Gernulf Olzheimer kommentiert (DLIII): Die Kinder der Mittelschicht

26 02 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ja, es ist alles so fürchterlich, weil nämlich niemand, wirklich keiner, und zwar buchstäblich keine Sau an die Kinder denkt! Schrecklich! Es ist eine Tragödie! Wir werden alle sterben – das war bisher weder Herrschaftswissen noch stand es im empirischen Kontext je ernsthaft zur Debatte – und die Kinder auch! Die Kinder! Nein, vor einer Kita die asozialen Hohlpfosten aus ihren SUVs zu zerren, ihnen bei Geschwindigkeitsüberschreitung in Tateinheit mit ungebremsten Überfahren eines Fußgängerüberwegs den Schlagring durch den Gesichtsübungsversuch zu ziehen und die Reste in der Kanalisation zu verklappen, das geht nicht. Im Namen der Freiheit Bambini zu opfern für das deutsche Menschenrecht auf Auto, das ist süß und ehrenvoll, vor allem für unterprivilegierte Opfer, die ja einfach neue Kinder in die Welt setzen, wenn man sie nicht rechtzeitig verhungern lässt. Dass in der benachbarten Grundschule der Unterricht auch mal ausfällt, der Putz von der Decke bröselt und die sanitären Einrichtungen eher den Hygienestandard einer Spulwurmaufzuchtstation haben, das ist nicht schön, aber wen interessiert’s. Dass der Nachwuchs der Latte-macchiato-Mammis in der Krabbelmäuse-Gruppe jetzt keinen ganzheitlich vor Erdstrahlen geschützten, regional aufgezogenen Ökorosenkohl mehr kriegen, das macht uns voll total betroffen. Weil diese kollateralbekinderten Grützbirnen der Mittelschicht angehören und wichtig sind.

Wie tröstlich klingt das alles: unsere Kleinen, sie brauchen soziale Zuwendung, die aus staatlicher Hand quillt, Schule als Heimstatt des Humanen, Reit- und Geigenstunden, damit sich bürgerliche Tugend vom Säugling an in Untertanenköpfen fest mit der Vaterlandsliebe verschwiemelt. Fördern ist unsere zweite Natur, Kindeswohl und Schutz der Schwächsten in unserer Gesellschaft lösen wohlig patriotische Gänsehaut aus, wo sie an erster Stelle stehen im Gemeinwesen. Wen würde es nicht zu Tränen rühren, der das in dieser kalten Welt sähe?

Am Arsch. Ginge es den Profilneurotikern um Kinder, sie würden den Fiedelunterricht gegen eine warme Mahlzeit tauschen, den mehr Eltern nicht finanzieren können, weil sie leider kein ausreichend relevantes Einkommen mitbringen, um Laberlurche im Kanzlerwahn auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Da werden psychische Auffälligkeiten und voraussichtlich lebensbedrohliches Bauchweh als emotionale Totschlagargumente aus Schmierseife geschnitzt, damit man sich nicht erinnert, dass die Kinder ihnen bisher an der Rosette vorbeigingen – auch und gerade unter Aspekten wie Bildung oder Gesundheitsschutz, auch und gerade in pandemisch zugespitzten Verhältnissen.

Ähnlich funktionieren Politiker sonst nur im Wahlkampf, weil sie dann erst recht ein Interesse haben, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Alles abholzen, weil man auf der Trasse durch den Wald eine dufte Autobahn hinklotzen kann, die zufällig zehn Amigos kostenlose Verkehrsanbindung an die Produktionspaläste garantiert? Aber Naturschutz ist doch wichtig, der deutsche Baum muss wieder in unsere familienfreundlichen Naherholungsgebiete mit Schmetterling und Singvogel locken! Rind und Schwein werden als mastfreundliches Eiweiß unter hygienisch abstoßenden Bedingungen mit allerlei Medikamenten vollgepfropft, vor und nach dem Abschlachten hunderte von Kilometern durch die Landschaft gekarrt, weggeballert, zerteilt und in Plastik eingeschweißt in die Supermärkte gekippt? Hallihallo, Milch von glücklichen Bio-Kühen, sonst stresst der Verbraucherschutz wieder sinnlos herum! Der Senior deliriert sauber und satt vor sich hin, damit Pflege und Medizin die Goldgrube für Aktionäre bleibt, die fette Rendite verspricht statt ethischer Standards? Aber es ist Wahlkampf, und jede Stimme zählt! Wobei man derart komplexe Zusammenhänge schon oberhalb des intellektuellen Verständnisrandes sehen kann, den ein Politiker mit der Trittleiter erreichen kann.

So sind dem durchschnittlichen Feuchtbeutel auch die begabten Schülerinnen aus Familien mit Fluchthintergrund herzlich egal, wenn er sie nicht in seinem innenpolitischen Programm als potenziell straffällige Jugendliche zu Abschiebekandidaten hochstilisieren kann, denen man Abitur, Studium oder sonstige Wohltaten angedeihen lassen muss, die bekanntlich nur ihnen selbst nutzen. Das Kind ist für ihn nur ein Accessoire, das man für hübsche Fotos auf den Arm nehmen kann, wenn gerade kein Hund greifbar ist. In seltenen Ausnahmefällen, etwa bei knappen Prognosen, lässt er sich schon mal im sozialen Brennpunkt sichten, wo so gut wie kein digitaler Unterricht stattfindet, nicht einmal in der notwendigen Präsenzbeschulung, da schlicht keine Mittel zur Verfügung stehen für Menschen, die später Auffüllmaterial für die Unterschicht werden, weil sie nicht einmal von ihren neoliberalen Eltern auf den persönlichen Vorteil getrimmt werden und mit solidarischem Verzicht das Pack alimentiert, das vorgibt, sich um ihr Seelenheil zu kümmern. Gut, dass keiner sie auf den Arm nimmt. Am Ende würden sie noch Zeugen, wie man diese Schnösel einebnet, bis sie wie Wahlplakate aussehen, die am Bionadeviertelspielplatz herumhängen. Für uns alle.





Kindeswohl

18 02 2021

„… dass Entwicklungspsychologen inzwischen deutliche Parallelen zum Zweiten Weltkrieg sehen würden. Die Situation der Schulkinder sei durch die Pandemie in einem unerträglichen…“

„… sei es der EU nicht zuzumuten, Kinder in den Lagern anders als Erwachsene zu behandeln. Sie hätten sich zwar nicht aus freiem Entschluss in die aktuelle Aussichtslosigkeit gebracht, man dürfe sie aber nicht dem eigenverantwortlichen Handeln ihrer Eltern entziehen, das für die…“

„… schwere Ausnahmezustände bei Kindern unter zehn Jahren konstatiert hätten. Durch den Wegfall geregelter Mahlzeiten, die sich teilweise um bis zu eine Viertelstunde verspäten könnten, sei die Versorgung mit lebenswichtigen Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen extrem…“

„… würden Freiheit und Menschenrechte in der Europäischen Union besonders hoch angesehen. Ein zum Suizid bereites Kind dürfe eben gerade als Folge der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit nicht an seiner Tat gehindert werden, wenn die EU zu ihren Grundwerten und damit verbundenen…“

„… würden Eltern die Behandlung ihrer Kinder inzwischen offen als ‚faschistoiden Staatsterror‘ bezeichnen. Allein in Sachsen-Anhalt gebe es zwei Mitglieder eines Vereins für Freiheitliches Denken, die dieser Aussage vollinhaltlich…“

„… gebe es nicht ausreichend Verpflegung für alle Kinder. Dies bedeute allerdings nicht, dass die EU gezielt Menschenrechte missachte, da sie nur für Inhaftierte in besonderem Gewaltverhältnis eine einklagbare Fürsorge trage, nicht aber für alle, die durch höhere Gewalt oder ähnliche Umstände in…“

