Herrenraser

24 01 2019

„… neben Steuererhöhungen auch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen in Erwägung ziehe. Dies werde sich positiv auf die Schadstoffbilanz und die Ziele der Klimapolitik sowie den…“

„… die ersten Rücktrittsforderungen erhoben würden. Scheuer sehe die Verkehrskommission als nicht kompetent, da sie weder persönliche Bekanntschaft mit der Autoindustrie besäßen noch durch finanzielle Verflechtungen mit…“

„… die Emissionen seit 1990 nicht habe senken können. Der Schadstoffausstoß sei nach wie vor auf einem so hohen Niveau, das man mit der CSU nicht in Verbindung bringen dürfe. Die Kommission sei deshalb nicht in der Lage, einen kostenneutralen…“

„… einen empfindlichen Eingriff in den Straßenverkehr darstelle. Wendt weise darauf hin, dass die meisten Autofahrer überhaupt nicht anders als zu schnell fahren könnten, wodurch sich eine Vielzahl an Geschwindigkeitsübertretungen ergäben. Ein Tempolimit sei also nichts anderes als eine massenhafte Aufforderung zum Begehen von Straftaten, was die Polizei in Deutschland zu einem geballten Protest und juristischen…“

„… habe den Ausbau von Fahrradwegen im innerstädtischen Bereich strikt abgelehnt. Scheuer sehe hierin keinerlei Auswirkungen auf den internationalen Schwerlastverkehr, der als eigentliches Problem der…“

„… sei ein weiteres Zeichen für die Islamisierung der BRD GmbH. Da Muslime in ihrem Kulturkreis an die Transportgeschwindigkeit von Kamelen gewöhnt seien, sehe Gauland hier den Versuch, die Ausrottung der deutschen Identität auf den Autobahnen zu…“

„… notwendige Transformationsprozesse in der Autoindustrie anstoßen werde. Es müsse nur noch kommuniziert werden, dass die Elektromobilität mit 250 km/h weniger schwere Unfälle auf den…“

„… die Kampagne Das Volk will Gas geben gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten zu führen. Lindner habe darauf hingewiesen, dass er zur Durchsetzung von Menschenrechten keine Parteigrenzen akzeptiere, sondern rein sachorientiert in den…“

„… inzwischen sehr enttäuscht seien. Der Vorstandssprecher der Volkswagen AG habe geäußert, die Branche könne es mittelfristig nicht mehr hinnehmen, dass die Gesetzgebung von der Bundesregierung komme und nicht wie gewohnt aus dem…“

„… eine genetische Veränderung stattgefunden habe, die es Deutschen nicht mehr erlaube, langsam zu fahren. Nach Sarrazins Berechnungen entstehe in weniger als 150.000 Jahren durch Fehlzüchtungen eine deutsch-ökologische Hybridrasse, die sich nicht mehr fortbewegen könne und darauf angewiesen sei, durch Migranten mit geringerem IQ transportiert zu werden, um ein geregeltes Leben in Deutschland zu…“

„… nicht daran liege, dass Flüchtlinge seltener ein Kraftfahrzeug oder einen Führerschein besäßen. Die geringere Anzahl von Asyltouristen unter den Verkehrsstraftätern sei für Weidel ein weiteres Indiz für die von Merkel verordnete Islamwerbung, die ungerechtfertigte Vorteile für rassefremde…“

„… lehne die FDP eine Ausweitung des Fußverkehrs ab, da hier keine Senkung des Schadstoffausstoßes zu erwarten sei. Jeden Fußgänger mit mobilen Messapparaturen auszustatten, wie es Grüne und andere christsoziale Verbotsparteien propagieren würden, sei eine Verschwendung von…“

„… deutscher Autofahrer durch rücksichtsloses Rasen viel schneller sozialverträglich verstürben. Durch die Verweigerung, verkehrsgefährdend auf deutschen Straßen zu fahren, würden Migranten die Sozialsysteme erheblich belasten. Ein umfassendes Remigrationsprogramm sei für Poggenburg die letzte Chance, die Herrenraser vor dem…“

„… schwere internationale Verwerfungen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach sich zögen. Scheuer habe darauf hingewiesen, dass langsam fahrende Autos viel weniger Kraftstoff verbrauchen würden, was letztlich zu einem Erliegen der Erdölimporte führe. Dies könne auch zu einer Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien, Norwegen oder…“

„… nicht alles schlecht an Hitler gewesen sei. Höcke betone, der Führer habe die Autobahnen vor allem gebaut, um sie an ein Volk von Autofahrern, die ihre rücksichtsloseste Männlichkeit mit dem Gaspedal und der…“

„… müsse das aktuelle Tempo beibehalten werden, da die Deutsche Bahn AG nicht in der Lage sei, notwendige Bestandteile des Straßenverkehrs wie Stau oder Wanderbaustellen in ausreichendem Maße zu…“

„… die Daimler-Benz AG eine Organklage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt habe. Der Automobilkonzern sei sich seiner Bedeutung für die nationale Wirtschaft und die Stabilität des Staates durchaus bewusst und betrachte sich darum als Verfassungsorgan mit weitreichenden und für die Existenz der Bundesrepublik notwendigen…“

