Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXXIV): Orthorexie

4 10 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der Speisezettel in Rrts Höhle war einfach, aber effektiv: Buntbeerenmus an Buntbeeren, im Lenz frische Buntbeerenblüten, im Herbst getrocknete Buntbeeren, dazu saisonale Gräser und Eiweiß aus der nahegelegenen Steppe, manchmal auch von unvorsichtigen Säugetieren. Mitglieder der Sippe, die die Jagdausflüge nicht im Ganzen überstanden, wurden nicht Teil der Gemeinschaftsverpflegung; man hatte bereits einen gewissen Zivilisationsgrad erreicht. Später jedoch, als die Verfügbarkeit von Nahrung anstieg durch Ackerbau und Viehzucht, begann der Hominide überwiegend mäkelig zu werden. Spätestens mit der Gegenbewegung, sich nicht zur Arterhaltung die Speckschürze zu füllen, sondern gesund, vital und bewusst zu futtern, kollabierte der Kauer und fand sich im Zwang wieder, sich nur nach dem Buchstaben des Gesetzes Kalorien hinters Zäpfchen zu schwiemeln. Hier und da übernahmen Religion und andere Nahrungstabus das Geschäft der neurotischen Konditionierung, der zur Wahlfreiheit verdammte Jetztmensch muss das mit einer Macke erledigen. Mit Orthorexie.

Denn längst ist nicht mehr klar, was noch als physisch, psychisch oder wie auch immer politisch korrekte Ernährungsform gelten kann, darf oder muss. Zwischen Low-Carb, Low-Fat, Glyx und FdH, Trenn- und Steinzeitkost drängeln sich Clean Eating, Dinner Canceling und andere hilfsverbal zu großem Getöse aufgeblähte Schluckbeschwerden, mit denen Diätpäpstinnen, Magermodels und Köche ohne Fortune die Masse in den Wirrsinn treiben. Ist die regional gekaute Karotte als fettfreier Faserstoff noch zulässig, physiologisch überflüssig oder eine notwendige Ersatzhandlung? Gehen drei Möhren als Mahlzeit durch oder soll man es lassen? Ist es unabdingbar, sie roh und auf drei Stunden verteilt zu nagen, oder tödlich? Taugt Fasten etwas, wenn man es überlebt? Schon für normale Fettverbrenner und Metaboliker stellt die Stulle einen Akt größerer Rechtfertigung dar, wenn man sie vor feindlichem Publikum zückt – öffentlich hinter die Kiemen geschobene Kohlenhydrate sind inzwischen fast so schlimm wie Rauchen auf der Säuglingsstation.

Geschenkt, dass inzwischen jeder seine eigene Essschule als dogmatisches Glaubenssystem vor die Säue werfen darf, die den Schmodder für Perlen halten. Der Bekenntniszwang, keinen bösen Weizen und keine bösen Avocados zu vertilgen, ist zugleich die Unterwerfung unter eine gleichsam ideologisch festbetonierte Unterscheidung einschließlich des Schubladendenkens, das in allen Glaubenssystemen erst Freiheit verspricht, wenn die Kiste komplett vernagelt ist. Auf der Basis des postmodernen Fitness- und Körperwahns, der unter dem Diktat der Selbstoptimierung alles in den Wahn knüppelt, wird die angstgetriebene Vermeidung zum Instrument der Heilsbotschaften, die überdies größtenteils ohne humanmedizinische Fachkenntnisse in den Äther, meist aber auch nur ins Netz gerülpst werden. So erzeugt als kleine Schwester von Fress- und Brech- die Normfuttersucht ihren eigenen Druckraum im Hirn, wo das mangelhaft empfundene Selbstbild auf ein gründlich geschranztes Zwangsverhalten trifft und die jene Dressur ermöglicht, die den Esser zum Sklaven seiner Nahrung macht.

Wie mit einem göttlichen Verdikt überzogen bleibt dem Neurotiker nichts anderes, als Läden und Märkte nach dem moralisch erlaubten Produkt zu durchsuchen, ohne Fett, Farb-, Konservierungs-, Zusatzstoffe, stets überwölbt von der dräuenden Schuld, der kultisch unreine Dosenpfirsich könnte an der Höllenpforte die Stachelpeitsche schwingen. Nur im Zustand konstant gezählter Kilojoule ist der Mampfkasper noch in der Lage, ein Salatblatt zwischen Zähne zu stopfen, wogegen alle anderen, die bei Weißmehl und Margarine den Teufel anbeten, eigentlich schon verloren sind. Gleichwohl versucht der geistlich Gestörte hin und wieder die vom Satan gesättigten Ketzer zu missionieren, zum Glück meist so erfolg- wie folgenlos.

