Luft-Boden-Einsatz

15 04 2019

„… allen Regierungsmitgliedern die Inlandsflüge zu streichen. Merkel bestehen aus Klimagründen darauf, ausschließlich die Deutsche Bahn für einen Transport zu den…“

„… lediglich um Symbolpolitik gehandelt habe. Diese Entscheidung hätte die Kanzlerin jedoch zur Vermeidung vom Ressortstreitigkeiten zwingend mit der CSU abstimmen müssen, da diese im…“

„… als versteckte Wirtschaftsförderung bezeichnet habe. Meuthen prangere die einseitige Bevorzugung der Deutschen Bahn als Staatsbetrieb mit erzwungenen Milliardensubventionen an und wolle die sofortige Abschaffung aller…“

„… insbesondere Schwerlastflugzeuge für den Transport von Altmaier einen erheblichen Ausstoß von Kohlendioxid und…“

„… bestehe die CSU selbstverständlich darauf, dass Kurzstrecken unter tausend Kilometern mit dem Flugtaxi oder anderen…“

„… gebe es nicht genügend Einzelabteile für die Politiker, die zum ungestörten Arbeiten benutzt werden könnten, da aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ein kompletter Großraumwagen für einen Minister mit Sicherheitsbeamten nur…“

„… setze sich die AfD nach Abschaffung des Konzerns für eine Reichsbahn ein, die nur noch deutschblütige Fahrgäste, Rüstungsgüter zur Zerstörung muslimischer Feindmächte und…“

„… nicht zuständig sei. Scheuer sehe den Transport von Regierungsmitgliedern als Aufgabe eines Ministeriums für innerdeutsche Angelegenheiten, nicht aber im Verkehrsressort, da er sich nur um die Flugauslastung in den…“

„… bedeute dies für die Airlines, dass eine weitere Konzentration nicht oder nur sehr schwer zu vermeiden sei. Gleichzeitig rate die zivile Luftfahrt vom Einsatz der regierungseigenen Maschinen dringend ab, da diese nach der Landung oft nicht mehr vom…“

„… ein Maß an Verspätung erreicht hätte, das durch die Mitnahme von Regierungsbeamten nur noch weiter negativ zu beeinflussen sei. Die Bahn hoffe, dass Inlandsflüge für das Kabinett weiterhin als Mittel der…“

„… Mehdorn angekündigt habe, einen neuen Konzern durch die Fusionierung von Bahn und Lufthansa leiten zu wollen. Er strebe an, die Preisstruktur und die umwelttechnischen Vorteile der Airline mit der sprichwörtlichen Pünktlichkeit der Eisenbahn zu…“

„… das Sicherheitskonzept ausbauen müsse. Die Bahn strebe eine ICE-Abfertigung an, bei der die Passagiere schon nach wenigen Tagen Aufenthalt in einer Durchleuchtungszone den Bahnsteig betreten dürften, auf dem meist innerhalb desselben Quartals ein Zug bereitgestellt werden könnte, immer vorausgesetzt, die Deutsche Bahn würde dann über ausreichend Fahrzeuge verfügen, um den gewachsenen Anforderungen an die…“

„… drohe bei einem Mehr an Europa auch die endgültige Zerstörung des internationalen Flugverkehrs. Meuthen lehne es ab, dass die linksversiffte Kanzlerdiktatorin bald auch Abgeordnete seiner Partei mit einem Interrail-Ticket in die…“

„… auch vor technische Herausforderungen gestellt werde. So verlange die Regierung nicht nur schnelles Internet in den Zügen, sondern auch Kaffee, der sich ohne nennenswerte gesundheitliche Einschränkungen als…“

„… aus Sicherheitsgründen einen eigenen Bahnhof vorgeschlagen habe. Dieser solle auf dem Tempelhofer Feld errichtet und mit einem neuen Schienenzubringer ausgestattet werden, um die…“

„… einen Shuttle-Dienst einzurichten, der turnusmäßig dreimal am Tag Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln und München miteinander verbinde. Der am Planungsaufwand eingesparte betrag könne in eine neue Innenverkleidung der Flugzeug investiert werden, die sich dadurch noch besser für Pressekonferenzen und…“

„… müsse die Bundesregierung für sich Sonderrechte einfordern dürfen, so wie sie auch nicht an moralische Bedenken oder steuerrechtliche relevante…“

„… werde Lindner aus der Politik aussteigen, da er nicht die finanziellen Mittel bekommen um in einem Privatzug die…“

„… eine sehr schlechte Werbung für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg sei. Wenn die Regierung nicht einmal mehr ihre eigenen Mitglieder von diesem Standort abheben lassen wolle, müsse man ernsthaft über einen endgültigen Baustopp auf dem…“

„… auf modulare Zugsysteme zurückgreifen könne. So biete die Bahn einen Ministerwagen an, der sich bequem mit dem Kranwagen in einen ICE heben lasse und mit wenigen Wochen Vorlauf in jede beliebige…“

„… die ersten Tests gut überstanden habe. Scheuer sei überzeugt davon, dass eine originalgetreue Kopie des Stuttgarter Tiefbahnhofs auf dem Tempelhofer Feld die beste Lösung für einen kombinierten Luft-Boden-Einsatz der…“

„… die Bahn viele Nachteile gegenüber dem Luftverkehr habe. So sehe Nahles das Streikrecht von Lokführern als ein großes Hindernis, das man schnellstmöglich durch staatsrechtliche…“

„… sich kompromissbereit zeige. Da der Fuhrpark der Regierung mit neuen Dieseln ausgerüstet werde, könne eine Umstellung des Flugverkehrs auf die Straße sehr zeitnah in die…“

