Herrenraser

24 01 2019

„… neben Steuererhöhungen auch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen in Erwägung ziehe. Dies werde sich positiv auf die Schadstoffbilanz und die Ziele der Klimapolitik sowie den…“

„… die ersten Rücktrittsforderungen erhoben würden. Scheuer sehe die Verkehrskommission als nicht kompetent, da sie weder persönliche Bekanntschaft mit der Autoindustrie besäßen noch durch finanzielle Verflechtungen mit…“

„… die Emissionen seit 1990 nicht habe senken können. Der Schadstoffausstoß sei nach wie vor auf einem so hohen Niveau, das man mit der CSU nicht in Verbindung bringen dürfe. Die Kommission sei deshalb nicht in der Lage, einen kostenneutralen…“

„… einen empfindlichen Eingriff in den Straßenverkehr darstelle. Wendt weise darauf hin, dass die meisten Autofahrer überhaupt nicht anders als zu schnell fahren könnten, wodurch sich eine Vielzahl an Geschwindigkeitsübertretungen ergäben. Ein Tempolimit sei also nichts anderes als eine massenhafte Aufforderung zum Begehen von Straftaten, was die Polizei in Deutschland zu einem geballten Protest und juristischen…“

„… habe den Ausbau von Fahrradwegen im innerstädtischen Bereich strikt abgelehnt. Scheuer sehe hierin keinerlei Auswirkungen auf den internationalen Schwerlastverkehr, der als eigentliches Problem der…“

„… sei ein weiteres Zeichen für die Islamisierung der BRD GmbH. Da Muslime in ihrem Kulturkreis an die Transportgeschwindigkeit von Kamelen gewöhnt seien, sehe Gauland hier den Versuch, die Ausrottung der deutschen Identität auf den Autobahnen zu…“

„… notwendige Transformationsprozesse in der Autoindustrie anstoßen werde. Es müsse nur noch kommuniziert werden, dass die Elektromobilität mit 250 km/h weniger schwere Unfälle auf den…“

„… die Kampagne Das Volk will Gas geben gemeinsam mit anderen Rechtsextremisten zu führen. Lindner habe darauf hingewiesen, dass er zur Durchsetzung von Menschenrechten keine Parteigrenzen akzeptiere, sondern rein sachorientiert in den…“

„… inzwischen sehr enttäuscht seien. Der Vorstandssprecher der Volkswagen AG habe geäußert, die Branche könne es mittelfristig nicht mehr hinnehmen, dass die Gesetzgebung von der Bundesregierung komme und nicht wie gewohnt aus dem…“

„… eine genetische Veränderung stattgefunden habe, die es Deutschen nicht mehr erlaube, langsam zu fahren. Nach Sarrazins Berechnungen entstehe in weniger als 150.000 Jahren durch Fehlzüchtungen eine deutsch-ökologische Hybridrasse, die sich nicht mehr fortbewegen könne und darauf angewiesen sei, durch Migranten mit geringerem IQ transportiert zu werden, um ein geregeltes Leben in Deutschland zu…“

„… nicht daran liege, dass Flüchtlinge seltener ein Kraftfahrzeug oder einen Führerschein besäßen. Die geringere Anzahl von Asyltouristen unter den Verkehrsstraftätern sei für Weidel ein weiteres Indiz für die von Merkel verordnete Islamwerbung, die ungerechtfertigte Vorteile für rassefremde…“

„… lehne die FDP eine Ausweitung des Fußverkehrs ab, da hier keine Senkung des Schadstoffausstoßes zu erwarten sei. Jeden Fußgänger mit mobilen Messapparaturen auszustatten, wie es Grüne und andere christsoziale Verbotsparteien propagieren würden, sei eine Verschwendung von…“

„… deutscher Autofahrer durch rücksichtsloses Rasen viel schneller sozialverträglich verstürben. Durch die Verweigerung, verkehrsgefährdend auf deutschen Straßen zu fahren, würden Migranten die Sozialsysteme erheblich belasten. Ein umfassendes Remigrationsprogramm sei für Poggenburg die letzte Chance, die Herrenraser vor dem…“

„… schwere internationale Verwerfungen in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach sich zögen. Scheuer habe darauf hingewiesen, dass langsam fahrende Autos viel weniger Kraftstoff verbrauchen würden, was letztlich zu einem Erliegen der Erdölimporte führe. Dies könne auch zu einer Verschlechterung der Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien, Norwegen oder…“

„… nicht alles schlecht an Hitler gewesen sei. Höcke betone, der Führer habe die Autobahnen vor allem gebaut, um sie an ein Volk von Autofahrern, die ihre rücksichtsloseste Männlichkeit mit dem Gaspedal und der…“

„… müsse das aktuelle Tempo beibehalten werden, da die Deutsche Bahn AG nicht in der Lage sei, notwendige Bestandteile des Straßenverkehrs wie Stau oder Wanderbaustellen in ausreichendem Maße zu…“

„… die Daimler-Benz AG eine Organklage vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt habe. Der Automobilkonzern sei sich seiner Bedeutung für die nationale Wirtschaft und die Stabilität des Staates durchaus bewusst und betrachte sich darum als Verfassungsorgan mit weitreichenden und für die Existenz der Bundesrepublik notwendigen…“

