Schuldknechtschaft

19 01 2022

„… in vielen Ländern bis heute körperlich und seelisch ausgebeutet würden. Die Bundesregierung werde dazu noch strenger auf die UN-Konvention hinweisen, damit Kinderarbeit nicht länger zum…“

„… zahlreiche Auswirkungen auch auf die deutschen Märkte hätte. So könnten sich gerade die Ärmsten der Armen, die vom Bürgergeld leben müssten, alltägliche Produkte wie Schokolade und Kaffee nicht mehr leisten, wenn die EU durch eine überzogene Verbotspolitik die soziale Schere aus moralischen Gründen ansetze. Merz fordere ein…“

„… würden Gegenpositionen in der öffentlichen Diskussion oftmals vorsätzlich unterschlagen. Weidel sehe in der frühen Berufstätigkeit auch eine praktisch orientierte Bildungschance, da man bei minderwertigen Rassen mit Schule nur überflüssige Potenziale zur Auswanderung nach…“

„… touristische Angebote sehr stark von einem ausreichenden Vorrat an Kinderarbeitskräften abhängig seien. Gerade durch negative Faktoren wie Corona oder den Klimawandel müsse man die Reiseindustrie wieder stärken, indem man durch eine flexiblere Kooperation mit den Betrieben vor Ort eine beiderseitige…“

„… nach Lindners Ansicht mit dem sofortigen Stopp keinem gedient sei. Vielmehr müssten auch die positiven Effekte gesehen werden, die in den Herkunftsregionen viel deutlicher zutage träten als in Europa. Eine langfristige Verbesserung aller an den Lieferketten beteiligten Volkswirtschaften sei nur mit einem langsamen Ausstieg aus der…“

„… werde auch die Textilindustrie nachhaltig geschwächt, wenn andere soziale Randgruppen wie Frauen die Hauptlast der Fabrikarbeit zu tragen hätten. Merz wolle durch eine bessere Verteilung der Arbeit auf die Gesellschaft ein nachhaltiges…“

„… dass in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten noch bis weit ins vergangene Jahrhundert Kinder ganz selbstverständlich in den elterlichen Betrieben beschäftigt und teilweise dafür nicht einmal entlohnt worden seien. Die FDP warne vor einer Neiddebatte, dass die vergleichsweise gute Lohnsituation in den heutigen Ländern der Dritten Welt im Vergleich zu den damals…“

„… habe auch die AfD kein Interesse an einer kompletten Ächtung der Kinderarbeit. Würde man den Familien die Anreize zur eigenverantwortlichen Haushaltsführung nehmen, so Meuthen, so öffne man die Schleusen einer Massenmigration, die vor allem unbegleitete Jugendliche aus sämtlichen…“

„… könne sich Kubicki auch einen direkten Transfer ausländischer Wirtschaftsmodelle auf die deutschen Verbraucher vorstellen. So sei die legale Verschreibung in Schuldknechtschaft für viele sich in Privatinsolvenz befindliche Erwerbslose eine durchaus attraktive Möglichkeit, die letztlich auch die Interessen der Finanzdienstleister sehr gut…“

„… sich der Fachkräftemangel inzwischen auch in Ostasien zeige. Für den Bundesverband der Deutschen Industrie sei klar, dass viele Firmen im Schichtbetriebe ohne den Einsatz von Kindern nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könnten, weshalb das Verbot nach internationalen Richtlinien langfristig zu schweren Schäden an der Weltwirtschaft und damit an den börsennotierten…“

„… sich Merz im Falle der Textilhersteller für den möglichst frühen Einstieg in die Erwerbsarbeit ausgesprochen habe. Durch das Ansammeln vieler Berufsjahre steige seiner Erfahrung nach auch die individuelle Rente, was zu mehr Wohlstand und…“

„… habe Deutschland nach Ansicht von Weidel kein Recht, anderen Ländern ihren Umgang mit den eigenen Kindern vorzuschreiben, solange hier noch geduldet werde, dass linksextremistische Demos während der Schulzeit die Zerstörung staatlicher Erziehungsziele einläuten würden, bis sich die…“

„… werde das Aufstiegsversprechen des freien Marktes sich gerade in den aufstrebenden Nationen beispielhaft bewahrheiten. So könne ein Kind, das mit fünf Jahren als Näher seine Karriere starte, mit 35 bereits Eigentümer eines Textilkonzerns mit mehr als einer Million Arbeitskräften sein, die mit ihrem eigenen Konsumverhalten für eine große…“

„… müssten Veränderungen im politischen und gesellschaftlichen System der Länder berücksichtigt werden. Lindner warne vor einer Ausbreitung der Kindergewerkschaften, die noch mehr Sozialismus und Verarmung in den betreffenden…“

„… lehne die AfD die Zuwanderung von mehreren Millionen Kinderarbeitern pro Jahr strikt ab, da es nicht genug Beschäftigungsmöglichkeiten für diese gebe. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Arbeitsmigranten deutschen Kindern die Ferienjobs wegnähmen, was zu einer katastrophalen…“

„… weite Teile der Union die Ausweitung eines allgemeinen Kinderarbeitsverbots auf die deutsche Gesellschaft kritisch sähen. Man habe bereits durch das Verbot der körperlichen Züchtigung durch die Eltern das christliche Menschenbild leichtfertig preisgegeben und müsse nun durch besondere Berücksichtigung des Kindeswohls eine…“

„… sehe sich die Kultusministerkonferenz aber nicht in der Lage, ein einheitliches Urteil über Lockerungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu kommunizieren. Man gebe jedoch zu bedenken, dass die Kinder in Deutschland durch die in den Schulen vorangetriebene Durchseuchung mit dem Corona-Virus derzeit nicht geeignet seien, die in der Wirtschaft erwarteten Personallücken einer neuen Infektionswelle zeitnah zu…“





Captain Future

13 01 2022

„Also die Mehrheit ist dagegen, aber das heißt hier in Bayern ja nichts. Wenn zum Beispiel die meisten Ministerpräsidenten dafür sind, dann wird das auch so gemacht, weil der Ministerpräsident im Freistaat ja die Bevölkerung vertritt. Stellen Sie sich schon einmal auf eine Sommerwiesn ein.

Ach, jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig. Natürlich wissen wir noch nicht, was da auf uns zukommt, weil wir ja nicht einmal genau wissen, was auf uns zukommen könnte. Wir wollen hier Bier verkaufen und Brauchtum und Brathendl, mit Viren haben wir nicht zu tun. Aber ob wir die jetzt ignorieren oder eventuell später, oder ob wir feststellen, dass wir die später nicht mehr ignorieren können, weil die uns jetzt das Geschäft lahmlegen, das ist nicht ganz gewiss. Wir brauchen da sehr viel Gottvertrauen und einen Ministerpräsidenten, der noch viel mehr Selbstvertrauen hat – das ist bei ihm ja dasselbe, das geht quasi ineinander über. Er weiß ja immer, wo es langgeht, auch wenn sich das mehrmals am Tag ändern sollte. Also bei ihm.

Wir sollten die bayerischen Feste viel mehr im Sommer konzentrieren, da ist hier viel mehr los, weil die Menschen alle Urlaub haben, und die Stadt München kommt damit viel besser zurecht, so in Bezug auf den Verkehr, den Dobrindt und Scheuer und die ganzen anderen Knalltüten ihr gelassen haben, weil alle ja auch verreisen. Das widerspricht sich zwar, aber das macht gar nichts, weil der Ministerpräsident sich ja auch ständig widerspricht, und da fällt es gar nicht mehr auf. Außerdem ist so ein Sommerfest sowieso viel schöner, bis auf die ausländischen Touristen, die kommen gar nicht erst, und das ist ja wieder gut für den Verkehr, und der Ministerpräsident ist dann vielleicht gerade wieder ökologisch und findet das toll, und dann umarmt er einen Baum, fordert Preissenkungen beim Diesel und Impfpflicht für Touristen, und dann ist auch schon wieder Weihnachten.

