Wie es sinkt und lacht

13 08 2013

„… müsse ein Großteil des derzeitigen Verkehrs im Mainzer Hauptbahnhof ausfallen. Da bis zum Ende der Sommerferien mehrere Fahrdienstleiter nicht verfügbar seien, könne ein fahrplanmäßiger Ablauf nicht mehr…“

„… in der Pressekonferenz als sozialistisches Schmarotzertum bezeichnet. Döring fordere eine ersatzlose Streichung sämtlicher Urlaubsansprüche für die niederen Gehaltsgruppen der…“

„… liege das Problem an der kostenbedingten Einsparung von Fachpersonal. Nur so seien Großprojekte wie Stuttgart 21 oder…“

„… nicht so einfach wie erwartet. Zwei der drei zum Abbruch des Urlaubs bereiten Fahrdienstleister hätten die Bahn genommen, um nach Hause zurückzukehren, und steckten seit mehr als drei Tagen auf Nebenstecken fest, da dort keine Einfahrt in die betreffenden Zielbahnhöfe…“

„… vor allem durch das Fehlen von Fachkräften verursacht worden seien. Anhand der vorliegenden Statistik habe Ramsauer empfohlen, im Jahr 2018/19 3.500 neue Zugbegleiter einzustellen, um den kurzfristigen Engpass an…“

„… müsse nach Aussage des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn AG der Personalabbau mit großer Geschwindigkeit vorangetrieben werden. Nur durch geringere Ausgaben könne der Konzern wieder Gewinne einfahren, von denen mehr Personal…“

„… dass zwei Schnellbahnen fast miteinander kollidiert seien, als schweren Sicherheitsmangel gewertet. Uhl fordere zur Verhinderung weiterer Kollisionen die Nacktkontrolle der Fahrgäste, um zur Entlastung des Sicherheitspersonals…“

„… laut Bundesbehörde nicht zu beanstanden, wenn die Hälfte der Fahrdienstleiter fehle. Beim Fehlen der Hälfte der Fluglotsen sei ein Flughafen auch nicht funktionsfähig, weshalb der Mainzer Hauptbahnhof keinen Ausnahmezustand…“

„… keinerlei Verantwortung seitens der Bundesregierung. Ab zwei erkrankten Mitarbeitern gleichzeitig müsse das Verkehrsministerium entweder von höherer Gewalt oder einem terroristischen Anschlag ausgehen, der…“

„… das Problem systemisch zu lösen. Gerade Berufspendler seien am Beförderungsengpass kausal beteiligt, da ihre Zugfahrten durch eine gesteigerte Konsumlust…“

„… auch die positiven Seiten des Bahndesasters zu berücksichtigen. Wowereit habe entdeckt, dass der Mainzer Zugverkehr viel schneller regeneriert werden könne als die S-Bahn in Berlin, was Anlass zu einer durchaus hoffnungsvollen…“

„… sei der Sparkurs der Bahn alternativlos. Nur durch konsequentes Sparen könne das Unternehmen so hervorragend konsolidiert und in den wirtschaftlichen Erfolg geführt werden, wie dies in Griechenland oder bei Schlecker…“

„… habe Ramsauer den Mainzer Zugausfall als eine lehrreiche Übung bezeichnet. Die Deutsche Bahn AG sammle jetzt Erkenntnisse, um in einem der folgenden Sommer mit den Kundenreaktionen wegen fehlender Fahrzeuge zu…“

„… keinen Hinderungsgrund. Döring habe seit 1995 keinen Bahnhof mehr betreten, doch sei dies für ein Aufsichtsratsmitglied nicht zwingend…“

„… der Personalabbau mit erhöhten Investitionen in die Stellwerktechnik begründet worden seien. Die modernen Computersysteme versagten zwar regelmäßig, seien dabei allerdings wesentlich genauer als menschliche…“

„… habe IM Friedrich betont, dass nur mit einer lückenlosen Ortung von Mobiltelefonen das Personal aus dem Urlaub zurückgeholt…“

„… die Bahnstrecke durch die Umleitung Koblenz – Mannheim über Bremerhaven, Fürth, Västerås und Saarbrücken nur wesentlich schneller als bisher…“

„… nicht wegen etwaiger Urlaubsansprüche gekündigt werden sollten. Ein Mitarbeiter stehe im Verdacht, auf der vergangenen Weihnachtsfeier eine Maultasche mitgenommen zu haben, bei einem anderen habe man einen Pfandbon über…“

„… ob aus Gründen der Kostenreduzierung nicht generell mehr Ein-Euro-Jobber für kurzfristig zu besetzende Aufgaben…“

„… könne es für die Identifikation mit dem Vaterland sehr nützlich sein, lange Umwege auf Bahnstrecken in Kauf zu nehmen. Gauck weise außerdem darauf hin, dass die Freiheit…“

„… auch für die Planung anderer Verkehrsmittel nutzbar zu machen. Da nur wenige Kräfte zur Behebung des Mainzer Verkehrsausfalls nötig seien, wolle Wowereit den Flughafen Berlin Brandenburg durch Einstellung von bis zu sieben Fahrdienstleitern sofort…“

„… die Schulung von Fahrdienstleitern anderer Bahnhöfe zu einer größeren Verteilung der Transportproblematik führe. Bahn-Chef Grube sehe dies als eine Demokratisierung der…“

„… nach nicht bestätigten Gerüchten der Planungsstab der Bahn im Urlaub sei, der im Ferienlager der Daimler AG…“

„… dass man vom Hauptbahnhof in Mainz mit zehn Minuten, ohne dass man am Flughafen noch einchecken müsse, dann starte man im Grunde genommen am Flughafen am Hauptbahnhof in…“

„… plädiere Ramsauer inzwischen dafür, den Mainzer Hauptbahnhof unter die Erde zu verlegen. Einerseits schaffe dies kurzfristig Arbeitsplätze, andererseits verschone diese Baumaßnahme die Mainzer vom Anblick eines nicht mehr in…“





Feindflug

29 05 2013

„… könne sich die Deutsche Bahn AG nur noch mit Drohnen gegen Graffiti-Sprayer wehren. Es drohe neben dem Untergang des Abendlandes und der Gefährdung der inneren Sicherheit vor allem eine Beschädigung vieler frisch lackierter…“

„… seien die Geräte mit 5048 Gramm nur etwas zu schwer, so dass jeder einzelne Flug von der zuständigen Landesluftfahrtbehörde genehmigt werden müsse. Grube sehe indes keinen Grund, sich von der flächendeckenden Überwachung zu…“

„… wolle von der Leyen vor allem US-amerikanische Soldaten, die nach dem Irakkrieg desertiert seien, eine zweite berufliche Chance als Drohnenpilot in Deutschland…“

„… die ersten Prototypen sich bewährt hätten. Nur vereinzelt seien die Motoren ausgefallen, die meisten Geräte hätten Rotoren verloren, seien in die falsche Richtung geflogen oder durch überhitzte Akkus in Flammen…“

„… habe die Deutsche Bahn AG behauptet, es drohe neben dem Untergang des Abendlandes und der Gefährdung der inneren Sicherheit vor allem eine Beschädigung vieler frisch lackierter Wagen. Die Bahn korrigiere nun ihre Aussage dahin gehend, dass nur wenige Wageneinheiten innerhalb der letzten zehn Jahre überhaupt mit einer neuen…“

„… wolle sich der Konzern in einer Probephase zunächst auf Abstellgleise beschränken, auf denen keine Züge abgestellt seien. Danach werde man die aus der Fahrpreiserhöhung freigesetzten Mittel schrittweise in die tatsächliche Erforschung von…“

„… werde Rösler die erforderlichen Operatoren zu Verfügung stellen. Dies sei die passende Anschlussverwendung für sämtliche Erzieher, die damals als Schleckerfrauen ohne ein vorheriges Studium der Informatik auf den Arbeitsmarkt…“

„… dass die Fluggeräte nur in einem Umkreis von 500 Metern sicher lenkbar seien. IM Friedrich habe vorgeschlagen, die Fernsteuerungen an V-Leute innerhalb der Sprayerszene zu…“

„… erste Tests sehr positiv verlaufen sein sollten. Bei der Einweihungsfeier auf dem Bahnhof München Olympiastadion habe Innenminister Herrmann (CSU) einem Flugkörper erst in letzter Sekunde mit dem Bagger ausweichen…“

„… die Panne vertuscht zu haben. Der Kleinhubschrauber sei mit einem handelsüblichen Weckgummi heruntergeschossen worden. Eine Fahndung nach den Tätern sei so gut wie aussichtslos, da diese den im Gerät verbauten USB-Stick ausgebaut und die Speicherkarte mit dem Beweismaterial einfach entnommen…“

