Nach Augenmaß

28 03 2011

„Da dürfen Sie mich nicht fragen. Haben Sie eine Bedienungsanleitung? Eben. Ich auch nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass man die nicht einfach so abschalten kann. Das Modell ist zu alt, da kriegen Sie ja nicht einmal mehr vernünftige Ersatzteile. Und wenn da mal ein Kleinteil einfach so rausfliegt oder eine ganze Baugruppe ausfällt – ich bin ja auch für den Ausstieg, je schneller, desto besser, aber ich fürchte, wir werden Merkel kontrolliert runterfahren müssen. Einfach ausknipsen lässt sich die Alte jedenfalls nicht.

Schrittweise, haben sie gesagt. Erst Hamburg, jetzt Stuttgart, und irgendwann Deutschland. Aber mit dieser Kanzlerin kriegen Sie das nicht mehr hin, das sieht doch ein Blinder! Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg, oder ist das jetzt schon Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg? Haben Sie da noch Ausblick? Durchblick, meine ich? Ich auch nicht. Hat keiner. Alles ein Chaos. Gut, jetzt sind wenigstens die Reaktoren Mappus und Gönner vom Netz. Dieses verstrahlte Geraffel, hat das überhaupt noch eine Betriebsgenehmigung? Wer entsorgt den Abfall von diesen Klötzen? Und werden die auch irgendwo sicher endgelagert? Oder kommen die zu Guttenberg in die Wiederaufbereitungsanlage? Das muss man doch wissen!

Stresstest hat sie das genannt, die Merkel. Das leuchtet mir nicht ein. Sie macht nur einen Stresstest mit der CDU. Dabei ist ihr der Wähler dazwischengeraten. Ach, dieser Stresstest ist bloß Papierkram? Na, das passt ja. Für die CDU findet die Verfassung ja auch nur auf dem Papier statt.

Die Kühlsysteme, das ist der Schwachpunkt. Wulff, von Beust, Koch, alle havariert – ein paar haben sogar freiwillig den Geist aufgegeben, soweit man bei denen von Geist sprechen kann. Aber dann gucken Sie mal, was Sie da an Ersatzteilen geliefert bekommen! Ahlhaus, das ist ja als Nachbau noch erträglich, aber Bouffier? Den Hongkongschrott baut sich doch kein normaler Mensch ein!

Klar, jetzt merkt man erst, was das DDR-Erbe von der Merkel alles ausmacht. Sie hat ja vor allem Abwickeln gelernt. Also gehen wir mal davon aus, dass die CDU ordnungsgemäß um die Ecke kommt.

Sie meinen, Merkel sei ein Schneller Brüter? Das verstehe ich jetzt nicht. Weil sie ständig Zeugs von sich gibt, das die Bevölkerung spaltet? Herbst der Entscheidungen, Jahr des Vertrauens und solche Sachen? Ach deshalb. Ja, kann man unterschreiben: dass sie mehr Müll produziert, als für die ganze CDU ausreicht. Und Westerwelle? Druckwasser-Überreaktor, typischer Fehlbau. Der Mann macht doch nichts als heiße Luft. So viel kontaminierte Abwärme kriegen Sie sonst nur um die Ohren geblasen, wenn Sie Homburger und Brüderle als Reihenschaltung betreiben. Aus der thermischen Energie kriegen Sie locker eine Resthirnschmelze hin. Leichtwasserreaktor? Westerwelle? Meinten Sie jetzt, den kriegt so ein Leichtmatrose eher geregelt? Da muss ich Sie leider enttäuschen, der kriegt gar nichts hin.

Jedenfalls nicht nach Augenmaß. Doch, das hat sie immer wieder betont: Augenmaß. Leider hat sie uns nicht verraten, ob wir ihren Knick in der Optik berücksichtigen müssen. Heißt denn Augenmaß jetzt, dass wir sie vom Netz nehmen und ausglühen lassen bis 2013? Oder gleich Neuwahlen und dann ab in die Asse mit diesem Verdampferkonzentrat? Oder in den Weltraum? Ich würde das gut finden. Und die ganzen CDU-Landesverbände, wenn man denen sagen würde, wir schießen die Merkel zum Mond – Sie, die würden ihr letztes Hemd hergeben, wenn sie dafür eine deutsche Rakete bauen dürften! Aber das wird nicht passieren, da bin ich mir sicher. Ganz sicher. Denn so sicher ist auch sicher, dass die Sicherheit von Mondraketen nicht sicher genug ist, da können Sie noch so viele Ethikkommissionen einsetzen, die herausfinden sollen, was sie denn nun eigentlich herausfinden sollen. Am Ende geht so eine Rakete beim Start in die Luft, der radioaktive Mist explodiert, und dann haben wir das Zeug auch wirklich überall. Und das geht doch nun wirklich nicht – ich meine, es reicht doch, wenn die Merkel in Deutschland die Atmosphäre vergiftet.

