Supermarketing

8 03 2011

07:48 – Kaum hat Karlheinz D. (43), der Leiter der örtlichen Supi-Filiale, seinen Laden aufgesperrt, da fällt sein Blick auf die gegenüberliegenden Straßenseite. Quer über die Fassade der Kaufdas-Niederlassung spannt sich ein Transparent mit roten Lettern: „Obst und Gemüse – frisch und gesund!“ Karsten F. (50) drapiert Kohlrabi und Äpfel in der Auslage. D. knirscht zornerfüllt mit den Zähnen. Diese billige Provokation lässt er sich nicht bieten.

08:02 – Während sein Stellvertreter Rudi T. (48) ihm die Leiter hält, hängt D. das eilig mit Filzstiften aus dem Sonderangebot gemalte Spruchband „Vitaminreicher Genuss mit Obst und Gemüse!“ über den Supi-Eingang. Karsten F. erbleicht. Dieser Doppelschlag lässt ihn in den Grundfesten seiner Macht erzittern. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

08:21 – Ein kurzes, aber heftiges Brainstorming der Kaufdas-Mitarbeiter bringt das für alle überraschende Ergebnis: es ist nicht unmöglich, den Gegner mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. „Fleischlos!“ verkündet der Pappaufsteller an der Fassade. Mehrere Passanten zucken irritiert die Augenbrauen über die angebotenen Äpfel.

08:27 – Hart schlägt die vegetarische Offensive dem Supi-Personal ins Gesicht. Mit allem hätte man gerechnet, nur nicht mit der perfiden Kraft des Faktischen. Rudi F. und Kassiererin Claudia Sch. (25) nippen verzweifelt an ihrem Automatenkaffee – mit einem Jubelschrei springt Sch. auf, kritzelt „Koffeinfrei!“ auf die Rückseite eines ausgedienten Aufstellers und schiebt eine Stiege Sellerie auf den Gehweg. Die Attacke des Feindes scheint abgewehrt.

08:42 – Kaufdas zögert nicht. Die Ausweitung der Kampfzone ist ohnehin nur eine Frage der Zeit, also ergreift Karsten F. mutig die Gelegenheit. Die Pyramide aus Eierkartons wird von einem überdimensionalen „Zuckerfrei!“ gekrönt.

08:50 – Auch die Supi-Filiale verfügt über die fragilen Hühnerprodukte, weshalb Claudia Sch. mit ihren Kolleginnen Sabrina P. (29) und Heike M. (56) den kompletten Vorrat in den Eingangsbereich verlasten. Erregte Diskussionen über Produktfeatures und Kundennutzen begleiten die Gewaltaktion, Filialleiter D. beendet den Disput mit einem Machtwort und einer zweckentfremdeten Tafel vom Imbissstand: „Von echten Hühnern!“ Seine beherzte Tat lässt die Untergebenen sprachlos zurück. Die Kunden ebenso.

09:17 – Kurzfristig kommt der Geschäftsbetrieb bei Kaufdas zum Erliegen. Azubi Ole J. (19) verbarrikadiert versehentlich den Eingang mit einem Rollcontainer voller Frühblüher – Primeln, Alpenveilchen und Buschwindröschen – da er das bereits fertig positionierte Schild „Fettfrei!“ nicht gelesen hat. Erregte Proteste von der anderen Straßenseite lassen in Chef Karsten F. jedoch den Entschluss reifen, den Zufallstreffer zu einer neuen Strategie auszubauen.

09:33 – Bahnbrechende Originalität kann man dem Supi-Team nicht vorwerfen, dennoch langt eine Palette voller Gartenerde im Zehn-Liter-Gebinde, um das Plakat „Alkoholfrei!“ zu rechtfertigen. Beide Seiten richten sich auf einen langen, erbitterten Stellungskrieg ein.

09:40 – Es wäre nicht Kaufdas, zöge die Belegschaft nicht an einem Strang: Azubi J. und Lagerist Chris W. (34) stemmen eine Ladung Kondensmilch in Weißblechdosen in die Nische zwischen Schiebetür und Käsetheke. „Beste Qualität!“ verkündet der dreieinhalb Quadratmeter große Papphänger über dem Großgebinde. Durch einen Zufall hängen die beiden Angestellten das Schild seitenverkehrt auf. Die Büchsenmilch lagert nun unter dem Hinweis: „Dermatologisch getestet!“ Diskussionen mit langjährigen Kundinnen geht Filialboss F. aus dem Weg.

10:07 – Die Aufrüstung über das Maß der konventionellen Mittel hinaus war nur noch eine Frage der Zeit; Supi-Strategin Melinda H. (39), hauptberuflich im Fleischereifachverkauf, nagelt resolut neunzöllige Stahlstifte in den Balken über der nun nicht mehr verschließbaren Tür, um sie mit grober Landleberwurst zu behängen. Passanten sehen der energischen Frau entgeistert zu, wie sie vor ihren Augen ein Bettlaken mit „Ohne Zusatz von Holzspänen!“ beschriftet und neben den Würsten in den jungen Frühlingsmorgen hängt.

