Kölle Alaarm

25 08 2020

„Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben, dann kann ich Ihnen da etwas Schönes zuschicken. Nein, das ist jetzt noch kein Karnevalsscherz, das machen wir rein dienstlich. Ich müsste nur eben wissen, wo wir die Landeskarnevalsverordnung hinsenden, dann haben Sie die rechtzeitig zur Saison.

Da muss man eben auch kreativ sein, was sage ich: närrisch, närrisch muss man werden, und sich nicht zum Narren halten lassen. Ist ja eben auch eine närrische Zeit, und da muss man dann Sachen, die sowieso schon total bekloppt sind, die muss man dann noch durchgeknallter machen. Was das angeht, haben wir hier eine Landesregierung, die das bis zur Perfektion versteht, das hat sie in den vergangenen Monaten ja auch immer wieder sehr schön bewiesen. Es gibt nun mal ein paar Dinge, die untrennbar zu Nordrhein-Westfalen gehören, die Autohäuser, die Küchenbauer, und dann eben auch der Karneval. Aber man muss das in diesen Tagen vorsichtig machen, damit wir die Wähler genau da abholen, wo sie jetzt stehen. Oder was man halt so sagt, wenn man noch nicht weiß, was Phase ist.

Da wir eine bürgerfreundliche Politik machen, ist es sehr wichtig, dass unsere Entscheidungen in Abstimmung mit den Bürgern getroffen werden. In diesem Fall ist das ein bisschen schwierig, weil sich zahlreiche Bürger, und zwar auch in Gestalt von Karnevalsgesellschaften, gegen einen Karneval in diesem Jahr ausgesprochen haben. Das ist für uns alle äußerst bedauerlich, aber wir müssen daraus die Konsequenzen ziehen, unser politisches Handeln ist in diesem Fall einem höheren Interesse unterworfen und darf sich nicht von kurzsichtigen Wünschen leiten lassen. Selbstverständlich braucht es hier ein gezieltes Vorgehen, und das kann nur heißen, dass der Karneval im Angesicht der durchaus nicht klar abzuschätzenden Zukunftslage natürlich stattfindet.

Selbstverständlich findet der Karneval statt. Das steht jedenfalls für unsere Landesregierung außer Frage, und ich würde sogar so weit gehen, dass der Ministerpräsident damit völlig im Einklang mit seinen bisherigen Maßnahmen handelt. Konsequent und in politischer Hinsicht auf einer absolut nicht verrückbaren Linie, so kennt man diesen für die Union unverzichtbaren Mann, der unsere Geschicke im Land lenkt. Ein Armin Laschet, der es nicht nötig hat, sich ein Virus von Virologen erklären zu lassen, der diskutiert auch nicht mit Karnevalsgesellschaften, wenn es um den Karneval geht. Glauben Sie mir, der hat Besseres zu tun.

Wir haben zum Glück eine gute Infrastruktur in NRW, die wird auch in den Ballungsräumen mit dem Karneval fertig. Also die digitale Infrastruktur meine ich, wir wollen ja Teile der Sitzungen ins Netz streamen, da kann man die sich dann zu Hause angucken oder in der Kneipe, im kleinen Rahmen kann man das sicher auch auf einer privaten Party machen, aber wir setzen da auf die Bereitschaft der Bürger, höchstens fünfzig Gäste einzuladen. Die meisten Wohnungen werden ja mehr auch gar nicht fassen können, im Karneval ist dem Rheinländer eh eine gewisse Neigung zur körperlichen Nähe eigen, und wenn wir dann die Kölschpreise ein bisschen anheben, damit wir der Gastronomie etwas davon abgeben können, ist das doch sozial verträglich im Sinne einer erfolgreichen Landespolitik.

Eventuell könnte man die Büttenredner dabei aus Krefeld zuschalten, dabei würden wir auch auf Synergieeffekte setzen. Oder die Stimmungsmusik, die kann man vorproduzieren, wahrscheinlich hat der WDR den ganzen Bums eh auf Konserve, dann können die das kostengünstig reinspielen. Bei der Gelegenheit können die sich auch mal für das Ding mit der Umweltoma entschuldigen, und gut.

Die Maskenpflicht für Fanfarenzüge muss dann auch juristisch hinterfragt werden. Es kann ja nicht sein, dass die Bläser ohne Mundschutz marschieren und die Trommler mit. Das widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand. Wir werden da jetzt ein Gutachten in Auftrag geben, und das wird ganz klar zum Inhalt haben, dass auch die Trommeln ohne Maske laufen dürfen. Wir sind ein weltoffenes Bundesland, Diskriminierung gibt es bei uns nicht, und wir werden das auf jeden Fall durchziehen.

Derzeit arbeiten wir jedenfalls am Konzept für infektionssicheres Schunkeln. Unser erster Ansatz, dass wir die Abstände von jeweils zwei Metern im Sitzbereich einhalten, war betriebswirtschaftlich an der Grenze, aber wir können das noch umsetzen, wenn wir das Gestühl am Boden verschrauben, weil sich das ja bei der Bewegung mit verschieben wird. Die Experten sind sich noch nicht ganz einig, wir haben auch beim RKI schon mal angefragt, und dann haben wir eine Studie in Erwägung gezogen, für die wir freundlicherweise vom Kreis Heinsberg unterstützt werden. Gut, auch von Springer, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Jedenfalls haben wir hin und her überlegt, wie wir unser traditionelles Brauchtum in Einklang bringen können mit den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, damit unsere Gastronomie keine Verdienstausfälle hat, und uns ist die Erleuchtung gekommen, beziehungsweise dem Ministerpräsidenten, der hat dann angeordnet, dass nur noch jeder zweite schunkelt. Sie haben das richtig verstanden. So wird man Kanzlerkandidat.