„… erwarte in dieser Sache konstruktive Vorschläge des Bundesverkehrsministers für eine möglichst schnelle und umfassende Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Scheuer sei laut Angaben in den vergangenen drei Wochen nicht im Ministerium gesehen worden, auch die CSU sei nicht informiert, wo er sich gerade…“

Advertisements




Zeitzeichen

23 01 2019

„Wir werden ferngesteuert!“ Drohend schüttelte Herr Breschke die Faust und stapfte durch den schütteren Schnee den Gartenweg entlang, das nachbarliche Haus fest in seinem grimmigen Blick. „Mit einem Wecker fängt es an, und dann werden sie uns irgendwann auch fernsteuern!“

Umständlich putzte sich der Hausherr die Stiefel auf der Fußmatte ab, bevor er mich eintreten ließ. Es duftete nach frisch gebrühtem Kaffee, Frau Breschke hatte einen großen Hefezopf gebacken. Nichtsdestotrotz zog der Pensionär die Stirn in erhebliche Falten. „In der letzten Woche fing es an, da standen auch die Wagen vor der Tür von den Stadtwerken. Hier werden ja alle Nase lang neue Zähler aus- und alte eingebaut – nein, anders: neue eingebaut, und jetzt war Gabelstein dran.“ Dem gehörte das Haus zwar seit dem Verkauf nicht mehr, er genoss aber immer noch lebenslang Wohnrecht in dem renovierungsbedürftigen Bungalow. „Ich habe es erst neulich wieder gelesen“, erklärte Herr Breschke, „sie bauen jetzt überall diese Zähler ein, die über das Internet kontrolliert werden. Und ich sage Ihnen, diese Bande kontrolliert nicht nur die Zähler!“

Der Funkwecker, der seit einigen Tagen auf dem Küchenschrank stand, war das erste Indiz für die Spionagetätigkeit des städtischen Stromversorgers; er ging nach oder setzte, meist mitten in der Nacht, aus. Dass das Gerät so plötzlich seinen Dienst versagte, lag für den ehemaligen Finanzbeamten an der Strahlung, die seither vom Nachbargrundstück ausging. „Ich habe das nämlich auch gelesen.“ Er kramte in einer Mappe mit Kochrezepten, der Abfuhrliste für Sperrmüll und Bauschutt sowie einem Angebot für künstliche Weihnachtsbäume mit Beleuchtung (was seine Tochter nicht unbedingt besser, wohl aber in jeder Hinsicht billiger würde leisten können) einen Artikel hervor, der aus einer Publikumszeitschrift für leichtgläubige, aber zum Ausgleich technisch wenig bewanderte Menschen stammen musste. DCF77 stand in der Überschrift, und der Leser erfuhr alsbald, dass es sich nur um eine Verschwörung größeren Ausmaßes handeln konnte. „Dieses Zeitsignal ist in Gefahr!“ Er blätterte in der Mappe hin und her. „Stellen Sie sich nur die Folgen vor, wenn das entdeckt wird!“

Der Wecker lahmte, und diesmal lag es am Sekundenzeiger, der öfter hakte, als umzuspringen. Ich schaute das Ding argwöhnisch an. „Und Sie sind sich absolut sicher, dass es an einem Smart Meter liegt?“ „Es bleibt keine andere Möglichkeit“, knurrte der Alte. „Diese Technik wird ja bloß eingeführt, um uns lückenlos zu überwachen – wann wir morgens das Licht andrehen, unter die Dusche gehen, das Radio anschalten, den Herd, und wann wir dann abends wieder ins Bett gehen. Aber ohne mich, mein Lieber, ohne mich!“ Es stand offenbar sehr schlimm um sein Vertrauen in die moderne Stromversorgung, denn er war mehr als verärgert. „Der gläserne Bürger“, schrie Breschke unvermittelt. „Wir werden zu gläsernen Menschen, verstehen Sie? Alle!“

Erschöpft hatte er sich auf seinem Küchenstuhl niedergelassen und rührte fahrig in der Kaffeetasse. „Stellen Sie sich das mal vor, die können bald auch die Uhren steuern.“ Ich lehnte mich herausfordernd über die Stuhllehne. „Die? Wen meinen Sie denn damit?“ „Dir Regierung bestimmt nicht“, zischte Horst Breschke. „Die könnte ja, aber sie haben bestimmt noch nicht verstanden, wie man das macht, deshalb treiben jetzt andere ihr Schindluder mit diesen Funkstrahlen.“ Möglicherweise hatte ich ihn endlich verstanden. „Sie denken also, dass ein Geheimdienst oder Schlimmeres unsere Uhren steuert?“ Er nickte. „So ist es. Die senden exakte Zeitzeichen, damit man morgens aufsteht und brav zur Arbeit geht.“ Eine komische Vorstellung, den Ex-Beamten so abschätzig über pünktliche Arbeiter sprechen zu hören. Aber vielleicht hatte er ja auch einen Verdacht? „Vielleicht ist es längst so weit, und sie steuern unseren Verkehr – die einen dürfen zehn Minuten länger schlafen, damit sie nicht gleichzeitig auf die Autobahn fahren, die anderen müssen zehn Minuten früher los, und dann stellen sie in unserer Abwesenheit die Wecker tagsüber einfach wieder zurück.“ Das schien mir ohne ein internationales Komplott nicht machbar, aber sicher hatte ich nur nicht das nötige Hintergrundwissen. „Was, wenn sie einen längst im Minutentakt steuern und regeln können?“ „Wissen Sie“, antwortete ich nachdenklich, „wenn man dieses Land nun unter seine Kontrolle bringen wollte, meinen Sie nicht, man könnte das einfach erreichen, indem man die Uhren in kleinen Abständen immer wieder um ein paar Sekunden zurückstellt, so dass es nie klingelt? Man wacht nachts auf, sieht auf die Uhr, stellt keinen Unterschied fest, schläft einfach immer weiter, und im Nu ist ein ganzes Land besetzt.“ Breschke starrte bleich auf den hakenden Zeiger. „Sie meinen, es hat schon angefangen?“

