Köpfchen, Köpfchen!

18 10 2017

Wie lange ist das her, dass der gute alte Freitagstexter ein halbes Dutzend Antworten beschert hat, um mit stiller Freude und leisem Glucksen auszuwählen unter den Verbaleskapaden…

Hildegard fand es ja fürchterlich, aber auch nur, weil ihre Schwester damals die Figuren gesammelt haben muss. Wahrscheinlich hat sie die Kerle eigenhändig guillotiniert, mir ist manchmal noch so, wenn ich nichts ahnend auf der Chaiselongue zu Mittag schlafe – dieses Blitzen in den Augen ist mir nicht geheuer. Sie hantiert schon wieder so komisch mit dem Klapppodest herum. Nervöse Stille.

Aber fangen wir einfach an. Oskar. Nick Knatterton. Fix und Foxi. Figuren aus Strich und Farbe, die Geschichte schrieben. Was aber aus ihnen wurde? Kein Mensch fragt mehr danach. Keiner? Einer grübelt nicht nur, er hat es längst herausgefunden. Bronze hat derChristoph für Deutschlands einstmals bekanntesten Igel.

Aus der Serie „Was wurde aus…?“: Heute: Mecki. Er ist heute Hipsterbarbier im Herzen Berlins und hat seine Freunde zu einem Gruppenphoto arrangiert.

Und da sind wir auch schon mitten drin in der Debatte. Kopftransplantation, ja oder nein? (Was Hirn angeht, mir fallen spontan jede Menge ein, die sich über eine Spende freuen würden, aber das ist eine andere Sache.) Darf man Haar verpflanzen, oder muss man weiter Fußmatten nehmen? Aufklärung naht, Silber geht an Shhhhh für eine positive Nachricht aus der Kosmetikindustrie.

…wolle Alpecin in Zukunft gänzlich auf Tierversuche verzichten, so ein Unternehmenssprecher gestern.

Hildegard löscht die Lichter. Unangenehmer Grusel macht sich breit. Was da in der Küche klappert, ist allerdings nur Herr Breschke, der sich mit einem Rest Streuselkuchen die Zeit vertreibt bis zur Siegerehrung. Derweil schrauben im Hause Meyrink mechanisch begabte Hilfskräfte (einer hat noch bei Frankenstein gelernt, eine ihr Praktikum auf der Scheibenwelt gemacht) auf einem Prager Dachboden Einzelteile zusammen. Aus Lehm bist Du geworden, zu Lehm sollst Du werden. Gold geht an aurorula a. für den mythischen Schluss.

Just-in-Time-Lieferung in der Golemfertigung

Herzlichen Glückwunsch! Den Siegerpokal hat, wenn ich es recht sehe, ein neues Mitglied in der Runde der Text-mit-Bild-Spieler erhalten, und der nächste Freitagstexter steigt bei aurorula a. am Freitag, den 20. Oktober. Ich muss das im Kopf behalten…

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Burgerbetroffenheit

15 10 2017

Besonders betroffen sind Polynesien und Mikronesien, heißt: die Zahl der adipösen Kinder hat sich verzehnfacht, aber uns trifft keine Schuld. Die Fettleibigkeit bei Jugendlichen nimmt zu, und die Fachmediziner der WOF wissen es seit Jahren. Dass die USA unter den Industrienationen einen Spitzenplatz einnimmt, ist auch kein Geheimnis. Die Menschheit rottet sich gerade mit Fett und Zucker aus, und der Effekt wird sich noch verstärken, wenn in einigen Jahren die Altersarmut die schlechte Ernährung weiterer Bevölkerungsteile forciert. Immerhin sparen wir dann durch noch mehr Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen an der Grundsicherung und haben durch die steigenden Gesundheitskosten in höheres BIP. Uns wird es nie so gut gehen wie irgendwann. Alle weiteren Anzeichen, dass wir die Klimakatastrophe gar nicht mehr brauchen, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • sonnenbrille darth vader: Vielleicht doch mal die mit den kleineren Gläsern probieren.
  • sonderangebot pflege: Die Gehälter sind ja jetzt schon so.
  • spd finanzen: Noch reicht die Wahlkampfkostenerstattung.
  • interaktionsdauer tinder: Kommt auf das gesuchte Objekt an.
  • westerwelle auf reitplatz kennengelernt: In der Politik wäre das noch viel unangenehmer geworden.




42

13 10 2017

Freitagstexter

Wenn schon eine Antwort, dann die Antwort auf alle Fragen. Dauert etwas, ist aber einigermaßen erschöpfend. Wie beispielsweise so ein Freitagstexter, bei dem auch keine Fragen offen bleiben. Herzlich willkommen!

