Haussaufgabenhilfe

10 07 2012

„… Jugendliche keine Veranstaltungen mit Alkoholausschank länger als bis 20 Uhr besuchen dürften. Familienministerin Kristina Schröder wolle damit den stark ansteigenden Alkoholkonsum…“

„… von der Deutschen Polizeigewerkschaft ausdrücklich begrüßt worden sei. Der Bundesvorsitzende Rainer Wendt bestätigte, dass die Mehrzahl der Beamten nicht richtig ausgelastet sei und erst durch neue Herausforderungen wie die Durchsetzung der Sperrstunde im öffentlichen Raum sich endlich selbst zu verwirklichen…“

„… eine Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag dahin gehend zu erfolgen habe, dass Alkoholika im Internet nur noch nach 20 Uhr gezeigt werden dürften. Der Deutsche Brauer-Bund habe unmittelbar protestiert, da mehrere hundert Webpräsenzen tagsüber vollständig abgeschaltet…“

„… man vergessen habe, die Testkäufe durch jugendliche Undercover-Käufer zu stoppen. Von der Leyen habe bestätigt, dass einige Abteilungen nicht Schröders Weisungen folgten, sondern noch ihre…“

„… sich die FDP davon klar distanziert habe. Brüderle sei unmittelbar nach Bekanntgabe der Gesetzesvorlage dafür eingetreten, Kinder und Jugendliche früh genug an den Genuss des deutschen Rieslings…“

„… komme es dem Deutschen Richterbund sehr gelegen, mit ein paar Zehntausend unnötiger Ordnungswidrigkeiten pro Jahr endlich nicht mehr so viel Zeit haben zu müssen für Strafverfahren und die…“

„… dass das Alter der Begleitpersonen von 18 auf 21 Jahre hochgesetzt werde, obwohl mit dem Erreichen der Volljährigkeit bereits weit gehende Pflichten verbunden seien. Das Ministerium gab jedoch zu bedenken, dass es keinerlei persönlicher Reife bedürfe, um sich für Volk und Vaterland in Afghanistan erschießen zu lassen, während der Umgang mit Kindern eine…“

„… laut Schröder jede Kritik an ihrem Gesetzesvorhaben grundsätzlich als linksextreme Deutschenfeindlichkeit zu werten, da nur dies…“

„… zu einem sprunghaften Ansteigen der als Volksfest deklarierten Veranstaltungen komme. So sei das Bad Kreuznacher Wettschlucken laut Stadtverwaltung ein lange etabliertes Fest, das eine Ausnahmeregelung für die ortsansässige Gastronomie rechtfertige, obwohl es erst seit Juni 2012 im monatlichen Wechsel mit der Bingener Bierbilge und den…“

„… sich habe korrigieren müssen, da der Alkoholkonsum bei Jugendlichen seit Jahren rückläufig sei. Schröder verteidigte ihre Aussage, da sie ihre Meinung nicht durch empirische Daten verfälschen…“

„… habe der hessische CDU-Landesverband angekündigt, auch weiterhin die Kneipentouren der Jungen Union durch finanzielle Zuschüsse des Bundesfamilienministeriums zu fördern. Der in JU-Kreisen als Haus-Sauf-Gabenhilfe bekannte Topf sei sehr beliebt bei kirchlichen und…“

„… zu einem Zwischenfall bei einer Lesung, die Schröder nicht vorher beim Bundeskriminalamt angekündigt hätte. Das Sicherheitspersonal habe die Ministerin wegen ihres kindlichen Aussehens und ihrer infantilen Argumentation für nicht erwachsen gehalten, ihren Personalausweis verlangt und sie…“

„… sei es nur eine logische Folge, dass der Alkoholausschank in den Festzelten erst nach 20 Uhr beginnen könne. Die Schlägerei sei unmittelbar danach losgebrochen, was zum abrupten Ende des diesjährigen Oktoberfestes…“

„… versehentlich einen Polizeieinsatz genehmigt, um den Insassen eines Seniorenheimes die Alkoholika zu entziehen. Das Ministerium habe im Vorfeld bereits davon gesprochen, vehement gegen das Omasaufen…“

„… auch auf Außenwerbeelementen keine alkoholhaltigen Produkte mehr zu zeigen. Schröder habe dazu angeregt, Plakate von Ein-Euro-Jobbern verhängen zu lassen und abends wieder…“