Moderne Medien, deren wahl- und haltloses Geplärr wenig Rücksicht auf die Wirkung bei der Prallmasse am anderen Ende der Leitung nimmt, verdienen nicht eben schlecht mit der Erfindung sinnfreier Trends, mit denen sie die seelische Gesundheit labiler Nachtmützen aufs Spiel setzen. Pseudowissenschaftlicher Sondermüll blökt aus allen Richtungen, unterfüttert mit Astrologie oder Promi-Mimesis. Die Marionettenmaschinerie läuft, bis das Krankheitsbild selbst in den einschlägigen Organen pathologisiert wird als Wiederkäuen des selbst Erbrochenen. Offensichtlich hocken auch bei Frigitte und Locus gründlich devitalisierte Deppen, deren Konfektkonsum regelmäßig im Heulkrampf auf der Körperfettwaage endet, der als Projektion dem unschuldigen Opfer aufgebürdet wird, die Postille beim Hairstylisten durchzublättern. Die mediale Individualisierungsstrategie trampelt lustig über Leichen, während eine Doppelseite weiter die Reklame für Bier und Lightkäse aus dem Falz suppt. Man sollte sie alle einsperren in ein dunkles Verlies. Bei Wasser und Rosenkohl.

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Lügenpresse

3 10 2019

„… werde der Konzern BILD, BamS und Welt zu einem Produkt zusammenfassen, um den rapiden Verlust der Auflagen zu…“

„… auch den Unternehmensumbau mit sich bringen werde. Obwohl Mc Kinsey zunächst die Sprengung sämtlicher Immobilien einschließlich der Mitarbeiter empfohlen habe, werde sich Springer dennoch an einer gemeinsamen Lösung für die…“

„… Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro eingespart werden. Lindner habe sich spontan für einen Rettungsschirm ausgesprochen, wenn wenigstens die Welt erhalten bleibe, allerdings stelle er die Bedingung, dafür zum Vizekanzler geschrieben zu werden, weil er sonst keine Bundesmittel für den…“

„… nicht ohne Widerstand hinnehmen werde. Döpfner habe die Proteste der Belegschaft mit dem Manifest Zusammenlegung jetzt! eindämmen wollen, was ihm aber augenscheinlich nicht ganz…“

„… noch keine genauen Pläne für Entlassungen aus Redaktion und Verlag existieren würden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Stellenstreichungen nach Parteibuch vorgenommen würden, wobei noch nicht geklärt sei, welche Partei dabei den entscheidenden…“

„… dass nach einer Fusionierung regelmäßig beide Teile erheblich weniger wert seien als zuvor. Döpfner könne dies nicht bestätigen, die beiden Blätter seien bereits jetzt sowohl qualitativ als auch wirtschaftlich weiter unterhalb der…“

„… grundsätzlich jeder Mitarbeiter aufgerufen sei, sich eine seriöse Erwerbsarbeit zu suchen. Für viel Angestellte dürfte dies neben Callcenter und Unterhaltsreinigung vor allem eine Beschäftigung mit aufstockenden Leistungen als…“

„… die vorgesehenen 100 Millionen Euro an Entwicklungskosten für Prozesskosten und andere Schadenersatzforderungen eingeplant seien. Auf anderem Wege könne der Medienkonzern kein Produkt mehr im Portfolio der Lügenpresse sichern und habe auch keine Chance mehr auf eine wirtschaftlich erfolgreiche…“

„… nicht für alle Beschäftigten gelte. So habe man Reichelt und Poschardt bereits im Vorwege Abfindungen angeboten, da diese offensichtlich in ihren Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehr…“

„… dass der neue Finanzinvestor vor allem BILD als Live-Video-Marke auf dem deutschen Markt etablieren wolle. Der Content sei durch Leserreporter bereits gesichert, auch wenn sich das Verhältnis von Gewalt, Werbung und Pornografie erst durch eine Marktanalyse des…“

„… ein Presseerzeugnis ohne journalistische Relevanz herstellen zu wollen. Döpfner habe dies Verdikt des Branchenverbandes mit großer Freude gelesen und fühle sich endlich verstanden, da er schon viel Jahre lang auf diesen…“