„… sich Kinder mitunter nicht ins heimische Bad zu gehen getraut hätten, da sie die von den Schultoiletten gewohnte fingerdicke Schmutzschicht am Boden vermissen würden. Nach dem Urteil eines Arztes führe dies unweigerlich zum Zusammenbruch des Immunsystems, so dass eine noch schnellere Infektion mit dem…“

„… vier der fünf untersuchten Kinder der Aussage Ich fühle mich durch die links-grünen Maßnahmen zur Vernichtung der deutschen Wirtschaft in meiner verfassungsmäßig garantierten Entfaltung der Persönlichkeit behindert eher zustimmen würden. Drei der vier Probanden in der Altersgruppe bis drei Jahre würden sich stark mit Sophie Scholl identifizieren und hätten Angst, durch somatoforme Störungen nicht wie vorgesehen das Studium der Betriebswirtschaftslehre oder…“

„… dass es nicht fair von den Kritikern sei, die Rechte der in Deutschland lebenden Kinder zum Maßstab des Regierungshandelns zu nehmen. Das Kindeswohl stehe nur da an oberster Stelle, wo es durch erfolgreiche Maßnahmen in einem effektiven Staatswesen zur Sicherung der sozialen…“

„… psychiatrische Auffälligkeiten sich erst nach der Pubertät zeigen würden. So sei es auch nicht auszuschließen, dass elterliche Erziehung nach dem Ende des Homeschooling nicht mehr angenommen werde, was zur intensiven Beschäftigung mit Linksextremismus und anderen Formen des…“

„… sämtliche Regierungschefs innerhalb der EU ein Grundrecht auf Bildung ablehnen würden. Zahlreiche Kinder hätten zwar in ihrer Heimat keine Bildungsmöglichkeiten, viele von ihnen seien jedoch zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch zu jung für den Schulbesuch gewesen und würden jetzt als nicht integrationsfähige Zuwanderer eine schwere Belastung für die nationalen Systeme des…“

„… habe sich die signifikante Steigerung des Krankheitsbildes von 0,095% auf 0,098% durch empirische Untersuchungen seit 1949 ergeben. Unter den Symptomen steche besonders Aua im Bauchi hervor, das für mehrere hundert potenziell tödlich verlaufende Erkrankungen…“

„… auch als Eingriff in die Autonomie der Eltern sehe. Die politischen Verantwortungsträger seien nicht in der Pflicht, Erziehungsmaßnahmen in den Auffanglagern zu bestimmen oder Eltern in ihrem individuellem Verhalten zu kritisieren. Auch vorsätzliche Vernachlässigung der Aufsichtspflicht könne derzeit nicht mit jugendrechtlichen Folgen geahndet werden, da es größtenteils an Kooperation seitens der Flüchtlinge fehle, die sich nicht an den Wertekanon der europäischen…“

„… fehle den Kindern inzwischen die feste Tagesstruktur. Es sei nicht auszuschließen, dass sie sich daran gewöhnen und den Schulabschluss ganz verweigern würden, um sich bewusst arbeitslos zu melden und durch anstrengungslosen Wohlstand in der spätrömischen…“

„… dass zahlreiche Experten negative Auswirkungen verneinen würden. Erzieherische Maßnahmen könnten die Folgen der Lagerhaft fast vollständig beseitigen, eine Beeinträchtigung für den späteren Schulbesuch sei nicht zu…“

„… könnten Kinder durch die Fixierung auf den Computer schnell Suchterkrankungen entwickeln. Erst die Wiedereingliederung in deutsche Schulen, die durch die unermüdlichen Anstrengungen aller Kultusminister vollkommen frei von Digitaltechnik seien, werde die Rettung für viele wehrlos den Gefahren der Zukunft ausgesetzte Kinder sein, die wieder in staatlicher Obhut seien, so dass die wirtschaftliche Entwicklung sich endlich…“

„… seien Kinder in den Lagern eher vor einer Infektion mit den neuartigen COVID-Mutanten geschützt, da sie dort weniger Kontakt zu Touristen aus Großbritannien oder Südafrika hätten. Die EU sehe dies als Gesundheitsschutz und werde diese Lage auch nicht mutwillig ändern, um kein Übergreifen auf Polizei, Militär oder…“





Oberklasse

11 02 2021

Dass die Agentur in einem Jugendstilpalais in der Vorstadt residierte, machte mich nicht stutzig. Es fiel nur auf, wie attraktiv die Empfangskräfte durch die Halle stolzierten, wie normalerweise auch die drittklassigen Zahnärzte ihre Helferinnen rein nach dem Aussehen einzustellen pflegen. Immerhin fand Herr Bummelburg schnell Zeit für mich. Er hatte mir ja auch lange genug in den Ohren gelegen.

„Vergessen Sie das mit den Unterlagen“, gab er mir zu verstehen. „Natürlich haben wir immer den größten Bedarf nach Mitarbeitern, die schwierige Aufgaben und große Herausforderungen nicht scheuen, und da hatten wir sofort an Sie gedacht.“ Ich nahm Platz und betrachtete das Büro. Es war groß und von standesgemäßer Geschmacklosigkeit. „Wir haben jede Menge offener Posten, natürlich momentan zeitlich begrenzt, aber glauben Sie mir: nach der Wahl wird man sich bestimmt an Sie erinnern und erneut auf Sie zurückgreifen wollen.“ Ich nippte an der Teetasse, eine besonders stumme Dame brachte noch Konfekt und ein paar Zigarren in den Raum. So luxuriös war ich noch nie zu einer Vorstellung eingeladen worden. „Man muss die Form wahren“, erläuterte Bummelburg. „Wir haben Aufträge aus den höchsten Kreisen, da ist unser Ruf, die Menge der Bewerber – wir nehmen nun einmal nicht jeden und machen von Anfang an klar, dass wir die Oberklasse sind.“ Der Tee schmeckte ähnlich dünn.

„Verstehen Sie denn etwas von Politik?“ Noch war ich unschlüssig, was ich antworten sollte, aber Bummelburg lächelte beruhigend. „Man kann sich alles im Laufe der Tätigkeit beibringen“, sagte er. „Die meisten Berater sind natürlich Quereinsteiger und bringen jetzt nicht im klassischen Sinne eine Expertise mit, aber das kommt auch immer darauf an, wie Sie sich im Ministerium verkaufen.“ Ich stutzte. „Im Ministerium?“ Bummelburg nickte. „Wir haben da eine ganz klare Vision: nur die beste Leistung für die besten Kunden. Und die Honorare sind in den Bundesministerien nun mal sehr viel höher als sonst.“ Dem Diagramm entnahm ich, dass ein Experte für strategische Beratung direkt unter dem Heimatminister angefordert wurde. „Das ist jetzt eher tiefgestapelt“, lächelte Bummelburg. „Wir haben ja damals dieses Pseudoministeramt auch erst erfunden, damit keiner in den Rechnungen merkt, wenn der Innenminister sich Berater ins Haus holt.“ „Und was mache ich da?“ Er zuckte die Schultern. „Dies und das, aus Gründen der Geheimhaltung erfahren wir das immer erst, nachdem die Verträge bereits laufen und die Berater auf ihrem Posten sind.“ Ich würde also einen wichtigen Minister in einer Angelegenheit beraten, von der er selbst nicht viel, ich aber sicher noch viel weniger verstünde. „Das kann sein“, bestätigte Bummelburg. „Das ist seit Jahren unser Geschäftsmodell.“

In der Ausschreibung hatte es noch geheißen, Kenntnisse von Verteidigungspolitik, Steuerrecht oder Umweltschutz seien von Vorteil. „Das ist immer eine Augenblicksentscheidung“, gab der Inhaber zu bedenken. „Da in den meisten Ressorts Minister mit, sagen wir mal: flexibler Inkompetenz sitzen, müssen wir oft nach persönlicher Sympathie besetzen, und das beruht ja nicht automatisch auf Gegenseitigkeit. Wobei unsere Honorare die Sache natürlich etwas einfacher machen.“ Die Mappe sah eine gründliche Einarbeitungsphase vor, die von einer Unternehmensberatung zu leisten war. „Ich werde dort in sicherheitspolitische Fragestellungen eingeführt, richtig?“ Bummelburg schüttelte den Kopf. „Nennen wir es mal Produktschulung, Sie wollen der Bundesregierung schließlich auch Ihre Lösung verkaufen.“ Das musste ich erst einmal auf mich wirken lassen.