„… bei Friedrich auf reges Interesse gestoßen sei. Durch eine gehäufte Verurteilung wegen Schuleschwänzens, Alkoholkonsums und ähnlicher alterstypischer Delikte sowie den Warnschussarrest könne man das Konzept der Vorkriminalisierung erfolgreich implementieren, das für eine sichere Versorgung des Niedriglohnsektors mit billigen…“

„… eine auffällig mit Helmut-Kohl-Postern beklebte Strohpuppe geköpft, gevierteilt und verbrannt worden. Keiner der etwa 5.000 Gäste auf der Theresienwiese habe dies bemerkt, die Polizei könne ohne Zeugenaussage keine Ermittlungen…“

„… wegen ihrer Weigerung, Alkohol zu trinken, weniger oft straffällig würden. Sarrazin habe dies als ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet, der nur durch pauschale Abwertung der Schulnoten bei muslimischen…“

„… sei die Idee der Kontaktbereichsbeamten nicht grundgesetzkonform. Um den Alkoholkonsum in Privatwohnungen zu kontrollieren könne das Innenministerium keine V-Leute in die…“

„… habe ihr Parlamentarischer Staatssekretär Kues auf Anfrage bestätigt, dass Minderjährige bei Einbruch der Dunkelheit sich nur in Begleitung von mindestens 40 Jahre alten Aufsichtspersonen auf öffentlichen Straßen bewegen dürften. Keine Ausnahme bildeten dabei Laternenumzüge, wohl aber Weihnachtsmärkte, da die dort angebotenen alkoholischen Getränke ausschließlich für Erwachsene vorgesehen…“

„… das Ministerium in der Nacht zum Donnerstag mit dem Schriftzug HOLT DEI GOSCHN PREISSNSAU DRECKATE… versehen worden sei. Die Polizei ermittle in alle Richtungen, es gebe jedoch noch keine Anhaltspunkte für ein…“





Kuddelschmuddel

7 12 2010

„Kann ich Ihnen nicht sagen. Nein, ich bin da nicht zuständig, verstehen Sie? Und wenn ich zuständig wäre, dann wäre ich nicht kompetent. Natürlich, so handhaben wir das hier. Und die in Berlin machen dann Vorgaben: die verstehen nichts vom Internet, deshalb verbieten sie es ja auch.

Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, dann unterstützen wir das natürlich nur in den Fällen, in denen Ihr Unternehmen auch legal ist. Und da sind die Vorschriften für E-Business gerade ein bisschen kompliziert. Wir müssen ja sehen, dass Sie durch Ihre Berufstätigkeit keine Gefährdung für die Allgemeinheit darstellen, wie zum Beispiel ein Atommülllager. Das werden Sie einsehen. Und wir müssen auf alle Fälle sicherstellen, dass Sie nichts gegen Kinder – ja, ich habe Ihr Führungszeugnis auch gelesen, aber das sagt gar nichts. Schauen Sie, normalerweise würde man sagen, der Mann hat sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen, der ist sauber; wenn Sie etwas mit Internet machen, dann ist das umgekehrt. Das müssen wir als Behörde auch berücksichtigen.

Schwierig, wenn Sie mich fragen. Das mit dem Gästebuch können Sie sowieso vergessen. Stellen Sie sich mal vor, dass da jemand irgendeine, sagen wir mal, das ist ja so gesehen auch kein rechtsfreier Raum, und da sind Sie dann schuld. Natürlich, so war das gedacht. Also wenn Sie jetzt als Betreiber nicht – Beweislastumkehr, das war das Wort. Besten Dank, ich verwechsle das immer mit dem Generalverdacht. Es ist ja auch zu schwierig, wenn man plötzlich feststellt, dass die meisten Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die seit Jahrhunderten außerhalb des Internets stattfinden, überhaupt nicht verfolgt werden. Aber wenn Sie denen so eine virtuelle Wand zum Schmieren hinterlassen?

Das gilt jetzt nicht für Nachrichtensendungen. Oder irgendwelche redaktionelle Angebote, die zum Beispiel etwas mit Politik zu tun haben. Nein. Das sind ja dann auch solche, die eine Art regelmäßige Berichterstattung leisten – also das, wo man schon so eine Auseinandersetzung erkennen kann, nicht wahr, eine regelmäßige Sendung mit Text, nicht wahr – wenn das so regelmäßig ist, werden wir das nicht abmahnen, weil es keine Altersklassifikation hat. Wir werden es abmahnen, weil es regelmäßig ist und deshalb überhaupt keiner Altersqualifikation bedarf. Es gilt einfach als gewerblich, wenn Sie jeden Tag etwas schreiben. Sie verdienen gar kein Geld damit? Ja und? Seit wann muss denn ein gewerbliches Angebot gewerblich sein? Das sagt doch schon der Name?