„… werde es insbesondere den Chefredakteuren nicht besonders schwer fallen, sich im ALG-II-Bezug wiederzufinden, da diese charakterlich schon immer der Unterschicht…“

„… beispielsweise Sport- und Börsenartikel aus dem Internet kopieren und umschreiben solle. Die Redaktion werde dabei auch kostenneutral auf Inhalte aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zurückgreifen, da diese viel verlässlicher seien als der…“

„… Publikumsaktionen anbieten wolle, um die Markenidentität weiterhin zu festigen. Vor allem die BILD-Abteilung wolle mit Meldungen zu gefährlichen Ausländern, Denunzierung potenziell erwerbsloser Nachbarn und anderen heimattreuen…“

„… sich der Investor KKR nur für zehn Jahre bei Springer einnisten und danach seine Anteile wieder verkaufen wolle. Ob dies zu einer echten Marktbereinigung führen werde, könne derzeit noch nicht mit…“

„… intellektuelle Meinungsmacher für den Welt-Teil gecastet worden seien. Döpfner habe nach Verhandlungen mit Dieter Nuhr und Erika Steinbach bereits festgestellt, dass diese auch sehr flexibel für die BILD-Bestandteile und den…“

„… man eine Qualitätslügenpresse mit rein werbefinanzierten Inhalten auf den Markt werfen werde. Dass Springer für das Produkt weiterhin Geld verlange, sei nur aus traditionellem…“

„… könne sich Gauland vorstellen, einen Teil der Führungskräfte rasch in einen Arbeitskreis für Propaganda und Volksaufklärung zu überführen, um die bisherige Zusammenarbeit auch jetzt zu…“

„… den Kleinanzeigenmarkt stark ausweiten wolle. Geplant seien etwa Kontaktanzeigen für national gesinnte Deutsche, die mit Unterstützung aus dem gewerblichem Sektor in die…“

„… auch exklusiven Content anbieten werde. So plane Döpfner eine Kooperation mit Reportern, die Verkehrsunfälle im Lifestream auf den…“

„… es im Vorstand nach dem erwiesenen Missmanagement zu keinen finanziellen Einbußen komme. Döpfner habe vielmehr angekündigt, dass die zukünftigen…“





Pfleger Tours

26 09 2019

„Es geht hier nicht um Klimaschutz, sonst müssten wir die Bude ja sofort dichtmachen. Es geht hier um… – Nein, nicht um Arbeitsplätze, lassen Sie mich doch mal ausreden! Wir können die Aktionäre nicht im Regen stehen lassen, wie sieht denn das aus? Schließlich haben wir hier immer noch eine soziale Marktwirtschaft!

380 Millionen, das ist erst mal eine hübsche Summe, aber dann müssen Sie auch bedenken, wie viele sich das teilen. Am Ende bleibt pro Nase nicht einmal eine Million übrig. Das ist doch tragisch! Und Sie müssen auch berücksichtigen, dass das ja offiziell nur als Kredit gilt. Dabei wissen wir doch alle, dass das nicht wichtig ist, weil hier schließlich Volksvermögen gerettet wird. Natürlich ist das Volksvermögen, das gehört ja schließlich denen, die sich zum deutschen Volk zählen.

Gut, nicht alle. Ohne ausländische Investoren geht’s ja auch nicht mehr. Das haben Sie bei der Bankenkrise gesehen, da mussten wir auch erst die Griechen retten, damit die deutschen Aktionäre die Kohle abkriegen konnten. Und so viel Geld muss man da heute auch nicht in die Hand nehmen, es brummt bei uns. Doch, wir könnten gerade noch mal 80.000 Arbeitsplätze in der Solartechnik vernichten, das würde keiner merken. Auch wenn wir da sehr viel Geld rein gesteckt haben, das nicht direkt in die Kohleförderung geflossen ist. Teilweise haben wir das auch in die Vernichtung der Windenergie investiert, und da wir damit die deutsche Energiewirtschaft noch nicht kaputt gekriegt haben, spenden wir jetzt noch den Tillich als Grüßonkel für Konzerne, die sich nicht ohne fremde Hilfe in die Scheiße reiten können.

