Demokratische Phase

24 01 2023

„Natürlich wissen wir, dass das nicht geht, weil es gegen das Grundgesetz verstößt. Wir haben es ja schriftlich. Aber wir wären nun mal nicht das Bundesministerium des Innern, wenn uns das jemals interessiert hätte.

Wir hören ja nur verdächtige Bürger ab, deshalb müssen wir natürlich vorher erst mal alle abhören, um herauszufinden, wer überhaupt verdächtig ist. Deshalb heißt es ja auch Chatkontrolle und nicht großer Lauschangriff, wobei dieser Begriff schon irreführend ist. Es geht um digitale Korrespondenz, damit haben wir eine recht genaue Definition für die Maßnahme geliefert. Wir greifen beispielsweise nicht in den Briefverkehr ein, weil das die Abläufe in der Wirtschaft zu sehr stören würde. Oder in der Politik. Wir müssen nur herausfinden, wen wir als verdächtig im Sinne unseres Gesetzes ansehen, und dann kann’s auch schon losgehen. Sie sehen, mit dieser Bundesinnenministerin kriegen wir endlich mal etwas auf die Reihe.

Sie sehen das schon daran, dass selbst die SPD sie für dieses Positionspapier kritisiert. Wenn man etwas gegen solche Widerstände durchsetzen will, dann kann es doch nur gut sein. Und Sie werden es einsehen, wir müssen das jetzt endlich haben, weil es kein anderes Land macht. Na gut, China. Aber das liegt eben nicht in der EU. Ich meine, Sie jammern seit Jahren, dass wir nicht genug tun für die Digitalisierung, jetzt handeln wir endlich mal, und es ist auch wieder nicht richtig. Was denn nun!?

Sie müssen sich mal von Ihren ganzen Ängsten befreien, das ist doch kontraproduktiv. Wenn man immer nur Befürchtungen hat und Bedenken und sonst irgendwelche Widerstände, dann kann man ja kein Gesetz durchbringen. Wir haben es sehr genau abgewogen und verfassungsrechtliche Zweifel ausgeräumt, was sich auch in der Prozessgestaltung zeigt. Deshalb ist das eben nicht flächendeckend, wir haben ja hinterher immer einen Grund, warum wir Ihre E-Mails gelesen haben.

Verdachtslos, das ist immer noch besser als anlasslos. Insofern gehen wir schon mal einen guten Schritt in Richtung Bürgerrechte. Sie sollten da nicht ganz undankbar sein.

Selbstverständlich geht’s um Kindesmissbrauch, damit kriegt man alles durch. Geldwäsche, das wäre schwierig, man will ja die Wirtschaft nicht stören, aber Kindesmissbrauch geht immer. Kampf gegen organisierte Kriminalität, naja – hätte sich vielleicht auch angeboten, aber dann sind wir wieder ganz schnell bei korrupten Abgeordnete, und da hier die Vertraulichkeit des Wortes gilt, liefe das unter Umständen auch auf Industriespionage hinaus, und es gibt so ein paar Sachen, die darf der Staat nicht. Damit müssen Sie sich abfinden. Stellen Sie sich nur mal vor, wir würden Ärzte oder Rechtsanwälte ausspionieren. Gut, tun wir, aber eben nur, bis wir zweifelsfrei herausgefunden haben, dass es wirklich Ärzte oder Rechtsanwälte sind. Dann lassen wir die meist sofort in Ruhe. Es sei denn, wir finden mit anderen Mitteln irgendwas, das uns interessiert.

Jetzt machen Sie sich nicht gleich ins Hemd, es gibt zwar den Ruf nach einem Grundrecht auf Verschlüsselung, aber Grundrechte sind schließlich dazu da, dass man sie vor dem Hintergrund der staatlich garantierten Sicherheit kritisch reflektiert. Wir legalisieren ja nicht gleich die Folter, nur weil sie letztlich der Wahrheitsfindung dient. Bei der Chatkontrolle kann es zwar auch Missverständnisse geben, aber die sollten die betroffenen Bürger überleben. Hoffen wir.

