Ungünstige Prognose

15 12 2022

„… eine Reihe von Maßnahmen beschlossen habe, um die Bevölkerung während der Weihnachtstage vor den schlimmsten Entwicklungen zu schützen. Die akute Unterversorgung der Bundesrepublik mit präklinischer Notfallmedizin sei eine echte…“

„… rate das Bundesgesundheitsministerium den Bürger, in diesem Jahr auf Weihnachtskerzen zu verzichten. Es seien nicht genug Notfallsanitäter in den Ballungsgebieten verfügbar, um im Brandfall eine schnelle Rettung zu…“

„… der Berliner Senat sich nach dem jüngsten Zwischenfall entschieden habe, flexiblere Lösungen für den Rettungsdienst auf den Weg zu bringen. So sei es ab sofort möglich, auch ohne Notarzt oder geschultes Personal Einsätze zu fahren, da ein Notfall als erfolgreich gelöst gelte, wenn allein das Fahrzeug an den Einsatzort…“

„… es nicht zielführend sei, präventiv sämtliche Klimaaktivisten zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen. Für die Berichterstattung könne es viel einfacher sein, eine weit entfernte Demonstration als Begründung für den Ausfall des gesamten…“

„… rate das Bundesgesundheitsministerium nun auch dazu, mit elektrischen Lichterketten vorsichtig zu verfahren. Neben den üblichen Gefahren eines kurzschlussbedingten Brandes oder Herzstillstand durch Stromschlag müsse man besonders Kinder, die sich eine Strangulation zuziehen könnten, mit deutlichen Warnhinweisen auf dem…“

„… die Hauptstadtverwaltung sich mit der Deutschen Bahn AG verständigt habe, um ihre Statistik wieder in den grünen Bereich zu drehen. Es sei nun geplant, alle Einsätze, bei denen ein Rettungsfahrzeug überhaupt den Unfallort erreiche, als pünktlich zu kategorisieren, was als wesentliche Entlastung vor allem für den Senat und seine…“

„… Löschversuche an brennenden Bäumen oder Adventskränzen nicht selten der Auslöser schwerer Erkältungskrankheiten bis zu Bronchitis oder Lungenentzündung würden. Lauterbach rate daher in diesem Jahr, jede Art von Beleuchtung in den Privatwohnungen zu vermeiden, da dies eine der einfachsten und auch sparsamsten Lösungen für den Schutz der Bevölkerung vor einem…“

„… nun auch Rettungssanitäter fahren lassen werde, die sich zuvor nicht mit der Bedienung eines Einsatzfahrzeuges befasst hätten. Die Berliner Innensenatorin sehe im Fall eines Verkehrsunfalls den Vorteil, dass sich dann ein Rettungsteam sofort vor Ort befinde und lebensrettende Maßnahmen für die Einsatzkräfte im…“

„… es Überlegungen in den Krankenkassen gebe, vor der Alarmierung der Rettungsleitstelle zunächst eine Zweitmeinung eines niedergelassenen Arztes einzuholen. Sollten etwaige Wartezeiten den Notfall erledigen, so würde auch dies zu einer sehr viel besseren Versorgungslage für andere…“

„… die Einweisung in eine Klinik im Radius von fünfzig Kilometern nun der Normalfall werden müsse. Die Hamburger Sozialbehörde wolle damit eine Entzerrung des Krankenhausbetriebs erreichen, der nur geringe Erweiterungen der Fahrleistung bei Feuerwehren und anderen…“

„… zu Einschränkungen in der Freizügigkeit führen könne. Da sich während der Weihnachtstage viele Bewohner ländlicher Regionen in den Städten aufhalten würden, könne es dort auch zu einer viel größeren Häufung an Notfällen kommen, was durch ein generelles Besuchsverbot in den kreisfreien …“

„… die Flexibilisierung müsse weiter führen und auch in umgekehrter Richtung funktionieren. Für die Berliner Verwaltung liege es nun nahe, dass auch Kraftfahrer, die man auf dem angespannten Arbeitsmarkt viel leichter als nebenberufliche oder in Teilzeit tätige Helfer finde, mit medizinischer Versorgung am Unfallort beauftragt werden könnten, um eine Entlastung der Politik im…“

„… sich die medizinischen Kenntnisse in der Normalbevölkerung nutzen lassen würden, wenn vor dem Notruf mindestens eine Recherche der Leitsymptome im Internet verpflichtend werde. Im Bundesgesundheitsministerium begrüße man den Vorschlag der Rettungsdienste und werde sich mit ihm wohlwollend und vorurteilsfrei…“

„… dass Patienten auch im Umkreis von etwa hundert Kilometern eingeliefert werden könnten. Zur Kooperation mit niedersächsischen Kliniken werde man von Hamburg aus auch Notfälle in den Gängen und Kellern diverser Krankenhäuser…“

„… bei kritischen Fällen, bei denen nur eine sehr ungünstige Prognose gestellt werden könne, eine spezielle Rufnummer helfen werde. Von den Rettungsdiensten werde diese Leistung als Letzte Hilfe angeboten, die üblicherweise erst nach dem Ende einer regulären Schicht in den…“

„… auch im Sinne eines Schnupperpraktikums besetzt werden könne. Dabei sei es für den Berliner Senat unwichtig, ob es vor den Einsätzen eine fachliche Unterweisung in medizinische oder…“

„… zur Teamwork aufgefordert habe. Bei nicht erfolgreich verlaufenden Einsätzen bestünden die Krankenkassen darauf, dass die Rettungsdienste ihre Fahrten entweder zu einem deutlich reduzierten Kostensatz oder aber vollkommen ohne eine…“

„… in Bezug auf die Gesamtzahl der Einsätze betrachtet werden müsse. Zwar könne auch durch pandemiebedingte Ausfälle, spontane Kündigungen zum Jahresende oder eine allgemeine Unlust in den Rettungsdiensten eine Überlastung konstatiert werden, ein gesetzliches Verbot des Entzündens von Feuerwerkskörpern zu Silvester bedeute jedoch für Buschmann eine viel zu starke Einschränkung der Freiheitsrechte, die keinesfalls gegen die gemeinhin eigenverantwortlich handelnden…“





Sterben ist die beste Medizin

6 12 2022

„Und wenn wir Leute aus dem Ausland holen?“ „Die wären bestimmt erst im nächsten Jahr hier.“ „Und dann könnte keiner von denen arbeiten.“ „Ist auch nicht notwendig.“ „Wieso?“ „Hauptsache, die Kinderintensivstationen sind besetzt.“

„Wir haben doch jetzt schon zu wenig Leute auf anderen Stationen.“ „Weiß ich doch.“ „Sie können doch deshalb nicht Leute aus dem Ausland holen, Sie müssen erst mal hier suchen.“ „Es ist dringend, teilweise müssen Eltern hundert Kilometer weit mit den Kindern fahren.“ „Lassen Sie sich doch endlich mal eine pragmatische Lösung einfallen!“ „Warum suchen wir dann nicht im Umkreis von hundert Kilometern?“ „Großartig!“ „Dass wir darauf nicht selbst gekommen sind!“ „Dufte!“

„Aber mal ehrlich, wir können und doch jetzt nicht auch noch andere Krankenhäuser schädigen!“ „Die sind doch alle untereinander im Wettbewerb, also richtet das der Markt.“ „Und die Kinder?“ „Die Kinder, die Kinder, ich bitte Sie – wir können jetzt nicht auch noch populistische Sprüche bringen!“ „Das Problem ist doch viel älter.“ „Haben wir nicht eine Menge Arbeitslose?“ „Sie können doch nicht Leute ohne jede Erfahrung auf eine Intensivstation schicken!“ „Wieso, in den Bundestag kommen die doch auch rein?“