„… erwarte in dieser Sache konstruktive Vorschläge des Bundesverkehrsministers für eine möglichst schnelle und umfassende Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Scheuer sei laut Angaben in den vergangenen drei Wochen nicht im Ministerium gesehen worden, auch die CSU sei nicht informiert, wo er sich gerade…“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLVI): Unsinnige Pyrotechnik

11 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Ritual blieb. Alle Jahre wieder kauten die Jünglinge aus Rrts Sippe samt angrenzendes Volks vergorene Buntbeeren, bis sie erst lustig wurden und dann knapp vor doof. Der erste, der sich nur im Lendenschurz in die Steppe traute, wo die leicht genervte Säbelzahnziege in Ruhe vegetieren wollte, genoss das höchste Ansehen beim Damenflor, stets vorausgesetzt, jene Ziege gab dem kreischenden Knirps nicht eins mit den Hörnern mit, was sich auf die Familienplanung fatal hätte auswirken können. Wer überlebte, konnte sich ruhig zum Deppen machen, denn er hatte es ja überlebt. Dass diese Zuchtauswahl vorwiegend grottoid ausgestattete Vollhonks in den Genpool pinkeln ließ, machte die Evolution nicht unbedingt erfolgreicher und erklärt manche Spätfolge, unter anderem, warum so viel hässliche Flusenlutscher Stammväter ihrer Völker wurden. Und warum das Ritual blieb.

Wir haben das ja heute gar nicht mehr nötig. Statt sich Zufallsalkaloide in die Birne zu drücken, greift der professionelle Nanodenker zum Schnaps, der so wohlig die Synapsen anlöst, und holt sich im Discounter des Vertrauens das Ballerpaket zum Preis eines vergoldeten Lamms – was kann schon schiefgehen in der Kombination? Und wahrlich, sie versuchen mit akribischem Zorn auf die Materie jede noch so klinisch bekloppte Idee zu realisieren, wie man Explosionskörper zum Detonieren bringen kann. Im Ergebnis sprengen sie sich die Flossen weg, lassen Knochensplitter durch die Luft spritzen und marmeln sich mit etwas Glück den Schädel ein. Auch im nüchternen Zustand schaffen sie es, einfach konstruierte Flugkörper bodennah in der Horizontale zu zünden, damit’s dem Nachbarn die Gonaden wegzoscht oder wenigstens seinen Hund atomisiert. Früher hatte es noch gereicht, im Kampf gegen die Elemente heldenhaft der Gefahr ins Auge zu blicken, heute verliert man in einem Arbeitsgang mindestens noch ein Auge, um beim Niki-Lauda-Ähnlichkeitswettbewerb die Endrunde zu rocken. Als Sicherheitsbelehrung reicht Wer das liest ist doof ja längst aus, weil es die Zielgruppe so elegant wie vollständig abdeckt.

Der Traum, rücksichtlos mit der Kettensäge im Anschlag durch ein Wohnviertel zu delirieren, fasst die hart unterdrückten Männlichkeitsfantasien der kernbescheuerten Torfatmer geradezu idealtypisch zusammen: warum sollen nicht auch andere zünftig aufs Maul kriegen, wenn der Dumpfklumpen selbst in einer komplett ersetzbaren Randexistenz vor sich hindümpelt? Schwillt dem Trottel der Kamm, so nähert er sich asymptotisch zutiefst verinnerlichten Selbstvernichtungsbildern, denen die majestätische Ruhe des ehemals Organischen folgt, die Stille nach dem Stuss, wenn sich blässlich die Sonne hebt über den Haufen aus Böller, Bein und Blutopfern. Nichts davon ist neu.

Die Psychoanalyse versucht den Holzschnitt des bornierten Urmenschen zurecht zu schwiemeln, der in Naturgeisterfurcht wilde Heere mit allerhand Gedöns vom Himmel feuern will und postmodern überformt seine alte Heidenangst im Abendland zu kultivieren versucht. Ganz nebenbei erliegt er dem Guckreiz und ästhetisiert seine Angst bis zum kollektiven Knalltrauma. Natürlich braucht der heutige Hominide die Rationalisierung, doch die funktioniert nun einmal nur mit den Zombies auf dem Hirnfriedhof, dem wimmernd verdrängten Grausen, das jammerläppische Zärtlinge treibt, wie sie im Vollbesitz präpotenter Willenskraft Mut proben. Etwas weniger deformierte Protzbrocken reagieren saisonunabhängig ihre Mannhaftigkeit am Kugelgrill ab, andere lassen sich auf Rollschuhen am Rennwagen nachschleifen, bis die Schädelbasis schmackig am Betonboden aufknuspert, doch nur Feuerwerk bietet den Spaß für die ganze Familie, die bei einem Druckstoß die Stratosphäre füllt. Der heimliche Bombenbürger denkt auch an Renommee und Ehre, wenn er dem Sprengsport nachgeht.

