Kaufkraftbereinigt

21 09 2021

„Auswandern? super Idee, sind Sie noch nicht weg? Oder war das jetzt mal wieder so ein Angstgekläff, weil Sie einfach zu feige sind, um sich öffentlich als Waschweib in Ihrer Opferrolle zu suhlen?

Dürfen wir dann in den nächsten Wochen damit rechnen, dass Sie sich vom Acker machen? Das war ja eine der Peinlichkeiten im letzten Wahlkampf in den USA, dass lauter halbwichtige D-Promis, lauter Knalltüten wie Sie, immerzu versprochen haben, in einer wiederhergestellten Demokratie könnten sie gar nicht leben. Das ist durchaus ehrlich, ich zum Beispiel wüsste auch nicht, was wir hier in einer wiederhergestellten Demokratie mit jemandem wie Ihnen anfangen sollten, aber letztlich frage ich mich doch: wen interessiert’s? Sollten Sie ein akutes Aufmerksamkeitsdefizit entwickelt haben, machen Sie Ihre eigene Fernsehshow. Kaufen Sie sich den Scheiß, wenn’s gar nicht anders geht, irgendjemand hockt schon vor der Glotze und hat zu wenig Hirn unter der Kalotte, um unfallfrei abzuschalten. Dem können Sie dann erzählen, dass Sie jetzt sofort ans andere Ende der Welt ziehen, weil sie keinen Bock mehr haben, ihm seine Stütze zu zahlen.

À propos Zahlen, Ihnen ist ja hoffentlich klar, dass wir nicht nur über Einkünfte reden, die bei Ihnen sicher hervorragend sind, sondern auch über Vermögen. Das war dann mal weg. Auswanderer haben in der Regel keinen Anspruch mehr auf Lohn und Gehalt, wenn sie den Job nicht mehr machen, und wenn Sie der Meinung sind, mit Ihrer Kohle könnten Sie in Bangladesch wie ein König leben, muss ich Sie enttäuschen. Bangladesch ist eine parlamentarische Republik, der Taka ist nicht mehr so viel wert, und wenn Sie die Einkünfte eines TV-Spaßmachers umrechnen, langt’s bei Ihnen sicher für zwei Zimmer, keine Küche, Gartenschlauch auf der anderen Seite des Hofs. Aber ja, es fallen da so gut wie keine Heizkosten an, und kaufkraftbereinigt nehmen Sie mit etwa fünftausend US-Dollar pro Jahr am Bruttoinlandsprodukt teil. Macht aber nichts, die Beschäftigungsverhältnisse sind da meist informeller Natur, Sie werden also so wenig Geld, verdienen, dass Sie keine Steuern zahlen. Ist doch mal ein ganz neues Erlebnis, oder?

Wenn Sie Anschluss an die herrschende Kaste suchen, würde ich Ihnen empfehlen, über eine Anzeigenkampagne die Regierung als verfolgte Opposition darzustellen, die vor ganz schlimmen Repressionen durch mittellose Landarbeitern in ihre aus Steuergeldern finanzierten Paläste fliehen muss. Legen Sie ein bisschen von Ihrem Lohn als Arbeiter auf der Plantage zurück, oder als Handlanger in einer Autowaschanlage für die wenigen Touristen, die Ihr Dorf sieht. Schon nach wenigen hundert Jahren sind Sie so reich, dass Sie die notwendigen Sicherheiten haben für ein Bankkonto. Sie schaffen das, ich bin fest davon überzeugt.

Da wäre noch ein Frage, Sie verzichten doch mit Vergnügen auf die deutsche Staatsbürgerschaft? Das ist so ein Privileg, müssen Sie wissen – in dem Staat, in dem sich Arschlöcher wie Sie wohlfühlen würden, könnte man den Leuten einfach so ihren deutschen Pass abnehmen. Sie können das natürlich gerne freiwillig tun, es würde zum Beispiel Ihre Glaubwürdigkeit untermauern. Verstehe, so wichtig war es jetzt nicht, Sie wollen nur nicht mehr mit Deutschland in Verbindung gebracht werden, wenn man Sie hier wie alle anderen behandelt. Sie wollen lieber einen Staat, der Sie nicht so behandelt, als wären Sie auch nur ein Mensch. Behalten Sie Ihre deutsche Staatsbürgerschaft, dann wird das leicht zu machen sein.

In Deutschland wäre es ja einfacher, wenn Sie auf Diskriminierung abfahren, behalten Sie einfach die Staatsbürgerschaft Ihres Herkunftslandes. Die Bevölkerung ist da schon etwas weiter, aber für die Politik bleiben Sie immer der Ausländer, auch nach zwanzig Jahren, wenn Sie längst einen deutschen Pass haben. Stellen Sie sich mal vor, Sie kämen aus Deutschland – so viel Fantasie haben Sie sicher noch – und dann sollen Sie in Nigeria leben. Da fallen Sie sofort auf, auch wenn Ihnen beim Blick in den Spiegel einfach nicht klar wird, warum. Natürlich ist das unangenehm, und Sie werden in Nigeria sicherlich viel nette Leute kennenlernen, die keine Rassisten sind, aber Sie gehören dann halt nicht dazu. Sie sind keiner von denen. Schon gar nicht, wenn jeder Sie fragt, ob Sie ihn kastrieren wollen, damit Ihre politischen Freunde Sie mögen.

Dass Sie Ihren Privatjet hier lassen dürfen, war klar? Naja, so ein findiges Kerlchen wird doch ganz bestimmt irgendeine Möglichkeit sehen, sein Ziel zu erreichen. Balkanroute, Mittelmeer, Sie können bei irgendeiner Schlepperbande sicher auch einen Schuldschein unterschreiben. Oder Sie lassen gleich eine Niere da. Das regelt der Markt schon. Falls Sie unterwegs absaufen, dürfen Sie sicher sein, dass die Frontex-Truppe Ihretwegen keine Ausnahme macht. Da sind wir moralisch ganz auf Ihrer Seite. Wir verraten die Moral, die Sie für sich gar nicht erst reklamieren, Sie verraten das Volk, indem Sie sich aus dem Staub machen wollen. Aber Sie können das gerne als Zeichen von Freiheit interpretieren, weil das in einer sozialistischen Diktatur, die Sie gerade in der Bundesrepublik Deutschland erblicken, gar nicht möglich gewesen wäre.

Ach, Sie wollen doch lieber bleiben? Pakistan und Uganda sollen für Flüchtlinge nett sein, da würden Sie gar nicht auffallen. Bangladesch auch. Da nimmt man jeden, Sie bestimmt auch. Wenn Sie einen Moment warten, suche ich Ihnen etwas raus, wo Ihnen Verhaftung und Enteignung durch eine Diktatur droht. Sie wollen sich da doch wie zu Hause fühlen, oder?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXII): Denkmäler

17 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Kurz bevor das ganze Reich unterging, ließ sich Aššur-bāni-apli noch mal in voller Montur samt Krönchen ins Relief dengeln, wie er mit Pfeil und Bogen Großwild jagte. Als Ganzfigur mit Bart und Korb warb er für assyrischen Wohnungsbau, dann war auch bald Schicht im Schacht. Mehr noch als in der Antike, im Mittelalter, erst recht in der Neuzeit war den Völkern des Altertums klar, dass alles recht vergänglich ist. Dynastien kamen, Dynastien gingen und wurden von Schutt und Asche bedeckt, damit kommende Herrscher auf rauchenden Trümmern neue Verwaltungseinheiten organisieren konnten, die die Machtverhältnisse gründlich neu ordneten und schon durch das Erscheinungsbild monumental angelegter Kunst im öffentlichen Raum änderten, was es zu ändern galt. Hier und da meißelten die dienstbaren Geister die Grinsrüben aus dem Fels, wie sie noch heute in jedem besseren Personenkult von Mauern und Fassaden hängen, sofort guckte der neue König so gütig wie machtvoll aufs Volk, kurz: der alte Klotz war weg, der neue Klotz war da. Wozu braucht es da heute noch Denkmäler?

Die Herren der Macht, und es sind immer nur Männer, Ottokar der Dehnbare, Kurfürst Heribert von der Klappstulle und irgendein Friedrich von Dingenskirchen mit Pelz und Perücke, haben sich größtenteils in Eisen gießen lassen, lungern nun auf steinernem Podest mit güldener Inschrift, damit sie keiner mit dem Gründer der städtischen Hunde-Wasch- und Reinigungsanstalt verwechselt, in den fußläufigen Zonen nahe Kirchen und Rathäusern herum, werden fotografiert, mit Pappnasen und Altpapier verschwiemelt und dienen allenfalls als Treffpunkt für Jugendliche, die vorabends alleine in modischer Kleidung mit flamboyantem Schuhwerk auf ihresgleichen warten. Trostlos fürwahr, und da ist das Denkmal nicht einmal mit eingerechnet. Die knöterigen Staubfänger längst vergangener Epochen stehen störrisch im Stadtbild, ohne die Aufschrift wüsste kein Passant, ob es sich um einen Kaiser, einen König oder den Erzherzog einer nicht mehr existenten Provinz handelt – mit Aufschrift weiß es auch keiner, aber wen kümmert das schon.