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Gefahr erkannt

11 04 2019

„Also man muss doch jetzt endlich mal…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze.“ „Sie wissen doch noch gar nicht, was ich Ihnen…“ „Egal. Das gefährdet sicher Arbeitsplätze. Alles, was Sie vorschlagen, gefährdet Arbeitsplätze. Das ist nun mal so in der Wirtschaft.“

„Dann können wir im Grunde genommen nichts tun, weil es sonst Arbeitsplätze gefährden würde.“ „Doch, können wir schon. Es darf nur halt keine Arbeitsplätze gefährden.“ „Dann verraten Sie mir doch mal, was heißt das denn, Gefährdung. Was bedeutet das konkret?“ „Dass so ein Arbeitsplatz nach Meinung eines Experten, manchmal auch nur eines Politikers, in Gefahr sein könnte, sobald es gesellschaftliche Bewegungen gibt, die diesen Arbeitsplatz gefährden.“ „Das ist ein Zirkelschluss, oder?“ „Das mag sein, aber ich möchte nicht darauf eingehen. Es könnte ja Arbeitsplätze gefährden.“

„Nehmen wir nur einmal den Energiesektor, es liegt doch auf der Hand, dass wir durch den Verbleib in der Kohle eine viel größere Anzahl an Arbeitsplätzen in der Erzeugung regenerativer Energie…“ „Nein.“ „Wie, nein?“ „Also erstens ist es diese linksgrüne Solarspinnerei, die die Jobs in der Kohleverstromung gefährdet, und dann kann es ja gar keine Gefahr geben für die Windkraft oder so.“ „Warum nicht?“ „Die Arbeitsplätze gibt es gar nicht, wie sollen die denn dann gefährdet sein?“ „Aber Sire sind doch immer für den technischen Fortschritt, wie können Sie denn dann den…“ „Das täuscht. Wir wollen nichts gefährden. Für eine Entwicklung ist immer noch Zeit genug, wenn alles zu spät ist.“ „Warum ist denn dann die Atomenergie keine Gefahr für die Kohleförderung?“ „Kernkraft ist doch selbst von diesen stalinistischen Schweinen bedroht, die die Sonne verstaatlichen wollen – Sie werfen hier mal wieder Äpfel und Birnen in ein Fass, das schlägt doch dem Boden die Krone aus!“

„Also ist neue Technologie niemals eine reale Gefahr für die Arbeitsplätze?“ „Das würde ich nie sagen, schließlich bringen neue Technologien auch immense Wachstumspotenziale, aus denen ganz neue Jobs entstehen können.“ „Also zum Beispiel die ökologische Landwirtschaft.“ „Naja, das ist nun etwas einseitig gewählt.“ „Weil die Menschen dann länger leben und die Bestatter nichts mehr zu tun haben, richtig?“ „Sie und Ihr Zynismus! natürlich nicht, es hängen Jobs in der Pharmaindustrie dran und bei den Düngemitteln.“ „Und bei der Chemie.“ „Ja, auch.“ „Und bei Onkologen, die den ganzen Krebs wieder wegoperieren dürfen.“ „Die Medizin ist auch ein Wachstumsmotor, vergessen Sie das nicht!“ „Deswegen wollen Sie auch Patienten, die so kerngesund sind, dass sie möglichst noch Organe spenden können, richtig?“ „Ach, lassen wir das.“

„Nein, mal im Ernst: wenn Sie so für neue Technologien sind, warum sträuben Sie sich dann derart vehement gegen den Netzausbau?“ „Tun wir gar nicht.“ „Weil das keine Arbeitsplätze gefährdet, aber Deutschland sämtliche Wettbewerbschancen vermasselt.“ „Das sehen Sie völlig falsch.“ „Ah, jetzt habe ich begriffen: Sie haben dieses uralte Netz noch immer in Betrieb, damit wir niemals mit Robotik und ähnlichen Produktionsinstrumenten konfrontiert werden.“ „Das ist ja nun ausgemachter Unsinn. Sie wissen genauso gut wie ich, dass es mit Robotern ganz neue und viel bessere Möglichkeiten gibt, dem Markt durch qualitative und quantitative Innovation einen eigenen Stempel aufzudrücken.“ „Aber im Bereich der Produktion selbst heißt das erst einmal, dass wir sehr, sehr viele Jobs in den untersten Lohnkategorien verlieren werden.“ „Das mag sein, aber die Politik steuert dagegen, indem sie Arbeitnehmern erlaubt, sich weiterzubilden.“ „Und das schützt Arbeitsplätze in der Produktion?“ „Zunächst einmal in der Weiterbildung. Und dann natürlich auch in der Politik.“

„Im Grunde ist ihr Weltbild doch nichts anderes als permanentes Gejammer, dass es früher besser war.“ „Das kann man so natürlich auch nicht sagen. Es braucht halt immer ein gewisses Korrektiv, aber man tut gut daran, wenn man nicht zu früh alle Überzeugungen über Bord wirft.“ „Wann tun Sie das?“ „Normalerweise warten wir damit, bis es zu spät ist.“ „Es gab noch vor fünfzig Jahren in den USA Verbände, die finanzielle Hilfe vom Staat bekamen, weil die Postkutsche abgeschafft wurde.“ „Der Verbrennungsmotor hat es da in gewisser Hinsicht besser. Den kann sich heute auch der Durchschnittsbürger leisten.“ „Und wenn es eine technologische Entwicklung gäbe, die das Auto überflüssig machen würde?“ „Das wird niemals passieren. Es gefährdet zu viele Arbeitsplätze.“

