Organisatorisches Problem

15 09 2020

„… nach der krisenhaften Entwicklung eine neue Definition von Mobilität erfinden müsse. Damit sei die deutsche Autoindustrie jedoch überfordert, da sie ihre Innovationen in den letzten Jahren selten im Dienste der Kunden, sondern eher als verlängertes Sprachrohr der…“

„… sich nicht interessiert gezeigt habe. Merkel sei strikt dagegen, neuerliche Finanzspritzen in die börsennotierten…“

„… unter hohem Veränderungsdruck stehe. Als Wechsel des technologischen Paradigmas unter Beibehaltung der Innovationsvorsprünge schlage Söder vor, die Industrie komplett auf den Bau von E-Scootern und…“

„… sei das Argument, die Autoindustrie habe verkehrstechnisch und betriebswirtschaftlich die wesentlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte versäumt oder sogar konterkariert, nicht stichhaltig, wenn gleichzeitig sowohl die Lufthansa und zahlreiche Kreuzfahrtreedereien enorme…“

„… habe die bisher bevorzugte Lösung, einige Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen an die Automobilindustrie auszuschütten, nur Altmaier überzeugt. Es müsse aber gesichert sein, dass Boni weiterhin in voller Höhe ausgezahlt würden, wenn der Wirtschaftsminister nach den Wahlen nicht mehr als Mitglied der…“

„… Arbeitsplätze erhalten müsse. Laschet habe dem bayerischen Ministerpräsidenten energisch widersprochen, der den Bau von Flugtaxis nur im Freistaat statt an bisherigen Standorten in…“

„… dürfe man die Forderung des jetzigen Bundesverkehrsministers, bis 2020 alle Verbrenner gesetzlich zu verbieten, nicht ernst nehmen. Scheuer habe damals unter der Knute führender linksextremistischer Terroristen wie Stoiber und…“

„… Arbeitsplätze in der Branche der Zulieferer verteidigen müsse. Die SPD mache sich für die Arbeiter stark, die bisher als das Rückgrat der deutschen Leitkultur die Fabriken am Leben erhalten habe und fordere den nationalen Umbau der Fahrzeugindustrie in eine Struktur von Kleinmanufakturen, die im Niedriglohnsektor die Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne an der Börse und an den großen internationalen Märkten der…“

„… die Kanzlerin erneut verlauten lasse, dass sie den Einzelinteressen der Bundesländer keine Arbeitszeit widme. Sie habe Besseres zu tun, als sich mit diesen…“

„… fördere insbesondere die Verbrennertechnik den Ausstoß klimafeindlicher Gase, ohne die der Aufbau neuer Arbeitsplätze in der Umweltindustrie niemals so nachhaltig und…“

„… sehe die Bundesagentur für Arbeit ein organisatorisches Problem, da in der Autoindustrie der von der Sozialdemokratie zitierte Arbeiter so gut wie nicht mehr existiere. Davon abgesehen sei es jedoch nicht weiter schwer, die Angestellten auf ein Lohnniveau unterhalb von ALG II zu…“

„… auch die FDP überzeugt habe, dass durch einen teilstaatlichen Beteiligungsfonds die meisten Automobilhersteller zu retten seien. Lindner stelle lediglich die Bedingung, dass dieser ausschließlich durch die pauschale Kürzung aller Sozialleistungen finanziert werde, da es ungerecht sei, wenn sich die Aktionäre durch ihre eigenen Abgaben am…“

„… dass der SPD-Vorschlag durchaus nicht abwegig sei. Allerdings wolle die EU zuvor durch ein Gutachten prüfen lassen, ob Deutschland eine Rolle als Billiglohnland nach dem Brexit noch…“

„… führe eine einseitige Förderung von Elektromobilität zur einer Vollbremsung kurz vor der Wand. Scheuer halte dies für nicht vereinbar mit seiner sonstigen Arbeit als Minister, CSU-Mitglied und Autofahrer und werde auch weiterhin die…“

„… als weiteren Vorschlag die Umstellung auf Batterieforschung und Akkubau eingebracht habe. Die SPD wolle vorab noch klären, ob die deutsche Wirtschaft dies im weltweiten Maßstab überhaupt leisten könne, sehe aber ansonsten keine Probleme mit den technischen…“

