Organisatorisches Problem

15 09 2020

„… nach der krisenhaften Entwicklung eine neue Definition von Mobilität erfinden müsse. Damit sei die deutsche Autoindustrie jedoch überfordert, da sie ihre Innovationen in den letzten Jahren selten im Dienste der Kunden, sondern eher als verlängertes Sprachrohr der…“

„… sich nicht interessiert gezeigt habe. Merkel sei strikt dagegen, neuerliche Finanzspritzen in die börsennotierten…“

„… unter hohem Veränderungsdruck stehe. Als Wechsel des technologischen Paradigmas unter Beibehaltung der Innovationsvorsprünge schlage Söder vor, die Industrie komplett auf den Bau von E-Scootern und…“

„… sei das Argument, die Autoindustrie habe verkehrstechnisch und betriebswirtschaftlich die wesentlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte versäumt oder sogar konterkariert, nicht stichhaltig, wenn gleichzeitig sowohl die Lufthansa und zahlreiche Kreuzfahrtreedereien enorme…“

„… habe die bisher bevorzugte Lösung, einige Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen an die Automobilindustrie auszuschütten, nur Altmaier überzeugt. Es müsse aber gesichert sein, dass Boni weiterhin in voller Höhe ausgezahlt würden, wenn der Wirtschaftsminister nach den Wahlen nicht mehr als Mitglied der…“

„… Arbeitsplätze erhalten müsse. Laschet habe dem bayerischen Ministerpräsidenten energisch widersprochen, der den Bau von Flugtaxis nur im Freistaat statt an bisherigen Standorten in…“

„… dürfe man die Forderung des jetzigen Bundesverkehrsministers, bis 2020 alle Verbrenner gesetzlich zu verbieten, nicht ernst nehmen. Scheuer habe damals unter der Knute führender linksextremistischer Terroristen wie Stoiber und…“

„… Arbeitsplätze in der Branche der Zulieferer verteidigen müsse. Die SPD mache sich für die Arbeiter stark, die bisher als das Rückgrat der deutschen Leitkultur die Fabriken am Leben erhalten habe und fordere den nationalen Umbau der Fahrzeugindustrie in eine Struktur von Kleinmanufakturen, die im Niedriglohnsektor die Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne an der Börse und an den großen internationalen Märkten der…“

„… die Kanzlerin erneut verlauten lasse, dass sie den Einzelinteressen der Bundesländer keine Arbeitszeit widme. Sie habe Besseres zu tun, als sich mit diesen…“

„… fördere insbesondere die Verbrennertechnik den Ausstoß klimafeindlicher Gase, ohne die der Aufbau neuer Arbeitsplätze in der Umweltindustrie niemals so nachhaltig und…“

„… sehe die Bundesagentur für Arbeit ein organisatorisches Problem, da in der Autoindustrie der von der Sozialdemokratie zitierte Arbeiter so gut wie nicht mehr existiere. Davon abgesehen sei es jedoch nicht weiter schwer, die Angestellten auf ein Lohnniveau unterhalb von ALG II zu…“

„… auch die FDP überzeugt habe, dass durch einen teilstaatlichen Beteiligungsfonds die meisten Automobilhersteller zu retten seien. Lindner stelle lediglich die Bedingung, dass dieser ausschließlich durch die pauschale Kürzung aller Sozialleistungen finanziert werde, da es ungerecht sei, wenn sich die Aktionäre durch ihre eigenen Abgaben am…“

„… dass der SPD-Vorschlag durchaus nicht abwegig sei. Allerdings wolle die EU zuvor durch ein Gutachten prüfen lassen, ob Deutschland eine Rolle als Billiglohnland nach dem Brexit noch…“

„… führe eine einseitige Förderung von Elektromobilität zur einer Vollbremsung kurz vor der Wand. Scheuer halte dies für nicht vereinbar mit seiner sonstigen Arbeit als Minister, CSU-Mitglied und Autofahrer und werde auch weiterhin die…“

„… als weiteren Vorschlag die Umstellung auf Batterieforschung und Akkubau eingebracht habe. Die SPD wolle vorab noch klären, ob die deutsche Wirtschaft dies im weltweiten Maßstab überhaupt leisten könne, sehe aber ansonsten keine Probleme mit den technischen…“

„… die Autobranche markenunabhängig eine kostenfreie Nachrüstung aller Benziner anbiete, mit der die Fahrzeuge keinerlei Emissionen mehr hätten. Dies beziehe sich zunächst auf die Anzeige auf dem Armaturenbrett, funktioniere nur im Labor und müsse von der Bundesregierung mit einer Einbaupauschale von jeweils…“

„… habe die massive Subventionierung von E-Autos zum Kauf von 90% Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor geführt. Scheuer wolle deshalb nun die Verbrenner mit einer Prämie unterstützen, da sich daraus logischerweise die Förderung von Hybrid- und Wasserstoffantrieb ergebe, die letztlich als gewünschtes…“

„… autonomes Fahren für einen Schlüssel zur Vollbeschäftigung halte. Altmaier wolle zu jedem Neufahrzeug einen Arbeitslosen ausliefern, der dem Halter als sozialversicherungspflichtig beschäftigter Lenker seinen neuen…“

„… müsse der Mentalitätswechsel auch von den Kunden eingeleitet werden, die noch immer zu viele zu schwere und zu schnelle Fahrzeuge kaufen würden. Die Ansage der Bündnisgrünen sei jedoch von Gauland vollständig abgelehnt worden, der darin die Legitimation für die Umvolkung des…“

„… ein Zusammenwachsen von Auto- und IT-Industrie fördern wolle. Wenn die Hersteller künftig die ganze technische Infrastruktur für eine mobile Vorratsdatenspeicherung entwickeln würden, werde Scholz im kommenden Jahr auch über eine Prämie für Verbrennungsmotoren und weitere…“





Industrieller Maßstab

9 09 2020

„Und wenn wir die Preise anpassen?“ „In welche Richtung, darauf kommt es doch an.“ „Dann würde auch die Qualität steigen.“ „Es geht schließlich um unsere Zukunft.“ „Dann werden die Preise wohl steigen.“ „Das wäre vernünftig.“ „Dann können wir’s ja gleich vergessen.“

„Die Ministerin wünscht sich eine wirtschaftlich erfolgreiche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft.“ „Können Sie mal nachfragen, was sie unter ‚akzeptiert‘ meint?“ „Wenn Sie schon da sind, dann fragen Sie doch auch gleich, von welcher Gesellschaft sie da gerade spricht.“ „Das werden die Handelsgesellschaften sein.“ „Oder meint sie die Produktion?“ „Der Verbraucher hat mit den Erzeugern aber gar nichts mehr zu tun.“ „Eben.“ „Vermutlich schwebt ihr der wirtschaftliche Erfolg der Gesellschaft vor.“ „Also alles doch billiger.“ „Das hieße doch aber, wenn wir die Schnitzel nicht teurer machen, dann haben die Bauern gar keinen Gewinn mehr.“ „Irgendwas stand da noch drin mit Verantwortung.“ „Das finde ich jetzt aber sehr mutig.“ „Wieso?“ „Was meinen Sie, was passiert, wenn jemand Klöckner zur Verantwortung zieht.“