Sie müssen sich auch keine Sorgen machen, dass das unsere Mitarbeiter sehen. Die gibt es gar nicht, wir setzen aus Sicherheitsgründen auch nur künstliche Intelligenz ein. Damit wir sicher sein können, dass Sie uns nicht verklagen können, wenn wir aus Versehen eine Hausdurchsuchung bei Ihnen anberaumen, weil da etwas schief gegangen ist. Das machen aber eigentlich die Provider selbst, weil das die höchste Sicherheitsstufe darstellt. Also für uns.

Der Bundesdigitalminister hat zwar gesagt, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz hier nicht gestattet ist, aber das stand im Koalitionsvertrag auch schon so drin, und da musste er das natürlich fallen lassen. Da kann man nichts machen.

Aber Sie sind auch ein bisschen selbst schuld, dass wir das einführen müssen. Sie posten ja die ganze Zeit schon Bilder von Haustieren, die man eventuell missverstehen kann als amerikanischer Konzern – da müssen Sie sich dann nicht wundern, wenn wir das selbst in die Hand nehmen.

In diesem Darknet können wir natürlich gar nichts tun, da kennen sich die Fachleute nicht aus. Also unsere Fachleute. Aber wir haben eben die Hoffnung, dass die Bürger vor den Maßnahmen in diesem normalen Internet schon so viel Angst haben, dass sie sich in dieses Darknet gar nicht erst reintrauen. Das wäre auch schon mal ein Gewinn.

Wenn das mal in die falschen Hände geraten sollte, dann haben wir natürlich alle ein Problem. Deshalb führen wir das jetzt noch schnell ein, bevor die Stimmung kippt und wir in der Diktatur aufwachen, dann können wir hinterher sagen: es war nicht alles schlecht, wir haben auch noch ein paar vernünftige Sachen aus der demokratischen Phase gerettet. Das nenne ich Risikomanagement!

À propos, ob da etwas dran ist, dass die Bundesinnenministerin eventuell Spitzenkandidatin in Hessen wird? Was denken denn Sie, warum wir den ganzen Kram jetzt eben noch schnell durchziehen?“





Absaufen

22 01 2023

Dass die Politik sich gerne mit Dreck beschäftigt, nur nicht mit ihrem eigenen, ist keine Nachricht. Wenn die Europäische Union die Ausweitung des Emissionshandels beschließt – was nichts anderes heißt, als dass man für Geld weiterhin die Umwelt mit CO2 schädigen darf – und auch noch den Schiffsverkehr mit einbezieht, ist das ein gelungenes Ablenkungsmanöver, dass ebendiese Vermögenden weiterhin nach Belieben verdrecken können, was ihnen Spaß macht. Ausgenommen von den Regeln bleiben nicht nur Schiffe unter 5000 Bruttoregistertonnen, was bereits eine erhebliche Einschränkung darstellt, sondern generell auch alle Wasserfahrzeuge, die nicht gewerblich oder nur für Freizeitaktivitäten benutzt werden, also auch jene Superjachten, die einige tausend Tonnen pro Jahr emittieren (zum Vergleich: der durchschnittliche Deutsche kommt auf elf Tonnen CO2) und dazu noch jede Menge andere klimaschädliche Gase in die Luft blasen. Bei 1.500 Booten in dieser Klasse müssen wir davon ausgehen, dass sie von ihren milliardenschweren Eignern nicht nur benutzt, sondern auch vermietet werden, doch würde man das kontrollieren, diese Leistungsträger kämen am Ende auf die Idee und verließen die EU. Keine Emission, keine Steuerhinterziehung, Geldwäsche, wir würden absaufen. Da freut der Kleinverdiener sich, dass die Regelung für alle gilt, vorausgesetzt, er besäße eine Motorjacht. Für die müsste er keine Umweltabgabe auf den Treibstoff zahlen, denn das wäre ungerecht. Und vom Bürokratieaufwand auch sicher viel zu hoch. Wir aber sollten uns fragen, ob wir die Ökobilanz nicht viel eleganter klein rechnen können, indem wir jede berufliche Fahrt mit dem Diesel als automobile Freizeit umdefinieren. Oder Erdbebentote rausrechnen, wenn sie sonntags den Löffel abgeben. Alle weiteren Anzeichen, dass Milliardäre zu viel Geld in die EU stecken, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • leopard kaputt: Guttenberg hat sicher noch Ersatzteile in der Rattenlinie.
  • tempo wissing: Evangelikale benutzen eben lieber Taschentücher.
  • billige energie: Merz will seine Blitzbirne als schnellen Brüter zulassen.
  • klöckner abitur: Es darf gelacht werden.
  • scholz panzer kaufen: Was letzte Preis?
  • leopard lieferung: Wenn der Bundeskanzler wartet, bis er in der Regierung abkömmlich ist, verzögert sich die Lieferung um einige Stunden.
  • soli abschaffen: Demnächst müssen nur noch die nicht zahlen, die es sich leisten könnten.
  • lindner korrupt: Andererseits geht jeden Morgen die Sonne auf.
  • ihr seid alle gleich: Ich nicht.