„Wir sollten mal über die Rüstungsindustrie…“ „Das gefährdet Arbeitsplätze!“ „Ohne Rüstung oder Waffenexporte gäbe es weltweit viel weniger Kriege oder Konflikte.“ „Das würde natürlich viele Arbeitsplätze in der Bundeswehr gefährden.“ „Aha, und das bei der miesen Ausstattung.“ „Und die Berater! was meinen Sie, wie viele Berater ihren Job los sind, wenn einer das Ruder herumreißt.“ „Das heißt, bei einer einigermaßen vernünftigen Führung wäre eine komplette Branche plötzlich total überflüssig?“ „Es gibt keinen Beweis für diese Behauptung.“ „Und wenn Sie nicht diese vielen Auslandseinsätze hätten, könnte man auch die vielen Kampfeinsätze des…“ „Die steigern das Bruttosozialprodukt!“ „Und die Menschen in…“ „Jeder Flüchtling, der dadurch zu uns gelangt, braucht eine Wohnung, Brot, Kleider, eine Versicherung, einen Fernseher, ein Auto, eine…“ „Wissen Sie was? Ich möchte Ihnen so gerne eins aufs Maul geben.“ „Nur zu. Machen Sie ruhig.“ „Gefährde ich da nicht einen Arbeitsplatz?“ „Ich bin Politiker. Das wächst einfach nach.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLVIII): Sterneküche

5 04 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Irgendwann einmal müssen dem Koch eines gut beleumundeten Lokals sämtliche Vorräte zur Neige gegangen sein. Oder er hatte sich vorgenommen, die Hülsenfrucht an sich derart zu transzendieren, dass das Ergebnis seines Geschmors eine bis dato nicht vorgekommene aromatische Nuanciertheit ans Zäpfchen zaubert, die ihn weltberühmt macht. Oder er hatte sich zu oft die hängenden Bratpfannen an die Birne gekloppt und delirierte am Herd frei vor sich hin, Erbsen zählend, Erbsen kochend, bis am Ende eine einzige übrig blieb, die er mit etwas Beiwerk auf einem monströsem Teller dem Gast auftrug, der erstaunt feststellen musste, eine derartige Erbse bisher nie verzehrt zu haben. Da der Hominide zu drei Vierteln aus Ruhmsucht besteht, bewarb der Maître alsbald seine Erbse und gewann einen Preis dafür, den er stolzgeschwollen ins Fenster klebte. Die Sterneküche ward geboren.

Jene Form der Gastronomie hat sich komplett von ihren Wurzeln entfernt, aus essbaren Produkten eine mehr oder minder warme Mahlzeit zu erstellen und sie dem Gast zu kredenzen, der aus Hunger und Gaumenfreude ein- und wiederkehrt, um den Laden am Laufen zu halten. Hin und wieder verzeiht der zahlende Esser dem Koch wirr auf den Teller geschwiemelte Experimente, doch ist jenseits von Pfefferminzcurrywurst mit Sauerkraut meist schon die Suppe gelöffelt, denn was die geschmacksfreie Inszenierung von Einzelteilen mit verzweifeltem Aufwand hervorbringt, steht in keinem Verhältnis mehr zum Eigentlichen.

Und so schmurgelt der Chef aus einem Korb Modegrün – Algen, Bärlauch, japanischer Spinat – einen Topf voll Pampe, die nachlässig unter zwei Gemüsescheibchen getupft oder mit dem Löffel aufs Porzellan gekleistert die besondere Note des siebten Gangs ausmachen soll. Passt nicht zum halb rohen Fisch, also muss es sich um einen gekonnten Kontrast handeln, taucht aber zu Bauschaum verstärkt als orthogonaler Festkörper neben einer gekleckerten Sauerampfer-Senfsaat-Emulsion auf dem Kolibrispiegelei wieder auf. Der Wareneinsatz beträgt eins zu eins – eine Tonne Grünzeug, ein Löffel Püree – und besonderen Wert legt das Haus auf exklusive Zutaten. Während andere noch ihre regionalen Wurzeln betonen, sucht der Hochgastronom seine in gelblichem Dunkellila schimmernden Babykarotten ausschließlich in einem Biobetrieb rechts neben dem Regenwald, da hier die Nussaromen im Rohzustand noch eine kleine Idee mehr Bitterstoffe zu haben scheinen als in der mauretanischen Möhre, die nur noch die Konkurrenz verkocht. Hier hebelt eine Fachkraft in Dinkelplätzchenpanade frittierte Hühnerfüße auf drehsymmetrische Lotoswurzelquerschnitte, die zuvor eine Nacht lang in einer Ziegenkäse-Fenchel-Marinade geruht haben, bevor die Küchenhilfe sie mit Andenfelsquellwasser durchspült und auf einem Lamapullover trocken tupft. Kenner können in drei von fünf Fällen sofort erkennen, ob es sich um die begehrten Pflanzenteile der Silberbaumartigen oder um lappigen Discountertoast handelt, wenn auch nicht am Geschmack.