„Schauen Sie“, begann Bummelburg, „Sie decken keine Probleme auf, Sie werden bei den üblichen Problemen gerufen, um einer Regierung Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.“ „Ich helfe nicht? Wozu werde ich denn dann…“ Er winkte ab. „Sie greifen nicht ein, oder wollen Sie etwa langwierige Auseinandersetzungen über Fragen der Haftung auf sich laden?“ Das leuchtete mir ein. „Sie verkaufen der einen Regierung dies, der nächsten jenes – jede löst ja ihre Probleme anders, immer vorausgesetzt, dass sie die überhaupt als solche erkennt.“ „Also arbeite ich gar nicht nachhaltig?“ Bummelburg riss die Augen auf. „Das wäre nicht nur das Ende jeder Beratertätigkeit, damit schaden Sie der gesamten Branche. Am Ende setzen sich Ausschüsse und Gremien noch auf den Hosenboden und machen ihre Hausaufgaben, damit sie Staatssekretären und Ministern selbst zuarbeiten können!“ Ich hatte ja keine Ahnung gehabt, schon gar nicht von Politik.

Er goss ein wenig Tee nach. „Sie sind bei uns in Zukunft für die Qualität der Politik zuständig, denn sehen Sie mal, so gute Berater wie uns wird man in der Politik selbst niemals finden.“ „Was am Gehalt liegen könnte“, mutmaßte ich. Er nickte. „Warum gehen Sie mit Ihren Leuten dann nicht einfach auch in die Politik und sorgen nebenbei für ein höheres Gehaltsniveau?“ Bummelburg lächelte. „Das wäre nun doch ein bisschen einfach. Zum einen hat sich das System bewährt, zum anderen genießen wir damit einen unschätzbaren Vorteil.“ Ich kam nicht darauf. „Nun“, schloss Bummelburg, „Wir können nicht einfach abgewählt werden.“

Der Fahrstuhl glitt langsam hinab. Ich war im Besitz eines mittelprächtigen Auftrags. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der mir Grundlagen der Außenpolitik beibrachte. Oder etwas Virologie.





Herdenschutz

9 02 2021

„Um Gottes Willen, Sie können doch Fußballer nicht mit Applaus abspeisen!“ „Wollen Sie denen etwa Geld in die Hand drücken?“ „Das wäre ja im Profisport mal etwas ganz Neues.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Stellen Sie sich mal diesen Skandal vor, wenn es heißt: ab sofort kein Fußball mehr, Spieler werden nicht geimpft!“

„Also es gibt auch Wichtigeres im Leben als ausgerechnet Fußball.“ „Frauenfußball?“ „Er meint sicher Handball“ „Wer sorgt denn bitte dafür, dass Sie sicher durch die Krise kommen?“ „Ach so, ja. Taxifahrer.“ „Denken Sie doch auch mal an die Allgemeinheit.“ „Das macht er doch aus Prinzip nie.“ „Busfahrer?“ „Politiker, oder wer bringt uns denn bitte heil durch diese Krise?“ „Gut, dass man davon nichts merkt.“ „Deshalb sollte man Politiker auch bevorzugen, einer muss ja die Entscheidungen treffen.“ „Welche Entscheidungen?“ „Zum Beispiel, wer wann geimpft wird.“ „Das können die im Impfzentrum bestimmt auch alleine.“ „Aber es muss jemand die Verantwortung dafür übernehmen, oder wie hatten Sie sich das vorgestellt?“ „Das ist mir jetzt neu.“ „Dass jemand die Verantwortung für die Krise übernehmen muss?“ „Dass jemand die Verantwortung übernimmt.“

„Wir sollten nicht unbedingt nur Abgeordnete im Bundestag impfen.“ „Landtage auch?“ „Im Prinzip ist ja jeder Kommunalpolitiker für seine politischen Entscheidungen zuständig und muss daher die nötige Unterstützung bekommen.“ „Und die Familien natürlich auch.“ „Wieso die Familie?“ „Sie können doch nicht einen Bürgermeister impfen und seine Frau nicht.“ „Da greift doch irgendwann auch der Herdenschutz.“ „So viele Politiker gibt es in Deutschland nun auch wieder nicht.“ „Man sollte da nach Parteienproporz vorgehen.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Also erst CDU und dann SPD?“ „Die machen ja die meiste Arbeit in Deutschland.“ „Und wenn man nun im Osten lebt?“ „Da sind die Unterschiede zwischen Nazis und CDU nicht groß, das impft sich so weg.“

„Wir müssten irgendwie volksnäher werden.“ „Wenn Sie das mit dem Applaus ernst gemeint haben sollten, scheiden Einzelhandelsmitarbeiter schon mal aus.“ „Naja, die bekommen von ihrem Arbeitgeber die Masken umsonst.“ „Oder zum Selbstkostenpreis.“ „Oder müssen sie nur tragen, wenn der Filialleiter im Laden ist.“ „Das wäre ja echt eine Verschwendung, wenn man die impfen würde.“ „Vor allem bei deren Exposition!“ „Da könnte man ja gleich Lehrer vorziehen!“ „Das ist meines Erachtens nach verfassungsrechtlich schon nicht zu halten, weil die ja gerade alle Homeoffice machen und daher mehr Recht auf körperliche Unversehrtheit durchsetzen als andere.“ „Was hat das mit dem Grundgesetz zu tun?“ „Das muss ja man Lehrer nicht impfen?“ „Die haben sich ihren Beruf ausgesucht, und außerdem sind die nur für einen sehr kleinen Bevölkerungsausschnitt da, für Kinder nämlich – die sollten aber mal ganz kleine Brötchen backen!“

„Da würde ich ja Friseure bevorzugen.“ „Das sehe ich auch so.“ „Die arbeiten schließlich für alle in der Bevölkerung.“ „Und was meinen Sie, was die Frauen uns in ein paar Wochen auf den Zeiger gehen, wenn sie nicht wieder zum Friseur gehen können!“ „Das ist sozialpsychologisch absolut nicht abwegig.“ „Und die Gefahr der Schwarzarbeit im Lockdown ist ja ständig gegeben.“ „Wobei so ein Salon mit Hygienekonzept eigentlich auch ganz gut funktionieren würde.“ „Man will die Berufsgruppe ja nicht in die Illegalität zwingen.“ „Und es würde eine Signalwirkung sein für viele Unternehmen.“ „Aber nicht zu sehr!“ „Naja, in dem Zuge ist es vielleicht auch für Nagelstudios…“ „Also das wäre jetzt sicher ein Dammbruch.“ „Haben Sie eine Ahnung, wie mir meine Frau seit Weihnachten auf die Nerven geht?“