„Ist denn diese Tierwohlabgabe noch aktuell?“ „Das wäre dann ja eine Preissteigerung.“ „Die aber nur dem Tierwohl dienen sollte.“ „Das heißt, dass die Zucht- und Schlachtbetriebe immer noch die Schweine durch die Gegend karren und dann im Leiharbeitergulag weghauen?“ „Mit dieser Abgabe werden dann aber bestimmt die Ställe ein bisschen größer.“ „Das wird sicher teuer.“ „Aber es geht halt um unsere Zukunft.“ „Diese ausländischen Arbeiter, die kann man nicht einfach aussperren?“ „Mit welchem Recht?“ „Dann hätten wir auch keinen Spargel mehr.“ „Dann kann ich aufs Schnitzel auch verzichten.“ „Man könnte das machen, aber dann setzen die Osteuropäer ihre EU-Standards noch weiter runter.“ „Gibt es denn eine Möglichkeit, diese wirtschaftliche Abhängigkeit zu stoppen?“ „Brexit sagt Ihnen etwas?“

„Was würde denn passieren, wenn wir diese Option ziehen würden?“ „Wenn Polen oder die anderen Billiglohnländer…“ „Sie meinen das im Vergleich zur Bundesrepublik, nehme ich an.“ „… die Erzeugerpreise senken würden, könnte der Handel weiter sein Niveau halten.“ „Und das kann man nicht in der nationalen Gesetzgebung regeln?“ „Dann würde es sich aber auch anbieten, die…“ „Wenn er jetzt vom Mindestlohn anfängt, schreie ich!“ „Wieso das denn?“ „Wenn die Verbraucherpreise steigen, können wir irgendwann auch Hartz IV erhöhen.“ „Das ist doch unsere Zukunft!“ „Es ist schrecklich.“ „Und mehr können Sie nicht zu den…“ „Wir müssen doch zugeben, dass es sich um eine schreckliche Entwicklung handelt“ „Richtig, aber in unsere Berechnung wurde der schlimmste Faktor noch nicht integriert.“ „Klöckner?“ „Klöckner.“

„Die macht doch einen sehr guten Job.“ „Sagt die Bundesregierung auch.“ „Merkel leistet sich in letzter Zeit auch mehr fachexterne Berater, wenn sie mal was zum Rausschmeißen braucht?“ „Immerhin hat sie die richtigen Denkansätze.“ „Weil sie die steigenden Kosten kritisiert, die da auf die vielen kleinen Familienbetriebe in der Landwirtschaft zukommen.“ „Dann müsste man Fleischproduktion vielleicht eher im industriellen Maßstab denken.“ „Das kann sie ja.“ „Sie meinen, weil sie eh nur für die Industrie denkt?“ „Die Industrie meint, dass sie denkt.“ „Meint sie das nicht auch?“ „Naja, nur halt nicht maßstabsgerecht.“

„Haben wir wenigstens einen Kompromiss in Aussicht?“ „Die SPD muss wieder querschießen.“ „Was wollen die denn diesmal?“ „Dass geltendes Recht durchgesetzt wird.“ „So kommen wir ja auch nicht weiter.“ „Schlimm!“ „Dabei ist das unsere Zukunft!“ „Es wird dann ja sowieso erst nach der nächsten Wahl umgesetzt.“ „Also ohne die SPD.“ „Hoffentlich ohne Klöckner.“ „Wir haben zweimal Weltkrieg, die Wiedervereinigung, die Eurokrise und Corona ausgehalten, da werden wir doch…“ „Fällt Ihnen auf, dass die Einschläge langsam näher kommen?“ „Dann können wir es ja nur noch vom Markt regeln lassen.“ „Das wäre effektiver als ein Krieg.“ „Nein, durch genossenschaftliche Modelle zum Beispiel.“ „Das geht aber auch nicht von heute auf morgen.“ „Wenn die Regierung so arbeitet wie bisher, fangen die auch erst übermorgen an.“ „Und dann könnte man das alles rechtlich durchsetzen?“ „Dafür wäre dann wieder die EU zuständig.“ „Also niemand?“ „Wir machen nur die Finanzierung.“ „In dem Fall die Gegenfinanzierung.“ „Das sind dann aber natürlich Centbeträge.“ „Um die man auch jahrelang diskutieren kann.“ „Das darf aber nicht an den Verbrauchern hängen bleiben!“ „Regelt das nicht der Markt?“ „Grundsätzlich ja.“ „Wir könnten natürlich auch Subventionen an Umweltauflagen koppeln.“ „Das wäre schon unfair denen gegenüber, die sich nicht daran halten.“ „Also die Mehrheit.“ „Und der Klimaschutz?“ „Regelt den nicht auch der Markt?“ „Wir könnten ja die Preise durch mehr und nicht kontrollierte Subventionen…“ „Dann wird auch das Fleisch wieder billiger.“ „Und wird mehr gekauft.“ „So dass wir im Grunde den Markt damit geregelt kriegen.“ „Genial!“ „Vielleicht haben wir damit eine neue Exportquelle eröffnet.“ „Das ist ein guter Schachzug!“ „Aber die Zukunft!?“ „Welche Zukunft meinen Sie denn?“ „Vermutlich die, die Klöckner schon hinter sich hat.“





Finanzspritzen

8 09 2020

„… einen Untersuchungssausschuss vor der Hamburger Bürgerschaft einsetzen wolle. Bisher habe Scholz zu den Cum-Ex-Geschäften zwar alle Vorwürfe zurückgewiesen, auf der anderen Seite jedoch alles eingeräumt, was sich nicht mehr in…“

„… es keine rechtsfreien Räume gebe. Vielmehr habe der Bundesfinanzminister selbst durch ein Gesetz dafür gesorgt, dass die illegal erstatteten Zahlungen nur rechtmäßig in der Hand von…“

„… sehe die Hamburger SPD-Fraktion den Ex-Bürgermeister als entlastet an. Weder könne man einen Zusammenhang mit der HSH Nordbank noch Verstrickungen mit den G20-Krawallen als…“

„… den Deutschen Bundestag nicht in seiner Funktion als Kanzlerkandidat der SPD belogen habe, sondern als ehemaliger Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Da Scholz nun aber dieses Amt gar nicht mehr innehabe, fühle er sich nicht mehr in der Verantwortung für den…“

„… nicht auszuschließen sei, dass Scholz die Rückzahlungen zur Vermeidung einer drohenden Bankenkrise gestoppt habe. Möglich sei aber auch, dass die Privatbank selbst ohne Wissen des SPD-Bürgermeisters Verbindungen zum Fiskus…“

„… würden sich auch die Sozialdemokraten in ihrer Wahl des Kanzlerkandidaten bestätigt sehen. Scholz beweise durch seine Vergangenheit, dass er ebenso wie Friedrich Merz eine große Nähe zur Wirtschaft sowie erhebliche Kompetenz in der…“

„… dass von Warburg ein Berater instruiert worden sei, eine stringente Argumentation für die Steuerbehörde zu entwerfen. Dass die SPD nur auf Anweisung der Bank gehandelt haben könnte, trage bereits zur Entlastung der…“

„… die Spende an die Hamburger SPD rein zufällig kurz nach einer Wirtschaftsprüfung erfolgt sei. Leider habe die Partei kein Konto bei Warburg gehabt, so dass die Zahlung nur über einen…“

„… würden Kanzler üblicherweise erst nach der Wahl den Bundestag trotz erwiesener Tatsachen belügen. Die Sozialdemokraten seien fest davon überzeugt, dass dies nur für Scholz spräche, als Regierungschef die…“

„… die Bankberater von Steuererhöhungen abgeraten hätten, da zahlreiche Leistungsträger dann keinen finanziellen Spielraum mehr besäßen und dies die Versuchung für weitere Cum-Ex-Geschäfte oder andere…“

„… auch Finanzspritzen für weitere Vorhaben sammeln würde. Es sei daher nicht auszuschließen, dass ein weiteres Kohlekraftwerk in…“

„… sichere die Kanzlerkandidatur von Scholz der Partei auch große Stimmanteile im gehobenen Mittelstand, der nun nicht mehr auf die CDU als…“