Ursprünglich waren die Sterne erfunden worden, um Automobilisten, die durch die Gegend dieselten, standesgemäß zu verköstigen. War doch das Kraftfahrzeug eher eine Angelegenheit der obersten Zehntausend, die natürlich nicht mit jedem Dorfgasthof zufrieden sein durften, um nicht ihren Ruf als Kilometerfresser zu beschädigen – ein Stern bedeutete passable Speise am Wegesrand, für zwei durfte ein Umweg einkalkuliert werden. Drei Sterne jedoch, und es handelte sich tatsächlich um ein kostspieliges Vergnügen, waren der Anlass zu einer eigenen Fahrt über Land. Bis heute hat sich wenig geändert an diesem Bezug. Die Extremküche ist gestartet als Rennen, in dem die Bestplatzierten einen Pokal abkriegten, den sie ins Fenster stellen konnten, um ihre Dominanz in einem halbwegs tauglichen Wettbewerb zu demonstrieren, hat sich inzwischen aber zur komplett abgehobenen Show gewandelt, in der ein paar elitäre Selbstdarsteller ihre fahrphysikalisch sinnfreien Tuningexzesse zelebrieren, eine Leistungsschau von Frontschürzen und Heckspoilern, die der eine oder andere mit Fuchsschwanz an der Antenne ausgestattete Zaungast noch ehrfürchtig für bare Münze nimmt. Was als notwendig deklariert wird, die im tiefsten Winter aus Neuseeland eingeflogene Waldbeere mit Ananasgeschmack, die zu zentimetergroßen Rauten geschnitzt mit der Pinzette auf den Tellerrand gehebelt dem Serviergut allenfalls den optischen Touch von Einzigartigkeit verleiht, weil alle es tun, steht in einigermaßen krassem Missverhältnis zur betriebswirtschaftlich vernünftigen Tätigkeit. Die Köche könnten ihren Schmodder auch gemütlich in Kunstharz gießen und in die Galerie hängen, das Ergebnis ist dasselbe: der Esser findet in diesem Schauprozess nicht mehr statt.

Schon wenden sich die ersten Köche ab vom Getöse, schalten einen Gang herunter und geben alle ihre Auszeichnungen zurück, um sich auf eine vernachlässigte Fertigkeit zu stürzen: auf das Kochen. Allein das geht nicht, denn das Totholz hat die Auszeichnungen nun einmal veröffentlicht und nimmt sie nicht wieder mit. Das Urteil der Jury kümmert sich weder um Koch noch Kellner und um den Gast schon gleich gar nicht. Wer den Preis verleiht, ist der eigentliche Star, was auf dem Tisch passiert, allenfalls schmückendes Beiwerk einer Marketingaktion. Wie hätte man darauf nur kommen können.





Die Konsequenzen ihres Handelns

19 03 2019

„Du frisst jetzt Deinen verdammten Grießbrei!“ Malwine Huber nickte befriedigt und setzte ein Häkchen auf die Liste. Sie musste nicht den Raum betreten, um zu wissen: diese Pflegerin machte ihre Sache gut, sehr gut sogar.

„Warten Sie“, beruhigte sie mich. „Fräulein Lisa kommt gleich aus dem Zehnbettzimmer, dann können Sie sie persönlich befragen.“ Ich stutzte. „Zehn Betten? Ist das denn überhaupt gestattet?“ „Natürlich nicht“, wehrte die Heimleiterin ab. „Aber wir haben zum einen im Testbetrieb immer nur eine Person untergebracht, und dann warten wir trotzdem mal ab, ob sich die Vorschriften in den nächsten Jahren nicht dramatisch ändern. Wir haben es hier mit nachwachsenden Rohstoffen zu tun: Senioren.“ Die Tür öffnete sich, Lisa trug den halb gegessenen Brei in einem verbeulten Blechnapf aus dem Zimmer. „Sehr gut“, lobte Malwine. „Sie ist eine gelehrige Schülerin. Wenn sie bis zum Ende der Woche durchhält, bekommt sie das Angebot, eine Ausbildung in unserem Haus zu machen. Dann ist sie genau im richtigen Alter, wenn unsere Kunden einziehen.“ „Und wer ist jetzt hier?“ Lisa verdrehte die Augen. Hatte ich als einziger nicht verstanden, was hier vor sich ging?

Im Zehnbettzimmer saß eine junge Dame auf dem Stuhl, höchstens zwanzig, und putzte sich die Breireste aus dem Gesicht. „Sie waren zufrieden mit dem Service?“ Sie nickte. „Schrecklich. Ich möchte, dass Sie Rosenkohl mit auf die Speisekarte setzen. Und bitte spielen Sie hier den ganzen Tag klassische Musik und viel französische Chansons.“ Malwine notierte alles gewissenhaft auf dem Fragebogen. „Er wird sich unwohl fühlen bei uns“, versicherte sie. „Wir werden uns die größte Mühe geben, dass er sich weit weg wünschen wird.“ Die Dame verabschiedete sich, und wir blickten in den schlecht gelüfteten, trostlosen Raum, der wohl dermaleinst so vielen Menschen Obdach für die letzten Tage ihres Lebens bieten sollte. „Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren“, sagte ich zögernd, „dass bei Ihnen eine gewisse Geldgier im Spiel ist.“ Da lachte Malwine laut auf. „Geld“, gluckste sie, „ach was – ich mache mir nichts aus Geld, denn erstens deckt das hier kaum die Kosten, und das bisschen, was wir verdienen, stecken wir auch gleich in gemeinnützige Dinge.“ „Und warum bieten Sie dann dieses Billigheim an, in dem Ihre Schutzbefohlenen bei kaltem Grießbrei auf einem staubigen Boden im umgeheizten Zimmer sitzen?“ Sie schob ihre Brille resolut auf die Nase zurück. „Wir helfen der jungen Generation, sich für die kommenden Katastrophen zu wappnen. Nichts wird vergessen sein, aber auch gar nichts.“