„Man muss ja die Wirtschaft im Auge behalten, damit sich die Auswirkungen dieses Lockdowns nicht übermäßig auswirken.“ „Ich würde an der Stelle Arbeitslose berücksichtigen.“ „Wen!?“ „Jetzt hat er die falsche Spritze erwischt.“ „Wofür braucht man Arbeitslose?“ „Meine Güte, denken Sie doch mal nach: um die Löhne stabil zu halten.“ „Also stabil im Keller.“ „Genau, und wenn wir immer ausreichend Arbeitslose haben, die als Ersatz für die Niedriglöhner da sind, kann man die Niedriglöhner auch in ihrem Niedriglohn lassen.“ „Oder aber den Lohn drücken.“ „Und Sozialleistungen abbauen.“ „Das eine muss das andere ja nicht ausschließen.“ „Ein bisschen Spaß muss die Pandemie machen, sonst macht sie keinen Spaß.“ „Eben!“ „Und da das insgesamt die Aktien stabil hält, muss man die Arbeitslosen schützen.“ „Wäre es denn da nicht klüger, man würde gleich die Niedriglöhner impfen, um die bestehenden Arbeitskräfte in ihren Jobs zu halten?“ „Also jetzt bitte keine Sentimentalitäten, sonst kommt hier noch jemand auf die Idee und schickt das gesamte Pflegepersonal zur Impfung.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Mit welcher Begründung denn?“ „Vermutlich macht zu viel Applaus habgierig.“ „Dann sollen die erst mal das leisten, was unsere Fußballer für ihre Gehälter tun.“ „Das kann man gar nicht miteinander vergleichen.“ „Eben, auf der einen Seite ein Beruf, den quasi jeder erlernen kann, und auf der anderen Seite Talente, die über sich nur die Gesetze des Marktes haben.“ „So sehe ich das auch.“ „Gut, also Fußballer?“ „Aber direkt danach Politiker.“ „Und dann eventuell wir.“ „Wir?“ „Sie?“ „Was soll das denn jetzt?“ „Naja, es muss doch einen geben, der in der Pandemie einen klaren Kopf behält und die Ansagen macht, wie wir da durchkommen, oder?“





Positive Grundstimmung

8 02 2021

„… vermehrt zu starken Stresssituationen unter dem Christbaum komme. Es sei für die Politik ein wichtiges Anliegen, das Weihnachtsfest in diesem Jahr zu verbieten und die…“

„… müsse man das Weihnachtsgeschäft gar nicht verbieten. Laschet habe vor, frühzeitig im Land der Spielwarenläden 48-Stunden-Shopping- Wochenenden für die ganze Familie zu…“

„… auch in Berlin und Baden-Württemberg die Weihnachtsferien ausfallen lassen werde. Für die Bildungsministerin sei es nicht hinnehmbar, dass Kinder zwei Wochen lang ohne psychologische Betreuung durch Lehrerinnen zu Hause bleiben und die Eltern von ihrer Arbeit abhalten müssten, was ebenfalls zu einer Verschärfung des…“

„… habe ein Verband alternativer Virologen vor den Folgen für das Immunsystem kleiner Kinder gewarnt. Bis zum Alter von vierzehn Jahren müsse der Antikörperbestand ständig angeregt werden, was durch die hermetische Abriegelung zu Hause gar nicht möglich sei, wenn nicht große Feiern in Schulen und Kitas für ausreichende Stimulierung mit den notwendigen…“

„… dass auch Menschen mit psychischen Erkrankungen unter den Weihnachtstagen leiden würden, vor allem allein Lebende. Keiner dürfe zum Fest der Liebe wegsehen, so Giffey, und müsse stattdessen durch solidarisches Handeln am Arbeitsplatz sowie an der…“

„… die christlichen Traditionen trotzdem aufrecht erhalten müsse. Nordrhein-Westfalen als Land des Tannenbaums wolle selbstverständlich den Verkauf des Weihnachtsschmucks weiterhin mit mehreren Milliarden Euro fördern, gleichzeitig verlange Laschet aber, dass über die Festtage die Schulen und Kitas weiterhin geöffnet blieben, um eine ungesunde Fixierung auf die Eltern nicht…“

„… warne der neu gegründete Verband für kindgerechte Medienerziehung vor dem einseitigen Angebot an Kindersendungen im Fernsehen, das Eltern und Kinder gleichermaßen überfordere und für einen Abbau des in Kita und Grundschule vor den Ferien erworbenen Grundschulwissens führe. Nur durchgehende Betreuung durch pädagogisch geschultes Fachpersonal könne verhindern, dass durch den Medienkonsum Schäden an der späteren Befähigung für Konsum, Arbeitsfähigkeit und…“

„… würden sich unter den seit dem Spätsommer geltenden Corona-Regeln immer noch sämtliche Mitglieder eines Hausstandes mit einem, oft aber verbotenerweise mehreren Personen versammeln, um das Weihnachtsfest gemeinsam zu verbringen. Man könne die Gefahr nur durch sofortige und vollständige Schulöffnungen eliminieren, wo die Kinder unter ständiger Aufsicht durch die…“

„… dass etwa unter Depressionen leidende Menschen vermehrt Alkohol zu sich nehmen würden. Auch wenn psychisch erkrankte Bürger selbst keine Kinder hätten, die sie für den Kita- oder Schulbesuch täglich versorgen könnten, würde doch die aus der Gesellschaft zurück kommende positive Grundstimmung für sie eine erhebliche…“

„… die emotionale Verflachung von Kindern zu spüren sei, die oft tagelang nur mit den neuen Weihnachtsgeschenken spielen würden. Der neu gegründete Arbeitskreis für Kind und Spiel unter besonderer Berücksichtigung der erzieherischen Wirkung auf berufsbildende Eingangsqualifikation fordere eine schnell einsetzende Diversifikation der psychologischen und motorischen Wirkreize für Kinder im schulischen Umfeld durch die…“

„… sehe Streeck eine Unterbrechung von gut zwei Wochen als statistische Verfälschung, die die Prognose der letalen COVID-19-Erkrankungen der Infektionsgruppe unter zwölf Jahren nicht mehr mit der geforderten Genauigkeit erlaube. Für die freie Wissenschaft müsse man jedoch Bedingungen schaffen, die die möglichst ungestörte Beobachtung des Objekts in Hinblick auf weitere politische…“

„… dass Kinder irgendwann Homeschooling-Ausrüstung oder sogar Computerunterricht in den stationären Schulen verlangen würden. Giffey wolle die kindliche Bildung so lange wie möglich vor dem Zugriff nicht altersgerechter Technologien schützen und werde deshalb auch die Freigabe weiterer Gelder für die Digitalisierung erst im…“

„… seien Kinder in der Familie mitunter einem klar strukturierten Tagesablauf ausgesetzt, der so in der Schule nicht mehr einheitlich reproduziert werden könne. Auch in Hinblick auf die dringend in vielen wirtschaftlichen Bereichen geforderte Flexibilität wolle Altmaier die privaten Haushalte nicht zum Vorbild gesellschaftsschädlicher…“

„… bekämen Kinder auf dem Schulweg viel mehr frische Luft, um ihr Immunsystem vor dem Virus zu schützen. Der neu gegründete Arbeitskreis der Lungenärzte habe errechnet, dass ein Kind sogar auf dem Weg zum Schulbus, der hundert Meter an einer ausschließlich von Dieselfahrzeugen benutzten Schnellstraße entlangführe, erheblich weniger Zigarrenrauch als im häuslichen…“

„… zentrale Aufgaben wie Gesundheitsschutz und politische Erziehung nicht durch ideologische Irrwege in der Familie zerstört werden dürften. Im Gegensatz zur Schule sehe Seehofer die Gefahr einer Indoktrination zum Linksextremismus vor allem in den Privathaushalten, die unter festlichen Stressbedingung leicht in den Terrorismus abgleiten und sofort zu gewaltsamer…“

„… aus medizinischer Sicht nicht länger zu verantworten sei. Abgesehen von Tannenbaum- und anderen Zimmerbränden, die statistisch signifikant häufiger in Wohn- als in Schulräumen stattfänden, seien häusliche Gewalt und häusliche Unfälle schon von der Definition im schulischen Umfeld gar nicht möglich, was für Giffey bedeute, dass nur total verantwortungslose Menschen auf Präsenzferien in der Wohnung der total überforderten…“

„… sich Bundeskanzler Merz in die Debatte eingeschaltet habe. Es sei Aufgabe des Staates, die Erziehung und Bildung der Kinder unter seine Obhut zu nehmen. Wer sich durch Arbeitslosigkeit oder Erbkrankheit in die Rolle des Kostgängers am schaffenden Volke schleiche, wie es eigentlich nur dem gebärenden Weib zustehe, der dürfe sich in einem Sozialstaat doch versichert sehen, dass die ab 2023 geltende Aufstallung in Krippe und Schule mit vermögensabhängiger Befreiung von der Ferienpräsenz der Zukunft Deutschlands am Wertpapiermarkt eine noch viel größere…“