Denn unsinnige Pyrotechnik ist mitnichten nur Ausdruck eines grob gestrickten Egos, das gerne die Umwelt kaputt macht, damit es nicht alleine in der Versenkung verschwindet, sie ist ein solide an der Schädelinnenseite festgepfriemelter Marker für soziale Distinktion. Höher, greller, lauter muss es sein, wenn man die Kasper aus der Nachbarbutze in die Schranken weisen will – wer mehr Kohle in die Feinstaubproduktion investieren kann, um die Welt für seine Kinder zu versauen, demonstriert damit Überlegenheit, noch dazu mit einer Ware, die stets der herrschenden Klasse vorbehalten war. Und so zeigen sich Jahr um Jahr Herden verstrahlter EEG-Nullkurven, dass sie die Ausbildungsvorsorge für ihre Brut in den Himmel schießen können, denn nur so nimmt man sie als elitäre Zusammenrottung an der Spitze der Einwohnerpyramide ernst. Man könnte das einfacher haben, aber wer brettert schon mit Absicht seinen SUV in die Leitplanke, um in einem epischen Lichtblitz zu verenden. Die Geister geht es nichts an, sie kennen das Gesülze von der freien Entfaltung der Persönlichkeit in der unmännlichen Gesellschaft, so vorhersehbar ist die Schar derer, die zum Schluss im Do-it-yourself-Armageddon abtreten wollen. Darwin, übernehmen Sie.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLV): Die Krise der Mobilität

4 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Das Schönste war ja die Verlässlichkeit: suchte man Rrt und seine Sippe, man fand sie genau da, wo sie alle geboren worden waren. Mit etwas Glück würden sie auch nach erfolgreicher Reproduktion hier ableben, falls nicht die vom Hominidenbefall entnervte Fauna zwischendurch für evolutionäre Tatsachen sorgen sollte. Keiner war je vom Tümpel im Tal weggezogen, hatte den Horizont der Steppe hinter sich gelassen, den großen Fluss jenseits der Höhenzüge entdeckt, niemand litt an Fernweh oder war vom Wunsch besessen, unter Vollverpflegung marodierend durch eine Mittelmeerinsel zu fräsen. Der Hominide nährte kümmerlich, aber artgerecht seine Sippe, die er sich eingebrockt hatte. Erst die Spätgeborenen sollten fremde Kontinente, den Tourismus und das Ozonloch mit eigenen Augen sehen, das Meeting in Bombay, Boston und Bad Bevensen, den Shopping-Trip nach London, die Busreise über die Wupper nach Wladiwostok auf der durchgehenden Autobahn, für die Generationen im Kampf gegen Sinn und Verstand fielen. Die Erde, so ihr Credo, ist rund, damit der alte weiße Mann Gas geben kann.

Alle anderen auf der Zielgerade zur Biomasse hocken in der Ecke und fragen sich, wie das alles so plötzlich gekommen ist. Einmal nicht aufgepasst, nur fünfzig Jahre das Schienennetz verrotten lassen, zack! merkt der mit Bausparerabitur ausgestattete Steuerzahler, dass es zwischen Streckenstilllegung und bröselnden Brücken so viele Züge mit Neigung zur Hochgeschwindigkeit geben kann, wie es will, dass aber bei einer Bahn, die von Dumpfschlumpf zu Dumpfschlumpf im Ministersessel sich nur dem Niveau ihrer Behördenleitung angepasst hat, alle Räder stillstehen, auch wenn gar keine Witterung existiert. Humpelt eine soziale Zusammenrottung in Richtung Flughafen, um sich turnusgemäß in den Süden abzusetzen, stehen die Chancen gut, dass der Vogel am Boden bleibt. Eine zünftig ausgedünnte Flugsicherung, fehlerhaft bestellte Windrichtungen, mit denen Piloten am Rande des Existenzminimums geistig nicht fertig werden, Arbeitsniederlegungen in der Kabine sorgen für nachhaltiges Heimatgefühl ohne Ruine im brandenburgischen Baggermatsch, die sicher für schlimme Zeiten aufgetakelt wird, wenn es dem Transportwesen überraschend zu gut gehen sollte. Unten bleiben sie immer.

Der gemeine Hohlrabi, der vor allem Angst hat, dass er sich am Viagra verschluckt, bollert mit dem SUV dann nicht nur zum Bio-Supermarkt, wo es die guten Freilandgurken in doppelt PVC-Folie zum Sonderpreis gibt, sie heulen sich gewohnheitsmäßig in den Schlaf, weil sie mit dem Bodenhobel immer noch nicht nach Australien fahren können. Schuld an der Misere sind natürlich hochmoderne Nationen wie Albanien, die nicht mit teutscher Gründlichkeit hundert Milliarden zur Errichtung der Korruption als Staatsreligion investieren und Generationen an Ingenieuren brauchen, um die Idee eines Flugtaxis mit beispielhafter Präzision in die Grütze zu reiten, während der balkanische Erzfeind fernostischen Vorbildern folgt, das christliche Abendland mit der perfidesten List zu schänden: Fachleute einsetzen, statt jahrzehntelang im Rudelkoma das Gesabber der EEG-Nullkurven zu erdulden, bis der Blutdruck sich unters Laminat schwiemelt. So kann das jeder.