In einem anderen Zimmer schrie eine Pflegerin einen jungen Mann an, der nicht schnell genug aus dem Doppelstockbett kam. „Nichts als Ärger hat man mit Euch“, keifte sie. „Wozu füttern wir Euch eigentlich noch durch?“ „Was meint Sie damit?“ Malwine lächelte. „Sie verstehen es wirklich nicht, oder?“ Ich verneinte. „Dann gucken Sie mal genau hin, was Sie da sehen. Wer sind denn diese jungen Menschen?“ „Ich weiß es nicht.“ Sie legte mir die Hand auf den Arm. „Söhne und Töchter, und sie alle haben in absehbarer Zeit eine Entscheidung zu treffen: in welches Heim stecken wir unsere Eltern?“

Eine Hilfskraft schob fröhlich pfeifend einen quietschenden Rollstuhl über den Flur. „Sie sehen das bloß als Rache“, erläuterte Malwine, „aber Sie müssen es eher als eine Option auf die Zukunft betrachten.“ „Als Option auf die Zukunft?“ „Allerdings.“ Der Rollstuhl mit dem jungen Mann war in einem anderen Zehnbettzimmer am Ende des Ganges verschwunden. „Wir haben die Einrichtung ja noch nicht einmal gebaut, das hier sind ja nur Attrappen, ausgediente Krankenhausbetten, Reste einer Jugendherberge und der Schrott von zwei Reha-Stationen. Aber sie erfüllen ihren Zweck.“ Fräulein Lisa kam auf knirschenden Gummisohlen aus der Küche und trug ein Schüsselchen mit fade riechendem Brei. „Alle diese Eltern werden noch zu Lebzeiten vor die Konsequenzen ihres Handelns gestellt“, sagte die Leiterin. „Da ergeht es ihnen dann genau so wie ihren Kindern, die die Sache ja auch ausbaden müssen, vermutlich viel mehr als ihre Eltern.“ „Wovon reden Sie eigentlich, ist das hier eine historische Herdenhaftung?“ Sie schüttelte energisch den Kopf. „Ja und nein, es geht um den Klimawandel. Beziehungsweise um seine Folgen für diese Generation und alle, die noch kommen werden.“ „Also werden die Eltern vor die Wahl gestellt?“ Malwine nickte. „Sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie die Klimakatastrophe weiter verharmlosen und ihre Kinder damit sitzen lassen. Irgendwann suchen die ihren Heimplatz aus, und dann kommen wir ins Spiel. Bis dahin ist die Bude fertig, und dann bekommen sie die Rechnung.“

Aus einem Nebenzimmer kam ein Klatschen, als schleudere jemand eine schwere Peitsche durch die Luft. Malwine nickte. Ich öffnete einen Spalt weit die Tür und sah ein Dutzend junger Leute, die im Halbkreis um die Demonstration herum saßen und aufmerksam zusahen, wie ein kräftiger Pfleger mit einem nassen Handtuch auf eine Gummipuppe einschlug. „Meinen Sie nicht“, fragte ich, „dass das für eine verfehlte Klimaschutzpolitik vollkommen unverhältnismäßig erscheint?“ „Klima?“ Malwines Augen schoben sich zusammen, während sie lächelte. „Was meinen Sie, wie viele Eltern nicht gegen den Faschismus unternehmen wollen?“





Beratespiel

11 03 2019

„… in Zukunft vermehrt auf externe Berater setzen wolle. Die Bundesregierung habe im Bereich Verteidigung bereits einige Erfahrungen sammeln können, die nun auch im Gesundheitswesen für…“

„… es entgegen der angekündigten privaten Beratungs- und Unterstützungsleistungen auch um Bereiche gehe, die sich an Kassenpatienten…“

„… nicht geplant sei, ganze Gesetzespakete von Beraterstäben schreiben zu lassen. Spahn wolle vorerst nur einzelne Berater mit einzelnen Gesetzen beauftragen und verstehe daher nicht, warum die damit verbundenen Haushaltsmittel nicht im…“

„… auch als Kombi-Pakete anböten. Da das Ministerium an einer generellen Kostensteigerung arbeite, um wirtschaftliche Mittel effizienter für einen schlanken Gesundheitsbereich einzusetzen, seien Berater wesentlich schneller in der Lage, den Kostensteigerungsbedarf beispielsweise bei den Beratern zu lokalisieren und durch beschleunigte Prozesse auch eine erheblich effizientere…“

„… es im Kern um eine bessere Versorgung im Gesundheitswesen gehe. Spahn könne jedoch nicht ausschließen, dass es dabei um die Versorgung der Berater in finanzieller und…“

„… seien Beratungsunternehmen besser geeignet, besondere Problemstellungen in der Verwaltung zu erkennen, da sie gleichzeitig damit beauftragt würden, diese Problemstellungen eigenständig zu definieren. Dies bedeute eine doppelte Entlastung der…“

„… auch das Gesetz, das Berater berechtige, eigene Beratungsleistungen vorzuschlagen, von Beratern vorgeschlagen und ausgearbeitet worden sei. Spahn lege aber sehr großen Wert darauf, dass diese Vergünstigungen nicht nur den Beratern, die das Gesetz initiiert hätten, zugute kämen, sondern auch Beratern, die er erst danach in den Stab des…“

„… die Leistungen aus einer Hand beziehen könne. Die Beratungsgesellschaften seien in der Lage, den von ihnen erkannten Bedarf selbst zu erzeugen und würden in stetiger Kooperation mit Krankenkassen und Gesundheitsbetrieben eine lückenlose Fortschreibung der…“

