Hütejungen

8 03 2017

Ein kleiner, feiner Wettbewerb, der leider immer kleiner wird. Sogar die Cowboys treten inzwischen nicht mehr in Dienstkleidung auf, sondern bleiben gleich in Zivil. So geschehen im letzten Freitagstexter. Woran es wohl liegt?

Alles Philosophieren wird wohl am Ende nichts nützen, dann machen wir eben im kleinen Kreis weiter. Das Klapppodest ist bereits in der Abseite hinter dem Bücherturm neben dem Schreibtisch vor dem Fenster verstaut, alles muss ja seine Ordnung haben, auch wenn ich dann nichts mehr wiederfinde. Auch diesmal gibt’s aus Gründen der Vereinfachung wieder nur einen Pokal – wie sonst soll man die Preise vergeben, wenn keiner sie nimmt?

Lange Rede, und kurz war die Entscheidung. Gleich am Anfang bleibt die Trophäe, diesmal geht sie an la-mamma, die damit Schlimmeres verhindern wollte:

mir wär grad nach einer diskussion übers verhütungsverbot.

Herzlichen Glückwunsch! Der nächste Freitagstexter startet am 10. März frisch und frühlingshaft bei la-mamma. Eintritt frei. Kinder zahlen die Hälfte.





Sechs mal sechs macht…

3 03 2017

Freitagstexter

… Überraschung! Also in erster Linie für mich, da ich die Rückkehr des Texterpokals so schnell nicht erwartet hatte. Der Gummibaum steht noch hinter dem Stutzflügel – Hildegard wollte ihn unbedingt in der Ecke haben, sie hat bisher noch nichts gesagt, der Kübel steht warm und trocken, und mir ist das ganz recht – und der kleine literarische Salon aus einem Schreibtisch mit kippelnder Büchersäule, der Sitzgruppe und dem Teewägelchen ist bereit für den Freitagstexter.

Krabbeltiere mögen manche nicht einmal im Wohnzimmer, manche machen gleich eine ganze Küche daraus. (Böse Zungen behaupten, die Engländer hätten es erfunden, da die alles frittieren, was nicht schnell genug wegläuft.) Immerhin ging es beim fastnachtlichen Kulturflaneur nicht um Schabefleisch, Bienenstich oder Grillenwurst. Das Sortiment von Feinkost Käfer stand auch nicht zur Debatte. Noch mal Glück gehabt!

Dabei liegt es so nah. Früher noch röstete man Maikäfer für die Suppe an, in Nordfrankreich und Sachsen-Anhalt lässt man den Käse von Milben besiedeln, und die nächstverwandten Gliederfüßler wie Hummer und Garnele gelten als Delikatesse. Chacun à son goût! Deshalb sind auch die bis auf Weiteres gültigen Bestimmungen des Wortmischers für eine ordnungsgemäße Nichtbefolgung irgendwelcher Regeln so strikt einzuhalten, wie es halt gerade passt. Je mehr Kommentare, desto mehr haben alle ihre Freude. Bis Dienstag, den 7. März 2017 um 23:59 Uhr ist Gelegenheit zu einem laut und leise witzigen Ein- oder Mehrzeiler, Bonmot, Kalauer oder Ulk. Der Ändstraich ist noch ein wenig hin, aber Disziplin muss halt sein. Dem Sieger obliegt es, den Preis fortzutragen. Wer dann kein Blog sein Eigen, fragt nach, wer ihm für die Woche Unterschlupf gewährt.

Für dieses Mal steht ein legendärer Komiker Modell, und er ist nicht alleine gekommen. Auf Film gebannt und archiviert von der State Library of New South Wales. Klick macht groß.





Faster, Pussycat! Kill! Kill!

22 02 2017

Ja, es ist schlimm. Man mag es sich schon gar nicht mehr angucken. Immer mehr sinnlose Gewalt gegen Unschuldige. Aber ich gelobe Besserung. Das ist das letzte Bild, das mit der orangeroten Knalltüte zu tun hat. Nach diesem Freitagstexter wird alles anders. Wenigstens hier.

