Argumentationsmuster

10 06 2021

„… auf scharfen Widerstand stoße. Mit der Ankündigung, den Benzinpreis um 16 Eurocent zu erhöhen, habe sich Baerbock nach Aussage des CDU-Kanzlerkandidaten als wirtschaftspolitische Vollidiotin geoutet, die Deutschland absichtlich in den endgültigen…“

„… aus der deutschen Automobilindustrie noch keine Pläne für das Zwei-Liter-Auto gebe. Das im Jahr 1989 geforderte Niedrigenergiefahrzeug sei auf dem deutschen Markt nicht absetzbar, da Kunden noch einen hohen Verbrauch bevorzugen würden, was sich in der Produktpalette der führenden…“

„… den Tatsachen entspreche. Auch mit den Stimmen der Union sei eine Verteuerung des Kraftstoffs um 16 Cent längst beschlossen worden, die aber laut Laschet nicht so gut wie die von den Grünen geplanten Preiserhöhungen wirke und daher die deutsche Wirtschaft nachhaltig…“

„… auch durch das Urteil aus Karlsruhe von jeder künftigen Bundesregierung umgesetzt werden müsse. Scheuer bestreite dies, das Grundgesetz habe ihn in seiner bisherigen politischen Laufbahn noch nie besonders…“

„… werde Millionen von Berufspendlern stark belasten. Laschet habe zwar zur Kenntnis genommen, dass die Grünen die Einnahmen aus der Schadstoffauflage an die Verbraucher ausschütten wollten, er werde dies aber im CDU-Wahlkampf nicht berücksichtigen, da er noch nicht wisse, was im Programm der Union über die…“

„… sich nicht zu Presseanfragen geäußert habe. Plasberg sei an die Grünen herangetreten, um in Erfahrung zu bringen, wie lange das erste Auto mit Windantrieb noch auf sich warten lasse. Es sei für die Öffentlichkeit inzwischen ersichtlich, dass sich Baerbock mit Themen wie Technik und Verkehr gar nicht auskenne, weshalb sie in ARD-Talkshows auch künftig nicht mehr als…“

„… keine Beanstandung gefunden habe. Der Deutsche Presserat halte die Schlagzeile WER KNALLT DIESE KOMMUNISTENHURE AB? für kontrovers formuliert, könne aber nur aufgrund der Nähe zu einem ganzseitigen Foto von Baerbock nicht erkennen, dass es sich um eine Aufforderung des Springer-Konzerns zur…“

„… sehe auch Scholz die Problematik. Er lehne eine Verteuerung des Kraftstoffs ab, da er die Nöte der Bürgerinnen und Bürger im Gegensatz zu den Grünen sehe. Die Wiedereinführung der Sanktionen gegen Empfänger von Arbeitslosengeld II sowie eine maßvolle Kürzung aller Transferleistungen sei nur ein erster Schritt, um die existenzielle Krise von vielen Leistungsträgern …“

„… dass der Markt grundsätzlich alles regeln würde. Lindner lege jedoch großen Wert darauf, dass es in einer sozialen Marktwirtschaft auch Menschenrechte gebe, ohne die man nicht als echter Deutscher leben könne. Seit Jahrhunderten bestehe die Leitkultur aus Freiheiten wie Spargel, Schnitzel und einem Sportwagen, mit dem man bei 230 km/h auf der rechten Spur über die…“

„… wolle sich Laschet aber nicht festlegen. Solange er das Wahlprogramm der Union nicht gelesen habe, könne er noch nicht sagen, welche Meinung er zu den klimapolitischen Zielen der…“

„… sei auch Scholz der Ansicht, dass die EEG-Umlage mit den Einnahmen aus der CO2-Steuer gesenkt werden könne. Wie dies gegengerechnet werden solle, könne er jedoch noch nicht genau sagen. Scholz gehe zwar von seiner Kanzlerschaft aus, wisse aber noch nicht, wer unter ihm als Bundesminister der Finanzen eine fiskalische…“

„… habe Altmaier bereits vor einem Monat vorgeschlagen, die Pläne der Grünen noch vor der Wahl umzusetzen. Unterstützung habe er dabei von Dobrindt gefunden. Für die Union stehe nun fest, dass Baerbock lediglich die Ideen der Regierung kopiere und als ihre eigenen ausgebe, was einen zutiefst undemokratischen Eindruck auf die…“

