Schraube locker

28 06 2017

„Meine Güte, dann ist es halt eine Rentenkürzung!“ „Das ist doch nicht das Thema, wir dürfen es nicht so nennen.“ „Wie drückt man das denn bitte positiv aus?“ „Sie sind doch der Experte.“

„Es führt kein Weg an der Sache vorbei: wir müssen die Renten kürzen, sonst haben wir noch viel mehr Altersarmut.“ „Sie meinen, wir haben Altersarmut, gerade weil wir die Renten so stark gekürzt haben.“ „Das ist ein ganz anderes Konzept. Wir sehen das getrennt.“ „Wie kann man das denn bitte getrennt sehen?“ „Er meint vermutlich, wenn wir die Renten unten nicht kürzen, bekommen wir da nicht genug Altersarmut.“ „Nee, wir haben doch genug.“ „Aber nur für oben.“ „Ja, aber auch nur, wenn wir unten Altersarmut erzeugen.“ „Deshalb müssen wir da ja auch genug kürzen.“ „Verstehe.“ „Dann haben wir die Aufgabe ja gelöst.“ „Eben nicht.“ „Wieso?“ „Weil sich ‚Rentenkürzung‘ halt nicht gut anhört, vor allem nicht im Wahlkampf.“ „Und das sollen wir jetzt ändern?“ „Endlich haben Sie es kapiert!“

„Wertschätzungsverlängerung.“ „Bitte!?“ „Die Lebensarbeitszeit ist doch etwas sehr Schönes, und dann…“ „Aber wie kommen Sie dann auf dieses bekloppte Wort?“ „Dass die Deutschen mehr arbeiten dürfen, da ist doch erstmal sehr positiv.“ „Ich wusste es, Sie sind nicht ganz dicht.“ „Doch, wir müssen es ihnen nur ganz langsam wieder ins Bewusstsein zurückrufen, dass die Arbeit, die ihnen zugemutet werden kann, auch ihre guten Seiten hat.“ „Und die werden verlängert.“ „Nein, die doch nicht!“ „Er meint, die Arbeit soll verlängert werden.“ „Ja, aber nur mittelbar. Wir gehen dann halt den Umweg über die Wertschätzung der Rentenversicherungsträger.“ „Und der Staat?“ „Der findet das natürlich auch toll.“ „Weil die, die früher sterben, länger tot sind?“ „Würde ja nicht gehen, wenn die Leute länger arbeiten müssen.“ „Aber in Relation zu ihrer Arbeits…“ „Wertschätzungszeit.“ „Dann gehen die Arbeitslosen demnächst auch zum Wertschätzungsamt?“ „Nee, zur Bundesagentur für Wertschätzung.“ „Das kann doch nicht passen.“ „Doch, bisher sind sie auch wertschätzungslos.“ „Stimmt auch wieder.“

„Dann müsste man auf der anderen Seite die Beitragserhöhungen auch so benennen.“ „Wieso soll man denn noch die Beiträge erhöhen, wenn sich die Lebensarbeitszeit verlängert?“ „Wir haben da mehrere Stellschrauben zur Verfügung.“ „Dann ist bei Ihnen wohl eine Schraube locker.“ „Man könnte durchaus die Beiträge…“ „Also wir machen die Zwangsabgaben höher?“ „Sie sind ja total von der Rolle!“ „Die Bürgersumme wird angepasst.“ „Das klingt so bescheuert, das wird keiner schlucken.“ „Auch nicht schlecht.“ „Moment, wir wollten doch…“ „Dann regt sich die Öffentlichkeit wenigstens einmal richtig auf über diese zynische Volksbeschimpfung, und danach ist auch Ruhe.“ „Genial!“ „Sehr gute Herangehensweise!“ „Das machen wir!“ „Aber wenn wir zum Beispiel über ein Alterssicherungsbeitragsanpassungsgesetz die Beiträge der…“ „Das wäre dann natürlich ein Bürgersummenanpassungsgesetz.“ „Klingt auch doof.“ „Interessiert dann aber schon keinen mehr.“