„Wir hätten bei Corona schon ganz anders auf die Überlastung reagieren müssen.“ „Das hilft uns jetzt auch nicht weiter.“ „Mir schwebt da vor, dass wir vielleicht den Prozess erst einmal sehr genau beobachten und dann analysieren, welche Fehler da konkret gemacht worden sind, und dann kann man in einem zweiten Schritt Maßnahmen ergreifen, die der Qualitätssicherung dienlich sind.“ „Sind Sie der DFB, oder warum quatschen Sie so eine Scheiße!?“ „Jetzt bleiben Sie mal gelassen, wir brauchen eine schnelle Lösung.“ „Genau, es sterben Kinder!“ „Dann sollten wir an vorderster Front für eine gute, nachhaltige Lösung kämpfen!“ „Und wie stellen Sie sich das konkret vor?“ „Naja, in den Medien halt – ich wäre auch bereit, die meisten Auftritte in den bekannten Fernsehtalkshows zu übernehmen.“

„Verdammt, es sterben Kinder!“ „Ja, wir hatten das mit den populistischen Sachen schon mal.“ „Sie sind nicht in der Lage, eine reale Gefahr für das gesamte deutsche Gesundheitswesen zu erkennen und dementsprechend zu handeln?“ „Wie gesagt, es ist erst mal nur eine Krankheit, wenn wir es mit mehreren komplexen Erkrankungen zu tun haben, können wir uns immer noch aus unserem seit der Pandemie gut ausgerüsteten Werkzeugkasten…“ „Also erstens ist die Pandemie nicht vorbei!“ „Und zweitens, was machen Sie bei einem Notfall?“ „Ist das jetzt Ihr Patentrezept, dass Sie Kinder zu Hause festschnallen, damit sie nicht bei einem Unfall ins Krankenhaus müssen?“ „So hatte ich das noch gar nicht betrachtet, das ist ja ein wirklich interessanter Ansatz!“ „Heilige Scheiße!“ „Wir sind durchaus gut ausgerüstet, wir könnten zum Beispiel jederzeit die Maskenpflicht in Schulen und Kitas reaktivieren, wenn die Eigenverantwortung zum Tragen von Masken in Innenräumen nicht ausreichen sollte, sobald dann im nächsten Jahr die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr unsere Freiheit einschränkt.“ „Das ist doch…“ „Ich werde mir das gleich mal notieren, die nächste Talkshow kommt bestimmt!“

„Wir haben kein Personal mehr!“ „Ich kann Sie beruhigen, wir haben beispielsweise noch viele Intensivbetten, die eigentlich für Corona reserviert worden waren, die kann man jetzt jederzeit auf eine Kinderintensivstation schieben, wenn man sie vorher einmal gut abstaubt.“ „Abstaubt!?“ „Zur Not kann man dafür Reinigungspersonal rekrutieren, auch aus dem Ausland, da die Anforderungen an die Deutschkenntnisse dafür nicht so hoch sind.“ „Sie haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank!“ „Und so eine Knalltüte ist Minister!“ „Wir könnten das auch kombinieren, vielleicht holen wir uns aus dem Ausland Reinigungskräfte und schulen sie hier zu Intensivpflegekräften um.“ „Entschuldigung, für die dummen Witze war doch er zuständig?“

„Clowns?“ „Ich kann Ihnen gerade nicht ganz folgen.“ „Man könnte doch Clowns in die Kliniken schicken, das macht doch dieser Klimatyp aus dem Fernsehen auch.“ „Kommt als nächstes ‚Lachen ist gesund‘?“ „Das kostet die Kassen auch nicht so viel.“ „Ich schätze, es läuft wie mit Homöopathie und anderen Scherzartikeln.“ „Genau, der Patient ist schnell weg vom Fenster, und das Klinikbett ist wieder frei.“ „Sterben ist die beste Medizin.“ „Das würde ich so nicht sagen, aber lassen Sie uns den Gedanken nicht ganz aus den Augen verlieren.“ „Es schwappt doch schon auf die Kinderärzte über, das lässt sich auch nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen.“ „Die Eltern machen ja auch den Fehler, mit an sich nicht so schwer erkrankten Kindern zum Arzt zu gehen.“ „Wie sollen Eltern denn sonst herausfinden, ob ihre Kinder erkrankt sind?“ „Keine Ahnung, dafür gibt es schließlich Kliniken.“ „Man kann doch nicht mit jedem Kind gleich in die Notaufnahme!“ „Also bitte, es wird doch in diesen Land keiner gezwungen, Kinderarzt zu werden.“

„Ich will gar nicht wissen, was wir an Klagen an den Hals kriegen, wenn ein einziges Kind es nach einem Unfall nicht mehr rechtzeitig in die Klinik schafft.“ „Oder wenn es auf der Intensivstation von unqualifiziertem Personal behandelt wird.“ „Und daran stirbt.“ „Machen Sie mal halblang, ich hatte es Ihnen doch schon gesagt: kein Populismus mit Kindern, die wählen uns nicht.“ „Aber ihre Eltern.“ „Meine Herren, die Lage erfordert eine sofortige Diskussion!“





Rechnerische Schwierigkeiten

5 12 2022

„… mehr Flexibilität erlaube, wenn die tägliche Arbeitszeit auf mehr als zehn Stunden erhöht werde. Der Freistaat Bayern könne nach Ansicht der Landesregierung damit eine erhebliche…“

„… dass es sich bei dem Vorstoß nicht um ein arbeitsrechtlich diskussionswürdiges Problem handle. Da der gesetzliche Rahmen überwiegend auf Bundesrecht beruhe, könne man dies nach Ansicht des CSU-Experten Dobrindt ignorieren, weil eine nur für Bayern geschlossene Regelung die Gesetze des Bundes nicht außer Kraft setze oder sie durch eine zusätzliche…“

„… zunächst in einer Umverteilung der Arbeit bestehe. Für Einzelhandel und Gastronomie sei in einem ersten Schritt denkbar, durch eine Zehn-Stunden-Schicht das normale Arbeitspensum auf vier statt auf bisher fünf Werktage zu verteilen, was dann auch mehr Freizeit und eine bessere Work-Life-Balace für die…“

„… Proteste von Gewerkschaften und Ärzten für typisch linksorientierte Panikmache halte. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt gestatte es derzeit den Arbeitgebern einfach nicht, die Wünsche der Arbeitnehmer nach mehr Freizeit unberücksichtigt zu lassen. Scheuer wisse genau, dass das Konzept der Arbeits- und Sozialministerin Scharf richtig sein müsse, da er es nach mehrmaligem Durchrechnen nicht verstehe. Dies sei auch für Kollegen in der CSU das untrügliche Zeichen, dass es sich um…“

„… auch dem Volkswillen entspreche. Söder habe auf einem Weihnachtsmarkt drei willkürlich ausgewählte Bürger gefragt, ob sie ihrer Kündigung durch viel mehr Arbeit zuvorkommen würden, was diese mit Zweidrittelmehrheit verfassungskonform bejaht hätten. Damit sei der von den Christsozialen einmal beschlossene Weg nun nicht mehr zu…“

„… schwierig sei, da sich Öffnungszeiten von Geschäften im Einzelhandel nicht mit dem neuen Modell vertrügen. So würden entweder die Kosten für Energie ansteigen, oder es werde Ausfalltage geben, an denen die Läden gar nicht erst…“

„… bei vollem Lohnausgleich stattfinde. So sei eine Vier-Tage-Woche für Söder selbstverständlich auch mit zwanzig Prozent niedrigem Entgelt zu berechnen, da mehr Freizeit für die Arbeitnehmer selbstverständlich bereits eine sehr wertvolle…“

„… Proteste aus dem linken Lager nicht ernst nehme. Für Aiwanger sei das Arbeitspensum mancher Selbstständiger, die auch nachts, an Sonn- und Feiertagen für die Allgemeinheit tätig seien, ein Grund mehr, die verweichlichte Jugend, die sonst nur an Klima und Gendern denke, mit dem…“