„… bereits eine Sonderregelung mit dem hessischen Gesetzgeber erreicht. Der übliche Dienstweg zur Genehmigung des Fluges über mehr als 100 Meter Höhe sei mit ca. dreizehn Monaten wesentlich schneller als noch vor…“

„… es immer wieder zu Funden komme, bei denen die Aufklärungsflieger durch Farbspray auf den Kameraobjektiven…“

„… weiterhin zu Koordinationsschwierigkeiten kommen werde. Zur Sicherheit habe das Bundesverteidigungsministerium empfohlen, die Aufklärungsgeräte an einer Nylonschnur zu…“

„… das Selbstschussmodul SS-33/45 aus Kostengründen vorerst nicht serienmäßig…“

„… stimme Trittin einer Ausweitung des Drohnenprogramms nur dann zu, wenn die Akkus zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren…“

„… dass pro Bahnhof und Jahr 2,59 Graffitis gesprüht würden. Die Bahn wolle daher pro Bahnhof mindestens drei Drohnen…“

„… sei IM Friedrich davon überzeugt, dass nur durch die Einführung der Vorratsdatenspeicherung noch eine minimale Chance auf…“

„… von den bisher 400 angeschafften Drohnen bereits 398 durch den Kontakt mit Strom führenden Oberleitungen Totalschaden erlitten hätten. Die Deutsche Bahn AG habe nicht wissen können, dass die von den ausländischen Herstellern in der Gebrauchsanweisung genannten Luftbewegungen – sogenannter ‚Wind‘ – auch in Deutschland…“

„… sei das Oberlandesgericht Nürnberg durch zu viele Verfahren bereits jetzt stark beansprucht und fände keine Zeit mehr, Verurteilte in die geschlossene Psychiatrie zu…“

„… sehe der Bundesgerichtshof keine rechtliche Grundlage, Paintball-Veranstaltungen im Radius von einem Kilometer Entfernung zu Gleisanlagen der Bahn zu…“

„… bei einem Einkaufspreis von 60.000 Euro pro Stück bereits amortisiert, wenn fünf Jahre lang täglich hundert Fälle von Vandalismus…“

„… dass die Drohnen auch durch Mobilfunkfrequenzen gestört würden. Kauder habe daher angeregt, im Einsatzfall die Netze vorsorglich komplett zu…“

„… nicht geklärt werden könne, ob der Schützenverein zufällig oder gezielt die Drohnen mit Kleinkalibermunition…“

„… die drei Zugreiniger nur versehentlich als Sprayer identifiziert worden seien. Der Flugkörper könne derzeit noch nicht mit den geeigneten Beleuchtungskörpern ausgestattet werden, da die Herstellerfirma in den USA sich weigere, die…“

„… appelliere die Deutsche Polizeigewerkschaft an alle potenziellen Straftäter, weder Kapuzen noch Kopfbedeckungen zu tragen, da sie sonst seitlich oder von oben nicht mehr identifizierbar seien. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen könne man einen anhaltenden Fahndungserfolg…“

„… wolle die Bahn die Kosten minimieren, indem sie die Drohnen ausleihe. Eine Kooperation mit der Polizei zur Beobachtung von Demonstrationen sei durchaus…“

„… könne eine Registrierung beim Kauf von Farbsprühdosen keine Option sein. Die Drohnenhersteller würden dadurch mittelfristig sehr viele Arbeitsplätze…“

„… versehentlich mit kleinen Sprengsätzen ausgerüstet worden, die auf dem Kölner Hauptbahnhof durch eine Funkstörung ausgeklinkt…“

„… am Haltepunkt Hausen-Starzeln (Hohenzollerische Landesbahn) eine verdächtige Gestalt gesichtet worden sein solle, die im Verdacht stehe, unbefugte Schmierereien auszuführen verdächtigt zu werden, was diese verdächtig machen, verdächtig zu sein. In Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt habe sich die Aufsichtsbehörde entschlossen, für den Kreis Burladingen weitere zwanzig Drohnen…“

„… die Geräte standardmäßig nachzurüsten für den Feindflug, falls Bundeswehreinsätze im Innern nicht mehr durch das Verfassungsgericht mutwillig verhindert…“

„… nicht geeignet, die Fahrkartenkontrollen in Vorortzügen durchzuführen. Es bedürfe weiterhin zweier Hilfskräfte – eine zum Anreichen der Karten, eine zum Öffnen und Schließen der Durchgangstüren – für die routinemäßige…“

„… die gekaperte Drohne ohne Schwierigkeiten die Sicherheitschecks im Bahntower am Potsdamer Platz überwunden habe. Das Vorstandsmeeting sei durch die Ausbringung von Tränengas sofort…“





Abstellgleis

19 03 2013

„… habe die Deutsche Bahn nie beabsichtigt, die Reisedaten ihrer Kunden zu…“

„… seien die Kundendaten sowieso nur für Kaffeebestellungen in Folgezügen…“

„…werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. So ergebe sich bei in Stuttgart begonnenen Fahrten ein Sicherheitsprofil, das in jedem Falle für den Bau des unterirdischen…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über ausgefallene Klimaanlagen keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der innerhalb der nächsten Tage…“

„… individualisierte Werbung nur auf dem Postwege geschickt würde. Die Kunden könnten dem entgehen, wenn sie vorab mit Name und Anschrift, Geburtsdatum, Haushaltseinkommen und Blutgruppe, Konfession, Schuhgröße sowie…“

„… umfasse die individualisierte Werbung für Versicherungen, wobei eine spezielle Reiserücktrittsversicherung vorgesehen sei, die nur dann die Kosten erstatte, wenn die Reise vertragsgemäß angetreten und…“

„…als technisch unbedenklich. Da die DDR-Reichsbahn anteilig die meisten inoffiziellen Stasimitarbeiter gehabt habe, wolle man…“

„… zwar korrekt, dass die neuen in die Sitze eingelassenen Personenwaagen Gewicht und Körperfettanteil der Fahrgäste mäßen, speicherten und per WLAN an die Kontrollpunkte übertrügen, doch seien dieses weder Reisedaten noch…“

„… weil Fahrgäste ihren Kaffee bei der Rückreise vom Urlaubsort auch mehrere Wochen später noch auf Grund der…“

„… derzeit nicht gesichert. IM Friedrich habe berichtet, er sei davon ausgegangen, dass sämtliche in Deutschland anfallenden Datenbestände ohne Prüfung des Anlasses automatisch in die USA…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Sollten die Kosten für Bahnfahrten zu niedrig sein, sinke der Score für Baukredite, da in diesen Fall nicht mehr von ausreichenden Rücklagen für eine…“

„… der Fahrgastverband einen einwöchigen Bahnstreik angekündigt habe. Grube habe dies gekontert mit der Absicht, eine Stunde lang alle Züge pünktlich…“

„…Verständnis gefordert, die Bahnreisenden in die sicherheitsrelevanten Körperöffnungskontrollen zu integrieren. Eine routinemäßige Zielfahndung nach Terrorverdächtigen, falls Flugzeugentführer mit den günstigen Rail&Fly-Tickets…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über Zugverspätungen keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der innerhalb der nächsten Wochen…“

„… sei mit individualisierter Werbung auch per E-Mail und auf dem Mobiltelefon zu rechnen, falls sich zufällig durch Verknüpfung mit Datensätzen aus Russland eine…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Sollten die Kosten für Bahnfahrten zu hoch sein, sinke der Score für Baukredite, da in diesem Fall zu viel Geld für andere Konsumgüter…“

„… gebe die Deutsche Bahn AG zu Marketingzwecken keine Kundendaten an Dritte weiter. Dies sei sichergestellt, da die Marketingfirma eine hundertprozentige Tochter der…“

„… der gelungenen Feierstunde. Die Deutsche Bahn AG habe erstmals bewiesen, dass Hartmut Mehdorn verzichtbar sei, da man auch ohne seine Mitarbeit eine katastrophale…“

„… dass Sitzreservierungen im Raucherbereich zur Weitervermittlung der Anschrift an die Krebshilfe sowie Jehovas Zeugen führten. Grube habe diese 784.030 Einzelfälle als kaum repräsentativ für die markentechnische…“

„… die Zuordnung von Kaffeebechern zu eindeutigen Vornamen der Fahrgäste sicher nur ein ganz zufälliges…“

„… bezeichne IM Friedrich es als terroristischen Akt, unter dem Deckmantel feiger Anonymität am Fahrkartenschalter mit Bargeld ein Ticket zu kaufen. Der deutsche Bahnhof dürfe kein rechtsfreier Raum…“

„… werde der Preis der Fahrkarte, der Abfahrt- und Zielbahnhof gespeichert. Wer in ungünstig gelegene Gebiete mit erwartbar steigender Arbeitslosigkeit fahre, müsse mit einer Meldung bei den Sicherheitsbehörden an…“

