Abgetrieben

24 04 2017

„… auf eine Spitzenkandidatur verzichten wolle. Meuthen habe der Co-Vorsitzenden vorgeworfen, bewusst demokratische Verhältnisse in Deutschland zu…“

„… sich stets um die Rehabilitierung von nationalistischem Gedankengut gekümmert habe. Storch befürchte, dass sie gegen ihren Willen als neue Kandidatin für die Bundespartei einen…“

„… wolle die AfD mit Petrys Rückzug nicht die Verbindungen ins bürgerliche Lager kappen, sondern nur durch personelle Verschiebungen für eine breitere Basis nach rechts…“

„… den Rückzug möglicherweise als eine Art Überreaktion ansehe. Da die Partei ohnehin zunehmend reaktionär sei, biete dies einen reichen Spielraum zur…“

„… Bachmann eine Strafanzeige wegen Volksverrats erstattet habe. Das gesunde Volksempfinden sei empfindlich durch den…“

„… es sich um ein Gerücht handele. Steinbach habe nie in Erwägung gezogen, Spitzenkandidatin einer anderen…“

„… sich gegen Höckes Vorwürfe zur Wehr gesetzt habe. Petry habe insbesondere die Integration von Antisemiten, Holocaustleugnern, Hitlerverehrern und…“

„… stehe Weidel nicht für extremistische Inhalte, sie sei dafür aber nicht geeignet, Umerziehungslager für sexuell auffällige…“

„… eine Radikalisierung der Partei nach Petrys Abgang nicht zu befürchten sei, jedenfalls nicht mehr als es bisher ohnehin in den…“

„… dass die Partei ihre demnächst ehemalige Vorsitzende abgetrieben habe, um durch ein möglichst einstelliges Ergebnis auf absehbare Zeit nicht mit einer Regierungsbeteiligung…“

„… dass Petry sich in Absprache mit ihrem Mann dazu entschlossen habe, die strikte Trennung von Beruf und Karriere auch im…“

„… habe sich Petry erfolgreich selbst abgeschafft. Dies sei ein großartiger Bewies dafür, dass die Alterative für Deutschland auch andere Störfaktoren in dieser Republik schnell und ohne bürokratische Hindernisse…“

„… dass andererseits die Verhinderung einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene durch die Co-Kandidatur von Höcke noch sehr viel mehr…“

„… wieder mehr für die Familie da sein könne. Pretzell wolle sich derzeit zwar noch nicht als neuer Spitzenkandidat der…“

„… einer Vereinigung von AfD und NPD nun auch inhaltlich nichts mehr im Weg…“

„… der nationale Flügel der AfD darüber einig sei, dass eine Frau als Parteivorsitzende die Aufgaben von Kindererziehung, Küche und Verfügbarkeit für den Mann nicht in völkisch erwünschtem Maße…“

„… sich Gauland derzeit noch nicht als alleiniger Spitzenkandidat der AfD für die…“

„… ein leuchtendes Vorbild für die deutsche Mutter abgebe, die ihre eignen Bedürfnisse so weit der Partei unterordne, dass sie gar keinen…“

„… ihr Engagement gegen rechtsextremistische Strömungen in der Partei nicht ernst zu nehmen sei. Aus diesem Grunde habe sie sich dazu entschieden, durch ihren Abgang die Wählerpotenziale wieder in den Schoß der AfD zu…“

„… es schwierig sei, ein Spitzenteam für die Bundestagswahl aufzustellen, da die Partei geistig wie moralisch ohnehin nicht in der Lage sei, auf Anforderungen dieser Art…“

„… abgesprochen sei, dass sich Höcke derzeit nicht als Spitzenkandidat der…“

„… allerdings in den Bundestag einziehen wolle. Dies sei jedoch zuvor mit den anderen Vorstandsmitgliedern so nicht abgesprochen gewesen und habe zu heftigen…“

„… mit einer Spitzenkandidatur intellektuell überfordert sei. Poggenburgs Sprecher könne sich allerdings eine eigene Kampagne für die…“

„… die fundamentaloppositionelle Position am besten so darstellen wolle, dass die Partei ohne einen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zum…“

„… seien sich Gauland und Meuthen nicht einig, wen sie nach Petry verantwortlich machen könnten für den Verlust von…“

„… keine machttaktischen Erwägungen nachweisen könne. Es gehe nicht primär um eine Trennung der Wählerschaft, dennoch habe man bei Petrys Rückzug die Befürchtung, sie wolle eine Trennung von der Wählerschaft in der…“