Dann hätten wir nur noch ein paar technische Einzelheiten, wir brauchen ja ausreichend Masken, aber die will der Spahn besorgen, und diesmal hat er gesagt, dass es möglicherweise klappen wird, aber das sehen wir dann. Ich meine, wozu sollen wir uns jetzt komplett verrückt machen in dieser Ausgangslage? Schauen Sie sich das doch mal an – zwei Wochen später sieht doch sowieso alles total anders aus.“





(m/w/d)

4 03 2019

„Dann haben wir die Nummer 389: Kommt eine Frau zum Arzt und…“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Nächster.“ „Aber…“ „Wir hatten die Diskussion doch schon vorhin, das ist dann wieder ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragte, und Sie wissen, wie gerne ich die blöden Kuh sehe.“

„Wir haben doch aber hier noch gar nichts Geschlechtsspezifisches über die Frau gesagt.“ „Es könnte auch genderspezifisch sein, oder?“ „Wir könnten eventuell mit ‚Frau (m/w/d)‘ arbeiten.“ „Oder ankündigen, dass wir alle Bezeichnungen nur genderneutral meinen.“ „Sie kapieren es nicht, oder?“ „Ich habe doch hier keine diskriminierende Äußerung über die…“ „Doch!“ „Er kapiert es eben nicht mehr.“ „Was denn, verdammt!“ „Arzt, Sie Trottel – wir haben hier wieder so ein typisches Geschlechterklischee, dass die Patientin natürlich als Frau…“ „Sie haben doch eben noch gesagt, dass das gar kein…“ „Fallen Sie mir jetzt nicht ins Wort, dazu ist so ein Karnevalsprogramm zu ernst.“ „Ich…“ „Wenn wir den Arzt als männliche Rolle in den Diskurs einbringen, haben wir sofort das Problem, dass wir Geschlechterklischees breittreten und die Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan rufen, die uns fragt, warum es sich nicht um einen alten Mann handelt, der zu seiner Ärztin geht.“ „Wäre ein alter Mann nicht auch diskriminierend?“ „Ja, gleich doppelt, weil er wegen seines Alters nicht anders behandelt werden darf, aber darum geht es auch nicht. Wir können das mit dem Arzt nicht bringen, weil wir sonst richtig Stress haben wegen der gesellschaftlichen Position des Berufs.“ „Ist das ein Problem?“ „Wissen Sie doch, Halbgott in Weiß und so.“ „Gucken Sie keine Krankenhausserien?“ „Ich wusste jetzt nicht, dass man bei so einem Witz automatisch an die Schwarzwaldklinik denken muss.“ „Damals konnte man den noch bringen, aber heute würde man Ihnen dafür die Ohren abreißen.“ „Weil das ein Arzt ist?“ „Hören Sie mir überhaupt noch zu?“ „Er kapiert es eben nicht mehr.“ „Weil es keine Ärztin ist.“ „Aber die müsste doch dann auch als ‚Ärztin (m/w/d)‘ in den Diskurs eingeführt werden.“ „Macht man das nicht immer nur mit der männlichen Form?“ „Mit der weiblichen ist ja nicht gleich klar, dass da alle mitgemeint sind.“ „Wieso nicht?“ „Fühlen Sie sich etwa angesprochen von so einem Quatsch?“

„Wenn wir den Witz jetzt in die erlebte Rede überführen, dann hätten wir auch noch Storytelling drin und könnten das Problem etwas entschärfen.“ „Machen Sie mal einen Vorschlag.“ „Also neulich in der Arztpraxis, da…“ „Schon faul.“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Was ist denn jetzt wieder nicht in Ordnung?“ „Es könnte sich doch um eine Praxis handeln, die von einer Ärztin geleitet wird, oder?“ „Möglich.“ „Und warum sagen Sie das nicht in der Bezeichnung?“ „Soll ich das ‚Ärztinnenpraxis‘ oder wie jetzt nennen?“ „Wenn man das generische Femininum als genderneutrale…“ „Wir könnten die Bestandteile auch auseinandernehmen, also ein Arzt (m/w/d) ist ein Praktizierender im…“ „Also eine praktizierende Person?“ „Natürlich immer nur im genderneutralen Sinn, versteht sich.“ „Versteht sich.“ „Aber das sagt doch noch nichts aus über die tatsächlichen Rollenkonflikte in diesem Witz, es ist doch auch sehr schwierig, wenn man den Arzt hier nur als Hintergrundfigur…“ „Könnte man dann nicht die Handlung personalisieren?“ „Verstehe ich jetzt nicht.“ „Geh ich doch neulich zum Arzt, und der…“ „Schon wieder!“

„Ich will jetzt nicht auf die Metaebene gehen, aber…“ „Dann machen Sie es bitte kürzer als sonst.“ „Kann man das im Karneval überhaupt?“ „Das ist doch die gesellschaftliche Funktion.“ „Von Ärzten?“ „Vom Karneval.“ „Dass der auf die gesellschaftliche Metaebene geht?“ „Nein, dass man da auch Witze machen kann, die nicht so ganz okay sind.“ „Die machen die Leute doch sowieso, oder?“ „Deshalb ja die gesellschaftliche…“ „Oder haben die Ärzte etwas dagegen?“ „Nein, aber…“ „Wieso dann Karneval?“ „Weil man sich da für die doofen Witze auch noch doofe Kostüme anziehen kann.“ „Damit man dann nicht mehr merkt, dass man auch ohne die doofen Kostüme lächerlich ist?“ „So ungefähr.“ „Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.“ „Sie haben noch nie einem Politiker eine Karnevalsrede geschrieben.“ „Machen die das nicht selbst?“ „Ich möchte mir das nicht vorstellen müssen.“ „Jedenfalls ist es unsere Aufgabe, diese Witzreden zu schreiben.“ „Leider.“ „Wobei die Verwendung zwischen Karneval und Nichtkarneval auch eher zufällig ist.“ „Ist sie sonst auch witzig?“ „Nee, aber auch eher selten ernst zu nehmen.“

