In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXIV)

12 10 2019

Es hämmerte Karel in Gösen
am Leisten zwei Reihen von Ösen.
Die eine saß schief, doch
inzwischen zu tief. Loch
für Loch konnte er nicht mehr lösen.

Agusti, der putzt in Arans
den Festsaal heraus für den Tanz.
Zwar fehlen Girlanden
und Schmuck, doch sie fanden
vom letzten Jahr noch einen Kranz.

Es eilte sich Vojtěch in Dolzen,
ein Wäldchen komplett abzuholzen,
um darauf den Boden
auch noch abzuroden.
Man kann immerhin darauf bolzen.

Mulumba, der kroch in Mungbere
am Zaun entlang mit einer Schere –
die diente dem Zwecke
der Schonung der Hecke –
und erntete Beere um Beere.

Hat Bedřich fürwahr in Fünfhunden
ein vierblättrig Kleeblatt gefunden,
so geht er nach Hause
und staunt nach der Pause:
er hat’s an die Geiß angebunden.

Es kaufte sich Tarek in Raida
das Nähgarn nicht mehr bei dem Schneider,
er holte den Faden
im Kurzwarenladen.
Die Nadel war nicht daran. Leider.

Es ließ Alexander in Gesseln
zur Vorsicht sich sehr gründlich fesseln,
um nicht mehr zu rauchen.
Nur passives Schmauchen
geht doch. So sitzt er in den Nesseln.

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In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXIII)

5 10 2019

Marita trompetet in Seleute,
der Nachbar jedoch findet’s blöd.
Fortan muss er warten
auf Schlaf, denn im Garten
hört man sie mit ihrem Getröt.

Maureen putzte ständig in Lubec,
ihr Gatte macht ja immerzu Dreck.
Sie saugte und kehrte,
was ihn meist nicht scherte.
Dann warf sie aus Zorn seine Schuh weg.

Silvain spannte in Fregiécourt
quer über den Weg eine Schnur,
so dass von Besuchen
durch heftiges Fluchen
er meistens recht früh schon erfuhr.

Es sät Nazzareno in Balme
viel Nüsse. Er will eine Palme.
Er kann nichts erreichen,
es wächst nichts dergleichen.
Man sieht allenfalls ein paar Halme.

Es wurde Remigio in Schübelbach
zur Nacht ächzend über dem Kübel wach.
Der Schmerz und die Reue,
sie wuchsen aufs Neue,
schon dachte er über sein Übel nach.

Es kelterte Eugene in China
den eigenen Weißwein. „Ja, meiner
ist doch recht persönlich,
er wirkt ungewöhnlich
und schmeckt fast wie Cola, nur feiner.“

Es rechnete Ueli in Stalden
aus Summen und Debet und Salden,
so türmten Mandanten,
die dies von ihm kannten,
die Bücher zu Bergen und Halden.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXII)

28 09 2019

Stöhnt Nedžad, ein Sträfling in Bleisgau:
„Wenn ich mich schon hier in den Schweiß hau,
so hab ich die Kohlen
noch keinem gestohlen,
geschweige, dass ich im Knast Scheiß bau.“

Laëtitia, die wuchtet in Nsem
oft Stämme. „Je mehr ich die stemm,
sind’s kleine Gewichte,
wenn ich sie aufrichte
und unter die Dachbalken klemm.“

Es putzte sich Rusmin in Auber
die Stiefel nur minimal sauber.
Die Schwester, die putzte
sie, was auch recht nutzte.
Nur er glaubte weiter an Zauber.

Chisamba, ein Zahnarzt in Mwange,
versteckte gewöhnlich die Zange.
Auch ließ er beim Saugen
verbinden die Augen.
So wird’s den Patienten nicht bange.

Es holte sich Dean in Berde
zwei Schafe zur Zucht einer Herde.
Das schien recht zu lahmen,
es waren zwei Damen.
Man weiß nicht, was jetzt daraus werde.

Man wusste, dass Xulhaz aus Sripur
im Leben zuvor noch nie Ski fuhr.
Doch ahnt man, er denke
alpiner Getränke.
Den Rum trank er jedenfalls nie pur.

Brigita eröffnet in Zeppen
ein Nachtlokal eigens für Deppen.
Zwar Karten gibt’s keine,
man zahlt bei ihr Scheine,
gibt sie an, ehrlich zu neppen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLXI)

21 09 2019

Es lehnte sich Zdeněk in Gesen
am Morgen schon oft an den Tresen –
statt Bier aus der Leitung
genießt er die Zeitung,
die kann er woanders nicht lesen.

Harou zieht oft in Issawane
am Haus empor ein Stückchen Fahne,
recht blass und verschlissen.
Man kann nicht recht wissen,
wovon, mehr nicht, dass man’s erahne.

Vít schaufelte in Fünfzighuben
im Wäldchen wohl gut fünfzig Gruben.
Jetzt trabt er am Zügel
wohl auf fünfzig Hügel,
für die sie die Gruben aushuben.

