandidatur Abstand genommen habe. Wenn es aus organisatorischen Gründen nicht möglich sei, Regierungserklärungen weiterhin von Nestlé schreiben zu lassen, sehe sie sich nicht als ausreichend befähigt, ein Amt im…“

„… habe Laschet angekündigt, er werde das Programm der CDU in den Mittelpunkt stellen, um das Christliche mit dem Demokratischen zu verbinden. Insbesondere Merz kritisiere das als einen extremen Linksruck, der auf gar keinen…“

„… brauche die Union jetzt einen stabilen Übergangsvorsitzenden, der die Partei und damit die Bundesrepublik zu beruhigen verstehe. Lindner empfehle der Union eine Fusionierung mit der FDP, in der auch das Parteivermögen der Union in die…“

„… die Rekrutierung von Spitzenpersonal bis in die einzelnen Ortsverbände hinein erfolgen müsse. Die Christdemokraten seien bis zur Sommerpause gehalten, den neuen Kanzlerkandidaten samt einer Medienkampagne für die Bundestagswahl zu…“

„… verfüge Laschet nur über die Akzeptanz der Mitte. Wenn die CDU jedoch weder Nationalisten noch Holocaustleugner dauerhaft anerkenne, sehe die WerteUnion auch weiterhin keine Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit AfD, Identitären und den Kameradschaften der…“

„… wolle Merz als kommissarischer Leiter der Erneuerungskommission auf Rezo als Head of Strategic Communication verzichten, da durch ihn viele Stammwähler nicht mehr den…“

„… dass es zu einer Doppelspitze von Laschet und Altmaier kommen könne. Die führenden Energiekonzerne hätten für diesen Fall bereits ihre uneingeschränkte Solidarität mit dem…“

„… dass Merz nie ein Amt als Staatssekretär, Minister oder in einer ähnlichen Position der Exekutive bekleidet habe und daher auch keine Fehler in dieser Position gemacht haben könne. Er sehe sich deshalb als den optimalen Kanzler, der mehr als Merkel und Kramp-Karrenbauer alles…“

„… sei Mohring bisher noch nicht zu einem Statement bereit gewesen. Beobachter aus der CDU Thüringen hätten jedoch bereits mitgeteilt, ehe er sein Einkommen mit ehrlicher und anständiger Arbeit verdienen müsse, werde er viel lieber als…“

„… sei de Maizière mit dem Vorschlag abgeblitzt, unpassende Kandidaten mit Hilfe einer speziellen Gesichtserkennung zu erfassen und aus der Datei der demokratischen Staatsbürger zu entfernen, ohne sie aber als potenzielle Unterstützer des linksextremistischen Milieus in die vom…“

„… sei versehentlich in einen Raum im Kellergeschoss der Staatskanzlei eingeschlossen worden. Eine Reinigungskraft habe ihn nach fünf Tagen zufällig an der Tür kratzen hören. Dobrindt gehe es den Umständen entsprechend eher…“

„… den organisatorischen Aufwand nach Möglichkeit zu minimieren. Die SPD halte eine parallele Neuwahl im Bund sowie in Thüringen für eine praktische Lösung des aktuellen…“

„… habe sich Lindner zu einem Parteiübertritt bereiterklärt. Seiner Berechnung nach wären 5,0005% auf dem Bundesparteitag ausreichend, um die Führung des…“

„… aber kein Risiko eingehen wolle. Eine Mitgliederbefragung komme für das Präsidium ebenso wenig in Frage wie die Delegierten zu…“

„… als Comeback des Jahres bezeichnet werden könne. Söder werde noch in dieser Woche mit Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob…“





Scharia und Josef

27 01 2020

„Das können Sie gar nicht beurteilen. Wir hier in Bayern, wir stehen nicht über dem Gesetz. Wir sind das Gesetz, oder geht das nicht in Ihren Schädel?

