Schraube locker

28 06 2017

„Meine Güte, dann ist es halt eine Rentenkürzung!“ „Das ist doch nicht das Thema, wir dürfen es nicht so nennen.“ „Wie drückt man das denn bitte positiv aus?“ „Sie sind doch der Experte.“

„Es führt kein Weg an der Sache vorbei: wir müssen die Renten kürzen, sonst haben wir noch viel mehr Altersarmut.“ „Sie meinen, wir haben Altersarmut, gerade weil wir die Renten so stark gekürzt haben.“ „Das ist ein ganz anderes Konzept. Wir sehen das getrennt.“ „Wie kann man das denn bitte getrennt sehen?“ „Er meint vermutlich, wenn wir die Renten unten nicht kürzen, bekommen wir da nicht genug Altersarmut.“ „Nee, wir haben doch genug.“ „Aber nur für oben.“ „Ja, aber auch nur, wenn wir unten Altersarmut erzeugen.“ „Deshalb müssen wir da ja auch genug kürzen.“ „Verstehe.“ „Dann haben wir die Aufgabe ja gelöst.“ „Eben nicht.“ „Wieso?“ „Weil sich ‚Rentenkürzung‘ halt nicht gut anhört, vor allem nicht im Wahlkampf.“ „Und das sollen wir jetzt ändern?“ „Endlich haben Sie es kapiert!“

„Wertschätzungsverlängerung.“ „Bitte!?“ „Die Lebensarbeitszeit ist doch etwas sehr Schönes, und dann…“ „Aber wie kommen Sie dann auf dieses bekloppte Wort?“ „Dass die Deutschen mehr arbeiten dürfen, da ist doch erstmal sehr positiv.“ „Ich wusste es, Sie sind nicht ganz dicht.“ „Doch, wir müssen es ihnen nur ganz langsam wieder ins Bewusstsein zurückrufen, dass die Arbeit, die ihnen zugemutet werden kann, auch ihre guten Seiten hat.“ „Und die werden verlängert.“ „Nein, die doch nicht!“ „Er meint, die Arbeit soll verlängert werden.“ „Ja, aber nur mittelbar. Wir gehen dann halt den Umweg über die Wertschätzung der Rentenversicherungsträger.“ „Und der Staat?“ „Der findet das natürlich auch toll.“ „Weil die, die früher sterben, länger tot sind?“ „Würde ja nicht gehen, wenn die Leute länger arbeiten müssen.“ „Aber in Relation zu ihrer Arbeits…“ „Wertschätzungszeit.“ „Dann gehen die Arbeitslosen demnächst auch zum Wertschätzungsamt?“ „Nee, zur Bundesagentur für Wertschätzung.“ „Das kann doch nicht passen.“ „Doch, bisher sind sie auch wertschätzungslos.“ „Stimmt auch wieder.“

„Dann müsste man auf der anderen Seite die Beitragserhöhungen auch so benennen.“ „Wieso soll man denn noch die Beiträge erhöhen, wenn sich die Lebensarbeitszeit verlängert?“ „Wir haben da mehrere Stellschrauben zur Verfügung.“ „Dann ist bei Ihnen wohl eine Schraube locker.“ „Man könnte durchaus die Beiträge…“ „Also wir machen die Zwangsabgaben höher?“ „Sie sind ja total von der Rolle!“ „Die Bürgersumme wird angepasst.“ „Das klingt so bescheuert, das wird keiner schlucken.“ „Auch nicht schlecht.“ „Moment, wir wollten doch…“ „Dann regt sich die Öffentlichkeit wenigstens einmal richtig auf über diese zynische Volksbeschimpfung, und danach ist auch Ruhe.“ „Genial!“ „Sehr gute Herangehensweise!“ „Das machen wir!“ „Aber wenn wir zum Beispiel über ein Alterssicherungsbeitragsanpassungsgesetz die Beiträge der…“ „Das wäre dann natürlich ein Bürgersummenanpassungsgesetz.“ „Klingt auch doof.“ „Interessiert dann aber schon keinen mehr.“

„Man müsste sich sowieso mal Gedanken machen, ob so ein sozialverträgliches Frühableben nicht neue Synergien freisetzen könnte in einem zukunftssicheren Haushaltsgefüge.“ „Sie meinen: für ein zukunftssicheres Haushaltsgefüge.“ „Oder so, ja.“ „Das klingt aber noch zynischer.“ „Nein, da ist nicht gut.“ „Wieso?“ „Weil’s halt zynisch klingt.“ „Das ist das geringste Problem.“ „Eben, wir brauchen die Beitrags…“ „Bitte!?“ „Also die Bürgersummen der Summenbürger, die die Wertschätzung der Haushalte, oder irgendwie so.“ „Die nächste Bankenkrise kommt bestimmt.“ „Jetzt malen Sie mal nicht gleich den Teufel an die Wand.“ „Das klingt so negativ, wenn Sie das sagen.“ „Man muss die Bürger auch motivieren, sie wollen doch auch im Alter weiterarbeiten, um ihre Grundsicherung aufzustocken.“ „Wenn sie nicht von der Lebenswertschätzungsverbesserung so sehr profitieren, dass sie gar keine Nebenjobs mehr brauchen.“ „Aber wir müssen verhindern, dass sie ihre gesetzlichen Renten zu stark vernachlässigen.“ „Wodurch das denn?“ „Betriebsrenten.“ „Aber auf die hat doch keine Sau Anspruch.“ „Dann nennen wir die doch Unsolidarzuschläge.“ „Klingt sehr gut!“ „Aber unser Rentenkonzept beruht doch auf Betriebsrenten.“ „Ja, wieso?“ „Dann verstehe ich nicht, warum wir sie als unsolidarisch bezeichnen.“ „Wir müssen das in unsere Corporate Identity integrieren.“ „Ach so.“

