Tischvorlage

26 04 2017

Was habe ich mir dabei nur gedacht. Grüne, skurrile Eckmöbel, nicht einmal mit der Schrankwandklasse kompatibel, vermutlich hat Stalin an solch einem Ding georgelt, möglicherweise wurde hier das erste Experiment mit Hyperspace ohne Bügeleisen über die Bühne gebracht. Wir haben gemeinsam gesucht und so gut wie jeden Winkel der Zivilisation nach Antworten ausgeleuchtet. Der Freitagstexter war einmal mehr die investigative Speerspitze des zweifelhaften Geschmacks. Das verpflichtet.

Und so habe ich mir mit Büro-WLAN und einer Menge Heftzwecken einen halbwegs passablen Workaround zurechtgezimmert, noch hält es, und ich nehme an, dass mein Netzprovider den Tag verflucht, an dem er sein intellektuell ungesegnetes Personal auf mich losließ. Den Pokal kriege ich ohne technische Hilfe hin, jedenfalls mit Hilfe der üblichen Bordmittel – Klapppodest, Klemmlampe, Samtdeckchen vom Stützflügel, und dann wollen wir Hildegards Teebrett nicht vergessen, sie wird sonst möglicherweise etwas ungehalten – und es wird bei den wenigen Wettbewerbsbeiträgen auch ein leichtes Unterfangen sein, den Sieger zu küren. Es sind die innenarchitektonischen Träume, denen man sich hingibt. Die kleinen Fluchten aus dem Alltag des Möbelschweden mit den Möbelschäden. Die Tischvorlage eben. Die Trophäe gebührt für diesmal lamiacucina:

Jugendtraum: Einmal im Leben im Cocktailsessel sitzen und den Startknopf der Mondrakete drücken

Herzlichen Glückwunsch! Der nächste Freitagstexter am 28. April geht wieder einmal ins Triangel der verschwisterten Kulturen, ins schöne Basel zu lamiacucina. Sie haben dort allerhand unartige Könige, aber die Möbel, sagt man, sollen verhältnismäßig artig aussehen. Moonraker, übernehmen Sie!





… sind Siebenunddreißig

21 04 2017

Freitagstexter

Sechs. Mal sechs. Weiß ich. Fleißig. Kindertage. Es erinnert mich noch heute an die erste Klasse, die Holzbänke mit den Büchern im Fach, die stets nach einem bestimmten Muster gelegt werden mussten, weil sonst Fräulein Holm kam, die biestige Alte, die vermutlich das Biestige vom Fräuleinsein hatte, oder vielleicht doch von der Mathematik – egal, wir gucken hier immer gerne in die Vergangenheit, und das wollen wir für den Freitagstexter ja auch so beibehalten. Herzlich willkommen. Gerade sitzen!

Von den Leisen Tönen für ein paar kulinarische Tipps aus der älteren Steinzeit mit dem goldenen Pokal ausgezeichnet gehe ich dies Wagnis ein. Wagnis deshalb, weil die hierzulande dominierende Telekommunikationsaktiengesellschaft sich zum wiederholten Male erlaubt, mir den Saft abzudrehen. Anne schärft die Axt. Ich versuche, den Betrieb mit Bordmitteln und Büro-WLAN aufrecht zu erhalten.

Worum es bei diesem Blogstöckchen geht, erläutert für alle Neuen der Wortmischer, die andern wissen’s schon: man muss es nicht wissen. Es gibt nichts, was man nicht tut.

Aber die Tische. Ich wollte ja etwas über Tische erzählen. Einer trägt gerade, ausgeklappt, das goldene Kleinod. Der andere hat noch enorme Reste eines weggetupperten Osterzopfes mit Rosinen zu verkraften, nebst Teetassen. Die obligaten Stühle sind griffbereit, Hildegard schmollt und hat sich noch nicht ganz von der Paketkarte erholt. Irgendwas ist ja immer.

Am Dienstag, den 25. April 2017 um 23:59 Uhr wird sie den Schlüssel im Schloss knirschen lassen, dann werde ich alles daran setzen, weißen Rauch zu produzieren. Hoffentlich mit entsprechendem Echo aus dem Innenhof. Die himmlischen Heerscharen sind seit Weihnachten auf dem Dachboden einquartiert.

