Frustrationslevel

22 10 2020

„… einer erheblichen Belastung durch die aktuelle politische Entwicklung ausgesetzt sein könnte. Meuthen sehe die AfD in den östlichen Ländern als kaum noch…“

„… es in Sachsen und Thüringen Bürger gebe, die offen zugeben würden, gerne in Deutschland zu leben, und keine Absicht hätten, die Bundesrepublik zu verlassen. Für Höcke sei diese Zufriedenheit mit dem von der jüdisch gekauften Untergangskanzlerin regierten Umvolkungsstaat Verrat an der Rasse, der mit entschiedenstem Widerstand gegen die…“

„… dass die Landtagsfraktionen größtenteils aus überschuldeten Drogenkonsumenten bestünden, die für reguläre Parlamentsarbeit nicht zur Verfügung stehen würden. Gauland habe besonders in Sachsen eine Verschwörung gewittert, dass demokratisch gesonnene Volkszersetzer des linksextremen CDU-Flügels durch absichtliche Einhaltung von Regeln und Gesetzen die AfD in Verruf zu bringen planten, um sich bei Wahlen absichtlich davon zum…“

„… mehr öffentlichkeitswirksame Aktionen im Rahmen der Nachwuchsarbeit vorschlage. Weidel habe etwa eine gemeinsame Diskussionsrunde für interessierte Bürger mit anschließendem Anschlag auf ein Asylbewerberheim vorgeschlagen, um die Tatkraft der Partei auch auf regionaler Ebene zu…“

„… auf die Abgeordneten ausgeübt habe. Da die Umfragen einen starken Rückgang der Zustimmung für die Partei prognostizieren würden, drohen vielen von ihnen ein Leben auf dem Arbeitsmarkt. Sie seien wieder auf ALG II angewiesen und könnten nur durch freiwillige Zuwendungen aus Russland oder Österreich vor einem…“

„… Steuererhöhungen für Geringverdiener der einfachste Weg seien, um die Frustration in der Mitte der Bevölkerung zu verankern. Meuthen wolle diese Kernforderung im Wahlkampf noch weiter ausführen, um eine Verelendung breiter Massen zu befördern, die eine Rückbindung an die nationalsozialistischen Kräfte der…“

„… nicht sicher, ob es der Partei gelinge, neue internationale Konflikte zu schüren. Gauland habe keine gesicherten Erkenntnisse, dass eine erneute Flüchtlingswelle pünktlich zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern Auftrieb für den…“

„… der Themenkomplex COVID-19 noch zu wenig koordiniert werde. Die Bundestagsfraktion wolle durch einen genauen Zeitplan festlegen, wer wann in welchem Bundesland die Aussetzung, Lockerung oder Verschärfung der Maßnahmen vor welchem Parlament fordern dürfe, um die Meinung des Volkes rechtzeitig vor dem…“

„… sich ungewohnt selbstkritisch zeige. Weidel habe die Herauslösung Deutschlands aus der EU zu lange nicht als wichtiges politisches Thema gesehen und dabei vernachlässigt, dass sich damit globale Vernetzung statt nationaler Kampfbereitschaft ausbreite. Um den notwendigen ökonomischen und sozialen Zusammenbruch zu ermöglichen, müsse dieses Land so schnell wie möglich einen…“

„… die gezielt für Migranten und Flüchtlinge geplanten Maßnahmen der Bundesregierung wie ein Infektionsschutz gegen die AfD wirken würden. Chrupalla habe zur gezielten Durchseuchung des Volkes aufzurufen, um endlich einen nationalen…“

„… die wirtschaftlichen Folgen der Krise nicht ausreichen würden, um die Bundesrepublik bis zu den Wahlen zu zerstören. Meuthen rufe daher zur konzertierten Durchführung von Brandanschlägen auf deutsches Eigentum auf, um das Volk von der Notlage und den katastrophalen Zuständen im…“

„… dürften Prognosen nicht zu parteiinternen Verwerfungen führen. Möglicherweise würde die offene Diskriminierung ostdeutscher Mitglieder für ein Frustrationslevel sorgen, das in gewaltsamen Aktionen gegen linke und ausländische…“

„… einen Zwei-Fronten-Krieg gegen das deutsche Volk führen müsse. Da inzwischen etwa zwanzig Prozent der deutschen Ärzte und Pfleger einen Migrationshintergrund hätten, fordere von Storch zunächst flächendeckende Gewaltverbrechen gegen unerwünschtes medizinisches Personal, um dann im zweiten Schritt die von der Pandemie schwer getroffenen…“

„… ob der Verfassungsschutz als ausführendes Organ geeignet sei, die Stimmung in Sachsen so weit zu verschlechtern, dass bürgerkriegsähnliche Zustände als ganz normal angesehen würden. Die zuständigen Beamten hätten dies als organisatorisch sehr schwierig bezeichnet, da sie sowohl Mitglieder der AfD als auch aus dem Osten seien und daher keine geheimdienstlichen Möglichkeiten eines…“

„… die Querdenker-Demonstranten nicht alle mit illegalen Schusswaffen ausrüsten könne. Der Landesverband Sachsen müsse noch für mehrere Dutzend Privatinsolvenzen bei Abgeordneten der Landtagsfraktion aufkommen und habe erhebliche Schulden bei tschetschenischen…“

„… dass erhebliche Gelder von ausländischen Großspendern gesammelt worden seien. Sarrazin habe aber noch nicht zugesagt, Spitzenkandidat in einem ostdeutschen…“

„… bis auf Weiteres nur durch symbolische Akte des Ungehorsams auf sich aufmerksam machen wollten. Allerdings sei nicht klar geworden, wie die Verweigerung von Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln für einen Wahlsieg der…“

„… gebe es nicht ausreichend Posten für die nach der Wahl ausgeschiedenen Mitglieder. Weidel lasse bereits prüfen, ob die auf sie abgeschlossenen Lebensversicherungen auch im Falle mehrerer Kapitalverbrechen die vollen Summen an die…“





Beherbergungsverbot

20 10 2020

Vier Minuten nach zehn klingelte es. Er war spät, aber ich wollte mich nicht gleich am ersten Tag ärgern. Ich schloss die Wohnungstür und stieg die Treppe hinab, wo er mich empfing. „Kurzbein“, sagte er junge Mann mit einer kleinen Verbeugung und reichte mir sofort die Hand. „Ick wer nu Ihr Fremdenführa, wa!“

