Brandschutzkontrolle

20 03 2017

„… vorerst nur in der Spätphase des Wahlkampfs untersagen wolle. Es sei aber auch denkbar, die Auftritte bayerischer Politiker im Bundesgebiet vollständig zu…“

„… mit dem typischen Faschismus der linksgrünen Stalinistenschweine vorgehe, die die geistig normalen Menschen in einem veganen KZ zu Pädophilie und dem Niederreißen von Kirchen für mehr Windkraftanlagen umerziehen wolle. Scheuer werde jeden dieser undemokratischen Vergewaltigungsversuche der…“

„… einfach mal die Fresse halten solle. Solange die CSU außerhalb des Freistaates nicht antrete, werde Altmaier ihr keinerlei…“

„… bis zur letzten Patrone verteidigen werde. Seehofer plane eine Propagandatour entlang der bayerischen Nordgrenze, die Lautsprecherwagen und weitere wahlkampftechnisch erprobte…“

„… nicht nur wegen der permanenten Attacken auf Merkel ablehne. Das Bundeskanzleramt sei auch davon überzeugt, dass die …“

„… viele Exilbayern in der BRD lebten, die wegen des sozialistischen FDJ-Maulwurfs IM Erika gezwungen seien, eine Chaotentruppe aus der kubanischen Irrenanstalt zu…“

„… dass immer noch das Überflugsrecht über andere Bundesländer bestehe. Dobrindt habe eine Handzettelaktion ins Gespräch gebracht, die mit Hilfe mehrerer Tonnen von Papier pro Tag gegen die Zerstörung des deutschen…“

„… sich Petry gegen eine garantiert auf allen Plakaten und in sämtlichen TV-Spots präsente Zweitstimmenkampagne für die AfD bereiterklärt habe, ihre Termine in den Maritim-Hotels kostenfrei auf die bayerische Schwester zu…“

„… seien verhältnismäßig schnell vom Verfassungsschutz enttarnt worden. Söder habe vor laufender Kamera bereitwillig Autogramme gegeben, während seine Begleiter sich als libanesische Touristen in einer Kölner…“

„… die Polizei Aigner an der deutsch-bayerischen Grenze zurückgeschickt habe. Die Ministerin sei mit der Absicht, einen Zehn-Punkte-Plan zu entwerfen, wieder nach…“

„… einen eigenen Botschafter oder eine ständige Vertretung in Deutschland zu etablieren, da der Freistaat ihn dann nach Belieben zurückrufen oder sogar…“

„… im Straßenwahlkampf agitierten. Den V-Leuten des Inlandsgeheimdienstes sei aufgefallen, dass am Wahlstand in Bad Bramstedt CSU-Fähnchen für einen…“

„… sich in zwischen 69% der Deutschen für ein Einreiseverbot bayerischer Politiker ausgesprochen hätten, bei CDU-Wählern seien dies sogar…“

„… zumindest nicht in diesem Wahlkampf, da die Regierung keinen Unterschied zu machen gedenke. Seehofer habe harte Sanktionen für die Zerstörung der internationalen Reputation Bayerns angekündigt, er werde die Niederlande nie mehr…“

„… von den blutschänderischen Verrätern der Deutschheit, die die Zernichtung der arischen Volksseele durch die Weisen von Zion vor tausend Jahren bereits beschlossen habe, der qualvolle Niedergang des bajuwarischen Gaus und seines männlichsten Willens zur Härte nur durch die brutalste Entscheidungsschlacht zurückgeschlagen werden könne. Höcke werde sofort nach dem…“

„… bereits ersichtlich sei, dass die Prognose auch in Zukunft sehr unsicher ausfallen werde. Eine Integration der bayerischen Minderheit in den anderen Bundesländern sei so gut wie gar nicht…“

„… keine offiziellen Auftrittsverbote gebe. Die Bundesregierung wolle angesichts der Zündeleien nur zu einer verstärkten Brandschutzkontrolle…“

„… alle Nazi-Überbleibsel aus Deutschland zu beseitigen wünsche. Seehofer habe dabei nicht bedacht, dass auch er selbst mit dem…“

„… die Regierung eine Abspaltung in Aussicht stelle, wenn bereits vorher ein Doppelpass für Bayern und die Bundesrepublik…“

„… die Bundesregierung von Bayern eine Obergrenze für Entgleisungen der CSU fordere, da auch Kinder und Jugendliche im…“

„… die Austrittsverhandlungen aus der EU noch beschleunigen könne. Eine weitere Konfrontation der deutschen Bevölkerung mit dem bayerischen Kabinett sei nicht mehr zumutbar und könne zu schweren diplomatischen…“

„… bräuchte die Bundeskanzlerin Bayern gar nicht, um die Anzahl der Flüchtlinge zu reduzieren, was jedoch Seehofer bisher nicht…“

„… vor der UNO aufgefordert worden sei, die Unterdrückung der fränkischen Volksgruppe sofort zu…“

„… einen als Folkloreabend getarnten Auftritt von Christine Haderthauer und Beate Merk mit einem Polizeieinsatz aufgelöst habe. Das LKA Niedersachsen habe den Verkaufsstand mit Modellautos zugunsten der Christsozialen als Devisenvergehen…“

„… als Hirnverlauster Alpensepp / Jodelbazi, Bierschissdepp tituliert worden sei. Seehofer habe die Klage gegen Böhmermann sofort vor dem Hamburger…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXV): Pseudointernationalität

