Personalkosten

11 08 2020

„Das hat Sie überrascht? also das überrascht mich jetzt aber. Dass Sie das überrascht hat. Wir haben den Mitarbeitern doch ganz deutlich gesagt, dass sie für uns unverzichtbar sind. Jeder einzelne Mensch ist für uns systemrelevant, wirklich. Nur die Löhne halt nicht, oder überrascht Sie das auch?

Dass die Löhne bei uns im Einzelhandel in den letzten zehn Jahren real gesunken sind, das liegt am gesellschaftlichen Trend. Wir können ja auch nicht einfach so die Löhne anheben, da wir sonst die Nachfrage nach unseren gesellschaftlich und auch marktmäßig relevanten Jobs schwächen würden. Sie wissen doch, wie das in der Pflege ist: da gibt es auch keine zu hohen Gehälter, teilweise sind die mit Zulagen, die dann nicht gezahlt wurden, oder mit den Boni, die man hat ausfallen lassen, dadurch sind die Personalkosten dann auf einem konstanten Niveau gehalten worden. Und die Zahlen der beschäftigten Mitarbeiter eben auch. Denn stellen Sie sich das mal vor, die hätten die Gehälter einfach mal so angehoben. Man hätte den Pflegekräften ja signalisiert, dass die gar nicht systemrelevant seien, weil die das am Ende nur fürs Geld machen. Das wäre in höchstem Maße unfair, und so wollen wir im Einzelhandel unsere Tarifpolitik gar nicht erst anfangen.

Wir haben durchaus stabile Umsätze, das ist korrekt. Einerseits die Hamsterkäufe, das war für uns eine erhebliche Stärkung, und dann haben die Kunden seit der Senkung der Mehrwertsteuer auch sehr viel mehr bei uns gekauft, was sie sonst nicht gekauft hätten. Wir müssen die Senkung nicht aus eigener Tasche bezahlen, aber für uns ist sie ein hervorragender Werbeeffekt. Dass einige Händler den Kunden darüber hinaus noch höhere Rabatte gewähren, das ist Marktverzerrung, aber das halten wir aus. Unsere Mitarbeiter können ja gerne bei denen einkaufen, wenn es ihnen bei uns im eigenen Laden zu teuer ist.

Auf der anderen Seite müssen Sie beachten, dass wir durch die Umstellung auf niedrigere Steuersätze einen erheblichen Mehraufwand an Personal hatten, der unsere Kosten nach oben treibt. Würden wir jetzt noch mehr Mitarbeiter einstellen, die dann auch genau wissen, dass es sich um einen Job mit viel Stresspotenzial handelt, dann müssten wir die Löhne auch anheben – das kann man den Mitarbeitern nicht zumuten. Wo bleibt denn da die Lohngerechtigkeit? Wenn wir jetzt Mitarbeitern, die Mehrarbeit geleistet haben, die Vergütung dafür wegnehmen würden, die ja eigentlich der Erhöhung der Löhne entspricht, dann wäre das letztlich auch schon Betrug, und dann würden wir keinen mehr finden, der uns bei Mehrarbeit unterstützt, und das wäre kein gutes Signal für andere Einzelhändler.

Außerdem müssen Sie hier das Prinzip der situationsangepassten Lohnzurückhaltung immer auf dem Schirm haben. Wenn eine Rezession droht, will man die Ausgabenseite unter Kontrolle haben, damit man nicht in die roten Zahlen kommt, wenn es dann auf dem Tiefpunkt zu hohe Lohnkosten sind im Vergleich zu den anderen Posten, die Sie für ein laufendes Geschäft berücksichtigen müssen. Wenn dann die Umsätze langsam wieder steigen, wenn sich dann der Aufschwung ankündigt, dann muss man doppelt vorsichtig sein, weil jetzt jede Gehaltserhöhung die Chancen auf dem Markt wieder zerstören kann, weil die Kapitalbasis nie angegriffen werden darf. Und wenn Sie auf dem Höhepunkt sind, voll im Boom – das weiß ja jedes Kind, da ist es unmöglich, die Löhne zu erhöhen, weil es viel zu wenige Arbeitskräfte gibt, und da der nächste Abschwung schon am Horizont drohen könnte, wäre es ja geradezu Wahnsinn, den Leuten mehr zu zahlen als unbedingt nötig.

Und betriebswirtschaftlicher Unsinn ist es auch, aber das wissen Sie ja. Wir haben schließlich eine Verantwortung für den Markt, und gerade wir im Einzelhandel sollten uns dessen immer bewusst sein. Wir kalkulieren nach dem Minimalprinzip: so wenig wie möglich ausgeben, damit wir den Vorteil auch weitergeben können. Das sichert Marktanteile, und damit ist es auch sozial verantwortlich, weil es Arbeitsplätze sichert. Kommen Sie noch mit? Ein Beispiel: wir können die Verkaufspreise für Fleisch nicht beliebig gestalten, weil wir da nicht genügend Kontrolle haben, deshalb müssen wir einen Teil der Kontrolle abgaben an die Produzenten. Wie die ihre Ware erzeugen, das entzieht sich letztlich unserer Kenntnis, deshalb können wir das ja auch nicht kontrollieren. Vermutlich haben die da ihre eigene Kalkulation, aber uns geht das gar nichts an, wir brauchen dann eben nur den Preis für das Produkt, und da setzt dann unsere eigene Betriebswirtschaft an. Wenn wir den Preis nicht optimieren können, dann gefährden wir Arbeitsplätze, und letztlich werden wir damit unserer sozialen Verantwortung nicht mehr gerecht.

Das ist ja auch alles ganz schön, wenn sich die Politik hier einmischen will und wenn sie einen allgemeinen Tarifvertrag für den Einzelhandel fordert, aber Sie müssen bedenken, wir haben einen durchaus funktionsfähigen Markt, unsere Branche ist stark, zum Teil sind unsere Börsenkurse gerade extrem stabil, wenn wir uns gerade konsolidieren müssen, und dann müssen Sie auch an die Zukunft denken, denn wir brauchen auch für andere Lagen noch ausreichend Mitarbeiter, damit wir den Markt versorgen können, ob mit Pandemie oder ohne. Da müssen Sie als starke Branche auftreten und den Bewerbern sagen können: unsere Jobs sind so systemrelevant, dafür gehen Kunden sogar auf den Balkon und klatschen. Oder was meinen Sie, wie man so einen Konzern in die Gewinnzone führt?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXVI): Kapitalistischer Eskapismus

7 08 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, da schien jene unlösbare Verbindung von Religion und Gesellschaft noch sinnvoll zu sein; wer mühselig und beladen war, und das waren eben alle, suchte Erquickung im Glauben, wo sich die unfreundliche Realität ein Stück weit ausblenden ließ. Zwar hält sich der Unterhaltungswert von zwanzig Rosenkränzen für Durchschnittspersonen ohne ausgesprochene Leidensbejahung in engen Grenzen, doch schon die Heilige Messe mit Brot und Wein, Weihrauch und Georgel stärkte die Kraft der Menschen, in einer Welt voller Sünde und miserabler medizinischer Versorgung vor der Erfindung von Flaschenbier und Streamingdiensten den notwendigen Beitrag zur Erhaltung weltlicher Güter im Dienste der Obrigkeit zu leisten. Uns geht es vergleichsweise gut, wir haben Flaschenbier und Streamingdienste, zahlen Steuern, statt den Zehnten abzugeben, und befinden uns trotzdem in einer eher noch mieseren Lage. Die Religion hat sich in die Transzendenz verkrümelt, das System verspricht so gut wie jedem irdisches Heil, wo er nur gewillt ist, dafür anderen eins aufs Maul zu geben, und nur die Ewigkeit ist geblieben, dummerweise in Gestalt des Hamsterrades, dem Sinnbild des Kapitalismus. Was aber hält uns heute so leidensfähig?

