Großartige Maßnahme

9 03 2020

„Bis jetzt hat es super geklappt. Die internationale Zusammenarbeit ist wirklich überraschend gut, die Bevölkerung macht zuverlässig mit, wir sind von der ganzen Aktion wirklich angenehm überrascht. Es ist wesentlich besser als geplant, und es ist auch wesentlich besser als bei den letzten Versuchen.

Erinnern Sie sich noch an diese Gurkenkeime? EHEC? Alter, das war ein Reinfall! Hätten wir uns eigentlich gleich denken können, aber da hatten wir noch die alte Geschäftsleitung, und die hatten beim Angebot der Massentierhalter sofort Dollarzeichen in den Augen. Ich höre die noch schreien: ‚Gemüse ist der Teufel! Die Radieschen gucken uns von unten an!‘ Und dann haben sie natürlich nur die Hälfte von den Grillwürstchen verkauft, weil es ohne Salatbeilage eben nicht geht. Selten so eine peinliche Pleite erlebt. Voll in die Hose. Da zieht man ja mit jeder Schweinepest den Leuten mehr aus der Tasche, und so schwer ist das wirklich nicht.

Deshalb haben wir Corona jetzt auch so gut organisiert, dass wirklich nichts mehr schief gehen kann. Geradezu generalstabsmäßig, bis ins kleinste Detail. Alles perfekt. Das läuft wie am Schnürchen, wir haben keinen Grund zur Klage. Keine Sau redet mehr über Spahn, diesen Brechreizbeschleuniger, der als Aushilfskanzlette angekündigt hat, dass er die Verfassung weiterhin vorsätzlich missachten wird. Kein Schwein interessiert sich für das Dumm-Dumm-Geschoss Altmaier, diesen aufgeblasenen Vollversager, der gerade für einen Posten als Clown beim Energieerzeuger eine halbe Million Jobs mit Absicht in die Tonne haut, weil er sonst seine gierige Fettfresse nicht schnell genug vollgestopft kriegt? Dass die EU ihren Friedensnobelpreis mit Füßen tritt, merkt auch keiner. Wir sprechen über Corona, da lässt sich wunderbar Panik erzeugen.

Aber eben nicht nur die. Was haben uns diese Nudelmacher in den Ohren gelegen – Absatz im Keller, Produktinnovation in Deutschland kann man sowieso vergessen, die Leute essen nicht mal die Vollkornvariante. Also Hamsterkauf. Das nenne ich Marketing! Da haben wir die Raviolisparte gleich mitgezogen, absoluter Knaller! Und internationale Märkte natürlich gleich mit im Boot. Denken Sie an den Holzschliff. Klingelt’s? nicht? Okay, denken Sie an etwas Blödes. Noch blöder. Noch blöder. Langsam sollten Sie es haben: Brexit. Die Briten sind von EU-Holzschliff abhängig, sie brauchen die Rohstoffe für ihre eigene Zelluloseindustrie. Keine Taschentücher, kein Küchenpapier, keine Klorolle im Königreich ohne EU-Importe. Ohne EU-Importe mit saftigen Zöllen, wenn Sie mittelfristig denken. Hat man alles vorher gewusst, nur den Briten ging das Toilettenpapier halt am Arsch vorbei, hahaha! Und was macht man, um den EU-Lieferanten eine gewaltige Nachfrage zu bescheren?

Globalisierung, gut und schön. Ja, es kann auch mal etwas aus dem Ruder laufen, das gebe ich zu, und irgendwie war das mit den Gesichtsmasken auch anders vorgesehen. Aber jetzt haben wir auf das mangelnde Angebot reagiert und wollen die notwendigen Waren für den medizinischen Bedarf in nationaler Eigenregie herstellen. In nationaler Eigenregie, wie sich das anhört! Damit könnte ein Merz glatt Kanzler werden, ohne zu kapieren, worum es geht – ob der Kanzler wird, ist wumpe, verstehen tut der eh nix von nix – und wenn es dann ordentlich läuft, könnten wir langfristig Monopolist für die EU werden. Das würde uns Sicherheit geben in Deutschland. Was die EU angeht, das müsste man dann mal sehen.

Die Presse berichtet ständig, dass die Wirtschaft unbedingt ein Konjunkturpaket braucht. Lächerlich, was meinen denn die, was das hier gerade ist? In Deutschland gibt es doch sowieso nur eine Branche, die für die Regierung wahlentscheidend ist, und die haben wir sofort berücksichtigt. Was wollen die Leute nicht? Sich infizieren, richtig, und wo kann man sich am besten infizieren? Genau, in Bus und Bahn. Wen haben wir damit also gestärkt? Die Kfz-Industrie, weil sich jetzt jeder auf Teufel komm raus noch einen Zweitwagen zulegt, damit nicht einer mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren muss. Die Kraftstoffkonzerne werden so ganz nebenbei auch bedacht, so kurz vor der Einführung der E-Autos kann man die nicht im Regen stehen lassen. Und als Nebeneffekt sinken die Fahrgastzahlen bei der Bahn trotz der Mehrwertsteuersenkung, Scheuer macht eine noch miesere Bilanz und kann sich eigentlich nur noch eine Kugel durch den Kopf jagen. Als angenehmen Nebeneffekt nimmt man das doch gerne mit, oder?

Überhaupt können wir das alles als großartige Maßnahme zur Erreichung unserer Klimaziele verkaufen. Die Lufthansa hat schon die Hälfte ihrer Flüge gecancelt, wenn man das mal ausrechnet, was da alles nicht in die Atmosphäre gepustet wird, da rückt aber Paris ein ordentliches Stück näher! Wenn das Greta wüsste, die würde ohne Mundschutz über den Hauptstadtflughafen tanzen! Und dann noch die Sicherheitsgesetze, Smartphones ohne Anlass orten und Vorratsdatenspeicherung, damit man weiß, wer wann wo war, damit man weiß, wo sich wer wann bei wem infiziert haben könnte! Ich sage Ihnen, da brauchen wir keinen Bundeswehreinsatz mehr im Inneren, das erledigen wir durch die kalte Küche!

Fußball? Ja, das könnte ein Problem geben, ein ernsthaftes Problem. Die Buchmesse absagen, um den Onlinehandel zu stärken, das geht einmal. Die Leute können ja sonst auch fernsehen. Aber wenn die Bundesliga ausfallen sollte? Das könnte echt ein Problem geben. Ich meine, einen Bürgerkrieg, den wollte doch eigentlich niemand.“





Himmelangst und Zwirn

5 03 2020

„Ja, wir werden alle sterben, das ist korrekt. Wir können da leider gar nichts tun, und bevor Sie fragen, die Bundesregierung ist dafür auch nicht zuständig. Finden Sie sich damit ab oder brauchen Sie noch mehr Erklärungen?

Das ist auch nicht so einfach, wie Sie sich das vorstellen. Wir sind alle erfahrene Kundenberater, die meisten haben schon im Krisenmanagement gearbeitet, einige von uns schon bei der Deutschen Bahn AG in der Beschwerdestelle, aber das hier ist eine ganz eigene Herausforderung. Die jetzige Lage ist schwierig, die Klientel ist schwierig, wir fangen hier die größten Knalltüten auf. Das Problem ist nur, dass wir den Leuten keine Unwahrheiten mehr erzählen. Obwohl sie die am schnellsten glauben und dann Ruhe geben. Aber das hält selten an, die meisten wollen dann noch mehr Unwahrheiten.