Natürlich hatte ich nicht seine Hand geschüttelt, dies war ja schließlich eine Maßnahme gegen die Ausbreitung der Pandemie. „Denn kommense ma“, lud er mich ein. Der Tag war etwas neblig, aber für die Jahreszeit angenehm hell. „Ick schlahre vor, wir jehn nu ersma nachn Hafen.“ Und so folgte ich ihm, wie er gemächlich die Straße hinab vor mir herging, den interessierten Blick links und rechts, ob es nicht etwas zu entdecken gab. Auf der anderen Seite hob Doktor Klengel grüßend seinen Spazierstock in die Luft und nickte herüber. „Det is die Kirche äääh… Sankt Borumil.“ „Bonifatius“, korrigierte ich, und ich musste es wissen. „Det neujotische Jebäude war im fuffzehnten Jahrhundat von Paul Göthe…“ „Der Mann hieß Jöhte“, warf ich ein, „bis auf das Jahrhundert ist der Rest richtig.“ „Jut“, murmelte Herr Kurzbein. „Det wer’ck ma merken.“ Ich runzelte leicht die Stirn. „Sie kommen wohl nicht von hier?“ Er lächelte erfreut. „Hört man det?“

Ab hier verlief der Weg ein bisschen holprig. An der Hauptpost konnte ich meinen Führer gerade eben noch davon abhalten, links in die Kaiserstraße abzubiegen. „Zum Hafen müssen wir natürlich hier lang“, bestimmte ich. „Jut“, antwortete Kurzbein. „Det wissense ehm bessa, wa!“ Es fing allerdings doch an zu nieseln, und so aufregend war der Hafen auch nicht, zumindest nicht, wenn man nur einen Steinwurf entfernt wohnt. Also beschloss ich, den Tag in meinem Feriendomizil zu verbringen. „Hier ist die Garderobe“, erklärte ich dem Guide, „wenn Sie sich frisch machen wollen, es hängt ein gelbes Handtuch für Gäste an der Tür.“ „Nee“, antwortete Kurzbein. „Ick bin ja keena.“

Auf dem Couchtisch lagen wie geplant ein paar alte Zeitschriften – sonst hätten mich Fischfang und Motorräder nicht so interessiert, aber im Urlaub war das etwas anderes. „Ick wer nu det Bett machen“, teilte mir Herr Kurzbein mit. „Dürft ick Ihn ooch ’n Heißjetränk ßubereitn?“ „Das ist sehr aufmerksam“, sagte ich, „einen Kaffee nehme ich gerne.“ „Is jut.“ Das Wetter verschlechterte sich zusehends, daher schloss ich das Fenster; normalerweise hätte ich das Personal dafür bemüht, aber man hat ja nun einmal so viel Zeit. „Sahrense ma“, ließ sich Kurzbein aus der Küche vernehmen, „wo hamse eijentlich den Vollautomatn vasteckt?“ „Im linken oberen Schrank finden Sie die Dose mit dem Kaffee, Filterpapier sowie die Mühle“, instruierte ich ihn. „Rechts ist der Filter, und den Wasserkocher sehen Sie ja.“ Er kratzte sich am Kopf. „Jut, denn wer’ck Ihnen ma so’n Kaffee kochen. A nich, det Se meckern dhun, det is keen Matschato.“ „Lassen Sie mal“, beruhigte ich ihn. „Ich bin das so gewohnt.“

Es dauerte eine halbe Stunde, bevor ich einen lauwarmen Kaffee serviert bekam. „Das ist schon mal sehr schön“, lobte ich. „Machen Sie das doch gleich noch einmal.“ Kurzbein runzelte die Stirn. „Det is nich inbejriffn“, murrte er. „Ick bin nua Faktotum, a det is ja nu keen Hausanjestallta.“ Jetzt wurde es mir aber doch zu bunt. „Herr Kurzbein“, begann ich, „dies ist ja nun einmal Teil eines großen Experiments – einer Urlaubssimulation, bei der die Gäste davon profitieren, dass die Hotelangestellten ihre Dienste vor Ort anbieten.“ Er lauschte stumm und misstrauisch. „Würde ich diesen Urlaub nicht buchen, hätten Sie auch keine Möglichkeit, Ihren Service direkt am Kunden auszuüben.“ „Det sahren Sie“, grummelte er. „Det Beherberjungsvabot, det hamse ausjedacht, damit det billija wird, wa!“ Das war harter Tobak. Oder sollte er am Ende recht haben und das alles war nur eine ausgeklügelte List der Tourismusindustrie, um Kosten zu sparen? „Jenau jenomm dürft ick Ihn jah nich uffnehm.“ Das verstand ich nicht. „Ick komm ja direktemang ausn Risikojebiet“, erläuterte er. „Da dürft ick Ihn jar keen Zujang jewährn, vastehnse?“

Es klingelte; Herr Kurzbein öffnete die Tür und nahm eine monströse Kühltasche entgegen, deren Inhalt er im Kühlschrank verstaute. Es handelte sich um je drei abgepackte Portionen eines Fertigmenüs, die im Wasserband erhitzt werden konnten. Auf dem Küchentisch lag eine geschmackvoll gestaltete Karte, die ich von nun an drei Tage lang bekommen sollte, um mir ein Abendessen auszuwählen. „wenn det nich passen dhut“, informierte mich Kurzbein, „denn könnwa ooch Pizza komm lassn.“ Das musste man dem Reiseanbieter zugestehen, er setzte auf regionales Kolorit und Kundenfreundlichkeit. Ich sah schon, ich würde mich in diesen drei Tagen wie zu Hause fühlen.

„Ick wer denn soweit.“ Mein Gastgeber hatte sich bereits angezogen und war drauf und dran, mich für den Rest des angebrochenen Tages mir selbst zu überlassen. „Die Örtlichkeitn kennse ja, im Kühlschrank ha’ck Ihn Bier rinjestellt, wennse noch Wunsch hättn, Zimmaßörwiss is innahalb von ßwee Stundn da.“ „Das hört sich gut an“, teilte ich ihm mit. „Bringen Sie bitte morgen noch ein paar von diesen Zeitschriften mit, die hier werde ich wohl heute ausgelesen haben.“ Herr Kurzbein verbeugte sich und ging, nicht ohne das Formular ausgefüllt und unterzeichnet zu haben, dass er allen vertraglichen Pflichten nachgekommen sei. Ratlos blieb ich zurück. Warum beschwerten sich so viele Menschen, dass sie nicht in die Ferne würden reisen können, wo es doch zu Hause auch schön ist?





Die Gewehre der Frau Carrar

18 10 2020

Kaum weiß man noch, wie es im Kriege war.
Wer damals lebte, zog so manche Lehre.
Schon schielen sie aufs Geld und auf Gewehre –
entschuldigt ist der Handel, sittlich gar.

Doch heute wähnt man sich ja schon im Krieg,
wenn andere den Rang dem Land ablaufen
und mehr Gewehre als man selbst verkaufen.
Man hilft sich gern daran vorbei zum Sieg.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXXVI): Die Angstverschiebung

16 10 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Säbelzahnziege war nicht gut gelitten bei Ugas Sippe, hatte sie doch im Laufe eines einzigen Sommers drei vollgültige Jäger und ein Dutzend adoleszenter Gehilfen aus reiner Selbstverteidigung gerissen. Als Proteinlieferant taugte sie ohnedies kaum, geschmacklich war das Fleisch auch nicht der Rede wert, doch ihr Prestige war hoch: wer die Ziege erlegt, war hoch angesehen und musste sie nicht auch noch selbst verspeisen. So fasste sich der Älteste ein Herz und gab Order, künftig nur noch in ausreichender Schutzbekleidung diese Beute zu jagen, mit entsprechender Mannstärke und Waffen. Hatte sich die Zahl der schweren Unfälle, bei denen ein Ernährer buchstäblich auf der Strecke blieb, durch die Vorsichtsmaßnahmen messbar verringert, so war doch die Säbelzahnziege noch immer als der Hauptfeind das größte Risiko. Man hätte die Jagd auf sie einfach einstellen können; da die schwersten Jagdunfälle noch immer mit Beinschienen und Brustpanzer geschahen, wurden diese weggelassen.

