Work-Life-Balance

25 01 2021

„Vielleicht könnte man das hier aufschneiden, dann kann man das Kabel unter dem Belag bis nach vorn zum Fenster führen. Das ist verklebt? Schade. Dann ziehen Sie die Telefonleitung doch einfach so durch und kleben sie fest. Paketband haben Sie noch da?

Ein bisschen improvisieren müssen Sie schon, wenn Sie im Homeoffice arbeiten wollen. Das ist für uns alle im Moment nicht einfach, wir müssen nun mal Abstriche machen. Hätten Sie eine Wohnung gemietet, in der die Telefondose etwas näher am Küchenfenster liegt, dann hätten wir uns jetzt diese Diskussion ersparen können. Schließlich wollen ja Sie die Auftragssachbearbeitung machen und nicht ich. Da kann man von Ihnen auch mal ein wenig Engagement für den Arbeitgeber verlangen. Und wie Sie sich mit Ihrem Vermieter über den Bodenbelag einigen, damit brauchen Sie mir gar nicht erst die Ohren voll zu heulen. Wir haben diese Pandemie schließlich nicht erfunden.

Das kippelt dann halt ein bisschen, aber für die Arbeit brauchen wir einen richtigen Computer mit Monitor und allem drum und dran. Immerhin stellt Ihnen den Ihr Arbeitgeber, und Ihr Küchentisch ist schließlich breit genug. Das langt von der Tiefe her. Wenn der Monitor da nicht sicher steht, Sie hatten doch gesagt, dass Sie noch Paketband da haben? Merken Sie sich das mal: in einer Krisensituation überlebt der am besten, der mit den vorhandenen Mitteln das Beste herausholt. Und die Tastatur kann man auch ganz prima auf dem Schoß halten.

Jetzt beschweren Sie sich nicht, dass das Ihr einziger Tisch ist. Es zwingt Sie ja keiner, an dem auch Kartoffeln zu schälen oder wer weiß was an Küchenarbeit zu erledigen. Dann essen Sie halt mal ein paar Tage lang diese Schälchen. Mikrowelle ist ja vorhanden, wie ich sehe, und Besuch würde ich Ihnen auch nicht empfehlen. Schon aus Gründen des Infektionsschutzes wäre das unverantwortlich, und Sie wollen doch nicht nach zehn erfolgreichen Jahren als Auftragssachbearbeiterin plötzlich unsere Firma verlassen, oder? Wir sehen das nämlich als Beitrag zur Stärkung Ihrer Work-Life-Balance. Ihr Leben geht quasi organisch in Ihre Privatsphäre über. Also halt Ihr Arbeitsleben.

Im Büro hätten Sie vielleicht auch noch ein Kaffeetasse auf dem Tisch abstellen können, aber hier gelten nun mal andere Maßstäbe. Da ist ja gleich der Küchenschrank, da steht die Kaffeekanne und da ist der Kühlschrank, und zu viel Kaffee ist sowieso nicht gesund. Außerdem müssen Sie dann ständig aufs Klo, wer weiß, wie viel Arbeitszeit da wieder flöten geht. Sie müssen sich das mal vor Augen führen, in dieser Zeit ist das hier eben nicht mehr Ihre Küche, sondern Ihr Arbeitsplatz. Da gilt dieselbe Ordnung wie bei uns im Betrieb. Wir sind gehalten, das auch zu kontrollieren, und das heißt auch, dass wir da dieselben arbeitsrechtlichen Vorschriften anwenden. Nach Feierabend können Sie sofort den Schlafanzug anziehen, überhaupt kein Problem, aber während der Arbeitszeit sind die Vorschriften nun mal klar. Wie sieht das denn aus, wenn der Chef mal eine Videokonferenz machen will, und dann sitzen Sie da nicht im Kostüm? Bei Gelegenheit räumen Sie auch mal das Regal da hinten auf, das sieht ja aus wie Kraut und Rüben. Das sieht man gestochen scharf im Hintergrund, wenn Sie die Kamera anmachen. Was sollen denn die Vorgesetzten denken, wie Sie wohnen? Am Ende heißt es noch, ich würde unsere Mitarbeiter zu möglichst großer Unordnung animieren, damit Sie eine Gehaltserhöhung fordern können, weil Sie sich nur diese Wohnküche leisten können. Aber das sage ich Ihnen gleich, das gibt Ärger.

Ich kann mich täuschen, aber hier riecht es nach Rauch. Also nach kaltem Zigarettenrauch. Es geht mich zwar nichts an, und in Ihrer Wohnung können Sie ja grundsätzlich auch tun und lassen, wozu Sie lustig sind, aber hier gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes, und das schließt für unsere Firma einen rauchfreien Arbeitsplatz ein. Wenn Sie das Thema Arbeitsschutz für nicht so wichtig halten, dann können Sie in der Fleischzerlegung anfangen, da wird immer gesucht. Sie müssen nichts können, nicht mal Deutsch. Ihr Nachbar? Was hat denn Ihr Nachbar mit Fleischzerlegung zu tun, ist der in der CDU? der raucht? Ja, das kommt schon mal vor, dass das vom Balkon rüberzieht, wenn die Fenster nicht ganz dicht sind. Bauliche Mängel. Ich will mal nicht so sein, aber eigentlich müssten Sie Ihren Vermieter auf die Schadstoffbelastung ansprechen und ihn abmahnen, bevor wir arbeitsrechtliche Schritte unternehmen. Also gegen Sie. Wir sind ja nicht für Ihren Arbeitsplatz verantwortlich, wenn Sie unbedingt im Homeoffice arbeiten wollen. Ja, ich weiß, dass das jetzt gesetzlich geregelt wird, also lassen Sie es mich so ausdrücken: da Sie der Ansicht sind, für uns sozialversicherungspflichtig arbeiten zu müssen, halten Sie sich an die Regeln. Wir machen das ja auch nicht freiwillig.

Das mit der Lärmbelastung ist ein Einzelfall. Das müssen Sie als höhere Gewalt auffassen, die wir nicht abstellen können. Auf der anderen Seite verlagen wir von Ihnen auch nicht, dass Sie die Straßenbaustelle da unten beseitigen. Das wummert ein bisschen, aber Sie lassen die Fenster sowieso am besten geschlossen. Zigarettenrauch, Lärm, und dann gebe ich Ihnen noch mal einen guten Tipp: die Lichteinstrahlung ist für den Bildschirmarbeitsplatz in der Fleischzerlegung, Auftragssachbearbeitung wollte ich sagen, Auftragssachbearbeitung – das ist so eigentlich gar nicht gestattet. Aber wenn Sie den Mund halten, ich habe nichts gesagt.

Seien Sie froh, dass Sie den Stuhl nicht aus dem Büro mitnehmen mussten. Auf so einem Hocker kann man sehr gut sitzen, man lehnt sich nie aus Versehen mal hinten an, gut, Rollen hat er nicht, aber dafür auch keine Armlehnen. Den können Sie bequem unter den Küchentisch schieben, wenn Sie mal etwas Platz für die Aktenordner brauchen, und naja: Ergonomie ist das, was man daraus macht. Ist auch gleich viel wohnlicher, hier gucken Sie auf ein hübsches Panorama mit Straßenbahnhaltestelle, da hinten ist irgendwo der Friedhof, Kaffeemaschine ist in Sichtweite, Telefon, Klo um die Ecke, Sie müssen nicht mit dem Fahrstuhl zur Mittagspause und nicht mit dem Bus nach Hause – meine Herren, so schön wie Sie möchte ich’s auch mal haben!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLVIII): Das Recht auf Idiotie

22 01 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Sonne, so weiß der Dichter, bringt es an den Tag. Meist genügt ein geringer Anlass, in dessen Folge den Mithominiden schlagartig klar wird, dass hier ein geistig ungesegneter Artgenosse, obgleich er das Wahlrecht ausüben, Kraftfahrzeuge durch die Vegetation bewegen und Reproduktionsversuche unternehmen darf, Handlungen unternimmt, die er als einziger unter den Anwesenden ernst nimmt. Menschen kontrollieren den Füllstand eines Tank vermittelst eines brennenden Streichholzes, nehmen ein Vollbad mit dem elektrisch betriebenen Radio an der Wannenkante oder ersticken beim Versuch, lebendige Zierfische zu verschlucken. Nichts ist so weise wie die Evolution, die den rechten Rand der Gauß-Verteilung aus dem Genpool kärchert. Was sich hartnäckig der Arterhaltung entgegenstellt, das bekommt halt seinen Willen, wenngleich etwas rascher als erwartet. Alle anderen dürfen ihr Recht auf Idiotie gerne anmelden.