„… habe Scholz zwei der drei Treffen mit dem Co-Chef von Warburg vergessen, da er durch die Lektüre einer Biografie von Helmut Kohl einen oder mehrere Blackouts im…“

„… trage man als Regierender Bürgermeister große Verantwortung für die Wirtschaft, vor allem, wenn eine Bank schon durch Rückzahlung illegaler Gewinne in eine gefährliche Schieflage zu geraten drohe. Scholz’ Amtsnachfolger habe sich durch sein beherztes Eingreifen für eine politische Karriere in höchsten Ämtern qualifiziert und werde damit…“

„… endlich wieder einen Spitzenkandidaten habe, der sich frühzeitig mit Machtpolitik befasse und mit epochaler Fähigkeit zum Aussitzen eine große Chance besitze, eine geistig-moralische…“

„… Teil eines langfristigen Plans sei. Scholz bereite eine Senkung der Wirtschaftskriminalität in der Bundesrepublik vor, die durch eine innovative Gesetzgebung in der SPD-geführten Regierung auf den niedrigsten Stand seit…“

„… ob es sich um einen verfassungsrechtlich umstrittenen Eingriff in die Abgabenordnung handele. Scholz weise jedoch darauf hin, dass nur sehr wenige Bürger von dieser Rechtsunsicherheit betroffen seien, so dass für die breite Bevölkerung zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe, zu hohe oder steuerrechtlich problematische…“

„… hätte eine Rückforderung falsche politische Signale ausgesendet. Die Sozialdemokraten hätten immer wieder mit dem Vorurteil zu kämpfen, das Kapital aus Deutschland zu vertreiben oder wenigstens den Kapitalisten ihre…“

„… sei es für Scholz aber noch zu früh, sein Ehrenwort zu geben. Allerdings bestehe auch kein Zweifel daran, wer die Spenden an die…“

„… es erhebliche Schwierigkeiten gebe. Viele der Cum-Ex-Beträge seien inzwischen ausgegeben worden und könnten daher nicht zurückgefordert werden, was insgesamt wieder zu einer ungerechten Behandlung der…“

„… rücke die SPD grundsätzlich nicht von ihrem Spitzenkandidaten ab. Solange mit Scheuer und Klöckner Mitglieder der Bundesregierung jeden Standard unterlaufen können, gebe es keinen Grund für Scholz, sich als…“

„… auf einen strikten Sparkurs einstimmen werde. Der Bundesminister der Finanzen sehe nicht nur durch die Folgen der Corona-Pandemie die Notwendigkeit, soziale Errungenschaften auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls mehr Eigenverantwortung von den Bürgern zu verlangen, da Deutschland durch sinkende Steuereinnahmen mehr Instrumente zur Planungssicherheit für die Banken und den Handel…“





Im kleinen Kreis

2 09 2020

„Hundert Personen? Das können Sie sich in die Haare schmieren. Fünfzig auch. Es sei denn, wir können uns auf einen Deal einigen, dann ist Ihre Geburtstagsfeier auch mit fünfhundert Nasen null problemo. Oder hatten Sie ernsthaft gedacht, dass wir diesen Corona-Scheiß ernstnehmen?

Einer der Gründe, warum uns die ganzen EU-Schwachmaten beneiden: Deutschland ist nun mal Deutschland. Geh mir ab mit Einheit und so, das ist nur der Zwischenstand. Wer glaubt, dass das auch nur verwaltungstechnisch so eingehalten wird, kann sich an der Kasse einen Lutscher abholen, und dann kriegt er zwei Luftballons vom Weihnachtsmann gratis dazu. Wissen Sie schon mal, was hier Tango ist. Wir entscheiden hier nicht nur nach Bundesland, wir entscheiden hier nicht nach Regierungsbezirk, hier kommt es auf die Kommune an. Hört sich jetzt dreckig an, ist aber noch viel dreckiger. Sie haben den Plan, wir ziehen das durch. Sonst alles klar?

Logisch, dass wir hier den Überblick behalten. Deshalb haben wir immer den Draht nach drinnen, wo die Regeln gemacht werden. Ein falscher Schritt in der Pandemie, und die Virusscheiße haut einen aus der Steilwand. Kein Scherz. Zwanzig Personen auf der Trauerfeier sind gerade noch erlaubt, und zweihundert auf einem Konzert mit Tanzeinlage, wenn Sie wissen, was ich meine, die sind legal, da tränt dem geneigten Geschäftsmann doch das trübe Auge, oder nicht? Aber nicht verzagen, Ede fragen – Ede ist die coole Sau, die jede Verwaltung mit Anlauf und Ansagen in Rückenlage bringt, damit der Prozess sich nicht unbedingt in die Länge zieht. Ede war bis zur Pensionierung Regierungsdirektor.

Unser Zauberwort: kleiner Grenzverkehr. Es fängt ja manchmal schon an mit den Masken, die im Schulunterricht aufgezogen und abgesetzt und wieder angelegt werden – das geht Ihnen doch auch derbe auf die Plomben? Sage ich ja. Deshalb bieten wir unsere Dienstleistungen für Ihre Events auch regional so an, dass Sie in Ihrer Planung nicht auf die Medikamentenausgabe irgendwelcher geistig zurückgebliebener Hackfressen warten müssen.

Momentan haben wir einen noch nicht ganz abgerissenen Gebäudekomplex im Rhumspringe im Angebot, sieht richtig scheiße aus, hält also, was er verspricht. Da sind Sie ratzfatz von Niedersachsen über die Zonengrenze in Thüringen, mit unserer Heliflotte sogar noch eine Ecke fixer. Ist alles nur eine Frage des Preises. Wo Sie sich treffen, ist Ihre Entscheidung, wo Sie feiern, das lassen Sie mal unsere Sorge sein. Zwinge hört sich erst mal doof an, aber das täuscht. Da tanzen die Puppen, weil wir da die Puppen tanzen lassen. Klärchen?

So funzt das eben, ob Ihnen das in den Kram passt oder nicht. Wir machen die Regeln nicht, wir halten uns nur daran. Jeder Strafverteidiger und jeder Steuerberater wird Ihnen das verklickern, das ist viel schlimmer. Gesetze sind das, was zwischen den Lücken stattfindet, und mit dem Rest verdienen wir unsere Kohle. Nicht unbedingt viel besser als Bundesminister, aber weniger verlogen.

Sie planen Ihre Geburtstagsfeier im kleinen Kreis, das wären dann maximal dreihundert Gäste? Super, fast so intim wie bei der Konfirmation von Onkel Max, und der saß damals schon im Knast. Dann finden Sie mal raus, wer von wo kommt, und dann organisieren wir eine ganz intime Location. Bremen können wir empfehlen, da ist man auch rapide über der Landesgrenze und in einem Kaff, das trotzdem dreimal so hohe Infektionszahlen duldet, wenn die nicht gemeldet wurden. Kann sein, dass ich das jetzt mit dem Saarland verwechsle, aber letztlich ist das ja auch wumpe. Hauptsache Italien. Dann besorgen wir eine Feierabendcombo, die kann irgendwo im Untergeschoss vor sich hin schrammeln, und Sie setzen sich gepflegt ab. Die drei Gitarrenheinis kosten auch nicht die Welt, aber wir brauchen die eben, weil wir den ganzen Bums als Konzert anmelden, das ist eine geschlossene Veranstaltung, und wir haben da einen Typen in Delmenhorst, der macht den Festsaal klar. Das mit dem Treffen organisieren wir auch gerne, aber nicht wieder als Trauerfeier. Beim letzten Mal haben sie und nicht abgekauft, dass Onkel Max schon wieder beerdigt wird, dabei wird der hier jeden Mittwoch beerdigt, und dann kommen immer hundert Leute für Kaffee und Kuchen. Der war halt beliebt, kann sich so eine Flitzpiepe vom Amt nicht vorstellen.

