Aufsmaulwurf

19 03 2017

Drei Milliarden. Wie lange könnte man Bedürftige damit beheizen, wenn man die Scheine gleich in den Ofen schaufelte. Stattdessen schmeißt die EU Gelder zum Fenster heraus, um Sicherheitsprojekte zu finanzieren, die schon im Vorfeld gescheitert sind. Das Projekt MicroMole ernährte das Fraunhofer Institut fürstlich, dafür fanden die Forscher mit Sensoren für Abwasserrohre heraus, dass sich die einschlägige Belastung eines Drogenlabors nicht signifikant bemerkbar machen würde, auch dann nicht, wenn man eine ganze Kleinstadt mit Messgeräten verkabelte. Nicht einmal mit einer Sonde in jedem Abfluss hätte man extrem überhöhte Werte bei der Produktion von Amphetaminen messen können. Was angesichts des technischen Aufbaus jedem Chemie-Erstsemester hätte klar sein können. Was bei Nacktscannern geklappt hat, scheint nicht mehr ganz so zu laufen. Alle weiteren Überlegungen, ob die Amphetamine tatsächlich immer beim Besteller landen, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • fiesko haarschnitt: Vermutlich Schillerlocken
  • schnarchschabe: Macht nur unterm Bett Probleme, wenn die Monster nicht einschlafen können.
  • kueche pussycat deluxe: Mit integriertem Dosenöffner.




Hütejungen

8 03 2017

Ein kleiner, feiner Wettbewerb, der leider immer kleiner wird. Sogar die Cowboys treten inzwischen nicht mehr in Dienstkleidung auf, sondern bleiben gleich in Zivil. So geschehen im letzten Freitagstexter. Woran es wohl liegt?

Alles Philosophieren wird wohl am Ende nichts nützen, dann machen wir eben im kleinen Kreis weiter. Das Klapppodest ist bereits in der Abseite hinter dem Bücherturm neben dem Schreibtisch vor dem Fenster verstaut, alles muss ja seine Ordnung haben, auch wenn ich dann nichts mehr wiederfinde. Auch diesmal gibt’s aus Gründen der Vereinfachung wieder nur einen Pokal – wie sonst soll man die Preise vergeben, wenn keiner sie nimmt?

Lange Rede, und kurz war die Entscheidung. Gleich am Anfang bleibt die Trophäe, diesmal geht sie an la-mamma, die damit Schlimmeres verhindern wollte:

mir wär grad nach einer diskussion übers verhütungsverbot.

Herzlichen Glückwunsch! Der nächste Freitagstexter startet am 10. März frisch und frühlingshaft bei la-mamma. Eintritt frei. Kinder zahlen die Hälfte.





Helaubrüder

5 03 2017

Das hatte sich der Nussknacker aus dem rheinland-pfälzischen Landtag anders vorgestellt. Mitsamt Pickelhaube und Paradewichs wollte der AfD-Rechtsausleger Uwe Junge während der Fastnachts-Sendung Mainz bleibt Mainz unbedingt ins Bild. Angeblich, um sich wegen seines plötzlichen Aufbruchs vom Sitzungspräsidenten abzumelden. Vermutlich aber eher, weil mehrere Büttenredner den Verein, der Angst, Hass und Selbstbereicherung bei vollkommener Abwesenheit von Kompetenz und parlamentarischer Arbeit zu verbinden weiß, entsprechend aufs Korn nahmen. Der Helaubruder wollte während der laufenden TV-Übertragung zum Volke sprechen. Den Kontakt mit diesem stellte dann der Saalschutz her, der das Hausrecht des Veranstalters durchsetzte. Ein Antisemit mit Bärtchen, der in Operettenuniform mitsamt Parteigenossen eine Bühne besteigen und zu einer Herde angetrunkener Clowns brüllen will – tolle Idee. Und so neu. Immerhin sehen wir, dass Abschiebung tatsächlich funktioniert. Man muss sie nur bei den Richtigen anwenden. Alle anderen Anzeichen, dass diese Partei mit Anstand, Recht und Ordnung überfordert ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • ablassbrief vorlage originell: In der AfD druckt man die Äußerungen für faschistischen Wortmüll ja auch zusammen mit den Redetexten aus.
  • postpraktisch: Demokratische Strukturen bestehen nur noch in der Theorie.
  • lungensteckschuss definition: Wenn Sie noch an der Kugel ziehen können, war’s einer.
  • angelika misslang: Hatte die DDR noch andere Fernsehansagerinnen?
  • die psyche bei umgeschulten linkshänder: Vermutlich eine Fernwirkung aufs Sprachzentrum.




