Die schönste Zeit des Jahres

18 12 2017

„Kontinentales Frühstücksbüfett mit Extras, alle Zimmer mit Wannenbad und Kabelfernsehen, voll klimatisiert, Whirlpool, Wellnessbereich, Fitness, Schwimmbad, natürlich beheizt, das kriegen Sie ja mittlerweile überall auf der Welt. Teilweise sind wir hier in Deutschland ja auch schon ganz gut darin. Deshalb muss ich das ja nicht auch noch anbieten.

Die Leute wollen sich etwas gönnen, die wollen etwas erleben, neue Erfahrungen machen, da sind wir ganz vorne auf dem Markt. Der Tourismus ist ein verlässliches Geschäft, man muss ihn nur immer wieder neu erfinden, und das ist ja das Schöne daran: keine Herausforderung unserer Zeit bleibt ohne eine angemessene Antwort. Wir haben unser Konzept gefunden, und jetzt kommen die Kunden.

Katastrophengebiete? Ich bitte Sie! Das Geschäft hat sich sozusagen von selbst erledigt. Früher hätte man noch Reisegruppen nach Japan schicken können, wegen Erdbebengrusel. Aber die fliegen heute einfach mal für eine Woche nach Tokio, all inclusive, Sushi, Geisha, Sony, und wenn’s ruckelt, kümmert es keine Sau. Da muss schon ein anderes Kaliber her. Erdrutsch in Nepal, das hätte man groß aufziehen können, aber nur wegen Nepal. Die Einwohner sind eh arm, das gibt uns Europäern so ein angenehmes Gefühl der Überlegenheit – Sie kennen das vielleicht von Afrika her, da brauchen die Leute keine Heizkosten zu bezahlen, können sich aber trotzdem keine warme Mahlzeit am Tag leisten. Das ist total doof, wenn plötzlich in Italien die Hänge abbrechen. Wer fährt denn nach Nepal, wenn er in Norditalien sehen kann, wie der Klimawandel uns plattmacht? Der Katastrophentourismus ist kein Geschäftsmodell für die Zukunft, das kann ich Ihnen schon mal verraten. Und wenn jetzt alle Leute auf der A7 ihr Handy dabei haben und filmen, wie ein Tanklaster ins Stauende brettert, dann wird auch keiner mehr nach Italien fahren. Zu wenig Action. Schockt einfach nicht mehr. Nein, Katastrophentourismus ist out. Wir sind auf Reisen in totalitäre Staaten gekommen.

Ach, Ägypten… das ist doch lächerlich, da beherrschen ein paar Islamisten an irgendeiner Regierung vorbei das Land, und wenn Sie an der Hotelbar zum Frühstück Schnaps bestellen, fragt Sie der Kellner, wie viel Sie wollen. Nordkorea, das ist unsere Preisklasse. Da gehen Sie aus dem Hotel raus, natürlich unter Aufsicht der Regierung, und stellen fest: überall Diktatur. Kein Auto aus diesem Jahrtausend zu sehen, nur große Plakate mit dicken Männern, die den Fortschritt verkünden. Keiner will mit Ihnen sprechen, weil Sie Ausländer sind. Zum Frühstück gibt es trockenen Reis, dünnen Tee und Kohl mit historischem Seltenheitswert. Und die Nachrichtensprecherin verkündet wie eine Walküre, dass die neuen Atomwaffen Ihre Heimat wegpusten, wenn es dem Führer gefällt.

Was meinen Sie, was wir für einen Zulauf kriegen aus den neuen Bundesländern! Die haben ja noch genügend Erfahrung aus der DDR, und dann kommen die Jüngeren, die wollen erst noch einen faschistischen Staat aufbauen und können hier schon einmal die Fassade sehen. Sehen Sie das als Hindernis? Also ich nicht. Wer einen faschistischen Staat mit aufbauen will, wird immer nur Fassaden sehen, bis es zu spät ist. Und das hat nichts mit Nachdenken zu tun. Wer denken kann, baut keinen faschistischen Staat auf.

Allein die Militärparaden! Wir hatten neulich einen älteren Herrn aus Sachsen-Anhalt, der hat uns angerufen, mit tränenerstickter Stimme hat der uns erzählt, was er erlebt hat. Die Fahnen und der Stechschritt und die vielen, vielen Raketen, denen man ansah, dass das alles Schrott ist. Der war so gerührt, er hat sich gefühlt wie damals in Rumänien unter Ceaușescu. Träumchen! Und für die anderen, also die Fraktion, die eigentlich gerne so richtig stramm rechts wären, aber aus Karrieregründen aufs Grundgesetz schielen müssen, denen sagen Sie: Sicherheit. Sie sind nirgends so sicher wie in einem totalitären Staat. Sie verleben dort die schönste Zeit des Jahres, abgeschirmt von den politischen und sozialen Spannungen, die Sie schon zu Hause nicht mehr sehen können, Sie haben jederzeit einen Aufpasser, der sich auf Schritt und Tritt um Sie kümmert, nehmen aber nicht als Überwachung wahr, weil Sie den Mann ja sehen. Außerdem verstehen Sie kein Wort von dem, was er sagt, es hört sich aber wichtig an. Also alles total klasse.