Aber als Bundesregierung oder wenigstens als Bundesland Hessen, wo man mit demokratischen Prozessen eh nichts am Hut hat, da muss man die Konzerne retten. Das liegt uns im Blut, dafür stehen wir sogar nachts auf. Vielleicht hat ja irgendeiner die Idee, aus dem Laden einen zweiten Logistiker auf Weltniveau zu machen? Irgendwas mit Medien? Oder beides? Man weiß es nicht. Auf die Schnelle hätte man auch sagen können, es geht um den Transport von Personen nach Plan, teilweise sogar überregional und unter wirtschaftlich nicht so sehr relevanten Gesichtspunkten, Komfort spielt die zweite Geige, wer sich beschwert, kriegt erst mal aufs Maul – die Deutsche Bahn AG sucht jede Menge Personal, da können wir doch helfen. Aber so einfach ist das nicht. Weil das auch langwierige Prozesse sind, die man nicht durch vorschnellen Bürokratieabbau beschleunigen kann, und wenn man das tut, vielleicht würde das sogar zu einer Wettbewerbsverzerrung führen?

Deshalb haben wir uns auch entschlossen, die Anschlussverwendung dieser Kräfte in der Pflege zu suchen. Das heißt, suchen müssen die natürlich selbst, wir sind ja nicht die Bundesagentur für Arbeitslosigkeit. Da muss man ein bisschen offen sein und sehr flexibel, leidensfähig, die Toleranz gegenüber unerwarteten Frustrationen muss sehr hoch sein, und dann kommt ja auch noch die Pflege dazu.

Wenn Sie sich das Personal mal ansehen, die schubsen da Wägelchen mit Tomatensaft durch die Kabine – da muss man lächeln und ein bisschen Englisch sprechen. Englisch kann Spahn sowieso nicht, das mit dem Fertigessen kennt er, so viel Kultur hat der Typ nicht, und warum sollte er dann bis nach Südostasien fliegen, wenn er die ganze Pflege mit den Leuten bestücken kann? Ist auch eine intellektuelle Frage, da gebe ich Ihnen recht, aber wir haben es hier mit Spahn zu tun. Da kann man das vernachlässigen.

Mal ehrlich, so eine Umverpflanzung in die Pflege, das haben wir doch nicht das erste Mal. Bei Schlecker hat das ja nur nicht geklappt, weil der Kasper, der damals die Sockenpuppe für die FDP gemacht hat, noch keine Ahnung von Wirtschaft hatte. Vielleicht hatte er auch von ganz anderen Sachen keine Ahnung, ist ja jetzt auch egal, aber eine vernünftige Arbeits- und Sozialpolitik schaut, wo die Kompetenzen der Mitarbeiter sind und wie man sie möglichst passgenau auf dem Arbeitsmarkt und für die Gesellschaft einsetzt. Wirtschaftspolitik ist daran interessiert, dass die Aktienkurse nicht beeinträchtigt werden. Wir verstehen eine ganze Menge von Wirtschaftspolitik.

Stellen Sie sich doch mal vor, wir hätten einen anderen Industriezweig. Die haben konsequent und trotz aller Warnung auch nicht in die Digitalisierung investiert, teilweise natürlich dies auch in enger Absprache mit der Bundesregierung, der das eh wurst war. Die haben moderne Märkte, die von andere erschlossen und erobert wurden, erst nicht zur Kenntnis genommen, dann ignoriert und zum Schluss auch noch als spinnerte Ideen potenzieller Kunden bezeichnet, die man unbedingt aus dem Wettbewerb heraushalten muss? Würden Sie jetzt so einfach die Automobilbranche stilllegen, nur weil es sich eigentlich nicht mehr rechnet?

Also lassen Sie sich nicht verunsichern, auf die unsichtbare Hand können Sie sich immer verlassen. Sie gehört Ihrem Staat, der immer marktkonform für Sie sorgt. Wir gehen ja immer davon aus, dass ein Unternehmen, das unbedingt Staatskredite in Anspruch nehmen muss, so überlebensfähig ist, dass es die eigentlich gar nicht braucht, und deshalb geben wir Kredite auch immer nur denen, die eh vor lauter Geld nicht wissen, in welches Loch sie es schmeißen sollen. Vertrauen Sie uns. Wir wissen, was wir tun.“





Die letzten Tage der Menschheit

22 09 2019

Gedichtet haben wir, und ach, geklagt –
gemalt und alles säuberlich gefügt.
Natürlich wussten wir, dass Ihr nur lügt,
weil Ihr mit uns nichts in die Zukunft tragt.

Dass sich an Euch fortan nun nichts mehr misst,
ficht keinen an. Ihr wollt Euch niemals messen.
Dass keiner Euch nun preist und bald vergisst,
ist Euer Los. Ihr lebt. Und seid vergessen.