In der Küchenschublade hatte ich zwei passende Batterien gefunden, sie in den Wecker eingelegt und das Fach zugeklappt. Surrend stellte sich die Uhr, und kurz darauf zeigte sie wieder die exakte Zeit. Herr Breschke guckte ungläubig. „Darauf hätten Sie kommen können“, sagte ich in verschwörerischem Ton. „Nicht am Stromnetz anschließen, dann wird er auch von den Zählern nicht erfasst.“ Er trank einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse. „Man kann heutzutage nicht vorsichtig genug sein. Gut, dass wir uns mit solchen Sachen auskennen!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLVII): Der populistische Klassenkampf

18 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Uga und seine Sippe lebten noch im Einklang mit der Natur. Was schiefgehen konnte, ging eben schief, und am Ende starb jeder, die einen früher, die anderen früh genug, und dann kamen andere, die sich vor vornherein über eins im Klaren waren: wenn sie den Löffel abgeben, wird sich keine Sau mehr an sie erinnern. Der große Gleichmacher, jeder wusste es, nannte sich bald Schicksal und bald Vorherbestimmung, philosophische Moden und neu entdeckte Drogen brachten Götter ins Spiel – oder umgekehrt, wer weiß das schon – und mählich kam dem Hominiden ins bröselnde Bewusstsein, dass es Geworfenheit im real existierenden Surrealismus tatsächlich gibt. Sich gegen jegliche Kausalität aufzulehnen ist ähnlich sinnvoll wie der Versuch, Schuhe nach dem Mond zu schmeißen. Machen wir uns da nichts vor, was lebt, ist dem Niedergang geweiht. Auch ohne populistischen Klassenkampf.

Denn jedes klassenlose Schicksal erzürnt den Mistgabelmob am meisten. Dass die Pest sich nicht an Nationalität hielt, steuerliche Veranlagung oder Haushaltsnettoeinkommen, war die schärfste Kränkung des ständisch organisierten Verdrängers. Sein eigenes Weltbild, in dem Gott™ für jeden Trieb straft, den er selbst seinem Prototypen in die Hirnrinde gefräst hat, sollte mit Demut und Selbstverleugnung auskommen, wie das Konstrukt seiner Vernunft ihm befiehlt. Doch der gemeine Dummklumpen, der sich Universum, Gesellschaft und den ganzen Rest lieber ad hoc mit Bordmitteln zusammenschwiemelt, schmeißt auch hier alles in einen Strudel, damit zum Schluss eine Theorie aus Mutmaßungen und wirrem Verdacht hochgespült wird. Wichtig daran ist, es müssen die anderen sein. Nie trifft einen selbst die Schuld. Immer ist es die zugedachte Omega-Position, die den Sündenbock ausmacht, den Blitzableiter für Jammer, Pein und dräuend Ungemach, weil das Dasein nicht immer berechenbar ist, und wenn, dann nicht unbedingt in Übereinstimmung mit der Prophezeiung.

Kaum macht man eine Gruppe aus, die sowieso durch abweichende Religion, Pigmentierung oder sozialen Status von dem machtnahen Mainstream abweicht, der sich als Mittelschicht versteht, schon steht diese Bande mit dem Rücken an der Wand. Sie schleppen die Pocken ein, nehmen uns die Jobs weg und sind gleichzeitig arbeitslos, wollen sich in diese Gesellschaft einfach nicht integrieren und zeigen dies, indem sie durch perfide Assimilation alle Schranken zwischen echten und falschen Abendländlern einreißen, und zum Schluss, das ist Konsens, reißen sie die Weltherrschaft an sich, darunter tun sie es einfach nie. Damit dieses Modell einer intellektuellen Kontinentaldrift wirkt, muss man schon sehr viel Sand unter der Kalotte mit sich herumschleppen, aber populistische Hetzchirurgen sehen auch dies als Herausforderung. Die Gräben, die der Urgesellschaft noch fehlten, der Pass von Taka-Tuka-Land, die zahlende Zugehörigkeit zum marktbeherrschenden Metaphysik-Anbieter, sie müssen in liebevoller Kleinarbeit aufgerissen werden. Je mehr Klassen, desto besser der Kampf.