10:16 – Das Kaufdas-Geschäft wird von ohrenbetäubendem Kreischen erfüllt. Insgesamt fünfzig Bürostühle, denen wegen eines Produktionsfehlers die Gumminoppen an dem Füßen fehlen, schrammen über den Bodenbelag. Der rote Pfeil, der auf jeder Stuhllehne prangt, deutet auf den Vorteil des Möbelstücks hin: „Grundwasserschonend!“ Karsten F. ist erschöpft, aber zufrieden. Jetzt kann sich alles wenden.

10:22 – Alles könnte sich wenden, doch auch Supi schläft nicht. Statt des Spirituosenregals füllen dutzendweise Korbständer mit Tütensuppen die Ost-West-Passage durch den Laden. Ein Störaufkleber auf dem Boden verkündet die klare Botschaft an den Kunden: „Keine versteckten Zusatzkosten!“ Der Erfolg ist mäßig.

10:40 – Rechtsanwältin Tanja O. (37) verschafft sich Gehör bei Kaufdas. Ob es Karsten F. passt oder nicht, die Juristin macht dem Filialleiter unmissverständlich klar, dass ein einziger Apfel mit Wurm ausreicht, um das Produktmerkmal der Fleischlosigkeit hinfällig werden zu lassen. Die Kollegen räumen das Obst ab. Sie ahnen, wer ihnen das eingebrockt hat. Sie sinnen auf Rache. Dieser Krieg wird schmutzig.

11:23 – Verstörte Supi-Kunden irren durch die Gänge. Der Hinweis „Ohne künstliche Aromastoffe!“ oberhalb eines Spaghetti-Kartons lässt sich nicht kommunizieren. Die Verbraucher weichen auf Kochbeutelreis aus.

11:37 – Keiner bemerkt Tim A. (28), der mit Cordhut, falschem Bart und dicker Sonnenbrille den Kaufdas durch den Hintereingang verlässt, um unauffällig in den Laden der Konkurrenz zu schlendern. Mit einem einzigen Handgriff hat er seine hinterlistige Tat begangen. Zur Tarnung erwirbt A. bei Supi noch eine Packung Gebissreiniger, die er bar bezahlt und nach dem Verlassen des Geschäftes sofort in einen Papierkorb wirft. Siegessicher ballt er die Faust. Filialleiter F. tupft sich den Schweiß von der Stirn.

11:54 – Ein längeres Kolloquium war der letzten Ausschilderung vorangegangen; während Karlheinz D. die Formschönheit des Produktes betont wissen wollte, legte Aushilfe Jenny E. (22) auf die Größe besonderen Wert. Die Supi-Kräfte einigen sich schließlich auf „Naturidentische Form!“ und geben der Tiefkühlpizza eine neue Chance, sich in der Verbraucher-Awareness zu etablieren.

12:00 – High Noon bei Kaufdas! Schon wieder muss O. die wettbewerbsrechtliche Front begradigen, da der Mitbewerber gegenüber ihnen die illuminierte Reklame „Aus 100% Wasser!“ streitig macht. Eine improvisierte Befragung der Kunden ergibt, dass dies als eine ganz normale Eigenschaft angesehen wird, die das Vertrauen in eine ordnungsgemäße Erzeugung stärkt. Die Käufer sagen einheitlich aus, sie würden andere Tomaten gar nicht mehr kaufen.

12:25 – Sabrina P. setzt auf Trading-up. Die Eier-Pyramide scheint ihr für Supi nicht mehr recht geeignet, sie erweitert die Schalendinger zur politisch korrekten Ware und beschreibt die Hinweistafel mit: „Ohne Kinderarbeit hergestellt!“ Es scheint, als sei biologische Kriegführung eine nicht auszuschließende Option.

12:34 – Kaufdas eröffnet den nun folgenden Schlagabtausch mit Walnüssen und „Biologisch abbaubar!“, von Supi mit Bananen und „In biologisch abbaubarer Packung!“ nur müde gekontert. Doch die Kontrahenten gönnen sich keine Atempause, auf „Im Einklang mit der Natur verpackt!“ (Zwiebeln im Kunststoffnetz, Kaufdas), folgt „Im Beisein einer Bezugsperson verpackt!“ (Magerquark, Supi), bevor sich die Fronten erneut verhärten.

12:48 – Triumphgeheul trifft auf Wutgeschrei. Tanja O. reibt Karlheinz D. eine strafbewehrte Unterlassungserklärung unter die Nase. Das Supi-Sortiment weist Tafelsalz als „Chemisch rein!“ aus, was es nachweislich nicht ist – die ruchlose Tat von Tim A., ein unauffälliges Schild am Regal des Mitbewerbers zu montieren, hat gefruchtet. D. tobt und kündigt den totalen Krieg an.