„Man müsste sich sowieso mal Gedanken machen, ob so ein sozialverträgliches Frühableben nicht neue Synergien freisetzen könnte in einem zukunftssicheren Haushaltsgefüge.“ „Sie meinen: für ein zukunftssicheres Haushaltsgefüge.“ „Oder so, ja.“ „Das klingt aber noch zynischer.“ „Nein, da ist nicht gut.“ „Wieso?“ „Weil’s halt zynisch klingt.“ „Das ist das geringste Problem.“ „Eben, wir brauchen die Beitrags…“ „Bitte!?“ „Also die Bürgersummen der Summenbürger, die die Wertschätzung der Haushalte, oder irgendwie so.“ „Die nächste Bankenkrise kommt bestimmt.“ „Jetzt malen Sie mal nicht gleich den Teufel an die Wand.“ „Das klingt so negativ, wenn Sie das sagen.“ „Man muss die Bürger auch motivieren, sie wollen doch auch im Alter weiterarbeiten, um ihre Grundsicherung aufzustocken.“ „Wenn sie nicht von der Lebenswertschätzungsverbesserung so sehr profitieren, dass sie gar keine Nebenjobs mehr brauchen.“ „Aber wir müssen verhindern, dass sie ihre gesetzlichen Renten zu stark vernachlässigen.“ „Wodurch das denn?“ „Betriebsrenten.“ „Aber auf die hat doch keine Sau Anspruch.“ „Dann nennen wir die doch Unsolidarzuschläge.“ „Klingt sehr gut!“ „Aber unser Rentenkonzept beruht doch auf Betriebsrenten.“ „Ja, wieso?“ „Dann verstehe ich nicht, warum wir sie als unsolidarisch bezeichnen.“ „Wir müssen das in unsere Corporate Identity integrieren.“ „Ach so.“

„Dann können wir jetzt unsere Kleinrenten nach dem…“ „Einstiegsbezug.“ „Das klingt so nach Einstiegsdroge.“ „Ist ja auch irgendwie eklig.“ „Der Kontrast zur Wertschätzungsverlängerung ist mir da noch zu groß.“ „Die ist doch nach dem Einstieg in den Bezug sowieso weg.“ „Die Verlängerung?“ „Die Wertschätzung.“ „Aber man hat doch dann ein ganzes Leben lang für Deutschland, ich meine, man ist dann auch irgendwie…“ „Dann ist man halt ein Kostgänger des Bürgersummensystems.“ „Also im Grunde kurz vor dem Sozialschmarotzer?“ „Wieso davor?“ „Aber…“ „Also ich finde das jetzt rund, so konzeptmäßig gesehen.“ „Ja, kann man machen.“ „Gut, dann machen wir mal weiter. Was steht als nächstes auf der Liste?“ „Arbeitsplatzabbau.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXVI): Das Recht auf Angst

23 06 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Rrt und seine neuronal ungesegnete Rotte lagen auf Anstand, als es dumpf hinter ihnen schnaubte. Das Wollnashorn war’s, jene Art, die geschmort gut zu Schnuffelbeerkompott passte, meistens jedoch die Hominiden zu Blutsuppe verarbeitete und dem männlichen Nachwuchs damit den frühzeitigen Familienanschluss sicherte. Der geölte Blitz war noch nicht erfunden, hier jedoch wäre die passende Gelegenheit dazu gewesen, denn die ganze Schar fegte heulend durch die Steppe, voll auf Adrenalin, und nichts kennzeichnet die vermeintlich fähige Affenart mehr als das geplante Durchdrehen unter erwartbaren Umgebungsvariablen. Die Erleuchtung ist noch nicht greifbar, da schießen sie schon die Kronleuchter aus. Noch ist seine Zunge nur des Lallens mächtig und die Religion nicht erfunden, aber dunkel dräut ihm, er habe ein Recht auf Angst.

Denn damit wird alles besser, das arme Hascherl darf kleinkindisch in scheuer Lähmung harren, bis der starke Mann das Böse weggeräumt hat. Zwar legt der gemeine Blödkolben größten Wert auf eine zünftige Reifung, will überall mitreden, fühlt sich für jede Verschwörungstheorie aufgeklärt genug und hat sowieso das Schnittbrot im Alleingang erfunden, aber er ginge aber nie ohne Pfeifen in den Keller, es sei denn, er kann damit sein präpotentes Gehabe gegenüber dem Objekt klein a ausleben. Das gibt Halt und Hoffnung: bald ist aller Tage Abend, bis dahin kann er in geübter Starre hocken.

Denn Angst konserviert. Wer sich nicht bewegt, fühlt seine Fesseln nicht – wer daran arbeitet, eine Fesselgesellschaft zu errichten, nimmt diesen Umstand gerne mit – und richtet sich wiederum bequemer ein in einem Marionettenstaat, der die Heilmittel lieber auf die Wände malt, anstatt sie durch gezieltes Eingreifen einzusetzen. Geistige Laubsägearbeiten dieser Couleur rechnen fest mit der Panik, die sich unter der Couch einigelt, und nur die stützt durch pure Ignoranz den Abbau aller demokratischen Rechte, gegen die furchtloser Widerstand gefragt wäre. Mit Logik und tapferer Rationalität lässt sich der Schrecken bekämpfen, mit Irrationalität wird die Angst geschürt zur reinen Laberlohe, die an den Synapsen glodernde Flut anschwappt. Sie ist schließlich das perfekte Marketinginstrument für Waffen, Versicherungen, Vitaminpillen und rechtsradikale Propaganda. Wer würde dazu schon Nein sagen.

