Inhaltliche Arbeit

26 04 2021

„… mache sich insbesondere die CSU für ein Zukunftsministerium stark. Das Haus solle nach der Wahl unabhängig die großen Technologiefelder und den modernen…“

„… fünfhundert Milliarden Euro pro Jahr im Bundeshaushalt veranschlagt habe. Scheuer wisse zwar noch nicht, worum es sich handele, sei sich aber sicher, dass er das Geld ausgeben könne, ohne irgendein greifbares Ergebnis zu…“

„… innerparteilich umstritten sei. Für den Fall eines Wahlsieges plane man daher zunächst zwei Institute, von denen eines in München, eines in der bayerischen Landeshauptstadt und eine Stabsstelle im Freistaat…“

„… die Wirtschaftsverbände mit in die Gremien holen wolle. Laschet habe angekündigt, dass er über die Mitsprache der Politik bei der Vergabe von Steuergeldern erst nachdenken wolle, bevor es…“

„… eine holistische Auseinandersetzung mit der Zukunftstechnologie anstrebe. Bär habe noch keine Ahnung, was der Begriff bedeute, wolle aber eine Etatsteigerung von mindestens…“

„… bisher die absolute Spitzenreiterrolle in der internationalen Technologie sei. Zwar müsse Söder zugeben, dass seit etwa vierzig Jahren wenig davon in Deutschland zu sehen sei, man könne aber durch neue Technologien, die erst in der Zukunft für den internationalen technologischen Fortschritt des…“

„… ein Zukunftstechnologieverwaltungsamt für die rechtssichere Einleitung von Verfahren zur Genehmigung technologischer Prozesse und Erfindungen in den jeweiligen Bundesländern und den für den Finanzierungsrahmen im…“

„… auch bisher genutzte Technologien mit noch nicht erfundenen Möglichkeiten verbinden wolle, um ganz neue Technik zu erschaffen. Im Gespräch sei neben Mega-Auto und Cyber-Fax auch der…“

„… stelle sich Bär beispielsweise eine neue Corona-App vor, die anonyme Daten an einen zentralen Drucker sende, wo die ausgedruckten Daten dann anonym weitergeleitet würden, ohne dass eine Auswertung den Prozess verlangsamen oder in den einzelnen…“

„… auch für eine staatliche Zweitverwertung zur Verfügung stellen müsse, um öffentliche Gelder zu erhalten. Söder wolle etwa eine Software zur autonomen Steuerung von Lieferdrohnen auch für die Zusammenführung mehrerer Datenbanken aus dem Bereich der Verbrechensbekämpfung sowie die Speicherung linksextremer Ordnungswidrigkeiten im internationalen…“

„… nicht als reines Digitalministerium sehe. Die Digitalisierung sei nach Bärs Ansicht bereits so weit vorangeschritten, dass die Politik nun auch für Wirtschaft und Wissenschaft wichtige Bereiche der Hochtechnologie wie Automobile und kalorienfreie Ernährung mit steuerlichen…“

„… setze sich Söder vehement für eine deutsche Weltraumforschung aus. Vor Kooperationen mit den anderen Staaten müsse das Zukunftsministerium allerdings zunächst den Weltraum über Bayern, danach das All über Deutschland erforschen und könne so einen Vorsprung im…“

„… auch andere Technologiebetriebe in das Programm aufnehmen wolle. Dobrindt plane eine mittlere zweistelligen Milliardensumme, um die Trennung von alkoholfreiem Bier und bierfreiem Alkohol für eine marktfreundliche…“

„… müsse ein großer Schwerpunkt auf der Kommunikation mit der Bevölkerung liegen. Um die Forschung in Deutschland nicht zu gefährden, sei neben dem Bau von Hochsicherheitsanlagen in Sachsen und Thüringen, in denen ausländisches Personal leben und arbeiten könnten, auch der Dialog mit besorgten Bürgern wichtig, die sich von der Umvolkung akut bedroht fühlte und mit…“

„… dass zahlreiche Themen vor ihrer fachlichen Beurteilung zunächst einer eingehenden Prüfung durch das Zukunftsministerium unterzogen werden könnten. Dies werde sicher dazu führen, dass die Bundesregierung auf inhaltliche Arbeit weitgehend verzichte und sich auf die Zusammenarbeit mit den Partnern in Wirtschaft und Spendenwesen…“

„… beispielsweise Nano-Technologien zu verbessern, indem noch viel kleinere Nanos für die technologische Entwicklung von…“

„… dass Teleportation als Zukunftstechnologie entwickelt werden könne. Seehofer verspreche sich von einer deutschen Erfindung stark beschleunigte Abschiebungen, durch die viele EU-Staaten ein…“

„… Nebenprodukte der Weltraumforschung nutzbar machen würden. Hier stelle sich Bär eine Pizza vor, die samt essbarer Folienverpackung in den Backofen geschoben werden könne, so dass die Verkürzung der Schulpflicht um zwei weitere…“

„… wolle das Zukunftsministerium Scouts in die Technologiezentren der Welt entsenden. Ein in der Bundesrepublik angemeldetes Patent sei noch immer eine Garantie für einen marktkonformen…“

„… für künftige Pandemien wesentlich besser gerüstet seien, wenn jeder deutsche Bundesbürger bei seiner Geburt automatisch eine Faxnummer mit zugehörigem Festnetzanschluss zugewiesen bekomme. Damit sei Präsenzunterricht einfacher, so dass alleinerziehende oder zwischenzeitlich verstorbene Eltern keinen Hinderungsgrund für…“

„… künstliche Intelligenz zwar erst in den kommenden dreißig Jahren zu erwarten sei, die Bundesregierung allerdings bereits jetzt die vorhandenen Strukturen, wie sie in Chatbots und Zufallsgeneratoren genutzt würden, für den Aufbau eines maschinellen Parteiapparats sowie zur Programmierung von Regierungsentscheidungen in Gesetzgebung und…“





Mütter der Nation

21 04 2021

„Kinder!? wie soll das denn bitte gehen?“ „Also mehrere?“ „Umso schlimmer!“ „Und dann solche politischen Vorstellungen!“ „Das kann ja nur in die Hose gehen!“ „Auf der anderen Seite, so ganz ohne Kinder kann man sich in der Politik doch mit den wichtigen Fragen gar nicht beschäftigen.“ „Das ist richtig, aber das passt jetzt gerade gar nicht in unser Argumentationsmuster.“ „Also für ein Spitzenamt sollte die Kandidatur damit gelaufen sein, meinen Sie nicht auch?“ „Absolut.“

„Stellen Sie sich das mal im Auswärtigen Amt vor.“ „Bitte keine Kalauer jetzt, dazu ist die Lage zu ernst.“ „Staatsbesuch in China, die Lage ist extrem angespannt, kurz vor dem Wirtschaftskrieg…“ „… und dann ruft der Jüngste an und sagt: ‚Ich kann nicht einschlafen!‘“ „Ich hatte doch darum gebeten, dass wir diese Sache nicht ins Lächerliche ziehen!“ „Manchmal muss man aber so damit umgehen.“ „Gerade jetzt, wo Wählerinnen und Wähler mit dem Wunsch nach moderner Familienpolitik an uns herantreten, können wir nicht riskieren, dass uns die Spitzenkandidaten mit solchen Risiken einen Strich durch die Rechnung machen.“ „Wir sollten dabei allerdings auch bedenken, dass wir mit solchen familienpolitischen Maßnahmen viel für Bürger und Politiker tun können, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sich gar nicht stellt.“ „Das ist richtig, aber das passt jetzt gerade gar nicht in unser Argumentationsmuster.“ „Wir können nicht mit den Baustellen von gestern in den Wahlkampf!“ „Was schlagen Sie vor, die Baustellen von vorgestern?“ „Ich hatte doch gesagt: keine Kalauer!“

