Blindgänger

28 07 2020

„Sonntags durchgängig, aber Sie müssten dann schon in die regionalen Verlautbarungen schauen, ob in Ihrem Bundesland, Regierungsbezirk oder Landkreis eine Sonderregelung installiert wurde. Kann ja gut sein, Sie jubeln da gerade für so ein paar Krankenschwestern im öffentlichen Dienst, und in Wirklichkeit sollten Sie für unsere deutschen Küchenbauer applaudieren, die dann gar nicht mitgemeint sind. Wie ungerecht wäre das denn?

Also wir organisieren hier nur die erste Ebene der Kommunikation. Was wir nicht abwimmeln können, wird an die zweite Ebene durchgestellt, und dann kommt die dritte. Und ab da ist es dann auch schon egal, das interessiert die Öffentlichkeit sowieso nicht mehr. Die Hauptsache ist doch, dass Sie auf dem Balkon stehen, so Sie denn einen haben in Ihrer Wohnung, sonst müssen Sie halt zu den Nachbarn. Ist ja wieder erlaubt. Würde auch der raschen Durchseuchung Vorschub leisten, aber das nur nebenbei. Also der Balkon. Je öfter Sie klatschen, desto besser. Allerdings muss das alles korrekt organisiert werden, und hier kommen wir ins Spiel.

Wir haben das mal ausgedruckt, das ist nicht so einfach. Als Ablaufdiagramm ist das natürlich ein bisschen übersichtlicher, aber auch nur für die jeweiligen Kommunen, sonst passt das wieder nicht auf eine Seite DIN A3. Also hier sehen Sie zum Beispiel Dienstag, 14:00 Uhr und Mittwoch ab halb vier bis spätestens sechs, aber nicht an Feiertagen oder in den Schulferien, wobei die beweglichen Ferientage gehen da ja noch mal extra, aber das ist schon wieder auf Landesebene koordiniert. Also Dienstag von 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr. Wer? ach so, da muss ich mal nachsehen. Gelb mit Schraffur ist Brummifahrer. Dienstag und Mittwoch, wenn Sie für die Brummifahrer klatschen wollen. Bis zum Mittag können Sie Erzieherinnen und Erzieher mit Ihrer Geräuschentwicklung erfreuen, dann ist Mittagsruhe. Ab zwölf. Das gilt dann aber wieder nicht für Sonntage, weil da keine Mittagsruhe gilt, da müssen die meisten Bürger nicht zur Arbeit, und da sollte auf Empfehlung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auch applaudiert werden. Ist zwar bundeseinheitlich koordiniert, aber einer muss ja sagen, wo es langgeht, nicht wahr?

Verwechseln Sie das nicht mit innerstädtischen Regelungen, die sind dann noch einmal extra. Die kreisfreien Städte beispielsweise können hier aus der geplanten Planung ausbrechen und selbst planen, in Köln beispielweise ist das am Mittwoch für die Autohändler. Da dürfen Sie dann auch bis acht Uhr durchklatschen, aber nicht in den Herbstferien. Da wird das auf Donnerstag verlegt, und am Mittwoch sind die Lehrer dran. Weil die halt zu Hause sind, wir rechnen ja damit, dass in den Herbstferien in der zweiten Welle eh keiner mehr verreist.

Das Problem ist, hier melden sich alle paar Tage Blindgänger. Die verwechseln uns immer mit einer Beschwerdestelle, weil das anscheinend so ist in Deutschland: wenn einer für die Planung zuständig ist, erwartet man auch immer gleich, dass er dafür sorgt, dass der ganze Kram auch klappt. Also ich bin seit dreißig Jahren hier, das wüsste ich dann. Wie gesagt, Blindgänger – neulich hatten wir hier einen Intensivpfleger, der hat sich beschwert wegen der Schokolade. Wir haben es extra so eingerichtet, dass Spahn die nicht selbst übergibt, aber manche müssen anscheinend immer ein Haar in der Suppe finden. Ich möchte es mal so ausdrücken: in der Position sollte man vielleicht dankbarer sein, dass man sich bei überschaubarem Gehalt ausgewogen ernähren kann. Schokolade zählt jedenfalls nicht zu den Lebensmitteln, die man übermäßig zuführen sollte. Aber was verlangt man schon von einem Intensivpfleger.

Montags ab halb zehn können Sie hier, das ist der grüne Bereich mit Sternchen, das ist für den Einzelhandel. Die sind ja immer froh, wenn sie die Kunden zufrieden stellen können, deshalb reicht bei denen überschaubarer Applaus, ab und zu mal ein Pfandbon zum Selbsteinlösen, das wär’s dann aber auch. Nein, ich sehe gerade, das Sternchen ist erst ab 10:00 Uhr. Ist auch irgendwie logisch, so viel muss man da auch nicht klatschen. Das soll ein sehr begehrter Beruf sein, teilweise sind die Leute schon zufrieden, wenn sie da geringfügig beschäftigt sein dürfen. Da muss man der intrinsischen Motivation auch mal ihren Lauf lassen, sonst verwandelt sich das in eine Art emotionales Grundeinkommen. Wenn Sie jeden Tag gelobt werden, dass Sie noch zur Arbeit erscheinen, dann verliert das irgendwann seinen Reiz und Sie kündigen innerlich. Für den Arbeitsmarkt kann das negative Folgen haben, aber die Konsequenzen für die Rendite sind noch viel schlimmer. Das kann doch keiner wollen.

Wir haben hier noch jede Menge Berufe, mit denen Sie sich auseinandersetzen können, immer dann, wenn Sie mal ’ne Ecke Zeit haben, alles gut lesbar aufgelistet. Teilweise haben wir regionale Unterschiede, hier sehen Sie zum Beispiel die Zellstoffindustrie – einer muss das Toilettenpapier ja herstellen, das Sie da so fleißig wegbunkern. Da können Sie freitags gerne klatschen, das ist hellblau mit Schraffur, oder ist das mit Seitenbalken? Naja, Sie können sich das selbst mal abgucken, ich muss mich jetzt wieder um die Koordination der einzelnen Berufsgruppen in den Zulieferbetrieben der Automobilindustrie kümmern. Das macht sich ja nicht von alleine. Wie jetzt, Krankenschwestern? und auch noch im öffentlichen Dienst? Wieso soll man denn da klatschen? Haben die sich ihren Job nicht selbst ausgesucht?“





Seuchenpass

4 05 2020

„… setze die Wissenschaft natürlich auf eine rasche Eindämmung der Infektionen. Um die Wirtschaft leistungsfähig zu erhalten, werde die Gesundheit der Bevölkerung zunächst auf freiwilliger Basis…“

„… werde die Immunitätsbescheinigung von den Gesundheitsämtern ausgestellt, allerdings nur dann, wenn vorher eine eindeutige Diagnose einer COVID-19-Erkrankung vorliege. Um immer ausreichend Testkapazitäten für Fußballspieler vorrätig zu halten, habe man sich entschlossen, nur in wenigen…“

„… könne die Polizei mit den amtlichen Schreiben oft nichts anfangen, außerdem müssten diese auch ständig mitgeführt werden und seien bei Verlust oder Beschädigung nur schwer zu ersetzen. Die bundesweite Vereinheitlichung eines Passes könne dagegen die…“

„… sich Impfgegner gegen die Maßnahme beschwert hätten. Ein Antikörpertest bedeute einen schweren Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und dürfe daher nicht mit dem von Merkel auf linksjüdischen Befehl installierten Grundgesetz…“