So schön ersichtlich an berittenen Deppen in rostiger Wehr, wie sie Reklame für den nächsten Krieg machen, für Preußens Gloria und Schlesiens Untergang, so zweifelsfrei stehen die dominanten Hohlkörper für nichts mehr, was mit der Gegenwart auch nur entfernt zu tun hätte. Allein die in alle teutonischen Weichbilder gerummsten Bismarcke verkünden nur noch mit Getöse die Apotheose von Pickeln auf der Haube, neben denen der Deutsche gerade noch genug Zeit für Kolonialismus hatte und den Platz an der Sonne mit Leichentüchern sicherte. Die Erinnerungskultur richtet sich an unterkomplex denkende Weichstapler, die mit Geschichte nicht viel am Hut haben, sonst müssten sie das präpotente Säbelrasseln der nationalen Besoffenheitsapostel ganztägig reflektieren. Womit schon.

Das Denkmal hat vielmehr die Aufgabe, alles an Geschichte zahnschonend zu verklittern, was den künftigen Generationen Probleme beim Schlucken verursachen könnte. Steht irgendwo am König vor dem Katasteramt, dass er ein mieser Militarist war, ungewaschen, versoffen und rassistisch dazu? Da das, was auch immer das ist, früher nun mal so war, müssen wir uns eben damit abfinden, dass man auf dem Weg zum Supermarkt an Antisemiten vorbeiradelt, an Arschlöchern, die zur Finanzierung eines neuen Lustschlosses mit Menschenhandel und Zwangsarbeit ihre eigenen Untertanen in den sicheren Tod trieben oder auf der Jagd durch Privatwälder ihre Tage herumbrachten, während das Volk nicht einmal Brennholz sammeln durfte. Es fehlt an den einordnenden Hinweisen, die Kriegsherren und Fürstbischöfe als zwielichtige Egoleptiker kennzeichnen, die hinter den blinden Flecken der Historie in Deckung gehen.

Interessant nun, dass man Saddam und Stalin, Hitler und Pol Pot sauber abgesägt, Putschisten wie Lettow-Vorbeck oder die Nagelbirne Hindenburg ordentlich entschuldigt, Wissmann, den Schlächter von Ostafrika, allenfalls einlagert, sobald sich eins an den Sklavenhandel als Grundlage für deutschen Wirtschaftsaufschwung erinnert. Überhaupt ist es die germanische Eigenheit, Wohlstand auf Kosten fremder Ethnien, jenes deutsche Wesen, das die Welt gerade noch überlebt hat, als Errungenschaft der Eliten in Erz zu kippen und irgendwo in eine Grünanlage zu stellen. Jede Gesellschaft vererbt ja die Vorbilder, die sie für geeignet hält, über ihre Tage hinaus zum Idol zu taugen, rituell angebetet zu werden und zur intellektuellen Auseinandersetzung in der Gegend herumzustehen – in der Reihenfolge. Es geht ja weniger um Authentizität, erst recht nicht in den übrigen Randbereichen des Erinnerns, Krieg oder Genozid, sondern um die Sakralisierung, die unsere Säulenheiligen im säkularen Umfeld notfalls museumstauglich macht, irgendwo eingeklemmt zwischen Pathos und Kitsch. Wenn sich der Spießer schon Bismarck als Aschenbecher und Bierhumpen in die Bude stellt, warum dann nicht auch Hitlern als Klobürste, wie es seine Kriegsgegner taten? Es gäbe da, um die objektive Verwertbarkeit der Geschichte zu gewährleisten, manche Möglichkeit.





Bananenrepublik

13 09 2021

07:03 – Fluchend verlässt Rentner Ernst K. (85) die Kaufhalle Malschwitz (Landkreis Bautzen), da es am Tag nach der Bundestagswahl keine Bananen mehr gibt. Empört klingelt der ehemalige Schreiner und jetzige AfD-Funktionär die Anwohner am Dorfplatz aus dem Bett, um die Wiederkehr des verhassten Sozialismus zu verkünden.

07: 19 – Ein Anruf in der Hauptstadtredaktion von BILD versetzt den Springer-Konzern in Aufruhr. Die Chefredaktion versendet per SMS die Botschaft „Sozialismus Start“ an dreißig Reporter, deren Aufgabe es nun ist, Beweise für den jähen Umbruch in Deutschland zu finden. Eine zweite Nachricht aus der Konzernspitze lautet: „Wir schaffen das!“

07:26 – Im benachbarten Kubschütz sind sämtliche Telefonketten heiß gelaufen. Kaufmann Ronny T. (38) holt eine halbe Stunde vor Geschäftsöffnung die verbliebenen Südfrüchte der Freitagslieferung aus dem Kühlraum und bereitet sich auf die Kunden vor, die erfahrungsgemäß schon gegen zehn Uhr die Filiale betreten. Es gibt Bananen, auch wenn diese eher selten gekauft werden.

07:31 – Die hastig zusammengezogene NPD-Kampfgruppe Doitsche Ehre wartet auf Verstärkung aus der Kreisstadt. Bisher sind noch keine Mitglieder der Kameradschaft Bautzen Ausländerfrei auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt eingetroffen. Die jungen Neofaschisten vertreiben sich die Zeit mit Rauchen.

07:58 – Einzelhandelskauffrau Melinda Z. (27) will für die Geburtstagsfeier ihres Gatten Bananenbrot backen und bietet Filialleiter Ronny T. für die verbliebenen Schlauchfrüchte zehn Euro an. Nach kurzer Qualitätskontrolle einigen sie sich auf sechs Euro für das Gebinde, das während des Tages im Kühlraum verbleiben soll.

08:04 – Das nationale Kommando betritt den Laden und verlangt in herrischem Ton Südfrüchte. Da sie verständlicherweise nur noch deutsches Obst in der Auslage vorfinden, reißen sie mehrere Regale in der Frischeabteilung zu Boden. Ronny T., der in seiner Jugend ebenfalls Mitglied in einer völkischen Bewegung war, holt den Baseballschläger aus der Kassenbox. Einer der Besucher erleidet einen Schädelbasisbruch, zwei weitere verlieren den überwiegenden Teil ihrer Frontzähne.

08:32 – In einer Reportage auf BILD TV besucht eine investigative Journalistin, gespielt von einer Mitarbeiterin des Springer-Konzern, zehn Einzelhandelsgeschäfte in Berlin, in denen sie keine Bananen findet. Die Aussagen der Ladeninhaber, sie hätten am betreffenden Tag kein Frischobst im Angebot, werden von einer mobilen Einheit so geschnitten, dass sie den Tenor der als sozialismuskritisch angekündigten Sendung klar wiedergeben.

08:35 – Im Konrad-Adenauer-Haus herrscht wachsende Anspannung. Nachdem der Hausmeister versehentlich ein Paar rote Socken hatte mitgehen lassen, kann der unterlegene Kanzlerkandidat nun nicht mehr für einen Pressetermin posieren. Die von der Wahlkampfmanagerin geleitete Kommission zieht sich zu einer Klausurtagung zurück, um die Strategie für eine CDU-geführte Große Koalition zu erarbeiten.

08:43 – Das Team von BILD TV wird tätlich angegriffen. Sie hatten nach einem Floristen und einem Fahrradladen ein Schuhgeschäft und ein Brautmoden-Center besucht, in denen sie gar nicht erst nach Bananen gefragt hatten. Der Inhaber des Obst- und Gemüseladens, der wie immer frische Bananen auf den Bürgersteig gestellt hatte, will seine Ware zurück.

09:01 – Der ADAC ist in der Bautzener Ostvorstadt angekommen. Der auf der Löbauer Straße mit einem Achsbruch liegen gebliebene Laster verfügt über ein Kühlaggregat, so dass vierzig Kisten mit Frischobst, davon zehn mit Bananen, sich noch immer in gutem Zustand befinden und im Laufe des Tages von einem Ersatzfahrzeug ausgeliefert werden können. Die umliegenden Geschäft im Osten der Kreisstadt entlang der Bundesstraße 6 werden telefonisch informiert.

09:26 – Mehrere rechtsgerichtete Medien melden, durch den von Wahlsieger Scholz blitzkriegartig eingeführten Sozialismus gebe es in Deutschland keine einzige Banane mehr. Der Handelsverband Deutschland, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband sowie die Pilotenvereinigung Cockpit erheben schwere Vorwürfe gegen den designierten Wirtschaftsminister Merz, dass es keine präventive Einlagerung strategisch wichtiger Güter für den Fall einer nationalen Katastrophe gegeben habe. Der Sauerländer gibt auf einer improvisieren Pressekonferenz zu erkennen, dass er nicht weiß, worüber geredet wird, da seine Berater es ihm noch nicht erklärt haben.

09:32 – Nach einer kurzen Unterhaltung mit der Polizei, die die Verletzten bereits kennt und aus der Kontroverse unter ehemaligen Bekannten keine große Sache machen möchte, da keine fremdrassige Störkraft an der Aktion beteiligt war, räumt Ronny T. die Frischeabteilung auf. Sein Auszubildender Enrico F. (19) nimmt die Benachrichtigung des Spediteurs entgegen und beschließt, die Lücke im Sortiment mit einer Kiste Tafelbirnen großzügig zu kaschieren.

09:49 – Ein als Che Guevara verkleideter Springer-Mitarbeiter zerkratzt in der Tiefgarage einer Unternehmensberatung die Luxuslimousinen der Vorstände. Da sämtliche Stellplätze per Videoüberwachung gesichert sind, die an eine Gesichtserkennungssoftware angeschlossen ist, wissen die Polizisten beim Anrücken bereits, um wen es sich handelt. Er protestiert nicht gegen seine Festnahme, kann aber nicht verhindern, dass ihm vor laufender Kamera die Maske abgenommen wird und die Polizisten ihn mit Namen ansprechen.