Dümmer als die Polizei erlaubt

8 01 2023

Böller, Bierkästen, Schreckschusswaffen. Die Attacken gegen Feuerwehr und Polizei in der Silvesternacht waren die von Freiheitsfreunden und publizistischem Straßenstrich gefeierte Konsequenz aus der Ignoranz gegenüber Einsatzkräften und medizinischem Personal, Klimaschützern und dem verbliebenen bürgerlichen Milieu, die sich vom intellektuellen Dreckrand dafür anpöbeln lassen. Es stand vorher fest, dass die aggressive Ablehnung des organisierten Staates ausufern würde, angeheizt von der Springerschmiere, um endlich völkische Soziopathen und ihre korrupten Lakaien an die Fleischtöpfe zu hieven. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: die Polizei gibt sich nicht mit billiger Symptomvertuschung ab, sie fordert endlich ein Verkaufsverbot von Sprengstoff an die Bürger. Genau jetzt sitzt die Sudelbande in der Tinte: wer immer hartes Durchgreifen fordert, am liebsten die Klimaproteste zum Terrorismus hochstilisiert, die Selbstjustiz als Notwehr gegen den übermächtigen Staat preist, was macht der, wenn seine Wünsche plötzlich in Erfüllung gehen? Erst einmal hören wir das rassistische Geplärr des nazistisch gekränkten Berufslügners Spahn an, der entgegen polizeilicher Erkenntnisse überall Ausländer gesehen hat. Und dann kommt mit Sicherheit dieselbe dümmliche Leier wie mit dem Tempolimit, dass Verbote nicht mit der freiheitlichen Freiheit der leider immer noch geltenden Verfassung zu vereinen seien. Oder wir haben kein Papier. Oder nicht genug Schilder. Irgendwas ist ja immer. Alle weiteren Anzeichen, dass dieses Land dümmer ist, als die Polizei erlaubt, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 28 Tage nach der Weihnachtspause.

  • fdp klimaschutz: Der Geschäftsklimaindex zählt offensichtlich auch nicht dazu.
  • strom teurer 2023: Man muss nicht mehr die Finger in die Steckdose stopfen, um einen Schlag zu kriegen.
  • vatikan mafia: Die machen nicht mal vor Päpsten halt.
  • silvester hitze: Dieses Jahr schmeißen wir die Böller ins Lagerfeuer.
  • corona maskenverbot: Warum vermummen sich die Querdeppen nicht, wenn sie gegen den Staat demonstrieren?
  • merz dement: Das ist nur der Alkohol.
  • spahn cdu vorsitz: Wenn sich die Partei intellektuell in ihre Bestandteile zerlegen will, führt daran wohl nichts vorbei.
  • corona endemisch: Mehr als „Ende“ würde Buschmann überfordern.
  • technologieoffen fdp: Bei vornehmlich finanziellen Interessen ist jeder Arsch Technologie.
  • kohle ausstieg: Die Inflation tut, was sie kann.
  • eu kontrolle korruption: Fragt sich nur, in welche Richtung.
  • ratzinger kind bilder: Er wird genügend gesammelt haben.
  • fußball bestechung: Wo war da jetzt der Nachrichtenwert?
  • cum ex scholz: Bank’s not dead.
  • verkehrswende 2023: Wir warten nicht mehr bis zum 1. Mai?
  • kapitalismus weihnachten: Das sichert Arbeitsplätze, wenn der Planet nicht mehr bewohnbar ist.
  • eigenverantwortung deutschland: Im Abschieben waren wir schon immer spitze.
  • merz fliegen: Asozialtourismus war schon immer Privatsache.