Es wird vermutlich hier so laufen wie in Japan: die Leute, die sich haben verstrahlen lassen, sind am Ende selbst daran schuld und brauchen sich gar nicht erst irgendwelchen Hoffnungen hingeben. Das neoliberale Prinzip halt, alle Tellerwäscher, die es nicht bis zum Millionär geschafft haben, müssen zur Strafe seine Steuern mitbezahlen. Sozialsystem, Bildung, innere Sicherheit, die Kernschmelze hat längst stattgefunden, aber die Quatschköpfe stehen immer noch in der Landschaft und verkünden, dass sie alles unter Kontrolle haben – bis irgendein Brüderle versehentlich das Gegenteil herausfindet. Es steigt ja auch keiner mehr durch in diesen Bedienungsanleitungen. Da steht zum Beispiel, das, was Kohl gesagt hat, sei Illoyalität. Immer, wenn jemand die Wahrheit sagt, dann ist das Illoyalität. Verstehen Sie das? Ich auch nicht. Aber vielleicht hat ja Orwell die Betriebsanleitung geschrieben.

Keine Ahnung, wer die Liquidatoren auf dem Wasserwerfer sein werden. Kauder vielleicht, de Maizière, von der Leyen, Röttgen. Wenn sie sich zum Schluss ganz sicher sind, dass da keiner mehr lebend rauskommt, dann werden sie Pofalla auch noch in die Strahlen schicken. Denn das ist doch das eigentliche Dilemma der CDU: alle wünschen sie sich heimlich, dass die Merkel der Schlag trifft, aber alle wissen sie auch, dass dann auch nichts mehr kommt. Und das ist, im Gegensatz zu den deutschen Kernkraftwerken, todsicher.“





Zurück in die Zukunft

17 03 2011

„Wahlkampfbüro Merkel, was darf ich für Sie – schreien Sie doch nicht so! Ja, ich bin nicht taub. Was haben Sie? Die Sicherheitsmängel? Wo sind denn bitte Sicherheitsmängel? Kernkraftwerke sind doch sicher, die werden nur überprüft wegen – bitte nicht so schreien! Das tut in den Ohren weh!

Das ist momentan eine schwierige Situation für uns hier in der Wahlkampfzentrale. Wir müssen ja mehrere Krisenbrennstäbe vor der Kernschmelze bewahren, aber am wichtigsten ist uns natürlich der Kollege Mappus. Schon wegen der Verfassung – in der er sich jetzt befindet. Das geht nicht ganz ohne Reibereien ab, aber wir sind krisensicher. Also fast so krisensicher wie die Kernkraftwerke, die jetzt nicht mehr sicher sind, weil sie… wo war ich? Genau, werden wir das vorübergehend, ich betone: vorübergehend aussitzen, natürlich gemeinsam, und dann werden wir ja sehen. Wir würden es jetzt ja gerne auf die SPD schieben, aber irgendwie klappt das nicht. Die sind für Hartz IV und Mindestlöhne verantwortlich, aber nicht für Plattentektonik. Hoffentlich kriegen wir da noch etwas hin.

Hallo, Wahlkampfbüro… Ja, Sie sind richtig verbunden. Was darf ich Ihnen – Lügenpack? Wieso Lügen? Natürlich haben wir die sichersten Kernkraftwerke der Welt, die sind schon immer ganz sicher gewesen. Deshalb haben wir jetzt ja auch eine ganz neue Situation, die wir neu bewerten müssen, und wenn wir dann feststellen, dass wir in einer – hallo? Wir müssen nun ehrlich diskutieren, ob es… sind Sie noch… Ja klar, wir haben immer schon ehrlich diskutiert, aber jetzt ist es eben so, dass wir uns ganz sicher sind, und da diskutieren wir eben besonders ehrlich, dass wir die sichersten Kernkraftwerke – hallo? Hallo? Auch schon wieder aufgelegt. Man kann mit den Menschen einfach keinen Dialog mehr führen. Ich meine, die rufen doch uns an, nicht ich wir sie – da können die sich doch ruhig mal auf ein vernünftiges Gespräch mit uns einlassen? Das kriegen wir doch sonst nie gut rüber, dass es jetzt ganz wichtig ist, die CDU als Garant von Kontinuität und Stabilität zu – Grün? Schwarz-Grün? Mit diesen Ökoterroristen? Nie!