„… die Autobranche markenunabhängig eine kostenfreie Nachrüstung aller Benziner anbiete, mit der die Fahrzeuge keinerlei Emissionen mehr hätten. Dies beziehe sich zunächst auf die Anzeige auf dem Armaturenbrett, funktioniere nur im Labor und müsse von der Bundesregierung mit einer Einbaupauschale von jeweils…“

„… habe die massive Subventionierung von E-Autos zum Kauf von 90% Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor geführt. Scheuer wolle deshalb nun die Verbrenner mit einer Prämie unterstützen, da sich daraus logischerweise die Förderung von Hybrid- und Wasserstoffantrieb ergebe, die letztlich als gewünschtes…“

„… autonomes Fahren für einen Schlüssel zur Vollbeschäftigung halte. Altmaier wolle zu jedem Neufahrzeug einen Arbeitslosen ausliefern, der dem Halter als sozialversicherungspflichtig beschäftigter Lenker seinen neuen…“

„… müsse der Mentalitätswechsel auch von den Kunden eingeleitet werden, die noch immer zu viele zu schwere und zu schnelle Fahrzeuge kaufen würden. Die Ansage der Bündnisgrünen sei jedoch von Gauland vollständig abgelehnt worden, der darin die Legitimation für die Umvolkung des…“

„… ein Zusammenwachsen von Auto- und IT-Industrie fördern wolle. Wenn die Hersteller künftig die ganze technische Infrastruktur für eine mobile Vorratsdatenspeicherung entwickeln würden, werde Scholz im kommenden Jahr auch über eine Prämie für Verbrennungsmotoren und weitere…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXX): Fleischverzehr

26 06 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Als der Hominide selbst noch in artgerechter Bodenhaltung durch die Urwälder krauchte, sich von mobilen Eiweißquellen mühsam zu ernähren versuchte oder alles lutschte, was zwischen Baum und Borke zu finden war, da hatte er noch eine lange Reise vor sich, einerseits, was den Intellekt betraf, andererseits in Bezug auf seine körperlichen Fähigkeiten. Die Nahrung war so rar wie degoutant – der Begriff Schmetterlingssteak hatte eine vollkommen andere Bedeutung. Zudem nahm der Urmensch seine Mahlzeiten to go zu sich, es sei denn, er konnte das schmackhafte Fluchttier von der Notwendigkeit des Verweilens überzeugen, in manchen Fällen auch davon abhalten, seinen Jäger als Zwischenmahlzeit zu betrachten. Dazu brauchte es Geschick und Geschwindigkeit, für die dagegen Proteine förderlich waren; diese wiederum ergaben Schläue und Schmackes. Mehr oder weniger tote Tiere zu essen schien den Chefprimaten nachhaltig zu stärken. Es hätte so weitergehen können.

Doch irgendwann war’s der Jäger und Sammler wohl leid, von der Hand in den vorgewölbten Mund zu leben. Und wie er dem Keimen und Blühen der Gräser so zusah, die ersten Paarhufer zähmte und deren Milch als Sättigungsbeilage entdeckte, wuchs in ihm der Gedanke, statt Blätterdach und Höhle so etwas wie eine Behausung zu benutzen, wie ihm das ständige Umherziehen in fremder Umgebung zu ersparen wusste; nur manchmal noch blubbert der archaische Reflex wieder auf, wenn der moderne Honk auf der Bundesautobahn im Stau steckt und in einer gewaltigen Übersprungshandlung seinen Zorn gegen den Himmel brüllt. Auch wenn es noch keine Städte gab, der Sapiens konnte den Klimawandel vernünftig kompensieren. Er erfand das Brot, und er erfand das Bier. Alles war gut. Vorerst.

Es hätte auch dauerhaft so bleiben können, wäre nicht tierisches Eiweiß, das für Jahrtausende ein Luxusprodukt überwiegend für den aristokratischen Geltungskonsum bleiben sollte, irgendwann in die Mühle des Kapitalismus geraten. Dem Bauern hatte man noch jeden Sonntag sein Huhn im Topf als Anzeichen wachsenden Wohlstandes versprochen, wohl wissend, dass man ihn damit regelmäßig zur Vernichtung seiner eigenen Produktionsmittel trieb. Mit dem Ausbrechen der Industrialisierung, die vor Tier und Mensch nicht halt machte, wurde beide das, was sie bis heute sind: Ware.