„… sich nicht selbst um die Kosten der Beratungsleistungen kümmern könne, da er mit der Rekrutierung neuer Berater zu viel zu tun habe. Spahn sei immerhin einen ganzen Tag pro Monat im Ministerium und könne sich nicht mehr als dreißig bis maximal Sekunden um fachliche…“

„… nicht korrekt dargestellt werde. Spahn habe die meisten der Chefberater aus seinem engsten persönlichen Freundskreis eingestellt, da er derart verantwortungsvolle Positionen nicht einfach über eine Ausschreibung oder aus dem Telefonbuch…“

„… nicht genug von der Materie verstehe, um die Preise für Beratungsdienstleistungen korrekt einschätzen zu können. Spahn vertraue darauf, dass die Berater ihre veranschlagten Kosten immer nach ökonomisch korrekter und vernünftiger…“

„… eine Verbesserung der Ergebnisqualität sicherstellen könne. Sollte die Ministeriumsarbeit mittelfristig komplett in die Obhut von Beratern gelegt werden, so könne die Beraterbranche von sich sagen, dass sie viel mehr Ergebnisse als die…“

„… für einige Prüfungen Spezialkenntnisse im IT-Bereich nötig seien. Da das Ministerium in diesem Bereich keine eigenen Ressourcen vorhalte, müsse man auch keine zusätzlichen Computer anschaffen, die dann ohnehin nicht im…“

„… dass Prüfungen von Betriebsabläufen bei börsennotierten Krankenhauskonzernen erheblich beschleunigt werden können, wenn man sie ausfallen lasse. Die notwendigen Vorarbeiten könne der Beraterstab selbsttätig durchführen, um keine weitere Arbeit in den ministeriellen…“

„… keinen Mitarbeiter einsetzen wolle, der die veranschlagten Kosten vorab prüfe und nur nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachreferat bewillige. Spahn habe sich von einem Berater die dafür anfallenden Personalkosten in einem groben Überblick zusenden lassen und könne diese Überschreitung des Budgets nicht mit seinem…“

„… die Prüfdauer in Genehmigungsverfahren stark herabgesetzt werden könne, indem auf eine Prüfung generell verzichtet werde. Dies beeinflusse letztlich auch die Ergebnisqualität, die sich wiederum positiv auf Berater und…“

„… strategisch verwertbares Insiderwissen auf die Beratungsfirmen übergehe, das sich schnell monetarisieren lasse. Spahn weise diese Kritik zurück, da die Berater ihrerseits eine Gegenleistung in Form von Beratungen und…“

„… keine Schwierigkeit darin sehe, dass die Beratungsfirmen auch für Krankenkassen und Pharmakonzerne arbeiteten. Die Bundesregierung freue sich über konzentrierte Wirtschaftskompetenz in einem Gebiet, das ansonsten kaum den…“

„… dass er für die Personalkosten für eine interne Revision von dreieinhalb Vollzeitstellen einschließlich Krankheitsvertretung ausgegangen sei, die für die nächsten fünfhundert Milliarden Jahre mit einer jährlichen Gehaltssteigerung von hundert Prozent angestellt würden. Dies stehe in Anbetracht der verfügbaren Mittel in keinem Verhältnis zu den Preisvorstellungen der…“

„… alle hinreichend inkompetenten Mitarbeiter durch Berater ersetzen wolle. Damit werde das Gesundheitsressort künftig nicht mehr von einem Minister, sondern von einer renommierten Agentur aus dem…“





Goldene Worte

7 03 2019

Ich nickte leicht zur Begrüßung. Er hatte mich wohl nicht erkannt, ließ es sich aber nicht anmerken. „Wir haben Sie erwartet.“ Ein recht unmöbliertes Büro mündete in eine Art Lagerraum, in dem eine Couch stand, daneben ein Schreibtisch und eine Tafel. „Es wirkt alles noch ein wenig improvisiert“, druckste er heraus, und in der Tat, das war nicht zu übersehen. Immerhin war ich richtig.

„Die wichtigeren Arbeiten werden ja ohnehin vom Stab erledigt“, stellte er fest. „Deshalb sind wir auch froh, dass wir immer wieder Fachleute finden, die wir als Sachverständige in Ausschüsse senden können, in Gremien und teilweise sogar in die Arbeitskreise.“ Ich nickte anerkennend. „Das sind schwierige Einzelfallentscheidungen, die wir nur den Experten anvertrauen, und wir hoffen, dass Sie sich mit dieser Aufgabe identifizieren können.“ „Ich werde mein Bestes tun“, versicherte ich, „auch wenn ich noch nicht so genau weiß, worum es hier eigentlich geht.“ „Das sehen wir später“, beruhigte er mich. „Wir müssen das Problem erst einmal sehr gründlich analysieren, damit wir auch eine Lösung erarbeiten können, die sich juristisch trägt und für die Öffentlichkeit akzeptabel ist.“ Ich nickte. „Wie“, fragte er vorsichtig, „würden Sie denn diese Problematik nun im Einzelnen angehen?“