Freilich wird man von frühen Gesellschaften nicht erwarten können, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse reflektieren und zum Maßstab eines vernünftigen Handelns erheben, erst recht nicht bei naturwissenschaftlichen. Kulturen, die Jahreszeiten oder Wetterphänomene von rituellen Handlungen einer privilegierten Priesterkaste abhängig machen, sind nicht per se wissenschaftsfeindlich, sie haben nur die Trennung von Wissen und Glauben noch nicht vollzogen. Beiden geht ein Erkenntnisprozess voran, der sich erst in der Wahl der überprüfenden Mittel unterscheidet. Wasser auf eine Brandstelle zu schütten sorgt für ein Verlöschen des Feuers; zwar wird es nicht durch das Wasser, sondern durch den entstehenden Dampf erstickt, der den Flammen den notwendigen Sauerstoff entzieht, aber das Ergebnis ist beliebig oft wiederholbar, lässt sich in Bezug auf die Stellgrößen verändern und überprüfen, was zur verlässlichen physikalischen Vorhersage führt. Das Experiment, durch einmaligen Verzicht auf jährlich wiederkehrende Opfergaben die Existenz von Vegetationsgeistern zu überprüfen, hätte in einer nicht hinreichend funktional ausdifferenzierten Gesellschaft fatale Folgen.

Einfach zu erklären wäre die Verschiebung der Gefahr, wirksamer ist die Verschiebung der Angst. Erst mit der aktivierenden Aversion, die erfolgreich die logischen Verbindungen zwischen Ursache und Wirkung kappt, lässt sich vernünftiges Verhalten effizient umgehen. Als die Pflicht zum Tragen des Anschnallgurtes im Auto millionenfachen Protest hervorrief, obwohl die Maßnahme signifikant zum Selbstschutz der Fahrzeuginsassen beiträgt, war es zunächst abstrakte Rechtsgefahr, die den rasenden Bürgern dräute. Wer andere zu Sicherheit drängt, so kotzte die meist aus Springers braunen Tümpeln gespeiste Gasfußlobby, beschneidet die Freiheit des Volkes. Allerlei wirr zusammengeschwiemelter Müll drängelte dumpf zwischen den Synapsen der Mehrheitsknalltüten, die befürchteten, schon ein Auffahrunfall bei Schrittgeschwindigkeit würde den Lenker nun hinter dem Steuer einklemmen, wo doch ein Kfz jeden Augenblick explodieren könnte. Zur Panik schließlich führten es alte Männer, die vermutlich dank ihrer eigenen Erfahrungen mit dem Büstenhalter wussten, dass der Gurt Tausende neue Fälle von Brustkrebs auslösen würde. All das wurde nie untersucht, da Autos, die im Wasser versinken, und Fahrerinnen, die gurtartige Tumore ausbilden, statistisch nie erfasst wurden, mangels Masse. Und doch, die Mär hält sich, wobei sie hin und wieder die Vorzeichen kulturell bedingten Aberglaubens etwas anpasst. Dass etwa Kinder unter normalem Mund-Nasen-Schutz, den sie beim Wintersport im Freien selbstverständlich ungefährdet tragen, aus Sauerstoffmangel zu unerwartetem Spontanableben neigen, hat eher Ähnlichkeit mit dem in Südkorea verbreiteten Aberglauben, ein Ventilator entziehe an bestimmten Stellen dem Raum die Luft und lasse eins im Schlaf in einem Vakuum versterben. Da dies Krankheitsbild offenbar nur mit Südkoreanern in Südkorea unter Anwendung südkoreanischer Elektrogeräte replizierbar war, müssen wir uns vor derartigen Gefahren nicht mehr schützen.

Lässt sich also eine Sorge nicht mehr rational begegnen, indem das Evidente zur Grundlage des Diskurses wird, projiziert der durchschnittliche Dummklumpen in ein apokalyptisches Szenario, da er damit mehr Gewicht hat. Wo auch immer sich das sogenannte Volk zusammenrottet, imaginäre Grundrechte zu verteidigen – verfassungskonform gestalteter Alkoholkonsum bis zur Leberzirrhose, gurtfreies Fahren über die Kaimauer – Bekloppte sehen selten über die eigene Person hinaus und sind schon gar nicht in der Lage, die Konsequenzen ihrer Kurzsichtigkeit vom Ende zu begreifen. Lieber lebt das geistige Prekariat in einer bleibenden Angst, die imaginär anschwillt und dabei die reale an den Rand der Wahrnehmung quetscht. Da ist nichts mehr zu holen, schon gar nicht beweisführend. Denn passen die Argumente nicht mehr zur Wirklichkeit, so wird die Wirklichkeit verändert; die Wirklichkeit, nicht die Theorie, denn das wäre ja Wissenschaft.





Brandgefährlich

14 10 2020

„Wir arbeiten gerade an einer Richtlinie, damit das auch alles verfassungskonform ist. Mützen sind im Schulunterricht bisher noch nicht erlaubt, aber das ist wie mit Vermummung auf einer Demonstration. Irgendwann ist die auch Pflicht und unterliegt einer strengen polizeilichen Kontrolle, die aber nicht in allen Bundesländern auch durchgeführt wird.

Sie müssen auch nicht über jedes Stöckchen hüpfen. Kindeswohlgefährdung ist ein rechtlich eher eng ausgelegter Begriff, und wenn Sie jetzt der Meinung sei, eine einheitliche Schulmütze sei als Kindeswohlgefährdung zu werten, dann empfehle ich Ihnen den Gang zum Schulpsychologen. Lieber zu spät als nie. Außerdem darf jeder seine eigene Mütze tragen.

Früher hätte sich auch keiner aufgeregt über die Zustände in den Schulen. Da hätten Sie gefragt, ob die Fortbildung in Lüftungsmanagement eventuell am Sonntag oder in den Ferien stattfindet, damit der Unterricht nicht ausfällt. Jetzt fangen die Eltern ja schon an zu jammern, wenn sich die Fenster in den höheren Stockwerken aufgrund von baurechtlichen Bestimmungen nicht kippen lassen. Und wenn Sie auch erst im Oktober feststellen, dass Frau Merkel die Außentemperaturen heruntergeregelt hat – das hat sie bestimmt wegen des Klimaterrors gemacht, lassen Sie sich da nichts anderes einreden – dann müssen Sie den Kindern auch mal eine dicke Jacke anziehen. Wobei die meisten das von alleine tun.

