Glückskekse

19 11 2018

„Also er hat jetzt zwei zweimal diese Figur mit dem Hütchen bewegt, und die hatten dieselbe Farbe. Ach, das ist beim Schach immer so? Da können Sie mal sehen, wie gut unsere Prognosen sind. Wir beschäftigen uns nicht mit den Einzelheiten und haben deshalb auch immer irgendwie Recht.

Ich war gleich gegen die Schachmeisterschaft, aber machen Sie das mal Wirtschaftsredakteuren klar. Die haben in der Regel Theologie studiert oder andere Sachen, die man nur beweisen kann, wenn man nicht genau weiß, woran man glaubt, oder wenn sie richtig gut sind, haben sie das Studium zwischendurch geschmissen, haben geheiratet oder sich privat mit dem Strafvollzug beschäftigt, weil sie von den anderen Börsentipps wussten, wie man geldgierige Knalltüten nach Strich und Faden betrügt – und nicht, wann man mit der Scheiße aufhören sollte. Einige wenige haben plötzlich ihre moralischen Anwandlungen, die gehen auch ins Fernsehen, aber die machen dann Homeshopping, auch nicht schlecht, da wird man als Arschloch wenigstens fest bezahlt fürs Lügen, oder sie werden Autor für Glückskekse. Glückskekse gehen immer, und Horoskope kriegen Sie mittlerweile billiger aus dem Archiv.

Ja, wir beobachten inzwischen eine Menge sehr unterschiedlicher Variablen, um unsere Datenbasis zu vergrößern und unsere Leistungen ein bisschen wissenschaftlicher zu machen. Was twittert Trump? Hat Kramp-Karrenbauer öffentlich verkündet, dass die geplante Zwangshomosexualisierung durch die linkfaschistischen Abtreibungsveganer Schuld ist an der Kreuzigung vom lieben Jesulein? Und sammelt die AfD schon Spenden, damit sich Weidel für die Knastdusche Korken reinstecken kann? Früher hätte man das Wetter mit einem Laubfrosch analysiert, aber auf Zufälle kann man sich ja heute einfach nicht mehr verlassen.

Man kann ja auch die Anzahl der islamistischen Attentate als Grundlage nehmen, aber das stößt auf ein geteiltes Echo. Die einen beschweren sich, dass die Erdrotation noch nicht als islamistischer Terror gerechnet wird oder die Geburt vom Säuglingen in Guatemala, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass einer von zehn Millionen eventuell mal zum Islam konvertiert, die anderen finden es nicht okay, dass man die neunundneunzig Prozent der islamistischen Attentate einrechnet, nur weil sie in islamischen Ländern stattfinden. Meistens würfeln wir dann, weil die Ergebnisse genauer sind.

Manchmal kann man die Daten extrapolieren – hat nichts mit dem Raumpflegedienst zu tun, echt nicht – wenn man schon die nötigen Zahlen vorliegen hat. Hier haben wir beispielweise einen Anstieg der Börsenkurse, der führt dazu, dass an der Frankfurter Börse die Kantine mehr frequentiert wird, meistens in der Mittagspause, und dann steigt hinterher der Kaffeekonsum bei Schmittchen, das ist der Laden gegenüber, die bieten nicht so einen Urinersatz in Halbschwarz an, sondern richtigen Kaffee, den brauchen Sie auch, wenn Sie diesen Brechreizbeschleuniger aus der Fressetage in Ihren unschuldigen Magen gejagt haben, und dann holen sie sich auch immer einen Schokoladenkuchen. Als Belohnung. Wir nehmen das als Indikator: wenn der Schokoladenkuchen sich gut verkauft, steigen die Börsenkurse.

Wenn man’s genau betrachtet, ist es natürlich umgekehrt, aber noch haben sich die Volkswirte nicht damit befasst, und Betriebswirten fehlt es am Durchblick.

Fußball ist natürlich auch immer gut, da versteht man die Ergebnisse auch einigermaßen schnell, aber das ist dann auch schon der Nachteil: jeder versteht die Ergebnisse. Außerdem kann man das momentan echt nicht bringen. Bisher war die Sache immer klar, die Bayern gewinnen, also gibt es gute Börsenwerte, der DAX steigt, alles gut, morgen sehen wir weiter. Und jetzt? Das ist alles so kompliziert, das kann man auf die einfachen Sachverhalte nicht mehr anwenden. Gut, immer noch besser als Politik, da ist es auch wieder andersherum, aber das war ja jetzt auch nicht die Frage. Sonst könnte man schon die Entscheidungen der Bundesregierung für die Börse verantwortlich machen, aber das wollen Sie nicht wirklich, ich sage nur: Haftung. Die Merkel hat doch dreizehn Jahre lang vermieden, dass sie irgendwas tut, was sich sofort als politisch verwertbar herausstellen würde. Und wenn Sie sich angucken, was da heute so durchs Kabinett kriecht, das ist ja nicht einmal wirtschaftlich für sein Handeln zur Verantwortung zu ziehen.