17 03 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es muss im späten Mittelalter gewesen sein. In Bad Gnirbtzschen gab es höchst selten auswärtige Besucher, und wenn, dann kamen sie nicht in friedlicher Absicht. Ein durchreisender Irrer auf der Suche nach einer Ware des täglichen Bedarfs hatte seinen Wortsalat einem der ortsansässigen Händler in die Gehörgänge gepfropft – man schrieb, wie man sprach, nur konnte kaum jemand schreiben – und meinte nun, das gewünschte Butterbrot würde in fremder Zunge mit akzentuiertem Geschnalze tituliert, das zur Steigerung der Produktakzeptanz als neuer Produktname herhalten könne. So brachte der Bäcker seine Bemme fortan als bröselnden Steinbruch enthemmter Konsonanten auf den Markt und freute sich am Volk, das sich täglich beim Kauf das Zungenbein prellte. Geboren ward die heute zur vollen Blüte geschwollene Pseudointernationalität.

Der Beknackte sieht es, sobald er auf der Suche nach einem Coffee to go das City Center shoppend durchquert, wobei er sich zunächst auf einer ganz normalen Anglizismendeponie wähnt. Doch der blecherne Überzug der Angelegenheit täuscht. Es reicht den Buinessleuten nicht mehr, dass der CEO sich asap committet, sie müssen sich eine neue Lebenswirklichkeit schnitzen – nicht einfach, wenn nur noch Magerquark im Kühlschrank dümpelt.

Wie ein aus durchgekautem Geschenkpapier geschwiemelter Goldgrundersatz orgelt sich der ins Dummdeutsche eingeschriebene Service Point in die Ohren wehrloser Reisender: was weniger als nichts bedeutet – darin übrigens dem Service-Versprechen des Transportunternehmens mit den vielen Zügen durchaus vergleichbar – und in der englischen Hochsprache nicht einmal entfernt vorhanden ist, führt ein deutsches Eigenleben aus fadenscheinigen Gründen. Der Teutone quakt so perfekt auswärts, dass er sogar die Einheimischen anderer Herren Länder in die Tasche zu stecken versucht. Es bleibt beim Versuch, aber der sieht schon peinlich genug aus, um das weltmännisch gemeinte Verbalgehampel in einen Schuss vors Knie zu verwandeln.

Inzwischen haben die Parallelgesellschaften sich wie Mehltau über die einstmals reibungslos funktionierende Kommunikation gelegt. Während die durchschnittliche Schnitzelbude erst einmal nur auf Verlangen ihre Speisekarte auf Englisch vorlegt, ist das Bodenpersonal schon weiter und begrüßt in den höheren Etagen der Hauptstadt fremdsprachig, auch wenn es sich nachweislich um einheimische Kunden handelt. Die Strategie ist nicht so ganz ungeschickt, kann man doch durch beharrliches Ausgrenzen den lokalen Sott elegant vor die Tür ekeln, wenn er seine Austern dialektfrei hinters Zäpfchen kippen will.

Jenes auf höherem Level geistig gestörte Personal, das mit seinem grotesken Sprechmatsch die Liste der intellektuellen Unterkellerung knapp anführt, wird dicht gefolgt von einer Beschilderung auf Flughäfen, deren Verbrauch selbst bei einer Inlandsreise nicht ohne ein Cambridge-Zertifikat möglich scheint. Müde fischt ein Senior Junk and Trash Management Assistant die ausgelutschten Dosen aus der Reststoffbowle, damit man merkt: ja, wir sind immer noch in good old Europe. Denn so professionell wie selbstvergessen spiegelt nur der Deutsche eine Weltläufigkeit vor, die er nicht einlösen kann, da der gemeine Mann außer Rad nichts zu brechen vermag. Lustigerweise sind es genau die Spezialisten, die den dentalen Frikativ gründlich versabbern, mit denen sich unschuldige Personen herumärgern müssen, die anderer Sprachen sogar mächtig wären, aber dem Geseier der Großmannssüchtigen einfach nie Herr werden. Je miserabler man eine Fremdsprache beherrscht, desto eher wird sie rücksichtslos als Distanzwaffe eingesetzt.

Vermutlich wird demnächst in einem beliebigen Kurzwarengeschäft dem Kunden mit aushäusigen Brocken die Tür aufgesperrt, weil sich die Leute dazu durchgerungen haben, nur noch von Touristen zu leben, die zum Nähgarnkauf nach Deutschland kommen. Als Instrument im Standortmarketing ist die Idee selten beknackt, aber manche tun es ja auch für die nachhaltige Blamage. Wenn man schon eine Liste anführen kann, ist es auch schon egal, welche es ist.

Werden sämtliche Integrationsleistungen bald eingestellt? oder verlangt man von neuen Bürgern dieses Landes auch schon, dass sie in fließendem Englisch ihr Butterbrot einkaufen? Wenn ja, dann wäre wenigstens die Spaltung dieser Gesellschaft schneller überwunden, da die meisten Einwanderer des Englischen mächtig sind, meist mächtiger als das deutsche Empfangskomitee. Und damit beginnt die schleichende Zerstörung unserer Muttersprache. Man wird sich keine Bratwurst auf Hessisch mehr kaufen können. Kein Taxifahrer versteht dann den Dresdner in Leipzig, nicht mal auf Englisch und erst recht nicht umgekehrt. Eines Tages wird man nichts ahnend in einen Fernzug einsteigen, im Abendlicht verschwindet die Bahnhofshalle mit dem verwaisten Auskunftsschalter, und eine Stimme plörrt durch die dicke Luft: Ssänk ju foa träwwelink uiß Deutsche Bahn.