Da der Mann mit dem Schädelfrettchen bereits die Losung ausgegeben hat, jeder seinesgleichen sei befugt, amerikanischen Damen unter die Röcke zu gehen, hat die US-Wirtschaft – hier vertreten durch die Hudson Motor Company, dem geneigten Leser bekannt durch geschickte Produktplatzierung in John Steinbecks Früchte des Zorns – ganz im Sinne der Innenpolitik aufgerüstet. Si vis pacem, para bellum. Unwissenheit ist bekanntlich ja auch Stärke.

Und damit sind wir wieder mitten im Geschehen der Welt und mitten in der Auseinandersetzung. Der amerikanische Krieg findet nicht statt. Zumindest werden keine Gefangenen gemacht. Der kleine bronzene Pokal gebührt für diesmal la-mamma und den Partisaninnen aus der Einkaufsabteilung:

schuhweißchen und die schießend frauen

Wieder nicht aufgepasst, mit Anspielungen um sich geworfen und gehofft, dass sie sich irgendwie verlesen. Gut, neuer Versuch. Schnell ausweichen auf – Dachhasen? Schon wieder nicht die Kurve gekriegt, von wegen Blattschuss. Der silberne Pokal geht an lamiacucina:

Ob der Feldhase für den Sonntagsbraten getroffen wurde, bleibt offen.

Es hat keinen Zweck, sich zu verstecken. Wenn es quakt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und von Wirtschaft so viel Ahnung hat wie ein Sack Kies, dann handelt es sich wohl kaum um die Präsid-Ente. (Schon wieder in die Falle getappt!) Nein, kommen wir zum Thema zurück. Entenjagd, genauer: Zeitungsenten, wie man alternative Nachrichten vor Erfindung der Gehirnwaschmaschine noch nannte. Das goldene Original gewinnt folgerichtig der kulturflaneur:

Nein, das ist nicht die Gründungsversammlung von Amazon, nein, das ist nicht Gaddafis Amazonen-Garde, nein, das ist auch nicht die Frauensektion der National Rifle Association und schon gar nicht die Karnevalsgarde aus dem letzten Tatort – heutzutage gibt es mehr Fake-News zu dementieren als Real-News zu Kenntnis zu nehmen!

Herzlichen Glückwunsch! Eine neue Runde startet am 24. Februar beim kulturflaneur, das ist natürlich eine absolut glaubhafte Nachricht aus sicherer Quelle, und ich werde jetzt wieder in die Bilderschublade verschwinden. In die ältere Abteilung. Zur Vorsicht.





5×7

17 02 2017

Freitagstexter

Neue Runde. Da steht er und glänzt, der goldene Topf. Wieder einmal ist das Arbeitszimmer festlich herausgeputzt, der Gummibaum wurde neben dem Stutzflügel verstaut, das heißt: eher dahinter. Das Abstauben der Blätter entfällt für diese Woche. Aber es ist immerhin der Freitagstexter, da macht man ja gerne ein paar Zugeständnisse.

Eine unterirdische Kunstaktion brachte diesmal den Sieg. Die Waldtapete in der Unterführung bei den Kreativen Strukturen erinnerte an Joseph Beuys’ soziale Plastik 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, die das Gesicht der Stadt Kassel nachhaltig prägt. Für die Verwirklichung von 1982 bis 1987, die aus Spenden, Verkaufserlösen sowie Werbeeinnahmen finanziert wurde, stiftete übrigens Helmut Kohl einen größeren Betrag aus seiner Privatschatulle. Ob sich Kanzler und Künstler persönlich begegnet sind, ist nicht belegt.

Doch geht es diesmal um Kunst? mitnichten, wir befleißigen uns auch jeglicher anderer Form, um die Dinge zu beschreiben. Reim ist okay, muss aber nicht sein. Auch ganze und halbe Dialoge werden gerne genommen, ebenso trockene Schilderungen des Sachverhaltes. Oder Bestandteile größerer dramatischer Formen, mit und ohne Anspielungen auf Kleidungsstücke, Obst, ehemalige Weltmeisterinnen oder Städte südlich des Äquators. Was der Wortmischer einst in den Regeln festschrieb. Oder eben auch nicht.

Am Dienstag, den 21. Februar 2017 um 23:59 Uhr trifft rein theoretisch noch der letzte Text ein, der das Bild reflektiert, danach ziehe ich mich zum ultimativ subjektiven Urteil zurück und brüte, wo der Pokal in der folgenden Woche stehen wird. Wir werden sehen.