Das ist in diesem Zusammenhang erst mal egal, ob die Bundesregierung außerhalb von Bayern tätig ist. nach unserer Rechtsauffassung könnte das auch ein vorübergehender Zustand sein, schließlich hat die CSU dem Grundgesetz nicht zugestimmt. Oder meinetwegen der Freistaat Bayern, jetzt reiten Sie doch nicht auf diesen Feinheiten herum. Was wir hier beschließen, das ist beschlossen, da können Sie vor jedes Gericht ziehen, das Sie wollen, das ändert sich nicht. Wir sind ein freier Staat, hier kann jedes Gericht seine eigene Sichtweise haben. Uns als CSU steht es im Gegenzug frei, das zu ignorieren oder aber auch nicht. Gewöhnen Sie sich daran, dass Sie hier nicht in Ihrer linken Diktatur leben, wo die Staatsratsvorsitzende dem Koalitionspartner befiehlt, was richtig ist. Hier geht das andersherum.

Es gibt bestimmte Traditionen in diesem Land, die müssen anerkannt werden, weil wenn man die nicht anerkennt, sind es keine Traditionen mehr. Dass in jedem öffentlichen Gebäude ein Kreuz zu hängen hat oder dass man mit drei Maß Bier noch so verkehrssicher ist, dass man Auto fahren kann. Wenn sich das als falsch herausstellen sollte, dann kriegen Sie zur Bewährung einen Ministerposten. Daran zeigt sich, dass diese Tradition hier im Freistaat eine christliche ist, in der jeder Mensch eine zweite Chance verdient, oft auch noch sehr viel mehr. Das ist das Soziale an der CSU. Uns reicht das, Sie als Vertreter des Ökostalinismus haben aber sicher wieder etwas daran auszusetzen.

Wir haben eine christliche Sondergesetzgebung, die immer das Wohl des einzelnen Menschen im Blick hat. Scharia und Josef, das sind sozusagen unsere Wurzeln. Und wir sehen es auch nicht ein, dass sich beispielsweise Bundesminister, nur weil sie zufällig der CSU angehören und dann auch noch aus Bayern stammen, nicht auf diese christliche Tradition berufen dürfen. Oft ist das der einzige Weg für CSU-Mitglieder, in die Bundespolitik zu gelangen, dazu müssen sie ihre Heimat verlassen – an diesen Migrationsschicksalen haben wir schon genug zu tun, da können wir nicht auch noch die ganzen Flüchtlinge bedauern, die größtenteils eh nicht in Bayern Platz haben. Außerdem sind das Ausländer, die nur nach Deutschland kommen, um hier von unserem Staatswesen zu profitieren.

So ein durchschnittlicher Flüchtling hat zum Beispiel gar kein Auto, dabei haben wir extra für die Ausländer eine Maut beschlossen, die dann am Ende auch die Deutschen zahlen sollten, weil sich ein Gericht angemaßt hat, in unsere Rechtsprechung einzugreifen. Ein europäisches Gericht hat sich da nicht einzumischen, verstehen Sie? Bayern liegt in Deutschland, und wer in unsere Rechtstraditionen eingreift, der muss ein robustes Echo vertragen. Wir lassen uns so eine Beleidigung nicht gefallen, das wird auf jeden Fall noch ein Nachspiel haben.

Gerichte, die überhaupt keine Ahnung haben von unserer Rechtsauffassung, die sollen sich nicht in die Politik einmischen. Wenn wir Kritik wollen, dann geben wir das bekannt. Sie haben ja offenbar nicht einmal Ahnung davon, dass diese Juristen jetzt auch noch einen Untersuchungsausschuss gegen einen unserer Minister aufhetzen. Das ist doch ganz klar, dass wir da nicht kooperieren. Es gab eine öffentliche Bekanntmachung, dass wir die Unterlagen doch zur Verfügung stellen? Keine Ahnung. Dann ist das halt Tradition.

Geben Sie es doch wenigstens zu, Sie wollen ja nur die Regierung stürzen. Sie verlangen von allen anderen maximale Transparenz, dann können wir das von Ihnen schließlich auch verlangen. Wenn wir zum Beispiel die Kosten für den Autobahnausbau nicht bekannt machen, liegt das nicht an unserer eigenen finanzpolitischen Auffassung, jedenfalls nicht nur. Wir wollen auch die Bevölkerung nicht verunsichern, obwohl wir das natürlich könnten, denn 1,4 Milliarden Euro sind eine hervorragende Wirtschaftsförderung, die auch bei den Bürgern ankommt. Die Veröffentlichung der Dokumente in vollständiger Fassung würde bloß die Gefährdung fiskalischer Interessen des Bundes im Wirtschaftsverkehr begründen – es ist also im öffentlichen Interesse, dass das nicht in öffentlichem Interesse ist. Wir werden uns das von einem Gericht bestätigen lassen, falls wir eins finden, das unsere Rechtsauffassung teilt.