„… Anzeichen für eine Realo-Aktion in einem Fundi-Umfeld sehe. Gauland sehe einen deutlichen Einfluss der Grünen, er habe Petry aufgefordert, unverzüglich alle Posten und Ämter zur Verfügung zu…“

„… sich allerdings keine Mehrheit für ein Parteiausschlussverfahren gegen die…“

„… durchaus zu ersetzen sei. Dies gelte nicht nur für die Partei, deren Mitglieder auch in vielen anderen Organisationen ihren Lebensunterhalt…“

„… zu Ende denken müsse. Indem sich die AfD überhaupt nicht zur Bundestagswahl aufstellen lasse, wolle sie ihre klar fundamentalistische Stoßrichtung in extremem Maße zur…“





Doof bleibt doof

23 04 2017

für Kurt Tucholsky

Apotheker Doktor Kroll,
ein Jahr noch zur Rente,
weiß schon, was er wissen soll –
die Medikamente
helfen größtenteils sogar,
Mumps und Ohrenrauschen
gehen weg ganz sonderbar
beim Rezeptvertauschen.
Kroll gibt, was der Arzt verschreibt,
manchmal jedoch nicht,
wenn die Wirkung ganz ausbleibt.
Dann steht er und spricht
ganz zu sich und nur im Stillen:
Doof bleibt doof,
da helfen keine Pillen.

Henriette, hübsch und fein,
hat gar viel Verehrer,
fällt auf alle reihum rein
und macht sich’s noch schwerer.
Wenn die Ehe man verspricht,
hält’s die junge Dame
länger in der Stube nicht.
Ach, es lockt der Name,
den die Hochzeit mit sich bringt.
Sie probiert ihn aus,
wenn auch Muttchen in sie dringt,
sie schreibt ihn ans Haus.
Seufzend lässt sie ihr den Willen.
Doof bleibt doof,
da helfen keine Pillen.

Mancher Bürger weiß Bescheid
über die Geschichte,
liest, wie eine dunkle Zeit
Hoffnung macht zunichte.
Liest auch nicht nur, was ihn lockt,
sieht auch andern Ländern
schweres Unheil eingebrockt,
und will doch nichts ändern.
Stärke ist ihm, wenn er dann
Schwächere bedroht,
nicht sieht, was er ändern kann,
und dabei verroht.
Hört Ihr ihn nach rückwärts brüllen?
Doof bleibt doof.
Da helfen keine Pillen.





Dienstfahrt

20 04 2017

„Aber nur vorübergehend. Nicht länger als zwei, höchstens drei oder vier, vielleicht sechs… Monate, nicht Wochen. Monate. Das muss schon gründlich gemacht werden. Wir können die Sicherheit unserer Mitarbeiter nicht gefährden. Jedenfalls nicht mehr als nötig.

Sie landen auf einem ganz normalen Flugplatz. Ja, es gibt eigentlich keine normalen Flugplätze in Afghanistan, aber für afghanische Verhältnisse würde ich das als annähernd normal bezeichnen. Die Beschusszeiten sind nicht immer so wie vorgesehen, manchmal schicken die Taliban auch ein paar Übungstrupps durch, dann muss man halt in Deckung gehen, aber so schlimm ist das auch nicht, wenn man’s überlebt. Die meisten überleben das, jedenfalls statistisch betrachtet. Wie Sie danach aussehen? Keine Ahnung, ich habe noch nie einen gesehen, der zurückgekommen ist. Ich kriege wohl immer die statistischen Ausnahmen.

Sie wohnen auch ganz normal. Richtig, im Zelt. Sie haben den afghanischen Normalitätsbegriff schon sehr gut verinnerlicht. Halten Sie sich daran, dann geht auf Ihrer Dienstfahrt gar nichts schief. Falls irgendwas gehen sollte, das kann man vorher auch immer nie so genau wissen.

Kamele haben wir da nicht mehr, nein. Das liegt aber nicht an der Finanzdecke des Ministeriums, es liegt an zu wenig Kamelen. Die Tiere sind auch nicht dumm, die gehen halt auch eher da hin, wo es nicht ständig knallt. Und dann kann ich Ihnen natürlich noch die anderen Fahrzeuge ans Herz legen, die sind auch alle ausrangiert, wie die Zelte, und wenn Sie sich mit der Technik ein bisschen auskennen, dann fällt Ihnen auch die Reparatur viel leichter. Aus den Achtzigern, manche auch etwas neueres Baujahr, nur eben nicht die modernen Fabrikate. Die sind bisweilen etwas störanfällig. Die alten bleiben nur im Sand stecken, wenn sie unbedingt müssen.