„Dann können wir jetzt unsere Kleinrenten nach dem…“ „Einstiegsbezug.“ „Das klingt so nach Einstiegsdroge.“ „Ist ja auch irgendwie eklig.“ „Der Kontrast zur Wertschätzungsverlängerung ist mir da noch zu groß.“ „Die ist doch nach dem Einstieg in den Bezug sowieso weg.“ „Die Verlängerung?“ „Die Wertschätzung.“ „Aber man hat doch dann ein ganzes Leben lang für Deutschland, ich meine, man ist dann auch irgendwie…“ „Dann ist man halt ein Kostgänger des Bürgersummensystems.“ „Also im Grunde kurz vor dem Sozialschmarotzer?“ „Wieso davor?“ „Aber…“ „Also ich finde das jetzt rund, so konzeptmäßig gesehen.“ „Ja, kann man machen.“ „Gut, dann machen wir mal weiter. Was steht als nächstes auf der Liste?“ „Arbeitsplatzabbau.“





Zahltag

12 06 2017

„So, und dann kopieren Sie mal die Seiten drei bis fünf, eigentlich reicht Seite drei, also die obere Hälfte, da steht alles drin. Richtig, das ist unser Rentenkonzept, wobei: Konzept ist das eigentlich keins. Die Nahles hat ja mitgearbeitet.

Ach was. Die muss sich um ihre Rente keine Sorgen machen, die hat ja nie gearbeitet. Das ist ja einer der signifikanten Unterschiede zur restlichen sozialdemokratischen Politik, aber das werden Sie noch merken. Die Seite acht können Sie auch mit aufnehmen, da stehen dann die Prozentsätze drin. Nein, keine Zinsen. Die Prozentsätze. Bei Zinsen kommt ja noch etwas dazu.

Die Betriebsrente heißt ja Betriebsrente, weil wir uns dort um den Betrieb kümmern. Sonst wäre es ja die staatliche Rente, um die kümmert sich der Staat nicht. Wir brauchen nämlich eine neue Solidargemeinschaft, und wo soll die mit einer sozialdemokratischen, sozialistisch orientierten Politik anders entstehen als im Betrieb? Hier ist die Keimzelle der Zukunft, wenn Sie mal nicht mehr arbeiten sollten, aus welchen Gründen auch immer, und hier setzen wir an, wenn wir als Partei der Wirtschaftsfreundlichkeit eine Partnerschaft mit den Arbeitern anregen. Oder nein, nehmen Sie das mal wieder raus, mit den Angestellten. Leitende Angestellte, wenn Sie es genau wissen wollen, um die kleinen Leute kümmert sich ja die CDU.

Die Prozentsätze sollten Sie schon kennen. Das sind die, die wir Ihnen von der Rente wieder, wie soll ich sagen, es ist ja eine staatlich organisierte Betriebsrente, die muss über einen Ausgleich, weil Sie dann nämlich nicht mehr so viel verdienen – das steht alles im Konzept, haben Sie das etwa nicht gelesen? Jetzt enttäuschen Sie mich aber, am Ende halten Sie sich noch für die Nahles. Nein, Sie müssen das Konzept verstehen. Wir nehmen Ihnen einen Teil der Einkünfte, wir sind ja schließlich der Staat, der darf das, im Gegensatz zur Wirtschaft, die dürfen das auch, und dann zahlen Sie das ein in einen Topf, der wie die anderen Steuereinnahmen erstmal behandelt wird wie die Gelder, die man zum Beispiel für die Beamtenpensionen oder das, was auch nicht im Konzept steht. Wenn wir das nur verzinsen würden, das verstehen Sie schon selbst, das bringt ja zur Zeit nichts, und die Zinsen werden in Zukunft bestimmt nicht besser, deshalb nehmen wir uns davon gewisse Prozente. Als Staat. Die wir Ihnen aber später so ähnlich wieder auszahlen, das heißt: nicht ganz. Also weniger. Also gar nicht.

Jetzt regen Sie sich nicht auf, dass das der Staat macht, das ist doch nichts Neues für Sie. Regen Sie sich lieber mal darüber auf, dass das die Wirtschaft zulässt! Die lassen das zu, und dann sagen die auch noch, wir, die Politik, wir hätten die gezwungen zu diesem Wahnsinn! Da zieht man Ihnen erst das sauer verdiente Geld aus der Tasche, da macht die Wirtschaft natürlich fleißig mit, dann verschwindet das in dunklen Kanälen – interessiert sich die Wirtschaft etwa dafür? hat man schon mal gelesen, dass sich die Wirtschaft bei der Nahles beschwert, weil die einen bis ins letzte Detail ausgearbeiteten, perfiden Plan zur staatlichen Gewinnmaximierung vorgestellt hätte? Denken Sie mal darüber nach! – und dann kriegen Sie ganz viel davon zurück, also eher weniger, also fast, also fast gar nichts, also Sie zahlen nur ein, aber der Wirtschaft ist das egal. Die interessiert sich nicht für die Taschenspielertricks der Rentenberechnung, das können Sie mir glauben, und was ist mit Ihnen?