10:04 – Ein Kurierdienst liefert zehn Flaschen Weißwein an Franz Josef Wagner. Er lässt sich den Empfang der Flaschen quittieren.

10:25 – Im Konrad-Adenauer-Haus wird erörtert, ob die Botschaft, Scholz habe auf Anordnung von Putin einen Nerobefehl erlassen, um das deutsche Volk innerhalb weniger Tage verhungern zu lassen, in der Wählerschaft noch verfängt und ob es noch zu einer Meinungsänderung in der SPD führen wird. Die stellvertretenden Vorsitzenden sind einhellig der Meinung, nur ein geistig minderbemitteltes Arschloch würde derartigen Scheißdreck öffentlich äußern.

10:30 – Vor den bereits seit einer Stunde wartenden Pressevertretern äußert der unterlegene Kandidat der Bundestagswahl, Scholz habe auf Anordnung von Putin einen Nerobefehl erlassen, um das deutsche Volk innerhalb weniger Tage verhungern zu lassen. Die SPD habe immer auf der falschen Seite gestanden, deshalb könne auch nur er als der legitime Nachfahre aller deutschen Kaiser seit Karl dem Großen aus Wasserstoff Bio-Bananen machen.

10:41 – Söder lässt sich in der Frühstückspause vor der Bayerischen Staatskanzlei ablichten. In letzter Minute haben die Hilfskräfte aus dem Obstkorb, der unscharf im Hintergrund zu sehen sein soll, eine Staude Bananen entfernt. Der CSU-Chef lässt dem gescheiterten CDU-Kollegen für seine Suche nach Koalitionspartnern ausrichten, wenn keine Bananen mehr in Reichweite seien, solle es er doch mit Kiwi versuchen.

11:07 – In den Redaktionen deutscher TV-Sender herrscht pure Verzweiflung. Dreierteams mit Reporter, Kamera und Ton sind in Hamburg, Köln, Stuttgart und Frankfurt unterwegs, um O-Töne von besorgten Bürgern für die Mittagsmagazine zu erhalten. In keiner der Städte lässt sich ein Geschäft ohne ausreichenden Vorrat an Bananen filmen.

11:17 – Studio Dresden meldet einen Gemüseladen in Kötzschenbroda, der angeblich keine einzige Banane im Sortiment haben soll. Das Filmteam rast auf direktem Weg nach Radebeul, um exklusive Bilder für das ZDF-Mittagsmagazin zu erhalten.

11:34 – Auf Nachfrage der Reporter, ob Laschet aus Bio-Bananen auch Stahl erzeugen könne, gibt der CDU-Chef zu erkennen, dass er über diese wirtschaftspolitisch sehr wichtige Frage erst lange nachdenken müsse. Er könne aber jetzt schon ganz klar sagen, dass dies kein sozialistischer Stahl sei, sondern ein deutsches Qualitätsprodukt, mit dem er ganz allein das Klima retten und jeden weiteren Lockdown verhindern werde.

11:57 – Das ZDF-Team erreicht gerade noch vor der Mittagspause das Geschäft am Lößnitzbad. Wie ihnen Inhaber Tino G. (59) ungehalten zu erkennen gibt, bedeute das Ladenschild Gemüsekiste genau das, nämlich ein Fachgeschäft für Gemüse, in dem es noch nie eine einzige Banane zu kaufen gab. Auf den Vorschlag von Reporter Simon E. (34), für den Filmbeitrag das Schild zu verhängen und eine nicht ganz so realitätsnahe Geschichte zu erzählen, reagiert der Händler ungehalten. Er bezeichnet die Mitarbeiter als Abgesandte der Lügenpresse und droht ihnen an, sie mit frischem Staudensellerie zu verprügeln.

12:06 – In der BILD-Redaktion geht per SMS die Botschaft „Die Sau ist voll“ ein. Das lyrische Thinkpiece der Nation ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit.

12:25 – Eine Pressemitteilung der CSU wird an die Redaktionen großer deutscher Tageszeitungen gefaxt. Unabhängig von der Bananensituation gebe Söder sein Wort als führender Konservativer in der Bundesrepublik Deutschland, dass seine Partei ein Gendergesetz der Stalinistischen Volkspartei und der Öko-Gaga-Verbotsdiktaturvolksfront namens Die Grünen bis vor das Europäische Gericht für Menschenrechte bringen werde. Allein im Freistaat Bayern werde man die internationalsozialistische Linksruck-Zerstörung schnell bemerken, wenn die Gelder für Verkehrsprojekte um bis zu 600% niedriger ausfallen würden.

12:48 – In einem Radiointerview wird Tino Chrupalla gefragt, was sein deutsches Lieblingsobst sei. Er nennt ohne zu zögern die Banane.

13:14 – Die Pressestelle im Willy-Brandt-Haus bekräftigt die Absicht der Sozialdemokraten, den Mindestlohn so schnell wie möglich auf zwölf Euro anzuheben. Die Kunde wird kritisch aufgenommen. Während die Freidemokraten monieren, dass eine zu hohe Kaufkraft im Prekariat die Bananen für Leistungsträger unerschwinglich machen könnte, verlangt Alice Weidel, dass die Erhöhung nur für Deutsche gilt, da sonst orientalische Vergewaltiger und nordafrikanische Messerstecher völkischen Arbeitern das Obst wegfressen.

13:33 – Ein Rettungswagen wird zum Konrad-Adenauer-Haus gerufen. Es handelt sich um einen Notfall, bei dem einem designierten Bundesminister von einem engen Mitarbeiter eine Banane so tief in den Darmausgang geschoben wurde, dass das Objekt nicht ohne medizinische Hilfe wieder entfernt werden kann. Der Vorfall muss unbedingt vertuscht werden. Noch kurz zuvor hatte Merz den nationalen Notstand ausgerufen, da es im ganzen Bundesgebiet keine einzige Banane mehr gebe.

13:40 – Nathanael Liminski befindet sich auf dem Weg der Besserung.

13:49 – Das sächsische Filmteam hat in Pirna ein Lebensmittelgeschäft entdeckt. Durch das Fenster ist die leere Bananenkiste im Obstsortiment klar zu erkennen. Die drei Mitarbeiter treten ein, um in einer Blitzreportage auf den eklatanten Mangel an Südfrüchten aufmerksam zu machen. Nach einer kurzen Ton- und Lichtprobe werden sie von Mandy K. (22) rüde zur Seite geschubst. Die Verkäuferin räumt eine neue Kisten Dessertbananen der Sorte Cavendish ein. Simon E. erleidet einen Nervenzusammenbruch.

14:04 – Söder betont nochmals, dass die von Pol Pot, Mao und Hitler inspirierten Grünen das Benzin mit einer Strafsteuer zur Finanzierung riesiger Windkraftanlagen verteuern wollen, um alle Kirchen in Deutschland abzureißen und durch die lebensgefährlichen Propeller zu ersetzen. Zugleich werde der Preisanstieg beim Kraftstoff Bananen so teuer machen, dass die durchschnittliche deutsche Familie im Jahr bis zu hunderttausend Milliarden Euro mehr ausgeben müsse. Sofort nach dem Verbot des Genderzwanggesetzes werde die CSU diese Regelung durch den Einmarsch von NATO-Truppen und einen förmlichen Protest beim DGB unterbinden.

14:36 – Erstmals meldet sich auch Wahlsieger Olaf Scholz zu Wort. In einem kurzen Pressestatement betont er, dass nicht nur jede vierte Banane aus indischem Anbau stamme, so dass Deutschland und die EU nicht von China abhängig seien. Außerdem sei es eine Legende, dass Konrad Adenauer seine Zustimmung zur Gründung der EWG nur gegeben hätte, wenn der jungen BRD nicht zollfreie Bananenimporte garantiert worden seien. Vielmehr habe ein Zusatzprotokoll zu den Römischen Verträgen besondere Bedürfnisse bei der Einfuhr von Bananen nach Deutschland festgestellt. Man wisse, dass Kalium und Magnesium gut für die Hirntätigkeit von CDU-Führern seien, bei Laschet würde ein Doppelzentner Bananen täglich wohl knapp ausreichen.

14:50 – Im Konrad-Adenauer-Haus wird unterdessen heftig diskutiert, ob das Bananenverbot nicht eigentlich eine Idee der Linken gewesen sei, um die Deutschen frühzeitig auf DDR-Verhältnisse in einer Mangelversorgung einzustimmen, bevor einzelne Waren und Dienstleistungen von den Grünen mit einzelnen Verbotsgesetzen abgeschafft werden. Die These, Annalena Baerbock sei in Wahrheit der Antichrist, kann sich nur knapp im Vorstand der Christdemokraten durchsetzen. Ein unangenehmer Geruch hängt im Raum, da Paul Ziemiak eine leicht zerdrückte Banane verzehrt.

15:03 – Die Deutsche Polizeigewerkschaft beklagt in einer Videobotschaft, dass es überall in der Republik große No-Go-Areas gebe, in denen man auf der Straße jede Art von Drogen oder Waffen, nicht aber Bananen kaufen könne. Der Vorsitzende Wendt kündigt an, nach der Machtergreifung von Laschet Berlin mit der Panzerfaust zu säubern.