Ein Problem wird ja das Personal, weil wir die Kellnerinnen dieses Jahr alle früher brauchen oder gar nicht. So genau weiß man das noch nicht, aber wir machen es auch mal wie der Ministerpräsident: wir warten ab, was passiert, und dann machen wir das Gegenteil, oder auch nichts, oder wieder etwas ganz anderes. Irgendwie sieht es bei ihm ja auch immer aus, als ob alles klappen würde, auch dann, wenn es mal nicht geklappt hat. Beispielweise das mit der Kanzlerkandidatur. Auch wieder hier zu früh und da zu spät, nicht passt zusammen, dann macht’s Laschet und macht es auch prompt falsch, und am Ende stellt er sich hin und sagt, was er immer schon gesagt hat. Dass er es nämlich immer schon gesagt hat. Also müssen wir dann jetzt erst rauskriegen, ob das Oktoberfest stattfindet, wann es stattfindet, und dann erledigen sich die wichtigen Problem wahrscheinlich von selbst, und wenn nicht, dann kann man daran vielleicht gar nichts machen. Vermutlich höhere Gewalt, aber ich bin mir noch nicht mal sicher, ob das für den Ministerpräsidenten tatsächlich ein Hinderungsgrund wäre. Die höchste Gewalt ist ja immer noch er selbst.

Auf der anderen Seite ist das organisatorisch und verwaltungstechnisch ein Schnapsidee, weil die Bewerbungsfristen für die Fahrgeschäfte längst abgelaufen sind. Für den Sommer wird es also nichts mehr mit der Wiesn, und da wir im Oktober dann wieder Corona haben – das wissen wir jetzt schon, wir wissen nur noch nicht, ob wir das im Herbst auch schon wissen, dass wir das gewusst haben oder vielleicht schon gewusst haben werden – können wir es eigentlich gleich lassen. Da wird einem ja gleich ganz schwindelig, das muss von der plötzlichen Nüchternheit kommen, so ganz ohne Wiesn, oder der Ministerpräsident jongliert mal wieder mit unsicheren Zukunftsformen herum. Er geht ja zum nächsten Karneval als Captain Future, falls der nicht wegen Impfpflicht ausfällt, oder war das andersherum? Egal, so eine Wiesn kriegen wir auch ohne Achterbahn hin, Bier ist genug da, und den Unterhaltungspart macht der Ministerpräsident einfach selbst.

Es sei denn, wir kriegen jetzt auch noch ein Problem mit der kritischen Infrastruktur. Also mit der Brauereiwirtschaft, das ist ja der entscheidende Punkt an der Wiesn. Das stelle ich mir jetzt doch ein bisschen komplex vor, wie man sich da als Ministerpräsident positionieren soll. Erstmal muss er ja die Brauereien loben und sehr viel Zuversicht verströmen, dass die das alles schaffen, weil das im Freistaat ja gar nicht anders geht – spätestens eine Woche, realistisch gesehen eher zwei bis drei Tage vorher wird er dann der Öffentlichkeit erklären, dass die Wiesn nicht stattfindet. Es können schon Wetten angenommen werden, ob es nicht genug Fässer für das Bier gibt oder zu viel Bier für die Flaschen, auf jeden Fall ist die Planwirtschaft schuld und der Sozialismus sowieso, nämlich die Kommunisten aus Berlin, und dann weiht er sicher ganz schnell im Kini-Kostüm eine Schnellstraße im Wahlkreis vom Stoiber ein, damit er auch in den Schlagzeilen ist, aber mit ganz anderen Sachen.

Wahrscheinlich stoppt er das selbst, weil er keinen Ärger mit der Polizei haben will. Die haben ja für den Sommer auch schon Urlaub eingereicht, und wenn da alle Einsätze neu geplant werden müssen, haben wir am Ende noch eine Terrorlage, weil ein paar durchgeknallte Islamisten die Stadt in die Luft jagen wollen. Oder Querdenker, so gut sind die ja auch nicht zu unterscheiden. Aber so machen wir das hier eben in Bayern: irgendwas passiert, keiner weiß, wozu es gut ist, verantwortlich sind die anderen, aber reinreden soll uns auch keiner. Da kann die Mehrheit dann denken, was sie will.“





Kritische Infrastruktur

11 01 2022

„Und wenn die Feuerwehr nicht kommt?“ „Die Polizei ist meistens schneller.“ „Aber es kann ja mal brennen.“ „Wenn wir die ganze Feuerwehr in Quarantäne stecken, dann ist das auch egal.“ „Wir haben doch immer noch die Lehrer.“ „Wie kommen Sie denn jetzt auf die?“ „Naja, wenn die Schulen zu sind, dann sitzen die doch zu Hause.“

„Ich fordere sofort einen Notfallplan!“ „Wessen Aufgabe ist das denn eigentlich?“ „Seine.“ „Dann ist es ja auch nur logisch, dass er einen fordert.“ „Finde ich auch.“ „Aber kann man das einfach so aus dem Stegreif?“ „Die Experten hatten da vor etwa anderthalb Jahren mal etwas vorgelegt.“ „Das klingt gut.“ „Was haben wir da gesagt?“ „Dass wir uns nicht von Medizinern vorschreiben lassen, wie wir mit einer Krankheit umzugehen haben.“ „Hm.“ „Aber wir könnten doch jetzt ein paar Maßnahmen beschließen, damit die Leute sehen, dass wir alles im Griff haben.“ „Die Lehrer könnten vor der Schule Schnee fegen.“ „Und wenn es gar nicht schneit?“ „Geh doch nach drüben, Du linke Sau!“

„Wir müssen alle systemrelevanten Branchen berücksichtigen, das ist doch klar.“ „Mir haben zum Beispiel die Küchenbauer geschrieben.“ „Warum?“ „Irgendwie muss er halt seine Kohle verdienen.“ „So war das nicht gemeint!“ „Ach was.“ „Was wir jetzt brauchen, sind Stabilisierungsmaßnahmen, die die wichtigsten Wirtschaftsbereiche stabilisieren.“ „Also die Küchenstudios und die Bordelle.“ „Wieso die Bordelle?“ „Was?“ „Was?“ „Hat hier jemand aktuelle Zahlen?“ „Wovon denn?“ „Weiß ich auch nicht, aber aktuelle Zahlen hatte hier noch nie einer.“ „Gut, dann können wir ja alles so lassen, wie es ist.“ „Das klingt gut.“ „Und die Feuerwehr?“ „Wenn die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger sich in freiwilliger Quarantäne befindet, können nicht so viele Brände am Arbeitsplatz ausbrechen.“ „Und zu Hause?“ „Da setzen wir selbstverständlich auf Eigenverantwortung.“

„Wir könnten den Einzelhandel verstaatlichen.“ „Das klingt sehr gut.“ „Dann können die nicht mehr streiken.“ „Genau, wir machen das wie mit den Krankenhäusern.“ „Die haben wir doch privatisiert, damit sie nicht mehr so viel kosten.“ „Sterben können Sie auch ohne medizinische Hilfe, aber wenn ich nicht regelmäßig Alkohol und Klopapier kriege, dann wird es kompliziert.“ „Wir könnten die mit Minijobs ruhigstellen.“ „Und wenn dann alle kündigen?“ „Das würden die nie wagen.“ „Stimmt, das macht man nur in absolut unterqualifizierten Berufen, in denen man schnell einen anderen Job findet.“ „Und die Polizei?“ „Wollen Sie die jetzt auch verstaatlichen?“ „Bloß nicht, sonst riskieren wir, dass die durch staatskritische Demonstranten in eine moralische Zwickmühle gebracht werden und nicht mehr mit aller Härte Verstöße gegen nicht genehmigte Versammlungen ahnden.“