„Es soll da übrigens Kinder aus einer vorherigen Beziehung geben.“ „Ach, interessant.“ „Das stelle ich mir ja schon vor: Moralpredigt an die deutsche Bevölkerung, aber dann so eine Vergangenheit.“ „Ich hatte ja gleich gesagt, wir sollen uns das mit der Spitzenkandidatur noch mal überlegen.“ „Das Kind lebt aber in einem anderen Haushalt.“ „Auch das noch!“ „Da kommt es uns wenigstens nicht mehr in die Quere.“ „Mehr fällt Ihnen nicht dazu ein?“ „Damit macht man sich ja quasi erpressbar.“ „Es gab da schon mal solche Fälle.“ „Das waren aber auch andere Zeiten.“ „Unsere Ansprüche sind eben gestiegen.“ „Wegen eines gesellschaftlichen Rückschritts, dem man mit mehr Toleranz für neue Lebensmodelle leicht entgegenwirken könnte.“ „Das ist richtig, aber das passt jetzt gerade gar nicht in unser Argumentationsmuster.“ „Außerdem muss man bedenken, dass wir heute viel mehr soziale Medien haben als damals.“ „Da kann die Stimmung auch plötzlich umschlagen.“ „Ich möchte mir das gar nicht ausmalen.“ „Wir sollten uns lieber für eine sichere Variante entscheiden.“ „Das ist auch sehr im Sinne unserer Wähler.“ „Keine Experimente!“ „Ich weiß sowieso nicht, wie wir dem Präsidium diese Auswahl erklären sollen.“

„Es ist ja überhaupt die Frage, wie geht man sicherheitstechnisch mit dieser Situation um.“ „Was die Kinder betrifft, kann man das dem Steuerzahler überhaupt vermitteln?“ „Wir bräuchten mindestens einen Sicherheitsbeamten pro Kind, rund um die Uhr, sonn- und feiertags.“ „Das muss man erst mal in Relation setzen zu den Einkünften in diesem Amt.“ „Sehr richtig!“ „Bei einer Sparkasse kann man das ja auch noch nachvollziehen…“ „Oder bei einem Vorstandmitglied, die tragen auch enorme Verantwortung für die deutsche Wirtschaft!“ „… aber in der Politik sollte man doch bitte die Kirche im Dorf lassen.“ „Sehr richtig!“ „Auf der anderen Seite schafft das natürlich auch wieder Jobs.“ „In der Relation ist das aber nun wirklich nicht mehr zu vermitteln.“ „Was nützen uns denn ein Dutzend Personenschützer, wenn wir immer davon ausgehen müssen, dass Kinder aus dem Umfeld jeden Tag gekidnappt werden könnten?“ „Wir können doch nicht ein ganzes Villenviertel abriegeln!“ „Machen wir doch teilweise schon.“ „Ja, aber da wohnen die wirklichen Leistungsträger, die wollen das so.“

„Ich möchte vor allem nicht diese Bilder in der Öffentlichkeit.“ „Einkaufen mit Kindern?“ „Oder in der Kita.“ „Ich will vor allem nicht diese Bilder, in denen man das Gefühl bekommt, unsere politisch Verantwortlichen kümmern sich den ganzen Tag nur um unseren Nachwuchs, statt beispielsweise die Pandemie zu bekämpfen.“ „Momentan sehe ich so gut wie nie Bilder mit Kindern drauf, und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass sich in Sachen Pandemiebekämpfung irgendwas tut.“ „Das war ja auch nur ein Beispiel.“ „Dann dürfte man aber auch keine Bilder mehr aus dem Freizeitbereich zeigen, um unsere Regierung grundsätzlich als rund um die Uhr arbeitenden Staatslenker zu inszenieren.“ „Man sollte im Gegenteil viel eher Bilder aus dem Bereich Freizeit und Familie zeigen, um für mehr politische Partizipation zu werben, das würde die Mitarbeit in verantwortungsvollen Positionen sehr viel attraktiver machen.“ „Das ist richtig, aber das passt jetzt gerade so überhaupt gar nicht in unser Argumentationsmuster!“ „Ich meine ja…“ „Keine Kalauer jetzt!“ „… wir sollten uns jetzt auf eine ganz andere gesellschaftliche…“ „Keine Kalauer!“

„Haben wir nicht irgendwen auf der Liste, den wir bis zur Wahl noch richtig aufbauen können?“ „Also da sehe ich schwarz.“ „Die meisten sind ja eher von der letzten Legislatur ramponiert, da hilft jetzt auch keine Schadensbegrenzung mehr.“ „Und das rechtfertigt Ihrer Ansicht nach diesen Vorschlag für die Spitzenkandidatur?“ „Aber…“ „Diesen!?“ „Jetzt lassen Sie uns mal ruhig bleiben und der Wahrheit ins Auge blicken.“ „Die da wäre?“ „Sie wollen unser Scheitern als Sieg verkaufen?“ „Aber das ist…“ „Wir müssen es akzeptieren: Männer eignen sich einfach nicht als Bundeskanzlerin.“





Verdunkelungsgefahr

15 04 2021

„… müsse ein Lockdown, auch in Teilen der Bundesrepublik, durch nächtliche Ausgangssperren begleitet werden, um die Akzeptanz bei der Bevölkerung für weitere Maßnahmen nicht zu…“

„… sich nur auf normale Fußgänger beziehe. Wer beispielsweise nach zwanzig Uhr einen Hund ausführen müsse, könne dies auch ohne behördliche Genehmigung tun und werde bei Kontrollen nicht mit einem Bußgeld in Höhe von…“

„… dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen durch Ausgangssperren nur eine Verlagerung der Infektionen stattfänden. Die Ministerpräsidenten hätten darauf hingewiesen, dass eine Kontrolle von Privatwohnungen leider mit verfassungskonformen Mitteln nicht…“

„… den öffentlichen Personennahverkehr ab spätestens zwanzig Uhr einzustellen. Ungeklärt sei bisher, ob es Zügen und Bussen erlaubt sei, nach Betriebsschluss eine Haltestelle anzufahren, oder ob nach dem Halt auf der Strecke die Fahrgäste sich innerhalb bzw. außerhalb des jeweiligen…“

„… wolle man Kinder, die ohnehin nicht als Überträger gelten würden, durch eine nächtliche Sperre innerhalb der eigenen Wohnungen lassen, wo sie ungestört die von den Eltern erworbenen Infektionen ausschließlich untereinander in…“

„… die im Sozialismus gepflegte Tradition des Hausbuchs für Besuche in den Wohnungen nicht mit dem bundesdeutschen Recht zu vereinbaren sei. Seehofer wolle die Entscheidung aus Karlsruhe allerdings nicht akzeptieren und habe angekündigt, durch einen befristeten Ausnahmezustand die…“

„… sei es aus dienstrechtlichen Gründen nicht entschieden worden, ob das Zugpersonal nach der Einfahrt in einen Zielbahnhof sich während der nächtlichen Zwangspause aus dem Zug entfernen und den Heimweg antreten dürfe, wenn dies nur mit Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs im…“

„… dass mehrere Ministerpräsidenten sich für die Beibehaltung der Öffnungszeiten im Handel ausgesprochen hätten. Eine Einschränkung der Wirtschaft sei in dieser Lage kontraproduktiv, auch wenn dies täglich mehrere Stunden ohne Kunden in den Geschäften des…“