Grund: Wasser

16 03 2017

„Man muss sie sehr locker halten.“ Herr Breschke hielt sie dementsprechend locker, mit dem Effekt, dass sich nichts tat, gar nichts. „Vielleicht halten Sie sie noch nicht locker genug“, sann ich, während der alte Herr in winzigen Schritten über den Rasen tippelte. Dabei war dieses kleine Stück Draht sicher nicht alleine das, was sich bei ihm gelockert hatte.

„Ich habe mir das natürlich sehr genau erklären lassen, denn man muss ja die wissenschaftlichen Grundlagen verstehen, bevor man sich auf so ein Experiment einlässt.“ Er fasste den gebogenen Metalldraht an beiden Händen an, so dass die Spitze ein wenig nach oben zeigte. Ob sich das auf die Empfindlichkeit der Wünschelrute auswirken würde, wusste weder er noch ich, aber wenigstens würde es das Ergebnis nicht verändern – was aber in diesem Augenblick nur mir klar war. „Und Sie sind wirklich der Ansicht, dass Sie mit diesem Ding Wasser unter der Grasnarbe aufspüren können?“ Horst Breschke nickte heftig, zuckte aber jäh ob der Veränderung seiner eigenen Bewegung zusammen. Vielleicht, so dachte er wohl, würde das Wackeln seine radiästhesistischen Wahrnehmungen außer Rand und Band gebracht haben. Ich blieb skeptisch. „Früher“, sagte ich mit kritischem Unterton, „hat man das mit einer einfachen Astgabel gemacht, aber heute muss es gleich ein hochtechnisches Gerät sein.“ Er runzelte die Stirn. „Man macht das heute eben viel wissenschaftlicher. Das hat mir auch alles Ihre Nachbarin erklärt.“

Ach, Sigune. Vor langen Jahren war sie eine harmlose Körnerfresserin gewesen, die ihr Brot mit informativ gerührtem Vollmondwasser buk und den Topfpflanzen henochische Frühlingsreime vortrug, dann aber ging es rapide bergab. Ihr Chi bekam ein bisschen zu viel Yang, vielleicht war es auch ein Ceres-Durchgang in den gestreiften Aszendenten, jedenfalls suchte sie sich neue Opfer, wo immer sie sie kriegen konnte. Da ihre esoterischen Interessen rasch wechselten, verfügte sie auch über ein breites Repertoire an Hokus und Pokus, womit sie auf dem Wochenmarkt, mutmaßlich am Biogemüsestand, den pensionierten Finanzbeamten bequatscht hatte.

„Irgendwo hier muss eine Ader sein“, erklärte Breschke. „Die alten Landkarten sind voll davon, und wir heute müssen unser Wasser aus Bleirohren nehmen und teuer dafür bezahlen.“ Er fuchtelte unschlüssig mit der Rute durch die Gegend, dann rutschte sie ihm durch die Finger – nicht einmal er selbst hielt das für einen Ausschlag – und zeigte nach unten. „Sie meinen, seit dem Erdmittelalter laufen Röhren durch den Boden?“ Er war empört. „Verkaufen Sie mich nicht für dumm“, schimpfte Breschke. „Es weiß doch jeder, dass eine Schicht unter uns Grundwasser führt, und wenn man auf die stößt, kann man danach graben.“ Ich seufzte tief, doch ihn schien das gar nicht zu kümmern.

„Könnten Sie nicht den Rasen abstecken?“ Der Hausherr blickte hilflos um sich, als sähe er seinen Garten zum ersten Mal. „Ich muss ja wissen, wo sich die Wasseradern befinden, damit ich hinterher graben kann.“ „Also eben waren es doch noch Grundwasserschichten“, wunderte ich mich, „haben Sie die Karten der letzten Millionen Jahre denn nicht aufgehoben?“ Er guckte pikiert. „Sie wollen doch nicht das falsche Wasser aus einer dieser quer verlaufenden Schichten abzapfen?“ Er guckte noch viel pikierter. Genau da lauerte meine Chance. „Wussten Sie eigentlich, dass Wasseradern enorm schädlich sein können?“ Verwundert schüttelte er den Kopf. „Die Dinger verlaufen ja nicht gerade, das heißt, eigentlich verlaufen sie doch gerade, aber das ist ja das Problem.“ Er verstand mich nicht, also fuhr ich ungerührt fort. „Diese Adern verlaufen entlang des Erdgitters, das sich im Laufe der Jahre mit dem Magnetismus verschoben hat. Sie müssten also ihr Haus verrücken, damit die Adern nicht von Nordost nach Südwest durch die tragenden Wände laufen.“ „Moment“, plusterte sich Herr Breschke auf, „Sie wollen also behaupten, dass…“ „Aber ja“, bekräftigte ich, „denn diese diagonal verlaufenden Wasseradern sind natürlich extrem schädlich. Man kann dadurch sogar schlecht schlafen.“ Fast wäre ihm die Rute wieder entglitten.