Die Maskenpflicht steht übrigens auch nicht im Widerspruch zum Grundgesetz. Der Staat schreibt eine gewisse Bekleidung vor, die in der Schule getragen werden muss, das werden Eltern nicht verhindern können. Wenn Sie es für richtig halten, Ihre Kinder nackt zur Schule zu schicken, ist das ein interessanter Gedanke, aber das werden Sie in einem Sonderrechtsverhältnis nicht realisieren. Ob Sie den Mundschutz nun zum religiösen Symbol erklären, das ist uns verhältnismäßig egal. Damit treffen Sie möglicherweise die eine oder andere Lehrerin, die wegen der besonderen Gewalt nicht mehr mit Kopftuch unterrichten darf, aber kein Kind. Hier wird vernünftig gelüftet, wir haben eine Menge guter Schulen in bürgerlichen Stadtteilen, die noch nicht von Hysterikern lahmgelegt worden sind. Und im Übrigen sind Kinder auch erstaunlich pragmatisch und unterstützen uns, indem sie das Konzept umsetzen. Wenn das rauskäme, wir hätten echt ein Problem.

In den Brennpunktschulen zum Beispiel würden wir damit ganz gefährliche Fehlanreize setzen. Brandgefährlich. Wenn wir da Lüfter aufstellen und Seifenspender und alles das, inklusive kostenloser Tablets für den Heimunterricht, dann ziehen am Ende sogar Deutsche in diese Ballungsgebiete, um auch so eine Versorgung für ihre Kinder zu bekommen. Dagegen sind die Mittelmeerschlepper ein Witz, dann kriegen wir eine Binnenmigration, die haben nicht mal die Schwaben geschafft.

Weil wir dieses Bild von den Kindern brauchen, insbesondere Kinder von sozial Abgehängten. Wir haben immer noch dieses Aufstiegsversprechen, das haben wir jahrelang nicht aus der Bildungspolitik rauszunehmen geschafft, und jetzt hat sich das darin festgefressen. Jetzt brauchen wir diese Kinder, weil wir sonst erklären müssten, dass es immer noch so viele und vor allem immer mehr Kinder gibt, die in Armut leben, obwohl man es mit dem sozialen Aufstieg ja in einer Generation zum Akademiker bringt, der dann allerdings auch wieder arme Kinder hat, weil man da immer nur Jahresverträge bekommt, aber das ist eine andere Geschichte. Und natürlich diese Brennpunktschulen, wo die Kinder alle mehrsprachig aufgewachsen sind und keine deutschen Eltern haben und in Clanstrukturen leben – das stellen Sie sich mal vor, jemand würde nur mit den Leuten aus seinem eigenen Land in einer Siedlung wohnen, die würden alle nur ihre eigene Sprache sprechen, also das ist ein Verhalten, das bis jetzt nur von Ausländern praktiziert wird – die muss es auch geben. Wir sonst wollen Sie bitte einen richtigen Wahlkampf im rechten Lager führen, wenn Sie nicht einen Stadtteil in Ihrem Wahlkreis haben, in dem sofort mal ordentlich durchgegriffen werden müsste. Wenn Sie sich da filmen lassen vor einer abbruchreifen Schule, aber drinnen waschen sich Kinder aus über achtzig Herkunftsländern die Hände mit Seife, mit echter Seife, dann können Sie einpacken! Dann hat der Ausländer gewonnen!

Stellen Sie sich mal vor, das würde einfach so weitergehen – am Ende würden Kinder aufhören, die Schule zu schwänzen, sie würden regelrecht dafür lernen, es gäbe weniger Schulabbrecher, wir hätten noch mehr Absolventen, das heißt doch: wir müssen plötzlich wieder Lehrstellen besetzen und können es nicht mehr auf den Fachkräftemangel schieben! Wir haben nicht mehr eine halbe Million jugendliche Arbeitslose, denen wir auch keine Ausbildung mehr ermöglichen, weil Fabrikarbeit mehr bringt! Das komplette Bildungswesen ist perspektivisch schon mal komplett im Eimer! Wenn wir hier nicht sofort Gegenmaßnahmen ergreifen, steht Deutschland vor einem furchtbaren Chaos. Dagegen ist Corona ein Witz.

Sie halten sich an unser Hygienekonzept, zum Ausgleich bekommen Sie von der Landesregierung aber Gutscheine für Tourismus, Einkauf und Events in Ihrem Bundesland. Oder kurz hinter der Grenze, so genau muss man das nicht nehmen. Letztlich ist es ja auch ziemlich egal, in welchem Krankenhaus man liegt, oder?“





HKNKRZ

13 10 2020

„… endlich Rechtssicherheit herrsche. Mit dem neuen Hakenkreuzverbotsgesetz habe Seehofer ein wichtiges Instrument zur Vermeidung des…“

„… bereits nach §86a StGB in Deutschland verboten sei. Die vom Innenminister inszenierte Symbolgesetzgebung sei für die SPD wieder ein deutlicher Beweis, dass die nächste Regierung nicht wieder mit der…“

„… bisher noch keine Statistik vorliege. Das Bundesamt für Verfassungsschutz werde aber so schnell wie möglich untersuchen, ob es mehr oder weniger Hakenkreuzfahnen bei öffentlichen Kundgebungen, Parteitagen oder anderen…“

„… aus formaljuristischen Gründen nicht mehr zu halten sei. Bisher würden antifaschistische Darstellungen durchgestrichener Hakenkreuze nicht als verfassungsfeindlich gewertet und seien damit als Ausdruck einer politischen Meinung legitimiert. Angesichts eines generellen Verbots müsse man diese Rechtspraxis nun aber überdenken, um keine missverständlichen…“

„… habe Seehofer in Aussicht gestellt, auch linksradikale Symbole wie beispielsweise Hammer und Sichel zu untersagen, wenn diese geeignet wären, die notwendige Neutralität im…“

„… Verfassungsbeschwerde angekündigt habe. Höcke sehe gemäß Gesetzestext nur die politische Verwendung inkriminiert, die AfD allerdings werde das Hakenkreuz künftig mit Stolz als Zeichen der rassischen Überlegenheit der blutsdeutschen Volksgemeinschaft über die…“

„… komme es jedoch zu Schwierigkeiten mit dem Datenschutz, da Verstöße gegen das Gesetz immer wieder bei der Polizei gemeldet würden. Es seien allerdings auch Beamte mit den Anzeigen befasst, die selbst in ihren Dienststellen mehrere…“

„… für Strafrechtsexperten noch keine richtige Strafanzeige ersetze. So werde eine Meldung in der Kriminalstatistik nicht aufgenommen, was sich in einer stark verringerten Anzahl an Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund niederschlage. Für Seehofer sei dies ein klarer Beweis, dass es gar nicht so viele rechtsradikale Straftaten gebe, wie in der linken Lügenpresse bisher…“