Die betriebswirtschaftliche Optimierung ist nicht einfach, wenn das Benutzgetier alsbald ganz nach Kundenwunsch seziert wird. Das Versprechen vom Aufstieg durch herrschaftlichen Fleischverzehr ist dem kapitalistischen Kleinknecht heiß zu Kopfe gestiegen; er dünkt sich distinguiert, wenn er vom Opfer nur noch Filet frisst, vom Hühnchen nur noch die geschmacksfrei gezüchtete Brust auspopelt und den Rest in die Verwertung rülpst. Der Diener am DAX kennt kein Schwein mehr, er kennt nur noch Gehacktes, und selbst das nur noch in aseptischer Verpackung, die just an der Blutrinne gestopft wird.

Wie den eigenen Tod verklappt die schöne neue Gesellschaft der Zweckmäßigkeit das Zermetzeln eigens dafür erzeugter Tiere in die Effizienzzonen der Wirtschaft: ein Stück Vieh auf seinen Nutzwert als Wurst und Braten dimmt die Emotion und führt sie auf die Notwendigkeit zurück, die uns allen längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Weder Angst und Dreck noch der Verbrauch an Sklaven, die Schnitzeltiere über die Klinge springen lassen, rechnet der Gewohnheitsgriller ein. Als wüchse das Kotelett am Baum, so pfeift sich der Hohlrabi den Zellhaufen rein, der ihm dröges Gemüsekauen erspart. Die Evolution, sie frisst ihre Kinder.

Dass es auch mit weniger geht, fleischarm, gar fleischlos bis frugivor, bringt blind an der Keule nagende Fortschrittsglaubende in rohe Wut. Der Veganer nämlich, heult’s am Schwenkrost, muss ja diese und jene Stoffe zuführen! Der ist nicht, was er isst! Als sei der Hormoncocktail, der die Rippchen geschmeidig macht, pure Natur, vom lieben Gott persönlich der Sau injiziert, die sich nichts anderes gewünscht hat als die kurze Inkarnation im Liegen, damit der Speck ihr behende am Arsche schwillt. Ach, wie glücklich, wer sich Krebs und Gicht in die sterbliche Hülle schwiemelt, weil er ja vor seinem äußerst durchschnittlichen Ableben noch jede Menge Sondermüll in den Wohlstandsbauch ballert.

Wohlan, machet die Leberwurst teurer, dass die viel beschworene gesellschaftliche Mitte greint und die ärmeren Schichten freiwillig Kraut und Rüben in den Topf tun! Dumm nur, dass es nichts nützen wird, denn der Widerwart an Zuständen, der jetzt die Fleischindustrie beherrscht, er wird sich nicht an höheren Preisen brechen, wie auch eine billige Nietenhose aus billigem Stoff nur ein paar Meter entfernt im selben Textilgulag gefertigt wird wie die Designerjeans, die sich nur durch ein Label mit klingendem Namen von den Proletenplünnen unterscheiden lässt. Wir verdrängen tapfer den Zusammenhang zwischen Leid und Leberkäse, Gulasch und Grauen. Der Mensch entfremdet sich nicht nur vom Werk des industriell betriebenen Schlachtens, er entwertet mit dem Akt an sich auch das Erzeugnis. Er ist, was er isst: Wurst. Was da reinkommt, weiß er besser nicht.