Nicht undankbar sein. Sie kriegen ein bisschen zurück, auch wenn das weniger ist als das, was Sie in die Betriebsrente einzahlen. Anders gefragt: wenn wir, der Staat, Ihnen einfach so etwas abziehen würden, sagen wir mal: das Rentenniveau einfach so senken, nur mal theoretisch gedacht, und Sie würden trotzdem nichts zurückkriegen, wäre Ihnen das lieber?

Im Prinzip ist es mir egal, wie Sie’s darstellen, wir haben im Anhang auch schöne rote Kurven. Die hier ist sogar mit Blau im Hintergrund, sehr hübsch. Müssen Sie mal sehen, was Sie verwenden. Stellen Sie das gerne als zukunftsorientiertes Modell für die Sicherheit der Bürger dar. Darum geht es uns ja letztlich: Sicherheit. Gut, nicht für Sie, aber die Nahles kann ja auch nicht an jeden denken. Sie müssen im Grunde nur unser gesamtgesellschaftlich orientiertes Vorbild auf die Rente übertragen, und das kennen Sie von Arbeit und Autobahnen: wenn die SPD ein Problem hat, privatisiert sie es.

Weil wir eben lieber mit der Privatwirtschaft arbeiten, verstehen Sie? diese staatlichen Konzerne, dass man die immer fordert, das kann man mal im Wahlkampf machen, aber in der Realpolitik ist das doch nicht vernünftig. Man kann doch nicht immer nur Geld umschichten, ohne dass daran einer noch etwas verdient – sonst haben Sie die Opposition am Hals, die redet dann wieder von Umverteilung, und da hört ja der Spaß auf. Also für uns. Für Sie schon da, wo Sie einen Arbeitgeber suchen, der überhaupt eine Betriebsrente zahlt. Und da sind wieder Sie gefragt, Solidargemeinschaft und so. Wenn einer Sie ausschließlich mit staatlicher Rente abspeisen will, was ja sein gutes Recht ist, dann arbeiten Sie einfach nicht für den. Vorausgesetzt, Sie können sich das leisten.

So, und jetzt heften Sie das hier oben einmal zusammen, noch ein Tipp aus der Praxis: die Kohle unter der Matratze bunkern bringt nichts, wir haben extra Einbrecherbanden ins Land geholt. Das ist Ihre Tour für heute. Sie machen das schon, und wenn’s mal beschissen läuft, denken Sie immer daran, wie viele Riesterrenten Sie den Vollidioten beim letzten Mal angedreht haben. Toi-toi-toi!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CCCLXXIV): Krieg am Arbeitsplatz

26 05 2017
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wahrscheinlich hatte es seinen Ursprung in der Stammesgesellschaft. Der große Mammutspieß musste gerade geführt werden und erforderte daher zwei Kräfte, Nggr und seinen Schwager. Jeder wollte einmal nach vorne. Damit fing das Elend an. In der Zeit, die die beiden Grützbirnen mit ihren sinnlosen Grundsatzdiskussionen verplemperten, hätte ein schlagkräftiges Duo aus wirtschaftlichen Interessen, zur Arbeitsplatzsicherung und zur Festigung des regionalen Absatzmarktes drei Arten auf dem Kontinent vollständig ausrotten können. Im Alleingang. Ohne Betriebsrat, Management und Mitarbeiterschulungen. Wie durch ein Wunder ist in diesen Jahren keiner von ihnen in den Staub der Steppe planiert worden, weil ihr dusseliges Gezänk jedes Mammut schon von Weitem in die Flucht geschlagen hat. Heute sind sie Anlagenmechaniker, Großhandelskaufleute oder Lohnbuchhalter, auf jeden Fall irgendetwas mit Bürostühlen, von denen der eine neuer und der andere bequemer ist, oder in einer Werkstatt, bei der eine Maschine näher am Fenster steht als die andere. Sie hätten genug Zeit für nobelpreistaugliche Erfindungen gehabt. Aber eben auch für einen Krieg am Arbeitsplatz.

In Phasen der ökonomischen Unsicherheit, in der Rezession oder größeren Umbrüchen, ist der beste Frühindikator das Betriebsklima. Hier und da ahnt man verdeckt getragene Schuss-, Hieb-, Stich- oder Massenvernichtungswaffen, die Kollegin hat ihr formschönes Halstuch nicht nur zum Tragen, der eine oder andere sägt aus Gewohnheit alles an, was nicht an der Decke verschraubt ist. Keiner soll dem Kapital nachsagen, es unterdrücke die Kreativität seiner Subjekte. Was allein in Schreibstuben und Warenlagern an schöpferischer Zerstörung entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht – und dabei möglichst viele kognitiv suboptimierte Knalltüten mit in den Orkus reißt, weil nur dies Platz schafft für eine Auferstehung aus hausgemachten Ruinen. Der Hominide, jene Talentdetonation am Rande der Zweckmäßigkeit, hat dafür Maßstäbe ersonnen, die für Generationen reichen, um sich und vor allem anderen den Tag zu versauen. Darf Uga an den Kaffeevollautomaten? Warum parkt Rrt seine Karre auf demselben Platz wie der Chef? Und wer bezahlt den ganzen Schmodder? Das sind die relevanten Fragen, hinter denen die Einfuhrzölle für Kakao aus Kasachstan zurücktreten müssen.