Ob sie es allerdings auch ausleben dürfen, das sei dahingestellt. Es haben Klügere schon das Lob der Torheit gesungen, Witzigere und Mutigere, die dafür auch an den Galgen hätten kommen können, doch nicht alle waren auch gestraft damit, von den Deppen dieser Welt umgeben zu sein und sich die Früchte ihrer intellektuellen Fehlleistungen zu Gemüte zu führen. Durchschnittlich gelagerte Ausprägungen an Dämlichkeit gehören nach allgemeiner Überzeugung in den Normalbereich der kognitiven Grundausstattung einer Population, die insgesamt Nüsseknacken und aufrechten Gang ohne letalen Ausgang über die Bühne bringt, doch ist es nicht allein die Summe der Beklopptheiten, sondern deren Einzeltragweite. Im Gegensatz zu kollektiven Leistungen, die auch über Generationen hinweg die Entwicklung des Menschengeschlechts prägen und fördern, genügt ein einziger Dummklumpen, der im falschen Augenblick auf den verbotenen Knopf patscht, um die Zivilisation, wie wir sie kennen, rückstandsfrei auszulöschen. Manche von ihnen haben es bis in die Wirklichkeit geschafft, auch wenn sie diese meist nicht als allgemein verbindlich anerkennen, und alle wurden früher oder später an der Durchführung ihrer Pläne gehindert. Freilich hatten auch sie ein Recht auf Blödheit, aber nicht in dem Ausmaß, in dem sie es genutzt haben. Dass dies Recht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört, ist in der gegenwärtigen Welt mit ihrem unstillbaren Drang nach Individualisierung nicht mehr bestreitbar. Fragwürdig ist aber und bleibt, wie weit es gestattet ist, diesem Recht nachzugehen – oder andere dem nachgehen zu lassen.

Intelligenz scheint die am gerechtesten verteilte Ressource zu sein; jeder glaubt, mehr bekommen zu haben als die anderen. Dass aber gerade die, die sich im Besitz höherer Weisheit wähnen, mit der größten Anstrengung der Dummheit nachlaufen, ist nicht von der Hand zu weisen. Wobei es hier kaum um formale Bildung geht – auch der akademisch geschulte Pöbel vermag Ideologien zu folgen, die als gerichtsfester Nachweis der Blödheit gelten könnten – sondern um das, was dem Erhalt der Gesellschaft dient oder sie, unter umgekehrten Vorzeichen, zu schädigen geeignet ist. Idiot zu sein ist eine soziale Kategorie.

Nicht Erwerb oder Benutzung eines Panzers mit Zulassung für den normalen Straßenverkehr sind gefährlich, der Einsatz als Kompensation für einen handelsüblichen Minderwertigkeitskomplex ist ein Zeichen ausgeprägter Idiotie, die selten kompatibel ist mit der gewaltfreien Koexistenz denkender und bekloppter Zeitgenossen. Dort, wo sich die eigene Idiotie in die Vernunft anderer Menschen hineinschwiemelt, wird sei zur allgemeinen Gefahr und hat ihr Recht auf Durchsetzung verwirkt. Es gibt sie wirklich, jene Dummheit, die größer ist als von der Polizei erlaubt, und sie wird, als wäre sie es nicht ohnehin, von einem kategorischen Imperativ beschränkt, der die Verdübelten in Schach hält. Nur in Notwehr scheint die moderate Dummheit erlaubt, wenn die Schlauen auf Gelehrtheit drängen, damit sie ihren Markt mit Gebildeten bestücken können, die für ihr Kapital sorgen. Sich dumm stellen zu können ist keine Straftat, immer vorausgesetzt, man ist nicht wirklich der Hohlkopf, als der man sich ausgibt. Gleichwohl ist es aber nicht berechtigt, sich aus Berechnung der Torheit als Tarnung zu bedienen, um durch krudes Geschwätz und stumpfe Lügen, die man selbst kaum glaubte, Torfschädel aus dem Volk anzulocken und für wirres Gewäsch zu gewinnen, das den Klugen dumm, die Dummen aber noch dümmer macht.

Bereits in der Meinungsfreiheit zeigt sich das Recht auf Idiotie. Jeder hat die gleiche Chance, sich durch unverblümtes Aussprechen seiner Ideen als Feingeist zu bezeigen oder als Lackschaden im Epizentrum der Behämmerten. Wie jede Freiheit umfasst auch diese stets die Verpflichtung, mit den Konsequenzen der eigenen Verdeppung zu leben, da bekanntlich nichts umsonst ist in einer freien Gesellschaft. Wer das leugnete oder als feindliche Ideologie bezeichnete, wäre freilich ein Idiot zu nennen. Und das mit Recht.





Schutzzone

18 01 2021

„Die Polizei!? nee, auf die ist doch hier schon lange kein Verlass mehr. Oder würden Sie bei einer Bande von Autoknackern anrufen, wenn Sie nachts auf der Landstraße liegen bleiben?

Man muss den Behörden das nur klar genug machen, dann spielen die auch mit. Wir haben uns jetzt organisiert und auf eigene Kosten ausgerüstet, wir haben alle Waffenschein, Waffenbesitzkarte und ordnungsgemäß aufbewahrte Waffen samt Munition in gesicherten Schränken außerhalb der Wohnung, und nichts aus Bundeswehrbeständen. Und jetzt sichern wir unseren Ort eigenständig mit unserer Bürgerwehr. Der nächste Querdenker, der sich hier blicken lässt, kriegt ordentlich aufs Maul.

Das dürfen Sie im Antrag natürlich nicht so formulieren, sonst haben Sie keine Chance. Da drin muss stehen, dass Sie für die Einhaltung von Recht und Ordnung einschließlich der auf kommunaler und Landesebene erlassener Verordnungen sind und diese mit legalen Mitteln durchsetzen wollen, um die Einsatzkräfte der Polizei zu unterstützen und sie vor allem nachts sowie an Sonn- und Feiertagen zu entlasten. Also immer dann, wenn diese verstrahlten Bumsköppe hier durch die Gemeinde ziehen und ihre Nazifahnen schwenken, weil die Regierung uns ihrer Meinung nach die ganze Pandemie vorspielt, um das deutsche Reich in den Grenzen von 1937 zu zerstören. Ich würde den Leuten ja sonst Tabletten geben, aber das wollen sie nicht. Vermutlich waren beim letzten Mal die Nebenwirkungen nicht korrekt dosiert. Da muss man eben zur Selbsthilfe greifen, sagt ja die Politik auch. In der Corona-Krise muss die Bevölkerung sich solidarisch zeigen, damit die Gefahr eingedämmt werden kann.