13:10 – Im Kaufdas knallen die Korken. Billiger Sekt, gespendet von Chris W. aus einem speziellen Depot in den hinteren Ecken des Lagers, lockert die Denkleitungen des Personals – waghalsige Werbeideen entstehen, während die Hemmschwelle rapide sinkt. Eine sehr gefährliche Kombination, die mit Wellness-Wäscheklammern und der Haarbürste für den Single-Haushalt die ersten Erfolge zu feiern versucht. Seit einer Stunde ist in keinem der Geschäfte ein Kunde zu sehen.

13:33 – Säckeweise kippt das Supi-Personal Kartoffeln in die mit Plastikfolie ausgekleideten Drahtkörbe. Der heilige Zorn über die erlittene Schmach schweißt die Belegschaft in der Anstrengung zusammen. Mit vereinten Kräften hieven sie ein von Lichterketten umschlungenes Riesenschild „Individuell geformt!“ an die Ladendecke. Es blinkt. Ab und zu bleiben Fußgänger stehen. Ein Lokalreporter verwechselt den Discounter mit einer Kunstgalerie und befragt die sichtlich verlegene Einzelhandelskauffrau Gina Ö. (31) nach ihrem persönlichen Verhältnis zu Beuys. Ö. gibt an, mehrere nette Jungs zu kennen, macht aber keine weitergehenden Angaben über ihre Pläne, durch individuelle Spiritualität und Mitverantwortung das Verhältnis von Mensch und Kartoffel neu zu definieren.

13:49 – Natürlich ahmt Kaufdas den Kartoffel-Clou sofort nach, wenngleich die Auszeichnung „Limitierte Sonderauflage! Einzelstücke!“ trotz der Untermalung mit Drehorgelklängen nur eine billige Kopie bleibt.

13:57 – Trommelfeuer! Claudia Sch. schmeißt wahllos Damen- und Herrensocken in einen mit Papierstreifen dekorierten Waschkorb und klebt den Zettel „Im Anwesenheit eines Bischofs sortiert!“ daran. Längst ist jede Vorstellung von Moral aus der Supi-Armee verschwunden.

13:59 – Ein Werk von Sekunden ist es, dass Ole J. das kippelnde Regal mit Feinstrumpfhosen quer in den Gang mit Gebäck und Süßwaren zerrt. Ein Hinweis „Vom Papst gesegnet!“ krönt seine kühne Tat. Kaufdas kann es schaffen.

14:04 – Erschöpft, aber im steten Bewusstsein, dass in der Erfüllung der Pflicht das Heil liegt, schaufelt Heike M. Margarinepäckchen auf eine mit Alufolie verkleidete Europalette. Wird Supi noch zu retten sein? Keiner weiß es, und inbrünstig streift ihr Blick das verknitterte, in aller Eile mit Klebebuchstaben improvisierte Schildchen: „Ganz im Sinne des Dalai Lama produziert!“

14:45 – Zwischen beiden Geschäften entladen sich längst die entnervenden Salven einer schier endlosen Materialschlacht. Mit letzter Kraft schleudert Kaufdas H-Milch im Karton auf den Gegner („Kühe wurden keinen Erdstrahlen ausgesetzt!“), doch Supi antwortet mit einem Ausfall auf abgepackten Eisbergsalat („Unter strengsten Datenschutzvorkehrungen gewaschen!“). Das Verdun des Detailhandels scheint vollends in die Sackgasse geraten zu sein.

15:02 – Karlheinz D. fällt als erster; der ranghöchste Supi-Kämpfer nestelt an einer blütenweißen Papierserviette, um die Waffenstillstandsverhandlungen einzuleiten. Ein Blick der Truppe zu Melinda H. genügt, und die stämmige Frau greift zu ihren Wurstwaren. Mit einer ganzen Lyoner (Handelsklasse I) streckt sie den Oberbefehlshaber nieder und verstaut ihn im Kühlraum. Wie zum Hohn baumelt die Wurst in der Vitrine: „Hergestellt in Brandenburg gemäß der Speziellen Relativitätstheorie!“

15:17 – Azubi Ole J. und Lagerist Chris W. haben es begriffen: der Krieg ist die höchste Steigerung menschlicher Leistung. Im Angesicht völliger Verderbnis, lallend und geschunden, schmeißen sie ohne Rücksicht auf Verluste Honig und Konfitüren in einen Bottich, überstrahlt von der Aufschrift: „Nicht im Widerspruch zum Grundgesetz!“ Längst befinden sich auch die Kaufdas-Söldner in Trance. Es gibt kein Entkommen mehr. Der Krieg ist zu Ende. Es gibt keinen Sieger.

15:28 – Unterdessen hat sich Karlheinz D. mit Hilfe seines Taschenmessers aus dem Supi-Kühlraum befreit. Sein ganzes Wesen schreit nach Vergeltung, auch wenn es möglicherweise seine letzte Handlung sein sollte.