Das Flaschenbier ist es nicht, da abgesehen von ein paar aufgekratzten Werbespots keiner das Zeug zum Objekt unserer existenziellen Träume macht. Wir haben aus unseren affektiven Bedürfnissen, aus der Suche nach Entspannung und Ablenkung, einen Hochleistungssport gemacht, der selbstverständlich den Gesetzen des Marktes genügt: immer die beste Gelegenheit suchen, das Minimalprinzip verfolgen, und alles außer uns ist Feind. Wenn wir uns schon zu Tode amüsieren müssen, dann soll es wenigstens erfolgreich sein. Was uns integriert, Identifikation und Selbstfindung gibt, ist nur Nebenwirkung der hektischen Suche nach emotionaler Erregung, die erst mit dem Übergang zur Biomasse jäh abbricht, weil wir die Endlichkeit begreifen. Aber begreifen wir denn überhaupt die Wirklichkeit davor?

Wo uns die Conditio humana mit voller Wucht einholt, breitseitlich trifft und aus der Bahn kegelt, bemerken wir, dass die apokalyptischen Reiter noch immer munter ihre Runden drehen. Technisch sind wir inzwischen imstande, den Planeten mehrfach in die Luft zu jagen, wenn nicht zuvor aus klinischer Beklopptheit heraus unsere Art die erste ist, die sich zielgerichtet selbst ausrottet, weil sie ihre religiösen Fantasievorstellungen hier auf Erden verwirklichen will – der Kapitalismus ist die Religion geworden, die sich den Nachwuchs in den Gierschlund stopft, und also kann sie nicht mehr als teils sinnvolle, teils ins Absurde entlastende Gegenwelt der materiellen Gesellschaftsordnung dienen, sondern nur noch sich selbst auf sich selbst beziehen, womit dann auch die Identifikation brüllend an die Wand fährt, wo der ganze Rest schon herunter rinnt. Selbst da, wo der große Grauschleier der Langweiligkeit das Sein in unerträglich breiigen Stumpfsinn verschwiemelt, bleiben nur noch Entfremdung und Angst, die im Rausch weggeshoppt werden, im perpetuierenden Partymarathon über die Klippe stolpern, auf der Flucht vor der Flucht rund um den Globus fliegen und immer neue Fluchtpunkte suchen, bis wir mit touristischen Mitteln den Rest der Umwelt erledigt haben.

Sehnt sich der Realitätsallergiker nach Katharsis im Sinne der Tragödie oder einfacher Regeneration, wie sie eine Woche Malle im Ethanolkoma en passant erledigt als Fußtritt in den Resetknopf? Ist Gleichgewicht von intelligenzabstinenter Duldung der Istzeit und idealtypischer Traumwelt mit oder ohne Hilfsmittel aus der Drogenküche ein guter Weg, auch wenn ihn die obersten Zehntausend für sich behalten? Harmonisieren wir uns gerade zu Tode, um den Boden unter den Füßen zu finden, damit die Würg-Life-Balance Balance uns nicht versehentlich den Magen umkrempelt? Oder ist der Schmodder doch nur verzweifelte Reaktion auf den Triebstau, den Priester der Betriebswirtschaft in uns erzeugt haben, als sie drakonische Strafen für die Steuerhinterzieher unterhalb der Armutsgrenze mit Notwehr gegen den Staat für Steuerhinterziehung oberhalb der Milliardengrenze verteidigten, weil man den Stumpfstullen stets vorturnen muss, dass sie als Opfer der intellektuellen Raumkrümmung nicht in ihrer eigenen Blödheit gefangen sind, sondern in den taktischen Grenzen des Systems?

Was auch immer sich hier anstaut, es sucht nach einem Ventil. Dies Virus hat uns nur angezählt, das nächste ebnet ein, was die Flut an Zivilisation nicht mehr beseitigen wird. Religionen mögen noch Heil versprechen, solange es keiner Marktanalyse nach Verbraucherzufriedenheit unterzogen wurde, doch der Kapitalismus kann mit Freiheitsversprechen, die nur Narkose von der Sklaverei meinen, nicht viel erreichen. Wir wären gerne Kapitalisten, uns fehlt nur das Kapital, weshalb eine Ersatzreligion mit der Option auf Mitmachgerede so kläglich versagt. Die alten Vorstellungen hatten noch eine Gemeinschaft der Heiligen, quasi das Zwei-in-eins-Produkt der virtuellen Spiritualität. Welcher Knalldepp gibt das für den sozialen Vollkollaps aus?





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXV): Der Krieg gegen Drogen

31 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Prohibition war ein großer Erfolg. Keiner hatte mehr Zugang zu alkoholhaltigen Getränken, nur noch die, die es wirklich wollten. Während sich das Verbrechertum in den Metropolen allmählich zu professionalisieren begann und sein Business mit Gewalt durchsetzte, starben immer mehr harmlose Säufer an Billigfusel, vergälltem Sprit und Hinterhofplempe. Besser scheiterte nur der Krieg gegen Drogen.

Wüste Geschichten kursierten damals in den Gepeinigten Staaten: Afroamerikaner, Latinos und Mexikaner würden im berauschten Zustand über die weiße Frau herfallen, ein Muster, das noch heute von dementen Drecksäcken in Führungsposition für alles benutzt wird, was man sich auf Adderall aus der Hirnrinde rotzt. Weiße, so das Märchen, würden durch Hanfrauchen wahnsinnig und suizidal. Nach einem Zwischenspiel, in dem ein paar Millionen Soldaten auf Panzerschokolade die halbe Welt in Schutt und Asche legten, waren den die Schuldigen schnell gefunden. Linke Pazifisten und Schwarze, die sich kein Meth reinpfeifen wollten, um Vietnam in die Steinzeit zu ballern, mussten so schnell wie möglich diskreditiert werden. Dass von Adenauer bis Kennedy das politische Establishment weiter fleißig Speed schmiss – geschenkt.

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft der großen Wirtschaftsnationen waren nie wirklich ein Geheimnis, mehr noch: die Gesetze des Marktes funktionieren geradezu vorbildhaft da, wo sie gar nicht funktionieren sollen. Die Nachfrage bleibt, da man den Drogenkonsum nicht einfach durch eine rationale Verbraucheransprache wegsteuern kann, denn Sucht (falls man partout pathologisieren will) ist eben kein unabhängig von anderen Stellgrößen kontrollierbares Phänomen; sogenannte legale Drogen wie Alkohol oder Nikotin fördern lediglich die kognitive Dissonanz, dass Missbrauch nur da vorliegt, wo eine Regierung sich im Kopfschrott der Ideologie verrennt. Weicht der Kunde auf potentere Produkte aus, steigt auch bei sinkendem Angebot der Preis, Herstellung und Vertrieb von allerhand Betäubungsmitteln wird ein attraktives Geschäft, und wie in der Prohibition weniger Wein und Bier, dafür aber mehr Schnaps erzeugt wurde, da mit raumsparend lager- und transportfähigem Alkohol die Marge optimiert werden kann, so füllen auch Designerdrogen aus dem Baukasten schnell und einfach die Kassen der Kartelle. Volkswirtschaft ist kein Hexenwerk. Wer hätte das ahnen können?