„… zahlreiche Personen, die im Schichtbetrieb arbeiten würden, regelmäßig von der Polizei aufgegriffen und mit Bußgeldern belegt worden seien. Die Bundesregierung sehe das Problem und appelliere an die Bereitschaft der Menschen, sich durch ein bisschen mehr Flexibilität an den Folgen der Pandemie zu…“

„… dass Ausnahmen in der Zeit nach achtzehn Uhr nur für einen Besuch im Lebensmittelgeschäft erteilt werden könne, der als ein- bis zweimalige Genehmigung in einem Zeitfenster bis Mitternacht den wöchentlichen…“

„… einen Ersatzverkehr nur dann geben dürfe, wenn dieser an den Haltepunkten von Bussen und Zügen ausschließlich auf das Transportpersonal warte. Fahrgäste hingegen müssten bereit sein, in eigenverantwortlichem Warten auf den ersten Zug oder Bus des Folgetags eine möglichst…“

„… müssten in städtischen Gebieten sämtliche Straßenbeleuchtung, die Lichtzeichenanlagen sowie ähnliche Leuchtmittel in öffentlichem Besitz nach Einbruch der Dunkelheit ausgeschaltet werden. Die Sicherheitsbehörden würden sich davon mehr Anreize versprechen, dass die Menschen nachts freiwillig in ihren…“

„… keine Rechtssicherheit gebe. Demnach sei es möglich, sich von jedem Einzelhändler eigene Bescheinigungen ausstellen zu lassen, so dass wöchentlich beliebig viele Besuche während der Ausgangssperre ganz legal und…“

„… nicht für private Kraftwagen gelte. Diese seien sicher nicht in der Absicht unterwegs, die Ausgangssperren zu ignorieren, und müssten ihr verfassungsmäßig garantiertes Recht, überall und zu jeder Zeit in Deutschland mit einem Auto fahren zu dürfen, unter allen Umständen auch…“

„… auch Fenster, zumal straßenseitige, in den Wohnhäusern abzuschirmen seien. Eine zu helle Lichtemission würde sich auf die Bereitschaft der Bevölkerung, den Überlegungsergebnissen der Ministerpräsidenten vorbehaltlos zu vertrauen, nur negativ auswirken und im schlimmsten Falle als…“

„… selbstverständlich nicht für den Fernverkehr gelte. So sei eine Busfahrt von Hamburg nach Buxtehude legal, wenn man auf der A7 über Hildesheim bis nach Göttingen, von dort über Leipzig auf der…“

„… es Schwierigkeiten für Autofahrer gebe, die aus dem vollständigen Beleuchtungs-Shutdown resultieren würden. Der Bundesverkehrsminister habe als Experte für Verdunkelungsgefahr daher das Verbot von Kraftfahrzeugscheinwerfern wieder…“

„… die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle um den Faktor 300 angestiegen seien. Nach Angabe des Bundesinnenministeriums wolle man zunächst abwarten, ob sich die Zahl als echtes exponentielles Wachstum bestätige oder ob nur durch eine zu schnelle Meldung an die Polizeidienststellen die…“

„… habe sich auch der Bundespräsident an die Bevölkerung gewandt. Steinmeier erwarte, dass die Deutschen die Nacht zu rechtssicherer Erholung im Kreise ihrer vertrauten Bezugspersonen nutzen würden, um sich tagsüber noch mehr gegen die Gefahr einer Infektion mit dem…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLIX): Die reagierende Politik

9 04 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Was kann man nicht alles für dumme Dinge tun. Rrt kümmerte sich nicht, dass die Sippe eine halbe Säbelzahnziege in der Höhle aufbewahrte und den Madenbefall durch ein zünftiges Feuer im Zaum halten wollte. Wo die Insekten es nicht schafften, die ehemalige Behausung unbewohnbar zu machen, tat der Rauch sein Werk, zumal nachdem sich die Flammen auch am Interieur genährt hatten. Nun war guter Rat teuer, die Horde hockte im Freien und fror. Ein gewisser Typ von Hominide, der über Anpassungsfähigkeit, Improvisationsgabe oder gar Problemlösungskompetenz verfügt, mag sich hier als evolutionär begünstigt erweisen, andererseits hätte er seine Verwandtschaft gar nicht erst in diese beschissene Lage gebracht. So aber bleibt ihnen, wie es auch heute der Regelfall ist, nur noch die reagierende Politik, um eine ganze Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren.

Obwohl es paradox ist, denn gerade die auf Dauer eingerichteten Mechanismen der Sicherung und Vorsorge sind es, die ein Gemeinwesen von der zufälligen Schicksalsgemeinschaft unterscheiden. Die mehr oder weniger kluge, konzertierte und auf Erhaltung des einmal Erreichten bedachte Planung, die Güter und Werte von einer Generation zur anderen weitergibt, handelnd aus Vernunft und im Bewusstsein einer Verantwortung, machen den Staat, der Schutz und Schirm ist vor den Zufällen, der Natur, den Widrigkeiten. In längeren Zeitläufen entsteht mitunter eine Vision, die nicht ohne die Besonnenheit des Vorausschauens auskommt, da sie Ziele bereits erkennt, wo der durchschnittliche Mensch noch nicht einmal Notwendigkeiten sieht.

Nichts davon aber vermag die heutige Politik noch; sie hat die Vorsorge für die Bevölkerung auf ein markttaugliches Niveau heruntergefahren, das die prekären Gleichgewichte gerade eben noch hält, ansonsten aber lieber die täglich anflutende Scheiße zu beseitigen versucht. Das Staatsgebäude wurde auf Geheiß der Wirtschaftslenker im Verein mit den korrupten Erfüllungsgehilfen sturmreif geschossen, damit dieselben Manager, die das Dach abdecken ließen, jetzt Schirme zum Wucherpreis verkaufen können, sobald es regnet. Die Vision könnte sein, etwas zu ändern – was die generelle Motivation sein könnte für die Politik, dass sie an ihre eigene Handlungsfähigkeit glaubt und daran, dass sie sie zur Verbesserung der Verhältnisse einsetzen kann – und die Häuser wieder instand zu setzen. Doch die Politik fährt auf Sicht in ihrem selbst erzeugten Nebel, schwiemelt sich ein paar fadenscheinige Gründe zurecht und probiert lieber die kurzfristige Strategie mit Schirmen für alle, wobei es in der Realität wieder so aussieht, dass die finanziell besser gestellten Bürger die Schirme preisgünstig und teilweise umsonst bekommen, während das untere Dezil am stärksten dafür bluten muss.

Derweil verwaltet der Staat sich fleißig selbst, stellt allerhand Mängel fest und übt sich in lautem Bedauern, weil die Sache mit den Schirmen schon so teuer war. Während andere Staaten die Themen der Gegenwart längst abgekaspert haben, weimert die deutsche Gesellschaft in ihrer Realitätsallergie noch von Zukunft, unplanbaren Gefahren oder dem vielen, vielen Geld, das man in langfristige Lösungen investieren muss. Dass gleichzeitig die Navigation im Qualm die gesamte Politik in eine Art Simulationszustand versetzt, macht es auch erklärbar, dass größtenteils gierige Knalldeppen in die Spitzenämter gehievt werden, in denen sie die Reste des Landes kaputt spielen können. Allein die Wirtschaft verdient auch daran noch, wenn sie die intellektuelle Ausschussware in den Ministerien mit kostspieligen Beratern ersetzt, die den Job der Lakaien so erledigen, dass viel mehr Schirme auf unabsehbar lange Zeit gekauft werden müssen, weil dann jeder ein kleines bisschen preiswerter ist.

