In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXIX)

22 04 2017

Mathieu klagte: „Wenn ich in Rennes
nach mühvoller Arbeit mal penn,
dann gucken die Damen
im Fernsehen Dramen –
ich wach dann auf vor dem Geflenn!“

Enrico, der plante in Rom
ein neues Konzept für den Strom.
Er schnitzt ganz verträglich
und spaltet dann kläglich
per Hand sich Atom nach Atom.

Der Joschi, der strahlte in Linz
und sagte verbindlich: „Ich bin’s,
recht gut zu erkennen,
stets fröhlich zu nennen.
Ich lutsche stets ein Pfefferminz.“

Da Dragan die Nächte in Split
mit Rauchen und Billard bestritt,
zunehmend auch trinkend
in Schulden versinkend,
kam er in der Schule nicht mit.

Maria verkauft in Venedig
an Bräute recht preiswert und gnädig
die schönsten Toiletten,
die Hochzeit zu retten.
Sie selber indes ist noch ledig.

Chrestien, sagt man, sei in Bordeaux
als Weinhändler gar nicht mal froh.
Er kann hier nichts reißen,
er mag allein Weißen –
doch den findet man anderswo.

Laetitia, die Nonne aus Mailand,
schrieb Bücher, doch nicht um den Heiland,
sie sorgt um Chemie sich.
Ihr Wissen ist riesig,
sie hat ja studiert dies Fach weiland.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXVIII)

15 04 2017

Wenn Zdzisław beim Training in Mantel
Gewicht vermisst samt der Hantel,
dann kommt es wie immer
meist harmlos, oft schlimmer
zu Wutanfall, Zorn und Gegrantel.

Jean-Paul kocht für Gäste in Y.
Den wahren Geschmack trifft er nie,
sie finden es salzig,
zu fade und schmalzig.
Sie sind halt aus der Normandie.

Es ärgert Marie in Neuwedel
beim Nähen das trotzige Mädel.
„Sie ist bei den Stichen
recht langsam, verglichen,
und will auch noch, dass ich einfädel!“

Umberto, der wusch sich in Nals
die Ohren, jedoch nie den Hals.
Die Sorge, sie packte
ihn, dass es dort knackte
beim Wenden. Das ging keinesfalls.

Für Paweł, den Müller in Sager,
war nichts so schön wie seine Lager.
Hier schaufelt das Korn er
von hinten nach vorn her
und züchtet sich Katzen und Nager.

Es wühlt Léon in Liedekerke
sich durch die gesammelten Werke
von Friedrich von Schiller,
wird stiller und stiller –
die Klassik ist nicht seine Stärke.

Weil Bogdan sich wundert in Mehlsack,
sagt er: „Wohin ich auch das Mehl pack,
es ist immer fort, wenn
ich’s suche – auf Wort, denn
man weiß, dass ich nie ohne Mehl back.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXVII)

8 04 2017

Virginia verkauft in Van Buren
manch billigen Schmuck sowie Uhren,
was oft dazu führte,
dass sie importierte.
Die Kunden (zum Glück) nichts erfuhren.

Wenn Remo samt Brüdern in Olten
am Spielfeldrand stand, wo sie schmollten,
dann waren sie leidlich
zufrieden. Vermeidlich
sind Spieler, die am Boden rollten.

Es schneiderte Brooke sich in Oden
ein Kleid sowie sämtliche Moden
aus süddeutschen Stoffen.
Sie war auch recht offen
für Dirndl, zum Beispiel aus Loden.

Abdoulie, empört in Kerr Batch,
sieht Freilufttheater im Matsch.
„Beim Preis dieser Karten
soll keiner erwarten,
dass ich nach der Vorstellung klatsch!“

Dass Dick sich, sobald in Fort Kent
am helllichten Tage es brennt,
des Löschers bemannte
und schnell dorthin rannte,
erklärt, dass ihn jeder dort kennt.

Voll Zorn fragt sich Brahim in Tamasint:
„Wer weiß, wo ich heute ein Lama find?“
Zumal ihm bewusst war,
trotz großem Verlust ja,
dass diese anscheinend sein Karma sind.

Zu Denzel in Oliver Springs
sprach Kellner Joe: „Dieses Bier, bring’s
dem Gast an den Tisch. Dann
trinkt er’s, weil es frisch, wann
er’s nicht mehr will, nimm es. Und trink’s.“





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXVI)

1 04 2017

Recht oft buk sich Sándor in Jood
mit dem, was noch da war, sein Brot.
Bald sind die Vorräte
nur Mehl, Hefe, Bete –
es ging, doch der Laib wurde rot.

Norberto in Villa Gesell
fand morgens am Zaun etwas Fell.
Ein Fuchs war’s nicht, eher
ein Hund. Sah man’s näher,
erkennt man den Nerzmantel schnell.

Es kaufte sich Gábor in Gieck
ein Bett. „Wenn ich jetzt darin lieg,
werd ich schnell verdächtigt,
von dem, der nicht nächtigt,
dass ich mich beim Liegen verbieg.“

Gonçalo kauft ein in Alhais.
Sehr günstig erschien ihm der Preis
am Großmarkt. So kauft er,
die Haare dann rauft er.
Was soll er mit zehn Tonnen Reis?