„… die Beraterfirma empfohlen habe, den Handel mit Kundendaten auszuweiten, da er als Geschäftsmodell mehr als die erwartbare Rendite verspreche. Dazu müsse die Gesellschaft allerdings Bereiche wie den Personenverkehr langfristig…“

„… sich Karl-Thomas Neumann lobend über die Deutsche Bahn AG geäußert. Keine andere Aktion, so der Opel-Vorstandsvorsitzende, sichere dem Individualverkehr auf Jahre hinaus die…“

„… dass nach mehr als einer Beschwerde über liegen gebliebene Triebköpfe, stundenlangen Aufenthalt auf freier Strecke und einen kostenpflichtigen Schienenersatzverkehr keine Sitzplätze mehr reserviert werden könnten. Dies sei eindeutig ein Softwarefehler, der vermutlich bis 2015…“

„… ob gemäß der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutschen Bahn AG das Tragen eines Aluminiumhutes in den…“





Auf der Strecke

23 01 2012

„Was habe ich Ihnen beigebracht? Wie heißt das? Na! – ‚Stehen Sie gefälligst auf, wenn ich mit Ihnen rede!‘ Sehr gut. Und weiter? Na? ‚Informieren Sie sich gefälligst vorher!‘ Sehr gut! Und umdrehen. Gut gemacht. Sehr guter Mann. So wünschen wir uns den Service bei der Deutschen Bahn.

Weiterbildung ist das Zauberwort. Ohne unsere berufliche Fortbildung wären wir doch längst nicht mehr konkurrenzfähig – wettbewerbsfähig, wollte ich sagen. Wettbewerbsfähig. Konkurrenz haben wir glücklicherweise keine zu fürchten, das macht den Wettbewerb für uns ja so angenehm. Und da haben wir dies Jahr damit begonnen, unser Personal auszubilden – fortzubilden, wollte ich sagen.

Bitte hier einmal ganz genau hinsehen, Leute – wir können uns keine Fehler mehr leisten. Die Kundenberatung muss optimiert sein auf das Ziel unseres Unternehmens: wir erhalten den Betrieb aufrecht, falls uns nichts dazwischen kommt, und das entscheidet nicht der Fahrgast. Wir hatten im vergangenen Quartal 30,7% Kunden, die bis zu 60 Euro zu viel bezahlt haben für Zugfahrten mit maximal drei Stunden zu langer Reisezeit und sieben unnötigen Umstiegen. Das sind Belege! Die Bilanz wird mir im laufenden Geschäftsjahr nicht versaut, klar? Sieben unnötige Umstiege – mit dem Bus bekommen Sie so eine Leistung überhaupt nicht hin. Deshalb werden wir uns auch weiterhin gegen jeden Omnibusverkehr in Deutschland zur Wehr setzen. Vor allem gegen die Privatwirtschaft!

Ja, früher war sowieso alles besser. Da mussten wir aber auch nicht diese hohen Managergehälter bezahlen, und die unterirdischen Bahnhöfe waren oberirdisch. Diese Rekordgewinne müssen sein. Damit rechtfertigen wir die ständig steigenden Fahrpreise. Schauen Sie mal, die Sanierung vom Berliner Hauptbahnhof kostet schon ein Vermögen, da können Sie nicht auch noch erwarten, dass wir ständig unsere Kunden mit Service belästigen. Aber wir bessern uns schon. Das werden Sie spätestens in diesem Sommer sehen – die neuen Klimaanlagen gehen nur kaputt, wenn man sie anschaltet.

Die meisten Fahrgäste machen sich ja ein völlig falsches Bild von der Deutschen Bahn. Die sehen nur unfreundliches Personal, das seine Vorschriften nicht kennt, und defekte Zugtoiletten. Dabei sind wir für das marode Schienensystem auch noch verantwortlich. Und für den Fahrzeugmangel außerhalb der Hauptverkehrszeiten in den Randgebieten. Können Sie sich diese Belastung überhaupt vorstellen? Wir können kaum noch gehen vor lauter Selbstachtung, da können wir uns doch nicht auch noch um Kunden kümmern!

Hören Sie auf, uns ständig zu verunglimpfen! Wenn Sie morgens aufwachen und plötzlich vor einer zehn Zentimeter hohen Schneewand stehen, da schaffen Sie es auch nicht bis Bad Salzuflen – aber von einem Zug verlangen Sie das einfach so! Das geht doch nicht! Diese witterungsbedingten Störungen sind manchmal aber auch vollkommen unvorhersehbar, wie sollen wir die denn bitte in den Fahrplan einarbeiten? Sagen Sie uns vielleicht ein halbes Jahr vorher Bescheid, wenn es regnet?

Und wir üben das jetzt noch mal mit den Sitzreservierungen. Was habe ich Ihnen gesagt? Fahrgäste, die ohne Sitzreservierung auf nicht reservierten Sitzen sitzen, müssen auf nicht reservierte Sitze umgesetzt werden, weil die nicht reservierten Sitze auch durch eine Sitzreservierung reserviert werden könnte. Das gilt auch und besonders für gehbehinderte Senioren, Schwangere und Fahrgäste mit oder ohne Sitzreservierungen, wenn im anderen Teil des Zuges reservierte Sitze frei sind. Oder nicht reservierte. Merken Sie sich das. Das brauchen Sie im Fernverkehr täglich. Da setzt sich dann einer auf die Treppe zur 1. Klasse und hat in Wirklichkeit keine Sitzreservierung reserviert, weil es auf der Treppe keine Sitze gibt, die man mit einer Sitzreservierung – wo war ich?

Jetzt regen die sich alle wieder auf wegen dieser Typen aus Italien. Dabei war das gar nicht wegen der Fahrkarten, die sie nicht dabei hatten. Wird in der Presse immer völlig falsch dargestellt. Nein, das war Beförderungserschleichung. Die waren doch gerade schon auf einem sinkenden Schiff, was wollen die jetzt noch in der Deutschen Bahn?

Und jetzt bitte das Verhalten am Kunden. Fahrgast beschwert sich, weil zwei Anschlusszüge ausfallen und der dritte sich um mehrere Stunden verspätet. Antwort A: ‚Seien Sie froh, wenn wir Ihnen den verlängerten Aufenthalt in unseren Verkehrsmitteln nicht extra berechnen.‘ Antwort B: ‚Wir passen uns den Klimaschutzzielen an. Wenn die auf der Autobahn schon kein generelles Tempolimit hinkriegen, dann gehen wir mit gutem Beispiel voran. Bei der Deutschen Bahn kommen Sie viel bequemer zu spät.‘ Na? Richtig!

Also bitte, was wollen Sie denn? Wir setzen uns für Bildung ein, wir vertreten regionale Interessen, bei uns lernen Kinder etwas fürs Leben. Wer sich in unserer komplizierten Welt auskennen will, der muss eben früh genug in Kontakt kommen mit der Wirklichkeit. Setzen Sie mal so ein kleines Kind irgendwo in der Pampa auf dem Bahnsteig aus, das lernt seine Umgebung aber ganz fix kennen! Da staunen Sie, was? Das hat bei uns Methode. Nichts wird dem Zufall überlassen. Mit der Deutschen Bahn bleiben Sie auf der Strecke.“





Die Bahn kommt

10 01 2011

04:45 – Im Bahnbetriebswerk Düren gießt sich Erwin K. (58) einen Pfefferminztee auf. Ein langer Tag an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen steht an. Die Außentemperatur lässt den Betriebsdirektor mit den Zähnen klappern. Es läuft ihm eiskalt den Rücken herunter: +2 °C. Dies wird eine harte Bewährungsprobe sein für Mensch und Maschine. Der Einsatzzug nach Rothe Erde steht bereit. Die Abfahrt verzögert sich wegen einer technischen Störung um zehn bis fünfzehn Minuten.

05:22 – Synergieeffekte kündigen sich in mehreren deutschen Großbahnhöfen an. Weder in Essen noch in Mainz, Heidelberg oder Koblenz sind die Fahrkartenautomaten in der Lage, Fahrkarten zu verkaufen. Eine Planungskommission nimmt sich der Sache an. Erste Ergebnisse werden für April erwartet.

06:42 – Dankbar nimmt Betriebsleiter K. das Angebot des Veteranen Juri Profirjewitsch L. (86) an, den noch immer nicht fahrbereiten Zug in den Bahnhof einzuschleppen. Der russische Bahner, der noch die Munitionstransporte des Vaterländischen Krieges an den Rand des Stalingrader Kessels miterlebt hatte, findet sich auf der Kleinlokomotive Leistungsgruppe II rasch zurecht; bereits elf Minuten nach dem Anwerfen des Dieselaggregats befinden sich zwei komplette Zugeinheiten im Dürener Gleis.