Die Erkenntnis, dass Korruption nicht nur auf Entwicklungsländer beschränkt ist, in denen Mohn und Coca kultiviert werden, ist ebenso neu. Keiner hätte für möglich gehalten, dass sie eine lukrativere Einnahmequelle als Sweatshops wäre oder als der Polizeidienst. Exakt so bekommt Gewaltherrschaft ein stabiles Fundament, allerdings nur da, wo die Industrienationen sie dulden. Die Gewalt in der eigenen Nachbarschaft übernehmen die Gangs, die Kriminalisierung und soziale Ächtung formten, da die Minderheiten eh zum Abschuss freigegeben worden waren. Natürlich schwiemelt sich das auch hier noch eine scheinbar wasserfeste Welterklärung zurecht, dass die ausgegrenzte Unterschicht ja mit dem Drogenkonsum schon angefangen hatte, als der rechtschaffene Herrschaftsapparat seinen Krieg noch nicht erklären wollte. Mit der Stigmatisierung und Kriminalisierung der verhassten Segmente wird der Prozess zum Perpetuum mobile und zum Ideal eines jeden Krieges, der sich selbst und damit die ernährt, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen, als andere zu unterdrücken und zu vernichten.

Der angenehme Nebeneffekt, der ökonomisch vor allem der Oberschicht zugutekommt, ist die Gefängnisindustrie, die absurd hohe Haftstrafen für Bagatelldelikte und den sicheren Nachschub an Delinquenten als gute Grundlage für den Reibach feiern. Was die Wirtschaft doppelt schädigt, die Stilllegung hunderttausender Arbeitskräfte bei hirnverbrannten Kosten, unterfüttert dann auch die rassistischen Vorurteile einer Politik, die Schwarze wegen ihrer Haftkarriere deklassiert, während der Drogenkonsum unter Weißen weiter verbreitet ist und von ihnen gesteuert wird. Das wird die Law-and-Order-Bullen in den Entwicklungsländern nicht kratzen, sie kopieren ungeniert die Gewalt der weißen Anführer, nur noch gewaltsamer. Da die Knäste in Kuala Lumpur nicht ganz so sauber sind wie eine JVA in Japan, gleitet das Verfahren oft in Menschenrechtsverletzungen ab, in Säuberungen, Hinrichtungsorgien und Schutzgelderpressung, um das nackte Leben zu retten. Der Mensch ist schlecht und verdient nichts Gutes. Wenigstens das kann man den Militärdiktaturen sofort glauben.

Natürlich könnte man den Markt austrocknen, indem man die Verbote aufhebt, die Konsumenten sozial betreut, den Stoff einer Qualitätskontrolle unterwirft, ihn hoheitlich abgibt und besteuert. So, wie man in einer ohnehin fragilen Wirtschaft auch die Existenz der Bevölkerung durch die Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens sichern könnte. Aber der schöne Krieg an allen Fronten, um die verdammten Minderheiten, die in der Summe eine Mehrheit sind, um sie alle zu knechten – denkt denn keiner an den schönen Krieg?





Corona Tours

30 07 2020

„Das ist echt total dufte, die ersten haben sofort zugegriffen und sind total begeistert. Total gut. Wir haben zwei Hotels, direkt nebeneinander, direkt in Strandnähe, das wird ein super Urlaubserlebnis. Sie werden sich wirklich richtig super erholen. Falls Sie das wollen.

Wir glauben ja an das Menschenrecht auf eine individuelle Urlaubserholung, das ist bei uns in der Unternehmensbeschreibung auch so beschrieben, und wenn Sie sich einfach zwei Wochen lang ohne Sorgen entspannen wollen, dann können Sie sich mit uns auch zwei Wochen lang einfach so ganz ohne Sorgen entspannen. Total gut. Sie sind von Anfang an in den besten Händen – also keine leeren Sitze in der Maschine, wir können uns das nicht leisten und Sie wollen natürlich auch nicht auf dies Urlaubsfeeling verzichten, stimmt’s? – und das wird auch bis zum Ende so bleiben.

Bis zum Ende der Reise, nicht, dass wir uns da jetzt falsch verstehen. Unser Risikomanagement ist total professionell, das haben wir mit mehreren sehr professionellen Unternehmen abgesprochen, und da wir das für professionell halten, kann man das auch als professionell bezeichnen. Sie brauchen also gar keine Befürchtungen zu haben. Wir empfehlen in der Reiserücktrittsversicherung selbstverständlich das Tragen von Schutzmasken, weil es irgendwo in einem Vertragsbestandteil stehen muss, aber das ist ja auch nicht weiter kompliziert. Sie lesen das nicht, davon gehen wir mal stark aus, und wenn Sie es lesen, dann unterschreiben Sie es halt trotzdem, oder wir haben kein Problem, weil Sie dann nicht mit uns verreisen. Total easy, also vor allem für Sie. Wir kümmern uns um den juristischen Rahmen, Sie brauchen eigentlich nur mindestens zwei Wochen, in denen Sie nichts anderes vorhaben.

Dieser regionale Ansatz ist für uns total toll, da wissen wir schon: Reisewarnungen sind innerhalb der EU wichtig, aber Sie wollen sich ja entspannen und Urlaub machen, also muss Sie das kümmern? Eben. Es kann ja sein, dass die Einheimischen sich eher infizieren, aber ich frage Sie jetzt mal ganz ehrlich: wann haben einen deutschen Urlauber diese Einheimischen interessiert? Vielleicht kurz nach dem Krieg, weil man da seinen Kindern über den Weg gelaufen ist, ohne es zu wissen, aber das kann man heute ja ausschließen. Auf der anderen Seite haben wir für Sie in der Reiserücktrittsversicherung eine Bestimmung aufgenommen, dass Sie für die Infektionen in Ihrer Kommune nicht verantwortlich sind und sich auch nicht informiert haben, ob Sie ein Infektionsrisiko darstellen. Das müssen Sie gar nicht weiter ernstnehmen, wir wollen uns da nur absichern, falls die anderen Länder ihre Gesetze plötzlich ändern sollten. Dann muss man reagieren. Das werden Sie als Verbraucher sicher verstehen.

Dann haben wir ein paar Extras installiert, die sind auch total klasse für deutsche Kunden, weil die das ja nicht anders gewohnt sind. Wir haben für Sie selbstverständlich Frühstücksbüffet, ist zwar sonst verboten, aber die Hotels bauen das in der Kellerbar auf, da fällt das nicht so auf. Der Vorteil für Sie, es gibt ab acht Uhr Alkohol, je nachdem, ob Sie noch wach sind oder schon wieder. Total gut. Natürlich ist das nur für spezielle Gäste und wird sehr streng kontrolliert, aber nur bis zur Kellertür. Sie müssen die Masken also bis zur Kellertür mitnehmen und vorhaben, sie aufzusetzen, und was dann hinter der Kellertür ist, das wird dann nicht mehr kontrolliert. Unser Manager war mal Sicherheitschef bei einem Fleischproduzenten, der kennt sich mit Richtlinien aus. Total gut.

Was auch total gut ankommt, ist unser Service am Pool. Sie müssen da nicht mehr selbst Liegen reservieren, wir legen Ihre Handtücher schon vor Sonnenaufgang drauf. Sollte es da nichtdeutsche Gäste geben, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Wir werden denen früh genug beibringen, wo der Hammer hängt. Das läuft total gut. Wenn das Personal sich schon freut, dass endlich wieder Deutsche da sind, dann werden Sie mit den paar Ausländern im Urlaub auch zurechtkommen. Also mit den Gästen. Die anderen leben da, das lässt sich nicht immer so schnell ändern. Denken Sie an den letzten Weltkrieg.