15:05 – Merz kündigt den Schulterschluss zwischen AfD und CDU an. Sofort nach der Vereidigung als Bundeskanzler werde er Landwirtschaftsminister Maaßen anweisen, in Mitteldeutschland die Zucht der rasserein deutschen Banane zu starten, die bis zum Jahr 2059 zum Kilopreis von etwa 150 Euro in den Kolonialwarenläden angeboten werde. Die zur Bewerkstelligung des Projekts notwendigen Kräfte werde man aus der Zwangsarbeit für Erwerbslose rekrutieren, wobei Merz sozialromantischen Ideen wie einem Mitarbeiterrabatt für Erntehelfer gleich eine Absage erteile.

15:15 – Die Gewerkschaft der Polizei widerspricht den Ausführungen der rechtsgerichteten Beamten. Es gebe in Deutschland keine rechtsfreien Räume, die Sicherheit der Bevölkerung sei Ländersache, und die größten Probleme würde seit Jahrzehnten in Nordrhein-Westfalen auftreten. Einer der führenden Kriminellen im Ruhrgebiet besitze mehrere Obst- und Gemüsegeschäfte, in denen auch Bananen verkauft werden.

15:21 – Die von der sächsischen CDU eilends für den Nachmittag geplante Demo Deutsche Bananen für Deutschland in der Dresdner City findet kaum Beachtung. Bis auf Michael Kretschmer und wenige andere Nationalsozialisten bleibt der Theaterplatz leer.

15:59 – Gerade noch rechtzeitig zur Konferenz trifft Wagners Artikloid über die deutsche Banane ein, in welcher der Kolumnist das endgültige Ende der jüdisch-christlichen Tradition beschwört, weil die Verräterpartei, die auch norwegische Kommunisten als Bundeskanzler nach Deutschland eingeschleppt hat, die Frucht ausrottet, die bereits Jesus in der Krippe von vorüberziehenden Hirten aus dem Morgenland zum Geschenk erhielt. Der Text geht ohne weitere Korrekturen in den Satz.

16:05 – Die Börse Frankfurt gibt bekannt, dass durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in Brasilien die diesjährige Orangenernte schwerer treffen könnten als bisher befürchtet. Der Mangel an Pflückern und Transportarbeitern lasse gerade die Kurse der Groß- und Außenhandelskonzerne einbrechen, die mit dem Import von Südfrüchten aus Übersee Gewinne machen. Der DAX sei fest, da neue Hoffnungen auf eine stabile EU durch den SPD-Wahlsieg und pragmatische Investitionen in Deutschland den Einzelhandel bei Laune halten würden. Ein erstes Anzeichen sei die ungebrochene Kauflaune der Deutschen nach der Wahl, die vor allem der Banane gilt.





Eingliederungsmaßnahmen

9 09 2021

Eine kleine Gruppe Männer in auffällig billigen Polyesteranzügen stand vor der Tür; sie rauchten. Dies kannte ich bereits von anderen Tagungs- und Therapiezentren, hier aber scharten sich alle um mich wie die Kletten und flüsterten mir zu, dass sie Geld bräuchten. Der eine wollte eine halbe Million, ein anderer war schon mit dreihunderttausend Euro zufrieden. Vielleicht hatte ich aber auch nicht genau hingehört.

„Sie sind eben sozial inkompetent“, seufzte die Leiterin und drückte auf den Fahrstuhlknopf. Wir fuhren ins zweite Obergeschoss. Rumpelnd öffnete sich die Tür, sofort packte mich wieder einer der grauen Männer am Arm. „Zehntausend“, keuchte er. „Kleine Scheine, keine Quittung. Ich verrate auch nichts!“ „Meine Güte“, knurrte ich und schüttelte ihn ab, „warum suchen Sie sich nicht einen Job?“ Frau Doktor Kliebner schob ihn unsanft beiseite. „Genau darum sind sie ja hier. In absehbarer Zeit ist Schluss mit dem Faulenzen, dann müssen sie einer Erwerbsarbeit nachgehen, denn bisher haben sie ihr Geld nicht auf ehrliche Art verdient.“ „Nicht durch normale Bettelei?“ Sie drehte dem Mann den Arm auf den Rücken und stieß ihn weg. „Abgeordnete, wenn Sie’s genau wissen wollen: CDU. Eine ganze Menge von ihnen stehen bald vor dem Aus, und wir sollen hier Eingliederungsmaßnahmen leisten.“

Ich errötete; waren die parlamentarischen Mittel sonst eher wenig sinnvoll, weshalb ich die Karte mit der Einladung gar nicht erst genau gelesen hatte, so war dieses doch durchdacht. „Wir gehen derzeit von etwa 150 Abgeordneten aus, die sich in den kommenden Monaten um eine Neuordnung der existenziellen Koordinaten bemühen müssen, und je nach Ausfallerscheinungen ihres Spitzenkandidaten können es noch einmal mehr werden.“ Wir gingen in eine Art Klassenzimmer, in dem die zukünftigen Ex-Parlamentarier saßen, ein altmodisches Telefon vor sich und ein paar Blätter Papier. Die meisten riefen offensichtlich in Firmen an, von denen sie einmal eine Menge Geld kassiert hatten. „Es gibt zwei Wege für sie“, erklärte Frau Doktor Kliebner. „Die meisten möchten weiterhin Geld haben, haben aber noch nicht ausreichend verinnerlicht, dass sie den Unternehmen gar nicht mehr die Gefälligkeiten erweisen können, wie sie es als Abgeordnete getan haben.“ Hier und da hörte man ein Schluchzen, eine ehemalige Volksvertreterin stieß wüste Drohungen aus, allgemein lag eine verzweifelte Stimmung im Raum. „Wie ich bereits sagte“, erwiderte ich, „warum suchen sie sich nicht einen Job?“ Sie sah mich mit einer gewissen Müdigkeit an. „Warum, glauben Sie, sind diese Leute Abgeordnete?“

Tatsächlich hatten einige von ihnen anfänglich versucht, als gute Bekannte eine freie Stelle bei den Unternehmen zu besetzen, für die sie sich zuvor verwendet hatten. Leider wurden sie als durchaus durchschnittliche Juristen, Lehrer oder Politologen in Rüstungskonzernen oder in der Chemiebranche nicht so einfach eingestellt. „Ab und zu wird schon mal über den Drehtüreffekt engagiert“, berichtete die Leiterin. „Sogar außerordentlich dämliche Idioten, denen kein zurechnungsfähiger Mensch den Hausmeisterposten übertragen würde.“ Das überraschte mich nun doch. „Dann besteht für diese armen Menschen noch Hoffnung.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich vergaß zu sagen, dass das so gut wie nur für ehemalige Minister gilt.“

Einer der grauen Anzüge, in dem ein kleiner, untersetzter Kahlkopf mit Goldrandbrille steckte, kam auf mich zu und überreichte mir seine Karte. „Ich bin Experte“, klärte er mich auf, „und kenne mich mit so gut wie mit allem hervorragend aus.“ „Sehr gut“, antwortete ich. „Wie viele Einwohner hat Dschibuti?“ Er stutzte. „Welche Bodenschätze werden da am meisten exportiert?“ „Er wird das nicht wissen“, warf Frau Doktor Kliebner ein. „Ihm wird Wirtschaftskompetenz nachgesagt, aber das war, weil er einmal auf dem Golfplatz zusammen mit einem Bankmanager gesehen wurde.“ „Ich bin im Bilde“, gab ich zurück. „Finden Sie raus, wo das ist, vielleicht heuert Sie dann einer als Spezialisten für Ostasien an.“ Schon war er verschwunden.

„Was haben wir nicht alles versucht.“ Frau Doktor Kliebner war nicht verzweifelt, schließlich wurde sie gut bezahlt dafür, alles an den Probanden zu probieren, was ihr einfiel. „Viele von ihnen haben acht Jahre und länger für ihre Partei im Deutschen Bundestag gesessen, in Ausschüssen gedöst oder in der Kantine herumgelungert, um einmal im Quartal im Plenarsaal zu sitzen und zu den Ausführungen der Kanzlerin zu klatschen.“ „Das klingt nach einem Profil, auf das der Arbeitsmarkt nicht gewartet hat.“ Sie nickte. „Wir können nicht allen wieder ins Leben zurück helfen, wenn sie sich nicht helfen lassen wollen.“ Ich überlegte. „Wäre es nicht möglich, sie legal mit dem zu beschäftigen, was sie vorher nebenbei und mitunter illegal getan haben?“ Die Leiterin lächelte schief. „Dann beschäftigen wir drei Dutzend Idioten damit, Masken und medizinische Schutzkleidung zu überhöhten Preisen einzukaufen?“ Das hatte ich nicht bedacht. „Kommen Sie“, sagte sie. „Ich zeige Ihnen etwas.“

In einem großen Saal saßen viele Männer auf langen Bänken. Vorne stand einer von ihnen auf dem hölzernen Podest. „Die deutsche Politik“, deklamierte er, „ist die Politik, die wir hier, meine Damen und Herren, in Deutschland und für Deutschland, das muss in dieser Klarheit einmal zum Ausdruck gebracht werden!“ Frenetischer Beifall begleitete seine Ausführungen. Frau Doktor Kliebner nickte. „Wenn wir jemanden finden, der den ganzen Mist bezahlt, dann hätten wir’s.“





Krisenstäbchen

8 09 2021

„Hat sie eigentlich irgendwann mal eine Strickjacke getragen? so kohlmäßig? Sonst haben wir nur diese Schlandkette, aber die war nie so wichtig. Politisch gesehen. Hosenanzüge, kann man ja machen, aber welchen soll man da nehmen?