„… sehe Laschet in flächendeckenden Tests eine Möglichkeit, sofort zum Normalbetrieb zurückzukehren. Bei einer halben Million Tests pro Woche könne sich die Aktion zwar zeitlich noch etwas ausdehnen, wichtiger sei aber, dass die Küchenbauer in…“

„… nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werde. Es liege nicht in deren Interesse, eine gesunde Bevölkerung oder das Ende der Pandemie in Deutschland zu…“

„… könne sich Söder andererseits vorstellen, die Infizierten im Freistaat Bayern in Lagern zu sammeln, um die Bevölkerung nicht unnötig zu…“

„… gebe es noch keinen Beweis dafür, dass die einmalige Infektion mit COVID-19 eine dauernde Immunität hervorrufe. Wenn es sich dadurch nicht vermeiden lasse, dass die Zertifikate eine Gültigkeit von maximal zwei Wochen besäßen, könne eine Vollausstattung mit dem offiziellen Seuchenpass noch bis zum…“

„… werte Lindner dies nicht als Hindernis. Er gehe davon aus, dass deutsche Forscher früher oder später eine immunisierende App entwickeln würden und fordere bis dahin, dass alle Vorerkrankten in Pflege und Einzelhandel sich auch bei sinkenden Gehältern weiter in den.…“

„… nach dem Prinzip des Immunitätsweitergabe vorgehen wolle. Werde eine Person negativ auf COVID-19 getestet, könne man dadurch alle, die mit dieser Person in Kontakt gekommen seien und keine Symptome gezeigt hätten, automatisch und ohne kostspieliges Testverfahren ebenso als…“

„… Privilegien mit dem Test verbunden seien. Andererseits würden Arbeitgeber negativ getestete Angestellte inzwischen auch gegen deren Willen auf Geschäftsreisen nach Italien oder in die USA schicken, da sie durch ihre erwiesene…“

„… zu ersten Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Der 1. FC Köln bedauere sehr, wenn das Ergebnis der aktuellen Tests dazu geführt habe, dass die Mannschaft mit vier erkrankten Spielern aufgelaufen sei. Man habe aber seitens des Vereins zu keiner Zeit Druck auf das Team ausgeübt, es müsse sich um eine Verwechslung der…“

„… müsste es sich statistisch bei jedem zehnten Test um einen sogenannten False Positive handeln, der in Wirklichkeit keine Infektion hat. Lindner habe von dem Begriff noch nie etwas gehört, wisse aber ganz genau, dass ihn sich die Virologen auf Befehl der Bundeskanzlerin ausgedacht hätten, um die Wirtschaft im Auftrag ausländischer…“

„… als digitales Zertifikat ausgestellt werden könne, das nach Ablauf nur noch verlängert werden müsse. Die Bundesregierung habe dies begrüßt, wolle aber im Gegenzug die Daten aller nicht negativ getesteten Personen an die Polizei melden, um sich zum Selbstschutz bei einem Einsatz gegen die…“

„… einen Test pro Monat durchlaufen müsse. Die meisten Bürger seien allerdings inzwischen bereit, den Preis von bis zu hundert Euro selbst zu bezahlen, wenn ihnen dafür das Tragen einer Maske und das Einhalten des Sicherheitsabstandes im öffentlichen Raum erspart bleibe. Die SPD betone in diesem Zusammenhang nochmals, dass man vom Bürger eine Eigenverantwortung erwarte, die im…“

„… nicht hinnehmbar sei, dass Wissenschaftler Tests ausführten, deren Ergebnis nicht so wie vorher geplant ausfallen würden. Um die Fehler durch False Positives einzudämmen, habe Laschet befohlen, alle Infizierten trotzdem mit einer Immunitätsbescheinigung auszustatten, da sonst die Autohäuser in…“

„… dass Erwerbslose ohnehin als parasitäre Elemente betrachtet werden müssten, denen man durch Quarantäne erworbene Krankheitslosigkeit nicht abnehmen dürfe. Kemmerich werde sich um die Errichtung eines Seuchenlagers kümmern, in dem die Volksschädlinge zur Sicherung der Rasse interniert und in absolutester…“

„… gefälschte Immunitätsbescheinigungen in Nordrhein-Westfalen gefunden worden seien. Da nicht bekannt sei, wie viele dieser Pässe bereits im Umlauf seien, gehe Laschet von einer sehr geringen Zahl aus, da das Gegenteil nicht bewiesen werden könne. Dies sei notwendig, um Pflegekräfte im…“

„… vielfach freigegeben worden sei, ohne dass es überhaupt einen Test habe geben können, da die Kapazitäten bereits durch Selbstzahler und die Fußball-Bundesliga erschöpft seien. Auf der anderen Seite sei nun vorerst der Betrieb der Regelschulen gesichert, falls nicht plötzlich eine…“





Liquidatoren

13 04 2020

„Klatschen reicht doch?“ „Eben, das sind nicht mal Ärzte.“ „Und keine von denen wählt uns.“ „Wieso nicht?“ „Seit wann sind denn Krankenschwestern Beamte?“

„Jedenfalls müssen wir jetzt etwas gegen das Personal…“ „Sie haben die Vorlage nicht gelesen.“ „Wieso, hier steht doch…“ „Personalmangel. Wir sollen etwas gegen den Personalmangel tun.“ „Ist das nicht der Job vom Gesundheitsminister?“ „Wir sind für Arbeit zuständig.“ „Und für Soziales.“ „In dieser Angelegenheit nur für Arbeit.“ „Das trifft sich gut, Soziales kann der Heil ja erst recht nicht.“

„Wir können nicht warten, bis Spahn Pfleger aus Ostasien geholt hat.“ „Außerdem kriegt man die momentan eh nicht über die Grenze.“ „Weil die aus Asien kommen?“ „Ich glaube, Spargel geht erst mal vor.“ „Ach so.“ „Ausbilden ist ja auch nichts.“ „Das dauert ewig.“ „Die Krise aber möglicherweise auch.“ „Und dann ist Corona irgendwann plötzlich vorbei, und wir wissen nicht, was wir mit dem ganzen Pflegepersonal anfangen sollen.“ „Die beantragen dann doch bloß Sozialleistungen.“ „Das kommt uns teuer zu stehen!“ „Sie sehen, das ist der vollkommen falsche Ansatz.“ „Allerdings!“ „Also woher nehmen und nicht stehlen?“ „Wie es die Vorlage vorsieht: längere Arbeitszeiten.“

„Und das hilft jetzt gegen höhere Ausfallquoten wegen der Infektionen?“ „Weil wir dann ja auch proportional mehr Schutzvorrichtungen haben.“ „Wieso mehr Schutz, ich dachte…“ „Proportional, meine ich. Normalerweise muss so ein Mundschutz acht Stunden halten.“ „Vorgesehen war er aber für zwei Stunden.“ „Und dann auch nur, wenn keine neuen Patienten kommen.“ „Wir haben aber keinen neuen.“ „Spahn hatte aber doch welchen bestellt?“ „Darum gibt es ja auch keinen.“ „Verstehe.“ „Und jetzt verlängern wir die Schicht auf zwölf Stunden, dann haben wir proportional mehr Arbeitszeit.“ „Das ist ja deshalb schon betriebswirtschaftlich ratsam, weil die Pfleger dann nicht mehr so oft putzen müssen.“ „Wieso das denn nicht?“ „Bisher haben wir die Pfleger einmal nach der Schicht die Station säubern lassen.“ „Macht das nicht das Reinigungspersonal?“ „Dafür gibt man doch heute kein Geld mehr aus.“ „Und so ein Pfleger kennt die Ecken.“ „Wenn schon putzen, dann doch bitte auch kompetent.“ „Wir reden hier von einer Klinik und nicht von einem Ministerbüro!“ „Ja, ich habe es kapiert!“ „Und das geht ja jetzt alles nicht mehr so von der Arbeitszeit ab.“ „Das heißt aber auch, es wird ein Drittel der Raumpflege nicht mehr…“ „Ja, wir sparen ein Drittel ein.“ „Wir werden ja sehen, ob wir dann auch ein Drittel mehr Tote haben.“ „Und wenn nicht, können wir das den Aktionären als Sparmaßnahme verkaufen.“ „Mehr Netto vom Brutto!“ „Super!“