Fahrzeugautobahn

28 01 2021

„… im Vergleich zu anderen Industrienationen noch immer schlecht ausgebaut sei. Deutschland riskiere große Wachstumschancen und seine Rolle als Exportwirtschaft, wenn der schleppende Ausbau der Autobahnen weiterhin die…“

„… größtenteils von Privatfahrzeugen genutzt werde. Scheuer berufe sich auf eine von seinem Ministerium angefertigte Studie, nach der mehr als 99% der Personenkraftwagen nur von Personen, nicht aber zum Transport wichtiger Wirtschaftsgüter über die nationalen…“

„… daran erinnert, dass mehrere Projekte zur Fahrzeugautobahn bereits 1970 von den Gremien angedacht und hinsichtlich ihrer Finanzierung durch die öffentliche Träger diskutiert worden seien. Die Ausschüsse würden zum Teil bis heute bestehen und könnten doch keine Ergebnisse vorweisen, die über die Testphase…“

„… würden etwa drei Viertel der Unternehmen Kosteneinsparungen vom Ausbau Autobahnnetzes erwarten. Das Bundesministerium könne diese Zahl nachvollziehen, es sei für die CSU jedoch noch zu früh, die bereits 1988 in einem Strategiepapier als Vision für das Jahr 2000 beschlossenen Ziele in der aktuellen politischen Situation als…“

„… dass günstigere Angebote für Autos die Binnenwirtschaft beleben würden. Es werde nach Einschätzung der SPD dadurch zwar keine positive Wirkung auf das Straßennetz geben, man wolle aber die Regierung deshalb so kurz vor den Wahlen zum Deutschen Bundestag nicht durch dialektisches…“

„… die Modernisierung der Wirtschaft viel zu schnell vorangeschritten wäre. Scheuer sei davon ausgegangen, dass Produkte nach wie vor an einem Standort gefertigt und nicht von einer Fabrik zur nächsten gefahren würden. Da diese Verfahren auch in anderen Wirtschaftsräumen so anerkannt seien, müsse man davon ausgehen, dass sie sinnvoll und wirtschaftlich durchaus…“

„… widersprochen hätten. Durch die bisherige Straßenbaupolitik habe die Bundesregierung genau wie alle ihre Vorgängerinnen Subventionen an die multinationalen Infrastrukturkonzerne verteilt, die kleinen nationalen Unternehmen jedoch durch die Häufung an bürokratischen Vorschriften nach und nach ausgebremst. Der deutsche Straßenbau werde durch das Verkehrsministerium zielgerichtet an den Rand gedrängt und könne sich nicht mehr…“

„… auch die Lieferketten profitieren könnten. Scheuer habe den zuständigen Führungskräften zugestimmt, habe aber nochmals betont, dass er eine andere Priorisierung der wirtschaftlichen…“

„… selbst im Arbeitsleben unverzichtbar seien. In vielen Berufsbildern gehöre Mobilität zu den Schlüsselqualifikationen, die durch die Arbeit der Regierung und ihre Ansichten zum Straßenverkehr auf geradezu leichtfertige Art im politischen…“

„… sehe Scheuer eine von der Opposition geschürte Kampagne gegen seine von der Kanzlerin sehr gelobte Arbeit. Die Öffentlichkeit sei auf eine ungesunde Art auf Autos und Motorräder fixiert und müsse schnellstens wieder auf eine gesunde Distanz zu diesen rein technischen Themen…“

„… die Sicherheitsaspekte überhaupt nicht mehr bedacht würden. Ein einziger Kilometer Autobahn führe schnell zu Hunderten von Schwerverbrechen, die das Leben aller Bundesbürger gefährden würden. Seehofer werde die Gesetzgebung daher präventiv verschärfen, um geringste Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mit drakonischen…“

„… würden durch die Verlagerung des Verkehrs auf Autobahnen teilweise Arbeitsplätze wegfallen, viel mehr aber noch neue Berufe entstehen, die erst in zehn bis zwanzig Jahren attraktiver für die jungen Menschen seien. Eine auf Kontinuität und wirtschaftliche Stärke vertrauende Regierung könne den Herausforderungen aber nicht mit Lösungen begegnen, die neben unabhängiger Beratung auch die Belange von Bürgern und…“

„… nicht relevant sei, dass beispielsweise in asiatischen Staaten der Autobahnbau als einer der großen Entwicklungsfaktoren das Wachstum der Volkswirtschaften antreibe. Die CSU sehe einen starken Mentalitätsunterschied und setze zunächst einmal auf die Führungsrolle innerhalb der EU und ihrer…“

„… von disruptiven Modellen wie Car-Sharing, autonomem Fahren oder E-Autos geprägt würden. Die latente Gefahr einer Revolution müsse aus der Bundesrepublik so lange wie möglich und unter allen Umständen…“

„… auch die privaten Haushalte betroffen seien. Der Bundeswirtschaftsminister sehe allerdings in vermehrtem Straßenverkehr einen Kostentreiber für Waren und Dienstleistungen, der durch einen sehr schnell einsetzenden Preisanstieg zu einer großen Herausforderung für die bisher noch mit geringen Gehältern überlebensfähigen…“

„… allein von 2005 bis 2019 nachweislich drei Fälle in Bayern nachgewiesen seien, in denen spätere Raubmörder, Geiselnehmer und Betrüger durch Geschwindigkeitsübertretungen oder Stehen im Halteverbot aufgefallen seien. Seehofer werde bei theoretisch auftretendem Verdacht jedes Auto mit einem Staatsfahrtenschreiber ausrüsten, um die Sicherheit der deutschen Autobahnen zu…“

„… koste eine in Bayern produzierte Wurst den Verbraucher in Schleswig-Holstein bald schon das Zehnfache, wenn die Kosten auf die Waren umgelegt würden. Scheuer appelliere daher an die Bürger, Erzeugnisse mehr im Internet zu bestellen, um den innerdeutschen Verkehr nicht mehr als…“





Work-Life-Balance

25 01 2021

„Vielleicht könnte man das hier aufschneiden, dann kann man das Kabel unter dem Belag bis nach vorn zum Fenster führen. Das ist verklebt? Schade. Dann ziehen Sie die Telefonleitung doch einfach so durch und kleben sie fest. Paketband haben Sie noch da?

Ein bisschen improvisieren müssen Sie schon, wenn Sie im Homeoffice arbeiten wollen. Das ist für uns alle im Moment nicht einfach, wir müssen nun mal Abstriche machen. Hätten Sie eine Wohnung gemietet, in der die Telefondose etwas näher am Küchenfenster liegt, dann hätten wir uns jetzt diese Diskussion ersparen können. Schließlich wollen ja Sie die Auftragssachbearbeitung machen und nicht ich. Da kann man von Ihnen auch mal ein wenig Engagement für den Arbeitgeber verlangen. Und wie Sie sich mit Ihrem Vermieter über den Bodenbelag einigen, damit brauchen Sie mir gar nicht erst die Ohren voll zu heulen. Wir haben diese Pandemie schließlich nicht erfunden.

Das kippelt dann halt ein bisschen, aber für die Arbeit brauchen wir einen richtigen Computer mit Monitor und allem drum und dran. Immerhin stellt Ihnen den Ihr Arbeitgeber, und Ihr Küchentisch ist schließlich breit genug. Das langt von der Tiefe her. Wenn der Monitor da nicht sicher steht, Sie hatten doch gesagt, dass Sie noch Paketband da haben? Merken Sie sich das mal: in einer Krisensituation überlebt der am besten, der mit den vorhandenen Mitteln das Beste herausholt. Und die Tastatur kann man auch ganz prima auf dem Schoß halten.