Natürlich betreiben solche Länder Waffenhandel und sind in internationale Konflikte verwickelt. Dann dürften Sie allerdings auch nicht mehr in die USA fliegen. Oder in Deutschland wohnen. Und das System wird auch nicht durch Tourismus am Leben erhalten. Wenn Sie davor Angst haben, sollten Sie auch nicht nach Ägypten fahren, weil Sie sonst den Islamischen Staat mitfinanzieren. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber Sie wollen doch das echte Abenteuer, oder? den Thrill, dass Sie die Reise unbeschadet überstehen und dabei richtig Spaß gehabt haben? Das ist unsere Marktlücke. Da geht die Reise hin, vertrauen Sie mir. Und was meinen Sie, was wir für ein Geschäft machen, wenn wir erst die Türkei mit im Programm haben!“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXCVII): Mit Rechten reden

15 12 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Mit Rechten reden. Was für eine unsinnige, was für eine sinnlose, absurde, aberwitzige, blöd- bis vollständig stumpfsinnige Aktion. Von Idioten für Idioten. Das fasst man kurz an und weiß: erstes Stück Scheiße heute in der Hand. Mit Rechten reden. Als gäbe es keinen Hunger in der ersten Schicht. Keine Mangelernährungssyndrome, keine Ödeme, kein Knurren. Die Offiziere hätten es als Demütigung empfunden, hätte man unter ihnen einen so behandelt, wie man ihn eben empfunden hätte. Dieser Rückschlag wäre verheerend gewesen.

Mit Rechten reden. Klüger wäre es, unter Wasser auszuatmen. Eine Betonwand anzubrüllen. Rasen anzumaulen. Kies. Streusand. Es in einen Sack zu sprechen und ihn an die Kellertreppe zu lehnen. An die Wand zu nageln. Von der Brücke zu schmeißen, auf die Autobahn, aufs Rollfeld, in die Gemengelage, ins Kabinett, in die Produktion, in den Spielraum, den ihm die Wirtschaft lässt. Man kann das auf die Straße malen, und sie stiefeln doch darüber hinweg. Man kann es auf Wände malen und auf andere Wände sprühen. Auf Bürgersteigen in Form von Hüpfkästchen bannen, fotografieren in der ephemeren Form vor dem Eintreffen von Regen oder Straßenreinigung, nachempfinden als Ballett oder Bürgerkrieg oder beides, nacheinander oder simultan, mit verklebten Mündern von Paketband, Mullkompressen, Kunststofffolie, Sprühpflaster und dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Letzteres ist in Insiderkreisen wenigstens dem Namen nach bekannt.

Mit Rechten reden. Das ist, als würde man mit dem Krebs diskutieren, um ihm sein soziales Stigma zu nehmen, damit sein Image wieder besser wird und er die Hipness von Laktoseintoleranz bekommt. Als würde man ihm helfen, ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln, die Angst vor sich selbst zu verlieren, sich selbstsicherer zu fühlen, ganz anders in der Gesellschaft aufzutreten, auch mal die eigenen (hahaha!) Rechte einzufordern, sich nicht kleinmachen zu lassen, wieder ein positives Bild zu gewinnen. Als würde man ihm helfen, mit der lästigen Vergangenheit als Scheißkrankheit Schluss zu machen, als Schreckbild, gegen das man sich mit Klugheit und etwas Vernunft schützen kann, mit einem kleinen bisschen Reflexion, was man tut und was man denkt. Als würde man den Krebs adeln mit der Vision, einer von uns zu sein.

Mit Rechten reden. Als würde man sich diese elend verschwiemelte Mixtur aus grölendem Stolz und peinlicher Wehleidigkeit nicht schon als stinkendes Gerinnsel aus dem Gehörgängen popeln, als würde man diese verquaste, verlogene, mit Mystik, Mytho- und Egopornografie vermatschte Braunsuppe nicht schon beim Anblick stinken hören, weil der Sud langsam vor sich hinköchelt und nicht besser wird, wenn Generation für Generation geistig minderbemittelte Arschlöcher, rückgratlose Karrieristen, Minderleister und Pleitiers, Verstörungstheoretiker und andere Fachkräfte für angewandte Soziopathie ihre schwieligen Mauken in den Kessel stecken. Als würde man diese ausgekauten Worthülsen, die aus Sperrholz gehämmerten Argumentationsversuche, das luftdichte Verschließen vor der Wirklichkeit in einer sektenähnlichen Stereotypie nicht rückwärts mitsingen können, weil sich seit dem Bettnässer aus Braunau und seinen völkischen Vollspaten nichts geändert hat. Scheiße bleibt Scheiße, in welcher Verpackung auch immer.