„Die Handwerker haben doch momentan Zeit.“ „Stimmt, mein Klempner kommt ja auch erst im März.“ „Das heißt, wir könnten die für mindestens sechs Wochen ins Krankenhaus schicken?“ „Lieber in die Schule.“ „Oder in den Einzelhandel.“ „Die sind doch gerade durch 2G leer?“ „Dann kann man ja Verkäufer im Handwerk einsetzen.“ „Sie können doch nicht qualifiziertes Verkaufspersonal in einen Beruf versetzen, in dem man nur Steine in eine Schubkarre schmeißt oder Rohre schweißt!“ „Wenn das zu schwierig ist, könnte man sie in die Politik bringen.“ „Das kostet Wählerstimmen.“ „Ich weiß, weil dann Supermärkte nicht mehr funktionieren.“ „Eben.“ „Da sehen Sie es, wir müssen höllisch aufpassen, dass wir bei der kritischen Infrastruktur keine Fehler machen!“

„Haben wir einen Krisenstab?“ „Den haben wir schon beim Hochwasser nicht gebraucht.“ „Und die Feuerwehr?“ „Die kann nur im Kriegsfall vom Bund beordert werden.“ „Das heißt, wir müssen das nächste Hochwasser zum Verteidigungsfall erklären?“ „Vielleicht hilft dann die Bundeswehr.“ „Wenn die Truppe das macht, kann die Feuerwehr ja auch in die Schule.“ „Was soll das denn?“ „Die Lehrer müssen doch in den Einzelhandel, weil sie nicht im Handwerk…“ „Jetzt haben Sie alles durcheinander gebracht.“ „Die Handwerker kommen jedenfalls erst, wenn das Wasser weg ist.“ „Die sind ja auch erst mal beschäftigt.“ „Mit den Krankenpflegern?“ „Fegen die nicht den Schnee weg?“ „Nur bei Hochwasser.“ „Ach was.“ „Und die Polizei?“ „Die arbeitet jetzt in zwei Mannschaften, die eine soll die andere ja nicht infizieren.“ „Und wenn eine sich unabhängig von der anderen infiziert?“ „Das ist so nicht vorgesehen.“

„Also sehe ich das richtig, die Küchenbauer haben Sie in dem Notfallplan nicht berücksichtigt?“ „Wir machen uns da große Sorgen, das sind ja auch Spezialkräfte, die man nicht einfach ersetzen kann.“ „Da haben das die Sachsen mit den Bürgerwehren schon leichter.“ „Die Übergänge zur Polizei sind da traditionell sowieso eher fließend.“ „Man müsste sich überlegen, ob man kritische Personengruppen überhaupt noch in Quarantäne nimmt.“ „Also wenn man sich kritisch äußert, kommt man nicht mehr in Quarantäne?“ „Sie haben da wirklich etwas nicht verstanden.“ „Aber…“ „Das würde bei Organen der Sicherheit natürlich zu einer Durchseuchung führen.“ „Definitiv?“ „Definitiv.“ „Das ist doch mal eine Aussage!“ „Damit hätten wir dann ja alles geklärt.“ „Großartig!“ „Gut, dann machen wir das so: Feuerwehr, Polizei, Pfleger, Lehrer…“ „Und die Küchenbauer?“ „Um Gottes Willen – wir als Landesregierung müssen doch alles tun, um die wehrlosesten Mitglieder unserer Gesellschaft vor dieser schrecklichen Pandemie zu schützen!“





Warten auf den Sozialismus

5 01 2022

„Erlauben Sie mal, ich verbitte mir diesen Tonfall, Sie dummes Arschloch! Überhaupt, ich werde Sie verklagen, wenn Sie nicht auf der Stelle zahlen, das wollen wir doch mal… – Schetelig! Wird’s bald!

Sie haben mir doch schon wieder die Rechnung von der Mistbude nicht auf den Tisch gelegt, dabei habe ich Ihnen hunderttausend Mal gesagt, jawohl, da mache ich keinen Spaß, ach: da ist sie ja. In einem ordentlichen Kontor kommt eben nichts weg, das schreiben Sie sich mal hinter die Ohren. Das ist die Aufstellung vom ganzen vierten Quartal? Ich werde hier noch verrückt, Schetelig – man macht doch keine Aufstellung vom Quartal, wir laufen den Zinsen hinterher! Monatliche Rechnungsstellung, sonst kann ich hier bald zusperren, oder wollen Sie etwa Ihr Gehalt auch an Sankt Nimmerlein? noch nicht angekommen? Ja, da hat Puschke wieder die Listen verlegt, das kennt man ja schon.

Gehen Sie mir mit langjährigen geschäftlichen Verbindungen, davon kann ich mir nichts kaufen. Die Firma ist marode, Hagen & Co. sind ja damals nur von meinem Großvater, und das waren noch ganz andere Zeiten, die hatten Geld wie Heu, wir haben den Kredit bekommen, und seitdem sind wir quasi ein Herz und eine Seele. Aber dass die nicht zahlen, ist ein Skandal! Als erstes setzen Sie sich mal mit dem alten Hagen ins Benehmen, wenn die nicht zahlen können, dann lassen wir eben ab sofort nur noch von Rott & Plauer liefern. Gute Adresse, die haben zweimal die Insolvenz abgewendet, ich kenne die noch von der Zwangsversteigerung, als die alte Gießerei von meinem Onkel pleite ging.

Ich will jetzt nicht gestört werden, wer ist denn da am Apparat? Nein, ich will jetzt nicht reden. Sie können ja gerne mit dem reden, ich habe jetzt keine Zeit. Ist das überhaupt korrekt aufgestellt? Nicht, dass wir hier eine Rechnung verschicken, und dann sind die Zahlen nicht… – Schetelig, Sie haben doch Prokura, da muss man sich um alles kümmern! Ich habe das damals noch so gelernt: wer ein Geschäft ordentlich führen will, muss immer und überall für Kundschaft erreichbar sein. Es gibt keine kleinen Kunden, es gibt nur kleine Geschäfte, merken Sie sich das! So, und jetzt geben Sie das mal Puschke, der soll sich um den Kinderkram kümmern. Es ist ja nicht zum Aushalten hier!

Übrigens großartig, dass wir demnächst wieder eine richtige Regierung haben. Die vier Jahre, die sind schnell vorbei, Hauptsache: wir kriegen keine Inflation. Dann steigen die Löhne, und die Leute geben ihr Geld für alles mögliche aus, aber nicht mehr für unsere Rechnungen. Sie brauchen mir das nicht zu erklären, Schetelig, ich habe das gelernt. In meinem Alter macht mir niemand mehr so leicht etwas vor. Sonst wäre ich nicht hier.

Gut, gehen Sie ans Telefon, dann mache ich das selbst. Zweihundert, vierhundert, sechzehnhundert und die Umsatzsteuer, das sind ja schon wieder jede Menge Unkosten, das wird der Alte sich nicht mehr leisten können, wahrscheinlich ist er auch kurz vor dem Konkurs. Aber ich kann doch deshalb meine Preise nicht senken, und überhaupt, er hat doch den Lieferschein unterschrieben, soll ich jetzt in den Schornstein gucken!? Schetelig, wo Sie schon mal dabei sind, prüfen Sie gleich die Voraussetzungen für eine Zwangsvollstreckung. Die Brüder sind mit etwas Glück schon klamm, dann so eine Rechnung, und wir springen als nächste über die Klinge. Aber nicht mit mir! Das wäre ja unglaublich, warten auf den Sozialismus, und dann lassen sie die Gläubiger im Regen stehen! Schweinerei, so etwas!