Es ist halt Afghanistan, das gilt als sicheres Herkunftsland. Da wird nicht viel investiert, da schickt man hin, was hier bei uns nicht mehr gebraucht wird. Wieso der de Maizière jetzt immer da ist? Wie soll ich denn die Frage verstehen? Ist der immer noch Verteidigungsminister? Oder warum fragen Sie? Nein, sagen Sie mal?

Sie können schon technische Geräte mitnehmen, aber dann übernehmen wir da keine Haftung. Sie müssen das selbst besorgen. Wenn es nicht sicher ist, warum sollten wir als Regierung uns da einmischen? So dürfen Sie nicht rechnen, das ist nicht statthaft. Wir dienen hier letztlich dem Steuerzahler, da können wir nicht alles bezahlen. Schon gar nicht für sichere Länder. Wenn wir denen nämlich die Sicherheit bezahlen, dann sind die vorher gar nicht sicher gewesen, oder? Oder? Sehen Sie, so denken die meisten nämlich gar nicht, aber das muss man, wenn man in einem deutschen Ministerium ist. Oder Karriere machen will. Oder Karriere machen will, um nicht mehr in einem deutschen Ministerium zu sein.

Ja, der Sand. Der ist kostenlos, Sie können da auch gerne ein bisschen mitnehmen. Ach, Sie meinen die Sicherheitsbedenken? Dass sich Autos da festfahren? Oder Flugzeuge? Sie haben Recht, deshalb werden auch Sie da hingeschickt. Und nicht die Ministerin. Das heißt, die schicken wir auch da hin, aber nicht da, wo es zu sandig werden könnte. Man muss da ganz andere Sicherheitsmaßstäbe anlegen. Das haben Sie schon ganz gut begriffen.

Und Sie haben Ihre Schulung abgeschlossen? Gut, dann sind wir raus. Wegen der Haftungsfragen, aber das hatten wir ja schon. Sie dürfen sich da auch keine zu großen Gedanken machen, das führt nur zu Angst, oder Sie sehen die Situation plötzlich unrealistisch. Wir als Regierung wissen, wovon wir da sprechen, glauben Sie mir.

Ich empfehle Ihnen diese Teilnahme schon aus Karrieregesichtspunkten. Wenn Sie das überstanden haben, dann überstehen Sie alles. Auch Seehofer im Ministerium. Oder einen Parteitag mit…

Darf ich Sie dann schon mal fest einbuchen? Und nur zur Sicherheit, wen sollen wir denn benachrichtigen? Ich meine, im Falle eines Falles?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXIX): Empörungsmarketing

14 04 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Tidekind der Beknackte war sich sicher: vom Drachen volle Möhre ausgemöllert, das musste für ordentlich Gesprächsstoff sorgen. Schließlich war Ludeger der Ersetzbare kurz zuvor mit einer ähnlich dünnen Story in die Liga der A-Promis aufgestiegen und hatte kurzfristig dasselbe Ansehen beim Erzbischof wie Tschülperich von Dingenskirchen. Doch der Held half kräftig nach. Achsbruch durch marodierende Ostsachsen im Gelände, der von der Vollkaskoversicherung natürlich nicht übernommen wurde, die fristlose Kündigung der Schildmaid nur wegen dreier ausstehender Monatsgehälter plus Sterbegeld und Rentenversicherungsbeiträgen, zu allem Überfluss auch noch ein Zauberspruch, der in der Garantiezeit seine Wirkung einbüßte – wer würde da nicht erzürnt die Fäuste in den Äther schmeißen und Gott sowie Welt anklagen? Nur mit Empörungsmarketing, wusste unser Teilzeitheld, würde sich das Blatt wenden. Wenn überhaupt.

Gibt es überhaupt Gründe für die grassierende Aufmerksamkeitsökonomie, so ist das jäh flutende Aufkommen an Skandalisierungstatbeständen ein wesentlicher unter ihnen. Was Werbung an offenen Flanken nicht lassen konnte, was Wahlkampf und andere schöpferische Zerstörung nicht in die Hirne nageln kann, wird mit der Steigerung als einzigem Kriegsmittel erledigt. Ethische Motive sind dabei verhältnismäßig wumpe, sie finden statt, werden abgehakt, gelocht und eingedost. Was sich nicht am Leben erhalten lässt, während die Tiefe der Debatte mählich zu populistischer Grütze gerinnt, hat auch kein Recht auf Leben. Was bisher geschah: nichts. Aber das ist besser als gar nichts.