Oder wir organisieren für Sie den Discowagen von Bahn. Haseloff, dieser Klapskalli aus Sachsen-Anstalt, hat ja schon gejammert, dass man im Zug alle paar Kilometer die Masken auf und ab und auf und absetzt, wenn man die Landesgrenzen passiert. Typisch für so einen Sprallo mit akutem Hirnaua. Die Deutsche Bahn AG ist ein Staatsunternehmen, da gelten dieselben Beförderungsbedingungen auf der ganzen Strecke, aber das Beste ist doch, das kümmert keine Sau, weil das ein Staatsunternehmen ist. Da können Sie dann gemütlich als mobile Druckbetankung durch die Republik heizen und sich vom Schaffner einen einschenken lassen, und zwar auf Nummer sicher: die Eumel da tragen auf jeden Fall Maske zur Uniform, weil das ist ja ein Staatsunternehmen. Brüller, oder?

Und wenn Sie mal richtig einen draufmachen wollen, regeln wir das vor Ort: Vorglühen in Mitte, amtliche Höllenparty in Kreuzkölln und danach Abklingbecken mit körpernahen Dienstleistungen in Tiergarten. Hier in Berlin müssen Sie echt schon ’ne rote Fahne im Gepäck haben, bevor Sie für irgendwas kontrolliert werden.“





Kölle Alaarm

25 08 2020

„Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben, dann kann ich Ihnen da etwas Schönes zuschicken. Nein, das ist jetzt noch kein Karnevalsscherz, das machen wir rein dienstlich. Ich müsste nur eben wissen, wo wir die Landeskarnevalsverordnung hinsenden, dann haben Sie die rechtzeitig zur Saison.

Da muss man eben auch kreativ sein, was sage ich: närrisch, närrisch muss man werden, und sich nicht zum Narren halten lassen. Ist ja eben auch eine närrische Zeit, und da muss man dann Sachen, die sowieso schon total bekloppt sind, die muss man dann noch durchgeknallter machen. Was das angeht, haben wir hier eine Landesregierung, die das bis zur Perfektion versteht, das hat sie in den vergangenen Monaten ja auch immer wieder sehr schön bewiesen. Es gibt nun mal ein paar Dinge, die untrennbar zu Nordrhein-Westfalen gehören, die Autohäuser, die Küchenbauer, und dann eben auch der Karneval. Aber man muss das in diesen Tagen vorsichtig machen, damit wir die Wähler genau da abholen, wo sie jetzt stehen. Oder was man halt so sagt, wenn man noch nicht weiß, was Phase ist.

Da wir eine bürgerfreundliche Politik machen, ist es sehr wichtig, dass unsere Entscheidungen in Abstimmung mit den Bürgern getroffen werden. In diesem Fall ist das ein bisschen schwierig, weil sich zahlreiche Bürger, und zwar auch in Gestalt von Karnevalsgesellschaften, gegen einen Karneval in diesem Jahr ausgesprochen haben. Das ist für uns alle äußerst bedauerlich, aber wir müssen daraus die Konsequenzen ziehen, unser politisches Handeln ist in diesem Fall einem höheren Interesse unterworfen und darf sich nicht von kurzsichtigen Wünschen leiten lassen. Selbstverständlich braucht es hier ein gezieltes Vorgehen, und das kann nur heißen, dass der Karneval im Angesicht der durchaus nicht klar abzuschätzenden Zukunftslage natürlich stattfindet.

Selbstverständlich findet der Karneval statt. Das steht jedenfalls für unsere Landesregierung außer Frage, und ich würde sogar so weit gehen, dass der Ministerpräsident damit völlig im Einklang mit seinen bisherigen Maßnahmen handelt. Konsequent und in politischer Hinsicht auf einer absolut nicht verrückbaren Linie, so kennt man diesen für die Union unverzichtbaren Mann, der unsere Geschicke im Land lenkt. Ein Armin Laschet, der es nicht nötig hat, sich ein Virus von Virologen erklären zu lassen, der diskutiert auch nicht mit Karnevalsgesellschaften, wenn es um den Karneval geht. Glauben Sie mir, der hat Besseres zu tun.

Wir haben zum Glück eine gute Infrastruktur in NRW, die wird auch in den Ballungsräumen mit dem Karneval fertig. Also die digitale Infrastruktur meine ich, wir wollen ja Teile der Sitzungen ins Netz streamen, da kann man die sich dann zu Hause angucken oder in der Kneipe, im kleinen Rahmen kann man das sicher auch auf einer privaten Party machen, aber wir setzen da auf die Bereitschaft der Bürger, höchstens fünfzig Gäste einzuladen. Die meisten Wohnungen werden ja mehr auch gar nicht fassen können, im Karneval ist dem Rheinländer eh eine gewisse Neigung zur körperlichen Nähe eigen, und wenn wir dann die Kölschpreise ein bisschen anheben, damit wir der Gastronomie etwas davon abgeben können, ist das doch sozial verträglich im Sinne einer erfolgreichen Landespolitik.

Eventuell könnte man die Büttenredner dabei aus Krefeld zuschalten, dabei würden wir auch auf Synergieeffekte setzen. Oder die Stimmungsmusik, die kann man vorproduzieren, wahrscheinlich hat der WDR den ganzen Bums eh auf Konserve, dann können die das kostengünstig reinspielen. Bei der Gelegenheit können die sich auch mal für das Ding mit der Umweltoma entschuldigen, und gut.

Die Maskenpflicht für Fanfarenzüge muss dann auch juristisch hinterfragt werden. Es kann ja nicht sein, dass die Bläser ohne Mundschutz marschieren und die Trommler mit. Das widerspricht doch dem gesunden Menschenverstand. Wir werden da jetzt ein Gutachten in Auftrag geben, und das wird ganz klar zum Inhalt haben, dass auch die Trommeln ohne Maske laufen dürfen. Wir sind ein weltoffenes Bundesland, Diskriminierung gibt es bei uns nicht, und wir werden das auf jeden Fall durchziehen.

Derzeit arbeiten wir jedenfalls am Konzept für infektionssicheres Schunkeln. Unser erster Ansatz, dass wir die Abstände von jeweils zwei Metern im Sitzbereich einhalten, war betriebswirtschaftlich an der Grenze, aber wir können das noch umsetzen, wenn wir das Gestühl am Boden verschrauben, weil sich das ja bei der Bewegung mit verschieben wird. Die Experten sind sich noch nicht ganz einig, wir haben auch beim RKI schon mal angefragt, und dann haben wir eine Studie in Erwägung gezogen, für die wir freundlicherweise vom Kreis Heinsberg unterstützt werden. Gut, auch von Springer, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Jedenfalls haben wir hin und her überlegt, wie wir unser traditionelles Brauchtum in Einklang bringen können mit den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, damit unsere Gastronomie keine Verdienstausfälle hat, und uns ist die Erleuchtung gekommen, beziehungsweise dem Ministerpräsidenten, der hat dann angeordnet, dass nur noch jeder zweite schunkelt. Sie haben das richtig verstanden. So wird man Kanzlerkandidat.