„Ich will es trotzdem probieren“, rief Breschke trotzig. „Das kann doch nicht so schwer sein, andere haben damit auch geschafft!“ Und so stapfte er durch den Garten, bis er auf eine kleine Unebenheit im Rasen stieß und stolperte. „Da“, schrie er, „in der Richtung muss es sein!“ Und er lief auf den Kompost zu, griff nach der Schaufel und stieß sie in den Haufen.“ „Da muss es sein“, keuchte er, „der Ausschlag war ganz deutlich!“ Er grub und stocherte, und schließlich wurde er tatsächlich fündig. Ein kleiner Plastikkanister, mit Sicherheit vom Nachbarn Gabelstein über die Grundstücksgrenze geschleudert, befand sich im Grasabfall. „Das ist doch nicht möglich“, stammelte Breschke. „Doch“. Beruhigend klopfte ich ihm auf die Schulter. „Ihr Kleiderbügel muss wohl außergewöhnlich empfindlich gewesen sein, sonst hätte er die Flüssigkeitsreste gar nicht aufgespürt. Aber seien Sie bloß vorsichtig. Für den Nachweis einer Wasserader könnte man den Einsatz eines Pendels verlangen. Auf Ihre Kosten.“ Hektisch warf er die Harke von sich. „Ich wollte doch nur…“ Doch ich blieb hart. „Wasser ist Wasser, Sie müssen nur beweisen können, dass es sich nicht um eine behördlich genehmigte…“ Schon drehte er sich um. „Das muss mir jemand wissenschaftlich erklären“, wimmerte er, „vorher glaube ich kein Wort!“ Wir gut, dass es Wasserleitungen gab.





Dunkelfeld

15 03 2017

„Im Prinzip haben Sie recht, aber so verwerflich ist unser Geschäftsmodell auch wieder nicht. Wir sind ja keine Rechtspopulisten, und links sind wir schon gleich gar nicht. Wir sind nicht mal in irgendeiner Polizeigewerkschaft. Wir haben einfach nur gerne Angst.

Genauer gesagt, wir haben es gerne, wenn die anderen Angst haben. Deshalb haben wir dieses Unternehmen ja auch gegründet. Die Menschen wollen Sicherheit, und wer bietet mehr Sicherheit als eine Versicherung? Da muss man natürlich erst einmal Angst machen, sonst entsteht kein messbar ansteigendes Bedürfnis nach Sicherheit – wir verstehen nicht viel von Politik, aber da verstehen wir uns schon ganz gut – und wenn die reale Gefahr sich als viel geringer herausstellt im Vergleich zur behaupteten dann steigt die subjektive Sicherheit analog zur tatsächlichen. Das können wir nicht zulassen.

Man nennt das Dunkelfeld. Die Straftaten, die normalerweise überhaupt nicht angezeigt werden, weil eine Aufklärung nicht erwünscht ist oder sogar noch mehr Probleme mit sich bringen könnte als die Straftat an und für sich. Da muss man als Bürger doch schlaflose Nächte haben? Ich jedenfalls hätte welche, wenn die Bürger da keine hätten. Es ist doch auch wirklich schlimm in unserem Land, vor allem in diesem Dunkelfeld, von dem keiner weiß, ob es so groß ist, wie wir uns das vorstellen. Ist das nicht erschreckend? Ja, großartig.

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit der Wahrscheinlichkeit, dass Sexualdelikte größtenteils im verwandtschaftlichen Nahbereich begangen werden. Das weiß ich selbst. Aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat, seine Kundschaft darauf hinzuweisen, dass es möglicherweise eine nicht abzuschätzende Zahl an Vergewaltigungen gibt, die von nicht näher bezeichneten Tätern verübt werden, dann muss man das auch tun. So ein Umsatz kommt nicht von alleine.

Unser Geschäftsmodell ist wirklich innovativ. Wir arbeiten mit den Vorstellungen der Kunden, auch und gerade in deren Vorstellungen, was sich im Dunkelfeld tatsächlich abspielt. Sie nennen uns Ihr Verbrechen, und wir versichern Sie dagegen.

Natürlich setzen wir auf soziale Medien. Eine bessere Werbung kriegen Sie ohne Geld nicht auf die Beine gestellt. Es gibt gar nicht genug Straftaten für eine ordentliche Hysterie, da muss man auf die medialen Multiplikatoren zurückgreifen. Sie sehen ständig die Bilder von irgendeinem Autodiebstahl, bei dem noch nicht mal geklärt ist, wer der Täter ist oder ob es sich tatsächlich um einen Autodiebstahl handelt, und sie nehmen die Bilder immer wieder neu wahr, bis Sie irgendwann davon überzeugt sind, dass es sich um einen neuen Autodiebstahl handelt. Das ist das Schöne an der medialen Vervielfachung, man lässt sie einfach für sich arbeiten und freut sich, wenn man die Kontrolle über sie verliert. Und wenn Sie jetzt noch bedenken, dass ein Großteil der Straftaten Delikte wie juristisch umstrittener Gebrauch von weichen Drogen, Schwarzfahren und Ladendiebstahl sind, dann haben die sozialen Medien endgültig gewonnen. Stellen Sie sich mal vor, Sie steigen morgens in die Tram, sind Sie ganz sicher, dass da niemand ohne Fahrschein mitfährt? Vor solchen Straftaten ist kein Bürger sicher, da werden Sie schneller Opfer, als Sie gucken!