„… explizit das auf den Nationalsozialismus bezogene Hakenkreuz verboten worden sei. Das im Falle einer Demonstration in Dresden verwendete Symbol sei allerdings in rot auf blau-weißem Grund sowie spiegelverkehrt abgedruckt worden und dürfe deshalb nach Entscheidung der Staatsanwaltschaft überhaupt nicht als…“

„… werde die AfD nicht eher ruhen, als das Bundesverfassungsgericht alle deutschfeindlichen Hasssymbole aus dem Land entfernt habe. Auch das Kruzifix als Bestandteil einer semitischen Wüstenreligion müsse umgehen aus sämtlichen…“

„… nur bei öffentlichen Anlässen verboten sei. Es habe mehrfach Anzeigen wegen privat gebrauchter Bilder und Fahnen gegeben, die nach Ansicht des Bundeskriminalamts jedoch nicht vom Hakenkreuzverbotsgesetz betroffen seien. Diese müssten über eine herkömmliche Anzeige bei…“

„… sei derzeit keine Ausweitung auf andere nationalsozialistische Symbole wie 88 oder HKNKRZ geplant. Der Verfassungsschutz betrachte es als äußerst kritisch und nicht rechtssicher, einzelne Zahlen wegen eines möglicherweise zu unterstellenden politischen Zusammenhangs zu einer willkürlich…“

„… seien Polizeidienststellen sowie Wohnungen von Polizeibeamten ausdrücklich als besonders geschützte Bereiche vom Hakenkreuzverbotsgesetz ausgenommen. Seehofer lehne alles ab, was einen Generalverdacht gegenüber den…“

„… den Vertrauensschutz verletzt habe. Die WerteUnion stehe vor einem längeren Prozess des Imagewandels und habe dazu eine Designagentur mit der optischen Neugestaltung ihres öffentlichen Auftritts beauftragt. Dies dürfe nicht durch ein nachträglich verabschiedetes Gesetz zur…“

„… dass hakenkreuzähnliche Ornamente in chinesischen Restaurants zerstört werden könnten. Die Polizei werde solche Ermittlungen sehr sensibel führen, da die Betreiber dieser Gaststätten als sehr gut integrierte Bürger und…“

„… rate das Bundesministerium des Innern, Hakenkreuzschmierereien an Wohnhäusern oder öffentlichen Gebäuden zu melden, da sie auf diese Weise nicht mehr als Strafanzeige gegen Unbekannt in die Kriminalstatistik aufgenommen werden müssten. Weitere Untersuchungen gegen rechte Symbole werde daher nicht mehr…“

„… werde im Innenministerium inzwischen sehr intensiv geprüft, ob hier eine verfassungswidrige Einschränkung der Meinungsfreiheit vorliege. Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass viele in Wirklichkeit linksextremistische Personen sich absichtlich mit Hakenkreuzen ertappen lassen würden, um durch eine gezielte Verzerrung der Statistik den Eindruck einer rechten…“

„… bei Tätowierungen nicht einschreiten könne. Ein Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus sei außerdem nur dann zu sehen, wenn die Bilder vor 1945 in den…“

„… zum Beispiel Hitlerbilder wegen eines darauf angebrachten Hakenkreuzes nicht aus dem Verkehr ziehen dürfe, da es sich bei den Fotografien um historisches Material handle. Ob ein einfaches Hakenkreuz durch das Anbringen eines Hitlerbildes allerdings im Umkehrschluss zu einer legalen…“





Echte Knaller

12 10 2020

„Sie haben das noch nicht so ganz verstanden.“ „Der Wirtschaftsminister hat aber auch gesagt, dass das für den Standort Deutschland eine sehr…“ „Ja, der Wirtschaftsminister.“ „Der redet viel, wenn der Tag lang ist.“ „Und mal ehrlich, dieses 5G braucht heute schon kein Mensch.“ „Von den Kosten mal ganz abgesehen.“

„Und warum steht dann autonomes Fahren als Technologieziel im Entwurf für den neuen Koalitionsvertrag?“ „Deutschland muss halt auch in die Zukunftsfähigkeit investieren.“ „Wir werden von den anderen Industrienationen abgehängt, wenn wir nicht mithalten wollen.“ „Stellen Sie sich mal vor, wir bauen hier Elektroautos, aber wir haben keine technische Infrastruktur, um die bei uns auch fahren zu lassen.“ „Wie peinlich wäre das.“ „Aber echt!“ „Deshalb brauchen wir ja auch schnelles Internet.“ „Aber doch nicht an jeder Milchkanne!“ „Jetzt übertreiben Sie mal nicht, so viele Fabriken wird der Musk da auch nicht in die Gegend bauen.“ „Und für die eine reicht erst mal ein vernünftiges WLAN.“ „Muss ja kein deutsches sein.“ „Wäre auf Dauer vielleicht auch zu fehleranfällig.“ „Von den Kosten mal ganz abgesehen.“ „Und wie sollen die Autos hier autonom fahren, wenn wir weiterhin diese beschissene Netzabdeckung haben?“ „Also ich kann mich nicht beklagen, mein Netz ist ganz okay.“ „Sie sind maximal in der Berliner Innenstadt unterwegs.“ „Wo erwarten Sie denn sonst autonom fahrende Autos?“

„Es gibt eben auch andere Industriezweige, und die müssen auch produzieren können.“ „Das ist ja auch gut und schön, aber das ist alles so 1999.“ „Wir sind im 21. Jahrhundert, schon gemerkt?“ „Da brauchen wir Innovationen.“ „Technologische Trends und neue Ideen.“ „Auch für die Börse.“ „Und warum verbessern wir dann nicht unsere IT-Struktur und digitalisieren die Prozesse, die diese Ideen vorantreiben?“ „Mann, begreifen Sie es doch endlich: es geht um Wählerstimmen!“ „Da kann man nicht damit protzen, dass die Leute sich ihr Arbeitslosengeld jetzt per Mail bestellen können.“ „Das geht doch jetzt auch schon?“ „Meinen Sie, das interessiert einen Leistungsträger?“ „Da brauchen wir Visionen!“ „Konzepte!“ „Echte Knaller!“ „Wie wäre es denn dann mit kostenlosen Tablets für alle Schüler, Studenten und…“ „Das ist kein Konzept.“ „Und eine Vision schon gar nicht.“ „Ein enormer Schub für die Bildung, damit wir endlich die Ziele verwirklichen können, die die Politik schon seit Jahren als Lösung für den…“ „Damit wir dann lauter Informatiker haben, und keine Sau wird mehr Klempner?“ „Sie haben ja lustige Vorstellungen von Bildung, Sie Traumtänzer!“ „Von den Kosten mal ganz abgesehen.“ „Wenn man für etwas Steuern erhöhen muss, kann man es gleich vergessen.“ „Aha, dann lassen Sie uns über Pflege reden.“