Mit Rechten reden. Weil dieser intellektuelle Sondermüll, die von jeder Sachkenntnis ungetrübte Wortkotze, die Denkschwäche dahinter und die elende Borniertheit, als sei der deutsche Analphabet aus besserem genetischen Material geklöppelt als sein nigerianischer Bewährungshelfer, noch mehr Aufmerksamkeit braucht und noch lange nicht so salonfähig ist, wie das die Drahtzieher wüschen. Von den winselnden Würstchen auf der Straße lässt man sich Wutausbrüche auf die Bundeskanzlerin vortanzen, weil sie das Wetter schlechter gemacht hat, weil die Araber uns die Luft wegatmen und durch die nicht vorhandenen Ausländer weniger deutsche Frauen von echten Deutschen vergewaltigt werden. In dieser Realitätsersatzflüssigkeit köchelt das Großhirn langsam schnittfest, wichtige Areale gehen unter, die vegetativen Schaltkreise bleiben über, mit denen man jeden Rotz nachlallt, der einen auf der Straße angefallen hat, stumpfe Parolen für dumpfe Knalltüten nachjodelt und auf Menschen einprügelt, die man nicht kennt. Das kann weg.

Mit Rechten reden. Als hätten wir nicht schon genug Probleme, holen wir uns diesen Sott, den Nationalstolz als Auszeichnung, Auswurf im Schädel zu tragen statt des üblichen Strohs, in den Diskurs der bürgerlichen Gesellschaft, das Geplärr der Horden, mit denen der Aufgeklärte nichts zu tun haben will. Mit Rechten redet man nicht. Man schmeißt dieses Pack raus und lässt es in dem Rinnstein, aus dem es gekrochen kam. Das ist sein Schoß, nichts anderes. Mit Rechten reden? Niemals. Die können uns mal hakenkreuzweise.





Alle Jahre wider

13 12 2017

„… für erhebliche Beeinträchtigungen des Verkehrs gesorgt habe. Der Wintereinbruch sei von der nordrhein-westfälischen Landesregierung in diesem Jahr nicht mehr zu…“

„… ein Gesetz gegen überfrierende Nässe gefordert habe. Die AfD wolle insbesondere in der Nähe von Weihnachtsmärkten eine besondere Sicherung vor Lastkraftwagen, die auf der glatten…“

„… jetzt Prioritäten setzen müsse. Neben Volkswagen und BMW wolle auch Ford mit einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Entwicklung umweltneutraler Bremssysteme starten, bis dahin müsse die Abgasregulierung noch einige Jahre lang auf einen von den jeweiligen Konzernen…“

„… nicht klar war, dass auch in diesem Winter wieder Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes erreicht werden könnten. Die Deutsche Bahn AG sei sich ihrer Verantwortung bewusst, habe aber mit dem flächendeckenden Frostschutz für ihre Bahnhofsimmobilien bereits alle veranschlagten Finanzmittel für dieses…“

„… es sich um witterungsbedingte Ausfälle gehandelt haben müsse. Dem Bundeskriminalamt sei sehr wohl klar, dass gut 500 Rechtsradikale in Deutschland mit Haftbefehl gesucht würden, nur könne es den Fahndungsbeamten nicht zugemutet werden, bei Temperaturen von…“

„… zahlreiche Busse auf Überlandstraßen liegen geblieben seien. Düsseldorf habe daher beschlossen, ab September den ÖPNV nur noch eingeschränkt zuzulassen, um Unfälle im…“

„… Tiefdruckgebieten aus dem Nahen Osten den Überflug nicht mehr gestatten dürfe. Weidel mache dabei direkt die Kanzlerin verantwortlich, mit der Grenzöffnung auch das Wetter über dem…“

„… einen hohen Personalaufwand erfordere. In Winterzeiten müsse die Polizei oft zur Sicherung von Unfallstellen ausrücken, auch seien an Rohrleitungen Schäden festzustellen, die unter Umständen zu Brüchen führen könnten. Es sei bei einer großen Anzahl an Überstunden nicht mehr möglich, deutschlandweit Steuerhinterzieher zu…“

„… der Individualverkehr von den Fahrverboten nicht betroffen sei. Die Freidemokraten hätten auf der eigenen Entscheidung der mündigen Bürger beharrt, sich auf den Autobahnen selbst mit…“

„… überhaupt nicht wüssten, was Schnee sei. Um sich diese Kenntnisse zu verschaffen fielen jährlich Millionen von Zuwanderern in die deutschen Sozialsysteme ein, die die AfD nur mit einem nationalen Notstandspakt aller durch die gezielte Volkszersetzung der…“

„… müsse jeder selbst wissen. Lindner sei strikt gegen einen Schneekettenzwang, der Staat könne immer noch eingreifen, wenn sich Fahrer größerer Personenkraftwagen durch gefährliches…“

„… den Klimawandel für eine Erfindung der linksgrünen Lügenpresse halte. Meuthen habe bereits auf dem Parteitag darauf hingewiesen, dass bei einer postulierten Erderwärmung Schnee über Deutschland in den Grenzen von 1942 gar nicht…“

„… dass Fahrstrecken wegen vereister Weichen nicht eingehalten werden könnten. Die Deutsche Bahn AG habe bereits in Aussicht gestellt, bei mangelnder Schienenheizung Züge mehrere hundert Kilometer rückwärts fahren zu lassen, um dann an einer geeigneten Abzweigung einen im Fahrpreis nicht enthaltenen Umweg zu…“

