Volle Kraft zur Seite

5 04 2021

„Das heißt, es ist ihm egal?“ „So schnell würde er das nicht rauskriegen.“ „Aber inhaltlich stimmt es doch.“ „Er möchte halt vor allem an der Macht bleiben und hat Verständnis dafür, wenn das andere Konservative auch so sehen.“ „Kretschmann ist allerdings Grüner.“ „Ja, das glauben halt viele.“

„Das wird die Partei eine Menge Stimmen bei der Bundestagswahl kosten.“ „Das ist erstmal nur eine Landtagswahl.“ „Trotzdem.“ „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen – wer die Grünen gewählt hat, kriegt sie auch, und wer die Koalition festlegen will, der muss sich dann halt aktiv in dieser Partei einbringen.“ „Nicht mal das nützt ja noch was.“ „Da schauen Sie mal, wie gut die Grünen in der Realpolitik angekommen sind.“ „Als Ökodiesel.“ „Es geht doch auch um Arbeitsplätze und um die Wirtschaft, oder was man so sagt.“ „Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst?“ „Immerhin hat er das Ländle noch nicht als Stabilitätsanker bezeichnet.“

„Die bisherigen Koalitionen konnte man bereits in die Tonne treten.“ „Jetzt werfen Sie mal nicht die Flinte ins Korn, vielleicht entwickelt sich da noch etwas im Laufe der nächsten Jahre.“ „Wenn die CDU ähnlich innovativ ist wie bisher, dann gute Nacht.“ „Die Wähler müssen sich nicht wundern, sie wussten genau, wenn sie nicht SPD wählen, dann bekommen sie die CDU.“ „Und das ist jetzt der Unterschied zur Bundestagswahl?“

„Sehen Sie es als Modellprojekt an.“ „Blöder hätten Sie es nicht auf Lager?“ „Ich meine das rein wirtschaftlich und ökologisch, da kann man die CDU noch verändern, wenn man ihnen ein bisschen Macht abgibt.“ „Und wie soll das funktionieren?“ „Denken Sie beispielsweise an Elektromobilität, da haben wir noch jede Menge Innovationsbedarf.“ „Ob Sie die Innenstädte mit Verbrennern oder mit Stromautos verstopfen, ist für den handelsüblichen Verkehrsinfarkt völlig egal.“ „Aber nur so haben wir eine Chance, dass unsere Fahrzeugindustrie die Pandemie überlebt.“ „Dank des Kurzarbeitergeldes, das die Dividenden von Daimler ausstopft, kann doch die Bevölkerung gar nicht schnell genug ins Gras beißen.“ „Das soll ja sogar gesund sein.“

„Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, warum die CDU erst vor dem Ökoterrorismus einer linken Verbotspartei warnt und sich dann den Grünen um den Hals wirft?“ „Ich würde Opportunismus und eine gewisse Angst vor der Bedeutungslosigkeit nicht ausschließen.“ „Und das ist die Motivation für die jahrelange politische Verantwortung eines ganzen Bundeslandes?“ „Solange die CDU nicht öffentlich äußert, dass ihre Abgeordneten auf dem freien Markt keinen Job mehr finden würden, ist noch nicht alles verloren.“ „So bringt man doch aber kein Land voran.“ „Vielleicht wollen das die Menschen gar nicht.“ „Wie meinen Sie das denn?“ „Stillstand auf hohem Niveau, das ist doch für die Menschen in einer wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft gar nicht schlecht.“ „Die CDU sorgt aus Erfahrung für dauerhaften Stillstand.“ „Und die Grünen lassen es aussehen wie hohes Niveau.“ „Bei aller Liebe, das ist absurd.“ „Schauen Sie sich die politischen Präferenzen der Bundesbürger an, dann werden Sie feststellen, dass die meisten keinerlei Änderungen haben wollen, und wenn, dann nicht in der eigenen sozialen Schicht.“ „Wenn sich nichts ändert, dann kann ja nichts besser werden.“ „Eben, deshalb immer nur außerhalb der eigenen Schicht.“ „Der soziale Abbau wurde ja von den Grünen gerne mitgetragen, aber wozu die Umverteilung nach oben?“ „Als Ausgleich. Verwerfungen im Haushalt müssen gegenfinanziert werden.“ „Dann verstehe ich dies Modellprojekt: volle Kraft zur Seite.“