Genau deshalb lassen wir es auch, sehen den Resten beim Rosten zu, die Schlaglöcherlotterie auf durchschnittlichen Umgehungsstraßen macht mehr Millionäre als das passende Parteibuch, und schon haben wir die Patentlösung für alles, was nicht bei Rot über die Ampel ist: Elektromobilität. Als wäre der Stromzug je ansatzweise pünktlich gewesen, hauen die Jodelkasper wie hospitalisiert an den Beton, damit sie es glauben: Elektroautos stehen nie im Stau. Können sie gar nicht. Man kommt damit nach Amerika. Zumindest in den Weltraum.

Wahrscheinlich hilft nur noch die Trennung der Menschheit in Tanzbereiche: wer in Bad Bevensen geboren wurde, hat in Bombay nichts zu suchen – umgekehrt tönt es oft genug aus der Richtung, warum sollte man den Gedanken nicht global zu Ende denken. Wir sind auf dem Rückschritt, es gibt genug anständige Bilder vom Grand Canyon und dem Riesengebirge, als dass sich jeder Querkämmer das noch selbst antun müsste. Der Klimawandel ist weit genug fortgeschritten, Hautkrebs kriegt der Patriot auch am Steinhuder Meer, die Balearen sind obsolet – wer sein Aggressionspotenzial hingegen aus der Blechlawine auf der Bundesautobahn zieht, wo er täglich ein Rudel Mitgeschöpfe bis kurz vor der Hirnembolie anplärrt, darf die Binnenwirtschaft steigern, auch energietechnisch, und wird einfach Pendler. Zwei Stunden Anfahrt, drei Stunden nach Hause, schon wird aus dem postmodernen Bürger wieder die humanevolutionäre Montagsproduktion, die alles hasst und töten will, das mit derselben Geschwindigkeit in die Leitplanke rauschen könnte, wenn links frei wäre. Es wäre so einfach, aber wir erinnern uns, die Erde ist rund. Auf einer flachen Welt hätten wir das Problem nicht, denn sie gäben Gas, auch am Rand der Scheibe. Vor allem da. Weil sie es können.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLII): Superfood

30 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es hätten Leinsamen sein können, es hätte genau so gut Schokolade werden können. Aber der Typ aus dem Großhandel hatte halt noch einen Sack voller Zeugs ohne Geschmack im Keller, es fehlte nur noch ein hipper Name, damit man es nicht für Streumaterial hielt. Die Verpackung stimmte, der letzte Hype war gerade im Niedergang begriffen, die Marketingschergen liefen sich am Spielfeldrand des Wirtschaftskriegsschauplatzes warm. Die Chancen für grobe Esoterik waren ausgelotet, nichts stand einer überflüssigen Hysterie in globalem Maßstab im Weg. Unter den nachhaltig Intelligenzabstinenten begann der Siegeszug von Chia, dem Superfood überhaupt.

Wie gesagt, Leinsamen hätten es auch getan, haben aber nicht den Promifaktor, der auch in der Provinzkantine abgestandenen Milchprodukten in Krankenhausmengen diese gewisse Leckerness verleiht, die Zwieback und Weizenschrott so entschieden abgeht. Außerdem kann jenes Abfallprodukt aus der Nährmittelindustrie, gezogen mit Liebe und Mindestlohn kurz hinter Bad Gnirbtzschen, einfach nicht mit der Edelschlacke konkurrieren, die mondän und prestigeträchtig um den halben Rotationsellipsoiden gekarrt werden, um in der hinteren Ecke eines Discounters Schimmel anzusetzen. Damit könnte das Ding an sich in seiner kompletten Überflüssigkeit versuppen. Aber die auf höherem Niveau kognitiv verdünnte Auskenneria ist noch lange nicht fertig. Das Elend nimmt seinen Lauf.

Ähnlich wie gedungene Schwafelschlümpfe der Werbeindustrie Lightprodukte zum Patentrezept für den schnellen Beschiss aufgeblasen haben, ist die Essenz des Megafutters selten auf seinen Inhalt zu beziehen. Was der Schlankheitswahn als essbaren Bauschaum in den Markt schwiemelt, wäre ja mit vernünftigen Mitteln durchaus zu ersetzen, wenn nur der kalorienreduzierte Vollfettkäse abgesehen vom quantitativen Einsatz dem Magerquark wiche, die zucker- und geschmacksfreie Limonade dem sozial inzwischen abgehängten Früchtetee. Sie wollen Brot, also essen sie Kuchen.

Lustigerweise sind genau die aus repressionsfrei geklöppeltem Bohnenstroh herausgedroschenen Heckenpenner, die sich für regionalen Bergbau, antiautoritär im Beisein der Bezugsperson zu Tode gestreichelte Lämmchen und fairen Filterkaffee in Bürgerinitiativen engagieren, die Trägersubstanz für diese Schädelschädigung werden, und das auch noch aus freien Stücken. Das lutscht täglich an der Frühstücksavocado und wundert sich, warum fürs Wegklappen des Regenwaldes mehr Energie aufgebracht werden muss, als mit der Pinkeltaste gespart werden könnte. Wer seine Bedürfnisse der Ideologie unterordnet oder sie gar von ihr vorgeben lässt, der muss sich seine Hirnweichheit sekundär rationalisieren, aber auch dies ist ein Fest für die Imagekneter. Wer redet sich schon alleine die ganze Grütze bunt.