„… rechnerische Schwierigkeiten nicht zu vermeiden seien. Da ein 40-Stunden-Tag pro Woche sich in der Personalplanung nicht oder nur schwer abbilden lasse, müsse die Planung auf zwei 20-Stunden-Tage verteilt werden, die zur besseren Organisation direkt nacheinander liegen könnten, um nicht durch Anfahrtswege, Pausen oder…“

„… seine Familie nachts und am Wochenende sehen könne. Um die Arbeitsplätze in Bayern auf Dauer zu schützen, werde es sich nicht umgehen lassen, die Heimatkontakte zu reduzieren, um eine effizientere und günstigere Lösung des…“

„… und komplexer Algorithmen für die Personalwirtschaft erfordere, wenn sich ein im Dreischichtbetrieb produzierendes Unternehmen auf eine Arbeitszeit von zehn Stunden, die jeweils ohne eine interpolierte Rüstzeit in der…“

„… einen freien Arbeitstag in der Woche auf die Anzahl der Tage für den bezahlten Erholungsurlaub gemäß Bundesurlaubsgesetz anrechnen werde. Nach Scheuers Ansicht sei damit der gesetzliche Mindestanspruch bereits abgegolten, so dass nur die Einführung der 50-Stunden-Woche zur Rettung der Tourismusbranche einen notwendigen…“

„… seien im Pflegebetrieb Doppelschichten, Überstunden oder Mehrarbeit an der Tagesordnung. Dobrindt wolle schon aus Respekt vor diesen hart arbeitenden Menschen nicht, dass sich Bürger zur vorsätzlichen Destabilisierung der Wirtschaft im Freistaat schon nach acht Stunden aus dem…“

„… nach Planungen der Landesregierung zu leisten sei. Das jeweils mit zehn Stunden pro Tag berechnete Pensum müsste somit zunächst auf die üblichen Handwerks- und Dienstleistungsberufe beschränkt werden, da die CSU hoch belastete Arbeitnehmer wie Abgeordnete, Investmentbanker, Rechtsanwälte, Lobbyisten oder…“

„… die Acht-Tage-Woche mit fünf Stunden pro Einsatz bevorzuge. Scharf wolle möglichst geringe Veränderungen in der Bezahlung der…“

„… sich auch bei verlängerten Öffnungszeiten der Umsatz in Ladengeschäften nicht erhöhe, da die zur Verfügung stehenden Löhne und Gehälter der Konsumenten gleich blieben. FDP-Chef Lindner sei verärgert, dass diesmal wie bei allen bisher etwa hundert Versuchen der gewünschte Effekt nicht…“

„… zur Vereinfachung des Schichtbetriebs die Arbeitszeiten auf zwölf Stunden verlängern werde. Vor allem in Bereichen wie Medizin und Pflege sei dies nach Söders Ansicht eine hervorragende Idee, da die Ampelkoalition nicht darauf gekommen sei, mit einer einfachen Ausweitung der…“

„… und sich für den Schutz der Arbeitnehmer einsetzen werde. Merz wolle jedoch zunächst alle Tätigkeiten, die eine so geringe geistige Leistung erforderten, dass sie auch von Ausländern erbracht werden könnten, eine Mindestarbeitszeit von …“

„… sich bald auf den 25-Stunden-Tag mit rotierenden Schichten und Schalttag einigen wolle. Ein verkaufsoffener Sonntag pro Monat sowie Ausgleichszahlungen für die anteilig steigenden Personalkosten seien für Söder die beste…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCXLII): Die X-Y-Theorie

2 12 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Schon wieder schlurft ein Gespenst um die Stammtische der Leistungsgesellschaft. Es riecht streng nach Braunfäule und Leichentuch, was kein Wunder ist, stammt es doch aus den Chefetagen der Arbeitgeberverbände – dort, wo man nicht viel von Arbeit versteht, da man andere für sich arbeiten lässt. Es ist diese verdammte Trägheit, die man von sich selbst kennt, und das nicht nur beim Denken, auch bei tätiger Schaffenskraft guckt der Patron in die Röhre: der Mensch an sich ist faul, obwohl es darauf kein Recht gibt, vor allem nicht in dieser unserer kapitalistischen Gesellschaft. Da irrlichtert schon das Grundeinkommen am Horizont, clever verkleidet als Bürgergeld, das gnadenlos entlarvt, wie mies der Lohn in Handel, Handwerk, Fertigung ist. Doch mit wissenschaftlicher Genauigkeit weist die organisierende Kaste dem schwerfällig am Fließband lümmelnden Proletarier nach, dass sie noch viel zu gut behandelt wird, solange man sie nicht mit der Knute zum Schaffen bringt. Sie nimmt dazu die X-Y-Theorie.

Zu Beginn der 1960-er Jahre entwickelte der US-amerikanische Managementtheoretiker Douglas McGregor die X-Theorie, die den Menschen als grundlegend unwillig beschreibt, von einer tiefen Unlust geprägt, sobald er Mühen erblickt, vor denen er sich also mit allerlei Tricks und Finten zu fliehen versucht, bisweilen durch Renitenz und Sabotage, manchmal mit höherem Aufwand, als die Erfüllung einer zu vermeidenden Arbeitsleistung erfordern würde. Allenfalls erledigt er einen Job, um nicht von ihm erledigt zu werden, aber auch das nur, wenn der Vorgesetzte ihm mit der Peitsche im Nacken sitzt. Zuckerbrot gibt’s keins, das sind die Kulis schließlich nicht wert. Nicht gekündigt ist genug gelobt, so der profitorientierte Philanthrop.

Die konträre Y-Theorie jedoch besagt, dass der Hominide zunächst einmal willig ist, da er Arbeit als Bereicherung seines Lebens empfindet, als eine Möglichkeit, die eigenen Potenziale auszuloten und sich intrinsisch zu motivieren – hat er sein Ziel erreicht, sucht er sich ein neues, das ihn zugleich anspornt als auch die anderen, mit denen er im Arbeitsablauf zu tun hat. Der arbeitenden Mensch ist nicht zuletzt Gruppenwesen, befriedigt durch die wachsende Verantwortung und Selbstbestimmung auch sein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, das ihn in einer passenden Struktur schließlich die Selbstwirksamkeit spüren lässt, in der Arbeit nicht nur bezahltes Totschlagen sowieso ablaufender Zeit ist, sondern ein Kreativität und Initiative fordernder und fördernder Prozess. Die Verbesserungen, die die moderne Industriegesellschaft vorantreiben, beruhen auf diesem Denken, denn organisatorische Probleme lösen sich nicht von selbst.

Wann immer die Bestätigungsverzerrung sauber arbeitet, dass man passende Informationen, Muster und Erklärungen für plausibel hält, wenn sie die eigene Verblendung untermauern, schlägt sich der geneigte Zerebraldilettant auf die Seite dogmatisch argumentierender Mehrheitskapitalisten. Mit mehr Lohn kann man die Handlanger nicht reizen, es ist ohnehin rausgeschmissenes Geld, da nur in Schnaps und Zigaretten investiert. Also braucht es Kontrolle, am besten externe, Strafen, Zwang, Sanktionen, um die Masse überhaupt erst einmal an die Arbeit zu gewöhnen, die dann als Lebenssinn begriffen wird, wie es auch die konservative Oberschicht hält.

Dieses so hübsche Denkgebäude hat nur einen Haken, den es mit vielen anderen Vorstellungen aus Psychologie und Soziologie teilt: es ist falsch, da es zu einem Zweck verwendet wird, zu dem es nicht vorgesehen war. Die X-Theorie diente McGregor lediglich zum Beweis, dass man aus einem Haufen billiger Vorurteile und etwas wissenschaftlichem Anstrich innerhalb kürzester Zeit einen passablen und als Entschuldigung für die eigene Bräsigkeit brauchbaren Managementgrundsatz schwiemeln könne, wenn man auf die Engstirnigkeit der meisten Bosse setzt. Die Crux an der Schubladisierung ist, dass Menschen selten nur in eine Schublade passen, also wird Arbeitswelt ohne soziale Beziehungen in den seltensten Fällen denkbar sein, schon gar nicht unter Zuhilfenahme von schwarzer Pädagogik, auch wenn die das einzige Mittel ist, das Geprügelten einfällt.