„Andererseits haben durch die Veränderung der Stimmverhältnisse die Grünen auch ein sehr gutes Machtinstrument in der Hand.“ „Sie geben der CDU nur noch die wirklich wichtigen Ressort, mit denen man Klimapolitik hemmen und vernünftige Pandemiemaßnahmen verhindern kann?“ „Das ist ja der Normalfall, nein – sie können jederzeit mit dem Wechsel des Koalitionspartners drohen.“ „Mit der SPD wäre es eine Minderheitsregierung.“ „Dann muss Kretschmann eben FDP überreden, ihn bei der Regierungsbildung zu unterstützen.“ „Sie meinen, die Liberalen würden ohne inhaltliche Zweifel eine grün-rote Regierung unterstützen, nur um wieder ein paar Ministerposten abzugreifen?“ „Wir reden hier von der FDP.“ „Haben die sich nicht schon von Kretschmann distanziert?“ „Halten Sie denen einen Kuchen unter die Nase, dann wissen Sie schon, dass die mitmachen.“ „Jedenfalls nicht für Klimaschutz und Ökologie.“ „Irgendwie wird das schon gehen.“ „Auch nicht für eine progressive Schulreform und sozialen Wohnungsbau.“ „Denken Sie an meine Worte, die Bürger wollen Kontinuität und keine Veränderung.“ „Deshalb hat Kretschmann seine Gurkentruppe als verlässliche, stabile Regierung gepriesen und die Neuauflage empfohlen.“ „Am Ende zählt eben das Ergebnis, und wenn er der CDU jetzt unmissverständlich klarmachen kann, dass er seine im Wahlkampf geäußerten Pläne zur ökologischen Umgestaltung Baden-Württembergs eventuell ernst gemeint haben könnte, dann wird sich diese CDU zweimal überlegen, die Regierung zu gefährden.“ „Weil Kretschmann genau weiß, dass das Land bis tief in die Provinz von korrupten Schweinen mit schwarzem Parteibuch regiert wird.“ „Der Mann ist halt Realo.“ „Wenn er wirklich etwas ändern will, warum macht er es dann nicht gleich mit der SPD?“ „Also bitte! wer würde sich schon mit so einem unbeständigen Partner verbünden?“





Themenwoche Gerechtigkeit

12 11 2018

„Ja, was denn!? Das darf man doch wohl noch sagen? Außerdem hat sich unser Ministerpräsident nicht zu konkreten Tatvorwürfen geäußert, sondern ganz allgemein gesprochen. Dass es diese randalierenden Horden gibt, ist ja immerhin möglich , und deshalb ist das auch keine rechte Hetze. Wir müssen nur langsam sehen, dass die Grünen im gesellschaftlichen Mainstream angekommen sind, und da geht’s nun mal robust zu.

Im Grunde wollte Kretschmann auch nur anmerken, dass man nicht immer so auf den üblichen Verdächtigen herumhacken sollte. Wenn Palmer etwas zu Feinstaub sagt, hören Sie dann automatisch weg, weil es Palmer ist? Das muss eine in Ruhe geführte Debatte werden, sonst gleitet das ganz schnell in rechte Fahrwasser ab, und das können wir uns als Grüne nicht erlauben. Wollen wir auch gar nicht. Diese scharfe Kritik an dem Mann, das muss doch nicht sein. Überlegen Sie mal, der war beim Parteitag gar nicht erst dabei. Vermutlich hat er Angst gehabt, dass er mit Kritik, ach was: dass er mit bösartigen Anfeindungen ohne eine tatsächliche Grundlage angefeindet wird. Und was das mit Spitzenpolitikern macht, das haben wir ja jüngst im Fall eines anderen hochrangigen Ministerpräsidenten gesehen. Wochenlang hat sich Seehofer nicht gerührt, und trotzdem hatte er diese sagenhaft schlechte Presse. Wenn man jetzt in den Medien so eine Themenwoche über Gerechtigkeit fährt, aber auf der anderen Seite so eine üble Kampagne fährt, als ich bitte Sie – das geht ja mal gar nicht!