Wir haben hier schon eine fürchterlich hohe Inzidenzzahl, da kommt es auf die Reduktion von Kontakten an. Die Ausgangssperre ist eine Form der Maßnahmen, die wir gerne unterstützen, und die Einhaltung des 15-Kilometer-Radius kommt hinzu. Wenn wir beispielsweise sehen, dass sich zu den Kundegebungen auch Einwohner aus anderen Bundesländern einfinden, manche auch mit dem Bus angereist, dann sorgen wir natürlich für einen seuchentauglichen Empfang. Unsere Freiwillige Feuerwehr hat im letzten Jahr ein neues B-Rohr angeschafft. Wir verzichten auf den Stützkrümmer, damit der Druck nicht verloren geht, und unsere Kameraden kriegen das zu dritt ganz gut hin. Mit etwas Glück überlebt man so einen Einsatz ohne bleibende Schäden. Also als Demonstrant.

Offiziell haben wir das natürlich als hygienische Maßnahme begründet, und was soll ich sagen, die Verwaltung hat sich nicht damit beschäftigt, weil sie die Vorschriften nicht kennt. Die Polizei hat eh keine Lust mehr, ständig über die Dörfer zu fahren, und wir haben die Lage mittlerweile auch im Griff. Wenn Sie mich fragen, wir sind hier sicher.

Dann hatten wir noch den Schriftverkehr mit dem Amtsgericht, die uns bestätigt haben, dass wir sie bei der Verhinderung des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen tatkräftig unterstützen dürfen. Wir hatten hier einen Bauern, der zu Führers Geburtstag gerne mal die Hakenkreuzfahne aus dem Schuppen geholt hat. Der hat ja erstaunlich lange überlebt, dann wurde sein Sohn Ortsvorsteher, und kaum war er wieder aus dem Knast raus, saßen die auch schon im Landtag. Damit wir uns nicht falsch verstehen, man kann die Pandemiemaßnahmen durchaus als nicht ausreichend parlamentarisch kontrolliert kritisieren, aber wenn diese Herrschaften hier mit Kriegsflagge einmarschieren, zeigt ihnen unsere Dorfjugend gern mal, wie schnell man in eine Prügelei verwickelt werden kann. Bei uns wird ja Schlagball noch ganz groß geschrieben. Und in Hessen soll es vorzüglich ausgestattete Gesichtschirurgen geben, habe ich mir sagen lassen.

Manchmal haben wir allerdings auch kleinere Probleme, zum Beispiel mit dem Ortsvorsteher. Der ist ja im Hauptberuf Frisör, und deshalb hat er auch letzten Samstag den Salon wieder geöffnet. Gegen die Dauerwelle, wie er das nennt. Ihn selbst hat das ein hübsches Bußgeld gekostet und die Lizenz zum Föhnen. Außerdem schützt unsere Bürgerwehr die Läden jetzt sehr effektiv. Vor allem gegen plötzliche Inbetriebnahme, wenn die Besucher aus anderen Bundesländern uns Broschüren in den Briefkasten schmeißen, dass die Regierung der BRD GmbH gar nicht befugt sei, uns die Ladenschließungen zu befehlen, damit hinter unserem Rücken der Islam die Scharia einführen kann. Wir sind in Sachsen, da kann es dauern, bis sich die Polizei für Äußerungen des gesunden Volksempfindens interessiert.

Natürlich können die Querdenker gerne weiter zum Demonstrieren herkommen. Gerne auch mit Polizisten an ihrem freien Tag. Hier zählt die robust ausgetragene Meinungsverschiedenheit über Themen aus dem Staatsrecht zur Folklore, und wer das nicht glaubt, darf sich gerne die benachbarten Ortschaften anschauen. Da wurde seinerzeit eine Schutzzone geschaffen für die Einwohner, die sich von importierter Kriminalität durch Feinde des Heimatvolks gefährdet sahen. Bedrohungslage klar erfassen, nicht auf den Staat warten, proaktiv selbst handeln. Wenn von uns Eigenverantwortung verlangt wird, um die Krise einzudämmen, dann werden wir das eben in die eigene Hand nehmen. So einfach ist das.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLVII): Der Aluhut als Ersatzreligion

15 01 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann werden sie angefangen haben, sich die Welt zu erklären: warum jeden Tag die Sonne aufging, die Jahreszeiten wechselten und das Gras wuchs, wenn man Körner auf den Acker streute, unter dem die Ahnen lagen. Die ersten ethischen Fragen schienen auf. Wächst das Gras schneller, wenn wir die Verwandtschaft frühzeitig unter die Scholle schieben? Haben die Jagdtiere eine Seele, die uns für den Verzehr bestraft? Hat der Hominide in der Natur eine Sonderstellung, weil er sich für intelligenter hält als andere Wesen, die ohne seine Existenz ein wunderbares Leben hatten und es auch weiter gehabt hätten, würde er nicht immerzu seine dämlichen Griffel in alles reinstecken und es für Fortschritt halten? Irgendwann muss der Mensch die Zusammenhänge in mythologische Formen geschwiemelt, mit rituellen Handlungen verknüpft und in ein systematisches Konzept gepresst haben, das er fortan für wahr hielt, wenngleich sich diese Wahrheit nicht empirisch begründen ließ – abgesehen vom Wahrheitsbegriff, den jede Religion für sich beansprucht, die durch Götzen, Geister und Götter geformt die Opfergabe von Tierblut als unerlässlich für die nächste Ernte ansah oder den Genuss von Backwaren und Alkoholika als bindend betrachtete für ein feinstoffliches Weiterleben nach der Rückkehr des Körpers zur Biomasse. Irgendwo zeigt sich dann der Bruch, die Wissenschaft dringt jäh ein in die Zaubererzählungen, es gilt keine Geschichte vom Weihnachtsmann mehr und kein Fantasyelaborat von Männern, die übers Wasser laufen und in den Himmel reiten. Dann aber muss schnellstens Ersatz her.

Spätestens durch den Einbruch protestantischer Tugendethik, die mühsam als Markt verkleidet die Gesellschaft mit ihrem Selbsthass terrorisiert, ist der Glaube eine säkularisierte Veranstaltung, die nur noch aus Gründen der Opportunität stattfindet. Ostern und Zuckerfest sind ökonomische Marker im Einzelhandelsjahr, Platzanweiser für korrekten Konsum und ansonsten private Events, die unter Beobachtung des sozialen Nahbereichs ablaufen. Die ordnende Kraft des Religiösen, die das Glauben an sich bestimmt, ist fundamentalmaterialistischen Anschauungen gewichen, unter denen sich auch moralische Ansprüche kommod verstauen lassen. Ob die Risse im Gebälk der Aufklärung auch die Unsicherheit zeigen, mit der sich die realistische Geisteshaltung der Postmoderne herumschlägt? Wir sind uns dessen zumindest nicht bewusst, neigen zu Übersprungshandlungen und Übertreibungen.

Eine der psychologisch wichtigen Aufgaben von Religion ist die Bewältigung existenzieller Krisen; der Verlust eines Länderspiels, lebensbedrohliche Erkrankungen oder die Aussicht auf das eigene Ableben sind Grenzerfahrungen, mit denen wir nur ungern konfrontiert werden. Geht uns nun der stabilisierende Rahmen des Grundvertrauens in eine metaphysische Ordnung verlustig, was zusätzlich eine geistige Krise provoziert durch den Einbruch des nicht mehr Fassbaren – ein Paradox, das sich bei Verfügbarkeit strafender Gottheiten gar nicht erst zeigt und bei gleichzeitig barmherzigen in ein lustiges Logikwölkchen löst – bedürfen wir rasch eines tauglichen Substitutionsgutes. Hier kommt die Verschwörungsideologie in ihrer praktischen Form des leicht Begreifbaren ins Spiel, beispielsweise in Gestalt des Aluhutes, Querbommels oder einer beliebigen Flagge, die man beliebig hochhält.