16:03 – Während im Hauptquartier der Kaufdas-Generalität noch vereinzelte Stimmen zu hören sind, die über die kognitiven Dissonanzen zwischen Produkt (Kunststoff-Wäscheleine, 25 Meter, farbig sortiert) und Reklame („Für die schlanke Linie!“) diskutieren, schleicht sich Supi-Filialist D. hinter den Frischbacktresen, manipuliert mit einigen gezielten Griffen den Ofen und geht in Deckung.

16:04 – Nach wenigen Sekunden schwillt das sonore Summen knapp oberhalb der Hörschwelle bedrohlich an, doch da ist es auch schon zu spät: der überhitzte Backofen birst und speit spitze Stichflammen. Das mit Pappplakaten komplett verstopfte Ladenlokal brennt binnen weniger Augenblicke lichterloh. Schwarze Wolken quellen gen Himmel. Beim Eintreffen der Feuerwehr bemerken Schaulustige, wie Karlheinz D. mit rußverschmiertem Gesicht nach einer Schachtel Gebissreiniger in einem öffentlichen Papierkorb fischt. „Porentief ungezuckert“, stammelt er und lässt sich widerstandslos wegführen. So endet ein Tag in einer Kleinstadt, in der die Menschen einfach nur in Ruhe ein paar Einkäufe erledigen wollten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (XXIX): Verpackungen

16 10 2009
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Vernunft ist ein kostbar Ding; bisweilen so kostbar, dass der Dauerdemente sie gleich nach dem Betreten der Außenwelt an der Garderobe abgibt. Ohne Widerspruch lässt er sich aus Handteller und Kaffeesatz den größten Stuss vorlesen und nickt mit hohlem Kopf dazu. Dass der Mond aus grünem Käse sei, glaubt er eher als dem Schild Frisch gestrichen an der Holzbank. Schwappt dies Gewitter aus Form, Farbe und Lautstärke über den Eichstrich, so setzt beim Beknackten schlagartig Unzurechnungsfähigkeit ein.

Dass Intelligenz ein evolutionärer Irrweg ist, zeigt der Synapsennachzügler an Verpackungen. Im Normalzustand erscheint die Regalkulisse eines Supermarktes nur als Anhäufung beliebiger Waren, doch unter Drogen oder ohne geistige Gegenwehr wird die Umgebung zu einem bunten Paradies der falschen Vorspiegelungen. Im Großraumsarg lauert der tiefgekühlte Pigmentsurrealismus. Besäße der Debile Zeit, Hirn und Geschmacksnerven, um sich das auf Plastefolie vierfarbig aufgemöllerte Gemüse zuzubereiten, das ihm der Serviervorschlaghammer in die Netzhaut dengelt, müsste er nicht die Floradarsteller mampfen. Boden- und Zahnpflege unterscheiden sich lediglich durch Konsistenz und Geruch. Wer unter lebensbedrohlicher Paprika-Allergie leidet, greift zu Brotaufstrichen, die das Nachtschattengewächs auf dem Deckel abgebildet haben; es dient unzweideutig als Beweis, dass die Schmiere unter Abwesenheit von Paprika in den Behälter gesuppt war. In analoger Manier werden auch Erdbeerjoghurt, Schokoladenkekse sowie lachshaltiges Tierfutter gefertigt. Im Güterverkehr existiert der Begriff der Betrugsabsicht nicht. Erst wenn das überteuerte Erdnusstütchen im Billigflieger vor Erdnüssen an der Innenseite warnt, weiß der Passagier, dass es Lebensformen gibt, bei denen noch ein paar mehr Schrauben locker sitzen.

Wer im Vollbesitz seiner semantischen Kräfte die Hygienebatterie betritt und auf einer Papierware den Ausdruck samtstark entdeckt, sei sich Mitleids gewiss. Dergestalt angemeiert zu werden ist sich der kaufende Knalldepp schon nicht mehr bewusst, wenn er ein als kakaohaltig tituliertes Getränkepulver – hieße in etwa: Inhalt besteht nicht ausschließlich aus Rübenzucker und künstlichen Farbstoffen – mit dem Aufdruck „extra schokoladig“ verziert sieht. Ist die Plörre mit nennenswertem Anteil an Kakao gepanscht und also derart kakaoig, als wäre an ihrer Statt Kakao drinnen (dann könnte man wenigstens einen der beiden Inhaltsirrläufer einsparen), oder hat Doktor Mabuse bloß beim Zusammenrühren eine Tafel Vollmilch durchs Labor geschmissen? Tragödien lauern im brauen Sud, bevor man ihn in den Drahtkorb gehebelt hat.