„… dass die FDP auch über ein soziales Gewissen verfüge. Lindner sei sich sicher, dass irgendwann durch die von den Grünen umgesetzten Wucherpreise für Benzin eine wegen der wirtschaftsfeindlichen Lockdown-Maßnahmen arbeitslose Akademikerin nicht mehr genug Geld habe, um ihren SUV zu betanken, so dass sie ihr von einem bekifften Ökostalinisten auf dem Radweg überfahrenes hochbegabtes Kind nicht mehr rechtzeitig genug ins Krankenhaus bringen könne. Der Bundesvorsitzende der Liberalen sehe jetzt schon, dass Blut an den Händen dieser sich als Juristin ausgebenden…“

„… nicht davon ausgehen könnten, dass sie nach der Bundestagswahl politisch noch eine Rolle spielen würden. Die Linke sei inzwischen durchaus geneigt, Ansichten und Argumentationsmuster der Union zu übernehmen, da sie sich für Probleme wie Klimaschutz oder Energiewirtschaft inhaltlich nicht mehr…“

„… könne ein finanziell gut aufgestellter Staat durchaus Steuereinnahmen wieder an seine Bürger zurückgeben, um soziale Akzente zu setzen und die transparente Verwendung öffentlicher Mittel als vertrauensbildende Maßnahme zu nutzen. Scheuer werde dies auch in der nächsten Legislatur gerne wieder als…“

„… lehne Laschet die Symbolpolitik der Grünen ab. Er werde nun nachdenken, ob er im Falle eines Wahlsieges überhaupt eine Koalition mit der Ökopartei eingehen wolle. Bis dahin werde er eine Brückenzwischenfinanzierungssteuerumlage von 16 Cent pro Liter auf die…“





Unter Strom

26 05 2015

„… werde Seehofer der geplanten Stromtrasse in den Süden nicht zustimmen. Die Leitungen seien zwar notwendig, müssten jedoch über Hessen und Baden-Württemberg verlegt werden, um nicht quer durch die Vorgärten unbescholtener bayerischer Bürger zu…“

„… erhebliche Mehrkosten auf die anderen Bundesländer zukämen. Aigner habe dies als unerlässlich bezeichnet, da es unsolidarisch wäre, sich finanziell nicht an der Entwicklung einer modernen Stromversorgung zu…“

„… könne man schließlich nicht die gesamte bayerische Industrie in den Norden verrücken. Söder fordere daher eine sofortige Verlegung der Nordsee in den alpinen…“

„… von Aigner verteidigt worden sei. Da Seehofer die Trassenführung selbst mitentschieden habe, sei es doch klar ersichtlich, dass er sie hinterher auf gar keinen Fall…“

„… könne man die Trassen nicht durch die wunderschöne bayerische Landschaft führen. In Hessen, das traditionell von Zuhälterfressen mit Pferdegebiss regiert werde, falle ein alle hundert Meter das Auge beleidigender Schandfleck in der Gegend gar nicht mehr so stark ins…“

„… die Pläne in Bayern einer Volksbefragung zu unterwerfen. Dobrindt sehe dies jedoch sehr skeptisch; er fürchte, die Bevölkerung könne sich vorab durch unabhängige Medienberichte zu sehr mit dem Thema beschäftigen und am Ende eine viel zu objektive Sicht der bestehenden…“

„… habe Seehofer nach dem Reaktorunglück von Fukushima sehr wohl Anweisung gegeben, die alternativen Energieformen auszubauen. Er sei jedoch falsch zitiert worden, so Aigner; der Landesvater habe nur vorgehabt, die Energiegewinnung außerhalb Bayerns…“

„… den hessischen Ministerpräsidenten des bandenmäßigen Betrugs bezichtigt habe. Da bei einer veränderten Trassenführung bayerischen Tiefbauunternehmen große Aufträge verloren gehen würden, fordere Seehofer, dass die Gewinne sofort an den Freistaat…“

„… wolle Bayern bei einer unbefriedigenden Lösung lieber in den Bau neuer Kernkraftwerke investieren, da diese bis auf die Rückbau- und Entsorgungskosten viel preiswerter für die Betreiberformen…“