Was ist das hier überhaupt für eine komische Rechnungsnummer, wie kommt man dazu? drei auf einmal? Nicht bezahlt im Oktober und November, und jetzt alles auf einmal? Schetelig, Sie sind der Nagel zu meinem Sarg! Wir sind doch nicht die öffentliche Kreditanstalt, das kann man doch nicht machen! Wenn das jeder versuchen würde, wir wären umgehend bankrott! Mit solchen Schulden kann ich mich bald als Finanzminister bewerben, ach was: Sie sollten das machen! Die Leute fressen mir die letzten Haare vom Kopf, und ich schaue seelenruhig zu, wie man mir das Haus wegpfändet! Manchmal glaube ich, ich bin überhaupt nur von Idioten umgeben! Von Idioten, Schetelig!

Sehr gut übrigens, dass die Steuern jetzt doch gesenkt werden. Wissen Sie, wenn die Leute wieder mehr Geld haben, steigt nicht nur der Konsum, es ist auch gut für die Zahlungsmoral. Wir müssen mal an den Juniorchef von Robofix ran, der hat letztens eine nette Summe in die Gießerei gesteckt – kein großer Erfolg, aber investieren muss man immer. Mit etwas mehr Kapital könnten wir auch Kunden wie diese hier halten, die nie pünktlich sind. Da schaut man eben mal durch die Finger, großzügig muss man sein, dann hat man solche Malessen nicht und auch keine Scherereien mit der Bank. Sie gehen da nächste Woche mal vorbei, ich kann mich bei denen nicht mehr blicken lassen.

Jetzt gehen Sie halt dran, Puschke! Das ewige Geklingel macht einen ja ganz nervös, wir haben unsere Zeit ja nicht gestohlen. Die Leute auch nicht, da haben Sie ganz recht. Zehnmal? seit halb elf? Ich habe gesagt, jetzt übertrieben Sie nicht immer so. Zehnmal? Die haben nichts Besseres zu tun? Läuft wohl nicht, der Laden. Hähähä! Ja, geben Sie her, das ist die letzte Aufstellung? Wem? Oktober und November nicht drin? weil ich selbst unterschreiben wollte? Ich unterschreibe natürlich selbst, ist doch mein Geschäft! Wie, Hagen & Co. – das heißt, nicht die schulden uns sechzehnhundert, Gebühren für die Mahnung kommen noch drauf? Kinder, wir wären längst abgesoffen, wenn ich mich hier nicht um alles selbst kümmern würde!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXCIV): Greenwashing

10 12 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Auf der Suche nach Wahrheit landen wir alle früher oder später beim Werbefernsehen. Kieksende Kids rumpeln in luxuriösen E-Panzerwagen über naturbelassene Straßen aus Bio-Beton, an deren Spontanvegetation unter schadstofffrei blauem Himmel glückliche Kühe käuen und die Landschaft mit veganem Methan nachhaltig bereichern. Voller Engagement verkünden miserabel synchronisierte Teenager ihre Entschlossenheit, das von der Politik kurz nach der Unterschrift getonnte 1,5-Grad-Ziel als real existierenden Surrealismus zu begreifen, in atmosphärischen Farben für ACME inszeniert. Als würde das nette Kohlekraftwerk um die Ecke die Landschaft mit Gänseblümchenextrakt vollballern, schwabbert uns die Konzernpropaganda die Hirne zu: wir tun was, quasi jetzt gleich sofort. In drei Jahren. In fünf. Oder zehn. Oder nie. Irgendwas tun wir aber, und sei es nur Greenwashing.

Wahrscheinlich hat man komplette PR-Tanks ins Rhetorikseminar geprügelt, damit die Grütze schneller durchgeht als ‚Bestes Waschmittel‘ oder ‚Leckerste Vollkornreiswaffel westlich des Rheins‘. Eine Rotte geldgieriger Arschgeigen rutscht auf dem eigenen Angstschweiß aus, weil die restliche Menschheit längst gemerkt hat, wie viel Dreck der Kapitalismus mit sich herumschleppt. Schon klebt die Wirtschaft Fantasiebömmel auf die FCKW-freie Baumwolle, als würde man kalorienarmes Wasser unter die Menschheit jubeln – immer bescheißt die Leute, passt schon, wenn sie nichts merken. Je wolkiger das Versprechen, innerhalb der folgenden ölfzig Jahre kein Dingsda zu verblasen, desto lauter der Jubeltutenchor der geistig Untertunnelten.

Natürlich geht uns alle das Etikettengeklebe der Ökonomen etwas an, wenn wir nicht als tumbe Gesellschaft der chronischen Aufschieberitis auf den Leim gehen wollen. Schon juchzt die einzig wichtige Industrie, die Kraftfahrzeuge ausstößt, das Stromauto sei so supi, es sei an Urstheit mit dem an sich schon duften Benzintöff nicht zu vergleichen. Wir erinnern uns, die Dieselschleuder wurde uns auch als Erlösung vom Auspuffgetöse herbeigebetet und mit hastig zusammengeschwiemelten Szenarien des Weltuntergangs verglichen, um dem gemeinen Nappel den Erwerb der Heizölkarre zu insinuieren – besser als ein Meteoriteneinschlag während der allgemeinen Nudelknappheit zur Helene-Fischer-Welttournee wäre es allemal gewesen.

Aber egal, die professionellen Klimaleugner, die unsere – unsere? wir haben den Schmodder mit den Gewinnen bezahlt und kommen jetzt auch noch für die versteckten Subventionen auf, bevor die Steuer fürs Katastrophenschutzprogramm uns den Boden unter den Füßen wegreißt – Kohle zur Abwehr der Zukunft verbraten, schleimen sich aalglatt an den Zielkonflikten entlang. Ein Cent pro Plastikbeutel würde reichen, frohlockt der gemeine Discounter, schaufelt sich mit der Methode eine halbe Million per anno rein und vergisst zufällig, wie sein übriges Grünzeugsortiment in Kunststofffolie geraten ist. Da barmt’s aus der Bierbranche, der Kunde könne gar nicht so viel von der Plempe saufen, wie der Hersteller Regenwald retten möchte – ungelöst aber bleibt, warum der Braumulti zehnmal so viel in die Reklame investiert wie in die Aufforstung. Bald stampfen stinkende Kreuzfahrtpötte den Restozean aus der Existenz, macht aber nix: an Bord gibt’s ja nur noch Handtücher aus nachhaltigem PVC-Textil, da kann man den Ausstoß der schwimmenden Kohlendioxidfabriken schon mal vernachlässigen.

Überhaupt ist die Grünwäscherei der mutige Versuch, die ganze Bevölkerung für geistig nicht satisfaktionsfähig zu verkaufen. Gäbe es nicht die Inseln aus kreisendem Plastik auf den Weltmeeren, hätten wir nicht längst Kleinstteilchen in jeder aus dem Wasser gefischten Nahrung, die an der eigenen Heiligkeit zugrunde gehenden Propagandalappen würden hoffen, dass niemand sich für ihr Geseier interessiert. Sie retten sich in die Zuversicht, dass der Verbraucher schlicht nicht alles boykottieren kann, wenn er irgendwie überleben will, oder aber ganze Produktgruppen ausblenden muss, Fahrzeuge und Fisch, Smartphones, Spielwaren, Tourismus. Und wer wäre schon so konsequent, ein Leben ohne Leberwurst aus ökologischen Motiven zu wählen.