07:16 – Im ZDF-Morgenmagazin gibt Bahnchef Rüdiger Grube neuen Zündstoff in der Diskussion um den Stuttgarter Bahnhofsbau. Er räumt zunächst erhebliche Defizite ein, überrascht dann aber mit einer wirklich tollen Nachricht. Stuttgart 21 werde keinen einzigen Euro kosten. Man werde dazu die baden-württembergische Landeshauptstadt einfach weiträumig umfahren und sich auf diese Art einen Bahnhof ersparen.

08:05 – Das improvisierte Meeting in der Agentur Schräubele Beißling Friends & Partner deckt erhebliche Kommunikationsdefizite auf. Der versehentlich durchgesickerte Entwurf Alle reden vom Wetter. Die Bahn nicht, das wäre auch zu peinlich hat bereits den Kunden erreicht. Köpfe sollen rollen. In aller Eile überlegen sich die Leiter der PR-Abteilung eine Ausrede. Das Fax wird gelesen, abgeheftet und ignoriert. Glück gehabt. Die Deutsche Bahn interessiert sich nicht für das, was Beraterfirmen ihr sagen.

08:28 – Nach knapp dreieinhalb Stunden Wartens auf dem Bahnsteig dürfen die ersten Fahrgäste den Einsatzzug betreten. Betriebsleiter K. hatte sich schon seit einer halben Stunde gefragt, welcher Zug dort Gleis 2 blockiert – Zugchef Klaus O. (34) sah vor einer Aufforderung, die Türverriegelung der Zugeinheiten zu lösen, keine Veranlassung, den Einsatzzug nach Rothe Erde in Betrieb zu nehmen. Nach einer lautstark ausgetragenen Diskussion vor allen Zuggästen, in denen sich beide Mitarbeiter eine weitere halbe Stunde lang übel beleidigen, scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

08:41 – Die Konzernzentrale der Deutschen Bahn AG gibt stolz bekannt, dass zum ersten Mal die Hartmut-Mehdorn-Medaille verliehen wird. Bahnchef Grube, der als einziger Kandidat zur Wahl stand, verleiht sich die mit 500.000 Euro dotierte Auszeichnung gleich selbst.

09:03 – Lokführer Jens P. (44) teilt dem übrigen Bahnpersonal mit, dass die Heizung eingefroren sei. Man könne wegen der strengen Minusgrade die Lokomotive nicht in Betrieb nehmen, die Fahrt müsse ausfallen. Zugchef O. macht P. darauf aufmerksam, dass sich die Temperaturanzeige bereits bei +3,5 °C befindet und sich dessen Diagnose auf ein mit Heckleuchte an/aus beschriftetes Messinstrument bezieht. P. korrigiert sofort seinen Fehler. Im Zuge eines guten Betriebsklimas unter den Mitarbeitern einigen sich beide auf eine Verzögerung der Abfahrtzeit wegen technischer Störung um dreißig bis vierzig Minuten.

09:32 – Überraschend haben sich ganz neue Synergieeffekte mit defekten Fahrkartenautomaten und den selten auftretenden Zugverspätungen im einstelligen Stundenbereich ergeben: die Toiletten im Bahnhof Aschaffenburg sind nicht zu benutzen. Die Planungskommissionen haben beschlossen, zur Nutzung von Synergieeffekten ihre Planungen zusammen zu planen.

10:17 – Neuigkeiten aus der Konzernzentrale. Zahlreiche effektive Sparmaßnahmen haben den Bahnkilometer derart verbilligt, dass er brutto nur noch 1,37 € kostet – woran sich der Fahrgast mit bescheidenen 7,82 € (netto) beteiligt. Mehr Kundenfreundlichkeit, so das Gremium, sei dem Verbraucher nicht zuzumuten.

10:33 – Lokführer Jens P. hatte nur die Seite in der Bedienungsanleitung für den 406 x01–x13 verwechselt, doch jetzt laufen die Heizungen auf Hochtouren, wenngleich nur im vorderen Teil des Zuges. Der zweite Halbzug wird nur von der Menge der Fahrgäste gewärmt, die dank eines fehlerhaften Reservierungssystems in anderthalbfacher Menge vorhanden sind und die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges stehend verbringen.

10:44 – Ramsauer tobt. Er will die Schweizerische Staatsbahn wegen unlauteren Wettbewerbs verklagen. Die Züge der SBB fahren, obwohl eine drei Millimeter dicke Eisschicht die Bahnhofsuhren bedeckt. Der Bundesverkehrsminister kündigt an, die Eidgenossen aus der EU zu schmeißen, wenn sie nicht sofort die vielen ausländischen Wörter aus ihrem Fahrplan entfernen.

10:58 – Die Direktion Köln gibt ihre Zustimmung, Erwin K. darf einen neuen Halbzug anfordern, dessen Heizungssystem garantiert gewartet wurde. Direktionsmitarbeiter Stefan W. (41) verschweigt, dass die letzte der halbjährlichen Prüfungen im März 2001 stattgefunden hat. Aber danach war er ja auch nicht gefragt worden.

11:03 – Die gemeinsamen Planungen der synergetisch zusammenarbeitenden Kommissionen werden zur Planung neuer Synergieeffekte jetzt von einer gemeinsamen Planungskommission geplant. Ihr Eintreffen wird sich allerdings um ein bis zwei Stunden verzögern, da sie mit dem Zug anreisen.

11:40 – In Abstimmung mit der Deutschen Bahn spricht sich auch der baden-württembergische Ministerpräsident Mappus ganz objektiv für eine sofortige Fortsetzung von Stuttgart 21 aus, da nur so eine Unabhängigkeit von den katastrophalen Eiszeitbedingungen zu erwarten sei. Wenn wegen der zu erwartenden Streckenstilllegung ohnehin kein Zug mehr Stuttgart werde anfahren können, erspare man sich sämtliche Unterhaltsmaßnahmen für den geplanten Tiefbahnhof. Dadurch verteuere sich der Bau auch nicht, wie zuerst angenommen, auf 88,9 Milliarden, sondern nur auf 88,87 Milliarden Euro.

12:18 – Bahnchef Grube eilt nach Potsdam. Private Ermittler hatten die Überreste eines Schneehaufens ausgemacht. Während sich der Unternehmensleiter vor dem zwanzig Zentimeter hohen Konglomerat aus kristallinem Matsch und Straßenschmutz von einem Kamerateam filmen lässt, arbeitet die PR-Abteilung der Deutschen Bahn AG bereits an der Pressemitteilung: große Schneemengen schmelzen ab, es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen den Bahnverkehr aufrecht zu erhalten.

12:21 – Vollkommen unbemerkt synchronisiert das Medienteam den Film neu. Für den Fall, dass Grube im kommenden Winter noch beruflich mit der Deutschen Bahn AG zu tun haben sollte, teilt die Tonspur mit, die enormen Schneemengen seien Vorboten einer interstellaren Klimakatastrophe, die jeden Bahnverkehr unmöglich machten.

12:25 – Kurz vor der endgültigen Order des neuen Zugteils entdeckt Betriebsdirektor K. das Memo, dass nur noch Zugeinheiten oder das zum Betrieb desselben erforderliche Zugpersonal angefordert werden dürfen, da eine doppelte Anforderung mit den Sparzielen des Unternehmens nicht mehr zu vereinbaren sind. Direktionsmitarbeiter Stefan W. bestätigt dies zeitnah. Während der unbeheizte Halbzug sich langsam wieder der Außentemperatur annähert, ist nicht in Erfahrung zu bringen, wie sich das Innere der beheizten Hälfte macht. Die Türen sind nicht mehr zu öffnen.

12:50 – Die Pressemitteilung zur flächendeckenden Einführung der neuen FAB (Fahrkarten-Abreiß-Blocks) aus Recycling-Papier lässt aufhorchen. War man bisher von Mobilendgeräten abhängig, die in Synergie mit nicht funktionierenden Fahrkarten-Ausgabeterminals versagten, so werden ab sofort kleine Pappkärtchen mit Kugelschreiber ausgefüllt, einem Gerät, das sogar von der Bundesregierung höchste Wertschätzung erfährt. Die Deutsche Bahn, so die Deutsche Bahn, sei gut gerüstet für den Wettbewerb: bei weiter voranschreitendem Tempo könne man die für das Jahr 2015 vorgesehenen Entwicklungsschritte tatsächlich schon bis 2027 erreichen und hätte damit knapp Bangladesch eingeholt – falls es nicht zwischendurch regnet.

13:59 – Der reine Wagemut bringt Zugchef Klaus O. dazu, eine seit 2007 zur Wartung der Radreifen ausgesonderte Einheit vom Abstellgleis entfernen zu wollen; es scheitert letztlich daran, dass er sich nicht in der Lage sieht, den Triebkopf in Gang zu setzen. Die Abfahrt dieses Zugteils wird sich wohl aus Gründen auf unbestimmte Zeit verzögern.