Die faktische Kraft des Irrationalen erlaubt uns, alle möglichen Sperenzchen zu einem Synkretismus aus geistigem Bauschaum und sozialverträglichen Wahnvorstellungen zu vermengen, der gleichzeitig die Schuldfrage klärt, wenn wir für unsere eigene Beklopptheit nicht bestraft werden wollen, und die Irritation unserer elementaren Überzeugungen durch Externalisierung auf böse Mächte schieben lässt. Sinn stiftet das nicht, aber darauf kommt es vorrangig nicht an; es erlaubt dünn angerührten Kaspern, sich an der selbst zusammengekloppten Krücke einigermaßen durch den Morast der eigenen Ängste zu schleppen, ohne übermäßig rational zu werden, da dies Rechenkapazität zieht und die hedonistisch geprägten Gewohnheiten durch lästige Fragen stört. Hat sich die Schwurbelgurke erst einmal mit der Problematik beschäftigt, welche Konsequenzen sein normiertes Spießerdasein mit sich bringt, für ihn und für andere, besteht immer die Gefahr, dass die Fragen nicht mehr aufhören. Beten und Büßen wären eine nette Übung, sich zu exkulpieren, leider ist die himmlische Instanz gerade im Nirwana verdampft.

So unternehmen die Rotte der Stumpfstullen wütende Wallfahrten, latschen pöbelnden Priestern hinterher und spenden eine Menge Kleingeld für eine Erlösung, die man nicht sehen kann und an die man besser nur glaubt, nachdem man sie als absurd anerkannt hat. Wir sind verloren, wenn wir nicht begreifen, dass diese Ansammlungen fanatischer Flusenlutscher der Untergang der freien Welt ist, wenn wir sie nicht in ihre Löcher zurück stopfen. Die Erleuchtung kam noch nie aus dem Dreck, und die Auffassung allein, dies als legitimen Glauben zu tolerieren, macht nichts besser. Nicht einmal da, wo das Pathos des Unbedingten wirkt.





Rechenschieber

14 01 2021

„… habe die ARD beschlossen, während des Lockdowns drei Stunden täglich Lernformate im Fernsehen anzubieten, die für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen…“

„… nicht mit der Kultusministerkonferenz abgestimmt worden sei, so dass sich teilweise eine Redundanz zu den Lehrplänen der Fächer Deutsch, Gemeinschaftskunde und Physik in Hessen und dem Saarland, in Mathematik und Biologie unter besonderer Berücksichtigung der Untersekunda in Baden-Württemberg sowie in Englisch und…“

„… habe Scheuer gegen die TV-Übertragungen entschieden protestiert. Deutsche Schulen seien erst seit etwa zwanzig Jahren an das Interwebnetz angeschlossen, die verfrühte Informationsdominanz durch das lineare Fernsehen könne schnell alle Fortschritte des Netzkompetenzaufbauprogramms der Bundesregierung im Keim…“

„… werde der Bayerische Rundfunk die von der ARD und ihren Spartenkanälen angebotenen Lerninhalte nicht mittragen. Ein für alle Klassen verpflichtender katholischer Religionsunterricht müsse in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, um die sittliche Verrohung durch den außerschulischen Unterricht möglichst…“

„… auch Sendungen des BBC in den täglichen Lehrplan aufnehmen wolle. Nach Ansicht der Kultusminister könne man so das Fach Englisch komplett einsparen und habe mehr Freiräume, die Schüler durch praxisnahe Inhalte wie Latein und…“

„… befürchte Buhrow den Rückgang von Werbeeinnahmen. Es sei allerdings möglich, die pädagogischen Formate durch beliebte Sendungen wie Sturm der Liebe aufzulockern, um eine nachhaltige Zuschauerbindung bereits jetzt zu…“

„… bestehe der Plan der von Merkel dirigierten Systemmedien darin, das Jungvolk moralisch zu versiffen. Die Häufung der Beiträge im Fach Kunst über jüdische oder homosexuelle Maler sei der Versuch der von Bill Gates gesteuerten Kanzlerin, eine ganze Generation zum Hass auf die deutsche Kultur zu erziehen. Gauland werde dem nicht ohne eine Klage vor dem…“

„… aus Kostengründen alte Sendungen aus dem Schulfunk der dritten Programme wiederholen wolle. Thüringen und Sachsen hätten jedoch empört gegen eine neuerliche Vernachlässigung ihrer Bundesländer gefordert, den Rundfunkbeitrag nicht mehr an die…“

„… dass die politische Gliederung Deutschlands in sechzehn Bundesländer zwar wichtig sei, im Lehrplan der Klassenstufe 5 jedoch zwingend die Größe der Regenwälder sowie die Nebenflüsse des Amazonas und der…“

„… kritisiere die Kultusministerkonferenz vor allem die mangelnde inhaltliche Tiefe der Beiträge. Ein Film über die moderne Großstadt als Wohn- und Naturraum müsse unbedingt einen Exkurs über die Notwendigkeit ständiger Mietsteigerungen beinhalten, da sonst falsche Vorstellungen vom Sinn des Schulunterrichts bei den…“

„… es allerdings nicht mehr möglich sei, die mathematisch-naturwissenschaftlichen Sendungen von 1970 zu wiederholen, da der zur Durchführung der Übungsaufgaben erforderliche Rechenschieber nur noch in wenigen Haushalten im…“

„… nur wissenschaftliche Einzelmeinungen abbilde. Der Verband Kritischer Eltern wolle nicht hinnehmen, dass die Evolutionstheorie als absolute Wahrheit dargestellt werde, ebenso fordere die Bundessprecherin eine Wahlfreiheit, ob die Erde als Scheibe oder…“

„… den Geschichtsunterricht bewusst entstellt habe, um alle Deutschen in den Schuldkult zu treiben, der nur in der ewigen Befriedigung gieriger Juden enden könne. Höcke werde sich vor dem…“

„… es mehr Kontrollen über den Lernerfolg geben müsse. Söder mahne an, dass für die frei verfügbaren Lerninhalte keine Erfolgskontrolle und eine kommentierte Lehrerausgabe der Filme im Netz zu finden sei. So könne sich jeder Schüler eine freie Meinung bilden, was nicht im Sinne des…“

„… die Beiträge deutlich straffen und mit erhöhter Geschwindigkeit abspielen müsse. Die Kultusminister würden befürchten, dass sich die Verkürzung der Schulzeit auf maximal zwölf Jahre sonst nicht abbilden lasse, was zu einer drohenden Untauglichkeit der Schüler für das Arbeitsleben…“

„… bedürfe es lediglich eines Fernsehers oder eines digitalen Endgerätes, um den Sendungen zu folgen. Es sei für Heil nicht Aufgabe des Staates, sozial schwachen Familien diese Technik über den ALG-II-Regelsatz zu finanzieren, außerdem liege es natürlich im Ermessen jedes einzelnen Bürgers, ob er sich Kinder anschaffe oder weiterhin als…“

„… die Filme über den Reichstagsbrand, den Polenfeldzug sowie die Judenverfolgung und den Holocaust als sehr gute Aufbereitung des Materials für die gymnasiale Mittelstufe bezeichnet habe. Es sei jedoch erforderlich, so Seehofer, dass nach jedem dieser Clips ein Warnhinweis vor der Antifa, die sogar Autofenster zerstören würden, um ihre menschenverachtenden und…“

„… scharfe Kritik an den Aussagen der ARD geübt habe, dass die Kinder die Lerninhalte von den Eltern begleitet anschauen sollten. Dies könne auf Dauer aber dazu führen, dass ihre wirtschaftliche Leistung durch die ständige Betreuung ihrer…“

„… beides verbinden wolle. Die Kultusminister hätten angeregt, alle Schüler im privaten Rahmen zu versammeln, um den Schulfunk zu sehen. Eltern seien damit wieder arbeitsfähig und hätten keine Infektionen im schulischen Rahmen mehr zu…“





Nicht ohne meine Katze

13 01 2021

„Und Sie haben dann ganz bewusst das Hack aus der Fleischfabrik gekauft, die europäische Zerleger mit Werkverträgen beschäftigt? weil die Politik der Wirtschaft das nicht befehlen darf, dass Ihr Fleisch teurer wird, damit diese Ausländer an Deutschen verdienen? Ja, das ist eine Widerstandshandlung. Lassen Sie sich da bloß nichts anderes einreden.

