Intelligente Lösung

25 03 2021

„Die Frisöre sind aber nicht so stark betroffen.“ „Deshalb muss man sie ja zumachen.“ „Am besten macht man die gar nicht mehr auf.“ „Das wird den Frisören aber die Läden kaputt machen.“ „Um so besser, dann muss man die nicht mehr schließen.“

„Jedenfalls brauchen wir diese beiden…“ „Es sind ja eigentlich nur anderthalb.“ „Das bezieht sich nicht auf den Lebensmittelhandel.“ „Das heißt, wer am Donnerstag nicht einkaufen kann, der geht am Samstag einkaufen?“ „Die Läden haben zu.“ „Das bezieht sich nicht auf den Lebensmittelhandel.“ „Es sind ja nicht mehr Kunden, es…“ „Das bezieht sich aber nicht auf den Lebensmittelhandel!“ „Da sind es doch auch nicht mehr Kunden.“ „Dann könnte man ausnahmsweise längere Ladenöffnungszeiten für die verbliebenen Tage…“ „Warum denn?“ „Wir dürfen die psychische Gesundheit der Kunden nicht gefährden.“ „Wie kommen Sie denn jetzt bitte auf psychische Gesundheit!?“ „Irgendwer labert doch immer irgendwas von psychischer Gesundheit, damit wir hinterher sagen können, wir haben auch an die psychische Gesundheit der Mitarbeiter…“ „Hä?“ „Wohl verrückt geblieben, der Kollege.“ „Also der Wirtschaft, meine ich.“ „So!“ „Gut, dann haben wir den Rotz auch abgehakt.“

„Und die Feiertagsregelung?“ „Naja, ist doch nur ein Ruhetag.“ „Gibt es nicht.“ „Dann erfindet die Bundesregierung den eben.“ „Das ist dann die intelligente Lösung?“ „Schätze, ja.“ „Das muss aber dann aber auch mit den entsprechenden Zulagen für Feiertagsarbeit…“ „Wieso?“ „Das steht doch so im Arbeitszeitgesetz.“ „Wir müssen doch nicht jede gesetzliche…“ „Doch, wir sind hier in Deutschland, da müssen die Menschen, die hart arbeiten, mehr haben als Menschen, die…“ „Sonst ist aber alles klar bei Ihnen, oder?“ „Wir können die Arbeit aber auch gleich ausfallen lassen.“ „Das geht aber ganz klar zu Lasten der Wirtschaft.“ „Und warum macht man dann den Lockdown?“ „Damit die Wirtschaft nicht gestört wird, sonst müsste man ja mehrere Wochen lang auf Arbeit verzichten.“ „Das ist dann nicht gut für die psychische…“ „Hatten wir schon.“

„Haben wir das mit den Rentnern besprochen?“ „Nein.“ „Gut, dann ist das Thema also auch vom Tisch.“ „Welches Thema?“ „Dass die Rentner am ersten Tag im Monat nicht einkaufen gehen können.“ „Sie meinen den ersten Einkaufstag.“ „Nein, ich meine…“ „Was machen Sie, wenn der erste Tag auf einen Sonntag fällt?“ „Dann kann man am Tag vorher schon einkaufen.“ „Und wenn das ein Feiertag, beispielsweise Ostermontag?“ „Dann haben die Rentner ihre Bezüge schon am letzten Werktag vorher bekommen.“ „Da sehen Sie mal, wie wichtig eine kapitalgedeckte Altersvorsorge sein kann.“ „Aber…“ „Gute Idee, ich schaue gleich mal, ob wir das in der MPK ansprechen können.“

„Im Prinzip verlagern wir jetzt ja die Einkäufe auf den Samstag.“ „Stimmt, das ist aber vor Ostern schon fast Brauchtum.“ „Das heißt, wir machen das Einkaufserlebnis noch kundenfreundlicher.“ „Und die Wirtschaft hat einen richtig umsatzstarken Tag.“ „Aber die Läden sind doch geschlossen.“ „Dann stärken wir damit den Lebensmittelhandel, der von uns bisher nur Applaus bekommen hat.“ „Im Grunde ist das doch auch eine gute Gelegenheit für die Pflege.“ „Stimmt, die Kliniken machen ein enormes Umsatzplus, daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ „Wenn sich wieder einmal Pflegepersonal verabschiedet: sie verlassen eine der lukrativsten Branchen des Landes.“ „Naja, da muss man dann kein Mitleid haben.“ „Ist da nicht irgendwann wegen Überfüllung geschlossen?“ „Dann wartet man eben, bis ein paar Leutchen vor der Tür den Löffel abgegeben haben, und dann geht’s heiter weiter.“ „Ich meinte jetzt nicht die Schlange vor dem Supermarkt.“ „Kollege, ich auch nicht.“

„Man könnte über die Ostertage die Restaurants öffnen.“ „Das Infektionsrisiko ist viel höher als in einem Supermarkt.“ „Aber niedriger als in einem Büro.“ „Deshalb haben am Ostersonntag und am Ostermontag ja auch die Büros geschlossen.“ „Man könnte dann ja die Gastronomie ersatzweise…“ „Sie meinen, wegen der psychischen Gesundheit?“

„Trotzdem brauchen wir eine Notbremse, wenn es irgendwie schiefgeht.“ „Das heißt, wenn es zu hohen Inzidenzzahlen kommt?“ „Wenn die gefühlte Unzufriedenheit der Bürger plötzlich sehr klar über ein erträgliches Maß ansteigt, dann brauchen wir schnelle Öffnungen.“ „Wollen Sie über Ostern die Restaurants und die Kinos wieder aufmachen?“ „Eher die Büros.“ „Unsinn, man kann sich dann wieder im privaten Rahmen treffen.“ „Also nur ein Haushalt, aber mit einem weiteren, und die Kinder zählen nicht mit?“ „Natürlich zählen die nicht mit.“ „Weil das Virus meist in der Schule weitergegeben wird.“ „Das heißt, man kann Ostern wenigstens im eigenen Haushalt feiern?“ „Überlegen Sie mal, wenn wir die Durchseuchung in den Büros starten, dann kriegen wir das über die Supermärkte direkt in die Familien hinein.“ „Und da ist dann der Punkt erreicht, an dem wir eine Marktsättigung mit dem Virus erreichen können?“ „Das wäre der Punkt, an dem wir nicht weiter für die Impfungen bezahlen müssen.“ „Nein, das kommt am Dienstag.“ „Was ist denn Dienstag?“ „Überlegen Sie mal. Da machen die Schulen wieder auf.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLVI): Motivationssprüche

19 03 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Alles blieb an Uga hängen. Der Alte verfügte über ein reiches Theoriewissen, das auf Kriegszug und Jagd durchaus nützlich sein kann, wenn es denn die Einsicht mehrt. So gaben alle dem neuen Tag die Chance, der schönste des ganzen Lebens zu werden, und manche überlebten diesen Tag sogar. Denn Uga gelang, was sonst nur Drogenhändler und neoliberale Wirtschaftspolitiker, die man in der Nahrungskette ja auch nicht so weit entfernt sieht, mit Bravour hinkriegen: den anderen ihre Scheiße bunt zu reden und am Ende des Verkaufsgesprächs noch als Quell der Weisheit durchzugehen. Bis zur Erfindung der Philosophie sollte es noch ein wenig dauern, da Fragen wie „Was ist der Mensch?“ stets im Schatten von „Wann gibt es wieder Essen?“ standen. Doch nicht nur Vernunft prägt uns heute, wir Hominiden benutzen noch viel aus der ersten Phase unserer Stammesgeschichte. Zum Beispiel Motivationssprüche.