14:08 – Eine Planungskommission stellt fest, dass sämtliche Züge mit Elektroantrieb zusätzlich mit Dieselaggregaten ausgerüstet sein müssten, um im Notfall die Stromversorgung für Heizung, Beleuchtung und Klimaanlage sicherzustellen. Der Vorstand greift die Anregung dankend auf. Für den kommenden Winter empfiehlt er den Probelauf einer neuen Serie von Kühlkompressoren, für den übernächsten Sommer eine temperaturgeregelte Hochleistungsheizung. Alternativ wird empfohlen, nur die nötigen Finanzbedarfe zu ermitteln und das Geld in die Fassadengestaltung der Berliner Bahnhöfe zu investieren.

14:21 – Mit einem heiseren Wutschrei drischt O. auf die Armaturen im Führerstand ein. Dabei trifft er versehentlich den mit Hauptschalter beschrifteten Hauptschalter. Rumpelnd schaltet sich das Dieseltriebwerk ein. Verwirrt betätigt der Zugchef freistilmäßig diverse Knöpfe, Hebel und Kippschalter. Ruckelnd fährt der Zug an. Wäre da nicht die Tatsache, dass die Bremsen nicht ganz gelöst sind, alles wäre in Ordnung.

14:28 – Ohrenbetäubendes Kreischen begleitet den Zug, der langsam durch den Bahnhof gleitet. Doch das kann die Fahrgäste auf dem Bahnsteig nicht davon abhalten, die über das Gleisbett kratzende Zugeinheit zu entern – sie besteigen den Zug, denn sie wollen nur eins. Raus aus Düren. Weg von hier.

15:43 – Da in der kompletten ICE-Flotte die Kühlschränke ausgefallen sind, werden die Vorräte in die Bordbistros zwar eingeräumt, die rollenden Gastbetriebe sind jedoch nicht geöffnet. Am Zielbahnhof, so Konzernchef Grube, entsorge man selbstverständlich rückstandsfrei alle Lebensmittel. Ein Unternehmen, das bald zu den modernsten an der Börse gehören werde, so der oberste Führer, dürfe nie ohne ausreichende Verpflegung unterwegs sein. Dies sei unprofessionell.

16:39 – Keiner hatte Erwin K. davon informiert, dass ausgerechnet heute Außenminister und Vizekanzler in seinem Stammland auf Achse ist. Mit einer südkoreanischen Gesandtschaft im Schlepp betritt er den Dürener Bahnhof, Gleis 1, wo sich eine knallheiße, mit keifenden Passagieren vollgepfropfte Blechwurst befindet. Die Gäste können mit Mühe davon abgehalten werden, dies für einen experimentellen Nachbau der Tokioter U-Bahn zu halten.

16:49 – Die Mannschaft, inklusive Sicherheits- und Pressepersonal, besteigt den ausrangierten Zweitzug und bereitet sich auf die versprochene Reise im Hochgeschwindigkeitsexpress vor: die Fenster werden verhängt. Der eilig herbeigeschaffte FDP-Ortsverband Düren ruckelt von unten an den Waggons, um eine Turbo-Fahrt durch Deutschland zu simulieren. Die Hälfte skandiert U-Tschu-Tschu zur Simulation des Fahrgeräuschs, vereinzelte Personen mischen im Sekundentakt mit Ka-takkatakk Schweißstellenstöße ins akustische Panorama. Westerwelle unterhält sich blendend. „They will go on the Germans’ purse“, kündigt der Außenwirtschaftsminister seinen fernöstlichen Gästen an.

17:17 – Auf die Presseanfrage, ob es in den ICE-Zügen wenigstens intakte Kaffeemaschinen gebe, reagiert der Vorstand verschnupft. Man teilt den Journalisten mit, die technischen Schwierigkeiten der Deutschen Bahn seien größtenteils eine Folge der Umweltschützer, die einen zu starken Beschnitt von Baumkronen in Oberleitungsnähe verhindern. Durch die vielen Schneebrüche komme es zu kaum tragbaren Verspätungen, die sich im Laufe der Jahrzehnte aufsummierten. Der Weltuntergang stehe unmittelbar bevor.

17:28 – Die Illusion ist perfekt, der Dürener Bahnhof rauscht inzwischen direkt näher an München heran; Stoibers Vision wird Wirklichkeit. „This have all we from the FDP upbuilt“, informiert Westerwelle die Delegation. „Special I, who am the allgreatest Top-Politician under the Outside Ministers, have maked that here in Germany now all many, many better is! And I speak it out“ Die Südkoreaner sind zu höflich, um die drittklassige Schmierenkomödie zu bemerken, diese ist allerdings so offenkundig, dass Westerwelle sie für wirklich hält. Er beschließt, gleich nach der Ankunft in Berlin, eine Pressekonferenz zu geben, damit die Nation weiß, dass er, Guido Westerwelle, ganz allein mit vielen Ausländern Tut-Zug fährt.

18:00 – Der Vorstand stellt das neue Wellness-Angebot der Deutschen Bahn vor: die BahnCard StehPlatz. Eine Reservierung entfällt ab sofort, so kann sie auch nicht mehr schiefgehen.

19:40 – Die hereinbrechende Dunkelheit verunsichert die Mitarbeiter. Auf Anfrage der Konzernleitung gibt die Münchener Universitäts-Sternwarte bekannt, dies sei ein vollkommen normaler Vorgang, der weder bedrohlich noch sonderlich bemerkenswert sei, sondern immer schon so stattgefunden habe. Bahnchef Grube bezeichnet dies als sozialistische Spekulationen und kündigt juristische Schritte an. Nichtsdestoweniger kann er nicht verhindern, dass dreizehn Züge aus dem Verkehr gezogen werden müssen: die Batterien waren schon vor Tagen als defekt gemeldet worden und versagen der Zugbeleuchtung den Dienst. Die Anweisung von ganz oben, die Zugeinheiten mit der Taschenlampe durch die Lüneburger Heide zu lotsen, lehnen die Zugführer kategorisch ab. Grube droht Konsequenzen an.

21:24 – Beim Versuch, die Stromversorgung mit Bordmitteln zu reparieren, gibt es im ICE 25 kurz vor Augsburg einen Kurzschluss; die Verriegelung löst sich, so dass eine Tür in voller Fahrt abreißt. Die Eisenbahndirektion teilt dem Zugchef mit, dass von den Fahrgästen für die nicht im Preis inbegriffene Spezial-Aircondition ein Aufschlag zu erheben sei.

23:39 – Seit dem Ichenberger Tunnel sind zwei Fahrgestelle aus dem Gleis gesprungen. Der Zug stuckert wie ein mobiler Schüttelrost durch die Nordeifellandschaft, allein er erreicht Rothe Erde nie. Eine festgefressene Weiche im Bahnhofsgleis von Stolberg lenkt die Wagen im Schneckentempo auf Gleis 4. Es hätte nicht schlimmer kommen können.

23:44 – Mit einem dumpfen Stoß, gefolgt von verröchelndem Knirschen und tieffrequentem Gepolter, setzt der Einsatzzug auf dem Ende von Gleis 4 auf. Der Prellbock verhält sich physikalisch durchaus vorschriftsmäßig, er beendet die Fahrt mit einem unelastischen Stoß. Bange Minuten der Stille liegen in der Luft, nächtlich rauchende Trümmer knarzen unter dem eigenen Gewicht, bis sich Zugchef Klaus O. aufrappelt und leicht benommen noch aus dem geborstenen Seitenfenster beugt, um mit zittriger Stimme die Fahrgastinformation ins Dunkel zu rufen: „Meine Damen und Herren, wegen einer technischen Störung endet die Fahrt bis auf weiteres in Stolberg Hauptbahnhof. Ssänk ju for träwwelink wiss Deutsche Bahn!“





Rückwärtsgang

11 11 2010

„… musste der Städtetag feststellen, dass die flächendeckende Privatisierung nicht nur generell teurere, sondern vor allem schlechtere Leistungen zur Folge hatte, so dass nach der Abstimmung, die nur als Formsache galt, ein einstimmiges Ergebnis für die Restitution der ehemaligen Verhältnisse vorlag, ein Ausgang, von dem man nun annimmt, dass er auch für die Landes- und Bundesebene…“

„… konnte der Streudienst der Freien und Hansestadt Hamburg auch ohne zusätzliche Hilfe des FDP-Chefs die notwendigen Hilfskräfte zur Verfügung stellen, da die Stadt eigene Bedienstete in eigenen Fahrzeugen mit Quarzsand und Auftausalz aus eigener Bevorratung entsandte, die das überraschende Glatteis…“

„… sich anlässlich der Wiedereinweihung des Paketamtes Hamburg weigerte, die in Abstimmung mit der Gewerkschaft vorformulierte Rede zu halten. Seitens der ehemaligen Paketzusteller wurde vor allem moniert, dass Postminister Pofalla…“