„Gut, das heißt jetzt allerdings auch, dass wir mehr Infektionen beim Pflegepersonal riskieren.“ „Es wurde doch gerade gesagt, die Sterblichkeit sei geringer als angenommen?“ „Außerdem muss auch nicht jeder gleich tot umfallen.“ „Aber dann haben wir wieder mehr Ausfallquoten.“ „Wenn wir gerade die Arbeitnehmerrechte etwas updaten, wir könnten auch gleich für mehr offene Stellen in der Branche sorgen.“ „Das ist attraktiv für Neueinsteiger.“ „Und es werden mehr eingestellt.“ „Wie das denn?“ „Die Lockerung des Kündigungsschutzes ist nun mal ein hervorragendes Instrument für Arbeitgeber, neue Jobs zu schaffen.“ „Sehr richtig!“ „Wer würde denn die vielen neuen Pfleger in der Krise einstellen, wenn er sie nicht hinterher sofort wieder vor die Tür setzen könnte?“ „Man muss ja auch langfristig denken.“ „Und Personalkosten sind schließlich der entscheidende Faktor für eine vernünftige Rendite im Gesundheitssektor.“

„Wobei auch die geringere Ruhezeit eine sehr schädliche Wirkung auf das Immunsystem ausübt.“ „Also wieder mehr Infektionen.“ „Das ist gut, da es die Empathie mit den Erkrankten fördert.“ „Ich sehe da gewisse Synergieeffekte.“ „Aber es bleibt letztlich die Frage, ob eine verlängerte Schicht nicht zu mehr Fehlern in der Behandlung führt.“ „Das hatte ich auch schon erwogen.“ „Bitte!?“ „Je mehr Patienten versterben, desto schneller werden die beatmeten Plätze auf der Intensivstation wieder frei.“ „Das bedeutet mehr freie Betten.“ „Also alles, was der Gesundheitsminister wollte.“ „Und nicht wusste, wie er das nach dem Bettenabbau wieder auf die Reihe kriegen soll.“ „Und natürlich durch mehr Patienten mehr Fallpauschalen.“ „Also mehr Geld für die Aktionäre.“ „Hervorragend!“ „Damit dürfte unsere Wiederwahl gesichert sein!“ „So weit würde ich noch nicht gehen.“ „Aber auf jeden Fall die Rendite.“ „Da dürften Sie eher recht haben.“

„Das heißt virologisch, dass wir damit auch früher den gewünschten Durchseuchungsgrad für die Herdenimmunität erreicht haben.“ „Ja, das ist ein angenehmer Nebeneffekt.“ „Und wir haben die größten Schwierigkeiten auf dem Arbeits- und auf dem Wohnungsmarkt behoben.“ „Sehr gut!“ „Da wäre jetzt allerdings noch das Problem, dass sich die Pfleger krankschreiben lassen, wenn sie krank sind.“ „Daher der gelockerte Kündigungsschutz als flankierende Maßnahme.“ „Damit die Pfleger…“ „… nicht versehentlich Patienten anstecken.“ „Aber dann bräuchten wir ihnen doch nicht zu kündigen?“ „Es geht um die Fahrlässigkeit.“ „Wenn das mit Absicht okay ist, dann sind wir ja wieder in der Gewinnzone.“ „Großartig!“ „Ich hoffe, dass das Pflegepersonal das auch mitmacht.“ „Aber sicher.“ „Als Helden der Krise!“ „Die werden sich darum reißen, für das Volk da zu sein.“ „Bis zuletzt!“ „Na, etwas gruselig hört sich das ja schon an. Fast so wie die Liquidatoren, die man damals in Tschernobyl in die verstrahlte Scheiße geschickt hat, damit sie die Gefahr beseitigen und dann dabei draufgehen.“ „Das ist die richtige Einstellung!“ „Hurra!“ „Ich wusste es, die brauchen wir!“ „Ja, für später.“ „Wie meinen Sie das denn?“ „Die können doch mit der SPD gleich weitermachen, oder?“





Medizinberufepfuschbeendigungsgesetz

26 03 2020

„… das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik vollständig zu reformieren sei. Mit diesem Gesetz werde Merkel auch ohne die Einflussnahme der Ministerien eine Neuordnung der…“

„… nicht zur Rechtsordnung passe. Sämtliche Heilpraktikerverbände hätten darauf hingewiesen, dass nicht einmal die Nationalsozialisten ihren Berufsstand eingeschränkt habe, so dass man im historischen Vergleich durchaus zu der Annahme gelangen könne, die Kanzlerin sei schlimmer als…“

„… sich die Ärztekammer offen gezeigt habe für die Vorschläge der Kommission. Der Entzug von Doktorgrad, Approbation und Kassenzulassung bei der öffentlichen Verbreitung wissenschaftlich nicht haltbarer Einzelmeinungen sei ein wichtiges Instrument in der…“

„… auch weiterhin verkauft werden dürften. Es sei jedoch geregelt, dass Globuli künftig nur noch als Süßwaren beworben würden und nicht mehr in Apotheken, sondern nur noch im…“

„… das Medizinberufepfuschbeendigungsgesetz auch den betriebswirtschaftlichen Teil betreffe, der oft vorsätzlich zum Nachteil von Patienten und Öffentlichkeit handele. Damit seien medizinisch nicht indizierte Operationen sowie zahlreiche kontraproduktive Leistungen des…“

„… wolle man die Kassenzulassung für alle Ärztinnen und Ärzte aufheben, die neben ihrer wissenschaftsbasierten Medizin auch Homöopathie oder andere religionsähnliche Methoden der…“

„… dürften keinen Ausgleich für entgangene Einnahmen beanspruchen. Kernspintomografie sei in zahlreichen Fällen gerechtfertigt, könne aber bei grippalem Infekt, Spreizfuß, Karpaltunnelsyndrom oder Verfolgungswahn keine diagnostischen…“

„… gehöre zur Steigerung von Qualität und Zuverlässigkeit des Gesundheitssystems auch die positive Anpassung der Gehälter für Medizin- und Pflegeberufe. Eine Verstaatlichung wolle die Bundesregierung nur dann nicht durchsetzen, wenn die Bezüge auch in der Wirtschaft unverzüglich und um mindestens…“

„… mit Morddrohungen umgehen könne. Auch vor dem Beschluss, die Beitragsobergrenzen für die private Krankenversicherung zu streichen, habe die Bundeskanzlerin sich mit täglichen Anfeindungen und Gewaltankündigungen seitens ihrer…“

„… dürften die Kassen in Zukunft nicht mehr unter dem Deckmantel des Datenschutzes die Kosten für die erbrachten Leistungen vor den Patienten verbergen. Es sei vielmehr notwendig, die realistische Einschätzung der Verdienste von Kliniken zu…“