Panikhotline, was kann ich für Sie tun? Ja, man kann daran sterben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Virus erwischen, ist zwar verhältnismäßig gering, und wenn Sie es wirklich einmal erwischt haben sollten, dann sehen Ihre Überlebenschancen auch sehr gut aus, aber theoretisch besteht immer die Möglichkeit, an so einer Infektion abzukratzen. Machen Sie sich darauf gefasst, dass das früher oder später in Deutschland auch irgendjemandem passieren wird. Haben Sie zufällig Krebs? Oder sind Sie Kettenraucher und warten auf Ihre ersten Metastasen? Was mich das angeht? Na, Sie wollten doch eine medizinische Einschätzung, ob Sie zur Risikogruppe gehören. Wenn Sie Ihr Immunsystem vorsätzlich schädigen, dann müssen Sie sich nicht wundern. Vielleicht haben Sie auch keine atypische Lungenentzündung, sondern nur erste Anzeichen für ein Karzinom. Die gute Nachricht ist, dass Sie von der Sache viel länger etwas haben. Da kriegen Sie noch richtig was geboten für Ihr Geld.

Ja, das ist das Problem mit den Leuten: wenn sie eins nicht vertragen, dann ist es die Wahrheit. Diese Angst vor datengestützter Risikobewertung ist eine Plage, das kann man den Anrufern einfach nicht klarmachen. Die erwarten, dass man ohne Folgen auf der Autobahn Rollschuh laufen kann. Ich habe manchmal den Eindruck, die legen es nur darauf an, dass ihnen einer reinfährt, dann haben sie endlich wieder Spaß an ihrer verdammten Opferrolle.

Panikhotline, was kann ich für Sie tun? Ihr Nachbar ist also gestern in die Klinik eingeliefert worden? Und was genau habe ich damit zu tun? Hat er gehustet? Oder in Ihrem Bett geschlafen? Oder eventuell beides? Nicht? Tun Sie mir bitte einen Gefallen und rufen Sie wieder an, sobald das Stockwerk über Ihnen abgerissen und der Rest vom Haus ausgeräuchert wird?

Meine Güte, ich kenne den Mann nicht, warum soll ich dann freundlich zu ihm sein? Wenn ich ihn jetzt in Sicherheit wiege und ihm erzähle, dass die meisten Patienten, die blau im Gesicht sind und auf einer Trage liegen, wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ins Krankenhaus kommen, dann glaubt er mir doch sowieso kein Wort. Wir sind hier total chancenlos.

Sie können den Leute auch erzählen, dass sie sich hundertmal am Tag die Hände waschen sollen, damit sie nicht direkt in den Infektionsherd fassen, aber ob Sie das vortanzen oder als Musical bringen, das interessiert keine Sau. Sie können es die Leute unterschreiben lassen, sie werden sich hinterher an kein Wort mehr erinnern. Im Zweifel haben Sie den Rechtsanwalt an der Backe, der sie verklagen will, da sie angeblich den Text oberhalb der Unterschrift ausgetauscht haben. Oder weil das in der BRD GmbH sowieso nicht gilt. Sie sind verloren.

Panikhotline, was kann ich für Sie tun? Nein, ein Japaner in der Straßenbahn ist nicht dafür verantwortlich, dass Sie Halsschmerzen haben. Der ist nicht einmal dafür verantwortlich, dass Sie ein dummes rassistisches Arschloch sind. Das waren Sie nämlich schon vorher, man merkt es nur jetzt erst so richtig. Bitte, gern geschehen.

Stellen Sie sich eine richtig schlimme Infektion vor, die durch eine moderne Großstadt zieht, nicht gerade die Pest, eher Typhus oder Cholera. Die Menschen sind unvorsichtig, die medizinischen Kenntnisse sind zwar in Ansätzen vorhanden, aber keiner vertraut ihnen, weil man Desinfektionsmittel für wesentlich effektiver hält als eine Armlänge Abstand und Kernseife. Die Mobilität befördert den Keim in die entlegensten Winkel der Welt, jeder ist alarmiert. Aber die Leute fassen alles an, weil sie immer schon alles angefasst haben, und vertrauen auf die Magie ihrer Zeit: Gesichtsmasken und die Verantwortung auf jemanden abwälzen, der ihnen das Denken abnimmt. Schon praktisch, oder?

Erzählen Sie mir bitte nicht, dass wir in einer Zivilisation leben. Wir sind nicht mehr weit davon entfernt, dass wir den Kranken eine Mitschuld an ihrer Infektion geben, weil das ins neoliberale Deutungsmuster passt, und gleichzeitig entlasten wir durch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unser Gewissen als Gesellschaft. Wenn die Zeitung mit den großen Buchstaben fragt, ob man noch Glückskekse anfassen darf, dann wissen Sie, was die Stunde geschlagen hat.

Panikhotline, was kann ich für Sie tun? Ein Rezept für Dosenravioli? Warten Sie, könnten Sie bitte erst mal mit der Schere nachprüfen, ob bei Ihnen noch genug Strom in der Steckdose ist?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXVIII): Gesundheitswahn

7 04 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Endlich eitriger Ausschlag! Tagelang sah es nur nach einer leichten Magenverstimmung aus, die Rückenbeschwerden waren bedauerlicherweise schon nach kurzer Dauer abgeklungen – dass sie nur vom stundenlangen Stehen kamen, ist bisher sowieso ungeklärt – und der Drehschwindel wollte sich einfach nicht mehr einstellen. Es müssen die verdammten Karotten gewesen sein, die es bis vor wenigen Millionen Jahren ja auch noch nicht gab. Endlich ein Grund, auf Nuss und Nudel zu verzichten, endlich Kasteiung, kalte Sitzbäder und Rutschen auf rohen Erbsen! Kniebeugen mit Essig und Luftanhalten bei vollem Hohnausgleich! Nur eins macht glücklich, der Gesundheitswahn!

Kaum beißt dem gemeinen Europäer die Erkenntnis ins Bein, dass der Aufenthalt auf diesem zweifelhaften Rotationskörper von kurzer Dauer ist und bestenfalls im ersten Drittel ohne die lästigen Degenerationserscheinungen der geistigen Reife abgeht, schon eskaliert er in alle Richtungen. Nur gesund will er sein, vielleicht innerlich deformiert, psychisch am Rande der Auflösung, verarmt von Scharlatanerie, auf dem Jahrmarkt der Quacksalber verschollen, bloß: gesund. Wenigstens so, dass er sich für gesund hielte.

Aber was heißt das schon. Der in Peru vereinzelt vorkommende rote Rübenwurm, dem man hinter vorgehaltener Hand eine Mitschuld am eruptiven Nachtschweiß gibt, muss in badischen Bäckerblättchen breitestmöglich als Gefahr für das teutonische Abendland ausgerufen werden. Erst jetzt erkennt die züchtig waltende Hausfrau, dass die je um je sommers wie auch winters grippoid die Schleimhaut verschwiemelnde Angelegenheit in Wahrheit aus Mangel an gestampften Sojakeimen rührt, was jeder weiß, der schon einmal im Anflug der Erkältung gestanden haben mag. Zack, schon pfropft eine Anzeigenindustrie ohne Furcht noch Adel ihnen Postwurf in die Pupille, die Message Iss Cola, trink Popcorn aufzusaugen, und dann keimt der Schmadder. Das glitschige Konglomerat aus Stolz und Vorurteil greift zu allerhand Hausmittelchen, schwört Gluten und Baumwollhosen ab und vertraut nach dem straffen Heilbaden auf Schrumpelhaut als untrügliches Anzeichen des plötzlichen Herztodes.