Dann hätten wir nur noch ein paar technische Einzelheiten, wir brauchen ja ausreichend Masken, aber die will der Spahn besorgen, und diesmal hat er gesagt, dass es möglicherweise klappen wird, aber das sehen wir dann. Ich meine, wozu sollen wir uns jetzt komplett verrückt machen in dieser Ausgangslage? Schauen Sie sich das doch mal an – zwei Wochen später sieht doch sowieso alles total anders aus.“





Heimwärtsspiel

17 08 2020

„In erster Linie tun wir etwas für die Sicherheit der Anhänger. Wenn Sie alleine an die infektiologische Komponente des Stadionsports denken, das ist mit ein paar Schutzmasken ja nicht getan. Da muss der Profifußball als gesellschaftlich relevante Kraft auch den Mut haben, neue Wege zu gehen und die Menschen mitzunehmen. Oder auch eben nicht, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Wir müssen Fußball neu denken. Das bedeutet, wir müssen uns auch darüber Gedanken machen, wie wir die Sicherheit der Fußballfans noch mehr als jetzt gewährleisten. Wir können auch nicht als verantwortungsvolle Organisation die Öffnung der Schulen für unsere Kinder fordern oder noch mehr Lockerungen für Hotels und Gaststätten, wenn wir als einer der großen Sportverbände selbst nicht mit gutem Beispiel vorangehen. Stellen Sie sich doch mal vor, was das für eine entsetzliche Entwicklung wäre, wenn Woche für Woche die Neuinfektionen durch den Stadionbesuch in die Höhe gingen. Das kann man nicht verantworten, zumindest wir als Funktionäre haben uns entschieden, dass wir die Gesundheit unserer Anhänger höher bewerten als die sprichwörtliche Stadionatmosphäre.

Den Klimaaspekt darf man hier aber auch nicht unterschlagen, denn wenn Sie mal nachrechnen, was alleine der Personentransport für die ganzen Auswärtsspiele für die Umweltbilanz tut – mal ehrlich, Sie fahren nicht fünfhundert Kilometer mit dem Rad durch Deutschland, um dann in der Kurve zu stehen, das ist doch unrealistisch. Die ganzen verstopften Züge, das Polizeiaufgebot, wenn da ein paar gewaltbereite Fans unter den Sportsfreunden sind, das kommt alles noch obendrauf. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese ganze Einteilung, dieses: Auswärtsspiel, Heimspiel, das wollen wir abschaffen. Es gibt nur noch Heimwärtsspiele.

Ja, Sie haben das richtig verstanden. Wir wollen keine Fans mehr im Stadion. Das ist eine so nicht mehr tolerierbare Form von Sportveranstaltung, die wir abschaffen werden, wenn uns die technischen Möglichkeiten eines Neuanfangs klar sind. Die Infektionsgefahr auf dem heimischen Sofa ist doch sehr viel geringer, und selbst wenn Sie tatsächlich in Quarantäne sein sollten, dann können Sie Ihre Mannschaft immer noch anfeuern. Die meisten sind inzwischen mit diesen Spielkonsolen so vertraut, dass wir ein echtes Fußballmatch mit vielen frei wählbaren Kameraperspektiven so perfekt streamen können, als wäre es eine Simulation. An den Bezahlmodellen müssten wir noch ein bisschen arbeiten, das ist mit einer Dauerkarte nicht getan, aber eine Flatrate und In-App-Käufe für diverse Extras, das sollte sich doch machen lassen.

Der Fan als solcher ist für uns nämlich auch ein Risiko, das müssen Sie bedenken. Die Unfallgefahr ist zu Hause nämlich auch erheblich geringer, und selbst wenn dort etwas passieren sollte, dann haben wir das versicherungstechnisch nicht an der Backe. Wir müssen das Gestühl nicht ständig warten und die Sicherheitsvorschriften nicht umsetzen, es gibt keine Probleme mit Pyrotechnik, und wir tun sogar etwas für die Volksgesundheit. Ehrlich, diese absolut üblen Bratwürste – selbst mal probiert, das ist doch nicht normal, dass man so etwas isst! – und dazu noch Unmengen an Bier, das ist doch keine Ernährung, die man mit Sport assoziiert. Gut, Sie können zu Hause auf der Couch auch Chips in sich reinstopfen und doppelt so viel Bier trinken, aber das liegt dann nicht mehr in unserer Verantwortung und stellt deshalb für uns auch kein Problem mehr dar. Da beginnt dann das Umdenken auf der Seite der Fans, die ein Teil unseres Sports bleiben sollen.

Die Stadionkulisse wird man dann eben aus dem Computer holen. Wenn man das in einem Spiel schon perfekt simulieren kann, warum soll das dann nicht auch umgekehrt funktionieren? Wir wollen auf die Spieler Rücksicht nehmen, die sind das so gewohnt, und es ist für die auch schon schöner, wenn sie Fahnen haben und Fangesänge und Jubel, aber man muss da eine Abwägung treffen, und in Bezug auf die Umstellung des Geschäftsmodells ist das dann eine Kostenfrage, die sich uns bald nicht mehr stellt. Mit etwas mehr Rechenleistung ist dann auch individualisierte Bandenwerbung möglich.

Ein paar Funktionäre werden sich das trotzdem live angucken. Ab und zu lassen die sich mal im Stadion blicken, beispielsweise zu Fototerminen oder zu besonderen Meetings, das ist dann immer eine sehr angenehme Atmosphäre, weil man ja in der Position nicht mehr so viel mit Sport zu tun hat. Vielleicht könnte man das mittelfristig für Gäste öffnen, die sich das leisten wollen, da ein gewisser Service auch nicht kostenlos sein kann. Immerhin stehen wir in dieser doch sehr besonderen Situation für die Sicherheit der Besucher gerade, das darf man nicht vergessen. Das kann schon schwierig werden, wenn es ja gleichzeitig um die Spieler geht, die die Auflagen des Infektionsschutzes einhalten müssen, obwohl das auch eine ganze Menge Geld kostet. Das trifft uns als Wirtschaftsbetriebe sehr hart, und da müsste man eigentlich Konsequenzen ziehen wie in jeder anderen Branche. Wir machen ja auch viel Umsatz mit Fanartikeln, als guter Club muss man heute auch eine starke Markenbotschaft haben, ein Image, mit dem man sich kommerziell nachhaltig aufstellen kann. Und mal ehrlich, wenn ich da an der Seitenlinie stehe und mir in diesem überakustischen Stadion anhören muss, was so ein Innenverteidiger alles auf dem Platz brüllt… –

Sagen Sie mal, was würden Sie eigentlich davon halten, wenn wir auch noch die Spieler abschaffen?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXVII): Heimwerker

14 08 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Anfänge waren existenziell. Kaum hatte der Hominide das Konzept der Sesshaftigkeit für sich entdeckt, da wurde er auch schon mit den Zwängen der Materie konfrontiert. Eine Sippenhöhle bot den besten Schutz für die gesamte Nachkommenschaft, war aber wesentlich schwerer zu finden als ein Bauplatz für eine Blätterhütte. Eine Erdhöhle war in wenigen Stunden ausgehoben und mit Astwerk lose bedeckt, bot aber nur Deckung bis zum nächsten Wolkenbruch. Immerhin musste der Frühmensch noch nicht täglich Geschirr spülen – wo hätte er nur das Handtuch zum Trocknen aufhängen sollen. Bis zum Pfahlbau blieben noch ein paar geschmeidige Jahrtausende, in denen er seine Fertigkeiten in die Entwicklung des Handwerks stecken konnte, in den Bau von Werkzeugen, mit denen er dann sein erstes Eigenheim errichten sollte. Mit dem letzten Schlag des Hammers aber begann die Katastrophe, die bis heute anhält: wer es nicht bis ins Handwerk schafft, der wird Heimwerker.