An der Esse, am Etagendrucker oder an der Tiefkühltheke, das intellektuelle Gespräch im Kreis interessierter Kollegen mit Inhalten wie „Besser wird’s nicht mehr“ oder „Was soll’s“ steuert immer auf einen Punkt zu, an dem das gemeine Sprichwort nicht mehr zieht, die Kalenderweisheit sinnlos wird und Poesiealbenschmodder die Situation stagnieren lässt. Nur der aktivierende Verbalbauschaum kann noch etwas bewirken, der schnell etwas bewegt und ohne erkennbare Veränderung der Ausgangslage oder Hoffnung auf irgendeine Art von Lösung das angenehme Gefühl kommuniziert, dass jeder die ganze Sache letztlich in der eigenen Hand hat und für die Beseitigung sämtlicher Schwierigkeiten zu sorgen hat. Wie verwunderlich, dass ausgerechnet Führungskräfte oder solche, die sich dafür halten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit derlei Hirnschrott um die Ecke kommen. Leben Sie. Lieben Sie. Und gehen Sie irgendjemandem damit unsäglich auf die Plomben.

Wir glauben an alles, was nicht ist, damit es werden kann – jeder gute Horrorfilm wäre hier zu Ende, aber eine fiebrige Erkältung kriegt man aus den Zutaten hin. Eine Insolvenz. Notfalls auch eine komplette Regierungskrise. Der Motivationsspruch, jene wie Süßstoff zum Lutschen völlig ungeeignete Sprachtablette, ist das Convenienceprodukt aus dem Philosophiezubehörhandel, im Zehnerpack für die breite Masse, die sich keine Sentenzen leisten kann und doch den Mitmenschen eins mitgeben will. Eine ganze Industrie aus Glückskekstextern im Burnout und Teilzeit-Besserwissern kratzt diese gehässigen Scheinaphorismen in grafisch meist Brechreiz erregenden Romantizismus, packt ihn auf social-media-taugliche Kacheln und jubelt ihn unter das süchtige Volk, das nichtsahnend neoliberalen Koks ins Hirn gekippt kriegt: „Um wirklich Erfolg zu haben, muss man nicht gegen andere antreten, sondern gegen sich selbst.“ – „Dein stärkster Muskel ist Dein Wille.“ – „Es gibt immer einen Grund, dankbar zu sein, also finde ihn.“ Jede dieser glitschigen Egoleptikerbotschaften schwiemelt uns in die Hirnrinde, dass jeder Erfolg haben kann, dass deshalb jeder auch Erfolg haben muss und dass der, der nicht erfolgreicher ist als andere, nicht mehr zu diesem Heile-Welt-Tümpel gehört. Schmerzfrei schieben sich gefühlige Girls „Setz Dir jeden Tag ein Ziel, wofür Du am nächsten Tag aufstehen kannst“ hin und her und bräuchten nur mal einen kurzen Depressionsschub, um sich diese soziale Ausschussware aus den Frontallappen zu scheuern. Es gibt Menschen, die sich nicht freiwillig aus der spätkapitalistischen Verwertungsgesellschaft und ihrer Selbstzerstörungsmentalität zurückziehen, es gibt auch solche, die sich ihr nicht erst unterwerfen.

Die ultimative Erleuchtung über den Sinn des Lebens schmiert sich die Generation Heckenpenner als Wandtattoo an die Privatmauern, um auch ja von früh bis spät den Großen Bruder im Nacken zu spüren, wie er einem sein Mantra eintrommelt. Wir machen nur das, was technisch gar nicht möglich ist, weil das der Erfolg ist, den wir als erste erkannt haben werden. Wahrscheinlich haben Buddha und Einstein irgendetwas dergleichen nie gesagt, aber dann müsste man jedes zweite Kaugummibildchen einstampfen, das mit Floskel bedruckt die Welt ein bisschen unerträglicher zu machen, als sie bisher schon war. Noch Scheidung und Schleimhautkrebs kriegen diese lyrischen Furunkel verpasst, denn, haha! es hätte ja viel schlimmer kommen können.

Wenn wirklich einmal alles schief geht, es die Gesellschaft aber nicht die Bohne interessiert, weil Eigenverantwortung nun mal bedeutet, andere nicht mit seiner verpfuschten Existenz zu nerven, die man durch beständiges Festhalten an nicht genug durchdachten, unfinanzierbaren Schnapsideen mit Schmackes an die Wand gesetzt hat, nachdem gute Freunde einen noch bestärkt haben, dann kann man immer noch die Axt aus der Schublade holen und alles fein säuberlich in Trümmer zerlegen, bis die kräftigen Jungs in den weißen Kitteln kommen. Ja, wir träumen nicht unser Leben. Wir leben unseren Traum.





Bitte gleich

18 03 2021

„Ich weiß nicht, was Sie sich davon versprechen, das haben wir doch schon tausendmal durchgekaut. Es gibt Forschung dazu, jede Menge Studien, auch von renommierten Instituten, auch deutsche, das Ergebnis ist immer dasselbe. Zu emotional, nicht belastbar, nicht teamfähig, sie überschätzen ihre Kompetenzen und wollen für ihr Verhalten einfach nie Verantwortung übernehmen. Warum sollte ich für diesen Posten einen Mann einstellen?

Dabei ist das ein ziemlich verantwortungsvoller Posten, das ist Ihnen doch klar? In unserer jüngeren Firmengeschichte haben wir noch keinen Mann für so eine Aufgabe eingestellt. Nennen Sie mir einen Kandidaten, der diesen Bereich einigermaßen gut über die Bühne bringen könnte und auch noch frei ist – einen! In anderen Firmen läuft das aber auch, in anderen Unternehmen sind sie schon viel weiter, ich kann das nicht mehr hören!

Ja, er hat in dieser Firma gelernt, aber das war noch vor seinem Studium. Ausbildungszeugnisse sehe ich mir üblicherweise nicht so genau an, das ist ein bisschen ungerecht. Aber dann das Studium, Rechtswissenschaft, keiner weiß, wozu man das in unserer Firma braucht. Wissen Sie das? Hören Sie mal, wir sind ein Unternehmen an der Weltspitze, wir handeln mit Stahl und Maschinenteilen und jede Menge Technik, und Sie wollen mir hier einen Juristen als Direktor für die Autosparte hinsetzen? einen Mann!? Kollege, bei Ihnen piept’s wohl!

Natürlich kenne ich die andere Bewerberin, das ist seine Cousine. Die wollten die Aktionäre schon in den Aufsichtsrat setzen, aber seit die zurück ist aus Übersee, wird sie den anderen europäischen Buden mal zeigen, wo der Hammer hängt. Ja, die ist Bürokauffrau, zehn Jahre Vorstandssekretariat, die war so dicht an den großen Bossen dran, die weiß genau, wie die alle riechen! So dicht! Ja, dann ist das eben so, dass er auch ihr Cousin ist, aber mit Vetternwirtschaft kriegen Sie uns nicht. Und sie hat in dem Bereich schon gearbeitet, kennt die Prozesse und die zuständigen Leute. Das sind sogenannte Schlüsselqualifikationen, schon mal gehört? Ich werde hier jedenfalls nicht einfach einen Mann auf den Posten setzen, nur weil er ein Mann ist.

Ihnen fällt auch immer eine Entschuldigung ein, was? Ja, das Studium war sehr anstrengend, dann kam auch das erste Kind, die Frau konnte sich nicht um den Kleinen kümmern, weil seine Frau gerade das Qualitätsmanagement für die Halbleitersparte aufgebaut hat. Der Herr hatte eine Nanny, richtig? Der Herr hat die Vorbereitung auf seine beiden Staatsexamina auf dem Golfplatz absolviert, weil er meinte, dass das als adäquate Work-Life-Balance in unserem Aufsichtsrat durchgeht. Denken Sie denn, ich bin bescheuert?

Kommen Sie mir nicht mit der Männerquote. Männer sind möglicherweise für einige Branchen besser geeignet, weil ihnen schon in der Schule nur ein paar Fächer bleiben, in denen sie traditionell mit den althergebrachten Förderungsmodellen ganz gut zurechtkommen. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie das später im Berufsleben auch umsetzen können. Nur deshalb haben wir diese Schwemme an Juristen und Betriebswirtschaftlern, die eigentlich fürs Arbeitsleben nicht geeignet sind – sie nennen es dann Flexibilität und erklären es zu einem Vorteil, mit dem wir hier nichts anfangen können. Wenn ich jemanden für Stahl einsetze, will ich ihn nicht gleichzeitig fürs Europageschäft haben oder für den Flugzeugbau. Man muss doch seine Grenzen mal erkennen können, darum geht es doch.