„… habe die CSU widersprochen. Man habe sich nicht entschieden, die Strommasten abzubauen, um dem drohenden Elektrosmog der Landbevölkerung vorzubeugen. Durch die Politik der Christsozialen seien diese Gemarkungen längst derart verstrahlt, dass es keine weiteren…“

„… habe Dobrindt eine Expertenkommission einberufen, um die Kosten einer Stromübertragung via WLAN-Kabel in die…“

„… dass die Strompreise für Verbraucher wegen der Weigerung Seehofers erheblich ansteigen würden. Der Ministerpräsident habe angekündigt, die linksgrün-versiffte Elektrizität, die die völkische Identität des Bajuwarengaus zu durchmischen drohe, bis zur letzten Patrone zu…“

„… könne Söder es nicht gutheißen, wenn in den Netzen des Bayernlandes derselbe Strom wie aus den Steckdosen ostischer Fremdrassen…“

„… die wunderschöne Landschaft nicht mit Strommasten zu verschandeln. Aigner habe daraufhin versprochen, die Verschandelung der wunderschönen Landschaften nur durch ein halbes Dutzend neuer Kohlekraftwerke…“

„… in Bayern eigene Windräder zu bauen. Die seit mehreren Jahren indoktrinierte Bevölkerung, die in regenerativen Energien ein Werk des Satans sehe, sei noch nicht überzeugt, dass dies ohne den Zorn Gottes und die Erdstrahlen der Jungfrau Maria zu bewältigen wäre, man wolle aber in einer groß angelegten PR-Kampagne und mit Hilfe mehrerer Millionen Euro aus der Parteienfinanzierung für die Modernisierung des…“

„… und der Standort im Kreis Rendsburg-Eckernförde einer Auswanderung nach Rumänien vorzuziehen sei. Dass ausgerechnet die Bayerischen Motorenwerke ihre energieintensive Produktion schnell genug in EU-Randzonen mit besserer Wirtschaftsförderung als im…“

„… betrachte sich die CSU zwar auch als regeneratives Projekt, da selten ein Kabinettsmitglied nach der Verstrickung in strafrechtlich relevante Tatbestände (mit oder ohne Verurteilung zu langjährigen Haftstrafen) endgültig von der politischen Bühne…“

„… das neue BMW-Modell unter dem Arbeitstitel Red Horst Killer in den…“

„… dass bayerische Windräder längst in der Lage seien, die norddeutsche Fischfangflotten mit Elektrizität zu versorgen, wenn Schleswig-Holstein sich nicht weigerte, Strom aus Franken und dem Alpenvorland in die eigenen…“

„… täglich 20.000 Lkw mit wiederaufladbaren Batterien nach Bayern zu schicken. Dobrindt habe vorgerechnet, dass alleine durch die zu erwartenden Mehreinnahmen durch die Autobahnmaut eine erhebliche Entlastung der…“





Trassismus

5 03 2015

„Sie schreiben jetzt gefälligst, dass es in München gar keinen Stromausfall gegeben hat, klar!? Das war bloß ein Spannungsabfall, ein vollständiger. Das schreiben Sie jetzt, verstanden? Wir haben immer noch die Pressefreiheit – wir Bayern können frei entscheiden, was die Presse so schreiben darf.

Das war doch auch alles ein Zufall. An der Nordsee hat der Wind ein bisserl zu stark geweht, da muss es die Umspannwerke getroffen haben, und der Strom, der hier gar nicht erst in unsere Leitungen eingespeist wurde, der ist natürlich nicht nach Bayern geflossen. Weshalb er auch keinen Stromausfall verursacht haben kann, gell?

Überhaupt, was wollen wir Bayern denn mit Windkraft aus SPD-regierten Ländern? Das ist artfremde Energie! Sie, damit zersetzen Sie noch die traditionelle Wirtschaft im Entwicklungsraum Bayern! Damit können Sie aber keine fränkische Brauerei betreiben, der Betrieb liefert Ihnen doch sofort Berliner Weiße!

Außerdem war es ja nur ganz kurz. Das fing am Montag in der Früh an, und bedingt durch den Stromausfall hat es unser Ministerpräsident schon am darauffolgenden Mittwoch erfahren. Wenn Sie schon mal neben der Bundeskanzlerin gestanden haben sollten, in Mecklenburg wäre das auch nicht viel schneller gegangen. Wir wollten ja schon darüber berichten, dass die Landesregierung für die Situation ganz und gar Entwarnung gibt und dass wir überhaupt keine Befürchtungen zu befürchten haben, aber so ganz ohne Strom? Das Technische Hilfswerk kann auch nicht zaubern. Schon gar nicht, wenn sie auf Thüringen kommen und wegen des Stromausfalls keine Grenzkontrollen mehr möglich sind.

