Klimaschutzziele

26 10 2017

„Aber ohne Verbrennungsmotoren!“ „Das sagen dann bitte Sie der Kanzlerin.“ „Warum ich?“ „Ihr Sitz im Parteivorstand ist bombensicher.“ „Er ist aber erst seit Kurzem im Bundestag.“ „Dann kann er’s ja sagen.“ „Dann machen Sie das aber mit der Mütterrente!“

„Klimaschutz geht nicht ohne Verbrennungsmotoren.“ „Hä!?“ „Wenn wir jetzt alle auf Elektroautos umsteigen, dann ist das Klima wieder voll okay.“ „Klingt logisch.“ „Dann brauchen wir aber auch keinen Klimaschutz mehr.“ „Entschuldigen Sie, das ist doch Quatsch!“ „Sie müssen das nur mal mit der Mütterrente machen, da sehen Sie alt aus.“ „Weil die Mütter nicht verbrannt werden?“ „Warten Sie’s ab!“

„Wenn wir die Mütter aus dem Familiennachzug integrieren, können wir das auf dem Arbeitsmarkt irgendwie nutzen?“ „Waren Sie nicht sonst immer strikt gegen die Hartz-Gesetze?“ „Da waren wir auch nicht in Koalitionsverhandlungen.“ „Man könnte die Integration auch einschränken.“ „Muss man nicht.“ „Finde ich auch.“ „Man könnte zum Beispiel auch gleich den Familiennachzug einschränken, dann wäre man aus der Nummer auch raus.“ „Und dafür haben wir die halbe Legislaturperiode gekämpft?“ „Staatsbürgerschaft oder so.“ „Irgendwas mit Vegetariern war auch noch.“ „Nee, das waren die Verbrennungsmotoren.“ „Dann muss die Kanzlerin jetzt nichts davon wissen?“ „Ist sie von der Mütterrente denn noch betroffen?“ „Wir würden uns damit befassen, auch wenn der Koalitionspartner das nicht will, aber dann wollen wir einen Ministerposten mehr haben.“ „Das ist ein Skandal!“ „Ja.“ „Gut, dann wären Sie ja in der Regierungspolitik angekommen, oder?“

„Können wir uns dann wenigstens auf eine solidarische Wirtschaftspolitik einigen?“ „Also Politik, die sich mit der Wirtschaft solidarisch zeigt?“ „Eher umgekehrt.“ „Dann vergessen Sie das mit der Koalition.“ „Moment, Sie können doch nicht…“ „Kann ich.“ „Nein!“ „Wohl!“ „Sie wollen doch auch eine Steigerung der Steuereinnahmen.“ „Dazu müssten die Unternehmen erst mal Steuern zahlen.“ „Ihre kommunistischen Ideen können Sie sich in die Haare schmieren!“ „Und wenn wir dafür die Steuern bei den Superreichen senken?“ „Damit die Unternehmen wieder Steuern zahlen? das klappt doch nie!“ „Im letzten Wahlkampf haben Sie doch damit geworben.“ „Ja, aber das war Wahlkampf.“

„Wollten wir nicht erstmal sondieren?“ „Das tun wir gerade.“ „War mir jetzt auch nicht aufgefallen.“ „Wenn wir schon verhandeln würden, wären wir erheblich konzilianter.“ „Warum nicht umgekehrt?“ „Dann haben wir ein Ziel vor Augen, hier müssen wir den Partner möglichst schon zu grundlegenden Zugeständnissen bewegen.“ „Und wenn man sich hier einfach mal informell verständigen würde, statt gleich die Claims abzustecken?“ „Dann könnten wir danach gar nicht mehr entspannt miteinander verhandeln.“ „Ihnen fehlt anscheinend auch der Alkohol?“ „Und ob!“ „Waren Sie beim letzten Mal überhaupt dabei?“ „Nur informell.“

„Und wenn der Seehofer kommt?“ „Dann laufen wir.“ „Hihihi!“ „Bleiben Sie halt mal ernst!“ „Wer hat denn die bescheuerte Frage gestellt?“ „Wir müssen doch damit rechnen, dass der in die Koalitionsverhandlungen nur eintritt, um alle bisher mit der Kanzlerin erzielten Ergebnisse mutwillig zu zerstören.“ „Also wie bisher immer.“ „Ja, aber diesmal hat er drei Parteien gegen sich.“ „Wen denn noch?“ „Naja, die Kanzlerin.“