„Wollen wir dann Nummer 390 mit dem Pferd und den…“ „Reitsport, das ist doch mal gut!“ „Der geht eher in Richtung Land- und Forstwirtschaft.“ „Nee!“ „Geht ja gar nicht!“ „Nächster.“ „Aber…“ „Wieso kommt da die Gleichstellungsbeauftragte?“ „Die Landwirtschaftsministerin, die ist aber auch nicht viel klüger.“ „Was kein Kunststück ist.“ „Wir müssen doch irgendwie noch ein bis zwei Witze in die Rede einbauen, bis jetzt haben wir nichts.“ „Und wenn wir etwas klimaneutral antirassistisch angehauchtes über Topfblumen…“ „Gucken Sie lieber im Koalitionsvertrag nach, ob das geht.“ „Ich habe keine Ahnung.“ „Dann doch lieber irgendwie richtig daneben.“ „Zotig?“ „So richtig igitt.“ „Klo?“ „Genial!“ „Alaaf! Helau!“ „Sehr gut“ „Also: Geht ein Schwuler aufs Klo und…“ „Warten Sie, ich will mitschreiben!“ „Brauchen Sie nicht, wir haben die Vorsitzende in der Leitung.“ „Hallo, hören Sie? Wir haben noch einen, Frau Kramp-Karrenbauer. Total Ihr Niveau.“





Identitätsdiebstahl

13 02 2018

„… vor dem Karnevalstreiben gewarnt habe, da die seit Jahren vorherrschenden Kostümierungen zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit geführt hätten, die die Bundeskanzlerin offenbar bewusst in Kauf nehme, um die deutsche Öffentlichkeit zu…“

„… nicht in seiner Nachbarschaft sehen wolle. Gauland werde sich dagegen wehren, wenn sich Deutsche unter dem Zwang zur Fröhlichkeit als Neger maskierten, dies sei eine widernatürliche und in der Bundesrepublik nicht ohne…“

„… die Länderinnenminister vor falschen Polizisten warnten. Das Grundrecht auf Sicherheit könne mittelfristig nur durchgesetzt werden, wenn das Tragen einer Polizistenuniform mit Freiheitsstrafen von bis zu…“

„… das klassische Sträflingskostüm zwar nicht mehr dem Aussehen deutscher Strafgefangener entspreche, doch sei es angesichts der zahlreichen Ausbrüche der vergangenen Wochen zu einer drohenden Massenpanik im…“

„… es in Deutschland naturgemäß keine Dunkelhäutigen gebe. Diese Aufmachung sei Werbung für die schwarze Hautfarbe, die vor allem Kinder und Jugendliche aus dem linksgrünen Spektrum verführten, sich gegen die…“

„… Straftaten begehen könnten, die in keinem sachlichen Zusammenhang mit einer Uniform der Polizei stünden. So sei es nahezu ausgeschlossen, dass etwa Gewaltdelikte oder…“

„… die Kostümierung des Pflegers gegenüber der Krankenschwester unterrepräsentiert sei. Die Grünen würden eine AGG-konforme Quote von männlichen oder…“

„… die wenigsten Afrikaner ethnisch korrekt dargestellt würden. Höcke vermisse die beim schwarzen Ausbreitungstyp üblichen Tellerlippen und die krausen Haare, ohne diese seien die Figuren dem blutsreinen Arier zu ähnlich und könnten zu einer ungewollten Durchmischung mit dem…“

„… keine einheitliche Regelung gebe, ob die Kostümierung als Amtsperson durch einen Reichsbürger einen zusätzlichen Straftatbestand darstelle. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Behörden, eine etwaige Gefährdung durch Waffenattrappen gegen tatsächliche Schusswaffen im Straßenkarneval zu…“

„… vor allem die Gefahr sehe, dass echte Neger im Afroamerikaner zu einem genetischen Angriff auf das deutsche Blut übergingen. Dies führe zu einer Auslöschung des…“

„… dem Erscheinungsbild der amerikanischen Ureinwohner nicht entsprechen könne. Diese Kostüme seien jedoch nur als Instrument der Alliierten für den weiteren Aufbau einer rassistischen Schuldzuweisung an das deutsche Volk, das endlich einen Schlussstrich unter die…“

„… zur Rehabilitierung einer ganzen Generation beitragen könne. Durch die positive Besetzung von Wehrmachtsuniformen könne in einem ersten Schritt wieder ein ungetrübtes Nationalgefühl, das sich gerade in Massenveranstaltungen des…“

„… es auf jeden Fall verboten werden müsse, dass sich Neger im Karneval als Weiße verkleideten. Dies sei auch strafrechtlich ein…“

„… die Kostüme ‚Haremsdame‘ und ‚Sultan‘ für die Islamisierung nutzbar machen wolle. Zwar sei eine Deutsche ohne Migrationshintergrund bei einer Verkleidung aus dem islamistischen Kulturkreis an einer Vergewaltigung durch einen Flüchtling selbst schuld, es dürfe aber nicht als Präzedenzfall eines…“

„… dass jede Form von Verkleidung generell den Anfangsverdacht des Identitätsdiebstahls in sich berge und daher mit aller…“

„… nicht nur Negatives, aber sondern auch Positives am Dritten Reich zu erkennen. Das Ideal der Männlichkeit, wie es Höcke in der SS-Uniform entdecke, müsse als Vorbild einer tausendjährigen Tradition, die von Ostdeutschland ausgehend das gesamte…“

„… das Nonnenkostüm grundsätzlich geeignet sei, Langwaffen vor den anderen Festteilnehmern zu verbergen, weshalb eine regelmäßige und stichprobenartige Kontrolle vor dem…“

„… Lederhosen generell als Bestandteil der Leitkultur ansehe. Das Mitführen einer Sauerkrautkonserve sehe Dobrindt bereits als antideutsche Volksverhetzung, die sofort von den regierenden Sicherheitsbehörden…“

„… müsse vor allem geklärt werden, ob echte Polizisten falsche Afrikaner kontrollieren dürften, ohne grundsätzlich eine rassistisch konnotierte…“

„… einen Sachsen, der sich nicht verkleidet habe, wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu verhaften. Es sei strittig, ob dies ein kostümrechtlicher Verstoß gegen das…“

„… noch keine Beschwerden seitens der chinesischen Botschaft eingegangen seien. Der Staatsrat toleriere die kolonial beeinflussten Darstellungen der älteren Zeit, solange der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Kostüme aus dem Reich der Mitte…“

„… eine Verkleidung als Deutscher für die nationalkonservative Partei entweder alle Bestandteile der deutschen Geschichte beinhalten müsse oder aber die Verantwortung für die von den Linksfaschisten der NSDAP …“

„… zunehmend von arabischen Flüchtlingen übernommen, die damit den Rassismus in die deutsche Gesellschaft tragen würden. Das sofortige Teilnahmeverbot für Migranten an deutschen Veranstaltungen sei überfällig, da dies ein Einfallstor für Kriminalität und…“

„… sich als Lastwagenfahrer verkleidet habe. Eine Mitschuld am tragischen Ausgang des Polizeieinsatzes sei nicht von der Hand zu weisen, obwohl es sich bei den Kölner Beamten um echte und in richtigen Uniformen…“





Alaaf akbar!