„… selbst mitgeteilt habe. Merkel habe vollstes Vertrauen in den Gesundheitsminister, deshalb sei es ihr ein Anliegen gewesen, persönlich die Abschaffung der privaten Krankenversicherung im Fernsehen zu erläutern, damit sich die Versicherten in Deutschland mit einem kompetenten und…“

„… dass Seh- und Hörhilfen wieder von der Krankenversicherung erstattet würden. Kritiker hätten bemängelt, dass dann noch mehr Deutsche die Äußerungen von Politikern wahrnehmen und sich mit ihnen inhaltlich auseinandersetzen könnten, was mittelfristig zu einer ganz anderen Form in der…“

„… die Schließung eines Klinikums nur noch mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren betrieben werden dürfe, wenn gleichzeitig geklärt sei, wo die Patienten nach dem Wegfall des…“

„… dass die Tochter der Merkel-Freundin Mohn als Leiterin des gesundheitspolitischen Bereichs der Bertelsmann-Stiftung und zugleich Aktionärin und Aufsichtsrätin der privaten Rhön-Kliniken vorerst keine Enteignung des Medienkonzerns zu erwarten habe. Abgesehen von einer langjährigen Haftstrafe wegen Hinterziehung von Kapitalertrags- sowie Erbschaftssteuer würden lediglich die gesamten Krankenhäuser in volkseigene…“

„… dem Landärztemangel nicht mit einer weiteren Einschränkung der Infrastruktur außerhalb der städtischen Ballungsräume begegnen werde. Die Problematik könne unter anderem durch eine Öffnung des Medizinstudiums für die…“

„… seien Termine in Facharztpraxen ohne Nennung des Versicherungsstatus zu vergeben, so dass gesetzlich Versicherten dadurch kein Nachteil entstehe. Spahn habe sich daher erstmals in den unbefristeten Hungerstreik begeben. Er befinde sich nicht unter ärztlicher Aufsicht, da sich keiner gemeldet habe, um neben seinen täglichen…“

„… in einem Animationsfilm von einer singenden Klobürste verkündet werde. Das mit der Industrie vereinbarte Investitionsvolumen zur schnellen Digitalisierung könne die Telemedizin innerhalb weniger Jahre zur Entlastung für Praxen und Patienten machen. Die Bundeskanzlerin habe beschlossen, dass die Figur Scheuer den Sachverhalt erheblich besser zu kommunizieren verstehe als der…“

„… müsse die Politik den Leistungskatalog an den demografischen Wandel anpassen. Dies erfordere unter anderem, in der stationären Pflege nicht mehr massenhaft ungelernte Kräfte einsetzen zu wollen, wenn geistig eingeschränkten Politikern während einer Wahlkampfveranstaltung gerade nichts Dümmeres durch den…“

„… sich zu einer Neubesetzung vieler Posten im Bundeskabinett entschlossen habe. Merkel wolle dies insbesondere dadurch zum Ausdruck bringen, dass die Ministerinnen und Minister lediglich eine Teilnehmerurkunde für ihren…“





Arztromane

26 02 2020

Siebels sackte kurz nach vorne, fing sich aber und saß dann wieder kerzengerade auf dem Holzbrett, das als Bank an die Stationswand genagelt worden war. „Echtzeit“, murmelte er. „Aber das Konzept ist nun mal gut, und wir ziehen das jetzt auch durch. Gnadenlos.“

Schwester Petra schob den Wagen in Richtung Westflur. Das Kamerateam zog mit, schon mehr aus Gewohnheit als in wirklichem Interesse mit der Tätigkeit der stellvertretenden Stationsleiterin. Ich blickte in meinen Plastikbecher. Dieser lauwarme Automatenkaffee, von dem der große TV-Producer locker einen Liter pro Nacht in sich hineinschütten konnte, wurde und wurde nicht weniger. Aus einem mir nicht erklärlichen Grund kühlte sich das Zeug auch nicht ab. Vielleicht waren wir hier in einem Bereich, in dem die Entropie ausgeschaltet war oder wo die Relativitätstheorie keine Gültigkeit hatte. Ich wusste es nicht und wollte es gar nicht wissen. Ich wollte nur endlich begreifen, warum ich damals zugesagt hatte, mit Siebels beim Dreh einer seiner Serien zuzusehen. „Krankenhaus“, hatte er gesagt. „Wir machen etwas total Neues. Revolutionär auf dem deutschen Fernsehmarkt. Sie werden es nicht für möglich gehalten haben.“

Im Glaskasten gegenüber sah man den Pfleger akribisch Medikamente in eine Liste eintragen. „Das würde natürlich viel schneller gehen, wenn man es nicht handschriftlich erledigen müsste, aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift.“ Ich hatte ihm die Tüte mit den Pfefferminzbonbons rübergeschoben, er hatte zufällig den Aktendeckel offen gelassen. „Wenn es der Versuch sein sollte, jemanden an der Schrift zu erkennen, ab drei Zeilen sind Sie ohne jede Chance.“ Zimmer 602 bekam heute jedenfalls eine Thrombosespritze. Bisher war Siebels für die zwölf Staffeln von Klinik in der Südsee und die großen Weihnachts-Specials mit Rudolf Bumsbäumer als Professor Paul Schneckenschmidt in der Kardiologen-Serie Doktor der Herzen verantwortlich gewesen. Dreh stets in den Weihnachtstagen, tropische Kulisse, Luxus und Alkohol inklusive, der geübte Nichttrinker hatte mit den Stars und Sternchen leichtes Spiel. Jetzt also dies. „Achtung“, zischte der Maestro unvermittelt. „Oberarzt auf sechs Uhr!“

Doktor Wilcke sah man die Doppelschicht auch schon auf mehrere Meter an. „Es ist momentan bei uns recht ruhig“, sagte er mit glasigen Augen. „Wir hatten gestern einen Herzstillstand und zwei nicht so richtig erfolgreich verlaufene Thoraxeingriffe, Schwester Olga desinfiziert gerade die Zimmer, und jetzt kam noch eine verpfuschte Schönheits-OP dazwischen. Rückflug aus Bulgarien. Geplatzte Silikonhupen.“ Der Mikrofonmann verzog keine Miene. Doktor Wilcke schloss kurz die Augen. „Es muss ja irgendwie weitergehen, nicht wahr?“

„Gut, haben wir“, murmelte der Kameramann. Siebels nickte. War das etwa ein Anflug von Kichern in seinem Gesicht? „Immerhin“, sagte er maliziös, „immerhin müssen wir uns hier nicht an ein Drehbuch halten.“ Schwester Petra ging auf quietschenden Gummisohlen wieder in den Ostflur zurück. Plötzlich zerriss ein schriller Pfiff in der Glaskanzel die schläfrige Stille. „622“, rief der Pfleger. Wie elektrisiert rannten die Schwester und der Oberarzt zu dem roten Blinklicht am Ende des Korridors. „Lungenentzündung“, erklärte der Pfleger. „Wenigstens war das gestern der letzte differentialdiagnostische Sachstand, wenn ich das entziffern kann, was der Kollege notiert hat.“