Im Anwendungsfall haben wir nicht weniger als zwei selbstverstärkende Prozesse, die entweder als Sand im Getriebe oder als Motivation fungieren. Mit Kontrolle und Zucht tötet der Gebieter jedes Engagement ab lässt die Kräfte der Arbeiter stetig auf dem niedrigsten Niveau dümpeln, kurz vor dem Stillstand, immer auf Sicherheit bedacht und selten in eigener Verantwortung. Mit Freiheiten und mehr Selbstbestimmung, Wertschätzung und Raum für Kreativität fördert der Arbeitsablauf eben diese Abläufe, was ebenso regelmäßig zur Entwicklung des Personals beiträgt. Gut, dass man mit diesem System, in dem kollektive Entscheidungen zum Wohl aller Bürger, individuelle Verantwortung auf der Basis eines kollektiv gelebten Wertekanons und eine Orientierung an der tatsächlichen Arbeit statt an der Ideologie des Rechthabens berücksichtigt werden, immer noch Parteivorsitzender werden kann. Seine Socken stopft halt eine Frau. Für Geld.





Leistungsloses Einkommen

24 11 2022

„Aber sicher, auch die Hose. Oder glauben Sie, wir geben uns mit Ihrer Brieftasche und der Uhr zufrieden? Machen Sie keine Sperenzchen, das Hemd behalten Sie ja an, also das Unterhemd, und wenn Sie gerade keins tragen, dann ist das eben mangelnde Eigenverantwortung. Irgendwie muss der Staat ja auch zu seiner Kohle kommen.

Doch, das ist jetzt unsere. Nicht mehr Ihre. Sie haben jahre-, ach was – seit Jahrzehnten sagen Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass Steuern Raub sind. Jetzt nimmt man Sie und Ihr Verständnis von Staat einmal ernst, dann ist es auch wieder verkehrt. Was denn nun? Ihre Kumpels wollen doch auch nicht zur Arbeit, die möchten sich lieber im Bundestag ausruhen oder sonst irgendein Amt haben, in dem sie fürstlich fürs Nichtstun entlohnt werden, und Bürgergeld reicht denen ja nicht aus, obwohl die da ganz sicher mehr haben, als wenn sie jeden Morgen aufstehen und ins Büro fahren. Also woher nehmen, wenn nicht rauben?

Aus Ihrer Uhr könnte man beispielsweise ein bis zwei Luftfilter für Schulen anschaffen, die dann die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler fördert, die einen guten Abschluss machen, eine Ausbildung absolvieren oder ein Studium und dann einen Beruf ergreifen, der unser Bruttosozialprodukt steigert. Das ist doch in Ihrem Sinn, oder? Dann quaken Sie mich nicht voll, wir könnten sonst auch noch Ihre Schuhe beschlagnahmen. Solidaritätszuschlag.

Warum wir das mit Ihnen machen? Gottchen, Sie sind mir vielleicht naiv! Bisher hat Sie der Staat ausgeplündert, und jetzt sind das wir? Was denken denn Sie, wer der Staat ist? Das sind wir alle, oder hatten Sie bisher absolutistische Vorstellungen? Ach Gott, jetzt kommt wieder die Nummer mit der Umverteilung. Sie lassen nach, früher wurde das sofort als Sozialismus beschimpft, wenn man eine Leistung bezahlt, die dann alle anderen nutzen dürfen. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie in einer Krankenkasse versichert sind, auf jeden Fall wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Zustand zu beenden. Wenn Ihnen auf die Schnelle kein Grund dagegen einfallen sollten, regeln wir das für Sie.

Wenn Sie eine zweckgebundene Umverteilung bevorzugen, dann könnten wir selbstverständlich auch Ausnahmen machen. Sie sind ja Autofahrer, da ließe sich ein Weg finden. Beispielsweise könnte man eine differenzierte Straßenmaut einführen: Stadtverkehr, Bundesstraßen, Autobahnen. Sie schließen ein Abomodell mit Grundgebühr ab, die gefahrenen Kilometer werden entweder vorher in Paketen bezahlt oder hinterher abgerechnet. Dazu haben Sie Ihre Fahrerkennung immer dabei, Ihr Streckenverbrauch wird auf zehn Meter genau von einer Zentrale abgerechnet – woher wir das wissen, muss Sie ja nicht interessieren, aber falls es dann doch mal schwere Straftaten gibt wie Falschparken oder Kinderpornografie, dann haben wir Ihre Daten selbstverständlich immer noch ein bisschen länger vorrätig. Das ist so unser Freiheitsbegriff, es darf ja jeder einen eigenen haben, oder nicht? Was daran zweckgebunden ist? Ihre Abgaben werden dann nur in den Bau und die Erhaltung des Straßennetzes investiert, und zwar genau da, wo Sie fahren. Wenn Sie jetzt einen wenig befahrenen Abschnitt auf einer wenig befahrenen Bundesstraße befahren, dann ist die Anzahl der Schlaglöcher, die Ihr Fahrzeug mit Sicherheit beschädigen werden, einzig der Tatsache geschuldet, dass wir und ganz in Ihrem Sinne für eine gezielte Förderung entschieden haben. Einfach mal so vor die Tür gehen und erwarten, dass die Ampel Sie als Fußgänger vor dem Verkehr schützt, das wäre ja Gratismentalität.

Leistungsloses Einkommen! Ich dachte schon, das käme nie! Wirklich, mir fällt ein Stein vom Herzen, ich hatte schon die Befürchtung, Sie wären in der Zwischenzeit irgendwann mal zum Denken gekommen und hätten festgestellt, dass Ihnen das immer noch Kopfschmerzen macht. Leistungsloses Einkommen, damit ist natürlich alles erklärt, und vor allem, warum Sie das ausschließlich für sich selbst in Anspruch nehmen wollen. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wie die Verbindung von Macht und Besitz entstanden ist? Sie müssten für Raubrittertum am meisten Verständnis haben, das war doch mal Ihr Geschäftsmodell, oder was meinen Sie war der Grund, warum manche immer reicher wurden und es sich leisten konnten, ihren Reichtum gegen den Staat oder irgendeine andere Form von übergeordneter Verwaltung zu schützen? Gut, manche haben ein bisschen gewartet, bis sie ihr Kapital gewinnbringend einsetzen konnten, andere brauchten dazu noch nicht einmal Kapital, Stichwort: Arisierung. Betrifft Sie nicht, Sie haben den ganzen Kram ja nur geerbt.

Wir hatten uns tatsächlich überlegt, ob wir das mit den freiwilligen Steuern ausprobieren sollten, aber dann ist uns gerade noch rechtzeitig das mit dem Klingelbeutel eingefallen. Die einen stecken Knöpfe rein, die anderen beschweren sich, dass sie beim Reingreifen wieder nur einen Knopf erwischt haben. Und dann findet man bei den Leuten eine Menge Geld in den Taschen, die immer erzählen, dass man nur den Reichen die Abgaben erlassen müsste, dann würde die Umverteilung nach unten schon irgendwie hinhauen. Wenn Sie nicht einmal nach gesetzlicher Verpflichtung und unter Zwang die notwendigen Steuern entrichten, warum sollte der Staat Ihnen dann vertrauen?