27 02 2017

„… die Sicherheit der Feiernden garantieren solle. Die Polizei habe sich zur Durchführung von Maßnahmen entschieden, die eine verbesserte…“

„… von der US-amerikanischen Innenpolitik durchaus noch lernen könne. Einer Kita-Gruppe von Cowboys ihre Revolver abzunehmen sei nicht abhängig vom Alter der…“

„… die Polizeidirektion bereits im Vorfeld darauf hingewiesen habe, dass keine Waffen oder waffenähnlichen Attrappen mitgeführt werden dürften. Die Verunsicherung der Bürger sei alleinige Sache des Bundesinnenministers, etwaige Kompetenzstreitigkeiten würden sofort und…“

„… die Bayerische Staatsregierung kein gesetzliches Verbot unchristlicher Vermummung habe durchsetzen können. Allerdings werde die Polizei karnevalistisch getarnte Anschläge auf das Abendland bis zur letzten Patrone…“

„… sich eine Person als Lastwagen verkleidet in der Kölner Altstadt aufgehalten habe. Damit habe der Mann gegen das Zutrittsverbot für…“

„… jede islamistische Vermummung für nicht rechtens erklärt habe. In Absprache mit Seehofer und der AfD wolle die Landespolizei alle Burka-Trägerinnen am Ort ihrer Ingewahrsamnahme zum Ablegen ihrer…“

„… nicht sicher habe beweisen können, dass er kein Mitglied der Deutschen Volkspolizei sei. Der mutmaßliche Oberleutnant habe wegen seiner Bewaffnung mit dem Scharfschützengewehr 82 zur Verstärkung der Truppe herangezogen werden müssen, da er sonst wegen widerrechtlichen Führens eines Einsatzmittels zu einer Strafe von…“

„… warne die Deutsche Polizeigewerkschaft vor äußerst schweren, staatsgefährdenden Eingriffen in die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Ihr Vorsitzender Wendt halte es auch in diesem Jahr nicht für ausgeschlossen, dass arabische Kriminelle ein Attentat auf deutsche Staatsbürger geplant hätten. Sie stünden in wie immer unter Verdacht, vom Lastwagen herab Kamele in die Menschenmenge zu…“

„… für Irritationen gesorgt habe. So sei Homer Simpson an seinen Arbeitsplatz gegangen, am dem wenig später Markus Söder angetroffen worden sei. Der Sicherheitsdienst der Staatskanzlei habe erst nach einer genauen Überprüfung des geistigen Zustandes eine Ähnlichkeit des…“

„… einen als Zombie kostümierten Mann mittleren Alters nicht wegen seiner Maske in Gewahrsam genommen habe. Die Polizei sei sich allerdings nicht sicher gewesen, ob das in seinem Kopf steckende Beil tatsächlich als Waffe im Sinne des…“

„… keine rechtliche Handhabe besäße, wenn eine Person im Karnevalskostüm ‚Reichbürger‘ in der Kölner Altstadt angetroffen würde. Als entlastend habe zu gelten, dass der Mann scharfe Waffen im geladenen Zustand mitführe, was damit nicht mehr unter das für Kostümierungen geltende Verbot falle und daher straffrei…“

„… mehrere Jecken die mit einem Niqab verschleierte Frau festgehalten und schließlich zu Boden gerissen hätten. Sie hätte sich in der Menge der Karnevalisten nicht nur durch die Androhung islamistischer Straftaten, sondern auch in äußerst miserabel nachgeahmter Mundart…“

„… einen als Baron Münchhausen maskierten Bürger sofort in Gewahrsam genommen. Der als Kanonenkugel gedachte schwarze Luftballon sei nach einer Diskussion zunächst in gegenseitigem Einvernehmen mit den Beamten zerstochen worden, was von der Einsatzleitung jedoch als vorsätzliche Zerstörung von Beweismitteln in einem minder schweren…“

„… wisse die DPolG aus absolut sicherer Quelle, dass der Schlachtruf Alaaf akbar als Erkennungszeichen islamistischer Täter in der…“

„… eine Verwarnung ausgesprochen habe. Die Beamten hätten Prinzessin Leia durchgewunken, ohne ein mitgeführtes Lichtschwert auf dessen Funktionsfähigkeit zu…“

„… eine Dienstverpflichtung auf dem Mannschaftswagen nicht habe abwenden können. Admiral Nelson sei zunächst zur Sicherung der westlichen…“

„… sich verzögert habe. Zwar sei die rechtliche Bestimmung des Begriffs ‚Burka‘ eindeutig, man habe aber angesichts der aufgeheizten Stimmung auf der Domplatte eine flexible Auslegung des…“

„… in roten Pullovern mit den Schildern 176-167, 176-617 sowie 176-671 aufgetreten seien. Sie seien noch von dem Betreten der Innenstadt unter dem dringenden Tatverdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung…“

„… der Verfassungsschutz den mutmaßlichen Gefährder al-Aaf identifiziert habe. Er verfüge allem Anschein nach über einen hohen Bekanntheitsgrad, man könne jedoch noch nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob er auch auf der Liste der V-Männer des Landesamtes für…“