Das Zeug schwimmt schließlich mit in der unwissenschaftlichen Gesundbeterei rund um Detox, Entschlackung und Achtsamkeit – die in allerlei Publikumspostillen auf den Boulevard gespeichelten Anekdoten und Erfahrungsberichte entspringen meist gelangweilten Textern, die derlei als Stehsatz verkaufen, ohne sich die auf dem Transport wochenlang im Container verlabbernden Fruchtfasermatten hinters Zäpfchen zu schieben. Immerhin werden die Wunderpflanzen meist in Regionen geerntet, in denen noch der gute Onkel mit der Pestizidspritze übers Feld stakt, damit die bunten Früchte es überhaupt bis zum Frachter schaffen. Rotkohl hätte ähnliche Werte wie Açaí, aber wie bekommt man mit Flugkohlrabi die Besserfresser in den Gourmettempel?

Superfood ist eine neoliberale Heuchelei wie das Positivgeschwall manischer Selbstoptimierer, ostentative Lebensführung als Punkt in einem stromlinienförmigen Paralleluniversum. Wie in jeder esoterischen Schiefe driftet die Realität gen Nirwana, wenn nun der Ernährungsberater Beeren empfiehlt, deren enzymatisches Gezumpel laut neuester Absatzwirtschaft Krebs und Koma vermeiden soll. Denn ändert sich dadurch die Kalorienzufuhr, wird der Patient voluminös, kaut sich kariös und diabetisch, so ist er, zack! selbst schuld. Wäre es nur das Ziel, sich mit Vitaminen die Leber aufzupumpen und gäbe es auch keine Überdosierung mit drastischer Symptomatik, keiner müsste sich mit Granatäpfeln die Figur ausstopfen, wo es auch heimisches Obst täte. Immerhin schön, dass exotisches Obst dank hinreichend allergener Wirkungen farbenfrohe Schwellungen hinterlässt, wo andere noch eine Gesichtsattrappe hängen haben. Gewiss, es sollen auch Menschen beim Anblick der gemeinen Brennnessel in Tränen ausgebrochen sein, aber das wenigstens lag dann nicht am Preis oder an der Erkenntnis, sich gerade zum willigen Opfer einer ganzen Marktmaschinerie gemacht zu haben, die nur unser Bestes will, und das möglichst schnell und in großen Portionen. Hätten wir als Kinder brav Spinat gegessen, wir wären ihnen nicht auf den Leim gegangen.





Glückskekse

19 11 2018

„Also er hat jetzt zwei zweimal diese Figur mit dem Hütchen bewegt, und die hatten dieselbe Farbe. Ach, das ist beim Schach immer so? Da können Sie mal sehen, wie gut unsere Prognosen sind. Wir beschäftigen uns nicht mit den Einzelheiten und haben deshalb auch immer irgendwie Recht.

Ich war gleich gegen die Schachmeisterschaft, aber machen Sie das mal Wirtschaftsredakteuren klar. Die haben in der Regel Theologie studiert oder andere Sachen, die man nur beweisen kann, wenn man nicht genau weiß, woran man glaubt, oder wenn sie richtig gut sind, haben sie das Studium zwischendurch geschmissen, haben geheiratet oder sich privat mit dem Strafvollzug beschäftigt, weil sie von den anderen Börsentipps wussten, wie man geldgierige Knalltüten nach Strich und Faden betrügt – und nicht, wann man mit der Scheiße aufhören sollte. Einige wenige haben plötzlich ihre moralischen Anwandlungen, die gehen auch ins Fernsehen, aber die machen dann Homeshopping, auch nicht schlecht, da wird man als Arschloch wenigstens fest bezahlt fürs Lügen, oder sie werden Autor für Glückskekse. Glückskekse gehen immer, und Horoskope kriegen Sie mittlerweile billiger aus dem Archiv.

Ja, wir beobachten inzwischen eine Menge sehr unterschiedlicher Variablen, um unsere Datenbasis zu vergrößern und unsere Leistungen ein bisschen wissenschaftlicher zu machen. Was twittert Trump? Hat Kramp-Karrenbauer öffentlich verkündet, dass die geplante Zwangshomosexualisierung durch die linkfaschistischen Abtreibungsveganer Schuld ist an der Kreuzigung vom lieben Jesulein? Und sammelt die AfD schon Spenden, damit sich Weidel für die Knastdusche Korken reinstecken kann? Früher hätte man das Wetter mit einem Laubfrosch analysiert, aber auf Zufälle kann man sich ja heute einfach nicht mehr verlassen.

Man kann ja auch die Anzahl der islamistischen Attentate als Grundlage nehmen, aber das stößt auf ein geteiltes Echo. Die einen beschweren sich, dass die Erdrotation noch nicht als islamistischer Terror gerechnet wird oder die Geburt vom Säuglingen in Guatemala, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass einer von zehn Millionen eventuell mal zum Islam konvertiert, die anderen finden es nicht okay, dass man die neunundneunzig Prozent der islamistischen Attentate einrechnet, nur weil sie in islamischen Ländern stattfinden. Meistens würfeln wir dann, weil die Ergebnisse genauer sind.