Schwierig wird’s, wenn Nachbarn, Freunde oder verbliebene Familienmitglieder den Bescheuerten beim Verzehr roher Gurke sehen, beim Stehen auf dem falschen Bein, Duschen mit zu kaltem, mit zu warmem Wasser, Wasser überhaupt, Duschen an sich, Körperpflege im Allgemeinen, Äußerungen des organischen Lebens im weiteren Sinne. Da hat früher der Russe die Finger im Spiel gehabt, jetzt sind es Mainstream und Medien, die falschen natürlich, und die Pharmalobby, die mit boshafter Einflüsterung dem Todgeweihten zu verstehen gibt, er sei im Wahrheit gar nicht magersüchtig (habe keinen Krebs, sei nicht schizophren), obwohl er pro Tag einen Kubikliter Chemtrails einatmet (Pestizide per Fruchtfliegen schluckt, Kontaktgifte mit der Apfelschale inkorporiert). Gegen diese böswillige Verkürzung höchst komplexer Zusammenhänge arbeitet ein konzertiertes Hysteriemarketing an mit der generalstabsmäßig für die Marketingschlacht eingedosten Placeboschwemme, die dem Deppen eine Vorstellung von den mittleren Höllenkreisen gibt, in denen das Verbot von Kohlehydraten und Zucker gar nicht mehr diskutiert wird. Sie verfallen in pseudoreligiöse Raserei, brägenbewölkt und im Kern des Wesens erleuchtungsfähig wie Teerpappe.

Denn nichts anderes ist die Kulturideologie für Dumpftüten, die für eine vernünftige Psychose nicht genug Vorbildung besitzen. Sie wollen ihre eigene Endlichkeit jenseits jeglichen Verfalls in die Transzendenz wuppen, koste es, was es wolle, auch und vorwiegend unter komplett bescheuerten Umgebungsvariablen einschließlich einer Askese, die die Restbestände des vegetativen Handelns für intellektuell zurechnungsfähige Dritte nicht mehr wie Leben aussehen lässt. Das Kreisen im denkfreien Raum macht vorsichtshalber alles zur Krankheit, damit spirituelle Ausfallerscheinungen es wieder ausgleichen können – Heilung to go, Jesus muss sich angesichts der komplett verseiften Pauschalpropheten vorkommen wie ein Gesundbeter aus dem Anzeigenblättchen. Hätte er wenigstens schon Wein in Milchzuckerkügelchen verwandelt, die Nummer wäre in die Geschichte eingegangen. Ja, die Lage ist aussichtslos, aber immer noch nicht ernst genug. Schauen wir den Kranken zu, wie sie joggen, auf Mehl verzichten, Bäume rechtsdrehend umarmen und lösungsmittelfrei gebatikte Tapeten an die Wand vom Meditations- und Bügelzimmer tackern. (Leim ist halt nicht vegan.) Irgendwann sind sie derart mies überdosiert, dass sie sich schon wieder gesund fühlen. Und dann plötzlich sterben sie. Alle. Was ist das für eine Welt.





Allergo moderato

16 06 2016

Bruno war am Ende. Seine Schnurrbartspitzen vibrierten bedenklich. „Ich mache den Laden zu“, stöhnte er, „das kann doch kein Mensch kochen!“ Keiner wagte ein Wort zu sagen. Dicke Luft.

„Vor allem, wir haben dreißig Gedecke.“ Hansi, der Serviceleiter der beiden Bückler-Brüder, kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Das alles aufzutragen ist ja schon unmöglich.“ „Und wenn wir einfach eine Gemüseplatte mit…“ Petermann verstummte. Bruno, von Feinden wie Verehrern Fürst Bückler genannt, wie er im Landgasthof mit Schwarzsauer und Aal in Gelee sein legendäres Regiment führte, war nicht zu Späßen aufgelegt. „Herr Generalmajor Itzenplitz hat uns eine Liste geschickt, um das Dienstjubiläum entsprechend zu bekochen.“ Petermann konnte es nicht lassen. „Dann koche wir Preußens Gloria“, kicherte er, „am besten Bismarckhering und…“ Da knirschte Bruno mit den Zähnen. Jedes weitere Wort wäre zu viel gewesen.

„Eine moderne Familie“, stellte ich fest. „Jeder schleppt seine eigene Nahrungsmittelallergie mit sich herum.“ Hansi blätterte einen Schnellhefter durch. Es sah aus, als hätte er sich das Internet ausgedruckt „Ich habe grob vorsortiert“, berichtete er, „die Kinder essen sowieso kein Gemüse, die bucklige Verwandtschaft kommt mit Pommes frites zurecht, aber sonst müssen wir für jeden extra die Beilagen auswürfeln.“ Direktor Itzenplitz nebst Gattin vertrugen weder Möhren noch Nüsse, die Tochter hatte eine schwere Histamin-Intoleranz – „Wahrscheinlich war die Mutter zu oft in Bordeaux“, meinte Petermann – und alle bekamen Nesselsucht von Soja. „Dann nehmen wir eben echte Milch.“ „Tofu geht auch nicht“, brachte sich Hansi in Erinnerung. „Es ist zwar ein älterer Onkel, aber ein Erbonkel.“ „Wenn wir ihm vorsätzlich Tofu verabreichen“, grinste Petermann, „dann ist es sogar ganz bestimmt ein…“ Bruno hieb mit der flachen Hand auf den Tisch. „Das ist nicht mehr komisch“, schrie er. „Die eine Hälfte isst kein Schweinefleisch, die andere keinen Fisch, dann wollen sie etwas ohne Erdnüsse, Erbsen und Milch, und dieser verdammte Major verlangt von mir eine kalorienarme Vorspeise – bin ich denn im Zoo!?“

Längeres Blättern brachte zutage, dass auch Selleriesalat ausfiel. Schneckenragout wäre ohnehin viel zu teuer gewesen, hätte aber der angeheirateten Schwippnichte Dorothea zu schweren Beschwerden geführt. „Warum essen diese Leute nicht à la carte“, fragte ich verwundert, aber Hansi musste es mir gar nicht erklären. „Wenn ich dreißig Gästen je drei Gänge auftrage, und geschätzt hat jeder zweite noch einen Sonderwunsch, dann ist bei dem einen das Dessert, während der andere noch auf die kalte Suppe wartet.“ Das leuchtete ein. Immerhin hatte ich nicht gefragt, warum die Gesellschaft überhaupt in ein öffentliches Lokal gingen und sich nicht ihre eigenen Stullen mitbrachten.

„Vielleicht könnte man aus Kartoffelschalen einen Sud kochen.“ Petermann, Entremetier und seit Jahren Brunos rechte Hand, versuchte die Situation zu retten. „Oder aus Pilzen?“ „Viel zu teuer“, knurrte Hansi. „Dann sollten wir lieber den Blumenkohl von gestern zu Brühe verarbeiten.“ „Fräulein Haubenstockler, die Zukünftige von Itzenplitzens zweitem Sohnemann, verträgt keinen Muskat.“ Bruno war schon im Trockenlager. Vielleicht ließ sich aus glutenfreiem Hafermehl eine Pampe anrühren, mit der man die Sippe satt bekam.