Wir haben rechtzeitig darauf hingewiesen, dass wir uns radikalisieren wollen, weil die Probleme unserer Zeit und noch viel wichtiger: weil die Probleme der Zukunft uns dazu zwingen. Die SPD kann da gerne mitmachen, wenn ich mich erinnere, haben die sich bis heute nicht von diesem Experten für größere Finanzlöcher getrennt; der war noch eine ganze Zeit lang in Berlin tätig, inzwischen hat er ja meistens Finanzlöcher in seinem eigenen Haushalt gestopft, ist ja auch legitim, weil er das Buch schließlich als Privatperson geschrieben hat, das eine, das andere wohl auch, und da muss die SPD tolerieren, dass man Meinungsfreiheit für sich nutzt. Nutzt, nicht ausnutzt, man kann Grundrechte nicht ausnutzen und nicht missbrauchen, beim Asyl gehen die Meinungen etwas auseinander, das ist dann Meta-Meinungsfreiheit – seitdem Schily sich nicht mehr bei den Grünen befindet, haben wir ja auch offiziell einen Beitrag dazu geleistet, dass die Sicherheit wieder als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Die haben so viel gestrichen, da passte die Sicherheit einfach noch dazwischen.

Und es ist ja auch gar nicht richtig, dass wir als Partei jetzt auch offiziell am rechten Rand fischen wollen. Das sind dann nämlich gleich mehrere Falschbehauptungen in einem Satz, und das lassen wir als Partei nicht auf uns sitzen. Es ging nicht um diese Migrantenhorden, es ging darum, dass wir in den Großstädten nicht mehr mit ihnen konfrontiert werden wollen. Die Ballungsräume mögen ja auf sie attraktiv wirken, da ist Arbeit, da kann man wohnen, es finden genug Deutschkurse statt, man integriert sich auch durch soziale Kontakte mit der deutschen Bevölkerung. Da bleibt doch für den durchschnittlichen Schwaben nicht mehr viel übrig! Gucken Sie sich alleine mal an, wie schwer die es noch in Berlin haben, eine der größten türkischen Metropolen überhaupt, und das auch und vor allem sprachlich. Bald spricht der normale Asylant besser Ostdeutsch als die Binnenzuwanderer. Dann findet der natürlich leichter einen Job, eine Wohnung, die nicht sofort wieder weggentrifiziert wird, weil den Asylbetrüger stören doch die kriminellen Clans aus dem Libanon nicht, der spricht möglicherweise genau seine Sprache, auch im übertragenen Sinne – denkt denn keiner an die Deutschen?

Wir haben ja gar nicht vor, die Zuwanderer in den Städten zu konzentrieren, in Anker-Zentren und hinter Schloss und Riegel, da nützten uns die gar nichts mehr. Aber auf dem Land sind die halt viel besser aufgehoben, da kommt die Feuerwehr auch, wenn man ein Brandanschlag sein sollte, man kann sich die schöne Alblandschaft erobern – andere Leute, zum Beispiel die Berliner! die machen da Urlaub, die fahren auf eigene Kosten hin, genießen die leicht weltabgeschiedene Lage der Fildern und der Bodenseeregion, die freuen sich schon auf den großen Tiefbahnhof und auf die Anbindung an die Balkanroute, die sicher noch vor dem Flughafen in Brandenburg kommt. Wir machen den Menschen, ich nenne sie jetzt einfach mal so, denen machen wir ein großes Geschenk. Da darf man auch eine gewisse Dankbarkeit erwarten. Die gehört auch zur deutschen Leitkultur. Nicht nur die Diesel.

Und schließlich haben wir bei dem Fall am Bodensee ja auch einen deutschen Verdächtigen. Das sollte uns zu denken geben, das müssen wir auf jeden Fall berücksichtigen. Jetzt jeden Deutschen, nur weil er männlich ist, als potenziellen Straftäter, also als vorsätzlichen Gewalttäter hinstellen, damit ist ja auch keinem gedient. Sie müssen das ganz klar abgrenzen. Wenn Sie sich die Partei angucken, auch und gerade jetzt im Wahlkampf, vor dem Hintergrund einer drohenden Konfrontation mit der CDU und anderen nationalsozialistischen Kräften, wenn Sie sich die Parlamente anschauen, dann sehen Sie es doch, was das Problem ist: testosterongesteuerte Männerhorden!“





Zigeunersoße

22 09 2014

„Nee, können Sie knicken. Wir machen uns doch hier nicht zum Affen, nur weil Sie einer sind. Das können Sie voll vergessen. Sie kriegen jetzt ein beschleunigtes Asylverfahren – drei, zwo, eins, raus – und dann bleiben Sie gefälligst da, wo Sie hingehören, Kretschmann. Nämlich überall da, wo nicht Berlin ist.

