Ritter Rost

9 08 2017

„Naja, wir müssen die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands besser schützen, insbesondere die der Schlüsselindustrien, und wie könnte man das besser als mit einem Wirtschaftsminister, der nicht Gabriel heißt?

Als Wirtschaftsminister hatte er seinerzeit noch gesagt, dass wir Waffenlieferungen in Krisengebiete zurückfahren müssten. Zurückfahren, ja? von einem generellen Stopp hat er nichts gesagt, und von panzerbrechender Munition oder Streubomben war da nie die Rede. Nicht mal von diesem Urandreck, der sowieso verboten ist, wenn man es sich nicht leisten kann, dass einer genau nachguckt. Das kann man halt als Wirtschaftsminister nichts sagen, weil man da nicht nur für die Wirtschaft zuständig ist, sondern auch Parteivorsitzender. Da haben wir uns gesagt, lassen wir den Dicken machen, wer weiß, was für ein verlogenes Arschloch Parteivorsitzender wird, wenn dieses verlogene Arschloch mal nicht mehr Parteivorsitzender ist. Und jetzt ist er eben Außenminister. Da fällt Völkermord ja automatisch in sein Ressort. Also bei Deutschen, nicht wahr.

Natürlich haben wir die Geschichte dabei nicht aus den Augen verloren. Wir hatten damals eine Menge um die Ohren, nach dem Krieg, ist ja jetzt schon fast hundert Jahre her, aber wie gesagt: das ist Geschichte. Da knüpft unsere in der Tradition verwurzelte Partei auch an. Zum Beispiel diese nicht zu leugnende Neigung, immer die richtigen Leute zum falschen Zeitpunkt, oder umgekehrt, aber bei Brandt und Schmidt hat’s halt nicht so geklappt. Regieren, das ist nämlich den eigenen Kopf durchsetzen und ihn dann auch noch hinhalten müssen. Im Gegensatz zu Opposition ist das schon Mist. Und wenn Sie erst einmal und dann immer wieder damit auf die Nase gefallen sind, dann merken Sie, Politik ist Schrotthandel.

Außerdem ging es sowieso nur um Kleinwaffen, also Buntmetall. Das ist eher Umweltrecht, da hatte Gabriel auch schon gezeigt, dass man als Versager nicht automatisch aus dem Bundeskabinett ausscheiden muss. Man munkelt, er wäre fast zum Verteidigungsminister degradiert worden. Aber da müssen wir uns nicht verstecken, wir sind da ganz schmerzfrei. Vor allem, was uns selbst betrifft.

Wie sollen wir Geschäfte machen, wenn man die stabilen Partner selbst bei der UNO nicht findet, weil man sie nicht mehr sucht? Bekommen Sie sollten jetzt das nicht in den falschen Hals. Gerade unter diesen historischen Gesichtspunkten ist die Schrottdemokratie ein, wir nennen das: retrograde Zukunftsorientierung, und da ist dieser Minister der Garant einer hinten wie auch sonst offenen Haltung gegenüber jedem, ich betone: jedem. Deutschland darf sich in Anbetracht seiner Geschichte nicht zum Moralapostel aufschwingen, das ist Ihnen ja wohl klar, deshalb verzichten wir als Schrottdemokratie konsequent auf jede echt oder auch nicht echte Vortäuschung von Moral. Da sind wir dann auch mal absolut authentisch, wenn Sie verstehen.

Gucken Sie, in der Schrottpartei Deutschlands gibt es die, die sich von Klarsichthüllen ernähren, und dann gibt es die, die sich Büroklammern in die Nase pfeifen. Da muss man sein Profil finden. Für uns heißt das, sich in der langsam progressiver werdenden Landschaft, die nach und nach ins linke Lager sifft, konservative Positionen zu gewinnen. Man weiß ja nie, wo man sich später mal trifft, so koalitionsmäßig – Noske te ipsum, sagte schon der Lateiner, nicht wahr. Wenn wir schon mit Kulturen kooperieren, die Ehebruch unter Strafe stellen oder Homosexualität, dann müssen wir auch die Mittel zur Verfügung stellen, dass diese Gesellschaften sich weiterentwickeln. In welche Richtung auch immer, Hauptsache wirtschaftlich.

Das ist die Kanzlerin, Sie müssen das auch mal in Betracht ziehen. Die FDP hatte schon damals einen Außenminister, der sich als Hampelmann der Rüstungsindustrie – egal, Hampelmann war er sowieso, und das Fliegengewicht, das die jetzt hochpusten, ist auch nicht besser. Wenn Gabriel als Ritter Rost gegen die bürgerliche Gesellschaft zu Felde zieht, dann ist das sicher auch im Sinne der deutschen Wähler. Erhöhte Eingriffsbefugnisse für Sicherheitskräfte und Militär, also für die Polizei, das muss man dann sehr verantwortlich an sich selbst testen. Gott sei Dank, dass dieses verdammte Pazifistenpack sich in Hamburg zur Verfügung gestellt hat, da mussten wir in Katar keine Kanaken mehr vom Gerüst klatschen. Sehen Sie, auch das ist Globalisierung – wir hatten uns Februar 2014 für eine Neuausrichtung der Ausfuhren von Kriegsgerät ausgesprochen, da kann auch schon mal etwas in Vergessenheit geraten. Vielleicht dachte Gabriel damals, es ginge bloß um die Neuausrichtung von Kriegsgerät, und da wollte er als Außenminister nichts versprechen, was er halten kann.