Wenn Kálmán zur Fasnacht in Doone
als König ging, trug er stets Krone.
Jetzt fand er das Ding nicht.
Entweder er ging nicht –
das ging nicht – so ging er halt ohne.

Man wusste, wenn Åskjell in Horten
im Laden mit fünferlei Torten
den Sonntag verbrachte
und kaum Werbung machte,
verkaufte er dreierlei Sorten.

Dass György auf dem Jahrmarkt in Gant
am Fruchtsaft- und Eiswasserstand
zwar kräftig ausschenkte,
doch pleite ging, lenkte
sein Denken auf eins: Gläserpfand.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXV)

25 03 2017

Es fragt sich Suzanna in Heidenstein
als Ärztin: was mag wohl das Leiden sein,
wenn zwei ohne Sorgen
verschlafen am Morgen?
Gespannt rief sie zu sich die beiden rein.

Jacobus, der roch oft in Gieten,
wie Nachbarn am Spieß Ferkel brieten.
Er grübelte ständig
und dachte inwendig:
muss man den Balkon dazu mieten?

Da Włodzimierz’ Bus in Kosmeden
zerkratzt ist, will er jene Schäden
ex post noch versichern.
Er hört nur ein Kichern,
der Außendienst will nicht mal reden.

Der Joschi, der stellt oft in Greith
die Uhr ein nach der Fernsehzeit.
Oft merkt er nach Stunden:
ihm fehlen Sekunden.
Das führt selbstverständlich zu Leid.

Dass Leszek beim Kegeln in Hütte
noch übte, führt ihn zu der Bitte,
zwei Flaschen mit Hellen
am Ziel aufzustellen.
Er traf automatisch die Mitte.

Dass Oorlagh sich in Enniskillen
bei Nacht wachhielt, lag nicht an Pillen.
Sie liest nicht, noch strickt sie,
und keinen erschrickt sie.
Sie tat es rein durch ihren Willen.

Für Myra wird’s teuer in Kutzen.
Oft wirft sie herunter beim Putzen
die Vasen und Schalen.
Sie kann das bezahlen,
doch hat sie mehr Kosten als Nutzen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXIV)

18 03 2017

Es pinselte Josef in Laun
recht missmutig den Gartenzaun.
Nach langen Debatten,
da wurden die Latten
auch diesmal nicht bunt, sondern braun.

Wenn Cyril beim Schnüren in Chester
das Mieder einzwängte der Schwester,
da sie das ja bräuchte,
hört er, wie sie keuchte
und stöhnte: „Nur noch etwas fester!“

Ach, Drahomír stöhnte in Meeden:
„Im Supermarkt fragen sie jeden,
woher er sein Geld nimmt.
Wenn hier mein Verdacht stimmt,
will man mich zum Raub überreden.“

Es fragte sich Harry in Dettah:
wer sorgte im Winter für Retter?
Ihn packte ein leises
Verwirrn ob des Eises:
wer dort geht, wird zusehends fetter.

Wenn’s schneite, streut Zdeněk in Litten
jetzt gar nicht. Die Skifahrer glitten
wohl auch durch Alleen,
man sah sie dort stehen,
wo anderntags Kinder fuhrn Schlitten.

Albert fragt man, ob in Sept-Îles
gerudert wird. Dies war sein Ziel,
doch statt selbst zu rudern,
mit Sorgfalt statt Schludern
feilt er sein Boot ständig am Kiel.

Dass Vojtěch sich heimlich in Pratzen
zwei Bären hielt, die mit den Tatzen
trotz sorgsamer Führung
bei kleinster Berührung
ihm drohten, sah man am Zerkratzen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXXXIII)

11 03 2017

Da Grzegorz viel Geld in Willkassen
im Lotto gewann, wollt er prassen.
Er kauft leer die Läden,
der Mangel traf jeden.
Man fing an, ihn deshalb zu hassen.

Es steht Matjaž schwitzend in Ples
und brüllt: „Wenn ich dieses Stück fräs,
das dort schon zu Ende,
fürcht ich um die Hände!“
Der Meister schreit heiser: „Ich seh’s!“

Wenn Jarosław schlummert in Barm,
hängt aus dem Bett stets ihm ein Arm.
Sobald es piekt, wacht er,
verschläft keine Nacht er.
Das ist für ihn wie ein Alarm.

Es fischte Guillaume oft in Laeken
nach Wassergetier, etwa: Kraken,
doch war er alleine
oft bang ob der Beine.
Er ließ sie dann meist auf dem Haken.

Dass Mieszko sein Handwerk in Finken
schnell aufgab, schien leidvoll zu winken.
Doch statt vieler Geigen,
die nach Jahren zeigen,
hängt jetzt ihm der Himmel voll Schinken.

Ernesto, der floh in Boane
als Jüngling gar schnell vor der Fahne.
„Man hat“, sprach er später,
„als Friedensvertreter
mehr Einfluss. Das war’s, was ich plane.“

Wenn Jerzy im Wald in Tartarren
den Müll vergrub, fuhr er den Karren
bis ganz an die Felder.
Das schone die Wälder,
denkt er, und fuhr fort beim Verscharren.