Jetzt hören Sie aber mal auf mit Ihrem Gehetze! Wir sind selbst schuld? Das ist doch Trassismus! Wir werden uns das von Ihrer Redaktion nicht länger gefallen lassen, und wir werden dafür sorgen, dass Ihr Blatt – erscheint in Frankfurt? Das ist vernünftig. Da soll’s ja gute Autobahnen geben.

Unsere Vision ist ja klar: Gas geben. Wir werden den ganzen Freistaat, und das ist mal klar, das schreiben Sie jetzt gefälligst, und zwar im Fettdruck, weil das ist eine richtige Schlagzeile! Bayern hat die Energiezukunft gesichert!

Nein, nicht von Bayern. Von Seehofer.

Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass wir mit fremdtrassigen – Sie brauchen gar nicht so zu lachen! – Gasleitungen unseren Freistaat zubauen, um Strom für irgendwelche Computernerds zu erzeugen? Die sollen sich ihren Akku ruhig irgendwo in Berlin aufladen, aber nicht bei uns! In Bayern geht es noch sauber zu!

Denn schauen Sie mal, so eine Kuh, in die geht ja nicht nur etwas rein, aus der kommt manchmal auch etwas heraus. Und da muss man dann auch mal wirtschaftlich denken – wir haben das auch gleich an eine ausländische Firma outgesourct, weil das schneller geht – und dann fragt man sich früher oder später: wenn wir dieses Bundesland seit Jahrzehnten mit naturbelassener Scheiße regieren, warum kann man dann nicht auch unsere Zukunft damit in den Griff kriegen? Gut, auf den ersten Blick klingt das jetzt etwas peinlich, und wir haben das auch sehr schnell begriffen: den Söder kann man mit so einer Message nur schwer in den Wahlkampf schicken. Das beziehen die Wähler auf den Söder, und der Söder dürfte der einzige sein, der das wieder nicht mitkriegt. Aber sonst?

Schreiben Sie, dass wir unsere wirtschaftliche Expansion zur Gasgewinnung starten. Wir sind nicht mehr scharf auf die großen Energiereserven der Pufferstaaten, uns liegt die Auseinandersetzung um fossile Rohstoffe fern – wir brauchen nur Platz für gut siebenhundert Milliarden Kühe. Wenn wir schon die Ukraine annektieren, dann wenigstens nicht aus schnöden territorialen Besitzansprüchen.

Außerdem schreiben Sie mal, dass die CSU damit die Finanzen des Freistaats gerettet hat. Weil durch die Leitungen, die gar nicht erst gebaut werden, der Strom viel knapper wird, und dann wird er teurer, und wenn wir keinen teuren Strom mehr verbrauchen, und dann keine Leitungen mehr bauen, durch die der teure Strom nach Bayern transportiert werden muss, dann sparen wir doppelt. Ich habe das mal für Sie ausgerechnet, hier: dreitausend Jahre Stromausfall, dann können wir uns endlich die Infrastruktur leisten. Für die Infrastrukturabgabe von Dobrindt.

Aber die soll ja sowieso von selbst laufen. Also nicht finanziell, und juristisch – egal,aber wenn wir schon Autos fotografieren, dann müsste man die Energie, die sie auf den Autobahnen erzeugen, auch wieder reinholen können. Wir wissen zwar noch nicht, wie das funktioniert, aber die CSU hat schon mal angekündigt, dass wir die Beschlussvorlage im September fertig haben. Und dann machen bei uns die ausländischen Autos den Strom für die Verkehrsampeln in der –

Stromtrassen? gut, da müsste man jetzt neben jede Autobahn einen Strommast stellen. In jeder Richtung und so ungefähr alle hundert Meter. Aber das bedeutet ja auch Arbeitsplätze für Bayern und Subventionen des Bundes für sicherheitspolitisch notwendige Maßnahmen. Natürlich ist das eine sicherheitspolitisch durchaus notwendige Maßnahme – wenn wir das nicht machen, dann dreht uns am Ende noch der Seehofer durch.