Jetzt seien Sie mal nicht so aufgebracht, denken Sie lieber mal an die ganzen Erfolge. Munition, bis der Arzt kommt – Sie brauchen gar nicht so zu gucken, wenn der nicht kommt, kommt eben ein anderer – und jede Menge Kopflocher für den Irak, für Indonesien, also alle Länder, in dem man noch Wachstumspotenzial für islamistischen Terror fürs Bruttosozialprodukt mobilisieren kann. Und für die Wiederwahl. Man muss den Prozess in Gang halten, sonst gibt es Leute, die unangenehme Fragen stellen oder möglicherweise die richtigen. Man muss den Prozess in Gang halten, welchen auch immer. Wir leben das vor. Wer rastet, der rostet.“





Das letzte Gefecht

26 01 2017

„… sich bereits zuvor parteiintern gegen eine Kanzlerkandidatur entschieden haben solle. Die SPD habe von seinem Verzicht auf den Vorsitz allerdings auch erst aus den Medien…“

„… der bundesweite Absatz von Champagner stark angezogen habe. In unmittelbarer Nähe zum Willy-Brandt-Haus melde Aldi einen Ausverkauf an sämtlichen…“

„… sei die Mehrheit der Sozialdemokraten für Schulz als Spitzenkandidaten gewesen. Dieser Modus rufe in der Partei noch Befremden hervor, da bisher alle Entscheidungen ohne jede…“

„… man einen besonders schweren Fall von Führungsversagen sehe. Petry dagegen sei die…“

„… nicht vorauszusehen gewesen sei. Kraft habe deshalb schwere Vorwürfe gegen den…“

„… scharf zurückgewiesen, dass die SPD mit sehr guten Imageberatern und Wahlkampfmanagern zusammenarbeite. Die Idee zum Rücktritt sei zuerst von Gabriel selbst im…“

„… warte die Partei nun auf eine kritische Würdigung der Entwicklungen aus dem linken Lager. Bei Ablehnung der Linken auf Bundesebene dürfte sich die Befürchtung, der Rücktritt sei vollkommen umsonst gewesen, mit einer neuen…“

„… als schwarzen Tag für die Sozialdemokratie bezeichnet habe. Lindner sei sehr erfreut, dass er das noch…“

„… es sich auch um eine undeutlich formulierte Pressemittelung gehandelt haben könne. Möglich sei, dass Gabriel vorerst nur den Verzicht auf das Amt des Vizekanzlers…“

„… inzwischen erklärt habe, was ein Internet sei. Zypries wolle vorerst keine neuen…“

„… nicht bestätigt worden sei, dass Gabriel erst nach mehreren Rhetorik-Seminaren und Teilnahme an einer Gewichtsreduktionssendung seine Kanzlerkandidatur für 2021…“

„… von Merkel nicht weiter kommentiert worden sei. Sie wolle für den Rest der laufenden Legislatur in einem gewohnten Verhältnis zur SPD weiterhin sämtliche…“

„… auch eine Veränderung des Politikstils sich nicht vermeiden lasse. Die EU-Erfahrungen von Schulz würden es nahelegen, dass die Partei auch auf Bundesebene Inhalten überwinden und sich für eine stabile Machtposition im gesamten…“

„… müsse die Partei dabei auch an den Kandidaten glauben, wenn nicht, so müsse sie auch dran glauben, aber ohne einen…“

„… habe sich die CDU sehr verärgert über die eigenmächtige Entscheidung gezeigt. Die Union müsse nach dem Rücktritt des konservativen SPD-Anführers jetzt allein mit der sozialdemokratischen Parteichefin fertig werden, die sich als nächste…“

„… als eine sehr gute schlechte Lösung bezeichnet habe. Die Grünen seien damit einer Annäherung an die Union wieder um ein ganzes…“

„… die Zukunft der Partei momentan auf der Kippe stehe. Internen Berichten zufolge habe sich Peter Hartz geweigert, aktivierende Maßnahmen für eine selbstverantwortliche…“

„… sei Gabriel mit seiner Dreifachbelastung als Minister, Parteivorsitzender und Bahnfahrer überbelastet gewesen. Da Reisen des Auswärtigen Amtes größtenteils im Flugzeug bestritten würden, sei in Zukunft mit sehr viel mehr…“

„… es unklar sei, ob Gabriel Nahles und Oppermann ebenfalls in ihren Ämtern ersetze und welche Forderungen er dafür…“

„… erwarte die SPD zwar intern innerhalb der ersten Woche, dass der Vizekanzler noch zwei- bis fünfmal umfalle, bevor er sich zwar umentscheide, dann aber nicht, weil er, obwohl sich trotzdem…“