Die Taube als Kulturfolgerin, Symbol von Frieden, drohender Fassadenerneuerung und innerstädtischem Flächenbewuchs, wie sie Anhoras Bild zeigte, bot dann doch eine reiche Auswahl an Antwortmöglichkeiten. Dass ausgerechnet eine im Sektor Feinwaschmittel gewonnen hat? Vermutlich Federlesens, wer weiß das schon.

Unser traditionsbehafteter Blogringelreihen hat so oft neue Kreise erschlossen, auch diesmal wird wieder der eine, die andere hereinschauen, um sich zum ersten Mal mit einem Beitrag zu beteiligen. In den (un)geschriebenen Regeln des Wortmischers findet sich nichts, was dem entgegenstünde. Es sind alle gereimten und ungereimten, ernsten und (halb) lustigen, philosophischen, betriebswirtschaftlich sinnlosen oder kunsthistorisch irrelevanten Beiträge gleichermaßen erwünscht, auch die ohne Bezug zur Geschichte Panamas. Kuchen muss auch keiner darin vorkommen. Wir sind ja unter uns.

Bis Dienstag, den 17. Oktober 2017 um 23:59 Uhr wird gewartet, dann fällt die Tür ins Schloss und wir – Hildegard, Bismarck und ich – leeren den Pokal auf das kleine Teebrett, um den Siegerbeitrag zu ermitteln. Es wird keine offenen Fragen mehr geben.

Bei dem von mir so geschätzten James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) gab es diesmal eine Kopfnuss. Knacken wir’s. Klick macht, wie immer, groß.





Doppelter Boden

1 10 2017

Wenn schon blaumachen, dann auch richtig. Der Schmierenkomödiant Pretzell und sein völkisches Wurfgerät Petry haben vorgesorgt und mehren ihren Besitz. Mit diversen Doppelmandaten, die sie leicht wahrnehmen können, da sie ohnehin parteitypisch nie durch Sacharbeit aufgefallen sind, verfügen sie über 35.957,59 Euro, größtenteils steuerfrei. Dazu kommen noch einmal 57.034,00 Euro für Personal sowie diverse Aufwandsentschädigungen und Sachleistungen. Die aktuelle Privatinsolvenz dürfte damit abgewendet sein, das Pärchen kann in Ruhe aus der AfD austreten und ohne jegliche politische Verantwortung ein paar Nebeneinkünfte kassieren. So, wie sie es selbst den anderen Parlamentariern stets vorgeworfen haben. Wahlbetrug behaupten, Wählerbetrug liefern – wer wird denn behaupten, die rechten Affen würden nicht liefern, was man von ihnen erwartet. Alle weiteren Anzeichen für die Etablierung der AfD als Altpartei wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • spd fresse: Fresse, SPD!
  • de maizière kriminalstatistik: Die meisten Straftaten dürften wegen seiner Indemnität nicht verfolgt werden.
  • die blauen: Wenigstens erkennt man so, wo man reingetreten ist.
  • grundgesetz bekämpfen: In Sachsen übernimmt das jetzt die Regierung, damit sie den Amateuren das Wasser abgraben kann.
  • nahles kanzlerin: Es gab ja schon bei den letzten Koalitionsverhandlungen nicht genug Alkohol.




Mia san Bier

17 09 2017

Rechtzeitig zum Oktoberfest hat eine Forscherin an der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden, dass das im Bier enthaltene Hordenin das Belohnungszentrum aktiviert. Für Bayern, die sich ohnehin für eine höhere Lebensform halten, mag der Stoff im Gerstenmalz verhältnismäßig normal sein. Man muss nur noch herausfinden, wofür die Leute sich eigentlich belohnen müssen. Vermutlich dafür, dass sie es geschafft haben, stundenlang kein Bier zu trinken. Alle weiteren Anzeichen, dass im Freistaat Hopfen und Malz verloren sind, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • minister rechtsradikal: Sollte erst in der nächsten Woche möglich sein, aber der Innenminister hat schon mal angefangen.
  • hormonrausch: Fragen Sie mich nicht, dazu bin ich zu alt.
  • dobrindt guttenberg: Diese Partei unterkellert die unterkellerten Keller.
  • drogeneinsatz: Hasch mich, aber mach mich nicht nass.