Manchmal kann man die Daten extrapolieren – hat nichts mit dem Raumpflegedienst zu tun, echt nicht – wenn man schon die nötigen Zahlen vorliegen hat. Hier haben wir beispielweise einen Anstieg der Börsenkurse, der führt dazu, dass an der Frankfurter Börse die Kantine mehr frequentiert wird, meistens in der Mittagspause, und dann steigt hinterher der Kaffeekonsum bei Schmittchen, das ist der Laden gegenüber, die bieten nicht so einen Urinersatz in Halbschwarz an, sondern richtigen Kaffee, den brauchen Sie auch, wenn Sie diesen Brechreizbeschleuniger aus der Fressetage in Ihren unschuldigen Magen gejagt haben, und dann holen sie sich auch immer einen Schokoladenkuchen. Als Belohnung. Wir nehmen das als Indikator: wenn der Schokoladenkuchen sich gut verkauft, steigen die Börsenkurse.

Wenn man’s genau betrachtet, ist es natürlich umgekehrt, aber noch haben sich die Volkswirte nicht damit befasst, und Betriebswirten fehlt es am Durchblick.

Fußball ist natürlich auch immer gut, da versteht man die Ergebnisse auch einigermaßen schnell, aber das ist dann auch schon der Nachteil: jeder versteht die Ergebnisse. Außerdem kann man das momentan echt nicht bringen. Bisher war die Sache immer klar, die Bayern gewinnen, also gibt es gute Börsenwerte, der DAX steigt, alles gut, morgen sehen wir weiter. Und jetzt? Das ist alles so kompliziert, das kann man auf die einfachen Sachverhalte nicht mehr anwenden. Gut, immer noch besser als Politik, da ist es auch wieder andersherum, aber das war ja jetzt auch nicht die Frage. Sonst könnte man schon die Entscheidungen der Bundesregierung für die Börse verantwortlich machen, aber das wollen Sie nicht wirklich, ich sage nur: Haftung. Die Merkel hat doch dreizehn Jahre lang vermieden, dass sie irgendwas tut, was sich sofort als politisch verwertbar herausstellen würde. Und wenn Sie sich angucken, was da heute so durchs Kabinett kriecht, das ist ja nicht einmal wirtschaftlich für sein Handeln zur Verantwortung zu ziehen.

Strompreise? das wäre mal eine Überlegung wert, die haben auch meist nichts mit der Wirtschaft zu tun. Und dann die letzten Prognosen für die SPD – die Kleinigkeiten hinter dem Komma machen oft viel aus, man soll sich da nicht täuschen – und die Einschaltquoten für den Tatort. Das ist für das Geschäftsklima immer ganz wichtig, wenn man die richtigen Zahlen parat hat, und wenn man dann gefragt wird, woher man die hat, einfach sagen: wir haben den Leitindex ausgerechnet, oder das waren die Ergebnisse der letzten fünf Quartale hochgerechnet auf die aktuellen Zahlen. Oder irgendwas halt. Aber gucken Sie mal, der hat wieder eine Figur bewegt, und jetzt hat er sie vom Spielfeld genommen. Fragen Sie mich nicht, was das bedeutet, aber irgendwas bedeutet das. Das bedeutet, dass sich da irgendwas bewegt, und jetzt fragen Sie mich nicht, was und wohin. Das erklärt Ihnen heute Abend diese Tante da im Fernsehen. Die versteht das auch nicht, aber vielleicht etwas genauer als wir.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXL): Die Verduftung der Welt

16 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die gelbe Schlonzbeere roch ganz leicht nach Kadaver, um Insekten anzuziehen, die sich in ihren klebrigen Blüten verfingen wie grenzdebile Deppen im Inneren einer rechtsextremistischen Partei. Die Fliege hatte keine Zeit, ihre empirisch gewonnenen Daten an die nächste Generation weiterzugeben, Uga schon. Nach Verzehr der Frucht stellte sich zu heftigem Magengeräusch Schwallhusten ein, den man so schnell nicht vergaß, falls man ihn denn überlebte. Fortan steckte der gute Genosse seinen Riechkolben nur noch in die Kräuter der Wiese und in die kommunikativen Partien der Artgenossen, die mit ihren Schweißdrüsen Smalltalk machten. Ab und zu schwiemelte er der Holden Blümchen ins Haupthaar, doch aus ganz anderen Gründen. Noch hatte der Mensch die Nase nicht voll.

Eines Tages siegte der Lochfraß im limbischen System und der Hominide erfand den objektungebundenen Duftstoff. Vermutlich hatte die Chemie sich mit der Herstellung von Kampfgas und Karzinogenen bis dato unausgelastet gefühlt, so dass sie nun die Vernichtung der Menschheit auf dem psychologischen Weg einschlug, und wahrlich, es ward so. Mit synthetisierten Essenzen, die ein Schwimmbecken zu Erbsensuppe verwandeln konnten und die Alpen in Graubrot, eroberten die Giftmischer die Großhirne der molekülgesteuerten Triebwesen, konditionierten sie auf allerlei modischen Schnickschnack für die Schleimhäute und trieben sie herdenweise in die heillose Abhängigkeit, bis die amorphe Kundenmasse wie gebannt vor dem Regal stand mit dreiunddreißig Spraydosen, weil es in der Postmoderne auf der Bedürfnisanstalt anders nicht mehr stinken darf als in einem Rosengarten auf Speed.