Überhaupt diese ganze Emotionalität, ich kann das einfach nicht mehr haben. Wenn man einem Mann im mittleren Management einen anderen vor die Nase setzt, der das vielleicht schon zwanzig Jahre länger gemacht hat, das gibt doch sofort die größten Probleme. Uh, der weiß immer alles besser, ah, der spielt sich hier als Autorität auf, weil er so einen guten Draht zum Aufsichtsrat hat – ich habe solche Probleme immer nur mit Männern. Die sind auch nicht in der Lage, fachliche Weisungen von einer unmittelbaren Vorgesetzten anzunehmen, obwohl sie wissen müssten, dass das auf Grund von Unternehmensbeschlüssen und Best Practice so entschieden wird. Jedes Mal Theater, mindestens ein halber Weltuntergang. Ich kann keinen Konzern auf einem multinationalen Markt steuern, wenn ich ständig diese kleinen Jungs am Rockzipfel habe.

Meine private Meinung, und das behalten Sie jetzt bitte für sich: ein nicht ganz kleiner Teil der männlichen Angestellten wollen überhaupt nur bei uns arbeiten, weil sie hoffen, Heiratsmaterial finden müssen. Wo denn auch sonst? Das mag ja sogar legitim sein, aber wenn die Arbeitsmoral darunter leidet, dann habe ich dafür wenig Verständnis.

Männer sind einfach nicht anpassungsfähig, und da frage ich Sie: muss sich immer die Wirtschaft an Männer anpassen, oder können das nicht auch mal die Männer an die Wirtschaft? Für einfache, nicht so systemrelevante Tätigkeiten mag das ganz okay sein, aber doch nicht für Führungsaufgaben, in denen man auch die Humankomponente nicht außer acht lassen darf. Vielleicht ist das Konzept, das wir bisher mit Vollzeitarbeit und lebenslanger Tätigkeit für einen Arbeitgeber verfolgt haben, auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber das können wir nicht bestimmen, das muss sich erst gesellschaftlich entwickeln. Und jetzt machen Sie mir bitte einen Kaffee, Milch und zwei Stück Zucker.“





Störmanöver

10 03 2021

„Das ist ein gastronomischer Betrieb, und die sind momentan leider noch nicht wieder geöffnet. Da würden wir widerrechtlich handeln, wenn wir Ihr Eiscafé dazu benutzen, das geht nicht. Erst dann, wenn die Impfungen so weit vorangeschritten sind, dass wir gastronomische Betriebe öffnen können, sind in Ihrem Eiscafé Impfungen möglich.

Hier ist wirklich was los, kann ich Ihnen sagen – die Stadtverwaltung hat sogar eine Faxnummer für unsere Dienststelle freigeschaltet. Wir haben zwar kein Papier, das Faxgerät ist auch nicht mehr funktionsfähig, aber rein theoretisch sollte man uns auf diesem Weg erreichen. Damit wären wir dann exakt so effektiv wie das Gesundheitsamt, und wir könnten dann montags sofort die Faxe vom Sonntag lesen. Wie gesagt, rein theoretisch. Bis dahin haben wir diese 24-Stunden-Hotline, die drei Tage in der Woche jeweils von acht bis sechzehn Uhr besetzt ist. Also insgesamt 24 Stunden, nicht wahr?

Impfverteilungssicherstellungsamt, was kann ich für Sie tun? Nein, für Schnelltests sind wir nicht zuständig. Also das heißt, für Schnelltests sind wir schon zuständig, aber nur offiziell. In Wirklichkeit hätten wir die Informationen letzte Woche aus dem Bundesgesundheitsministerium bekommen müssen, aber der Bundesgesundheitsminister hatte keine Lust, sich darum zu kümmern. Er kriegt nächste Woche Besuch von ein paar Freunden aus der Finanzindustrie und muss vorher sein Schlafzimmer aufräumen. Ich gebe Ihnen gerne die Durchwahl, dann können Sie sich persönlich anpöbeln lassen.

In den anderen Ländern geht das natürlich viel schneller, aber da können wir in Deutschland nicht mithalten. Neuseeland zum Beispiel ist eine Insel, die haben überhaupt keine Probleme mit Grenzen, und was noch wichtiger ist: die haben überhaupt keine Probleme mit irgendwelchen durchgeknallten Suffköppen, die behaupten, dass wir Probleme mit Grenzen hätten. Oder England, da liegt es daran, dass sie die Störmanöver der EU nicht haben. Klar, wenn man nicht mehr in der EU ist, dann kann man so langsam impfen, wie man will, man landet nie an letzter Stelle. Oder man ist in der EU wie wir, dann muss es eben einen treffen, und es liegt dann ja an der EU und nicht an Deutschland.

Impfverteilungssicherstellungsamt, was kann ich für Sie tun? Sie können gerne für uns tätig werden, aber schätzungsweise erst im August. Bis dahin sollen sämtliche Betriebsärzte die Senioren und die Selbstständigen versorgen, dann werden die restlichen Deutschen unter 65 geimpft, und dann sind Sie als Hausärzte dran. Wobei wir laut unserem Zeitplan bis Ende Juli mit den Impfungen fertig sein wollen, das heißt, wir nehmen Ihre Adresse gerne auf, aber gehen Sie bitte davon aus, dass wir uns erst im Dezember wieder bei Ihnen melden, wenn uns hier die Scheiße bis zum Hals steht.

Sie müssen hier eine pragmatische Einstellung mitbringen, sonst wir das nichts. Beispielsweise die Logistik, die wollen wir möglichst zentral und sehr gründlich organisieren – wenn Sie die Impfdosen an die unterschiedlichen Kommunen liefern, dann geht das zu schnell. Das ist der Deutsche nicht gewohnt, damit kommt er nicht zurecht. Außerdem kriegen wir dann auch mehr Anrufe von irgendwelchen Interessenten, die uns ihre Räumlichkeiten für die dezentrale Impfung vorschlagen wollen, und dann sind wir ja noch überforderter. Wir müssen das ganz gründlich machen, sonst plant diese Eingreiftruppe im Bundesgesundheitsministerium eine neue Welle, und wir sind in der Zwischenzeit schon fertig mit den Impfungen. Das wäre katastrophal.

Außerdem wäre das ein Eingriff in die föderale Struktur, wenn wir als Bundesland einfach besser sind und die anderen überholen. Wir müssen im Prinzip langsamer sein aus Solidarität, damit die in den anderen Bundesländern gar nicht merken, wie beschissen es bei denen läuft. Das ist auch nicht so einfach, aber wir sehen das inzwischen auch als nationale Aufgabe.

Impfverteilungssicherstellungsamt, was kann ich für Sie tun? Ach, Sie sind es. Nein, wir können Sie als freiwillige Impfhelfer nicht beschäftigen, wenn Sie nicht dauerhaft arbeitslos sind. Jetzt sind Ihre Einkünfte ja erst mal weg, da Sie als Künstler keine Ansprüche auf Hilfsgelder haben, das heißt, Sie haben schon Ansprüche auf Hilfsgelder, aber gehen Sie mal davon aus, dass die nicht bewilligt werden oder die Aufforderung zur Rückzahlung mit derselben Post kommt. Wenn wir davon ausgehen könnten, dass Sie nur eine befristete Beschäftigung suchen, dann würden wir Sie einstellen, aber wir können ja vorher noch nicht wissen, wie lange die Impfungen dauern, verstehen Sie? Sie müssten also davon ausgehen, dass die befristete Beschäftigung befristet ist. Wir könnten die verlängern, aber das fällt dann wieder nicht in unsere Zuständigkeit.

