Die Kartoffeln

15 07 2018

Sie hungerten. Das Volk war kaum zu zügeln,
doch gab es nichts als Not und Dreck und Wanzen.
Der König musste seine Bauern prügeln,
damit sie ihre Knollen träge pflanzen.

Die glaubten nicht an eine gute Speise
und gingen an, das grüne Kraut zu zupfen.
Damit verschwand die Blütenpracht ganz leise,
weil man vergaß, die Früchte auszurupfen.

Er ließ Kartoffeln in die Erde säen
und sie, als sei dies kostbar, streng bewachen.
Zwei Posten sollten nachts im Dunkeln spähen.
Sie guckten übers Land mit leisem Lachen,

dass sich vermeintlich Diebe dran vergriffen.
Wahrscheinlich nennt man sie, das wär der Witz,
weil sich der König darauf eins gepfiffen,
bis heute noch nach ihm als Pommes Fritz.

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Vom Ende der Welt

8 04 2018

Und als Columbus eine Welt entdeckte,
erschien es ihm, als schlössen sich die Kreise
des einen Gottes, den er damit preise,
dass sich die Gegenwart zum Ende reckte.

Das Ende aller Zeiten, das bezweckte,
dass sich die Schöpfung berge still und leise
in einem Untergang, beziehungsweise
im Aufgang, wo sich Ewigkeit erstreckte.

Zerstörung ist das Rad, das der Geschichte
die Erdenreste nimmt und ihre Wichte,
dass unser Wesen leicht zum Ende werde.

Doch wir verstehen falsch, wenn wir im Glauben
uns selbst die Sicht auf Weltenläufe rauben,
Verblendete, zerstören wir die Erde.





Oben am Hirschforst

22 02 2018

„Also ich sag zu denen nix!“ „Ich wollte die auch nicht hier haben.“ „Aber die tun doch keinem was.“ „Wir können nicht jeden hier aufnehmen.“ „Und die kommen auch nicht von hier!“

„Sie müssen sich nur mal angucken, wie die wohnen.“ „Die wohnen nicht, die hausen!“ „Also die Wellblechkästen haben die Leute sich nicht ausgesucht, die bekommen halt keine anständigen Wohnungen.“ „Aber trotzdem sieht man die immer durch die Stadt gehen.“ „Zu zweit!“ „Neulich wieder, zwei junge Frauen! Wie die aussahen! So läuft man hier seit hundert Jahren nicht mehr durch die Gegend!“ „Also ich finde das skandalös.“ „Haben Sie noch nie zwei einheimische Frauen in der Stadt gesehen?“ „Das ist doch der Skandal!“ „Die jungen Burschen haben doch ihre dreckigen Finger überall, als Frau ist man doch am helllichten Tag alleine schon Freiwild!“ „Und da wundern die sich noch, wenn man ihnen mal die Meinung sagt!“

„Sie brauchen doch einen Mechaniker?“ „Ich lass doch keinen von denen an meine Maschinen! Der guckt sich am Ende meine Tochter an, und dann kriege ich den nicht mehr aus dem Haus!“ „Das sind sowieso die Schlimmsten.“ „Die setzen sich hier ins gemachte Nest, und wir können zusehen, wo wir bleiben.“ „Also beim Huber sind sie sehr zufrieden, die verkaufen jetzt ein Drittel mehr.“ „Es kann aber nicht jeder Bäcker sein!“ „Naja, die Leute brauchen ja auch Hosen und Schuhe.“ „Nee, für dies Pack arbeite ich nicht!“