Und da ist auch schon das Bild. Einmal mehr wurde ich in der Sammlung von James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) fündig. Ähnlichkeiten mit der aktuellen Lage im US-amerikanischen Wirtschaftsleben sind wie immer rein zufällig und nicht beabsichtigt. Klickt macht groß.





A Room with a View

25 01 2017

Wir sehn betroffen alle Türen zu, und alle Fragen offen. Und heute ist ja erst Mittwoch. Höchste Zeit, den Pokal noch einmal kurz mit dem Flanellläppchen zu polieren und den Freitagstexter mit einem feierlichen Ausklang zu beenden.

Immerhin sind es wieder einmal genug Beiträge für ein ordentliches Siegertreppchen, das unlängst angeschaffte Klapppodest kann also zum Einsatz kommen – Vorsicht mit der Dachschräge, und da hat Hildegard das Teebrett an die Wand gelehnt, ich musste mir gestern auch schon Vorwürfe anhören, aber ich bin ja nicht der amerikanische Präsident und warte auf den Zimmerservice mit der Torte. Die Sache ist wie gewohnt schrecklich kompliziert, also machen wir sie einfach.

Bei einem Haus zählen ja nur drei Dinge: die Lage, die Lage und die Lage. Beim Weißen Haus kommen vielleicht noch eine gewisse Geräumigkeit sowie deutlich überdurchschnittliche Sicherheit dazu. Aus dem einen oder anderen Wandschrank lächelt bei der Besichtigung ein freundlicher CIA-Mitarbeiter, in der Küchenschublade sind drei rote Knöpfe, der Stab denkt eben an alles. Man muss also, wenn man denn tatsächlich einzieht, gar nicht mehr vor die Tür gehen. Bronze für den Wortmischer, der sich mit auch privat genutzten Dienstimmobilien auskennt.

„Und hier entlang, lieber Donald, geht es runter in den Keller. Da kannst Du heimlich rauchen und Deine Pornoheftchen verstecken.“

Hildegard ist gerade sehr interessiert, allerdings geht es ihr dabei in erster Linie um die steuerliche Absetzbarkeit. Ich möchte nicht über einen Umzug reden. Und was das Putzen angeht, wäre es am praktischsten, große Anwesen unter einer jeglichen Schmutz abweisenden Folie aufzubewahren – ob dann der neue Präsident überhaupt das Haus hätte betreten dürfen? amerikanische Wissenschaftler werden es herausfinden – oder wenigstens einige Räume damit zu schützen. Schlafzimmer zum Beispiel. Der silberne Pokal geht an Shhhhh:

Keine Angst, Donald, der Raum ist absolut keimfrei.

Aber nun müssen wir das Problem anpacken. Wie lässt man ungebetene Dauergäste möglichst schnell wieder verschwinden, ohne danach die ganze Bude von Grund auf renovieren zu müssen? Feng Shui? Nein. Alternative Energien. Wer das Zimmer aufmerksam betrachtet und den Blick ins Freie sieht, findet die Lösung. Die Segel bauschen sich unter einer herzhaften Brise, die ein kräftiges Stoßlüften ermöglichen. Den goldenen Topf für ein bewährtes Hausmittel von rollinger:

„Das gibt dann eine unglaublich tolle Strömung im Hauptwohnbereich“

Herzlichen Glückwunsch! Der Siegerpokal ist damit, wenn ich das richtig sehe, zum ersten Mal bei rollinger angekommen, dem ich für den nächsten Freitagstexter am 27. Januar viel Spaß und gutes Gelingen wünsche. Und einen Zugluftstopper für glatte Böden. Man weiß ja nie.