Der Beruf ersetzt in wesentlichen Teilen bereits heute die archaische Sippenstruktur. Der Treffpunkt am Wasserloch wurde elektrifiziert, kein Busch rollt mehr den Korridor entlang, aber die Aufteilung der Bude in Abteilungen, Referate, Standorte, gerne auch die intern zurechtgeschwiemelte Konkurrenz der Instanzen Ein- und Verkauf, wahlweise: Werk A und Werk B, alles bildet die Stammesgesellschaft so idealtypisch wie praktisch verwertbar ab. Wenn hier etwas wächst, dann sicher nicht an sich selbst.

Der Jäger trifft schmerzhaft auf den Sammler; der Kampfduzer stolpert jäh auf fortgeschrittene Schreibtischvermüllung, Holunderlimonadeflaschen im Gegenwert eines vergoldeten Flugzeugträgers, gut erhaltene Kalender aus der Zeit, als Nofretete noch Zähne hatte, und eine Teebeutelsammlung auf Weltniveau. Der Klassiker, die private Zufuhr von Nahrung im einsehbaren Nahbereich, wird flexibel von Elementen der psychologischen Kampfführung unterstützt, zu denen strategisches Lüften, heimlich verstellte Heizungsventile und Jalousien zählen. Kein Mitarbeiter, der in der Adventszeit durch Aufreißen eines Doppelfensters witterungsbedingte Schäden an einem Gesteck mit Kerzen verursacht, hat Anrecht auf Kranzschleifen bei der anderntags stattfindenden Gedenkfeier, so will es das Gesetz. Eher duldet der gemeine Vertriebssachbearbeiter, dass ihm der Hausmeister die Rosinen aus der Bio-Nussmischung wegkaut. In dieser Liga spielt nur das billige Parfüm, das der Juniorchef zielsicher vor dem Auftritt vor den Schreibkräften ausdieselt.

Honigtöpfe wie der Gemeinschaftskühlschrank hätten die großen Religionskonflikte des Planeten nicht besser anzetteln können, eine angebrochene Packung reicht für epische Schlachten, in denen die Hälfte der Seelen hinein in die finstere Nacht des Todes marschiert. Der schreiende Controller tut sein Bestes, um eine ganze Etage konstant auf Adrenalin zu halten. Ein einzelnes, hastig vernuscheltes Mahlzeit reicht dann, die Kernschmelze einzuleiten. Keine Weihnachtsfeier mit russischem Pinselreiniger als Longdrink kriegt diese nachhaltig verheerende Wirkung hin, Betriebsversammlungen vor der Werksschließung sind weit abgeschlagen. Man hasst, was man am besten kennt, denn erst hier wird die chronische Abneigung effektiv. Wie ganze Völkerscharen sich selbst hassen, den kollektiven Untergang durch implodierende Diktaturen ohne Zögern selbst organisieren, so manövrieren sich Unternehmen in einen aufreibenden, qualvoll sich selbst am Laufen haltenden Partisanenkampf gegen die eigene Existenz. Immerhin, jeder Depp kann dabei zu einiger Größe kommen. Das ist doch schon genug Fortschritt für die Menschheit.





Recht auf Arbeit

23 05 2017

„… ein Recht auf Arbeit als Grundrecht in der Verfassung verankern wolle. Der Bundestag habe diesen Vorstoß als nicht…“

„… bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erscheine. Die SPD sehe daher keine Chance, dies auch in Deutschland zu…“

„… jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugestehe. Eine freie Berufswahl sei dagegen mit den verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Agenda 2010 nicht mehr zu…“

„… sich die Bundesregierung vehement gegen die Einschätzung wehre, sie habe bisher auch nur eine einzige verfassungswidrige…“

„… anders konstruiert werden müsse. Zwar gebe es ein Recht auf Arbeit, die Bürger müssten aber, wenn sie dieses Grundrecht nicht wahrnehmen wollten, sofort mit Sanktionen dazu…“

„… führe ein Recht auf Arbeit dazu, dass alle Menschen dasselbe Recht auf eine selbstbestimmte Erwerbstätigkeit bekämen. Lindner habe diese von sozialistischen Parasiten inszenierte Neiddebatte als schlimmsten Angriff auf die Menschenwürde seit der Einziehung des NSDAP-Vermögens im…“

„… zunehmend wahrgenommen werde, obwohl es nicht den eigentlichen Absichten entspreche. Der Gesetzgeber könne gegen das Recht, ohne einer Gewerkschaft anzugehören, in Deutschland…“

„… ende die Einführung eines derartigen Rechts nur damit, dass niemand mehr arbeiten wolle. Nahles fordere daher ein bedingungsloses Recht auf Leistungsbereitschaft, das nicht in der…“

„… in der DDR auch praktiziert worden sei. Dort habe man unqualifizierte Arbeitskräfte im Politbüro des…“

„… nicht die Mindestkörpergröße von Beamten im Polizeidienst berühre, die für den…“