Das ist nicht nur die Lage – das ist auch diese neue Situation! Und die neuen Erkenntnisse erst! Glauben Sie nicht? Wir können jetzt sogar Dagegen-Partei! Und wir sind noch viel dagegener als die Grünen – damit schafft es Mappus!

Das liegt daran, dass wir das alte Handbuch benutzt haben. Da stand drin: es gibt keine Krise, und die anderen haben sie verursacht, also sollen sie sie gefälligst auch lösen. Wenn wir jetzt noch den Guttenberg hätten – der würde vielleicht Lammert dafür feuern, und dann wäre alles wieder gut, ja? Das muss man dem Bürger in dieser neuen Lage aber auch mal richtig transparent erklären, dass es jetzt auf jede Stimme ankommt. Vorausgesetzt, dass die Bürger nicht immer nachfragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Oder wenn sie Dinge verstehen, die sie eigentlich gar nicht… Hallo? Wahlkampfbüro Merkel? Sie haben bei sich auch eine neue Lage bemerkt? Schieflage, sagen Sie? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Sie haben in den Nachrichten gesehen, dass wir bei einer Abschaltung von sieben AKW riskieren, dass alle Lichter ausgehen? Das war natürlich bis vorgestern auch so, aber da hatten wir noch nicht die Versorgungssicherheit, die wir jetzt durch die Abschaltung – veralbern? Ich Sie veralbern? Das würde ich mich nie trauen!

Diese Kommunikationsprobleme, wissen Sie, es ist schon nicht leicht, das innerhalb der Partei zu klären. Der Kauder hat nicht mitgekriegt, dass Merkel jetzt einen neuen Kurs vorgibt. Als Russenhure hat er sie beschimpft, als Kommunistin, als Terroristenschlampe – ihm ist da entfallen, dass sie sich gegen die Energierevolution ausgesprochen hat, als konterrevolutionäre Kraft! Also immer noch Freiheit statt Sozialismus, das verkaufen wir auch der FDP. Die kippt auch in die richtige Richtung. Wir müssen da irgendwie zurück in die Zukunft, aber machen Sie das mal den Leuten klar, dass wir so einen Umschwung gemacht haben. Nach dem Herbst der Entscheidungen kommt der Frühling der Enthüllungen – das hätten die Leute nie für möglich gehalten! Sie hat ja gesagt, sie sei die Kanzlerin, die auf alle Gegebenheiten reagiere – ich glaube fast, das ist der Fehler: mehr als reagieren hat sie nicht drauf. Und ob Reaktor zu Reagieren passt?

Wahlkampfbüro Merkel, wie darf ich Ihnen – ob der Mappus noch alle Tassen im Schrank hat? Das dürfen Sie mich nicht fragen, der wurde als Politiker gekauft, nicht als Ingenieur, und als solcher macht er einen hervorragenden – teuer? Nein, das Übliche. Warum wir sagen, dass wir die Ängste der Menschen jetzt ernst nehmen? Vorher haben wir – hallo? Sind Sie noch dran?

Dass uns diese parteipolitische Diskussion aber auch so aufgezwungen wurde! Das ist von diesem Wahlkampf aber auch unverantwortlich! Wenn die Bundeskanzlerin jetzt sagt, es gebe bei dieser Sicherheitsüberprüfung keine Tabus, dann heißt das doch nicht, dass es vorher, also für die Sicherheit, verstehen Sie, und zwar auch für Stromkonzerne, weil das ja eine gemeinsame Lösung, wenn man sich – also maximale Sicherheit hat Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen, damit das mal klar ist. Die minimale Sicherheit, die ist nicht so wichtig. Die machen wir nebenbei, wenn’s keiner merkt.

Wahlkampfbüro Merkel, was wollen Sie hören? Ach das – ja, ich bekomme auch gerade die Nachricht, dass das Moratorium gar nicht ernst gemeint war. Wir werden die Laufzeitverlängerung um drei Monate aussetzen, aber es ist keine Stilllegung, und es ist kein Moratorium, sondern es ist ein Moratorium, deswegen ist es ja auch kein Moratorium. Verstehen Sie mich? Hallo?