„Wir wollen die Stromsteuer jedenfalls senken.“ Mist!“ „Wieso?“ „Wir wollen die komplett abschaffen, da bleibt keine Verhandlungsmasse mehr übrig.“ „Verdammt!“ „Und wenn wir uns jetzt mit der Mütterrente ganz konträr positionieren würden?“ „Vergessen Sie’s.“ „Bitte!“ „Sobald Sie uns sämtliche Klimaschutzziele aus dem Koalitionsvertrag streichen wollen, kommen wir ins Geschäft.“ „Auch bei erneuerbaren Energien?“ „Da erst recht. Wir erwarten von Ihnen eine komplette Blockadehaltung und eine Drohung mit sofortigem Verhandlungsabbruch, und zwar unmittelbar nach dem Durchbruch bei den wichtigen sozial- und wirtschaftspolitischen Zielen.“ „Das können Sie nicht machen!“ „Unser letztes Wort.“ „Sie sind doch verrückt!“ „Die Wähler werden ihn lynchen, auch wenn er drei Tage später nach einem wahren Verhandlungsmarathon mit dem Wunschergebnis vor die Presse tritt.“ „Egal.“ „Das ist das Ende meiner politischen Karriere!“ „Hätten Sie halt nicht die Wahl gewonnen.“ „Sie brauchen also einen Buhmann, richtig?“ „Sie haben es erfasst.“ „Und es geht bei Ihnen nicht eine Nummer kleiner?“ „Gut jetzt, streiten Sie sich nicht. Wir haben wichtigere Punkte auf der Tagesordnung!“ „Sagt wer?“

„Also gut, Mütterrente gegen Steuersenkung.“ „Plus Verbot der Massentierhaltung.“ „Also das ist doch jetzt…“ „Sie bringen die Verhandlungen ja schon zum Scheitern, bevor sie richtig begonnen haben!“ „Machen Sie doch auch so.“ „Okay, aber dann nur unter einer Bedingung.“ „Die da wäre?“ „Das Ministerium für…“ „Abgelehnt!“ „Sie werden mich jetzt nicht zum…“ „Egal, abgelehnt.“ „Wir brechen hiermit die Sondierungsgespräche ab!“ „Wir auch!“ „Jawoll, weg mit dem Dreck!“ „Endlich!“ „Gut, dann werden wir mal ernsthaft. Beim Immissionsschutz hatten wir uns folgende Aufweichungen gedacht.“ „Klingt gut.“ „Können wir mit leben.“ „Das hält sich im Rahmen.“ „Wir hatten uns darauf schon eingestellt.“ „Gut, das ist eine Gesprächsgrundlage?“ „Absolut.“ „Ganz klar.“ „Fein. Herr Kollege, machen Sie dann weiter mit den Verbrennungsmotoren?“





Ringelpiez

6 10 2009

„Und wenn sie jetzt wirklich das Finanz- und das Wirtschaftsministerium zusammenlegen würden?“ „Gar nicht mal so verkehrt. Da könnte man doch gleich sehen, wie viel reinkommt und was man davon wieder ausgeben kann. Stellen Sie sich das doch einmal vor – eine Regierung mit Controlling!“ „Ja, stimmt. Das geht natürlich überhaupt nicht. Tut mir Leid, hatte ich nicht bedacht.“

„Ach, jetzt seien Sie mal nicht so mutlos! In Krisenzeiten muss man eben auch mal neue Sachen ausprobieren. Da hat die Kanzlerin schon genug Kraft, um äääh… also auf jeden Fall ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass sich irgendetwas ändert.“ „Und wenn man vielleicht das Arbeitsministerium mit dem Finanzressort zusammenlegt?“ „Wieso das, wäre nicht eher Wirtschaft plus Arbeit sinnvoll?“ „Seit wann kümmert sich die Wirtschaft um Arbeitsplätze?“ „Auch wieder wahr.“ „Und da das Ministerium Arbeit und Soziales verwaltet, hätte man für die nächste Hartz-IV-Schraube auch gleich den Kostenrahmen für die Steuergeschenke.“ „Klingt logisch. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass die Wirtschaft jetzt plötzlich soziale Interessen entwickeln könnte.“ „Eben.“

„Aber Wirtschaft mit dem Innenministerium, das müsste doch passen.“ „Was haben die denn miteinander zu tun?“ „Na, denken Sie mal weiter. Wenn wir weiter so viele Polizisten einsparen und durch die Sicherheitsgesetze den Standort Deutschland immer weniger attraktiv machen, dann kann das Wirtschaftsministerium…“ „Moment, Sie haben da den Außenminister vergessen.“ „Na, das wird ja sowieso ein Posten. Außen und Innen kann man leicht zusammenlegen, das fällt gar nicht auf. Wäre ja auch besser so.“ „Wozu denn?“ „Dann müssten wir nicht dies Verfassungsgehampel wegen der Bundeswehreinsätze im Inneren machen, und dann kann das Außenministerium, also ich meine das Innenministerium…“ „Oder Verteidigung gleich mit zu Innen, wegen der inneren Sicherheit.“ „Und zu Außen, weil wir ja jetzt im Kriegszustand sind.“ „Und dann macht Außen gleich Innen ja auch wieder Sinn.“ „Genialer Plan!“