Tief greift das in die Persönlichkeitsstruktur ein, berührt die Kernbereiche der Psyche an blutenden Punkten – gelernt ist gelernt, und sozialisiert ist sozialisiert, wir schleifen das Erbe zahlloser Väter mit uns herum, sehen nicht einmal, wie wir uns von den Traumatänzern unterscheiden und pusten alles zur Panik auf, was nicht vor uns wegrennt. Von der fallenden Kokosnuss auf dem Karibiktrip die Birne zermarmelt zu kriegen ist wahrscheinlicher als das Ableben in der dschihadistischen Splitterbombe, vor allem als Einwohner von Bad Gnirbtzschen an der Schlömma, und doch schreiben die Zeitungen nie doppelseitige Farbberichte über tote Touristen in der Südsee. Vermutlich hat auch dies Methode: die geneigte Politik macht Angst zur medientauglichen Waffe, um ihren Krieg gegen die Verfassung zu rechtfertigen, und wer würde Grundrechte wegen ein paar Palmen aushebeln können. Dabei unterliegt der scheinfreie Zweibeiner einer üblen Paradoxie: er gibt seine Feigheit als zivilisatorisch errungene Notwendigkeit an, ist in Wahrheit aber doch wieder der bornierte Urmensch, der im infantilen Stadium der Abwehr von Scheingefahren bleiben will. Lauter promovierte Neger fluten sein Schlesien, die Frauen wollen ihn nicht mehr, die Kinder studieren so Sachen mit Medien, der Chef wird laut und die Entscheidung ist denkbar eng: ab in die Prärie oder dem Alten eine reinzimmern. Der Blödföhn ist physiologisch immer noch im Pleistozän. Es ist die hardwarenahe Programmierung, die das Fluchttier schockgefriert und in der selbst verschuldeten Unmündigkeit verleimt; so muss der Bescheuerte keine Aktivität ergreifen und kann sich in der Angst suhlen, die je um je sich festsetzt als Urgrund der Unfähigkeit. Wer auch immer sich die Erde untertan machen wird, diese Querkämmer schon mal nicht.

Und so evozieren sie immer neue Beklemmnis, Horden von Muslimen, homosexuelle Lehrer, freie Bildung, alleinerziehende Mütter, Länder ohne Grenzen und eine Gesellschaft, die die Aufklärung zur Kenntnis genommen hat. Sie haben es noch nie gesehen, wahrscheinlich würden sie die Aufklärung nicht einmal bemerken, wenn sie ihnen hinterrücks in den Nacken atmete, aber sie würden rennen, alternativ: ihre eigene Unfähigkeit in Hass auf jedes andere Objekt ummünzen, sich hilfsweise in etwas integrieren, das es ohne sie nicht geben müsste. Zur Freiheit gehört auch das Recht, die Hysterie einer Gesellschaft zu ignorieren. Aber was kümmert das die Hysterie. Und was hätte sie mehr zu bieten als Angst.





Rächer der Gerechten

21 06 2017

„Irgendwas mit Mehr.“ „Hä?“ „Also das mit mehr Gerechtigkeit haben wir ja schon.“ „Die Zeit nicht zu vergessen.“ „Und die Frauen.“ „Aber erst kommt die Gerechtigkeit.“ „Warum nicht die Frauen?“ „Weil die Zeit… – ach, egal.“

„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber wir müssen den Auftritt von Schulz jetzt irgendwie auf Masse trimmen.“ „Hä?“ „Massenkompatibel. Den Mann massenkompatibel machen.“ „Wir haben da noch etwas von der hart arbeitenden…“ „Ich will weder ‚hart‘ noch ‚arbeiten‘ in Ihrem verdammten Konzept lesen, hatte ich mich da klar ausgedrückt?“ „Das war aber vor dem…“ „Also ich finde das immer noch gut.“ „Eben. Das klingt so scheiße, das muss von der SPD kommen.“ „Echt, den Wiedererkennungswert kriegen Sie nicht für sehr viel Geld.“ „Ich hatte Ihnen ganz klar gesagt, dass ich das nicht mehr sehen will.“ „Wir dachten, bis zur Wahl kippen Sie eh noch dreimal…“ „Raus hier. Den nächsten Wahlkampf können Sie in Nordrhein-Westfalen machen.“ „Nein! Gnade!“