Diese Quarantänemaßnahmen müssen Sie nicht wirklich ernstnehmen. Das ist nur für den Fall, dass die Bundesregierung das tatsächlich anordnet, aber da wir jetzt die Kommunen in der Pflicht haben, ist es nicht wirklich ersichtlich, dass Sie als Urlauber irgendwelche Bestimmungen des Seuchenschutzes zu bedenken hätten. Wenn Sie jetzt zum Beispiel am Flughafen München, dann starten Sie ja unter Umständen auch schon mal in Hamburg-Altona, und wenn Sie auf dem Rückflug, das ist ja dann vertraglich total gut gesichert, dann werden Sie mit der Sportmaschine direkt in der Lüneburger Heide abgesetzt. Das ist dann viel dichter am Standort als München. Vor allem, wenn man sich da mit drei Rollkoffern den Weg bis zur nächsten Bundesstraße zusammengoogeln muss.

Wir denken an alles. Keiner weiß, wie sich die kommenden Monate entwickeln, und wenn Sie jetzt noch einmal eine schöne Zeit erleben, dann ist das für Sie und für alle eine hervorragende Zeit, in der wir uns total um Sie… – Einbettzimmer? Nein, das ist nicht das, was Sie denken. Nur für den Fall, dass wir medizinische Komplikationen haben. Also eher Sie.“





Stammbaumforschung

29 07 2020

Hier war schon länger nicht mehr gelüftet worden. Aber das passte zu der düsteren Kneipe, in deren Ecke Doktor Doppler den Inhalt seines Köfferchens ausbreitete. „Die ersten werden gleich da sein“, erklärte der Politologe. „Bestellen Sie sich schon mal ein Bier, dann können wir gleich anfangen.“

Unter einem Dorfkrug hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber auch das hier war durchaus bezeichnend. Aus dem Hintergrund dudelte kratzig und monoton ein Spielautomat, die Aschenbecher wurden vermutlich einmal im Jahr grob gesäubert, das Getränkeangebot entsprach in etwa der Genfer Konvention: wer hier reingeriet, verdurstete nicht. Damit war der Kultur aber auch Genüge getan. Der Wirt, ein faltiger Mann von undefinierbarem Alter in einer Lederweste, die noch älter sein musste als er selbst, ließ in stoischer Ruhe Bier in die Gläser laufen. Langsam betraten die Gäste den Raum, einer nach dem anderen, und setzten sich missmutig auf Bank und Stühle. „Lahnstein“, murmelte einer der Herren, eher verärgert als erfreut, mit der halben Andeutung eines Kopfnickens. Er und der zweite, der sich später als ehemaliger Postbote zu erkennen geben sollte, hatten schon die Gläser vor sich stehen. So hätte der Abend enden können.

„Sie haben dies sicher schon gelesen“, begann Doppler die Runde, indem er ein Schriftstück in die Mitte des Tischers schob. „Tja“, sagte Jensen, „da macht man nun so Aufhebens davon, dabei ist da gar keiner zu Schaden gekommen.“ Der seit Jahren pensionierte Verwaltungsbeamte, der überwiegend im Rathaus seinen Dienst versehen hatte, wiegelte ab. „Dass die das nicht als Postbrief verschicken, sondern als elektronische E-Mail, das ist ja auch zu bedenken. Das hätte man einfach löschen können.“ „Jedenfalls hätte ich einen Drohbrief sofort bei der Polizei angezeigt. Sofort!“ Theodor Motzfeld, als Feuerwehrmann mit 64 im Ruhestand, sank in den Stuhl. „Ich will gar nicht wissen, woran Du einen Drohbrief erkannt hättest“, warf er ein. Hubert kniff beleidigt die Augen zusammen. „Am Umschlag. Nach spätestens zwanzig Jahren weiß man, was in einem Brief steht, und muss ihn nicht mehr…“

„Und einen Doppelten“, brummte Zeisig. „Wie immer“, bestätigte der Wirt und stellte die beiden Gläser vor den Pferdewirt. „Es handelt sich hierbei um schwerste Straftaten“, wandte Doktor Doppler ein. „Na“, sagte Motzfeld bedächtig, „es sind nicht nur Ausländer gewesen.“ „Die können doch wieder nach Hause ziehen“, gab Jensen zurück, doch Karl-Friedrich Lahnstein wusste es besser. „Manche von denen sind hier geboren.“ „Dann sind es eben keine Ausländer“, beharrte Zeisig und kippte den Kurzen. „Deshalb auch die Mails“, bestätigte Jensen. „Wenn man Ausländern schreibt und nicht weiß, wo die sich gerade aufhalten, macht man das per Mail, weil die überall zugeschickt wird.“ Keiner konnte der Logik widersprechen. Sie schauten beruhigt in ihre halbvollen Biere.

„Der Skandal ist doch aber“, mischte sich der Doktor erneut ein, „dass es sich um einen Polizisten gehandelt hat, und um seine Frau.“ Motzfeld legte die Stirn kraus. „Um einen ehemaligen“, korrigierte er. „Ein ehemaliger Polizist, also handelt es sich nicht mehr um ein Dienstvergehen.“ „Und wie kam er dann an einen Polizeicomputer?“ „Das muss er doch wissen“, stichelte Lahnstein. „Wer einmal zur Verwaltung gehörte, der ist immer noch gern als Gast gesehen und kann, nur mal so als Beispiel, den Pritschenwagen vier Wochenenden hintereinander als nicht fahrtauglich melden, weil seine Tochter gerade am Waldpark das Häuschen baut.“ Jensen grinste. „Ich wäre ganz vorsichtig“, antwortete der bullige Brandmeister. „Sonst kommt noch raus, dass einer seit 1975 die Fotokopien fürs Archiv des Anglervereins im Bürgermeisterbüro macht.“

„Sagen Sie mal“, ergriff Zeisig das Wort, „Sie sind doch einer von der Staatspresse, richtig?“ „Wie kommen Sie darauf?“ Doktor Doppler war ehrlich entrüstet. „Ich arbeite für das Bundesministerium des Innern!“ Der Wirt begann sofort, die Schnäpse wieder nachzufüllen. „Das ist doch fast dasselbe“, motzte der Briefträger. „Entweder Sie finden raus, was die am nächsten Tag im Fernsehen sagen sollen, oder das Fernsehen sagt Ihnen, was Sie am nächsten Tag rausfinden müssen!“ Zeisig goss den Korn in den Hals. „Wollen Sie uns denunzieren, weil wir uns von dieser kommunistischen Diktatur nicht den Mund verbieten lassen?“ „Das darf man ja alles in der Öffentlichkeit schon gar nicht mehr sagen“, ereiferte sich Motzfeld. „Ich kenne genug, die sind von der Polizei abtransportiert worden!“ Ich stellte das Glas ab. „Gut, wen denn?“

„Es hat keinen Zweck.“ Doktor Doppler ging noch einmal die Anweisungen des Protokolls durch, bevor er den Koffer schloss. Es war auch schon dunkel geworden. Jeden Augenblick musste das Taxi kommen, das uns bis zum Bahnhof in der Kreisstadt fahren würde. „Dennoch halte ich es für eine gute Idee, wenn man in diesen politisch so unruhigen Zeiten den Konflikten auf den Grund geht und sich genau überlegt, woher diese irrational aufgeladene Haltung kommt und wie sie sich auf die sozialen Spannungen auswirkt.“ Hastig zündete er sich eine Zigarette an. Nach ein paar Zügen wirkte er schon entspannter, aber auch resigniert. „Wir müssen es wohl zugeben, es gibt immer noch eine gewisse Schicht, die sich nicht integrieren will und auch gar nicht integrieren kann. Was meinen Sie, so als verfassungstreuer Staatsbürger – ob man die einfach aufgeben soll?“





Blindgänger

28 07 2020

„Sonntags durchgängig, aber Sie müssten dann schon in die regionalen Verlautbarungen schauen, ob in Ihrem Bundesland, Regierungsbezirk oder Landkreis eine Sonderregelung installiert wurde. Kann ja gut sein, Sie jubeln da gerade für so ein paar Krankenschwestern im öffentlichen Dienst, und in Wirklichkeit sollten Sie für unsere deutschen Küchenbauer applaudieren, die dann gar nicht mitgemeint sind. Wie ungerecht wäre das denn?