Es gibt auch Versicherungsbetrug. Wenn da ein deutsches Mädel von bösen Flüchtlingen entführt wurde, was nur den Schönheitsfehler hat, dass es weder die Flüchtlinge noch die Entführung gab, dann geht das zu unseren Lasten. Es schadet uns schon langfristig, denn stellen Sie sich mal vor: eine Gesellschaft, in der alle Bürger Vertrauen in den Staat und die Menschen haben. Grauenhaft!

Stellen Sie sich das nicht zu einfach vor. Die Kriminalität sinkt beständig, es gibt immer weniger Gewaltdelikte, andere Versicherungen verlangen nicht einmal mehr eine Strafanzeige, wenn Sie den Schaden aus einem verwüsteten Vorgarten melden. Wir versinken im Chaos! Und alles nur, weil wir unbedingt eine Frau als Kanzlerin haben wollten! Zum Glück haben wir die Fernsehkrimis, in denen jeden Tag mehr Morde stattfinden als in hundert Kilometern Umkreis. Das wirkt, glauben Sie mir. Wir sind inzwischen so weit, dass die jungen Leute wieder Angst haben. Doch, die Jungen haben Angst, richtige Lebensangst, Zukunftsangst, Angst vor dem Jobverlust, Rentenkürzungen, Altersarmut, alle diese schönen Schreckgespenster, gegen die wir uns nichts zur Wehr setzen können, weil wir verpasst haben, sie rechtzeitig zu bekämpfen. Dagegen kriegen Sie natürlich auch keine Versicherung, das ist das Gute – also bieten wir ihnen Verbrechen an, Flüchtlinge, Islamisierung, also alles, wogegen man sich versichern lassen kann. Von uns. Diese Leute sind unsere besten Markenbotschafter. Die meisten Straftaten passieren zu Hause, im geschützten Bereich, und wo verkriechen die sich? In der eigenen Wohnung. Alles richtig gemacht!

Nennen Sie es subjektive Risiken, meinetwegen auch alternative Gefahrenwahrnehmung. Darauf basiert unser Geschäftsmodell. Was unsere Kunden in ihrem ganz persönlichen Lebensbereich als bedrohlich empfinden, das können sie gegen einen entsprechenden Betrag von uns… – Autofahren? Sind Sie noch ganz dicht? das versichern wir nicht. Viel zu gefährlich!“





Lasse

14 03 2017

Er sah nicht aus, als wäre es überlegen, jedenfalls nicht mir. Und schon gar nicht moralisch. „Man muss ja nicht gleich entzückt sein“, muffelte Frau Rosenplüt. „Akzeptanz wäre schon mal ein guter Start für eine nachhaltige Beziehung gewesen.“ Ich musterte ihn kühl. „Verschwenden Sie ruhig einen Gedanken daran, dass ich gerade darauf so gar keinen Wert lege.“ Was sollte ich auch mit ihm anfangen. Er sah aus wie ein verunglückter Toaster.

„Wir hätten Lasse auch in eine Blondine bauen können.“ „Hätte“, höhnte ich. „Dann würden noch weniger Versuchskaninchen damit einkaufen.“ Sie nahm es hin. Der Blechkasten, den sie über der Schulter trug, war ohnehin noch nicht angeschaltet. Sie drehte ein bisschen an den Knöpfen, aber man hörte nichts im Ohrstöpsel, den ich von ihr zuvor bekommen hatte. „Wir gehen jetzt zu Kappenberg“, entschied sie. „Irgendwo müssen wir ja mit dem Experiment beginnen. Achtung, ich schalte ein!“ Sie schaltete ein. Lasse piepte einmal kurz auf, das Gerät fuhr hoch, ein paar Lichter flackerten auf der Metallhandtasche, und endlich rauschte es kurz im Ohrhörer. Das war es aber auch.

Wir betraten das Kaufhaus. Rechts und links standen die Sonderangebote, Rabatt auf Rabatt, scheußliche Farben, aber reduzierte Preise, und zu allem Überfluss hatte man Hosen mit vorgefertigten Löchern aufgehängt. „Sehen Sie es sich einmal an“, ermunterte mich Frau Rosenplüt. „Wenn er richtig eingestellt ist, müsste Lasse ihnen jetzt…“ „Sie brauchen das nicht“, quäkte die Stimme. „Das ist ein überflüssiges Wirtschaftsgut, das nicht Ihren Bedürfnissen entspricht.“ „Woher weiß dies Ding, was meine Bedürfnisse sind?“ Ich war doch sehr verwundert. „Und warum wird eine Hose mit Loch im Knie sonst produziert? Sehen Sie sich doch die jungen Leute an – das Zeug wird schließlich von denen gekauft.“ „Ich rede von Ihren Bedürfnissen“, tadelte mich die Blechbüchse. „Es entspricht nicht Ihren Bedürfnissen, also brauchen Sie das nicht zu kaufen.“ „Und wenn ich es will?“ „Sie haben ihn verstanden“, mischte sich Frau Rosenplüt ein, „er hat seinen Standpunkt klargemacht, und nun sollten Sie vielleicht dazu übergehen, Ihr persönliches Kaufverhalten zu überdenken.“ „Tut nicht dieses Ding das für mich?“ Sie sah aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