Möglicherweise hatte ich mich in der Tür geirrt, denn eigentlich hatte mich ein Fernsehsender mit der Planung einer Samstagabendshow über alle Schweizer Kantone beauftragt. Hier aber schien es sich um eine weniger bedeutsame Angelegenheit zu handeln, an der höchstens ein paar Ministerien zu hängen schienen. „Wir müssen die Fakten klar aus den zur Verfügung stehenden Materialien ziehen“, begann ich. „Vorher würde sich eine Reaktion in der Öffentlichkeit als ungeschickt erweisen, Sie wissen ja, wie die Medien reagieren.“ Er schreib eifrig mit. „Vor allem lege ich großen Wert auf ein akkurates Framing – wir leisten immer und überall Aufklärungsarbeit, der Gegner ist nur bestrebt, die Tatsachen zu verdrehen.“ „Bedenken Sie“, wandte er fast schüchtern ein, „wir haben es hier mit einem Oberstaatsanwalt zu tun, der sich gegen die…“ Mit einer heftigen Bewegung wischte ich den Satz vom Tisch. „Ich werde das nicht zulassen, wir sind als Träger der Handlung immer in der Verantwortung und wollen uns das nicht nehmen lassen.“

Die Tür ging auf. Er tuschelte kurz mit dem Kollegen und entschuldigte sich; so saß ich alleine, bis ein Mitarbeiter hineinsah, um einen großen Stapel Akten auf dem Tisch abzuladen. „Schön“, ätzte ich. „Halb elf durch, und wir sind auch schon da.“ „Das sagt der Alte auch immer“, knurrte er, „aber was soll ich denn machen, wenn Berlin den Scheiß immer zu spät schickt? Ich kann doch auch nicht hexen!“ Mit einer weitläufigen Bewegung hieß ich ihn niedersetzen. „Sie wissen“, hub ich an, „dass wir die Abteilung sehr genau strukturiert haben, damit die Informationsflüsse genormt sind.“ Er nickte. „Deshalb brauchen wir auch ein System, das auf drei Säulen beruht: kein Kompetenzstreit, keine sich überdeckenden Wissensbereiche, und eine sehr genaue Planung des Zeitplans mit Hilfe eines Plans, der die Zeit plant. Können Sie mir folgen?“ Eifrig nickt er; immerhin hatte er bereits begonnen, sich Notizen zu machen. Er tat recht daran, so schnell würde er nicht wieder goldene Worte hören. „Dazu bedarf es einer genauen Planung der einzelnen Komplexitätsstufen – können Sie mir folgen?“ „Komplexitätsstufen.“ Noch schrieb mein junger Freund mit, aber ich war nicht mehr so ganz davon überzeugt, dass er auch genügend bei der Sache war.

„Kommen Sie jetzt erst?“ Der Abteilungsleiter hatte offensichtlich nicht mich gemeint. Dennoch regte mich die Frage auf, mit der er plötzlich in die Besprechung geplatzt war. „Ihnen ist es also lieber“, stellte ich leicht indigniert fest, „wenn wir ohne ein personelles Konzept in die erste Projektphase starten und die Implementierung notwendiger Kontrollen irgendwann zwischendurch erledigen?“ Sein Gesicht rötete sich. Darauf konnte ich jetzt aber keine Rücksicht mehr nehmen, wer hatte denn die ganze Zeit die Koordination zwischen Stab und Ministerium schleifen lassen? „Ohne eine vorherige Machbarkeitsstudie müssen wir doch das ganze Änderungsmanagement in Frage stellen.“ Sie nickten. So schwer war es also doch nicht, mit ein bisschen Vernunft war der Laden offenbar zu retten. „Machen Sie mir bis morgen eine Kosten-Risiken-Matrix und dann schicken Sie das an den Stab. Ich werde immer in CC: gesetzt, auch bei finanziellen Umstrukturierungen unterhalb einer Milliarde.“ Sie schluckten, aber was sollte ich denn machen. Einer musste es ihnen doch beibringen.

„Sie haben schon Anschluss gefunden“, sprach mich die Empfangskraft an, als ich gerade vor den Lieferantenmanagern in der Lobby die generelle Neuverhandlung aller Qualitätsprozesse anregte. Er störte, aber das nahm ich in diesem Augenblick hin; schließlich muss man qualifizierte Kräfte auch mit neuen Entwicklungen alleine lassen können, ohne gleich an eine Katastrophe zu denken. „Haben Sie sich schon entschieden?“ Ich blickte einen Moment in die Ferne. „Was ich mir vorstellen könnte“, sagte ich mit Tatkraft, „das ist eine Restrukturierung der Entscheidungsprozesse. Ich werde Ihre Berater beraten.“ Bewundernd blickte er mich an, die große Erkenntnis des Moments begreifend. Wir schieden als strategische Partner mit einer großen Sache, die Geschichte schreiben würde. Jetzt müsste ich nur noch herausfinden, worum es ging. Aber man kann sich eben nicht mit jeder Kleinigkeit aufhalten.





Treibhauseffekte

6 03 2019

„Natürlich soll das Kind Gemüse essen, aber doch nicht aus ideologischen Gründen! Das ist ja so wie Satansanbetung, also schlimmer noch, Sozialismus! Das ist eine Generation, die will den Bürgerkrieg, die will nicht mal heiraten und Kinder kriegen und einen Baukredit, den man bis 70 abbezahlt hat, die wollen die DDR! Warten Sie es nur ab, irgendwann bringt die Sie ins Arbeitslager!

Ja, nehmen Sie das bitte nicht persönlich, Ihre Tochter mag ja sonst ein liebes Kind sein, und dass sie nur Einser hat und diese eine Zwei in Physik, sehen Sie, so wichtig ist das gar nicht. Mit Physik, was kann man da schon werden? Arbeitslos, so als Frau, da gibt’s doch wirklich attraktivere Berufe, oder höchstens Kanzlerin. Aber das ist noch die Frage, was besser ist. Sie ist sonst auch aufmerksam und wird nie krank, und wenn Sie jetzt als Eltern so komplett versagen, dann liegt das natürlich nur an Ihnen, das muss Ihnen auch klar sein. Bei und sind damals auch manche von sozial schwachen Eltern vernachlässigt worden, die haben Hasch geraucht oder sind in den Kommunistischen Bund gegangen, aber so einen Terror dürfen Sie sich nicht gefallen lassen, hören Sie?