Ein weites Feld stecken Light-Lebensmittel ab; im Gegensatz zu ihrer Bezeichnung führen sie zu schweren Ausfallerscheinungen, wenn im Stauraum zwischen den Ohren die letzte Birne ausgeknipst wird. In Ermangelung organischer Konservierungsstoffe und Geschmacksträger wie Fett und Zucker, die der Behämmerte für die Erfindung außerirdischer Invasoren hält, werden Light-Käse, Light-Quark und sonstige Light-Wesen auf niedermolekularer Ebene mit Substanzen verdrillt, die in anderen Haushalten die Scheiben abdichten oder das Kleinkraftrad hurtig über den Schotter knüppeln lassen; folgerichtig protzt die Geschmacksangabe Natur auf dem Schmierkäse, der unter unsäglichen Mühen auf den Geschmack von Westwind im Ostharz getrimmt wurde – Wunder der modernen Chemie. Ein Kohlenstoffring mehr, und es wäre ein Kautschukeimer geworden.

Die Entfremdung schreitet wacker fort. Längst gebiert der Schlaf der Wirklichkeit Dinge, die an Unmögliches grenzen: Landjoghurt aus industrieller Massenproduktion, sahnelosen Sahnepudding, sensitive Seife (die vermutlich den Kontext lernt, während man sie auf die Flossen schwiemelt) und Fruchtsaft mit Zusatznutzen (das Fallobst wird im Nadeldrucker unter Kohlepapier zermatscht). Das Leben ist eine große Mogelpackung. Wer sich im Handbuch der Knochenfische bereits nach dem Laichgebiet der Seelachse totgesucht hat, gewinnt eine Instant-Beerdigung in der endzeitlichen Vorderschinken-Dose: maschinell zerfetzt wie die Formsau aus der Designerschnitzelanlage. Büchse und Aufschrift neigen zu dialektischem Verhältnis, und gerade der Bescheuerte aus dem Land von Goethe, Kleist und Westerwelle fühlt sich an selige Zeiten erinnert, als noch der Schutzwall das einig Vaterland spaltete. Das historisch bedeutendste Schwindelgebinde war doch die DDR, denn sie war weder deutsch – vielmehr internationalistisch, schließlich hatte der Russe auch keine Apfelsinen – noch demokratisch, von der Republik mal ganz zu schweigen. Aber schön war’s doch. Denn das Kaufhallensortiment war so hässlich, dahinter konnte sich nur Ehrlichkeit verbergen.





Nicht nur zur Weihnachtszeit

30 09 2009

07:31 – Eine Rentnerin macht Friedbert K. (41), den Leiter der örtlichen Supi-Filiale, auf die nicht ordnungsgemäß angefüllte Regalreihe mit Schoko-Weihnachtsmännern aufmerksam. Sie kündigt unter Protest an, den Discounter fortan nicht mehr zu betreten, wenn das Personal nicht schleunigst daran ginge, die erforderlichen Jahresendfiguren in Vollmilch nachzuräumen. So beginnt der 30. September, ein Tag, der im Gedächtnis dieser Kleinstadt bleibende Spuren hinterlassen soll.

08:02 – Kurz nach der Öffnung der Kaufdas-Niederlassung auf der gegenüberliegenden Straßenseite beschließt Helmut M., sein Geschäft solle im Existenzkampf nicht unterliegen. Er kontert mit einem ursprünglich für die Adventszeit vorgesehenen Sonderaufsteller, der sich unter zentnerweise Spekulatius biegt.

08:06 – M.s schändliches Treiben war weder den Angestellten des Supi-Marktes noch den unentschlossenen Passanten verborgen geblieben. Hastig schiebt K. vier Paletten mit Pfefferkuchen und Mandelgebäck in den Laden. Um Platz zu schaffen, kündigt er an, den Kunden bis auf weiteres kein Frischfleisch mehr anbieten zu können. Die Stimmung ist angespannt.

08:34 – Mit quietschenden Reifen stoppen die Lieferwagen des Feinkost-Großhändlers vor den Türen von Kaufdas. Binnen Sekunden stemmen Möbelpacker Honigkuchen, Königsberger Marzipan und Dresdner Christstollen im Großgebinde. Das Obst- und Gemüsesortiment wird auf dem Parkplatz entsorgt.

08:50 – K. kontert mit einer Blitzoffensive; bereits im Eingangsbereich ist kein Durchkommen mehr, da die deckenhohen Regale die Lagerbestände an Dominosteinen und Nussmakronen tragen. Baustatische Bedenken wischt K. mit einem markig geäußerten „Basta!“ beiseite.

09:04 – Der Gebieter über die Kaufdas-Filiale kann nur schwer beruhigt werden. Als die Konzernzentrale ihm mitteilt, dass die Konkurrenz bereits jegliche Adventskalender im Landkreis aufgekauft hat, schleudert er den Telefonhörer an die Wand. In äußerster Entschlossenheit greift er zum Tresorschlüssel und stattet die Lagerkraft Sigurd P. (39) mit größeren Bargeldbeständen aus, um das vorfestliche Naschwerk zu besorgen.