„Haben Sie sich mal klar gemacht, woher das Geld kommt?“ „Deutschland blutet aus!“ „Das schicken die vermutlich nach Hause.“ „Das habe ich auch schon oft gedacht.“ „Die stopfen sich hier die Taschen voll und wollen nicht arbeiten!“ „Sie wollten doch einen Mechaniker einstellen?“ „Fangen Sie schon wieder damit an?“ „Das Gesindel soll doch einfach abhauen!“ „Wohin denn?“ „Pass auf, jetzt kommt die Leier mit dem bösen, bösen Krieg.“ „Das sind ja die Ärmsten der Armen, oder?“ „Genau, erst Krieg anfangen und dann weglaufen.“ „Und dann erwarten, dass man von anderen ausgehalten und durchgefüttert wird.“ „Die Ärmsten!“ „Schlimm, und es gibt nicht jeden Tag Hummer und Kaviar.“ „Menschenunwürdig!“ „Wir haben das hier auch alles aufgebaut, warum können die das nicht?“ „Wenn man nicht will, macht man halt nix.“ „Und kriegt die Kohle trotzdem hinten und vorne rein geschoben.“ „Genau so sieht’s nämlich aus.“

„Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Nazi, aber…“ „Das wird sowieso zu oft gesagt.“ „Wir können doch nicht jede Minderheit schützen, wenn wir immer jede Minderheit schützen, dann haben wir bald keine Mehrheit mehr.“ „Das ist der schleichende Volkstod.“ „Wenn Sie mich fragen, der ist gewollt.“ „Die da oben wissen schon, warum sie uns damit das Leben zur Hölle machen.“ „Worauf haben Sie denn bisher verzichten müssen?“ „Oben am Hirschforst, da konnte man früher nach Einbruch der Dunkelheit spazieren gehen, versuchen Sie das mal heute!“ „Sie lassen Ihre Töchter sowieso nicht aus dem Haus.“ „Lassen Sie meine Töchter gefälligst aus dem Spiel!“ „Sie stecken mit dem Gesindel wohl unter einer Decke?“ „Ist da nicht ein Zaun am Hirschforst?“ „Ist auch besser so, wer weiß, was passieren würde, wenn man das Pack einfach so frei herumlaufen lassen würde!“ „Also ich sehe die nie in der Stadt.“ „Weil Sie die nicht sehen wollen!“ „Die gehören nicht hierher!“ „Wir sind ein katholischer Landstrich, die haben hier mit ihrer Teufelsanbeterei nichts zu suchen!“ „Und die Namen erst!“ „Das braucht sich kein anständiger Deutscher in der Nachbarschaft gefallen zu lassen!“ „Und haben Sie mal darauf geachtet, was die Leute essen?“ „Sicherlich die Sachen, die man hier im Ort einkaufen kann.“ „Ich will das gar nicht wissen, aber die gehören nicht hierher!“ „Lassen Sie den, der kapiert es nicht.“ „Wenn erst ein paar Millionen nach Deutschland eingefallen sind, dann wird er es merken.“ „Aber dann ist es zu spät!“

„Die haben sogar eigene Ausweise.“ „Habe ich auch gesehen.“ „Richtige Flüchtlingsausweise!“ „Mit denen kriegt man in allen Läden die Waren umsonst.“ „Wer zahlt das?“ „Die Gemeinde.“ „So eine Sauerei!“ „Waren bei Ihnen schon welche?“ „Die würden bei mir im hohen Bogen rausfliegen!“ „Ob jemand nun seine Seife mit Geld bezahlt oder mit dem Ausweis, Ihnen kann’s doch egal sein.“ „Es ist aber mein Geld!“ „Dann darf Ihr Fräulein Lehmann ihre Seife nicht bei Ihnen kaufen, weil sie Ihre Angestellte ist und das Gehalt dafür von Ihnen bekommt?“ „Der regt mich langsam auf!“ „Diese Flüchtlingsfreunde, die sind schlimmer als Nazis.“ „Sage ich ja.“ „Vielleicht sollten wir Sie auch mal in eine Wellblechhütte einsperren, damit Sie lernen, die Gepflogenheiten unserer Kulturbereicherer zu schätzen.“ „Vielleicht wandern Sie dann aus mit denen.“ „Kann ja gut sein, dass die Heuschrecken einfach weiterziehen, wenn sie Deutschland kaputt gekriegt haben.“ „Es wird Zeit, dass sich hier etwas ändert.“ „Aber gewaltig!“ „Die nehmen unser Land weg!“ „Raus mit denen!“ „Und die Grenzen schließen!“ „Es reicht!“ „Wir sind hier immer noch in Deutschland, und das soll auch so bleiben!“ „Es ist momentan schwer genug, Deutscher zu sein und sich dazu zu bekennen!“ „Sehr richtig!“ „Es war ja nicht alles schlecht unter dem Führer.“ „Und wenn Adenauer die tausendmal aus Russland geholt hat – die gehören hier nicht her!“