„… mit dem ICE von Dresden nach Chemnitz die Restrukturierung der Deutschen Bundesbahn als staatliches Transportunternehmen auf der Schiene feierte. Bundesverkehrsminister Mappus betonte, niemand habe die Absicht, einen Börsenkurs zu errichten oder…“

„… dass sozialversicherungspflichtige Arbeit, wie es Guido Westerwelle ausdrückte, per se nur von dekadenten Sozialisten ausgeübt würde, um deren Gier nach spätrömischer Lohnfortzahlung im anstrengungslosen Krankheitsfall zu befriedigen. Das Grünflächenamt Castrop-Rauxel blieb dabei, den Erinpark auch weiterhin von hauptamtlichen Kräften pflegen zu lassen, statt Ein-Euro-Jobber…“

„… auch nicht zu erwarten gewesen, dass die Paketzustellung nun so reibungslos abliefe wie noch vor zwanzig Jahren; die für Innenminister de Maizière bestimmte Rohrbombe, die am Montag explodieren sollte, war so schon am vorangehenden Freitag im Bundesministerium abgeliefert worden und konnte vom Entschärfungskommando der…“

„… darum auch ein erheblicher Rückgang der Niedriglöhner zu sehen war. Erwartungsgemäß wurde der Erfolg getrübt von den 850.000 Kräften, die zuvor als Bewerbungstrainer, Jobvermittler, in Zeitarbeitsfirmen und privaten Kontrollbetrieben für Arbeitslose gearbeitet hatten und nun ohne die vom Steuerzahler finanzierten…“

„… nun auch für den Briefverkehr, der nun dank einer vereinfachten Dienstvorschrift noch mehr auf die Bedürfnisse der Postkunden zugeschnitten werden soll: Briefsendungen, die in Briefkästen eingeworfen oder an Briefpostämtern eingeliefert werden, sollen künftig vom Briefträger an den jeweiligen Empfänger zugestellt werden. Kritiker bemängeln, eine derart komplizierte Vorschrift…“

„… sich die Kommission darauf einigte, eine Gesamtlösung zu errechnen. Trotz der hohen Kosten von fast 90 Millionen Euro könne auf dem Stuttgarter Streckenteil eine Fahrzeitverkürzung um bis zu zwanzig Minuten…“

„… sich über den Missbrauch der Paketdienste beklagte. Dass mit der ansteigenden Nachfrage der Binnenkonjunktur auch das Bruttoinlandsprodukt steigt, hatte dem Wirtschaftsminister bisher keiner verraten, so dass Brüderle ganz alleine…“

„… stellte das Hauptamt Bebra anlässlich einer Rechnungsprüfung fest, dass die beauftragte Firma CityClean gemäß ihren Forderungen mehrere Jahre lang täglich ein Areal von der Größe Grönlands nass durchgewischt zu haben behauptete. Man sei erst stutzig geworden, so Kassenwart Ernst P. (55), als die Personalnummer des Straßenkehrers Lutz W. (23) auch bei der dreimal abgerechneten Untertunnelung der Kasseler Kuppe…“

„… könne nun auch in die Anzahl an Automaten wieder reduziert werden. Postminister Pofalla nahm dies zum Anlass, entschieden zu widersprechen und eine Umschulung von Überwachungskameras zu Postwertzeichenausgabegeräten zu fordern. Eine ungeschnittene Version von Pofallas Bemühungen, eine 55-Cent-Marke aus dem Automaten zu ziehen, wurde trotz ihrer Länge auf einer 3-DVD-Box…“

„… selbstverständlich auch der Müllabfuhr, deren Kenntnisse umweltgerechter Entsorgung die profitorientierten Strukturen der alten Anbieter ausstach. So legte die Abteilung Wert darauf, dass die Mitnahme eines ausgedienten Bettgestells durch einen städtischen Bediensteten schon wegen der bürokratischen Hürden einer arbeitsrechtlichen Maßnahme nicht geahndet…“

„… als technische Sensation gewertet, dass der neue ICE nicht nur über Selbstverständlichkeiten wie WLAN, Schlafsitze, eine Minibar und eine ausgefeilte Neigetechnik jenseits der 475-km/h-Grenze verfügt, sondern um eine Klimaanlage, die auch außerhalb von Labor und Werkstatt…“

„… sich auch die Frage stellt, warum eine Post in Staatseigentum die Produkte einer Mobilfunk- und einer Papierwarenmarke verkaufen müsse. Auf dringendes Ersuchen teilte Postminister Pofalla mit, die Angebote für Hühnerfleisch und Winterreifen mit sofortiger Wirkung aus dem Sortiment zu…“

„… nochmals darauf hingewiesen, dass es sich bei den angekündigten Fahrpreisminderungen nicht um einen Aprilscherz handelte, sondern…“

„…jetzt auch der Telekommunikationszweig der Zustellung anschloss, da die Höhe der Vorstands- und Aufsichtsratsgehälter nicht mehr aus den Unternehmensgewinnen zu bezahlen…“

„… sich der Fahrgastverband Pro Bahn lobend darüber äußerte, das deutsche Schienennetz sei nun bald wieder so gut wie 1970, während die…“





Quergelegt

9 09 2010

„… haben sich Deutsche Bahn und Bauherren nochmals gegen die Vorwürfe der Projektgegner gewandt und bekräftigt, dass das Vorhaben so durchgesetzt werde, wie es vor längerer Zeit schon beschlossen worden war. Zum jetzigen Zeitpunkt das gesamte Projekt noch zu stoppen, sei schon aus vertragsrechtlichen Gründen geradezu illusorisch, und da die Störer keine substanziellen Einwände gegen den Abriss des Kölner Doms mehr…“

„… seien die Baukosten von grob geschätzt zwei Milliarden Euro sowieso nicht zu halten, was auch der Bundesrechnungshof monierte. Bahn-Chef Grube fegte die Kritik vom Tisch; eine Verlegung des Kölner Hauptbahnhofs in die Tiefe unter der Domplatte sei alternativlos, die Pläne seien bereits vor Jahren beschlossen worden, vertragsrechtliche Gründe schließlich würden das Bauvorhaben gar nicht zur Disposition stellen lassen, so dass…“

„… kann der Zorn der Bürger nicht mehr länger vor der Öffentlichkeit versteckt werden. Zwar blieben die Demonstrationen der Projektgegner weitest gehend friedlich und fröhlich, einige jedoch schienen den Zorn der Ordnungskräfte geradezu herausfordern zu wollen: sie setzten sich am hellichten Tag vor das Südportal, um so zu…“

„… bemängelte das allgemeine Konzept, das dem unterirdischen Bahnhof weder Verkehrs- noch Architekturvorteile bescheinige. Als einziges Plus an dem unterirdischen Bahnhof hebe der Bauplan hervor, dass der Bahnhof unterirdisch sei. Damit verbunden seien Vorzüge für den oberirdischen Teil, den man dank der Neustrukturierung der Innenstadt von Köln neu strukturieren könne: die Domplatte solle nach dem Abriss des Doms an die Stelle des ehemaligen Hauptbahnhofs…“

„… aus geologischen Gründen als Wahnwitz bezeichnet – der Untergrund sei derart durchlöchert, da das Areal bereits zur Römerzeit besiedelt worden war, dass man von einer normalen Ausschachtung gar nicht sprechen könne. Auch sei das Areal viel zu dicht am Rhein gelegen. Die Tiefbau-Abteilung des Baukonsortiums beruhigte die Bauaufsicht nur wenig mit der Auskunft, alle Tunnelarbeiten seien zur Vorsicht an Bilfinger Berger…“

„… stellten die Bauherren nach einer längeren Tagung fest, dass das Projekt vollkommen legal, sinnvoll, zukunftsorientiert und außerordentlich wirtschaftlich sei. Dass sich die Kapazität der zu befördernden Personen um ein Drittel reduziere, sei als Kollateralschaden kaum einer…“

„… keine unerhebliche Steigerung, da auch mit Umsatzeinbrüchen der Tourismusbranche gerechnet werden müsse; aus den ca. 3,4 Milliarden könnten leicht 5 Milliarden werden. Der Baustadtrat wies diese Kritik entschieden zurück. Man könne diesen mittelalterlichen Krempel (er benutzte in der Tat diese Worte) doch nicht mit dem modernsten Bahnhof vergleichen, einem einzigartigen und alle Maßstäbe sprengenden Architekturdenkmal, dessen Jahrtausend-Potenzial Köln sofort zu…“

„… mit der Korrektur, dass natürlich nicht 5 Milliarden, sondern 5,7 Milliarden gemeint waren, was aber als Kleinsumme…“