Ich hatte den restlichen Kaffee heimlich in den Kübel mit den plastiniert aussehenden Ficusästen entsorgt und suchte nun irgendeine Möglichkeit, auch den Plastikbecher in ein nicht für Bio- oder Krankenhausmüll reserviertes Depot zu schmeißen. „Die Dokumentation ist schon wichtig“, erklärte der Pfleger. „Wir haben nur nie Gewissheit, dass sie auch irgendeiner liest. Stellen Sie sich vor, es käme zu Unregelmäßigkeiten. Der Pneumothorax aus 614 ist letal. Ein Beinbruch überlebt die Nachtschicht nicht. Doktor Wilcke zeichnet den ganzen Scheiß ab, weil er ins Bett muss.“ Mich fröstelte. „Es ist wie Überwachungskameras. Das spart jede Menge Polizistengehälter, verspricht aber nur die schnelle Aufklärung von Verbrechen, die man vorher hätte verhindern können – und auch das ist Selbstbetrug, denn wer gibt hinterher schon durch Ermittlungen zu, dass er vorher jahrelang und aus Gier versagt hat.“ Siebels nickte. „Das ist der Punkt.“ Er zog ein Streichholz aus der Manteltasche und schob es sich zwischen die Zähne. „Genau deshalb stopfen wir den Leuten mit schmalzig verfilmten Arztromanen die Augen zu, damit sie nicht nachdenken über das Gesundheitssystem, in dem Ärzte und Pfleger auf Verschleiß gefahren werden.“ Der Kameramann schwenkte zu Schwester Petra. „Hypovolämischer Schock“, sagte sie knapp. „Herr Doktor Wilcke ist noch an der Dokumentation, bitte warten Sie mit dem nächsten Notfall noch eine Viertelstunde.“

Meine Zunge fühle sich trocken an. Der Pfleger schrieb Nachrichten mit der Kollegin aus der Säuglingsstation. Der Tontechniker schien sich mit einer spontanen Depression anzufreunden. Doktor Wilcke ließ eine Packung filterlose Zigaretten in die Kitteltasche gleiten und nickte in die Runde. „Ja“, grummelte Siebels, „gut. Gut, gut.“ Ich fühlte nach Kleingeld in meiner Hosentasche, als er sich plötzlich zu mir wandte. „Wenn Sie in den nächsten drei Tagen nichts vorhaben, wir drehen in der Mordkommission.“





Multifunktionaler Zugriff

5 11 2019

„… dass sämtliche Gesundheitsdaten künftig an Drittnutzer weitergegeben würden. Spahn erhoffe sich von einer Nutzung durch andere Interessenten eine Transparenz, die zum Wohl der gesamten…“

„… das Ministerium die Entscheidung damit verteidigt habe, dass die pharmazeutische Industrie genauere Daten über den Bedarf an Medikamenten brauche, da sie bisher nur durch Bestellungen und Umsätze ihren…“

„… in pseudonymisierter Form vorlägen. Es müsse eine Rechenleistung aufgewendet werden, die nur 300.000 Versicherte pro Sekunde wieder entschlüsseln könne, was für die Käufer der Daten in manchen Fällen gar nicht…“

„… verstehe Spahn die Aufregung nicht. Da die Bürger sich per E-Mail und in den sozialen Medien viel häufiger über gesundheitliche Beschwerden unterhielten, was er aus dienstlichen Unterredungen mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz wissen, könne man nicht den…“

„… die Daten zwar verkauft würden, die Versicherten daraus allerdings nicht zwangsläufig einen Anspruch auf finanzielle Erstattung ableiten könnten, da es kein rechtlich einwandfreies…“

„… die gesetzlichen Krankenversicherungen im Verkauf der Daten keinen Bruch der europäischen Datenschutzgrundverordnung sehen würden, da es sich nur um eine nationale Sammlung von…“

„… dass das deutsche Gesundheitssystem mehr Planungssicherheit brauche. Die Datenhändler seien technisch wesentlich besser ausgestattet als die nationalen Behörden und könnten daher wesentlich bessere Analysen mit dem…“

„… brauche Spahn keine Zustimmung der Versicherten zur Datenweitergabe. Die Bürger seien im Regelfall nicht freiwillig erkrankt und müssten daher sämtliche Leistungen der Krankenkasse ohne eigenes…“

„… die Forschungsabteilung der Konzerne beruhigen könne. Sollte zum Beispiel der Verlauf einer medikamentösen Therapie nicht klar aus einem Datensatz abzuleiten sei, so helfe das Ministerium natürlich schnell und unbürokratisch mit dem Entschlüsseln der…“

„… habe Spahn den Vorwurf eines Betruges empört zurückgewiesen. Das geplante Vorhaben heiße absichtlich Digitale-Versorgungs-Gesetz, da es die Versorgung der Wirtschaft mit Daten für eine möglichst…“

„… nochmals auf die Transparenz der Daten hingewiesen hätten. Die Krankenkassen würden jeweils am Ende einer mehrjährigen Periode den Versicherten mitteilen, an welche Unternehmen ihre Datensätze verkauft worden seien. Es werde jedoch nicht übermittelt, welcher Gewinn mit den Daten erzielt worden sei, da dies mit der DS-GVO nicht in Einklang zu…“

„… festgeschrieben sei, dass die Daten nur zu Forschungszwecken verwendet werden dürften. Die schließe für das Gesundheitsministerium nicht aus, dass beispielsweise geforscht werde, ob sich bei einer bestimmten Diagnose der Verkauf einer Versicherung oder eines Mobilfunktarifs noch…“

„… sichere der Datenbestand die deutsche Wirtschaft auch generationsübergreifend. So könne man anhand von psychischen Erkrankungen oder Tumorleiden in der Verwandtschaft schon heute die berufliche Zukunft von Kindern sehr viel genauer steuern und durch Verzicht auf unnötige…“

„… und je nach Morbiditätsmuster bessere Berechnungen anstellen könne, welche Leistungen noch sinnvoll seien. Dies könne im Einzelfall zu einer Verkürzung schwerer Leiden beitragen, die Spahn als Christdemokrat ausdrücklich…“

„… dass eine Löschung der Daten nicht vorgesehen sei. Dies sei zwar rechtlich zwingend notwendig, man verleite dadurch aber den Bürger, von seinem Recht Gebrauch zu machen, was sich abschreckend auf die Kunden des…“

„… die Erfassungssoftware weitaus weniger kostspielig als veranschlagt gewesen sei. Die mit der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs beauftragte Kanzlei habe einen Kontakt nach China genutzt, um ein bereits erprobtes Datenbankprodukt an den europäischen Markt anzupassen und durch diverse Schnittstellen für den multifunktionalen Zugriff in eine viel bessere und…“

„… die Zusammenführung von Gesundheits- und Sozialdaten mit anderen Quellen zunächst noch nicht geplant sei. Laut Ministeriumssprecher habe Spahn bisher erst von einem Ressort keine Ahnung und werde dieses Projekt im Laufe der nächsten…“

„… der Bundesdatenschutzbeauftragte nicht mit dem Gesetz befasst worden sei. Das Ministerium habe ihn nicht informiert, da die Industrievertreter bereits in ausreichendem Maße ihre Zufriedenheit mit dem…“

„… die Empfehlung ausgesprochen habe, nur verschlüsselte Datensätze zu speichern. Spahn wolle sich gleich im kommenden Jahr ein Fachbuch besorgen, um auf der geplanten Anhörung mitreden zu können über die…“

„… nur für gesetzlich Versicherte gelte. Die Einführung eines zwar teureren, aber dafür nicht betroffnen Basistarifs mit Abhörschutz in einer Privatversicherung könne beispielsweise durch den Verkauf einer Eigentumswohnung, durch die Verpfändung aktueller und zukünftiger Gehälter, den Verkauf von Organen oder eine problemlose…“





Qualifizierte schamanische Aufsicht

23 09 2019

„… als Kassenleistung einführen werde. Spahn sei von der Erklärung des Allgemeinen Deutschen Heilpraktikerverbandes überzeugt, dass auch schamanische Rituale künftig den Patienten eine…“