Auch hier war wieder einmal der geschätzte James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) der Sammler meines Vertrauens, der das Tischchen fand und also abbildete, auf dass es hier stehe übereck. Wo es passt? Hat noch jemand Verwendung für dieses Objekt? Vor einer endgültigen Entscheidung: Klick macht groß.





Hütejungen

8 03 2017

Ein kleiner, feiner Wettbewerb, der leider immer kleiner wird. Sogar die Cowboys treten inzwischen nicht mehr in Dienstkleidung auf, sondern bleiben gleich in Zivil. So geschehen im letzten Freitagstexter. Woran es wohl liegt?

Alles Philosophieren wird wohl am Ende nichts nützen, dann machen wir eben im kleinen Kreis weiter. Das Klapppodest ist bereits in der Abseite hinter dem Bücherturm neben dem Schreibtisch vor dem Fenster verstaut, alles muss ja seine Ordnung haben, auch wenn ich dann nichts mehr wiederfinde. Auch diesmal gibt’s aus Gründen der Vereinfachung wieder nur einen Pokal – wie sonst soll man die Preise vergeben, wenn keiner sie nimmt?

Lange Rede, und kurz war die Entscheidung. Gleich am Anfang bleibt die Trophäe, diesmal geht sie an la-mamma, die damit Schlimmeres verhindern wollte:

mir wär grad nach einer diskussion übers verhütungsverbot.

Herzlichen Glückwunsch! Der nächste Freitagstexter startet am 10. März frisch und frühlingshaft bei la-mamma. Eintritt frei. Kinder zahlen die Hälfte.





Sechs mal sechs macht…

3 03 2017

Freitagstexter

… Überraschung! Also in erster Linie für mich, da ich die Rückkehr des Texterpokals so schnell nicht erwartet hatte. Der Gummibaum steht noch hinter dem Stutzflügel – Hildegard wollte ihn unbedingt in der Ecke haben, sie hat bisher noch nichts gesagt, der Kübel steht warm und trocken, und mir ist das ganz recht – und der kleine literarische Salon aus einem Schreibtisch mit kippelnder Büchersäule, der Sitzgruppe und dem Teewägelchen ist bereit für den Freitagstexter.

Krabbeltiere mögen manche nicht einmal im Wohnzimmer, manche machen gleich eine ganze Küche daraus. (Böse Zungen behaupten, die Engländer hätten es erfunden, da die alles frittieren, was nicht schnell genug wegläuft.) Immerhin ging es beim fastnachtlichen Kulturflaneur nicht um Schabefleisch, Bienenstich oder Grillenwurst. Das Sortiment von Feinkost Käfer stand auch nicht zur Debatte. Noch mal Glück gehabt!

Dabei liegt es so nah. Früher noch röstete man Maikäfer für die Suppe an, in Nordfrankreich und Sachsen-Anhalt lässt man den Käse von Milben besiedeln, und die nächstverwandten Gliederfüßler wie Hummer und Garnele gelten als Delikatesse. Chacun à son goût! Deshalb sind auch die bis auf Weiteres gültigen Bestimmungen des Wortmischers für eine ordnungsgemäße Nichtbefolgung irgendwelcher Regeln so strikt einzuhalten, wie es halt gerade passt. Je mehr Kommentare, desto mehr haben alle ihre Freude. Bis Dienstag, den 7. März 2017 um 23:59 Uhr ist Gelegenheit zu einem laut und leise witzigen Ein- oder Mehrzeiler, Bonmot, Kalauer oder Ulk. Der Ändstraich ist noch ein wenig hin, aber Disziplin muss halt sein. Dem Sieger obliegt es, den Preis fortzutragen. Wer dann kein Blog sein Eigen, fragt nach, wer ihm für die Woche Unterschlupf gewährt.

Für dieses Mal steht ein legendärer Komiker Modell, und er ist nicht alleine gekommen. Auf Film gebannt und archiviert von der State Library of New South Wales. Klick macht groß.





Faster, Pussycat! Kill! Kill!