Sechs mal sechs macht…

3 03 2017

Freitagstexter

… Überraschung! Also in erster Linie für mich, da ich die Rückkehr des Texterpokals so schnell nicht erwartet hatte. Der Gummibaum steht noch hinter dem Stutzflügel – Hildegard wollte ihn unbedingt in der Ecke haben, sie hat bisher noch nichts gesagt, der Kübel steht warm und trocken, und mir ist das ganz recht – und der kleine literarische Salon aus einem Schreibtisch mit kippelnder Büchersäule, der Sitzgruppe und dem Teewägelchen ist bereit für den Freitagstexter.

Krabbeltiere mögen manche nicht einmal im Wohnzimmer, manche machen gleich eine ganze Küche daraus. (Böse Zungen behaupten, die Engländer hätten es erfunden, da die alles frittieren, was nicht schnell genug wegläuft.) Immerhin ging es beim fastnachtlichen Kulturflaneur nicht um Schabefleisch, Bienenstich oder Grillenwurst. Das Sortiment von Feinkost Käfer stand auch nicht zur Debatte. Noch mal Glück gehabt!

Dabei liegt es so nah. Früher noch röstete man Maikäfer für die Suppe an, in Nordfrankreich und Sachsen-Anhalt lässt man den Käse von Milben besiedeln, und die nächstverwandten Gliederfüßler wie Hummer und Garnele gelten als Delikatesse. Chacun à son goût! Deshalb sind auch die bis auf Weiteres gültigen Bestimmungen des Wortmischers für eine ordnungsgemäße Nichtbefolgung irgendwelcher Regeln so strikt einzuhalten, wie es halt gerade passt. Je mehr Kommentare, desto mehr haben alle ihre Freude. Bis Dienstag, den 7. März 2017 um 23:59 Uhr ist Gelegenheit zu einem laut und leise witzigen Ein- oder Mehrzeiler, Bonmot, Kalauer oder Ulk. Der Ändstraich ist noch ein wenig hin, aber Disziplin muss halt sein. Dem Sieger obliegt es, den Preis fortzutragen. Wer dann kein Blog sein Eigen, fragt nach, wer ihm für die Woche Unterschlupf gewährt.

Für dieses Mal steht ein legendärer Komiker Modell, und er ist nicht alleine gekommen. Auf Film gebannt und archiviert von der State Library of New South Wales. Klick macht groß.





Faster, Pussycat! Kill! Kill!

22 02 2017

Ja, es ist schlimm. Man mag es sich schon gar nicht mehr angucken. Immer mehr sinnlose Gewalt gegen Unschuldige. Aber ich gelobe Besserung. Das ist das letzte Bild, das mit der orangeroten Knalltüte zu tun hat. Nach diesem Freitagstexter wird alles anders. Wenigstens hier.

Da der Mann mit dem Schädelfrettchen bereits die Losung ausgegeben hat, jeder seinesgleichen sei befugt, amerikanischen Damen unter die Röcke zu gehen, hat die US-Wirtschaft – hier vertreten durch die Hudson Motor Company, dem geneigten Leser bekannt durch geschickte Produktplatzierung in John Steinbecks Früchte des Zorns – ganz im Sinne der Innenpolitik aufgerüstet. Si vis pacem, para bellum. Unwissenheit ist bekanntlich ja auch Stärke.

Und damit sind wir wieder mitten im Geschehen der Welt und mitten in der Auseinandersetzung. Der amerikanische Krieg findet nicht statt. Zumindest werden keine Gefangenen gemacht. Der kleine bronzene Pokal gebührt für diesmal la-mamma und den Partisaninnen aus der Einkaufsabteilung:

schuhweißchen und die schießend frauen

Wieder nicht aufgepasst, mit Anspielungen um sich geworfen und gehofft, dass sie sich irgendwie verlesen. Gut, neuer Versuch. Schnell ausweichen auf – Dachhasen? Schon wieder nicht die Kurve gekriegt, von wegen Blattschuss. Der silberne Pokal geht an lamiacucina:

Ob der Feldhase für den Sonntagsbraten getroffen wurde, bleibt offen.