Die Kunst, den Deppen kommunikativen Brüllmüll in den Neocortex zu schwiemeln, besteht großflächig darin, ihr Interesse auf komplett irrelevanten Quark zu lenken. In Brasilien wird Kaffee ins Meer gekippt, in Hessen leiden die Schweine – freilich vor der Tötung aus humanem Interesse, denn wie sonst ließe sich das Kulturgut Rollbraten realisieren, wenn nicht durch Sau-KZ – und die Öffentlichkeit wird durch den regen Bau von Brunnen und Mädchenschulen der Armee unter Flächenbombardement darauf aufmerksam, wo sich sichere Herkunftsländer befinden. Sind Erwerbslose jährlich für den Leistungsmissbrauch zuständig, den Steuerhinterzieher auch bei Wohlverhalten schon an einem Tag wuppen, die BILD-gebenden Verfahren der sozialen Exklusion drehen ungehindert frei und wünschen den Wehrlosen Warzen und Pest. Keiner denkt an die Kinder, während die Mainstreampresse Hunderte von Kartellen offenlegt, die sich wegen der lächerlich geringen Bußgelder für jeden professionellen Schweinepriester lohnen. Es muss, wenn die Öffentlichkeit ins Spiel kommt, auch noch witzig sein. Aber lassen wir das.

Dekontextualisierung, Rekontextualisierung, die schlichte Deklaration von Fakten als Meinung – jedenfalls nicht besser als andersherum – die Werkzeuge der vulgären Demagogie sind aus steinzeitgerechtem Gussstahl, wenn überhaupt. Aber sie wirken, wenngleich rein zerstörerisch. Seit jeher kristallisiert sich aus dem weißen Rauschen der Kopfarbeitskräfte, dass halbwegs demokratisch verfasste Herden nur dann auch halbwegs demokratisch funktionieren, wenn an der Basis das Bewusstsein herrscht, einem luxuriös ausgestatteten Schmierentheater beizuwohnen, teils als Nebendarsteller, eingesprungener Antiheld oder tragisch geschminkter Chor. Keiner von ihnen käme je in die Verlegenheit des Denkens, sie leben von der suggestiven Regie, schlimmstenfalls durch die plärrenden Bettnässer vom Schnauzbartverleih, sonst von wohlmeinenden Diktatoren. Sie hegen die Bekloppten ein mit Flüstertüte und Schlagzeilen, das nächste Gezeter immer im Anschlag, damit die Hohlhupen nie das Gefühl bekommen, untätig und schweigend zu sein – sie sagen wenig, mehr ist es ein akustisches Wiederkäuen, aber nie gefährdet die herrschende Ordnung, was da von innen an die Wände schallgeschützter Echokammern suppt. Die Stabilität ist gewahrt, wo die Krücken noch fest an der Wand kleben, sich für Stützen der Gesellschaft halten und die Scherkräfte verteidigen, die ihnen gerade den Boden unter den Füßen wegzerren. Sie ließen es sich eher als mangelnde Flexibilität ankreiden, als nicht überraschend die Meinung über Bord zu hieven.

Wo immer ein Zusammenhang existiert: raus mit der Machete. Wichtig an der Empörung ist die Betroffenheit, vor allem da, wo der Betroffene sie sich einbildet. Im Zweifel fühlt er sich als nicht mehr dem eigenen Vaterland zugehörig und wie eine fremde Kolonialmacht gründlich ausgebombt, was bürgerkriegsähnliche Reflexe aus dem Brägen nudelt. Aber auch das lässt sich durch Schweigen steuern, durch mediale Kontrapunkte, zur Not mit mühsam in Szene gedroschenen Schandtaten, die den Brackwasserdemokraten überfordern. Krieg ist immer anderswo, deshalb demonstriert er auch nicht vor seinem eigenen Gartenzaun. Was will man als haftungsbeschränkter Rechtsstaat mehr.