Aß Turgut Gemüse in Ören,
so störten ihn zu viele Möhren.
Für bessere Miene
sorgt die Aubergine –
damit konnte man ihn betören.

Geht Miroslav mal in Groß Gürsch
im Wald mit der Flinte auf Pirsch,
schläft er schon nach Stunden
ein neben den Hunden.
Das stört keinen, nicht mal den Hirsch.

Hat Maliq sich endlich in Dajt
von all seinen Kleidern befreit,
steigt er mit der Kanne
hinein in die Wanne,
wo er dann nach Warmwasser schreit.

Beim Skisport zeigt Jan in Hertine
gewöhnlich recht heitere Miene,
die jodelnd und brüllend
die Bergwände füllend.
Ihn stört nicht mal eine Lawine.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLX)

14 09 2019

Da Bronisław in Maldaneyen
Die Nachbarn den Lärm nicht verzeihen,
beginnt hinter Hecken
sein Haus zu verstecken.
Bis sind jetzt sind es auch schon zehn Reihen.

Kauft Yngve sein Saatgut in Hok,
so passt man genau, wie er wog,
da er stets die Säcke
an irgend ’ner Ecke
recht schnell vom der Waage wegzog.

Es malt sich Lech in Mühlseiffen
gern Muster auf die Fahrradreifen.
Was ihm dann jüngst glückte
und alle entzückte,
sind rot-weiße Kringel und Streifen.

Bernardo, den jagt man in Sort,
da er stets am Büdchen steht, fort,
bevor er dort lauernd
und darauf andauernd
die anderen Kunden anschnorrt.

Es konnte sich Wanda in Prassen
beim Angeln nie recht Ruhe lassen.
Sie zieht ihre Ruten
mit Schwung durch die Fluten
und kann keinen Fisch dadurch fassen.

Lernt Tryggve das Zimmern in Hammerfest,
wobei man ihn nie an den Hammer lässt,
ist dies zwar beschaulich,
doch wenig erbaulich.
Er zieht für den Meister nur Klammern fest.

Sitzt Paweł zur Nacht in Masehnen
am Tisch, muss er jedes Mal gähnen,
die Gattin muss hitzig
mit Inbrunst und spitzig
die alten Geschichten erwähnen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLIX)

7 09 2019

Lässt Petr, ein Mönch in Beskiden,
den Sud in der Braupfanne sieden,
so ist in dem Trunke
ihm göttlicher Funke.
Er hat ja nichts andres hienieden.

Ging Schlomo des Nachts in Kuseife
mitsamt seines Dackels auf Streife,
so wussten die Hunde
recht schnell von der Runde.
Man hörte und roch seine Pfeife.

Es legt Ondřej sich in Dreihacken
den Wollschal gern feucht in den Nacken.
Auch hat er zum Naschen
gern Obst in den Taschen,
und dies sind nur zwei seiner Macken.

Es sorgt Hagos sich in Hargele.
„Was ich bei dem Wetter empfehle,
ist Frischluft durch Fächern
und viel Schnaps zu bechern.
Das schmiert dann vor allem die Kehle.“

Biegt Lubor in Annapolier
sich Draht, spricht er: „Damit verzier
ich Band und Geschirre
magnetisch, verwirre
damit außerdem manches Tier.“

Mbaye kauft in Karang Poste
Besteck so, dass es wenig koste.
Nicht hübsch anzusehen,
darum soll’s nicht gehen:
er will nur, dass es nicht schnell roste.

Jagt František Hasen in Chodenschloß,
wie er sie im Wald jüngst beim Roden schoss,
genügt er mitnichten
des Waidmannes Züchten.
Schon stürzt er schwer über den Bodenspross.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLVIII)

31 08 2019

Es erbte Agnieszka in Pitschen
zwei Häuser. Das waren nur Klitschen,
die sie unter Qualen
durch farbiges Malen
von innen begann zu verkitschen.

Bei Köbi begann in Betschwanden
manch Storch auf dem Häuschen zu landen.
Im Laufe der Jahre
lockt dieses viel Paare,
die Fruchtbarkeit damit verbanden.

Aß Władysławs Sohn in Robitten
zu Mittag, so wollte er Fritten.
Im Falle des Falles
nahm er dazu alles,
um dennoch um Fritten zu bitten.

Es zähmt Martina in Flerden
an Schafen wohl Dutzende Herden.
Die sprangen durchs Gatter,
sind matt und bald matter,
um dadurch recht müde zu werden.

Es pflegt Atanazy in Quehnen
sich oft auf den Esstisch zu lehnen.
Die Gattin bestreut es
mit Mehl. Er bereut es.
Mehr muss man dazu nicht erwähnen.

Fällt Bruno ein Bäumchen in Brail,
so schlägt er dazu einen Keil
wohl tief in die Rinde,
man sagt auch, er binde
sich an ihm fest mit einem Seil.

Kocht Milena sich in Radüe
am Holzofen in aller Frühe
ein Süppchen, sie rührt es
geschwind, dazu führt es,
sie hat mittags erst ihre Brühe.