„… die Hälfte in Finanzdienstleistungen sowie in der allgemeinen Verwaltung tätig sei. Für diese Beruf gelte höchstens das Recht auf Beschäftigung, was im Gegensatz zum…“

„… sich ein Recht auf Arbeit bereits in der staatlichen Finanzierung der Arbeitslosigkeit verwirkliche. Da es kein Recht auf Arbeit geben könne, wolle Nahles auch die Arbeitslosigkeit nicht mehr staatlich…“

„… die Bundesvereinigung Ehemaliger Deutscher Schreibmaschinenmechaniker sich entschieden für eine verfassungskonforme…“

„… staatsrechtlich nicht möglich sei. Sobald alle Bürger ein Recht auf Arbeit besäßen, hätten die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit kein derartiges Recht mehr, was sich wiederum als…“

„… man auf der anderen Seite Politiker mit einer Arbeitspflicht belegen könne. Dies sei jedoch nicht als allgemeine…“

„… die FDP nur dann einer verfassungsrechtlich bindenden Regelung zustimmen würden, wenn es ein Recht auf Erbschaft, Steuerhinterziehung und betriebswirtschaftlichen…“

„… es einen anhaltenden Fachkräftemangel im Postkutschenbau gebe, der durch das Recht auf Arbeit sofort…“

„… ad hoc im Grundgesetz verankern könne. Im Gegenzug sei ein Recht auf Lohn natürlich kein verfassungsrelevanter…“

„… zustimmen würde. Lindner halte eine Aufnahme ins Grundgesetz für sinnvoll, wenn im Gegensatz das aus der DDR-Justiz bekannte asoziale Verhalten wieder im…“

„… eine Arbeitsrechtsschutzversicherung vorschlage, die zur Hälfte von den Arbeitnehmern finanziert werden solle. Sie schütze zwar Bürger ohne Arbeit nicht vor der Willkür der JobCenter, sei jedoch ein guter Weg, mehr sozialdemokratische Politik in die…“

„… nicht direkt mit den Freidemokraten in Verbindung gebracht habe. Asoziales Verhalten sei zwar Wesenskern der Partei, beziehe sich aber weder auf den Arbeitsmarkt noch…“

„… nur Deutschen einräumen könne. Da das Grundgesetz nach Ansicht der Christsozialen ohnehin nur für Staatsbürger gelte, könne man mit einer Obergrenze das Recht bis zur letzten Patrone…“

„… dass kein Recht auf Vollbeschäftigung gelte. Man könne die geleisteten Arbeitsstunden daher proportional auf die verfügbare Bevölkerung umschlagen und von einem bereits vollumfänglich gültigen…“

„… für alle gelte. Von Storch wolle das Kinderrecht auf Arbeit vorerst allerdings nur für rassefremde Invasoren und…“

„… gebe es nun offiziell keine Arbeitslosen mehr, da die Bezeichnungen arbeitslos und erwerbslos in der Statistik als Synonyme geführt würden. Damit sei das Recht auf Arbeit nun endlich auch auf verfassungsrechtlicher Ebene…“





Zielalter

22 05 2017

„Die Rüben sind von, warten Sie mal, gestern war Donnerstag? nee, dann sind die doch schon älter. Aber Hauptsache weich. Dann brauchen die nicht so lange zu kochen, einmal durchpürieren, und schon haben wir eine wunderbare Suppe für gut drei Tage. Besser als diese Frischware, ich verstehe das auch nicht, können diese Leute denn nicht lesen? Wer soll denn die kauen?

Das ist der Unterschied zwischen den Tafeln und unserem Selbsthilfeprogramm: wir wollen die Leute nicht einfach nur satt kriegen. Wir geben ihnen etwas mit, das ihre individuelle Lebensperspektive vollkommen ersetzt. Wenn die dann irgendwann in der Altersarmut angekommen sind, dann haben sie gut und gerne fünf bis zehn Jahre Training hinter sich. Dann sitzen die Prozesse und das Leben wird relativ schön – relativ im Vergleich beispielsweise zum Tod, man kann ja alles mit allem vergleichen, wenn man will. Gucken Sie sich das ruhig mal an, wir arbeiten mit absolut realistischen Methoden, da bekommen Sie mal einen kleinen Eindruck, links bitte. So, hier.

Das ist eine Kleiderkammer, absolut realistisch nachgebaut, hatte ich Ihnen ja gesagt. Wir legen größten Wert darauf, dass Sie original abgelegte Kleidung aus bürgerlichen Haushalten bekommen, und zwar zu weit Dritteln in Beige und Grau, das da ist irgendwas dazwischen, und immer eine Größe zu groß. Da wächst man rein, oder eben auch nicht. Bedenken Sie den Vorteil, wenn Sie das Zielalter erreicht haben, haben Sie schon körperlich keine Chance mehr, in den Container zu kriechen. Da nehmen Sie, was Sie kriegen können. Außerdem kriegen Sie unter die Jacke zwei Pullover. Wir haben hier ja ganz gemütlich geheizt, die Halle wird nachts etwas klamm und ich kann meinem Personal die Kälte nicht zumuten, aber wenn Sie dann die Heizkosten nicht mehr werden bezahlen können, dann sind Sie glücklich über zwei Pullover. Und einen Schal. Und die Jacke. Und die Mütze. Man kann ja nicht immer nur draußen herumlaufen.