„… auch die Augen nicht mehr zu erkennen gewesen seien. Nach dem Dafürhalten der Einsatzkräfte gehöre eine Gorilla-Gesichtsmaske jedoch zum Erscheinungsbild christlich-jüdischen Brauchtums während der traditionellen…“

„… einen Schlagstock, einen Taser, Pfefferspray und ein Bolzenschussgerät mit sich geführt habe. Die Frau sei samt Burka im Mannschaftswagen nach…“

„… sich um eine Reiseverkehrskauffrau aus Lövenich gehandelt haben. Ihr mit Handschellen und Hot Pants ausgestattetes Polizistinnenkostüm sei als Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen zu werten und würdige die Uniform der nordrhein-westfälischen Polizei nicht in ausreichendem…“

„… nicht nur die Burnusse authentisch gewesen seien, es habe sich auch um natürlichen Bartwuchs gehandelt. Die Delegation sei inzwischen in gutem gesundheitlichen Zustand in Riad eingetroffen, eine empfindliche Schädigung der deutsch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen könne aber nicht ganz…“

„… eine Gruppe Jugendlicher aus Frechen festgenommen, die sich als Ninja Turtles verkleidet hätten. Der diensthabende Wachtmeister habe sie nach dem Ablegen ihrer Masken jedoch nicht mehr unterscheiden können, so dass er sie wieder…“

„… in missbräuchlicher Absicht getragen habe. Die Verwechslungsgefahr zwischen Niqab und Burka sei so hoch, dass einem Polizeibeamten nicht zugemutet werden könne, bei Gefahr im Verzuge eine gerichtsfeste Differenzierung vorzunehmen. Es sei andererseits zu fragen, warum Höcke mit einem Bolzenschussgerät auf der…“





Rosenmontagszug

11 02 2013

„Tä-täää, tä-täää, tä-täääää! Das ist doch großartig, was? Das ist der Knaller, Mann! Rosenmontagszug mit der Kanzlerin, das hätten Sie jetzt nicht für möglich gehalten, was?

Ja gut, ist ein bisschen leer hier. Den Motto-Wagen für Schavan haben wir weggelassen. Wäre natürlich schön gewesen, weil wir den noch von letztem Jahr haben. Volles Vertrauen. Stehe ich hinter der, eine der besten, wenn nicht eine der einflussreichsten Bildungsministerinnen, die im Kabinett. Von Wulff kam das noch. Naja, mal sehen. Vielleicht tritt ja nächstes Jahr mal wieder ein FDP-Vorsitzender zurück, dann können wir den Mist überlackieren. So alitaliamäßig.

Wir hatten Probleme mit Altmaier. Nein, falsch: wir hatten Probleme mit der Altmaierfgur. Nein, nicht mit der Figur von Altmaier, sondern mit der Figur, die – ach, egal. Jedenfalls war nicht genug Pappe da. Wir müssen ja alle sparen. Naja, wir haben halt den Röttgen noch mal genommen. Ist doch Recycling, und viel geändert hat sich ja auch nicht. Etwas mehr Bauch, etwas weniger Substanz. Wie überall eben in diesem Kabinett.

Gucken Sie da nicht so hin. Den wollten wir richtig fertigmachen, aber das hat auch wieder nicht geklappt. Den McAllister. Den hatten wir nur oben, aber untenrum konnte er nicht mehr. Da waren noch Reste von der FDP, und die waren zu groß – naja, nicht so gelungen. Aber jetzt können wir den eh auf den Müll schmeißen. Wissen Sie, das macht den Karneval mit der Kanzlerin so unangenehm. Es gibt keine große Linie, aber dafür schmeißen einem die kleinen Überraschungen auch alles durcheinander. Sie können keinen Wagen in Ruhe fertigbauen, ohne ständig zwischendurch die Nachrichten –

Kommen Sie mir nicht mit der FDP jetzt, wir haben Rösler jetzt als Funkenmariechen gerade überlackiert, den nieten wir am Boden fest, und dann geht das ab! Ich will auf dem Hauptwagen jetzt keine Änderungen mehr haben, ist das klar!?

– wo war ich? Nachrichten, genau. Momentan müssen wir hier jede Stunde zum Radio laufen, sonst verbauen wir uns. Stellen Sie sich das mal vor, wir machen Pappkameraden mit Vertrauen im Rücken, Messer haben wir von Röttgen auch noch eins hier rumliegen, und dann ist da plötzlich gar keiner mehr Minister. Ich meine, es ist schon eine Clowntruppe hier, aber man kann’s ja auch echt übertreiben.

Oder hier, Stuttgart. Wir haben da ja gewerkelt, mein lieber Scholli. Wollen Sie mal die Entwürfe sehen? Da unten. Hier die Bäume ab, da sollten die Ruinen vom Bahnhof stehen, ganz lebensecht, und in der Mitte, naja, sehen Sie ja selber. Quasi ein fahrbares Loch. Wir haben uns angepasst, sollte eben ganz lebensecht sein: technisch so gut wie gar nicht möglich, aber dafür wird die Sache erheblich viel teurer als erwartet. Richtig wie in echt. Und jetzt kommt doch dieser Streusalzkornzähler, der Ramsauer, der sagt jetzt, es wird jetzt doch gebaut, aber wenn nicht, dann hat er es gleich gesagt. Wird das gleich gesagt haben. Gesagt gehabt haben werden, irgendwie so. Jetzt haben wir das ganze Zeug eingekauft, Vertrauensschutz, und dann kommt die Order von oben: ja, wir machen das, aber wir können noch nicht sagen, warum nicht. Was passiert denn jetzt mit dem ganzen Schrott? Sollen wie jetzt einen Flughafen bauen? oder dieses Ding in der Elbe?