„… werde Gabriel als Außenminister eine stabilisierende Position einnehmen. Er habe sich vorgenommen, vielen internationalen Partnern zu erklären, warum ausschließlich deutsche Waffen langfristig für Entspannung auf dem…“

„… erste Kritik am Vorsitzenden geäußert habe, da er sein Exklusivinterview als Sternstunde des politischen Journalismus in…“

„… für Unruhe in der Parteizentrale gesorgt habe. Wegen lauter Störgeräusche habe man nicht verstanden, ob Gabriel Schulz oder Scholz zum neuen…“

„… für hohe Staatsaufgaben bestens geeignet sei, da er seinen Amtsverzicht nicht über die BILD, sondern eine richtige…“

„… zur offizielle Übergabe in der Parteizentrale auf die Internationale verzichtet werden solle, da es sich keinesfalls um das letzte Gefecht der…“

„… die Knistergeräusche in der Telefonleitung derzeit sehr hoch seien, so dass auch Schwesig unter Umständen in die engere Wahl zur…“

„… man die letzten Reste der Personaldecke mit voller Absicht als unerfahrene Führungsgruppe in den Wahlkampf werfe, um auf die Überraschung der rechtspopulistischen…“

„… dass Altersarmut, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung sozial abgehängter Bürger zu den dringendsten Problemen gehörten. Dazu sei jeder SPD-Kandidat gleichermaßen geeignet, da hier die Kernkompetenz für sozialen Abstieg, prekäre Beschäftigungen und…“

„… könne Schulz als völliger Neuling in der Bundespolitik immer noch Kanzlerkandidat der Herzen werden und sich einen Listenplatz für…“

„… aus Sicherheitsgründen aufgezeichnet worden sei. Leider sei der eigentliche Wunsch Gabriels, Helmut Schmidt als Kandidaten zu…“





Durchzug

26 09 2016

„Nee, das hat keinen Sinn mehr. Wir können nicht ein bröckelndes Provisorium mit dem nächsten vor dem Untergang bewahren, das macht die Basis auch nicht mehr mit. Einmal so richtig ausmisten, fertig. Gabriel muss weg. Ende der Diskussion.

Da hilft kein Wahlkampf mit Eierlikör, den kann keiner mehr sehen. Den Eierlikör sowieso nicht. Wenn die SPD noch mal richtig regieren will, dann nur mit kompletter Kehrtwende: ab sofort sind alle in der Partei sozialdemokratisch. Klingt jetzt auch für uns ziemlich ungewöhnlich, seit fast zwanzig Jahren hat sich keiner mehr getraut, das zu fordern, aber es geht nicht mehr anders. Das Problem ist ja nicht, dass es keine Sozialdemokraten mehr gibt in der Partei, das Problem ist, dass sie nur noch an der Basis vorhanden sind. Zu neunundneunzig Prozent. Das eine Prozent regiert und hat keine Ahnung. Was den Zustand von Gabriel auch hinreichend genau beschreiben dürfte.

Haben Sie noch im Ohr, was der Dicke damals auf dem Parteitag der Putzfrau erzählt hat? Das ist das ganze Problem der Partei: dass sie sich nur noch mit den Gewinnern abgeben will und deshalb zur großen Verliererin wird. Gucken Sie sich an, wie sich die SPD verändert hat. Globalisierung, Neoliberalismus, Prekarisierung, Sozialabbau – das Parteiprogramm ist noch etwas ausführlicher, aber viel mehr steht da auch nicht drin – das führt alles dazu, dass eine Menge Menschen zu Verlierern wird. Wer sich auf die einlässt, wird letztlich zum Gewinner. Die tragen nicht zum gesellschaftlichen Wohlstand bei, er tritt nur bei ihnen auf. Das ist so, als würde eine Krankenkasse jeden rausschmeißen, der einmal im Leben krank wäre. Wer nicht zahlt, der zählt nicht. Nein, so geht das nicht mehr weiter.

Wir brauchen frischen Wind, am besten einen ordentlichen Durchzug, um dieses elende Gemüffel wegzukriegen. Die Wähler wollen lieber Rot-Rot-Grün als noch mal vier Jahre eine Koalition, die auf dem Standstreifen ins Koma fällt. Aber dazu müsste eben Gabriel weg. Wenn der Mann jetzt nach CETA und den ganzen anderen blödsinnigen Ideen quer in der Tür steckt, dann kann man höchstens noch mit der Leiter über ihn wegsteigen. Mal ganz davon ab, wie das aussieht, ich frage Sie: glauben Sie, den wählt einer, wenn er langsam aber sicher debil wird und sich nicht mehr erinnern kann, in welcher Partei er gerade ist?