„Mehr Gerechtigkeit kann man doch auch mit einer Perspektive verknüpfen.“ „Zum Beispiel?“ „Perspektive für Gerechtigkeit.“ „Klingt gut!“ „Das sagt gar nichts.“ „Eben, deshalb ist es ja so toll.“ „Haben Sie das aus dem Steinbrück-Baukasten für gemäßigte Rohrkrepierer geklaut?“ „Ich finde, wir sollten die hart…“ „Bitte?“ „… kämpfenden Genossen im Dings, hier… Wahlkampf sollten wir die nicht…“ „Perspektiven für mehr Zeit?“ „Mehr Zeit für Perspektiven.“ „Überhaupt mal eine Perspektive, das wäre ja mal an der Zeit.“ „Wäre ja auch nur gerecht.“ „Der Mitte eine Perspektive geben.“ „Ach, Sie wollen auch nach NRW?“

„Gerechte Perspektive – der engagierten Mitte eine neue Gerechtigkeit…“ „Jetzt schon doppelt?“ „Soll ja mehr Gerechtigkeit sein.“ „Ach so, klar.“ „Noch mehr Perspektive?“ „Mehr Gerechtigkeit, weniger… weniger…“ „Was, weniger?“ „Was wollte er?“ „Soli kürzen.“ „Weniger solidarischer Zuschlag?“ „Also weniger Perspektive für mehr Solidarität?“ „Weniger Solidarität.“ „Weil Schulz zuschlägt.“ „Sie können sich gleich alle nach Düsseldorf abmelden.“ „Aber das ist doch SPD, wie man sie kennt!“ „Sogar die Perspektive!“

„Sie scheinen überhaupt nicht verstanden zu haben, worum es hier eigentlich geht.“ „Schulz will den Soli kürzen für äääh…“ „Sagen Sie es ruhig.“ „Also die, die hart… das sind die, die in der Mitte… die da …“ „Also die unteren Einkommen, die dank der Solidarität der SPD…“ „Hä?“ „… mit den höheren Einkommen von den mittleren zu den kleineren Einkommen geworden sind.“ „Das ist doch gut, oder?“ „Ich wusste nicht, warum.“ „Wegen der Perspektive vermutlich.“ „Weil Schulz endlich mal selbst mehr Zeit für Gerechtigkeit…“ „Sie meinen, die SPD hat endlich mal wieder Zeit für mehr Selbstgerechtigkeit?“ „Hatte sie vorher auch immer.“ „Aber ohne Perspektive.“ „Kommt darauf an, für wen.“ „Jedenfalls nicht für die unteren Einkommen.“ „Die haben ja mit dem Soli bisher auch keine Perspektive gehabt.“ „Deshalb hat Schulz jetzt keine Perspektive auf die unteren Einkommen.“ „Weil das gerecht ist?“ „Nein, weil die eh keinen Soli zahlen.“ „Dann ist ja endlich mal Zeit für Gerechtigkeit.“

„Also haben wir mit weniger Perspektive…“ „Nein, mehr.“ „Aber es muss doch weniger sein, sonst haben wir nicht mehr Gerechtigkeit.“ „Auch wieder richtig.“ „Dann könnten wir die Perspektive auf mehr Zeit für…“ „Hä?“ „Ich stehe gerade auf dem Schlauch.“ „Solidarität mit den Rächern, nein: die Gerächten sind solidarisch mit der Zeit, die segnen das Solidarische.“ „Holen Sie ihm mal ein Glas Wasser, sein Hirn hat gerade einen Platten.“ „Er hat doch solide gerechnet.“ „Sagt wer?“ „Sagt Schulz.“ „Das hat doch nichts mit Solidarität zu tun.“ „Hört sich aber ähnlich an.“ „Er will ja auch mehr Gerechtigkeit, ohne die Mitte zu verlieren.“ „Wegen der Perspektive?“ „Nein, weil die den ganzen Scheiß bezahlen werden.“

„Meine Güte, jetzt lassen Sie sich doch endlich mal etwas einfallen!“ „Wir arbeiten doch schon hart an dem ganzen…“ „Gleich ist hier zappenduster, war das klar!?“ „Dann machen Sie doch Ihren Dreck gefälligst alleine, das ist jetzt der vierte Wahlkampf in Folge, den Sie in den Sand setzen!“ „Ich…“ „Haben Sie etwa Perspektiven zu bieten?“ „Oder die Mitte?“ „Wir können doch…“ „Jetzt kommen Sie mir wieder mit Mehr-Wert-Hülsen, das ist so was von 2005!“ „Aber…“ „Mehr, mehr, das will doch keine Sau mehr hören!“ „Immer dasselbe Gefasel!“ „Außerdem nimmt das der SPD keiner ab!“ „Vor allem nicht in perspektivischer Hinsicht, wenn Sie mich fragen.“ „Da muss jetzt echt etwas anderes kommen.“ „Weniger! die Leute wollen endlich den Ballast loswerden!“ „Innere Sicherheit, Hartz-Gesetze, Nullzins, Bundeswehr-Einsätze, das geht doch nicht so weiter!“ „Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?“ „Und wenn Sie uns nicht glauben, wir schicken Sie gerne nach Nordrhein-Westfalen!“ „Aber was soll man denn da machen? Wir können den Spitzenkandidaten nicht einfach so im…“ „Steuersenkungen?“ „Steuersenkungen.“ „Na also. Geht doch.“