Strompreise? das wäre mal eine Überlegung wert, die haben auch meist nichts mit der Wirtschaft zu tun. Und dann die letzten Prognosen für die SPD – die Kleinigkeiten hinter dem Komma machen oft viel aus, man soll sich da nicht täuschen – und die Einschaltquoten für den Tatort. Das ist für das Geschäftsklima immer ganz wichtig, wenn man die richtigen Zahlen parat hat, und wenn man dann gefragt wird, woher man die hat, einfach sagen: wir haben den Leitindex ausgerechnet, oder das waren die Ergebnisse der letzten fünf Quartale hochgerechnet auf die aktuellen Zahlen. Oder irgendwas halt. Aber gucken Sie mal, der hat wieder eine Figur bewegt, und jetzt hat er sie vom Spielfeld genommen. Fragen Sie mich nicht, was das bedeutet, aber irgendwas bedeutet das. Das bedeutet, dass sich da irgendwas bewegt, und jetzt fragen Sie mich nicht, was und wohin. Das erklärt Ihnen heute Abend diese Tante da im Fernsehen. Die versteht das auch nicht, aber vielleicht etwas genauer als wir.“

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Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXL): Die Verduftung der Welt

16 11 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die gelbe Schlonzbeere roch ganz leicht nach Kadaver, um Insekten anzuziehen, die sich in ihren klebrigen Blüten verfingen wie grenzdebile Deppen im Inneren einer rechtsextremistischen Partei. Die Fliege hatte keine Zeit, ihre empirisch gewonnenen Daten an die nächste Generation weiterzugeben, Uga schon. Nach Verzehr der Frucht stellte sich zu heftigem Magengeräusch Schwallhusten ein, den man so schnell nicht vergaß, falls man ihn denn überlebte. Fortan steckte der gute Genosse seinen Riechkolben nur noch in die Kräuter der Wiese und in die kommunikativen Partien der Artgenossen, die mit ihren Schweißdrüsen Smalltalk machten. Ab und zu schwiemelte er der Holden Blümchen ins Haupthaar, doch aus ganz anderen Gründen. Noch hatte der Mensch die Nase nicht voll.

Eines Tages siegte der Lochfraß im limbischen System und der Hominide erfand den objektungebundenen Duftstoff. Vermutlich hatte die Chemie sich mit der Herstellung von Kampfgas und Karzinogenen bis dato unausgelastet gefühlt, so dass sie nun die Vernichtung der Menschheit auf dem psychologischen Weg einschlug, und wahrlich, es ward so. Mit synthetisierten Essenzen, die ein Schwimmbecken zu Erbsensuppe verwandeln konnten und die Alpen in Graubrot, eroberten die Giftmischer die Großhirne der molekülgesteuerten Triebwesen, konditionierten sie auf allerlei modischen Schnickschnack für die Schleimhäute und trieben sie herdenweise in die heillose Abhängigkeit, bis die amorphe Kundenmasse wie gebannt vor dem Regal stand mit dreiunddreißig Spraydosen, weil es in der Postmoderne auf der Bedürfnisanstalt anders nicht mehr stinken darf als in einem Rosengarten auf Speed.

Eine durchschnittliche Plattenbaubutze ohne Atemschutz zu betreten führt zu psychedelischen Effekten. Leichte Herznoten von Bohnerwachs und Linoleum schwappen noch aus der Außenwelt unter dem Zugluftdackel durch, doch schon watet man in knietiefem Vanillepudding. Meeresbrisen schleifen die Netzhäute plan beim Betreten der Nasszelle, in Wohnzimmernähe wummert ein Armageddon aus Lavendel die Gesichtsebene in den Hinterkopf nebst Riesenbabypuder für Rosmarins Nachgeburt. Heimelig kratzt die Kombi aus Kunstwildleder und Pottwalkotze im Rachen, und während das geneigte Schimmelhirn die Kohle für diesen olfaktorischen Vernichtungsfeldzug gegen die Restsynapsen in die Kasse geholt hat, pfifferte im Dreiminutentakt eine elektronische Aerosolkanone eine Jasminoffensive ins umgebende Gasgemisch, die im abgestandenen Zustand riecht wie getoastete Bonbons nach der Exhumierung. Willkommen zur Stunksitzung.

Das Ergebnis ist der komplette Kontrollverlust, das Gift macht inzwischen die Dosis. Die zivilisierte Welt oder das, was wir noch dafür halten, riecht bei orkanartiger Gegenwindstärke nach Sandelholz mit Erdbeeren, als habe sich das die Evolution persönlich aus den Rippen geleiert, und spricht jeder natürlichen Aromenverteilung Hohn. Was Limettenschale und Koriander an der Haarwurzel zu suchen haben und gemähtes Gras am Küchenboden, weiß der Marketingexperte des Tensidkonzerns, und er behält es zur Vorsicht auch für sich. Bald riechen die Autos von innen nach Kuheuter, aber halt – jede Rostlaube wird im Wert längst verdoppelt von einer Überpopulation an Duftbäumen, die das Wagendach nach vorne unten zieht. Tanne-Topinambur oder die Apfelapokalypse treten an gegen ein manisches Melonenmassaker, um des Lenkers Reflexe zu zerstören. Warum diese Verkleisterung des zentralen Nervensystems nicht mit mobiler Ozonzwangsversorgung seitens der UNO gekontert wird, ist geradezu ruchlos.