Es war uns von Anfang an klar, dass das einen gewissen sozialpädagogischen Aufwand bedeuten würde, aber wir hängen uns da wirklich rein. Seit die ersten Idioten mit Sophie-Scholl-Plakaten fürs Einkaufen ohne Gasmaske demonstriert haben, hört das hier quasi nicht mehr auf. Alles ist Widerstand, alles ist gegen das System, wir können das nur noch an den Rändern einhegen. Die Leute kleben sich ja inzwischen einen gelben Stern auf die Jacke, damit sie gegen die Lügenpresse schwarzfahren und als Erwachte im Supermarkt Schnaps klauen dürfen.

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Das ist richtig. Sie dürfen sich in Gebieten mit entsprechender Inzidenzzahl nicht weiter als fünfzehn Kilometer von Ihrer Wohnsitzgemeinde entfernt aufhalten, es sei denn, es liegt ein triftiger Grund vor. Arbeit wäre beispielsweise einer. Gut, das trifft auf sie nicht zu. Ich wollte ja auch nur mal gefragt haben. Polizeikontrolle, aha. Ja, die dürfen nach dem Grund Ihrer Autofahrt fragen. Es handelt sich um eine Kontrolle im Straßenverkehr, da kann ein Kennzeichen schon mal verdächtig aussehen. Sie können den Grund Ihres Aufenthaltes natürlich verschweigen, das ist richtig. Allerdings müssen Sie dann auch die Konsequenzen für Ihr Verhalten tragen. Die Polizei? warum soll jetzt die dafür bestraft werden? Weil ein Polizist Ihnen neulich auf der Demo erzählt hat, dass die Merkelsau in die Gaskammer gehört, und ein anderer Polizist will Sie wegen einer Ordnungswidrigkeit belangen? Sie wollen das dann lieber vor dem Volksgerichtshof von Ihrem Reichsanwalt verteidigen lassen? Das ist Widerstand, da haben Sie recht.

Also Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, aber wenn er mich nicht ausreden lässt, ist das nicht mein Problem. Wir sind hier nicht die Lebenshilfe für unterbelichtete Profilneurotiker. Das kommt bei denen ja meist raus, wenn sie jahrelang den ganzen Nachmittag vor der Glotze hocken und Hitlerdokus bingen: intellektueller Kriechstrom, wenn Sie mich fragen. Die wissen genau, welche Panzendivision der Führer wo gegen Stalin hat aufrollen lassen, aber nicht, wann die aufs Maul gekriegt hat. Das sind historische Unkosten, aber sie kapieren es nicht.

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Die Genehmigung der Gemeinde liegt vor, sagen Sie – Sachsen? Verstehe, da darf man sich ‚Volksstandarte Reichssturm 1933‘ nennen. Ihr Schwager ist Staatssekretär und saß mehrfach ein? Das steht in keinem ursächlichen Zusammenhang? Das hat ja auch keiner behauptet, wir kennen ja die Ursache auch noch nicht.

Sie dürfen selbstverständlich eine Bürgerwehr gründen, die die Polizei zum Feindbild hat – meist ist die Bürgerwehr attraktiver als die Polizei, weil man dann in Sachsen gesellschaftlich nicht mehr so ausgegrenzt ist. Sie müssen nur Ihre Mitglieder darauf hinweisen, dass staatsfeindliche Propaganda während der Dienstzeit nicht als Widerstand gilt. Ob es da für Reichsbürger Sonderregelungen gibt, ist mir nicht bekannt, wäre aber logisch. Wenn Sie schon einen Staat abschaffen wollen, der gar nicht existiert, dann sollten Sie sich von ihm wenigstens den Lebensunterhalt finanzieren lassen.

Ja, das ist alles ein bisschen wirr mit diesen Leuten. Die demonstrieren unter Polizeischutz gegen die Regierung, um zu zeigen, dass sie in einer Diktatur leben, die ihnen die Grundrechte entzieht. Und da sie der Ansicht sind, dass diese Grundrechte für sie sowieso nicht gelten – es gibt ja gar keine richtige Verfassung, die wurde uns von den Feindmächten nach der Zerstörung des Reiches einfach aufgezwungen – berufen sie sich ständig auf das Grundgesetz für die gar nicht vorhandene BRD. Was kommt als nächstes? Generalstreik für Freibier? Nicht ohne meine Katze?

Beratungsstelle Widerstand, wie kann ich Ihnen helfen? Sie wollen sich tätowieren lassen? Das ist ja mal etwas ganz Neues. Was soll es denn werden, irgendwelche SS-Runen, Hakenkreuze, Nazikram in falsch buchstabierter Fraktur? Ach so, das ist ja verboten. Also den Akt des Tätowierens selbst als Widerstandshandlung definieren, das kann man schon machen. Das kostet den Tätowierer dann wohl ein ordentliches Bußgeld, weil er sein Studio entgegen der Verordnung betreibt. Natürlich kann man das auch zu Hause am Küchentisch stechen, keine Frage. Dann kann der gute Mann allerdings gemäß Gewerbeordnung seine Zulassung verlieren, dann ist das vielleicht Widerstand gegen den bösen Kapitalismus, in dem Läden betreiben muss. Oder Widerstand gegen das Gesundheitswesen, falls Sie sich dabei infizieren und mit einer Sepsis in die Klinik eingeliefert werden, die Sie nicht aufnimmt, weil alle Betten wegen einer nicht existierenden Pandemie belegt sind. Also ich würde das an Ihrer Stelle machen. Das führt zu Marktbereinigung, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ja, so geht’s hier zu. Das ist ein ganz normaler Arbeitstag in der Beratungsstelle. Zum Glück hatten wir heute nicht den Typen, der alle paar Stunden durchruft, wenn er aus Widerstand pinkeln geht. Wenn Sie keine Fragen mehr haben, ich mache jetzt Feierabend, weil morgen ein langer Tag ist. Da helfe ich aus im Einsatzzentrum Meinungsfreiheit.“





Supernanny

11 01 2021

„Das ist ja vorwiegend wegen der sozial schwachen Familien. Manche können sich ja nicht mal einen SUV leisten, manchen geht es derart dreckig, da hat die Frau eine Berufsausbildung. Und die muss noch arbeiten. Für die erhalten wir die Präsenzpflicht aufrecht, damit nicht auch noch den DAX verreckt.

Das Problem hätten wir kaum, wenn nicht derart viele Kinder in staatliche Regelschulen gehen würden. Abgesehen von dem Geld, das das kostet – das ist mindestens eine Steuersenkung – das ist ein Verwaltungsaufwand, und dann müssen wir zum Schluss auch noch irgendwas für die Kinder tun. Also für die von den armen Leuten. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, dann erwarten Sie doch auch nicht, dass man Ihnen das Geld aus der Tasche zieht und davon gesetzlich Versicherte durchfüttert, oder?