Das ist mal wieder eine Schnapsidee, die sich die Partei ausgedacht hat. Merkel-Museum. Das ist der blödeste Einfall, seitdem der Kanzlerkandidat irgendwas gesagt hat, und der sagt ja dauernd was. Wie soll man aus Merkel ein Museum machen? und was zeigt man da? Und warum? Die Partei hat sich gedacht, wir zeigen das politische Erbe, aber nur positive Sachen. Gut, wären wir dann fertig?

Im Eingangsbereich erst mal die Abteilung über die Umweltkanzlerin, obwohl: die war sie gar nicht. Da müsste man in einem eigenen Stockwerk alle Absichtserklärungen sammeln, sämtliche Versuche, die deutsche Wirtschaft vor den Auswirkungen der Erderwärmung zu schützen – die deutschen Bürger hätte sie schützen können, aber das war genau das Problem, dass sie ihre Politik nicht für deutsche Bürger gemacht hat. Sondern für die Wirtschaft, unter anderem auch für die deutsche. Was dann Solaranlagen betrifft, da kann sich die chinesische Wirtschaft nicht beschweren. Die Auswirkungen auf Deutschland, dazu bräuchte man so eine Art Erlebnispädagogik. Einen Raum, der unter Wasser steht und an einer Ecke wegbricht. Also sie hat was fürs Klima getan, nur eben nicht für die Menschen. Dem Klima ist das egal, das war ihr immer schon klar. Sie ist ja Physikerin.

Immerhin hat sie nach dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg hingekriegt. Das war als Wahlkampfmanöver gedacht und hat trotzdem ganz gut funktioniert. Da könnte man ein Modell von Fukushima bauen, als Bezug zu ihrer Politik. Wobei sie ja eher die langsame Brüterin ist, aber wenn es aus dem Ruder läuft: sofort alles stoppen. Das war in Afghanistan nicht anders, da hat sie auch ein paar Jahre gebraucht, bis sie gemerkt hat, dass die Wissenschaftler, die sie vor einer Katastrophe warnen, Wissenschaftler sind, die sie vor einer Katastrophe warnen. Sie bremst schon, aber eben erst dann, wenn die Wand vor ihr beschleunigt.

Ihre Parteisoldaten haben sechzehn Jahre lang gesagt, dass sie bei ihrer Politik immer auch alle deutschen Bürger mitnimmt. Das stimmt. Fragen Sie die Wand.

Es gibt auch einen Flügel in der Partei, die die positiven Aspekte gar nicht sehen wollen. Denen ist so ein Museum eigentlich nur als Gruselkabinett willkommen, damit sie hinterher sagen können, dass sie alles besser gemacht hätten, nur eben nicht jetzt, wo sie es nicht mehr besser machen, weil ihnen keiner mehr zutraut, dass sie es besser würden machen können. Die wollen unbedingt eine kontrafaktische Abteilung, da wird zum Beispiel das Märchen von der Grenzöffnung noch mal ganz groß aufgeblasen mit allen Artikeln aus der Presse, in denen das so dargestellt wurde. Am besten gleich rautenförmig, wegen der Symbolik.

Oder hier, Europa – da wollen die Flügelleute am liebsten eine vergoldete Kanzlerin auf dem Podest, weil sie erst mit ihrer Sparpolitik so richtig dafür gesorgt hat, dass die ganze Eurozone auf dem Zahnfleisch ging. Eine Bankenkrise hätte Europa ja noch alleine hingekriegt, aber sie hat eine richtige Staatsschuldenkrise gezaubert, mit externalisierten Kosten für die anderen, denen man dann vorwerfen kann, dass sie nicht genug Feuerwehr haben, wenn wir ihnen regelmäßig wieder die Bude abfackeln. Das ist Balsam für die deutsche Nationalseele, die am liebsten alles alleine macht, weil sie überzeugt ist, dass die anderen es nicht so gut hinkriegen.

Die Destabilisierung des politischen Systems in Deutschland zur marktkonformen Demokratie darf man hier auch nicht vergessen. Asymmetrische Demobilisierung ist das eine, aber wenn die Leute überhaupt wählen, wählen sie je nach Bundesland bis zu einem Viertel Faschisten. Eigentlich könnte man denen einen ganzen Raum überlassen. Braun anstreichen reicht, den Rest machen sie selbst. Viel Gegenwehr war da nicht, für Hanau oder Halle oder den NSU brauchen keinen Extraraum. Wir könnten einen versprechen und ihn vergessen, das wäre im Duktus der Kanzlerin. Vielleicht gräbt mal einer aus, ob es Bilder vom Krisenstab gibt. War wohl eher ein Krisenstäbchen. Das können wir irgendwo im Kuriositätenkabinett aufhängen. Bei der sozialen Schere und neben der Ehe für alle. Oder auf den großen Scheiterhaufen. Also das, was von ihr noch übrig ist. Das reicht dann für den Ausgangsbereich.

Haben Sie noch eigene Ideen? Gut, war jetzt nur so eine rhetorische Frage, aber da sind wir auch auf der richtigen Seite, weil der Flügel das sowieso zu verhindern weiß. Die alternde Gesellschaft wird man ihr in die Schuhe schieben, vor allem, weil sie nicht mehr die Partei wählt, das Scheitern der Partei als Partei, die Pandemie, dass sie Merz nicht an die Macht gebracht hat, dass sie Merz nicht vernichtet hat, dass sie ewig da war, dass sie nicht weg ist, dass sie weg ist, dass sie nicht wiederkommt. Das kann man irgendwann mal als Sonderausstellung aufziehen. Das große Versprechen an die Sparer in der Krise, Digitalisierung, Arbeitslose, Pflege, die dummen Arschlöcher im Kabinett, die von dummen Arschlöchern ersetzt wurden. Eine Kriecherin, die die Darmschleimhaut der einzelnen Autokonzerne am Geschmack erkannt hat. Sie allein wusste, wir wollen an die Wand, die Wand wusste es, wir wussten es. Und nur sie wusste: wir schaffen das.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXX): Der Gerechte-Welt-Glaube

3 09 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Uga war ein mieser Drecksack. Wie er aus Lust am Übeltun dem Neffen ein Bein stellte, die eigene Tochter für ein paar lausige Buntbeeren im tiefsten Winter aus der Höhle jagte oder seiner Schwägerin vor versammelter Sippe das Dachsfelloberteil an der morschen Knochenklemme öffnete, das blieb noch weit über sein Ableben hinaus Gesprächsstoff am Feuer, wobei eben dieser Hintritt, den ein übel gelauntes Panzernashorn beschleunigte, alle mit dem Leben dieses Taugenichts versöhnte. Er war so gestorben, wie er gelebt hatte: kein schöner Anblick und dennoch unvergesslich. Moralisierend fügte man stets hinzu, dass ausgleichende Gerechtigkeit für dieses spektakuläre Ende verantwortlich sei, in den ersten Generationen eine rein spekulative Art der Metaphysik, in der Folge aber ein fast religiös wirkendes Prinzip. Uga war selbst schuld, wie sonst sollte man an eine gerechte Welt glauben?

Seitdem die Existenz komplizierter wurde, nein: seit wir genug Glibber in der Hirnschale haben, um deren Komplexität zu kapieren, denken wir uns die Grütze bunt. Im Frühstadium der Hominisation gab es ebenso Unfälle und Kümmernis, und mit genug mentaler Rechenleistung reicht schon die emotional aufgeschwiemelte Egowahrnehmung, die sich fragt, warum man selbst vom Blitz getroffen wurde und nicht die Knalltüte da neben einem. Bewältigt der Randomschnösel seine Bruchlandung besser als der subjektiv bessere Pausenclown, der sich bar jeder Schuld sieht und also mehr Recht auf Gutes hat? Das magische Denken ist nicht fern, das Ursache und Wirkung infantil ignoriert und in einfache Form pfropft, damit es auch simpel gestrickte Gemüter glaubensselig schlucken.

Vulgärkapitalistisch lässt sich das Konzept natürlich bestens ausschlachten, wenn man es auf links krempelt: wer mehr materiellen Reichtum zur Verfügung hat, der hat es eben verdient, wer aber arm bleibt, strengt sich nicht genügend an. Die aus dem Calvinismus geronnene Arbeitsethik hat damit nur am Rande zu tun, schließt sie doch Luxus und eitle Zeitvergeudung als törichten Abfall von jenem höheren Wesen aus, das wir alle verehren. Wo nach Glaubensgrundsätzen bedingungslos erwählt wurde, kann ja auch durch Fleiß gar nichts zu verdienen sein, während in der gerechten Welt alle Spielregeln transparent vor uns liegen: wir müssen nur in guter Absicht handeln, dann gibt’s uns irgendeiner im Schlaf des Gerechten. Die Ungeheuer werden nur zufällig geboren und jenseits der Vernunft.