Natürlich muss man da anstehen. Guter Mann, wir sind hier in einem der reichsten Länder der Welt, wir können uns den Verwaltungsaufwand doch locker leisten. Ja, die Dame steht jetzt hier seit einer halben Stunde, die Jacke, die sie beantragt hat, die hängt auch schon abholbereit, die Mitarbeiterin wird jeden Augenblick da sein, um ihr zu sagen, dass die Papiere tatsächlich vollständig sind, und dann haben wir auch schon Dienstschluss, und dann darf die Dame gerne, warten Sie mal, gestern war Mittwoch? nee, dann erst übermorgen. Wir müssen den ganzen Administrationskram auch irgendwann erledigen, das macht sich nicht von alleine, und die paar Tage wird sie ja wohl auf ihre Jacke warten können. Es sei denn, sie erkältet sich. Dann kriegt die Jacke eben jemand anders.

Früher konnten die Rentner ihr Gemüse noch im Schrebergarten ziehen, und statt Fernsehen gab’s dann eben Kirchenchor. Aber die Gebühren, wenn man sich das mal anschaut, der soziale Kahlschlag, wo gibt es denn heute noch Kirchenchöre, das ist schon eine komische Sache – eigentlich gut, denn wo kriegen wir sonst unsere Geschäftsmodelle her? Man ist ja als Dienstleister immer nur so gut wie die Gesellschaft, die einen Bedarf entdeckt. Ganz einfaches betriebswirtschaftliches Denken. Wenn unten keine schwarze Zahl rauskommt, hat man etwas falsch gemacht. Aber wir wollen nicht immer nur von den Sozialversicherungen reden, hier geht’s ja noch weiter hinter der Tür. Vorsicht, Stufe!

So, und da hätten wir dann unsere neue Flaschensammelanlage. Sieht natürlich erstmal aus wie normale Mülleimer, die werden auch täglich mit Frischmüll beschickt, damit die Teilnehmer ein möglichst authentisches Geruchserlebnis haben, der haptische Reiz erfordert ja doch etwas Gewöhnung, und dann können unsere Teilnehmer hier die notwendigen Übungen machen. Das heißt, zunächst unterscheidet man die pfandpflichtigen von den nicht pfandpflichtigen Behältnissen, und wenn man dann die pfandpflichtigen rausgesucht hat, kann man sich eindecken. Dann muss man natürlich noch eine gewisse kombinatorische Schulung und die anschließenden Übungen durchlaufen – so eine Rucksackaufgabe, verstehen Sie? Manche Flaschen sind ja mehr wert, manche sind auch nicht in allen Automaten abzugeben, da braucht es eine genaue Planung, wie man seine Transportkapazitäten nutzt. Sie sehen, wir vermitteln hier durchaus höhere Bildung im Auftrage der sozialen Idee.

Also unser Konzept ist ja als Lizenzgeschäft zu verstehen, Sie dürfen gegen Schutzgebühr ein eigenes Lebenshilfe-Lager betreiben. Funktioniert so ähnlich wie Bewerbungstraining oder Ein-Euro-Jobs, die Verwaltung beschickt sie regelmäßig mit der vereinbarten Teilnehmermenge, Sie kriegen die Kohle garantiert, und was Sie hier machen, gilt von vornherein als zertifiziert. Stempel drauf, danach fragt Sie niemand mehr, was Sie hier machen. Dreißig bis vierzig Leutchen schleusen Sie hier immer so durch, für den Nachschub legen Sie eine Warteliste an, dann sieht das für die Verwaltung automatisch nach erhöhter Nachfrage aus – so ist unter anderem der Fachkräftemangel entstanden, wenn Sie wissen, was ich meine – und ab da läuft das Business eigentlich auch schon von alleine. Ab und zu mal die Gebühren erhöhen, fertig. Das kriegt man auch ohne staatliche Hilfe hin, oder?“





Der Nase nach

9 05 2017

Es roch ein bisschen muffig, aber das fiel nicht so ins Gewicht. Ansonsten hatten die Handtücher kein eigenes Aroma, und da ich sie nicht sah, weckten sie in mir auch nicht den spontanen Reiz, sie aus der Pappschachtel zu zerren und anzufassen. „Die Konzentration ist also gering genug“, sagte Blasche befriedigt. „Sie nehmen etwas wahr, wissen aber gar nicht, worum es sich handelt. Das sind ja die besten Startbedingungen.“ Er hatte recht; jedenfalls dachte jeder so, der ein Kaufhaus besitzt.

„Unsere Beduftungsanlage funktioniert nach diesem Modell.“ Er faltete einen größeren Plan auseinander und legte das Blatt auf den Tisch des Konferenzzimmers. „Hier speisen wir Konzentrat in den Luftkreislauf ein, der sich hier in den Röhren, und zwar auf jeder Etage, und dann haben wir hier die Heizung, aber das sehen Sie selbst.“ Ich nickte befriedigt. „Ich nehme an, dass Sie die Duftmengen vorher genau bemessen haben?“ Sein arrogantes Lächeln bemühte sich um Überlegenheit. „Wir sind Wissenschaftler“, sagte er in herablassendem Ton, „wir machen keine Fehler.“