Jetzt beschweren Sie sich nicht, dass das Ihr einziger Tisch ist. Es zwingt Sie ja keiner, an dem auch Kartoffeln zu schälen oder wer weiß was an Küchenarbeit zu erledigen. Dann essen Sie halt mal ein paar Tage lang diese Schälchen. Mikrowelle ist ja vorhanden, wie ich sehe, und Besuch würde ich Ihnen auch nicht empfehlen. Schon aus Gründen des Infektionsschutzes wäre das unverantwortlich, und Sie wollen doch nicht nach zehn erfolgreichen Jahren als Auftragssachbearbeiterin plötzlich unsere Firma verlassen, oder? Wir sehen das nämlich als Beitrag zur Stärkung Ihrer Work-Life-Balance. Ihr Leben geht quasi organisch in Ihre Privatsphäre über. Also halt Ihr Arbeitsleben.

Im Büro hätten Sie vielleicht auch noch ein Kaffeetasse auf dem Tisch abstellen können, aber hier gelten nun mal andere Maßstäbe. Da ist ja gleich der Küchenschrank, da steht die Kaffeekanne und da ist der Kühlschrank, und zu viel Kaffee ist sowieso nicht gesund. Außerdem müssen Sie dann ständig aufs Klo, wer weiß, wie viel Arbeitszeit da wieder flöten geht. Sie müssen sich das mal vor Augen führen, in dieser Zeit ist das hier eben nicht mehr Ihre Küche, sondern Ihr Arbeitsplatz. Da gilt dieselbe Ordnung wie bei uns im Betrieb. Wir sind gehalten, das auch zu kontrollieren, und das heißt auch, dass wir da dieselben arbeitsrechtlichen Vorschriften anwenden. Nach Feierabend können Sie sofort den Schlafanzug anziehen, überhaupt kein Problem, aber während der Arbeitszeit sind die Vorschriften nun mal klar. Wie sieht das denn aus, wenn der Chef mal eine Videokonferenz machen will, und dann sitzen Sie da nicht im Kostüm? Bei Gelegenheit räumen Sie auch mal das Regal da hinten auf, das sieht ja aus wie Kraut und Rüben. Das sieht man gestochen scharf im Hintergrund, wenn Sie die Kamera anmachen. Was sollen denn die Vorgesetzten denken, wie Sie wohnen? Am Ende heißt es noch, ich würde unsere Mitarbeiter zu möglichst großer Unordnung animieren, damit Sie eine Gehaltserhöhung fordern können, weil Sie sich nur diese Wohnküche leisten können. Aber das sage ich Ihnen gleich, das gibt Ärger.

Ich kann mich täuschen, aber hier riecht es nach Rauch. Also nach kaltem Zigarettenrauch. Es geht mich zwar nichts an, und in Ihrer Wohnung können Sie ja grundsätzlich auch tun und lassen, wozu Sie lustig sind, aber hier gelten die Bestimmungen des Arbeitsschutzes, und das schließt für unsere Firma einen rauchfreien Arbeitsplatz ein. Wenn Sie das Thema Arbeitsschutz für nicht so wichtig halten, dann können Sie in der Fleischzerlegung anfangen, da wird immer gesucht. Sie müssen nichts können, nicht mal Deutsch. Ihr Nachbar? Was hat denn Ihr Nachbar mit Fleischzerlegung zu tun, ist der in der CDU? der raucht? Ja, das kommt schon mal vor, dass das vom Balkon rüberzieht, wenn die Fenster nicht ganz dicht sind. Bauliche Mängel. Ich will mal nicht so sein, aber eigentlich müssten Sie Ihren Vermieter auf die Schadstoffbelastung ansprechen und ihn abmahnen, bevor wir arbeitsrechtliche Schritte unternehmen. Also gegen Sie. Wir sind ja nicht für Ihren Arbeitsplatz verantwortlich, wenn Sie unbedingt im Homeoffice arbeiten wollen. Ja, ich weiß, dass das jetzt gesetzlich geregelt wird, also lassen Sie es mich so ausdrücken: da Sie der Ansicht sind, für uns sozialversicherungspflichtig arbeiten zu müssen, halten Sie sich an die Regeln. Wir machen das ja auch nicht freiwillig.

Das mit der Lärmbelastung ist ein Einzelfall. Das müssen Sie als höhere Gewalt auffassen, die wir nicht abstellen können. Auf der anderen Seite verlagen wir von Ihnen auch nicht, dass Sie die Straßenbaustelle da unten beseitigen. Das wummert ein bisschen, aber Sie lassen die Fenster sowieso am besten geschlossen. Zigarettenrauch, Lärm, und dann gebe ich Ihnen noch mal einen guten Tipp: die Lichteinstrahlung ist für den Bildschirmarbeitsplatz in der Fleischzerlegung, Auftragssachbearbeitung wollte ich sagen, Auftragssachbearbeitung – das ist so eigentlich gar nicht gestattet. Aber wenn Sie den Mund halten, ich habe nichts gesagt.

Seien Sie froh, dass Sie den Stuhl nicht aus dem Büro mitnehmen mussten. Auf so einem Hocker kann man sehr gut sitzen, man lehnt sich nie aus Versehen mal hinten an, gut, Rollen hat er nicht, aber dafür auch keine Armlehnen. Den können Sie bequem unter den Küchentisch schieben, wenn Sie mal etwas Platz für die Aktenordner brauchen, und naja: Ergonomie ist das, was man daraus macht. Ist auch gleich viel wohnlicher, hier gucken Sie auf ein hübsches Panorama mit Straßenbahnhaltestelle, da hinten ist irgendwo der Friedhof, Kaffeemaschine ist in Sichtweite, Telefon, Klo um die Ecke, Sie müssen nicht mit dem Fahrstuhl zur Mittagspause und nicht mit dem Bus nach Hause – meine Herren, so schön wie Sie möchte ich’s auch mal haben!“





Supernanny

11 01 2021

„Das ist ja vorwiegend wegen der sozial schwachen Familien. Manche können sich ja nicht mal einen SUV leisten, manchen geht es derart dreckig, da hat die Frau eine Berufsausbildung. Und die muss noch arbeiten. Für die erhalten wir die Präsenzpflicht aufrecht, damit nicht auch noch den DAX verreckt.

Das Problem hätten wir kaum, wenn nicht derart viele Kinder in staatliche Regelschulen gehen würden. Abgesehen von dem Geld, das das kostet – das ist mindestens eine Steuersenkung – das ist ein Verwaltungsaufwand, und dann müssen wir zum Schluss auch noch irgendwas für die Kinder tun. Also für die von den armen Leuten. Wenn Sie eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, dann erwarten Sie doch auch nicht, dass man Ihnen das Geld aus der Tasche zieht und davon gesetzlich Versicherte durchfüttert, oder?

Natürlich tun wir auf die Art etwas gegen die Armut. Es leben so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze, nur ein Auto, teilweise nicht mal mit Wohneigentum, und in solchen Familien groß zu werden, das muss man sich gut überlegen. Den Kindern selbst kann man die Entscheidung ja nicht zumuten, die meisten sind wahrscheinlich subjektiv schon in diesem Bodensatz verhaftet – da ist es doch gut, die oberen Einkommensgruppen durch noch mehr Lohnarbeit in den unteren zu fördern, weil wir sonst bei den Kindern aus den besseren Haushalten den sozialen Abstieg auslösen könnten. Stellen Sie sich mal vor, so ein ganz normales Kind kriegt irgendwann mal mit, in der Nachbarschaft gibt es Eltern, die sind zu Hause, wenn ihre Söhne und Töchter aus der Schule kommen. Was würden wir uns da für ein Volk heranziehen!

Bildung ist immer noch der wichtigste Schlüssel für dieses Problem. Man muss ja nicht unbedingt etwas damit anfangen können, es darf auch nicht zu lange dauern, deshalb ja G8, aber wenn man den Nachwuchs so bis sechzehn aus dem beschäftigt kriegt, dann ist das doch ein ganz vernünftiger Mittelweg. Ab dann können die sich auch selbst versorgen, notfalls müssen sie sich dann einen Job suchen, eventuell sogar eine Lehrstelle, aber das ist dann nicht unser Problem. Sonst könnten wir die Kinder vor die Glotze setzen, das reicht heute für einen durchschnittlichen Abschluss in so einer staatlichen Schule aus. Es muss halt jemand die Drecksarbeit machen.