Christliche Identität

11 12 2022

Es weihnachtet. Allüberall entdecken wir wieder die Wurzeln unseres christlichen Abendlandes, so nicht gerade Shopping oder Festplanung anstehen, und in einer deutschen Großstadt gibt sich diese Identität einmal mehr gut zu erkennen. So beschloss die Bremische Bürgerschaft über die Mehrheit der Regierung hinaus, Wohnungs- und Obdachlosen die Gebühr für die Ausstellung ihres gesetzlich vorgeschriebenen Bundespersonalsausweises zu erlassen. Ein kleiner Schritt, der aber beispielsweise für das Anmieten einer Wohnung notwendig ist, und den Stadtstaat etwa 8.000 Euro im Jahr kostet. Die CDU-Fraktion enthielt sich nicht, sie stimmte geschlossen dagegen. Wahrhaft weihnachtlich. Sie wollen vermutlich verhindern, dass jetzt alle Bürger der Stadt wohnungslos werden, um kostenlos an einen Personalausweis zu kommen. Alle weiteren Anzeichen, dass dieses Land endgültig verloren ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • aiwanger schneekanone: Beim Alkohol hat er ja schon den Highscore geknackt.
  • ampel rot: Bei Gelb kann man ja noch mal straflos alles überfahren.
  • scheuer reichsbürger: Weil er die Bundesrepublik nicht ernst nimmt?
  • putsch cdu: Denen ist alles egal, Hauptsache: keine Verfassung mehr.
  • masken günstig kaufen: Jetzt aber schnell, bevor Spahn die Lieferscheine schreddert!
  • merz trump: So einen Dummklumpen auf intellektueller Fußhöhe nimmt der größte Staatsmann aller Zeiten doch nicht ernst.
  • merz drecksau: Schön, dass sich das auch mal herumspricht.
  • reichsbürger cdu: Die Frage ist ja nur, wer da wen instrumentalisiert.
  • schnee wegmachen: Warten Sie, bis er gefallen ist, dann geht das etwas leichter.
  • thüringen spd: In diesen Regionen haben Splitterparteien keine Chance.
  • weihnachtsmarkt corona: Wer den Aufwand scheut, kann seine Infektion auch in der Straßenbahn erledigen.




Rasensprengmeisterschaft

30 11 2022

Lieblingsziel der deutschen Familie: Ballermann. Aber auch in der gemütlich kleinen Dachkammer war der erste Freitagstexter seit langer Zeit wieder eine Freude, vor allem, weil er auf große Resonanz stieß. Das macht Hoffnungen auf eine kreative, spaßige Zukunft.

Da sich das Internet gerade wieder ein bisschen verwandelt, ist es gar nicht schlecht, dass wie die alten Werte wieder einmal produktiv machen. Die Bloglandschaft mit ihrer Individualität und einer schöpferischen Vernetzung sollte den einen oder anderen guten Gedanken hervorbringen, der gerne gelesen und geteilt wird. Wozu macht man sich sonst auch Gedanken.

Aber kommen wir zum Wesentlichen: der Pokal will weitergereicht werden. Die Kommentare sind wieder so schön bunt gemischt von lang und versponnen bis kurz und trocken, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und so kommt auf den Bronzerang diesmal formschubs Erklärung, warum die Olivenbauern bis heute keine Nusspaste mögen.

Stolz präsentiert Firmenpatron Oliviero Nuccini (links) im Kreise seiner Familie die nagelneue Wunderwaffe, mit der er gedachte, der schweren Eichhörnchenplage 1883 in seiner Haselnussplantage Herr zu werden. Aufgrund der Lärmbelästigung kam es jedoch zu einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem benachbarten Olivenbauern, deren Kosten ihn in die Insolvenz trieben.