Also wir organisieren hier nur die erste Ebene der Kommunikation. Was wir nicht abwimmeln können, wird an die zweite Ebene durchgestellt, und dann kommt die dritte. Und ab da ist es dann auch schon egal, das interessiert die Öffentlichkeit sowieso nicht mehr. Die Hauptsache ist doch, dass Sie auf dem Balkon stehen, so Sie denn einen haben in Ihrer Wohnung, sonst müssen Sie halt zu den Nachbarn. Ist ja wieder erlaubt. Würde auch der raschen Durchseuchung Vorschub leisten, aber das nur nebenbei. Also der Balkon. Je öfter Sie klatschen, desto besser. Allerdings muss das alles korrekt organisiert werden, und hier kommen wir ins Spiel.

Wir haben das mal ausgedruckt, das ist nicht so einfach. Als Ablaufdiagramm ist das natürlich ein bisschen übersichtlicher, aber auch nur für die jeweiligen Kommunen, sonst passt das wieder nicht auf eine Seite DIN A3. Also hier sehen Sie zum Beispiel Dienstag, 14:00 Uhr und Mittwoch ab halb vier bis spätestens sechs, aber nicht an Feiertagen oder in den Schulferien, wobei die beweglichen Ferientage gehen da ja noch mal extra, aber das ist schon wieder auf Landesebene koordiniert. Also Dienstag von 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr. Wer? ach so, da muss ich mal nachsehen. Gelb mit Schraffur ist Brummifahrer. Dienstag und Mittwoch, wenn Sie für die Brummifahrer klatschen wollen. Bis zum Mittag können Sie Erzieherinnen und Erzieher mit Ihrer Geräuschentwicklung erfreuen, dann ist Mittagsruhe. Ab zwölf. Das gilt dann aber wieder nicht für Sonntage, weil da keine Mittagsruhe gilt, da müssen die meisten Bürger nicht zur Arbeit, und da sollte auf Empfehlung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auch applaudiert werden. Ist zwar bundeseinheitlich koordiniert, aber einer muss ja sagen, wo es langgeht, nicht wahr?

Verwechseln Sie das nicht mit innerstädtischen Regelungen, die sind dann noch einmal extra. Die kreisfreien Städte beispielsweise können hier aus der geplanten Planung ausbrechen und selbst planen, in Köln beispielweise ist das am Mittwoch für die Autohändler. Da dürfen Sie dann auch bis acht Uhr durchklatschen, aber nicht in den Herbstferien. Da wird das auf Donnerstag verlegt, und am Mittwoch sind die Lehrer dran. Weil die halt zu Hause sind, wir rechnen ja damit, dass in den Herbstferien in der zweiten Welle eh keiner mehr verreist.

Das Problem ist, hier melden sich alle paar Tage Blindgänger. Die verwechseln uns immer mit einer Beschwerdestelle, weil das anscheinend so ist in Deutschland: wenn einer für die Planung zuständig ist, erwartet man auch immer gleich, dass er dafür sorgt, dass der ganze Kram auch klappt. Also ich bin seit dreißig Jahren hier, das wüsste ich dann. Wie gesagt, Blindgänger – neulich hatten wir hier einen Intensivpfleger, der hat sich beschwert wegen der Schokolade. Wir haben es extra so eingerichtet, dass Spahn die nicht selbst übergibt, aber manche müssen anscheinend immer ein Haar in der Suppe finden. Ich möchte es mal so ausdrücken: in der Position sollte man vielleicht dankbarer sein, dass man sich bei überschaubarem Gehalt ausgewogen ernähren kann. Schokolade zählt jedenfalls nicht zu den Lebensmitteln, die man übermäßig zuführen sollte. Aber was verlangt man schon von einem Intensivpfleger.

Montags ab halb zehn können Sie hier, das ist der grüne Bereich mit Sternchen, das ist für den Einzelhandel. Die sind ja immer froh, wenn sie die Kunden zufrieden stellen können, deshalb reicht bei denen überschaubarer Applaus, ab und zu mal ein Pfandbon zum Selbsteinlösen, das wär’s dann aber auch. Nein, ich sehe gerade, das Sternchen ist erst ab 10:00 Uhr. Ist auch irgendwie logisch, so viel muss man da auch nicht klatschen. Das soll ein sehr begehrter Beruf sein, teilweise sind die Leute schon zufrieden, wenn sie da geringfügig beschäftigt sein dürfen. Da muss man der intrinsischen Motivation auch mal ihren Lauf lassen, sonst verwandelt sich das in eine Art emotionales Grundeinkommen. Wenn Sie jeden Tag gelobt werden, dass Sie noch zur Arbeit erscheinen, dann verliert das irgendwann seinen Reiz und Sie kündigen innerlich. Für den Arbeitsmarkt kann das negative Folgen haben, aber die Konsequenzen für die Rendite sind noch viel schlimmer. Das kann doch keiner wollen.

Wir haben hier noch jede Menge Berufe, mit denen Sie sich auseinandersetzen können, immer dann, wenn Sie mal ’ne Ecke Zeit haben, alles gut lesbar aufgelistet. Teilweise haben wir regionale Unterschiede, hier sehen Sie zum Beispiel die Zellstoffindustrie – einer muss das Toilettenpapier ja herstellen, das Sie da so fleißig wegbunkern. Da können Sie freitags gerne klatschen, das ist hellblau mit Schraffur, oder ist das mit Seitenbalken? Naja, Sie können sich das selbst mal abgucken, ich muss mich jetzt wieder um die Koordination der einzelnen Berufsgruppen in den Zulieferbetrieben der Automobilindustrie kümmern. Das macht sich ja nicht von alleine. Wie jetzt, Krankenschwestern? und auch noch im öffentlichen Dienst? Wieso soll man denn da klatschen? Haben die sich ihren Job nicht selbst ausgesucht?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXIV): Mobbing

24 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Man kann dem Sozialverhalten der Primaten vor der amtlichen Feststellung einer eigenen Art nicht viel vorwerfen, es sei denn, dass unsere Spezies die blinkenden, hupenden, pavianarschroten Zeichen nicht intellektuell verarbeitet hätte. Die Primaten, die auf anderen Kontinenten ein geruhsames Leben führen könnten, würden ihnen nicht Festlandaffen in Polyesteranzügen das Leben schwer machen, die sich mit allerlei Biomasse den Leib behängen, sind nicht so ruinös für die Umwelt, wie man für Gold und Silber Kinder bräuchte. Sie bollern nicht im SUV durch die Natur, wo es keine gibt. Und was die Konkurrenz der anderen Affen angeht, das wird gnadenlos ausgesessen. Wie gut, dass wir Mobbing nicht mehr als Rückfall in längst überwunden geglaubte Entwicklungsstufen ansehen.