Die meisten Isoprenoide vertreiben Kleintiere, vermutlich beschießt der Bescheuerte seine eigene Bude grenzwertflexibel mit Geraniol, Limonen und Citral, um die Wirkung schon mal an sich selbst zu testen. Dass das Zeug lustige Allergien auslöst, weil es bis tief in die Lungenäste kriecht und über die welke Oberfläche inkorporiert wird, das weiß der Kunde, aber zum Zelten auf dem intellektuellen Standstreifen hat er noch eben schnell eine Schütte Duftkerzen organisiert, um den Schmodder über die steigende Reizschwelle des Aromatenjunkies zu hieven. Lieblich knallt Benzol an die Schädeldecke, diesmal von innen, und grüßt im Vorbeifluss die anderen Lösungsmittel auf dem Weg zur Leber. Wozu der Behämmerte noch raucht, erschließt sich nicht mehr wirklich. Mit verstörender Intensität imprägniert der Mix aus Chanel Nummer 50.000 und dem Zimttodesstern alle Klamotten, die gute Kinderarbeitsware aus Bangladesch macht in der U-Bahn Fruchtfliegen aus Fernost nervös, und ein leichter Film aus Paraffin und Aloe vera legt sich tückisch-sanft auf die Tapeten. Irgendwann in einer stürmischen Nacht wird irgendein Nachbewohner Stimmen aus dem Inneren der Dielenbretter hören, die ihm befehlen, Bielefeld zu zerstören und in seine Heimatgalaxie zurückzufliegen. So wird’s geschehen, denn wir wissen seit dem Pleistozän: Chemie ist gefährlich, aber Zugluft tötet.





Problempizza

25 10 2018

„Das rote Dreieck ist jetzt für mehr Zucker, aber biologisch-dynamisch. Grün wäre weniger Salz, oder war’s Fett? Wir kommen hier ständig mit den Beschlussvorlagen durcheinander, das reinste Chaos. Wir gut, dass das auf freiwilliger Basis ist.

Darauf legen wir großen Wert. Wir sind ja nicht in der DDR, wo der Staat den Betrieben einfach so sagen konnte, wie die Produktion laufen soll. Wir sind hier in der sozialen Marktwirtschaft und in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, das heißt, die einen kümmern sich um den Markt, die anderen um die Wirtschaft, und der Staat ist dann fürs Soziale zuständig. Alles andere ist Sozialismus, außerdem wäre das auch nicht transparent.

Das ist nämlich das zweite Standbein, wir setzen konsequent auf Transparenz. Mit der Freiwilligkeit zusammen bedeutet das, jeder kann sofort sehen, aha, der macht freiwillig mit. Und die Freiwilligkeit der Transparenz ist natürlich nur so freiwillig und so transparent, wie das die Konzerne wollen, weil das ja der Markt regelt und nicht der Staat. Jetzt schauen Sie nicht so, das ist Demokratie. Da müssen Sie dann halt noch ein bisschen dazulernen. Also wenn jetzt der Konzern A hier eine gelbe Raute auf die Brötchen pappt, weil da Sachen drin sind, die Sie nicht essen würden, wenn Sie’s wüssten – also die Brötchen würden Sie auch nicht essen, wenn Sie wüssten, dass ist in den Brötchen drin – dann heißt das, die gehen als gutes Vorbild voran und werben offensiv für eine gute Kundenbindung, denn Sie als Verbraucher wissen ja wohl auch, Brötchen ohne den Kram müssen Sie schon selbst backen, wenn Sie keinen Bäcker mehr ums Eck haben. Es gibt keine anderen.

Die Ministerin hat außerdem gesagt, dass die Produkte den Verbrauchern weiter schmecken müssen. Immerhin, sonst hätten wir jetzt fettfreie Wurst, die beim Kauen quietscht. Oder glutenfreie Bonbons. Das hat sicher auch mit einer gewissen Traditionstreue zu tun. Die Ministerin steht in der Tradition, dass die Konzerne tun können, was sie wollen, und die Konsumenten kennen den Mist halt nicht anders. Da schrumpft das Schnitzel in der Pfanne und die Konservierungsstoffe sind aus den besten Zutaten. Wenn Sie das Gegenteil wollen, müssen Sie eine Ministerin von den Grünen nehmen. Die versteht etwas von Verbraucherschutz, die Wurst ist gesund und schmeckt trotzdem nicht.

Aber das ist ja auch ganz gut so. Jetzt stellen Sie sich bloß mal vor, Sie würden weiterhin nicht genau wissen, ist in meinen Salzbrezeln eventuell zu viel Zucker? enthält die Marmelade Fett? Das würde die Kundenbindung empfindlich stören, und am Ende kauft keiner mehr Marmelade. Oder nur noch Bio, und davon kann so eine Volkswirtschaft auf Dauer nicht überleben. Gut, eine Volkswirtschaft schon, aber keine Ministerin. Zumindest nicht diese.

Sie müssen ja auch berücksichtigen, dass die Verbraucher manchmal auch bewusst die Produkte kaufen, die eigentlich gar nicht so gut sind für sie. Da können Sie jetzt ein Transparenzgesetz machen, da steht auf der Butter drauf: enthält Fett, zack! die Milchbauern ziehen vor den Reichstag, kennen Sie. Oder wir setzen ganz auf Freiwilligkeit, dann macht’s am Ende wieder keiner. Dann doch lieber beides kombinieren, aber als vollkommen unlesbare Zeichen auf die Rückseite aufbringen, damit ist dann dem Gesetz Genüge getan, aber der Bürger freut sich auch, weil er’s halt nicht lesen muss. Lesen Sie etwa das Kleingedruckte unter Ihrer Lebensversicherung?