Die Gesellschaft nutzt den Prügelknabenchor, wenn sie sich mit rationalen Mitteln nicht mehr gegen die innere Spaltung zur Wehr setzen kann – eine großartige Idee der Einpeitscher, erst recht den Riss zu fördern, damit sich der Rest als Ganzes fühlt, während er im freien Fall zur Minderheit hin gebannt nach oben starrt und reflexartig tritt, oft nach unten, ansonsten nach allen Seiten und nach sich selbst. Denn es trifft irgendwann alle, die sich dem wachsenden Totalitarismus verschreiben, wohl wissend, dass auch diese Radikalisierung sich als erstes ihre Kinder hinters Zäpfchen pfropft. Wer leicht zu identifizieren und ohnehin schon unbeliebt ist, dazu mit dem Malus mangelnder Kraft ausgestattet, wird aus dem System ausgeschlossen. Warum also nicht gleich den Rentner zum Volksfeind machen, er bietet sich doch geradezu an. Er hat technisch bedingt Ansichten von gestern und eine Sozialisation, die nicht mehr mit der utilitaristischen Internationale kompatibel sind, blockiert zu große Wohnungen und die Kasse im Supermarkt, lähmt mit seinem Wahlverhalten den Fortschritt, nimmt am Straßenverkehr nur als bewegliches Ziel teil, kostet den Sozialstaat Unsummen, hört die falsche Musik und trägt mit Absicht bei jeder Gelegenheit Beige. Es wird Zeit, ihn auszurotten, denn er ist eine nachwachsende Spezies: glückliche Fügung für Stumpfklumpen, die mit der Parole Ausländer raus bald dumm wie Braunbrot in der Ecke stünden, wären die Ausländer alle weg und die Wirtschaft läge erst recht am Boden. Wie man jedenfalls ohne Krieg aus der Nummer rauskommt, hat den Nanodenkern noch niemand verraten.

Dass jede Radikalisierung unablässig neuer Steigerungen bedarf, die es irgendwann ohne Selbstzerstörung nicht mehr geben kann, fällt ihnen erst auf, wenn man ihnen die Flinte schon ins Genick drückt. Jeder Klassenkampf aber, der doch nur ein Gezänk aufgewiegelter Knalltüten ist, hat nur ein Ziel: Solidarität zu verhindern und den Gebrauch der kritischen Vernunft. Wer den Feind wirklich erkennt, sucht ihn überm Sternenzelt.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLVI): Unsinnige Pyrotechnik

11 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Ritual blieb. Alle Jahre wieder kauten die Jünglinge aus Rrts Sippe samt angrenzendes Volks vergorene Buntbeeren, bis sie erst lustig wurden und dann knapp vor doof. Der erste, der sich nur im Lendenschurz in die Steppe traute, wo die leicht genervte Säbelzahnziege in Ruhe vegetieren wollte, genoss das höchste Ansehen beim Damenflor, stets vorausgesetzt, jene Ziege gab dem kreischenden Knirps nicht eins mit den Hörnern mit, was sich auf die Familienplanung fatal hätte auswirken können. Wer überlebte, konnte sich ruhig zum Deppen machen, denn er hatte es ja überlebt. Dass diese Zuchtauswahl vorwiegend grottoid ausgestattete Vollhonks in den Genpool pinkeln ließ, machte die Evolution nicht unbedingt erfolgreicher und erklärt manche Spätfolge, unter anderem, warum so viel hässliche Flusenlutscher Stammväter ihrer Völker wurden. Und warum das Ritual blieb.

Wir haben das ja heute gar nicht mehr nötig. Statt sich Zufallsalkaloide in die Birne zu drücken, greift der professionelle Nanodenker zum Schnaps, der so wohlig die Synapsen anlöst, und holt sich im Discounter des Vertrauens das Ballerpaket zum Preis eines vergoldeten Lamms – was kann schon schiefgehen in der Kombination? Und wahrlich, sie versuchen mit akribischem Zorn auf die Materie jede noch so klinisch bekloppte Idee zu realisieren, wie man Explosionskörper zum Detonieren bringen kann. Im Ergebnis sprengen sie sich die Flossen weg, lassen Knochensplitter durch die Luft spritzen und marmeln sich mit etwas Glück den Schädel ein. Auch im nüchternen Zustand schaffen sie es, einfach konstruierte Flugkörper bodennah in der Horizontale zu zünden, damit’s dem Nachbarn die Gonaden wegzoscht oder wenigstens seinen Hund atomisiert. Früher hatte es noch gereicht, im Kampf gegen die Elemente heldenhaft der Gefahr ins Auge zu blicken, heute verliert man in einem Arbeitsgang mindestens noch ein Auge, um beim Niki-Lauda-Ähnlichkeitswettbewerb die Endrunde zu rocken. Als Sicherheitsbelehrung reicht Wer das liest ist doof ja längst aus, weil es die Zielgruppe so elegant wie vollständig abdeckt.

Der Traum, rücksichtlos mit der Kettensäge im Anschlag durch ein Wohnviertel zu delirieren, fasst die hart unterdrückten Männlichkeitsfantasien der kernbescheuerten Torfatmer geradezu idealtypisch zusammen: warum sollen nicht auch andere zünftig aufs Maul kriegen, wenn der Dumpfklumpen selbst in einer komplett ersetzbaren Randexistenz vor sich hindümpelt? Schwillt dem Trottel der Kamm, so nähert er sich asymptotisch zutiefst verinnerlichten Selbstvernichtungsbildern, denen die majestätische Ruhe des ehemals Organischen folgt, die Stille nach dem Stuss, wenn sich blässlich die Sonne hebt über den Haufen aus Böller, Bein und Blutopfern. Nichts davon ist neu.