Lassen Sie das wie einen Umfall aussehen. Umfall. Nicht Unfall. Das kennen sie in der SPD noch nicht, das macht dann nur misstrauisch. Am besten, wenn er sich mal wieder selbst widerspricht – keine Bodenhaftung, so eine Art Schleudertrauma könnte da passieren, und dann müssten wir ihn leider sofort aus dem Verkehr ziehen. Ganz kleine Pressekonferenz, alle wünschen ihm nur das Beste, und zwar dahin, wo der Pfeffer wächst, und dann fragen wir mal vorsichtig bei den Linken nach, wie linke Politik funktioniert. Hier ist ja nicht mehr viel übrig davon.

Gut, das könnte gefährlich werden. Wir haben ja knapp zwanzig Jahre lang alles wieder in die Basis zurückgedrückt, was im Ansatz nach einer sozial verantwortungsvollen Gesinnung aussah. Das muss man dann auch schon mal als gewisses Risiko in Kauf nehmen, wenn man revoltieren will. Wobei, die Revolution ist ja mit dieser Partei gar nicht zu machen, war sie letztlich nie, aber jetzt haben sie es sogar in die Hausordnung reingeschrieben, dass die Fenster nicht mehr geöffnet werden dürfen, weil sonst zu viele Einflüsse von draußen die Partei empfindlich stören würden. Deshalb kann die SPD auch nicht viel mehr als betreutes Regieren. Grün-Rot wäre da eine Option, und wenn die aktuelle Entwicklung weiter so voranschreitet, könnte das auch durchaus klappen.

Mit etwas Vorlauf steigen auch die Prozente wieder an, und dann sollten wir spätestens zum Jahreswechsel eine Vorstellung kommunizieren, was wir unter einem sozialen Politikwechsel auf der Bundesebene verstehen. Wenn wir schon mal dabei sind, lassen Sie uns diese ganze Idiotenherde im Kabinett gleich mit absägen, bessere Werbung für die Konkurrenz ist doch für Geld nicht zu kriegen. Und die dritte Fliege schlagen wir mit derselben Klappe. Die einzige Parallele der Arbeiter mit der jetzigen SPD ist, dass sie fixiert ist auf Autoritäten und die mühsame Verteidigung des wirtschaftlichen Status, den sie nur aus Wachstum um jeden Preis generieren wollen. Wenn man den Arbeitern erst einmal diese selbstgefälligen Pappnasen wegnimmt und ihnen erklärt, dass sie überhaupt keine Autorität als Vorbild brauchen, jedenfalls nicht diese eitlen Fatzkes, dann fangen sie möglicherweise auch mal zu denken an. Die Nationalisten dürften dann ein ernsthaftes Problem haben, weil sie keine Ängste mehr schüren können, wo sich eine Gesellschaft nicht entsolidarisieren lässt.

Sie regeln das? Ich verlasse mich auf Sie, dass das hinhaut. Irgendein Aufsichtsratsposten wird sich für den Mann doch sicher finden lassen. Dann machen wir noch schnell einen Bundesparteitag, da sammeln wir für ein neues Grundsatzprogramm, und dann kann die Wahl kommen. Bitte, wer? Nein, das haben Sie falsch verstanden. Ganz sicher nicht, nein. Auf keinen Fall. Die Partei übernehmen wird dann selbstverständlich Merkel. Die ist doch die beste sozialdemokratische Kanzlerin, die die SPD nie hatte.“





Endablagerung

29 08 2016

„Nee, voll der Flop. Ging gar nicht. Aber war auch irgendwie klar, Peer Steinbrück hat sich mit dem Stinkefinger die Kanzlerkandidatur versaut, da ist der Wähler jetzt auch total abgestumpft. Gabriel hat regelrecht Sympathien dafür eingefahren.

Das war jetzt irgendwie auch voll ätzend, wie der abgeblockt hat. Aber von der Gesamtsituation und so her, das war irgendwie total glaubwürdig, wie der auf die Nazis reagiert hat. Die Orga hat ja vorher gesagt, Sigmar, hatten wir gesagt, da muss man sich auch irgendwie emotional einbringen, aber es ist vor allem wichtig, seine Betroffenheit zu artikulieren. Da hat wieder keiner auf dem Schirm gehabt, dass der Vater von Sigmar eine Braunalge war. Der hat da echt total authentisch reagiert und so, da muss man sich mal reinziehen. Wenn das als Fortsetzung zu dieser Pack-Diskussion geplant war – der Wähler wusste da ja gar nicht, was das mit ihm macht – dann hat sich das voll zum Abtörner entwickelt, ehrlich. Voll total ätzend.

Diese Diskussion über Hartz, das war jetzt auch nicht so authentisch. Also dass die Nahles da kein Gefühl entwickelt, dass die Ängste abbauen kann, das ist vielleicht irgendwie auch so ein Zeichen von Verletzlichkeit, weil die kann halt nichts. Das ist so eine systematische Sache, die muss irgendwie damit umgehen, dass sie ihre Inkompetenz auch ein Stück weit annehmen kann. Sie ist ja mit der Problematik immer konfrontiert, und da herrscht in der Partei inzwischen auch eine Solidarität, dass sie in ihrem Scheitern keiner mehr auffangen wird. Wir sind als Sozialdemokraten eher spontan, aber so bekloppt sind wir nun auch wieder nicht.