Fingerabdrücke

13 04 2017

„Augenfarbe?“ „Jedenfalls Fingerabdrücke und die Nasenlänge.“ „Nützt gar nichts ohne Nasenbreite, wenn Sie mich fragen.“ „Wegen der Abdrücke?“ „Auf jeden Fall Hautfarbe.“ „Das ist doch ganz klar rassistisch!“ „Sonst erkennt man diese arabischen Terroristen doch nie.“ „Wir reden aber hier von Flügen innerhalb der EU.“ „Ach so.“

„Kann man da nicht die Fingerabdrücke aus einer anderen Datenbank…“ „Meinen Sie, dass sich islamische Terroristen vor der Einreise in Europa freiwillig in eine Datenbank eintragen lassen?“ „Wahrscheinlich nur islamistische.“ „Klar, wegen Nachweis und so. Der IS will doch den…“ „Quark, die hobeln doch ihren Agenten die Finger ab.“ „Das sind die Koreaner.“ „Egal, auch Ausländer.“ „Und die kann man an der Ohrenlänge unterscheiden?“ „Die Buddhisten wahrscheinlich.“ „Das ist doch eine Religion, oder?“ „Kann man an der Nase doch auch.“ „Moment, das ist…“

„Wäre es nicht einfacher, die EU würde gleich einen biometrischen Pass verlangen, wenn jemand einreisen will?“ „Dazu müsste derjenige aber auch erstmal einen biometrischen Pass besitzen.“ „Das ist Sache der Herkunftsstaaten.“ „Moment mal, wenn die USA nach Staaten unterscheiden, warum dürfen wir das dann nicht?“ „Weil die EU auf dem Papier zumindest eine demokratische Verfassung hat?“ „Also bitte, danach sollte man die Ungarn schon an der…“ „Ich hatte gesagt: auf dem Papier!“ „’tschuldigung.“ „Warum macht das Amerika?“ „Weil sie es können.“ „Und warum können wir es nicht?“ „Weil wir es nicht machen.“ „Sie müssen doch immer damit rechnen, dass die plötzlich blaue Kontaktlinsen…“ „Oder Nasenprothesen, wie!?“ „Jetzt hören Sie aber auf!“ „Kann man sich nicht auf dem Passfoto kleiner machen?“ „Dann gehen Sie vielleicht als Italiener durch.“

„Vielleicht sollten wir wieder Grenzkontrollen einführen wie vorher.“ „Also für Dänen, Ungarn und andere Schengen-Verweigerer.“ „Das wird an der deutsch-ungarischen Grenze ganz sicher enorme Turbulenzen erzeugen.“ „Die Frage ist doch: kann man einen Dänen erkennen, wenn er die ungarische Grenze überquert?“ „Das ist eher ein Problem der bereits bestehenden Überwachung.“ „Dann wird man sicherlich die Ungarn erkennen, wenn sie nach Dänemark einreisen.“ „Wir können aber auch den Verkehrsfluss nicht unnötig behindern.“ „Sie lesen manchmal Ihre Papiere?“ „Er ist Verkehrs- und Infrastrukturexperte, er weiß von gar nichts.“ „Hören Sie mal, zwei Jahre unter Dobrindt im…“ „So schlimm?“ „Ich werde Sie…“ „Was meinen Sie wohl, warum die Bahn so eine beschissene Anbindung hat und dauernd ausfällt?“ „Keine Ahnung.“ „Naja, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.“ „Aber…“ „Stimmt, so kriegen wir den Verkehrsfluss tot.“ „Eigentlich genial.“

„Was machen wir eigentlich gegen Terroristen aus Europa?“ „Abschieben.“ „Sie haben das nicht ganz kapiert. Das sind Europäer.“ „Deswegen ja auch abschieben nach…“ „Wohin denn, verdammt noch mal!?“ „Die Eltern werden doch irgendwann mal eine Nationalität gehabt haben.“ „Also alle nach Belgien?“ „Kann man das nicht auch an der Augenfarbe feststellen?“ „Wohl eher am Akzent.“ „Quark, das sind die Amis.“ „Für die ist Belgien eine Stadt in Frankreich.“ „Verkehrstechnisch ist das ja nicht ganz falsch.“ „Wir müssten dann auch bei der Ausreise eine biometrische Kontrolle an den Grenzen…“ „Bloß nicht!“ „Eben. Hauptsache, die Drecksäcke sind draußen.“ „Damit dann die italienische Polizei einen Attentäter abknallt?“ „Sie müssen das immer dramatisieren, wie!?“