Die Psychoanalyse versucht den Holzschnitt des bornierten Urmenschen zurecht zu schwiemeln, der in Naturgeisterfurcht wilde Heere mit allerhand Gedöns vom Himmel feuern will und postmodern überformt seine alte Heidenangst im Abendland zu kultivieren versucht. Ganz nebenbei erliegt er dem Guckreiz und ästhetisiert seine Angst bis zum kollektiven Knalltrauma. Natürlich braucht der heutige Hominide die Rationalisierung, doch die funktioniert nun einmal nur mit den Zombies auf dem Hirnfriedhof, dem wimmernd verdrängten Grausen, das jammerläppische Zärtlinge treibt, wie sie im Vollbesitz präpotenter Willenskraft Mut proben. Etwas weniger deformierte Protzbrocken reagieren saisonunabhängig ihre Mannhaftigkeit am Kugelgrill ab, andere lassen sich auf Rollschuhen am Rennwagen nachschleifen, bis die Schädelbasis schmackig am Betonboden aufknuspert, doch nur Feuerwerk bietet den Spaß für die ganze Familie, die bei einem Druckstoß die Stratosphäre füllt. Der heimliche Bombenbürger denkt auch an Renommee und Ehre, wenn er dem Sprengsport nachgeht.

Denn unsinnige Pyrotechnik ist mitnichten nur Ausdruck eines grob gestrickten Egos, das gerne die Umwelt kaputt macht, damit es nicht alleine in der Versenkung verschwindet, sie ist ein solide an der Schädelinnenseite festgepfriemelter Marker für soziale Distinktion. Höher, greller, lauter muss es sein, wenn man die Kasper aus der Nachbarbutze in die Schranken weisen will – wer mehr Kohle in die Feinstaubproduktion investieren kann, um die Welt für seine Kinder zu versauen, demonstriert damit Überlegenheit, noch dazu mit einer Ware, die stets der herrschenden Klasse vorbehalten war. Und so zeigen sich Jahr um Jahr Herden verstrahlter EEG-Nullkurven, dass sie die Ausbildungsvorsorge für ihre Brut in den Himmel schießen können, denn nur so nimmt man sie als elitäre Zusammenrottung an der Spitze der Einwohnerpyramide ernst. Man könnte das einfacher haben, aber wer brettert schon mit Absicht seinen SUV in die Leitplanke, um in einem epischen Lichtblitz zu verenden. Die Geister geht es nichts an, sie kennen das Gesülze von der freien Entfaltung der Persönlichkeit in der unmännlichen Gesellschaft, so vorhersehbar ist die Schar derer, die zum Schluss im Do-it-yourself-Armageddon abtreten wollen. Darwin, übernehmen Sie.





Pünktlichkeitsanpassung

10 01 2019

„Also wenn Sie zweimal, das heißt, eigentlich sind es viermal, aber Sie müssen teilweise auch nur auf demselben Gleis umsteigen, einmal in ein anderes Geschoss, aber da haben Sie einen Fahrstuhl, das sind sieben Minuten bis, lassen Sie mich mal gucken, nein, sechs Minuten. Aber der Zug aus Leipzig kommt sowieso immer mindestens eine halbe Stunde zu spät, deshalb sehen wir das easy.

Sicher arbeiten wir noch wirtschaftlich, darum erhöhen wir ja auch regelmäßig die Preise, weil wir sonst nicht mehr wirtschaftlich arbeiten würden. Das ist Marktwirtschaft, und daran müssen wir uns als privatisiertes Unternehmen halten. Außerdem werden wir immer moderner, kundenfreundlicher und umweltbewusster, zumindest nimmt es nicht so ab, dass Sie es merken würden, und wir entwickeln für unsere Dienstleistung ein Problembewusstsein. Eines unserer Probleme ist, dass wir diese ganzen Züge fahren lassen. Und dann haben wir ja auch noch den Güterverkehr und das Schienennetz, und dann auch noch den Bundesverkehrsminister. Sie sehen, so einfach, wie das aussieht, ist es nicht.

Diese Vollkaskomentalität bei den Deutschen, das ist doch das Schlimme. Wir machen schon seit Jahren Reklame: Urlaub von der ersten Minute an. Sie wollen, sagen wir mal, nach Indien, da ist Zugfahren eine echte körperliche Herausforderung, wild, gefährlich, jeden Moment kann sich eine Katastrophe ereignen, die das ganze Leben auf den Kopf stellt oder sogar beendet – und da wollen Sie möglichst im Schlafwagen hin? Ich bitte Sie! Da kriegen Sie doch bei der Deutschen Bahn AG mehr geboten. Sie betreten den Zug, bis zum letzten Augenblick waren Sie sich nicht sicher, ob er einfährt, und wenn, auf welchem Gleis, dann die Wagenreihenfolge, und wenn Sie richtig Glück haben, hat jemand Ihre Sitzplatzreservierung zur Kenntnis genommen. Aber da hört’s ja noch nicht auf, jetzt kommen die Pünktlichkeitsanpassungen des laufenden Verkehrs! Da stehen Sie volle dreißig Minuten auf freier Strecke irgendwo vor Bebra mit rotem Einfahrtsignal und beißen sich die Nägel ab, weil Sie den Anschlusszug nicht mehr kriegen, und dann ist der Flieger weg. Das nenne ich mal echten Nervenkitzel!