So schreiben Sie das. So und nicht anders. Und könnten Sie gleich unten im Foyer vielleicht noch eine Stunde auf das Trimmrad steigen, ja? Wir können uns sonst die Herdprämie nicht leisten.“





Nachhinterhältig

11 10 2012

„Bergmannsche Regel. Kennen Sie? Kennen Sie? Je näher Sie an die Pole kommen, desto größer wird der Körper, weil er dann ein besseres Verhältnis von Volumen und Oberfläche bietet. Braunbär und Eisbär, kennen Sie? Oder eben Altmaier.

Fragen Sie mich nicht, ob er irgendwann mal Röttgen gefrühstückt hat. Jedenfalls ist die Kugel die perfekte Form. Rein ökologisch, umweltmäßig und so. Weniger Angriffsfläche. Für die Wirtschaft ist das doch sehr zu begrüßen, oder? Sämtliche Einflüsse von außen – Wind, Sonne, soziale Gerechtigkeit, Wahlversprechen, Glaubwürdigkeit – das kann man alles minimieren. Es geht viel weniger verloren. Besitzstandswahrung, wenn Sie so wollen.

Man muss ja das Übel auch an der Wurzel bekämpfen. Vor vielen Jahren, damals unter der rot-grünen Regierung, da stieg der Strompreis, weil die Konzerne von Schröders verantwortungslosen Umverteilern in eine nachgerade ungesund zu nennende Geld gier getrieben worden waren. Heute steigt er, weil wir durch den gefährlichen Ökostrom zu erheblichen Mehrausgaben gezwungen werden, die wir unter anderem den Energiekonzernen als Entschädigung für die schlimmen Jahre unter Rot-Grün zahlen. Das ist ein schweres Schicksal für dieses Land!

Diese geistig-moralische Energiewende wollen wir ganz im Sinne der Koalition. Da ist es wirklich sehr bedauerlich, dass wir hier mit unsozialen Fehlanreizen Ökostrom einführen und zusehen, wie die Leistungsträger der Kernkraftbranche einfach ausgebootet werden. Natürlich muss man die Sägewerke im Odenwald von den Stromkosten befreien. Einerseits muss Ihnen ja klar sein, dass es den Odenwald nur in Deutschland gibt, also ist das eine Branche, die nur in Deutschland angesiedelt werden kann – die muss man natürlich erhalten. Klar. Andererseits können wir nicht auch riskieren, dass die Sägewerksbesitzer ihre Baumstämme nach Bangladesch ausfliegen und dort entrinden und das Holz in Kanada zersägen lassen. Da würden uns nämlich viele Arbeitsplätze verloren gehen. Wie bei den Gebäudereinigern. Stellen Sie sich mal vor, die lassen die komplette Frankfurter Innenstadt jeden Freitag Abend zum Staubsaugen nach Indien transportieren. Das ist doch Sozialismus.

Umweltschutz ist für uns doch ein wirklich ganz tief im konservativen Profil der Union verwurzeltes Ziel. Ohne unsere lang gehegten Biotope wäre doch ein vernünftiges Arbeiten gar nicht mehr möglich. Und ohne Artenschutz – wir würden doch nicht unsere Partei aufs Spiel setzen, oder?

Außerdem lassen wir uns auch nicht nachsagen, dass wir unsolidarisch wären. Schauen Sie, jetzt haben wir schon so viel für die Banken getan, für die Versicherungswirtschaft, die Hoteliers haben etwas abgekriegt, die Ärzte haben wir auch in allerletzter Sekunde vor dem Verhungern gerettet, und da soll die Aluminiumindustrie einfach so zuschauen? Denken Sie doch mal an die Leute! Die wären doch sonst arbeitslos, die wüssten gar nicht, wovon sie ihre Stromrechnung bezahlen sollten.

Wir nennen es solidarischen Lastenausgleich. Wir alle wollen doch eine gerechte Verteilung der Lasten. Je niedriger der Strompreis, desto höher fällt die Umlage aus. Im Zuge einer solidarischen Verteilung übernimmt daher die Wirtschaft die Strompreise. Sie als Bürger brauchen sich nur noch um die Umlage zu kümmern. Das ist ein gutes Zukunftsmodell. Geradezu nachhinterhältig.