Ihnen ist kalt? Verständlich, in diesem Land wird einem nichts geschenkt, aber wissen Sie was? Sie dürfen jetzt zu Fuß nach Hause gehen. Und dann wünschen wir Ihnen recht viel Erfolg, denn: Ihre Leistung muss sich für uns ja lohnen!“





Glück

17 11 2022

„Richtig die Nase gebrochen, Krankenhaus, OP, das volle Programm. Die Ärzte haben aber gesagt, sie kriegen das wieder hin. Kein Unterschied zu vorher, und er kann schon wieder Fußball spielen. Naja, man kann eben nicht alles haben.

Also verstehen Sie mich nicht falsch, das ist ein netter Kerl, letzten Sommer, als ich Rücken hatte, ist er zum Rasenmähen rübergekommen. Das mit der Nase tut mir irgendwie auch total leid, aber dass er da jetzt auch noch einen Vorteil daraus zieht, das ist mir unverständlich. Gut, es ist jetzt nicht direkt ein Vorteil, dass er keine schiefe Nase hat, ich habe auch keine, und genau darauf kommt es ja an: dass ich im Vergleich zu ihm keinen Vorteil habe, weil er im Vergleich zu mir keinen Nachteil hat, verstehen Sie? Es ist doch schon schwer genug, sich in der Gesellschaft gegenüber anderen eine Nasenlänge… – Okay, das war jetzt daneben.

Mal anders, wenn wir uns jetzt beide um einen Job bewerben würden, was natürlich schwierig ist, weil er ist Filialleiter im Supermarkt und ich bin als Klempner die hart arbeitende Mittelschicht, aber jetzt mal nur theoretisch: wenn wir uns beide um denselben Job bewerben würden, und der hat keine krumme Nase, dann habe ich ja abgesehen von den Vorteilen, die er vielleicht durch seine Ausbildung mitbringt, auch noch einen Nachteil, weil der eben keinen Nachteil hat. In solchen Situationen muss man neben dem großen Ganzen die entscheidenden Details im Auge haben, und auf die kommt es eben an. Wenn wir beide dieselbe Frau kennenlernen, dann guckt die auf seine Nase, und schon ist er wieder im Vorteil, obwohl er doch dafür gar nichts geleistet hat. Im Gegenteil, das war bei ihm pures Glück, und dafür wird er auch noch belohnt. Das können Sie jetzt natürlich alles als sehr subjektiv betrachten, aber man hört es halt überall, dass man für seine eigene Verantwortung verantwortlich ist, oder so, und wo will man da anfangen?

Das hat nämlich etwas zu tun mit Resilienz zu tun, dass man optimistisch in die Zukunft blicken kann, zumindest optimistischer als die anderen, die eventuell eine kaputte Nase haben. Wenn man nicht so viele Ressourcen hat, aus denen man sich mehr Selbstbewusstsein verschaffen kann, dann muss man die kleinen Dinge zusammenzählen, damit es für die richtige Durchsetzungsfähigkeit reicht. Ich habe mir jetzt natürlich Hoffnungen gemacht, dass er mit einer schiefen Nase aus dem Krankenhaus kommt, aber ein bisschen eben schon. Man weiß ja nie, wann man in eine Konkurrenzsituation kommt, und dann steht man plötzlich da und hat keine Argumente mehr, warum man den Job nicht kriegt oder die Frau oder die Kleingartenparzelle, und mit einem Mal ist auch die ganze Resilienz flöten. Das kann einem das ganze Leben versauen, ist Ihnen das eigentlich klar?

Sie müssen mir jetzt nicht mit dem christlichen Menschenbild kommen, das wird einem oft genug vorgeworfen – man kann doch auch ein anständiger Mensch sein, wenn man nicht in die Kirche geht. Ich finde es auch gut, wenn man sich hier in der Nachbarschaft ein bisschen Solidarität erhält, zum Beispiel, wenn man für jemanden den Rasen mäht, der das aus gesundheitlichen Gründen gerade mal nicht kann. Es ist ja nicht dauernd, da müsste man sich dann schon mal Gedanken machen: wenn einer nicht seinen Rasen mähen kann, wozu braucht er dann ein Einfamilienhaus mit Vorgarten? Ist das für die Gesamtgesellschaft tragbar? Gibt es denn nicht genug andere, für die dieses Einfamilienhaus mit Vorgarten viel besser geeignet wäre, weil sie es aus Eigenverantwortung besser bewirtschaften würden? Da setzt dann eben schnell die soziale Kälte ein, wenn man immer nur auf nebensächliche Details schaut, statt das große Ganze im Auge zu behalten.

Sie müssen mir jetzt auch erst recht nicht mit Rassismus oder irgendwelchen anderen Vorurteilen kommen, wir wissen doch beide, wie das läuft. Da macht man einmal eine schlechte Erfahrung mit einer Person mit unnormaler Hautfarbe, oder wie das jetzt korrekt genannt werden soll, und schon gilt man als Nazi, nur weil man öffentlich darüber spricht. Im Gegenteil, das sind ja meistens wir, die Mehrheit, die hier diskriminiert wird, weil immer der Vorwurf mitschwingt, wir würden alle Rassisten sein. Natürlich kriegen wir häufiger einen Job oder eine Wohnung als einer von denen, aber das liegt ja auch daran, dass wir nun mal mehr sind, wenigstens im Augenblick noch. Ich habe mir das nämlich nicht ausgesucht, das mit der Hautfarbe, also gibt es auch keinen Grund, mich dafür zu diskriminieren. Und wenn ich die Wohnung kriege und der nicht, dann liegt das vielleicht daran, dass ich mehr Glück gehabt habe, aber dafür kann man mich doch nicht verantwortlich machen, oder?

Andersherum ist das nämlich ganz genau so. Als Millionär können Sie häufig auch nichts für Ihren Reichtum, weil Sie das Geld geerbt haben. Man macht die Menschen dafür verantwortlich, dass sie einmal im Leben Glück gehabt haben, und dann müssen die sich ein Leben lang diese Neiddebatten anhören. Das zerstört doch erst recht den sozialen Zusammenhalt, und dann wundern sich wieder alle, dass diese Gesellschaft so gespalten ist. Wir müssen viel mehr aufeinander zugehen, Verständnis für die anderen Menschen entwickeln, sonst werden wir mit unseren Problemen nie fertig.

Aber ich will mich nicht beschweren, im Großen und Ganzen bin ich doch mit meiner persönlichen Lebenssituation recht zufrieden hier in diesem Umfeld. Stellen Sie sich mal vor, hier würden Arbeitslose wohnen.“





RAF-Gier

15 11 2022

„Sie könnten sich vom Arzt eine posttraumatische Belastungsstörung attestieren lassen, das wird noch ein paar Wochen danach nachweisbar sein. Ja, das unterliegt der freien Beweiswürdigung. Wenn der Richter der Ansicht ist, Sie hätten sich vor ein paar Jugendlichen am Straßenrand so erschreckt, dass Sie tagelang Gewaltfantasien gehabt hätten, dann ist das sicher ein Notfall.

Wir machen das hier inzwischen zu dritt, weil der Beratungsbedarf in letzter Zeit so gestiegen ist. Früher habe ich ja für Versicherungsunternehmen gearbeitet und Kunden betreut, die einen Betrug anmelden wollten – doch, das musste man machen, sonst wäre es ja aufgekippt. Dass man sein Auto mit Absicht gegen einen Poller fährt, weil man den Kotflügel zerkratzt hat, das ist ja ganz normal, aber ich hatte die professionellen Fälle. Das waren die besseren Kunden, bei denen wurde angeblich in Häuser eingebrochen, die sie gar nicht besaßen, und dann wurden da Kunstwerke und Schmuck geklaut, die es gar nicht gab. Heute lässt man sich Steuern zurückzahlen, die man gar nicht entrichtet hat, aber das nur am Rande. Wie gesagt, wir haben neue Einsatzgebiete, und jetzt sind wir bei Schadenersatz angekommen, wenn man von Klimaaktivisten im Straßenverkehr behindert wird. Da kann unheimlich viel passieren, wenn man nicht aufpasst.