Spahnplatte

3 09 2017

An rechtspopulistischen Heißluftspendern, die nie eine Gelegenheit auslassen, ihre Dummheit mit dem Absondern juristischer Laienmeinungen bis zum Erdkern zu zementieren, ist die Union ja nicht arm und war es nie. Dass sich das Staatssekret im Ministerium der Finanzen gegen die kulturelle Gleichschaltung – nein, das war kein Zufall – von Englisch sprechenden Kosmopoliten speichelnd zur Wehr setzt, hakt man normalerweise ab. Er ist halt immer unleidlich, wenn die Erwachsenen nicht mit ihm spielen wollen. Dass er aber ausgerechnet die Verwendung des Französischen in der höfischen Kultur des 18. Jahrhunderts als Parallele für die angeblich linken Hipstereliten nimmt, lässt nur den Schluss zu, dass der kleine Jens die Schule eher als Spaßveranstaltung ansah. Oder es gibt alternative Fakten, die nahelegen, dass der preußische Staat eine von schwäbischen Reichbürgern inszenierte Latte-macchiato-Veranstaltung war. Alle weiteren Anzeichen, dass die zu eng angenagelte Spahnplatte bleibende Schäden am Kopf macht, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • merkel verurteilen: Man stellt bei der Gelegenheit eigentlich immer nur fest, dass die Braunhemden keine Ahnung von Staatswesen haben.
  • schokolade kinderarbeit: Deshalb kommen die Schokonikoläuse ja auch schon in den Sommerferien in die Läden.
  • geheimdienst freital: So geheim dann wohl doch nicht.
  • fdp modern: Und dann dieser peinliche Moment beim Aufwachen, wenn man feststellt, dass Justin Trudeau gar nicht Parteivorsitzender ist.
  • kleinwaffen export: Heckler & Koch hat seinen Vorstandsvorsitzenden ordnungsgemäß mit einer in einem demokratischen Land herstellten Schusswaffe entsorgt.




Jalta Falta

30 08 2017

Der oberste Sowjet konnte manches nicht unter den Teppich kehren. Es gab Aschenbecher und Telefon, aber man musste die Badeanzüge in der Mitte abschneiden. Wenn es nicht ohnehin umgebaute Duschvorhänge waren. Zum Brustschwimmen. Es hilft nichts, Leonid Iljitsch hat vermutlich nach einer Flasche Krimsekt den Blini-Lieferdienst nach Sotschi gelotst. Jalta Falta! Dem Freitagstexter eröffnete sich nachgerade eine historische Perspektive.

Wie schön, dass sich treffliche Kommentare gefunden haben! Zwar war es wieder nur eine kleine Schar…

(Hier kommt dann auch der meta-gemeinte Kommentar, den ich schon so lange loswerden wollte: natürlich ist Bloggen ganz fürchterlich ernst und wichtig, es erfordert täglich mehrere Stunden körperlichen Einsatz und mindestens ein Examen in Publizistik, Kontakte zur Medienszene, technische Kenntnisse auf Expertenniveau und mindestens zwölf Fremdsprachen, um Informationskanäle im Interwebnetz zeitnah zu rezipieren. Oder man legt einfach mal los. Steigt irgendwo ein. Schreibt, was gerade so vor der Nase liegt. Alles geht. Keine Angst vor dem Bloggen. Alle haben mal mit dem ersten Schritt angefangen.)

… aber das Klapppodest, das Hildegard gerade murrend herausgeholt hat, werde ich doch seufzend wieder neben den Farn klemmen. Man will ja nicht in Gold, Silber Bronze und Sperrholz urteilen. Da gibt es nur eins, der beherzte Griff zu den Sternen. Wohlan, in die Materie.

Wir haben einen Publikumspreis! Da fiel etwas ins Auge, und diese Ehre gebührt hubbie für den Klassiker der russischen Radiogeschichte:

Frage an Radio Eriwan: „Was sind die Augenbrauen Breschnews?“
Antwort: „Das gleiche wie Stalins Schnurrbart, nur auf höherem Niveau.“

Immerhin ein angedeuteter Treppchen-Einsatz, ganz ohne das Ding geht’s ja doch nicht. Aber nun zum Zwecke dieser Verleihung. Theo fährt nach Omsk, die Kosmetikerin liegt nach einer Überdosis Puschkin unterm Tisch, und der Wortmischer hat dank NSA und anderer Verbündeter den O-Ton parat:

„Ich mach ja jetzt auch dieses Brasilian Waxing. Und deshalb wollt ich Dich fragen, Theo, ob Du damit Erfahrung hast: Geht das auch mit Augenbrauen?“ (Gesprächsmitschnitt: MAD)

Herzlichen Glückwunsch! Der Siegerpokal geht nach längerer Zeit wieder einmal an den Wortmischer, wo es am 1. September weitergeht mit einem neuen Freitagstexter. Mir braut schon davor…