Das belastet den Haushalt sehr, das werden Sie früher oder später auch noch merken, dass Sie für das Kind immer extra kochen müssen, weil sie das Fleisch verweigert. Ach, sie kocht selbst? Sie haben ihr das beigebracht? Das ist ja schon wieder ein verdächtiges Zeichen, dass Sie Kinder in dem Alter schon viel zu viel Selbstständigkeit zumuten, das ist der gesunden Entwicklung einer Vierzehnjährigen ganz bestimmt abträglich. Und Sie müssen ihr dann mal langsam klar machen, dass sie nicht ihr Leben lang in Ihrer Küche stehen und Gemüse putzen kann, irgendwann muss sie raus in die Welt, und da gibt es dann plötzlich nur eine Kantine mit Wurst und Schweinsbraten, und dann kann sie auch nicht an der Kasse stehen und herumheulen, weil sie nur Brokkoli mag. Ja, ich weiß das so genau nicht, ich bin noch nie in einer Mensa gewesen, wir sind in diesem Haus zu wenig Akademiker, meistens reicht ein Parteibuch, oder der Vater hat eins, und dann ist das mit der Ausbildung im Amt kein Problem.

Für den Weltfrieden keine kleinen Lämmchen essen, die Phase haben wir auch mal gehabt. Das ist in dem Alter eigentlich ganz normal. Und wenn ich im Fernsehen wieder so einen Bericht über Wurst sehe, was da alles nicht reingehört und was da trotzdem reinkommt, also wenn das mal wieder im Fernsehen kommt, dann lege ich vier Wochen lang nur Schnitzel auf den Grill. Aber dann geht’s doch auch irgendwann wieder. Ich meine, man muss doch mal die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen und kann nicht immer so tun, als wäre das ganze Leben ein Wolkenkuckucksheim. Fakten, darauf kommt es doch an, nur die Fakten! Und wenn Ihre Tochter nur aus Klimaschutzgründen kein Fleisch mehr essen will, dann fragen Sie sie doch mal, wie viel Wasser eigentlich so eine Tomate braucht, bis sie reif ist, und wie viel Diesel dafür draufgeht, bis die aus Spanien… – Sie züchten die selbst? Im Garten? Ich kann mich des Eindrucks gerade nicht erwehren, dass Sie hier eine ganz subversive Taktik fahren, mein Lieber. Aber ganz subversiv!

Außerdem ist das doch deutsche Leitkultur. Das ist nun mal ein Land, in dem traditionell viel Fleisch verzehrt wird, und warum auch nicht? Gehen Sie in den Supermarkt, das Angebot ist doch da! Und zu den Preisen kann es sich jeder leisten, es ist doch kein Luxus mehr wie im Mittelalter. Ich frage mal ganz direkt, was sollen wir denn mit dem ganzen Fleischangebot machen? Sollen wir das in die Tonne treten, nur weil wir plötzlich alle vegan und klimaneutral sind, oder wie soll man sich das vorstellen? Es werden täglich zwanzig Tonnen Tiere geschlachtet, und das schmeißen wir dann alles weg und essen Erbsen, weil Madamchen keine Salami mehr will? Entschuldigen Sie mal, aber hat die dumme Göre noch alle Tassen im Schrank!?

Der Flächenverbrauch für Feldsalat ist doch viel höher, als wenn man sich auf derselben Fläche eine Kuh halten würde. Außerdem wird man von der auch viel nachhaltiger satt, oder was meinen Sie, wie viel Rapunzeln man sich in die Figur stopfen muss, bis man ein Kilo Steakhüfte raus hat? Und ganz ehrlich, das Zeug schmeckt doch nicht. Haben Sie schon mal Salat geschmort? oder als Braten? Das ist doch nicht normal! Und dann die vielen Ställe, die reißen wir jetzt alle auch ab und ziehen da Tomatenplantagen auf? Ganz Deutschland wird ein Gewächshaus, alles dufte, und dass in so einem Ding Treibhauseffekte herrschen, das hat sich bis zu Ihnen wohl auch noch nicht herumgesprochen? Das kapiert man natürlich nicht, wenn man nur eine Zwei in Physik hat, aber daran sind sicher wieder nur die bösen Lehrer schuld. Ihre Tochter hat in diesem Halbjahr keinen Physikunterricht? Wie kann das denn sein? Unterrichtsausfall? Aber das wird doch sicher durch ein vernünftiges Fach wieder aufgefangen, oder? Religion oder Turnen? Wie jetzt, Freistunden? und das auch noch freitags? Ihre Tochter treibt sich mit anarchistischen Chaoten aus den Parallelklassen außerhalb des Schulgeländes herum, um für das Klima zu demonstrieren? Ich höre wohl nicht recht – sie demonstriert!? Da kommen Sie nicht mehr raus, mein Lieber. Da muss ich mal mit dem Jugendamt sprechen, ob das mit dem Sorgerecht immer noch zu vereinbaren ist. Sie sind ja eine Schande für die Elternschaft, und dass Sie das auch noch auf dem Rücken Ihrer Tochter ausleben – sind Sie denn vollkommen von Gott verlassen? Denken Sie vielleicht auch mal an die Zukunft unserer Kinder!?“