Und was wir Ihnen an Entertainment bieten, das ist ja der nackte Wahnsinn. Wenn Sie so entspannt durch die Ebene gleiten, versuchen Sie mal, sich nur auf die Baustellen zu konzentrieren. Spätestens nach der zehnten Baustelle nehmen Sie Details wahr, das hätten Sie vorher nie gesehen. Sie sehen die Landschaft mit ganz anderen Augen. Ist ja auch logisch, wir fahren da halt etwas langsamer, damit Sie mehr von der Sache haben, aber darum geht’s ja im Moment gar nicht. Wir sind hier für Sie tätig, und das dürfen Sie ganz direkt miterleben. Sie brauchen nicht mal zu halten wie auf der Autobahn, wir machen auch das für Sie als Fahrgast. Haben Sie diesen Luxus schon mal im Flugzeug erlebt?

Also Fahrradmitnahme können Sie im Flieger schon mal knicken. Macht keiner, da bin ich mir absolut sicher. Als Handgepäck schon gleich gar nicht, mal ganz abgesehen von den Kosten. Sie können Ihr Fahrrad im Kofferraum transportieren, da haben Sie recht, aber mal ehrlich, dann müssten Sie ja auch noch Ihr Auto mitnehmen, oder wie stellen Sie sich das vor. Ich muss schon sagen, Ihre Vorstellungen von Komfort sind recht individuell.

Unsere Verspätungsdefinition ist ja gleichzeitig an der Pünktlichkeit ausgerichtet, wir sind ein ganz transparentes Unternehmen, das können Sie uns glauben – das sind nicht ganz drei Viertel der Züge, die absolut pünktlich waren, das heißt mit nur sechs Minuten Verspätung. Dass wir unseren Kunden damit täglich mit einer Chance von über 25% sechs Minuten Zeit schenken, die Sie gratis im Zug verbringen können oder auf einem unserer vielen Bahnhöfe, das wird ja in der Öffentlichkeit gar nicht mehr gewürdigt! Sechs Minuten, das ist eine zehntel Stunde, das müssen Sie sich mal ausrechnen und auf der Zunge zergehen lassen – gibt Ihre Bank Ihnen etwa zehn Prozent Rendite?

Wenn die Rheinschiffer im letzten Jahr durch die extreme Hitzeentwicklung keinen Treibstoff an die Tankstellen bringen können, sieht das jeder ein, aber wenn die Deutsche Bahn durch unerwartete Temperaturschwankungen in Schwierigkeiten gerät, dann wird das gleich zur nationalen Katastrophe hochstilisiert. So eine Klimaanlage ist ein fragiles Gebilde, und das gilt auch für Weichenheizungen. Das ist komplizierter als zum Beispiel eine Frau, das können Sie mir glauben.

Ich möchte mal wissen, warum sich alle über die Fahrkartenautomaten aufregen, es gibt doch kaum noch welche. Das ist der Trend, dass wir uns jetzt auch digital um unsere Kunden kümmern, das heißt, Sie können Ihre Fahrkarten ganz bequem auf dem Smartphone buchen, nur das Bezahlen ist noch nicht so ganz gelöst, aber das kriegen wir auch irgendwie in den Griff. Selbstverständlich können Sie Ihre Fahrkarten wie bisher in den Reisezentren lösen, da bringen Sie ein bisschen mehr Zeit mit, es ist sehr gemütlich, jedenfalls treffen sie da immer mal wieder nette Leute, und da können Sie bis auf Weiteres auch mit Bargeld zahlen. Nein, ich weiß, dass man das nicht an den üblichen Haltepunkten tun kann, das geht ja nicht einmal in den meisten Kleinstädten. Das ist so mit der Digitalisierung, das geschieht zuerst in den großen Städten. Aber Sie können ja jederzeit ins Reisezentrum fahren. Zum Beispiel mit der Deutschen Bahn!“





Idiotentest

9 01 2019

„… zunehmend Anschläge verübt würden, bei denen ein Kraftfahrzeug als Waffe eingesetzt werde. Es sei daher vorab zu prüfen, ob bei der Erteilung der Fahrerlaubnis Personen mit psychischen Auffälligkeiten nicht im Vorwege von der…“

„… nicht voreilig getroffen werden dürfe. Zwar seien Störungen wie Autismus oder Depressionen bekanntermaßen eine Gefahr für die Gesellschaft, Spahn wolle sich vor einer Gesetzesinitiative aber erst mit einem ganz anderen Thema…“

„… jedes Arschloch totrasen könne, das dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung im Wege stehe. Kein Leistungsträger, so Poschardt, auch kein geistig schwer gestörter, dürfe linksfaschistischen Zwangsmaßnahmen der Regierung eine…“

„… den Idiotentest bereits vor dem Erwerb des Führerscheins absolvieren solle. Diese medizinisch-psychologische Untersuchung stelle sicher, dass keine ungeeigneten Personen im…“

„… als Staatsnotwehr bezeichnet habe. Maier fordere einen Führerschein für jeden in dritter Generation deutschblütigen Volksgenossen, um die von Merkel im Auftrag der Freimaurer initiierte Rassenzerstörung schnellstmöglich zu…“