„Überhaupt“, überlegte Hansi, „wir haben doch eine Tagessuppe.“ „Aber die kochen wir frisch“, gab Bruno zurück. „Ich will hier keinen Tütenkram in meiner Küche sehen, auch nicht ausnahmsweise und nicht einmal püriert!“ Sein Bart ließ keinen Zweifel, es war ihm ernst. „Außerdem dürfen keine Erbsen drin sein“, erinnerte Petermann. Bruno Bückler explodierte. „Soll ich diesen Idioten heißes Wasser servieren“, schrie er, „und ein Foto von einer halben Scheibe Toastbrot!?“ „Vegan!“ Doch Petermann verwarf seinen Gedanken ebenso schnell wieder. Das alles war eine ausgesprochene Schnapsidee, und keiner wusste wirklich weiter. Doch dann hatte ich eine Idee. „Ich brauche eine halbe Stunde“, verkündete ich, „und Hansi kommt mit.“ Bruno seufzte ergeben. Was sollte er auch tun.

„Das Süppchen kommt sehr gut an“, berichtete Hansi, „der Jubilar und sein Schwager Holzhändler Itzenplitz haben soeben Nachschlag geordert.“ „Das spricht nicht für die Offiziersmesse“, antwortete Petermann trocken. „Aber jetzt etwas Vorsicht mit den Bratlingen, die Sauce nur ganz leicht übergießen, und das Gelee an den Tellerrand.“ Die Köche zirkelten, die Kellner hebelten einen Teller nach dem anderen in den Saal. Bruno tupfte sich den Schweiß von der Stirn. „Wenn das rauskommt, bin ich geliefert.“ „Ach was“ tröstete ich ihn. „Gesunde Zutaten, schonend gegart – wen wir lieben, dem geben wir nur das Allerbeste.“ Er starrte auf das Etikett mit dem bemerkenswerten Spruch. Das letzte verbliebene Gläschen Muckis Babykost Hypoallergen. „Nicht aus der Tüte – und so lecker!“





Finger

12 02 2015

„… in vielen Videos islamistischer Terroristen gezeigt werde. Der nach oben gereckte Zeigefinger werde deshalb von der Bundesregierung als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation betrachtet, die nach §86 StGB…“

„… müsse man nach Ansicht des ARD-Terrorexperten zwischen dem rechten und dem linken Zeigefinger unterscheiden. Während der rechte ein Symbol für den Salafismus sei, spreche der linke für die islamistische Überzeugung des…“

„… werte es Gauland als Beweis einer bereits seit Jahrzehnten anhaltenden Islamisierung des deutschen Abendlandes, dass überall Menschen mit ausgestreckten Zeigefingern zu sehen seien, die noch nicht mit geheimdienstlichen Mitteln…“

„… Filmaufnahmen aus den USA ausgewertet würden. Offensichtlich sei der Basketballsport sehr viel islamistischer, als man bisher …“

„… habe die SPD den Gesetzesvorstoß des rechten Unionsflügels in der Debatte wörtlich als ‚geistig behinderten Scheißdreck zugesoffener Halbaffen‘ bezeichnet. Bundesjustizminister Maas werde demzufolge noch in der laufenden Sitzungswoche das Erschwerungserleichterungsgesetz, mit dem das Verbot verbotener Sachen, Dinge, Tatbestände, Materialien oder…“

„… die ZDF-Redaktion für Gartenbau und Terror für ihre Spezial-Sendung eine Expertenmeinung eingeholt habe, nach der ein Zeigefingerzeig der linken Hand ganz bestimmt auf die Billigung der Scharia schließen lasse, während der aufgereckte rechte Zeigefinger sich speziell als Zeichen einer allgemeinen islamischen Grundtendenz…“

„… sich Petry für ein umgehendes Verbot der islamistischen Umerziehung blutsdeutscher Kinder ausspreche. Indem deutsche Schulen von deutschen Kindern noch immer verlangen würden, sich im Unterricht mit salafistisch ausgestreckten Zeigefingern zu melden, um gute Noten zu erhalten, schaffe man ein Bildungsvakuum, dessen Folgen in Sachsen nur zu deutlich…“

„… auch ältere Filmaufnahmen aus dem Tennis prüfe. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe zahlreiche Spiel- und Satzgewinne von Boris Becker ausgewertet und sehe Wimbledon wie auch die Australian Open unter einem ganz neuen…“

„… nach aktueller Forschung in Ägypten sowohl eine Salafistenszene als auch serienmäßig der Zeigefinger an jeder Hand existiere. Bundesinnenminister de Maizère sehe sich daher genötigt, jeden Bundesbürger, der theoretisch in der Lagesein könnte, nach Ägypten auszureisen, mit Hilfe der Antiterrordatei…“

„… den Finger in die Nase stecken könnte. Zwar seien die symbolischen Zusammenhänge noch nicht geklärt, das Bundeskriminalamt fordere jedoch präventiv eine Vorratsdatenspeicherung, um einer noch nicht akut auftretenden Terrorgefahr nicht leichtfertig zu…“

„… auf Nachfrage der Grünen klargestellt, dass Waffen stets mit dem Zeigefinger abgedrückt würden. Kauder habe dahin gehend argumentiert, dass jeder Zeigefinger an einem Abzug bei den Stabilitätsankerpartnern in Saudi-Arabien eine effektive Bekämpfung des Islams im Ausland sei, weshalb das christlich-jüdische Abendland nur durch eine Ausweitung der Waffenexporte nach…“

„… dass der US-amerikanische Präsident im Wahlkampf mehrfach den Zeigefinger gehoben habe. Die Bundesregierung wolle dies zwar gerne kritisch diskutieren, warte aber lieber ab, bis Obama von sich aus seine deutschen Verbündeten auffordere, ihre eigene Meinung zu den…“

„… nicht unter die Meinungsfreiheit falle. Der zeichentheoretische Aufsatz, der die Freiheitsstatue als Person mit aufgerichtetem Zeigefinger darstelle, sei billige Hetzpropaganda, die dem salafistischen Terror in Europa nur Tür und Tor…“

„… müsse das Bundesverfassungsgericht zunächst klären, ob der Straftatbestand auf einem nach außen gekehrten Handteller oder aber dem Handrücken beruhe, da sonst keine positive…“

„… den Sohn der bei einer islamistischen Straftat beobachtet habe. Die beiden Beamten hätten übereinstimmend ausgesagt, dass das zehnmonatige Kind unter Ausstoßen der staatsgefährdenden Silbe Da! den Zeigefinger auf einen bewaffneten, aber ansonsten unschuldigen Bereitschaftspolizisten…“

„… dass Islamisten mit einem erhobenen Finger demonstrieren wollten, es existiere nur ein einziger Gott. Diese Vorstellung passe laut Bachmann überhaupt nicht zu den Wertvorstellungen des christlich-jüdischen Abendlandes und sei ein weiteres Anzeichen für…“