Natürlich tun wir auf die Art etwas gegen die Armut. Es leben so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, nur ein Auto, teilweise nicht mal mit Wohneigentum, und in solchen Familien groß zu werden, das muss man sich gut überlegen. Den Kindern selbst kann man die Entscheidung ja nicht zumuten, die meisten sind wahrscheinlich subjektiv schon in diesem Bodensatz verhaftet – da ist es doch gut, die oberen Einkommensgruppen durch noch mehr Lohnarbeit in den unteren zu fördern, weil wir sonst bei den Kindern aus den besseren Haushalten den sozialen Abstieg auslösen könnten. Stellen Sie sich mal vor, so ein ganz normales Kind kriegt irgendwann mal mit, in der Nachbarschaft gibt es Eltern, die sind zu Hause, wenn ihre Söhne und Töchter aus der Schule kommen. Was würden wir uns da für ein Volk heranziehen!

Bildung ist immer noch der wichtigste Schlüssel für dieses Problem. Man muss ja nicht unbedingt etwas damit anfangen können, es darf auch nicht zu lange dauern, deshalb ja G8, aber wenn man den Nachwuchs so bis sechzehn aus dem beschäftigt kriegt, dann ist das doch ein ganz vernünftiger Mittelweg. Ab dann können die sich auch selbst versorgen, notfalls müssen sie sich dann einen Job suchen, eventuell sogar eine Lehrstelle, aber das ist dann nicht unser Problem. Sonst könnten wir die Kinder vor die Glotze setzen, das reicht heute für einen durchschnittlichen Abschluss in so einer staatlichen Schule aus. Es muss halt jemand die Drecksarbeit machen.

Man kann ja leider die Blagen nicht einfach in den Hort verfrachten. Mir fällt auch gerade nichts Besseres ein, Kindermädchen vielleicht, das kann sich doch jeder Regierungsdirektor leisten, oder als Bankvorstand oder Staatssekretär. Ich verstehe gar nicht, wie sich die Leute überhaupt erst Kinder anschaffen und dann nicht mal das Geld für eine professionelle Betreuung haben. Man muss doch auch Prioritäten setzen, dann kauft man sich halt den Maserati, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, dann ist ja auch meist Zeit für die nächste Scheidung und man hat den besseren Überblick über die Finanzen. Immer nur vom Staat verlangen, dass wir die Supernanny spielen, das ist doch echt unsolidarisch. Das müssen diese Bürger einsehen.

Wir haben seit Jahren alles dafür getan, dass das Thema Digitalisierung in den Köpfen ankommt. Erst die Vorratsdatenspeicherung, Uploadfilter, wir haben teilweise in einigen Regionen nur noch ganz kleine Funklöcher, und die sind noch nicht mal in Industriegebieten, und jetzt planen wir Flugtaxis. Wenn Sie sich andere Länder anschauen, die sind vielleicht hier und da schon viel weiter, aber so weit wie wir sind die bestimmt noch nicht. Weil wir ja ein Technologiestandort sind, und das heißt, wir sind sowieso viel besser als andere.

Das heißt natürlich noch nicht, dass wir heute alles mit Digitalisierung hinkriegen wollen, da müsste man erstmal die Pädagogen fragen, ob sie das auch möchten. Wir können ja nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden – das sind ja schließlich keine Eltern. Deshalb überlegen wir uns das gut, ob wir sie fragen, und dann noch mal, wann wir sie fragen werden. Bis dahin ist Präsenzunterricht in der Regelschule absolut alternativlos.

Und dann haben wir auch das Problem mit der häuslichen Gewalt. Das könnte theoretisch in allen Schichten auftreten, aber es gibt gesellschaftliche Schichten, die man nicht als Schicht bezeichnen sollte. Eher als Sphäre. Wenn da mal Konflikte auftreten sollten, dann belästigt man damit eher nicht die Schule, und wenn doch, dann hat man die notwendigen Mittel, um die Schäden zu beseitigen. Wir müssen also auch hier eine soziale Auslese durchführen, und wieder sind es die unteren gesellschaftlichen Bereiche, die uns zu diesem Schritt zwingen. Damit tun wir uns keinen Gefallen, das dürfte allgemein bekannt sein, aber anders können wir dem Problem nicht begegnen. Und alles das muss man nun abwägen gegen ein anderes Rechtsgut, nämlich die Gesundheit unserer Leistungsträger. Wir haben uns also zu diesem Schritt entschlossen, dass wir die Präsenzunterricht ausschließlich für die Regelschulen beibehalten, in denen die Schülerinnen und Schüler bis zur unteren Mittelschicht sich infizieren. Das kann und muss ihnen zugemutet werden, schließlich kann Schule als Bildungsvermittlung und soziale Institution nicht das Versagen von allen Elternhäusern auffangen. Und wenn wir jetzt noch eine Lösung finden, die Kinder ganz aus ihrem familiären Umfeld herauszulösen, damit die Wertschöpfung für unsere Wirtschaftsbetriebe unvermindert erhalten bleibt – also ich bin da sehr zuversichtlich. Vermutlich beim nächsten Lockdown.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLVI): Demagogie als Geschäftsmodell

8 01 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Manches begann mit der Ausbreitung der Pest. Während das gemeine Volk trüb aus der Wäsche guckte, hatten die Händler des Heils schon Arznei aus fernen Ländern parat. Allerlei Krauts, Beeren und krümelartige Substanz wechselte den Besitzer, wobei ein Part des Geschäfts zutiefst überzeugt von der Wirkung des Therapeutikums war – bei Kunden aus dem Publikum teils auch beide. Das tat nun der Verbreitung derartiger Wundermittelchen keinen Abbruch, im Gegenteil: da die Gesellschaft mit dem Intellekt von Zahnbelag ausgestattet war, graste ein Scharlatan nach dem anderen die Lande ab und ließ seiner Konkurrenz die übrig, die das Spektakel so weit überlebten, dass ihnen die Kreuzer noch lose im Beutel saßen. Möglicherweise schwiemelte sich der zweite Zocker eine ganz andere Story zurecht, doch wen störte das, solange sie Pülverchen, Pillen und anderen Schnickschnack kauften? Esoterik als Geldquelle ist bekannt, seitdem Hominiden Geister und Dämonen in eine institutionelle Ordnung mit konstantem Finanzierungsbedarf überführt haben. Warum sollte dieses Geschäftsmodell nicht auch für Demagogie funktionieren?

Zwar kommen die Wirkstoffe heute größtenteils aus Parallelwelten, aber ein Unterschied ist das nicht. Die Mehrheit weiß, dass es mehr als einen Kontinent gibt, und eine Minderheit hält die Erde wieder für eine Scheibe. Durch Alphabetisierung haben die westlichen Ausbeuternationen immerhin die Lesekompetenz so weit gesteigert, dass der durchschnittliche Knalldepp seine Kröten für wirre Wahnergüsse in debilen Traktaten ausgibt, die die Denkfähigkeit des Kunden nach dem Erwerb nicht zwingend erfordern. Hauptsache, der Führer hat mit einem Haufen Papier oder anderweitigen Medien über seinen Kampf in Kenntnis gesetzt, wer bisher noch keine Erleuchtungsmöglichkeit für seine Rübe zu finden vermochte. Ein Amulett mit Bildnis der Heiligen Stultitia hätte es auch getan, leider kann man den Bommel nur einmal verticken. Der Absatz erfordert also Märkte, die sich verstetigen lassen, düster verquaste Abomodelle, Lizenzen, Vereine, kurz: alles, was sich mit etwas menschenfeindlicher Energie der Gier dienstbar zur Seite stellt, um die Realitätsallergiker systemkonform ausbluten lässt.