Umschulung

19 06 2017

„Nehmen Sie Platz, Sie haben heute alle Unterlagen dabei? Leistungsbescheid, Krankenkasse, das AfD-Parteibuch? Ich stelle Ihnen den Gutschein sofort aus, morgen früh geht’s los. Acht Uhr, die Adresse des Bildungsträgers hatte man Ihnen ja mitgeteilt, angesichts Ihrer Staatsangehörigkeit waren wir auch davon ausgegangen, dass Sie mit der deutschen Sprache keine semantischen Probleme haben.

Sie werden sich um Ihren Lebensunterhalt selbst bemühen. Die Partei, die Leutchen wie Sie mit parlamentarischen Mandaten über Wasser hält, löst sich ja gerade in ihre Bestandteile auf. Seien Sie froh, dass wir Ihren Vorschlag mit dem Arbeitslager für Erwerbslose nicht ernst genommen haben, Sie säßen sonst nicht hier. Etwas mehr Dankbarkeit, wenn ich bitten dürfte. Wir praktizieren hier den deutschen Rechtsstaat, den Sie anscheinend nicht ausreichend verinnerlicht haben.

Gut, Sie haben nichts gelernt, Fortbildung war bei Ihnen umsonst, und jetzt kommen Sie bei der Bundesagentur angeweint, dass Sie Ihre Miete nicht bezahlen können? Lassen Sie mich kurz überlegen. Bisher war das doch auch nicht Ihr Problem. Als bildungsresistente Deckschicht auf dem rechten bis rechtsextremen Radikalismus – wir kommen noch zu der Unterscheidung, Sie halten jetzt einfach mal die Füße still – haben Sie sich bislang gerade so durchgemogelt, wie? Das ist schön, so wollen wir den Bundesbürger. Arbeiten, Konsumieren, die Reproduktion ist natürlich Privatsache, aber wenn der Gehorsam aufhört, wird’s halt kritisch. Lustig nur, dass ich das Ihnen erzähle.

Schauen Sie, an geistig minderbemittelten Deppen – Sie haben das Parteibuch, also sind Sie ein geistig minderbemittelter Depp, stehen Sie doch wenigstens dazu – lässt sich das besonders gut erklären. Sie meinen ja auch, man müsse bloß die Einstiegsdrogen wie Cannabis verbieten, dann gäbe es auch keine Drogentoten mehr. Ich mag Sie, ganz ehrlich. So etwas wie Sie kriegt man ja ohne Geld und Schutzanzug nicht mehr zu sehen. Warum nur werden so viele Kiffer niemals heroinabhängig? Und wenn sie es werden, ist es nicht eher eine Korrelation, weil sie ihr Gras unter der Hand bei einem Verbrecher kaufen müssen? Sind nicht auch die meisten Rechtsextremisten irgendwann mit einem gekochten Ei am Frühstückstisch gesessen? Warum verbieten wir dann nicht einfach Eier, um den Rechtsextremismus loszuwerden? Und ist ein gekochtes Ei pro Tag genug, um aus geistig minderbemittelten Deppen wie Ihnen zuverlässig völkische Vollidioten zu machen? Haben Sie es schon kapiert? Genau deshalb bekommen Sie jetzt Ihre Umschulung zum Islamisten.

Glauben müssen Sie da gar nichts. Machen Sie sich von der Vorstellung frei, dass Sie irgendeine Art von Vorwissen bräuchten für eine Karriere als Terrorist – als rechter Mitläufer bestand Ihr Weltbild auch größtenteils aus zusammengefegtem Halbwissen und wirren Verschwörungstheorien. Was Sie an Kenntnissen über den Islam brauchen, lesen Sie sich an zwei Tagen aus einem Heftchen an, das lernen Sie dann auswendig, so gut es geht, und dann brauchen Sie es nie wieder. Eine militante Gesinnung, Hass auf die Gesellschaft, paranoide Züge, das können wir bei Ihnen alles voraussetzen, und dann sollte der Gruppenunterricht aus Ihnen einen Top-Terrorunterstützer machen. Weitere Bildungsziele wie Selbstmordattentäter sind nicht ausgeschlossen.