„… das Springer-Blatt eine Fotografie von Özdemir ausgegraben habe, wie der Sechsjährige mit dem zweiten Finger auf eine Schultafel zeige. Dennoch halte der Deutsche Presserat die Schlagzeile DIESER BEKIFFTE MUSELNAZI WILL FUSSBALL UND DEN ADAC VERBIETEN! für ein wenig zu…“

„… wäre vielleicht der II. Weltkrieg nie ausgebrochen, wenn sich die arabischen Verbündeten des Dritten Reichs nicht durchgesetzt hätten. Die dreizehnteilige Serie Hitlers Zeigefinger sei ohne Guido Knopp produziert worden und daher von exzellenter…“

„… könne und wolle Schäuble nicht akzeptieren. Ohne den erhobenen Zeigefinger fehle die nationale Identität, ohne die man Deutschland gar nicht mehr als…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCLXVII): Technikangst

21 11 2014
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Schon recht früh trennten sich die Wege der Hominiden. Während die eine Horde fröhlich Hieb- und Stichwaffen schwartete, um Säbelzahnnashorn à la crème für die Höhlenbelegschaft zu bereiten, müffelte die andere missmutig an ihren Pizen herum, starb zwischendurch ein bissel aus, kurz: sie änderte den Gang der Geschichte nicht. Sie hockte nur griesgrämig an der Felswand und knirschte mit den verbliebenen Zähnen, denn sie wusste, es würde ja alles ein böses Ende nehmen, wenngleich sie auf eine andere Art Recht hatte. Sie verschwand so gut wie. Bis auf die Botschaft, die tief verwurzelt im ihrem Gejammer noch heute vom Himmel hallt, wenn es Teile regnet. Die Angst vor der Technik macht sie paranoid, und der Rest muss es leiden.

Irgendwo im Nirgendwo wird ein Metallmast in die Ebene geschwiemelt. Stunden später schallt die Steppe von winselnden Anrainern, die in ihrem bohrenden Kopfschmerz eine Bürgerinitiative gegründet haben, den tödlichen Mikrowellensmog auszumerzen. Scharen von Knalldeppen wälzen sich durch die schuldlose Landschaft, bis der Abteilungsleiter der Landschaftsschutzbehörde erklärt, dass der Laternenmast erst in frühestens drei Jahren ans Stromnetz angeschlossen wird. Fahrkartenautomaten, beschichtete Bratpfannen, Hosenknöpfe – was Fortschritt ist, bestimmt das Bezugssystem, und das hat immer einen Rand von Dummklumpen.

Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte haben die vernünftigen Bürger mit dem Einheitsargument des gesunden Menschenverstandes™ zugebracht, den sorglosen Mitbürgern die hinterhältigen Segnungen der Zivilisation auszureden. Erst waren es die schlimmen Eisenbahnen, die jeden ab einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde unweigerlich erst doof und dann tot machen würden, hernach das Automobil, das durch die Kompression der inneren Organe nicht mehr als 50 km/h zulassen sollte, und schließlich war es das Flugzeug, reisend in Höhen, bei denen dem durchschnittlichen Passagier sofort die Gedärme zu den Ohren herausquellen würden, während sein Blutdruck durch die Poren jodelt. Sie haben natürlich alle Recht behalten, und dass wir beim aktuellen Fernreiseverkehr und seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit noch nicht jede Woche eine Hälfte der Menschheit kompostieren, liegt sicher daran, dass man in diesem Mainstream die Wahrheit nicht einfach so aussprechen dürfe.

Natürlich kann man mit diesen tragbaren Telefonen prima einen Bankraub verabreden, zur Weltrevolution aufrufen oder heimlich verschreibungspflichtige Medikamente in Verkehr bringen, aber das kann man in Fernsprechzellen und mit dem Bleistift auch, und wer würde dafür schon den Bleistift an sich verbieten wollen. Außerhalb des Wahlkampfes in obskuren rechtspopulistischen Parteien jedenfalls.

Wie albern ist das angesichts der geradezu hörigen Affirmation, die die konservative Schicht in höchster Ekstase hechelt, sobald große Brudervölker Waren und Technologien bereits vorgekaut haben. Fracking? super Idee, die Amis hatten auch schon keine Zeit, sich damit zu befassen. Schnuller aus Weichmacherplaste? solange es von impotenten Chinamännern hergestellt wird, kann es für unsere teutonischen Säuglinge gar nicht schlecht sein. Nanopartikel im Deospray? sicher nur Streubelege, die dem Hersteller von Wissenschaftlern untergejubelt werden. So feiert auch die Klimaerwärmung ihren Siegeszug, weil sie zum Augleich schönen Schnee im Winter bringt, glücklicherweise auf anderen Kontinenten.

Der auf die Segnungen des immer Gleichen genordete Bekloppte nimmt also Teerstraßen bereits als Teil der Natur wahr, lehnt aber Windräder als neumodisches Teufelszeug ab, weil niemand das in Mutter Erde gewachsene Plutonium ersetzen kann. Die Produkte der chemischen Industrie lehnt der denkabstinente Dauerallergiker ab, es sei denn, sie lassen die bunten Stückchen in der gallertartigen Salatsauce schweben, die fertigkanisterweise im Discounterregal lauert. Malaria und Grippe sind bäh, aber Hauptsache, wir gebrauchen keine Biotechnologie, um den Schmadder loszuwerden. Und wenn doch, dann lassen wir andere Länder das Geschäft erledigen, am besten die, denen wir auch die Schnuller abkaufen, denen wir Hektoliter an giftiger Plempe überlassen, die mangels unserer Umweltschutzgesetze lässig in den Boden suppt und ganze Nationen zu Kloaken umfunktioniert. Gut, dass das nicht hier passiert. Mit Windkraft und Internet sind wir ja schon genug überfordert. Und mit der Frage, von welcher der beiden Horden wir nun wirklich abstammen. Und warum. Und wie lange noch.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCIX): Die Angstgesellschaft

23 08 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nichts treibt die Rechtsfindung schöner in den Wahnsinn als das Fehlen eines Tatmotivs. Denn nicht die Unterscheidung des Deliktes, Mord, Totschlag oder Gewässerverunreinigung, sondern die Motivation des Täters geben Aufschluss über die Hintergründe des Verbrechens. So auch die soziale Handlung; Eigennutz und Idealismus, Narzissmus und falsch verstandene Ehre spornen den Beknackten an, Säuglinge zu adoptieren, den Stadtwald im Schutz der Dunkelheit mit Hilfe einer Motorsäge künstlerisch zu verschönern und Dinge in die Erdumlaufbahn zu jagen. Größtenteils ist der Hominide produktiv, es sei denn, er lebt in einer Gesellschaft, in der Produktivität viel gilt, aber selten praktiziert wird, und wenn, dann höchstens aus Neid, Bequemlichkeit oder Angst. Schließlich ist eine auf Angst gebaute Gesellschaft außerordentlich stabil, da ihr nie das Fundament verloren geht.