Aber dann. Tücken des Gartenbaus. Die silberne Kugel schießt gbdg ab, ich zitiere daher gleich mal die intendierte Form der Unterschrift.

Sie waren unzufrieden. Eine Rasensprenganlage hatten sie sich anders vorgestellt.

Und da ich es heute mal kurz halten will, schiebe ich den Textertopf samt Podest und Beleuchtung in den Vordergrund, damit das Überreichen zur nächsten Runde klappt. Es ist Mathias Piecha, dessen fotografisches Gedächtnis vor und hinter der Linse uns den Siegerbeitrag bescherte:

4. August 1877. Das erste Mal, dass ein Fotograf rief: „Und…schieß!“

Herzlichen Glückwunsch! Am Freitag, den 2. Dezember wird der Freitagstexter dann bei Mathias Piecha ausgerichtet. Gestochen scharf.





Niedrigenergiebereich

27 11 2022

Wann immer im Freistaat Bayern die Truppe, die als Regierung auftritt, politische Entscheidungen zu treffen versucht, in der Griff an den Kopf eine gute Wahl. So auch diesmal, da die Laienspielschar in Zukunft ein Viertel der Wärme durch Geothermie aus dem Süddeutschen Molassebecken erzeugen will. Geothermie ist erheblich teurer als Gas, das erheblich teurer als regenerative Energien ist – allein die Erschließung würde inklusive Probebohrungen mindestens zehn Jahre dauern. Dafür würde hinterher der Betrieb eines genügend großen Fernwärmenetzes Milliarden kosten, und da die Kommunen sich zu 60% an der technischen Einrichtung beteiligen müssen, würden sie Kosten zu tragen haben, die teilweise höher sind als alle ihre Haushaltsmittel zusammen. Leider ist die Wärmeversorgung kein kommunale Pflichtaufgabe, dafür dürfen sich Städte und Gemeinden nicht verschulden. Macht aber nichts, im bayerischen Landeshaushalt sich für die Investitionen insgesamt auch nur etwa zehn Millionen Euro vorhanden. Man möchte ja den kommenden Generationen nicht so viele Schulden hinterlassen. Natürlich hätte man es längst anschieben können. Man wollte nur nicht. Lieber jammern, das verbraucht keine Kapazitäten. Hauptsache, es werden nicht diese bösen Windräder gebaut, an denen sich CSU-Abgeordnete nicht mehr bereichern können. Immerhin kein atomares Endlager. Das hätte logisches Denken erfordert. Im Niedrigenergiebereich halt, wie man es von der Söder-Truppe kennt. Alle weiteren Anzeichen, dass Dummheit als Energiequelle dringend der weiteren Erforschung bedarf, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • söder alkohol: Dann würde ja allein die Gegenwart von Aiwanger ihn neutralisieren.
  • spahn lobotomie: Was wollen Sie da groß durchschneiden?
  • csu vorstrafen: Eigentlich sollte es Aufnahmekriterium werden, um sich von den ganzen Kleinkriminellen abzuheben.
  • bundeskanzler ukraine: Sie erwarten von ihm, dass er sich schnellstmöglich ergibt.
  • fußball weltmeister: Momentan herrscht Katar-Stimmung.
  • elektro autos klauen: Die muss man wenigstens nicht kurzschließen.
  • cdu corona: Da sind längst alle Masken gefallen.
  • klima ägypten: Wenn man jetzt die Erderwärmung stoppt, kommen am Ende keine Touristen mehr.
  • putin gesetze: Der einzige, der sich nicht beschwert hat, war sein Liebhaber, aber der ist ja auch noch minderjährig.
  • salzwasser trinken: Das spart das Marinieren, wenn man zum Essen beim Kannibalen bleibt.
  • bürgergeld neu: Heißt jetzt Merz IV.




47!!!!elf!!!

25 11 2022

Freitagstexter

Lang ist’s her, lang im Sinne von: lang. Jahre. Der Freitagstexter, einst das wochenendliche Vergnügen für alle mit scharfem Auge und spitzem Stift, er sank in einen Dornröschenschlaf, wurde zum Mythos und geriet in Vergessenheit. Bis ihm formschub, oft am heiteren Betexten beteiligt, ein Erweckungserlebnis bescherte. Dort stehen auch noch mal die Nicht-Regeln.