22 02 2017

Ja, es ist schlimm. Man mag es sich schon gar nicht mehr angucken. Immer mehr sinnlose Gewalt gegen Unschuldige. Aber ich gelobe Besserung. Das ist das letzte Bild, das mit der orangeroten Knalltüte zu tun hat. Nach diesem Freitagstexter wird alles anders. Wenigstens hier.

Da der Mann mit dem Schädelfrettchen bereits die Losung ausgegeben hat, jeder seinesgleichen sei befugt, amerikanischen Damen unter die Röcke zu gehen, hat die US-Wirtschaft – hier vertreten durch die Hudson Motor Company, dem geneigten Leser bekannt durch geschickte Produktplatzierung in John Steinbecks Früchte des Zorns – ganz im Sinne der Innenpolitik aufgerüstet. Si vis pacem, para bellum. Unwissenheit ist bekanntlich ja auch Stärke.

Und damit sind wir wieder mitten im Geschehen der Welt und mitten in der Auseinandersetzung. Der amerikanische Krieg findet nicht statt. Zumindest werden keine Gefangenen gemacht. Der kleine bronzene Pokal gebührt für diesmal la-mamma und den Partisaninnen aus der Einkaufsabteilung:

schuhweißchen und die schießend frauen

Wieder nicht aufgepasst, mit Anspielungen um sich geworfen und gehofft, dass sie sich irgendwie verlesen. Gut, neuer Versuch. Schnell ausweichen auf – Dachhasen? Schon wieder nicht die Kurve gekriegt, von wegen Blattschuss. Der silberne Pokal geht an lamiacucina:

Ob der Feldhase für den Sonntagsbraten getroffen wurde, bleibt offen.

Es hat keinen Zweck, sich zu verstecken. Wenn es quakt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und von Wirtschaft so viel Ahnung hat wie ein Sack Kies, dann handelt es sich wohl kaum um die Präsid-Ente. (Schon wieder in die Falle getappt!) Nein, kommen wir zum Thema zurück. Entenjagd, genauer: Zeitungsenten, wie man alternative Nachrichten vor Erfindung der Gehirnwaschmaschine noch nannte. Das goldene Original gewinnt folgerichtig der kulturflaneur:

Nein, das ist nicht die Gründungsversammlung von Amazon, nein, das ist nicht Gaddafis Amazonen-Garde, nein, das ist auch nicht die Frauensektion der National Rifle Association und schon gar nicht die Karnevalsgarde aus dem letzten Tatort – heutzutage gibt es mehr Fake-News zu dementieren als Real-News zu Kenntnis zu nehmen!

Herzlichen Glückwunsch! Eine neue Runde startet am 24. Februar beim kulturflaneur, das ist natürlich eine absolut glaubhafte Nachricht aus sicherer Quelle, und ich werde jetzt wieder in die Bilderschublade verschwinden. In die ältere Abteilung. Zur Vorsicht.





5×7

17 02 2017

Freitagstexter

Neue Runde. Da steht er und glänzt, der goldene Topf. Wieder einmal ist das Arbeitszimmer festlich herausgeputzt, der Gummibaum wurde neben dem Stutzflügel verstaut, das heißt: eher dahinter. Das Abstauben der Blätter entfällt für diese Woche. Aber es ist immerhin der Freitagstexter, da macht man ja gerne ein paar Zugeständnisse.

Eine unterirdische Kunstaktion brachte diesmal den Sieg. Die Waldtapete in der Unterführung bei den Kreativen Strukturen erinnerte an Joseph Beuys’ soziale Plastik 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, die das Gesicht der Stadt Kassel nachhaltig prägt. Für die Verwirklichung von 1982 bis 1987, die aus Spenden, Verkaufserlösen sowie Werbeeinnahmen finanziert wurde, stiftete übrigens Helmut Kohl einen größeren Betrag aus seiner Privatschatulle. Ob sich Kanzler und Künstler persönlich begegnet sind, ist nicht belegt.

Doch geht es diesmal um Kunst? mitnichten, wir befleißigen uns auch jeglicher anderer Form, um die Dinge zu beschreiben. Reim ist okay, muss aber nicht sein. Auch ganze und halbe Dialoge werden gerne genommen, ebenso trockene Schilderungen des Sachverhaltes. Oder Bestandteile größerer dramatischer Formen, mit und ohne Anspielungen auf Kleidungsstücke, Obst, ehemalige Weltmeisterinnen oder Städte südlich des Äquators. Was der Wortmischer einst in den Regeln festschrieb. Oder eben auch nicht.