Hören Sie mir bloß auf mit dem Wagen von der Schröder. Kaum hatten wir das Motiv vom Armutsbericht fertig, mussten wir alles noch mal auseinandernehmen. Vor allem, wir wussten bis ganz zum Schluss gar nicht, was da rauf sollte. Der Auftrag hieß, machen wir einen Armutsbericht, die Ministerin sagt: machen Sie keinen, aber es soll trotzdem so aussehen. Ja gut, das geht jeden Tag hin und her, das sind wir gewohnt. Das ist die Regierung. Aber die finanzielle Ausstattung, das ist der Knackpunkt. 200 Milliarden! Hier müssen die Reste von 200 Milliarden Euro verklappt werden, und darum ändern die jeden Tag ihre Meinung, damit am Ende das Geld auch wirklich weg ist! 200 Milliarden Euro, wissen Sie eigentlich, wie viele Krippenplätze Sie mit der Kohle kriegen? Die haben doch nicht alle –

Was ist denn jetzt schon wieder los? Friedrich gibt grenzdebilen Müll von sich? Mann Gottes, kommen Sie zu mir, wenn er das mal nicht tut!

– Vorschläge gelesen, wir haben uns ja auch ein paar Gedanken gemacht. Von dem Geld könnte man so einen schönen Stuttgart-Wagen bauen. Oder hier, die Schäuble-Karre, auf zwei Rädern rückwärts in den Abgrund. Wollten sie auch nicht. Das wird aus einem eigenen Topf finanziert, und wenn das Geld nicht reicht, müssen sie halt Schulden machen. Was das werden soll, kann ich Ihnen auch nicht sagen.

Und jetzt auch noch ein Wagen für Afghanistan. Abzug. Ja gut, den gab’s auch schon mal. Aber den wollen sie jedes Jahr. Und dann soll er auch jedes Jahr gleich aussehen. Wissen Sie eigentlich, wie einem das auf die Nerven geht? Die Kanzlerin macht etwas ohne Überraschungen? Muss man sich denn hier alles bieten lassen?“





Fuselabend

16 02 2010

„Unna Hall am Arsch!“ „Ruff-drr-aa, duff-drr-daa, duff-dadda-duff-da-ruff, duff-duff!“ Horst Breschke war in seinem Element. Mit vollem Einsatz beider Ellenbogen verlieh er seinem Enthusiasmus für die schmissigen Rhythmen der Feuerwehrkapelle beredte Gestalt. Der pensionierte Finanzbeamte war vom Scheitel bis zur Sohle, von bunten Papierorden bis zur Narrenmütze als imposante Verkörperung altehrwürdigen Brauchtums zu erkennen. Die Prunksitzung war in vollem Gange. Ich mittendrin.

„Sie machen das zum ersten Mal mit?“ Doktor Klengel legte mir begütigend die Hand auf den Arm. „Man gewöhnt sich daran. Es sieht alles ein bisschen wild und wirr aus, aber Sie werden bald Gefallen daran finden.“ Ich fragte meinen Hausarzt, warum er denn trotz seiner anhaltenden Kritik seit nunmehr dreißig Jahren jedes Jahr die Saalabende mitmache. „Schauen Sie“, brüllte Klengel gegen den Lärm der einsetzenden Blasmusik, „jedes Jahr im Herbst vergesse ich, meine Mitgliedschaft im Karnevalsverein zu kündigen. Wenn man schon mal Mitglied ist, warum soll man dann nicht auch diese Sachen hier über sich ergehen lassen?“ Das klang logisch. Wenngleich mir derlei Begeisterung nicht zur Verfügung stand, ich war eher gezwungen, in der stickigen, lärmdurchtosten Luft des Festsaals zu hocken. „Das ist auch fast schon ganz zu Anfang“, hatte mir Breschke versprochen, „also direkt nach den Fliegenden Funken, oder wie diese Tanztruppe da heißt.“ Jetzt aber hockte er am Tisch, bibberte vor Aufregung und trank hektisch ein Glas Weißwein nach dem anderen.

Die Damen der Prinzessinnengarde (allesamt ältliche Frauenzimmer in viel zu engen Trikots) hatten ihre liebe Mühe, Hebe-, Stemm- und Schleuderfiguren zu meistern. Wer war das da in der Mitte des Elferrates? Diese sauertöpfische Miene – „Isoldemarie Flöhstedt-Weber“, bestätigte Doktor Klengel, „ist sogar mit ihrem Rechtsanwalt tätig geworden, damit sie mit ihrer Bürgerinitiative ins Festkomitee abgeordnet wird.“ Ich versuchte, mich zu erinnern. „Karneval im Gedenken an Frau und Umwelt?“ „Verein für Karneval trotz Frau und Umwelt“, korrigierte Klengel. „Was erwarten Sie auch von einer Gymnasiallehrerin?“

Da war es endlich, das Zeichen. Herr Breschke straffte sich, stand mit geschwellter Brust auf und schritt leicht schwankend zu dem Treppchen, das auf die Bühne führte. Der Trompeter setzte sein Instrument an. Unter schrägem Geschmetter stapfte Breschke auf dem Podium in Richtung Rednerpult. „Wo ist er denn jetzt hin?“ Verdutzt schaute ich auf und sah Klara Täschner hinter mir, einen pompösen Strohhut auf dem Kopf und ein Tablett in den Händen. Ich wandte mich an Doktor Klengel. „Haben Sie Ihre Sprechstundenhilfe mitgebracht?“ „Zahle ich so schlecht“, mopste sich der Arzt, „dass Frau Täschner auf eine solche Nebenbeschäftigung angewiesen wäre?“ Sie blickte finster drein. „Und wo lasse ich jetzt das Viertel?“

Oben auf der Bühne hatte Breschke seine Rede begonnen. „Was kann es Schöneres im Leben“, skandierte er, „als einen guten Nachbarn geben?“ Ein bisschen schwankte er nach links, dann hatte er das Pult wieder im Griff – respektive umgekehrt. Breschke fuhr fort: „Doch unangenehm wird es dann, wenn der Nachbar kein guter Nachbar sein kann!“ „Das holpert!“ Isoldemarie Flöhstedt-Weber moserte dumpfig von hinten. „Nochmals im ganzen Satz, bitte!“ Breschke blickte sich irritiert um, schüttelte den Kopf und setzte seinen Vortrag fort. „Vor allem fällt unangenehm auf, wo von einer Zierkirsche ständig fällt das Laub!“ „Reimt sich nicht“, nörgelte die Deutschpädagogin. Klengel feixte. „Sagen Sie jetzt bloß nicht, Sie haben ihm bei der Büttenrede geholfen.“ Ich runzelte die Stirn. „Auf Gabelstein kann er alleine schimpfen, außerdem würde ich so etwas nie verzapfen.“