Die Kartuschen waren unmissverständlich in roten Lettern beschriftet. „Ursprünglich hatten wir eine Art Antidepressivum getestet“, informierte mich Blasche. „Eine Mixtur aus Hormonen und Salzwasser gegen Herzschmerzen, wobei wir die Mischung stark variieren ließen. Die Probanden haben sich auch erheitert gefühlt von reinem Salzwasser.“ Ich überlegte nur kurz. „Sie haben die Testpersonen vorher über Ihr Experiment aufgeklärt, daher hat es gewirkt.“ Er nickte, hörte aber sofort damit auf. „Dann wollen Sie jetzt die Kunden Ihrem Kaufhaus auch von Ihrer Manipulation in Kenntnis setzen?“ Empört drehte er sich um. „So weit kommt es noch“, keifte er, „dann können wir denen auch gleich erklären, dass wir sie…“

„Denn mach ick ma Textil, wa!“ Der Assistent mit dem buschigen Schnauzbart knipste das knapp fingerlange Röhrchen in das Magazin ein und legte den Hebel um. „Wolln ma sehen.“ Auf den Monitoren war zunächst nichts zu entdecken, aber die Belüftungsanlage rauschte ordnungsgemäß. „Wir hatten noch ein paar Reste im Kreislauf“, murmelte Blasche. „Vielleicht sind die Kunden mit denen eher zu…“ „Da!“ Der Assistent starrte gebannt auf den Bildschirm. Mehrere Kunden liefen wie ferngesteuert auf die Rolltreppe zu. „Sie werden vermutlich in die Damenabteilung fahren“, sagte Blasche befriedigt, „wo unser Textilduftstoff wirkt.“ „Nee“, antwortete der Assistent. „Die is ja Erdgeschoss.“ Die Kunden jedoch bahnten sich mit Ellenbogen und Gerangel den Weg nach oben. Der Assistent schaltete um. Dutzendweise liefen die Leute auf einen großen Tisch mit Frischhalteboxen zu. „Haushaltswaren?“ Blasche war sehr erstaunt. „Dabei sind die Dinger nicht mal im Angebot!“ Die ersten Hausfrauen hatten den Tisch erreicht, der trotz eines ausreichenden Warenbestandes für jäh einsetzende Kampfhandlungen sorgte. Eine ältere Dame drosch im erbitterten Streit um eine rote Zwei-Liter-Schale mit luftdichtem Deckel mittels eines Taschenschirms auf eine Kontrahentin ein, obgleich sich mehrere der besagten Boxen auf dem Tisch fanden. „Vermutlich haben wir die falsche Mixtur in den…“ „Nee, die is richtig“, verkündete der Assistent. „Könnense ma kucken.“ Die Röhrchen selbst waren nicht verwechselt worden – aber möglicherweise die Füllung? „Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen“, bekannte ich, „Sie als Wissenschaftler machen doch keine Fehler.“

„Legen Sie das mit den Schuhen ein“, forderte Blasche hektisch. „Wenn wir das Haus damit beduften, haben wir wenigstens die Obergeschosse wieder frei.“ Der Assistent ließ die nächste Patrone ins Lüftungssystem strömen. Mehrere Minuten lang geschah so gut wie nichts – die Gefechtshandlungen flauten langsam ab, eine Dame hatte einen Einkaufswagen aus der Lebensmittelabteilung entwendet und zog Berge von Frischhaltedosen zur Kasse – dann aber lief die ganze Kundenschar zu den Süßwaren. „Das kann nicht sein“, ächzte Blasche, „das kann gar nicht sein – wir haben doch die Substanz genau dosiert, sogar die Raumtemperatur ist darauf abgestimmt!“ „Vielleicht stimmt etwas mit Ihren Kunden nicht?“ Grimmig blickte er mich an. „An Ihren Mixturen kann es doch wohl nicht liegen, oder?“ „Den Reisebüro-Duft“, schrie er, „schieben Sie sofort den Reisebüroduft nach!“ „Würd ick nich machen“, gab der Assistent zurück, „wenn die sich nämlich vermischen, denn…“ Blasche stampfte mit dem Fuß auf. „Reisebüro“, brüllte er, „ich will Reisebüro! Reisebüro!“ Was blieb dem Assistenten anderes übrig.

Man sah auf dem Monitor, wie Blasche die Verkaufsfläche durch eine Tür im Erdgeschoss betrat. „Gleich wirkt’s“, erklärte der Assistent. „Nur noch eine…“ Doch da hörte man auch schon ein gewaltiges Rumpeln. Die Wände wackelten bis ins Dachgeschoss herauf. Von allen Seiten rannten sie auf Blasche zu. Er wollte sich noch hinter einem Kleiderständer mit reduzierten Baumwollhosen in leichten Trendtönen – Apricot, Schilf und Flieder – in Deckung bringen, doch es war zu spät. Auch wenn es zusammen keine hundert Personen waren, sie stürmten alle auf Blasche zu und begruben ihn unter sich. „Großartig“, bekannte ich, „wirklich ganz fantastisch. Sie wissen wirklich, wie man mit Kunden umgeht.“





Börsencrash

1 05 2017

„Fußball ist jetzt eher raus. Vielleicht können Sie einen Handballschiedsrichter umfahren oder einen Tennistrainer, aber ansonsten würde ich aus dem Sport erstmal die Aktivitäten abziehen. Das ist nach der letzten Aktion nicht wirklich anzuraten. Am Ende kriegen Sie Stress mit der Borussenmafia.