Wo nun das Schicksal, die kleine Schwester der existenziellen Hilflosigkeit, ihre Selbstwirksamkeit in die Tonne tritt, haben wir das Spielfeld bereitet für die Ausschlusskriterien aus dem sozialen Spiel, das nur Gewinner kennt, indem es die möglichen Verlierer aussortiert. Arbeitslos, Krebs, mittellos geboren? Pech, und mit ein bisschen Bösartigkeit macht der spätbourgeoise Machertyp dem anderen auch klar, dass wohl die Vorsehung einen Hänger hatte, wenn eins nicht als Milliardärserbe geboren wurde. Die Abwertung des Unterlegenen ist nur ein kleiner Schritt, die Rechtfertigung seiner sozialen Unterlegenheit ein großer. Dem Opfer die Schuld zu geben hatte schon immer etwas Verlockendes für die glitschigen Geiferer, die sich ihrer Macht nicht sicher waren, und so richtet man sein moralinsauren Maßstäbe daran aus. Vergewaltigt? Dann war wohl der Rock zu kurz. Überfahren? was geht man auch zu Fuß über die Straße. Flüchtling? wir können nicht alles gleichzeitig plattbomben. Die ungerechte Welt wäre bedrohlich, da sie die angeblich gerechte Fügung auf alle verteilen würde, und was würde da die reiche Geburt nützen?

Wir lassen uns von einer Rotte neoliberaler Klötenkönige einreden, die Investition in unsere – also ihre – Zukunft sei nur dann vernünftig, wenn wir an das gute Ende der Mission glauben würden. Jede Wirtschaftskrise, jeder Bankencrash durch die marodierenden Heuschrecken wäre unabänderliche Entwicklung, nicht einmal durch Insiderdeals zu lenken. So wird auch der Wagemut der Anleger zur sinnlosen Tapferkeit verklärt, während sich die Verlierer mit ihrer Bestimmung abfinden müssen. Hämmern wir es ihnen oft genug in die Rübe, so sind sie geneigt, ihr Geschick als gerechte Strafe zu verstehen, auch wenn sie nicht begreifen, wofür sie eigentlich büßen sollen. Zugleich lernen sie, dass die Autoritäten, die sie anerkennen sollen, sicher auch billig zu ihrer Autorität gelangt sind, also keinerlei Schuld tragen – es ist also nicht statthaft, an ihrer moralischen Integrität zu zweifeln, an ihren akademischen Graden, an ihren Steuerzahlungen. Was wie ein hohler Belohnungsaufschub aussieht, nämlich auf die Vergeltung am Ende eines sinnlos langen Lebens zu hoffen, stabilisiert nur die absurd anmutenden Tugendregeln, an die sich kleine Leute zu halten haben, damit ein Gesellschaftsvertrag des transzendenten Gerechtigkeitsempfindens weiter existiert. Kleine Sünden, sagt der Volksmund, werden sofort bestraft, große scheinen dagegen nicht sündhaft zu sein, denn wie sonst sollte man damit durchkommen, ohne seine gerechte Strafe zu erhalten? Es ist schwierig. Wahrscheinlich haben wir es nicht verstanden. Wahrscheinlich haben wir es nicht besser verdient.





Sofortprogramm

2 09 2021

„Es muss aber nachhaltig aussehen.“ „Lassen Sie das mal die Kampagnenleitung machen, wir setzen es um.“ „Kann nicht unser Spitzenkandidat…“ „Laschet!?“ „Wir sind doch froh, wenn der mal nichts tut und die Klappe hält!“

„Also auf jedes Dach eine Solaranlage.“ „Das muss man sich auch erst mal leisten können.“ „Die Chinesen bieten die mittlerweile sehr preiswert an.“ „Weil wir die Solarbranche in die Tonne getreten haben.“ „Unser Landesverband in NRW brauchte halt die Parteispenden.“ „Und der Sohn von Laschet braucht manchmal teure Anwälte.“ „Trotzdem, wir müssen die Planungsverfahren ja verschlanken, wir wollen die Chinesen mitnehmen.“ „Ohne die macht es ja keinen Sinn.“ „Eben.“ „Und wie kann man das der Industrie kommunizieren?“ „Es muss eben nachhaltig aussehen.“ „Und Windkraft?“ „Da sind die Planungsverfahren auch zu lang.“ „Sie haben da nur die Formulare für die Demontage.“ „Sobald das letzte Windrad demontiert ist, bauen wir sofort neue!“ „Logisch, ist ja ein Sofortprogramm.“

„Dieses Riesenpotenzial an Dächern, das die Parteispitze entdeckt hat…“ „Vermutlich war der Kanzlerkandidat mal beim Dachdecker.“ „Wenn es sich um eine Entdeckung gehandelt hat, war’s eher der Wind der Veränderung.“ „Kirchturmpolitik ist auch nicht auszuschließen.“ „… müssen wir für die Umsetzung aller planungsbeschleunigender…“ „Wie, Gender!?“ „Ist doch egal, wir brauchen einen schnellen Erfolg, der auch beim Bürger draußen im Land ankommt.“ „Wie die noch nicht gezahlten Fluthilfen?“ „Das war vor der Wahl.“ „Hallo, wir sind immer noch vor der Wahl!“ „Aber das Dings hier zur Klimaverdingsung, Planung, das ist alles nach der Wahl.“ „Und Klima hatte keiner kommen sehen, so sieht’s doch aus.“ „Wollen Sie jetzt sagen, wir lassen alle Flutopfer auf ihren Schäden sitzen, weil wir nur noch für das Sofortprogramm planen?“ „Es muss schon nachhaltig aussehen.“ „Das ist ja das Problem.“ „Weil die Grünen das nicht können?“ „Doch, aber es ist halt auch ein bisschen schlimm, wenn wir dazu deren Wahlprogramm lesen und dann auch noch umsetzen müssen.“ „Aber wir tun das für Deutschland.“ „Eben, wir machen gute Politik und verhindern gleichzeitig, dass diese sozialistischen Parteien das selbst machen.“

„Kann man nicht zum Ausgleich auch ein paar Punkte aus dem AfD-Programm übernehmen?“ „Wie stellen Sie sich das vor?“ „Naja, wir haben da die eine oder andere Schnittmenge.“ „Personell und im Osten.“ „Das müsste man berücksichtigen.“ „Ich finde, wir könnten ein paar Forderungen für die innerparteiliche Balance schon mitnehmen.“ „So ein paar rechtskonservative Punkte neben ein paar linksradikalen Forderungen sind doch okay.“ „Also bitte, die AfD ist nicht rechtskonservativ.“ „Dafür sind die Grünen ja auch nicht linksradikal.“ „Ich verstehe das mit der Balance trotzdem nicht.“ „Weil wir eigentlich auch nicht christlich sind, und wenn Sie ehrlich sind, demokratisch auch nicht.“

„Wir dürfen jetzt auf gar keinen Fall zu einer Verbotspartei werden.“ „Das mit dem Gendern will ich aber nicht.“ „Das entscheiden ja letztlich auch die Leute.“ „Und wenn wir im Sofortprogramm ein klares Signal für christlich-konservative Werte wie Respekt für…“ „Dann müssten wir auch gendern.“ „Und das Tempolimit?“ „Hängt von den Menschen ab.“ „Notfalls gibt’s Gesetze.“ „Hihi, lustig, wie Sie ‚Verbote‘ aussprechen!“ „Die Solardächer können auch nur die hart arbeitenden Menschen draußen im Land auch nur mit zinslosen Darlehen leisten.“ „Also nehmen wir gar kein Geld in die Hand?“ „Es reicht doch, wenn sich andere verschulden.“ „Und wenn sich dafür die Leute verschulden?“ „Dann sieht’s wenigstens nachhaltig aus.“

„Warum hat Laschet mit dem ganzen Mist nicht schon viel früher angefangen?“ „Da gab es das Wahlprogramm der Grünen noch nicht.“ „Und er war auch nur Ministerpräsident in NRW und musste da eine ganz andere Agenda fahren.“ „Das sehen Sie falsch.“ „Ach ja?“ „Er hätte konkrete Ziele für die Energiewende definieren mssen.“ „Das macht er doch nicht mal jetzt.“ „Dafür sieht es zumindest nachhaltig aus.“ „Genau das ist ja das Problem: es sieht immer nur so aus.“ „Dafür können wir uns sicher sein, im Gegensatz zu seinem Gelächter auf der Gedenkveranstaltung für die Flutopfer bedauert er diesmal nicht nur den Eindruck.“

„Und Sie meinen, das rettet uns den Arsch?“ „Wieso unseren?“ „Geht es nicht nur um Laschet?“ „Und wenn es nicht genug Hausdächer gibt oder Flächen für Windparks?“ „Da müssten wir dann mit ordnungspolitischen Maßnahmen wie…“ „Exakt, Enteignungen.“ „Das müssen wir verhindern!“ „Gut, dass wir darin jede Menge Erfahrung haben.“ „Naja, in Symbolpolitik waren wir bisher auch ganz okay.“ „Aber das reicht nicht aus.“ „Wir können die Menschen draußen im Land doch nicht bei jeder Entscheidung mitnehmen!“ „Eben, dann wären wir ja die Grünen.“ „Und die CDU bräuchte niemand mehr.“ „Wir können Sie so etwas nur sagen!“ „Das darf man nicht mal denken!“ „Nur weil wir heute in dieser Lage sind, ändert man doch nicht seine ganze Politik!“ „Eben, dann würden am Ende noch viel mehr Wähler zu den Grünen abwandern, und wir wären endgültig erledigt.“ „Sieht so aus, ja.“ „Und genau das ist das Problem.“ „Hä?“ „Die CDU ist bald komplett weg vom Fenster, danach sieht’s wohl aus.“ „Aber immerhin nachhaltig.“