Und da sind wir auch schon beim aktuellen Thema angekommen: Nachhaltigkeit. Den ersten Pokal, der seit der Pause das samtbeschlagene Podest in der Arbeitsecke schmückt, stammt von drikkes, dem wir die Erkenntnis verdanken: gute Ratt’ ist teuer, auch als Mitgift. Das Blogstöckchen ist wieder aktiv, und pünktlich zur Weihnachtszeit machen wir uns ein hübsches Geschenk von bleibendem Wert. Aus Spaß an der Freud steuert nun jeder eine oder mehrere Bildunterschriften bei, worauf es ihm obliegt, bei einem Sieg seinerseits den Spaß bei sich fortzuführen. Von Vorteil ist dazu ein eigenes Medium (Website, Blog, notfalls ein Microblogging-Account), wobei auch schon erfolgreiche Runden auf Gast-Blogs stattgefunden haben, getreu der Devise, dass Spaß auch in der kleinsten Hütte ist. Und es immer einen Weg gibt, wenn man ihn finden will.

Die ersten Zimtsterne kommen aus dem Ofen, dem Duft nach braucht es noch ein bisschen Feinjustierung der Backzeit, aber dafür ist das Bild fertig. Bis Dienstag, den 29. November 2022 um 23:59 Uhr mögen die Ideen sprühen, die der allseits geschätzte James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) mit seiner Sammlung stets weckt. Wie schon seit Jahren: Klick macht groß.





Der böse Bürger

13 11 2022

Wenn der Deutsche etwas kann, dann nichts dafür. So wie die Deutsche Post, deren traditionell immer schlechteres Angebot zu stetig steigenden Preisen auch durch die Pandemie nicht besser wurde. Achtzig Prozent der eingelieferten Briefsendungen sollen laut gesetzlicher Vorgabe am folgenden Werktag den Empfänger erreichen – ein Wert, der auch jetzt nur mit Mühe erreicht wird. Wie in jedem guten Unternehmen ist an der Minderleistung erst einmal der Kunde schuld. Der böse Bürger schreibt nur noch E-Mails, da kann man ja bei immer weniger Arbeit nur phlegmatischer werden. Da das Paketgeschäft nicht als Sündenbock herhalten darf, weil der Briefzusteller auf seinem Fahrrad keine Paketsendungen ausliefert, muss das als Grund für die nächste Preiserhöhung ausreichen. Und deshalb wird nun die verbraucherfreundliche Koalition das Gesetz ändern. Dass dann Zustelltage wegfallen, an denen Terminsachen, Rechnungen oder amtliche Schreiben in den Verteilzentren liegen, das ist der Entdeckung der Langsamkeit geschuldet, die nur für die Erhöhung der Boni der Post-Aufsichtsräte nicht gilt. Die Post ist, und das wusste schon Franz Kafka, ein Amt ohne jeden Ehrgeiz. Alle weiteren Fragen, ob demnächst in den staatsnahen Betrieben das bedingungslose Grundeinkommen kommt, weil dort eh keiner mehr arbeiten will, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • spahn experte: Er kann ja angeblich Atmung und Stoffwechsel gleichzeitig erledigen.
  • terroristische vereinigung: Wird die FDP schon vom Verfassungsschutz verstärkt?
  • weihnachten ferien: Das Bodenpersonal könnte auch mal wieder streiken.
  • isolation corona: Wenn wir die Rentenkasse entlasten wollen, können wir eben nicht alle überleben.
  • afd bayern razzia: Sie haben Hirn gesucht – mal wieder vergeblich.
  • merz tourismus: Auf Asozialtour.
  • laschet tanzen: Für den Karneval ist Schweinchen Doof ja noch zu gebrauchen.
  • ziemiak alkoholiker: Nein, er hat das Vordiplom im zehnten Anlauf verkackt.
  • herbst mallorca: Hier ist es scheiße genug.
  • fußball wm: Das verdient nicht einmal einen Kommentar.
  • trump windeln: Das einzige an ihm, das nicht aus Scheiße besteht.




Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXL): Überwachungskapitalismus

11 11 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früh am Morgen steht der Arbeitnehmer auf und widmet sich der Körperpflege. Sollte der Proband noch nicht Qualität und Quantität seines Schlafs in die elektronische Handfessel eingespeist haben, so bleibt ihm wenigstens dieses kleine Geheimnis. Der Verbrauch an Zahnpasta allerdings, die Intensität seiner Dentalhygiene und das anschließend in die Waage getretene Nettogewicht gibt er freiwillig preis, um diverse Kosmetika günstig und schnell in den Haushalt geliefert zu bekommen. Ein kleiner, nervender Jingle erinnert ihn beim ersten Kontakt mit dem Smartphone daran, dass er schon seit zwei Wochen keine neuen Klamotten geshoppt hat, was für seine Alterskohorte gar nicht statthaft ist – auch deshalb nicht, weil er sonst der regelmäßigen Angebote seines Onlinehändlers verlustig ginge, in der Öffentlichkeit negativ auffiele oder sogar den notwendigen Sozialkredit verlöre, der ihm Zutritt zu angesagten Clubs verschafft. Er ist glücklich, er merkt es nur nicht. Aber vielleicht ist es auch nur diese eigenwillige Definition von Glück, die den Überwachungskapitalismus so kratzig macht.

Der Hominide ist nicht nur das Produkt, das sich unbeirrt selbst verkauft, er lässt sich bereitwillig kapitalisieren und entmündigen, denn die Datenspur determiniert sein Dasein. Wie immer steht am Anfang seiner Tragödie die Unfähigkeit, alleine in einem Zimmer glücklich und genügsam zu leben, da er seine Lieblingsmusik, alle 239.481 Stücke in zufälliger Reihenfolge, unbedingt überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit hören will, auch auf den Plastebömmeln, die ihm einst als Fernsprecher ans Ohr genietet wurden von einer Marketingabteilung auf schlechtem Koks. Wir kommunizieren, wo wir Dinge sehen und nicht sehen, wie selbstverständlich im Trachten, nicht nicht kommunizieren zu können und es auch gar nicht zu wollen. In der gehässigen Antwort, die geheimdienstliche Durchleuchtung sei auch nicht schlimmer als ständiger Verhaltenscheck durch die marktbeherrschenden Konsumschleudern, zeigt sich ein profundes Wissen kapitalistischer Politik, die Überwachen und Strafen von allen Seiten gleichermaßen nutzt, wo die von WLAN, Smart Home, Auto und Gesichtserkennung unsubtil gesammelten Einbrüche in die Privatsphäre in eine gemeinsame Verarbeitung durch die Maschine münden, die uns noch im hintersten Winkel der zivilisierten Welt mit Sonderangeboten und Klatsch zumüllt, damit die Trennlinien zwischen Ich und Markt sanft verschwimmen. Einmal mehr ist Freiheit das, was wir Grützbirnen aushalten müssen – kein Wunder, wir haben uns selbst eingebrockt, was wir als ubiquitäre Verfügbarkeit der Produkte feiern, auch wenn wir nichts mehr verstehen.

Das systematische Abschöpfen aller Daten aus dem Inneren unserer Verbrauchssteuerung liefert Paybackpunkte aus dem Immunsystem, dass auch Schopenhauer stolz wäre, wie wir den freien Willen der Markregulierung übertragen, die uns als Großer Bruder die Sorgen des Daseins abnimmt. Was ist eigentlich an einer übermächtigen Wirtschaft noch Nichtregierungsorganisation? Mit der Frage werden die Objekte einer neoliberalen Ordnung allein in der Wüste aufgestellt, wo sie nicht mehr finden, das an eine Gesellschaft erinnert, und hier lohnt sich dann auch Egoshopping, will moralisches Handeln längst in die Frage nach Besitz verschwiemelt ist.