Weißwurst

18 09 2018

„… nicht nur in Bayern, sondern auch in den restlichen deutschen Provinzen, die dem Freistaat angegliedert seien, für eine brutalstmögliche und lückenloseste Aufklärung des Dieselskandals sorgen und die Rolle der CSU als entschiedenste Umweltpartei in der ganzen BRD sofort und mit tausendprozentiger…“

„… offenbar Scheiße vom falschen Baum geraucht habe und dringend seinen Dealer wechseln solle. Der BMW-Vorstandsvorsitzende Krüger habe sich gefragt, ob Scheuer noch alle Tassen im…“

„… die Christsozialen damit gescheitert seien, deutsche Amts- und Landgericht für befangen zu erklären, weil diese Fahrverbote für Diesel-Pkw auf kommunaler Ebene im Zuge einer…“

„… zwar richtig sei, dass der Bundesminister die Manager als Drecksäcke, linkslinke Schweine, Kommunistenschwuchteln und grüne Volksverräter bezeichnet habe. Dies sei jedoch in Absprache mit der CSU-Führung und daher ohne weitere Gedanken über die Folgen dieser Äußerungen geschehen, weshalb Scheuer jetzt zunächst die Automobilkonzerne in der Pflicht sehe, mit einer vernunftbetonten Antwort die Öffentlichkeit von ihrer…“

„… dass auch andere konservativ regierte Bundesländer sich für Fahrverbote einsetzten, so sie der offiziellen Umweltschutzpolitik förderlich seien. Hessen sehe derzeit keinen Grund, auf die reaktionäre Linie des bayerischen…“

„… es noch große technische Bedenken im Bereich der Umweltschutztechnologie gebe. Scheuer habe sich nach Auskunft seines Sprechers zwei Quartanerinnen ins Ministerium bestellt, die ihm mit dem notwendigen physikalischen Fachwissen zur…“

„… es die Automobilindustrie recht gelassen sehe. Es stehe Scheuer jederzeit frei, Bundesmittel für die Aufrüstung von Dieselfahrzeugen zu versprechen, er müsse dies jedoch mit dem Ministerium für…“

„… technische Aufrüstungen aber weiterhin ablehne, da sie zwar Arbeitsplätze sicherten, was aber nur im Interesse der Wähler und nicht der bayerischen…“

„… Scholz die Pressevertreter gefragt habe, ob man in Berlin neuerdings Weißwurst kokse. Er habe weder von der Bundeskanzlerin noch von seinen Staatssekretären eine Nachricht bekommen, dass eine dreistellige Milliardensumme für deutsche Dieselfahrer im Nachtragshaushalt der…“

„… ein Urteil der EU niemals akzeptieren werde. Scheuer werde sich dafür einsetzen, dass der Freistaat aus der Europäischen Union geschlossen austrete, wenn es zu einer Strafzahlung für die…“

„… freiwillige Updates nicht zu bezahlen seien, da eine Überprüfung der Software technisch nicht ohne Dritthilfe bewerkstelligt werden könne. Das Bundesinnenministerium wolle keine Kontrolle durch legale Maßnahmen veranlassen, da sich auch Partei- und regierungsnahe Mitglieder unter den Fahrern der…“

„… dass das Verändern der Software noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werde. Scheuer habe sich entschlossen, den Konzernen vier Jahre Zeit zu geben, um seinem Nachfolger im Bundesministerium für…“

„… könne die CSU sich mit den Autokonzernen einigen, wenn ein vernünftiges Angebot für eine Wahlkampffinanzierung vorliege, das es Scheuer erlaube, die Ablösung des Übergangschefs Söder schnellstmöglich zu…“

„… fordere die AfD eine Dieselgarantie bis 2050. Die Christsozialen hätten sich durch eine Einigung auf 2048 zwar schon intern gefestigt, wollten diese Marschroute aber erst nach der Wahl als offizielles…“

„… werde Scheuer persönlich dafür einstehen, dass die Autokonzerne hundert Prozent der geforderten Kosten für einen Umbau der Fahrzeuge und eine Entschädigung in Höhe von…“

„… minderjährige slowakische Hostessen aufgetaucht seien, die anlässlich von Scheuers Promotionsfeier in einem bayerischen…“

„… bis zum dreifachen Kaufpreis der Neuwagen erstattet werde. Die durch ausländische Hetze verunsicherte Autoindustrie müsse im Land gehalten werden, da sie in die USA abwandern und mit massiven Strafzöllen zu einer Katastrophe für die Mittelschicht in der…“

„… empfehle Lindner insbesondere den Arbeitslosen, Oldtimer zu kaufen. Wer nach dem Erwerb einer Eigentumswohnung die gesparten Mietzahlungen sinnvoll anlegen wolle, könne ab wenigen hunderttausend Euro bereits mit einer Wertsteigerung von mehr als…“