Machen Sie sich keine Sorgen, alles wird gut. Wir halten uns die Augen zu, dann wird alles gut. Sie müssen nur ganz fest daran glauben: Vorwärts nimmer, rückwärts immer!“





Im Land der untergehenden Sonne

14 03 2011

„Schrecklich, wenn man das alles gewusst hätte!“ „Wollen Sie mir ernsthaft verkaufen, Sie seien sich nicht im Klaren darüber, was hier alles droht?“ „Aber das konnte doch keiner vorhersehen – der Mensch ist nun mal in seiner Einsichtsfähigkeit viel zu beschränkt, das zu begreifen.“ „Ja, das wollen sie einem dann immer verkaufen, wenn sie nicht mehr weiterkommen mit ihrem Gewäsch. Alles bloß billige Sonntagsrhetorik, aber das hilft uns auch nicht mehr weiter. Jetzt muss man handeln. Wenn das überhaupt noch geht.“ „Was wollen Sie denn machen? Fukushima ist doch kein Spielplatz, das ist eine gigantische Katastrophe!“ „Wer redet von Japan? Ich rede von Deutschland!“

„Sie meinen doch wohl nicht etwa, man könne die japanischen Verhältnisse auf Deutschland übertragen?“ „Warum nicht? Glauben Sie, nur die japanischen Energiekonzerne arbeiten schlampig? Dank unserer Kanzlerinnendarstellerin wissen wir doch jetzt auch, dass unsere asiatischen Freunde zwar ein hoch technisiertes Land sind wie wir, aber dass in hoch technisierten Ländern die Reaktoren in die Luft fliegen, dass gibt’s natürlich nur in Japan.“ „Sie können ein Erdbebengebiet wie den Pazifik nicht mit Europa vergleichen.“ „Weshalb hat dann die Kanzlerin noch einen weiteren Sicherheitscheck angeordnet, dessen Ergebnisse im Ministerium längst vorliegen? Alles ist sicher, aber man weiß nie, ob sicher ist sicher auch sicher ist – also wird alles noch einmal überprüft, ob es auch so sicher ist, dass man es gar nicht hätte überprüfen müssen.“ „Doppelt hält eben besser.“ „Das wussten sicher auch die Kernkraftwerksbetreiber, die sich ihre angeblichen Nachrüstungen zwar vom Steuerzahler erstatten lassen, aber aus technischen Gründen noch mit den Sicherheitsmaßnahmen warten.“

„Vertrauen Sie doch erst einmal darauf, dass die Politik die richtigen Schlüsse zieht. Die wissen schon, was da zu tun ist.“ „Deshalb hat man die Vergrößerung von Flutbehältern oder die redundanten Sicherheitssysteme auf die lange Bank geschoben.“ „Warum hat man das denn so lange verzögert?“ „Weil die Reaktoren im wahrsten Sinne des Wortes Auslaufmodelle sind, die Sie heute nie mehr durch den TÜV bekämen. Sie lassen auch nicht Ihr Auto frisch lackieren und fahren es danach gleich in die Schrottpresse.“ „Und wozu braucht man größere Flutbehälter?“ „Um das zu verhindern, was in Fukushima als technisch unmöglich beschrieben wurde.“ „Sicher wäre es das ohne Erdbeben sogar gewesen.“ „Alles, was technisch unmöglich ist, wird als technisch unmöglich bezeichnet, weil es höchstens einmal in einer Million Jahre zu passieren hat. Wann war noch mal Tschernobyl?“

„Aber Tschernobyl war doch auch etwas völlig anderes. Die Sowjets hatten kaum geeignete Mittel, um sichere Reaktoren zu bauen, und sie konnten auch die Katastrophe nicht in den Griff kriegen.“ „Wenn das ein Argument für die sicheren Reaktoren in Japan sein sollte, dann habe ich es nicht verstanden.“ „Wir haben doch hier in Deutschland eine total andere Gefahrenlage.“ „Das stimmt, seit Schäuble kräht jeder Innenminister nach der Vorratsdatenspeicherung, um Flugzeugabstürze auf Atomkraftwerke zu verhindern.“ „Ich dachte, die seien sowieso verboten?“ „Warum lässt Röttgen die weitere Vorsorge gegen derartige Risiken, der sich längst im Atomgesetz befand, eigens streichen? Weil Schutz vor Nuklearkatastrophen Geld kostet, das man den Betreibern lieber schenkt.“ „Sie meinen, er habe das Volk heimlich hinters Licht geführt?“ „Heimlich? Nein.“ „Wie soll denn die deutsche Politik reagieren? Wir können ja schlecht innerhalb einer Stunde die Kernkraftwerke herunterfahren. Dazu besteht meines Wissens auch kein Anlass, oder erwarten Sie einen Tsunami in der Mosel?“ „Mit etwas Überblick wüssten Sie, dass die Kernschmelze nicht durch ein Beben ausgelöst wurde, sondern durch den Ausfall mehrerer Kühlsysteme. Und jetzt überlegen Sie sich, warum Röttgen es den Energiekonzernen leichterdings erlaubt hat, gesetzliche Sicherheitsvorkehrungen einfach zu umgehen, wenn sie zu viel kosten.“