„… kein ordentliches Training garantiert werden könne. Ein erneuter Sieg der Borussen sei erst wieder im Frühling, spätestens aber im…“

„… Koalitionsverhandlungen nicht mehr in diesem Jahr beginnen wolle. Schulz habe sich unabhängig von weiter geplanten Schneefällen für eine Befragung des…“

„… die Pilotenvereinigung Cockpit die Einschränkungen der Flugverbindungen an den deutschen Großflughäfen nicht als gravierend bezeichnen wolle. Zwar seien sicherheitsbedingt zahlreiche Starts und Landungen abgesagt worden, dies sei aber nicht erheblich, da die Fluggäste am Boden gar nicht erst in die Nähe der…“

„… die Front des nationalen Notstandes alle Jahre wider die Merkelregierung auf die Straße gehen müsse. Höcke habe eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte angekündigt für den Fall, dass die Bundeskanzlerin es erneut an einem Montag in Dresden schneien ließe oder anderweitige Versuche, das deutsche Volk aus dem…“

„… eine für die Mittagszeit ausgegebene Schneewarnung im Großraum Köln bereits um elf Uhr eingetreten sei. Unter diesen Gesichtspunkten könne eine zielgerichtete Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst nicht als…“

„… warne das Bundesinnenministerium vor dem Umstieg auf das Fahrrad. Führe jeder Fahrgast eines mit 240 Sitzplätzen ausgestatteten Reisebusses einzeln per Zweirad auf die Autobahn auf, wäre dies ein Aufkommen an Verkehrswidrigkeit, das mit dem derzeit durch Fahndungsmaßnahmen gegen Linksradikale reduzierten Personal der Landespolizei nicht mehr…“

„… alle Weihnachtsmärkte wegen theoretisch drohender Schneeverwehungen abgesagt werden müssten. Da die Versicherungswirtschaft nicht für wetterbedingte Schäden aufkommen wolle, müsse man zur Risikominimierung Eintrittsgelder in Höhe von…“

„… keine weiteren Probleme zu befürchten habe. Schwierigkeiten seien für die Deutsche Bahn AG erst wieder im zweiten Quartal des kommenden Jahres mit der Inbetriebnahme der Klimaanlagen in den…“





Regionalverkehr

11 12 2017

„Sie müssen mal die sächsische Küche mehr in den Mittelpunkt rücken bei Ihrer Berichterstattung! und nicht nur zur Weihnachtszeit! Das kann einen ja ganz aggressiv machen, Sie mit diesem dummen Geschreibe über Rechtsradikale und Nazis, passen Sie bloß auf, dass das nicht mal Konsequenzen hat für Sie, klar!?

Es ist doch wahr – man kann über unser Bundesland jede Menge schöne Dinge schreiben, da muss man sich nicht mal etwas ausdenken, wie das unser ehemaliger Ministerpräsident noch eigenhändig getan hat, und ich sage Ihnen, wenn man die Vorzüge des Freistaates mehr in der Presse lesen würde als immer und ewig das Gemecker über heimattreue Bürger, die etwas übermotiviert daherkommen, dann gäbe es hier auch ein sehr viel angenehmeres gesellschaftliches Klima. Zum Beispiel wären dann diese ganzen ausländischen Besucher, die sich regelmäßig beschweren, die wären dann ja gar nicht da.

Na, worüber beschweren die sich wohl? über Ihre mediale Hetze, so sieht’s doch aus! Überall liest man, in Dresden kann man nach Einbruch der Dunkelheit keinen Fuß mehr vor die Tür setzen – das ist maßlos übertrieben! Reine Stimmungsmache ist das, vermutlich werden Sie für solche Artikel auch noch bezahlt? Gelogen! Gucken Sie doch hin, überall Fackelzüge! Da müssen Sie doch nicht zu Hause bleiben, als aufrechter Deutscher können Sie ganz unbehelligt vor die Tür, und wenn Sie kein Problem damit haben, dass bei uns Vaterlandsliebe noch groß geschrieben wird, dann haben wir auch gar nichts gegen Sie. So ein Touristenvisum hält ja auch nicht ewig.

Schreiben Sie doch mal etwas übers Lausitzer Granitmassiv, wenn Sie das geistig nicht zu sehr fordert. Oder über Kirchenbau in Görlitz, da haben Sie sicher noch jede Menge Nachholbedarf. Das wollen die Leute lesen, nicht Ihre Schauermärchen über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das mit der Zwickauer Zelle war ein bedauerlicher Einzelfall, das können Sie nicht allen Sachsen in die Schuhe schieben. Außerdem ist noch gar nicht klar, ob das nicht alles der Verfassungsschutz war, man liest da ja so manches – was Sie übrigens nicht schreiben, das wollen wir mal festhalten – und wenn das schon jemand schreibt, dann wird da auch etwas dran sein, sonst würde man sich wohl kaum die Mühe machen, meinen Sie nicht?