Eine durchschnittliche Plattenbaubutze ohne Atemschutz zu betreten führt zu psychedelischen Effekten. Leichte Herznoten von Bohnerwachs und Linoleum schwappen noch aus der Außenwelt unter dem Zugluftdackel durch, doch schon watet man in knietiefem Vanillepudding. Meeresbrisen schleifen die Netzhäute plan beim Betreten der Nasszelle, in Wohnzimmernähe wummert ein Armageddon aus Lavendel die Gesichtsebene in den Hinterkopf nebst Riesenbabypuder für Rosmarins Nachgeburt. Heimelig kratzt die Kombi aus Kunstwildleder und Pottwalkotze im Rachen, und während das geneigte Schimmelhirn die Kohle für diesen olfaktorischen Vernichtungsfeldzug gegen die Restsynapsen in die Kasse geholt hat, pfifferte im Dreiminutentakt eine elektronische Aerosolkanone eine Jasminoffensive ins umgebende Gasgemisch, die im abgestandenen Zustand riecht wie getoastete Bonbons nach der Exhumierung. Willkommen zur Stunksitzung.

Das Ergebnis ist der komplette Kontrollverlust, das Gift macht inzwischen die Dosis. Die zivilisierte Welt oder das, was wir noch dafür halten, riecht bei orkanartiger Gegenwindstärke nach Sandelholz mit Erdbeeren, als habe sich das die Evolution persönlich aus den Rippen geleiert, und spricht jeder natürlichen Aromenverteilung Hohn. Was Limettenschale und Koriander an der Haarwurzel zu suchen haben und gemähtes Gras am Küchenboden, weiß der Marketingexperte des Tensidkonzerns, und er behält es zur Vorsicht auch für sich. Bald riechen die Autos von innen nach Kuheuter, aber halt – jede Rostlaube wird im Wert längst verdoppelt von einer Überpopulation an Duftbäumen, die das Wagendach nach vorne unten zieht. Tanne-Topinambur oder die Apfelapokalypse treten an gegen ein manisches Melonenmassaker, um des Lenkers Reflexe zu zerstören. Warum diese Verkleisterung des zentralen Nervensystems nicht mit mobiler Ozonzwangsversorgung seitens der UNO gekontert wird, ist geradezu ruchlos.

Die meisten Isoprenoide vertreiben Kleintiere, vermutlich beschießt der Bescheuerte seine eigene Bude grenzwertflexibel mit Geraniol, Limonen und Citral, um die Wirkung schon mal an sich selbst zu testen. Dass das Zeug lustige Allergien auslöst, weil es bis tief in die Lungenäste kriecht und über die welke Oberfläche inkorporiert wird, das weiß der Kunde, aber zum Zelten auf dem intellektuellen Standstreifen hat er noch eben schnell eine Schütte Duftkerzen organisiert, um den Schmodder über die steigende Reizschwelle des Aromatenjunkies zu hieven. Lieblich knallt Benzol an die Schädeldecke, diesmal von innen, und grüßt im Vorbeifluss die anderen Lösungsmittel auf dem Weg zur Leber. Wozu der Behämmerte noch raucht, erschließt sich nicht mehr wirklich. Mit verstörender Intensität imprägniert der Mix aus Chanel Nummer 50.000 und dem Zimttodesstern alle Klamotten, die gute Kinderarbeitsware aus Bangladesch macht in der U-Bahn Fruchtfliegen aus Fernost nervös, und ein leichter Film aus Paraffin und Aloe vera legt sich tückisch-sanft auf die Tapeten. Irgendwann in einer stürmischen Nacht wird irgendein Nachbewohner Stimmen aus dem Inneren der Dielenbretter hören, die ihm befehlen, Bielefeld zu zerstören und in seine Heimatgalaxie zurückzufliegen. So wird’s geschehen, denn wir wissen seit dem Pleistozän: Chemie ist gefährlich, aber Zugluft tötet.





Problempizza

25 10 2018

„Das rote Dreieck ist jetzt für mehr Zucker, aber biologisch-dynamisch. Grün wäre weniger Salz, oder war’s Fett? Wir kommen hier ständig mit den Beschlussvorlagen durcheinander, das reinste Chaos. Wir gut, dass das auf freiwilliger Basis ist.

Darauf legen wir großen Wert. Wir sind ja nicht in der DDR, wo der Staat den Betrieben einfach so sagen konnte, wie die Produktion laufen soll. Wir sind hier in der sozialen Marktwirtschaft und in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, das heißt, die einen kümmern sich um den Markt, die anderen um die Wirtschaft, und der Staat ist dann fürs Soziale zuständig. Alles andere ist Sozialismus, außerdem wäre das auch nicht transparent.