„Wo soll ich denn jetzt mit dem Wein hin“, brachte sich die Sprechstundenhilfe in Erinnerung, „und wer bezahlt mir die anderen neun Viertel?“ Klengel riss bestürzt die Augen auf. „Neun? Sie haben ihm schon neun Viertel gegeben?“ „Er war doch das reinste Nervenbündel“, verteidigte sich Frau Täschner, „das erste hat er schon komplett auf dem Tischtuch verkippt.“ „Um Gottes Willen!“ Der Allgemeinarzt schlug die Hand vor den Kopf. „Breschke bekommt Phypotrolifinox forte, dem können Sie doch keinen Alkohol verabreichen, was haben Sie sich denn bloß…“ Er wollte auf die Bühne eilen, doch ich hielt ihn ab. „Reichen Sie mir einen von diesen Holzspießen“, orderte ich bei der Kellnerin. „Weg mit dem Käse, und dann geben Sie mir Rückendeckung.“ Die Kapelle hatte ebenfalls einen gewissen Pegel erreicht. Ich ließ einen Schein in die Brusttasche des Posaunisten gleiten.

Breschke stammelte sich versweise am Redetext entlang. „Wer mit dem Staub… hick! Laubsauger, mit dem Laubdings… na! Dings eben…“ Die Merkerin atmete gerade zur Wortspende ein, ich riss den Taktstock hoch: Dadda-duff-drr-daa-radda-dumm, tsching-buff! „Die Gartenzwerge und die… Gabelstein, der kann nicht mal seinen Rasenmäher ordentlich…“ Dadda-duff-dadda-dumm, drr-daa-radda-duff, duff-duff! „Und der kippt Streusalz da hin, wo Bismarck auf sein Grundstück macht und…“ Dadda-duff, dadda-duff-drr-uff! Tsching-duff-dadda-buff! Duff! Duff!

Ich spritzte Breschke kaltes Wasser ins Gesicht, während Doktor Klengel ihm den Puls fühlte. „Ah, er ist robust. Das wird wieder. Ich überlassen Ihnen gerne meinen Patienten. Sie können das wohl besser.“ Fragend schaute ich ihn an. Er lächelte schelmisch. „Ihm den Marsch blasen.“





Schluss mit Lustig

23 02 2009

Köln (zyn) Wie heute Vormittag aus Polizeikreisen verlautete, forderte die Explosion in Köln-Grengel ein Todesopfer. Es handelt sich dabei um den arbeitslosen Maschinenschlosser Norbert R. (51).

Nach Aussage des Imbiss-Besitzers Fred W. (63) hatte der Lebensmittelchemiker Alexander P. (39) am vorigen Mittwoch beim Verzehr eines Schaschlikspießes geäußert, dass der Karneval ihn von Jahr zu Jahr mehr störe und er darauf ebenso verzichten könne. R., ein Nachbar des mutmaßlichen Täters, begann daraufhin, P. als „Vaterlandsverräter“ und „perverse Sau“ zu beschimpfen. Rosenverkäufer Rafik Ü. (46), der einen Zwischenstopp machte, um Wechselgeld zu erhalten, sagte später, R. habe mit Bierdosen um sich geworfen. P. habe sich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr dort befunden.

Am Donnerstag fand P. beim Öffnen seiner Wohnungstür den auf die Außenseite aufgesprühten Schriftzug „Alaaf Tünnes!“ vor. Er konnte der Aufforderung des Hausmeisters, die Schmiererei innerhalb der nächsten Stunde zu entfernen, nicht nachkommen, da er am Vormittag einen wichtigen Kundentermin in Düsseldorf wahrnehmen musste. Obwohl der Hausmeister die Farbe auf P.s Kosten entfernte, wurde bereits mittags das Türblatt mit 203 Exemplaren eines Flyers zum Schull- und Veedelszöch beklebt. Der dabei verwendete Sekundenkleber erwies sich als äußerst haltbar. Etliche Flyer waren unter der Wohnungstür durchgeschoben worden, was P. nach der Heimkehr feststellte. Das mit Kot beschmierte Papier – eine spätere DNA-Analyse ergab R. als den Urheber – verschmutzte den Teppichboden derart, dass der Hausmeister P. eine fristlose Kündigung wegen unsachgemäßem Gebrauch der Mietsache androhte.

In der Nacht waren zunächst ältere Aufnahmen der Bläck Fööss und der Räuber auf höherem Lautstärkepegel zu hören, bis R. im Treppenhaus mittels einer Blechgießkanne Jupp Schmitz’ Wer soll das bezahlen intonierte. Der auf der gegenüber liegenden Straßenseite wohnende Lungenfacharzt Dr. Theo Sch. (50), der die Polizeistreife alarmiert hatte, erstattete trotz des Beschwichtigungsversuchs seitens der Beamten Strafanzeige, da ihn R. als „Pissnelke“ bezeichnet und ihm mehrfach angedroht hatte, ihm „die Eier abzufackeln“. R. wurde zur Ruhe ermahnt. Nach einer amtsärztlichen Untersuchung wurde er auf freien Fuß gesetzt, da keine Fluchtgefahr bestand.