Natürlich müssen wir auch weltoffen sein, ist ja klar – die Weltwirtschaft ist voller Ausländer, das muss man anerkennen, und solange die im Ausland sind und Außenhandel machen, ist das auch total in Ordnung. Da muss man zum Beispiel hinschauen. Dass die Wirtschaft in Sachsen noch Probleme hat, kann man nicht leugnen, die älteren Arbeitnehmer, die kurz vor der Rente, also ab vierzig, die liegen mit dem Einkommen unter dem Durchschnitt und gehen jetzt harmonisch in Altersarmut über, und da muss man sich als Politik und Gesellschaft mal interessiert zeigen. Da sollten Sie einen Bericht für Ihre Zeitung machen, aber dann auch mal kritisch hinterfragen, wo die Kausalität liegt. Die gibt es nämlich, das lässt sich nicht wegdiskutieren!

Der Ballungsraum Chemnitz-Zwickau ist der mit der schlechtesten Bahnanbindung in ganz Deutschland. Wir haben quasi nur Regionalverkehr. Da kommen Sie nicht hin, wenn Sie rein wollen, und noch viel schlimmer ist, hier kommen Sie nicht weg. Das ist doch kein Leben! Den Leuten haben sie früher Reisefreiheit versprochen und was noch alles, und dann kommen die Flüchtlinge hier gratis im Bus angerollt! Das müssen wir bezahlen! Wenn Sie das schreiben, dann ist hier Bürgerkrieg, aber dazu haben Sie auch nicht den Mut, oder!?

Sie schreiben natürlich lieber über den Bund der Antifaschisten, klar. Die haben den Sächsischen Bürgerpreis bekommen? Die haben sich dann doch bestimmt umgehend zur Verfassung bekannt und gegen Extremismus ausgesprochen, oder? Ach, das war danach? Wissen Sie, mir ist das egal, ich befasse mich nicht mehr mit Politik. Die belügt einen sowieso, die Presse schreibt grundsätzlich, was sie will, und wir müssen die Suppe ausbaden. Sie reden die Probleme doch klein, wo Sie können! Aber das lassen wir uns nicht mehr länger gefallen, Sie müssen mal was über unser Waschgerätewerk Schwarzenberg schreiben, gut, das gibt es seit 1990 auch nicht mehr, aber als Vorbild für die moderne Industrieproduktion, von der Badewanne bis zum Waschvollautomaten, das ist doch ein Stück Geschichte, also deutsche Geschichte, auf die man auch mal stolz sein kann, auch wenn die nicht so gut lief? Oder die historischen Grabdenkmäler aus vier Jahrhunderten im Stadtmuseum Meißen, das ist nicht nur für Besucher interessant – die Sachsen sind ja selbst oft nicht so firm mit der deutschen Geschichte, das kann man doch alles noch festigen. Aber wenn Sie als Presse eben nicht mitspielen, dann kann man da nichts machen.

Wenn Sie ständig nur die Probleme in unserem Bundesland in Ihren Schlagzeilen haben, dann ist es doch klar, dass das Ausland und die interessierten Kräfte nichts anderes mehr zur Kenntnis nehmen. Sie wissen schon, wer Sie bezahlt. Dass Sie mit Ihrer Pauschalkritik unserem Land schaden, das ist Ihnen natürlich völlig egal, erst haben Sie die DDR besiegt, und jetzt liefert Ihr linksgrünen Schweine auch noch unser Vaterland ans Messer! Wie lange dauert’s noch, bis man für einmal die Wahrheit sagen wieder in die Gaskammer kommt!? Sie elender Schmierfink, Sie – gucken Sie doch lieber mal nach Thüringen!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCXCVI): Der irrationale Mensch

8 12 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Zugegeben, die Produktbeschreibung klang nicht ganz übel. Ein Trockennasenaffe aus dem Premium-Segment, der spricht, rechnet, seine Zukunft vorausahnt, metaphysische Gedanken entwickelt und dazu Musik macht, das war für ein evolutionäres Zufallsergebnis schon sehr avanciert. Der Prozess der Individualisierung machte nicht Halt bei Fingerabdruck und Frisur, scheinbar ließ der Sapiens den Herdentrieb schnell und gründlich hinter sich, denn er war als erster in der Lage, sein eigenes Bewusstsein als solches wahrzunehmen, das Ich sagt. Ein feiner Zug, will man meinen, doch ist er nicht selten schon abgefahren. Was rattert er sich nicht alles aus der Rübe, der König der Kopfgeburten, Philosophien von der Stange und Weltreiche aus Reststoffen, den Staat als Wille und Vorstellung, das Blaue vom Himmel. Und doch, die Sache hat einen Haken. Es ist der irrationale Mensch, den wir nicht loswerden.

Alle Systematik, mit der große Pläne für ein wirtschaftlich und politisch global gelenktes Geschehen entworfen werden, fußt auf der Annahme, der Zweibeiner besäße ansatzweise etwas wie Verstand, nicht zu sagen: Vernunft, und wäre in der Lage, diese seine Gaben auch zum Wohl des Ganzen einzusetzen. Was das ist, Volk oder werktätige Masse, bestimmt der aus Ideologie und theoretischem Teig geschwiemelte Treibstoff, der den Trieb stoppt, die Einsicht in die ultimative Ratio, dass die nackte Entschlusskraft allein noch keine stabilen Weltreiche gewuppt kriegt. Denn es trompetet irgendwo und irgendwann immer etwas dazwischen, unvorhergesehen und kontraproduktiv, klar verständlich in seiner Existenz und gerade aus diesem Grunde so herzlich verzichtbar. Der Mensch an sich mag gut sein, edel, hilfreich, schmiegsam und redlich. Die Leute sind es nicht.