„Gucken Sie sich mal das Raumfahrtprogramm vom Söder an.“ „Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst!“ „Seiner war’s ja auch nicht.“ „Weiß man’s?“ „Im Gegensatz zu Stoiber schon.“ „Der war aber davon ausgegangen, dass man einen Zug zum Flughafen schicken kann.“ „Heutige CSU-Minister kriegen keine Züge mehr hin.“ „Dafür aber auch keine Flughäfen.“ „Stimmt auch wieder.“ „Jedenfalls ist so ein Plan wenigstens ambitioniert.“ „Dann könnte man auch jedem Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen versprechen.“ „Das ließe sich sogar finanzieren.“ „Das verspricht aber nicht so viel Prestige.“ „Und das Volk würde auch nicht so jubeln.“ „Wenn man Söder zum Mond schießt?“

„Wir können da nicht irgendwas in den Vertrag reinschreiben, das sehen Sie doch hoffentlich ein.“ „Sonst könnten wir die größte Solarenergiebranche der Welt ankündigen.“ „Das würde kein normaler Mensch der Wirtschaft zumuten.“ „Außerdem ist die Solarenergie schon erfunden.“ „Die Chinesen schaffen das auch ohne unsere Unterstützung.“ „Wir könnten beispielsweise etwas gegen den Klimawandel erfinden.“ „Einen technologischen Durchbruch.“ „Das würde dann auch die Wirtschaft unterstützen.“ „Und die Börse.“ „Und es gibt mehr Arbeitsplätze.“ „Wobei wir dafür natürlich auch in die Bildung investieren müssten, oder sehe ich das so falsch?“ „Wozu das denn nun schon wieder?“ „Die Leute sollen arbeiten, wozu muss man ständig irgendwas lernen?“ „Von den Kosten mal ganz abgesehen.“ „Das wäre ein Exportschlager.“ „Weil es weltweit einsetzbar ist.“ „Sie sehen ja, der Bedarf ist längst vorhanden.“ „Die Politik muss nur noch ausländische Investoren nach Deutschland holen und ein paar große Firmen aufbauen.“ „Damit wir die nötigen Steuereinnahmen haben.“ „Und auf der anderen Seite die Leistungsträger entlasten können.“ „Und diese total tolle Erfindung gegen den Klimawandel, wie sieht die aus?“ „Das weiß doch jetzt noch niemand.“ „Haben wir etwa eine Glaskugel?“ „Oder haben Sie eine und wir wissen es bisher noch nicht?“ „Dann könnten Sie ja ein paar konstruktive Vorschläge machen, statt hier alles schlecht zu reden.“ „Nachhaltige Energie.“ „Und?“ „Gibt es doch schon.“ „Also wenn Ihnen nichts Besseres einfällt, dann sollten Sie vielleicht Ihr Verständnis von Zukunftstechnologie noch mal überdenken.“ „Und zwar gründlich.“ „Heiße Luft liefert uns die Opposition nämlich schon genug.“ „Und wir keine Lust, den Mist öffentlich als unsere wirtschaftliche Zukunft schönzureden.“ „Gut, dann lassen Sie mal sehen, was wir sonst noch an guten Vorschlägen haben.“ „Flugtaxi war schon.“ „Hm.“ „Aber hier, mehr Autobahnen!“ „Allerdings nur im ländlichen…“ „Scheiß drauf – Autobahnen!“ „Ja, Autobahnen!“ „Hallo, Berlin? Wir haben’s jetzt!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXXV): Der missverstandene Politiker

9 10 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Vor der Einführung parlamentarischer Systeme war die Sache viel einfacher. Der staatliche Wille war auf eine Person fokussiert – Kaiser, König oder Häuptling – und drückte sich in dessen Vorstellung aus. Irgendwann in einer komplexer werdenden Welt traute man der Not gehorchend auch anderen zu, vernünftige Entscheidungen zu treffen, und das Amt des Ministers ward geschaffen: eine Person von Stand und Verstand, die professionell ein Ressort inhaltlich regeln kann, ohne sich zu schnell beim Herrscher zum Vollhonk zu machen, die eng gesetzten Grenzen seiner Kompetenz zu sprengen oder in der Öffentlichkeit als hirnfreie Knalltüte zu erscheinen, da dies unweigerlich auf den Souverän zurückfällt. Hier beginnt der dornige Weg des im Auftrag der Macht lenkenden Funktionärs, wenn er sich ohne Netz und doppelten Boden äußert. Er ist immer in Gefahr, missverstanden zu werden.

Grundsätzlich befinden sich Politiker, die in der Umlaufbahn des Sozialentzugs geparkte Kaste von Parallelexistenzen, in der verzwickten Lage, eine amorphe Masse mit Dünnsinn zu beschallen, wobei ihnen zwei Fehler unterlaufen können. Einerseits droht ihnen Verdünkelungsgefahr, wenn sie ihr intellektuell oberhalb des Durchschnitts angesetztes Verbalglutamat zum Maß aller Dinge erheben und beim Volk den Eindruck eines abgehobenen Lurchs erwecken, der sich selbst für seine Schnackerei abfeiert; die nicht mit juristischen Staatsexamina ausgestatteten Simpel fragen sich angesichts von Kompetenzkompetenz, ob die Dosis das Problem war oder die Pillen. Andererseits läuft Gehirngestrüpp durch die Gegend, das hechelnd den Juristen unter seinen Untergebenen zu erklären versucht, dass man Gesetze möglichst verworren aus der Kalotte kloppt, damit keiner mehr weiß, was eigentlich Phase ist. Diese Fachkräfte fragen sich eher, wie ein Klosteinverkoster mangelhafter Impulskontrolle in die Nähe eines Regierungsamtes hatte gelangen können. Nichts von beiden nährt das Vertrauen in den Rechtsstaat, den beide sich aus wirrer Eigenleistung kognitiv hinschwiemeln, als wäre das Grundgesetz ein rückwärts gejodeltes Wunschkonzert. Nur eines zählt für sie, nämlich die Erkenntnis, dass alle sie verkannt haben, bösartig missverstanden gar, aus drei Gründen: Dummheit, Abgehobenheit oder charakterlichen Defiziten.

Am einfachsten ist stets die Erklärung, einen Kandidaten der erfolgreichen Hirnverödung vor die Mikrofone geholt zu haben. Torheit steht in manch finsterem Landstrich offenbar noch immer für die größtmögliche Volksnähe und wird nicht minder von der bodennahen Reiterei beklatscht. Leider sind es auch nur selten andere, die über Gedeih und Verderb dieser Ausfälle richten: das fachfremde Gelaber auf Niedrighirnniveau dient nicht selten dem allgemeinen Bild der leitenden Politik, dass man dem gemeinen Mann nur oft genug denselben Schmodder ums Maul schmieren muss, um ihn von der rationalen Weltsicht zu entkoppeln. Statt den plumpen Populisten zum Schweigen zu bringen, lässt man ihn aus der verengten Brackwassersuppe Blasen werfen und freut sich, dass ein Depp zu den anderen gefunden hat.