Wenn Sie wirklich mit terroristischen Mitteln die Börse beeinflussen wollen, müssen Sie schon ein bisschen kreativer vorgehen. Natürlich können Sie Sprengsätze verwenden, das hat gegen den Reichstag ja auch geholfen. Nein, ernsthaft, Sie brauchen schon eine geeignete Vorgehensweise mit Management-Erfahrung. Warum sollten wir sonst einen Einzeltäter ernst nehmen? Schauen Sie, das ist das Geheimnis von al-Qaida: großes Netzwerk, sehr gute Organisation, wahrscheinlich zertifizierte Prozesse in der Attentatsdurchführung, Leitbild mit strengen metaphysischen Richtlinien – was sind dagegen die Nazis? Wirrköpfe, Einzeltäter, alles nicht ordentlich organisiert, der NSU beispielsweise hatte nicht einmal ein vernünftiges Organigramm, da wusste keiner, wer da die Hausfrau und wer die Waffenmeisterin war – also die Islamisten sind da den entscheidenden Schritt weiter. Sie verteilen die Bekennerschreiben einfach frei nach Schnauze, das kann doch nicht gut gehen! Und dann auch noch von links nach rechts verstreut, haben Sie denn gar kein Gespür für Börsenwerte?

Überlegen Sie mal: ein linksradikaler Angriff auf Luxuslimousinen oder eine Attacke besorgter Mitbürger auf landfremde Elemente mit negroider Hautfarbe, wer büßt denn da Rendite ein? Eben, mit einem Brandsatz in einer Kuffnuckenbaracke ist doch nichts passiert, da wacht heutzutage nicht mal die Lokalpresse auf. Aber wenn Sie eine S-Klasse in Brand stecken, nur weil der Besitzer wegen Steuerhinterziehung auf freien Fuß gesetzt werden musste angesichts der vielen, vielen überbelegten Knäste, das schafft eine Option nach der anderen. So schnell können Sie gar nicht nachordern.

Oder nehmen Sie die alternative Energieszene. Sie brauchen bloß eine Wagenladung polnische Zuchtgänse in die Windräder rauschen zu lassen, und schon sind die rot-grünen Knalltüten gegen ihre eigenen Ideen. Vielleicht testen Sie das mit einer Tüte Wellensittiche an, wenn Sie vorab nur ein paar Optionen geshoppt haben. Aussteigerprogramme gibt es ja eher in der rechtsradikalen Szene, in der marktradikalen Szene aber ein Einsteigerprogramm zu suchen, das ist echt Arbeit. Nein, wir kriegen das hin, dafür habe ich die Drecksäcke jahrlang beraten. Westerwelle, Niebel, Möllemann. Hätten Sie einen Acker mit Aufschlagversicherung in Nordrhein-Westfalen, Sie wären ein gemachter Mann.

Sicher könnten Sie auch mit Derivaten arbeiten. Sie müssten nur in aufliegende Immobilienfonds investieren, dass sich auch genug Investoren in der Einflugschneise der Windräder niederlassen – die wissen natürlich vor dem Grundstückskauf, was Ihnen blüht, aber nach dem Hausbau können Sie sich nicht mehr erinnern, etwas unterschrieben zu haben – Deutschland, außerdem finden Sie hier immer einen Rechtsanwalt, der Sie vertritt, obwohl er weiß, dass Sie nicht alle Rillen auf der Erbse haben. Das können wir unter der Königsdisziplin abhaken, und das heißt Rendite, Rendite, Rendite!

Vielleicht probieren Sie es mal mit einzelnen Sportlern. Hauen Sie Kerber die Kniescheiben weg, oder Greipel, oder brechen Sie Neuer den – hat er schon? schade, das wären mindestens zehn Punkte gewesen. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein. Buchmesse? nee, da kommen Sie als Randnotiz im Feuilleton, wenn überhaupt. Einen Nobelpreisträger über die Wupper bringen wäre schon ganz okay, aber Bob Dylan kriegen Sie nicht. Keine Chance.

Vor allem müssen Sie sich von einer eingeübten Sichtweise befreien. Die Menschen, die Sie hier beurteilen, stehen in keinem Bezug zu ihrem Leben, also müssen Sie auch keine Bedenken tragen. Einen Börsencrash kriegt man ja nicht nur hin, indem man die Börse in die Luft jagt, obwohl – irgendwie ist das auch eine ganz interessante Idee, das würde in den Abendnachrichten an erster Stelle, ach was sage ich: diese völlig überflüssigen Börsennachrichten davor, die Aktienhändler interessieren sich nicht für dieses Amateurgefasel, die Zuschauer verstehen nicht einmal, worum es eigentlich geht, diesen Murks könnten Sie mit einem sauberen Attentat vollkommen aushebeln! Traumhafte Quoten in der Nachrichtensendung, und erst die Schlagzeilen! Das ist Medienmusik, ja? Vergessen Sie die Bundesliga, gehen Sie nach Frankfurt, da wird die Wurst warm! und dann rocken wir da mal ordentlich das Parkett, da bleibt aber kein Auge trocken!

Natürlich können Sie mit dem Anschlag auch bis zum nächsten AfD-Parteitag warten, aber da werden Sie Volksheld. Höchstens. Und jetzt sagen Sie mir nicht, dass das für Sie ausreicht!“