Natürlich hatte ich dieses Monstrum von einem Kaffeeautomaten nicht nötig. Schön sah es aus, der Kaffee war sicher auch ganz vorzüglich, aber ich hätte die Küche leerräumen müssen, um ihn durch die Tür zu bekommen. „Dieses Produkt ist nicht nötig“, wies mich die Kiste zurecht. „Was versteht das bisschen Elektroschrott schon von Kaffee“, wandte ich ein. „Theoretisch könnte ich mir diesen Apparat leisten.“ „Man kann auch in einem Café vergleichbaren Kaffee trinken.“ Frau Rosenplüt drehte hektisch an den Knöpfen. „Warum“, fragte ich zurück, „kaufen dann die Leute Autos? Können die nicht Taxi fahren wie alle anderen auch?“

Wir hatten die Sportabteilung durchquert – hier hatte sich das Gerät gemeldet und mir erklärt, dass ich keine Golfschläger bräuchte, da ich nicht Golf spielte, was aber die theoretische Überlegung außer Acht ließ, dass ich jederzeit damit anfangen könnte – und waren bei der Unterhaltungselektronik angekommen. Lasse wiederholte angesichts der vielen Fernseher monoton seinen Ratschlag, sich für andere Dinge zu interessieren. „Vielleicht wird er von den Banken bezahlt“, grübelte ich. „Wenn keiner mehr sein Geld ausgibt, haben die Banken immer genug davon, und dann ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn die Wirtschaft kaputtgeht, weil keiner mehr etwas kauft.“ Frau Rosenplüt wollte gerade etwas einwerfen, da meldete sich Lasse zu Wort. „Man kann sich einen Fernseher kaufen, aber er entspricht nicht Ihren Bedürfnissen. Sie sollten ein Radio kaufen.“ „Ich besitze eines“, antwortete ich, „und ich bin jeden Tag enttäuscht, dass ich die Farben nicht einstellen kann – und ich wette, dass ich bei den Radios dasselbe hören wollte.“ Lasse würgte. Der Apparat hatte dafür einen Notfallknopf – kein deutsches Fabrikat ohne einen solchen – und spuckte etwas unsortierten Wortdurchfall aus; es handelte sich, wie gesagt, um ein deutsches Fabrikat. „Sie sollten mehr Zeitungen lesen!“ Frau Rosenplüt war verzweifelt. Immerhin war der Kasten trageangenehm. Das war doch auch schon etwas.

„Was will dieses Ding eigentlich?“ Lasse schwieg. Das war zu erwarten gewesen, schließlich hatte der Apparat mir noch kein vernünftiges Vergleichsangebot gemacht, ganz abgesehen von einem nachhaltigen. „Sicher brauchen Sie Schuhe“, erklärte er. „Jeder braucht Schuhe, und Sie tragen gerade welche. Sie sollten sich für ein Paar neuer Schuhe entscheiden.“ „Wer programmiert so einen Mist?“ Frau Rosenplüt war sichtlich überfordert. „Ich trage bereits ein Paar Schuhe, sollte das nicht ausreichen, um sich gegen jede weitere Anschaffung von Schuhen zu entscheiden?“ Lasse schwieg weiter. Vermutlich würde er in der Lebensmittelabteilung Spargel empfehlen, der mit frischem Andenwasser gegossen und nur einmal um den halben Erdball geflogen wurde, um dann als Bioware auf künstlichem Stroh zu verenden. Oder eine Kaffeekapsel, die aus zehn Prozent weniger Aluminium besteht. „Eins habe ich noch nicht ganz kapiert“, überlegte ich. „Warum sollte ich so ein Ding wie Lasse kaufen?“ Die Lämpchen erloschen. Immerhin kümmerte er sich so um meine wahren Bedürfnisse.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXIV): Religion als Ventil

10 03 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Am Anfang mag der Schnaps gewesen sein, oder Rrt hatte einfach einen besonders schlechten Tag. Der Hund hörte nicht, die Hauptfrau kriegte schon wieder ein Kind, von wem auch immer, und langsam reichte es ihm, dass selbst in seinem Teich stetig fremde Köder herumdümpelten. Er brüllte den ganzen Abend lang in der Höhle herum, dann drohte er schließlich den versammelten Nachbarn: wer noch einmal an seine Fische ginge, würde gleich mit in der Brühe verschlammen. Dabei berief er den großen Donnergott, der eigentlich für Fragen der Vegetation gar nicht zuständig war, und gab dem erstbesten Verdächtigen kräftig eins in die für Gesichtsinhalte vorgesehen Fläche. Mit Hilfe des Medizinmanns stellte dieser nun klar, dass es sich um eine eklatante theologische Fehlleistung gehandelt hatte, mit dem Ergebnis, dass auch der Heiler eins auf die Nase bekam. Die nun folgenden Glaubenskriege waren evolutionär erfolgreich, da mindestens ein Drittel der Beteiligten sich nicht mehr an der weiteren Degeneration des Genpools beteiligten. Was doch Religion als Ventil ausmacht.

Zunächst ist Religion, die regelmäßig in der Theorie als friedensstiftendes Mittel postuliert, in der Praxis jedoch als fadenscheiniger Kriegsgrund gepriesen wird, nur Mittel zum Zweck; selten ist sie in der Lage, ihn überhaupt zu heiligen. Was sie aber dann mit dürrer Maskerade zu kaschieren versucht, die Gier nach Macht und Reichtum, Mordlust und Besessenheit nach territorialen Ansprüchen und Zerstörung, lässt sich nicht einfach verstecken. Wie bei allen anderen Spielarten des Terrorismus, so ist auch in der spirituellen Spielart von Menschenhass der Sakralgehalt der Schmucktapete nicht erheblich.