Neulich wollte einer mobile Impfteams durch ländliche Regionen schicken. Wir haben uns nicht getraut, das dem Bundesgesundheitsministerium vorzuschlagen. Dass das teuer wird, ist klar, aber das muss ja auch jemand organisieren, und wenn die Bundeskanzlerin das mitkriegt, dann haben wir bald die nächste Eingreiftruppe am Hals. Scheuer organisiert vermutlich zwanzig Kleinwagen und Spahn einen Container für je hunderttausend Dosen zum Hinterherziehen. Auf dem Papier klappt das unter Garantie.

Impfverteilungssicherstellungsamt, was kann ich für Sie tun? Wen wollten Sie sprechen? Das deutsche Gesundheitswesen? Bedaure, das ist im Moment leider schwer erkrankt. Darf ich etwas ausrichten?“





Organversagen

8 03 2021

„Wer genau bestellt die Dinger jetzt eigentlich?“ „Welche Dinger?“ „Ist doch egal.“ „Wer die bestellt?“ „Nee, welche Dinger jetzt gemeint sind.“ „Leute, hier muss es mal ein bisschen strukturiert zugehen – jeder sollte doch wissen, wofür er nicht zuständig ist.“ „Sorry, ist unsere erste Pandemie.“

„Bin ich denn dann jetzt für die Impfdosen oder für Schnelltests zuständig?“ „Was haben Sie denn bisher gemacht?“ „Nichts.“ „Schon klar, aber in welcher Abteilung?“ „Keine Ahnung, deshalb frage ich ja.“ „Waren Sie im Verkehrsministerium?“ „Ich muss mal auf meinem Türschild nachgucken.“ „Die Ministerien haben sich aber jetzt geändert.“ „Ab wann?“ „In vier Wochen.“ „Also ist das bisher noch gültig?“ „Erst dann, wenn die Task Force mit der Einschätzung fertig ist.“ „Was schätzen die denn ein?“ „Ob die schnelle Eingreiftruppe eventuell zu spät kommt.“ „Nein, ob die überhaupt da ist.“ „Wo ist?“ „Das müssen Sie die schnelle Eingreiftruppe fragen.“ „Ich verstehe jetzt gar nichts mehr.“ „Deshalb haben wir ja die Task Force.“ „Ach so.“

„Warum müssen wir das denn alles machen?“ „Keine Ahnung, vielleicht, weil wir der Staat sind?“ „Das klingt schon mal logisch.“ „Andererseits wäre das privat viel preiswerter.“ „Für den Staat?“ „Für die Wirtschaft natürlich.“ „Solange es nicht unnötig preiswert wird für den Bürger, geht’s ja eigentlich.“ „Das verhindert schon die Task Force.“ „Ich dachte, die müssen erst warten?“ „Wahrscheinlich warten die, bis das Geld weg ist.“ „Oder die Tests gar nicht mehr gebraucht werden.“ „Das wäre natürlich echt eine Menge Geld.“ „Für die Impfung.“ „Eher für die Rentenkasse.“ „Ach so.“ „Soll ich mich darum kümmern?“ „Haben Sie Ahnung davon?“ „Nicht so wirklich.“ „Dann machen Sie mal.“ „Sie können ja fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen.“ „Was denn zum Beispiel?“ „Woher soll ich das denn wissen?“

„Haben wir einen Finanzplan?“ „Leute, das muss doch jede Abteilung selber wissen!“ „Also eher nicht.“ „Wir haben einen, aber es ist zu teuer.“ „Das heißt, wir machen es trotzdem?“ „Bisher war das immer so.“ „Aber jetzt müsste man das Geld ja direkt an den Bürger zahlen.“ „Man könnte das der Wirtschaft…“ „Gut, die Friseure haben ja schon ein bisschen was gekriegt.“ „Das ist aber doch nicht die Wirtschaft?“ „Egal, das ziehen wir ab.“ „Wovon?“ „Was wir für die Tests ausgeben.“ „Ich dachte, die müssen wir erst besorgen?“ „Bezahlen wir diesmal erst hinterher?“ „Das sehen wir ja dann.“ „Gut, ich weiß aber nicht, wen ich fragen soll.“ „Was denn?“ „Keine Ahnung, deshalb frage ich ja.“

„Haben wir das eigentlich bei der Bankenkrise damals auch so gemacht?“ „Nee, da ging es ja um etwas.“ „Stimmt auch wieder.“ „Können wir das jetzt nicht einfach wieder so machen?“ „Und was schwebt Ihnen da vor?“ „Jeder sagt, wie viel Geld er will.“ „Und dann kriegt er das einfach so?“ „Manchmal auch mehr.“ „Und das funktioniert?“ „Nee, aber wir könnten das ja wieder so machen.“ „Das kennen die Leute.“ „Das ist allerdings ein Argument.“ „Gut, das lasse ich gelten.“

„Und wer macht jetzt diese Strategie?“ „Welche Strategie nun schon wieder?“ „Meinen Sie den Plan oder das Konzept?“ „Da hatten wir auf jeden Fall noch eine Blaupause, ich weiß aber nicht mehr, wofür die genau war.“ „Wir können ja erst mal die nehmen.“ „Das war irgendwas mit Fußball.“ „Das können wir!“ „Die letzte WM war nicht so der Hit.“ „Dann eben die, die wir hier in Deutschland…“ „Das war das mit der Bestechung?“ „Ich sage doch, das können wir.“ „Dann lassen Sie uns doch die Planung für die Tests gleich mit der Beschaffung zusammenlegen, das ergibt Synergieeffekte!“ „Was hat das jetzt damit zu tun?“ „Sagt man das nicht?“ „Das kostet ja Arbeitsplätze.“ „Sagt man das nicht auch?“ „Meine Güte, jetzt mal ein bisschen flott!“ „Nicht so schnell, wir müssen die Kompetenzen erst noch klären.“ „Genau, in Deutschland muss das Regierungsversagen ordentlich organisiert werden.“ „Dafür regiert momentan das Organversagen.“

„Und wenn wir jetzt auch am Wochenende und nachts impfen würden?“ „Nachts wäre ja okay, aber am Wochenende?“ „Was das kostet!“ „Die anderen machen das doch auch.“ „Welche anderen?“ „Ich habe gelesen, die Leute gehen jetzt sogar rund um die Uhr zum Friseur.“ „Dann denken Sie doch mal nach: wenn die Leute rund um die Uhr zum Friseur gehen, wann sollen sie sich denn dann noch impfen lassen?“ „Wie gesagt, am Wochenende.“ „Das gibt unschöne Bilder, wenn die ganzen Demonstranten demonstrieren, weil man ihnen das Wochenende nimmt.“ „Wann sollen die denn demonstrieren?“ „Keine Ahnung, am Wochenende?“ „Planen Sie da mal was.“ „Dass die Impfungen…“ „Für die Demos am Wochenende, wir müssen das irgendwie aus dem Fernsehen rauskriegen.“ „Bis Ende März ist uns da sicher irgendwas eingefallen.“ „Machen Sie das selbst, oder fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt.“ „Wen denn?“ „Weiß ich auch nicht.“

„Koordiniert das denn einer?“ „Wer denn?“ „Und was?“ „Das war jetzt eine rhetorische Frage, richtig?“ „Das hatte ich nicht mitgekriegt.“ „Kein Problem, keiner weiß hier, worum es geht.“ „Dann ist ja gut.“ „Ich muss aber noch mal nachfragen: das hier ist eine Absichtserklärung.“ „Haben Sie etwa ein Problem damit?“ „Als Politik müssen wir wissen, was am Ende herauskommen soll.“ „Im besten Fall natürlich.“ „Das heißt, wir machen das hier alles mit Absicht!?“ „Jetzt regen Sie sich mal nicht so auf, das hat sich bestens bewährt.“ „Wie das denn?“ „So kann uns wenigstens niemand Fahrlässigkeit vorwerfen.“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLIII): Die Kinder der Mittelschicht