Minderwertige Märkte

19 09 2019

„… unbedingt wieder Kolonien brauche. Kramp-Karrenbauer und Merz seien sich darin einig, dass eine großdeutsche Lösung die Union gegen die rechtspopulistische Propaganda der…“

„… natürlich unsinnig sei. Als noch nicht designierter, aber so gut wie schon gewählter SPD-Vorsitzender könne Scholz den imperialistischen Anwandlungen des Koalitionspartners nicht abgewinnen, wolle aber auf der anderen Seite damit die Koalition auch in keiner Hinsicht…“

„… den Lebensraum im Osten als Staatsziel in die Verfassung der BRD GmbH aufnehmen wolle. Meuthen werde einen Gesetzesentwurf für die…“

„… mit großem Befremden aufgenommen habe. Steinmeier wolle die Expansion der Bundesrepublik nicht mittragen und habe jede Verantwortung für die geplanten…“

„… sich auch auf den Osten Afrikas bezogen haben könnte. Weidel habe die Diskussion aus dem schweizerischen Ausland nicht verfolgt, könne aber jetzt einer Invasion nur vollumfänglich…“

„… dass Altmaier den Bundespräsidenten beruhigt habe. Seine Einmischung in die Versorgung mit Rohstoffen sei nicht notwendig, da allein der Bundestag die Befehlsgewalt über die Truppe habe und deshalb auch eigenständig die…“

„… habe die deutsche Herrenrasse endlich ein Recht, auch deutsche Bananen zu essen. Höcke sehe die Zukunft der deutschen Landwirtschaft in den…“

„… sehe die Union die afrikanischen Länder auch eher als Absatzgebiete für deutsche Waren, die in der Heimat nicht mehr konkurrenzfähig seien. Neben Videorecordern und Wählscheibentelefonen wolle sich BILD mit einer…“

„… außenpolitische Verwerfungen fürchte. Scholz wolle im Fall einer Annexion keine Sonderwirtschaftszonen schaffen, da er hier durch verringerte Steuereinnahmen eine Gefährdung der Schwarzen Null sowie des…“

„… der Schadstoffausstoß der afrikanischen Länder erheblich unter dem globalen Durchschnitt liege. Eine zeitnahe Annexion sei daher schon aus statistischen Gründen notwendig, um durch den dadurch entstehenden Durchschnitt Deutschland wieder einen Spitzenplatz im Umweltranking zu…“

„… zu Schwierigkeiten führen könne, wenn der Euro zu schnell in den Kolonialwirtschaften eingeführt würde. Lindner habe angeregt, den Afro als regionale Währung für minderwertige Märkte zu etablieren, um die Teilnehmerländer beim Versagen der europäischen Märkte schnell wieder aus der Währungsunion zu…“

„… Johnson erklärt habe, dass er bereits seit 1492 mit der Bundeskanzlerin verhandle. Merkel habe ihm verbindlich zugesichert, dass Deutschland dreißigtausend Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Subvention an die britischen…“

„… Pflegepersonal aus den neuen Ländern zu rekrutieren. Spahn wolle eine Rundreise durch alle Beitrittsgebiete absolvieren und sich dabei eine tarifkonforme Unterschreitung der Lohnuntergrenze als legale Möglichkeit zur…“

„… wolle Steinbach die Nachfahren der bisherigen deutschen Besiedlung von allen Ansprüchen als Vertriebene ausschließen, um keine gemischtrassige Bevölkerung in den…“

„… dass per Gesetz ein Dieselfahrverbot in den Kolonien ausgeschlossen werden könne. Die von CDU und AfD beschlossene Einigung sei zwar durch Kramp-Karrenbauer und die Richtlinien der Union verboten, man könne aber gerade in Hinblick auf andere Gesetzesvorhaben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit überall…“

„…auch in den Kolonien homöopathische Mittel von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden sollten. Spahn sehe nicht ein, warum es den Afrikanern besser gehen sollte als den…“

„… künftig der Mindestlohn für keinen der eingewanderten Arbeitnehmer gelten solle. Im Gegenzug wolle man auch ALG-II-Empfänger zwangsweise verpflichten, auf den Obstplantagen in den…“

„… wolle Meuthen die afrikanischen Territorien nicht durch Sonnenkollektoren und Windräder zum Energielieferanten machen, da durch diese linksgrün versifften Gagatechnologien der Brutplatz der abendländischen Störche gefährdet sei. Zur Einschränkung der ungehinderten Ausbreitung müsse man die Eingeborenen durch noch mehr Kernkraftwerke und…“