Die Verkleidung aus gehobelter Fichte in Beize Nummer 34 ist noch nicht lotrecht an der tragenden Außenwand der Nasszelle angeschwiemelt, da geht der Werkstoff auch schon in organisch anmutende Wellenbewegung über – hätte man imprägnieren oder zumindest einmal matt überlackieren können, aber schließlich stand davon nichts in der für den Freizeitmaestro gedachten Zeitschrift, nach deren Erwerb man alles, in Worten: alles selbst machen kann, was andere während ihrer Arbeitszeit tun müssen. Der Hobbyinnenarchitekt überlegt kurz, kleistert den Lack in rudimentärer Kenntnisnahme der Schwerkraft mehrlagig auf die Balken, feudelt die Reste vom gefliesten Boden auf, während der dazu verwendete Lappen bereits niedermolekular mit dem Alkydharz sowie der Trittfläche eine feste Einheit zu bilden beginnt, und freut sich über die am Fliesengrund entstehende Raumkunst, die auch seine Arbeitshandschuhe dauerhaft zur Geltung bringt. Doch der Tag ist noch jung; es bleibt noch Zeit, das Versagen an der Kreuzschlitzkopfschraube zu zelebrieren, die zwei auseinandergesägte Stühle zu einer formunschönen Garderobe vereinen und die Summe der einzelnen Teile an die Vertikale montieren sollten. Immerhin löst sich das bizarre Ensemble am Stück von der Tapete, von der es die geschmackvoll unregelmäßigen Risse gleich mit in die Tiefe nimmt, und zerlegt sich erst am frisch versiegelten Parkett aus dem Do-it-yourself-Markt wieder in seine Vorprodukte. Die sichtbar wellig an die Mauer gedengelte Spiegelfliesenfront, die durch mangelnde Ausrichtung ein Bild zurückwirft, wie es die gemeine Stubenfliege nicht besser könnte, ist nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die fachgerecht aus mehreren zu kurz und splittrig abgeschnittenen Fußleistenstücke lösen sich unter der Vibration von der Wand, doch das tun sie auch bei zu heftiger Atmung im Nebenzimmer. Wozu also dies alles?

Wie die Zubereitung industriell vorgefertigter Tierprodukte über offenen Feuer, als wäre der durchschnittliche Bescheuerte keine Bürokraft, sondern Holzfäller im Sondereinsatz, scheint die Heimwerkerei als triebbedingte Ersatzhandlung, die atavistische Neigungen sozialverträglich ausleben lässt. Man fühlt sich enthemmt und befreit von den Zwängen der Zivilisation, die übliche Methode von Versuch und Irrtum muss auch auf größere Verluste keine Rücksicht mehr nehmen, und da es dennoch im gesellschaftlich geschützten Raum stattfindet, ist auch das Schamgefühl der Kandare entflohen. Wer das handwerkliche Talent einer Seegurke mit sich durchs Leben trägt, aber mit dem absturzsicheren Selbstbewusstsein eines nordrheinwestfälischen FDP-Führers gesegnet ist, möllert schlankerhand den Lotto-Jackpot für eine Bandsägensammlung raus, mit der die grillenden Steakfresser sonst die kahl gehauene Sahara zu Fertigparkett, Fußleisten und Pressspan verarbeitet hätten, und pflanzt sich ein Monument in den Vorgarten, bei dem Horaz sich grinsend den Lorbeer zurechtrückt.

Empirisch betrachtet ist Handwerken lediglich die ergebnisbezogene Ewigkeitsvorstellung derer, bei denen es – vom Handwerksberuf abgesehen – nicht zur großen Kunst nicht gereicht hat, die bis zum klimabedingten Tsunami in der musealen Stille und Erhabenheit austrocknen, während das Gebein des Schöpfers den Weg des Recyclings geht, wie es auch anderen in der Kohlenstoffwelt droht. Sie wollen sich erzgleich dauerhaft ins Bild der jeweils betroffenen Region prägen, ob mit gemauertem Kamin aus Feldstein oder komplett verschindelter Fassade: sieht scheiße aus, hält aber ewig. Sollte intelligentes Leben in einem Moment der Schwäche diese Galaxie einmal nicht weiträumig umkreisen, sie werden den Schmodder finden, da er sämtlichen kosmischen Grundkräften standhalten wird.

Vielleicht aber ist es auch nur der Drang, Nachbarn und Kollegen neidisch zu machen, indem man die Bude minimal über das Niveau des total Unbehausten hinaus hievt und mangels wirklichem Kontakt den Beweis für einen selbst gegossenen Estrich schuldig bleibt, der nicht als Buckelpiste die Weltmeisterschaft einstreichen würde, fielen nicht die Dachbalken donnernd nach Vollendung darüber zusammen. So verkehrt war die Blätterhütte nicht.





Personalkosten

11 08 2020

„Das hat Sie überrascht? also das überrascht mich jetzt aber. Dass Sie das überrascht hat. Wir haben den Mitarbeitern doch ganz deutlich gesagt, dass sie für uns unverzichtbar sind. Jeder einzelne Mensch ist für uns systemrelevant, wirklich. Nur die Löhne halt nicht, oder überrascht Sie das auch?

Dass die Löhne bei uns im Einzelhandel in den letzten zehn Jahren real gesunken sind, das liegt am gesellschaftlichen Trend. Wir können ja auch nicht einfach so die Löhne anheben, da wir sonst die Nachfrage nach unseren gesellschaftlich und auch marktmäßig relevanten Jobs schwächen würden. Sie wissen doch, wie das in der Pflege ist: da gibt es auch keine zu hohen Gehälter, teilweise sind die mit Zulagen, die dann nicht gezahlt wurden, oder mit den Boni, die man hat ausfallen lassen, dadurch sind die Personalkosten dann auf einem konstanten Niveau gehalten worden. Und die Zahlen der beschäftigten Mitarbeiter eben auch. Denn stellen Sie sich das mal vor, die hätten die Gehälter einfach mal so angehoben. Man hätte den Pflegekräften ja signalisiert, dass die gar nicht systemrelevant seien, weil die das am Ende nur fürs Geld machen. Das wäre in höchstem Maße unfair, und so wollen wir im Einzelhandel unsere Tarifpolitik gar nicht erst anfangen.

Wir haben durchaus stabile Umsätze, das ist korrekt. Einerseits die Hamsterkäufe, das war für uns eine erhebliche Stärkung, und dann haben die Kunden seit der Senkung der Mehrwertsteuer auch sehr viel mehr bei uns gekauft, was sie sonst nicht gekauft hätten. Wir müssen die Senkung nicht aus eigener Tasche bezahlen, aber für uns ist sie ein hervorragender Werbeeffekt. Dass einige Händler den Kunden darüber hinaus noch höhere Rabatte gewähren, das ist Marktverzerrung, aber das halten wir aus. Unsere Mitarbeiter können ja gerne bei denen einkaufen, wenn es ihnen bei uns im eigenen Laden zu teuer ist.

Auf der anderen Seite müssen Sie beachten, dass wir durch die Umstellung auf niedrigere Steuersätze einen erheblichen Mehraufwand an Personal hatten, der unsere Kosten nach oben treibt. Würden wir jetzt noch mehr Mitarbeiter einstellen, die dann auch genau wissen, dass es sich um einen Job mit viel Stresspotenzial handelt, dann müssten wir die Löhne auch anheben – das kann man den Mitarbeitern nicht zumuten. Wo bleibt denn da die Lohngerechtigkeit? Wenn wir jetzt Mitarbeitern, die Mehrarbeit geleistet haben, die Vergütung dafür wegnehmen würden, die ja eigentlich der Erhöhung der Löhne entspricht, dann wäre das letztlich auch schon Betrug, und dann würden wir keinen mehr finden, der uns bei Mehrarbeit unterstützt, und das wäre kein gutes Signal für andere Einzelhändler.