Wir brauchen engagierte Leute wie Sie! Ist das denn nicht ganz in Ihrem Sinn? Ihre eigene Partei steht auf dem Standpunkt, dass nur islamistischer Terror die völkische Ideologie retten kann. Setzen Sie sich für Deutschland ein! Schlappschwänze wie Höcke und Poggenburg braucht doch kein Schwein. Deshalb gehen Sie mit gutem Beispiel voran in den Tod, das Vaterland wird’s Ihnen dann schon danken.

Doch, das ist mein Ernst, warum fragen Sie? Es ist die richtige Tätigkeit, um das gesellschaftliche Feindbild zu erhalten. Erinnern Sie sich noch daran, was ich Ihnen gerade von der Korrelation erzählt habe? Sie sind für uns eine hervorragend zur fachlichen Weiterbildung geeignete Arbeitskraft, deren Flexibilität auf dem sozial relevanten Markt einen hohen Stellenwert hat. Warum sind Sie in die AfD eingetreten, wissen Sie das noch? Eben, die ganze Richtung. Und wir ändern jetzt einfach Ihre Marschroute. Es geht ja beim Terror nicht um die Radikalisierung des Islam. Es geht lediglich um die Islamisierung von ein paar Radikalen. Radikal sind Sie, das haben Sie bereits unter Beweis gestellt, und so weit ist Ihr Denkmodell ja nicht vom IS entfernt. Das bilden Sie sich bloß ein.

Sie werfen doch den sogenannten Eliten vor, ein diktatorisches System errichten zu wollen, dabei wollen Sie es selbst. Wen Sie als Eliten sehen, das möchte ich gar nicht mal wissen. Vermutlich Leute, die einen Schulabschluss haben. Und jetzt ist es für Sie schon eine Zumutung, wenn Sie Ihr Geld mit Arbeit verdienen müssen? Weil wir Ihnen einen Job verschaffen, der Ihnen durchaus zumutbar ist? Ich muss schon sagen – das lassen Sie mal nicht Ihre Parteigenossen hören, die lesen Ihnen am Ende noch das Wahlprogramm vor. Ja, natürlich können Sie das ablehnen, aber dann zahlen wir eben auch nichts mehr. Wo wollen Sie dann hin? Nach Ungarn?“





System D

18 06 2017

Es ist, und der Franzose backt.
Wenn er das Los beim Schopfe packt,
dann nur, weil er nun Kuchen will,
das heißt: dass er’s versuchen will.
Er hat zum Backen nichts im Haus,
entsprechend fällt der Kuchen aus,
drum rührt er alles dort hinein,
was ihm als Zutat fällt noch ein.
Die Sache wird mit Zuckerkand
und Farbe doch noch recht charmant,
und wie er’s in den Ofen schickt,
ist er am Ende recht beglückt.

Wie anders ist der Deutsche nun.
Er hat drei Stunden lang zu tun,
wiegt Mehl und Zucker fein genau,
desgleichen Ei um Ei gar schlau
nach alter Sitte, ein Rezept
das sich durch alle Zeiten schleppt.
Recht nahrhaft ist sein Zuckerwerk,
dass es zwar schmecke, doch auch stärk
wie es so aus dem Ofenrohr
kommt gar heraus und steigt empor,
wie es voll Duft die Luft durchzieht –
er hat längst keinen Appetit.





Analogkäse

15 06 2017

„… aus Verbraucherschutzgründen nicht mehr als Käse bezeichnet werden dürfe, da das Produkt keine tierischen…“

„… eine Umstellung der Produktpalette dadurch unverzichtbar sei. Sojamilch habe sich zwar auf dem deutschen Markt als…“

„… ob beispielsweise auch Verpackungen und Zutatenlisten verändert werden müssten. Mit einer Klage bedroht seien Hersteller, die Erzeugnisse mit Kakaobutter oder…“

„… die Bezeichnung ‚Streichkäse‘ im Gegensatz zu ‚Schmierkäse‘ eine wesentlich andere Handhabung bereits vor dem Verzehr erforderlich mache, was auch Regressansprüche gegen den…“

„… dass Butterreinfett kein juristisches Problem darstelle, obwohl es während der Herstellung tatsächlich aus der Butter raus…“

„… sich der Leberkäse als bayerisches Traditionsprodukt einer Überprüfung durch den EuGH generell entziehe. Eine Anerkennung durch den Freistaat sei lediglich…“

„… Sonnencreme zwar durchaus nicht aus den Bestandteilen einer Eutersekretion hergestellt werden, die einem Verfestigungsprozess durch…“

„… im Hirtenkäse keinerlei Hirten enthalten sein dürften, da dieser damit zwar noch als tierisches, aber nicht mehr als vegetarisches Erzeugnis einer nicht auf…“

„… könne der EuGH Sonnenmilch erst dann bewerten, wenn eine eindeutige Bezeichnung als veganes Produkt auf dem…“