„… strikt ablehne. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung könne keine qualifizierte medizinische Behandlung durch Heiltänze, Handauflegen oder die…“

„… der Freie Verband Deutscher Heilpraktiker eine Sondergenehmigung für Heiltrommler und Trommelheiler beantrage. Das Bundesministerium habe die Beschlussvorlage zur Vereinfachung vom Interessenverband selbst schreiben lassen, um Verzögerungen so weit wie möglich aus dem…“

„… traditionelle mongolische Tanzverfahren nur von besonders qualifizierten Schamanen durchgeführt werden dürften. Die Union Deutscher Heilpraktiker dringe darauf, dass Spahn alle anderen Verbände anweise, sich nicht in die Kompetenzen der mongolischen Spezialisten zu…“

„… sei sich Spahn sicher, dass der bei den Krankenkassen bisher skeptisch beurteilte Ansatz des Gesundbetens bei einer steigenden Nachfrage auf mehr Akzeptanz stoße. Im Gegenzug versprach er, eine Entlastung der Konzerne von zu teuren Krebstherapien zu beschleunigen, um die Gewinne auch in den folgenden Jahren noch…“

„… für die Erforschung der Wirksamkeit notwendig sei, schamanisches Heiltanzen für zehn bis fünfzehn Jahre im Leistungskatalog zu verankern, da erst hinterher mit Sicherheit beurteilt werden könne, ob es sich um eine sinnvolle therapeutische Maßnahme handle oder um einen…“

„… Chakrenharmonisierung und Rückführung nicht von den gesetzliche Kassen getragen würden. Es stehe den Privatversicherern allerdings frei, die Angebote in Verbindung mit Reinigungsmeditation und Detox als Wahlleistung bei zehn Prozent Eigenanteil in die bestehenden…“

„… spirituelle Bewegungen nicht unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen vorgenommen werden dürften. Spahn wolle allerdings vorerst die Anerkennung des rituellen Heilsaufens mit anschließender Torkelbehandlung in der Traditionellen Bayerischen Alternativmedizin belassen, um sich eine abschließende Beurteilung auf dem…“

„… und Hörgeräte weiterhin nur noch an Selbstzahler abzugeben. Eine Trommelbehandlung müsse laut Verband Heilpraktiker Deutschland nicht zwingend mit einer apparativen Therapie kombiniert werden, außerdem sei durch die Übernahme der Heilbehandlung bei den Versicherten ja wieder mehr Kaufkraft vorhanden, um sich ein eigenes Hörgerät zu…“

„… fordere die Vereinigung Christlicher Heilpraktiker ein sofortiges Verbot aller anderen religiös motivierten Therapien. Sollte Spahn nicht umgehend Gesundbeten und Handauflegen für seine Mitglieder reservieren, werde der Verband sich bei der Unionsvorsitzenden über ihn…“

„… nur unter Aufsicht eines vom Ministerium zugelassenen Schamanen stattfinden dürfe. Der Verband Freie Heilpraktiker habe durchgesetzt, dass einfaches Fasten, möglicherweise auch nur unter Kontrolle eines Allgemeinarztes, keinesfalls als schamanisches Fasten bezeichnet werden dürfe. Ein Nahrungsverzicht ohne qualifizierte schamanische Aufsicht stelle eine potenzielle Gefahr dar, vor allem für die Heilpraktiker und ihre…“

„… würden vor allem nicht approbierte Schamanen zusätzliches Auspendeln, Reiki oder ganzheitliche Akupunktur anwenden, was zu Belastungen für die feinstoffliche Ebene führen könne. Der Verband Unanhängiger Heilpraktiker habe kein Recht, sich über die Genehmigungen mit dem Ministerium für…“

„… die Zulassung entzogen wurde. Patienten hätten geklagt, dass ihnen während einer als chinesisch angebotenen Heilsteinbehandlung auch indische Halbedelsteine aufgelegt worden seien, was den Therapieerfolg bei einem grippalen Infekt ganz erheblich…“

„… sich Trommeltanz zur Selbstwahrnehmung auch ohne schamanische Nahrungsergänzungsmittel anwenden lasse. Die Union Deutscher Heilpraktiker fordere daher, diese Leistung bei anderen Anbietern wieder zu streichen oder sie Selbstzahlern vorzubehalten, die nicht über eine ärztliche…“

„… koreanische Schamanismus-Anbieter auf dem deutschen Markt zulassen wolle. Spahn könne dies nicht verhindern, solange die Dienstleister der ISO-Norm entsprechend arbeiteten, und wolle sich für eine Steuererleichterung einsetzen, die den deutschen Schamanen bis zu dreißig Prozent der…“

„… die Verbände Indigener Heilberufe eine Lizenzzahlung wegen der unentgeltlichen Nutzung des immateriellen Kulturerbes einklagen wollten. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich deutsche Freizeitmediziner mit evident unwirksamen Therapieansätzen einen erheblichen Vorteil auf dem europäischen…“

„… ebenso wirkungslos sei wie die Anwendung der Homöopathie. Spahn sei davon überzeugt, dass schamanische Heilrituale deshalb einen festen Platz in der deutschen Gesundheitsversorgung besitzen müssten und kündigte an, alle anderen Leistungen fortan kritisch auf den Prüfstand zu…“





Zweite Meinung

10 09 2019

„… müsse es eine Entlastung der Arztpraxen geben. Patienten, die unnötige medizinische Hilfe in Anspruch nähmen, sollten künftig durch eine Strafzahlung in Höhe von…“

„… die Kassenärztliche Bundesvereinigung in der Kritik stehe. Ihr Vorsitzender Gassen habe dagegen argumentiert, dass die Ärzte immer noch zu viel Zeit mit überflüssigen Konsultationen verschwenden würden und keine Zeit mehr für…“

„… fordere Spahn eine sofortige Erhöhung der Kassenbeiträge, wenn sich herausstelle, dass Arbeitnehmer ohne eine klare Diagnose in die Sprechstunde eines…“

„… die Strafzahlungen abgestuft verhängt werden müssten. Da die Strafen nicht prozentual berechnet würden und oft von erheblicher Höhe seien, müsse man spätestens beim zweiten Missbrauch eine Kündigung des…“

„… richtiggestellt habe. Es gehe Gassen nicht um mehr Patienten, es sei nur inzwischen nicht mehr tolerabel, dass die Ärzte keine Zeit mehr für Golf und Segeln fänden und ihr sozialen Kontakte dadurch erheblich…“

„… gehe es nicht um Sanktionen für chronisch kranke Menschen. Die Ärztekammer sehe hier die Kompetenz klar bei der Bundesagentur für Arbeit, die mit ihrer Sanktionspraxis erfolgreich für eine Senkung der…“

„… könne im Gegenzug bei einer geringen Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen die freiwillige Rückzahlung von Kassenbeiträgen auf 0,0001‰ steigen, berechnet auf einen 97-jährigen Patienten, der bereits im Alter von 0 Jahren die Versicherung abschließt und nicht mehr als…“

„… würden die Krankenkassen die Rauswurf-Klausel nicht als sozialwidrig bezeichnen. In der Versicherungswirtschaft sei es durchaus Usus, dass nach jahrzehntelanger Zahlung für eine Police beim geringsten Schadenfall die…“

„… empfehle die Kassenärztliche Vereinigung eine ausführliche Internet-Recherche, um sich vorab mit einer Differenzialdiagnose an den Arzt wenden zu können, der dann als…“

„… nicht für Patienten gelten dürfe, die zuvor einen Heilpraktiker konsultiert hätten, um schließlich eine richtige Behandlung in der Praxis eines…“