26 02 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ja, es ist alles so fürchterlich, weil nämlich niemand, wirklich keiner, und zwar buchstäblich keine Sau an die Kinder denkt! Schrecklich! Es ist eine Tragödie! Wir werden alle sterben – das war bisher weder Herrschaftswissen noch stand es im empirischen Kontext je ernsthaft zur Debatte – und die Kinder auch! Die Kinder! Nein, vor einer Kita die asozialen Hohlpfosten aus ihren SUVs zu zerren, ihnen bei Geschwindigkeitsüberschreitung in Tateinheit mit ungebremsten Überfahren eines Fußgängerüberwegs den Schlagring durch den Gesichtsübungsversuch zu ziehen und die Reste in der Kanalisation zu verklappen, das geht nicht. Im Namen der Freiheit Bambini zu opfern für das deutsche Menschenrecht auf Auto, das ist süß und ehrenvoll, vor allem für unterprivilegierte Opfer, die ja einfach neue Kinder in die Welt setzen, wenn man sie nicht rechtzeitig verhungern lässt. Dass in der benachbarten Grundschule der Unterricht auch mal ausfällt, der Putz von der Decke bröselt und die sanitären Einrichtungen eher den Hygienestandard einer Spulwurmaufzuchtstation haben, das ist nicht schön, aber wen interessiert’s. Dass der Nachwuchs der Latte-macchiato-Mammis in der Krabbelmäuse-Gruppe jetzt keinen ganzheitlich vor Erdstrahlen geschützten, regional aufgezogenen Ökorosenkohl mehr kriegen, das macht uns voll total betroffen. Weil diese kollateralbekinderten Grützbirnen der Mittelschicht angehören und wichtig sind.

Wie tröstlich klingt das alles: unsere Kleinen, sie brauchen soziale Zuwendung, die aus staatlicher Hand quillt, Schule als Heimstatt des Humanen, Reit- und Geigenstunden, damit sich bürgerliche Tugend vom Säugling an in Untertanenköpfen fest mit der Vaterlandsliebe verschwiemelt. Fördern ist unsere zweite Natur, Kindeswohl und Schutz der Schwächsten in unserer Gesellschaft lösen wohlig patriotische Gänsehaut aus, wo sie an erster Stelle stehen im Gemeinwesen. Wen würde es nicht zu Tränen rühren, der das in dieser kalten Welt sähe?

Am Arsch. Ginge es den Profilneurotikern um Kinder, sie würden den Fiedelunterricht gegen eine warme Mahlzeit tauschen, den mehr Eltern nicht finanzieren können, weil sie leider kein ausreichend relevantes Einkommen mitbringen, um Laberlurche im Kanzlerwahn auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Da werden psychische Auffälligkeiten und voraussichtlich lebensbedrohliches Bauchweh als emotionale Totschlagargumente aus Schmierseife geschnitzt, damit man sich nicht erinnert, dass die Kinder ihnen bisher an der Rosette vorbeigingen – auch und gerade unter Aspekten wie Bildung oder Gesundheitsschutz, auch und gerade in pandemisch zugespitzten Verhältnissen.

Ähnlich funktionieren Politiker sonst nur im Wahlkampf, weil sie dann erst recht ein Interesse haben, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Alles abholzen, weil man auf der Trasse durch den Wald eine dufte Autobahn hinklotzen kann, die zufällig zehn Amigos kostenlose Verkehrsanbindung an die Produktionspaläste garantiert? Aber Naturschutz ist doch wichtig, der deutsche Baum muss wieder in unsere familienfreundlichen Naherholungsgebiete mit Schmetterling und Singvogel locken! Rind und Schwein werden als mastfreundliches Eiweiß unter hygienisch abstoßenden Bedingungen mit allerlei Medikamenten vollgepfropft, vor und nach dem Abschlachten hunderte von Kilometern durch die Landschaft gekarrt, weggeballert, zerteilt und in Plastik eingeschweißt in die Supermärkte gekippt? Hallihallo, Milch von glücklichen Bio-Kühen, sonst stresst der Verbraucherschutz wieder sinnlos herum! Der Senior deliriert sauber und satt vor sich hin, damit Pflege und Medizin die Goldgrube für Aktionäre bleibt, die fette Rendite verspricht statt ethischer Standards? Aber es ist Wahlkampf, und jede Stimme zählt! Wobei man derart komplexe Zusammenhänge schon oberhalb des intellektuellen Verständnisrandes sehen kann, den ein Politiker mit der Trittleiter erreichen kann.

So sind dem durchschnittlichen Feuchtbeutel auch die begabten Schülerinnen aus Familien mit Fluchthintergrund herzlich egal, wenn er sie nicht in seinem innenpolitischen Programm als potenziell straffällige Jugendliche zu Abschiebekandidaten hochstilisieren kann, denen man Abitur, Studium oder sonstige Wohltaten angedeihen lassen muss, die bekanntlich nur ihnen selbst nutzen. Das Kind ist für ihn nur ein Accessoire, das man für hübsche Fotos auf den Arm nehmen kann, wenn gerade kein Hund greifbar ist. In seltenen Ausnahmefällen, etwa bei knappen Prognosen, lässt er sich schon mal im sozialen Brennpunkt sichten, wo so gut wie kein digitaler Unterricht stattfindet, nicht einmal in der notwendigen Präsenzbeschulung, da schlicht keine Mittel zur Verfügung stehen für Menschen, die später Auffüllmaterial für die Unterschicht werden, weil sie nicht einmal von ihren neoliberalen Eltern auf den persönlichen Vorteil getrimmt werden und mit solidarischem Verzicht das Pack alimentiert, das vorgibt, sich um ihr Seelenheil zu kümmern. Gut, dass keiner sie auf den Arm nimmt. Am Ende würden sie noch Zeugen, wie man diese Schnösel einebnet, bis sie wie Wahlplakate aussehen, die am Bionadeviertelspielplatz herumhängen. Für uns alle.





Kindeswohl

18 02 2021

„… dass Entwicklungspsychologen inzwischen deutliche Parallelen zum Zweiten Weltkrieg sehen würden. Die Situation der Schulkinder sei durch die Pandemie in einem unerträglichen…“

„… sei es der EU nicht zuzumuten, Kinder in den Lagern anders als Erwachsene zu behandeln. Sie hätten sich zwar nicht aus freiem Entschluss in die aktuelle Aussichtslosigkeit gebracht, man dürfe sie aber nicht dem eigenverantwortlichen Handeln ihrer Eltern entziehen, das für die…“

„… schwere Ausnahmezustände bei Kindern unter zehn Jahren konstatiert hätten. Durch den Wegfall geregelter Mahlzeiten, die sich teilweise um bis zu eine Viertelstunde verspäten könnten, sei die Versorgung mit lebenswichtigen Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen extrem…“

„… würden Freiheit und Menschenrechte in der Europäischen Union besonders hoch angesehen. Ein zum Suizid bereites Kind dürfe eben gerade als Folge der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit nicht an seiner Tat gehindert werden, wenn die EU zu ihren Grundwerten und damit verbundenen…“

„… würden Eltern die Behandlung ihrer Kinder inzwischen offen als ‚faschistoiden Staatsterror‘ bezeichnen. Allein in Sachsen-Anhalt gebe es zwei Mitglieder eines Vereins für Freiheitliches Denken, die dieser Aussage vollinhaltlich…“

„… gebe es nicht ausreichend Verpflegung für alle Kinder. Dies bedeute allerdings nicht, dass die EU gezielt Menschenrechte missachte, da sie nur für Inhaftierte in besonderem Gewaltverhältnis eine einklagbare Fürsorge trage, nicht aber für alle, die durch höhere Gewalt oder ähnliche Umstände in…“

„… sich Kinder mitunter nicht ins heimische Bad zu gehen getraut hätten, da sie die von den Schultoiletten gewohnte fingerdicke Schmutzschicht am Boden vermissen würden. Nach dem Urteil eines Arztes führe dies unweigerlich zum Zusammenbruch des Immunsystems, so dass eine noch schnellere Infektion mit dem…“