Jeder pragmatische Anführer hätte wenigstens eine Schirmfabrik aus dem Boden gestampft, die Hunderte von Arbeitsplätzen bietet. Genau dieser Wille zur Gestaltung ist es, der eine rationale und urteilsfähige Regierung auszeichnen sollte, zumal im internationalen Vergleich. Es ist kein göttliches Schicksal, wenn ganze Volkswirtschaften auf Kante genäht plötzlich platzen, den Aluhütchenspielern ihr wirr zusammengenageltes Zahlenwerk um die Ohren fliegt und ehemalige Entwicklungsländer beim Vorbeiziehen fröhlich winken. So haben wir in fast allen Bereichen, Digitalisierung und Bildung, sozialer Sicherung, Klima- und Umweltschutz, Energie- und Verkehrspolitik, staunend den anderen zugesehen und gewusst: wir müssten etwas tun, auch wenn es jetzt eigentlich schon zu spät ist und deshalb für das Musterland der Effizienz erheblich peinlich wird. So sehen wir lieber zu, wie nach dem Dach langsam die Fassade bröckelt, die Preise für die Instandhaltung steigern, während gleichzeitig im ganzen Land kein Bauarbeiter mehr von seinem Lohn leben kann. Natürlich könnte man ein Schild an die Bude hängen, dass hier bald renoviert wird. Aber das wäre das Eingeständnis, dass der Staat viel zu lange die Hände in den Schoß gelegt hat. Eine Sonntagsrede wird helfen, der laute Ruf nach dem Ruck und die Hoffnung, dass die nächste Regierung den ganzen Mist wegräumt. Wie immer.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLVIII): Die modernen Kränkungen der Menschheit

2 04 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der Mensch wird, göttlich verursachte Entwürfe ausgenommen, durch die gute alte Zellteilung in die Umgebungsvariablen gekippt, auch wenn er es sich meist umgekehrt vorstellt. Früher oder später sieht er, dass er nur ein Teil dieses Ökosystems ist – dass er nur ein vernachlässigbarer Teil in diesem Theater sein wird, entdeckt er später – und als Bewohner eines mittelprächtigen Rotationsellipsoiden auch alles andere als der Mittelpunkt des Kosmos. Zwar säuft er sich immer da seine Herkunft schön, wo Rasse, Sippe, Familie oder anders irrelevantes Zeug seine Zufallsexistenz zur Biografie aufplustern soll, er kann jedoch seine Abstammung nicht leugnen. Er gehört einer Art an, die friedlich auf Bäumen hätte hocken können, und will es nicht wahrhaben. Als wäre das nicht genug, kichert ihm der fröhliche Troglodyt noch immer durchs Oberstübchen, weil er Körper und Geist aus der Bauphase übernommen hat, in der sein bisschen Hirnrinde noch mechanisch arbeitete. Mit diesem Sperrmüll zwischen den Lauschlöffeln ausgestattet torkelt der Hominide in ein Zeitalter, das er hysterisch gar als Anthropozän abfeiern will. Lustig, wenn man weiß, dass derlei Etiketten meist auf ein gründlich ausgestorbenes Leitfossil deuten. Wir besorgen sie selbst, die modernen Kränkungen der Menschheit.

Unser Denkradius ist seit dem Säuglingsstadium nicht nennenswert gewachsen, wir messen uns noch immer eine Bedeutung zu, die dem Geschlecht erst seine ganze Lächerlichkeit zuteil werden lässt. Wie das Kleinkind erst einmal aus seiner Perspektive die Welt in kleinkindgerechte Kategorien verteilt, packt Homo debilis mit seiner phylogenetisch verbogenen Mütze den ganzen Mist in wichtige und unwichtige Sachen. Zwar ist der Knirps ehrlicher – was sich in den Mund stecken lässt, essbar ist oder keine zu negativen Gefühle auslöst, ist okay – und löst auch keine nachhaltigen Schäden aus, aber er kann auch nicht überblicken, dass man mit Nanopartikeln den besten Krebs aller Zeiten in die Umwelt schwiemelt und der Anstieg des Meeresspiegels um etwa zwei Zentimeter den Kölner Dom langfristig zu einer gefragten Attraktion für Tauchurlauber machen. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns hängt nicht von seinem Gewicht ab und die Intelligenz nicht von der Leistungsfähigkeit des Gehirns. Nicht einmal von seiner Entwicklung, was auch immer das heißt.

Wir sehen nur diese Sphäre des Greifbaren, wie sie der haar- und zahnlos sabbernde Nachwuchs in seinen unschuldigen Fingern begreift; viel zu spät kapiert der im Embryonalintellekt dümpelnde Depp seine grenzenlose Borniertheit, dass sein ganzes Betragen, seine sozialen Regeln, Manieren, Moral und die pompös vorgetanzten Werte, ja sogar seine Überzeugung, der Mensch müsse auf ewig alles zum Untertanen machen, nichts sind als das auf Dauerschleife angelegte Programm, das sich in der Evolution herausgemendelt hat und die Selektion der durchschnittlichen DNA-Träger fördert, damit die Runkelrübe nicht irgendwann das Wesen mit dem höchsten IQ wird. Es gibt keine metaphysisch auf die Erdkruste blickende Entität, die diese Rotte von Nudelverbiegern nach seinem Ebenbild aus Schmierseife geschnitzt hätte. Wir paaren uns in biochemischen Prozessen nach der Kompatibilität der Immunsysteme, halten Liebe für einen Akt geistiger Freiheit und ziehen unsere Welpen genau so auf, dass sie schneller an die wirtschaftlichen Schlüsselstellen kommen als die Welpen des Nachbarn, auch wenn uns das als Individuen schaden könnte. Es schmerzt nicht, solange wir es nicht wahrhaben wollen.

Dann aber, wenn wir längst gemerkt haben, dass es Maschinen gibt, die klüger sind als wir – für manche reicht in diesem Erkenntnisprozess bereits ein Taschenrechner – kommt das böse Erwachen. Wir sind ein vernachlässigbarer Teil. Wir brauchen keinen Umweltschutz, genauer: die Umwelt bedarf dessen nicht. Sie beseitigt den Menschen als die Störgröße, die er nun mal ist, Biomasse mit miserabler Energiebilanz, von der sich keine Art ernährt, die nicht auch anderes fräße, und tilgt seine Spuren in weniger als einem Jahrtausend, ein leiser Huster in erdgeschichtlichen Dimensionen. Wir sind nicht in der Lage, die Macht von Viren und Tornados zu begreifen, denen es wumpe ist, ob sie die Erinnerung an Mozart und Machu Picchu von der Platte putzen. Diese Kränkung zu sehen und sie zugleich als Verschwörung des unfehlbaren Geistes abzutun ist unser Makel, den wir doch nur mit den Mitteln der gescheiterten Vergangenheit beseitigen wollen: Verleugnung, Technik, Glaube und die Sicherheit, der kommenden Generation die Scheiße vor die Tür zu kippen sei menschlich genug.

Dass sich diese ganze Zivilisation mit ihrer aus Kapitalismus, Zukunftsversessenheit und blindem Glauben an die Beherrschbarkeit der Natur zusammengeklöppelten Pseudoreligion nach wie vor für unverwundbar hält, obwohl sie nicht einmal die zivilen Folgen der Kernspaltung in den Griff kriegt, sagt alles über sie. Der Mensch steht im Mittelpunkt und damit so gut wie immer im Weg. Vorwiegend sich selbst.





Die schrille Gille

24 03 2021

Sie sah auf dem Foto ganz manierlich aus, wobei es sich allerdings um eine Schwarzweißaufnahme handelte und dieses Bild schon vor ziemlich langer Zeit entstanden war. „Trotzdem“, stöhnte Breschke, „mit ihr ist nicht zu spaßen. Immerhin hat sie Onkel Ewald unter die Erde gebracht, womit auch immer.“ Ich legte das Porträt auf den Küchentisch, wo der Umschlag mit dem Telegramm lag. Wer weiß, was das noch werden sollte.