09:11 – Es kommt nicht dazu. Mit einem Teppichmesser bedroht P. den Aushilfsfahrer, der die Adventskalender bei Supi abliefern sollte. In einem wilden Handgemenge gelingt es Kassiererin Waltraut U. (55), die Wagentür von innen zu verschließen. Ungefähr die Hälfte der süßen Fracht erreicht ihren Bestimmungsort. P. wird gekidnappt und bei den Resten des Frischfleisches verstaut.

09:32 – Während Kaufdas-Mitarbeiter Roland Z. (29) die Ausgestaltung der Filiale mit Lametta dirigiert, spricht K. der Supi-Einzelhandelskauffrau Sonja N. (22) gegenüber die fristlose Kündigung aus; N. hatte sich strikt geweigert, eine rote Mütze mit Puschel aufzusetzen und die Kundschaft mit „Ho, ho, ho!“ zu begrüßen.

10:04 – Fast simultan treffen die beiden Tieflader ein, die jeweils mehrere Tonnen Nordmanntanne und Blaufichte vor den Schaufenstern abladen. Die Hauptstraße gleicht einer vorbildlich bewachsenen Schonung in den deutschen Mittelgebirgen.

10:22 – Polizeiobermeister Hans-Joachim F. (44) setzt den Filialleitern eine 15-minütige Frist, die Fahrbahn zu räumen; der Durchgangsverkehr war zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen und hatte einen Stau von sechs Kilometern Länge verursacht.

10:50 – Unter dem Murren der Anwohner walzt ein Tanklastzug die verbliebenen Christbäume nieder. Gurgelnd ergießt sich industriell gefertigter Glühwein in die eilig rekrutierten Geräte vom Typ Taktische Feldküche 250 des ortsansässigen Panzergrenadierbataillons. Der verwesungsartige Geruch macht das Betreten von Kaufdas zu einem Survival-Erlebnis.

11:00 – K. überwacht mit militärischer Strenge die Bestückung der Vitrinen mit Stimmungsleuchtern. Im Glanz von 273 sechsfarbigen Blinkapparaturen à 850 Watt bietet Supi ein verstörendes visuelles Pendant zu einem surrealen Fiebertraum.

11:09 – Glück im Unglück: der Rettungswagen war gerade in der Nähe. Bei einer Routinekontrolle gleitet Fritz D. (61) auf einem unter knöchelhoch liegendem Lametta unsichtbaren Adventskalender aus; der Oberamtsrat von der Gewerbeaufsicht vollführt nach einem exzellent eingesprungenen Schraubensalto einen dreifachen Rittberger und legt eine Punktlandung auf dem Verkaufstisch mit mundgeblasenen Christbaumkugeln hin.

11:23 – Inzwischen hat sich auch Sigurd P. wieder aus dem Kühlraum befreien können. Er kommt gerade noch rechtzeitig, um sein Teppichmesser zum zweiten Einsatz zu bringen, indem er die Anlieferung einer übermannshohen erzgebirgischen Weihnachtspyramide bei Kaufdas erzwingt.

11:27 – Friedbert K. holt zur letzten, verzweifelten Generalmobilmachung aus. Das bereits komplett in rote Mäntel gehüllte Supi-Personal wird abkommandiert, kilometerweise Lichterketten in der Halle zu spannen. Einen normalen Geschäftsbetrieb kann das Unternehmen längst schon nicht mehr aufrecht erhalten.

12:54 – Die Verkabelung ist abgeschlossen; hämisch grinsend schiebt K. den Stecker in den Wandkontakt, um die an 47 Verteilerdosen gebündelte Illumination ihrer Bestimmung zu übergeben. Ein mildes Knistern beendet den Plan. Dass in diesem Moment zwischen Delmenhorst und Espelkamp die Versorgung mit elektrischem Strom zusammenbricht, ist reiner Zufall.

12:55 – Längst ist die erste Ladung Glühwein verzehrt oder in den Feldküchenkesseln verdampft, als eine größere Gruppe aus dem Obdachlosenheim Kaufdas betritt, um das Frühstück einzunehmen. Substitutin Tanja W. (29) ist nicht in der Lage, das Absperrventil des Tanklastzuges vollständig aufzudrehen und fürchtet, dass die Gulaschkanonen durchglühen. Beherzt füllt sie die Kessel mit weißem Rum auf. Das zusehends blasser erscheinende Heißgetränk stößt bei der Verkostung auf hohe Produktakzeptanz seitens der Laufkundschaft.

13:03 – Nach dem Stromausfall kann die Beschallungsanlage im Supi nicht mehr mit festlichen Klängen locken. K. nötigt das Personal, Jingle Bells einzustudieren und unter seiner Leitung im Schaufenster zu singen. Die erste Beschwerde wegen Ruhestörung wird gemeldet. Ein Passant, der die Szene mit seinem Mobiltelefon filmt und das Ergebnis unter dem Titel The Nightmare before Christmas im Internet verbreitet, verhilft Praktikantin Mandy Ö. (17) ungewollt zu einer großen Karriere als Erotikdarstellerin und Volksmusik-Star.