Drug Checking

1 09 2021

„… dass der Besitz von sechs Gramm Cannabis künftig nicht mehr als Straftat gewertet werden solle. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sei mit ihrem Vorstoß zunächst auf erheblichen…“

„… und die Diskussion schnell abgeschlossen werden könne, da es sich um Regelungen auf Landesebene handle, bei der Ludwigs Meinung vollkommen irrelevant sei. Die Suchtexperten hätten anlässlich einer internationalen Tagung für eine Freigabe von…“

„… keine logische Fehlleistung in der Annahme sehe, dass die Menge als für den Eigenbedarf bemessen angesehen, aber noch als ordnungswidrig bestraft werde. Die CDU betrachte auch ALG II als verfassungsmäßig garantiertes Existenzminimum, halte aber an der Sanktionierung von 100% für…“

„… drohe ohnehin ein Urteil aus Karlsruhe, das die Strafbarkeit von Cannabisbesitz für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar erkläre. Die Regierung wolle dies nicht umsetzen, sondern wie bei anderen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts eine stufenweise Annäherung an den…“

„… es sich nicht um ein taktisches Manöver im Wahlkampf handeln würde. Ludwig habe bei einem Wahlsieg der Union die Anhebung der Grenze auf sieben Gramm, bei einer absoluten Mehrheit der CDU sogar auf acht bis…“

„… mit einer Aufklärungskampagne an die Jugendlichen herantreten wolle. Die CSU sehe in einem Medienfeldzug, der zu mehr Alkoholkonsum statt Haschisch auffordere, auch eine Stärkung der deutschen Brauereiwirtschaft, der Gastronomie sowie zahlreicher medizinischer Angebote und…“

„… werde die Union damit einen schweren Schlag gegen die Drogenmafia ausführen. Wer sich bis zu sechs Gramm Cannabis kaufen könne, müsse nicht mehr kiloweise Drogen horten, so Ludwig. Es werde damit eine viel entspanntere…“

„… schließe Laschet eine Koalition mit anderen Parteien, die die Entkriminalisierung von Cannabis in ihren Wahl- oder Parteiprogrammen forderten, kategorisch aus. Da eine Zweidrittelmehrheit für die Christdemokraten nicht unmöglich sei, werde er so schnell wie möglich ein Verbot aller Drogen in…“

„… nach Ansicht der CSU nicht zu einer Entlastung von Polizei und Justiz führen dürfe, da so der Eindruck entstehe, dass sich die Kriminalität in Deutschland rückläufig entwickle. Seehofer fürchte, dass viele Überwachungsmaßnahmen unter diesen Umständen überhaupt nicht mehr…“

„… unter dem Namen Drug Checking bekannt machen wolle. Ludwig bietet damit den Jugendlichen die Möglichkeit, im Internet die Wirkung potenziell tödlicher Gifte wie Haschisch oder Marihuana mit harmlosen Stoffen wie Alkohol und Bier zu vergleichen, um sich ein objektives Urteil über die…“

„… den Parteiausschluss gefordert habe. Stoiber fürchte nach der Legalisierung, dass alle Deutschen zur nordafrikanischen Doppelstaatsbürgerschaft und zur Mitgliedschaft im homosexuellen Islamismus gezwungen würden, nur noch gegendert sprechen dürften und ihre eigenen Kinder heiraten müssten. Ludwig sei für die CSU nicht mehr zu…“

„… eine kontrollierte Abgabe von Cannabis nur unter staatlicher Aufsicht vorstellbar sei. Ludwig plädiere dafür, ehemalige Dealer nur noch mit einer offiziellen Lizenz zu beschäftigen und ihnen die Kontrolle der Ausweise ihrer Kunden zu erlauben, um Minderjährige und Vorbestrafte von den…“

„… erst die richtigen ordnungsrechtlichen Mittel geschaffen werden müssten. Wendt lehne es ab, sämtliche Polizisten im Streifendienst mit einer Feinwaage auszustatten, um vor Ort die Festnahme bei einer Menge von nicht einmal…“

„… könne man mit Alkohol sogar Autos betanken, Merz aber sei kein Fahrzeug bekannt, das mit Marihuana fahre. Die Wirtschaft könne dieses Produkt also gar nicht in ihren…“

„… die organisierte Kriminalität eine wichtige Geldquelle verlöre, wenn Cannabis nicht mehr illegal wäre. Neben der AfD seien auch Politiker anderer Parteien davon überzeugt, dass dies ein gravierender Eingriff in die finanzielle Autonomie von Funktionären, Abgeordneten und…“

„… fürchte Ziemiak eine Verrohung der deutschen Kultur. Durch die Hanffreigabe sei es bald möglich, dass Haschspritzen neben harmlosen Likörfläschchen an der Supermarktkasse und an der Tankstelle für alle unschuldigen Kunden im…“

„… als Kompromiss die Promillegrenzen bei Trunkenheitsfahrten anheben wolle. Gerade im Freistaat Bayern biete dies einen starken Anreiz, statt mit einer Hanfzigarette die Teilnahme am Straßenverkehr durch ein traditionell gebrautes…“

„… sich auch nicht von Verfassungsrichtern vorschreiben lasse, wie er Gesetze zu befolgen habe. Laschet sei fest entschlossen, als Kanzler beim ersten Cannabistoten ein vollständiges Verbot von Besitz, Gebrauch und Information über die…“

„… gebe Söder zu bedenken, dass die Politik der Unionsparteien sogar für deren Mitglieder im nüchternen Zustand nicht mehr erträglich sei, weshalb die mengenunabhängige Legalisierung in der aktuellen Lage sehr zur Stabilisierung des…“

„… führe die Toleranz im Gegenteil zu noch mehr Arbeitsbelastung bei der Polizei. Wendt lehne es ab, dass künftig massenhaft Kontrollen wegen Drogenbesitzes durchgeführt würden, bei denen dann keine Straftat festgestellt und somit auch keine gerichtliche…“

„… dass die Bundesregierung Ludwigs Pläne ablehnen werde. Das bisherige Rechtschaos sei in Deutschland Tradition und diene der Stabilität, die auch in der nächsten Legislaturperiode für eine zuverlässige Politik des…“





Patriotische Offensive

31 08 2021

„Sehr schön, und jetzt noch einmal im ganzen Satz: ‚Scholz muss weg!‘ Und gleich nochmal: ‚Scholz muss weg!‘ Das war noch nicht so rund, das muss besser werden, aber das kriegen wir schon hin.

Zu wenig Nachfrage haben wir ja nicht, die Idioten von Pegida sind komplett zu Querdenkern geworden, und wer noch nicht in der geschlossenen Anstalt hockt, ist jetzt bei uns. Das erklärt auch die etwas lange Reaktionszeit, die die an den Tag legen, wenn sie immer noch Merkel weghaben wollen – naja, sind halt Reaktionäre, das muss wohl so.

Laschet wäre denen vermutlich lieber gewesen, da müssen sie sich nicht erst an eine neue Partei gewöhnen, aber der wollte zuletzt offiziell jede regierungskritische Demonstration von der Polizei auflösen lassen. Für die Demonstranten wäre das vermutlich besser gewesen, die hätten wenigstens mal mit Fug und Recht behaupten können, dass wir in einer Art Diktaturvorstufe leben, in der man nicht mehr seine Meinung sagen darf. Das wollten sie die ganze Zeit, jetzt haben sie es herdemonstriert, dann werden sie auch damit zurechtkommen müssen. Leider spricht sich das nicht gut. ‚Laschet‘, das klingt ja schon so, als käme einem im nächsten Moment der ganze Mageninhalt entgegen.

Atemtechnisch könnten Sie das noch etwas offensiver angehen, finden Sie nicht? Das ‚Scholz‘ ist noch nicht deutlich genug, wir wollen ja den Namen betonen, oder? Natürlich, oder wollen Sie bei der nächsten Demo etwa wieder ‚Merkel‘ rufen? Meine Güte, das war ja peinlich neulich in Sachsen, wollen Sie das nach der Wahl auch noch machen, wenn die Kanzlerin nur noch kommissarisch im Amt ist? Die ganze Welt blickt auf Sie, und Ihnen fällt der Name nicht ein! Meine Güte, Sie sind ja echt zu blöd für echten Patriotismus!

Wobei die Leute für Patriotismus gar nicht doof genug sein können, das sichert uns ja den Beruf. Als Populismus-Coach kriegt man nur selten die richtig dicken Aufträge rein, bei denen man einen Nachwuchspolitiker mit rechtslastigen Sprüchen fürs Wahlvieh auf Parteilinie bringen kann. Meist ist der Weg umgekehrt. Deshalb haben wir jetzt die patriotische Offensive des Pegida-Proletariats gestartet, das unter den Querdenkern nicht mehr so beliebt war. Wir haben da eine schwierige Situation, in der wir die nationale Opposition in einen großen internationalen Kontext aus Faschisten und rechten Sektenangehörigen integrieren müssen. Da kann man die nationalsozialistischen Knalltüten nicht als Brüllmüll mitlaufen lassen, die müssen schon auch die demokratiefeindliche Haltung unterstützen und gleichzeitig gegen die eigene Identität beibehalten. Für die meisten wäre der Gang in die geschlossene Abteilung die schmerzfreiere Wahl gewesen.