„… auf die Zutatenliste ankomme. Andererseits sei Hirtenkäse, der nachweislich aus industrieller Fertigung stamme, ein landwirtschaftliches und damit im weiteren Sinne…“

„… eine Klage wegen Zigeunerschnitzeln keinen Erfolg vor dem Europäischen…“

„… Kokosmilchpulver für den industriellen Verbrauch mit Milchpulver gestreckt werde. Dies könne auf der Zutatenliste nicht mehr als vegane…“

„… sich Hersteller von Tofustreich auf eine rechtliche Gleichstellung bezögen. Insbesondere der Vertrieb von Liebfrauenmilch, die nachweislich nicht aus einer Eutersekretion von…“

„… die Rechtsprechung des EuGH nicht als Analogkäse bezeichnet werden dürfe, da sie sich im Sinne des Verbraucherschutzes um eine nur am geltenden Recht orientierte…“

„… dass eine als Hustenmischung verkaufte Ware erst dann zu Atemwegsproblemen führe, wenn sie unsachgemäß verschluckt und damit…“

„… Erzeugnisse wie Erdnussbutter nicht in den europäischen Handel gehörten, da sie nicht der gängigen Rechtsprechung…“

„… zu Wettbewerbsverzerrungen komme, wenn Tofuschnitzel tatsächlich vegane Bestandteile aus Tofu oder…“

„… nicht nur im Lebensmittelbereich. Die auf Eutersekretion beruhenden Merkmale von Sheabutter seien nur in sehr geringem bis…“

„… ob sich ‚Griechischer Joghurt‘ etwa durch ‚Joghurt griechischer Art‘ ersetzen lasse, was bei Produktionsstätten in Deutschland Implikationen beispielweise für Hirtenkäse und…“

„… der Einzelhandel nun einen eigenen Eutersekretär einstellen werde, der über die Einhaltung der bisher ausgehaltenen Regeln im…“

„… Buttermilch keine Butter mehr enthalte. Der Verbraucher werde damit gezielt…“

„… nicht mehr als Milchschokolade angeboten werden dürfe, wenn die Verpackung eindeutig den Einsatz von Milchpulver für die…“

„… wenn Butterblumen im Vorwege der Eutersekretion zugeführt würden, die jedoch dann zur Produktion von Margarine und…“

„… mehrere Testkäufe der Handelsgruppe zu positiven Ergebnissen geführt hätten. Das Personal habe auf Nachfrage nach Dosenmilch die in beschichteter Pappe verpackte…“

„… ob nach einer generellen Neubewertung Wurstsalat von EU-Agrarsubventionen…“

„… ein Euter-Generalsekretariat über alle Vorschriften wache, um etwaige Abmahnungen durch Rechtsanwälte, Mitbewerber und…“

„… auch ‚Deutschen Kaviar‘ gefunden habe, der in Wirklichkeit aus den Niederlanden…“

„… keine Eutersekretion vorliege. Dennoch habe sich die Bezeichnung ‚Brustbonbons‘ als…“

„… sich in Kalbsleberwurst tatsächlich kaum Kalbsleber befinde. Wie dies im Falle einer vegetarischen Leberwurst verhalte, werde jedoch außergerichtlich nicht…“

„… Leberkäse weder Käse noch aus Leber sei. Analog zu ähnlichen Fehlbezeichnungen habe sich der Großhandel auf ‚Pizzafleisch‘ geeinigt, um die Distribution weiterhin rechtssicher und…“

„… und das ‚Überraschungs-Ei‘ bisher unter ganz falschen rechtlichen…“

„… als ‚Veggie-Käse‘ im engeren Sinne nur ein aus Vegetariern geformter Fleischkäse angeboten werden dürfe, was jedoch wieder nicht vegetarisch im Sinne einer…“





Überwachungsziel

13 06 2017

„… müsse zur Sicherheit die Videoüberwachung in Deutschland nicht nur erheblich ausgeweitet, sondern auch mit einer …“

„… viele Verbrecher mit dem Taxi fliehen würden. Eine anlasslose Überwachung aller Wagen sei daher aus Präventionsgründen…“

„… aber nicht als überwachungstechnische Maßnahme sehe. Mehrere Einzelhandelskonzerne hätten die Erlaubnis, Kunden einer regelmäßigen Gesichtsüberwachung zu unterziehen, aus Gründen einer besseren Verbraucherbindung im…“

„… dass es immer wieder Gewalttaten gegen Taxifahrer gebe. Zwar sei die Mehrheit der Kunden nicht an diesen Ereignissen beteiligt, doch müsse die Kontrolle der Personalausweisnummer vor Antritt der Fahrt schon zur Amortisation der flächendeckenden Überwachung als Standard…“

„… sich die Christsozialen eine lückenlose Ausstattung von Telefonzellen mit Videokameras und computergesteuerten…“