Als böte ein geschlossenes Wahnsystem nicht schon genug intellektuellen Bauschaum für auf höherem Level geistig gestörte Knalltüten, jede in sich fein säuberlich auf Widersprüchlichkeit gesägte Nullinformation hält für jede Lebenslage einen Ausweg parat, wo auch immer die Störung der Impulskontrolle Befriedigung sucht. Ob materielle oder geistige Armut, schlechtes Trinkwasser, Krieg oder eine beschissene Regierung, das weise Rauschen übertönt die Stimmen der Vernunft mit der Kraft der Flüstertüten. Und das wirkt: noch kein Paradies-Provider musste sein Angebot plötzlich wieder in die Tube drücken, weil man das mit den Jungfrauen, den gebratenen Tauben und Milch und Honig nicht mehr gut genug fände. Was sich noch verkaufen lässt, wird auch dann noch verkauft, wenn es keiner mehr braucht.

Weil Religion, ob systematisch betrieben oder nicht, die perfekte Brückentechnologie ist, um den Schmodder in der eigenen Schädelvollprothese gegen sich selbst zu rechtfertigen. Sie nagelt nicht nur aus beliebigem Restmüll moralische Gehhilfen zusammen, malt rote Linien mit durchlässigem Strich, auf den jeder Aberglaubensbruder geht, schwiemelt sich je nach Anlass mit Dokumenten, Grabsteinen und genealogischen Aufzählungen aus der verebbenden Bronzezeit ein gegen jede rationale Erklärung immunes Bild vom Universum und dem ganzen Rest, sie tackert auch vor die Eintrittsöffnung in den Denkapparat den ultimativen Filter für die Selbstwahrnehmung: wer den Quark glaubt, ist gut, alle anderen sind böse.

Was in der Glockendisko und den anderen Hirnwaschanlagen jahrhundertelang dem Volk in die Rübe gepfropft wurde, das spielt in einer Lustigkeitsliga mit Nagelpilz und Nasenbluten. Erst der nochmals völlig überzogene Remix an sich ideologisch abbaubarer Fehlleistungen, im guten Fachhandel meist als Fundamentalismus erhältlich, ist für Wutbrüder und Blutsbürger der neue heiße Scheiß, dem der Lemming nachzulaufen hat – im Zweifel hört er zwar den Knall, weiß aber nicht, dass er aus dem eigenen Schädel kommt, und rennt lachend ins Trommelfeuer, weil es für die höhere Idee ist. Je hirnrissiger der Ausweg scheint aus einer Welt ohne differenzierende Sachlichkeit, desto eher geben Glaubende Vollgas.

Den Religionen eigen ist, dass sie die bigotte Bizarrerie ihrer Einfälle gerne auf wunderlichen Details kochen, denen der Bescheuerte blind zu glauben hat – die sechsfingrige Prophetin hatte sechs Finger, gute Nacht. Legitim und historisch bewährt als Grund, seinem jeweiligen Bruder den Schädel zu spalten, ist noch immer der Disput, ob es sich um zwei Mittel- oder zwei Ringfinger gehandelt hat. Zwei Schulen gründen sich, die sich bis aufs Messer bekämpfen, nebenbei politische Organisationen samt Staaten und Volkswirtschaften gründen und dann endlich einander mit Bomben überziehen. Als Kriegsgrund dient jeweils die Anschuldigung, die andere Seite habe die Prophetin gelästert. So steigern sich Verschwörungstheorien, denn um nichts anderes handelt es sich bei den dazu verwendeten Religionen, in eine Zerstörungswut hinein, die man nur aus einem Grund erträgt: man zählt ja zu den Guten. Aber wer glaubt das schon.





Die Revolution recycelt ihre Kinder

8 03 2017

„Vielleicht liegt es an den Frisuren.“ „Ich glaube eher, es liegt an den Klamotten.“ „Nee, an der Meinung.“ „Gehst Du da nicht ein bisschen sehr weit?“ „Man ist das von uns nicht gewohnt, dass wir so anpassungsfähig sind.“ „Aber guck mal, Meinung – wir sind doch hier in der Politik, da interessiert das doch sowieso keinen.“

„Sieben Prozent sind total alarmierend, oder?“ „Schon, aber ich wüsste jetzt auch nicht, was wir so konkret falsch machen.“ „Ich würde gerne mit Dir darüber diskutieren, aber nur gewaltfrei.“ „Hattest Du wieder was im Dinkelschrot?“ „Er hat immer was im Dinkelschrot. Langsam müsstest Du das mitgekriegt haben.“ „Solange wir sieben Prozent haben, sind wir zwar noch im Bundestag, aber es nützt uns nichts mehr.“ „Bei sieben Prozent bleibt Merkel Kanzlerin.“ „Wenn wir zwanzig Prozent haben, bleibt sie auch.“ „Aber wenn sie mit uns koaliert, wird das total anders, glaub mir.“ „Mit einer sehr starken SPD und einer, naja, also wenn die Linken auch wieder reinkommen, das wäre doch denkbar.“ „Du hast auch von seinem Dinkel genascht, oder?“ „Mensch, Ihr müsst mal wieder Utopien entwickeln! Das hat unsere Partei groß gemacht – wir müssen da wieder hin!“ „Wie jetzt, make Grüne great again!?“ „Entschuldige, aber das ist doch ein Himmelfahrtskommando. Die wenigen Leute wählen uns doch nur, weil wir das mit den Utopien gelassen haben und jetzt in der Realität angekommen sind.“ „Ja, mit Realpolitik von den Fundamentalisten.“