Früher oder später wird es im Zeitalter der Wissenschaftsfeindlichkeit zum Schulterschluss mit dem Hokuspokus kommen, mit Homöopathie und Heilern, die die Schadstoffbelastung für Menschen in unseren Breitengraden wegpendeln, Globuli für Klimagestresste verordnen oder freie Energie aus Erdstrahlen gewinnen wollen, die gegen ordentlich Kohle das Chi oder irgendeine andere Schusswunde im Bewusstsein wegbügeln und uns alle zu Frieden und Freiheit helfen, damit wir nicht mehr merken, wenn der Planet uns mit Schmackes loswerden will. Als Alternative werden alle kritischen Stimmen, die nach Transparenz rufen, für Querulanten gehalten, die uns alle in den Ökoterrorismus treiben wollen. Bis dahin werden wir regional geerntete Bierdeckel, Recycling-Rollmops mit Stochern aus kontrolliert geschnitztem Qualitätstotholz, natürliche Aromen und naturidentische Natur erdulden und irgendwann als Normalfall akzeptieren. Irgendwer klatscht da sicher ein Bio-Siegel drauf. In Grün.





Nikolausejungen

6 12 2021

„… konfessionsübergreifend an den Sinn des Festes erinnern wollten. Weihnachten sei als religiöses Ereignis eine der tragenden Säulen der Kultur und werde gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland mit der Deutschen Bischofskonferenz als Zeichen der…“

„… erheblichen Protest angemeldet habe. Die soziale Komponente könne nie ohne die Sicherung von Arbeitsplätzen und Aktienkursen gedacht werden, für die das Weihnachtsgeschäft als größter Umsatzträger im Einzelhandel eine existenzielle…“

„… sich Lindner in die Debatte eingeschaltet habe. Als designierter Finanzminister könne er die geplanten Steuersenkungen für notleidende Erben und vom Hungertod bedrohte Millionäre nur dann realisieren, wenn die Umsatzsteuer eine solide Basis für die fiskalischen…“

„… auch in dunklen Tagen die Geburt des Herrn als Hoffnungszeichen deutbar sei. Brauchtum und Feste in der Weihnachtszeit böten den Menschen Halt, so Kardinal Marx, und könnten ihnen jenseits der materiellen Auslegung der…“

„… bereits in der protestantischen Arbeitsethik angelegt worden sei, dass die Bürger lieber den Wohlstand derer mehren würden, die nichts dafür getan hätten, was seit Luther ein Beweis für die Rechtfertigung des Konsums vor Weihnachten sei. Precht werde in seinem nächsten Buch die Bedeutung des Onlinehandels in der römischen Philosophie des christlich-jüdischen…“

„… nicht ohne die traditionellen Feiern in der Familie und das Weihnachtsessen begangen werde. Die Küchenbauer seien darauf angewiesen, dass Impfverweigerer, die durch die Zutrittsregeln keine Gaststätten betreten dürften, sich rechtzeitig mit einem Besuch in den Ausstellungsräumen der…“

„… könne sich Spahn vorstellen, als letzte Handlung vor der Entlassung aus dem Ministeramt die Maskenpflicht in allen Gottesdiensten bis zur einer 7-Tage-Inzidenz von 10.000 aufzuheben, wenn damit gleichzeitig die Selbstverpflichtung aller Bürger zu einer Boosterimpfung in den…“

„… auch an die Kinder denken müsse. Durch die Pandemie seien die Jüngsten psychisch oft stark belastet worden, es fehle ihnen an Resilienz und Ausgleich für die oft nicht nachvollziehbaren Einschränkungen. Als amtierender Präsident des Handelsverbandes Deutschland könne und wolle sich Sanktjohanser nicht ausmalen, welche Tragödien den Kleinen etwa beim Schenken des falschen Smartphones oder einer…“

„… typisch linkslinke Positionen sehe, wie sie die stalinistisch-liberale Koalition unter Scholz habe erwarten lassen. CSU-Generalsekretär Blume sei entsetzt über die fundamentalistischen Ansichten der Kirche, die sich gegen sein Verständnis von Christentum und deutschem…“

„… auch das Böllerverbot in diesem Licht als Frontalangriff auf das abendländische Brauchtum zum Ende des Kalenderjahres betrachtet werden müsse. Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk sowie der Verband der pyrotechnischen Industrie seien nicht gewillt, das Berufsverbot der Scholz-Diktatur wehrlos zu akzeptieren. Auch wenn die Mehrheit der Bürger dies begrüßen würde, werde man die Prohibition notfalls mit verfassungsrechtlichen…“

„… müsse umgehend die Kraftfahrzeugsteuer ausgesetzt werden, um den Kauf großer Verbrenner zu vergünstigen. Wissing werde sich als Anwalt der Verbraucher für die Mittelschicht einsetzen, die ihre weihnachtlichen Gefühle auf die traditionelle Weise durch Quartalszahlen im…“

„… habe die EKD-Ratsvorsitzende Kurschus klargestellt, dass Feuerwerk an Silvester zu den heidnischen Überlieferungen zähle und von keiner Konfession aktiv unterstützt werde. Die Forderung der Industrieverbände, das Böllerverbot als Verstoß gegen den christlichen Glauben zu verurteilen, entbehre jeder kirchenrechtlichen…“

„… nicht durchdacht sei. Merz habe keine Sympathie für Nikolausejungen, die der Union als stärkster politischer Kraft ihre Interpretation von Christentum aufzwingen wollten. Sobald er zum Bundeskanzler gewählt worden sei, werde er durch eine mit der Wirtschaft abgestimmte Fassung der religiösen Bekenntnisse den Fortschritt in die…“

„… sich bereits Adenauer über die seinerzeit schon gebräuchliche Weihnachtsbeleuchtung in den Einkaufsstraßen beschwert habe. Für Brinkhaus sei dies ein Zeichen äußerster Gefahr, wenn auch die gefestigten Konservativen der guten alten Zeit von den Wahnideen eines entfesselten Katholizismus…“

„… sich als Vorsitzende angeboten habe. Ein Kampf für die überkommene Tradition des Böllerns am Jahresende sei so aussichtslos wie ihre Position für den Anschluss polnischer Gebiete an die BRD. Steinbach werde daher alles tun, was nötig sei, um Demokratie oder Vernunft mit allen Mitteln zu…“

„… die Trennung von Kirche und Staat falsch sei, wenn damit religiösen Würdenträgern erlaubt werde, im Rahmen der Verfassung Meinungen zu äußern. Precht werde in seinem nächsten Buch über die unchristlich-abendländische Gesellschaft die Geschichte der Soziologie seit dem Hochmittelalter bis zu den Anfängen der postbabylonischen…“

„… deutsche Traditionen in einer islamisierten Linksdiktatur nichts wert seien. Weidel fordere die sofortige Freigabe des Weihnachtsshoppings für alle Ungeimpften ohne Maske und Höchstanzahl an Ladenbesuchern. Nur mit einer entsprechend hohen Anzahl an verkauften Artikeln könne ab dem 27. Dezember der althergebrachte Umtausch in den Geschäften seinen normalen…“





Glühwein mit Schuss

24 11 2021

„… werde es auch bei einer zunehmend sich verschärfenden Corona-Lage Weihnachtsmärkte in Bayern geben. Ministerpräsident Söder habe sich allerdings entschieden, dass es in diesem Jahr nur ohne den Ausschank alkoholischer Getränke im…“

„… zu Protesten in der Bevölkerung kommen werde. Zahlreiche CSU-Ortsverbände seien wütend und entsetzt, dass es keine Freiheit mehr für das Brauchtum gebe, sich in der Öffentlichkeit zu…“

„… habe Söder betont, dass man auf einer Veranstaltung mit Maskenpflicht ohnehin keinen Punsch zu sich nehmen könne. Die Frage, warum der Verkauf von Fruchtsaft und Limonaden weiter erlaubt bleibe, sei wegen eines technischen Fehlers und des plötzlichen Endes der Gespräche dann nicht mehr im…“