Was den Stammbaum meines pensionierten Finanzbeamten betraf, so war dieser auch nicht viel komplizierter als andere, nur gab es hier und dort Seitenlinien, zu denen nur noch wenig bis gar kein Kontakt mehr bestand – in anderen Familien soll dies ja selten bis nie vorkommen – wegen diverser Erbschaftsangelegenheiten, gelöster Verlöbnisse oder einer Mark Flaschenpfand, die ein Vetter nach zwanzig Jahren in Arizona nicht mehr zurückzahlen wollte. Gisela, so hieß diese damals junge Dame, hatte sich gleich nach der erfolgreichen Ausbildung zur Stenotypistin in der Süßwarenfabrik des Onkels an den Chef des Ganzen herangeschmissen, obwohl dieser gründlich verheiratet war, und zwar mit Edelgard, Namensgeberin eines seinerzeit beliebten Bonbons mit Veilchenaroma und, was erschwerend hinzukam und für den Krach sorgte, Schwester des zweiten Inhabers. Es scheint ihr feuerrotes Haar gewesen zu sein, das Ewald in die Scheidung und damit ins gesellschaftliche Abseits trieb – wie zum Hohn ließ Doktor Prückler aus dem Doppelbildnis an der Deckelinnenseite der Dosen das Konterfei des untreuen Schwagers stanzen und zehntausende von Veilchenzuckerl an die Geschäftswelt senden. Der Drops war gelutscht.

„Ich habe keine Ahnung“, bekannte Horst Breschke. „Nach Ewalds Tod hat sie die Villa in der Eifel geerbt und ein Segelboot, oder vielleicht war’s auch ein Sportwagen. Aber ich weiß nicht, was sie von mir will.“ Ich stellte die Teetasse auf dem Tisch ab. „Nun“, beruhigte ich den Hausherrn, „das werden wir in Kürze herausfinden, denn sie will ja noch heute kommen.“ Bismarck schien ein wenig die Stirn zu runzeln; wahrscheinlich war es diesem Gefährten in gesetztem Dackelalter recht egal, wer oder was die schrille Gille war, denn so nannte man sie familienintern wegen ihres unangemessen lauten Auftretens. „Ich kann sie ja schlecht vor die Tür setzen“, seufzte der Hausherr. „Es sei denn, sie spricht schlecht über Onkel Ewald, das lasse ich nämlich nicht zu!“

In diesem Moment aber hupte es schon auf der Straße; Gisela war nicht gewohnt, ohne ausreichend Publikum aus einem Taxi auszusteigen, jedenfalls musste Herr Breschke über den Gehweg bis zum Bordstein laufen, ihr die Tür zu öffnen, den Fahrer zu entlohnen – was mich nicht gewundert hatte – und ihr für ein bisschen eingebildeten Nieselregen den Schirm zu halten, damit sie auf hohen Absätzen über den Plattenweg bis ins Haus stöckeln konnte, um sich gebührend empfangen zu lassen. „Schön“, sagte sie mit kratziger Stimme, „schön. Aber das wollen wir mal sehen.“ Und sie lief gleich bis in die Wohnstube durch, die sie mit eicherner Schwere in den Nachmittagsstunden empfing.

Sie trug etwas fürchterlich Rotes, das zu ihrem inzwischen fuchsfarbenen Haar nicht passte, eher Oll- als Schmollmund, und blickte sich um. „Ihr seid ja rustikal eingerichtet“, stellte sie fest. „Wie mein Zweiter, der hatte auch keinen Geschmack.“ Dazu drehte sie sich herum und äugte in die Winkel des Wohnraums. „Hund?“ Irgendetwas ließ mich an der Stimme aufhorchen, aber ich musste mich wohl getäuscht haben. „Was willst Du hier?“ Breschke stand mit einem Küchenhandtuch in der Faust auf der Türschwelle. „Das ist mein Haus.“ Sie lächelte. „Das soll ja auch so bleiben, Horsti.“ Dass ihm die Zornesröte so langsam ins Gesicht stieg, war schon ein wenig verwunderlich, aber sie fuhr fort. „Mein Vierter ist vor drei Monaten verblichen, ein guter Patentanwalt, und ich würde gerne die restlichen Jahre hier verbringen. Ich will das Haus.“ Ich traute meinen Ohren nicht. „Du könntest es mir schon leichter machen, schließlich ist Deine Frau bestens versorgt nach einer Scheidung – ich nehme Dich als Gärtner mit, dann haben wir es beide leichter. Das wirst Du als Finanzbeamter doch sicher…“

Er wollte gerade zu einem längeren Schrei anheben, das wusste ich genau, doch da bemerkte sie mich. Spitznäsig musterte sie meinen Aufzug. „Wenigstens einen attraktiven Schwiegersohn hat sich Deine Tochter geangelt“, bemerkte sie. Herr Breschke stand wie versteinert, und so viel hatte ich auch nicht parat. „Bedaure“, gab ich zurück. „Ich habe gespart und mich auf hoffnungslose Fälle spezialisiert. Wenn man die Neunzig hinter sich gebracht hat und trotzdem die…“ „Was für eine Unverschämtheit!“ Wutentbrannt schwenkte sie die Handtasche durchs Wohnzimmer. „Ich werde im nächsten Frühjahr erst…“ Weiter kam sie nicht, da Bismarck, der zugegebenermaßen dümmste Dackel im weiten Umkreis plötzlich vor ihr stand und der schlechten Laune durch knurrende Laute ein Gefühl von Unmittelbarkeit gab. „Horst“, kreischte sie, „das wird ein Nachspiel haben!“

„Eins aber“, fragte ich beim Rühren in der Teetasse, „müssen Sie mir verraten: das Grundstück war das Erbe Ihrer Frau, und das Haus war ein Lottogewinn?“ Herr Breschke druckste. „Wenn Sie es schon wissen“, gnatzte er, „dann hätten Sie sie ja gleich rausschmeißen können.“ „Naja“, meinte er, „ich war an der Reihe: Ewald, Wilhelm, Paul, und nun ich. Einer musste sie ja loswerden.“ Und er warf Bismarck einen liebevollen Blick zu.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLVI): Motivationssprüche

19 03 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Alles blieb an Uga hängen. Der Alte verfügte über ein reiches Theoriewissen, das auf Kriegszug und Jagd durchaus nützlich sein kann, wenn es denn die Einsicht mehrt. So gaben alle dem neuen Tag die Chance, der schönste des ganzen Lebens zu werden, und manche überlebten diesen Tag sogar. Denn Uga gelang, was sonst nur Drogenhändler und neoliberale Wirtschaftspolitiker, die man in der Nahrungskette ja auch nicht so weit entfernt sieht, mit Bravour hinkriegen: den anderen ihre Scheiße bunt zu reden und am Ende des Verkaufsgesprächs noch als Quell der Weisheit durchzugehen. Bis zur Erfindung der Philosophie sollte es noch ein wenig dauern, da Fragen wie „Was ist der Mensch?“ stets im Schatten von „Wann gibt es wieder Essen?“ standen. Doch nicht nur Vernunft prägt uns heute, wir Hominiden benutzen noch viel aus der ersten Phase unserer Stammesgeschichte. Zum Beispiel Motivationssprüche.