Umsturzgeburten

14 01 2018

für Erich Kästner

Und als der Zar die Menge sah,
die wild die Zähne fletschte,
gab er Befehl, dass hie und da
man in sie reinkartätschte.

Er tat das sachlich. Als er blieb,
sah er noch, wie man flaggte.
Dann fuhr er weg. Man schrieb und schrieb,
doch bloß Verwaltungsakte.

Sie rollen ein die Fahnen schon.
Man hat nur mal geguckt.
Der Kinderfraß Revolution
hat sich daran verschluckt.





Die Falken von Carcassonne

19 11 2017

Sie kamen aus den östlichen Gefilden,
sich an der schönen Stätte aufzuhalten,
gebracht von edlen Herrn in Hundertfalten,
sich als Gespiel und Beiwerk auszubilden.

Die Herren sanken hinter ihren Schilden.
Man ließ sie ruhmlos sterben und erkalten.
Doch in der Burg entsprang aus allen Spalten
ein Schrei, ganz gleich von Zahmen und von Wilden.

Des Menschen Macht verrinnt, fort ist die Stärke,
und fort sind ihr Gewicht und ihre Werke,
nichts wird bestehen in Äonenstürmen.

Fort sind die Krieger, fort sind ihre Rösser.
Die Landschaft ruht und strömt wie die Gewässer.
Die Zeugen bleiben in verlassnen Türmen.





Der Große Sprung

24 09 2017

für Bert Brecht

Vor vielen Jahren gab man jenen Leuten,
die sonst mit Fisch und Reis die andern nähren,
die Order, dass sie sich im Ungefähren
die Zukunft in der Stahlfabrik erbeuten.

Zunächst war’s so, dass sich die Massen freuten;
sie konnten noch vom Vorrat etwas zehren,
und dann begann sich alles zu verkehren.
Dann kam der Tag, wo sie es nur bereuten.

Sie hungerten; Fabriken gab es nicht,
denn keiner wusste, wie man diese baute,
schon gar nicht einer, der davon nur spricht.

Dann starben sie, denn der Versuch misslang,
und starb auch, worauf man bislang vertraute:
die Menschheit zieht, man weiß, an einem Strang.





History, rewritten

7 08 2017

„… eine historische Gegenoffensive gegen Deutschland gefordert habe. Polen bestehe auf Reparationszahlungen, da die Schäden des Zweiten Weltkriegs noch lange nicht…“

„… dass das Vereinigte Königreich als Rechtsnachfolger anzusehen sei. Die aus dem Siebenjährigen Krieg erwachsenden Folgen seien damit direkt auf den Freistaat Sachsen als…“

„… die innerdeutschen Konflikte bereits seit der Herbstkrise bestanden hätten. Das Fürstentum Reuß älterer und das Fürstentum Reuß jüngerer Linie seien trotz ihres späteren Zusammenschlusses nicht ausreichend in ihrer…“

„… als TV-Ereignis plane. Die dänische Regierung habe bereits angekündigt, Deutschland für den Mehrteiler zahlen zu lassen, der in Erinnerung an den Zweiten Schleswig-Holsteinischen…“

„… den Deutschen Bauernverband gerade im Lutherjahr nicht gehört habe. Die Ausrottung des Adel könne nur durch eine milliardenschwere…“

„… auch Preußen im Kriegsverlauf fast 180.000 Mann verloren habe. Eine Entschädigung durch Russland und Schweden dürfe sich wegen des wesentlich länger zurückliegenden Datums aber nicht auf die im 20. Jahrhundert…“