Das ist nun mal das Wesen des Kompromisses, das müssen Sie als ehemaliger Hoffnungsträger doch verstehen. Die einen haben nicht gewonnen, dafür verlieren die anderen. Haben Sie ein Problem damit? dann ist ja gut, dann ist es wenigstens nicht meins. Sie wollten diesen Deal, gute Ausländer, schlechte Ausländer, und jetzt haben Sie ihn. Also Fresse halten, wenn Sie mit mir reden. Meckern können Sie immer noch im Wahlkampf, falls Sie den jemals erleben sollten. Die Chancen stehen jedenfalls sehr gut, schließlich ist Stuttgart total gut aufgestellt. Sagen Sie doch selbst immer. Dann bleiben Sie halt da, Kretschmann, und jedem ist gedient.

Dafür könnten Sie natürlich rein theoretisch arbeiten, wenn man Sie einreisen ließe, nicht wahr? Es muss zwar für jede zu besetzende Stelle erstmal kein Berliner da sein, und wir haben sowieso für jede Stelle ein Dutzend Berliner, und außerdem haben wir gar keine zu besetzenden Stellen, aber Sie dürfen gerne mitmachen. Dürften. Sie kommen hier ja nicht rein.

Doch, raus dürfen Sie jederzeit. Falls die in Bayern etwas für ein katholischen Dumpfschädel frei haben, reisen Sie ruhig ein. Wie Sie ein Visum kriegen, das ist mir allerdings völlig wumpe. Wenn Ihnen Ihre Vergangenheit als Kaderkommunist auf die Füße fallen sollte, berufen Sie sich ruhig darauf, dass das in einem freien Land kein Hindernis sein dürfe. Auf dem Papier ist ja Bayern ein Rechtsstaat, genau wie Berlin. Aber wenn Sie nun mal den Radikalenerlass am Hals gehabt haben, dann werden wir Sie keinesfalls aufnehmen können. Schließlich haben Sie sich nach anderswo und damals geltendem Recht strafbar gemacht oder zumindest falsch verhalten. Für Sie als gelernten Ethiker sicher einzusehen, nicht wahr?

Rein theoretisch bekämen Sie jetzt auch mehr Geld und weniger Sachleistungen. Statt pro Mann am Monatsanfang eine Palette Eier auszuhändigen kriegen Sie jetzt sechs Euro dreißig. Wenn Sie sich das Mehl, einen Esslöffel Salz, Küchenmaschine und Kochtopf und Herd und Geschirr und Besteck dazudenken, ist eine vierköpfige Familie davon eine Woche lang versorgt. Eine Handvoll Spätzle, Kretschmann, mehr braucht doch einer wie Sie nicht. Armut, die fängt doch für Sie wesentlich darunter an.

Sie müssen uns aber auch mal verstehen. Dieses ganze Multikulti und so, das ist gescheitert. Ihr Maultaschenfresser gehört einfach nicht hierhin, ist doch klar. Ihr könnt Euer Brauchtum, Kehrwoche und Bahnhöfe verbuddeln und so, das könnt Ihr doch alles schön zu Hause machen. Werdet Ihr zu Hause von den Nachbarn ethnisch verfolgt? Seid Ihr auf wirtschaftliche Unterstützung durch den Sozialstaat Berlin angewiesen, weil Eure Kinder sonst verhungern? Und jetzt kommen Sie mir nicht damit, dass Sie im Winter frieren müssen. Den Schlossplatz haben Sie ohne fremde Hilfe abgeholzt.

Sehen Sie es ein, Baden-Württemberg ist ein sicheres Herkunftsland. Wenn Ihnen da die Polizei mit dem Wasserwerfer die Augen raus schießt, dann ist das folkloristisch gemeint. Und Sie sind meines Wissens auch ein weißer, heterosexueller Katholik mit akademischem Hintergrund, oder? Sehen Sie, was wollen Sie da groß auswandern. Von der Sorte haben wir in Berlin schon genug. Und die können sogar Hochdeutsch!