Ja, auch die Regierung ist solidarisch. Nach EU-Recht können wir jederzeit von den europäischen Nachbarn aufgefordert werden, aus dem Ausstieg auszusteigen. Damit das demokratisch zugeht, haben wir ebenfalls das Recht, unseren Nachbarn eine Laufzeitverlängerung zu empfehlen. Und damit die europäische Einigung voranschreitet, wird auch beides passieren. Auch die Regierung ist solidarisch. Zumindest mit den Regierungen.

Das ist ein genuin umweltpolitisches Ziel. Wir arbeiten nachhaltig. Es geht uns in erster Linie um Ressourcenschonung. Die Industrie hat auch nicht unbegrenzt Kohle, die sie uns rüberschieben kann. Geschäftsklimaneutral, wenn Sie so wollen.

Wir betrachten diese Energiewende genau so wie die Sozialpolitik: es muss dem ganzen Land gut gehen. Denn nur, wenn wir alle ein bisschen für unser Land tun können, geht es uns auch gut. Nein, das sagt nicht Altmaier. Er verschwindet zwar hin und wieder komplett in der Kanzlerin – das muss eine optische Täuschung sein, das schafft der doch gar nicht – aber er spricht nicht so wie sie. Noch nicht.

Deshalb teilen wir die Kosten der Energiewende eben solidarisch auf. 100 Euro für die Industrie entsprechen genau 100 Euro für die Verbraucher. 100 Euro Entlastung für die Industrie entsprechen genau 100 Euro Mehrbelastung für die privaten Haushalte. Und das ganz solidarisch. Die 100 Euro Belastung für die Geringverdiener zahlen natürlich auch die Vorstandsvorsitzenden. Es sei denn, sie bekommen Personalrabatt.

Doch, wir werden das schaffen. Notfalls mit dem Trickle-Down-Effekt: wenn wir der Wirtschaft genügend große Gewinne verschaffen, ist es zumindest theoretisch nicht auszuschließen, dass irgendetwas passiert, wofür wir dann sowieso nicht zuständig sind. Oder nicht mehr. Oder nicht mehr Altmaier. Man spart ja gerne seine Energie.“





Energiewendehals

29 05 2012

„Nein, wir sind uns da ganz sicher. Wir ziehen das durch. Diesmal ziehen wir das aber auch ganz bestimmt durch! Weil die Merkel das nämlich so will. Oder weil sie es nicht will. Dann ziehen wir das nämlich erst recht durch. Wir sind jetzt gerade – also wir sind so gut wie zu allem, oder wenigstens zu den meisten Sachen sind wir doch ein Stück weit ganz entschlossen sind wir. So in etwa. Deshalb wollen wir auch die Energiewende.

Weil wir zur Kontinuität der CDU stehen. Die war schon immer so. So kontinuierlich. Zwar nicht immer durchgängig, auch nicht immer abwärts so wie jetzt, aber es ging immer irgendwie in die eine oder andere Richtung. Und wir haben unseren Partnern in der Wirtschaft immer eins versprochen: Kontinuität. Darum wäre es zu diesem Zeitpunkt in dieser Lage auch völlig verkehrt zu sagen: ja, wir wollen die Energiewende auf jeden Fall.

Das kostet nämlich auch alles. Haben Sie sich schon einmal ausgerechnet, was das alles kostet? Wir auch nicht. Das heißt, wir haben die Wirtschaft gefragt. Also wir haben nicht die Wirtschaft gefragt, aber die hat es uns gesagt. Dass das alles kostet. Und was das alles kostet. Das muss dann nämlich alles die Wirtschaft bezahlen, diese Energiewende. Im Gegensatz zu vorher – da war alles umgekehrt. Da gab’s keine Energiewende, und deshalb hätte das der Bürger bezahlt. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Und deshalb wollen wir die Energiewende.

Wir haben nicht rechtzeitig daran gedacht, die Stromnetze auszubauen. Die ganze Regierung hat geschlafen, das ist das Problem. Wir hatten halt gedacht, die Merkel hätte eine genügend lange Leitung. Sie hat jetzt ja beschlossen, dass die CDU das nicht beschließt, was sie mal zu beschließen beschlossen hatte. Und zum Ausgleich haben wir auch nicht beschlossen, dass wir noch irgendwas beschließen müssen wollen werden. Hätten wir das nämlich nicht jetzt beschlossen, dann hätten wir das mit den Stromnetzen nicht beschließen müssen, beziehungsweise man hätte jetzt beschlossen, es irgendwann mal zu beschließen. Das ist ganz und gar nicht beschlussfähig, und wir wollen darum eigentlich die Energiewende auch gar nicht.