„Es spricht also alles dafür, dass die Regierung die Atomkraft in Deutschland nicht im Griff hat.“ „Es spricht einiges dafür, dass diese Regierung nichts mehr im Griff hat. Diese Krückentechnologie ist nur ein Anlass, die eigene Unfähigkeit zu zeigen. Hauptsache, sie klammern sich an die Macht.“ „Halten Sie es für Realitätsverlust?“ „Nein, für planmäßige Vernebelungstaktik, mit etwas Schadensbegrenzungsrhetorik politische Handlungsfähigkeit vorzutäuschen, weil ein paar Landtagswahlen ins Haus stehen.“ „Warum müssen Sie auch gleich eine Grundsatzdebatte vom Zaun brechen!“ „Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nichts passiert, ist Atomkraft sicher und sauber und preiswert, eine Diskussion findet nicht statt. Wenn aber tatsächlich ein Zwischenfall kommt, plärrt die Atomlobby unisono: ‚Die haben ja bloß darauf gewartet!‘ Ich möchte es einmal erleben, dass bei Sozial- oder Einwanderungspolitik diese Blase nicht bei jeder Boulevard-Schlagzeile sofort eine Generalabrechnung mit dem Grundgesetz fordert. Im Übrigen halte ich es schon nicht für blanken Zynismus, wenn diese Partei jegliche Kritik am Verfassungsbruch als plumpes Wahlkampfmanöver bezeichnet. Das ist neokonservativer Konsens, dass man die Interessen der Wirtschaft auch da verteidigt, wo man selbst dafür büßt.“

„Vielleicht sollten Sie sich erst einmal abregen und nicht bei jeder Politikeräußerung in die Luft gehen.“ „Auf welche soll ich warten? Auf das offene Eingeständnis, dass diese korrupte Truppe sich von einer Umfrage zur nächsten eine Laufzeitverlängerung erschwindelt, während Deutschland für ihre Ideologie zum Land der untergehenden Sonne wird? Wollen wir aus Sicherheitsgründen darauf warten, bis sie die Verfassung in der Asse beerdigen?“ „Röttgen hat doch…“ „Röttgen reicht der Kanzlerin längst nicht mehr aus, sie muss unbedingt noch ihren eigenen Super-GAU produzieren. Nach menschlichem Ermessen, sagt sie, liegen wir also in Gottes Hand? Im Iran würde man einen Kernphysiker nach derlei für unzurechnungsfähig erklären.“ „Wenn Sie eine Debatte über Reaktorsicherheit führen wollen, dann ist es jedenfalls nicht legitim, dafür auf dem Rücken der Opfer…“ „Haben Sie Anstand und Moral auf Lager? Das hat bei Guttenbergs vorgeschobenen Soldaten auch bestens funktioniert. Warum sollten Westerwelle und Röttgen weniger Opportunismus an den Tag legen? Einen Haufen, der aus Angst vor den Lobbyisten panisch seine Sprechblasensammlung neu sortiert, statt überhaupt den Regierungsgeschäften nachzugehen.“ „Sie haben es doch selbst gesagt, Merkel will jetzt die Kernkraftwerke noch einmal prüfen lassen.“ „Sie glauben wohl auch an den Weihnachtsmann, wenn man’s Ihnen nur dreimal sagt. Merkel tut gar nichts und lässt auch nichts tun. Sie lässt höchstens in den nächsten drei Tagen prüfen, ob sie sich einen atomaren Gutti erlauben kann – allerdings hat sie den auch zu lange laufen lassen vor der finalen Abschaltung.“ „Und das reicht Ihnen für eine Wahlkampfinszenierung? Sie unterschätzen die baden-württembergischen Wähler.“ „Eine Regierung mag beunruhigt sein, wenn sich die Bürger selbstständig zu informieren wissen, aber sie bekommt panische Angst, wenn sich die Menschen untereinander austauschen – und sie reagiert mit Brutalität, sobald sie den ersten Verein gründen. Das vor allem haben die Bürger in Baden-Württemberg gelernt, und sie wissen eine Kanzlerin richtig einzuschätzen, die nur aus Opportunismus in die Politik gegangen, weil sie es aus ihrer bis heute bevorzugten Staatsform nicht anders kannte: wenn man an der Macht ist, kommt man an Bananen.“