Man kann ja leider die Blagen nicht einfach in den Hort verfrachten. Mir fällt auch gerade nichts Besseres ein, Kindermädchen vielleicht, das kann sich doch jeder Regierungsdirektor leisten, oder als Bankvorstand oder Staatssekretär. Ich verstehe gar nicht, wie sich die Leute überhaupt erst Kinder anschaffen und dann nicht mal das Geld für eine professionelle Betreuung haben. Man muss doch auch Prioritäten setzen, dann kauft man sich halt den Maserati, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, dann ist ja auch meist Zeit für die nächste Scheidung und man hat den besseren Überblick über die Finanzen. Immer nur vom Staat verlangen, dass wir die Supernanny spielen, das ist doch echt unsolidarisch. Das müssen diese Bürger einsehen.

Wir haben seit Jahren alles dafür getan, dass das Thema Digitalisierung in den Köpfen ankommt. Erst die Vorratsdatenspeicherung, Uploadfilter, wir haben teilweise in einigen Regionen nur noch ganz kleine Funklöcher, und die sind noch nicht mal in Industriegebieten, und jetzt planen wir Flugtaxis. Wenn Sie sich andere Länder anschauen, die sind vielleicht hier und da schon viel weiter, aber so weit wie wir sind die bestimmt noch nicht. Weil wir ja ein Technologiestandort sind, und das heißt, wir sind sowieso viel besser als andere.

Das heißt natürlich noch nicht, dass wir heute alles mit Digitalisierung hinkriegen wollen, da müsste man erstmal die Pädagogen fragen, ob sie das auch möchten. Wir können ja nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden – das sind ja schließlich keine Eltern. Deshalb überlegen wir uns das gut, ob wir sie fragen, und dann noch mal, wann wir sie fragen werden. Bis dahin ist Präsenzunterricht in der Regelschule absolut alternativlos.

Und dann haben wir auch das Problem mit der häuslichen Gewalt. Das könnte theoretisch in allen Schichten auftreten, aber es gibt gesellschaftliche Schichten, die man nicht als Schicht bezeichnen sollte. Eher als Sphäre. Wenn da mal Konflikte auftreten sollten, dann belästigt man damit eher nicht die Schule, und wenn doch, dann hat man die notwendigen Mittel, um die Schäden zu beseitigen. Wir müssen also auch hier eine soziale Auslese durchführen, und wieder sind es die unteren gesellschaftlichen Bereiche, die uns zu diesem Schritt zwingen. Damit tun wir uns keinen Gefallen, das dürfte allgemein bekannt sein, aber anders können wir dem Problem nicht begegnen. Und alles das muss man nun abwägen gegen ein anderes Rechtsgut, nämlich die Gesundheit unserer Leistungsträger. Wir haben uns also zu diesem Schritt entschlossen, dass wir die Präsenzunterricht ausschließlich für die Regelschulen beibehalten, in denen die Schülerinnen und Schüler bis zur unteren Mittelschicht sich infizieren. Das kann und muss ihnen zugemutet werden, schließlich kann Schule als Bildungsvermittlung und soziale Institution nicht das Versagen von allen Elternhäusern auffangen. Und wenn wir jetzt noch eine Lösung finden, die Kinder ganz aus ihrem familiären Umfeld herauszulösen, damit die Wertschöpfung für unsere Wirtschaftsbetriebe unvermindert erhalten bleibt – also ich bin da sehr zuversichtlich. Vermutlich beim nächsten Lockdown.“





Eigenverantwortung

6 01 2021

„… die Finanzierung des Gemeinwesens ändern wolle. Im Falle eines erneuten Wahlsieges plane die Union, sämtliche Steuern abzuschaffen und eine gerechtere Verteilung der Lasten auf die…“

„… für SPD und Grüne nicht verhandelbar sei. Eine Regierungskoalition sei so unter keinem CDU-Kanzler möglich, ebenso kein Angebot einer rot-grün geführten Regierung an einen…“

„… bei den Freidemokraten für eine anfängliche Skepsis gesorgt habe. Lindner beklage eine für seine Partei schwerer werdende Zukunft, wenn er nicht mehr ohne jeden erkennbaren Anlass radikale Steuersenkungen fordern und die Entlastung der…“

„… alle Bundessteuern überflüssig seien, wenn die Umsatzsteuer dafür erheblich ansteige. Merz sehe in diesem Modell allerdings nur dann eine Vereinfachung, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Unterstützung der unteren Einkommensschichten nicht eingeführt würde, da sonst eine statistische Verzerrung der…“

„… wolle die Union keinesfalls pauschal das Verbot von Steuern durchsetzen. Es müsse aber auf den Prüfstand gebracht werden, ob die heutige Umsetzung des bisherigen Systems noch für eine wirtschaftliche Zukunft und einen…“

„… nach dem Prinzip der Verantwortungsethik die Steuern aus gutem Willen nicht mehr zu berechnen und die Bürger so viel zahlen zu lassen, wie diese selbst für angemessen hielten. Offen bleibe im Vorschlag der Kirche, ob etwaige Defizite wie in ihrem eigenen Haushalt auch weiterhin durch staatliche Zuwendungen in Form von…“

„… bedeute die Abschaffung der Steuern auch den Wegfall der strafbaren Steuerhinterziehung. Der als Initiationsritus in höhere Gesellschaftsschichten unabdingbare Tatbestand müsse jedoch erhalten bleiben, da sonst zu viele Bürger, die durch Zufall oder sogar Arbeit zu Vermögen gekommen seien, in Kreisen verkehren könnten, zu denen sie nicht…“

„… sämtliche Steuern in ‚Solidaritätszuschlag‘ umbenennen wolle. Da die Bundesregierung nie vorgehabt habe, diesen endgültig abzuschaffen, könne man nun durch eine Anpassung von dessen Berechnung und Verwendung schnell eine gute…“

„… bedeute dies Erwerbslosigkeit für alle Steuerberater. Laschet plädiere daher dafür, die Betroffenen zu Vermögensverwaltern umzuschulen, was sich bei dem zu erwartenden Wohlstand vieler Wirtschaftsführer in seinem persönlichen Umfeld auch als durchaus lukrative und…“

„… von der Deutschen Bischofskonferenz als Missverständnis bezeichnet worden sei. Sollte durch Wegfall von Lohn- und Einkommensteuer auch die Kirchensteuer abgeschafft werden, müsse der Staat ersatzweise eine Abgabe in Höhe der bisherigen…“

„… dass viele Bürger ihre Steuern und Abgaben durchaus gerne zahlten und diese auch aus freien Stücken entrichten würden. Ein strafbewehrter Zwang widerspreche für die FDP dem Ideal eines demokratischen, leistungsorientierten…“

„… es eine Überlegung wert wäre, Lohn- und Einkommensteuern zu halbieren. Die Union plane dies jedoch erst für die kommende Pandemie und werde bis dahin weiter mit erprobten Instrumenten auf die…“

„… werde bereits durch einzelne Posten wie Branntwein-, Tabak- oder Pferdesteuer erreicht, da man auf die entsprechenden Waren verzichten könne. Zum Augleich schlage die Union vor, auch bisher nicht besteuerte Wirtschaftsgüter mit…“

„… habe die FDP bereits jetzt durch die vielen angeordneten Betriebsuntersagungen eine Vielzahl an Einkommensminderungen in kleinen Firmen verzeichnet, die dadurch bereits stark an Steuern gespart hätten. Zum Ausgleich fordere Lindner die Senkung des Spitzensteuersatzes, um durch eine einfache, niedrige und gerechte…“

„… plädiere Merz für eine vollkommene Steuerfreiheit bei Aktien- und Vermögensbesitz, Erb- oder Mieteinnahmen sowie oberhalb einer gewissen Einkommenshöhe. Um die unteren Gesellschaftsschichten nicht von der Mitwirkung an der Staatsfinanzierung auszuschließen, könne man gerade Renten und kleine Einkommen durch eine Anerkennung in Form von hoher…“