Taxiunternehmen machen wir auch. Hatten Sie denn einen Fahrgast? Das ist nicht gut, weil Sie da die Rechnung ja schon kassiert haben und jetzt gar keine Verdienstausfälle hatten. Wenn Sie nämlich wegen einer Blockade im Stau standen und gerade keinen Fahrgast hatten, dann könnten wir etwas für Sie tun. Möglicherweise hätten Sie eine Tour über die Autobahn aufnehmen können oder ins Ausland, das Gegenteil lässt sich ja immer schwer beweisen. Hat Ihr Fahrgast eventuell Anstalten gemacht, die Fahrt vorzeitig abzubrechen? Ich fürchte, dass ich Ihnen da nicht helfen kann. Für wahrheitsgemäße Auskünfte sind wir nicht zuständig.

Das muss man verstehen, die Leute sind alle wie wild hinter Entschädigungen her. In der Opferrolle sind sie sowieso, weil sich jetzt alle einschränken müssen, und wenn man dann eine neue Erzählung von Klimaterroristen erfinden kann, dann sind alle sofort betroffen. Die reinste RAF-Gier, es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn die Springer-Zeitungen demnächst noch mehr solche Märchen in die Schlagzeilen bringen würden. Die Kombination aus Hass und Selbstmitleid zieht immer, vor allem verkauft sich das prima.

Ringstraße Ecke Eichendorffweg war das? Mittwoch? Also vormittags haben wir da gar nichts auf dem Plan, wann genau waren Sie denn da? Ach so, Sie hätten theoretisch Ringstraße fahren können, wenn Sie nicht Urlaub gehabt hätten. Dann wäre es möglich gewesen, rein theoretisch natürlich, dass Sie im Berufsverkehr gestanden hätten. Ich würde sagen, Berufsverkehr ist da sowieso, aber wenn es eine Sitzblockade gegeben hätte, dann wäre die Wahrscheinlichkeit für einen Stau noch größer als sonst gewesen, deshalb können wir es nicht ganz ausschließen, dass Sie sich verspätet hätten. Ja, das rechtfertigt selbstverständlich eine Klage, Sie sind ja beruflich auf Ihr Auto angewiesen, deshalb wird das von uns auch präventiv unterstützt.

Mein Großvater hatte damals einen Acker, der direkt am Fliegerhorst lag. Da kam alle paar Tage ein Starfighter runter, und dann haben wir die Reste für die Versicherung fotografiert. Mein Onkel hat dann einen Teil in Weideland angelegt, da waren nach den Herbstmanövern regelmäßig Flurschäden zu beklagen. Lief sehr gut, man durfte den Schaden nur nicht aus Versehen vor dem Manöver melden. Und seitdem hat sich Versicherungsbetrug eher zum Volkssport entwickelt, aber die richtigen Profis sind natürlich wir. Uns macht da keiner etwas vor.

Deshalb beraten wir auch zu Risikoinvestments, falls Sie das nötige Kleingeld haben. Früher hat man Oberklassewagen gekauft und sie am 1. Mai in linken Stadtvierteln an den Straßenrand gestellt, in der Hoffnung, dass sie angezündet wurden. Also die Autos, nicht die Stadtviertel. Falls die Karre optisch noch einigermaßen in Schuss war, gab es ordentlich Kohle, aber heute lohnt sich das nicht mehr – diese jungen Leute stecken nichts mehr in Brand, weil das hohe CO2-Emissionen verursacht, da müssen Sie schon mehr aufwenden. Wir haben gute Kontakte zu internationalen Museen, wenn Sie einen Picasso auf den Gehweg stellen, dann haben Sie den ersten Tomatensuppenanschlag nach dreißig Minuten. Garantiert.

Wir hoffen ja, dass das gesellschaftliche Klima insgesamt noch ein bisschen auffrischt, weil es bis jetzt schon in die richtige Richtung geht. Sobald es für Falschparker lebensgefährlich wird, weil dann die Klimaaktivisten einem sofort mit der Axt die Scheiben einschlagen, sind wir zur Stelle. Dashcam, mobile Überwachungsteams, das ganze Programm. Wenn Ihnen einer die Limousine zu Klump haut, wird die Polizei wohl auch ein Auge zudrücken und Ihnen das Ticket wegen der Ordnungswidrigkeit ersparen. Wir machen dann auch das komplette Handling mit der Versicherung, Ersatzwagen, alles aus einer Hand. Mehr Service kriegen Sie nie aus einer Hand. Und die Zeit arbeitet für uns, wer hätte vor zwei, drei Jahren gedacht, dass man so einfach den Klimawandel refinanzieren könnte?

Einfamilienhaus? Sie müssen schon ein wenig genauer werden, das sagt mir nichts. Tiefgarage? Mit Tischlerei und allen Maschinen? Abgesoffen? Ach so, Ahrtal. Bevor Sie mich weiter volljammern, mein Mitleid hält sich in Grenzen. Lieber Herr, das nennt sich Lebensrisiko. Schon mal gehört?“





Schonvermögen

10 11 2022

„… eine befristete, aber deutliche Anhebung des Spitzensteuersatzes empfohlen hätten, um die für ein sinnvolles Entlastungspaket notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Wirtschaftsweisen seien der Ansicht, dass die Steuerpläne aus dem Bundesministerium der Finanzen nicht zu einer…“

„… als linksextremistische Hasspropaganda bezeichnet habe, deren Urheber die Zerstörung der deutschen Rasse betreiben würden. Der ebenfalls in der Springer-Presse verbreitete Vorwurf, es handle sich um eine konzertierte Aktion des internationalen Finanzjudentums, sei auch in der AfD und den…“

„… aus technischen Gründen nicht umsetzbar sei. Um beispielsweise einen Energie-Soli von den Besserverdienenden zu erheben, müsse Lindner eine gerichtsfeste Definition dieser Bezeichnung sowie eine Höchstgrenze für die gesamten…“

„… eine klare Absage erteilen müsse. Söder sei irritiert über Detailfragen im Jahresgutachten des Gremiums, beispielsweise über den Weiterbetrieb des Kraftwerks Isar 2 über den 15. April hinaus. Der CSU-Chef habe moniert, dass dies schon wegen eines Mangels an spaltbarem Material für neue Brennstäbe gar nicht möglich sei, abgesehen von den jahrelangen Vorlaufzeiten zur Produktion, Anpassung und Inbetriebnahme kerntechnischer Elemente. Wer bereits bei energiewirtschaftlichen Fragestellungen so umfassende Wissenslücken offenbare, der dürfe sich nicht anmaßen, die für den Fortbestand Deutschlands wichtigen…“

„… vermutlich erst im folgenden Jahr für die Berechnung der Einkommensteuer heranziehen könne. Lindner habe nur die Möglichkeit, jeden Tag bis zu zehn Steuerzahler anzuschreiben, da es in der Bürokratie der Oberfinanzdirektionen noch keine gemeinsamen…“

„… die Bundesregierung sich nicht von diesem Anschlag auf die Zivilgesellschaft erpressen lassen dürfe. Merz fordere vom Bundeskanzler eine rasche und umfassende Ablehnung, da sonst bald auch der Mittelstand nicht mehr in Lage sei, das notwendige Wirtschaftswachstum durch eine inflationsbedingte Steigerung der Steuerleistungen in der…“

„… auch bei anderen FDP-Politikern scharfe Kritik hervorgerufen habe. Kubicki beklage eine in der Gesellschaft vorherrschende Zwangssolidarität, die letztlich nur zur Spaltung führe. Dabei stehe es beispielsweise auch Grundsicherungsempfängern oder Armutsrentnern frei, für die Beheizung ihrer Schwimmbecken einen Antrag beim Jobcenter zu stellen und einen Teil der Regelsätze für andere…“