Nein, hören Sie, das ist doch alles zum Scheitern verurteilt. Sie werden doch keinen Zubehörhandel für Kätzchen aufmachen, da haben Sie innerhalb einer Stunde die Abmahnanwälte am Hals. Kurzwaren? Lächerlich, das klappt nie. Damit sind Sie sofort wieder pleite. Die werden Sie an die Wand klatschen. Machen Sie in Schweinebildern, dann haben Sie ausgesorgt.

Nein, das ist kein Scherz. Jugendschmutz äääh… Jugendschutz, Sie verstehen? Früher musste man in Deutschland Sendezeiten einhalten. Doch, das war schon immer so. Oder ein Jugendschutz per Zugangsbeschränkung. Durchgehend geschlossen, wenn Sie verstehen. Da musste man dann auf die Nackerten aus dem Ausland ausweichen – die sind nicht in Deutschland, also kann man sie auch nicht verbieten. Spezielle Kenntnisse? Ach Gott, wissen Sie, was Ihnen ein Zwölfjähriger mit Hilfe einer Suchmaschine alles aus dem Netz heraussucht?

Und jetzt kommt Ihre Chance. Sie brauchen keinen teuren Schutzmechanismus mehr. Sie schreiben einfach Ab 18 drauf. Und dann lassen Sie den Jugendschutz-Filter den Rest erledigen. Kaufen? Programm? Wieso denn Sie? Das macht der Anwender, in dem Fall: die Eltern. Die werden sich das wahrscheinlich meistens von den Kindern zeigen lassen müssen, weil sie selbst mit der Filter-Software technisch überfordert sind.

Es muss alles bewertet werden. Alles. Und dann können Sie ja alles auch versehentlich falsch einstufen. Schauen Sie, Anwälte wollen auch leben und wählen die FDP.

Naja, wenn diese Dinger mal da sind. Bis jetzt wird ja alles für 6- und 12- und 16-Jährige gelabelt, aber es gibt noch keine Filter, die das dann auch umsetzen. Ihr Vorteil, wenn diese Bilder ins Netz stellen. Sie profitieren von dem Kuddelschmuddel. Der Gesetzgeber verlangt von Ihnen drei eiserne Türen mit gewaltigen Schlössern. Er schreibt Ihnen nur nicht vor, dass Sie die verschließen müssen.

Sie machen das freiwillig. Es sei denn, Sie machen das nicht freiwillig, dann wird man Sie eben dazu zwingen, das freiwillig zu machen. Sie sind in Deutschland, vergessen Sie das nicht.

Natürlich, die Kids knacken alles. Aber es geht noch leichter: sie schalten die Zugangsfilter einfach aus. Na klar, glauben Sie, ein Halbwüchsiger ließe sich ein Video von einer vollbusigen Stripperin entgehen, wenn er dazu dreimal unbemerkt etwas wegklicken müsste? Sie haben wohl keine Kinder?

Stellen Sie sich einen Portier vor, der ihr Haus bewacht. Ein netter, freundlicher Mann, hat hinter sich ein Stoppschild stehen, das wird aber nicht gebraucht (und es nützt auch gar nichts, die Leute können ja daran vorbeigucken), und er wartet dann auf die Einbrecher und fragt, ob er für die nicht mal eben die Alarmanlage ausschalten dürfte. Und dann schaltet er aus, und wenn der Einbrecher fertig ist, dann schaltet er die Anlage wieder ein und wünscht dem Einbrecher noch einen schönen Tag. Und falls Sie fragen, nein, die in der Regierung haben auch keine Kinder. Nur die Filter, die gibt es noch nicht.

Wenn Sie mich fragen: nehmen Sie harmlose Bilder und schreiben Sie Ab 18 drauf, als wär’s der schlimmste Schweinkram. Das reizt. Na, so erotische Fotos halt, Mizzi hat heute ihren Pullover nicht gefunden und war oben ohne, als der Fotograf kam. Das kennen Sie doch aus diesem Boulevardblatt, das ohne Altersfreigabe bleiben darf, weil es so viel seriösen Qualitätsjournalismus bringt. Und wenn Sie Glück haben, werden Sie sogar ein ernsthafter Konkurrent – oder glauben Sie, anständige Eltern würden ihre Kinder einfach so BILD angucken lassen?“