„… habe sich tatsächlich bereiterklärt, einen Teil der Insel als deutsche Kolonie anzuerkennen. Allerdings haben Madagaskar darauf bestanden, dass der Vertrag nicht ohne eine ausreichende Kompensation…“

„… wenigstens für Strafexpeditionen zu gebrauchen seien. Kramp-Karrenbauer wolle einen echten Kolonialkrieg noch nicht jetzt, sondern erst bei Unterschreitung der vertraglich …“

„… sich nach zähem Ringen entschlossen habe, nach Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern auch Bayern als afrikanischen Kolonien aus der föderalen Republik zu entlassen, um die madegassischen Territorien zu…“





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXXI): Das SUV

13 09 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Evolution hatte nicht nur Gewinner. Während manche Fadenwurmarten, Schleimaale oder Tonnensalpen sich in ihrem jeweiligen Habitat geradezu luxuriös einzurichten wussten, nichts auf Privatfernsehen und Anrufbeantworter gaben, bekam der Hominide hier und da nicht wirklich etwas gerissen. Kriege musste er anzetteln, peinlich anmutende Frisuren zu larmoyantem Schuhwerk in der Öffentlichkeit tragen, zumal in adoleszenter Entwicklungsstufe, Einzeller mit chronischem Verstandesverlust als Machthaber von vereinigten Staaten oder Königreichen inthronisieren, wenn das nicht half: die fest eingewurzelte Überzeugung, als Mensch nichts mehr wert zu sein, wenn man nicht in einer Blechkiste voller Selbsthass kreischend die Landschaft durchpflügen. Erst da wusste Mutter Natur, dass diese Spezies als Krebsschaden zu behandeln ist und ihr wenigstens die Liebe tut, sich aus epischer Doofheit selbst über die Wupper zu schnippen. Die Atombombe wäre eine Möglichkeit, ach was: die Chance überhaupt gewesen, aber der Return on Investment ist ja minimal, denn wer würde sich so eine Wuchtwumme in den Vorgarten stellen, wenn die lobotomierten Kriegstreiber schon auf die Steuereinnahmen schielen. Nein, das lässt man die SUV-Fahrer erledigen, den Schmierfilm am Boden der mobilen Gesellschaft.

Das SUV – ja, es ist sächlich, auch wenn es in der kognitiven Konsonanz hart kompensierender Knaben wie ein künstliches Gemächt benutzt wird – ist die nahtlose Fortsetzung des innerstädtischen Geländewagenwahns, der sich dialektisch als soignierter feiert, weil er nicht so offensichtlich auf Bollerauspufftöpfe und rallyelackierte Spoilerorgien setzt wie andere automobile Psychosen. Das Erscheinungsbild des Wagens definiert sich über die Masse an verbautem Dünnblech, gerne mit majestätischer Stärke verwechselt, hier aber in der Eleganz in der Sauropodenklasse steckengeblieben und dementsprechend wendig. Das Gerät ist in der City, für die es ja gedacht ist, denn wo sonst wird man damit genug Publikum beeindrucken können, allenfalls so sinnvoll wie ein Mähdrescher, mit dem man zwei Fahrspuren plus Radweg und Gehsteig zuparken kann, wenn man eine Einheit Kind in der Primarschule abliefert, wobei landwirtschaftliche Großmaschinen noch den Vorteil besäßen, dass sie unwegsames Gelände rumpelnd unter sich ließen, ansonsten den Weg zum Einsatzort aber sicher und solide erreichen würden. Wer ein SUV erwirbt, hofft offensichtlich auf eine legale Möglichkeit, Baustellen und Verkehrsinseln wegzuschwiemeln, wie es sonst mit der Frontschürze tiefergelegter Bolidenimitate erfolgreich versucht wurde. Der Formel-1-Darsteller schätzte noch die Nähe des Straßenbelags, an der sich sein Gummi abrieb, der ins intellektuelle Rentenalter driftende Motorist aber will die Kiste höher, und braucht deshalb auch zwingend den Kolbenhub eines Dreißigtonners.