Das ist nämlich das zweite Standbein, wir setzen konsequent auf Transparenz. Mit der Freiwilligkeit zusammen bedeutet das, jeder kann sofort sehen, aha, der macht freiwillig mit. Und die Freiwilligkeit der Transparenz ist natürlich nur so freiwillig und so transparent, wie das die Konzerne wollen, weil das ja der Markt regelt und nicht der Staat. Jetzt schauen Sie nicht so, das ist Demokratie. Da müssen Sie dann halt noch ein bisschen dazulernen. Also wenn jetzt der Konzern A hier eine gelbe Raute auf die Brötchen pappt, weil da Sachen drin sind, die Sie nicht essen würden, wenn Sie’s wüssten – also die Brötchen würden Sie auch nicht essen, wenn Sie wüssten, dass ist in den Brötchen drin – dann heißt das, die gehen als gutes Vorbild voran und werben offensiv für eine gute Kundenbindung, denn Sie als Verbraucher wissen ja wohl auch, Brötchen ohne den Kram müssen Sie schon selbst backen, wenn Sie keinen Bäcker mehr ums Eck haben. Es gibt keine anderen.

Die Ministerin hat außerdem gesagt, dass die Produkte den Verbrauchern weiter schmecken müssen. Immerhin, sonst hätten wir jetzt fettfreie Wurst, die beim Kauen quietscht. Oder glutenfreie Bonbons. Das hat sicher auch mit einer gewissen Traditionstreue zu tun. Die Ministerin steht in der Tradition, dass die Konzerne tun können, was sie wollen, und die Konsumenten kennen den Mist halt nicht anders. Da schrumpft das Schnitzel in der Pfanne und die Konservierungsstoffe sind aus den besten Zutaten. Wenn Sie das Gegenteil wollen, müssen Sie eine Ministerin von den Grünen nehmen. Die versteht etwas von Verbraucherschutz, die Wurst ist gesund und schmeckt trotzdem nicht.

Aber das ist ja auch ganz gut so. Jetzt stellen Sie sich bloß mal vor, Sie würden weiterhin nicht genau wissen, ist in meinen Salzbrezeln eventuell zu viel Zucker? enthält die Marmelade Fett? Das würde die Kundenbindung empfindlich stören, und am Ende kauft keiner mehr Marmelade. Oder nur noch Bio, und davon kann so eine Volkswirtschaft auf Dauer nicht überleben. Gut, eine Volkswirtschaft schon, aber keine Ministerin. Zumindest nicht diese.

Sie müssen ja auch berücksichtigen, dass die Verbraucher manchmal auch bewusst die Produkte kaufen, die eigentlich gar nicht so gut sind für sie. Da können Sie jetzt ein Transparenzgesetz machen, da steht auf der Butter drauf: enthält Fett, zack! die Milchbauern ziehen vor den Reichstag, kennen Sie. Oder wir setzen ganz auf Freiwilligkeit, dann macht’s am Ende wieder keiner. Dann doch lieber beides kombinieren, aber als vollkommen unlesbare Zeichen auf die Rückseite aufbringen, damit ist dann dem Gesetz Genüge getan, aber der Bürger freut sich auch, weil er’s halt nicht lesen muss. Lesen Sie etwa das Kleingedruckte unter Ihrer Lebensversicherung?

Was wäre denn für Sie die Alternative? Klar, alles verbieten! Steuern auf Zucker und Fett, aber dann haben Sie gleich wieder die ganze Soziallobby gegen sich, weil sich ein Drittel der Bevölkerung von Obst und Gemüse nicht ernähren kann, weil das Geld nicht reicht. Außerdem haben Sie die Opposition auf dem Plan, weil der Staat noch mehr Geld einnimmt, das er ja garantiert verschwendet. Alles Konfliktpotenzial. Damit kann man doch die Ministerin nicht allein lassen, die versteht doch jetzt schon kaum noch, worum es hier geht. Also mit Verboten kommen Sie hier nicht weiter, weder bei den Kunden noch bei der Industrie. Sie müssen da konsequent auf Nichteinmischung setzen. Die Kunden sollen sich intensiv mit den Angaben der Industrie auseinandersetzen, und die Industrie, für die findet sich dann auch irgendwann mal eine gemeinsame Lösung.

Für die ganz spitze Zielgruppe könnte man ja sogar eine Produktlinie schaffen, die freiwillig die Transparenz mit gnadenlos ehrlicher Information über das Produkt verbindet. Zu viel Zucker, zu viel Fett, Salz, künstliche Aromen, Stabilisatoren, mit Farbstoff und Emulgator: die Problempizza. Fast so gut wie Rauchen. Wenn man die Konsumenten nur transparent informiert, dann ist das doch ethisch total okay. Mehr verlangt das Gesetz auch gar nicht. Ob Sie das Zeug dann kaufen, und wenn Sie’s gekauft haben, ob Sie das in die Mikrowelle werfen oder in den Müllschlucker, das ist doch allein Ihre Entscheidung. Und daran sehen Sie, dass Sie hier in einem freien Land leben: Sie dürfen alles essen, Sie dürfen nur nicht alles wissen.“