„… vier der fünf untersuchten Kinder der Aussage Ich fühle mich durch die links-grünen Maßnahmen zur Vernichtung der deutschen Wirtschaft in meiner verfassungsmäßig garantierten Entfaltung der Persönlichkeit behindert eher zustimmen würden. Drei der vier Probanden in der Altersgruppe bis drei Jahre würden sich stark mit Sophie Scholl identifizieren und hätten Angst, durch somatoforme Störungen nicht wie vorgesehen das Studium der Betriebswirtschaftslehre oder…“

„… dass es nicht fair von den Kritikern sei, die Rechte der in Deutschland lebenden Kinder zum Maßstab des Regierungshandelns zu nehmen. Das Kindeswohl stehe nur da an oberster Stelle, wo es durch erfolgreiche Maßnahmen in einem effektiven Staatswesen zur Sicherung der sozialen…“

„… psychiatrische Auffälligkeiten sich erst nach der Pubertät zeigen würden. So sei es auch nicht auszuschließen, dass elterliche Erziehung nach dem Ende des Homeschooling nicht mehr angenommen werde, was zur intensiven Beschäftigung mit Linksextremismus und anderen Formen des…“

„… sämtliche Regierungschefs innerhalb der EU ein Grundrecht auf Bildung ablehnen würden. Zahlreiche Kinder hätten zwar in ihrer Heimat keine Bildungsmöglichkeiten, viele von ihnen seien jedoch zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch zu jung für den Schulbesuch gewesen und würden jetzt als nicht integrationsfähige Zuwanderer eine schwere Belastung für die nationalen Systeme des…“

„… habe sich die signifikante Steigerung des Krankheitsbildes von 0,095% auf 0,098% durch empirische Untersuchungen seit 1949 ergeben. Unter den Symptomen steche besonders Aua im Bauchi hervor, das für mehrere hundert potenziell tödlich verlaufende Erkrankungen…“

„… auch als Eingriff in die Autonomie der Eltern sehe. Die politischen Verantwortungsträger seien nicht in der Pflicht, Erziehungsmaßnahmen in den Auffanglagern zu bestimmen oder Eltern in ihrem individuellem Verhalten zu kritisieren. Auch vorsätzliche Vernachlässigung der Aufsichtspflicht könne derzeit nicht mit jugendrechtlichen Folgen geahndet werden, da es größtenteils an Kooperation seitens der Flüchtlinge fehle, die sich nicht an den Wertekanon der europäischen…“

„… fehle den Kindern inzwischen die feste Tagesstruktur. Es sei nicht auszuschließen, dass sie sich daran gewöhnen und den Schulabschluss ganz verweigern würden, um sich bewusst arbeitslos zu melden und durch anstrengungslosen Wohlstand in der spätrömischen…“

„… dass zahlreiche Experten negative Auswirkungen verneinen würden. Erzieherische Maßnahmen könnten die Folgen der Lagerhaft fast vollständig beseitigen, eine Beeinträchtigung für den späteren Schulbesuch sei nicht zu…“

„… könnten Kinder durch die Fixierung auf den Computer schnell Suchterkrankungen entwickeln. Erst die Wiedereingliederung in deutsche Schulen, die durch die unermüdlichen Anstrengungen aller Kultusminister vollkommen frei von Digitaltechnik seien, werde die Rettung für viele wehrlos den Gefahren der Zukunft ausgesetzte Kinder sein, die wieder in staatlicher Obhut seien, so dass die wirtschaftliche Entwicklung sich endlich…“

„… seien Kinder in den Lagern eher vor einer Infektion mit den neuartigen COVID-Mutanten geschützt, da sie dort weniger Kontakt zu Touristen aus Großbritannien oder Südafrika hätten. Die EU sehe dies als Gesundheitsschutz und werde diese Lage auch nicht mutwillig ändern, um kein Übergreifen auf Polizei, Militär oder…“





Oberklasse

11 02 2021

Dass die Agentur in einem Jugendstilpalais in der Vorstadt residierte, machte mich nicht stutzig. Es fiel nur auf, wie attraktiv die Empfangskräfte durch die Halle stolzierten, wie normalerweise auch die drittklassigen Zahnärzte ihre Helferinnen rein nach dem Aussehen einzustellen pflegen. Immerhin fand Herr Bummelburg schnell Zeit für mich. Er hatte mir ja auch lange genug in den Ohren gelegen.

„Vergessen Sie das mit den Unterlagen“, gab er mir zu verstehen. „Natürlich haben wir immer den größten Bedarf nach Mitarbeitern, die schwierige Aufgaben und große Herausforderungen nicht scheuen, und da hatten wir sofort an Sie gedacht.“ Ich nahm Platz und betrachtete das Büro. Es war groß und von standesgemäßer Geschmacklosigkeit. „Wir haben jede Menge offener Posten, natürlich momentan zeitlich begrenzt, aber glauben Sie mir: nach der Wahl wird man sich bestimmt an Sie erinnern und erneut auf Sie zurückgreifen wollen.“ Ich nippte an der Teetasse, eine besonders stumme Dame brachte noch Konfekt und ein paar Zigarren in den Raum. So luxuriös war ich noch nie zu einer Vorstellung eingeladen worden. „Man muss die Form wahren“, erläuterte Bummelburg. „Wir haben Aufträge aus den höchsten Kreisen, da ist unser Ruf, die Menge der Bewerber – wir nehmen nun einmal nicht jeden und machen von Anfang an klar, dass wir die Oberklasse sind.“ Der Tee schmeckte ähnlich dünn.

„Verstehen Sie denn etwas von Politik?“ Noch war ich unschlüssig, was ich antworten sollte, aber Bummelburg lächelte beruhigend. „Man kann sich alles im Laufe der Tätigkeit beibringen“, sagte er. „Die meisten Berater sind natürlich Quereinsteiger und bringen jetzt nicht im klassischen Sinne eine Expertise mit, aber das kommt auch immer darauf an, wie Sie sich im Ministerium verkaufen.“ Ich stutzte. „Im Ministerium?“ Bummelburg nickte. „Wir haben da eine ganz klare Vision: nur die beste Leistung für die besten Kunden. Und die Honorare sind in den Bundesministerien nun mal sehr viel höher als sonst.“ Dem Diagramm entnahm ich, dass ein Experte für strategische Beratung direkt unter dem Heimatminister angefordert wurde. „Das ist jetzt eher tiefgestapelt“, lächelte Bummelburg. „Wir haben ja damals dieses Pseudoministeramt auch erst erfunden, damit keiner in den Rechnungen merkt, wenn der Innenminister sich Berater ins Haus holt.“ „Und was mache ich da?“ Er zuckte die Schultern. „Dies und das, aus Gründen der Geheimhaltung erfahren wir das immer erst, nachdem die Verträge bereits laufen und die Berater auf ihrem Posten sind.“ Ich würde also einen wichtigen Minister in einer Angelegenheit beraten, von der er selbst nicht viel, ich aber sicher noch viel weniger verstünde. „Das kann sein“, bestätigte Bummelburg. „Das ist seit Jahren unser Geschäftsmodell.“

In der Ausschreibung hatte es noch geheißen, Kenntnisse von Verteidigungspolitik, Steuerrecht oder Umweltschutz seien von Vorteil. „Das ist immer eine Augenblicksentscheidung“, gab der Inhaber zu bedenken. „Da in den meisten Ressorts Minister mit, sagen wir mal: flexibler Inkompetenz sitzen, müssen wir oft nach persönlicher Sympathie besetzen, und das beruht ja nicht automatisch auf Gegenseitigkeit. Wobei unsere Honorare die Sache natürlich etwas einfacher machen.“ Die Mappe sah eine gründliche Einarbeitungsphase vor, die von einer Unternehmensberatung zu leisten war. „Ich werde dort in sicherheitspolitische Fragestellungen eingeführt, richtig?“ Bummelburg schüttelte den Kopf. „Nennen wir es mal Produktschulung, Sie wollen der Bundesregierung schließlich auch Ihre Lösung verkaufen.“ Das musste ich erst einmal auf mich wirken lassen.