„Das liegt wohl daran, dass wir die falschen Prioritäten setzen.“ „Die Frauenquote war doch so gut, die hat uns die SPD aus der Hand gerissen.“ „Aber nur mit Veggie-Day können wir keinen Wahlkampf machen.“ „Meiner Ansicht nach haben wir nichts falsch gemacht. Unsere Partei hat die richtigen Akzente gesetzt, und das in der Mitte der Gesellschaft.“ „Finde ich so aber auch noch nicht richtig gelungen.“ „Wir können doch auch keinen Bio-Rübenacker aus Deutschland machen, weil wir nur für nachhaltige Landwirtschaft sind.“ „Können schon, aber es bringt halt nichts.“ „Vielleicht ist unsere Politik ja ganz einfach scheiße?“ „Ich würde das gerne gewaltfrei ausdiskutieren!“ „Also jetzt reißt Euch aber mal zusammen, so kommen wir ja nun wirklich nicht weiter!“ „Wir haben doch den Sprung ins bürgerliche Lager geschafft, was ist denn daran nun verkehrt?“ „Eben, er hat recht! Wir sind nach längeren Experimenten mit rot-grünen Mehrheiten in der Mittelschicht angekommen.“ „Und das mit elitärem Bonus.“ „Das meinst Du nicht ernst!?“ „Na klar, sonst wäre ich sicher bei den Linken und nicht hier.“

„Alle sagen, wir hätten ein soziales Problem.“ „Oder ein soziologisches.“ „Ist das nicht dasselbe?“ „In diesem Fall schon.“ „Müsst Ihr schon wieder über Hartz IV reden?“ „Macht das doch wenigstens gewaltfrei!“ „Werd jetzt nicht ungerecht, wir sind doch an den Themen dran!“ „Genau, wir lehnen eine Steuererhöhung für Reiche nicht generell ab, wenn wir wissen, wie wir das gegenfinanzieren.“ „Und das mit den Feinstaubwerten ist jetzt auch unfair.“ „Ich habe doch nicht damit angefangen, das ist…“ „Ganz unfair!“ „Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, wir verzögern die Gesetzgebung in Baden-Württemberg, damit wir der Autoindustrie nicht die vielen Arbeitsplätze…“ „Ganz, ganz unfair!“ „Hör mal, was macht Ihr Idioten eigentlich mit dem Dinkelzeugs? Rauchen!?“ „Gewaltfrei!“ „Ganz, ganz…“ „Du willst doch auch in die obere Mittelschicht, oder warum bist Du hier? da muss man der Industrie helfen und der finanzstarken Elite, die schaffen doch die Arbeitsplätze für die Bevölkerung!“ „Das kann man auch mit Windkraft, und wenn man innovative Technologien fördern will, dann verschiebt man die Feinstaubverordnung eben nicht mal locker um ein Jahr, damit man damit ein paar Wählerstimmen von der CDU abgreifen kann, kapiert!?“ „Du Faschist!“ „Das muss ich mir nicht vorwerfen lassen von einer Zonenschlampe, die außer einem misslungenen Religiotenstudium noch nichts im Leben gerissen hat!“ „Gewalt…“

„Jetzt kommt man beide wieder runter, das führt doch zu nichts.“ „Ach, und jetzt habe ich wieder Schuld!“ „Ich sagte, Ihr kommt jetzt mal runter. Beide.“ „Das ist wieder so typisch, wenn man Dich argumentativ nicht mehr erreicht, dann…“ „Hältst Du jetzt vielleicht endlich mal die Fresse!?“ „Was wollt Ihr eigentlich, er hat doch recht. Die CDU zu kopieren, um Schwarz-Grün im Bundeskabinett zu schaffen, führt nur dazu, dass mehr Wähler sich für das Original entscheiden.“ „Halte ich für falsch. Wir müssen uns doch als Partei auch offen halten für eine…“ „Was Du offen hältst, ist mir schnurz. Jedenfalls funktioniert es nicht.“ „Deine Meinung.“ „Dann ist die AfD ja auch nur so stark geworden, weil Seehofer ihr überall rein kriecht.“ „Moment, das müssen wir jetzt mal ausdiskutieren.“ „Aber gewaltfrei!“ „Wegen Marktlücke und so?“ „Das wäre doch irgendwie nutzbar.“ „Steuererhöhungen, aber nur so, dass sie unsere Wähler nicht treffen?“ „Und brutale Verteuerungen von Flugreisen, aber zahlen müssen die Hartzmexikaner!“ „Hallo!?“ „Ist mir so rausgerutscht. Sorry.“ „Einer muss doch die Prinzipien unserer Gesellschaft wahren, die bis jetzt noch staatstragend sind.“ „Und nachhaltig!“ „Klingt sehr gut!“ „Und gewaltfrei!“ „Wenn wir als Ersatz-FDP etabliert sind, dann haben wir’s geschafft!“ „Fast.“ „Wieso fast?“ „Wir verleihen uns erst noch einen Öko-Aufkleber. Aber dann…“