Wir hatten ja schon überlegt, ob wir Sigmar eine Familienaufstellung spendieren sollen, aber er hat da absolut zugemacht. Ich meine, das ist auch total verständlich, weil er ist da ja auch irgendwie traumatisiert und so, aber so für die Perspektive und das Problembewusstsein, und das ist jetzt auch voll wichtig für die SPD und so, da müsste er sich mal differenzieren, so inhaltsmäßig eben.

Aber der Ausstieg, das war unsere Perspektive – wir wollten das in Hinblick auf die Weiterungen auch eher so gesamtgesellschaftlich angehen, und da hatten wir dann die Fantasie, das war auch eher so eine Vorstellung von Traum, dass wir hier eine Authentizität entwickeln, die sich mit der Erfahrung der SPD irgendwie auch in Beziehung setzen lassen kann. Unser Scheitern war immer auch authentisch, und die Erfahrung von Wirtschaft, so wie das die Partei immer aus ihrer subjektiven Sicht und so interpretiert hat, das ging ja irgendwie auch total harmonisch zusammen. Das ist jetzt fast so, als hätten wir hier ein verschüttetes Ich der SPD als solidarisches Kollektiv wieder freigelegt, also fast Kindheitserinnerungen und so. Das berührt einen ja auch irgendwie echt emotional und so.

Dass wir jetzt alle unheimlich gut drauf sind, das ist das Ergebnis unserer gruppendynamischen Prozesse, die wir jetzt voll basisorientiert gestartet haben. Wir sind total gegen CETA und haben das als Basis auch so artikuliert, nachdem wir da jede Menge Selbsterfahrungswerte reininvestiert haben. Das ist jetzt so im Fluss, da hat sich ja eine Menge aufgestaut vorher, auch inhaltsmäßig und so, und da wollen wir als Basis auch mal ein Angebot machen, dass wir so eine gewisse Zärtlichkeit halt haben für den Gedanken, dass man nicht an die Macht will in einer männerdominierten Gesellschaft, die mit dem Kapitalismus und der Globalisierung nicht ganz so sensibilisiert ist für Themen wie Schwellenländer und Teilhabe und so, oder irgendwie auch nur sich mal zu öffnen für eine gerechte Welt. Das ist jetzt auch irgendwie ein Stück weit ein krasser Gedanke, aber den müssen wir in der Gemeinsamkeit auch mal wagen wollen, und damit verbindet sich für uns auch eine ganz tolle Chance, die die Verkrustung der Gesellschaft verändern kann. Wir könnten dieser hirnamputierten Bonzendrecksau endlich mal die verlogene Lobbyistenscheißfresse polieren.

Das hat jetzt natürlich irre den Drive, dass wir uns da auch so total anders in unserer Spontaneität begreifen, aber das muss man sich auch mal als eine Möglichkeit vergegenwärtigen. Beziehungsmäßig ist das ja eher spontan erfahrbar, aber wir können da auch die Problematiken aufarbeiten, die uns die Lösungen durch mangelhafte Auseinandersetzung auch intransparent gemacht haben. Die SPD als SPD ist ja auch ein Stück weit aus dieser Wut und Trauer entstanden, die wir heute in uns selbst finden und die wir nicht gehen lassen können. Wenn wir Gabriel irgendwie kommunizieren können, dass wir wissen, dass diese unheimliche Aggression sich nicht nur in ihm aufstaut, sondern dass er die auch von der Basis so kommuniziert bekommen kann, wenn er das zulässt, dann können wir uns auch auf eine gemeinsame Lösung einigen. Da muss er dann seine Ängste auch mal eingestehen, und dann kriegt er das auch hin, dass er seine Inkompetenz ganz fest in den Fokus nimmt. Dann muss er nicht mehr als Kanzlerkandidat die Perspektive der SPD mit seiner Projektion von Eigenego belasten, und dann können wir als Partei auch mal wieder differenziert auf die kreativen Lösungen zugehen.

Weil, sehen Sie sich den Mann doch mal an. Wenn Sie diese Befindlichkeiten und dieses ganze Theater mitgemacht haben – glauben Sie ernsthaft, Gabriel ist für die SPD so etwas wie erneuerbare Energie?“





Freund Jein

2 06 2016

„Dabei wäre Scholz wirklich ein hervorragender Kanzler.“ „Das finde ich auch. Der hat so etwas, wie soll ich sagen, etwas Hanseatisches.“ „Genau, ein Zupacker.“ „Ein Anpacker!“ „Wie Schmidt.“ „Ach, das waren noch Zeiten.“ „Das Erbe hat unser Scholz wirklich zurecht angetreten.“ „Ein ganzer Mann, der fackelt nicht.“ „Der regiert.“ „Der regiert durch.“ „Durch und durch.“ „Hach!“