Nein, das gilt hier nicht, Kretschmann. Ihre Eltern können meinetwegen aus der Mongolei eingewandert sein, Sie können sich hier nicht als Heimatvertriebener durchmogeln. Ihnen ging’s im Schwabenland immer gut, Sie waren politisch geduldet, und jetzt wollen Sie urplötzlich raus? Nach Ihrer Theorie kann das doch nicht sein, Sie gehören doch per Definition zu den nicht verfolgten Personen? Jetzt bitte keine Wortklaubereien, Kretschmann. Sie müssen unbedingt einwandern können, damit von denen, die Ihres Erachtens nach überhaupt nicht einwandern sollen, mehr durch das beschleunigte Abweisungsverfahren fallen? Machen Sie sich doch nicht noch lächerlicher als sonst, Kretschmann. Ist doch alles dieselbe Zigeunersoße. Wir haben eben dieses Verfahren, weil Sie und Ihre Kumpels keine Einzelfallentscheidungen mehr wollten, sondern eine wahlkampfkompatible Tür-zu-Regelung. Und jetzt jammern Sie mir die Ohren voll, weil Sie unter Ihrer eigenen Entscheidung zu leiden haben? Demokratie heißt also bei Ihnen, Hauptsache, der eigene Arsch ist gerettet?

Für die Ossis, die sich regelmäßig beschweren, weil man ihnen mit parlamentarischer Demokratie auf den Sack geht, für die haben Sie doch Platz? Das ist ab jetzt so, wenn die einmal den Luftraum überm Ländle betreten haben, dann kriegen Sie die nicht mehr los. Schengen und so. Arschkarte, Kretschmann. Das haben Sie jetzt von Ihrer Bananenrepublik. Übrigens, nach Gelb kommt Braun. So, und dann schieben Sie mal ab, hier wollen noch ein paar andere in den Genuss staatsrechtlicher Instrumentarien kommen. – Der nächste, bitte!“





Volksaufstand

6 02 2013

„… wolle sich der baden-württembergische Ministerpräsident für ein generelles Verbot von Alkoholkonsum unter freiem Himmel aussprechen. Damit verfolge Kretschmann nicht nur die zahlreichen jugendlichen…“

„… Protest der Winzer. Ohne Weinfeste sei die schwäbische Tourismusindustrie nicht mehr in der Lage, die zahlreichen…“

„… sei die Auflösung der NPD damit unmittelbar zu…“

„… schwerpunktmäßige Kontrollen durchzuführen. Dabei habe die Polizei etliche Jugendliche au freien Fuß setzen müssen, da diese nicht alkoholisiert gewesen seien, sondern nur Cannabis…“

„… sei Schünemann bei dem Versuch implodiert, gleichzeitig die Jugend als stalinistisch infiziertes Schmarotzerpack zu bezeichnen und die rot-grüne Landesregierung als totalitäres Regime, das den Nachwuchs durch undemokratische Zwangsmaßnahmen in die…“

„… dass eine Einschränkung des Alkoholgenusses die Lebenserwartung erhöhen könnte. Die Rentenversicherungen seien bereits aus anderen Gründen verzweifelt, wie unter diesen Umständen eine Finanzierung der…“

„… zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Die Weinprobe im Innenhof der Residenz sei nur deshalb durch ein Überfallkommando gestürmt worden, da nicht ausreichend Sonnenschirme…“

„… stehe nun das Veranstaltungsangebot der Jungen Union vor dem…“

„… biete die Kommune nach dem Vorbild der Fixerstuben nun Trinkhallen an, in denen Jugendliche mitgebrachte Alkoholika…“

„… führe das Alkoholverbot zur Kriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten. Uhl sei darüber genauso erfreut wie über…“

„… pflichte Witthaut dem Regierungschef bei. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei warne, eine einzige Glasscherbe genüge, um mehrere Millionen Polizisten tödlich zu…“

„… billige die baden-württembergische Regierung nicht den Verlust von Arbeitsplätzen in der Brauereiwirtschaft, könne aber auch keinen…“

„… habe keine gesetzliche Ausnahme vorgelegen. Die Schiffstaufe habe nicht in einem überdachten Gebäude stattgefunden, so dass ein Strafverfahren unausweichlich…“

„… fordere IM Friedrich die sofortige Einführung der Vorratsdatenspeicherung, da nur so eine Terrorisierung durch angetrunkene…“

„… einen empfindlichen Umsatzverlust verzeichne. Die Tankstellen seien wegen der Kraftstoffpreise ohnedies nicht mehr in der Lage, die notwendigen…“