Der Schrecken hat viele Gesichter. Anfangs gibt sich der durchschnittliche Jammerlappen noch mit der blanken Furcht vor der Zukunft zufrieden – die ist mit einiger Sicherheit auch morgen noch da, was kein zusätzliches Lernen erfordert, sondern den intellektuellen Stand eines konditionierten Deppen als ausreichend betrachtet, um seine gesamte Existenz als belastend zu empfinden – doch bald braucht der Realitätsverweigerer härteren Stoff, die ihm ein sauber ausgesägtes Sozialmodell bietet. Die Angst wird multifunktional und passt sich an die jeweiligen Bedürfnisse an. Sie ist die Furcht des Bürgers vor dem finalen Terroranschlag, der wahrscheinlich nie passiert, und zugleich die Furcht des Staates, dass er möglicherweise nie passiert. Sie ist die Furcht des Arbeiters, mit jedem Einsatz nicht mehr zu genügen, als sei sie eine Erbsünde, der man sich nicht entzieht. Unterdessen schließt der Konsument Reiserücktrittsversicherung und Rechtsschutz ab, schwiemelt Kameraattrappen an seine Schlichtbehausung und hofft, dass der Blitz beim Nachbarn einschlägt.

Genau hier kommt der Staat ins Spiel. Als oberste Repräsentanz der geordneten Gesellschaft wäre es seine Aufgabe, auf der Vertrauensbasis des reinen Daseins seinen Bürgern die Daseinsangst nehmen zu, doch das Gegenteil geschieht. Er ist die Perversion der Idee, denn er fordert und fördert, wo er Keime einer allgemeinen Furcht vorfindet. Das Beharrungsvermögen des Staates, nichts ändern zu wollen, fällt auf fruchtbaren Boden, wo die Behämmerten auch nicht mehr wünschen als die gemeinsame Nulllösung: keiner bewegt sich, dann geschieht auch nichts Schlimmes. Auf diesem Fundament lagern Religionen.

Und tatsächlich ist die Angst ein quasireligiöses Instrument, um blindes Vertrauen hervorzurufen, wo dies noch nicht zu den Werkseinstellungen der amorphen Sozialmasse gehört. Denn mit der nötigen Dosis an Kleinmut wächst die Gefügigkeit und sinkt der Entschlossenheit, die Mechanismen des Glaubenssystems zu hinterfragen. Das torpediert jede Aufklärung und jede Mündigkeit des Menschen – wer zittert, revoltiert nicht.

Der Preis der Angst ist jene Duldungsstarre, mit der eine gelähmte Gesellschaft die Konkurrenz fröhlich pfeifend an sich vorbeiziehen sieht. Dass genau dies allenfalls zu unterdrückter Wut, im Regelfall jedoch nur zu noch größerer Angst vor der Zukunft führt, bedarf keiner ausufernden Erklärung. Wer sich in seiner Phobie eingehäkelt hat, hockt sicher verwahrt vor der Wirklichkeit. Damit jedoch beginnt der zweite, der verzahnte Teufelskreis, noch wirksamer, wenn er auch durch die soziale Ordnung unterstützt wird: Angst vergrößert die Dinge. Die reißende Bestie ist in Wirklichkeit ein ungehaltenes Schoßhündchen, das beim Anblick einer Maus jaulend davonliefe. Für den Phobiker aber ist die Größe des Hundes egal, er erscheint immer bedrohlich. So auch das Gesellschaftssystem. So auch der postdemokratische Staat. Denn was wäre ein solcher Staat ohne ein Werkzeug, das die Rivalität untereinander fördert, ohne den Konsum zu stören.

Die Vollkaskoversicherung ist das perfekte Produkt für den Angstbürger; sie baut auf seine anhaltende Sorge, nimmt ihm aber nicht die Furcht vor der tatsächlich eintretenden Katastrophe, da diese, so der Versicherer, nur eine Frage der Zeit sein wird. Dass der Staat, der an dieser Kasperade noch fleißig mitverdient, eben demjenigen Bürger, der seine wunschgemäß privatisierten Sorgen in Eigenregie versichert, noch pöbelnderweise eine Vollkaskomentalität unterstellt, setzt dem die Krone auf. Doch wahrscheinlich verlangen wir zu viel in einer Welt, in der die Wahrscheinlichkeit, von einem herabfallenden Fernseher erschlagen zu werden, höher ist als die, einem Bombenanschlag zum Opfer zu fallen. Der Fernseher ist kein mystifizierbares Unheil (die Wirkung der Unterschichtensender einmal ausgenommen), er taugt nicht zur religiösen Überhöhung, nicht einmal zur gesellschaftlichen Identifikation. Genau das stand zu befürchten. Wie gut, dass wir wenigstens das Internet haben, die Schweinegrippe und die gute alte Zukunft.





Stillgelegt

20 08 2013

„… habe al-Qaida möglicherweise Anschläge auf Fernzüge geplant. Nach eigener Aussage habe die NSA zahlreiche Telefonate islamistischer…“

„… wolle Bahn-Chef Grube regelmäßig zu Wetterumschwüngen bedroht worden sein, die Klimaanlagen der ICE-Flotte außer Gefecht zu setzen. Die terroristische Vereinigung habe angekündigt, sonst den Stuttgarter Bahnhofsneubau auf unbestimmte Zeit zu…“

„… auch die anderen Verkehrsmittel einer kritischen Durchleuchtung zu unterziehen. So lehne Seehofer es ab, weiterhin Busfahrer mit Migrationshintergrund in der bayerischen…“

„… müsse man auch damit rechnen, dass al-Qaida biologische Kampfstoffe einsetze, um Fahrdienstleiter durch fiebrige Erkältung, Rückenschmerzen oder Sehnenscheidenentzündung aus dem Weg zu…“

„… die Taxifahrten in Berlin im Schnitt um ein Drittel verlängert hätten. Da viele ausländische Chauffeure in der Hauptstadt beschäftigt seien, müsse man von einem alarmierenden…“

„… seien IM Friedrich keine Details verraten worden. Das Bundesministerium werte diese Aussage daher als authentisch, da auch zuvor keine Bestätigung für Telefonate mit möglichen Terroristen…“

„… nicht auszuschließen, dass das Schneechaos bis in den April gedauert habe, da islamistische Meteorologen die Wetterkarten manipuliert und…“

„… bestehe die Gefahr, dass durch einen einzigen Atombombenangriff auf einen deutschen Radweg bereits die Hälfte der…“

„… auch auf die Stromversorgung auszudehnen. Es bestehe kein Grund zur Besorgnis, dennoch empfehle die Bundesnetzagentur in Absprache mit Pofalla, Steckdosen nicht mehr unbeaufsichtigt…“

„… könne die Häufung linksradikaler Straftaten wie Plastikflaschen mit Leitungswasser oder Klebefilm im Gleis der Berliner S-Bahn nicht erklären. IM Friedrich nehme daher an, dass alle als links bekannten Personen heimlich zum Islamismus konvertiert…“

„… stehe es außer Frage, dass Chemtrails auch zur Verbreitung islamistische Botschaften…“

„… der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Wendt davor gewarnt habe, virtuelle Streifengänge auf Google Maps zu unternehmen. Bei terroristischen Attacken bestehe die Gefahr, sich an Computerviren anzustecken, die unheilbare geistige Schäden…“

„… noch nicht errechnet worden. Ramsauer wolle sofort eine Stabsstelle einrichten, die kläre, was geschehen könne, wenn durch terroristische Zugverspätungen die nationale Streusalzreserve…“

„… die Zugausfälle in der Region Mainz nur auf das Konto der al-Qaida gehen könnten, da bisher keine linksradikalen Bekennerschreiben…“