„… müsse man Investitionsanreize für geprellte Dieselkäufer schaffen, da diese die Hauptzielgruppe für Dieselfahrzeuge seien, denn nur sie könnten nach Scheuers Meinung die Vorzüge eines Diesels gegenüber anderen Fahrzeugen überhaupt sehen. Es verhielte sich mit der CSU ähnlich, weshalb eine absolute Mehrheit bei den Landtagswahlen nur noch eine Frage der…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXIII): Fertiggerichte

24 02 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ein Gespenst humpelt durch die westliche Welt, es hinterlässt Fettflecken am Türgriff, vermüllt die Landschaft, sein widerwärtiges Rülpsen lässt die Innenwände der Plattenbauten mählich bröseln. Es nähret kümmerlich von Opfersteuern und Gebetshauch die Dunstabzugshauben kompletter Reihenhaussiedlungen, die ohne seine Existenz nie in den ökologisch wertvollen Stadtrandboden gedroschen worden wären. Mit modifizierter Stärke lahmt das durch die Gegend, eine Vortäuschung von Leben, ungefähr so wertvoll wie ein Eimer gekauter Pappkartons, aber extrem laut und unglaublich bäh. Aus den Discounterregalen tentakelt sich das Zeug wie zufällig in die Einkaufskörbe, der unschuldige Kunde muss es unter Zwang verstoffwechseln. Es gäbe ja, ging’s nach ihm, niemals nicht gar kein Fertiggericht.

Der unter Industrieabfällen begrabene Rest aus Separatorendreck, Hühnerschlacke und Beifang, der im Polysaccharidschmodder dümpelt, ist trotzige Antwort auf den Bildungsmangel einer seicht verdeppten Ellenbogengesellschaft, Schlabber der Endzeit, Kapitulation vor den Schrecken einer bürgerlichen Gesellschaft, die der Beknackte mit der hilflos in Kitt geschwiemelten Interpretation von schnell erkennbarer Hausmannskost zu sich zu nehmen scheint. Tatsächlich würde der gemeine Hilfshonk die authentische Rindsroulade nicht einmal von ihrem hastig als Surrogat gezimmerten Zwilling unterscheiden können, wenn sie ihm das Bein wässert. Wozu auch. Er hat fertig, und mehr interessiert ihn nicht.

Denn der Bekloppte, kapitalistisch getrimmt auf kritiklosen Verzehr effektiv zusammengeklatschter Spachtelmasse, will nicht können, er will haben, und zwar sofort. Folglich pfropft er sich das knapp verdaubare Pendant zum Selfie in die durchweg geöffneten Schleimhäute: inhaltlich wertlos, man akzeptiert es nur, weil das Aussehen einem vertraut ist und der Hintergrund sowieso verschwimmt. Es schränkt nicht die Qualität ein, denn die ist hinfort ein irrelevanter Parameter: der Hunger treibt’s rein, der Ekel wieder raus, und letztlich gewöhnt man sich an alles. Mit wenigen Taschenspielertricks ist der kalorische Blitzkrieg sogar als Gehirnwäsche in der Lage, die herkömmliche Zusammenstellung aus Weißblechkonserven und Glasgemüse unpraktisch erscheinen zu lassen. In einem Arbeitsgang hebelt der Suizident überkrustete Proteine, Reisrückstand und Pflanzenteile zwischen verspätetem Abschied und Auferstehung auf den Teller, falls er den Schutt nicht gleich im Plastekryosarg in die knarzende Mikrowellenverbrennungsanlage schiebt: die Hälfte der Materie qualmt wie ein durchschnittlicher Tag in einem afghanischen Dorf nach dem Besuch der Air Force, alles andere hat noch knackigen Biss, da weiterhin kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Nicht einmal die Tütenbratkartoffel als unterstes Ende der Zivilisation, sonst der Horrorschocker unter den gutbürgerlichen Wirkungstreffern, nichts kann den Konsumenten von der Überzeugung abbringen, dass der für eine eherne Schmecke optimierte Pamps genießbar sei. Mitnichten, ist er doch nur ein grauenvoller Auswuchs der Technikgläubigkeit, die das industriell Machbare zum quasireligiösen Standard erhebt – dass es Forschern gelungen ist, Fleischkleinteile in Faserbündelgröße, molekular geschreddertes Pflanzenfett und diverse Zucker zum Heimaterdeeintopf Nazi Goreng zu komprimieren, einem Sperrfeuer aus gehärteten Glyceriden und Ballaststoffen, enthält schon die Verpflichtung, es sich in die Innereien zu stopfen.