Es hat keinen Zweck, sich zu verstecken. Wenn es quakt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und von Wirtschaft so viel Ahnung hat wie ein Sack Kies, dann handelt es sich wohl kaum um die Präsid-Ente. (Schon wieder in die Falle getappt!) Nein, kommen wir zum Thema zurück. Entenjagd, genauer: Zeitungsenten, wie man alternative Nachrichten vor Erfindung der Gehirnwaschmaschine noch nannte. Das goldene Original gewinnt folgerichtig der kulturflaneur:

Nein, das ist nicht die Gründungsversammlung von Amazon, nein, das ist nicht Gaddafis Amazonen-Garde, nein, das ist auch nicht die Frauensektion der National Rifle Association und schon gar nicht die Karnevalsgarde aus dem letzten Tatort – heutzutage gibt es mehr Fake-News zu dementieren als Real-News zu Kenntnis zu nehmen!

Herzlichen Glückwunsch! Eine neue Runde startet am 24. Februar beim kulturflaneur, das ist natürlich eine absolut glaubhafte Nachricht aus sicherer Quelle, und ich werde jetzt wieder in die Bilderschublade verschwinden. In die ältere Abteilung. Zur Vorsicht.





Grenzerfahrung

19 02 2017

Gut, dass die Welt immer ein bisschen sicherer werden kann. An der US-amerikanischen Grenze wurde in der vergangenen Woche der kanadische Leichtathlet Yassine Aber festgehalten und als Terrorverdächtiger behandelt. Sein Vergehen: es existiert eine Fotografie, auf der er als Jugendlicher mit einem späteren Terrorverdächtigen zu sehen ist. Dass Kanada oder das Herkunftsland seiner Eltern, Marokko, nicht vom Einreiseverbot betroffen sind, macht keinen Unterschied – das Dekret ist offiziell ausgesetzt. Wer sicher gehen will, lässt sich am besten mit niemandem fotografieren, ohne zu wissen, was derjenige in der Zukunft vorhat. Wer ganz sicher gehen will, reist als Salafist ein. Aus Saudi-Arabien. Gegen gute Freunde hat die Trump-Regierung nichts einzuwenden. Alle weiteren Anzeichen, dass die westliche Welt langsam porös wird, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • dimpflinger nationalfeiertag: Da lässt sich dann auch Alexander Dobrindt mal eine Hose anziehen.
  • büttenrede gartenzwerg: Und Söder ist auch dabei.
  • die bekloppten und bescheuerten: Irgendeine Hotelkette wird die Parteitage schon nehmen.
  • abfüllkuchen rezept: Nehmen Sie genug Rumrosinen.
  • wackel adolf: Der war auch Sportlehrer?




5×7

17 02 2017

Freitagstexter

Neue Runde. Da steht er und glänzt, der goldene Topf. Wieder einmal ist das Arbeitszimmer festlich herausgeputzt, der Gummibaum wurde neben dem Stutzflügel verstaut, das heißt: eher dahinter. Das Abstauben der Blätter entfällt für diese Woche. Aber es ist immerhin der Freitagstexter, da macht man ja gerne ein paar Zugeständnisse.

Eine unterirdische Kunstaktion brachte diesmal den Sieg. Die Waldtapete in der Unterführung bei den Kreativen Strukturen erinnerte an Joseph Beuys’ soziale Plastik 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, die das Gesicht der Stadt Kassel nachhaltig prägt. Für die Verwirklichung von 1982 bis 1987, die aus Spenden, Verkaufserlösen sowie Werbeeinnahmen finanziert wurde, stiftete übrigens Helmut Kohl einen größeren Betrag aus seiner Privatschatulle. Ob sich Kanzler und Künstler persönlich begegnet sind, ist nicht belegt.

Doch geht es diesmal um Kunst? mitnichten, wir befleißigen uns auch jeglicher anderer Form, um die Dinge zu beschreiben. Reim ist okay, muss aber nicht sein. Auch ganze und halbe Dialoge werden gerne genommen, ebenso trockene Schilderungen des Sachverhaltes. Oder Bestandteile größerer dramatischer Formen, mit und ohne Anspielungen auf Kleidungsstücke, Obst, ehemalige Weltmeisterinnen oder Städte südlich des Äquators. Was der Wortmischer einst in den Regeln festschrieb. Oder eben auch nicht.

Am Dienstag, den 21. Februar 2017 um 23:59 Uhr trifft rein theoretisch noch der letzte Text ein, der das Bild reflektiert, danach ziehe ich mich zum ultimativ subjektiven Urteil zurück und brüte, wo der Pokal in der folgenden Woche stehen wird. Wir werden sehen.

Und da ist auch schon das Bild. Einmal mehr wurde ich in der Sammlung von James Vaughan (CC BY-NC-SA 2.0) fündig. Ähnlichkeiten mit der aktuellen Lage im US-amerikanischen Wirtschaftsleben sind wie immer rein zufällig und nicht beabsichtigt. Klickt macht groß.