„Kann man da nicht eben mit der Hautfarbe einen gesicherten…“ „Keine Chance, Sie müssen erst die Grenzen übertreten.“ „Wenn wir wenigstens die bayerischen Außengrenzen als…“ „Sie wissen genau, dass Sie mit dem Feuer spielen!“ „Wieso?“ „Spätestens nach der nächsten Wahl erklärt doch die CSU, dass sie die Gleichbehandlung nicht genau geklärter Deutscher verhindern will.“ „Notfalls mit Waffengewalt.“ „Und sie wird die biometrischen Daten aller Zuwanderer fordern, sobald sie die Sammlung der wahren Inhalte auf dem Schirm hat.“ „Halten Sie das für realistisch?“ „Für Bayern reicht das.“ „Und wenn man da jetzt auffällt?“ „Eine Schiffsreise zwischen der Bundesrepublik und dem Freistaat würde ich dann jedenfalls nicht mehr in Betracht ziehen.“

„Zahnschema?“ „Geruchsproben wären aber zu kompliziert.“ „Vielleicht scannen wir erstmal die Wohnungstüren, damit wir wissen, ob jemand gar nicht zu Hause ist.“ „Das hilft aber nicht gegen Eindringlinge aus…“ „Hallo!?“ „Ja, meinetwegen: Einwanderer.“ „Touristen?“ „Oder so.“ „Aber die kommen doch sowieso aus der EU.“ „Das sind dann die Terroristen.“ „Wir müssten also die EU überwachen?“ „Das ließe sich eventuell sogar machen.“ „Wir müssen ja nur sicherstellen, dass keiner die Grenze überquert, der eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit darstellt.“ „Also doch Seehofer.“ „Da kriegen wir doch nie Fingerabdrücke.“ „Egal, auf der Konzeptebene reicht das erstmal.“ „Kann man das finanzieren.“ „Kommt darauf an, wo man kürzt. Aber das ist nicht unsere Aufgabe.“ „Okay.“ „Gut, dann kommen wir zu Punkt zwei. Fußgängerzonen. Vorschläge?“





Führungsschwäche

11 04 2017

„… eine übergroße Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen habe. Höcke sei laut AfD-Führung in seinen Redebeiträgen oft wie…“

„… ein Menschenbild sichtbar werde, welches der Würde des Menschen widerspreche. Petry wolle in einem völkischen Staat, der sich gegen Muslime, Behinderte und andere Schädlinge am Deutschtum richte, keine Einzelmeinungen, die von ihrer…“

„… sich die Spaltung der AfD nur dann noch verhindern lasse, wenn Höcke als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl antrete. Einen späteren Parteiausschluss wolle niemand ausschließen, das Mandat sei allerdings damit keinesfalls…“

„… aus dem Bundesvorstand geäußert worden sei, gegen ein normales, anerkennendes Verhältnis zum Nationalsozialismus habe die Partei gar kein grundsätzliches…“

„… ein medizinisches Gutachten beigebracht habe. Anders als Hitler habe Höcke zwei…“

„… auch andere offen rechtsradikale Mitglieder in der AfD finden könne. Aus personellen Gründen sei es dem Bundesvorstand jedoch nicht möglich, sie alle zeitnah aus dem…“

„… die Wort- und Sinnverwandtschaft zu Hitlers Reden bei Höcke nicht zufällig sei. Er habe dies grundsätzlich mit seinem kunsthistorischen Interesse an…“

„… auch ein Anzeichen für den Konsum enormer Mengen von Alkoholika sein könne. Gauland habe bestätigt, er könne dies beurteilen, da er seit längerem…“

„… und dass er sich unmittelbar gegen die verfassungsgemäße Ordnung Deutschlands wende. Dies sei laut Pretzell jedoch ihre Aufgabe der Vorsitzenden, die darin ausreichend Unterstützung von…“

„… die dämliche Bewältigungspolitik der AfD in historisch verblendeter Weise alle positiven Aspekte der NS-Zeit vernachlässige. Als Historiker sei Höcke wesentlich kompetenter und werde das Gesicht der Partei als einziger…“

„… es keine Anzeichen für das Vorliegen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung gebe. Nach Auskunft seiner Nachbarn sei der thüringische Fraktionsvorsitzende einfach nur ein affektiertes Arschloch, das durch sein rechthaberisches…“

„… es auch viele Deutsche gebe, die sich ein judenfreies Vaterland wünschten. Meuthen sehe sie zwar kritisch, befürworte allerdings, dass auch Holocaustleugner in einer Partei willkommen seien, die fest auf dem Boden des Grundgesetzes…“

„… sei nicht alles schlecht gewesen. So gehe der Wiederaufbau des modernen deutschen Staates im Wesentlichen auf Hitlers Expansions- und Rüstungspolitik zurück und habe zu einer echten Annäherung an Russland…“