Sicher können Sie einfach weiter die Ablösung der Bundeskanzlerin fordern, es ist nur die Frage, ob Sie auf legalem Weg ein Kriegsgericht finden, das Ihrer Auffassung folgt, die in den Bundeländern erlassenen Vorschriften zum Tragen von FFP2-Masken seien ein versuchter Völkermord an der deutschen Rasse. Wenn Sie die Klageschrift an den Internationalen Reichsgerichtshof senden und die BRD GmbH verklagen wollen, sehe ich allerdings schwarz. Natürlich ist es auch nicht logisch, die Maskenpflicht als Argument für ein Verbot des Kampfrufs ‚Merkel muss weg‘ anzuführen, da der nicht verboten ist, auch dann nicht, wenn Sie dazu überall verlauten lassen, Sie könnten deshalb Ihre Meinung nicht mehr äußern.

Der Witz daran ist ja, dass sie den Witz nicht verstehen. Meinetwegen können sie auch gegen den Weihnachtsmann demonstrieren, dann kommt eben der Osterhase. Konsenquenterweise sollten sie sich schon mal aufwärmen, damit sie ihre eigenen Leute von der Spitze runterschießen, das wäre eigentlich nur konsequent. Die eine oder andere Partei haben sie schon gegründet, die wird für ihre politischen Führer die eine oder andere Annehmlichkeit von dem Geld besorgen, das sie ihnen aus der Tasche zieht, aber sonst wird nicht viel passieren. Was ihnen nicht in den Kram passt, wird eh als Lügenpresse diffamiert, auch die Bilder von ihrem öffentlichen Geplärr.

Sie wollen sich also weiterhin als patriotischer Widerstand aufführen, aber wenn dann wirklich mal mehr kommt als ein kleines Bußgeld, dann sind Sie im Untergrund und warten auf den Reichskanzler, oder wie soll ich das verstehen? Haben Sie von ganz oben erfahren, dass die nächste Regierung auch nur von den Reptiloiden gesteuert wird und Merkel im Hintergrund weiter die Strippen zieht, wie sie das schon seit 1914 tut? Ich werde Ihnen da nicht unbedingt im Weg stehen, das dürfen Sie gern so behaupten, wenn Ihnen das Spaß macht. Damit haben Sie sicher auch viel Erfolg, ebenso mit Ihrem Markenrechtsschutz für den Club, für Aufkleber und Bustouren und den ganzen Rest. Mir ist das im Prinzip ziemlich egal, und wenn Sie das nächste Mal den Reichstag stürmen wollen, ich habe nichts dagegen. Vielleicht überlegen Sie es sich noch mal. ‚Scholz muss weg!‘ Ist das denn so schwer? Jetzt geben Sie sich mal ein bisschen Mühe, das sollten Sie als Patriot doch hinkriegen, oder haben Sie außer Ihrer Jammerlappentour nichts drauf?

Also mittlerweile ist es mir echt egal. Die haben im Voraus bezahlt, Geld war anscheinend genug vorhanden, und was sie daraus machen, muss mich nicht mehr interessieren. Nur eins werden sie bei ihrem Theater mit Sicherheit früh genug merken: Olaf Scholz ist halt Olaf Scholz.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIX): Fake Work

27 08 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Entwicklung der Arbeitsteilung dürfte nach Expertenmeinung vielschichtige Gründe gehabt haben. Jeden nach seinen Möglichkeiten, jeden nach seinen Bedürfnissen arbeiten zu lassen war eins der auch in jüngerer Zeit bekannten Motive, die am Tierreich angelehnte Kooperation ein nicht zu unterschätzendes, schließlich die Aufteilung in Familien, Sippen und Kasten, bis zur Erkenntnis, dass nicht alle mit derselben Hirnrindenmenge an den Start gehen. Ganze Volkswirtschaften nahmen ihren Ursprung auch in der Tatsache, dass es immer irgendwo eine Knalltüte gibt, die die von fleißigen Kinderhänden gesammelten und auf weiche Stellen untersuchten Buntbeeren noch einmal kontrollieren muss, was der Qualität der Früchte zwar nicht zuträglich ist, aber eine gesellschaftliche Hierarchie im Arbeitsablauf erlebbar macht und für eine zusätzliche Position sorgt, die Verantwortung und Führungsanspruch innehat. Im Kontext der heutigen Konzerne ist dies als mittleres Management bestens bekannt, aus psychologischer Sicht als Fake Work.

Natürlich hat der Arbeitsfetischismus uns alle zwangsbeglückt, damit das kapitalistisch geprägte Luxusleben seine Berechtigung erhält und erhalten kann, bis irgendwann eine Maschine, ein Computer oder ein Kind in einem schmierigen Tümpel am anderen Ende der Welt unseren Job erledigt und uns damit demonstriert, dass wir für den weiteren Lauf der Dinge überflüssig geworden sind. Damit alle an den Segnungen der Vollbeschäftigung teilhaben dürfen, müssen wir leben, um zu arbeiten – der umgekehrte Weg erwies sich als gesünder, ließ aber oft die Börsenkurse nachgeben. Nützlich im Sinne der Arbeitsethik, jener von Luthers Lakaien im Selbsthass zusammengeschwiemelten Theorie der geistlichen Umnachtung auf schriftlicher Grundlage einer traditionellen Wahnvorstellung, in der Hexen fliegen können und Leibeigene an ihrer Herkunft selbst schuld sind, ist nur der, der wenigstens von außen den Anschein erweckt, als sei er tätig, ob nun produktiv oder zerstörerisch, aber letztlich doch in stetiger Aktion beim Verschandeln dieser Welt. Der moderne Mensch hat sich sein Ableben erst dann verdient, wenn er sich vorher kaputt gearbeitet hat, sei es am Fließband, sei es auf stressigen Reisen in brasilianische Laufhäuser, da die Funktionärsstelle eben zweckmäßigeres Tun nicht vorsieht; müßig zu sagen, dass für diese Verrichtung die erweiterte Kenntnis internationalen Strafrechts, ein Studium der Betriebswirtschaft sowie Erfahrung als Erbe einer Bonzendynastie zwingend vorausgesetzt wird.

Aber die Entwicklung bringt es an den Tag, und wir haben bereits genügend Erkenntnisse aus der jüngeren Vergangenheit gewonnen. Noch immer ist ein Großteil der Arbeitsabläufe unkoordiniert und bar jeder Struktur; die Rechnungskontrolle wird durch die Rechnungskontrollkontrolle geprüft, die mehr Zeit und Geld in Anspruch nimmt, als eine Handvoll Zahlendreher je kosteten. Längst hocken wir in endlosen Videokonferenzen und reden wirr aneinander vorbei, nachdem sich kurz und folgenlos der Gedanke eingeschlichen hatte, dass der größte Teil aller Besprechungen aus Buchstabentanzen und sinnlosem Singsang besteht, der, wenn überhaupt, mit einer Mail abgekaspert werden kann. Nun ist in der Überflussgesellschaft Verschwendung eine der Kardinaltugenden, warum also soll nicht auch Zeit aus dem Fenster geschmissen werden? Und so hat genug Personal der auf Wichtigkeit und Wirkung getrimmten Unternehmen die Aufgabe, Arbeiten zu wiederholen, doppelt zu erledigen oder zwischen Baum und Borke auszuführen, damit nach dem Ende der Unterbrechung der erste Teil wieder fröhlich von vorne beginnt.

Die Knechte in der Tretmühle haben in ihrer Sozialisierung trefflich gelernt, mit großem Getöse nichts zu tun, konstant busy auszusehen und gerade noch so viel Zeit zu haben, dass sie überall sagen können, sie hätten überhaupt keine Zeit. Wo der aus naheliegenden Gründen realitätsentwöhnte Chef zweiter Ordnung den Krawall der Kulis bemerkt, wird er den bevorzugen, der unter möglichst großer Lärmentfaltung den subalternen Seppeln Leistung vorturnt, hektische Action bei geistiger Windstille. Ein Schuft, wer nicht schuftet – bis in die delikate Dramaturgie wird exerziert, dass Abteilungsleiter minutenlang Aktenordner bündeln, um dann das Konvolut als Monstranz der eigenen Produktivität über den Büroflur zu wuchten. Ab einer gewissen Konstanz wird der Große Boss den Aspiranten mit auf seine Ebene nehmen und ihm Verantwortung für die Gehilfen übertragen, die rastlos rackern und dabei doch nicht mehr schaffen, als Sand auf einen Haufen zu schippen, der der Schwerkraft folgt.

Wir wissen, dass wir nicht essen sollen, wenn wir nicht zumindest so tun, als würden wir arbeiten; von Freude daran war nie die Rede. Die säkularen Mythen recyceln lediglich religiöse Märchen, der Kapitalismus bastelt sich aus den Relikten der Riten sein neomasochistisches Geschäftsmodell. Der eine sammelt die Beeren, der andere bringt sie nach Hause, der letzte frisst sie auf. Wie unverzichtbar sind wir doch, dass wir alle in diesem Prozess eine Rolle spielen dürfen, und sei auch nur, um andere vor dem Hungertod zu retten.