„… sich erstmals mit einem genauen Lageplan an die Öffentlichkeit wagte: durch die Verlängerung und Begradigung der Schienenverbindung über den Rhein in nordwestlicher, später nur noch westlicher Richtung, sei man nicht mehr länger auf den Dom als Raumteiler angewiesen, sondern könne diese stadtplanerisch wertvolle Freifläche jetzt auch mit Bauvorhaben von kultureller Dimension…“

„… Versäumnisse in der Kommunikation, denen man mit einer kostspieligen Kampagne nicht mehr zielgruppengerecht begegnen könne. Die Berater bemängelten außerdem, dass Mario Barth, entgegen der ursprünglichen Idee von Das ist mein Bahnhof, lediglich die Message ‚Ihr stinkt doch alle‘ transportiere – seine Penetrationswerte seien bereits derart flau, dass man sich entschieden habe, kurzfristig auf Daniela Katzenberger zu…“

„… denn falsch ist, dass die Abbruchfirma, die auch die Reste des Kölner Doms zu verwerten habe, dem Bruder des Kölner Oberbürgermeisters gehöre. Wahr ist hingegen, dass jenes Unternehmen einem Bruder des Bruders des Kölner Oberbürgermeisters gehört, so dass von Korruption keine Rede…“

„… schaltete sich auch der Papst ein in die immer lauter werdenden Bürgerproteste. Benedikt XVI. forderte einen sofortigen Baustopp. Mit scharfen Worten griff der Pontifex die Bauaufsicht der Deutschen Bahn AG…“

„… nicht mehr an die Spielregeln gebunden fühlte. So gab der Oberbürgermeister deutlich zu verstehen, dass er sich den Nazimethoden der Bürger nicht mehr länger beugen und deshalb zu brutalen, demokratischen Maßnahmen greifen wolle, um den demokratisch gewählten Willen der demokratisch gewählten Inhaber demokratischer Posten demokratisch durchzusetzen. Sollte es ab sofort noch vorkommen, dass die sich immer weiter radikalisierenden, nicht demokratisch gewählten Bürger etwa durch Autoaufkleber mit faschistischen Parolen wie Mr loosse dr Dom in Kölle die Geduld der Einsatzkräfte auf die Probe stellten, so werde man mit demokratischstmöglichen…“

„… ob die knapp 9 Milliarden nicht besser investiert wären in ein Güterumgehungsgleis. Die Deutsche Bahn wies dies vehement zurück; auch eine Revision des Streckennetzes sei zum jetzigen Zeitpunkt unsinnig, die Projektverächter gingen ja selbst von erheblich verlängerten Fahrzeiten auf der Achse Rotterdam-Wladiwostok aus und könnten daher nicht auch noch erwarten, dass man Gelder in die maroden Schienenverbindungen…“

„… zu ersten Zugeständnissen bereit. Zwar wolle man weiter aus Furcht vor einer Eskalation, die nicht von ihnen selbst ausging, nicht mit den Projektgegnern reden, könne aber im Rahmen der gerade wegen unvorhergesehener Sicherheits- und Umweltauflagen gestiegenen Kosten andenken, von den 15 Milliarden Euro nicht mehr sechs, sondern dreizehn Blumenkübel für die freie Domplatte…“

„… konnten auch die bisherigen Befürworter des Projektes 21 nicht mehr nachvollziehen, warum man 21 Milliarden Euro ausgeben müsse für einen Bahnhof, der bei näherer Betrachtung nicht einmal die Fahrzeit nach Krefeld sonderlich verkürzen…“

„… sich als Planungsfehler herausstellte, da man schlicht versäumt hatte, den Dom auf dem Modell zu berücksichtigen – den ortsfremden Experten war der Fehler nicht aufgefallen, Bahn-Chef Grube lehnte eine Verantwortung ebenso entschieden ab wie seinen…“





Fahrt zur Hölle

25 08 2010

„Na sicher, da können Sie völlig beruhigt sein. Was wir versprechen, das halten wir auch. Auf alle Fälle. Oder haben Sie schon mal gehört, dass bei uns irgendetwas normal lief? Völlig glatt? Störungsfrei, ohne Katastrophen und Kinkerlitzchen und die ganzen Aussetzer und Verspätungen? Na? Sehen Sie, das haben Sie nur bei der Deutschen Bahn AG.. Wir sind einzigartig – da kommt keine Airline ran!

Wissen Sie ja, was wir Ihnen versprechen. Urlaub vom ersten Augenblick an: Einsteigen und ab geht’s. Ja, hatten wir auch in Betracht gezogen, Themenbahn, Schaffner in Dirndl und Lederhosen, Alpenexpress, ein gutes und zukunftsweisendes Konzept. Aber das war uns dann doch irgendwann zu platt, verstehen Sie, da müssen Sie überlegen, was unterscheidet so eine Bahnfahrt denn wirklich von einem richtigen Urlaub? Was bietet der Zug, was kann man in einem ICE machen, was so im Auto und meinetwegen im Reisebus nicht geht? Ja, das sind die Aufgaben des modernen Marketing – das ist Event-Management, verstehen Sie? Da kann man unglaublich tolle Sachen machen. Loveparade? Wie kommen Sie jetzt darauf?

Also gewissermaßen als integratives Konzept, nicht wahr. Da wird die Fahrt mit der Deutschen Bahn selbst zu einem Event und eine ganz neue und eigene, warten Sie: das nennen wir jetzt unique, also unique äääh… Erlebniswelt. Oder irgendwie so. Wie das der Stoiber schon gesagt hatte. Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen. Blöder wird’s Ihnen unsere PR-Abteilung auch nicht erklären können. Höchstens noch mit Stuttgart.

Das ist sozusagen das Einsteiger-Angebot – logisch, wenn die Türen nicht mehr aufgehen, dann ist ja auch nichts mit Aussteigen, oder? Haha! Haha, haha! Hahajaja, das meinten die dann auch, aber wir sind versichert, und die Leute wollen das so. Woher wir das wissen? Sagt der Vorstand. Dass die Leute das wollen. Und wir sollen eben dafür sorgen, dass die Leute das wissen. Also dass sie es wollen. Die Leute, klar? Dann geht das auf Gleis 3 oder Gleis 4, je nachdem, und dann nehmen wir die Züge ohne Klimaanlage, und dann haben Sie jeweils die freie Auswahl: Sauna-Party, Entführung mit echten Terroristen-Darstellern oder Untergang der Titanic. Für Titanic überbuchen wir einfach ein paar Mal und stellen den Zug schräg, kein Problem.

Am tollsten sind natürlich die Reality-Szenarien im ICE, wir haben da jetzt neulich ein total tolles Ding gemacht, haben Sie das gelesen? Fahrt zur Hölle, genau! Das ist aber derbe die Action – ja, das klingt mir auch ein bisschen zu reißerisch, aber ich kann damit leben. Sie steigen in Berlin zu. Vorher gibt es optional schon mal eine Cruising Unit, also Sie müssen versuchen, mit der S-Bahn irgendwie zum Hauptbahnhof zu kommen. Das schaffen Sie natürlich nie in der vorgegebenen Zeit, aber wissen Sie was? das ist auch völlig egal, der Zug fährt ja sowieso nie pünktlich ab. Aber wie gesagt, der ICE. Abfahrt Richtung Stuttgart, Klimaanlage ist defekt, und dann haben wir diverse Szenarien. Im vorderen Zugteil sind auch keine Getränke mehr vorhanden, nur noch hinten: körperwarmer Orangennektar. Dafür sind da, wo es Saft gibt, die Toiletten nicht mehr in Betrieb. Nein, selbstverständlich haben wir das alles komplett abgeschirmt. WLAN, Mobilfunk, das ist draußen. Nur draußen.

Vor Stuttgart gehen wir dann in Tunnelfahrt, und da haben wir die nötigen technischen Probleme. Die Belüftung ist auch abschaltbar, dazu ja auch Klima und Wasser, ganz wichtig: kein Wasser mehr an Bord, vor allem kein Trinkwasser, und die Sauerstoffmasken reichen natürlich nicht oder, was dann noch besser ist, sie sind nur Attrappen oder die Schläuche kann man nicht richtig an den Masken befestigen, das ist auch immer sehr schön, wenn man so eine gut durchgearbeitete Panik haben will, die entwickelt sich schnell und geht richtig gut durch den Zug, sehr schöne Effekte. Und wenn wir dann im Tunnel sind, haben wir Motorschaden. Das ist ja leicht zu bewerkstelligen, ich meine, denken Sie nur mal an die fehlende Kühlung, da passieren solche Sachen ja tatsächlich mal ganz schnell. Licht ist dann Essig, Türen verriegelt, Fenster luftdicht. Und dann der Zugfunk kaputt, mein lieber Scholli! Na, das wollen doch die Leute – Action, die ganze Palette, vielleicht noch etwas Rauch, da kann man ja ausnahmsweise auch mal mit Theaterutensilien nachhelfen, wissen Sie, jedes Mal den Zug in Brand zu stecken, das ist ja auch schon planungstechnisch nicht so einfach. Klar, bei der Deutschen Bahn wäre das schon wieder eine Vollzeitstelle, dass da einer die Liste führt, auf der draufsteht, welcher Zug gerade abgefackelt wird. Viel zu teuer. Das kann man doch besser eine Hilfskraft in der Arbeitspause mit erledigen lassen, oder?