Und schwebt da ein zweistufiges Modell vor – nein, das hat nichts mit Brückentechnologie zu tun. Auch nicht mit mehr Kohlekraftwerken. Stufe 1 wäre, dass wir herausfinden, worum es eigentlich geht. Das ist schon kompliziert genug. Der Röttgen hat es bis zum Schluss nicht herausgefunden, sein Nachfolger sucht noch nach einer Entschuldigung. Stufe 2 wäre dann der Grund, warum es, worum es geht, jetzt noch nicht oder doch nicht geht. Das ist die neue Flexibilität. Also diese neue Flexiquote, da entscheidet die Kanzlerin entweder, dass wir’s nicht machen, weil sie es kapiert hat, oder sie hat’s nicht verstanden, aber dann macht es die CDU. Dann ist sie nicht schuld. Oder die Merkel hat überhaupt keinen Plan, dann machen wir es natürlich alle zusammen. Wie zum Beispiel die Energiewende.

Ist natürlich auch nicht so ganz einfach. Die Merkel an sich, und dann auch noch die Probleme. Die, die wir ohne die Merkel nicht hätten. Und wegen der Energiewende. Und ohne sie. Weil jetzt nämlich immer mehr Solarstrom kommt, auch wenn wir den gar nicht wollten. Der Rösler hatte versprochen, ganz viele Arbeitsplätze aufzubauen – hat er ja dann auch gehalten, allerdings in China. Und die Merkel kriegt jetzt so einen – wegen der Energiewende nämlich. Energiewendehals. Nein, ist sie nicht! kriegt sie! Da kündigt man einmal etwas an und sagt, dass wir das auch ganz bestimmt, und möglicherweise nicht in dieser Legislaturperiode, und wahrscheinlich hält sie sogar ihr Versprechen – das ist doch unlauterer Wettbewerb! Das geht doch nicht! Ich meine, was soll da denn auf Dauer noch alles passieren? Wir müssen da sofort einschreiten, am wenigsten brauchen wir jetzt die Energiewende!

Weil wir nämlich eine konservative Partei sind. Wussten Sie wahrscheinlich. Deshalb haben wir uns auch entschlossen, Werte zu erhalten. Zum Beispiel die Zahlungen an die Energiekonzerne zum Erhalt der Stromnetze. Das geht schon seit 70 Jahren so, das kann nicht verkehrt sein, und es kostet ja auch nichts. Gut, es kostet den Verbraucher etwas, aber nicht uns. Und was nichts kostet, das ist ja auch nichts wert, und deshalb will die Merkel das auch erhalten. Verstehen Sie, das ist wie mit der GEMA. Sie zahlen Gebühren auf Festplatten, weil man da Sachen speichern könnte, und dann werden Sie verklagt, wenn Sie tatsächlich Sachen speichern, und das Geld, um Sie zu verklagen, das bezahlen Sie, indem Sie auf die Festplatten eine Gebühr – Sie haben das Prinzip verstanden? Ja, ist ja auch total logisch. Das gibt Rechtssicherheit, auch für die Zukunft. Darum brauchen wir ja auch unbedingt die Energiewende.

Wir haben nämlich die Zeichen der Zeit verstanden. Doch, haben wir. Ob die Merkel – nein, weiß ich gerade nicht. Aber wir haben das. Wegen der Arbeitsplätze und so. Wir setzen dabei ganz auf Bürgerbeteiligung. Und Transparenz. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich an einer gemeinsamen Lösung auch beteiligen können wollen. Wie bei den Autofabriken. Da haben wir auch keine Arbeitsplätze gerettet, weil die Bürger in den Vorstandsetagen das ja auch selbst hätten machen können. Wir beteiligen die Bürger. Die können jetzt auch mal schön selbst zur Tankstelle fahren, da halten wir uns raus. Also aus den Kosten. Das ist nicht unser Problem. Weil, wir sind ja nicht verantwortlich für die Bürger. Deshalb ist ja diese Energiewende auch vollkommen überflüssig.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: nächste Woche kommen die Eurobonds dran.“