Dabei spricht das zusammengenagelte Zeug der Selbstwahrnehmung Hohn, die Schnäppchen- und Geizkultur zur nationalen Kunstform erhoben hat. Der Bescheuerte erwartet nicht nur Gourmetware in vollendeter Qualität zum Schleuderpreis, weil ja inklusive Distribution, prekärer Personalkosten, Plasteschale, fünftklassiger Reklame und einer am Rande des Burnout torkelnde Rechtsabteilung der Krustenbraten aus der Makulatursau nicht nur ein Erlebnis an Natürlichkeit und Genuss garantiert. Dabei ist der Schleckschlamm lediglich das handelsübliche Verdickungsmittel, vorsichtshalber per Aufschrift mit fünfzig Gramm Portionsgröße auf medizinisch verträgliche Schadstoffwerte gedimmt. Das Readymade hat seine Entfremdung bis zur amorphen Asia-Pfanne mit Öko-Glutamat gesteigert, der Trickster der Entsorgungswirtschaft, der die Nahrungsaufnahme mit einer gewissen Anspruchshaltung so deformiert, dass Haltung und Anspruch in der Tonne verenden. Aber was erwartet man von einer Bausparerkaste, denen bizarre Recyclingversuche mit Fleischgeschmack sogar für Gäste außerhalb der direkten Nachkommenschaft ausreichen. Offenbar verstecken sich in der Masse genügend Ersatzstoffe für körpereigene Downer, die die Dröhnung an der Schleimhaut auspegeln. An sich hätte bei Markteinführung der orthogonalen Pizza ein enthemmter Mistgabelmob die Fabrik in Grundwasser führende Schichten einarbeiten sollen, aber was erwartet man von Querkämmern, die auf grobe Schmerzreize zu reagieren für die beste aller evolutionären Errungenschaften halten. Am Ende verkocht eh alles im einen, im letzten Brei.





Bremsspur

9 02 2011

„Noch mal Fünftausend? Und die dürfen wir dann auch nicht entlassen nach der Auftragsspitze? Doch, das wird schon gehen. Wir unterstützen diese gesetzlichen Regelungen in vollem Umfang, das können Sie uns glauben. Vollkommen. Wir werden uns bereit erklären, die Zeitarbeitskräfte in unserem Unternehmen ab dem vollendeten dritten Monat mit den Festangestellten ganz und gar gleichgestellt sind. Und Sie halten gefälligst die Füße still, wenn wir die Leute nach zehn Wochen rauswerfen.

Das halte ich für nicht praktikabel. Schauen Sie, wir haben den Arbeitsmarkt geöffnet und erstmals geschafft, dass wieder Menschen in Arbeit integriert wurden, die vorher keinen Job hatten. Also solche, die wir entlassen hatten. Wegen der hohen Löhne. Sie werden doch wohl einsehen, dass wi8r auch auf unsere Kosten kommen müssen. Fünfundzwanzig Prozent Rendite, sagt der Herr Westerwelle, sonst lässt er sich von uns nicht mehr bezahlen. Ja, da schauen Sie – der hat eben Nehmerqualitäten. Aber wir können doch unsere Autos nicht einfach so auf den Markt werfen und darauf hoffen, dass sie Leuten gekauft werden! Das Risiko – glauben Sie, dafür steht einer gerade? Wir? Wieso denn wir?

Machen Sie sich das klar, unser Unternehmen steht unmittelbar vor dem Konkurs. Natürlich, ohne die freundliche Unterstützung des Bundeshaushalts würde es uns noch sehr viel schlechter gehen. Wir müssten unser Dreilitercabrio vielleicht um eine Saison nach hinten schieben, und ich frage Sie, wer will das. Sie vernichten hier massiv Chancen – und ich muss Ihnen ja nicht sagen, dass das auf Kosten der Leistungsträger geht. Wir müssen unsere Steuern nicht hier hinterziehen, wir können auch nach Liechtenstein.