„Schauen Sie“, begann Bummelburg, „Sie decken keine Probleme auf, Sie werden bei den üblichen Problemen gerufen, um einer Regierung Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.“ „Ich helfe nicht? Wozu werde ich denn dann…“ Er winkte ab. „Sie greifen nicht ein, oder wollen Sie etwa langwierige Auseinandersetzungen über Fragen der Haftung auf sich laden?“ Das leuchtete mir ein. „Sie verkaufen der einen Regierung dies, der nächsten jenes – jede löst ja ihre Probleme anders, immer vorausgesetzt, dass sie die überhaupt als solche erkennt.“ „Also arbeite ich gar nicht nachhaltig?“ Bummelburg riss die Augen auf. „Das wäre nicht nur das Ende jeder Beratertätigkeit, damit schaden Sie der gesamten Branche. Am Ende setzen sich Ausschüsse und Gremien noch auf den Hosenboden und machen ihre Hausaufgaben, damit sie Staatssekretären und Ministern selbst zuarbeiten können!“ Ich hatte ja keine Ahnung gehabt, schon gar nicht von Politik.

Er goss ein wenig Tee nach. „Sie sind bei uns in Zukunft für die Qualität der Politik zuständig, denn sehen Sie mal, so gute Berater wie uns wird man in der Politik selbst niemals finden.“ „Was am Gehalt liegen könnte“, mutmaßte ich. Er nickte. „Warum gehen Sie mit Ihren Leuten dann nicht einfach auch in die Politik und sorgen nebenbei für ein höheres Gehaltsniveau?“ Bummelburg lächelte. „Das wäre nun doch ein bisschen einfach. Zum einen hat sich das System bewährt, zum anderen genießen wir damit einen unschätzbaren Vorteil.“ Ich kam nicht darauf. „Nun“, schloss Bummelburg, „Wir können nicht einfach abgewählt werden.“

Der Fahrstuhl glitt langsam hinab. Ich war im Besitz eines mittelprächtigen Auftrags. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der mir Grundlagen der Außenpolitik beibrachte. Oder etwas Virologie.





Herdenschutz

9 02 2021

„Um Gottes Willen, Sie können doch Fußballer nicht mit Applaus abspeisen!“ „Wollen Sie denen etwa Geld in die Hand drücken?“ „Das wäre ja im Profisport mal etwas ganz Neues.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Stellen Sie sich mal diesen Skandal vor, wenn es heißt: ab sofort kein Fußball mehr, Spieler werden nicht geimpft!“

„Also es gibt auch Wichtigeres im Leben als ausgerechnet Fußball.“ „Frauenfußball?“ „Er meint sicher Handball“ „Wer sorgt denn bitte dafür, dass Sie sicher durch die Krise kommen?“ „Ach so, ja. Taxifahrer.“ „Denken Sie doch auch mal an die Allgemeinheit.“ „Das macht er doch aus Prinzip nie.“ „Busfahrer?“ „Politiker, oder wer bringt uns denn bitte heil durch diese Krise?“ „Gut, dass man davon nichts merkt.“ „Deshalb sollte man Politiker auch bevorzugen, einer muss ja die Entscheidungen treffen.“ „Welche Entscheidungen?“ „Zum Beispiel, wer wann geimpft wird.“ „Das können die im Impfzentrum bestimmt auch alleine.“ „Aber es muss jemand die Verantwortung dafür übernehmen, oder wie hatten Sie sich das vorgestellt?“ „Das ist mir jetzt neu.“ „Dass jemand die Verantwortung für die Krise übernehmen muss?“ „Dass jemand die Verantwortung übernimmt.“

„Wir sollten nicht unbedingt nur Abgeordnete im Bundestag impfen.“ „Landtage auch?“ „Im Prinzip ist ja jeder Kommunalpolitiker für seine politischen Entscheidungen zuständig und muss daher die nötige Unterstützung bekommen.“ „Und die Familien natürlich auch.“ „Wieso die Familie?“ „Sie können doch nicht einen Bürgermeister impfen und seine Frau nicht.“ „Da greift doch irgendwann auch der Herdenschutz.“ „So viele Politiker gibt es in Deutschland nun auch wieder nicht.“ „Man sollte da nach Parteienproporz vorgehen.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Also erst CDU und dann SPD?“ „Die machen ja die meiste Arbeit in Deutschland.“ „Und wenn man nun im Osten lebt?“ „Da sind die Unterschiede zwischen Nazis und CDU nicht groß, das impft sich so weg.“

„Wir müssten irgendwie volksnäher werden.“ „Wenn Sie das mit dem Applaus ernst gemeint haben sollten, scheiden Einzelhandelsmitarbeiter schon mal aus.“ „Naja, die bekommen von ihrem Arbeitgeber die Masken umsonst.“ „Oder zum Selbstkostenpreis.“ „Oder müssen sie nur tragen, wenn der Filialleiter im Laden ist.“ „Das wäre ja echt eine Verschwendung, wenn man die impfen würde.“ „Vor allem bei deren Exposition!“ „Da könnte man ja gleich Lehrer vorziehen!“ „Das ist meines Erachtens nach verfassungsrechtlich schon nicht zu halten, weil die ja gerade alle Homeoffice machen und daher mehr Recht auf körperliche Unversehrtheit durchsetzen als andere.“ „Was hat das mit dem Grundgesetz zu tun?“ „Das muss ja man Lehrer nicht impfen?“ „Die haben sich ihren Beruf ausgesucht, und außerdem sind die nur für einen sehr kleinen Bevölkerungsausschnitt da, für Kinder nämlich – die sollten aber mal ganz kleine Brötchen backen!“

„Da würde ich ja Friseure bevorzugen.“ „Das sehe ich auch so.“ „Die arbeiten schließlich für alle in der Bevölkerung.“ „Und was meinen Sie, was die Frauen uns in ein paar Wochen auf den Zeiger gehen, wenn sie nicht wieder zum Friseur gehen können!“ „Das ist sozialpsychologisch absolut nicht abwegig.“ „Und die Gefahr der Schwarzarbeit im Lockdown ist ja ständig gegeben.“ „Wobei so ein Salon mit Hygienekonzept eigentlich auch ganz gut funktionieren würde.“ „Man will die Berufsgruppe ja nicht in die Illegalität zwingen.“ „Und es würde eine Signalwirkung sein für viele Unternehmen.“ „Aber nicht zu sehr!“ „Naja, in dem Zuge ist es vielleicht auch für Nagelstudios…“ „Also das wäre jetzt sicher ein Dammbruch.“ „Haben Sie eine Ahnung, wie mir meine Frau seit Weihnachten auf die Nerven geht?“

„Man muss ja die Wirtschaft im Auge behalten, damit sich die Auswirkungen dieses Lockdowns nicht übermäßig auswirken.“ „Ich würde an der Stelle Arbeitslose berücksichtigen.“ „Wen!?“ „Jetzt hat er die falsche Spritze erwischt.“ „Wofür braucht man Arbeitslose?“ „Meine Güte, denken Sie doch mal nach: um die Löhne stabil zu halten.“ „Also stabil im Keller.“ „Genau, und wenn wir immer ausreichend Arbeitslose haben, die als Ersatz für die Niedriglöhner da sind, kann man die Niedriglöhner auch in ihrem Niedriglohn lassen.“ „Oder aber den Lohn drücken.“ „Und Sozialleistungen abbauen.“ „Das eine muss das andere ja nicht ausschließen.“ „Ein bisschen Spaß muss die Pandemie machen, sonst macht sie keinen Spaß.“ „Eben!“ „Und da das insgesamt die Aktien stabil hält, muss man die Arbeitslosen schützen.“ „Wäre es denn da nicht klüger, man würde gleich die Niedriglöhner impfen, um die bestehenden Arbeitskräfte in ihren Jobs zu halten?“ „Also jetzt bitte keine Sentimentalitäten, sonst kommt hier noch jemand auf die Idee und schickt das gesamte Pflegepersonal zur Impfung.“ „Wenn Sie mich fragen, das setzt sich nicht durch.“ „Mit welcher Begründung denn?“ „Vermutlich macht zu viel Applaus habgierig.“ „Dann sollen die erst mal das leisten, was unsere Fußballer für ihre Gehälter tun.“ „Das kann man gar nicht miteinander vergleichen.“ „Eben, auf der einen Seite ein Beruf, den quasi jeder erlernen kann, und auf der anderen Seite Talente, die über sich nur die Gesetze des Marktes haben.“ „So sehe ich das auch.“ „Gut, also Fußballer?“ „Aber direkt danach Politiker.“ „Und dann eventuell wir.“ „Wir?“ „Sie?“ „Was soll das denn jetzt?“ „Naja, es muss doch einen geben, der in der Pandemie einen klaren Kopf behält und die Ansagen macht, wie wir da durchkommen, oder?“