Wobei es genau so ist: die Menge an (je nachdem) Federvieh oder Schuppentieren sieht den Fressfeind am Rande des Territoriums erscheinen und startet den großen Aufstand, sobald sich eine der böswilligen Kreaturen blicken lässt. Dass sich die konzertierte Aktion rentiert, wird durch mehrere Kleinigkeiten konterkariert. Am Ende bleibt das Bild des honkenden Geflügels, wie es sich kein Wahlkampfeinpeitscher schöner würde wünschen können.

Die menschliche Gesellschaft, wenn es denn eine solche überhaupt geben sollte, plant langfristig und überlegt, welche Erschütterungen sie dem System überhaupt zumuten kann. Selten sind es die Grundfesten der sozialen Verschwiemelung, die in Generationen und Generationen der Evolution zu einem Zement der Undurchdringlichkeit geraten sind. Ihr Bestehen ist die Wunschvorstellung, wie sie den privilegierten Klopsen vor dem Christfest durch die Birne geistert, aber das war’s dann auch schon. Beton ist ihre Religion. Aber es gibt nicht ohne Grund Erdbeben. Das Verhaltensmuster aus dem Tierreich zeigt zunächst, dass sich eine ganze Horde disparater Feuchtbeutler angegriffen fühlt, vollkommen unabhängig, warum. Wahrscheinlich hat ein einzelnes Individuum schräg geguckt, was in den Abendnachrichten für eine Schlägerreich ausreicht, und ab einer genügend großen Menge denken dann die Flattertiere an Umvolkung, weil ihnen das der Albatros aus den USA so erzählt hat.

Aber das Repertoire des Primaten ist nicht mit Frontzahnshow erschöpft. Sobald ein Schimpanse die stellvertretende Leitung der Buchhaltung in der Bananengroßhandlung innehat, sieht die Sache natürlich gleich ganz anders aus. Hier zählt nur die Kompetenz, die von den jüngsten gleich in Frage gestellt wird, sekundiert von den älteren, um die Fronten klar zu ziehen: wir und die. Es bedarf keiner anderen Marker.

Und schon heult die Sirene. Die alten Säcke (wahlweise: die Kinder, Hausfrauen, you name it) dürfen noch viel mehr und werden dafür auch noch bezahlt. Die ungleichen Machtverhältnisse geraten ins Tanzen, und das ist der Punkt. Denn sämtliche Mechanismen – der erledigt seine Arbeit nicht, der ist zu faul, die ist zu fleißig, die ist zu wenig krank – dienen nur der Analyse, wer für eine Treibjagd dient, um die Schwachstellen der Firma oder gleich der Gesellschaft an die lässig verputzte Wand zu werfen. Man kann nichts den anderen überlassen. Entscheidend ist nur, dass sich erst im Laufe der Entwicklung die wirkliche Trennlinie zwischen Tätern und Opfern zeigt, wie sie die miserable Organisation oder die schlechte Bildung der Teilnehmer zeigen. Natürlich sind regelmäßig auch die unbalancierten Regelverhältnisse schuld – es kommt vor, dass Frauen Männern sagen dürfen, was sie zu tun haben – wozu soll man die Opfer der sozialen Ungerechtigkeit mehr als genug betonen? Nachdem es in der Schule genügend brachiale Möglichkeiten gibt, Othering durch hirnlose Kommunikation durchzusetzen, bricht sich das Gemobbe auch in der Arbeitswelt Bahn, will sagen: vom Leben lernen wir, und zwar größtenteils, dass unsere Mitprimaten dümmliche Grützbirnen sind, mit denen sich keine vernünftige Diskussion lohnt. Die Konditionierung beginnt früher, alles fügt sich notfalls knirschend in die Bahnen einer kognitiven Stromlinie, die irgendwo endet, auch wenn wir in seltenen Fällen wirklich wissen, wo.

Konfliktlösungen werden von Therapeuten angemahnt, wo die psychologischen Handwerker sich in der Auslegeware verstecken. Das mag lustig klingen, ist es aber nicht, denn sonst ginge ihnen ein gehegtes Kulturgut durch die Lappen, die allerseits gepflegte Attitüde, den Nachwuchs für degeneriert zu halten, auch wenn man ihn selbst aufgezogen hat. Diskriminierung ist okay, an den Rest haben wir uns gewöhnt, aber wie finden wir jetzt den Weg, dass der böse Ausländer daran schuld ist?





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXIII): Der Zug der Idioten

17 07 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Man kann ihnen viel vorwerfen, aber im Wesentlichen blieben sie sich immer treu. Oder wie sonst sollte man es nennen, dass Ugas Sippe immer wieder trockenes Holz in der Nähe des gemütlichen Feuers innerhalb der Höhle aufbewahrte, das nur zu schnell in Flammen aufging und für ein bisschen Bequemlichkeit die komplette Behausung samt des Nachwuchses abfackelte. Zur Steigerung der Ernte griff der Hominide nicht nur zur sattsam bekannten Buntbeere, sondern klaubte auch allerhand Zeugs am Wegesrand ab, woraufhin der Kalorienbedarf für die dezimierte Familie sich messbar senkte. Ganz ohne Furcht nutzte die Bande auch den Weg am westlichen Hang, der nach starken Regengüssen munter bröckelte und den freien Fall in die sanften Täler freigab – Gleitschirmflieger wissen diese Landschaft noch heute zu schätzen, haben aber die weniger harte Landung. Sie sehen das Verderben, aber sie halten die kausalen Zusammenhänge für Singularitäten. Jedes mal wieder, vor der Erfindung der Sprache und bis in die Gegenwart. Der Zug der Idioten marschiert ungehindert durch die Zeit.

Der Energieaufwand, mit dem reale Gefahren abgewendet werden könnten, wird fleißig genutzt, genau die Gefahren zu ignorieren, und dann, wenn sie augenscheinlich vor allen stehen, sie weiterhin zu leugnen. Dies scheint das Grundproblem der Erkenntnistheorie, mit den Schimmelhirnen der bereits verbrauchten Generation in die Jetztzeit zu wanken in der steten Hoffnung, dass sich durch Zufall die Naturgesetze verändert haben. Natürlich ist der Mensch Risiken ausgesetzt, siedelt er doch von alters her in so frucht- wie furchtbarer Nähe der Vulkane, die ihn fördern und auslöschen. Allein der arttypische Intellekt und seine intermittierende Lernfähigkeit sorgen dafür, dass er auch alternative Möglichkeiten in Betracht zieht. Aber nicht immer.

Ein Musterbeispiel für die verschwiemelten Vorstellungen von Unterkomplexität ist das stetige Hereinfallen auf die Denkmuster des Faschismus in Gestalt einer fälschlicherweise als konservativ verstandenen Gesellschaftsentwicklung. Reichlich Bauernschläue und einäugiger Zweckoptimismus helfen dem Nappel, noch letzte Rest von Geist zu plätten, und schon geht der Ritt wieder los, wie er immer schon aussah: sein Plan, die Vorteile des Totalitarismus ausnutzen wollen, ohne aber seine tödlichen Gefahren in Kauf nehmen zu müssen, geht erwartungsgemäß schief und endet in einer Katastrophe, die es nach hastigen Berechnungen der Berater gar nicht hätte geben dürfen, worauf ein paar Exorzisten den Schutt beseitigen und sich auf die nächste Runde freuen.