Aus Gründen der Solidarität! Wir stellen doch diese bildungsfernen Idioten nicht ein, damit sie unsere großartigen Autos zusammenbauen, wir erfüllen damit die nationalen Erwartungen an unsere Verantwortung! Und damit sich das für uns irgendwie rechnet, müssen wir die anderen Stellen natürlich mittelfristig reduzieren und in die neuen Arbeitsschwerpunkte aussiedeln. Schauen Sie mal, die in Bangladesch wollen ja auch irgendwie leben, und wenn man mal ausrechnet, was die Jungs sich für hundert Euro im Jahr alles kaufen können, dann sollten Sie diesen humanitären Aspekt nicht ganz unter den Tisch fallen lassen, meinen Sie nicht?

Man braucht überall einen gewissen Anteil an Angestellten, um auf die Marktschwankungen reagieren zu können. Flexibilität hat ihren Preis, nicht wahr? Das ist eben so, daran werden wir uns alle gewöhnen müssen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und die Börse. Das ist Globalisierung.

Natürlich brauchen wir die Billiglohnländer. Keine Frage. Denken Sie sich doch mal eine Lage wie in Ägypten oder Thailand, nur eben so, dass die Bevölkerung nicht sozial benachteiligt wäre im Vergleich zum… ist sie schon? Gegenüber dem Mittelstand? Donnerlittchen, das hätte ich jetzt gar nicht gewusst! Und Sie meinen wirklich, diese Unruhen hätten auch soziale Gründe? Man kann nicht vorsichtig genug sein! Aber wie gesagt, wir brauchen solche Länder. Wir brauchen auch diese Arbeitsbedingungen. Stellen Sie sich mal eine Welt vor, in der es keine Kinderprostitution mehr gäbe wegen der Versorgungslücke zwischen Teppich- und Turnschuhfabrik – was sollten wir denn auf internationalen Konferenzen noch anprangern? Ich meine, wir können doch schlecht Vorschulkinder zum Schneefegen schicken, nur damit Westerwelle endlich mal Ruhe gibt? Und was machen wir mit dem Lohnabstandsgebot? Wollen Sie eigentlich den Aufschwung oder wollen Sie Deutschland wieder auf der Bremsspur? Liegt Ihnen denn gar nichts an dieser Volkswirtschaft?

Sehen Sie es mal von der Seite der Arbeitgeber: wenn wir über diverse Wirtschaftsheißluftinstitute verlautbaren lassen, dass das der Aufschwung ist, dann meinen wir damit: unseren Aufschwung. Wenn wir den Aufschwung für die am Fließband meinen, dann sagen wir das rechtzeitig, ja? Sobald die Kreditreserven wieder Vorkrisenniveau haben – wobei, das haben sie ja. Ist ja wieder vor der Krise.

Unterschätzen Sie jetzt nicht unseren Einfluss. Die Automobilindustrie war immer fortschrittlich und erfolgreich. Und absolut eigenständig. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn wir unsere Belegschaft weiter von Zeitarbeitsfirmen ausleihen. Wir sind immer noch Wirtschaftselite.

Mehr als die Stammbelegschaft? Aber wozu denn? Zahlen Sie einer Aushilfe mehr als den fest angestellten Arbeitnehmern? Also das sind doch sozialistische Spinnereien! Sie wollen uns doch nicht drohen? Wir sollen den Zeitarbeitern einen Risikoaufschlag zahlen, dass sie uns in Engpässen aushelfen? Weil wir für Flexibilität sind? Was meinen Sie damit, wir müssen uns als Arbeitnehmer auch daran gewöhnen? Die Börse? Was, das ist Globalisierung? Wenn wir nicht so kurz vor der Pleite wären, dann würden wir hier aber andere Saiten aufziehen, das schwöre ich Ihnen!

Also wir haben uns da verstanden, ja? 370 Euro für die Hartz-IV-Bezieher, und dann halten Sie beim Thema Zeitarbeit die Schnauze? Abgemacht? Sehr gut. Ich wusste, mit Ihnen kann man reden.“