Positive Grundstimmung

8 02 2021

„… vermehrt zu starken Stresssituationen unter dem Christbaum komme. Es sei für die Politik ein wichtiges Anliegen, das Weihnachtsfest in diesem Jahr zu verbieten und die…“

„… müsse man das Weihnachtsgeschäft gar nicht verbieten. Laschet habe vor, frühzeitig im Land der Spielwarenläden 48-Stunden-Shopping- Wochenenden für die ganze Familie zu…“

„… auch in Berlin und Baden-Württemberg die Weihnachtsferien ausfallen lassen werde. Für die Bildungsministerin sei es nicht hinnehmbar, dass Kinder zwei Wochen lang ohne psychologische Betreuung durch Lehrerinnen zu Hause bleiben und die Eltern von ihrer Arbeit abhalten müssten, was ebenfalls zu einer Verschärfung des…“

„… habe ein Verband alternativer Virologen vor den Folgen für das Immunsystem kleiner Kinder gewarnt. Bis zum Alter von vierzehn Jahren müsse der Antikörperbestand ständig angeregt werden, was durch die hermetische Abriegelung zu Hause gar nicht möglich sei, wenn nicht große Feiern in Schulen und Kitas für ausreichende Stimulierung mit den notwendigen…“

„… dass auch Menschen mit psychischen Erkrankungen unter den Weihnachtstagen leiden würden, vor allem allein Lebende. Keiner dürfe zum Fest der Liebe wegsehen, so Giffey, und müsse stattdessen durch solidarisches Handeln am Arbeitsplatz sowie an der…“

„… die christlichen Traditionen trotzdem aufrecht erhalten müsse. Nordrhein-Westfalen als Land des Tannenbaums wolle selbstverständlich den Verkauf des Weihnachtsschmucks weiterhin mit mehreren Milliarden Euro fördern, gleichzeitig verlange Laschet aber, dass über die Festtage die Schulen und Kitas weiterhin geöffnet blieben, um eine ungesunde Fixierung auf die Eltern nicht…“

„… warne der neu gegründete Verband für kindgerechte Medienerziehung vor dem einseitigen Angebot an Kindersendungen im Fernsehen, das Eltern und Kinder gleichermaßen überfordere und für einen Abbau des in Kita und Grundschule vor den Ferien erworbenen Grundschulwissens führe. Nur durchgehende Betreuung durch pädagogisch geschultes Fachpersonal könne verhindern, dass durch den Medienkonsum Schäden an der späteren Befähigung für Konsum, Arbeitsfähigkeit und…“

„… würden sich unter den seit dem Spätsommer geltenden Corona-Regeln immer noch sämtliche Mitglieder eines Hausstandes mit einem, oft aber verbotenerweise mehreren Personen versammeln, um das Weihnachtsfest gemeinsam zu verbringen. Man könne die Gefahr nur durch sofortige und vollständige Schulöffnungen eliminieren, wo die Kinder unter ständiger Aufsicht durch die…“

„… dass etwa unter Depressionen leidende Menschen vermehrt Alkohol zu sich nehmen würden. Auch wenn psychisch erkrankte Bürger selbst keine Kinder hätten, die sie für den Kita- oder Schulbesuch täglich versorgen könnten, würde doch die aus der Gesellschaft zurück kommende positive Grundstimmung für sie eine erhebliche…“

„… die emotionale Verflachung von Kindern zu spüren sei, die oft tagelang nur mit den neuen Weihnachtsgeschenken spielen würden. Der neu gegründete Arbeitskreis für Kind und Spiel unter besonderer Berücksichtigung der erzieherischen Wirkung auf berufsbildende Eingangsqualifikation fordere eine schnell einsetzende Diversifikation der psychologischen und motorischen Wirkreize für Kinder im schulischen Umfeld durch die…“

„… sehe Streeck eine Unterbrechung von gut zwei Wochen als statistische Verfälschung, die die Prognose der letalen COVID-19-Erkrankungen der Infektionsgruppe unter zwölf Jahren nicht mehr mit der geforderten Genauigkeit erlaube. Für die freie Wissenschaft müsse man jedoch Bedingungen schaffen, die die möglichst ungestörte Beobachtung des Objekts in Hinblick auf weitere politische…“

„… dass Kinder irgendwann Homeschooling-Ausrüstung oder sogar Computerunterricht in den stationären Schulen verlangen würden. Giffey wolle die kindliche Bildung so lange wie möglich vor dem Zugriff nicht altersgerechter Technologien schützen und werde deshalb auch die Freigabe weiterer Gelder für die Digitalisierung erst im…“

„… seien Kinder in der Familie mitunter einem klar strukturierten Tagesablauf ausgesetzt, der so in der Schule nicht mehr einheitlich reproduziert werden könne. Auch in Hinblick auf die dringend in vielen wirtschaftlichen Bereichen geforderte Flexibilität wolle Altmaier die privaten Haushalte nicht zum Vorbild gesellschaftsschädlicher…“

„… bekämen Kinder auf dem Schulweg viel mehr frische Luft, um ihr Immunsystem vor dem Virus zu schützen. Der neu gegründete Arbeitskreis der Lungenärzte habe errechnet, dass ein Kind sogar auf dem Weg zum Schulbus, der hundert Meter an einer ausschließlich von Dieselfahrzeugen benutzten Schnellstraße entlangführe, erheblich weniger Zigarrenrauch als im häuslichen…“

„… zentrale Aufgaben wie Gesundheitsschutz und politische Erziehung nicht durch ideologische Irrwege in der Familie zerstört werden dürften. Im Gegensatz zur Schule sehe Seehofer die Gefahr einer Indoktrination zum Linksextremismus vor allem in den Privathaushalten, die unter festlichen Stressbedingung leicht in den Terrorismus abgleiten und sofort zu gewaltsamer…“

„… aus medizinischer Sicht nicht länger zu verantworten sei. Abgesehen von Tannenbaum- und anderen Zimmerbränden, die statistisch signifikant häufiger in Wohn- als in Schulräumen stattfänden, seien häusliche Gewalt und häusliche Unfälle schon von der Definition im schulischen Umfeld gar nicht möglich, was für Giffey bedeute, dass nur total verantwortungslose Menschen auf Präsenzferien in der Wohnung der total überforderten…“

„… sich Bundeskanzler Merz in die Debatte eingeschaltet habe. Es sei Aufgabe des Staates, die Erziehung und Bildung der Kinder unter seine Obhut zu nehmen. Wer sich durch Arbeitslosigkeit oder Erbkrankheit in die Rolle des Kostgängers am schaffenden Volke schleiche, wie es eigentlich nur dem gebärenden Weib zustehe, der dürfe sich in einem Sozialstaat doch versichert sehen, dass die ab 2023 geltende Aufstallung in Krippe und Schule mit vermögensabhängiger Befreiung von der Ferienpräsenz der Zukunft Deutschlands am Wertpapiermarkt eine noch viel größere…“