Wissen Sie, was der absolute Oberhammer wird? Stuttgart. Wenn wir da erst die komplette Untertunnelung haben, alles unterirdisch – und dann so eine richtige Katastrophensause! Ich sage Ihnen, da mit Karacho rein in den Tunnel und volle Möhre Notbremsung, das fetzt aber so richtig! Am Wochenende, alles ausverkauft, ein Riesenchaos, und dann zwei oder drei Herzinfarkte im Zug, also Riesensache. Echt. Das wird wirklich einmalig in Deutschland. Und in Europa. Das macht Ihnen nur die Deutsche Bahn AG, da sind wir absolut unique. Und seien Sie mal ehrlich: für so ein supertolles Freizeitprogramm, da sind doch elf Milliarden auch echt nicht zu viel verlangt, oder?“





Germany’s next Topmodel

1 04 2009

„So, und jetzt mal ein bisschen mehr Ruhe, wenn ich bitten dürfte!“ Beyrich schlug mit dem Teelöffel gegen sein Glas, um sich Gehör zu verschaffen. Doch keiner hörte. Namen schwirrten durch den Raum, Zahlen, die allgemeine Verwirrung war ausgebrochen. Was auch kein Wunder war, ging es doch um eine Personalie von höchster Brisanz.

In all dem Tumult hob Lehmeier zaghaft die Hand. „Meiner Meinung nach sollten wir als Schlüsselqualifikation auf langjährige Erfahrung in der Branche setzen. Einige unserer Kandidaten sind bereits in ihren Unternehmensbereichen…“ Doch Beyrich ließ ihn gar nicht erst ausreden. „Ich bitte Sie, nicht schon wieder diese Mitleidsnummer! Bensel, Breuel, Garber, das sind doch alles keine Lösungen. Die kommen aus demselben Stall, die ziehen ihren alten Stiefel runter, die sind nicht mehr lernfähig. Eine Führungspersönlichkeit brauchen wir, die Kompetenz vermittelt, die integrativ wirkt gegenüber den Kunden und den Gewerkschaften, die wirklich Rückhalt genießt in der Öffentlichkeit – und Sie kommen mir hier mit alten Kamellen!“

„Immerhin“, schaltete sich Schikorra ein, „ist auch Thilo Sarrazin auf der offiziellen Liste, und ich finde das gar nicht so übel.“ „Sarrazin? Als Bahnchef? Sie belieben zu scherzen!“ Doch das wollte Schikorra nicht auf sich sitzen lassen. „Als Vorstand der Bundesbank hätte man ihn ja auch genommen, weil er nun mal mit Zahlen umgehen kann. Vergessen Sie nicht, der Mann ist Volkswirt.“ „Und dann gibt’s in den Speisewagen bald die Hartz-IV-Bewirtung mit dem zweiten Teeaufguss und einer halben Scheibe Toast.“ „Kämmler, lassen Sie doch mal diesen Unfug! Er ist außerdem ein scharfer Mehdorn-Kritiker, immer gewesen. Der macht seine Fehler nicht nach – der nicht!“ „Übrigens Kritik“, warf Beyrich ein, „Ihnen ist doch klar, dass er als erstes die Beschwerdestelle abschaffen wird? Kritik kann der gar nicht leiden.“ „Wenigstens ist er ein CDU-Mann“, beruhigte ihn Schikorra, „der passt dann auch der Merkel in den Kram.“ Mit ätzendem Tadel fiel Kämmler ein: „Der ist SPD, falls Sie’s noch nicht wissen sollten.“ „Ach du Scheiße, auch das noch“, stöhnte Lehmeier, „SPD geht ja gar nicht. Wahrscheinlich würde er am liebsten jeden Fahrgast einzeln auf die Schienen schmeißen, wenn ihn einer auf die Preise anspricht. Das können wir vergessen.“ Beyrich pflichtete ihm bei. „Eben, und lassen Sie den Abfindungsjäger mal auf die Gewerkschaften los, das gibt Hauen und Stechen.“ Sie schwiegen angestrengt.

Plötzlich schlug Kämmler mit der flachen Hand auf den Tisch. „Ich hab’s! Schröder! Dem kann man nun wirklich keine Nähe zur SPD mehr nachsagen, und als Aufsichtsrat hat er ja auch einschlägige Erfahrungen gesammelt. Vielleicht funktioniert dann auch die Anbindung an die Schweiz wieder reibungslos?“ „Und die Fahrkarten“, unkte Beyrich, „druckt dann die Transsibirische Eisenbahn und wir dürfen sie uns unter Lizenz kaufen. Klasse Idee.“ So verschwand die Kanzlerfrage aus der Pipeline.

„Glos?“ „Zu alt.“ „Guttenberg?“ „Zu jung.“ „Moment mal“, insistierte Lehmeier, „was heißt hier ‚zu jung‘? Etwas Sex-Appeal ist doch für ein Unternehmen von solcher Potenz gar nicht schlecht. Stellen Sie sich die nächste Werbekampagne vor. Die Bahn kommt – da lässt selbst die schnöselige Jura-Studentin ihr Cabrio stehen und fährt freiwillig im Großraumwagen, um vom schnieken Schaffner gelocht zu…“ „Lehmeier, Sie faseln. Wenn Sie keine Argumente haben, halten Sie gefälligst den Mund.“ „Natürlich habe ich die. Der Kabinettspraktikant hat so gut wie keine Ahnung von Wirtschaft, man kann ihn in jedes Unternehmen schieben und er arbeitet sich leicht ein. Außerdem wird es ihn nicht stören, wenn er merkt, dass man sein Parteibuch gekauft hat und nicht ihn.“

Doch er biss auf Granit. „Politische Spielchen“, setzte Beyrich fest, „bringen uns nicht voran. Wir brauchen Köpfe aus der Wirtschaft. Los, Schikorra, assoziieren Sie mal was.“ „Zumwinkel?“ „Dann fährt die Bahn am Wochenende gar nicht mehr und Verspätung kostet noch Zuschlag.“ „Schrempp?“ „Wenigstens würde der nicht hintenrum die Auto-Industrie unterstützen.“ „Franjo Pooth?“ „Um Gottes Willen, der kauft überteuerte Bildschirme für die Polstersitze. Am Ende haben wir eine LCD-Katastrophe mit Schaltergebühr!“

Das Gespräch drehte sich mehr und mehr im Kreis. Wie eine Spielzeugeisenbahn, die stur ihre Runden um ein Stuhlbein fährt. Die Headhunter wollten die entscheidenden Weichen stellen, doch sie waren unversehens auf ein totes Gleis geraten und rollten auf den Prellbock zu. Noch einmal probierte es Kämmler. „Beckenbauer?“ „Der liebe Onkel Franz – nee, völlig has-been. Kann man nicht mehr machen.“ „Steinmeier?“ „Wieso Steinmeier, ich dachte, der will jetzt Kanzler werden?“ „Dann hat die Merkel ihn aber von der Backe und Müntefering auch.“ „Hmja, kann man machen. Aber ist der krisensicher?“ „Bei Kurnaz hat er den Hintern auch nicht bewegt.“ „Das bringt doch alles nichts. Leute, mehr Kreativität!“ „Thomas Gottschalk?“ Schikorra tippte sich an die Stirn. „Also Gummibärchen und Hamburger geht ja noch, aber dann noch die Bahn? Außerdem macht er sowieso eine Spaßveranstaltung aus der Sache.“ „Oder er lässt nur noch Postzüge fahren.“ Sie sanken wieder in dumpfes Nachdenken. Die Köpfe rauchten, da hob Lehmeier zögernd den Finger. „Und wenn wir Stoiber nehmen?“ „Ja sicher“, höhnte Schikorra, „bis diese Notbremse jemandem erklärt hat, wie man am Münchener Flugzeug in den Hauptbahnhof einsteigt, ist der Zug längst abgefahren.“ Das hämische Gelächter wirkte fast befreiend, allein es brachte die Runde nicht weiter. Und schließlich ergaben sie sich in ihr Schicksal. Es war nichts mehr zu machen. Beyrich griff zum Telefon und wählte die Nummer. „Beyrich noch mal. Hatte ich mir gedacht. Ja, ist mir klar. Ja. Können Sie mich trotzdem noch mal mit Herrn Doktor Schäuble verbinden? Wir hätten da eine sehr reizvolle Aufgabe im Bereich Datenschutz.“