Als P. am Freitagabend gemeinsam mit Mehmet E. (36), einem Arbeitskollegen und Freund, das Laborgebäude ihres Arbeitgebers verließ, wartete Norbert R. bereits auf dem Parkplatz vor dem Gelände. Nach Aussage des Pförtners hatte R. zuvor ungefähr eine halbe Stunde lang mehrere Chemielaborantinnen sexuell belästigt und mit dem von ihm mitgeführten Luftgewehr sämtliche Scheinwerfer eines Lieferwagens zertrümmert, bevor ihn zwei Wachschutzmänner überwältigten. Dabei zog sich R. eine leichte Rippenprellung zu, so dass er sich in sein Auto setzte. Als P. das Labor verließ, lief R. auf ihn zu, wobei er zwei Pressluftfanfaren betätigte. Mehmet E. und der Pförtner gaben später zu Protokoll, R. habe dabei unter anderem „Schalalalala, Du Drecksack“ gebrüllt. Die von E. per Handzeichen herbeigerufene Polizeiwachtmeisterin Nicole O. stellte die Personalien des R. fest und entzog ihm, da dieser zwischenzeitlich eine Blutalkoholkonzentration von 1,9 Promille aufwies, die Fahrerlaubnis. Wie sich mehrere Mitglieder des Wachschutzes und O.s Kollege, Polizeihauptmeister Ernst L. (49), erinnern, forderte R. die Beamtin auf, sich zu entkleiden. Wie er in den folgenden dreißig Sekunden einen Nasenbeinbruch erlitt, einige Vorderzähne verlor und einen Tritt ins Steißbein erhielt, ist nicht geklärt. Möglicherweise hat sich R. die Verletzungen selbst beigebracht.

Als Alexander P. am folgenden Morgen den Hof seines Wohnhauses betrat, um einen Wertstoffsack in den Sammelcontainer zu werfen, riss R. das Schlafzimmerfenster auf und bewarf P. mit toten Zierfischen. Dazu stellte er sein Radio mit CD-Spieler auf die Fensterbank und ließ bei voller Lautstärke den Disco-Hit Brown Girl In The Ring laufen, was er durch lautes Mitsingen ergänzte. Drei Nachbarn bestätigten, R. habe den Text in „Du bist impotent, Du kriegst keinen hoch“ verändert.

Bereits am Nachmittag begann R., unterstützt von seinem Kegelbruder, dem Hilfsarbeiter Günther I. (49), Gegenstände an die Wohnzimmerdecke zu schlagen, darunter mehrere Bügeleisen, eine Schlagbohrmaschine und eine gusseiserne Pfanne. Sie hämmerten im Takt des Karnevalsschlagers Viva Colonia, was sich fortsetzte, als R. dazu überging, mit der Pfanne die Außenseite von P.s Wohnungstür zu bearbeiten. Die Büroinformationselektronikerin Ewa H. (31) beschwerte sich über die Belästigung. Nachdem sie das Haus verlassen hatte, um – so sagte sie später aus – den Karneval aus sicherer Entfernung von Łódź aus zu verfolgen, setzte der Lärm wieder ein und dauerte bin in den frühen Sonntagmorgen.

Als Alexander P. nach dem Besuch der Heiligen Messe sein Wohnhaus betrat, fand er ein an die Wohnungstür genageltes Meerschweinchen vor. P. erlitt einen Schock, konnte aber durch Gabe von Kochsalzlösung rasch stabilisiert werden. Da eine Beamtin einen Anruf auf P.s Mobiltelefon annahm, wurde Mehmet E. informiert. Dieser begab sich sofort zum Unfallort. Laut Obduktion durch den Amtstierarzt war das Nagetier erst durch den Blutverlust verendet, den der Stahlnagel verursacht hatte. Ein Zusammenhang mit der aufgehebelten Wohnungstür des Hausmeisters, dessen Tochter ihr Haustier vermisste, konnte nicht hergestellt werden. Der Hausmeister erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt. Hauptwachtmeister Peter M. (41) erinnerte sich später, Mehmet E. habe seinem Kollegen dringend angeraten, die nächsten Tage bei seiner Familie zu verbringen, was dieser jedoch ablehnte.

Die Demonstration von Tierschutzverein und PETA wurde von Ordnungskräften observiert. Transparente mit der Aufschrift Du kriegst noch mehr, Schwein! wurden beobachtet. Als die ersten Pflastersteine in R.s Fensterscheiben geworfen wurden, löste ein Wasserwerfer die Kundgebung auf.

Obwohl Norbert R. neben der Bläck-Fööss- und Höhner-Beschallung am Sonntagabend dazu überging, Schmutzwäsche vor P.s Tür zu verbrennen, regte sich der Nachbar nicht. Erst gegen zwei Uhr zog er den Stecker seines Telefonanschlusses. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in dichter Folge Nachrichten wie „Dich kriegen wir noch, Drecksau“ und „Geh doch nach drüben“ auf dem Anrufbeantworter zu hören, bis das Gerät auf Klingelton umschaltete. Der Hausmeister rief Alexander P. kurz vorher an und teilte ihm mit, die Luftwaffe rufen zu wollen, falls das ständige Telefonklingeln nicht aufhöre.

Gegen acht Uhr riss P. ungeachtet des andauernden Lärms ruckartig die Tür auf und schleuderte einen Gegenstand in den Hausflur. Es handelte sich um eine 800-ml-Weißblechdose, die P. mit Hilfe von geschreddertem Buntmetall, Unkrautvertilgungsmittel und Staubzucker zu einer Splitterbombe umgebaut hatte. Die nach wenigen Sekunden erfolgende Explosion des Sprengkörpers führte zum sofortigen Tod von Norbert R., der nur noch anhand von Faserspuren seines beigefarbenen Trainingsanzugs identifiziert werden konnte. P. leistete dem Minuten später eintreffenden SEK keine Gegenwehr und ließ sich widerstandslos festnehmen. Schäden an der Baustatik des Wohnhauses scheinen nicht zu bestehen.

Der im Erdgeschoss wohnende Heinrich F. (87), der von der Detonation aufgeschreckt die Beamten gerufen hatte, konnte erst Stunden nach der Bluttat vernommen werden. Der Pensionär sagte völlig verstört aus, P. sei ein sehr angenehmer Nachbar, der zurückgezogen gelebt und im Treppenhaus stets freundlich gegrüßt habe. Staatsanwältin Verena J. (44) teilte auf Anfrage mit, bisher lägen die Motive für den Anschlag noch völlig im Unklaren. Die Ermittlungsbehörden stünden vor einem Rätsel. Terror könne jedoch als Tathintergrund ausgeschlossen werden.