Am Dienstag, den 21. Februar 2017 um 23:59 Uhr trifft rein theoretisch noch der letzte Text ein, der das Bild reflektiert, danach ziehe ich mich zum ultimativ subjektiven Urteil zurück und brüte, wo der Pokal in der folgenden Woche stehen wird. Wir werden sehen.

Und da ist auch schon das Bild. Einmal mehr wurde ich in der Sammlung von James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) fündig. Ähnlichkeiten mit der aktuellen Lage im US-amerikanischen Wirtschaftsleben sind wie immer rein zufällig und nicht beabsichtigt. Klickt macht groß.





A Room with a View

25 01 2017

Wir sehn betroffen alle Türen zu, und alle Fragen offen. Und heute ist ja erst Mittwoch. Höchste Zeit, den Pokal noch einmal kurz mit dem Flanellläppchen zu polieren und den Freitagstexter mit einem feierlichen Ausklang zu beenden.

Immerhin sind es wieder einmal genug Beiträge für ein ordentliches Siegertreppchen, das unlängst angeschaffte Klapppodest kann also zum Einsatz kommen – Vorsicht mit der Dachschräge, und da hat Hildegard das Teebrett an die Wand gelehnt, ich musste mir gestern auch schon Vorwürfe anhören, aber ich bin ja nicht der amerikanische Präsident und warte auf den Zimmerservice mit der Torte. Die Sache ist wie gewohnt schrecklich kompliziert, also machen wir sie einfach.

Bei einem Haus zählen ja nur drei Dinge: die Lage, die Lage und die Lage. Beim Weißen Haus kommen vielleicht noch eine gewisse Geräumigkeit sowie deutlich überdurchschnittliche Sicherheit dazu. Aus dem einen oder anderen Wandschrank lächelt bei der Besichtigung ein freundlicher CIA-Mitarbeiter, in der Küchenschublade sind drei rote Knöpfe, der Stab denkt eben an alles. Man muss also, wenn man denn tatsächlich einzieht, gar nicht mehr vor die Tür gehen. Bronze für den Wortmischer, der sich mit auch privat genutzten Dienstimmobilien auskennt.

„Und hier entlang, lieber Donald, geht es runter in den Keller. Da kannst Du heimlich rauchen und Deine Pornoheftchen verstecken.“

Hildegard ist gerade sehr interessiert, allerdings geht es ihr dabei in erster Linie um die steuerliche Absetzbarkeit. Ich möchte nicht über einen Umzug reden. Und was das Putzen angeht, wäre es am praktischsten, große Anwesen unter einer jeglichen Schmutz abweisenden Folie aufzubewahren – ob dann der neue Präsident überhaupt das Haus hätte betreten dürfen? amerikanische Wissenschaftler werden es herausfinden – oder wenigstens einige Räume damit zu schützen. Schlafzimmer zum Beispiel. Der silberne Pokal geht an Shhhhh:

Keine Angst, Donald, der Raum ist absolut keimfrei.

Aber nun müssen wir das Problem anpacken. Wie lässt man ungebetene Dauergäste möglichst schnell wieder verschwinden, ohne danach die ganze Bude von Grund auf renovieren zu müssen? Feng Shui? Nein. Alternative Energien. Wer das Zimmer aufmerksam betrachtet und den Blick ins Freie sieht, findet die Lösung. Die Segel bauschen sich unter einer herzhaften Brise, die ein kräftiges Stoßlüften ermöglichen. Den goldenen Topf für ein bewährtes Hausmittel von rollinger:

„Das gibt dann eine unglaublich tolle Strömung im Hauptwohnbereich“

Herzlichen Glückwunsch! Der Siegerpokal ist damit, wenn ich das richtig sehe, zum ersten Mal bei rollinger angekommen, dem ich für den nächsten Freitagstexter am 27. Januar viel Spaß und gutes Gelingen wünsche. Und einen Zugluftstopper für glatte Böden. Man weiß ja nie.