„… Fahranfänger aussortieren wolle, die zu einer riskanten Lebensführung neigten. Seehofer sehe dies sehr kritisch, da nicht alle Personen, die als erlebnisorientierte Jugendliche Freiheitsstrafen von mehr als sechs…“

„… einen abschreckenden Effekt auf potenzielle Bundeswehrangehörige ausübe. Wer schon im Vorfeld nicht ausprobieren dürfe, wie sich suizidales Verhalten im Inneren eines Fahrzeugs anfühle, werde sicher das Vaterland nicht gegen drohende militärische…“

„… dass die Welt-Schlagzeile ‚Muslimische Zuwanderer im Straßenverkehr gezielt in Lebensgefahr bringen – gibt es überhaupt Alternativen?‘ direkt von der Chefredaktion vorgegeben worden sei. Weidel habe dies bei einem Strategie-Meeting in Buchenwald gemeinsam mit den…“

„… es sich um wenige hundert Einzelfälle gehandelt habe, die nicht für die Mehrheit der Deutschen sprächen. Vielmehr müsse man Personen im Auge behalten, die beispielsweise als Mitglied in antifaschistischen Organisationen ein erhebliches asoziales…“

„… im Koran das Automobil kein einziges Mal genannt werde, wie Sarrazin in seiner jüngsten islamwissenschaftlichen Studie. Gäbe man jedem Araber ein Auto, so wäre Deutschland in weniger als 80.000 Jahren eine komplette…“

„… und prämiert werden solle, wenn ein Volksgenosse mit einer Fahrt möglichst viele Rasseschädlinge erledige. Maier wolle für, den Fall, dass sich Zuwanderer dem mutwillig entzögen, mit einem neu zu schaffenden Straftatbestand des Widerstandes gegen die Volksgewalt einen in…“

„… dürfe man nicht in nationalistischen Klischees denken, so Reil. Wie es Deutsche gebe, die bewusst Ausländer töten wollten, werde es auch Ausländer geben, die bewusst Deutsche…“

„… wisse man aus Erfahrung, dass Ortsfremde oft Schwierigkeiten hätten, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden. Scheuer wolle bei Fremden, die gleich von einem anderen Kontinent kämen, grundsätzlich keine Erlaubnis zum Führen eines…“

„… rufe Reul zu mehr Wachsamkeit auf. Da es viel mehr Ausländer als Deutsche gebe, müsse man auch von einer überproportional großen Gefahr durch die…“

„… weise Sarrazin außerdem darauf hin, dass das in der arabischen Welt geförderte Erdöl zum großen Teil im christlichen Abendland verbraucht werde, weshalb diese technologisch minderwertige Kultur auch als geradezu undeutsch autofeindlich und deshalb vollkommen außerhalb des…“

„… falsch verstanden habe. Reul habe nur darauf hinweisen wollen, dass in Deutschland viel mehr Deutsche als Ausländer lebten, weshalb auch die Lebensgefahr für die Deutschen um einen sehr hohen Faktor…“

„… insbesondere Personen, die den Verdacht, linksradikale Kontakte zu unterhalten, nicht ausräumen könnten, von jedem Fahrzeug fernbleiben müssten. Scholz könne nicht ausschließen, dass es zu spontanen Selbstentzündungen an Mittelklassewagen und…“

„… die Quote der Verkehrsunfälle von Asylbewerbern eine 100%-ige Beteiligung von Ausländern aufweise, von denen theoretisch jeder abgeschoben werden könne. Weidel empfehle, den Scheinasylanten neben den steuerfinanzierten Luxuskarossen gleich noch Messer in die Hand zu drücken, damit sie es nicht so schwer hätten, ihre Liebe zum deutschen Volk auch…“

„… lehne es Scheuer ab, Führerscheine anzuerkennen, die aus politisch gefährlichen Staaten stammten. Der Verkehrsminister sehe keine Handhabe, da es sich möglicherweise um Prüfungen handele, die noch auf einem Kamel oder einem anderen landestypischen…“

„… mit Gauland abgesprochen habe, dass die Regelung zunächst für deutsche Staatsbürger gelte. Seehofer habe sich sehr zufrieden gezeigt, weil sein Wunsch, dass der Besitz eines Parteibuches den Inhaber automatisch zum unbescholtenen Fahrer erkläre, ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem mit der SPD ausgehandelten…“





Blaumacher

8 01 2019

„Komasaufen? ja, das ist schon mal ein ganz guter Anfang. Hobbymäßig? Wie darf ich mir das denn vorstellen, so als Kampftrinker Leistungsklasse? Nasenbein hat er auch schon gebrochen gehabt? Das klingt doch gar nicht schlecht. Solche Leute fühlen sich bei uns sehr schnell wie zu Hause.