„… keiner erfreut sein könne, wenn öffentliche Toiletten überwacht würden. Dies jedoch sei gerade das Argument, dass ein so gut wie nie freiwillig aufgesuchter Ort zur Verbrechensaufklärung auf jeden Fall eine unverzichtbare…“

„… dass nach dem Siegeszug der Mobiltelefone so gut wie kein öffentlicher Fernsprecher mehr in der…“

„… dürfe man Spielplätze nicht öffentlich mit Überwachungskameras ausstatten. Das Ministerium habe sich jedoch dafür entschieden, das Wohl der Minderjährigen höchstens durch eine gezielte Überwachung einschließlich einer…“

„… die Gesichtserkennung zunächst nur auf wenige Fachabteilungen zu beschränken. So könne man etwa männliche Kunden in der Etage für Damenunterwäsche anhand der Blickrichtung eindeutig als…“

„… die Aufnahmen auf den öffentlichen Bedürfnisanstalten geschlechtsspezifisch vorgenommen würden. Der Bundesinnenminister habe das Vorgehen damit verteilt, dass die optisch erkennbaren Unterscheidungsmerkmale nicht immer auf gleicher Augenhöhe zu…“

„… das allgemeine Verbot von Sehhilfen vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben werde. Der in der Union präferierte Kompromissvorschlag, jeden Brillenträger mit einem farbigen Berechtigungsstern auszustatten, finde in…“

„… seit Jahrzehnten keine ausreichende Anzahl an Telefonzellen mehr gebe. Für die CSU sei dies jedoch ein Argument, dass sich ihre Wählerschaft auf genau dieses…“

„… auch Schultoiletten einer Überwachung zuführen wolle. Die Christsozialen hätten dies als notwendig empfohlen, um der Frühradikalisierung zeitig zu begegnen und eine Durchsetzung des christlichen Menschenbildes im…“

„… den kaum mehr vorhandenen Telefonzellen ein Hauch von Ewiggestrigkeit anhänge. Die sei ein schlagendes Argument, warum das Interesse sowohl der islamistischen als auch der bayerischen Fundamentalisten für die technische…“

„… Supermärkte die Aktionsware viel genauer postieren könnten, wenn Überwachungsergebnisse aus Bahnhöfen und Arbeitsämtern einschließlich der Monatsnettoeinkommen für eine…“

„… alle in Deutschland ausgelieferten Telefone nach einer Bundestelefonauslieferungsverordnung mit einer versteckten Frontkamera ausgestattet werden müsse, die permanent Livebilder aus der…“

„… Schwimmbäder nur noch da überwachen wolle, wo die Toiletten keine ausreichenden…“

„… Kosmetiksalons schon deswegen ein interessantes Überwachungsziel seien, weil auch hier Frauen in Burka hier eine vollständige Umgestaltung ihres Aussehens in strafrechtlich nicht einmal relevanter Form…“

„… vorwiegend Damentoiletten überwachen lasse. Nach Angaben des Ministeriums wolle man damit gerichtsfest nachweisen, ob nicht in einem dem Staat und den regierenden Sicherheitsorganen verborgenen Moment junge Frauen heimlich eine gegen die FDGO gerichtete Burka im…“

„… das Datenvolumen bei einer nicht abstellbaren Kamera so erheblich strapaziert würde, dass die Benutzer sofort zu drastischen…“

„… die Schwimmbäder auch bei Besuch von Schulklassen weiter überwacht würden, um einer Radikalisierung vorzubeugen. Die Elternvertreter hätten vergeblich versucht, die Gegner der Archivierung von der rechtlichen Unbedenklichkeit des üblichen…“

„… dass die Überwachung von Toiletten in Opernhäusern, Museen und Landesparlamenten verfassungswidrig sein könnte. Die Durchsetzung werde sich daher vorerst auf JobCenter, Tafeln, Bürgerämter und andere soziale…“

„… sich de Maizière auf seine eigene Fachkompetenz verlassen könne. Er wisse aus Gesprächen mit vielen technischen Profis, dass es den deutschen Nutzern nicht auffallen würde, ob sie innerhalb eines Jahres zwei, drei oder fünf Kilobyte zusätzlich zu ihrem üblichen…“

„… die Telefonzellen von allen Seiten einsehbar seien. Die CSU wolle nun per Landesgesetz wenigstens in Bayern eine bürgerrechtssensible Ausstattung mit Milchglasscheiben durchsetzen, um auf der anderen Seite einen Generalverdacht gegen sämtliche…“

„… die Neigungen des Bundesinnenministers zuvor niemandem bekannt gewesen seien. Die Qualität der Überwachungsbilder habe dazu geführt, dass die Autobahnraststätte innerhalb weniger Minuten von einer polizeilichen…“