Was wäre denn für Sie die Alternative? Klar, alles verbieten! Steuern auf Zucker und Fett, aber dann haben Sie gleich wieder die ganze Soziallobby gegen sich, weil sich ein Drittel der Bevölkerung von Obst und Gemüse nicht ernähren kann, weil das Geld nicht reicht. Außerdem haben Sie die Opposition auf dem Plan, weil der Staat noch mehr Geld einnimmt, das er ja garantiert verschwendet. Alles Konfliktpotenzial. Damit kann man doch die Ministerin nicht allein lassen, die versteht doch jetzt schon kaum noch, worum es hier geht. Also mit Verboten kommen Sie hier nicht weiter, weder bei den Kunden noch bei der Industrie. Sie müssen da konsequent auf Nichteinmischung setzen. Die Kunden sollen sich intensiv mit den Angaben der Industrie auseinandersetzen, und die Industrie, für die findet sich dann auch irgendwann mal eine gemeinsame Lösung.

Für die ganz spitze Zielgruppe könnte man ja sogar eine Produktlinie schaffen, die freiwillig die Transparenz mit gnadenlos ehrlicher Information über das Produkt verbindet. Zu viel Zucker, zu viel Fett, Salz, künstliche Aromen, Stabilisatoren, mit Farbstoff und Emulgator: die Problempizza. Fast so gut wie Rauchen. Wenn man die Konsumenten nur transparent informiert, dann ist das doch ethisch total okay. Mehr verlangt das Gesetz auch gar nicht. Ob Sie das Zeug dann kaufen, und wenn Sie’s gekauft haben, ob Sie das in die Mikrowelle werfen oder in den Müllschlucker, das ist doch allein Ihre Entscheidung. Und daran sehen Sie, dass Sie hier in einem freien Land leben: Sie dürfen alles essen, Sie dürfen nur nicht alles wissen.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXXIV): Die Bio-Lüge

5 10 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es gibt viele Distinktionsmerkmale, wenn sich der Hominide als Teil der besseren Gesellschaft zu erkennen geben will, auch und gerade da, wo er größten Wert darauf legt, dass nur Distinguierte einander erkennen am Augurenlächeln. Im Tier-Mensch-Übergangsfeld kam allmählich Schmuck als reine Sinnlosigkeit auf, wenigstens da, wo keine tierischen Artefakte von Mut und Geschicklichkeit zeugten, sondern sich die Primaten allerlei Tinnef aus Biomasse um den Hals legten. Und so ist es auch in der Jetztzeit, während höchst kultivierte Forst- und Studienräte mit ihren Zivilpanzern auf dem Discounterparkplatz den Gegenwert eines Kohlekraftwerks in die Atmosphäre rülpsen, landet im Kofferraum der gute Ökospargel, tiefgefroren und mit gutem Andenquellwasser befeuchtet, denn was wäre Weihnachten ohne ein bisschen Luxus?

Der moralisch erwachte Körnerfresser ist in der oberen Liga angekommen, und wer es kann, zeigt es auch. Natürlich gehört zur Klientel reststofffrei abbaubarer Neoliberaler der pestizidfreie Typ mit dem Ich-bremse-auch-für-Tiere-Sticker am Toches der Gemächtprothese. Ihre Gesprächsthemen sind zu drei Vierteln aus naturbelassenem Quark, gut garniert mit der Botschaft, dass sie selbstredend die Pinkeltaste auf dem Zweitklo im Landhaus – sehr verkehrsgünstig an der Ausfallstraße gelegen, mit Doppelgarage, keine fünfzig Kilometer vom Büro entfernt – mit repressionfrei geklöppelten Bömmeln schmücken, falls Gäste einen Liter Trinkwasser in die Kanalisation jagen wollen, ohne sich in Blut und Boden zu schämen. Das verfolgt sie bis tief in den Schlaf, noch neulich am Pool in der DomRep, natürlich Flug mit dem Billighuber, aber der Niedriglohnsektor will ja auch unterstützt werden, da haben sie sich gegenseitig in die Sprachlosigkeit philosophiert, warum man zu Hause nicht auch mal so bedürfnislos leben könne wie in der malerischen Armut der Kuffnucken, die einem für Euromünzen die veganen Plastesandalen säubern.

Natürlich geht der ökologische Besserwisser strikt gegen die Renegaten im engeren Umfeld vor. Wer noch immer keinen fair gehandelten Kaffee in die verbrauchsmateriallose Brühmaschine für den Gegenwert einer Solarstromanlage stopft, ist ein Nazi und wird auch dementsprechend behandelt, nebst Demonstration vor dessen Etagenwohnung und Sprechchören auf dem Elternabend. Seit Jahren hält sich das Gerücht, der Ex-Nachbar solle auf dem Balkon beim Verzehr einer Avocado beobachtet worden sein, was unter liberalen Weltverbesserern ungefähr so gut ankommt wie das Bekenntnis zur Kinderarbeit als betriebswirtschaftlich erstrangigem Controllingfaktor.