„Ich weiß auch nicht, was die Kritiker meinen, er hätte kein Format für die Bundesrepublik.“ „Als Bundesminister hat er doch schon das Gegenteil bewiesen.“ „Eben, das muss ihm der Neid lassen.“ „Und er hat noch gute Figur dabei gemacht.“ „Das kann man von diesen anderen Figuren nicht gerade behaupten.“ „Sie meinen von der Leyen?“ „Haha, Figur! haha, das trifft ja den Nagel auf den Kopf!“ „Hahaha!“ „Nein, das ist ja alles nichts. Da ist der Scholz eine ganz andere Nummer.“ „Wobei, dies Männliche – verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, aber…“ „So rein genderideologisch?“ „… wenn wir die Bürgerinnen an uns binden wollen, dann führt an einer guten Frau doch kein Weg vorbei.“ „Aber hallo, wir haben genug Frauen an Bord! Denken Sie nur mal an Kraft.“ „Hm.“ „Sie wollen mir jetzt aber nicht signalisieren, dass Sie die Frau für ungeeignet halten!?“ „Sie will in der Landespolitik bleiben.“ „Machen Sie ihr klar, dass Berlin sie braucht – Deutschland ist Currywurst!“ „Also ich finde ja, dass…“ „Deutschland ist auch Landespolitik.“ „Sie ist wirklich klasse, sie kann es auch, und dass eine Kanzlerin gut ist für Deutschland, das wissen wir ja alle.“ „Hatte ich da jetzt etwas falsch verstanden?“ „N-nein, ich hatte das bloß auf sozialdemokratische Politik bezogen.“ „Ich auch, Kollege!“ „Hm-hm…“

„Wir sind beliebt in der Republik, Sie müssen sich nur die Umfragewerte ansehen: die meisten Deutschen sind für Steinmeier.“ „Ja, Sie müssen nur berücksichtigen, dass das für die SPD-Kandidaten gilt.“ „Das ist doch trotzdem großartig. Wann haben wir einen so erfahrenen Außenpolitiker gehabt, der dann Bundeskanzler wurde? ich kann mich in der deutschen Geschichte an keinen erinnern.“ „Wenn man von Willy Brandt absieht, haben Sie recht.“ „Ach was, die Welt beneidet uns geradezu um so einen Spitzenpolitiker!“ „Um Willy Brandt? ja, das würde ich auch so sehen.“

„Aber denken Sie bloß mal weiter. Wenn wir schon auf internationalem Parkett suchen, dann haben wir noch viel mehr zu bieten.“ „Schulz?“ „Eine herausragende Führungspersönlichkeit auf der EU-Ebene.“ „Da kann Merkel nicht mithalten.“ „Und was das für die Sozialdemokratie bedeutet: ein Kleinstadtbürgermeister wird der mächtigste Mann in Europa!“ „Also nach dem Job in der EU?“ „Sie meinten das realpolitisch?“ „Ist das in der SPD falsch?“ „Kommt auf die Koalition an.“ „Naja, wir sollten auch nicht zu ängstlich sein, ein bisschen Bewegung tut uns allen gut.“ „Mehr an die Zukunft denken?“ „Kollege, wir verstehen uns.“

„Steinbrück hat noch nicht abgesagt.“ „Zukunft, sagten Sie?“ „Ich, äääh…“

„Mit Dreyer haben wir vermutlich dasselbe Problem wie mit Kraft.“ „Ich würde sie trotzdem im Auge behalten. Sie ist ein sehr gutes Beispiel für eine charismatische Persönlichkeit, deren Erfolg auf Nachhaltigkeit und langfristigem Engagement fußt. Das schätzen die Wähler.“ „Aber sie zu verheizen macht auch nicht gerade Sinn.“ „Davon redet doch auch keiner. Sie ist durchsetzungsstark und klug, das zählt.“ „Das kann man von Schäfer-Gümbel allerdings auch behaupten.“ „Wo Sie recht haben, haben Sie recht – Opposition ist manchmal viel schwerer.“ „Auch gestalterisch.“ „Man muss Ideen entwickeln.“ „Alternativen zur Alternativlosigkeit.“ „Einen langen Atem beweisen.“ „Der kann Kanzler, was?“ „Mein lieber Scholli!“ „Besser jedenfalls als diese Sensenmänner aus der CDU.“ „Die nicht ganz entschlossenen Demokratieabschaffer.“ „Freund Jein, wie?“ „Hahaha!“ „Haha!“ „Egal, wir haben die besseren Leute. Gucken Sie sich mal Maas an.“ „Donnerwetter!“ „Dagegen waren doch Schröders Anzüge die reinsten Billigheimer.“ „Und wie der spricht – Staatsmann vom Scheitel bis zur Sohle!“ „Das macht uns nicht mal die FDP nach.“ „Geboren zum Regieren!“ „Souverän hart wie Stahl gegen die Feinde der freiheitlichen Demokratie!“ „Ein Ein-Mann-Kompetenzteam.“ „Nicht ohne Glamour.“ „Er zeigt, dass man nicht viermal geschieden sein muss.“ „Da ist sogar Bellevue drin.“ „Und ob!“

„Hier, wo wir bei Scheidung sind: Nahles.“ „Wollen Sie mich verarschen!?“ „Aber…“