Siebzehn mal vier – halbwegs

20 01 2017

Freitagstexter

Östlich. Westlich. Uns umweht gerade heute ein Hauch von Geschichte und Weltgeist. Wo, wenn nicht im Reich der Bilder, und wie, wenn nicht beim längst legendären Freitagstexter, könnten wir alle noch einmal die Finger am Puls der Zeit haben, bevor sie epochal verrinnt, vergeht, verstreicht…

Hoppla, da habe ich fast zu melancholisch den Blick auf die goldene Trophäe gelenkt, die nach Evs aus dem südlichen Steppengebiet am Dnjepr – auch bekannt als Kosakenzipfel – geretteter Aufnahme einer Meisterin des Bartflechtens an mich ging. Es steht also ausnahmsweise ein Samowar auf dem Tischchen. Hildegard hat den restlichen Tee, eine furchtbare grusinische Mischung von Breschkes Tochter, zu einem Zeug verkocht, mit dem sie endlich ihre goldene Armbanduhr wieder sauber bekommen hat. Sie ist jetzt zwar silberfarben, aber dafür gibt es Rosenkonfitüre zum Tee.

Zeugen eines historischen Wechsels zu sein, der heute stattfindet, das soll sich auch in dieser Runde widerspiegeln, die mit einem besonderen Bild aufwartet. Auch hier gilt: alles geht. Die in der so treffend vom Wortmischer niedergeschriebenen Fassung ephemerer Regeln geltenden Grundzüge seien uns auch hier präsent. Es gibt nicht Gutes, außer man textet es. Kalauer und Knittelvers, Zweizeiler und Eindeutigkeiten, gerne auch mehrfache Versuche, alles erhellt. Und wenn dann am Dienstag, den 24. Januar um 23:59 Uhr alle Beiträge beisammen sind, drehe ich noch einmal am Hahn, dass es durchs Dachgeschoss dampft, und werfe ein Auge auf die nähere Zukunft des Wettbewerbs.

Und ja, er ist es. Aus der Offiziellen Fotosammlung des Weißen Hauses stammt dieses Bild von Pete Souza (Urheberrecht der US-Regierung). Klick macht, wie immer, groß.





Der große Knall

28 12 2016

Es mag an den Festtagen liegen, da jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Hier war es doch trotz der bereits in voller Stärke aufgefahrenen Himmlischen Heerscharen – die man bekanntlich auf der Südhalbkugel besser sieht, darum treten sie ja auch in Australien auf – erstaunlich ruhig, und nur wenige Gäste nahmen an der festlichen Aufführung teil. (Philosophische Frage am Rande: wenn es laut ist und niemand hört zu, existiert dann der Lärm? Und wie ist das dann mietrechtlich zu bewerten?) Jedenfalls ist auch der vorletzte Freitagstexter für dieses Jahr beendet.

Nun aber machen wir uns nichts vor, es lag sicher auch an der außergewöhnlich schwierigen Aufgabe, auf dem Bild verwertbare Spuren zu finden, die der möglichst exakten musikhistorischen Einordnung dienlich sein könnten. Viele hätten zum Beispiel bei einer falsch herum gehaltenen Geige an die übliche australische Handhabung gedacht. Oder an einen Bratscher.

Ich aber, der ich nicht zum ersten Mal in einem Dilemma stecke, ungefähr genauso viele Beiträge wie Plätze zu haben, wende auch genau denselben Trick an, um nicht einen Kommentar auf Kosten der anderen ganz unten aufs Treppchen zu verbannen. Die Preisverleihung beginnt, und wir haben genau einen Sieger, der jenen großen Knall hat – hören können. Es ist hubbie, der Kenner der frühen Klassik, und sein Kommentar ist fürwahr ein Paukenschlag.

Eunice war es lästig geworden, dass bei ihren Kammermusiknachmittagen die Gäste reihenweise wegdösten, diesmal sollte Haydns Nr.94 einen unvergesslichen Moment bereiten…

Herzlichen Glückwunsch! Das goldene Töpfchen geht, wie ich meine, an hubbie – sollte der Austragungsort sich geändert haben, bitte ich um eine kurze Benachrichtigung – und läutet dort die letzte Runde des Jahres am 30. Dezember ein. Sollte es zwischendurch laut werden, wir wissen ja, woran es lag.

Update: Da ich in dieser Woche keine Zeit mehr habe für einen neuen Freitagstexter, reiche ich den Preis für die mathematische Meisterleistung (exakte Berechnung eines Miss-Verhältnisses) an lamiacucina weiter und stelle es angesichts der knapper werdenden Zeit anheim, am 30. Dezember oder am 6. Januar fortzufahren.