Lustigerweise nutzen diese Klötenkönige genau das System und seine rechtlichen Statuten, die sie an anderer Stelle bekämpfen oder wenigstens tapfer ignorieren, um nicht von unerlaubterweise geistig gebildeten Quertreibern argumentativ am Kopf erwischt zu werden. Aber wie es auch Beamte gibt, die heulend ihr Gehalt einklagen von einem Staat, der für sie gar nicht existiert, ist Habgier stets ein zuverlässiges Mittel, um jeden Anstand streifenfrei zu entfernen.

Trefflich eignen sich moderne Dienstleistungen für den Vertrieb, etwa Wallfahrten zum Auflauf der Heckenpenner, touristisch aufgemotzt zum Event unter medialer Begleitung, die als Werbesperrfeuer auf sämtlichen Kanälen nicht nur das Begehren weckt, selbst unter den dümmsten Zufallsgeburten durch die Gegend zu stolpern, sondern auch ein veritables Markenbewusstsein generiert, im Namen des ausgegebenen Produkts Botschafter zu sein für die Unterkellerung des Niveaus, für die man freudig abgelascht hat. Unter den Triefaugen des obersten Aasgeiers lassen sich die kognitiv suboptimierten Aluhütchenspieler zu Allotria treiben, an denen sie natürlich selbst schuld sind. Der Demagoge tut nichts, der will nur am Spiel verdienen.

Anfänger verticken nun den billigen Tinneff, Mitgliedsausweise, Teilnahmebescheinigungen für den Tag X, an dem die eigene Blödheit gegen das Recht verteidigt wird, die Profis versprechen schon die gehobenere Klientel an, die sich mit Vernunft nicht mehr abfindet. Früher besorgte man liquiden Fürsten Einhörner, dem Volk getrockneten Mist derartiger Fabeltiere, immerhin: die Kasse klingelte. Heute tut’s schon ein Wisch mit ärztlichem Testat, die Restwelt nicht mit seinem Gesichtsübungsfeld belästigen zu müssen, sinnvoll wie ein Brennholz-Verleih, rechtssicher wie ein Lottoschein, der nach der Ziehung ausgefüllt wird. Denn die Welt ist so einfach, wie sie kompliziert aussieht; an jedem Tag steht ein Dummklumpen mehr auf, als zuvor von ihnen auf die Nase gefallen sind. Der Tisch ist also auf Dauer reich gedeckt.

Früher mussten pseudoreligiöse Extremisten noch öffentliche Hexenverbrennungen organisieren, um ihren Machtanspruch vor den Grützbirnen zu zementieren, heute geben Verschwörungsterroristen einfach eine ausländische IBAN an und lassen sich am Fiskus vorbei die arbeitsscheue Parallelexistenz mit einer luxuriösen Apanage polstern, um vor den Stumpfstullen auf der Straße und im Internet als erfolgreich, also rechtschaffen dazustehen. Es ist nichts als die konsequent zu Ende gedachte Praktik des Spätkapitalismus, nicht für jeden Profit Leichen suchen zu müssen, über die man gehen kann, wenn es auch in entgegengesetzter Richtung klappt. Denn jeder, der ins Gras beißt, hinterlässt ein bisschen Geld, und den Prozess gilt es zu beschleunigen. Wäre es nicht so elegant und schlüssig, man hielte es für einen perfiden Verschwörungsmythos. Aber was sagt das schon.





Freiheit, die wir meinen

7 01 2021

„Also auch keine Leber, Lunge, Knochenmark – Hirn kann man bei Ihnen ausschließen, aber das will eh keiner haben. Das ist Ihr völlig freier Entschluss, und damit es im Falle eines Falles nicht zu Verwechslungen kommt, sind Sie auch absolut sicher in der Nichtspenderdatenbank gespeichert.

Das hat für Sie überhaupt keine negativen Konsequenzen, Sie dürfen weiterhin alle Geschäfte betreten, Kinos – gut, Museen kommen für Ihre Bildungsschicht eh nicht in Frage, aber wenn Sie im Urlaub mal irgendwo ins Museum wollen, dann steht Ihnen das jederzeit frei. Es gibt da keinen Pass, den Sie am Eingang vorzeigen müssen, weil wir in den deutschen Museen nur Organspendern Zutritt gewähren. Das hat die Bundesregierung jetzt noch einmal ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass wir das auf jeden Fall vermeiden wollen, weil das nur zu sozialen Verwerfungen führen würde. Und mit sozialem Verhalten haben Sie’s nicht so, oder?

Sie haben es verstanden. Schön, dann muss ich Ihnen die Hintergründe auch nicht mehr erklären, Sie sind ja als Epidemiologe auch gleichzeitig Jurist und Politiker und alles zusammen, da verstehen Sie ja alles besser als die anderen. Sie haben in Ihrem neuen datenbankgestützten Dokument hinterlegt, dass Sie auf Transplantationen verzichten. Das ist der Deal. Und Sie haben deutlich zu verstehen gegeben, dass Sie eine Impfung gegen das Virus ablehnen. Ich frage Sie jetzt nicht, ob das so war, wir haben es schriftlich in dreifacher Ausfertigung. Was wollen Sie da sagen? Dass Sie das Prinzip nicht verstanden haben? Ja, so geht es offenbar ein paar mehr Menschen in dieser Gesellschaft.

Sie bekommen keinen Pass, in dem drinsteht, wann und wo Sie geimpft worden sind, damit Sie damit ins Museum gehen oder eine Flugreise unternehmen können. Das wäre höchst ungerecht. Also nicht Ihnen gegenüber. Nur den Zwanzig- oder Dreißigjährigen, die sich bisher immer solidarisch verhalten haben in der Pandemie. Die werden nicht geimpft, weil sie noch nicht dran sind. Und die sind im Nachteil gegenüber Ihnen, die sich nicht impfen lassen wollen? Unsinn. Bei denen steht, dass sie die Impfung nicht ablehnen, deshalb dürfen sie unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsvorschriften in den Flieger oder ins Museum. Falls die Museen mal wieder öffnen. Es gibt keine Verbote. Es gibt auch keine Sonderbehandlungen, auch wenn Sie das herbeifantasieren. Es gibt nur Regelungen, die für die gesamte Bevölkerung gelten. Man nennt das übrigens Privatautonomie.

Privatautonomie, das ist, wenn jeder ganz legal machen darf, was er will. Das entspricht ja im Wesentlichen Ihren Überzeugungen, nur eben mit dem Unterschied, dass sich die anderen dabei an Gesetze halten. Wenn Sie in der Kommentarspalte eines Onlinemediums herumpöbeln und Ihr Unfug gelöscht wird, ist das ja auch keine Zensur, oder ist die Bundesregierung Betreiber der Zeitung? Ach Gott, ich wusste, dass das jetzt kommt.

Privatautonomie ist Busfahren. Sie dürfen in jeden Bus einsteigen, solange noch Platz ist. Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen, Sie müssen keine Monatskarte kaufen, Sie müssen nicht nachweisen, woher Sie das Geld für den Fahrschein haben. Aber wenn Sie betrunken sind, weist Sie der Busfahrer auf die Beförderungsbestimmungen hin und fährt ohne Sie weiter. Sie können dagegen natürlich auch demonstrieren. Nur Klagen wäre noch sinnloser.

Sie wollen klagen? Aber gerne. Die gerichtliche Aufarbeitung eines solcher Ausschlusses – für Sie noch mal: es handelt sich hier nicht um eine Zugangsbeschränkung, oder braucht man hier in Deutschland jetzt ein Fahrgastdiplom? – die gerichtliche Aufarbeitung dürfte Jahre dauern, und sie hat leider keinerlei aufschiebende Wirkung. Sie haben sich ja für das Primat der ungehemmten Wirtschaft entschieden, jedenfalls steht das im Programm der Partei, die Sie wählen – Lesen kann man von Ihnen nicht verlangen, ich weiß – und da zählen halt Menschen nicht. Gewöhnen Sie sich daran, dass alles, was Sie tun, Folgen hat. Man nennt das Freiheit. Die Freiheit, die wir meinen.