Häufiger schon ist der weltfremde Bekloppte, er deliriert frei in der Landschaft herum, weiß nicht mehr, in welcher Wirklichkeit er sich befindet, und nässt die Allgemeinheit mit seinem Seich ein. Ob sich der gemeine Dummklumpen als Außenminion gegen Arbeitslose wendet, denen er unentgeltliches Schneeräumen auf Privatgrundstücken empfiehlt, oder als Besitzer eines Privatjets zur Mittelschicht gehören will, koste es dieses Steuerzahlerpack, was es wolle, sie werden mit tödlicher Sicherheit nach einem Tag die Presse vollpöbeln, wenn sie ihr bisschen Gemächt zu weit haben hängen lassen. Die anderen sind schuld, in ihrer Schicht wäre keiner auf die Idee gekommen, sie falsch zu verstehen.

Am deutlichsten erkennbar sind die von der Macht korrumpierten Darmleuchter, die mit ihrem Schmonz den Rest der Population veralbern, als sei der gemeine Hirnschadensympathisant gewohnt, dem rhetorischen Tischfeuerwerk rechtslenkender Hohlschwätzer zu folgen, bis der Neurologe bei Null den Knopf drückt. Die entscheidenden Deppen also hocken auf den Schlüsselstellen der Stärke, um ihre autoritär verwarzten Persönlichkeitsreste in den Diskurs zu schlenzen. Nicht nur weltentrückt und intelligenzfremd ist die Parallelabteilung zum gemeinen Mann, sie reklamiert für sich auch stets das Rechtgehabe, das nur da unangenehm auffällt, wo es plötzlich auf Widerspruch stößt. Möglich ist es immerhin, dass sie – bestimmte Neigungen vorausgesetzt – aus reiner Lust an der Provokation Zweideutigkeiten vom Stapel lassen, aber das ist eine andere Geschichte. Sie sind Opfer, die mit dem Gelegenheitsverkehr auf dem geistigen Standstreifen überfordert werden, weil ihnen keiner richtig zuhört. Nie. Was braucht ein Charismatiker schon außer Publikum, das ihm das Wasser reichen kann, auf seinem Niveau ist und auch sonst alles so begreifen würde wie er, wobei: nein, Moment mal…





Schutzmannschaft

7 10 2020

„Also erlauben Sie mal, das ist doch wieder der reinste Selbstbedienungsladen! Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen, aber wir können doch nicht immer, wenn diese, naja, Mitbürger ihren Ramadan abziehen, dann kann man da doch nicht immer eine Hundertschaft hinstellen! Man muss doch mal die Synagoge im Dorf lassen!

Das ist jetzt aber schon ziemlich unverschämt, dass man sich diese ganzen Feiertag auch noch merken soll. Dann müssten wir ja eigentlich auch noch einen Unterschied machen, wann wir die nur beobachten und wann wir sie beschützen sollen. So viel Geld, wie die haben, meinen Sie nicht, dass die sich auch selbst zur Wehr setzen können?

Natürlich ist das ein Angriff auf uns alle, das muss ich mir von denen doch jetzt nicht auch noch vorschreiben lassen, wo mein staatsbürgerlich klar verankertes Grundrechtsbewusstsein lebt, dass eine religiöse Minderheit das gesunde Volksempfinden vor sich hertreibt! Da fängt das nämlich an: erst hat einer von denen mit einem normalen deutschen Passangehörigen Stress, plötzlich eskaliert die Situation, und dann ist das auch noch ein Feiertag? Glauben Sie etwa, dass wir als deutsche Polizei in Deutschland uns die Hose mit der Kneifzange hochziehen?

Das ist ja das Problem. Hier werden bei der strafrechtlichen Ermittlung so viele Spuren einfach ignoriert, dass es nie objektive Ergebnisse gibt. Zum Beispiel der Täter, bei dem weiß man ja auch nicht: war das ein Russe oder ein Deutscher? Die einen sagen, das war ein Aussiedler, aber wenn wir den ausländischen Antisemitismus auch noch als staatliches Problem auffassen, dann werden wir ja nie fertig! Wenn Russen sich hier als Deutsche verstehen, dann müssen wir die doch auch als deutsche Staatsbürger behandeln – es sei denn, sie sind nicht so deutsch, wie wir uns das vorstellen. Das mag ja in andere Fällen auch so sein, aber hier sollten wir sensibel reagieren. Das waren damals die Flüchtlinge, die keiner aufnehmen wollte, und nur wegen der besonderen Beziehung zur deutschen Rasse haben sie hier Zuflucht gefunden. Da kann man denen gegenüber auch mal Dankbarkeit zeigen, oder liege ich da so falsch?

Und diese ständigen Schuldzuschreibungen. Auf der einen Seite diese ganzen Linken, die einem in den Ohren liegen, man müsse die Verfassung respektieren – was meinen Sie eigentlich, wozu wir diese Polizeigesetze gerade hochziehen!? – auf der anderen Seite plärren alle, wir müssten sofort mit aller Gewalt, wenn einer in Bundeswehruniform auf Juden einprügelt – was haben Sie eigentlich für eine Einstellung gegenüber dem Polizeistaat? Das ist einem anständigen Deutschen, erst recht einem Polizisten, der ist immer ein anständiger Deutscher, der respektiert eine deutsche Uniform, auch wenn sie falsch ist, und wenn der einem Juden eine reinhaut, dann ist das ein jüdisches Problem, oder? Glauben Sie, dass wir als Schutztruppe für diese Leute auch noch Lust haben, ungefragt in deutsch-israelitische Konflikte einzusteigen?

Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist jetzt auch nicht antiisraelisch gemeint. Aber wenn diese Schutzmannschaft vor der Moschee, oder wie man das bei denen nennt, wenn die schneller reagiert haben als die Polizei, dann ist das doch erstmal eine gute Sache. Grundsätzlich verurteilen wir als die Hüter des Gewaltmonopols in Deutschland erstmal jede Gegengewalt, weil wir uns da historisch nie so ganz sicher fühlen, wo man besser noch mehr hätte zuschlagen können, aber organisatorisch ist das gut gelaufen. Wir müssen uns jetzt natürlich die Frage gefallen lassen, warum wir nicht schneller zugeschlagen haben. Für Außenstehende ist das plausibel. Aber es muss ja auch verhältnismäßig sein, und dann ist da die Frage nach dem Befehl. Der Deutsche, besonders in Uniform oder anderen kulturell bedeutsamen Rollen, haut ja immer nur dann staatstragend einem aufs Maul, wenn er perspektivisch weiß, dass Befehlsnotstand wird vorgelegen haben. Wir sind historisch geübt. Und der Zukunft zugewandt.