13:20 – Mit mehrstündiger Verspätung treffen die beim AStA georderten Weihnachtsmänner ein. In Unkenntnis der Sachlage verpasst die Studentin der Soziologie und Anglistik Sarah A. (21) zunächst Helmut M. eine Standpauke, weil sich der Kaufdas-Chef selbst für säkulare Jahreszeiten außergewöhnlich kindisch aufführt. M. weigert sich daraufhin, das vereinbarte Honorar zu zahlen, so dass die Hochschüler als Rache einen Flashmob inszenieren; „Yeah!“-Rufe gellen durch den Ortskern.

13:22 – Zwar sind die Motorschlitten, die auf Geheiß von K. vor den Supi-Toren abgeladen werden, in makellosem Zustand, doch es stellt sich keine rechte Freude bei den Passanten ein. Das Angebot, ab einem Einkaufswert von zehn Euro gratis nach Hause gefahren zu werden, scheitert an der sommerlichen Temperatur, die kaum baldigen Schneefall erhoffen lässt.

13:32 – Waltraut U. dringt in den Sozialraum von Kaufdas ein und findet unter dem Tisch Sigurd P. vor. Der Lagerist flieht. Mit dem Teppichmesser durchtrennt er den Tankschlauch; ein klebriger Schwall schwappt heraus, so dass die Kassenfee am Boden festklebt. Unglücklicherweise läuft P. ungebremst in die Weihnachtspyramide, die im knisternden Schein mehrerer Reihen von handgezogenen Wachskerzen behagliche Stimmung schafft. Das Meisterwerk ostdeutscher Schnitzkunst neigt sich in Zeitlupe Richtung Feldküche.

13:33 – Von der Stichflamme in Panik versetzt verschanzen sich Einzelhändler, Anwohner, Kunden, Lieferanten sowie ein Student der Kunstgeschichte in vollem Nikolaus-Ornat mit Umhängebart und Bischofsstab hinter den Sattelschleppern der Event-Agentur X-Mas 4 U. Es dauert Sekunden, bis eine ungeheure Detonation die Stille zerreißt. Wo jahrelang sich Kaufdas befunden hatte, gähnt ein Krater. Noch Stunden später gehen Mandelsplitter über Belgien nieder und in der Ukraine regnet es Lametta. So endet ein Tag in einer Kleinstadt, in der die Menschen einfach nur in Ruhe ein paar Einkäufe erledigen wollten.





Homöopathische Dosen

13 04 2009

Samstags versorge ich mich mit dem Nötigsten – Katzenfutter, Katzenstreu, Kondensmilch – und bugsiere unter Kindergeplärr und Müttergefauch meinen Einkaufswagen durch den Supermarkt. Was es da alles zu entdecken gibt! Den elften Joghurt, die neunzehnte Knoblauchsauce. Plötzlich dickt sich das Blut in meinen Arterien ein. Vor mir steht etwas, das ich nicht sehen will, und doch starre ich es an. Wie kopulierendes Ungeziefer auf der Torte. So abstoßend, dass es schon wieder ethnologisch interessant wird. Tütenbratkartoffeln.

Was macht man damit? In der Pfanne verkokeln lassen und statt Schrot verschießen? In Kunstharz gießen und an die Wand nageln, um Kinder zu erschrecken? Angehenden Medizinern als Ekeltest vorsetzen, damit sie später im Sektionssaal nicht in offene Leichen brechen?

Zwei Forderungen stellt der Verbraucher und wäre zum Morden bereit, um sie durchzusetzen. Zum einen will er oben Abfall reinstecken und unten Qualitätsware rausziehen. Von der Kunst, Kartoffel gemächlich bei richtiger Temperatur im richtigen Speckfett zu braten, hält er nichts, denn es muss ja zweitens auch schnell gehen. Inzwischen verfügt die deutsche Durchschnittsküche nur noch über dschungelerprobtes Survival-Kit: Dosenöffner plus Kochgeschirr. Nach der Kindheit an der Gulaschkanone lassen Deutsche nichts verkommen und schlucken noch die letzten Reste. So sie nur abgepackt sind. Geschwindigkeitsrausch beim Garen, so sieht das aus. So schmeckt es auch. Denn satt reimt sich nicht zufällig auf platt.

Nun hat, was viele Esser inzwischen erfolgreich verdrängen, selbst Paul Bocuse Konserven auf den Markt gebracht. Er hätte es lassen sollen. Denn war der Normalhedonist der Siebziger auch mutiger geworden, akzeptierte er außer Braten mit Kartoffel auch Ente in Rosa unter Japan-Lampen und Fisch, der an der Gräte glasig war, es blieb nicht bei vernünftigen Neuerungen. Ab sofort wurde jedwede Schandtat für die Ewigkeit aufbewahrt, teils in Blech, teils in Glas, und sie waren fruchtbar und vermehrten sich. Sie bevölkerten als mutierte Mischgemüse- und Krokettensimulationen das Territorium von TK-Tuka-Land.