Jede private Krankenversicherung wird sich überlegen, ob sie Sie mit Diabetes, Asthma und einem Bandscheibenschaden aufnimmt. Wenn Sie eine Wohnung brauchen und kein Vermieter Ihnen eine vermieten will, haben Sie Pech gehabt. Wenn Sie für Ihr Auto keine Kaskoversicherung kriegen, weil Sie ein wirtschaftliches Risiko darstellen, ist das Ihr Problem. Der Staat hat damit nichts zu tun.

Sie sind doch ein großer Freund des russischen Systems, oder? Schauen Sie, die Rentner in Moskau nutzen die Metro, die Straßenbahn und die Busse normalerweise kostenfrei. Man hat ihnen die Karten gesperrt, damit sie nicht ständig in der Stadt herumgondeln. Wer sich zweimal impfen lässt, der darf wieder fahren. Ist das nicht ungerecht? Sehen Sie, und wie lustig, dass es sogar Ihnen auffällt. Sie müssen jetzt auch nicht herumjammern, weil es so viele gibt, die sich gar nicht impfen lassen dürfen. Abgesehen davon, dass Sie die bisher nur für Ihre wirren Verschwörungsmythen benutzt haben, sind Ihnen unschuldige Menschen doch sowieso egal.

Natürlich können Sie Ihre Meinung jederzeit ändern. Sie müssen keinen Widerspruch einlegen. Sie werden auch nicht dazu gezwungen. Ändern Sie einfach Ihre Ansichten und tun Sie dies kund, am besten verbunden mit der Einsicht, dass die auf dem Grundgesetz fußende Selbstbestimmung sämtlicher Bürger nicht nur für Sie gilt. Was Sie beispielsweise bei der Meinungsfreiheit auch noch vor sich haben. Und noch werden Sie ja nicht erschossen, wenn Sie mal eine Blutspende brauchen. Noch nicht.“





Eigenverantwortung

6 01 2021

„… die Finanzierung des Gemeinwesens ändern wolle. Im Falle eines erneuten Wahlsieges plane die Union, sämtliche Steuern abzuschaffen und eine gerechtere Verteilung der Lasten auf die…“

„… für SPD und Grüne nicht verhandelbar sei. Eine Regierungskoalition sei so unter keinem CDU-Kanzler möglich, ebenso kein Angebot einer rot-grün geführten Regierung an einen…“

„… bei den Freidemokraten für eine anfängliche Skepsis gesorgt habe. Lindner beklage eine für seine Partei schwerer werdende Zukunft, wenn er nicht mehr ohne jeden erkennbaren Anlass radikale Steuersenkungen fordern und die Entlastung der…“

„… alle Bundessteuern überflüssig seien, wenn die Umsatzsteuer dafür erheblich ansteige. Merz sehe in diesem Modell allerdings nur dann eine Vereinfachung, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Unterstützung der unteren Einkommensschichten nicht eingeführt würde, da sonst eine statistische Verzerrung der…“

„… wolle die Union keinesfalls pauschal das Verbot von Steuern durchsetzen. Es müsse aber auf den Prüfstand gebracht werden, ob die heutige Umsetzung des bisherigen Systems noch für eine wirtschaftliche Zukunft und einen…“

„… nach dem Prinzip der Verantwortungsethik die Steuern aus gutem Willen nicht mehr zu berechnen und die Bürger so viel zahlen zu lassen, wie diese selbst für angemessen hielten. Offen bleibe im Vorschlag der Kirche, ob etwaige Defizite wie in ihrem eigenen Haushalt auch weiterhin durch staatliche Zuwendungen in Form von…“

„… bedeute die Abschaffung der Steuern auch den Wegfall der strafbaren Steuerhinterziehung. Der als Initiationsritus in höhere Gesellschaftsschichten unabdingbare Tatbestand müsse jedoch erhalten bleiben, da sonst zu viele Bürger, die durch Zufall oder sogar Arbeit zu Vermögen gekommen seien, in Kreisen verkehren könnten, zu denen sie nicht…“

„… sämtliche Steuern in ‚Solidaritätszuschlag‘ umbenennen wolle. Da die Bundesregierung nie vorgehabt habe, diesen endgültig abzuschaffen, könne man nun durch eine Anpassung von dessen Berechnung und Verwendung schnell eine gute…“

„… bedeute dies Erwerbslosigkeit für alle Steuerberater. Laschet plädiere daher dafür, die Betroffenen zu Vermögensverwaltern umzuschulen, was sich bei dem zu erwartenden Wohlstand vieler Wirtschaftsführer in seinem persönlichen Umfeld auch als durchaus lukrative und…“

„… von der Deutschen Bischofskonferenz als Missverständnis bezeichnet worden sei. Sollte durch Wegfall von Lohn- und Einkommensteuer auch die Kirchensteuer abgeschafft werden, müsse der Staat ersatzweise eine Abgabe in Höhe der bisherigen…“

„… dass viele Bürger ihre Steuern und Abgaben durchaus gerne zahlten und diese auch aus freien Stücken entrichten würden. Ein strafbewehrter Zwang widerspreche für die FDP dem Ideal eines demokratischen, leistungsorientierten…“

„… es eine Überlegung wert wäre, Lohn- und Einkommensteuern zu halbieren. Die Union plane dies jedoch erst für die kommende Pandemie und werde bis dahin weiter mit erprobten Instrumenten auf die…“

„… werde bereits durch einzelne Posten wie Branntwein-, Tabak- oder Pferdesteuer erreicht, da man auf die entsprechenden Waren verzichten könne. Zum Augleich schlage die Union vor, auch bisher nicht besteuerte Wirtschaftsgüter mit…“

„… habe die FDP bereits jetzt durch die vielen angeordneten Betriebsuntersagungen eine Vielzahl an Einkommensminderungen in kleinen Firmen verzeichnet, die dadurch bereits stark an Steuern gespart hätten. Zum Ausgleich fordere Lindner die Senkung des Spitzensteuersatzes, um durch eine einfache, niedrige und gerechte…“

„… plädiere Merz für eine vollkommene Steuerfreiheit bei Aktien- und Vermögensbesitz, Erb- oder Mieteinnahmen sowie oberhalb einer gewissen Einkommenshöhe. Um die unteren Gesellschaftsschichten nicht von der Mitwirkung an der Staatsfinanzierung auszuschließen, könne man gerade Renten und kleine Einkommen durch eine Anerkennung in Form von hoher…“

„… dass sämtliche Daten der Steuerzahler ohne Höchstdauer aufbewahrt und mit deren Einnahmen zusammengeführt werden sollten, um die ungefähr zu erwartende Höhe der freiwilligen Zuwendungen an die Finanzämter zu bemessen. Die Regierung setze dabei auf die Eigenverantwortung der Bürger, die im Interesse der Gemeinschaft eine korrekte…“

„… bei einer Erhöhung des Grundfreibetrags auf den Wert des Spitzensteuersatzes formal die Besteuerung der Einkommen erhalten bleibe. Es sei jedoch zu erwarten, dass dieses System nur von wenigen sehr Wohlhabenden verstanden werde, was immerhin zu Einnahmen aus den unteren…“

„… als ersten Schritt die Kraftfahrzeugsteuer abschaffen wolle. Im Gegenzug werde Merz durch eine negative Abgabe für Fußgänger oder Radfahrer die verfassungsrechtliche Ausgewogenheit des…“

„… werde das Finanzamt zumindest Löhne und Gehälter künftig direkt einziehen und einbehalten. Den Steuerpflichtigen werde danach eine Summe zurücküberwiesen, deren Höhe sich unter anderem nach der…“