„… könnten nach Uhls Schätzung Wohnungseinbrüche viel öfter als bisher angenommen terroristische Anschläge sein. Daher müsse jeder Verdächtige umgehend nach Guantanamo…“

„… bisher nur eine Forschungshypothese, dass Staus auf deutschen Autobahnen von Terrororganisationen verursacht würden. Es gebe noch begründete Zweifel, dass der daraus resultierende Mehrverbrauch an Kraftstoff zur Finanzierung von Bombenanschlägen…“

„… in einer konzertierten Aktion beschlossen hätten, Bombenanschläge in Flugzeugen zu verhindern, indem die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg auf unbestimmte Zeit…“

„… keine gesicherten Erkenntnisse, doch sei die letzte Rückrufaktion von Toyota nicht vor einem terroristischen…“

„… es noch keine verwertbaren Hinweise vorlägen, ob der zeitweilige Defekt des linken Fahrkartenautomaten an der U-Bahn-Haltestelle Nollendorfplatz damit im Zusammenhang stehe. Der von mehreren Hundertschaften hessischer Bereitschaftspolizei, GSG 9, Luftwaffe und dem Wachregiment Feliks Dzierzynski gesicherte Bahnhof sei kontrolliert gesprengt worden, um ein Vorrücken feindlicher Truppen bis nach Moabit…“

„… könne die Deutsche Bahn AG zum jetzigem Zeitpunkt Sabotageakte am Streckennetz jedoch ausschließen, da die größten vorstellbaren Schäden bereits durch die Bahn selbst…“

„… eine Karte mit den dreißig wichtigsten Zugtrassen veröffentlich habe, an denen Sprengstoffanschläge eine besonders weitreichende Wirkung entfalten könnten. Bin Ladens Nachfolger az-Zawahiri habe BILD per Telegramm herzlich für die freundliche Anregung gedankt und angekündigt, den ersten Anschlag nach Axel Springer zu…“

„… bei herannahendem Herbstwetter auch wieder Fahrradkontrollen durchzuführen. Das Bundeskriminalamt wolle so die Unterwanderung durch Selbstmordradler im Keim…“

„… es kein Zufall sein dürfte, dass Nordic Walking noch immer als harmloser Freizeitsport gelte. Nach Informationen der Geheimdienste sei nicht ausgeschlossen, dass Terroristen mit den Stichwaffen Straftaten begehen und hinterher im Laufschritt…“

„… dass die Terrorwarnung nur für Schnellzüge gelte. Angesichts der durchschnittlichen Verspätung bestehe daher keine Gefahr für ICE und…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCIV): Risikohysterie

19 07 2013
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die ureigenste Krankheit der postindustriellen Gesellschaft ist der Optimierungswahn. Feuerwerk und Arien begleiten den Aufstieg der Klongurke, deren eine aussieht wie die andere, haptisch und geschmacklich auf unteres Mittelmaß gezüchteter Grünschlurch, doch jeder, der einmal einen dieser Wassertransportbömmel in die Finger bekam, wird sie für den Rest des Lebens wiedererkennen, da als Standardsituation abgespeichert. Sie gleichen einander wie Eier, die einander wie Parteien gleichen, die man von Weitem für Gurkenrudel durchgehen ließe, würden sie sich bewegen. Das Optimierte aber, sei es Feldfrucht oder Lebenslauf, dient vor allem dazu, das noch nicht Optimierte, das Optimierungsunfähige oder, horribile dictu, -unwillige auszusondern. Weil dann alles besser wird, preisgünstiger, schneller und ohne Risiko. Was eine voll ausgeprägte Hysterie erst so richtig schön macht.

Könnte Biomasse reden, die Generationen vor uns würden uns erzählen, dass das Leben vor allem eins ist: tödlich. In mancherlei Hinsicht macht auch gerade dies seinen Reiz aus, den wir uns mit der Konsequenz unseres Handelns erkaufen. Wer sich kubanische Zigarren reinpfeift, hat für gewöhnlich gerafft, dass das Zeug dem Kollegen Krebs die Landebahn teert. Alle Augenwischerei, Light und Laber, der dem Verdeppten Genuss ohne Reue als Mantra der Stromlinienförmigen ins Hirn schwiemeln will, ist Milchmädchengedusel vor der sachzwangreduzierten Ehrlichkeit – wer nur die halbe Dosis durch den Filter zieht, saugt eben doppelt so viele Lullen, damit die Kondensatwerte wieder passen. Wer lieber Bier trinkt statt Schnaps, erreicht seinen Pegel genauso, und wer den Kuchen in sechs Teile schneidet, weil er zwölf nicht schafft, lässt auch keine Kalorien unverbraucht zurück. In der Landschaft herumzurelativieren verschafft dem Bürokratienazi quasireligiöse Ekstase, anders ist diese Schwachsinnsbulimie nicht zu deuten.

Ein Paradies für borderlineintelligentes Personal ist der öffentliche Raum, da hier der beinahe erotische Reiz dazukommt, den anderen etwas verbieten zu dürfen. Altglascontainer? Regelschule? Mäh! Tobt sich der linke Rand der IQ-Kurve erst einmal richtig in Stimmung, dann ist der Satan dran, das rote Tuch für die Schwurbelgurken mit Pensionsanspruch. Radfahren nur mit Helm! Wer ohne Helm radelt, soll doch nach drüben – gut, geht nicht mehr, aber der gefährdet sich, und wer soll das alles wieder bezahlen? So plärrt ein vom Risikominimierungskeim infizierter Torfschädel, dessen Welt mir linearem Unfug auskommt. Wer ohne Helm radelt, kriegt Kopfaua, folglich bleibt heile, wer die Bumsmütze aufschraubt.

Pustekuchen. Das Unfallrisiko, abgesehen ob aktiv oder passiv, ist das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, plus das Risiko, dabei dem Bestattungswesen Umsätze zu verschaffen. Möglich ist wenigstens theoretisch, dass der Zweiradfahrer komplizierte Gesichtsbrüche teilweise vermindert. Doch der Kalottenverstärker gibt dem Radler ein trügerisches Gefühl der Sicherheit, die Optimierung ist rein subjektiv. Die Gesamtzahl der Unfälle sinkt, doch die Anzahl der schweren Verletzungen steigt. Wen wundert es, die rollenden Rüpel nehmen sich auf ihrem Freiluftegoshooter unverwundbarer wahr und heizen noch risikofreudiger durch die Pampa – kann ja nix passieren mit dem Ding auf der Rübe. Dass daneben Autofahrer, die meist der Grund für Radunfälle sind, die Rollhelme besser geschützt und damit weniger schützenswert ansehen, erhöht die Totquote nochmals. Helme machen Radfahrer um. Wer das in Gegenwart linksalternativer Sozialpädagoginnen mit Doppelnamen ausspricht, ist doppelplushitler und darf angeschossen werden.