„… die Förderung bisher nicht gezielt genug gewesen sei. Wissing lehne insbesondere die Kritik am Tankrabatt als ungerechtfertigt ab, nur weil ein großer Teil der Einkommensschwachen keine Autos besitze. Man könne jedoch schon dann, wenn man sich ein Auto leihe oder ein Taxi bezahle, mit der wachsenden Armut in den wohlhabenden Schichten konfrontiert werden und brauche dazu einen sehr ausgewogenen Plan, der die Spaltung der…“

„… die falschen Anreize setze. Merz sehe sich in seiner Ablehnung der Regierungspläne für die Einführung des Bürgergeldes einmal mehr bestärkt, da angesichts einer katastrophalen Abschöpfung der Leistungsgewinne innerhalb kurzer Zeit ein hohes Einkommen sich nicht mehr lohnen werde. Es sei nicht mit dem christlichen Menschenbild der Union zu vereinbaren, wenn sich diese Haltung des…“

„… ein Grundsatzpapier der FDP ankündige. Wenn man die bisherige Benachteiligung ärmerer Menschen als Fehler der Regierung ansehe und sie nun durch eine Benachteiligung der reicheren Bevölkerungsteile ausgleichen wolle, sei dies nicht zielführend. Lindner betone, dass dies umgekehrt bisher immer zur Zufriedenheit der Wirtschaft und des Finanzwesens funktioniert habe, so dass es keinen Grund für eine überstürzte…“

„… dass auch die oberen Einkommensgruppen einen Teil ihrer Einkünfte für notwendige Güter wie Champagner, Austern oder Sportboote ausgeben müssten, um die daran hängenden Arbeitsplätze zu erhalten. CDU-Armutsexperte Spahn fürchte, dass die immer weiter verarmenden Millionäre bald aus Deutschland abwandern würden, da sie die Last der unaufhaltsam steigenden Belastungen für die…“

„… weil auch proportional weniger arme Bürger geschröpft würden. Czaja habe nach seinem Modell errechnet, dass Mindestlohnbeschäftigte dann eine zehnmal so hohe Abgabenlast zu entrichten hätten, damit im Gegenzug Ausländer, Arbeitsunwillige und Klimaterroristen mit einem Freibetrag von…“

„… unsozial und unlogisch sei. Wenn Scholz und Habeck eine Umverteilung nach oben als nicht zielführend ablehnten, dürfe es nach Ansicht der AfD auch keine Umverteilung von oben nach…“

„… werde die Oberschicht geradezu bestraft für ihre Leistungsbereitschaft. Merz befürchte, dass die nominelle Belastung mit einem Klima-Soli auch die Unternehmensgewinne angreife, so dass die Firmen innerhalb von 50 Jahren völlig ohne eine Rücklagen für etwaige…“

„… werde Buschmann die Steuergesetzgebung durch eine Reihe handwerklich sehr gut gemachter Verordnungen stärken. Dies ermögliche es, den Spitzensteuersatz durch Abschreibungen so zu modifizieren, dass nur die belastet würden, die noch Steuern zahlen würden, was dann jedoch juristisch als Eigenverschulden in der jeweiligen…“

„… die Bundesregierung alle leistungsbereiten Arbeitnehmer in die Armut treiben werde. Merz werde derartige Veränderungen im Steuerrecht nicht mittragen, wenn für den gehobenen Mittelstand nicht ein Schonvermögen von einer Million Euro pro Person und Lebensjahr vor der…“





Selbstjustiz

2 11 2022

„… fordere die Union Nachbesserungen beim für 2023 geplanten Bürgergeld. Für CSU-Chef Söder dürfe es nicht sein, dass sich Personen, die nicht hart arbeiten wollten, an der Staatskasse bereichern würden, ohne ihre hohen Schonvermögen zu…“

„… ohnehin nur für Neufälle gelte. Dies stelle nach Ansicht von Spahn allerdings keinen Grund dar, die Forderungen zu relativieren. Der Unionsexperte für Finanzen und südamerikanische Durchfallerkrankungen lege großen Wert darauf, dass auch bisherige Bezieher von Sozialleistungen ein Recht auf entwürdigende Behandlung durch…“

„… nicht in existenzielle Not führen werde. Für Czaja sei der kommende Winter ein Ansporn für alle Empfänger von Leistungen nach SGB II, sich eine Arbeit zu suchen, um nicht durch die miserable Planung der vollkommen chaotischen Regierung ohne Obdach und damit letztlich auch im…“

„… der Bundesregierung vorwerfe, die Folgen von Inflation und Energiekrise nicht durch ein umfangreiches Entlastungspaket für die Bürger zu lindern. Söder halte es daher grundsätzlich für falsch, dass diese Gelder offensichtlich nur an Erwerbslose und…“

„… habe Merz glasklar vorgerechnet, dass ein Hartz-IV-Empfänger, der in dieses System des anstrengungslosen Einkommens hineingeboren werde, bei lebenslang konsequenter Vermeidung einer Erwerbsarbeit von seinen Bezügen beim Eintritt ins Rentenalter ein Privatflugzeug kaufen könnte, wie es sonst nur hart arbeitenden Erben, dem oberen Mittelstand oder…“

„… halte es CDU-Experte Spahn (Arbeitsmarkt, Festkörperphysik, schizoide Psychosen) weiterhin für richtig, dass die ausdrücklich als Altersvorsorge angesparten Gelder aufgebraucht werden müssten. Es sei nicht Aufgabe von Oppositionsparteien, den Menschen, die sich auf die Politik verlassen würden, ein sorgenfreies Leben zu…“

„… sei es korrekt, dass die meisten Bezieher von ALG II so gut wie kein Vermögen besäßen. Merz gehe es aber ums Prinzip, weshalb er vor den bald ohnehin anstehenden Neuwahlen erreichen wolle, dass auch die, die noch über ein gewisses Schonvermögen verfügen würden, danach nicht mehr über ein…“

„… noch keinen Fall einer Bedarfsgemeinschaft gegeben habe, die über ein Vermögen von 150.000 Euro habe verfügen können. Die CSU sehe das grundsätzlich anders, da es theoretisch möglich sei, müsse man davon ausgehen, dass dieser Fall auch auftreten werde, weshalb jetzt eine vollständige Anrechnung aller Sach- und Barwerte von…“

„… zahlreiche Sozialverbände warnen würden, dass die Quertreiberei der Unionsparteien vor allem den Bürgern schaden werde, die sich durch die akut gestiegenen Energiepreise Anfang 2023 um eine Finanzhilfe bemühen müssten. Dies müsse durch eine Welle von Privatinsolvenzen oder Schulden erkauft werden, die die Union bereits im Vorfeld als gutes Signal für die Binnenkonjunktur und das…“

„… unsägliche Steuervergeudung sehe, wie man sie bei der linksextremistisch geprägten Regierung erwartet habe. CSU-Generalsekretär Blume prangere diese Gratismentalität an, für ihn sei nicht verständlich, wie man seinen Parteifreunden etwa Einnahmen aus Maskendeals und Geschäften mit aserbaidschanischen Partnern missgönne, um im Gegenzug durch derartig leichtfertige…“

„… durchaus im Bereich des Möglichen liege. Zehnköpfige Familien, die mit einem Barvermögen von mehreren Millionen Euro aus der Ukraine einreisen und Bürgergeldansprüche anmelden würden, habe man zwar beim BAMF noch nicht registriert, Merz wisse aber, dass besorgte Bürger bei solchen Vorfällen mit Selbstjustiz vorgehen würden, was letztlich Schuld der Regierung und ihrer politisch völlig gewissenlosen…“

„… dass eine Steigerung des Bürgergeldes sich sofort auf die Binnenkonjunktur auswirke, die aber inflationsbedingt zu Mehreinnahmen bei Steuern und Abgaben führen würden, die ihrerseits wieder auf das Bürgergeld aufgeschlagen würden, so dass bereits nach wenigen Jahren ein Regelsatz von 250.000 Euro ausgezahlt werden müsse. Der CDU-Experte für Wirtschaft, Tierkörperverwertung und halluzinogene Rauschmittel Spahn sehe darin eine völlig unmoralische Benachteiligung der dringend benötigten Fachkräfte und warne vor einem…“