„… dass sich dazu die Drogenbeauftragte der geschäftsführenden Bundesregierung nicht äußern werde. Die Gefahr sei für Ludwig zu groß, dass die Bürger durch ein Verbot des kulturell akzeptierten Alkohols zum Konsum tödlicher Rauschgifte wie Marihuana ermuntert würden, was Risiken für die Volksgesundheit und den kriminellen…“

„… im öffentlichen Raum stattfinde. So dürfe eine Kontrolle auf vorherigen Alkoholkonsum, den sogenannten Vorglühwein, nur mit Einverständnis der Gäste durchgeführt werden und sei auch nur zu beanstanden, wenn die Blutalkoholkonzentration ein für die öffentliche Sicherheit relevantes Maß überschritten habe, so dass die Wirkung des…“

„… die Umfragen der Christsozialen von Söders Entscheidung beeinflusst würden. Im zweiten Jahr, in dem es kein Oktoberfest gebe, könne dieses Eintreten gegen den kollektiven Alkoholkonsum für einen Stimmverlust in Höhe von mindestens…“

„… auf den Freistaat Sachsen ausgeweitet werde. Wie Ministerpräsident Kretschmer in einer Pressekonferenz betont habe, werde auch in seinem Bundesland zu nichtalkoholischen Events kommen, was zur Vermeidung riskanter Gruppenbildung in den Innenstädten und damit zur Senkung des…“

„… oder einen Vermittlungsausschuss einsetzen wolle, der die Interessen der Bürger gegenüber der Bayrischen Landesregierung vertrete. Allerdings sei der Vorschlag, spezielle Masken mit einer Öffnung für einen Trinkhalm an die Marktbesucher zu verkaufen oder selbst gelochten Mundschutz zu erlauben, aus hygienischen Gründen nicht bis in…“

„… der sächsische Bürgerprotest Saufen ist Freiheit nicht gerichtlich verboten werde, solange es nicht zu Rauschtaten komme. Im Falle von Gewaltdelikten unter dem Einfluss von Alkohol sei nochmals zu bedenken, dass die strafmindernde Wirkung des…“

„… in Franken mehrere Märkte bereits von den Schaustellern abgesagt worden seien. Ohne den Ausschank von Glühwein, Glögg und Punsch falle deren Hauptumsatzquelle weg, was letztlich zu keiner rentablen Teilnahme mehr an den…“

„… spare alleine die Stadtverwaltung Leipzig im Entsorgungsbereich mehrere zehntausend Euro ein. Im Schnitt müsse bei einem Weihnachtsmarkt mit Verzehr alkoholischer Getränke pro Tag eine Menge von gut einem Kubikmeter Erbrochenem von den Straßen der sächsischen…“

„… Umsatzeinbußen in erheblicher Höhe zu befürchten seien. Aldi Süd werde auf etwa zwanzig Millionen Tetrapaks zu einem Liter Glühwein sitzen bleiben, was sich auch auf das Weihnachtsgeld der Mitarbeiter und die Boni der…“

„… dass das Kulturprogramm auf den Märkten in diesem Jahr gestrichen werde. Die Stadt Leipzig führe dafür allerdings nicht den Infektionsschutz als Grund an, sondern habe die Vermutung, dass die Musik von nüchternen Besuchern kaum…“

„… auf den bayerischen Märkten gleichzeitig Zelte für eine mobile Corona-Schutzimpfung aufgebaut werden sollten. Die Landesregierung sei unter dem Motto Glühwein mit Schuss angetreten, die Impfquote nochmals um…“

„… würden Chemnitz und Dresden mitgehen und einen alkoholfreien Weihnachtsmarkt für die Bürger ausrichten. Weidel habe das Einknicken der CDU vor der offenbar muslimisch gesteuerten Anti-Alkohol-Hasspropaganda des Volksverräters Kretschmer als unleugbaren Beweis für die weitere Islamisierung Deutschlands bezeichnet und fordere von den Sachsen, sich notfalls mit Waffengewalt gegen den Unrechtsstaat zu…“

„… warne ein Sprecher der Corona-Leugner vor dem Betreten der bayerischen Weihnachtsmärkte. Man wolle die Bürger in einen total ungewohnten Zustand der Nüchternheit versetzen, um sie dann auf Befehl der Pharmaindustrie totzuspritzen. Dies könne nur durch orale Einnahme von Brennspiritus mit Schmierseife und Lindenblütenhonig bei gleichzeitiger Injektion von…“

„… hätten erste Tests mit am Körper befestigten Kunststoffblasen stattgefunden, um mit Hilfe eines Saugschlauchs mitgeführten Glühwein zu trinken. Ein 23-jähriger Leipziger habe durch einen in der Leistengegend geplatzten Katheterbeutel schwere Verbrühungen erlitten und sei ins Klinikum St. Georg eingeliefert worden, wo er sich einer…“

„… sei die Polizei auf Eskalationen vorbereitet. Man habe in Bayern mehrere Hundertschaften trainiert, Menschentrauben um Süßwarenstände mit unmittelbarem Zwang zu eliminieren. Darüber hinaus könne ein Hubschraubereinsatz die…“

„… es organisatorisch zu kompliziert sei, bei den Besuchern Impfnachweise oder Schnelltests auf Echtheit zu kontrollieren. Man setze vielmehr auf die Eigenverantwortung der Menschen, die nur eine friedliche Weihnachtszeit und ein gesundes…“





Aussperrung

18 11 2021

„… schließe die Koalition auch weiterhin jede Impfpflicht aus, da sie einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte darstelle. Stattdessen setze man auf eine strikt eingehaltene Regel, nur Geimpfte und Genesene in den…“

„… dürften nicht geimpfte Bürger ohne einen negativen Schnelltest sich nur noch zu bestimmten Anlässen außerhalb ihrer Wohnung aufhalten. Dies solle von der Polizei stichprobenartig kontrolliert werden, wobei sich schon die Ergebnisse der letzten Ausgangssperren im vergangenen Jahr für ein…“

„… obliege es den Arbeitgebern, ob die nicht geimpften Angestellten weiterhin bei ihnen arbeiten dürften. Um die beiden Bestimmungen rechtlich aneinander anzupassen, habe sich die Koalition entschlossen, auch den Arbeitsweg als notwendige Verrichtung zu gestatten, die ohne Impfung oder negativen Test von allen…“

„… nur zu Einkäufen die Wohnung verlassen dürften. Lindner verlange eine weite Auslegung des Begriffs, da nicht nur lebensnotwendige Güter wie Brot, Champagner und Kokain für die Wirtschaft zu den relevanten…“

„… Personen mit Hund aber nicht kontrolliert würden, da man davon ausgehe, dass sich der Aufenthalt in der Öffentlichkeit nicht vermeiden lasse. Es fehle allerdings an einer Rechtsgrundlage, um auch zu prüfen, ob es sich bei den angetroffenen Passanten auch um den jeweiligen Hundehalter handele oder ob das Tier nur ein…“

„… dass die Wahrnehmung staatsbürgerlicher Interessen gewahrt bleiben müsse. Für die Liberalen stehe außer Zweifel, dass auch ordnungsgemäß angemeldete Massendemonstration, die zum Sturz der Regierung aufrufen würden, unter den nötigen Auflagen weiterhin im…“

„… sei 3G in Verkehrsmitteln der Deutschen Bahn AG nicht durchsetzbar. Das Personal könne nicht gleichzeitig Fahrausweise und Zertifikate im Zugverkehr testen. Man riskiere bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften eine Quote von 100%, die sich vorsätzlich der Beförderungserschleichung in Tateinheit mit schwerer…“

„… dürften nicht geimpfte Personen, die sich ohne einen gültigen Corona-Test im ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit aufhalten würden, nicht schlechter gestellt werden, wenn sie am Arbeitsplatz nicht auf ihren Status geprüft würden. Für Kubicki wiege die Freiheit, unter allen riskanten Bedingungen weiter am Arbeitsleben teilzunehmen und damit das Risiko der Leistungsträger auf sinkenden Gewinne zu minimieren, höher als die sozialistischen Zwänge einer linksgrünen…“