Immerhin müssen wir unser Urteil über den gemeinen Gesellschaftsdeppen nicht großartig ändern; handelt er auch weniger aus kaltem Kalkül, neigt er dank der jäh ausfallenden Impulskontrolle zu allerhand Idiotie, die wahlweise die Umwelt zu Klump kloppt, Menschen knechtet oder gleich in Weltkriege kippt. Freundlichkeit braucht bei dieser Art keiner zu erwarten, sie arbeitet mit Hochdruck daran, sich selbst auf einem bislang noch knapp bewohnbaren Planeten abzuschaffen – was auch durchaus im Interesse einer intakten Natur wäre, die des Menschen ungefähr so sehr bedarf wie jener Mensch Brechdurchfall beim Hochseilakt. Er ist Homo oeconomicus, wenn er als Maximierer seines Nutzens vor dem Reißbrett die Großpackung mit acht Rollen Zellstoff auf die Liste schreibt, aber im Supermarkt kauft Homo inhabilis ein Zweierpack, weil es Klopapier einzeln nicht gibt. Er entscheidet sich natürlich für die beste Alternative, in diesem Fall für ein Wirtschaftsgut, das er mit einer Hand ins heimische Warenlager verlasten kann.

Gibt es Risiken? weg mit der Struktur, der Müll unter der Schädeldecke brennt von alleine. Dräut dem beweglichen Subjekt Unsicherheit, weil es zu viele Zufälle, ja zu viele Parameter außerhalb der schnittfesten Luft gibt? Nutzt der logisch stolpernde Entscheidungsautomat gerade im Gerümpel der Zielkonflikte die plötzlich sich aufspannende Differenz zwischen reinem Egoismus und reiner Nächstenliebe für eine Freifahrt in den Abgrund? Und ist nicht beides geeignet, als Popanz der spekulativen Umnachtung für Stagnation und die Fehlentwicklung des Ganzen zu sorgen?

Komplette Denkschulen haben sich der Idee gewidmet, dass die Raffkes und Arschlöcher für eine funktionierende Wirtschaft unerlässlich seien, und zwar vorwiegend zum Wohle der Arschlöcher und Raffkes. Wer nicht zu deren Kaste zählt, ist oft bescheuert genug, das antisoziale Verhalten ihrer Unterdrücker aus Einsicht in die höhere Vernunft zu verteidigen und zu unterstützen – die sorgfältig umnachteten Klötenkönige torkeln einander ins Messer, suchen sich aber aus noch höherer Vernunft dann eine soziale Schicht, der es noch schlechter gehen muss. Damit ist der Homo idioticus nicht mehr die Unterseite der sozialen, wohl aber die der intellektuellen Pyramide. Wer merkt das schon.

Spätestens beim Betreten einer strikt nach marktökonomischen Prinzipien geführten Agentur für Werbung und PR dämmert’s dem Dummdödel, dass die vereinfachenden Modelle nie im Leben an die Hochkomplexität des Verhaltens eines Kindes vor dem Kaugummiautomaten heranreichen: die Münze im Schacht verheißt die Süßigkeit, ist dann aber futsch. Noch nicht einmal eingerechnet ist die Freude des selbstlosen Tuns, die Lust an der reinen Leichtfertigkeit als Essenz des freien Individuums. Es rechnet sich nicht, wenn man es nur kalkuliert, und in diesem Sinne ist das Leben auch außerhalb des Herdentriebs absurd genug, unverständlich bis schwer erträglich nach dem Prinzip der praktischen Vernunft. Es gibt nur Nachteile, sich der Realität zu stellen ist selten angenehm, das Dasein ist ein nur notdürftig in Zuckerwatte gepfropftes Elend. Wäre da nicht die Musik.





Umfassend gewährleistet

5 12 2017

„… jede Person ein potenzieller Terrorist sei. Der Bundesminister des Innern plane vor diesem Hintergrund die Überwachung von Wohnräumen und elektronischen Geräten durch eine lückenlose Ausspähung aller in Deutschland befindlichen…“

„… nicht ausgenommen werden könnten. Das Beichtgeheimnis sei zwar theoretisch nicht gefährdet, man müsse jedoch vor dem Hintergrund der Verwicklung in zahlreiche Missbrauchsfälle auch die Kirche als relevante Zielgruppe für…“

„… nicht alle Ausländer in ein Scoring zu überführen gedenke. Beispielsweise könne man alle guten Wirtschaftspartner wie Dänemark, Saudi-Arabien oder die…“

„… man moderne Digitalgeräte wie MP3-Spieler vernetzen müsse, um herauszufinden, ob sich durch radikale Inhalte islamistische Attentäter in Deutschland…“

„… dass eine Einstufung als sicheres Herkunftsland nicht gleichzeitig bedeute, dass von diesem Staat keine erhöhte terroristische Gefahr…“