„… Bayern auf Seiten des Deutschen Bundes in den Krieg eingetreten sei. Es sei damit nicht geklärt, den heutigen Freistaat verfassungsrechtlich überhaupt innerhalb der Grenzen der…“

„… den Grenzübertritt in Schleswig-Holstein sowohl für Deutsche als auch für Österreicher bis auf Weiteres mit kostenpflichtigen Kontrollen der…“

„… dass mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag die weiteren Ansprüche nicht abgegolten seien. Polen sei bereits damals als Marionettenstaat nicht in der Lage gewesen, völkerrechtlich bindende…“

„… unterbrochen worden sei. Da die im Konzil propagierte Unfehlbarkeit des Papstes nicht habe durchgesetzt werden können, werde der Vatikan die Bundesregierung für alle nach 1870 erlassenen…“

„… erst durch eine widerrechtliche Koalition gegen Markgraf Ludwig von Brandenburg möglich geworden sei. Die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit Pommern-Stettins durch Kaiser Ludwig IV. könne aus heutiger Sicht nicht als legitime…“

„… sich die russische Delegation gegen die seinerzeit aus friedenspolitischer Sicht vorteilhafte Einigung in Nikolsburg gewandt hatte. Außenminister Lawrow habe darauf hingewiesen, dass die dem Zarenreich entgangenen sicheren Geländegewinne bei einer zeitnahen Intervention noch heute durch weitere Annexionen im…“

„… ob Tschechien als Einzelstaat oder nur gemeinsam mit Österreich in der Nachfolge der Habsburgermonarchie klageberechtigt sei. Die Entscheidung werde vor dem…“

„…allein Württemberg acht Millionen Gulden an Kriegsentschädigung habe zahlen müssen. Dies sei jedoch, da es weder eine Kapitulation noch eine Annexion der Gebiete durch…“

„… der Schiedsspruch nicht als bindend anzusehen sei. Die Münchener Linie der Wittelsbacher sei ohne das Kufsteiner Land dazu gezwungen gewesen, als Anhängsel des bundesdeutschen…“

„… wenn Deutschland sich bereiterkläre, ein voll funktionsfähiges Vernichtungslager zu bauen. Kaczyński gebe der Bundesregierung drei Monate und wolle danach die deutsche Schuld um zehn Prozent…“

„… die vom Kurfürstentum Sachsen geleisteten Kontributionszahlungen zurückfordern werde. Es sei strittig, ob sich diese Begleichung mit dem aktuellen Negativzins der…“

„… den Krieg getreu der Regel, den Angreifer zuerst zu nennen, als Französisch-Deutschen Krieg zu bezeichnen habe. Steinbach werde nach der Machtergreifung darauf hinarbeiten, das welsche Würstchen und seine angeheiratete Faltentrulla zur bedingungslosen Rückgabe des Elsass sowie der…“

„… sich die Deutsche Bischofskonferenz mit immensen Ansprüchen konfrontiert sehe, da die Wittenberger Kapitulation nicht den Widerstand der Reichsstände gegen die…“

„… da Zahlungen von Sachsen an Brandenburg unrechtmäßig im Sinne des Länderfinanzausgleichs zu betrachten seien und damit durch den Bund…“

„… habe die Verschiebung Polens politische Gründe gehabt. Da die Sowjetunion nicht mehr existiere, werde Warschau nicht auf die Rückgabe der ehemaligen…“

„… dass das Reich für seine Söldner keine Sozialversicherungsabgaben entrichtet habe. Die Interessengemeinschaft der Truppen des Schmalkaldischen Bundes habe ihre Bereitschaft gezeigt, gemeinsam vor dem Bundessozialgericht für die…“

„… nach der Schlacht bei Tannenberg gezwungen worden sei, Reparationen an Polen zu zahlen. Die seit 1411 aufgelaufenen Schulden wegen einer offensichtlichen Urkundenfälschung bezifferten sich auf täglich 875 Trilliarden Euro, die für mehrere Jahrtausende an den Deutschen Orden zu…“