Hier werden die besten politischen Köpfe auf dem Altar der politischen Korrektheit geopfert, das wollen Sie in Ihrer Verblendung bloß nicht sehen. Wer ist denn dafür verantwortlich, dass nach einer einzigen Legislaturperiode ein Minister nicht mehr aufgestellt wird? Diese Menschen werden nämlich von Ihnen mutwillig gebrochen und müssen in der Wirtschaft politisches Asyl beantragen. Die müssen in die Autokonzerne gehen und zur Bahn, um dort tatenlos zuzusehen, wie wir immer dümmere Affen in die Regierung schicken, um einigermaßen unser Niveau zu halten. Ist es das, was Sie gewollt haben? Sie mit Ihrer linken Berichterstattung, Sie sind doch dafür verantwortlich, dass hier skandalisiert wird, was bei uns schon immer als ganz normal galt! Was kommt denn als nächstes? Demnächst unterstellen Sie unserem Minister, eine eigene Rechtsauffassung zu haben sei so ähnlich wie bei Reichsbürger – das dauert ein halbes Jahr, dann fängt Seehofer an zu reagieren und verbietet aus Rache die CSU als liberale Terrorzelle! Dann wandern die guten Leute eben bald ab und werden Präsident in Amerika, wo man mit Fleiß und Anstand etwas werden kann. Ach, und Sie meinen, man müsse da geboren sein? Interessant, aber das kümmert uns nicht. Unsere Rechtsauffassung ist da eine ganz andere.“





Halbzeit

6 01 2020

„Haben Sie ihn dran? Hallo!? Sie müssen den doch irgendwie drankriegen, der ist doch… – Dass der Söder Angst hat, dass ihn irgendwann mal einer drankriegt, das dürfte in der CSU nicht unbedingt außergewöhnlich sein, da haben Sie recht. Aber ich würde ihn jetzt trotzdem gerne mal fragen, wie er sich vorstellt, was er sich da gedacht hat.

Sie möchten das schon länger wissen? Das kann ich mir wiederum gut vorstellen. Aber jetzt erklären Sie mir doch bitte, was er damit gemeint hat. Das Bundeskabinett auswechseln, weil jetzt Halbzeit ist. Wenn das nicht der Söder sagen würde, hätte ich den Verdacht, dass derjenige ein minderbemittelter Querulant ist. Beim Söder fällt der Verdacht weg. Ich frage mich doch, was soll das? Und was heißt hier Halbzeit, wir sind kurz vor dem Wahlkampf – sollen wir jetzt mit der halben Ersatzbank in die Niederlage reinstolpern, nur weil die Fehlkäufe der Saison auch mal auf dem Platz stehen wollen? Das muss irgendwas mit den Pensionen zu tun haben, wahrscheinlich sind da ein paar Knalltüten noch erheblich unterversorgt und müssen ganz schnell Minister werden.

Neuen Schwung? in die Bundesregierung? Und das entscheidet der Söder? Jetzt holen Sie den halt ran, das will ich wirklich wissen, warum der sich da für zuständig hält. Sind dem Mann die Nägel für die Kruzifixe ausgegangen? Kann der sich nicht mal mehr einen vernünftigen Beschäftigungstherapeuten leisten? Ach, Sie haben Notizen gefunden, das ist ja spannend. Namen? Er hat wirklich Namen auf dem Zettel? Dann muss ihm ja jemand dabei geholfen haben, anders kann ich mir das nicht erklären. Aber letztlich ist das nicht so wichtig, wenn er die ganze Mannschaft vom Feld nimmt, macht er schon mal nichts verkehrt. Ach so, das sind die, die er nicht auswechseln will? Dann hat der Söder ein Problem.