Aber das Bapperl, das man auf Gurken popelt, ist sein Fetisch, nur dann ist alles gut. Bio-Gemüse aus dem Flugbetrieb schwiemelt sich der Schnösel vergnügt hinters Zäpfchen, während konventionell angebaute Feldfrüchte nach EU-Standard ihm nicht auf den Teller kommen, weil vom Satan selbst mit saurem Regen gebenedeit. Die Ichlinge propagieren bei Fleischkonsum – so er nicht als Fortsetzung des Völkermordes mit anderen Mitteln vom Tisch ist – unumwunden für eine angeblich existierende Öko-Zucht und Schlachtung, als ob man Kälbchen zu Tode streichelt, die aber denselben Fußabdruck in die eine Erde stampft wie der Hühnergulag um die Ecke, der nicht minder abhängig ist vom Import billiger Fresschen, um die Preisspanne nicht an Überstreckung krepieren zu lassen. Der ökologisch behauchte Hobbykoch, der sich einmal im Monat zwei Hühnerbeine leistet und dazu ein komplettes Tier vom Bauern abholt, auf dem Liegerad oder per Gleitschirm, hat sich im Märchen verlaufen und ist mit dem Kopf am Zaun hängen geblieben.

Es gäbe so viel spaßige Gelegenheiten, den Moralaposteln alles madig zu machen, Schokolade, Schnittblumen, Gewürze, Baumwolltextilien. Sie schmarotzen sich durchs Leben auf den Schultern von Giganten, und bis hier hat kein Zündschlüssel den Weg in die Körperöffnung ihres Zwölfzylinders gefunden, der als Statussymbol unter ihnen die Autobahn bis Wladiwostok entlang fräst. Wie sich der neoliberale Korpsgeist als soziales Engagement verkleidet, weil er weiterhin billiges Fertigfutter fürs Prekariat fordert, nutzt er die sorgsam in PVC eingesargte Bio-Gurke – der Keim lauert überall – als Knüppel aus dem Sack gegen alle die, die ihm seine Führerschaft im öffentlichen Diskurs streitig machen wollen, als zählte Vernunft noch etwas.

Dabei könnte sie helfen. Kapselkaffeeapparate mit grotesk hohen Steuern zu belegen wäre eins, aber jeden dieser Aluminiummessies sofort nach Erwerb der Müllmaschinen beim Verlassen eines Elektrosupermarktes mit gemischten Sprechchören zu empfangen, ihm das Ding zu entreißen und es ad hoc im Rinnstein zu zerkloppen, das wäre eine machbare Lösung, die dem moralischen Impetus der Berufsbetroffenen in nichts nachstünde. Sie werden sich zu wehren wissen. Ihre Anwälte sind gut, denn sie arbeiten zufällig für die Industrie der Grünwäscher. Man könnte ja wählen, aber am Ende erwischt man einen Kandidaten, der auf dem Balkon sitzt und Avocados isst.





Zur Strecke gebracht

4 10 2018

„Das ist noch gar nicht entschieden, ob wir den Frühbucherrabatt abschaffen. Überlegen Sie mal betriebswirtschaftlich, wenn wir jetzt alle ICE-Strecken teilstilllegen – ich liebe dieses Wort, das müssen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen – dann kommen Sie als Fahrgast ohne zeitige Buchung niemals zum Zuge – köstliches Wortspiel, finden Sie nicht auch? Also ich liebe meinen Job, wirklich. Die Deutsche Bahn AG, das hat was!

Die neue Generation der Klimaanlagen ist noch gar nicht raus, und schon beschweren sich wieder alle. Wir haben im Sommer zuverlässig versagt, das lag aber nicht nur am Sommer, das lag an der alten Generation der Klimaanlagen, und jetzt haben wir bald Winter, das heißt richtig tiefe Temperaturen, durchgängig unter zehn Grad, da drehen alle die Heizung auf, und was soll ich Ihnen sagen? Es funktioniert! Hören Sie auf, Sie wollen doch gar keinen Zug mit Heizung, das ist doch nicht das Lebensgefühl von Deutschen, die einfach mal mit dem Zug zur Arbeit fahren oder auf Geschäftsreise sind oder sich den ersten Urlaubstag gründlich versauen wollen. Sie wollen den proppevollen Zug mit umgekehrter Wagenreihung und total verpatzter Reservierung, auf dem Sie von einem uniformierten Arschloch angepöbelt werden, weil er zu blöde ist, einen Fahrplan zu lesen. Wenn Sie Service haben wollen, dann fliegen Sie doch, oder?

Zeigen Sie mal her. Fulda? Ja, da kommt man vorerst noch hin, aber ich frage Sie: warum? Ist es denn woanders nicht auch schön? Mallorca? die Wüste Gobi? Was wollen Sie ausgerechnet in Fulda? Putzen Sie beim Weihbischof die Fenster? Überdenken Sie gefälligst mal Ihr Reiseverhalten, wir machen das doch hier nicht zum Spaß! Sie wollen von Frankfurt nach Offenbach, das ist ja schon an der Grenze zur Unzurechnungsfähigkeit, was nerven Sie da unseren Kundenservice mit den Abfahrtszeiten? Können Sie sich etwa keinen Hubschrauber leisten?