„… es für Mitglieder der Regierugsparteien keinen Anlass gebe, von genereller Kriminalität auszugehen. Es habe zwar vereinzelt Fälle von Vorteilsnahme und Steuerhinterziehung gegeben, doch sei eine pauschale Vorverurteilung eine unzulässige und…“

„… das Scoring in Zusammenarbeit mit den potenziellen Koalitionspartnern auf Bundes- und Länderebene erstellen wolle. Der rechte Flügel der Union wolle auch für zukünftige Kooperationen der AfD inhaltlich eine Basis des…“

„… prüfe das Bundesjustizministerium ein Verbot analoger Schreibmaschinen. Bei einer vollständigen Umstellung auf elektronische Datenverarbeitung im Postverkehr sei umfassend gewährleistet, dass Anschlagspläne zeitnah an die zuständigen Stellen im…“

„… dass diplomatisches Personal immer ausgenommen sei. Die Maßnahmen sollten nach Ansicht von de Maizière stets für Bürgerinnen und Bürger, die keinen…“

„… alle in Deutschland geführten Telefonate mitschneiden müsse. Es sei nicht notwendig, das dadurch entstandene Material auch auszuwerten, da auch das Bundeskriminalamt sich keinerlei Erkenntnisgewinn von der…“

„… Autofahrten bereits im Vorwege behördlich angemeldet werden müssten, so dass jede Abweichung von der genehmigten Route in Abhängigkeit von der aktuellen Verkehrslage bereits Rückschlüsse auf die…“

„… nach dem allgemeinen Verbot von Glühlampen nur noch WLAN-fähige Leuchtmittel verkauft werden dürften, deren Betriebszeiten in einer zentralen Datenbank…“

„… es aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei, Schusswaffen mit einem GPS-Sender auszustatten. Dies sei ein Eingriff in die Rechte der Staatsbürger, der nicht durch das Grundgesetz…“

„… mit einer nicht übertragbaren Chipkarte ausgestattet werden müsse, die vor der Benutzung eines Kraftfahrzeugs in ein Lesegerät eingeführt werde. Eine bundeseigene Firma, die sich schon auf Hardwarelösungen für Hartz-IV-Empfänger und andere soziale Randgruppen spezialisiert habe, werde eine technisch befriedigende…“

„… auch Smart-TV-Geräte überwache. Die Software kontrolliere, wann genau die Nutzer mit systemkritischen Medieninhalten aus den öffentlich-rechtlichen…“

„… könne durch einen Waffen-Tracker lediglich festgestellt werden, ob eine illegale Schusswaffe benutzt oder bewegt werde. Da man aber nicht wisse, wer mit dieser Waffe umgehe, sei eine Kontrolle ein sinnloses…“

„… ob mediale Darstellungsformen wie Theater oder Lichtspiel gesetzeskonform zu einer digitalen Darbietung gezwungen werden könnten. Es reiche nicht aus, den Besuch dieser Veranstaltungen zu kontrollieren, es müsse auch aufgezeichnet werden, wer sich mit welchen anderen Personen eine…“

„… den Datenbestand der Krankenkassen nur für einzelpersonenbezogene Fahndungsmaßnahmen verwenden wolle. Dies schließe jedoch nicht die Auswertung von DNA-Daten zur Klärung der Zugehörigkeit zu Rassen, Hautfarben oder…“

„… von den Kontrollen ausgenommen werden müssten. Dies gelte nicht nur für V-Personen, sondern auch für Mittelsmänner, ausgespähte Personen und…“

„… ob auch Kleidungsstücke oder Schuhe ohne eine Möglichkeit der Deinstallation zur Ortung der Träger genutzt werden könne. Dadurch sei es auch möglich, auf die elektronische Fußfessel ohne eine richterliche Genehmigung zu…“

„… nicht willentlich riskiere, durch Zielfahndungsmaßnahmen den Verdacht einer Observierung von Rechtsradikalen zu erwecken. Diese Personen würden unter Umständen sogar in der Lage sein, die rechte Szene zu verlassen, wodurch wertvolle Kontakte in die…“





Quereinsteiger

4 12 2017

„Glas ist immer im Preis inbegriffen. Nur Türen gehen extra, da muss ich mit Spezialwerkzeug ran, außerdem kann das auch mal länger dauern, wenn da noch ein Sperrriegel hinter ist. Aber ich versuche sowieso immer erst mal die Fenster, die machen weniger Krach, und man muss auch nicht von vorne ins Haus rein. Und Sie haben auch nicht diesen Stress mit der Polizei, höchstens ein Formular von der Glasbruchversicherung. Da bin ich natürlich kundenorientiert.

Als Dienstleister müssen Sie Ihren Kunden den besten Service liefern, auch in unserem Gewerbe, und ich weiß, wovon ich rede. Die Ansprüche der Leute wachsen, Sie müssen heute quasi so einen Auftrag in den zehn, fünfzehn Minuten erledigen, in denen der Hauseigentümer kurz zum Bäcker fährt. Das muss laufen wie am Schnürchen, da sitzt bei Ihnen jeder Handgriff – oder Sie, wenn Sie es nicht gut über die Bühne bringen. Man weiß ja nie.