„… könne sich Spahn durchaus vorstellen, dass erst nach dem dritten Verdachtsfall eine gesetzliche Versicherung gekündigt werden dürfe. Es stehe den mutmaßlichen Sozialschmarotzern allerdings frei, danach eine private Krankenversicherung zu…“

„… die aus Google gewonnene Anamnese durchaus vertrauenswürdig sei. Die ärztliche Konsultation sei dann regelmäßig wie eine zweite Meinung zu behandeln, die von der Kasse nicht mehr gezahlt werden müsse, da sie nach dem…“

„… richte sich die Maßnahme aber nach den Bedürfnissen der Patienten. Diese hätten kein Interesse daran, unnötig lange im Wartezimmer zu sitzen und die…“

„… wolle die Kassenärztliche Vereinigung eine rasche Klärung der rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Da Notfälle wegen der nicht ausreichend gelieferten Diagnosedaten seitens der Patienten in Zukunft sowohl von niedergelassenen Ärzten als auch von Krankenhäusern abgelehnt werden dürften, könne man bereits jetzt die Straffung der Kassenstruktur ins Auge fassen und eine wesentlich höhere Abrechnung für die…“

„… kostenlose Volkshochschulkurse für alle chronisch Erkrankten anbieten wolle, die sich im Gegenzug verpflichten würden, einen Großteil ihrer Medikamente auf eigene Kosten zu…“

„… könne ein nicht notwendiger Arztbesuch allerdings rechtssicher nur dann als nicht notwendig beurteilt werden, wenn er von einem Arzt im Zuges einer regulären…“

„… die Besuche von Privatpatienten gar nicht überflüssig sein könnten, da sie dem Überleben der Ärzte mit Kassenzulassung dienlich seien. Spahn habe zugesichert, die Leistungen den Privatkassen in keinem wie auch immer gearteten…“

„… die Implantatindustrie Arbeitsplätze abbauen müsse, wenn Patienten dazu übergingen, ohne akute Notwendigkeit in die Sprechstunde zu kommen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Lieferant sei zerstört, weil der Patient sich immer wieder anmaße, mit seiner eigenen…“

„… die nicht notwendigen Arztbesuche für eine Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen vorzusehen, um eine korrekte Höhe der Sanktionen zu bestimmen. Diese würden automatisch mit den…“

„… wolle das Gesundheitsministerium die Broschüre Jetzt helfe ich mir selbst in unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten auf den Markt bringen, um Hilfe zur Selbsthilfe auch für die akademisch nicht gebildeten…“

„… dass eine Überprüfung der Konsultationen durch den Medizinischen Dienst angesichts der aktuellen Personalstärke nur mit zwei bis drei Jahren Verzögerung durchführbar sei. Spahn sehe dies positiv, da sich abgesehen von vielen in der Zwischenzeit auftretenden Todesfällen auch eine große Anzahl von Patienten nicht mehr mit einer vergleichbaren Diagnostik in den…“





Luhmann

17 07 2019

„Es liegt vor allem an den Personalkosten. Wenn Sie heute Geld sparen wollen, und das müssen wir ja alle, weil wir müssen ja alle Geld sparen wollen, dann spart man am meisten am Personal. Wir sind da schon auf einem sehr guten Weg, das sehen Sie ja, denn nirgends wird so viel gespart wie am Personal. Gehen Sie mal in ein Krankenhaus, dann merken Sie das sofort.

Naja, gehen müssen Sie nicht. Wenn Sie nicht mehr gehen können, dann kommen Sie auch ins Krankenhaus, und da merken Sie es erst recht. Wir setzen ganz konkret die besten Sparmaßnahmen um, damit Sie davon nichts mehr merken. Das heißt, wenn Sie nicht mehr gehen können, dann merken Sie das schon. Das ist wie mit der Notaufnahme, wenn Sie da lange genug sitzen, dann ist es meistens gar nicht so schlimm. Deshalb lassen wir Sie halt lange im Krankenhaus sitzen. Oder Sie müssen ein bisschen weiter gehen, weiter fahren, meinte ich natürlich, fahren, und wenn Sie dann überleben, dass haben Sie das Krankenhaus gar nicht so nötig gebraucht, und wir können es auch wieder schließen. Je mehr wir weniger Krankenhäuser haben, desto weniger haben wir mehr Kranke.

Wir können ja die ganzen verbliebenen Kliniken mit Pflegern aus dem Kosovo ausstatten, das spart dann auch ein bisschen Kohle bei den Häusern, die wir nicht wegputzen. Das hält sich dann vom Niveau her ungefähr die Waage, die kosovarischen Ärzte sind ungefähr auf dem Niveau der jetzigen deutschen Pfleger – Preisniveau natürlich, die werden deshalb ja nicht als Ärzte eingesetzt, das wäre der deutschen Ärzteschaft gegenüber sehr unfair, weil die sich daran gewöhnt hat, dass es zu wenig von denen gibt, und deshalb sind die Gehälter so niedrig und die Arbeitszeiten so mies. Ist ja klar, weil es halt so wenig Ärzte gibt, da muss man eben viel arbeiten, und wer viel arbeitet, der verdient nichts. Das ist ein schichtenspezifisches Problem, davon versteht man als Arzt eh nichts.

Es ist ja auch nicht ganz unumstritten. Bei den Rechten heißt es schon wieder, die Regierung will damit die Umvolkung steuern – die arabischen Invasoren sind jünger, also wesentlich robuster und weniger krankheitsanfällig, also brauchen die nicht so oft medizinische Versorgung. Stellen wir jetzt die medizinische Versorgung zum großen Teil ein, wer überlebt da? Natürlich die Bevölkerung, die uns aus dem Geburtskanal heraus imperialisieren will, ist doch klar. Jetzt müssen Sie nur noch im Gedächtnis haben, dass Spahn Verteidigungsministerin wird, dann verstehen Sie auch, warum wir so eine miese medizinische Versorgung haben. Vielleicht als Rache für den Kosovokrieg, man weiß es ja nicht.

Kennen Sie die Systemtheorie? Luhmann, das ist so ähnlich wie Adorno. Das hat auch nichts mit Krankenhaus zu tun. Aber Systemtheorie heißt, die Krankenhäuser haben vor allem die Funktion der Selbsterhaltung – Sie kennen das aus der Politik, wenn einer für sein Amt so gar nicht geeignet ist und Gesundheitsminister wird, obwohl er schon vorher für gar nichts geeignet war, dann wird er halt irgendwas anderes. Das ist jetzt alles ziemlich kompliziert, aber so funktionieren die meisten Ämter, und was sind Krankenhäuser sonst? Wenn die Krankenhäuser nur dazu da sind, dass es immer genug Kranke gibt, weil ja so viele Krankenhäuser da sind, dann muss man etwas unternehmen. Dann muss man diesen Nachschub einfach unterbinden, und man unterbindet den Nachschub an Kranken am effektivsten, wenn es gar nicht ausreichend Krankenhäuser gibt. Ich meine, das ist doch nur logisch? Was können wir denn dafür, dass sich die Ärzte nicht mit Luhmann beschäftigen wollen?