„… fürchte die Deutsche Polizeigewerkschaft durch erhöhte Kontrolldichte im Freizeit- und Gastronomiebereich eine starke Zunahme an Körperverletzungs- oder Kapitaldelikten. Wendt kritisiere scharf, dass das Gewaltmonopol des Volkes durch eine erkennbar linksfaschistische SPD-Terrorregierung zerstört werde, damit die Durchsetzung des illegalen…“

„… noch einmal für alle Mitarbeiter bekräftigt habe. Der Vorstandsvorsitzende Lutz habe in den Verkehrsbetrieben im Ausland mehrfach gesehen, dass Kontrollen in Zügen und Bussen schnell und sicher und nie zum Nachteil der Reisenden möglich seien. Dies sei ein sicheres Zeichen dafür, dass es in der Deutschen Bahn nicht durchsetzbar sei, aus technischen und organisatorischen Gründen gar nicht funktionieren könne und daher niemals im…“

„… auch ein Spaziergang nicht ordnungswidrig sei, wenn er nicht durch das Verharren auf einer öffentlichen Parkbank unnötig ausgedehnt werde. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung werde man die Kontrollen der…“

„… ungeimpfte Arbeitslose einen erheblichen Grundrechtsnachteil zu tragen hätten, da sie nicht wie werktätige Personen mehrmals pro Woche die Wohnung aus einem wichtigen Grund verlassen dürften. Die FDP sei empört über diese sozial nicht zu rechtfertigende Diskriminierung. Lindner habe sich enttäuscht geäußert, dass seine Partei nicht die Erwerbslosen im Wahlkampf umworben habe, um sie jetzt bereits in der Regierungsbildung zu…“

„… sei nicht eindeutig geregelt, ob nur der Einkauf für den eigenen Haushalt als genehmigtes Verlassen der Wohnung gelte. Man dürfe auch bei Nachbarschaftsdienstleistungen wie dem Erwerb eines einzelnen Brühwürfels für eine Person im angrenzenden Landkreis nicht von einer gezielten Überschreitung der gesetzlichen…“

„… den Infektionsschutzstatus auch in den Betrieben prüfen wolle. Dies komme für Lindner einer Aussperrung gleich, der die Wirtschaft vor dem Bundesverfassungsgericht mit einem…“

„… würden Pflegekräfte von einen Lockdown profitieren, weil sie dadurch nicht mehr so stark ausgelastet seien. Der geschäftsführende Minister im Gesundheitsressort wolle sie daher auch zu Kontrollen im öffentlichen Raum verpflichten, die sich sogar für Aussteiger aus der…“

„… auf mehr einverantwortliches Handeln setze. Es sei für Wissing durchaus denkbar, dass Fahrgäste beim Zusteigen gegenseitig ihre Tickets kontrollieren würden. Die Liberalen würden nicht auf proletarisches Fehlverhalten wie Solidarität setzen, wüssten aber aus Erfahrung, dass es die gute deutsche Tradition des Denunzierens gebe, die eine gesunde Konkurrenz innerhalb der…“

„… nicht am Wochenende oder nach Einbruch der Dunkelheit gelte. Außerdem habe die Koalition angekündigt, dass es selbstverständlich Ausnahmen geben werde, beispielsweise in der Zeit vom Rosenmontag bis einschließlich…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIX): Der menschliche Algorithmus

5 11 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Mit dem Gebrauch von Werkzeugen, mutmaßt die Biologie, beginnt bei Lebewesen die Intelligenz, die das Begreifen der Erfahrung mit dem Ableiten von Beziehungen und Zusammenhängen verbindet: je länger das Hölzchen, das der Spechtfink sich in den Schnabel klemmt, desto besser wird er Futter aus der engen Röhre stochern. Hat er erst einmal gelernt, wie sie die Gerätschaft benutzt, wird er auch lernen, was sich dazu eignet, gemessen an der Menge der erbeuteten Insekten, am Erfolg seiner Geschicklichkeit und deren Wirkung, die sich dann evolutionär fortentwickelt. Mag ein herumliegender Kaktusstachel den Sperlingsvogel erst zu seiner Leistung gebracht haben, er erschließt sich durch die geistige Durchdringung seiner Umwelt einen Vorteil, der zunächst seinen Trieb befriedigt, damit dann das Überleben der Art sichert. Bis hinauf zu den Primaten, die von dünnen Röhrchen Termiten lutschen oder mit flachen Steinen Muscheln und Nüsse zerschlagen, scheint sich der Gebrauch des Dings zu steigern, bis auffällt, dass der Afrikanische Elefant gezielt Gegenstände in einem Elektrozaun wirft, um einen Kurzschluss auszulösen. Ab da ist der Weg in die künstliche Intelligenz nicht mehr so weit, die neben der Erfahrungsverarbeitung auch die Fähigkeit des logischen Schließens erfordert und den Menschen nachahmt, wie er sich durch die Entscheidungsfreiheit getrieben mit den Problemen des Daseins auseinandersetzt. Sie ist zum Scheitern verurteilt, dafür sorgt der menschliche Algorithmus.

Haben wir uns mit Regeln und Einschränkungen eine Sozialstruktur zurechtgeschwiemelt, den Markt und etwas, das man als System bezeichnen kann, so spielen uns allerhand kleine Befindlichkeiten im täglichen Handel und Wandel in die Hände. Die Ware wird zu genau dem Preis angeboten, der der Nachfrage entspricht; ab einer gewissen Menge ist ein Rabatt kalkulierbar, es sei denn, es handelt sich um einen Käufer, der tatsächlich schon immer die Ware beim Händler bezog und auch nicht nur diese eine Ware, denn dann greift der Abschlag vielleicht schon ein bisschen früher. Ist der Kunde aber ein Zwischenhändler, der prozentual an der Summe beteiligt wird, was spräche dann für den Verkäufer dagegen, den Preis schlankerhand zu erhöhen? Sie einigen sich auf eine Wettbewerbsverzerrung, die nicht im Sinne des Marktes ist, aber zwei von drei Teilnehmern nicht schadet. Cui bono?

Der Einsatz von Rechnern zur Automatisierung des Preisgefüges ist längst die Regel, sei es bei Schnittblumen auf dem Großmarkt oder Kraftstoff an den Zapfsäulen, wo die Zahlen je nach Menge des verfügbaren Guts und Nachfrage von einem Ausgangspreis steigen und fallen, wenn das IT-Konstrukt innerhalb der eigenen Dunkelkammer die Prognosen trifft, wo der größtmögliche Gewinn sich innerhalb der regelnden Grenzen erzielen lässt. Allein die intelligente Software hat längst gelernt, die Faktoren intelligent zu manipulieren oder ganz auszublenden: die Preise steigen, weil sie die Reaktion der Konkurrenten antizipieren, in schöner Gleichmäßigkeit mit eben den Mitbewerbern, die sie aus dem Weg räumen müssten, um sich am Markt zu behaupten. Zwar streicht ein Konzern mehr ein als ohne Synchronisation dieser Effekte, doch letztlich zocken sie alle den Verbraucher ab, der kaufen kann, wo er will. Ausgenommen wird er am Ende überall, und zwar von der KI.