Außerdem müssen Sie hier das Prinzip der situationsangepassten Lohnzurückhaltung immer auf dem Schirm haben. Wenn eine Rezession droht, will man die Ausgabenseite unter Kontrolle haben, damit man nicht in die roten Zahlen kommt, wenn es dann auf dem Tiefpunkt zu hohe Lohnkosten sind im Vergleich zu den anderen Posten, die Sie für ein laufendes Geschäft berücksichtigen müssen. Wenn dann die Umsätze langsam wieder steigen, wenn sich dann der Aufschwung ankündigt, dann muss man doppelt vorsichtig sein, weil jetzt jede Gehaltserhöhung die Chancen auf dem Markt wieder zerstören kann, weil die Kapitalbasis nie angegriffen werden darf. Und wenn Sie auf dem Höhepunkt sind, voll im Boom – das weiß ja jedes Kind, da ist es unmöglich, die Löhne zu erhöhen, weil es viel zu wenige Arbeitskräfte gibt, und da der nächste Abschwung schon am Horizont drohen könnte, wäre es ja geradezu Wahnsinn, den Leuten mehr zu zahlen als unbedingt nötig.

Und betriebswirtschaftlicher Unsinn ist es auch, aber das wissen Sie ja. Wir haben schließlich eine Verantwortung für den Markt, und gerade wir im Einzelhandel sollten uns dessen immer bewusst sein. Wir kalkulieren nach dem Minimalprinzip: so wenig wie möglich ausgeben, damit wir den Vorteil auch weitergeben können. Das sichert Marktanteile, und damit ist es auch sozial verantwortlich, weil es Arbeitsplätze sichert. Kommen Sie noch mit? Ein Beispiel: wir können die Verkaufspreise für Fleisch nicht beliebig gestalten, weil wir da nicht genügend Kontrolle haben, deshalb müssen wir einen Teil der Kontrolle abgaben an die Produzenten. Wie die ihre Ware erzeugen, das entzieht sich letztlich unserer Kenntnis, deshalb können wir das ja auch nicht kontrollieren. Vermutlich haben die da ihre eigene Kalkulation, aber uns geht das gar nichts an, wir brauchen dann eben nur den Preis für das Produkt, und da setzt dann unsere eigene Betriebswirtschaft an. Wenn wir den Preis nicht optimieren können, dann gefährden wir Arbeitsplätze, und letztlich werden wir damit unserer sozialen Verantwortung nicht mehr gerecht.

Das ist ja auch alles ganz schön, wenn sich die Politik hier einmischen will und wenn sie einen allgemeinen Tarifvertrag für den Einzelhandel fordert, aber Sie müssen bedenken, wir haben einen durchaus funktionsfähigen Markt, unsere Branche ist stark, zum Teil sind unsere Börsenkurse gerade extrem stabil, wenn wir uns gerade konsolidieren müssen, und dann müssen Sie auch an die Zukunft denken, denn wir brauchen auch für andere Lagen noch ausreichend Mitarbeiter, damit wir den Markt versorgen können, ob mit Pandemie oder ohne. Da müssen Sie als starke Branche auftreten und den Bewerbern sagen können: unsere Jobs sind so systemrelevant, dafür gehen Kunden sogar auf den Balkon und klatschen. Oder was meinen Sie, wie man so einen Konzern in die Gewinnzone führt?“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXVI): Kapitalistischer Eskapismus

7 08 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, da schien jene unlösbare Verbindung von Religion und Gesellschaft noch sinnvoll zu sein; wer mühselig und beladen war, und das waren eben alle, suchte Erquickung im Glauben, wo sich die unfreundliche Realität ein Stück weit ausblenden ließ. Zwar hält sich der Unterhaltungswert von zwanzig Rosenkränzen für Durchschnittspersonen ohne ausgesprochene Leidensbejahung in engen Grenzen, doch schon die Heilige Messe mit Brot und Wein, Weihrauch und Georgel stärkte die Kraft der Menschen, in einer Welt voller Sünde und miserabler medizinischer Versorgung vor der Erfindung von Flaschenbier und Streamingdiensten den notwendigen Beitrag zur Erhaltung weltlicher Güter im Dienste der Obrigkeit zu leisten. Uns geht es vergleichsweise gut, wir haben Flaschenbier und Streamingdienste, zahlen Steuern, statt den Zehnten abzugeben, und befinden uns trotzdem in einer eher noch mieseren Lage. Die Religion hat sich in die Transzendenz verkrümelt, das System verspricht so gut wie jedem irdisches Heil, wo er nur gewillt ist, dafür anderen eins aufs Maul zu geben, und nur die Ewigkeit ist geblieben, dummerweise in Gestalt des Hamsterrades, dem Sinnbild des Kapitalismus. Was aber hält uns heute so leidensfähig?

Das Flaschenbier ist es nicht, da abgesehen von ein paar aufgekratzten Werbespots keiner das Zeug zum Objekt unserer existenziellen Träume macht. Wir haben aus unseren affektiven Bedürfnissen, aus der Suche nach Entspannung und Ablenkung, einen Hochleistungssport gemacht, der selbstverständlich den Gesetzen des Marktes genügt: immer die beste Gelegenheit suchen, das Minimalprinzip verfolgen, und alles außer uns ist Feind. Wenn wir uns schon zu Tode amüsieren müssen, dann soll es wenigstens erfolgreich sein. Was uns integriert, Identifikation und Selbstfindung gibt, ist nur Nebenwirkung der hektischen Suche nach emotionaler Erregung, die erst mit dem Übergang zur Biomasse jäh abbricht, weil wir die Endlichkeit begreifen. Aber begreifen wir denn überhaupt die Wirklichkeit davor?

Wo uns die Conditio humana mit voller Wucht einholt, breitseitlich trifft und aus der Bahn kegelt, bemerken wir, dass die apokalyptischen Reiter noch immer munter ihre Runden drehen. Technisch sind wir inzwischen imstande, den Planeten mehrfach in die Luft zu jagen, wenn nicht zuvor aus klinischer Beklopptheit heraus unsere Art die erste ist, die sich zielgerichtet selbst ausrottet, weil sie ihre religiösen Fantasievorstellungen hier auf Erden verwirklichen will – der Kapitalismus ist die Religion geworden, die sich den Nachwuchs in den Gierschlund stopft, und also kann sie nicht mehr als teils sinnvolle, teils ins Absurde entlastende Gegenwelt der materiellen Gesellschaftsordnung dienen, sondern nur noch sich selbst auf sich selbst beziehen, womit dann auch die Identifikation brüllend an die Wand fährt, wo der ganze Rest schon herunter rinnt. Selbst da, wo der große Grauschleier der Langweiligkeit das Sein in unerträglich breiigen Stumpfsinn verschwiemelt, bleiben nur noch Entfremdung und Angst, die im Rausch weggeshoppt werden, im perpetuierenden Partymarathon über die Klippe stolpern, auf der Flucht vor der Flucht rund um den Globus fliegen und immer neue Fluchtpunkte suchen, bis wir mit touristischen Mitteln den Rest der Umwelt erledigt haben.