„… regelmäßig in einer SS-Uniform auf dem Wochenmarkt erschienen sei. Die Beschicker seien sich jedoch einig gewesen, dass dies in den neuen Bundesländern schon mehrmals…“

„… sich nicht als Antisemiten bezeichnen lassen wolle. Höcke begrüße, dass es nach 1945 viele Synagogenneubauten gegeben habe, obwohl die Juden Deutschland mit dem Holocaust immer noch finanziell und moralisch…“

„… habe Erdoğan ihm niemals Nazimethoden vorgeworfen, dies spreche dafür, dass sich Höcke immer nach Recht und Gesetz…“

„… besitze er nicht einmal einen Führerschein, was für einen deutschen Diktator doch zu den…“

„… Autogrammpostkarten verteilt habe, die den Politiker in zärtlicher Umarmung mit Blondi, der vom Tierschutz Erfurt im Jahr 2015 vermittelten…“

„… die erinnerungspolitische Wende um 180 Grad bereits im Parteiprogramm verankert sei. Der Ausschluss Höckes sei also gegen jede…“

„… dass ein Oberlippenbartimplantat zunächst nicht angewachsen sei und dann operativ habe entfernt werden müssen. Dies sei der Krankenkasse von der polnischen Klinik mitgeteilt worden, sie hätten jedoch bei der Rechnung auf den Namen Idolf Hatler zunächst keinen Zusammenhang mit dem…“

„… Petry vorgeworfen habe, in der Partei eine ethnische Säuberung durchzuführen mit dem Ziel, reinblütig arische Volksdeutsche zu vernichten. Die Vorsitzende werde sich in einem kommenden Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und…“

„… es nach Auskunft von Poggenburg Familientradition sei, sich die Blutgruppe über dem linken Ellenbogen tätowieren zu lassen. Höcke habe jedoch auf der Innenseite des Oberarms zusätzlich stehen, dass man bei Konserven, die mutmaßlich jüdischer Herkunft seien, ihm die Kehle durchschneiden, den Schädel zertrümmern und ihn mit Benzin…“

„… Klage vor dem Internationalen Gerichtshof gegen die AfD angekündigt habe. Es bestehe der begründete Verdacht, dass er wie im NS-Staat in ein Vernichtungslager verbracht und…“

„… sei die AfD im Gegensatz zu Deutschland als völkischem Staat von einer Führungsschwäche geprägt, die er alleine mit Stumpf und Stiel auszurotten befähigt sei. Ihm gebühre daher die unangefochtene Position als…“

„… nicht ausschließen könne, dass Höcke zur NPD überlaufe. Die Partei habe sich entschlossen, eine Identitäre Plattform zu dulden und mit den nötigen Sach- und Geldmitteln für die kommenden zehn Jahre…“





Störungsstelle

10 04 2017

„Erstmal Steglitz, obwohl das auch nicht sinnvoll ist, aber: dann haben wir erstmal Steglitz. Danach kann man immer noch mal sehen, wie wir das machen, nachdem uns einer das Problem erklärt hat.

Von wegen Gefahren. Man muss informiert sein, was aus einer Lage entwickelt werden kann, auch und gerade verwaltungsseitig. Der Bürger an sich ist meist nicht fähig, die Konsequenzen aus seinem Handeln für die Bundespolitik zu begreifen. Da muss die Bundespolitik für ihn als salvatorisches Fallbeil eingreifen, das werden Sie verstehen, oder?

Wenn wir jetzt nicht den Wannsee abriegeln, dann ist der Russe innerhalb weniger Stunden direkt im Reichstag und wird Merkels Pläne durchwinken, richtig? Da muss die Bundesrepublik… ja, ich sagte das schon. Also wir müssen das jetzt weiträumig abriegeln. Unsere Einsatzstelle ist natürlich in Alarmbereitschaft, wir haben das Grundgesetz immer auf dem Schreibtisch und sind besser aufgestellt als diese Typen aus der Regierung, ich kann mir die Namen von diesen Parteien nicht merken, aber so groß ist der Unterschied wohl auch nicht – jedenfalls braucht heute kein Mensch mehr diese Idioten, und wenn die Kohle stimmt, wer fragt da noch nach dem Grundgesetz? Schäuble? Machen Sie sich nicht lächerlich! Wir sind hier als realpolitische Einheit aufgestellt, also das, was der Cybermarsch von der Reichsgebärmutter nicht getrötet kriegt, und die Sicherheitspolitik ist… –