Der menschliche Algorithmus ist der Fluch seiner eigenen Entwicklung, denn er basiert im Gegensatz zur naiven Vorstellung der Bekloppten nicht auf moralischen Grundsätzen. Wie auch. In die Bredouille, auf einem ramponierten Planeten zu hocken, den eine Rotte geldgieriger Arschgeigen mit Technik retten will, die gegen Naturgesetze verstoßen muss, um zu funktionieren, haben uns nicht die Maschinen gebracht, sondern Knalltüten, die sie als Ausfluss von etwas feiern, was sie mit Intelligenz verwechseln. Moral ist ohnehin nur ein Konstrukt, die Maschine hat kein Problem damit, nach festgelegtem Regelwerk zu entscheiden, wen sie übermangelt und für wen sie bremst. Kommt der Mensch ins Spiel, und sei es metaphorisch, wird es eng. Wir haben als Nutzanwendung der Ethik stets Vor- und Nachteile abgewogen, aber nie Eigennutz gegen Gemeinnutz, weil technischer Fortschritt nur für den Eigennutz des Marktes denkbar ist, auch wenn plötzlich das gemeine Volk vom Aussterben bedroht sein könnte, sobald es nicht mehr mit 230 Sachen in die Leitplanke möllern darf. Algorithmen ahmen den verantwortungsbefreiten Utilitarismus des Nutzenkalküls nach, das vor allem den Gewinn maximiert, das Gemeinwohl nonchalant ausblendet und die Kosten nach unten durchreicht. Wer hier Werteobjektivität erwartet, zeichnet sich durch eine außerordentliche Putzigkeit aus oder betreibt selbst das System.

Uns bleibt ein Fluchtweg, der jeden guten Plan zunichte macht: die natürliche Dummheit, die noch jede Intelligenz gebremst hat. Algorithmen, die den Kunden ausdauernd mit Werbespam für Matratzen vollschmeißen, nachdem er sich gerade erst eine Matratze gekauft hat, sind nicht die Ausnahme, sie sind der Normalfall. Die Geschäftsbeziehungen regelt dann meist der Markt.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXXVII): Fresserziehung

22 10 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die ästhetischen Ideale mögen sich im Lauf der Geschichte verändert haben, doch Nggr lebte weit davor. Noch im vorgerückten Alter von 27 war er sportlich schlank, aß Buntbeeren, Nüsse, oft auch Fisch aus dem kleinen Fluss neben der westlichen Felswand. Mühelos kletterte er auf Bäume, jagte die Säbelzahnziege und frischte den Genpool nach Bedarf auf. Seine jüngeren Brüder standen eher auf tierische Fette. Man sah es ihnen an. In der Folge gedieh nicht nur die Raubtierpopulation in jener Gegend, auch wertvolles Wissen ging verloren, zum Beispiel, wie man sich von Buntbeeren und Nüssen ernährt. Keine sozialpädagogische Maßnahme hat seitdem in unseren Breitengraden dafür gesorgt, die Kalorienversorgung des Volkes etwas gesünder zu gestalten. Wir bräuchten Fresserziehung.

Zwar jubelt eine ganze Fitnessbranche uns das Diktat sportlicher Dauerbewegung in die Hirnrinde, während die Mode alles, was sich bei der Drehung nicht als Strich vor dem Hintergrund ausmacht, als zu dick abkanzelt, aber den Size-Zero-Befehl muss jeder eigenverantwortlich umsetzen. Das wäre nicht so wild, würden nicht Herz-Kreislauf-Erkrankungen grassieren, die den Medizinbetrieb belasten und die Lebenserwartung wieder auf prähistorisches Maß stutzen. Volkswirtschaftlich sollten wir es billigend in Kauf nehmen; netto lohnt es sich durchaus fürs Sozialsystem, wenn der Bürger frühzeitig die Rente verlässt, statt sich kostenintensiven Alterskrebs zu leisten. Aber hier geht es ja um die Werktätigen, die adipös und diabetisch Fußgängerzonen verstopfen auf der Suche nach der Frittenfettembolie. Muss der Staat hier nicht herzhaft und kräftig eingreifen?

Allein er tut’s nicht, weil ihm das Wohlergehen der Massen wumpe ist. Die Lobbyhörigkeit für Fett, Salz, Zucker und künstliche Zusätze steigert sich in absurde Höhen, wenn die amtierende Grützbirne in ministerieller Mission den Kalorienkonzernen nach dem Mund redet, um deren Umsätze aufzublasen. Halbherzige Einhegungsversuche mit Ämpelchen und Buchstaben machen die Talentdetonation nicht glaubwürdiger, am Ende bleiben die von der EU befohlenen Werbeverbote für Tabak und Alkohol, nicht aber für Chemieplempe aus dem Baukasten der sich blähenden Shareholder Values. Die Medien tun das Ihre. Warenkunde und Zubereitung werden mit Kochshows weggeschwiemelt, in denen sich große Teile der Bevölkerung nicht wiederfinden, da ihnen das Biobarock finanziell kaum möglich ist, wenn die Lebenshaltungskosten anschwellen. So viel Freiheit ist ungesund.

Der Staat entzieht sich folgerichtig aus seiner Verantwortung für die Volksgesundheit und stellt die Ernährungspolitik ein. Positive und negative Anreize sind so gut wie obsolet, wenn der Handel Schlachtabfälle aus Niedriglohnfertigung in die Kunden drückt, als gäbe es kein Morgen ohne das Menschenrecht auf Schnitzel. Wolkige Erklärungen umwabern die Aluhütchenspieler, die Tierwohl und mehr Nachhaltigkeit versprechen, auf dass der Deutsche nicht mehr mit dem SUV zum Discounter brettert, während sein französischer Nachbar in der Altente zum Sterneladen töfft. Gute Absichten, da macht uns keiner etwas nach. Und Nudging hat ja schon in der Impfkampagne prima funktioniert.

Alles, was der Politik einfällt, ist die reflexartig hochgepopelte Zuckersteuer, als könne man seinen Kohlenhydrathaushalt nicht auch mit Obst in die Nähe der Hyperglykämie treiben. Währenddessen hält eine ganze Gesellschaft es für den Normalfall, dass Singles im Jobmodell feststecken, das für den Alleinverdiener mit Vollzeithausfrau konstruiert wurde – mehr als Aluschalenfutter kann sich der Werktätige nicht leisten, wenn er nebenbei auch noch systemkonform konsumieren und die Freizeitindustrie bei Laune halten soll. Was wir an Cholesterin in die Arterien quetschen, ist die Folge der kapitalistischen Funktionalität, die uns Rädchen im Getriebe die notwendigen Nährstoffe zumisst. Ob und wie lange man das überlebt, ist nur eine statistische Größe. Oder ein Unfall.

Die klassische Haushaltsführung ist aus dem Kanon der Alltagsbildung verschwunden. Längst bräche ein durchschnittlicher Passant in Tränen aus, befragte man ihn vor laufender Kamera, was eine Mehlschwitze sei und zu welchem Ende man sie verfertige. Fertigfressalien, gewachsen im Regal der Einkaufszentren, pflastern unsere Wege. Während wir uns Analogkäse und künstliche Aromastoffe hinters Zäpfchen schmirgeln, ahnt kaum noch ein Standardverbraucher, wie das Zeug in echt röche. In Kitas und Schulen wächst gerade eine Generation neu heran, die kostenoptimierte Kost reinpfeift, wo die bürgerliche Brotdose ausgedient hat. Ab und an sieht man geradezu herzige Versuche, den Kindern mit einer rohen Karotte die Feldfrucht an sich zu demonstrieren – meist ist ein TV-Koch dabei, ein Promi nicht weit, ein Politikdarsteller sondert seins ab, und alle sagen: wir müssten viel mehr tun für die gesunde Ernährung. Warte nur, balde gibt’s die Grünzeugschnipsel in Dino-Form, TK-Ware, extra kleine Portionsgröße, damit man die Abzocke auch so richtig rafft, und dann hagelt es Vitamine. Nur noch kurze Zeit. Wir suchen gerade die Knalltüte, die dafür Reklame machen könnte. Alles wird gut.