An der Esse, am Etagendrucker oder an der Tiefkühltheke, das intellektuelle Gespräch im Kreis interessierter Kollegen mit Inhalten wie „Besser wird’s nicht mehr“ oder „Was soll’s“ steuert immer auf einen Punkt zu, an dem das gemeine Sprichwort nicht mehr zieht, die Kalenderweisheit sinnlos wird und Poesiealbenschmodder die Situation stagnieren lässt. Nur der aktivierende Verbalbauschaum kann noch etwas bewirken, der schnell etwas bewegt und ohne erkennbare Veränderung der Ausgangslage oder Hoffnung auf irgendeine Art von Lösung das angenehme Gefühl kommuniziert, dass jeder die ganze Sache letztlich in der eigenen Hand hat und für die Beseitigung sämtlicher Schwierigkeiten zu sorgen hat. Wie verwunderlich, dass ausgerechnet Führungskräfte oder solche, die sich dafür halten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit derlei Hirnschrott um die Ecke kommen. Leben Sie. Lieben Sie. Und gehen Sie irgendjemandem damit unsäglich auf die Plomben.

Wir glauben an alles, was nicht ist, damit es werden kann – jeder gute Horrorfilm wäre hier zu Ende, aber eine fiebrige Erkältung kriegt man aus den Zutaten hin. Eine Insolvenz. Notfalls auch eine komplette Regierungskrise. Der Motivationsspruch, jene wie Süßstoff zum Lutschen völlig ungeeignete Sprachtablette, ist das Convenienceprodukt aus dem Philosophiezubehörhandel, im Zehnerpack für die breite Masse, die sich keine Sentenzen leisten kann und doch den Mitmenschen eins mitgeben will. Eine ganze Industrie aus Glückskekstextern im Burnout und Teilzeit-Besserwissern kratzt diese gehässigen Scheinaphorismen in grafisch meist Brechreiz erregenden Romantizismus, packt ihn auf social-media-taugliche Kacheln und jubelt ihn unter das süchtige Volk, das nichtsahnend neoliberalen Koks ins Hirn gekippt kriegt: „Um wirklich Erfolg zu haben, muss man nicht gegen andere antreten, sondern gegen sich selbst.“ – „Dein stärkster Muskel ist Dein Wille.“ – „Es gibt immer einen Grund, dankbar zu sein, also finde ihn.“ Jede dieser glitschigen Egoleptikerbotschaften schwiemelt uns in die Hirnrinde, dass jeder Erfolg haben kann, dass deshalb jeder auch Erfolg haben muss und dass der, der nicht erfolgreicher ist als andere, nicht mehr zu diesem Heile-Welt-Tümpel gehört. Schmerzfrei schieben sich gefühlige Girls „Setz Dir jeden Tag ein Ziel, wofür Du am nächsten Tag aufstehen kannst“ hin und her und bräuchten nur mal einen kurzen Depressionsschub, um sich diese soziale Ausschussware aus den Frontallappen zu scheuern. Es gibt Menschen, die sich nicht freiwillig aus der spätkapitalistischen Verwertungsgesellschaft und ihrer Selbstzerstörungsmentalität zurückziehen, es gibt auch solche, die sich ihr nicht erst unterwerfen.

Die ultimative Erleuchtung über den Sinn des Lebens schmiert sich die Generation Heckenpenner als Wandtattoo an die Privatmauern, um auch ja von früh bis spät den Großen Bruder im Nacken zu spüren, wie er einem sein Mantra eintrommelt. Wir machen nur das, was technisch gar nicht möglich ist, weil das der Erfolg ist, den wir als erste erkannt haben werden. Wahrscheinlich haben Buddha und Einstein irgendetwas dergleichen nie gesagt, aber dann müsste man jedes zweite Kaugummibildchen einstampfen, das mit Floskel bedruckt die Welt ein bisschen unerträglicher zu machen, als sie bisher schon war. Noch Scheidung und Schleimhautkrebs kriegen diese lyrischen Furunkel verpasst, denn, haha! es hätte ja viel schlimmer kommen können.

Wenn wirklich einmal alles schief geht, es die Gesellschaft aber nicht die Bohne interessiert, weil Eigenverantwortung nun mal bedeutet, andere nicht mit seiner verpfuschten Existenz zu nerven, die man durch beständiges Festhalten an nicht genug durchdachten, unfinanzierbaren Schnapsideen mit Schmackes an die Wand gesetzt hat, nachdem gute Freunde einen noch bestärkt haben, dann kann man immer noch die Axt aus der Schublade holen und alles fein säuberlich in Trümmer zerlegen, bis die kräftigen Jungs in den weißen Kitteln kommen. Ja, wir träumen nicht unser Leben. Wir leben unseren Traum.





Ehrenerklärung

17 03 2021

„… von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden seien. Demnach habe sich die Union, die jahrelang nur als Organisation zum Sammeln von Spenden tätig gewesen sei, gezielt Einfluss auf politische…“

„… sich schockiert gezeigt hätten. Führende Repräsentanten der deutschen Wirtschaft hätten den Verdacht zurückgewiesen, sie seien in die Pläne der CDU zur Unterwanderung der Politik eingeweiht gewesen. Aktionärssprecher der großen Energie- und Verkehrskonzerne hätten einstimmig erklärt, die Union nur aus gemeinnützigen Motiven mit…“

„… sich aber nichts dabei gedacht habe. Das Bundesministerium der Finanzen habe seit 1949 nie Verdacht geschöpft, dass die Einnahmen der CDU zu einem anderen Zweck als der Bereicherung von Funktionären und…“

„… habe man nachweisen können, dass sie direkten Einfluss auf Amts- und Mandatsträger in Bund und Ländern sowie auf kommunaler Ebene genommen habe. Auch höhere politische Positionen beispielsweise in der Bundesregierung seien in der Folge von…“

„… Gesprächsprotokolle sichergestellt habe, in denen die CDU-Büros mit Abgeordneten mehrerer Parteien politische Maßnahmen besprochen hätten. Es sei dem Verband dabei ausdrücklich nicht um die Höhe der Finanzierung gegangen, vielmehr sei eine Agenda für die Vorhaben der Regierung im…“

„… sich auch persönlich an die Öffentlichkeit wenden wolle. Es sei ehrenrührig und falsch, wenn die Medien die Union mit der Mafia vergleichen würden. Zwei Vorsitzende des deutschen Verbandes würden jede Verbindung zur CDU auf das Schärfste zurückweisen und verbäten sich jegliche…“

„… auch dann zu politischen Ambitionen gedrängt habe, wo kein Talent bei den betroffenen Personen ersichtlich gewesen sei. So habe zum Beispiel die Sektion Mecklenburg-Vorpommern einen jungen Mann, der nicht über Berufserfahrung verfügt habe, als Spitzenvertreter für politische Aufgaben in die deutschlandweite…“

„… in Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen die politische Meinung erfragt haben sollen, um sie im Gespräch mit Bundesministern und Staatssekretären als eigene Ansichten zu verkaufen. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die CDU durch kontinuierliche Propaganda in den zuständigen Gremien eine gezielte…“

„… habe sich der Sprecher der ’Ndrangheta für Nordeuropa von der Union distanziert. Sein Verein werde einen Unvereinbarkeitsbeschluss für die Mitgliedschaft mit dieser deutschen Organisation publizieren und von seinen Mitgliedern eine Ehrenerklärung verlangen, dass diese weder in der Vergangenheit noch gegenwärtig in der…“

„… dabei ganz in den Hintergrund geraten sei. Es werde vereinzelt von Mitgliedern berichtet, die nur noch pro forma als Spendensammler und in Beraterfunktionen geführt worden seien, tatsächlich aber als Interessenvertreter für Familien- und Baupolitik in den Ausschüssen mehrerer…“