Da wurde neulich einer verhaftet, der wollte möglichst viele Muslime ermorden. Jetzt steht er in Celle vor Gericht. Der hatte gesagt, er habe einen besonderen Hass gegen Juden, Muslime, Schwarze und Frauen entwickelt – wie man das jetzt richtig aufteilt, das ist ja bei jedem anders, aber für mich hört bei Frauen ja auch der Spaß auf. Die können nun wirklich nichts dafür. Den haben wir wegen psychischer Probleme im Gewahrsam genommen und in eine Fachklinik eingewiesen. Sehen Sie das Muster? Darum sollten Sie mit Schuldzuweisungen jetzt auch sehr vorsichtig sein, verstehen Sie? Das war am Ende ein psychisch sehr gekränkter Mann von russisch-deutscher Herkunft, der sich wegen des rassischen Herkunftsverlustes an einer der zahlreichen Minderheiten rächen musste, die sich schon länger hier ausgebreitet hatten.

Natürlich sind diese Leute verwirrt – wenn Sie als Kasache in einer fremden Kultur plötzlich eine von jüdischer Übermacht dominierte Gesellschaft sehen würden, und das auch noch an einem Feiertag, dann wüsste ich auch gerne mal, wie Sie reagieren! Und wenn man in Ihrer Hose ein Hakenkreuz findet, ist das nicht eher ein Anzeichen gelungener Integration? Wollen Sie einen deutschen Staatsbürger, abgesehen von der staatsrechtlichen Unmöglichkeit, jetzt deswegen abschieben!? Seien Sie doch froh, dass der Mann nicht zu uns gehört. Den echten deutschen Antisemitismus, den kriegen wir nämlich auch ohne Ausländer hin!“





Einsatzbegleitung

6 10 2020

„… dürfe die Gesellschaft die Polizei nicht im Regen stehen lassen. Die vereinzelt auftretenden nicht akzeptablen Gewaltexzesse oder Versuche eines bewaffneten Staatsstreichs seien durch eine defizitäre Ausbildung, mangelnde Möglichkeiten zur Fortbildung und andere…“

„… sehe die Deutsche Polizeigewerkschaft kaum sinnvolle Inhalte, in denen die Mitglieder der Weiterbildung bedürften. Vielmehr müsse man noch härter gegen Ausländer vorgehen, die inzwischen durch bürgerkriegsähnliche Zustände die Arbeit für die meisten Beamten so gut wie…“

„… sei die Polizeiausbildung nach Ansicht des Bundesinnenministers veraltet. Vielfach werde den Schülern dabei gar nicht vermittelt, dass das Dritte Reich bereits seit 1945…“

„… die interkulturelle Kompetenz der Beamten nicht gestärkt werden müsse. Wendt kenne selbst mehrere langjährige Polizisten, die sogar schon einmal Döner gegessen hätten und daher keine Rassisten sein könnten. Andere Hetzpropaganda werde die Gewerkschaft unerbittlich mit der…“

„… würden sich viele im Bereitschaftsdienst eingesetzte Polizeimitglieder eine bessere soziale und kommunikative Integration in Einsatzkonzepte oder Konfliktstrategien wünschen. Im Gespräch mit gewaltbereiten Nationalsozialisten würden die Beamten oft nicht ausreichend Zeit für persönliche Gespräche finden und seien dann unzufrieden, weil man sie in der Öffentlichkeit als desinteressiert oder politische indifferente…“

„… seien Fortbildungsangebote grundsätzlich eine sehr gute Chance, um die Befriedigung am Polizeidienst zu sichern und die Risiken eines Burnout zu senken. Da sich die Personalstruktur in den kommenden Jahren allerdings aus finanziellen Gründen nochmals zuspitzen werde, müsse man auch viele Angebote auf den Prüfstand des…“

„… entspreche es dem Wunsch vieler Polizisten, Straftäter nicht der Justiz zu überlassen, wenn diese dann doch freigelassen oder zu mild bestraft würden. Eine Ausbildung zum Vollstrecker im Justizdienst würde sich gerade da anbieten, wo es durch überlastete Gerichte und…“

„… es nur unzureichende Angebote gebe, mit denen Polizisten zur Teamsupervision fortgebildet würden. Rechtsextremistische Chats müssten sich so selbst organisieren und könnten schon aus Zeitgründen keine ausreichende…“

„… halte die Deutsche Polizeigewerkschaft den Umgang mit Gewalt grundsätzlich für ein Thema, das einer breiteren Diskussion und pädagogischer Aufarbeitung bedürfe. Viele Polizisten würden sich beim Verprügeln von Scheinasylanten oder linken Volksverrätern Verletzungen an den Händen zufügen, die nur sehr schwer wieder ausheilten. Eine prophylaktische Ausbildung sei daher im…“

„… zahlreiche Lücken aufgezeigt habe. So sei den Beamten das Grundgesetz zuvor nicht bekannt gewesen, was Ausbilder damit entschuldigt hätten, dass die Geschichte des Deutschen Reiches im Lehrplan keine große Rolle…“

„… Fremdsprachenunterricht nicht gegen den Willen der Polizisten durchgeführt werden dürfe. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fürchte einen negativen Effekt, wenn dieser von Ausländern gegeben würde, und habe verfassungsrechtliche Bedenken, wenn die Beamten dies nicht auf freiwilliger Basis, sondern auf dienstlichen Befehl des…“

„… eine Schulung einzelner Polizisten zur Einsatzbegleitung kritisch gesehen werde. Man wehre sich dagegen, dass die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse als Berufszeugen nun in gegenteiliger Art instrumentalisiert würden, und werde sich den Plänen der Polizeikritikindustrie bis zur letzten Patrone…“

„… zumindest einmal wöchentlich ein reguläres Schießtraining absolvieren müsse, da durch linke Gewalttäter ständig mit einer von Deutschland ausgehenden Weltrevolution gerechnet werden müsse. Seehofer setze sich für eine Einweisung ein, mit der sämtliche Beamten auch den Umgang mit atomaren Mittelstreckenwaffen und…“

„… würden oppositionelle Kräfte das Angebot an Weiterbildungen ausnutzen, um die Polizei unter Zwang Arabisch lernen zu lassen. Dies sei mit dem Innenausschuss jedoch nicht zu machen, der sich für die Wahrung der Menschenwürde auch unter…“

„… das Schießtraining auch im privaten Rahmen oder bei einer Bürgerwehr ableisten dürfe. Dies könne allerdings nicht voll auf die Dienstzeit angerechnet werden und sei nur ausnahmsweise…“

„… eine Freistellung für Prepperkurse nicht gewährt werden könne. Um sich jedoch besser in der Reichsideologenszene bewegen zu können, sehe man die politische Bildung in dieser Richtung als einen sehr sinnvollen…“

„… vor den zahlreichen Fototerminen mit den Kriegswaffen vertraut gemacht werden sollten, mit denen sie für die Nachwuchsgewinnung posieren würden. Das Innenministerium werde dazu auch im Verteidigungsressort um Amtshilfe ersuchen, da sich schon mehrfach beinahe Unfälle mit den…“

„… zusammenfassen müsse. Der Plan sei, dass Polizisten zunächst während ihrer Laufbahn ausreichend Überstunden angesammelt haben müssten, um unmittelbar vor der Pensionierung eine Reihe von Blockseminaren im…“