Unangenehmerweise entspricht genau das der Wahrheit. Die Homöostase ist im Straßenverkehr zu finden wie beim Nikotinkonsum – wer technisch die Sicherheit zu erhöhen sucht, steigert das Risikoverhalten der Beknackten über den identischen Faktor hinaus. Ein statistisch perfekt ausgeleuchtetes Feld ist der Kraftfahrer und sein Verhalten dank Sicherheitsgurt. Die heutigen Motorfahrzeuge sind in weniger gefährliche Materialkaltverformungen verwickelt, weil sie an Sicherheitsvorkehrungen reicher wurden, doch der Gesamtschaden verteilt sich lediglich besser. Die rollenden Schützenpanzer mit ABS und Seitenairbag gaukeln dem Automobilisten einen Grad von Unverletzlichkeit vor, der Sonntagsfahrer zu Formel-Möchtegern-Piloten werden lässt, drängelnden PS-Prolls mit weniger Profil als Neurose, deren lautstarkes Ableben an der Leitplanke nicht einmal eine Organspende hergäbe. Je mehr Bremsassistent, desto mehr Radlermatsch, denn die Opfer im Kfz-Rodeo sind im Zuge der Homöostase Zweiradler und Passanten, die sich vor dem im Gasgeberschädel entstandenen Ballerspiel nicht mehr ausreichend schützen können.

So optimiert eine Gesellschaft mathematisch Minderbegabter sich in den Wahnsinn und wird demnächst aus reiner Angst vor dem Leben die Zwiebeln gemäß Gesetz mit der Pinzette pellen. Sollte auch nur einer der kognitiv naturbelassenen Risikotzbrocken in Anwesenheit eines geistig Gesunden sein Hütchen von der Birne popeln und danach, wie linksalternative Sozialpädagoginnen mit Doppelnamen das zu tun pflegen, ein Litschi-Eigenurin-Hipstertrendgetränk mit karzinogenen Zuckeraustauschstoffen ordern, so soll man ihn an Ort und Stelle standrechtlich erschlagen. Und zerstückeln. Besser kein Risiko eingehen.





Für zu leicht befunden

17 07 2012

„… gebe es laut Innenminister Schünemann (CDU) eindeutige Anzeichen für das Abgleiten in den Islamismus. So sei ein Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten oder eine längere Reise in Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung als ernstes Symptom zu betrachten, außerdem eine intensive Beschäftigung mit dem Leben nach dem Tod, plötzlicher Reichtum oder plötzliche Schulden oder eine…“

„… historisch keinen Beweis dafür, dass unterernährte Muslime zu Deutschland gehörten. IM Friedrich habe jedoch eingeräumt, dass die im deutschen Asylbewerberleistungsgesetz verankerte Unterernährung möglicherweise zu Fehlschlüssen seitens der regierenden Sicherheitskräfte…“

„… noch kein Anzeichen für Islamismus. Die Kanzlerin habe sich zwar in mehreren überwiegend muslimischen Staaten hintereinander aufgehalten, dies sei jedoch nur wegen der Staatsbesuche in…“

„… dass eine größere Anzahl von Millionären bei der Steuerprüfung jäh verarmt seien. Ob dies bereits auf eine islamistische Verbindung hindeute, sei jedoch noch nicht…“

„… müsse man die Knabenbeschneidung als Ausdruck der Religionsfreiheit tolerieren, auch wenn sie mit dem christlichen Abendland nicht…“

„… unterstreiche Schünemann, dass bereits das Leugnen von Anzeichen für die Radikalisierung ein klarer Beweis für die…“

„… das Tragen eines Nachthemdes und einer Häkelmütze noch nicht grundgesetzwidrig sei. Die Innenministerkonferenz habe beschlossen, das Bundesverfassungsgericht schnellstmöglich durch eine bessere…“

„… den Fall mehrerer Kinder, die im Umfeld des bereits zweimal wegen Kindesmissbrauchs vorbestraften Gemeindepfarrers Alois G. (59) Symptome einer Anorexie zeigten. Es sei dem Geistlichen nicht nachzuweisen, dass er während der Firmkatechese muslimische Propaganda…“

„… internationale Proteste hervorgerufen habe. Das aus Pakistan stammende Model sei während der Berlin Fashion Week auf dem Laufsteg verhaftet worden, da sie vom Sicherheitspersonal für zu leicht befunden…“

„… die Meditationsveranstaltung Leben – und dann? auf Betreiben des baden-württembergischen Landeskriminalamtes abgesetzt worden sei. Es habe zwar keine Anzeichen für eine schleichende Islamisierung des Vortragenden gegeben, zur Vorsicht sei Generalvikar Klemens D, (61) jedoch sofort…“

„… durch ein Spezialeinsatzkommando unter Einsatz von Blendgranaten gefangen genommen worden. Detlef H. (44) habe den Lotteriegewinn gesetzeswidrig nicht beim Innenministerium zur Überprüfung…“

„… sowohl Diät-Tipps als auch orientalische Pluderhosen in derselben Ausgabe gebracht habe. Brigitte werde ab sofort nicht mehr als frei verkäufliche Zeitschrift…“

„… als ersten Erfolg zu verzeichnen. Nachbarn hatten den als streng religiös bekannten Mann dem Verfassungsschutz gemeldet, nachdem dieser in einer Bußübung fast zehn Kilogramm Gewicht verloren hatte. Beim Zugriff habe sich Swami Nathuram Gopalnath gerade auf dem Nagelbrett…“

„… müsse man selbstverständlich auch alle nicht magersüchtigen Muslime für sehr gefährlich halten, denn diese könnten eine Essstörung vor den Augen der Öffentlichkeit aus Hinterlist…“

„… dürfe man die Burka als Ausdruck der Religionsfreiheit auf keinen Fall tolerieren, da sie mit dem christlichen Abendland nicht…“

„… werde die Klosterverwaltung das 14-tägige Heilfasten nur noch für Gäste mit nachgewiesener römisch-katholischer…“

„… versehentlich auch Bartwuchs als generell islamistisch eingestuft hatten. Thierse sei vom Bundeskriminalamt als feindliches…“

„… legte Schünemann großen Wert auf die Feststellung, nicht die Hakennase sei ein Anzeichen für eine gefährliche Tendenz, sondern die Tatsache, dass man eine Hakennase bereits für ein Anzeichen einer nicht christlichen…“

„… sei ein rasierter Schädel oder das Tragen von Kampfstiefeln noch kein Merkmal offener Verfassungsfeindlichkeit. Tausende von Skinheads seien bereits polizeibekannt, so BKA-Präsident Ziercke, allerdings habe kein einziger von ihnen je islamistisch motivierte Straftaten…“

„… den seit 1964 in Nürnberg lebenden Theoklitos D. (68) für einen Türken gehalten hatten. Er hatte sich verdächtig gemacht, da er als mutmaßlicher Nichtdeutscher eine Portion Würstel mit Kraut…“

„… ein Kopftuch bei einer jungen Muslimin deutscher Staatsbürgerschaft regelmäßig als Symbol einer extremistischen, gewaltbereiten Gesinnung zu werten, bei einer aus Schlesien stammenden Rentnerin jedoch als Ausdruck einer traditionellen und heimatverbundenen…“

„… sich Papst Benedikt XVI. in letzter Zeit auffällig oft mit jenseitigen Dingen beschäftige, ein nicht der westlichen Herrenmode entsprechendes Gewand trage, seit seiner Amtseinführung plötzlich über große Reichtümer verfüge und sehr oft auf Reisen…“

„…habe keinen Beweis erbringen können, dass er den Geldbetrag legal mit sich führe und sei darum vorerst als Terrorist inhaftiert worden. Schünemann habe dennoch beteuert, dass es sich dabei nur um ein großes Missverständnis…“