„… werde die Bundesregierung die CDU unter die Lupe nehmen. Im Raum stehe derzeit sogar, der Organisation die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, da sie sich weder neutral noch in ausreichendem Maße als…“

„… auch gezielt nach ihrer eigenen politischen Einstellung angeworben seien sollen. So habe die CDU vor allem nach bürgerlich-konservativen Fachkräften gesucht, um deren verdeckte Tätigkeit in den Landtagen und Kommunalparlamenten auf die Regierungsparteien und ihre…“

„… mehrere Großkanzleien bestätigt hätten, dass die Union alle Spenden ordnungsgemäß an die vorgesehenen Empfänger weitergeleitet worden seien. Abgesehen von einem Umschlag, dessen Verbleib bisher nicht habe aufgeklärt werden können, da keine der an der Übergabe beteiligten Personen wisse, wer an der Übergabe beteiligt gewesen sei, sei es in der Organisation nie zu…“

„… die Auswertung der Unterlagen ergeben hätten, dass einige Mitglieder der CDU in den Deutschen Bundestag eingeschleust worden seien. Sie hätten in der Tat Nebeneinkünfte aus ihrer Tätigkeit als Abgeordnete erzielt, die sie nicht…“

„… zu Konflikten gekommen sei. Die Berater, die sich um die Verwaltung jüdischer Vermächtnisse gekümmert hätten, seien gleichzeitig im hessischen Landtag tätig gewesen, um auch anderen Spendern die Möglichkeit einer Einflussnahme auf den…“

„… lehne es die Union ab, ihre politisch tätigen Mitglieder aus den Parlamenten abzuziehen. Der Verband wisse nicht, wo er die Spendengelder sonst zu einem sinnvollen und mildtätigen…“

„… habe es in Führungszirkeln der CDU die Überlegung gegeben, Kassen für die noch nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführten Gelder anzulegen. Diese könnten im Fall von Ermittlungen direkt in die Rechtspflege fließen, um bessere…“

„… den Vorschlag der Opposition zurückweise, ein Register einzuführen, das Spender ausweise, von denen künftig keine Gelder mehr für die…“

„… ihre politischen Tätigkeiten nach den kommenden Wahlen zum Deutschen Bundestag einzustellen, um die Union auf ihr Kerngeschäft als Finanzdienstleister im Bereich Fundraising und Vermögensaufbau zu…“





Botschaftsfrei

16 03 2021

„Deutschland!“ „Es wird nicht besser.“ „Und das finden Sie motivierend?“ „Wieso?“ „Ja, weil: ‚Deutschland – es wird nicht besser‘, das klingt ja nicht gerade nach…“ „Ach so.“ „Man kann das aber auch falsch verstehen, wenn man will.“ „Das ist ja genau das Problem, man darf es auf gar keinen Fall irgendwie falsch verstehen!“ „Wieso?“ „Weil jedes Wahlplakat, das man falsch verstehen kann, Stimmen kostet.“ „Ach so.“

„Haben wir schon eine klare politische Linie?“ „Wie immer, Gesicht und Sprüche.“ „Sie haben mir nicht zugehört.“ „Nein, Sie haben mir nicht zugehört.“ „Wir brauchen jetzt Botschaften, die von der Öffentlichkeit…“ „Also von den Wählern.“ „Ich mache diesen Scheiß jetzt seit vierzig Jahren, haben Sie eine ungefähre Ahnung, wer mir am Arsch vorbeigeht!?“ „… und den Medien nicht fehlinterpretiert werden.“ „Gut, das ist ja so kompliziert nicht.“ „Ist das Ihre erste Bundestagswahl?“ „Ja, warum?“ „Man könnte ja die Zuordnung auch reinzufällig…“ „Ich nehme an, Sie haben überhaupt noch nie in diesem Beruf gearbeitet?“ „Was hat mich verraten?“

„Die politischen Ziele sind im Wahlprogramm klar definiert, jetzt müssen wir sie nur noch…“ „… möglichst schwammig verbalisieren.“ „Das klingt ein bisschen chaotisch.“ „Wieso?“ „Stellen Sie sich bloß mal vor, wir geraten mit dieser Kampagne in eine mediale Öffentlichkeit, und dann fragt uns ein Moderator, was ‚Mehr Arbeitsplätze‘ bedeutet.“ „Ach so.“ „Das ist natürlich eine wirtschaftliche…“ „Ich würde sagen, es kann sich nur auf den Sektor in der Billigproduktion beziehen, der die Aktien für vorbestrafte Steuerhinterzieher billiger macht.“ „Oder gleich die Auslagerung nach Fernost, von deutschen Arbeitsplätzen war ja nie die Rede.“ „Also ‚Arbeit für alle, die arbeiten wollen‘.“ „Da gibt es dann doch gar keine…“ „Wer dann nicht arbeitet, der will eben nicht.“ „Wirtschaft für Deutschland?“ „Ganz heikler Begriff.“ „Wieso?“ „Man assoziiert da schnell die falsche politische Gesinnung.“ „Wegen ‚Deutschland‘?“ „Nee, aber wer mit ‚Wirtschaft‘ Wirtschaft meint, ist eine rote Drecksau.“ „Ach so.“

„Also jetzt: weiter so!“ „Moment, das ist doch jetzt nicht…“ „Weiter? gut, aber warum so?“ „Das ist doch von der politischen Richtung…“ „So ist schon okay, aber warum weiter?“ „Und wohin?“ „Und wieso?“ „… gar nicht möglich.“ „Hängt das an den Parteien?“ „Kennen Sie noch Parteien?“ „Ich kenne aber leider nur noch Deutsche.“ „Ach so.“ „Der Deutsche will doch keine Diskontinuität.“ „Was!?“ „Das Gegenteil von Kontinuität.“ „Sagen Sie das doch gleich.“ „Deshalb ja weiter.“ „Aber so?“ „Man kann ja erst mal etwas versprechen.“ „Das mündet dann natürlich in Diskontinuität.“ „Da macht man hinterher eben etwas ganz anderes, dann fällt das nicht so auf.“

„Demokratie jetzt?“ „Das klingt ja schon wie eine Drohung.“ „Ich meine ja nur.“ „Das ist ja auch irgendwie latent anarchistisch.“ „Schon klar.“ „Gut, ich streiche das mal aus dem Protokoll.“

„Deutschland den Deutschen!“ „Mit anderen Worten: Ausländer raus?“ „Das kann man so nicht sagen.“ „Wieso?“ „Weil das die falschen Wähler anzieht.“ „Nicht wegen der rassistischen Message?“ „Ist doch okay, wenn uns auch Rassisten wählen.“ „Eben, die wählen wenigstens keine Rassisten.“ „Ach so.“ „Aber wir sind ja keine Rassisten.“ „Man kann doch auch eine gewisse rassistische Neigung bei ganz normalen Leuten finden.“ „Wer gewisse rassistische Neigungen hat, ist nicht normal.“ „Aber Deutschland gehört doch nun mal…“ „Das ist doch wieder nur ein billiger Trick, um Rassismus durch die Hintertür hoffähig zu machen!“ „Und wenn wir die Ausländer jetzt auch irgendwie zu Deutschen erklären würden?“ „Was soll denn der Unfug?“ „Das kann man irgendwie als politische Botschaft für den…“ „Sie wollen politische Botschaften auf Wahlplakate schreiben!?“ „Ich werde wahnsinnig!“ „Was schicken die uns für Knalltüten!“