„… zu einer Schnelltrinkerszene im Kassenbereich der Spätsupermärkte gekommen. Die Kunden konsumierten große Schnapsmengen noch vor dem Verlassen der…“

„… Routine-Kontrollen in den Innenstädten. Dabei stelle es sich als zunehmend schwierig dar, angeheiterten Bürgern nachzuweisen, dass sie Alkoholika zuvor legal in Gaststätten konsumiert hätten und erst später unter freiem Himmel…“

„… mache Sarrazin die Regelung für eine Zunahme von Straftaten unter muslimischen Einwanderern schuldig, da sich diese durch gezielte Alkoholabstinenz den Polizeikontrollen entzögen und so völlig unbehelligt in der Öffentlichkeit…“

„… die Freiluftmesse nicht mehr stattfinden zu lassen. Der Besuch des Heiligen Vaters werde in Flensburg zwar ungewohnt erscheinen, könne jedoch auf den vollen Rückhalt der…“

„… könne die wiederbelebte Deutsche Biertrinker Union in Baden-Württemberg laut einer Forsa-Umfrage mit bis zu 56% der Erststimmen…“

„… das Problem nur verlagert, da der angekündigte Volks-Aufstand sich als Volk-Saufstand…“

„… laut Rechtsgutachten nicht durch das Tragen eines zwei Quadratmeter großen Hutes…“

„… werde das Alkoholverbot ausländischen Besuchern gegenüber gelockert, um Deutschlands Ruf als weltoffenes Land zu festigen. Die aktuelle Auswanderungswelle sei sicher nur eine zufällig…“

„… kein Problem, das Freilufttrinken endgültig zu unterbinden. Die Allianz Arena zu überdachen sei kostspielig, technisch aber durchaus zu…“

„… als peinlich zu werten. Kretschmann jedoch verteidige seinen Vorstoß, das Sommerfest des Bundespräsidenten wegen des Sektausschanks im Schlossgarten als nicht genehmigte…“

„… müsse eingeschränkt werden, das Alkoholverbot nur nachts zu verfolgen. Das Justizministerium könne jedoch nicht nur auf Grund der Dunkelheit eine Regelung treffen, sondern habe auch saisonale Bedingungen zu …“

„… könne nicht ausgeschlossen werden, dass Kretschmann den Gesetzentwurf im volltrunkenen Zustand…“





Baggermatsch

30 06 2011

„Guten Morgen, Angela! Guten Morgen, ich wollte nur eben vor der Sommerpause noch kurz durchgerufen haben, dass wir uns abstimmen. Sie, dass mir da keine Streitereien mehr kommen. Das ist ja schon schwer genug. Wir müssen jetzt diesen Bahnhof bauen, verstehen Sie, und da brauchen wir nicht noch zusätzliche Kritikpunkte von außerhalb. Dass Sie mir da Ihre CDU etwas leiser machen, Angela, das käme mir schon auch sehr gelegen.

Das ist gut so, Angela. Das ist wohlgetan. Wenn der Kauder einfach in Zukunft die Fresse hält, das wäre schon recht angenehm. Und wenn Sie bei der CSU ein bisschen für Ruhe und Ordnung sorgen könnten, das wäre auch sehr freundlich. Genau. Der Söder. Wenn dieser Trottel endlich aufhört, er habe den Atomausstieg vor zwanzig Jahren erfunden. Das wäre wirklich nett von Ihnen, Angela.

Vor allem dass wir hier auch freundlich sind in den Ferien, nicht wahr? Wir haben doch schon so hübsch angefangen, ich habe Sie für Ihren mutigen Kurswechsel gelobt, Angela. Das war nicht so ganz einfach, wissen Sie – eigentlich wollten sie ja auf dem Parteitag noch mehr herumnörgeln, aber dann musste ich ihnen klarmachen, dass das mit dem Ausstieg unsere Idee war. Und dass wir genauso kompromissfähig sind wie die FDP. Also nicht fähig, das ist jetzt nicht der richtige Begriff – es geht ja auch gar nicht um einen Kompromiss, da haben Sie Recht, Angela.