Ich mag mich täuschen, aber er war doch bis vor Kurzem noch Parteivorsitzender? So sicher ist das gar nicht, jedenfalls hätte er als erste Amtshandlung Seehofer über die Klinge springen lassen sollen. Der hat sich vermutlich bis zur letzten Patrone verteidigt, damit er nicht nach Bayern abgeschoben wird. Personalprobleme? Wo sehen Sie denn da Personalprobleme? Sie können doch einen Eimer Streusand ins Innenministerium stellen, der macht einen besseren Job als Seehofer. Vermutlich hat der sogar einen höheren IQ. Und einem Eimer muss ich nicht lebenslang eine Pension zahlen, damit er im Weg steht. Ältere Rechte? Ich bitte Sie. Bei älteren Rechten denkt der Söder doch an den Gauland, oder habe ich das wieder falsch verstanden?

Jetzt fragen Sie halt nach, ob er heute noch mal ans Telefon geht, wir müssen das ja irgendwie auch über die Bühne bringen. Bald ist Aschermittwoch, vorher muss er den Starkbieranstich überleben, ich meine politisch, und bis wir die Schrauben aus dem Arsch vom Scheuer rausgedreht haben… – Was glauben denn Sie, wie der sich auf seinem Sessel hält? Atomkraft? Wen wollen Sie denn sonst vom Platz stellen, wenn nicht diesen Dorfdeppen? In jeder Partei, Partie, meine ich, fliegt der eh früher oder später vom Feld, dann hat er Sperre, und wenn er wieder zurück ist, kloppt er gemütlich ein halbes Dutzend Eigentore rein. Der ist ein unverzichtbarer Teil der Strategie? Aber sicher, für den Gegner!

Sie halten das für ein taktisches Manöver? Das ist interessant. Der Söder diskutiert so lange herum über die Neubesetzung, bis er endlich kriegt, was er haben will, und dann schmeißt er zum Ausgleich den Scheuer raus? als Bauernopfer? Das klingt jetzt wirklich interessant, und das würde tatsächlich zum Söder passen. Rücksichtslos, ohne jeden Anstand, im Endergebnis ohne jede Verbesserung, weil sich keiner findet, der in den verbleibenden Monaten noch irgendwas auf die Beine stellen wird, und wenn es in die Hose geht, dann sind die anderen schuld. Wobei, so ganz ohne Verbesserung ist das dann ja nicht. Der Scheuer ist weg. Und wenn wir bei der Gelegenheit zum Ausgleich auch noch den Spahn, den Altmaier und die Klöckner von der Backe kriegen, dann wäre das effektiv eine große Verbesserung der Mannschaft. Ach, Sie meinen, das würde der Scheuer der Bundeskanzlerin nie antun? Da ist was dran. Da ist wirklich was dran.

Sie meinen, er macht das nur, wenn er damit gleichzeitig sicherstellen kann, dass dieser Untersuchungsausschuss nie etwas herausfindet? Weil er sonst eventuell selbst mit drinhängt? Ach so, der Seehofer. Das klingt schon mal nicht ganz unplausibel. Sie können ihn ja mal danach fragen, wenn Sie ihn vielleicht heute noch… – Gerade erst ins Haus hereingekommen? Gut, ich warte.

Meine Güte, jetzt reicht’s aber mal! Dieser dämliche Aktionismus ohne Sinn und Verstand, den kann sich der Söder an seinen Seppelhut stecken! Ich sage Ihnen jetzt nämlich, was Sache ist: der Mann ist ein Angsthase, der kneift seinen Schwanz ein, weil er eigentlich längst Kanzlerkandidat sein müsste und sich nicht wieder so blamieren will wie der stoibernde Stammler. Wenn der in Berlin absäuft, kann er in München einpacken, so sieht’s doch aus! Und jetzt holen Sie mir den Mann an den Hörer, sonst reiße ich ihm den… – Grüß Gott, Herr Söder, danke, wir brauchen Sie hier nicht. Ist nicht wichtig, wo Sie gerade sind, aber bleiben Sie bitte dort. Ende der Durchsage!

Sehen Sie? Bedankt hat er sich. Haben Sie noch Fragen?“