„Wie ist denn Zukunft als Begriff?“ „Das ist ja schon überaktuell.“ „Zu morgig.“ „Macht außerdem jeder.“ „Dann ist Zukunft zu gestrig.“ „Außerdem sehen Sie es doch gerade, Sie können so viel für die Zukunft versprechen, wie Sie wollen, wenn es anders kommt, ist nichts mit Zukunft.“ „Dann doch lieber: ‚Damit alles so bleibt.‘“ „Wie es nie war?“ „Mein Güte…“ „Hier, Gesicht und: ‚Für Sie in den Bundestag.‘“ „Das ist doch totaler Bullshit!“ „Eben, aber garantiert botschaftsfrei.“ „Auch wieder wahr.“ „Allerdings fragt sich da vielleicht der Wähler, wozu die in den Bundestag sollen.“ „Weil das eben so ist in einer Demokratie?“ „Wieso?“ „Da werden halt Leute gewählt, und die sitzen dann im…“ „Das war ja nicht die Frage.“ „Wieso?“ „Weil, dann weiß der Wählen ja wenigstens, wer da im Bundestag für ihn sitzt.“ „Und Sie denken, dass das jemanden interessiert?“ „Sicher, weil ja auch jede Stimme zählt, und wenn wir als Partei, als demokratische Partei, die demokratisch in den…“ „Lassen Sie’s bleiben.“ „Wir wissen, dass Sie es gut meinen, aber damit ist auch keinem geholfen.“ „Und wenn wir Zukunft und Wirtschaft…“ „Wieso?“ „Man könnte das ja auch mal von der Seite der Politiker her denken und fragen: was wollen die eigentlich für unsere Partei, beziehungsweise für Deutschland und die…“ „Meine Güte, macht doch, was Ihr wollt!“ „Hm.“ „Ich weiß ja nicht.“ „Ach, doch.“ „Wieso?“ „Wenn man das auf die Politiker bezieht, dann stimmt’s ja wieder.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLIV): Die allgegenwärtige Deutschlandfahne

5 03 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

In irgendeiner Reihenhaussiedlung in Bad Gnirbtzschen sieht man ihn vor die Tür treten, die Personifikation der Trägheit in vollgeschwitzten Kordelzughosen und braungrauen Sandalen, die ihr Design offensichtlich aus der Völkerwanderung mitgebracht haben. Nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, also eigentlich wie immer, latscht das am Morgen auf den kleinen Streifen, der als widerspenstige Begleitvegetation zwischen den Fugen der Waschbetonplatten begonnen hatte und nun kurz vor der Machtergreifung steht, legt den Kopf in den Nacken und guckt einmal ehrfürchtig in die Höhe, wo am morschen Mast der Lappen schlapp schwankt und schaukelt, damit man ohne den Griff zu Straßenkarte und Passdokument sofort weiß: hier muss Deutschland sein. Schwarz, Rot und Gold streifen jeden Zweifel ab und machen noch dem letzten Pessimisten klar, dass er sich hier im Verbreitungsgebiet der Leitkultur befindet. Wo diese Farben sichtbar sind, ist alles deutsch. Und die Farben sind so gut wie überall sichtbar.

Brotdose und Kaffeetasse, Bierglas und Mütze, Rückspiegelkondom oder Wimpelkette, keiner entkommt der nahezu gottgleichen Allgegenwart der Drei-Streifen-Ikone, die zwar als Symbol des Staates höchste Verehrung zu genießen hat und sich gegen jegliche Verunglimpfung gesetzlich zu schützen versteht, gleichzeitig aber auf gefühlt jedem Billigprodukt samt Verpackung pappt, um zu demonstrieren: hier isse gutt, hier isse Germania. Die Revolutionäre des Jahres 48 hätten ihre Mägen im Strahl entleert, wäre ihnen die Rotte karnevalesk verkleideter Stumpfstullen über den Weg getorkelt, die Rübe unter dem teutschfarbigen Klorollengut vor jeder Gedankenproduktion geschützt, Socken in Frottee, mit der optischen Dreiklangsfanfare in grober Stickerei bestanzt, die Flagge der Freiheit als Schweißband, mit der sich lallende Rotzbrocken die Ausdünstung vom Schädel feudeln. Was da seine angebliche Verbundenheit mit der Bundesrepublik offensiv zur Schau stellt, hätte sich eigentlich nur hier und da einen braunen Streifen an die Montur nageln müssen, um nicht verwechselt zu werden.

Am Rad oder Kfz, gerne fährt der Teutone sein Nationale in allerhand Material geschwiemelt durch die Gegend, mit Vorliebe auch zu Hause. Denn nirgendwo ist es ja ähnlich sinnvoll wie auf einer Ausfallstraße am Rande der Vulkaneifel, wenn ein Automobilist dem anderen durch rasch begreifbare Zeichensprache verdeutlichen kann, dass gerade ein deutscher Staatsangehöriger sich auf einer Straße im Hoheitsgebiet der BRD bewegt. Fast könnte man meinen, als verbinde sich damit ein gewisser Mut, als Deutscher in Deutschland unter lauter anderen Deutschen öffentlich zu bekennen: seht her, ich bin Deutscher, und das darf man ja wohl noch sagen in Deutschland! Es könnte sich aber auch einfach um eine feucht-völkische Bumsbirne handeln, die in einer Fernsehtalkshow ihre dreifach gestreifte Masturbationsvorlage mit zwanghafter Zärtlichkeit über die Sessellehne hängt. So genau weiß man das nie.

Wenn es wenigstens Stolz auf das wäre, was hier geschraubt und gehäkelt wird, Made in Germany und nicht der qualitätsreduzierte Fernostschrott, mit dem sich die alemannischen Gartenzwerge behängt auf Mallorca an den Pool schmeißen, man könnte es ja zähneknirschend in Kauf nehmen. Aber dem ist nicht so. Aus der Schwärze der Knechtschaft zum Gold der Freiheit führt nur das Rot, in dem uns die Augen bluten, wo immer irgendeine Nationaltröte ihre ästhetischen Lähmungserscheinungen mit der Umwelt teilt. Auf dem Fußballplatz, zu sportlichen Gelegenheiten mit internationaler Besetzung, Bundesangelegenheiten einschließlich Auftreten von Staatsorganen ist die Kennzeichnung sinnvoll, um nicht plötzlich den Wagen der Kanzlerin zu verpassen. Wer aber die deutsche Ehre in einem helleren Licht dadurch zu erstrahlen meint, dass die Grillwurst im Supermarkt aussieht wie die Verpflegung zum Hambacher Fest, muss schon reichlich am Farbverdünner genuckelt haben. Nein, die aus dem historischen, politischen, geografischen Zusammenhang gerissene Trikolore ist eine sinnentleerte Symbolhandlung für die große Zielgruppe der gründlich verklemmten Deppen, die sich nur dann aufregen würden, wenn ihre deutsche Fahne plötzlich nicht mehr auf der Wurst erschiene. Am liebsten hätten sie sowieso eine Reichskriegs- oder Hakenkreuzflagge, notfalls Schwarz-Weiß-Rot statt der von Linken verordneten Demokratie, in der alle sagen dürfen, was man nicht hören will.

Die am schnellsten einleuchtende Interpretation ist die in Südafrika erfundene, in Deutschland für den weltweiten Export produzierte Lärmröhre, die in keinem Stadion fehlen darf und nur dazu dient, allen umstehenden Hominiden die Trommelfelle in den Cortex zu quetschen. Sie werden aus Kunststoff erzeugt und in alle Welt verkauft, damit Männer mit nur minimal ausgeprägter Impulskontrolle ihre Aggressionen auf die Umwelt projizieren können, gerne auch in der Farbkombination Schwarz-Rot-Gold. Beliebt ist das Modell für den Einsatz auf Demonstrationen. Als Schlagwaffe. Was man mit Nationalsymbolen halt so macht.