Der Unterschied ist, hier wird halt nicht jedes Wochenende gebechert, hier muss man sich die Gelegenheiten halt erarbeiten, oder der Dienstplan schreibt es vor. So eine Polizeischule ist ja keine Dorfdisko, aber wenn es Sie tröstet, das wird im Polizeidienst schon anders. Man sagt dem Beruf eine gewisse emotionale Komponente nach, und da darf man sich dann auch mal ein Gegengewicht gönnen. Wenn Sie die ganze Woche immer nur Neger am Hauptbahnhof kontrollieren müssen, auf die Gefahr hin, dass einer einen deutschen Pass hat und man die dumme Sau nicht mal aufklatschen darf, weil das ein hoher Regierungsbeamter ist oder einer aus dem Bundestag, da wollen Sie Ihren Frust auch mal adäquat kanalisieren, und Weihnachten ist ja nur einmal im Jahr.

Ihr Sohn ist also schon erfahren damit? Also er muss jetzt nicht die ganze Strafprozessordnung auswendig können, aber sechs Monate Jugendknast sind für uns durchaus praxisrelevantes Wissen. Das bringt nicht jeder mit, schon gar nicht wegen einer Körperverletzung. Ladendiebstahl ist zwar für die psychosoziale Entwicklung etwas besser, aber Sie wollen ja nicht, dass Ihr Sohn als Erzieher arbeitet, oder? Sehen Sie. Und genau da muss eine moderne Polizistenausbildung auch ansetzen, wir wollen die junge Leute da abholen, wo sie die Gesellschaft hat im Regen stehen lassen. Der moderne Polizist ist ein Vorbild für unsere moderne Gesellschaft.

Natürlich muss man da auch Trends setzen. Als Fußballspieler darf man in einer Hotellobby in den Blumenkübel urinieren, warum darf man das dann als Polizist nicht? Es war ja auch nicht einmal eine Hotellobby, es war auf dem Weihnachtsmarkt, und das Toilettenhäuschen war zwanzig, also zehn, ich meine, das war mindestens einen Meter weit weg, und Sie können von einem Polizisten doch nicht verlangen, dass er sich in Ausübung seines Dienstes in die Hosen macht. Zumal diese Beamten ja schon genug getan hatten, um die Volkstümlichkeit der Schutzpolizei in der Bevölkerung zu steigern. Ich hatte Ihnen gesagt, Ladendiebstahl ist nicht das Ende der Fahnenstange. Da wissen die schweren Jungs doch, das sind welche von uns.

Und umgekehrt, richtig. Deshalb ist es auch nicht damit getan, auf der Weihnachtsfeier keinen Alkohol mehr auszuschenken, weil sich unsere Beamten so nicht mehr in den geistigen Horizont unserer Klientel hineinfühlen können. Empathie, verstehen Sie? Wer als soziales Vorbild sein Umfeld beeinflussen will, muss sich empathisch verhalten.

Deshalb geben unsere Jungs auch ihre Meinung nicht am Spind ab. Wenn man sich für die Belange des deutschen Volkes einsetzt, und das hat man als deutscher Polizist nun einmal zu wollen, oder man ist hier fehl am Platze, oder man gehört eben nicht zum deutschen Volk, als kurz und gut: solange es hier in Deutschland noch eine Volksgemeinschaft aus echten Deutschen gibt, und das wird sich nicht so schnell ändern, solange wir hier das Sagen haben und nicht diese linksversiffte Kuscheljustiz, werden wir uns die politische Meinung nicht verbieten lassen. Auch nicht bei der Polizei. Nein, da muss Ihr Sohn keine Angst haben, das wird ihm nicht zum Nachteil gereichen, das passt zur Uniform. Blau ist das neue Braun, bei uns sind die Übergänge recht fließend. Wir haben nichts gegen Blaumacher, wenn Sie wissen, was ich meine.

Wenn Sie eh schon Personen im Bekanntenkreis haben, die durch eher linke Gesinnung auffallen, dann sollten Sie Ihren Bekanntenkreis mal unter die Lupe nehmen. Und sich gegebenenfalls einen neuen suchen. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht die Anfänge solcher politischer Irrwege in der Gesellschaft bekämpfen kann – dazu sind wir auch da, das wird nur vielen nicht bewusst. Sie lesen in der Zeitung, dass es mittlerweile Stadtviertel gibt, in die man sich als normaler Mensch gar nicht mehr reintraut, weil die von Clans regiert werden, die die Rechtslage nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Das kennen wir hier auch, das sind Wahlkreise, da kriegt die SPD immer die absolute Mehrheit. Dass man da irgendwann mal durchgreifen muss, liegt doch auf der Hand.

Natürlich fördern wir auch die Kreativität der Beamten, die können hier ihre Neigungen ausleben und sich geeignete Maßnahmen für die jeweilige Situation ausdenken. Gerne sehr persönlich, wir haben die Wohnanschriften der Zielpersonen ja vorrätig, eine Fernsprechnummer zu besorgen ist nie das Problem, und wenn man mal einen Grund braucht, eine polizeiliche Überwachungsmaßnahme zu trainieren, hier findet sich immer einer. Das ist wie mit Alkoholkonsum im Dienst. Ist nicht an der Tagesordnung, aber wenn, dann gezielt.

Ihr Sohn ist gerade nicht abkömmlich? Ab wann könnten wir denn wieder mit ihm rechnen, gute Führung vorausgesetzt? Na, das klingt ja schon mal sehr gut. Wenn Sie mit der Sache nicht schnell genug vorankommen, geben Sie mir Bescheid, ich leite das dann weiter an die innere Revision, die kennen sich mit solchen Angelegenheiten aus. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“