„… dass sämtliche Daten der Steuerzahler ohne Höchstdauer aufbewahrt und mit deren Einnahmen zusammengeführt werden sollten, um die ungefähr zu erwartende Höhe der freiwilligen Zuwendungen an die Finanzämter zu bemessen. Die Regierung setze dabei auf die Eigenverantwortung der Bürger, die im Interesse der Gemeinschaft eine korrekte…“

„… bei einer Erhöhung des Grundfreibetrags auf den Wert des Spitzensteuersatzes formal die Besteuerung der Einkommen erhalten bleibe. Es sei jedoch zu erwarten, dass dieses System nur von wenigen sehr Wohlhabenden verstanden werde, was immerhin zu Einnahmen aus den unteren…“

„… als ersten Schritt die Kraftfahrzeugsteuer abschaffen wolle. Im Gegenzug werde Merz durch eine negative Abgabe für Fußgänger oder Radfahrer die verfassungsrechtliche Ausgewogenheit des…“

„… werde das Finanzamt zumindest Löhne und Gehälter künftig direkt einziehen und einbehalten. Den Steuerpflichtigen werde danach eine Summe zurücküberwiesen, deren Höhe sich unter anderem nach der…“





Wirtschaftswunder

5 01 2021

„Schetelig! Der Auszug muss einen Fehler haben, da fehlen doch dreißig Prozent! Wenn ich’s Ihnen doch sage, da fehlt fast… – Rechnen Sie das doch selbst nach, Achthundert, und letzten Monat waren das… – Natürlich habe ich das abgezeichnet, ist das hier mein Laden, oder ist das nicht mein Laden!?

Manko, Manko, das kann ja jeder sagen – das ist hier ein Fehlbetrag von mindestens einem Drittel! Dreißig Prozent, sage ich ja. Habe ich das denen gestundet, nur weil Hagen & Co. jetzt seit fünfzig Jahren ihre Büros bei uns… – Als der alte Hagen meinem Vater das Haus verkauft hat, da war unsere Verwaltung schon hier! Die mussten ja unbedingt in Fetten machen, das rächt sich. Der Mann hat dann ja auch einen Herzanfall gekriegt, da sehen Sie mal – soll er in Aktien machen, da lebt man gesünder. Schetelig, wofür haben Sie überhaupt Prokura, das ist doch eine Aufgabe für die Buchhaltung. Müssen Sie sich immer in die Finanzen einmischen? seit wann? Sechs Monate!? Das wären ja, also im Prinzip zu wenig! Wie können Sie denen die Miete stunden! Schetelig, sind wir denn die Heilsarmee?

Natürlich sind das gute Zulieferer, und ich weiß auch, mit Kossmann & Söhne hätten wir Berlin nie beliefern können. Schon gar nicht zu dem Preis. Muss man ja auch nutzen, wenn ein langjähriger Freund plötzlich in die Bredouille gerät, hähähä! Aber deshalb stunden Sie denen doch nicht gleich die Miete! Unsereins muss doch in diesen Zeiten auch sehen, wie man seine Kröten zusammenhält. Mildtätigkeit ist das eine, aber man ruiniert sich doch den Ruf an der Börse, wenn man kulant ist!

Ich sehe das kommen, am Ende haben wir so eine sozialistische Regierung, die erlässt dann ein Gesetz, dass man die Miete so lange stunden muss, bis man selbst auf der Straße sitzt. Sie brauchen mir das jetzt gar nicht vorzurechnen, Schetelig, ich habe meine Zahlen im Kopf! Wenn wir jetzt auf die Dreihundertvierzig, warten Sie mal: das sind ja über Zweitausend! Haben Sie das steuerlich geltend gemacht? Natürlich, ja. Wusste ich doch, ich wollte Sie nur mal auf die Probe stellen. Man kann nichts versteuern, was man nicht eingenommen hat, es sei denn, man hat es gut versteckt. Ein paar Sachen hat man mir damals auch noch beigebracht, hähähä! Die holen Sie mir aber gefälligst wieder rein.

Was haben Sie denn da, Schetelig? Papiere? die wollen ihre Papiere? Ich kann doch auch nichts dafür, dass wir Kurzarbeit anordnen müssen. Das ist nun mal so, die können froh sein, dass wir von den Lieferanten überhaupt noch etwas kriegen. Da lobe ich mir Hagen & Co., antworten auf dem kleinen Dienstweg und schicken die Ware freitags bis eins. Beide Linien laufen, Westphal hat mit Großauftrag gedroht. Wir könnten sogar noch einstellen. Lassen Sie die Herren doch gerne kündigen, wir haben uns diese politische Großwetterlage nicht ausgesucht, und wenn ich Überstunden anordne, dann mache ich das nicht für mich, sondern für die Wirtschaft. Wir können doch nicht tatenlos zusehen, wie die Wirtschaft stagniert!

Hallo? Ja, am Apparat. Natürlich sind wir noch im Geschäft. Kommt immer auf die Menge an, die bestimmt schließlich den Preis. Fünfhundert? Das kann knapp werden, da brauchen wir bis… – Ja, Sie mich auch! Schneiden Sie sich doch das Personal aus den Rippen, wenn Sie nichts zu tun haben!

Jetzt noch eine linksradikale Regierung, Söder oder Röttgen, dann kriegen die Leute mehr Geld, wenn sie gar nicht erst zur Arbeit gehen. Das kann man doch nicht unterstützen! Wir müssen doch die Mittelschicht stützen, Schetelig, auch wenn wir als Stützen der Gesellschaft noch nicht dazugehören. Wir sind gerade so durchgekommen, die Firma ist stabil, wir sind ja gewissermaßen systemrelevant. Zwar nicht systemrelevant wie Krankenhäuser, wo alle jammern, wenn sie mal kein Bett kriegen, aber ohne uns geht es auch nicht. Und dann fragen Sie sich, ob es ohne uns geht oder ohne Krankenhäuser. Krank werden die Leute schließlich freiwillig.

Bitte jetzt nicht stören, Puschke. Wir sind in einer Besprechung. Natürlich weiß ich das, aber ich bin da halt altmodisch. Man möchte seine Leute unter Kontrolle haben. Wenn die den ganzen Tag zu Hause sitzen, dann weiß man nie, wer von denen krank feiert. Das muss man als Unternehmer strikt unterbinden. Aber wem sage ich das, unsereins ist da ja sowieso von gestern.

Na geben Sie her, wir haben keinen schlechten Schnitt gemacht, es ist nur die Umstellung. Man muss eben irgendwann mal wissen, ob das mit der Kriegswirtschaft nun dauerhaft ist oder nur für ein Jahr, und dann kalkuliert es sich auch leichter. Wenn die jetzt anfangen mit den Impfungen, dann sind unsere Einkaufspreise schnell wieder hin, aber auf der anderen Seite haben die Arbeiter auch keine Entschuldigung mehr für eine Krankschreibung. Es ist irgendwo ja auch schwierig für uns, und es ist doch ein Skandal, dass man den Leuten mit diesen verbilligten Mehrwertsteuern Geld zukommen lässt, das wir als Fabrikanten nicht… –

Dass wir Hagen & Co. um fast zehn Prozent im Einkauf gedrückt haben, das war unternehmerische, ach was: nationale Notwehr! Schetelig, Ihre Zahlen können Sie sich an den Hut stecken! Wir hätten uns diese zwei Lieferwagen und ich mir das Coupé für Fräulein Buntsch niemals… – Das tut doch jetzt gar nichts zur Sache, Schetelig!

Heiliger Bimbam, das ist doch… – Hilde? In der Post? Die Miete nicht erstattet? Und Mutti hat das Einschreiben einfach so… – Das ganze Land liegt wirtschaftlich am Boden, und dieser Halunke will weiter von seinen Mieten leben? Ruf den Anwalt an, dem Schmarotzer blasen wir den Marsch!“