„Denken Sie doch mal an die Zukunft. Jenseits der ausgetretenen Pfade.“ „Sie meinen den Typ Politiker, der aus Berufung handelt?“ „Die wirklich engagierten Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft, die sich für das Land einsetzen.“ „Die Kümmerer.“ „Schwesig?“ „Wer, wenn nicht sie?“ „Da bekommt das Soziale in der Sozialdemokratie gleich einen neuen Glanz.“ „Eine herausragende Frau.“ „Und mit besten Referenzen.“ „Nicht so eine Agitprop-Physikerin wie Mutti.“ „Die kennt das Leben!“ „Sollte sie wirklich…“ „Das steht außer Frage. Sie kann es, will es, sie hat diese spezielle Mischung aus Sendungsbewusstsein und Machtinstinkt.“ „Super!“ „Ja, echt!“ „Das wird der Partei eine neue Blüte bescheren.“ „Meine tiefste Überzeugung!“ „Ich glaube daran!“ „Nächstes Jahr reitet Gabriel den ganzen Laden noch mal so richtig in die Scheiße – und wenn wir das überleben, ist uns der Sieg nicht mehr zu nehmen!“





Destruktionstechnisch

20 04 2016

„Wir müssen jetzt alle sehr, sehr gut auf Sigmar aufpassen.“ „Damit er nicht ganz so frustriert ist?“ „Quatsch. Vielleicht bietet er uns seinen Rücktritt an, und aus Versehen kriegt es keiner mit.“

„Wir sind uns da wohl einig: der Mann muss weg.“ „Ist doch gar nicht mehr so lange.“ „Noch anderthalb Jahre. Und wir sind schon unter zwanzig Prozent.“ „Und wenn wir den Namen verkaufen?“ „Den nimmt keiner mehr. Nicht einmal ironisch.“ „Hm. Ja, dann muss Gabriel wohl weg.“ „Die Deutsche Bahn hat doch bisher…“ „Nee, die sind doof, aber so doof auch wieder nicht.“ „Tja.“

„Wir könnten vielleicht mit einer anderen Partei fusionieren.“ „Sie haben an die Linken gedacht?“ „Ach was, dann müssten wir am Ende noch soziale Politik machen. Oder sogar sozialdemokratische.“ „Stimmt, das geht nicht.“ „Oder sozialistische.“ „Ich will das nicht hören.“ „Oder…“ „Ich will das nicht mehr hören, klar!?“ „Dann könnten wir uns doch mit der CSU verständigen.“ „Weil Gabriel auch die AfD rechts überholen will?“ „Weil die auch Erfahrung als Steigbügelhalter der CDU haben und bis heute nicht aus einer Regierung geflogen sind, ganz egal, was sie da gerade anstellen.“ „Aber eigentlich sind wir doch schon eine Art erweitertes Stimmreservoir für die CDU.“ „Das sieht dann aber besser aus, wenn die Union gleich die Mehrheit hat und nicht mehr mit so einer unsicheren Partei wie uns koalieren muss.“ „Auch wieder wahr.“

„Wenn wir mit der FDP fusionieren?“ „Als sozialneoliberaler Kleinkoalitionsbausatz?“ „Das Soziale kann man notfalls irgendwann abschmelzen und sich auf die neoliberale Linie konzentrieren.“ „Wozu brauchen wir dann die FDP?“ „Die können uns vielleicht ein paar Tipps geben, wie das mit der Auferstehung von den Toten klappt. Sie haben ja so etwas schon hinter sich.“ „Aber die sind ihre Vorsitzenden irgendwie immer losgeworden.“ „Die haben eben ein noch entspannteres Verhältnis zum Kündigungsschutz als wir.“ „Oder wir werden auch so, wenn wir auf die fünf Prozent zugehen.“

„Könnten wir ihn nicht irgendwie abschieben?“ „Nach Ägypten? die nehmen mittlerweile auch nicht mehr jeden.“ „Mist, und ich dachte schon…“ „Nordkorea?“ „Importieren die Waffen?“ „Die bauen selbst.“ „Schade.“

„Und wenn wir es wie einen Unfall aussehen lassen?“ „Entschuldigung, wonach sah denn die SPD in den letzten zehn Jahren sonst aus?“ „Nein, ich meine die Wahlergebnisse.“ „Ich auch.“ „Dann wäre es doch ganz einfach, wenn wir ihn die Partei an die Wand fahren ließen, und dann ist er weg.“ „Wir auch.“ „Stimmt. Das heißt, Sie. Ich habe ja noch einen Posten im Aufsichtsrat.“ „Warum wundert mich das jetzt nicht?“ „Eigentlich müssten wir doch nur darauf warten, bis die Partei ihren Vorsitzenden zerlegt.“ „Naja, andersherum wird das auch kaum noch möglich sein.“ „Nein, ich meine das auch eher so destruktionstechnisch.“ „Destruktionstechnisch?“ „Bisher hat die SPD alles unterstützt, was sie eigentlich zerstören wollte.“ „Den Neoliberalismus, sinnlose Deregulierungen, Freihandelsabkommen, Sozialabbau, stimmt.“ „Und irgendwann haben die Sachen dann angefangen, die SPD zu zerstören.“ „Und das funktioniert jetzt doch andersherum?“ „Bestimmt. Also hoffentlich, ich meine: es kann nicht ganz ausgeschlossen werden.“