„Jetzt müsste man aber auch noch den Minister für Ernährung und das andere Zeugs irgendwie unterbringen.“ „Also bei Landwirtschaft und Verbraucherschutz oder so?“ „Das ist ja sowieso schon eins.“ „Wenn man Verbraucherschutz und Landwirtschaft sowieso schon als erweiterten Umweltschutz oder Naturschutz oder sonst was definiert, könnte man die gleich zusammenlegen.“ „Und damit sind sie wieder bei Innen, wegen der Reaktorsicherheit.“ „Weswegen?“ „Die wird jetzt ja von der Bundeswehr im Inneren verteidigt, also ist das Verbraucherschutz gekoppelt mit Sicherheit.“ „Und da Finanz jetzt auch Wirtschaft ist, können wir gleich sehen, ob wir uns den Atomausstieg noch leisten können.“ „Und die Atomindustrie weiß genau, was sie vom Verteidigungs-, also ich meine natürlich: Innenministerium bekommt.“ „Und die Arbeitsplätze?“ „Die sind untere Etage. Wirtschaft und Finanzen und Sozial-Arbeit“ „Bitte?“ „Also die obere Etage ist Wirtschaftsfinanz, die macht die Steuererleichterungen, und unten ist Sozialarbeit für Hartz IV, Bildung und Forschung und Gesundheit und meinetwegen auch der ganze Familienmist.“

„Wobei das Familienministerium ja auch einen Ableger bei Innen braucht. Zensur und so.“ „Ich dachte, wir könnten dabei gleich die Justiz neu aufteilen. Die Hälfte ist EU-Kram, das macht Außen jetzt mit…“ „Also Verteidigung?“ „Nee, das ist ja Innen hier, die machen die Sicherheitsgesetze gegen Atomkraft und für die Arbeitnehmer… ach Quatsch! Umgekehrt natürlich!“ „Hehe, Sie kleiner Schelm!“ „Also jetzt für die Atomkraft in der Wirtschaftstechnologie und gegen die Bevölkerung bei Sozialarbeitsjustiz. Richtig?“ „Jetzt stimmt’s.“

„Verkehr und Bau haben wir da natürlich noch vergessen.“ „Sind das nicht eigentlich klassische Arbeitsthemen?“ „Dann macht die Sozial.“ „Klar. Und Stadtentwicklung macht Innen.“ „Wieso Innen?“ „Man muss doch die Stadtentwicklung an die Sicherheitsgesetze anpassen, schon wegen der Bundeswehreinsätze von Sozial-Justiz.“ „Und wenn Familie und Jugend da reinreden will?“ „Dann kommt das Zeug zu Finanznaturschutz und wir haben kein Geld mehr für Bildung und Forschung.“

„Jetzt kommt aber noch der größte Brocken.“ „Nämlich?“ „Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatten wir überhaupt noch nicht bedacht.“ „Müssen wir das denn überhaupt haben?“ „Das ist ja nicht das Problem. Es ist nur nicht klar, was die da eigentlich machen und wofür es gut sein soll.“ „Also um den Marshallplan geht es ja nicht mehr, und wirtschaftliche Entwicklung, hm – die EU-Sachen zu Innen?“ „Oder Justiz.“ „Also Soziales.“ „Und die bilateralen Maßnahmen, Menschenrechte und so?“ „Macht Außen.“ „Mit Verteidigung?“ „Dann wär’s ja wieder Innen.“ „Also doch Außen.“ „Und damit Naturschutz.“ „Sehen Sie, geht doch!“

„Besondere Aufgaben haben wir keine?“ „Ist doch sowieso Kanzleramt. Da müssen wir nicht groß einen Krisenminister mit Pensionsanspruch ins Amt heben.“ „Kanzleramt macht jetzt auch Innen?“ „Ja, von wegen Verteidigung.“ „Der Sicherheit?“ „Der Kanzlerin.“ „Muss die Sicherheit der Kanzlerin denn…“ „Nein, aber sie selbst.“ „Hm. Ja, dann geht das natürlich.“ „Na, dann rufe ich gleich mal durch. Hallo, Kanzleramt? Verbinden Sie mich bitte. Guten Abend, Frau Merkel, Kleinschmidt hier. Alles in Sack und Tüten, Frau Merkel. Sie machen einfach den Westerwelle zum Vize, und Koalitionsverhandlungen finden nicht statt.“