Auf jeden Fall wird jetzt erst mal Zugfahren teurer. Ja, was haben denn Sie gedacht? Rücklagen? wir müssen doch Boni bezahlen für den Vorstand, in Stuttgart ist so ein Loch, wo wir auch regelmäßig ein paar Milliarden reinkippen, der Rest geht an Pofalla, damit der seine dumme Fresse hält – da kommt ganz schön was zusammen! Aber trösten Sie sich, dafür kriegen Sie auch was. Zugfahren wird nicht nur teurer, Sie sitzen jetzt einfach länger im Zug drin. Lokführer gibt’s auch kaum noch, das heißt, mit etwas Glück genießen Sie Ihr Leben bald nur noch in vollen Zügen – witzig, oder? also ich finde den klasse! Erste Klasse, hahaha! Da wird das Bahnfahren wieder zum sozialen Erlebnis, das ist die Zukunft. Also wenn man sich den Zustand des restlichen deutschen Schienennetzes anschaut, dann ist das sogar ziemlich sicher die Zukunft für die kommenden paar Generationen.

Bitte jetzt keine internationalen Vergleiche, das verdirbt uns nur die Preise. Die Schlitzaugen könnten ihren Schienenverkehr nie so ablaufen lassen ohne eine zentralistische Aufsicht? Das mag durchaus richtig sein, vor allem in Hinblick auf den Aufsichtsrat. Also unseren. Aber Sie müssen auch zugeben, dass die mit unfairen Mitteln kämpfen – die planen während der Arbeitszeit! So könnten wir das natürlich auch, aber dann hätten wir ja kein Geld mehr für die nächsten Großbaustellen!

Deutsche Bahn, das ist ein Qualitätsprodukt, und dafür bringen wir Sie zur Strecke! Also im übertragenen Sinne, das heißt, wir zeigen Ihnen gerne unser gesamtes Netz, und wenn Sie Glück haben, entdecken Sie dabei noch Ihre Heimat ganz neu. Wenn Sie beispielsweise in den Münchener Hauptbahnhof einsteigen – ich liebe diese Stelle! –wenn Sie da so einsteigen, und der ICE sollte eigentlich nach Mannheim fahren, dann kann man wegen eines technischen Defektes schon mal in Ulm, also in Ulm, um Ulm… ja, ich kann’s mir auch schenken, da haben Sie recht. Also wenn dann in Ulm der komplette Zug ausgewechselt werden muss, dann fahren Sie bis Stuttgart, aber dafür stehen Sie erst mal in Ulm. Der Zug steht, ja, aber Sie stehen auch im Zug, weil es Sitzplätze ja nicht mehr gibt, die waren schon alle reserviert. Also doppelt Stehen zum alten Preis, und dann auch noch in zwei Zügen, und wenn Sie zurückfahren, haben Sie nicht nur zwei Stunden Verspätung, der Zug endet auch in Augsburg, weil der Lokführer nicht mehr weiterfahren darf wegen der Arbeitszeiten. Wir haben nicht nur zu wenig Wagen, wir haben für Sie auch zu wenig Lokführer – mehr Doppelpack geht doch nun echt nicht, oder? Oder!?

Ob ich das gut finde? Wissen Sie, ich mache hier auch nur meinen Job. Irgendwann muss man das ja mal sanieren, und besser spät als nie, weil, wenn wir es nie sanieren, dann können wir auch keine Züge mehr fahren lassen. Das sehen Sie doch ein? Und dass man in einem Unternehmen, das komplett auf Verschleiß fährt, keine Rückstellungen einplant, weil man sich ja aus dem Bundeshaushalt bedienen kann, das müsste Ihnen doch auch gelegen kommen, oder wollen Sie etwa noch mehr für die Bahnfahrt bezahlen? Ich habe hier einen netten Job in der Zentrale, ein eigenes Büro, eine Art privaten Beamtenstatus, kleines Häuschen im Vorort, so gut wie abbezahlt, kleine Familie, dreißig Tage Urlaub, angenehmer Arbeitsweg, eigener Stellplatz in der Tiefgarage – wieso soll ich mit der Bahn fahren, nur weil’s kostenlos ist? Bin ich denn bescheuert!?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXIX): Das Backwarenangebot

31 08 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wer auch immer das Zeugs aus zermanschtem Korn, Wasser und mehr oder weniger wirksamem Triebmittel entdeckt hat – bis heute gibt es noch einige Gesellschaften, wo die Knifte, wahlweise mit Margarine und einfachem Belag für Schule, Betrieb und anderen Tagesaktivitäten – Politik, rechte Hetze, möglicherweise auch beides, aber Hirnzellen verbraucht ja nichts davon – das Geschehen dominiert. Ernährungsphysiologischer Wahn wird je nach Jahrzehnt in die Brotbox geschwiemelt, das Salatblatt, das den Käse zu Schmadder schmoddert, die Kresse, die das kindliche Gemüt verstört, ganz am Ende die geradezu barbarische Erdbeere, die nur mit dem Erzfeind Zucker eine unheilige Allianz in die Physiologie schmuggelt. Dass unbescholtene Familien sich das antun, ist schwer verständlich, aber was erwartet man nun mal von den Überresten einer zielorientierten Herde, die sich beim Essen in die Haare kriegt, weil sie sonst keine Sorgen hat. Die Menschheit ist aus Stressfaktoren erzeugt und braucht jenen Mutterlaut, um sich zu nähren. Das Bäckerhandwerk hilft da gerne mit einer Auswahl, die alles anspricht, aber nicht die Vernunft.