Das Verschieben von Gefahren auf vermeintlich beherrschbare Lösungen birgt den großen Fehler, dass damit meist ein früher Zustand vor der Havarie gemeint ist, als könne man einen Tsunami mit zehn Minuten mehr Zeit zum Fliehen noch ungeschehen machen. Idioten erkennen nicht, wann Kipppunkte erreicht sind und was diese für die Entwicklung bedeuten. Als ob vorsichtiges Vorantasten ganz am Rande des Strudels Schutz brächte, entwickeln die Bescheuerten eine Art von Gottvertrauen, die an Realitätsallergie auf klinischem Niveau grenzt. Dazu entwickelt gerade die populistische Schicht, für die noch immer alles gut ausging – meist war sie erst nach dem letzten Desaster geboren oder gar nicht von einem großen Unglück betroffen – eine Verachtung der Gelehrten, die ihresgleichen sucht. Es muss eine kognitive Verzerrung geben, die den sattsam bekannten Dunning-Kruger-Effekt weit hinter sich lässt und die Stars der Bräsigkeitsliga zu Meinungsführern macht, deren Dämlichkeit die ganze Gesellschaft an die Wand fahren lässt. Der Zug der Idioten klingelt an jeder Tür, und er findet jede Menge Gefolgschaft.

Diese kollektive Fehlleistung lässt sich mühelos auf viele andere Dummheiten übertragen. Solange die Einkaufszentren und Freizeitparks noch nicht abgesoffen sind, dieseln wir beschwingt über die Autobahn. Wenn noch keiner in der Familie sein pandemiebedingtes Frühableben zelebriert hat, muss man Freizeitparks und Einkaufszentren auch nicht mit Stofflappen vor dem Gesichtsübungsfeld betreten. Die Deppenpolonäse wälzt sich behäbig durch die von Passivität geprägte Zusammenrottung der Zufallsgeburten, denen alles außerhalb ihres Körpers sowieso gleichgültig scheint, es sei denn, sie hätten dafür bezahlt.

Eine gewisse Meisterschaft hat der Mensch darin erworben, seine Art vor den bizarrsten Folgen gemeinsam praktizierter Torheit zu schützen, indem er eine Reihe bemerkenswert primitiver Knalltüten in herausgehobene Stellungen wählt, um mit ihnen auch gleich den geistigen Dreckrand der Spezies aus der Inkarnation zu kärchern. Bei konstanter Gründlichkeit könnte das gelingen, doch mangelt es vielen Teilnehmern am Populationsexperiment an der erforderlichen Kooperationsbereitschaft, von der Fähigkeit zur Mitarbeit ganz zu schweigen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich diese Spezies in einem Arbeitsgang komplett selbst beseitigt, alle Voraussetzungen dazu sind optimal erfüllt und das Procedere ist lückenlos dokumentiert. Was man uns auch vorwirft, darin bleiben wir uns treu.





Gesundes Misstrauen

16 07 2020

„Wir können ja jetzt nicht davon ausgehen, dass es sich um rechte Netzwerke handelt.“ „Haben wir die Polizei schon mal befragt, ob sie sich so etwas in ihren eigenen Reihen überhaupt vorstellen kann?“ „Das interessiert doch nicht, wir können uns das nicht vorstellen, und damit basta!“

„Man könnte doch trotzdem mal…“ „Nein, das verbittet sich!“ „Sie wollen doch wohl nicht der Polizei in den Rücken fallen?“ „Es ist ja auch nur als ergebnisoffene Frage gedacht, ob die Polizei das überhaupt für möglich halten könnte.“ „Wird sie aber nicht.“ „Eben, und deshalb kann man sie doch einfach mal ergebnisoffen fragen, und wenn sie dann sagt, dass es bei ihnen auf gar keinen Fall Nazis gibt, dann…“ „Moment mal, wie kommen Sie jetzt auf Nazis?“ „Es handelt sich um rechte Netzwerke, und die…“ „Dann sind es im Zweifel höchstens, und ich sage: höchstens rechte Polizisten und keine Nazis.“ „Das ist doch dasselbe.“ „Sie wollen hier wider besseres Wissen einfach so in die Welt setzen, dass es bei der Polizei Netzwerke von Rechten gibt?“ „Ich möchte bloß mal wissen, aus welchem Interesse man sich so etwas ausdenkt.“ „Vermutlich eine schwere Kindheit.“ „Kommen Sie aus der DDR?“ „Aber…“ „Zunächst mal ist diese Gleichsetzung von Nazis mit rechten Netzwerken vollkommen abzulehnen.“ „Sie werden doch wohl nicht leugnen, dass es in der Polizei Nazis gibt?“ „Das hat auch niemand behauptet, aber ich möchte mal wissen, woher Sie Ihr Wissen nehmen, dass die netzwerkartig organisiert sind?“

„Fakt ist jedenfalls, dass vor allem in Hessen immer wieder…“ „Was heißt denn ‚immer wieder‘, das ist doch nicht an der Tagesordnung.“ „Warum müssen Sie immer so übertreiben?“ „So kann man die Debatte nämlich auch ins Lächerliche ziehen, wollte ich nur mal anmerken.“ „Warum kommen die Morddrohungen schon wieder aus der Polizei?“ „Das war von einem Polizeicomputer, aber damit ist doch noch gar nichts bewiesen.“ „Es könnte ja rein theoretisch auch ganz jemand anders diese Mails verschickt haben.“ „Meine Freundin zum Beispiel, wenn die mein Handy sieht, die guckt da auch nach.“ „Ein bisschen gesundes Misstrauen ist nie verkehrt.“ „Sie wollen mir doch wohl nicht weismachen, dass in einer Polizeidienststelle jeder Hans und Franz an einen Computer gehen und sich sensible Daten rausziehen darf?“ „Na, so sensibel war das jetzt auch nicht.“ „Die Frau wusste ja zum Beispiel selbst, wo sie wohnt.“ „Wenn Sie Dinge aus dem Polizeicomputer erfahren, die Sie über sich noch nicht gewusst haben, dann wird’s lustig.“ „Hähähä!“ „Wenn Sie das für komisch halten, wer war dann der Täter?“ „Da müssen Sie dann schon die Polizei befragen.“ „Am besten ergebnisoffen.“ „Man steht doch nicht immer daneben, wenn man mal eine Abfrage tätigt, oder?“ „Vielleicht war es auch technisches Versagen, dass der Computer ganz plötzlich abgestürzt ist, bevor sich der Kamerad hatte abmelden können.“ „Das passiert.“ „Und genau deshalb sollte man mit Verdächtigungen sehr vorsichtig sein.“ „Das ist ein ganz ungesundes Misstrauen, was Sie da an den Tag legen.“