„Die Leute wählen uns doch auch deshalb nicht mehr, weil wir keine Antworten mehr haben.“ „Kein Wunder, haben Sie etwa eine Antwort auf Sigmar Gabriel?“ „Es gäbe da schon Antworten, aber dann haben Sie hinterher nie wieder eine Frage.“ „Gibt es da nicht irgendwas in Brüssel, wo wir den endlagern könnten?“ „Damit er uns da als Kommissar auf den Senkel geht?“ „Wir könnten ihn da doch als Freihandelsknalltüte einschleusen.“ „Dann wird dieses TTIP nie etwas.“ „Na bitte, ist der Alte ja tatsächlich noch zu etwas nutze.“ „Win-Win? ich glaube das erst, wenn ich es sehe.“

„Wir könnten das auch gesamtgesellschaftlich betrachten.“ „Wollen Sie mir jetzt eine Therapie aufdrängen?“ „Nein, aber schauen Sie mal: es gibt in näherer Zukunft immer weniger Geringverdiener, und die stellen ja für uns das größte Problem dar.“ „Sie reden jetzt wieder die Wahlergebnisse?“ „Auch, aber da wäre ja noch das mit den Renten. Die Leute wachsen ja nicht einfach so nach.“ „Aha, dann verfestigt sich also jetzt ein Trend, und dann sind die Wähler langfristig weg…“ „Das ist ein ganz natürlicher Vorgang. Irgendwie organisch.“ „Und wenn die SPD dann irgendwann nicht mehr da ist, ist auch Gabriel weg.“ „Logisch. Es sei denn, er verhungert vorher.“ „An seiner Rente wird’s dann ja wohl nicht liegen.“

„Mal ganz am Rande, wer verwaltet denn dann den Nachlass?“ „Schmidt ist nicht mehr da, oder?“ „Ich fürchte, er ist momentan nicht zu sprechen.“ „Die Wirtschaft?“ „Als die Wirtschaft das letzte Mal der SPD helfen wollte, weil die SPD der Wirtschaft geholfen hat, fing die große Scheiße an.“ „Verstehe. Und sonst?“ „Ich habe keine Ahnung, was man noch machen könnte. Eine richtig große Sache mit einer Persönlichkeit, so ein symbolischer Akt, dass es mit der Sozialdemokratie wieder aufwärts geht?“ „Schröder?“ „Mensch, genial! das wird der Renner!“ „Sie meinen, dass wir bei der nächsten Bundestagswahl mit Schröder ernsthafte Chancen auf den…“ „Wer redet denn von der Wahl – wir stellen Schröder an die Wand! live im Vorabendprogramm! Meinen Sie ernsthaft, danach redet noch einer von Sigmar Gabriel!?“





Geisterstunde

10 04 2016

für Kurt Tucholsky

Er ist ein Mann der Wissenschaft,
Herr Huppke weiß Bescheid.
Er forscht nach einer fernen Kraft,
wohl schon seit langer Zeit,
seitdem er Einstein zweifelnd las –
der Mann hat doch nicht recht!
Nur, dass Herr Huppke oft vergaß,
worin, bekommt ihm schlecht.
Schon zweifelt man: ist sein Verstand
in eine Theorie verrannt,
die hinten nicht und vorn nicht passt?
Die Welt ist Huppke längst verhasst.
  Es stoßen sich an manchem Meister
    kleine Geister,
      kleine Geister.

Es denkt sich Schmitz: das Ding an sich,
das ich im Dasein fand,
verstehe doch an sich nur ich
und nicht, zum Beispiel, Kant.
Da plötzlich sieht er, es erscheint
von jenseits, wo er denkt –
so war das aber nicht gemeint!
Da hat er sich verrenkt.
Voll Zorn zerreißt er sein Pamphlet,
in dem zwar nicht viel Kluges steht,
das aber Jahr für Jahr ihm gab
Beschäftigung und Ruh und Lab.
  Wer liest denn diesen Scheibenkleister?
    Kleine Geister.
      Kleine Geister.

Da turnt auf der Gerechtigkeit
ein dicker Mann herum.
Die Welt in ihrer Schlechtigkeit
beklagt er mit Gebrumm.
Zwar glaubt ihm keiner, aber das
ficht ihn schon nicht mehr an.
Er wäscht und macht sich doch nicht nass –
er tut halt, was er kann.
Ja, Gabriel, das kommt zu spät.
Man weiß doch, wie das weitergeht.
Erst tönt er wie der Weihnachtsmann,
besinnt sich eines Bessren dann,
auf Redlichkeit, man ahnt es, scheißt er –
    kleine Geister.
      Kleine Geister.