„… sich kompromissbereit gezeigt habe. Merz wolle bei einer Kürzung der Regelsätze um hundert Euro noch im ersten Quartal des kommenden Jahres eine Lösung in Erwägung ziehen, mit der auch der Koalitionspartner FDP leben könne, falls er im Gegenzug den Bau von zehn neuen Kernreaktoren sowie ein grundgesetzlich verankertes Verbot des Genderns in der Schule und im…“

„… der von Arbeitslosen betriebene Missbrauch der ihnen gesetzlich zustehenden Leistungen sofort gestoppt werden müsse. Söder befürchte, dass sich zahllose Leistungsträger, denen der deutsche Fiskus bisher Steuerbetrug und ähnliche Schummeleien habe durchgehen lassen, nun aus dem Freistaat Bayern sowie aus dem Bundesgebiet in andere Länder bewegen würden, was letztlich die Gefahr des Ausblutens für die staatlichen…“

„… zum kommenden Weihnachtsfest eine Freude machen wolle. Das CDU-Präsidium habe sich erschüttert gezeigt über die Anzahl der in Deutschland von Armut betroffenen Kinder, die oft ohne Frühstück aus dem Haus gehen müssten. Es sei für eine christliche Partei selbstverständlich, dass man sich solidarisch und mitfühlend mit den Schwächsten in der…“





Strohhalmlösungen

27 10 2022

„Alles anzünden, am besten sofort. Was einmal brennt, das ist weg, und Sie müssen sich nie wieder darum kümmern. Gern geschehen, dafür haben wir ja unsere Beratungsstelle.

Ich möchte mich nicht loben, aber alle unsere Klienten sind zufrieden. Das würde man nach der Wirksamkeit unserer Beratung gar nicht annehmen, weil hier eine Beratung im engeren Sinne gar nicht stattfindet. Allerdings machen uns das die Klienten auch nicht zum Vorwurf, weil sie an systemischen Veränderungen überhaupt kein Interesse haben. Sie suchen Lösungen, je einfacher, desto besser. Das stört nämlich nicht den Betriebsablauf, und wenn Sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen müssen – wo wäre das heute nicht der Fall? – dann können Sie keine Zeit in Prozesse mit ungewissem Ausgang investieren. Am Ende würde sich ja etwas ändern.

Sie haben Umsatzrückgänge um bis zu zehn Prozent? Sparen Sie zuerst an den Personalkosten, die kriegen Sie nie wieder rein – weg mit den Mitarbeitern, die sind nur Kostgänger, und mit dem neuen Bürgergeld lohnt sich ja Arbeit sowieso nicht mehr. Das ist eine Win-Win-Situation!

Und dann gibt es ja auch noch solche, die das glauben. Aber wissen Sie, die Menschheit will nun mal beschissen und verarscht werden, und wenn ich es nicht mache, dann verdient bestimmt ein anderer daran. Das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, und deshalb biete ich den Menschen schnelle, einfache Lösungen an, damit sie sich nicht mehr mit ihren Problemen auseinandersetzen müssen. Die jahrelang an die Betriebsabläufe gewöhnten Fachkräfte sind dann zwar erst mal weg, größtenteils auch aus der Branche, aber bis man das merkt, können wir es als neues Problem definieren und zweimal an derselben Sache verdienen. Wer würde sich denn so eine Chance entgehen lassen?

Also wenn ich das richtig verstehe, haben Sie in Ihrer Partei massive Schwierigkeiten, die Folgen Ihres eigenen Handelns anzuerkennen? Ja, das kenne ich. Ihre Kollegen rufen hier mehrmals in der Woche an und wissen nicht mehr, wie sie denken sollten und womit, und ich soll ihnen dann sagen, welchen Fehler sie gemacht haben. Es ist relativ einfach, Sie sollten die Realität als unqualifizierte Meinung der Gegenseite behandeln, die Sie dann vehement bekämpfen und lächerlich machen. Sie haben einfach immer recht. Dann klappt das schon.

Im Grunde ist das hier wie Homöopathie. Mit etwas Nachdenken könnten Sie kapieren, dass das kompletter Unsinn ist, weil Sie das Problem zwar erkennen, aber die Lösung zielgerichtet vermeiden, indem Sie irgendetwas tun, das mit dem Problem allenfalls auf der Symptomseite zu tun hat. Unsere Klienten sind meist auch schon derart kopflos, dass ihnen nicht einmal diese Strohhalmlösungen in den Sinn kommen, und dann schlägt unsere Stunde. Wir verkaufen das gute Gefühl, überhaupt mal etwas getan zu haben. Brandanschlag? Menschenkette! Hunderttausend Corona-Tote? Schnell eine Kerze ins Fenster stellen! Gerade bei den sich immer mehr überlagernden, gegenseitig verstärkenden Krisen ist das wirklich gut, wenn man etwas machen kann, ohne irgendwas tun zu müssen.

Denn nicht nur die Probleme werden immer komplexer, die Menschen werden dümmer, weil sie erkannt haben, dass sie mit immer komplexer werdenden Problemen überfordert sind, also haben sie beschlossen, dass sie das mit einer einfachen Lösung aus der Welt schaffen: indem sie es mit einer einfachen Lösung aus der Welt schaffen. Das ist insofern geschickt, als dass sie das Problem noch nicht einmal finden müssen, und da sie es sowieso nicht finden wollen, brauchen sie es auch gar nicht erst zu suchen. Einfacher geht’s nun wirklich nicht.

Sie haben zu viele Kranke auf Station? Ach so, das Personal. Ja, das ist nicht gut. Haben Sie schon versucht, es auf die Ausländer zu schieben? Das ist schnell anwendbar, es ändert nichts am Problem, deshalb kann man es auch so oft benutzen, wie man will. Schade, dann müssen wir uns tatsächlich eine Lösung ausdenken. Was halten Sie davon, wenn Sie Ihre Patienten einfach nachts nach Hause schicken? Dann müssen Sie nicht die teuren Nachtdienste in der Klinik fahren, und wenn es zwischendurch doch mal zu Komplikationen kommen sollte, haben Sie am Ende des Tages, ich meine: Sie haben dann am nächsten Morgen mehr freie Betten, was sich auf die Gesamtsituation nur positiv auswirken kann.

Sie sehen, die einfachste Lösung ist nicht immer das, worauf der Klient kommt, aber wenn man das vorschlägt, sagen die meisten: das ist so einfach, da hätte ich auch drauf kommen können. Und wenn man denkt, man selbst hätte die Lösung gefunden, wird man auch nicht an ihr zweifeln. Schon deshalb nicht, weil Selbstzweifel Reflexion benötigt, und gerade die ist komplexer als die meisten Probleme, von den Lösungen mal ganz abgesehen. Wir sind also nicht im Geschäft, weil wir die Dummheit der Leute ausnutzen. Die Leute konzentrieren sich nur gerne auf ihren eigenen intellektuellen Horizont, in der Regel ihren Standpunkt. Viel Horizont ist da nicht mehr vorhanden. Wenn wir die Klienten nicht mit überflüssigem Hintergrundwissen ängstigen, ist der Beratungsprozess auch ganz einfach. Und die Leute sind auch nicht verschreckt, wenn wir ihnen sinnlose Denkprozesse aufzwingen. Die Hauptsache ist, sie denken, sie hätten gedacht.

Das mit dem Klimawandel ist schlimm, und ich würde sagen, wir haben es bereits verkackt. Am besten warten Sie jetzt darauf, dass irgendjemand eine neue Technologie erfindet. Mit der können Sie sich dann unauffällig verpissen, bevor Sie einer an die Wand stellt, Herr Minister.“