Aber die Zivilgesellschaft schlägt zurück. Weiß der Algorithmus eventuell früher als wir selbst, ob eins schwanger ist, einen Tumor mit sich durch die Gegend schleift oder eine Sucht – alles, was die Finanzberatung interessiert, auf dem Jobmarkt oder für die Sozialversicherungen relevant wird – kann bereits die biestige Weigerung, irgendeiner Firma das Jagen und Sammeln zu erleichtern, Sand im Getriebe sein. Die Asymmetrie der Konzerne beruht auf ihrer Intransparenz, die erst in die Knie geht, wenn Gerichte sich damit befassen und Ansprüche auf Auskunft, Löschung und Betriebsgeheimnisse einklagbar machen. Auf den Putsch von oben lässt sich nur mit Ungehorsam antworten, nicht zuletzt in einer Ära, die potenziell gewaltsame Konflikte um Sicherheit und Ressourcen heraufbeschwören wird, obwohl das Wachstumsgeseier der Ökonomen auch mit brutalem Entsolidarisierungszwang nicht mehr durchzusetzen ist. Wir wollten die Digitalisierung, also haben wir sie auch bekommen, mitsamt der beidseitigen Öffnung aller Schleusen für Schmutz und Dämlichkeit. Wenn wir den Faschismus wieder als denkbare Alternative ansehen, wird er sich beim nächsten Aufschlag sicher nicht als Faschismus zu erkennen geben; es ist gut möglich, dass er zehn Prozent Rabatt auf die private Krankenversicherung verspricht, wenn wir allen verbliebenen Freunden unsere Lieblingsdroge empfehlen.

Und doch, wir sind gesegnet mit der Ignoranz, die einmal mehr nicht von Bonzen ausgeht, sondern von der heilsamen Beklopptheit der Deppen, die uns in Parlamenten ein Paradies aus Schmierkäse zu schnitzen versprechen, je um je, und es dann doch nicht auf die Reihe kriegen. Die Erlösung ist das Funkloch, ist der bescheuerte Algorithmus, der uns alles zum Kauf vorschlägt, was wir soeben erworben haben. Wenn das künstliche Intelligenz sein soll, was ist dann künstliche Dummheit?





Sklavenmarkt

30 10 2022

Wie hart muss es für eine Fachkraft sein, wenn der Chef ihr erklärt, dass sie das Unternehmensziel nicht ansatzweise kapiert hat. Wie unangenehm ist es dann erst für einen Blödmannsgehilfen – wir erinnern uns, dass Bundesverkehrsclown Wissing einst erklärte, für ein allgemeines Tempolimit gäbe es nicht genug Schilder – wenn der Vorgesetzte ihm zu verstehen gibt, dass er auf sein Geplapper keinen gesteigerten Wert legt. So geschehen in Gestalt von Audi-Boss Markus Duesmann, der das Gefasel der evangelikalen Liberalschranze satt hat und nicht an die Eigenverantwortung reicher Spritschleuderer glaubt, denen Energiepreise egal sind. Um ärmere Bürger vor steigenden Kosten zu schützen, fordert er Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sowie autofreie Sonntage. Schlimm. Auch der Sklavenmarkt regelt, das lernt man als Industriemarionette immer erst, wenn es schon zu spät ist. Alle weiteren Anzeichen, dass diese Partei in absehbarer Zeit als postmortale Geruchsbelästigung im Kabinett die Legislatur überdauern könnte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • kretschmer gasleitung: Keine Ahnung, woran der Mann schnüffelt.
  • csu untersuchungsausschuss: Um herauszufinden, dass diese Partei Ausschuss ist, brauche ich keine Untersuchung.
  • meinungsfreiheit deutschland: Sie wissen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal, was eine Meinung ist.
  • lindner kredit: Er ist ja für die FDP inzwischen eher eine Hypoothek.
  • maschmeyer spartipps: Koks ist halt teuer.
  • steinmeier arbeitsdienst: Wenn die SPD die Macht ergriffen hat, schafft sie bestimmt Artikel 12 ab.
  • scholz hafen: China in your hands.
  • china wirtschaft: Keiner hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
  • kartoffelbrei: „Schatz, pack die Suppe ein, wir gehen ins Museum!“
  • spahn arschloch: Wo ist da der Nachrichtenwert?