Wenn wir jetzt auch noch Wilmersdorf absperren, dann müsste Tempelhof… Nee, das ist zu kompliziert. Das kriegen wir auch logistisch nicht hin, schon von der Verhältnismäßigkeit, weil das ja kein Gefahrenbereich ist, und dann erzählt uns die Verwaltung hinterher wieder, dass das gar nicht hätte abgesperrt werden dürfen, wir haben ja gar keine unklare Sicherheitslage im Bereich Schmargendorf, deshalb könnten wir eigentlich nicht einmal stichprobenartige Kontrollen bei den Passanten durchführen, und wenn wir dann den einen oder anderen… Gut, wir sperren erstmal Tempelhof und Wilmersdorf, und dann sehen wir mal weiter.

Das sorgt schon für Unruhe, schließlich fühlt sich dann ein Teil der Bevölkerung als Störer und eskaliert vielleicht in die falsche Richtung? Wir haben ja keinen Bankraub, genau genommen liegt nicht einmal der Verdacht einer Straftat vor, da können wir jetzt keine Straßensperren in Mitte aufziehen, sonst wird uns die Polizeiführung wieder die Verhältnismäßigkeit der Lage erklären, wenn der Eingriffscharakter unserer Sperren oberhalb der einfachen Kontrollen liegen sollte, aber wir hatten ja auch nicht vor, die Anwohner direkt in ihren Wohnungen, beziehungsweise dann aus ihren Wohnungen heraus, aber das ist dann schon wieder ein anderes Problem. Das ist mit einer gründlichen Durchsuchung von Mitte nicht getan, da müssen Sie vermutlich gleich Friedrichshain-Kreuzberg mit abriegeln, und dann haben wir wieder das Problem, dass wir sehr viele Auswärtige mit drin haben, aber das kann Ihnen woanders auch passieren, insofern sehe ich das nicht als Problem. Also nicht in Bezug auf die Sicherheit. Rechtlich ist mir das egal.

Natürlich müssen wir auch präventiv tätig werden können. Oftmals ist es ja so, dass Sie eine Straße erst nach dem Unfall absperren – hätten Sie die früher abgesperrt, der Unfall wäre gar nicht erst passiert! Da denkt aber keiner dran, und wir müssen das dann ausbaden! Wenn da jemand flüchtig sein sollte, man muss ja immer mit allem rechnen, dann setzt der sich doch in Richtung Reinickendorf ab, und ehe wir hier in der Störungsstelle reagieren können, haben wir einen mutmaßlichen Straftäter, der den Behörden wahrscheinlich vorher schon bekannt gewesen sein dürfte, aber das sage ich ja immer: wenn man die Bürger zu gut überwacht, dann gibt es immer Straftäter, die einem schon vor der Tat bekannt waren, und dann sagen alle, wir machen unseren Job nicht ordentlich. Aus dem Dilemma kommen Sie erstmal wieder raus!

Pankow können Sie vergessen. Da soll’s in den letzten Jahren mal eine Demo gegeben haben, die Kollegen können Ihnen da Genaueres sagen, wir riskieren jedenfalls nichts. Kontrollen wären schon machbar, wir führen die auch durch, das heißt: wir lassen die durchführen. Wenn es doch vereinzelt zu Straftaten kommen sollte, rein theoretisch, dann ist das sicherer, und wir müssen nicht hinterher sagen, wir hätten es vorher kommen sehen. Man könnte beispielsweise die Infrastruktur abschalten, alle Ampeln auf Rot, dann stehen da ein paar Tausend Fußgänger, die lassen sich leichter kontrollieren als in Bewegung, und man könnte Verkehrspolizisten in den Bezirk senden, vielleicht als SEK getarnt, dann merken die Anwohner nicht sofort, worum es bei dem Einsatz geht. Das bedeutet automatisch mehr Rechtssicherheit für die Leute, die irgendwie nachweisen können, dass sie als Straftäter nicht in Frage gekommen wären, und dadurch natürlich auch eine vergrößerte Freiheit, die man als Bürger auch erstmal aushalten können muss. Das dürfen Sie nie vergessen, der Bürger gewöhnt sich daran, und dann müssen wir als Störungsstelle unter den gegebenen Umständen verhältnismäßig reagieren. Das ist auch so eine Sache, an die niemand denkt, und wir müssen mit der Entwicklung… –

Ein illegaler Download? In Friedrichsfelde? Bleiben Sie, wo Sie sind! Wir sperren zur Vorsicht Brandenburg!“