Denn tiefer ist sportlich, höher ist Krieg. Und nein, es geht nicht um den üblichen Bürgeraufstand, in den sich die geistigen Tiefflüge wohlstandsverwahrloster Bumsbirnen einpassen. Es ist der im öffentlichen Verkehr ausgetragene Krieg um die gesellschaftliche Dominanz einer Kaste, die sich die Erde aus Gewohnheit untertan macht. Diese soziale Zusammenrottung karrt selbst den Nachwuchs in die Kita, obwohl er ihnen in Bezug auf den Klimawandel reißpiepenegal ist. Das bei Kerzenbeleuchtung einsetzende Gewissen, den Schadstoffausstoß auf olympischem Niveau forciert zu haben, wird mit der Pinkeltaste ausgeglichen, gerne auch auf der Kreuzfahrt. Ansonsten aber bekennt sich der Realitätsallergiker frohgemut zur nationalen Variante seines Verfassungszusatzes, der ihm das offene Tragen von Waffen gestattet – das Wettrüsten der Klötenkönige ist in vollem Gange, und mit dem Argument, höher zu sitzen und den immer aggressiveren Verkehr besser zu beobachten, kaufen die Ichlinge einen Citytraktor nach dem anderen, wohl wissend, das der Markt sich nach den Gesetzen von Dummheit und klassischer Mechanik nicht nur sättigt, sondern auch ausgleicht. Jetzt ist noch möglich, Fußgänger mit Kinderwagen und Radfahrer vom Hochsitz schneidig zu übersehen, mit vollem Stoßgewicht an parkende Kleinwagen zu quetschen und vom Asphalt zu radieren. Doch das Fenster schließt sich jäh, mit steigendem Anteil von Kampfpanzern in Metallic wächst auch proportional die Wahrscheinlichkeit, selbst eine Elefantiasis auf Rädern ungebremst in die Flanke zu kriegen, wo Beten besser hilft als ein Seitenaufprallschutz. Aber Newton betet nicht mehr, und wer in Quarta seine Physikstunden mit Schundheftchen unter der Bank zugebracht hat, der lernt es eben jetzt.

Es funktioniert wie mit Schusswaffen; sobald jeder eine trägt, nivelliert sich die Gefahr, allerdings auf einem erheblich höheren Niveau. Sinkt auch die Notwendigkeit, die eigene Knarre einzusetzen, um eine zünftige Schießerei anzuzetteln, irgendeiner hat seine Wumme schon dabei und kriegt schnell nervöse Finger. Je mehr naturverbundene Bürger in der Fußgängerzone jetzt noch eine Jagdwaffe mit sich führen müssen, ist eine Frage der Zeit – die bürgerliche Freiheit kennt ja keine Grenzen. Was den Verkehr betrifft, können alle, die die Ballerei überlebt haben, fortan gemütlich im Omnibus durch die City schaukeln. Der Komfort ist eins, aber man sitzt dort noch viel höher. Und darauf, wir glauben es ihnen, kommt es ja bei der inneren Sicherheit an.





Bullshit 100

21 08 2019

„Das übernimmt Spahn. Kramp-Karrenbauer hat in diesem Monat schon so viel Scheiße abgesondert, das reicht für ein ganzes Quartal. Und der Score ist bei ihm ja auch viel höher, das müssen Sie immer berücksichtigen.

’tschuldigung, der Praktikant macht das erst den zweiten Tag, dem muss ich immer noch über die Schulter gucken. In der Zentrale für politische Kommunikation müssen wir auch auf alle aktuellen Entwicklungen Rücksicht nehmen, deshalb braucht es ein bisschen Puffer. Lockere Planung, und wenn wir am Ende etwas übers Ziel hinausschießen, ist es nicht ganz so schlimm. Entscheidend ist halt, was hinten rauskommt, aber das wussten Sie ja sicher.

Also hier ist unsere multidimensionale Matrix, das ist eine Tabelle mit den unterschiedlichen Graden von Beklopptheit, das geht hier unten los, das würde ein normaler Mensch noch rauskriegen mit zu viel Schnaps in der Birne, und dann haben wir hier das Mittelfeld, und dann ist hier, wo es nach ganz rechts geht, aber das sehen Sie ja selbst. Das ist natürlich noch keine Wertung, aber Sie bemerken schon, wenn es um gewisse Personen in der Tagespolitik geht, die öfter mal in den Medien sind, weil das in deren Stellenbeschreibung halt so vorgesehen ist, dann haben wir hier schon eine Verschiebung von der Mitte weg. Meist nach rechts. Wobei das natürlich keine Wertung ist.