Sehnt sich der Realitätsallergiker nach Katharsis im Sinne der Tragödie oder einfacher Regeneration, wie sie eine Woche Malle im Ethanolkoma en passant erledigt als Fußtritt in den Resetknopf? Ist Gleichgewicht von intelligenzabstinenter Duldung der Istzeit und idealtypischer Traumwelt mit oder ohne Hilfsmittel aus der Drogenküche ein guter Weg, auch wenn ihn die obersten Zehntausend für sich behalten? Harmonisieren wir uns gerade zu Tode, um den Boden unter den Füßen zu finden, damit die Würg-Life-Balance Balance uns nicht versehentlich den Magen umkrempelt? Oder ist der Schmodder doch nur verzweifelte Reaktion auf den Triebstau, den Priester der Betriebswirtschaft in uns erzeugt haben, als sie drakonische Strafen für die Steuerhinterzieher unterhalb der Armutsgrenze mit Notwehr gegen den Staat für Steuerhinterziehung oberhalb der Milliardengrenze verteidigten, weil man den Stumpfstullen stets vorturnen muss, dass sie als Opfer der intellektuellen Raumkrümmung nicht in ihrer eigenen Blödheit gefangen sind, sondern in den taktischen Grenzen des Systems?

Was auch immer sich hier anstaut, es sucht nach einem Ventil. Dies Virus hat uns nur angezählt, das nächste ebnet ein, was die Flut an Zivilisation nicht mehr beseitigen wird. Religionen mögen noch Heil versprechen, solange es keiner Marktanalyse nach Verbraucherzufriedenheit unterzogen wurde, doch der Kapitalismus kann mit Freiheitsversprechen, die nur Narkose von der Sklaverei meinen, nicht viel erreichen. Wir wären gerne Kapitalisten, uns fehlt nur das Kapital, weshalb eine Ersatzreligion mit der Option auf Mitmachgerede so kläglich versagt. Die alten Vorstellungen hatten noch eine Gemeinschaft der Heiligen, quasi das Zwei-in-eins-Produkt der virtuellen Spiritualität. Welcher Knalldepp gibt das für den sozialen Vollkollaps aus?





Corona Tours

30 07 2020

„Das ist echt total dufte, die ersten haben sofort zugegriffen und sind total begeistert. Total gut. Wir haben zwei Hotels, direkt nebeneinander, direkt in Strandnähe, das wird ein super Urlaubserlebnis. Sie werden sich wirklich richtig super erholen. Falls Sie das wollen.

Wir glauben ja an das Menschenrecht auf eine individuelle Urlaubserholung, das ist bei uns in der Unternehmensbeschreibung auch so beschrieben, und wenn Sie sich einfach zwei Wochen lang ohne Sorgen entspannen wollen, dann können Sie sich mit uns auch zwei Wochen lang einfach so ganz ohne Sorgen entspannen. Total gut. Sie sind von Anfang an in den besten Händen – also keine leeren Sitze in der Maschine, wir können uns das nicht leisten und Sie wollen natürlich auch nicht auf dies Urlaubsfeeling verzichten, stimmt’s? – und das wird auch bis zum Ende so bleiben.

Bis zum Ende der Reise, nicht, dass wir uns da jetzt falsch verstehen. Unser Risikomanagement ist total professionell, das haben wir mit mehreren sehr professionellen Unternehmen abgesprochen, und da wir das für professionell halten, kann man das auch als professionell bezeichnen. Sie brauchen also gar keine Befürchtungen zu haben. Wir empfehlen in der Reiserücktrittsversicherung selbstverständlich das Tragen von Schutzmasken, weil es irgendwo in einem Vertragsbestandteil stehen muss, aber das ist ja auch nicht weiter kompliziert. Sie lesen das nicht, davon gehen wir mal stark aus, und wenn Sie es lesen, dann unterschreiben Sie es halt trotzdem, oder wir haben kein Problem, weil Sie dann nicht mit uns verreisen. Total easy, also vor allem für Sie. Wir kümmern uns um den juristischen Rahmen, Sie brauchen eigentlich nur mindestens zwei Wochen, in denen Sie nichts anderes vorhaben.

Dieser regionale Ansatz ist für uns total toll, da wissen wir schon: Reisewarnungen sind innerhalb der EU wichtig, aber Sie wollen sich ja entspannen und Urlaub machen, also muss Sie das kümmern? Eben. Es kann ja sein, dass die Einheimischen sich eher infizieren, aber ich frage Sie jetzt mal ganz ehrlich: wann haben einen deutschen Urlauber diese Einheimischen interessiert? Vielleicht kurz nach dem Krieg, weil man da seinen Kindern über den Weg gelaufen ist, ohne es zu wissen, aber das kann man heute ja ausschließen. Auf der anderen Seite haben wir für Sie in der Reiserücktrittsversicherung eine Bestimmung aufgenommen, dass Sie für die Infektionen in Ihrer Kommune nicht verantwortlich sind und sich auch nicht informiert haben, ob Sie ein Infektionsrisiko darstellen. Das müssen Sie gar nicht weiter ernstnehmen, wir wollen uns da nur absichern, falls die anderen Länder ihre Gesetze plötzlich ändern sollten. Dann muss man reagieren. Das werden Sie als Verbraucher sicher verstehen.

Dann haben wir ein paar Extras installiert, die sind auch total klasse für deutsche Kunden, weil die das ja nicht anders gewohnt sind. Wir haben für Sie selbstverständlich Frühstücksbüffet, ist zwar sonst verboten, aber die Hotels bauen das in der Kellerbar auf, da fällt das nicht so auf. Der Vorteil für Sie, es gibt ab acht Uhr Alkohol, je nachdem, ob Sie noch wach sind oder schon wieder. Total gut. Natürlich ist das nur für spezielle Gäste und wird sehr streng kontrolliert, aber nur bis zur Kellertür. Sie müssen die Masken also bis zur Kellertür mitnehmen und vorhaben, sie aufzusetzen, und was dann hinter der Kellertür ist, das wird dann nicht mehr kontrolliert. Unser Manager war mal Sicherheitschef bei einem Fleischproduzenten, der kennt sich mit Richtlinien aus. Total gut.

Was auch total gut ankommt, ist unser Service am Pool. Sie müssen da nicht mehr selbst Liegen reservieren, wir legen Ihre Handtücher schon vor Sonnenaufgang drauf. Sollte es da nichtdeutsche Gäste geben, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Wir werden denen früh genug beibringen, wo der Hammer hängt. Das läuft total gut. Wenn das Personal sich schon freut, dass endlich wieder Deutsche da sind, dann werden Sie mit den paar Ausländern im Urlaub auch zurechtkommen. Also mit den Gästen. Die anderen leben da, das lässt sich nicht immer so schnell ändern. Denken Sie an den letzten Weltkrieg.

Diese Quarantänemaßnahmen müssen Sie nicht wirklich ernstnehmen. Das ist nur für den Fall, dass die Bundesregierung das tatsächlich anordnet, aber da wir jetzt die Kommunen in der Pflicht haben, ist es nicht wirklich ersichtlich, dass Sie als Urlauber irgendwelche Bestimmungen des Seuchenschutzes zu bedenken hätten. Wenn Sie jetzt zum Beispiel am Flughafen München, dann starten Sie ja unter Umständen auch schon mal in Hamburg-Altona, und wenn Sie auf dem Rückflug, das ist ja dann vertraglich total gut gesichert, dann werden Sie mit der Sportmaschine direkt in der Lüneburger Heide abgesetzt. Das ist dann viel dichter am Standort als München. Vor allem, wenn man sich da mit drei Rollkoffern den Weg bis zur nächsten Bundesstraße zusammengoogeln muss.

Wir denken an alles. Keiner weiß, wie sich die kommenden Monate entwickeln, und wenn Sie jetzt noch einmal eine schöne Zeit erleben, dann ist das für Sie und für alle eine hervorragende Zeit, in der wir uns total um Sie… – Einbettzimmer? Nein, das ist nicht das, was Sie denken. Nur für den Fall, dass wir medizinische Komplikationen haben. Also eher Sie.“