In den schlimmsten Nächten, nach Erbsensuppe mit Speck im Vereinshaus und einer ganzen Flasche Korn im Schädel, sehe ich die Bilder aufsteigen. Da sind sie, 1968 ist gerade verarbeitet, sie füllen den Tisch mit Rahmspinat, Scampispießen und Pizza, eben noch knackhart im Schockfrost, jetzt schon labberig auf orangefarbenem Geschirr. Sie brechen sich reihenweise die Knöchel, weil sie auf ihren Plateaustiefeln im Flokati hängen bleiben. Ich erwache schreiend. Mit dem Flokati auf der Zunge.

Denn die Verzehrteufel haben nicht nur hirnverbrannte Pfannengerichte dem unschuldigen Konsumenten aufgeschwatzt, sie haben mit der Penetranz von Zwiebelhackern – nur Vollignoranten nutzen den Hau-drauf-und-Schluss, um noch die letzte Zelle zu zerfetzen, und sind verwundert, dass die ätherischen Öle sich flugs aus der Knolle verabschieden – puren Dreck in die Supermärkte getragen. An der Spitze dieser Qualzüchtungen in Weißblech steht unangefochten jene Fischhappen-Brühe, die sich rotzfrech Bouillabaisse nennt. Eine Bouillabaisse ist kein Eintopf. Sie ist eine Platte von Fisch, Gemüse und Meeresfrüchten, zu denen der Sud gelöffelt wird, sekundiert von geröstetem Brot und Rouille oder, je nach Konfession, Aioli. Wer eine Lauge jener Art als Bouillabaisse zu bezeichnen wagt, hat auch keine Skrupel, Tierfutter in Mehltunke einzudosen und dem Kunden via Etikettenschwindel als Tafelspitz anzudrehen.

Manche Sünden hat der Satan überhaupt nur in Verbindung mit der Blechbüchse unters Volk jubeln können. Allen voran die Ravioli, den Fehltritt von Pseudopasta und überwürzter Restbratwurst ins Tomatenplasma. Aus folkloristischen Gründen kann man die Dinger noch im Supermarkt aufbewahren. Etwa in der Spielecke für unsere Kleinen, die sich eine Ration Teigbrei aus der Dosenpyramide ziehen dürfen. Von ganz unten, versteht sich. Auch zum Dosenwerfen sind sie geeignet, da ihre kompakte, quasi texturfreie Masse beim Schleudern keinerlei Unwucht erzeugt. Mit einer Portion Ravioli bekäme man die Glasfront eines Schnellrestaurants in Scherben. Das nenne ich mal angewandte Kulturförderung.

Nun gibt es kleine Helfer, die auch ich gerne auf Vorrat stehen habe, um ungeladene Gäste schnell und unbürokratisch mit einer warmen Mahlzeit im Bauch wieder in die raue Wirklichkeit zu entlassen, ohne mir ein schlechtes Gewissen und zu viel Abwasch aufzuhalsen. Da wären zum Beispiel die Linsen mit Suppengrün, die einer improvisierten Kartoffelsuppe körniges Gepräge verleihen. Dose auf, den Inhalt in den Durchschlag schütten – erstens ist die Kochsalzlösung geschmacksfrei und zweitens bedarf ein solide bereiteter Eintopf keiner lebensverlängernden Maßnahmen, im Gegenteil – und in die zuvor mit dem Pürierstab in samtige Geschlossenheit überführte Suppe einrühren. Gerne darf ein Döschen Sauerkraut an der Häckselpartie teilnehmen, woraufhin Mettwurstscheibchen in der Sache versteckt werden. Das ist von Haute Cuisine so weit entfernt wie Karl Moik von Musik. Aber im Gegensatz zum Mutantenstadl hat dies Tradition und bleibt nach der Einnahme drin.

Und manche konservativen Ansätze haben feine Lebensmittel neu verfügbar gemacht. Da wären Pfirsiche, die im Dosendunkel ihre Unterzuckerung loswerden. Oder Ananas. Oder die Schwarzwurzel, als Spargel des kleinen Mannes geschmäht und der Garant, wie man die ganze Küche im Nu in einen Schweinestall verwandeln und dabei das Gemüse noch unappetitlich braun anlaufen lassen kann. In konservierter Form machen die Stangenabschnitte problemlos Salate, Suppen und einen Auflauf, von dem niemand etwas übrig lässt. Das ist nicht nur Bequemlichkeit, das ist eine Erweiterung der kulinarischen Durchschlagskraft jenseits aller konventioneller Mittel. Vorausgesetzt, man bedient sich der Dinge nur in homöopathischen Dosen.