„Für Sie noch mal im Klartext: wir haben hier einen handfesten Skandal, der den Innenminister den Kopf kosten kann.“ „Das ist bedauerlich.“ „Wäre er mal lieber Polizist geworden, da passiert das nicht ganz so schnell.“ „Hähähä!“ „Es ist unsere Aufgabe, diese Vorgänge so umfassend und schnell wie möglich aufzuklären.“ „Das geht aber nicht ohne die Mitwirkung der Polizei.“ „Haben Sie das mal durchdacht, was Sie hier fordern?“ „Übrigens nicht zum ersten Mal, wenn ich mich erinnere.“ „Sie können doch nicht die Polizei, bei der Sie Anhaltspunkte für Nazi-Netzwerke vermuten, zur Aufklärung von Nazi-Netzwerken in der Polizei einspannen.“ „Übrigens meint das ja auch eine ganze Reihe Ihrer Kollegen, wenn ich mich recht erinnere.“ „Es verfestigt sich so ein bisschen der Eindruck, dass Sie die Polizei lächerlich machen wollen.“ „An Ihrer Stelle würde ich mir das sehr gut überlegen.“ „Warum wird nicht wie in anderen EU-Ländern jede Abfrage von Polizeicomputern protokolliert, einschließlich sämtlicher abgefragter Daten?“ „Datenschutz.“ „Stellen Sie sich mal vor, in so einem Protokoll stünden dann Daten, die die abgefragte Person überhaupt nicht kennt.“ „Kann es eigentlich sein, dass Sie nur einen Grund suchen, die deutsche Polizei verächtlich zu machen?“ „Das ist typisch für dieses Verhalten: eine Täter-Opfer-Umkehr konstruieren, damit man von seinem eigenen Versagen ablenken kann.“ „Deshalb auch die schnelle Ausflucht von gewaltbereiten Nazi-Netzwerken, obwohl bisher noch kein einziger Terroranschlag gegen diese kommunistischen Dreckschweine stattgefunden hat!“ „Das gehört sicher in dieses antifaschistische Narrativ, dass man einen Gegner erfindet, den es gar nicht gibt, damit man dann mit der Staatsmacht demokratische Strukturen zerschlagen kann.“ „Sie sollten sich mal vor Augen führen, mit wem Sie sich hier gerade anlegen.“ „Ich lasse mir dieses impertinente Verhalten von Ihnen nicht länger gefallen, ich fordere ab sofort rund um die Uhr Polizeischutz!“ „Das erste vernünftige Wort, das ich von Ihnen höre.“ „Ach, wirklich?“ „Das ist das Mindeste, was man einer demokratisch gewählten Parlamentarierin im Landtag…“ „Wer redet denn von diesem linken Pack? ich fordere Schutz für die deutsche Polizei!“





Darknet

13 07 2020

„… dass der Stadtbezirksbeirat Dresden-Neustadt beschlossen habe, das Internet an einzelnen Tagen abzuschalten. Noch herrsche zwar keine Klarheit darüber, wie das technisch umzusetzen sei, die Räte seien aber fest entschlossen, sich noch vorher zu…“

„… den Internethandel kontrollieren müsse. Da die Konkurrenz für die lokalen Geschäfte zu groß werde, müsse man auch durch Maßnahmen wie diese eine abschreckende Wirkung auf die…“

„… die statt der geplanten verkaufsoffenen Sonntage ausgewählt würden. Man wolle an diesen Tagen das Internet von zwölf bis achtzehn Uhr ausschalten, um durch Umsatzeinbußen bei den…“

„… verteidige die FDP Sachsen den Vorschlag. Man sei im Osten dankbar für jedes Angebot, bei dem Rechtsradikale ihre Zustimmung oder eine…“

„… sei die Aktion ja nicht als Bestrafung der Händler zu verstehen. Es handele sich vielmehr um eine pädagogische Maßregel, mit deren Hilfe die Bürger dazu gebracht werden sollten, ihr Geld wieder vermehrt im…“

„… nicht verstanden habe. Die Bezirksräte seien jedoch zwischenzeitlich darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass es weder einen Ausschaltknopf noch einen Stecke gebe, mit dem man einfach die…“

„… wolle die AfD-Fraktion im Stadtrat die Aktion nur mittragen, wenn diese ausschließlich dem deutschen Einzelhandel diene. Falls deutsche Geschäfte am Sonntag geschlossen seien, müsse man ausländische Geschäfte doppelt schließen, um die Zerstörung der völkischen Wirtschaft durch die linksextremistisch-islamistische Merkel-Junta in…“

„… kaum verhindern könne, dass alle Dresdner ihre Onlinekäufe dann nach achtzehn Uhr tätigen würden. Die FDP Sachsen wolle dies jedoch durch Steuererhöhungen für Geringverdiener so wenig attraktiv wie…“

„… zu einer Gefährdung der Bürger komme, da von einer Abschaltung auch die Infrastruktur des Universitätsklinikums an der TU Dresden betroffen. Die Landesregierung sehe dies aber weniger als Problem, da zahlreiche Patienten sowieso an Corona und anderen Erkrankungen des…“

„… aber keine Internet GmbH & Co. KG im örtlichen Branchenbuch gefunden habe. Die Bezirksrätin der Grünen wolle deshalb beim CCC nachfragen, ob es sich eventuell um eine nur im Ausland arbeitende…“

„… natürlich nicht in den Einzelhandel gehen könnten, da die verkaufsoffenen Sonntage ja schon abgesagt worden seien. Die Stadt vertraue deshalb auf die Vernunft der Bürger, dass sie ihre Käufe an den jeweils folgenden Werktagen in den…“

„… habe die Partei Die Partei zu verantworten. Oberbürgermeister Hilbert halte das Vorhaben für ‚geisteskranke Scheiße‘, die ‚nur von zugekoksten Hohlschädeln‘ ernst genommen werden könne und habe angeregt, dies auch auf Bundesebene mit Parteichef Lindner zu…“

„… die zuständigen technischen Einrichtungen einzeln schließen lassen wolle. Die Polizei habe bereits zugesagt, verdachtsunabhängig die Deutsche Telekom AG mit mehreren Hundertschaften zu stürmen, wenn sie dabei straffrei bis zu…“

„… sei es beispielsweise für Unternehmen in der Produktion so gut wie unmöglich, den Betrieb für sechs Stunden ruhen zu lassen, da eine Vielzahl der Maschinen in der Industrie 4.0 ohne eine durchgängige Netzanbindung nicht mehr rentabel betrieben werden könnten. Hilbert habe sich dafür ausgesprochen, die Netzpause flexibel auch an einem anderen Tag in den…“

„… die Straßenbeleuchtung in der sächsischen Landeshauptstadt netzgesteuert arbeite. Die CDU-Fraktion warne eindringlich vor einem Darknet, das durch die Unterbrechung der…“

„… wolle sich die Partei Die Partei nicht dazu äußern. Die Stadtverwaltung habe den Vorschlag, statt des Internets lieber überflüssige Politiker abzuschalten, zunächst ohne Prüfung auf die verwaltungsrechtliche Machbarkeit des…“

„… sich der Verein Silicon Saxony entschieden gegen den Vorschlag ausspreche, da die Wirtschaftsregion Sachsen schon durch wenige gezielte Selbstbeschädigungen einen erheblichen Vertrauensverlust bei internationalen Investoren erleiden könne. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer habe zugesichert, dass für den Bereich Mikroelektronik ein kleines bisschen Internet aus Resten vom jeweiligen Vortag in den…“

„… verteidige die FDP den Plan. Man wolle ja das Internet deshalb abschalten, damit die Bürger ausreichend Gelegenheit bekämen, sich die von den Geschäftsleuten präsentierten Waren anzusehen. Da es außerhalb der Wohnung ja kein Internet gebe, werde man bei gutem Wetter eine sehr…“

„… nicht zutreffend sei, dass der Stadtrat keine Möglichkeit sehe, den Einzelhandel in Dresden in den Zeiten der Pandemie zu unterstützen. Es müsse allerdings ausgeschlossen werden, dass von den Aktionen der Onlinehandel profitiere, auch wenn er in der Region Dresden ansässig sei oder den…“

„… habe die AfD-Fraktion nochmals darauf gedrungen, dass bis zur Montagsdemonstration die technische Infrastruktur wieder vollständig…“

„… dass eine Stärkung des regionalen Handels für Online-Vertriebskanäle das Problem nicht löse. Hilbert verstehe nicht, wie man beispielsweise eine Pizza über das Internet versenden wolle, und werde eine Steuersenkung daher nicht als…“

„… das Konsumklima wieder so ändern werde, dass nur der stationäre Einzelhandel gestärkt aus der Krise hervorgehe. Der Stadtrat werde durch die Abschaffung der Maskenpflicht eine positive…“