Das müssten wir uns noch mal gemeinsam überlegen, wie wir das machen. Das Kippen. Die Seite? Ist doch eigentlich egal, wir sind ja in jede Richtung völlig offen, nicht wahr, aber man müsste sich auch mal überlegen, ob nicht Ihre CDU als Juniorpartner dann diese Übung mal vollzieht. Das ist so in der parlamentarischen Demokratie, Angela. Der größere Partner stellt den Kanzler, und der kleiner darf mitregieren. Das Prinzip müsste Ihnen doch bekannt sein? Gut, ich wollte nur noch mal gefragt haben. Weil ich nicht wusste, ob Sie in der Form überhaupt schon mal Regierungsarbeit –

Ach wo! Als Alternative sehen wir uns doch schon lange nicht mehr, Angela. Alternativ, das klingt so nach Fußschweiß in Jesuslatschen. Als Alternative zur Regierung, wenn Sie es genau wissen wollen. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Man könnte ja sonst eine neue große Koalition vereinbaren, oder nur bis 2015, wenn Sie bis dahin die FDP geschafft haben, und dann würden wir sozusagen übernehmen. Die SPD stört dann auch schon nicht mehr, das muss doch zu schaffen sein?

Sie müssen nicht denken, weil wir liberale Ideen im Parteiprogramm haben, seien wir grundsätzlich charakterfrei. Und als FDP-Ersatz würden wir ja schließlich auch kaum der SPD Avancen machen, oder? Angela, Sie müssen doch nicht immer dies Misstrauen haben. Sie sind nicht mächtig genug in Ihrer CDU, Angela. Das zehrt. Das macht unsicher.

Schauen Sie mal uns an. Angela. Wir wissen, dass wir langfristig aufs richtige Pferd gesetzt haben. Nicht so eine Aktion, husch-husch, wie Ihr Zauberlehrling von der FDP, der sofort eine geistig-politische Wende will – wissen Sie, was ich so lustig finde? dass er von Moral nichts gesagt hat, und Ihnen ist das nicht aufgefallen.

Na, die SPD ist ja gerade so spritzig wie Brackwasser. Das können Sie vergessen, Angela. Da passiert nichts. Die wollen uns offenbar auch nicht mehr, und wenn wir jetzt in Berlin gewinnen, dann sind wir wenigstens auch die Künast los, die würde uns sonst mit ihren Fundi-Anwandlungen noch den letzten Nerv rauben. Dabei war die mal Ministerin? Immerhin haben wir eins unserer Ziele erreicht, Angela. Die SPD nicht. Die müssen jeden Mittwoch einen neuen Buhmann aufblasen, damit sie nicht daran denken, dass sie ursprünglich mal eine Arbeiterpartei waren.

Runderneuern, Angela. Runderneuern. Nicht einfach ein neues Profil rein, sondern alles anders. Die SPD hat wahrscheinlich gedacht, die Merkel ärgert sich schwarz, wir ärgern uns grün, dann kriegen sie nächstes Mal die Quittung. Das wäre dann, Schwarz und Grün, vermutlich so eine Art Baggermatsch. Schwarzes Innenleben und an der Kante etwas grün. Das wird jedenfalls lieber gekauft als andersherum.

Wir sind ja sonst nicht mehr so zu haben für die wachstumsorientierte Wirtschaft, Angela, aber wenn wir neue Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor für die Solarenergie aufbauen könnten – dass es die Solarenergie ist, das können Sie dann ja regeln, nicht wahr, und wie wir die Jobs mit Aufstockern besetzen, das wissen wir noch aus Rot-Grün. Das geht schon klar, Angela. Hauptsache, dass hinterher keiner nachrechnet. Die Bilanz sollte stimmen.

Um Trittin machen Sie sich mal keine Sorgen. Dem können Sie ein Thema zum Verbeißen vorlegen, dann haben Sie ein paar Jahre Ruhe. Und Sie wissen ja aus der Geschichte der Atomtransporte, als Realpolitiker ist der kaltschnäuzig genug. Was mir Kopfzerbrechen macht, ist der Özdemir. Der bringt sogar Ihnen bei, was ein Wendehals ist.

Dann machen wir das so? Sie halten Ihre CDU im Zaum, und wir werden uns etwas zurückhalten. Das mit den unüberbrückbaren Gräben wird nicht wieder passieren, Angela. Versprochen! Und dann können wir schon mal sehen, wie sich die Sache entwickelt, weil: wenn es für uns nicht nach einer zwingenden Option aussieht, weil wir hier innerparteilich Amok laufen müssten, dann wird das nichts. Das müssten Sie doch am besten verstehen, Angela. Oder?“