Jetzt müssen wir immer zeitnah disponieren, wie wir die Sollwerte erreichen. Da helfen uns inzwischen auch Algorithmen, die das Verhältnis vom jeweiligen Politiker zum Amt ausrechnen. Da haben wir auf der einen Seite den Innenminister, der ist normalerweise immer etwas zurückhaltend, man erwartet ja von dem Amt, dass da besonnene und kluge Leute sitzen. Auf der anderen Seite haben wir die Realität, und die heißt Seehofer. Rechnen Sie jetzt noch mal eben nach, dann wissen Sie auch, wer in dieser Woche noch Schlagzeilen braucht.

So, da haben wir jetzt einmal Verfassung 50, da könnten wir… könnten wir… Also wird sind ja nicht nur für die erste Garnitur zuständig, Minister und Parteichefs, wir arbeiten für alle Ebenen. Das könnte man irgendeinem Nachwuchspolitiker der FDP geben, haben wir da nicht einen? Das ist dann eine mittelschwere Äußerung, nicht unbedingt über verfassungsrechtliche Fragen, sondern einfach mit staatsrechtlichem Hintergrund. Ja, da haben wir’s, der soll die Mietpreisbremse als grundgesetzwidrig bezeichnen, das passt zur Kategorie und das passt zur Partei. Sie sehen hier die Gewichtung, bei dem ist es in der Mitte immer offen, bei der AfD gehen wir sowieso davon aus, dass nicht nur das Thema etwas mit dem Grundgesetz zu tun hat, sondern die Meinung auch per se verfassungsfeindlich ist. Deshalb hier diese Bündelung in der Mitte.

Die Instinktlosigkeiten sind auch recht flexibel handhabbar, meistens sind das so Äußerungen wie: ist der so doof oder tut er nur so? Es gibt natürlich auch hier Spezialisten, da sehen Sie eine Häufung bei Spahn und AKK, die können das in Perfektion, aber natürlich darf man das nicht nur für die beiden reservieren. Wenn Giffey zum Beispiel sagt, die Bürger seien ja eh zu dämlich, um Gesetze zu kapieren, dann ist das schon ein mittelschweres Kaliber. Für Klöckner haben wir dann eher diese hier, das ist der ganz normale Bullshit. Der tritt bei CSU-Mitgliedern gehäuft auf, wir dürfen ihn aber nicht nur auf die beschränken. Es ist ja eben keine Wertung, wenn wir das verteilen, und die Kategorie müssen wir rein mengenmäßig derart verwenden, da können wir uns gar nicht auf einzelne Parteien beschränken.

Ach so, warum wir das machen? Schauen Sie, so ein Spitzenpolitiker hat ein anstrengendes Leben, die müssen an Tagungen teilnehmen und Sekt trinken, die vielen Nebenjobs in Aufsichtsräten oder als Chelobbyistin für Nestlé, einigen von denen müssen auch regelmäßig die Bücher lesen, die sie angeblich geschrieben haben, damit sie die dann auf so einer Butterfahrt durch die Kaufhäuser unters Volk jubeln können, da bleibt meistens kaum noch Zeit für Politik. Wenn wir denen nicht regelmäßig vorschreiben würden, was sie zur Presse sagen sollten, dann käme da viel belangloses Zeug raus. Wir hatten hier mal einen, der hat als Staatssekretär ernsthaft gesagt, er könne sich zu einem Thema nicht äußern, er hätte davon keine Ahnung. Gut, der war auch schnell wieder weg vom Fenster, keine Ahnung, was der heute macht. Ganz sicher nichts mit Politik. Da müssen Sie in den Medien stattfinden, und das erfordert maximale Leistung.

So, da haben wir noch mal Bullshit. Scholz war ja schon dran, deshalb ist er für den Rest der Woche aus dem Schneider, und Bullshit 100 ist eigentlich für den auch eine Nummer zu groß. Ach komm, dann hau ich den jetzt noch mal bei Scheuer rein, das ist zwar inflationär, aber bei dem fällt ja ein 80-er schon unangenehm auf. Da kriegen wir wieder Stress mit der CSU-Parteizentrale, ob wir den aus Versehen haben ausnüchtern lassen. Das trifft sich auch gut mit den sachlich falschen Äußerungen, die haben wir hier gebündelt bei der FDP, das ist auch notwendig, wir haben ja Wahlkampf, und da muss man immer sehr viel versprechen. Nachorder? Das wird jetzt eng, wir haben da schon fast alles besetzt und können kaum noch reagieren, die meisten haben heute auch schon einen Eintrag, das sind alles 100-er, da könnten wir… Ach, scheißegal. Wenn ich auch sonst gerne auf die verzichten würde, aber dafür ist es doch gut, dass es die AfD gibt!“