Morgens in der Schlange, die Schildchen liegen in der erleuchteten Theke; offenbar wurde ein mental überforderter Texter nachts durch den Laden geschleift, der die Klumpoiden des jüngsten Produktionsdurchlaufs nach Hässlichkeit und Zielgruppe sortieren und für die Statistik mit verbalem Sperrmüll behängen sollte. In der gesitteten Zone toben sich die Fachkräfte noch am Dinkelkrüstchen aus, das auch den Mainstream der transnationalen Backshops erreicht hat. Hier gibt es keinerlei Raum für Experimente, allein die Verkaufszahl ist Herr über Leben und Tod, allenfalls der blutige Endkampf um Berliner, Krapfen und Pfannkuchen hinterlässt noch Spuren von Emotion auf den Schreibtischen der Controller, die sonst von Industrieware verkrümelt auch auf dem Mond stehen könnten, da sie der Wirklichkeit nicht bedürften. In der wirklich freien Wirtschaft aber, wo noch stirbt, wer nicht wirbt – wer aber wirbt, wie er sich in Schnaps- und Fieberträumen Werbung darstellt, begeht oft Suizid aus Angst vor dem Ableben – greifen die Mehlmützen längst zu ganz anderen Maßnahmen. Es wird zurückgebacken und benamst, bis der Arzt wieder geht.

Das gesunde Graubrot kann derzeit nicht als Weltmeister in den Verkauf gehen, Papst ist auch aus, aber hey: Deutschland geht immer. Schnell noch ein Zwei- bis Mehrkorn durch die Backstube geschlenzt, schon haben die Glyx- und Sommer-, die Krustenfaschisten und andere Kauboys das Nachsehen. Hossa, die Unterscheidbarkeit der aus Sauerteig gekloppten Rohlinge ist dem Backwahn erlegen! Die Laibesübungen fördern Pönnemanns Goldstücke, Zippelweggerla, Knörzelbömmel und Schlemmerschrippe zutage, jedes auch mit Papst denkbar, saisonal als Sommersemmel oder Winterweck im Angebot, ab August gerne im frühweihnachtlichen Design neben Stollenstulle und Laberlebkuchen. Was sich da an Drei- und Grobkorn kombinieren ließe, nicht auszudenken. Leider wird es ausgedacht, täglich praktiziert und auf dem geschundenen Rücken der Konsumenten ausgebacken. Ohne Gnade.

Je nach Bekenntnis zur Schmerzgrenze tobt die Fitness durch den Mehlsack, dem Joggingsemmel und Radlers Rundstück entkrauchen wie Geziefer auf zu viel Beinen, das auf der Torte kopuliert, so widerwärtig anzusehen, dass man einfach nicht weggucken kann, Roggenschlümpfe des Grauens, die kommende Generationen aus zertrümmerten Warenlagern archäologisch freipinseln werden, denn wir hatte ja nichts – wir mussten den Low-Carb-Glutenfrei-Toast ohne künstliche Zusatzstoffe noch in einem Kuhstall haarscharf hinter Bad Gnirbtzschen holen, die Industrie hatte nur Vollkorn im Angebot, und das klang irgendwie zu gesund und arm, aber nicht sexy.

Warum nicht mal BER-Bollen, bleibt flach auf dem Teller und hebt niemals ab, da nicht ganz fertig gebacken, oder Stuttgarter Stulle aus ordentlich Gips und unterirdisch gut, saftig wie ein Wasserwerfer? Warum nicht Chemnitzer Prügel, von deutscher Heißluft gebläht, der nationale Snack in anheimelndem Braun, dass die Vorderzähne krachen? Es gäbe so viel zu versuchen, Hartz-Hippen zum Sonderpreis, Kapitalistenknackerli für den Bänker mit Feile drin, das CSU-Schrumpfbrot mit minus zehn Prozent Volumen, die Kfz-Knödel fürs Handschuhfach, der vorverweste Teigling, der in der Brotdose nur sechs Wochen Sommerferien braucht, um in die Wiederauferstehung zu stolpern – nicht mit dem Papstkrusti verwechseln, das ist gründlich tot und schmeckt auch so – und das aus Kimme und Korn gefaltete Objekt, wo so in der Auslage liegen tut, bis der gewaltig genervte Kunde mit dem Zeigefinger seine Bestellung artikuliert und die Fachverkäuferin instruiert: „Eins von denen da.“ Wozu also der ganze Zinnober.





Fluchtbringende Gesellschaft

27 08 2018

„Wenn Sie mich fragen, ’ne Bombenidee, das. Asylbewerber ohne jede Sprachkenntnis sofort in die Pflege schicken und in die Kinderbetreuung. Da zeigt sich das ganze politische Talent der Dame: von der Realität keinen blassen Schimmer, und dann da eingesetzt, wo sie den größten Schaden anrichten.