Wir könnten das jetzt auch systematisch in den kritischen Bereichen fortführen, wenn wir das nötige Geld hätten, das so eine Restrukturierung kostet. Wenn wir den Bildungsmangel bekämpfen wollen, schließen wir einfach die Schulen. Wenn wir zu viele Arbeitslose haben, machen wir sofort mal die Bundesagentur zu – die müssen sich dann nicht mehr mit dem Gedanken quälen, wie man mit ein paar hundert Euro über den Monat kommt, wenn es die paar hundert Euro gar nicht mehr gibt. Klingt doch auch logisch? Polizei dezimieren gegen zu viel Kriminalität, das ist auch ein Erfolgsmodell. Leider kollidiert das mit der Maßnahme gegen Arbeitslose. Da muss man sich als Leistungsträger schon mal mit einer privaten Schutztruppe helfen, aber auch das ließe sich irgendwie herleiten. Je weniger Kontrolle über den Sicherheitsapparat, desto mehr Demokratie und Bürgerrechte.

Aber es funktioniert halt nicht überall, das ist schon richtig. Weniger Waffenexporte, weniger Militär, und schon haben wir mehr Frieden – das ist so ein beliebter Denkfehler, den man als Anfänger immer macht, wenn man sich mit Systemtheorie beschäftigt. Ist ja schließlich eine Theorie, also warum sollte man die in die Praxis umsetzen? Das wird Spahn aber auch noch merken. Wollte ich nur schon mal gesagt haben.

Nein, mal im ernst. Wir müssen doch den Sachen ins Auge blicken, und in unserer modernen Welt ist das ja völlig aus dem Ruder gelaufen. Wenn Sie einen durchschnittlichen Fall betrachten, Unfall oder vielleicht eine chronische Erkrankung, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf, Krebs, wo stirbt man denn da? also meistens? Wo ist denn da Endstation, wissen Sie das? Und was denken Sie, wie kann man denn die Überlebenschancen für Schwerstkranke signifikant steigern? Kommen Sie selbst darauf?“





Doppelter Widerspruch

3 04 2019

„Rollen Sie ihn rein. Immer reinrollen, im Krankenhaus ist kein Platz, aber hier haben wir was frei. Solange sie noch warm sind, heißt das.

Wenn er den Zettel nicht dabei hat, wird’s natürlich kompliziert, aber wir finden immer eine Lösung für jedes Problem, das wir nicht erkennen – lustig, so funktioniert ja fast alles in der deutschen Gesundheitspolitik, nicht nur im Krankenhaus. Also der Zettel. Nicht der am Zeh, den kriegen Sie erst, wenn Sie den anderen Ausgang nehmen, den Fahrstuhl nach unten. Diesen hier. Da steht normalerweise drauf, ob Sie einen Spenderausweis haben. Wenn Sie einen haben, ist die Sache klar, dann sind Sie Organspender. Wenn Sie keinen Ausweis haben, dann ist klar, Sie sind Organspender, weil Sie keinen Ausweis haben, auf dem klar niedergelegt ist, dass Sie keine Organe spenden wollen. Und wenn Sie keinen Ausweis haben, dann haben Sie auch keinen Ausweis, auf dem klar niedergelegt ist, dass Sie keine Organe spenden wollen. Das ist zwar in doppelter Hinsicht und auch noch in sich total widersprüchlich, aber genau deshalb heißt es ja auch doppelte Widerspruchslösung. Die Lösung haben wir, und dann erfinden wir den doppelten Widerspruch.

Warten Sie mal eben, wir müssen noch schnell rausfinden, was wir gerade alles brauchen. Es ist ja nicht so, dass wir den Mann hier aufmachen und alles rausholen, was geht. Schließlich ist das kein Kassenpatient, der wird natürlich etwas anders behandelt, da warten wir einfach ab, und dann schauen wir mal, ob es sich überhaupt noch lohnt. Von Ausschlachten kann da keine Rede sein, wenn Sie so einen Kassenpatienten vor sich haben, etwa siebzig Jahre Regelversorgung, das ist die Art von Medizin, dass Sie nicht direkt an den Folgen der Therapier versterben, also wenn Ihnen so einer unters Messer rutscht, da können Sie nicht mehr viel verwerten. Ab und zu hat sich mal eine Niere ganz gut gehalten, aber mehr ist auch nicht drin.

Es sei denn, Sie sind Privatpatient wie der Herr hier. Scheckheftgepflegt, Porschefahrer, Leitplanke, Freunde der Nacht, es ist Samstag, da geht noch was! Der hier sieht ganz okay aus, offensichtlich für längere Zeit im Koma, äußerlich ganz normal, und dann schauen wir mal auf die Liste. Da steht dann, was wir gerade brauchen. Und da können wir dann nur A-Ware nehmen, das ist Ihnen schon klar. Wer in Deutschland privat krankenversichert ist, der hat auch Anspruch auf ein qualitativ hochwertiges Spenderorgan. Also das mit der Zwei-Klassen-Medizin ist tatsächlich so, aber sehen Sie darin jetzt einen Nachteil?

Die Schwester könnte mal langsam mit dem Datenbankzugriff kommen, das heißt: normal ist, dass sie keinen Zugriff auf die Datenbank hat oder keinen Eintrag findet. Wenn wir nämlich auf dem Zettel keine eindeutigen Informationen finden, dann müssen wir in der Spenderdatenbank nachschauen, ob jemand als Spender eingetragen ist. Das können wir üblicherweise schon ausschließen durch den Spenderausweis, aber in wenigen Fällen müssen wir diesen Weg gehen. Und da muss ich sagen, da hat die Bundesregierung endlich mal gezeigt, dass sie den Datenschutz ernstnimmt. Die nimmt den so ernst, die schützt sämtliche Daten derart vor jedem Zugriff, dass wir quasi gar nicht erst rausfinden können, ob jemand nun Organspender ist oder nicht, und da gilt natürlich im Sinne der doppelten Widerspruchslösung: im Zweifelsfall für den Angeklagten, also den Spender. Wir unterstellen ja jedem erst mal, dass er im Sinne der Gemeinschaft handelt. Sonst wäre das ja ein Widerspruch, aber ein einfacher, und der ist in dieser Lösung so nicht vorgesehen.

Verwechseln Sie das jetzt bitte nicht mit den Wartelisten für Empfänger. Die sind für uns nicht relevant. Das hieße nämlich, dass wir jeden potenziellen Spender nach seiner Spendefähigkeit klassifizieren und dementsprechend therapieren müssten, aber das ist ja eine Verschwörungstheorie, dass Sie hier reingerollt werden, Beinbruch, und der Chefarzt sagt beim Röntgen so ganz beiläufig: schöne Leber hat der Mann, da weiß der Pfleger dann sofort, was Phase ist, dann wird der Tropf falsch angeschlossen und die Hinterbliebenen kriegen dieses hübsche Informationsblatt, was für die Bestattung übrigbleibt. Ist natürlich totaler Quatsch. Das passiert Ihnen wie gesagt nur als Privatpatient, und auch da nur unter sechzig. Ich lasse mir ja auch keine Falten transplantieren, wenn ich nicht geliftet aussehen will.

So, da haben wir’s. Der Melderegisterauszug ist da, und den finden wir immer, weil der ohne Ihr Zutun erstellt wird, denn der ist in einem gut organisierten Staat eine Selbstverständlichkeit. Da steht nichts über Sie drin, aber der sagt uns, dass es Sie gibt, und dann müssen Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Spenderdatenbank sein, so dass sich eine weitere Kontrolle aus Gründen der Wirtschaftlichkeit so gut wie erübrigt. Und damit haben wir dann einen Spender. Das ist widersprüchlich? Ja, stimmt. Noch nicht doppelt, aber wir arbeiten daran. So, dann lassen Sie uns mal schauen. Anforderungsprofil, Name, Alter, die Versicherungsnummer – Leute, wollt Ihr mich verarschen? Wir brauchen Spenderhirn, und Ihr rollt mir den Spahn rein!?“