Das ist mir tatsächlich mal passiert. Die Kundin hat den Schmuck ordentlich im Schlafzimmer auf dem Schränkchen drapiert, alles griffbereit, sie hat sogar noch einen Umschlag mit einem Scheinchen dazugelegt – manche Leute sind ja schon sehr nett, muss man den Kunden auch mal lassen – und wie ich so ins Erdgeschoss komme, steht da aus der Nachbarschaft ein Polizeibeamter im Flur, Waffe, Handschellen, das volle Programm. War dann ein größeres Scheinchen in dem Umschlag, war auch nicht nur eins, und wir haben das geregelt gekriegt. Aber da sehen Sie mal, was alles passieren kann.

Wie man in die Branche reinkommt? Ich will ehrlich sein, ich weiß es nicht. Hat sich irgendwann so ergeben. Nach dem Studium war ich einige Zeit arbeitslos, Assyriologie und Religionswissenschaft, da ist man automatisch für alles überqualifiziert, dann habe ich dem Nachbarn mal einen Gefallen getan bei einem Brandschaden, weil er ein neues Sofa brauchte, und dann ging das so weiter. Ich habe mich umgesehen, Banküberfälle waren mir zu viel Stress, auf dem Automarkt ist die Konkurrenz aus dem Ausland inzwischen viel zu groß, und dann hatte ich plötzlich eine Anfrage für einen Einbruch. Einfamilienhaus, günstige Lage, einmal rein, die Schrankwand umkippen, alle Schubladen aufziehen und wieder raus. Hatte ich noch nie gemacht vorher, aber das klang gut. Und für einen Quereinsteiger – ja, ich weiß, doofer Witz – war das Honorar auch ganz anständig. Mir hat das sofort gefallen, liegt auch in der Familie bei uns, mein Vater war beim Finanzamt, auch Innendienst und den Leuten das Geld abgeknöpft, damit konnte ich mich sofort identifizieren. Dabei ist es dann geblieben.

Jetzt arbeite ich freiberuflich als Allrounder, es sind größtenteils Empfehlungen, kleinerer Häuser, ein gewisser Anteil an Villen, ganz ab und an mal eine Galerie oder ein Kleinunternehmen, wo man die Bücher klaut, bevor der Steuerprüfer kommt, oder ein Museum, aber auf größere Objekte habe ich nie so Luft gehabt. Und dann bespricht man im Regelfall den Auftrag vorher, damit man weiß, wie man das plant.

Nehmen wir mal an, Sie haben da so ein ganz fürchterliches Bild von ihrem Erbonkel, röhrender Hirsch im Steigerwald, was weiß ich – aber eben vom Erbonkel, und da steckt noch ein Menge Geld, das kann man ja nicht aus Versehen zum Sperrmüll stellen, und dann kommt der Erbonkel und fragt, wo sein Bild hin ist, also kurz: hinten rein, Bild abhängen, raus, fertig. Kommt darauf an, ob Sie Sicherheitsglas haben, aber mehr als eine Stunde sollten Sie nicht ausgeben. Plus Anfahrtspauschale. Das kriegen Sie nirgendwo anders so preiswert und diskret abgewickelt.

Die osteuropäische Konkurrenz ist uns hier auch schon auf den Fersen, aber da wäre ich vorsichtig. Die kriegen die Tür nicht auf und demolieren am Ende das Auto. Oder das ganze Haus ist leer. Von mir jedenfalls bekommen Sie immer deutsche Qualitätsarbeit, da können Sie sich verlassen, und alles aus einer Hand. Ich bilde mich auch weiter für Sie, zum Beispiel Alarmanlagen. Kann man ja meist mit dem Taschenmesser außer Gefecht setzen, aber der Fachmann macht das so, dass Sie Ihre Anlage hinterher noch weiter gebrauchen können. Nicht einfach rauf mit dem Hammer und rein ins Haus, so machen das die Berufsanfänger. Da müssen Sie sich dann hinterher auch noch von der Polizei eine Standpauke über sich ergehen lassen, warum Sie so einen Schrott einbauen, den man einfach kaputt schlagen kann. Aber wenn genau das richtige Kabel gezogen und genau der richtige Knopf gedrückt ist, dann wissen auch die: das war der Profi. Solides deutsches Handwerk. Merkt man eben doch, dass sich die deutsche Qualitätsarbeit auf Dauer am Markt durchsetzt.

Und wir arbeiten nachhaltig. Die anderen Betriebe kommen meistens in der Dämmerung, da braucht man elektrisches Licht, das wird natürlich wieder die Ökobilanz Ihres Objekts verschlechtern, und wir haben uns ganz bewusst für den Einbruch zu den normalen Geschäftszeiten entschieden, wir kommen tagsüber. Offiziell wird die Arbeitszeit in Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends genannt, und da die Dämmerungsaktivität ab November sowieso stark zunimmt, kommt man sich da auch nicht so ins Gehege und arbeitet viel zügiger, viel effektiver und entspannter.

Na, dann zeigen Sie mal. Das Aquarium von ihrer Ex-Frau steht im Obergeschoss, und Sie sind wann genau im Urlaub?“