Nee, im Grund hat sie ja recht, die Krampf-Dingenskirchen. Diese bösen Migranten, die nur übers Mittelmeer zu uns kommen, weil sie hier in der sozialen Hängematte abchillen wollen, so lange wie möglich aus dem Arbeitsmarkt raushalten, bis wir sie endlich wieder abschieben können, und dann eine Dienstpflicht für sie erfinden. Das hilft ungemein, ich finde diese Idee geradezu epochal. Denen geht’s ja jetzt wie deutschen Arbeitslosen, wenn die ein paar Jahre nicht in ihrem Beruf waren, dann gilt ihre Qualifikation einfach nichts mehr, und dann verheizt die Industrie die Leute endlich zum Mindestlohn. Da finden sich die Zuwanderer gleich auf derselben Stufe wieder wie die anderen Leute hier. Gute Sache, so entsteht bei den Asylis wenigstens kein Sozialneid, weil ihre Abschlüsse hier grundsätzlich für die Tonne sind.

Eine tolle Idee von der Klumpen-Karrendings ist ja, dass diese Zwangsarbeit die Akzeptanz der Biodeutschen erhöhen soll. Da geht man ohne Böses im Sinn zu seinem Sachbearbeiter, will einen Ein-Euro-Job, und der sagt: ist gerade aus, die macht jetzt der Flüchtling. Sie müssen leider weiter ausschlafen. Da soll doch noch einer sagen, die CDU kennt ihre Wähler nicht! Also ich finde das sehr gut, weil man sich da auch gleichzeitig ein Hintertürchen offen hält, wenn man die Asylheinis in die Bundeswehr verpflichten könnte. Ja, das ist jetzt vollkommen verfassungswidrig, aber das ist der Scheiß mit dem Pflichtjahr zur Integration auch schon. Und kommen Sie mir nicht mit Grundgesetz und der CDU. Das sind zwei unterschiedliche Galaxien, und im Wahlkampf mutiert eine von beiden zum Schwarzen Loch.

Wenn man das jetzt mit dem Grundgesetz kontern wollte, dann müsste man natürlich erst mal jedem auf gerichtlichem Wege die Freiheit entziehen – das würde man der Partei ohne Weiteres zutrauen – oder alle zwecks einer allgemeinen Dienstverpflichtung vorher zu deutschen Bürgern machen. Das dann ja eher nicht. Aber man muss ja vorher wissen, wie man sich hinterher rausredet, sonst kann man vorher nicht so viel Müll erzählen.

Im Grunde genommen ist die Idee ja erst mal nicht ganz schlecht. Wir haben hier in Deutschland diesen beschissenen Hauptstadtflughafen nicht auf die Kette gekriegt, diesen dämlichen Tiefbahnhof erst recht nicht, da können wir doch die Ayler in die Grube schicken? Erst mal in die Baugrube, klar, aber wenn die sich da nicht bewähren, dann ist der Arbeitsvertrag eben befristet, und dann sind die auch ganz schnell wieder weg. Erinnern Sie mich mal, dass wir das mit den befristeten Verträgen auch bei den deutschen Fachkräften ausprobieren, wenn wir mit den Migranten durch sind. Das scheint mir ein ganz lohnenswertes Modell zu sein. Nicht unbedingt gut für eine integrierte Gesellschaft, aber man kann ja nicht alles haben.

Man könnte die ja auch alle zwangsweise ausbilden. Das könnte man mit den deutschen Schulabgängern natürlich auch versuchen, aber da sind die Chancen etwas geringer, und wenn das Erfolg haben sollte – also bei den Asylanskis – dann müsste man sich ja wieder verteidigen, dass die den Deutschen nicht nur die Jobs wegnehmen, sondern sogar schon die Ausbildungsplätze streitig machen. Das können Sie als Grüner irgendwo im Ortsverein vorschlagen, wenn alle schon ein paar Biobierchen in der Birne haben, aber in der Union und dann auch noch als Frau? Vergessen Sie’s.

Und was die Sprachkenntnisse angeht, die sollen sich hier ja integrieren. Von Wohlfühlen hat keiner etwas gesagt, sonst hätte ja auch jeder Deutsche seinen Traumjob. Die können ja gerne auch im Park fegen, aber das ist wahrscheinlich zu gefährlich, vor allem im Osten. Wenn man da vor Einbruch der Dunkelheit unterwegs ist, ist für man für die noch halbwegs nüchternen Einwohner mit deutschem Pass und arischen Vorfahren viel zu leicht als Zugewanderter erkennbar. Die prügeln ja inzwischen auch auf Polizisten ein. Also wenn die im Osten gerade mal Uniform tragen.

Wie gesagt, grundsätzlich ist die Idee ja gut. Jetzt müssen wir nur noch sehen, dass wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen, damit wir dieses Arbeitskräftepotenzial auch richtig ausnutzen, bevor sich herumspricht, dass es in Deutschland für jeden einen Job gibt, der es bis über die Grenze geschafft hat. Dann holen wir die SPD ins Boot, die darf sich für dieses Modell einen Sanktionskatalog ausdenken, wenn einer der Leute in der Dienstverpflichtungszeit seiner Arbeit nicht integrationsfördernd nachkommt, am Anfang zehn, dann dreißig, dann hundert Prozent weniger, und dann macht bestimmt auch die CSU mit, wenn wir ihnen irgendeinen Schmarrn erlauben, dass sie in ihren Internierungsheimen noch eine Arbeitsecke einbauen dürfen. Da sehen Sie es, man muss nur positiv denken, dann kriegt man alles in den Griff. Selbst die Flüchtlinge.“